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Balkan und Umgebung

 

198 (2017-05-20) Peter Wolf vom Balaton

Rádpuszta-Csárda

in Balatonlelle

Gastronomie mit Erlebnischarakter 

 

Mitte Mai und bei Temperaturen bis zu 25 Grad erwacht das Leben am Balaton aus dem Winterschlaf. Erste Touristen wagen sich in die pittoresken Ortschaften rund um Ungarns liebsten Binnensee, Übermütige wagen gar einen ersten beherzten Sprung ins Wasser. Neben Tihany und Siófok gehören Balatonboglár und das benachbarte Balatonlelle zu empfehlenswerten Ausflugszielen am Plattensee. Wer Balatonlelle besucht, sollte sich einen Abstecher in die Rádpuszta-Csárda nicht entgehen lassen.

 

Zu finden ist die traditionelle Csár­da nur wenige Kilometer vom Ba­latonufer entfernt inmitten herr­licher Weinberge. Das schilfgedeckte Gebäude des volkstümlichen Gasthofes mit seinem hellen Innenhof ist Teil des Erlebnisparks Rádpuszta. Dieser um­fasst neben der Csárda auch eine Pen­sion, eine Freizeitanlage mit Abenteuer­spielplatz, eine Bogenschießanlage und einen Streichelzoo sowie einen gut aus­gestatteten Reiterhof und bietet allerlei Programm für Jung und Alt.

 

Rustikal und unvergesslich


Doch auch der Besuch der Csárda selbst hat Erlebnischarakter: So wird man etwa schon kurz hinter dem Ein­gang von einer traditionellen „Zigeu­nerkapelle“ begrüßt, die fröhlich zum Csárdás aufspielt und eine Atmosphäre schafft, die es den Besucher erlaubt, so­fort in die volkstümliche Welt des 1998 eröffneten Gasthofes einzutauchen. Zu entdecken gibt es viel: von überall prä­senten folkloristischen Schnitzereien über Kessel und Weinfässer, die zur Deko umfunktioniert wurden, bis hin zur rustikalen Einrichtung der Innen­räume, die es mit gusseisernen Öfen und gemauerten Kaminen der Rádpus­zta-Csárda erlaubt, auch den Winter hindurch geöffnet zu bleiben.

Doch auch dem Innenhof mit seinen Holzbänken und dem vielen Grün fehlt es nicht an Charme. Zudem findet sich hier eine weitere Sehenswürdigkeit der Csárda: die drei großen Steinöfen. Dort schmoren die Spezialitäten des Hauses, wie Spanferkel, Entenkeulen, geräucherte Schweinshaxen und En­tenbraten, im eigenen Saft. Schon kurz vor 5 Uhr am Morgen müssen sie täg­lich mit dicken Scheiten Akazienholz befeuert werden und ab 9 Uhr braten die ersten Köstlichkeiten in ihrem In­neren und verbreiten einen verführeri­schen Duft, der einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. 

 

Neben den Gerichten aus dem Steino­fen stehen viele weitere traditionelle ungarische Speisen auf dem Menü der Rádpuszta-Csárda: Angefangen beim Klassiker der ungarischen Küche, der Gulaschsuppe, über Letscho, Krautrou­laden, Entenleber und Hirschgulasch bis hin zu Quarknudeln mit Schmand und Speckgrieben. Die Portionen sind groß, dekorativ angerichtet und gut ge­würzt – eben Hausmannskost, die gar nicht enttäuschen kann. 

 

Keller der ungarischen Weine

 

Eine besondere Sehenswürdigkeit für Weinconnoisseure und all jene, die es noch werden wollen, dürfte wohl der Anfang 2014 nach längeren Re­novierungsarbeiten wiedereröffnete Weinkeller sein, der sich in drei bis vier Meter Tiefe unter dem Gasthof er­streckt. Auf über 500 Quadratmetern kann man hier nicht nur Wissenswer­tes über alle 22 Weinregionen Ungarns erfahren, sondern auch in die Welt der ungarischen Pálinka eintauchen. Na­türlich sollte bei der Gelegenheit auch eine Kostprobe der edlen Tropfen auf dem Programm stehen: Egal, ob für eine Einzelperson oder für eine größere Gruppe, die Rádpuszta bietet Verkos­tungspakete an, die neben Weinen un­terschiedlicher Regionen auf Wunsch auch Käse aus lokaler Produktion, feinsten Schinken oder andere leckere Happen enthält. Entworfen wurde der angeblich schon über 180 Jahre alte Weinkeller, der vor allem durch die mannshohen zu Ausstellungskästen umfunktionierten Weinfässer beein­druckt, vom Budapester Architekten Gábor Szabó. Ein besonderes Sch­mankerl für Stammgäste: Für 80.000 Forint im Jahr kann man hier seinen eigenen Weinsafe mieten. Dieser wird entweder mit Weinen aus dem Ange­bot der Rádpuszta gefüllt (im Wert des Mietpreises) oder kann mit den per­sönlichen Lieblingsweinen und Spiri­tuosen bestückt werden. Sicherlich ein Weg, um Gäste und Geschäftspartner zu beeindrucken.

Fazit


Wer es rustikal mag, für Folklore offen ist und die Romantik der Puszta am ei­genen Leib erleben möchte, für den hält die Rádpuszta-Csárda ein unvergessli­ches Erlebnis bereit. Dabei ist egal, ob man allein, zu zweit oder gleich mit der ganzen Großfamilie anreist. Wer einen Ausflug in die Gegend um Balatonlelle plant und nicht unbedingt in unmittel­barer Nähe des lärmigen Badestrandes übernachten möchte, der sollte auch ei­nen Blick auf das Angebot der Rádpus­zta-Pension werfen. Der Erlebnispark bietet für Gruppen ab 10 Personen sogar einen Transferdienst an, der Gäste im Minizug in der Umgebung abholt und zum Gasthof bringt.

P.W.

 

197 (2017-05-20) Pressemitteilung

Keine Aufnahme

von Flüchtlingen

Tschechien unbeeindruckt

von EU-Sanktionen

 

Prag könnte Strafzahlungen in Millionenhöhe präsentiert bekommen


Und zeigt sich davon völlig unbeeindruckt. Am EU-System zur Verteilung von Flüchtlingen will sich Prag nicht beteiligen.

 

Tschechien zeigt sich in der Flüchtlingspolitik unbeeindruckt von möglichen Sanktionen. Die EU-Kommission hatte Länder, die sich nicht am Umverteilungsprogramm beteiligen, mit rechtlichen Schritten gedroht.

Unsere Vision ist schlicht und einfach nicht, dass Flüchtlinge nach Tschechien kommen, und das vor allem aus Sicherheitsgründen“, sagte Innenminister Milan Chovanec am vor Beginn des EU-Innenrats in Brüssel.

Prag rechnet nach Angaben des Sozialdemokraten mit einer Strafzahlung bis zu Dutzenden Millionen Euro, falls das Land eine etwaige Klage der EU-Kommission vor dem EU-Gerichtshof verlieren sollte. „Dieses System der verpflichtenden Quoten funktioniert nicht und es wird nicht funktionieren“, sagte Chovanec. Er forderte eine Hinwendung zum Konzept der sogenannten „effektiven Solidarität“, nach dem einzelne Länder sich anderweitig engagieren können.

 

Er kritisierte zudem, dass sein Land an den Pranger gestellt wird. „Wir spielen ein Spiel darum, wer 20 Menschen aufnimmt und wer 12 – derjenige, der 20 aufnimmt, ist der Gute, und derjenige, der (wie Tschechien) 12 aufnimmt, der Böse“, bemängelte Chovanec. Er werde weiter auf gründlichen Sicherheitschecks aller Umsiedlungskandidaten bestehen.

 

In der Praxis hat Tschechien seit August keine Flüchtlinge mehr aus dem Programm aufgenommen

 

Dabei entfallen auf das Land knapp 1600 der 120.000 Flüchtlinge.

Die EU-Kommission will im Juni über den Umgang mit Staaten entscheiden, die sich nicht an der Verteilung von Flüchtlingen in Europa beteiligen. Ungarn, Polen und Tschechien könnte sie dann Vertragsverletzungsverfahren in Aussicht stellen, die zu Geldbußen führen können.

Die Entscheidung über konkrete EU-Verfahren kann frühestens im September fallen, wenn eine Zwei-Jahres-Frist zur Verteilung von bis zu 160.000 Flüchtlingen innerhalb Europas abläuft.

„Ich fordere Polen und Ungarn – die bislang keinen einzigen schutzbedürftigen Flüchtling umgesiedelt haben – auf, jetzt sofort damit anzufangen“, sagte EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos am Dienstag in Straßburg.

 

Das hat Österreich zwar auch nicht getan

 

Wien hat allerdings zuletzt Zusagen zur Übernahme von 50 Migranten aus Italien gemacht, wie die EU-Kommission erklärte.

Polen und die Slowakei sollten „mehr Flexibilität in Bezug auf ihre Präferenzen zeigen“, verlangte die EU-Kommission in einer Mittelung. Bulgarien sträube sich gegen die Aufnahme von Eritreern, heißt es im Bericht der Brüsseler Behörde. Die Slowakei wiederum nehme nur alleinstehende Frauen mit Kindern auf und Personen mit Reisedokumenten, „was es Italien nahezu unmöglich macht, Bewerber zu finden, die diesen Vorlieben entsprechen“.

Bernard Priecel, der Leiter der slowakischen Immigrationsbehörde, sagte der Deutschen Presse-Agentur zu Migranten aus Griechenland: „Wir haben die Anforderung gestellt, dass es sich um Frauen mit Kindern handeln soll, denn das ist die am stärksten bedrohte Gruppe.“

 

Die Bemühungen zur Entlastung von Italien und Griechenland kommen immer langsamer voran als geplant

 

Nach jüngsten Zahlen wurden 18.418 Migranten aus den beiden Ländern umgesiedelt. In Griechenland warten noch 12.400 Menschen auf die Weiterreise. In Italien sind dafür 2500 Personen vorgesehen. Mehr als 1800 weitere Menschen kommen dort für das Programm in Betracht.

Nach Ablauf der September-Frist wird auch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Flüchtlingsverteilung erwartet. Ungarn und die Slowakei hatten dagegen geklagt. (dpa/so)

 

Epoch Times18. May 2017

 

196 (2017-05-19) Siegfried Thiel aus Bukarest/ADZ

König Hagi!

Viitorul ist acht Jahre nach Vereinsgründung erstmals Fußballmeister

Es ist nun wieder einmal ein typisch rumänischer Modus, in dem die Saison im Fußball-Oberhaus zu Ende geht. Die Meisterfrage wurde zwar auf dem Spielplatz im Fernduell zwischen dem FC Viitorul und Steaua Bukarest geklärt, doch nun beanstanden letztere, dass bei Punktgleichheit nicht nur die direkten Spiele aus der Play-Off-Runde gelten, sondern auch die Resultate aus der regulären Saison. In diesem Fall wäre Steaua Meister. Im vergangenen Jahr wurden, laut rumänischen Medien, Platzierungen bloß nach den Resultaten aus dem zweiten Teil der Meisterschaft entschieden.

Auf dem Platz stand am Samstagabend eine hochmotivierte Mannschaft von Steaua Bukarest, die bereits zur Pause alles für die Meisterfeier klar machte: 3:0 führte sie gegen eine streckenweise passive CSU Craiova, während der FC Viitorul nur mühsam gegen eine beherzt aufspielende CFR Klausenburg den Rückstand verhindern konnte. Doch dann kam die 65. Spielminute, in der künftige und ehemalige Steaua-Spieler über den Erfolg des FC Viitorul entscheiden sollten. Der Klausenburger Spieler Larie, der kommende Saison zu Steaua wechselt, beging ein Foul im eigenen Strafraum und der Ex-Steaua-Kicker Gabriel Iancu erzielte den einzigen Treffer des FC Viitorul, um erstmalig in der Geschichte des Vereins Meister zu werden. 

Noch nie hat in Europa ein Verein es geschafft, acht Jahre nach seiner Gründung den nationalen Titel zu holen, und auch für Hagi war es neue Premiere: Als Trainer hat er sich noch nie mit Meisterehren schmücken können. Auch die dritte Partie der Play-Off-Runde hatte ihren Fokus auf den Titel gerichtet, denn Dinamo hätte bei einem eigenen Sieg und bei Ausrutschern der beiden punktgleichen Erstplazierten unter Umständen ebenfalls den Titel holen können. Astra Giurgiu trotzte Dinamo jedoch einen Punkt in deren Stadion ab und so mussten sich die Dinamos mit dem letzten Podiumsplatz begnügen.

 

In der Play-Out-Runde kam die in drei Wettbewerben auftretende und überbelastete ACS Poli Temeswar (23 Punkte) nicht über ein 1:1 gegen CSM Jassy hinaus. Die Abstiegssorgen der Banater bleiben akut, auch weil die Mannschaft schon ein Spiel mehr als Chiajna (23) und zwei Spiele mehr als Târgu Jiu (17) bestritten hat.

 

195 (2017-05-13) Andreas Ernst aus Belgrad

George Soros

und der Balkan

Die flexiblen Sorositen

und ihre Feinde

 

Mehr als gesellschaftlichen Wandel hat Soros auf dem Balkan Karrieren gefördert. Nun kommt das Netzwerk, das er aufgebaut hat, immer mehr unter Druck.

 

Was die Gründer der OSI teilten, waren die Ablehnung von Nationalismus und der Glaube an Menschenrechte und Toleranz. Dagegen hatte sich bei den meisten der Jugoslawismus und Antikapitalismus der früheren Jahre verflüchtigt. Sie schufen ein Netzwerk, das die Kriege überdauerte und «Inseln der Freiheit und des Widerstandes» bildete, wie es der Zagreber Soziologe Paul Stubbs ausdrückt. In Kroatien und Serbien wurden die Soros-Leute von den nationalistischen Regimen angegriffen und als Verräter und bezahlte fünfte Kolonne verunglimpft.


Mazedonien konnte sich aus dem Krieg heraushalten. «Soros setzte auf unser Land. Es sollte das Vorbild einer funktionierenden, multiethnischen Demokratie auf dem Balkan werden.» Noch vor dem Währungsfonds stellte er dem Land Millionenkredite zur Verfügung, damit Treibstoff und Medikamente importiert werden könnten, nachdem Griechenland seinen Nachbarn 1994 mit einem Embargo belegt hatte. «Wir erhielten Geld, um freie Medien zu gründen. Und wir stellten Bildungsprogramme auf, um die Roma im Land zu fördern.» In einer Zeit, da Mazedonien kaum Freunde hatte, so Milcin, habe Soros geholfen.

 

Garanten der Freiheit


Seither sind unzählige NGO als «Spinofovi» (Spin-offs) aus den Soros-Programmen zur Belebung der Zivilgesellschaft hervorgegangen. Von ihnen sind heute etwa dreissig noch aktiv. Es war nie ein Geheimnis, dass ihr Personal dem autoritären System Gruevski, welches das Land zehn Jahre lang kontrollierte, ablehnend gegenüberstand. Diese Organisationen, so Milcin, hielten die letzten freien Räume offen: Treffpunkte, Internetforen und Protestversammlungen. «Sie sind es, die Rechenschaft einfordern von den Mächtigen.»


Aber sind diese NGO auch Teil des gesellschaftlichen Wandels? Sind sie die Kerne einer Bürgerbewegung, als die sie sich sehen? Milcin räumt ein, dass viele der fähigsten Aktivisten in den vergangenen fünfzehn Jahren dem Land den Rücken gekehrt hätten. «Sie sind in Kanada, Österreich oder Deutschland.» Und mit ihnen verschwanden die Fähigkeiten, die sie im «Soros-System» erworben hatten: Managementqualifikationen, Sprachkenntnisse, Verhandlungsgeschick. Nicht zuletzt die Central European University, Soros' Universität in Budapest, wurde für viele zum Sprungbrett für eine Karriere in internationalen Organisationen, Think-Tanks oder im akademischen Bereich. Andere wechselten in die Politik ihrer Heimatländer. Auch der mazedonische Präsident Ivanov, heute ein erklärter Gegner der Sorositen, durchlief das System.


Die Central European University, Soros' Universität in Budapest, wurde für viele zum Sprungbrett für ihre Karriere


Doch nicht nur das Engagement in den Soros-Institutionen hat viele berufliche Laufbahnen geprägt. Heute eröffnen sich auch im Kampf gegen Soros Karrierechancen. Cvetin Cilimanov, ein knapp 40-jähriger Journalist und Übersetzer, steht an der Spitze der Bewegung Stop Operation Soros, die sich mit Unterstützung der Regierung dem Kampf gegen die «linke Unterwanderung» widmet. Cilimanov entstammt einer traditionell antikommunistischen Familie in Skopje und bezeichnet sich als konservativ, aber nicht nationalistisch.


Bevor er 2012 von der staatlichen Medienagentur als Korrespondent nach Washington entsandt wurde, arbeitete er als Berater von Präsident Ivanov. In den USA knüpfte er Kontakte zur konservativen Heritage Foundation, rechtskonservativem Kongressabgeordneten und anderen Gegnern von Soros. «So wie es das internationale Netz der Sorositen gibt, existiert heute eine Internationale ihrer Gegner», sagt Cilimanov. Sie wehre sich dagegen, dass die linke Agenda der Sorositen von willfährigen amerikanischen Botschaftern mit Steuergeld umgesetzt werde. Die staatliche Hilfsagentur USAID ist ein beliebtes Ziel der Anti-Soros-Lobby.


 

Zu den Gegnern des Soros-Systems, so Cilimanov, gehörten auch Verbündete in den Visegrad-Staaten. «Wenn die deutsche oder die niederländische Botschaft in Skopje behauptet, sie vertrete die Position der EU, ist das eine Lüge. Es gibt keine EU-Position, wenn es um die Offenheit der Grenzen oder die Schwulenehe geht.» Cilimanov versteht sich als Streiter in einem Kulturkampf. Dank internationaler Vernetzung und Sprachkenntnissen kann er ihn dies- oder jenseits des Atlantiks führen, je nachdem, wo sein Einsatz gefragt ist.


Umstrittene «NGO-Kultur»


Seit der demokratische Aufbruch in den Ländern des westlichen Balkans vorerst gescheitert ist und sich vielerorts autoritäre Regime eingenistet haben, wird Soros auch von links kritisiert. Intellektuelle wie Igor Stiks oder Srecko Horvat anerkennen, dass die philanthropisch inspirierten Programme das Los von Minderheiten da und dort verbesserten. Auch der Kampf für interethnische Toleranz sei ehrenwert. Bei alldem werde aber die Ursache des Malaises ignoriert: der ungezügelte Kapitalismus, der sich mit den Autokraten zu einem ausbeuterischen System verbündet habe. Auch der Anspruch der NGO-Szene, die Bürgergesellschaft zu repräsentieren, wird bestritten. In Wirklichkeit würden sowohl die Probleme als auch die Lösungswege von den internationalen Geldgebern definiert und von lokalen Angestellten lediglich umgesetzt. Im schlimmsten Fall lähme die «NGO-Kultur» sogar die Bildung zivilgesellschaftlicher Bewegungen.


Mit dieser Kritik kann Uranija Pirovska, die Direktorin des von Soros unterstützten Helsinki-Komitees in Skopje, nichts anfangen. «Wir leben in einem Staat, der die Menschenrechte mit Füssen trampelt.» Das Komitee sei das einzige, das die Opfer juristisch und mit öffentlichen Kampagnen verteidige. «Dass wir seit Monaten dauernd die Finanzinspektion im Haus haben, zeigt doch, dass wir effektiv sind. Die Mächtigen fürchten uns.»

 

NZZ - 12.5.2017

 

Andreas Ernst (* 1960 in Zürich) ist ein schweizerischer Journalist und Historiker. Er ist Experte für die neuere Geschichte Südosteuropas. 1999 ging er als Mitarbeiter, ab 2001 als Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung und der NZZ am Sonntag zusammen mit seiner Familie nach Skopje. Seit 2002 ist er Südosteuropa-Korrespondent der Zeitung mit Sitz in Belgrad.

 

 

194 (2017-05-09) Ralf Sudrigian aus Brașov/ADZ

Der lange Weg von

der Diskriminierung

zur Eingliederung

Im Roma-Viertel Gârcini in Săcele

soll eine Volkszählung stattfinden

Die offiziellen Zahlen der letzten Volkszählung in Rumänien von 2011 mit Bezug auf die Roma-Bevölkerung werfen einige Fragezeichen auf. 619.007 Personen bekannten sich damals, Rom zu sein. Somit ist diese ethnische Minderheit, nach den Ungarn, die zweitgrößte. Fachleute, Politiker und Vertreter der Roma selber gehen aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Roma weit höher ist. Sie könnte zwischen 1,5 und 2 Millionen liegen, sodass diese Minderheit an die zehn Prozent der Landesbevölkerung stellt. Im Stadtviertel Gârcini des Munizipiums Săcele, eine der landesweit größten Ballungen mit einer kompakten Roma-Bevölkerung, sollen, nach Angaben des Bürgermeisteramtes, rund 10.000 Roma leben.

 

Laut Volkszählung von 2011 sind es aber nur 328. Nun will die Stadtverwaltung von Săcele in den nächsten Monaten eine zusätzliche Volkszählung in Auftrag geben. Das gehört zu einem Maßnahmenprogramm, um die Probleme vor Ort genau zu benennen und nach Lösungen zu suchen. Die Lebensumstände und die Schwierigkeiten der Roma sind aber in Săcele dieselben wie in ganz Rumänien. Und diese sind bereits europaweit bekannt. Eine Diskriminierung der Roma gibt keine Behörde zu. Auf dem Papier existiert diese auch nicht. Es ist eher ein Problem der Einstellung, der Tatsachen vor Ort. Und manchmal kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen aufgrund spontaner Konflikte, wie das zuletzt vor einigen Wochen in Gheorgheni (Kreis Harghita) geschehen sein soll.

 

Wenn es zu der angekündigten Volkszählung in Săcele tatsächlich kommen sollte, muss die Stadtverwaltung im Vorfeld eine umfangreiche und überzeugende Informationsarbeit leisten. Denn niemand kann gezwungen werden, sich zu der einen oder anderen Ethnie zu bekennen. Das ist eine freiwillige Entscheidung, die auch verweigert werden kann. Dass viele Roma zögern, sich als solche zu bezeichnen, hat vielfache Gründe: Viele fürchten als Roma gewissen Benachteiligungen ausgesetzt zu werden; andere sprechen nicht Romanes als Muttersprache und kennen ihre eigenen Traditionen nicht, so dass sie sich eher als Rumänen, Ungarn oder Türken ansehen. Oder, auch das kommt vor, sie können sich nicht ausweisen, weil sie keine amtlichen Dokumente besitzen – folglich werden sie in einer Volkszählung auch nicht erfasst. 

 

Wenn Gârcini in den Unterlagen mit der tatsächlichen Roma-Bevölkerung geführt wird, dann können leichter und mit der notwendigen Begründung Anträge zur Förderung einschließlich aus EU-Mitteln gestellt werden. Eine lokale Aktionsgruppe wurde unlängst gegründet, als Anlaufstelle für die Zusammenarbeit mit den Behörden. Wenn die klappt, gebe es Aussichten, dass die 1500 Roma-Schüler auch in einer zweiten Schule lernen können. 

 

193 (2017-05-04) Nina May aus Bukarest/ADZ

Deutsche Sprachräume

im Wandel der Zeiten

Von der nationalistisch

inspirierten Standardsprache

zu staatsungebundenen sprachlichen Raummustern

 

Unsere Sprache lebt. Doch was lebt, entwickelt sich weiter, passt sich an neue Bedürfnisse, an neue Lebensräume an. Man kennt dies aus dem rumänischen Alltag: Auch wenn wir in der Redaktion Deutsch miteinander sprechen, kann es vorkommen, dass auf einmal ein rumänisches Wort eingeflochten wird – das niemand korrigiert, weil es im Deutschen keinen wirklich treffenden Begriff dafür gibt oder weil es jeder versteht. Manchmal wird das Wort ein wenig eingedeutscht – ein „kompensiertes“ Medikament statt „compensat“ – oder zumindest deutsch ausgesprochen. Das Beispiel soll vor Augen führen, wie ein Wandel von Sprache in Abhängigkeit ihres Lebensraums vonstatten gehen kann.

 

Dass sich selbst die deutsche Hochsprache wandelt, welche Varianten heute bekannt sind – und dass wir uns in Rumänien einer eigenen deutschen Sprachvariante rühmen dürfen, erläutert der Philologe Prof. Dr. Hermann Scheuringer, Sprachwissenschaftler an der Universität Regensburg, der im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25. Jubiläum der Österreich-Bibliothek am 31. März einen Gastvortrag in der Bukarester Zentralbibliothek „Carol I“ hielt.

 

Was ist überhaupt „D/deutsch“?

 

Weil es unabhängig vom Dialekt tatsächlich Varianten im Hochdeutschen gibt – z. B. im österreichischen, schweizerischen, südtirolerischen, liechtensteinischen, luxemburgischen, ostbelgischen oder Deutsch in Rumänien, ja sogar innerhalb der Bundesrepublik von Nord nach Süd, in Bayern oder im Raum der ehemaligen DDR – wird oft großer Wert auf das Adjektiv „deutschsprachig“ anstelle von „deutsch“ gelegt. Einerseits, um dieser Diversität Rechnung zu tragen, aber auch, um die Sprache von der Landesbezeichnung zu trennen. Vor etwa 1000 Jahren beschrieb „D/deutsch“ eine Volkszugehörigkeit zur Unterscheidung vom Lateinischen, keine Sprach- oder Landesbezeichnung, wie der Vortragende erklärt. Heute hingegen ist das Wort „D/deutsch“ von dem versuchten Kampf geprägt, Sprache und Staatsgebiet in Übereinstimmung zu bringen und eine einheitliche „Standardsprache“ zu definieren.

 

Die Koexistenz paralleler „Standarde“ – im englischen Sprachraum, wo es nie Diskussionen über den vergleichenden Wert des britischen, kanadischen oder amerikanischen Englisch gab, eine Selbstverständlichkeit – schien deutschen Wissenschaftlern undenkbar. Im 19. Jahrhundert geriet die deutsche Rechtschreibung dann in die Idealisierung des Nationalstaates hinein, erklärt Scheuringer. 1876 gab es eine orthografische Konferenz in Berlin, vom preußischen Kultusminister Adalbert Falk einberufen, um eine einheitliche Rechtschreibung im Zweiten Deutschen Reich – gemeint ist das deutsche Kaiserreich von 1871 bis 1918, das nicht mehr römisches genannt wurde – herzustellen. Die Konferenz galt zwar als gescheitert, weil die Basis der Diskussion – ein Entwurf des Germanisten Rudolf von Raumer – wegen der als zu weitgehend kritisierten Änderungen nicht umgesetzt wurde. Dennoch gab im Zweiten Reich Preußen den Ton an und fixierte eine Rechtschreibnorm, die, wie Scheuringer es ausdrückt, „die Leute jahrhundertelang in ihrer Erhöhung plagte.“

 

Diversifizierung des deutschen Sprachraums

 

Erste Schrammen erhielt das sprachliche Einheitsgebäude nach dem Zweiten Weltkrieg: Die deutsche Schweiz und Österreich, die beide beim Nazismus „nicht dabei gewesen sein wollten“, so Scheuringer, begannen sich abzugrenzen durch Besinnung auf „identitätsstiftenden Dialektgebrauch“. Erstes offizielles Machwerk dieses Rückzugs seitens Österreich ist ein 1938 verfasstes, 1948 veröffentlichtes Buch über die Sprache des Österreichers. 1949, nach der Teilung Deutschlands, nahm auch die DDR eine staatspolitische Haltung zur Hervorkehrung einer eigenen deutschen Hochsprache ein. In den 1970er Jahren erlebte die Sprache dann eine Renaissance des Regionalen: „Weg mit den alten Zöpfen“, hieß es – gemeint war damit die Idee einer monozentrischen, einheitlichen Hochsprache. Neue Zauberwörter der Variationslinguistik wurden „plurizentrisch“ und „pluriarial“. Letzteres sollte andeuten, dass es staatsungebundene sprachliche Raummuster gibt. Das größte umfasst den gesamten deutschsprachigen Raum. „In diesem herrscht zu 95 bis 99 Prozent Übereinstimmung hinsichtlich der Wörter, Aussprache und Grammatik. Den Rest brauchen wir, um zu sagen, wir sind nicht die Gesamtmasse“, unkt der Philologe.

 

Nur schlimmste politische Verrenkungen können aus einer Sprache mehrere machen“, fügt er an. Beispiele sind etwa Rumänisch und Moldawisch oder die aus politischen Gründen nach dem Zerfall Jugoslawiens entstandenen Sprachen Serbisch, Kroatisch, Montenegrinisch und Bosnisch, die demselben Sprachsystem angehören. Sprachräume innerhalb des deutschen Gesamtraums sind etwa Norddeutsch und Süddeutsch mit hochsprachlichen Unterschieden in der Verwendung gewisser Wörter: etwa Junge statt Bub oder Sonnabend statt Samstag. Der österreichisch-bayrische Sprachraum grenzt sich durch die gemeinsame Verwendung des Wörtchens „heuer“ statt „dieses Jahr“ vom übrigen Deutschen ab. Auch diesen Raum kennzeichnet eine weitere Spaltung: In Österreich heißt es z. B. „Schularbeit“, in Bayern „Schulaufgabe“. Des Weiteren gibt es staatsgebundene Wörter, Spezialbegriffe im Handels- oder Amtsdeutsch: In Deutschland heißt es „Lehrmittelfreiheit“ und „Wehrpflichtiger“, in Österreich „Schulbuchaktion“ und „Präsenzdiener“. Mit der Flüchtlingskrise kamen neue Begriffe hinzu: „Asylwerber“ in Österreich, „Asylbewerber“ in Deutschland. „Alles Hochsprache-Wörter, die man nicht auf Dialekt zurückführen kann“, präzisiert Prof. Scheuringer.

 

Eng verwandt: österreichisches und Deutsch in Rumänien

 

Seit 1951 steht das österreichische Wörterbuch, eine Initiative des österreichischen Unterrichtsministeriums, als amtliches Regelwerk in Österreich über dem Duden. Auch im öffentlichen Bewusstsein ist österreichisches Deutsch eine starke Größe geworden. Bekannte typische Wörter sind „Paradeiser“ statt Tomaten, „Erdäpfel“ statt Kartoffeln, „Karfiol“ statt Blumenkohl – oder die „Trafik“, eine Verkaufsstelle für Tabak- und Papierwaren. Das Wort kommt zwar auch im Tschechischen und Südslawischen vor, im Deutschen jedoch ausschließlich in Österreich. Dem österreichischen Deutsch steht das Rumäniendeutsche sehr nahe, erklärt der Sprachforscher weiter. Einige Wörter der rumäniendeutschen Sprache sind dem österreichischen Deutsch entlehnt: wie „Fleischhauer“ (Metzger), „sich tummeln“ (beeilen), „Rauchfangkehrer“ (Schornsteinfeger), „Gelse“ (Mücke), „Spital“ (Krankenhaus), „Jause“ (kalte Zwischenmahlzeit), „Kassa“, der „Gegenstand“ (das Unterrichtsfach in der Schule). „Die Siebenbürger Sachsen hatten seinerzeit keine Hochsprache mit ins Land gebracht. Diese kam erst später aus Österreich daher und sie haben sie aufgenommen“, erklärt der Philologe. 

Erstmals wurden im Rumäniendeutschen vorkommende österreichische Wörter im Wörterbuch „Limba germană din Austria/Österreichisches Deutsch“ von Prof. Dr. Ioan Lăzărescu vom Institut für Germanistik der Universität Bukarest und Prof. Dr. Hermann Scheuringer speziell gekennzeichnet. Die erste Auflage war 2007 in Kooperation zwischen dem Karl Stutz Verlag in Passau und dem Niculescu Verlag in Bukarest erschienen, 2008 folgte eine unveränderte Neuauflage, weil die erste schnell vergriffen war. Darin wird spezifiziert, dass die meisten deutschsprachigen Gebiete Rumäniens – Siebenbürgen, das Banat, das Sathmar-Gebiet, die Maramuresch und auch die Bukowina – bis Ende des Ersten Weltkrieges zur Habsburgermonarchie gehörten.

 

So stand auch die siebenbürgische Verwaltungssprache – trotz Reformation – vor allem nach der Einführung der Theresianischen Reform unter dem Einfluss der Wiener Kanzlei. Jahrhundertelangen österreichischen Einflüssen war auch die „Schulsprache“ ausgesetzt, zumal die siebenbürgische und die Banater Intelligenz vorwiegend an österreichischen Universitäten studierte.

Rumäniendeutsch – mehr als Süddeutsch-Österreichisch

 

„Allerdings ist rumänisches Deutsch deutlich mehr als Süddeutsch-Österreichisch“ betont Scheuringer. Spezifische Begriffe sind etwa „Aufboden“ statt Dachboden, „Akademiker“ statt Akademiemitglied, „Programm“ statt Öffnungszeiten, „Amphitheater“ statt Hörsaal, „Autobahnhof“ statt Busbahnhof, „Bakkalaureat“ statt Abitur/Matura, „Kontrollarbeit“ statt Klassenarbeit, „Kabinett“ statt Praxis, „kompensiert“ für staatlich subventionierte Medikamente oder Sachrumänismen wie das „Märzchen“ (mărţişor). Weitere Beispiele sind „Lyzeum“, „Mikrobus“, „Bierfabrik“, „Muskelfieber“ (Muskelkater), „Schmutzkorb“ (Mülleimer), „planifizieren“ oder „ultrazentral“. Im Ganzen soll es etwa 150 typisch rumäniendeutsche Wörter geben. Die Verwendung derselben sei also völlig korrekt. Doch wie tragfähig ist das Rumäniendeutsche? Scheuriger gibt zu bedenken: „Was hier seit dem Exodus (der Rumäniendeutschen) fehlt, ist die gesellschaftliche Position des rumänischen Deutschen“. Denn trotz großer historischer Tiefe – ca. 900 Jahre Siebenbürger Sachsen und 300 Jahre Banater Schwaben – fehlt die demografische und geografische Basis. Keine einzige Region Rumäniens ist heute mehrheitlich von deutschen Muttersprachlern besiedelt.

 

Auch hat für die Deutschen in Rumänien – im Gegensatz zu vielen Ungarn – Rumänisch längst den Status einer Muttersprache erlangt, weswegen es einer gewissen Anstrengung bedarf, das Deutsche beizubehalten. Was zudem fehlt, ist ein eigener Kodex. Allerdings gibt es in Deutschland ein Variantenwörterbuch, in dem seit 2016 zumindest 100 Wörter aus dem rumänischen Hochdeutsch vertreten sind. Explizit lobt der Vortragende die hervorragenden infrastrukturellen Komponenten in Rumänien: das muttersprachliche deutsche Schulwesen, auch wenn mehrheitlich von Rumänen besucht; die ADZ als Tageszeitung, die vorwiegend für Einheimische und nicht nur für Expats gemacht ist – „wichtig ist, dass sie weiterbesteht“, wirft er ein; ein reges Verlagswesen mit Publikationen in deutscher Sprache und staatlicherseits eine hohe Toleranz den Minderheiten gegenüber. „Insofern wächst hier eine neue Bildungsschicht heran, mit neuen Einflüssen“, erklärt der Philologe. So ist auch das Hochdeutsch in Rumänien zumindest bis auf Weiteres ein entwicklungsfähiges, lebendiges Gebilde.

 

192 (2017-05-03) Hans Butmaloiu aus Kronstadt/Rumänien

 

Bären-Drillinge geboren

Im rumänischen Reservat Bearliberty bei Zărneşti herrscht große Freude

 

Seit seiner Gründung 2005 bis heute tauchte der Name des Bärenreservates Bearliberty bei Zernen/Zărneşti immer dann auf, wenn einer oder auch mehrere Bären irgendwo aus der Gefangenschaft befreit und in das artgerechte Gehege überführt wurden. Die Herkunft der Exemplare: vernachlässigte Tiergärten, Privatbesitz oder Auflösung von Zirkusbeständen erklärt weitgehend, weshalb sich z.Z. in Bearliberty vorwiegend ältere Exemplare befinden: viele der 90 Bären sind schon fast 30 Jahre alt, was so ungefähr im obersten Bereich der Lebenserwartung des Braunbären liegt. Erklärlich deshalb die große Freude mit welcher bekannt gegeben wurde, dass es nach 12 Jahren erstmals Nachwuchs im Reservat gibt: Bärenmama Pamela (alle 90 Insassen haben Eigennamen!) brachte gleich drei Junge zur Welt. Zwei davon wurden sofort von Privatpersonen aus England adoptiert und auf die Namen Mark und Di getauft. Für den dritten sind die Verfahren noch nicht abgeschlossen.

 

Während Bärenmama Pamela schon 15 Jahre alt ist, ist Papa Pluto nur drei und am Nachwuchs wenig interessiert, so wie es eben bei Bären ist. Die Verwaltung des Geheges veröffentlichte auf seiner Homepage ein erstes Video in dem Pamela mit ihren drei Jungen zu sehen ist, die ihren ersten Frühling im Gehege erleben (http://www.ampbears. ro/en/news/video-the-first-cubs-born-in-the-libearty-sanctuary). Die Jungen werden noch eine Zeit lang unter Quarantäne stehen und frühestens Ende dieses Sommers den Besuchern vorgestellt werden.

 

Eine zweite erfreuliche Nachricht aus dem Reservat betrifft das Bärenpaar Bim und Bam, welches 2016 nach Bearliberty gekommen ist. Die Überführung erfolgte nach ihrer Rettung durch Millions of Friends Association als sie noch sehr jung waren. Nun dürfen auch sie sich zu den anderen Bären gesellen, da die Anpassungszeit vorbei ist und sie aus der „Krippe“, in der sie gewohnt haben, heraus dürfen. Als dritte Nachricht kündigt Bearliberty an, dass zwei andere Bärinnen Junge erwarten, die Einzelheiten werden später bekannt gegeben. ADZ

 

191 (2017-05-02) Pressemitteilung

Gute Geschäfte mit dem „Staubwedel“

Dacia machte 2016 rund 4,6 Milliarden Euro Umsatz

 

Dacia hat 2016 einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro verzeichnet, ein Anstieg von 8,35 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als es 4,2 Milliarden Euro waren, teilte das Unternehmen mit. Vor Steuern lag der Gewinn der Renault-Tochter bei 111 Millionen Euro, plus 15,0 Prozent im Vergleich zu 2015. Dieser Zuwachs sei hauptsächlich der Nachfrage des SUV Duster zu verdanken, die die Produktion ankurbelte, sagte Liviu Bocsaru, der Finanzdirektor von Grup Renault Romania. Insgesamt verkaufte Dacia 2016 rund 320.300 Einheiten, davon waren 190.779 SUV Duster (2015 waren es 170.321 Einheiten). Die Produktion der Modelle Dacia Sandero, Dacia Logan und Dacia Logan MCV war rückläufig im Vorjahresvergleich. Die Umsatzsteigerung ist laut Bucsaru auf die Exportmärkte zurückzuführen, der Export mache rund 90 Prozent des Umsatzes aus. Der rumänische Markt sei zwar gegenüber 2015 leicht gestiegen, bleibe aber weiterhin bei 40-50 Prozent im Vergleich zu den Jahren vor der Krise 2008. Gebrauchtwagenimporte beeinflußten stark den Binnenmarkt. Im vergangenen Jahr investierte die Renault-Gruppe rund 200 Millionen Euro in Rumänien, seit 2000 sind es insgesamt 2,5 Milliarden Euro. ADZ, 29.04.2017

 

190 (2017-05-02) News

Liberale EU

Boden für 12 Milliarden Euro verkauft

 

Laut zusammengefassten Berichten der öffentlichen Notariate wurden seit 2014, als die Bodenverkäufe liberalisiert worden sind, 40 Prozent der Agrarfläche Rumäniens an Ausländer verkauft. Das sei im Durchschnitt mit 3000 Euro pro Hektar geschehen, während in der Europäischen Union dieser Durchschnittspreis 10.000 Euro beträgt. Am meisten gekauft haben die Italiener, gefolgt von Deutschen und Arabern. Das Landwirtschaftsministerium arbeitet an einem Gesetzentwurf, durch den der Bodenkauf und -verkauf ähnlich geregelt werden soll wie in anderen Ländern der EU, dass es also für Ausländer gewisse Restriktionen gibt, auch ein Vorkaufsrecht für die Nachbarn oder den Staat. Mediafax/ADZ, 29.04.2017

 

189 (2017-04-25) Bernd Jürgen Morchutt

Prince of Wales

and Transylvania

Nur PR-Gag oder mehr?

 

Die verwandtschaftlichen Beziehungen von Prinz Charles reichen bis zum mittelalterlichen Fürsten Vlad Țepeș, besser bekannt als "Dracula".

 

Wird Charles jetzt zum Prinzen von Transsilvanien?

 

Wenn es nach Alba Iulia, der heimlichen rumänischen Hauptstadt geht, soll der britische Thronfolger Prinz Charles als "Prinz von Transsilvanien" für die Region und das Land werben. 

 

Die Kreishauptstadt des Kreises Alba (64.000 Einwohner) ist das rumänische Kulturzentrum in den Westkarpaten. Die Stadt, die zu den ältesten des Landes gehört, wurde im Jahr 1918 zum Symbol der Vereinigung aller Rumänen im Königreich Rumänien. Hunderttausende Delegierte aus ganz Siebenbürgen versammelten sich hier am

1. Dezember 1918, um für die Angliederung ihrer Region an das rumänische Königreich und somit für die Gründung Großrumäniens zu stimmen. Auch die Siebenbürger Sachsen taten es, nur die Ungarn weigerten sich.
Heute ist der 1. Dezember der Nationalfeiertag Rumäniens. Die Stadt gilt bis heute als ein gutes Beispiel für das funktionierende Zusammenleben verschiedener Minderheiten und Konfessionen sowie gegenseitige Toleranz.

Da der Islam in Siebenbürgen keine Rolle spielt, ist dieser Einschätzung sicher nicht zu widersprechen. Folgende Glaubensrichtungen sind hauptsächlich vertreten: Rumänisch-Orthodoxe Kirche, Rumänische griechisch-katholische Kirche, Römisch-katholische Kirche in Rumänien und Protestantische Kirchen (Calvinisten/Reformierte; Lutheraner; Unitarier).

 

Alba Iulia (Karlsburg, Gyulafehérvár) in Transsilvanien will den 68-jährigen britischen Thronfolger mit diesem - bislang nicht existierenden - Titel ehren. "Es ist eine äußerst klare PR-Aktion", sagte der Rathaussprecher der Stadt, Mihai Coser, der rumänischen Nachrichtenagentur Agerpres. Doch so weit wird es wohl nicht kommen.

 

Das Büro von Prinz Charles, Clarence House in London, wollte den Vorgang bislang nicht kommentieren. In der Regel sind die Royals über PR-Gags auf ihre Kosten nicht erfreut.

 

Nach Angaben des renommierten rumänischen Historikers Dinu Giurescu hat es den Adelstitel "Prinz von Transsilvanien" in Rumänien nie gegeben. Nur der Titel "Herzog von Transsilvanien" habe existiert, doch der sei Mitte des 19. Jahrhunderts abgeschafft worden.

 

Charles, der sich stark für Architektur, Geschichte und wilde Natur interessiert, hat ein enges Verhältnis zu Rumänien: Er engagiert sich dort seit fast 20 Jahren im Denkmalschutz und besucht mindestens einmal im Jahr privat Siebenbürgen. Erst vor wenigen Wochen verlieh das Karpatenland ihm den höchsten Staatsorden.

 

Er hat auch verwandtschaftliche Beziehungen zum ungarischen und rumänischen Adel Siebenbürgens und der Walachei. Sie reichten bis zum mittelalterlichen Fürsten Vlad Țepeș zurück, sagte Charles dem rumänischen Sender "ProTV" in einem vor kurzem ausgestrahlten Interview. Țepeș gilt als Vorbild der "Dracula"-Figur aus dem Roman des Iren Abraham "Bram" Stoker (1847 bis 1912).

Vlad III. (1431 bis 1476/1477) wurde wahrscheinlich in Schäßburg (Sighișoara) geboren, war Woiwode des Fürstentums Walachei. Sein Beiname Drăculea (deutsch „Der Sohn des Drachen“ von lateinisch draco – „Drache“) leitet sich nach der von Historikern am häufigsten akzeptierten These von der Mitgliedschaft seines Vaters Vlad II. Dracul im Drachenorden Kaiser Sigismunds ab. Der Drache wurde auch im Woiwodensiegel geführt.

 

Unabhängig von den entfernten Blutsbanden - ich gehe mal davon aus, dass Seine Hoheit auf diesen zusätzlichen Titel verzichten wird.

 

Das Ziel der Oberen von Alba Iulia ist auch so erreicht. In eineinhalb

Jahren feiern die Stadt und ganz Rumänien das hundertste Jubiläum der Vereinigung des Landes. Und schon deshalb muss vor allem Alba Iulia in Transsilvanien für ständigen Gesprächsstoff sorgen.

BJM 

 

188 (2017-04-14) Werner Kremm/ADZ

Illegale Grenzgänger

Polizisten und Gendarmen

an der serbisch-rumänischen Grenze verstärkt

 

Aufgrund eines Beschlusses des Oberkommandos des rumänischen Grenzschutzes werden nach Ostern zeitweilig zusätzliche Grenzpolizisten aus Craiova und Temeswar in den Grenzbereich zu Serbien zwischen der Donau und dem Triplex Confinium bei Altbeba/Beba Veche verlegt. Das ist eine Reaktion auf die Tatsache, dass seit Jahresbeginn die Zahl illegaler Grenzübertritte aus Richtung Serbien nach Rumänien, mit dem Ziel Westeuropa, sich gegenüber dem Vorjahr stark erhöht hat.

 

Als Dringlichkeitsmaßnahme wurde bereits seitens des Kreisinspektorats der Gendarmerie Temesch und des Mobilen Einsatzkommandos der Gendarmerie Verstärkungen an die Grenze zu Serbien geschickt. Dieser Tage treffen die ersten Mitglieder der Grenzpolizei aus Craiova und aus Neumarkt am Mieresch/Târgu Mureş ein. Alle Einheiten, die sämtlich dem Innenministerium unterstellt sind, haben denselben Einsatzbefehl: die Westmigration aus dem Mittleren und Fernen Osten zu stoppen. Sie arbeiten, einem Kommuniqué des Innenministeriums zufolge, „nach einem integrierten System, um die Sicherheit der Grenzen zu garantieren“.

Im gesamten Jahr 2016 haben rund 1000 Flüchtlinge versucht, die Westgrenzen Rumäniens unentdeckt zu überwinden und sich ihren Wunschzielen in Kerneuropa zu nähern. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres waren es bereits mehr als 800 illegale Grenzgänger, die gefasst worden sind. Daher der erhöhte Alarmzustand der Grenzwacht, weil auch ein erhöhter Druck der Flüchtlinge auf die Westgrenzen Rumäniens auszumachen ist.

 

187 (2017-04-11) Pressemitteilung

Rumänisch-Deutsche Regierungskommission tagt

Es geht um Belange

der deutschen Minderheit

 

Die 20. Sitzung der Rumänisch-Deutschen Regierungskommission für die Belange der deutschen Minderheit in Rumänien tagt seit gestern in Bukarest. Die heute zu Ende gehende Tagung wird von Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich der 25 Jahre seit der Unterzeichnung des Vertrages zwischen Rumänien und der Bundesrepublik Deutschland über freundschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft in Europa (1992) begleitet.

Der gemischten Regierungskommission stehen George Ciamba, Staatssekretär im rumänischen Außenministerium, und MdB Hartmut Koschyk, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten als Ko-Präsidenten vor, das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien ist durch seinen Vorsitzenden Paul-Jürgen Porr und Geschäftsführer Benjamin Józsa repräsentiert. Von rumänischer Seite nehmen desgleichen der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganţ, Christiane Cosmatu, Unterstaatssekretärin im Departement für interethnische Beziehungen, und Alexandru Szepesi, Direktor im Bildungsministerium, sowie die Präsidialberater Bogdan Aurescu und Michael Fernbach u. a. teil. Auf deutscher Seite sind der Botschafter der BRD in Bukarest, Cord Meier-Klodt, die Referatsleiter im BMI Jörg Bentmann und Alexander Schumacher sowie die Vorsitzenden der Verbände der Banater Schwaben bzw. Siebenbürger Sachsen, Peter-Dietmar Leber und Herta Daniel, zugegen. ADZ

 

186 (2017-04-08) Bernd Jürgen Morchutt

Der nette Balkantyp

Die Politik bleibt in Serbien

in einer Hand

 

Der serbische Regierungschef Aleksandar Vučić gewann vor wenigen Tagen haushoch mit rund 55 Prozent der Stimmen die Präsidentschaftswahl. Gleich im ersten Wahlgang schaffte er die absolute Mehrheit. Damit ist Vučić endgültig der mächtigste Politiker Serbiens und der Balkanregion. Exakt vierzehn Jahre nach der Ermordung des damaligen Ministerpräsidenten Zoran Đinđić verfügt die Republik Serbien endlich wieder über stabile und auf längere Sicht unveränderbare Machtverhältnisse. 

Wer ist der 47-jährige Aleksander Vučić eigentlich?

 

"Ein politisches Chamäleon" oder ein erfolgreicher Politiker, dem zuletzt ein moderater Wirtschaftsaufschwung gelang und eine einigermaßen geordnete, von der EU kaum beachtete Flüchtlingspolitik. Beides! Unter Slobodan Milošević war er Informationsminister und für die Presse zuständig. Seitdem hat er natürlich Freunde in den besten Positionen. Später unterstützte er die Ultranationalisten, 2008 trat er der konservativ-wirtschaftsliberalen Serbischen Fortschrittspartei SNS bei. Heute gibt er sich als pro-europäischer Reformer.

 

Aleksandar Vučić ist der erste Ministerpräsident seit dem Sturz von Slobodan Milošević am 5. Oktober 2000, dem es gelingt, gleichzeitig mit der EU und mit Russland zu kooperieren. Und dafür haben ihm die Wähler gedankt. Niemand in Serbien hat vergessen, dass die NATO vor genau 18 Jahren mit der völkerrechtswidrigen Bombardierung Jugoslawiens begann. Bis zum 10. Juni 1999 flog die NATO 38.004 Angriffe, tötete über 3.500 Menschen und verletzte mehr als doppel so viele schwer. Auch die gewaltsame Abspaltung des Kosovo aus dem serbischen Staatsgebiet traf die Seele und das Herz der Bevölkerungsmehrheit. Die EU schweigt bis heute zu ihrer Verantwortung. Russland war der einzige Unterstützer im verlustreichen Kampf gegen die Kriegstreiber der NATO, aus den USA und der Europäischen Union. Mit seinen tränenreichen Fake News überzeugte Minister Scharping damals den Bundestag und rechtfertigte die deutsche Beteiligung am Jugoslawienkrieg.

Serbien ist seit 2012 EU-Beitrittskandidat und wird finanziell mit 1,5 Milliarden EUR (2014 bis 2020) unterstützt. Das Geld nehmen die Serben gern mit, sehen es als sehr kleine Entschädigung für die milliardenschweren Kriegsschäden. Bis zur EU-Mitgliedschaft werden ohnehin noch sehr viele Jahre vergehen. Wenn diese überhaupt kommt!

 

Mit einem reinen EU-Kurs lässt sich in Serbien keine Wahl gewinnen

 

Zu stark und historisch verbrieft sind die pro-russischen Sympathien der Serben und selbst der Orthodoxie.

Ohne die USA und die NATO im Rücken zu haben, kann die EU in Serbien wohl kaum punkten. Die politisch naiven Politiker in Brüssel und Berlin hatten gehofft, dass Vučić als Dank für den Status Serbiens als EU-Beitrittskandidat gegenüber dem scheinselbstständigen Kosovo Zugeständnisse machen würde. Fehlanzeige. Trotz aller unrealistischen Vermittlungsbemühungen der EU sind die Positionen Serbiens und des Kosovo nach wie vor unüberbrückbar. Serbische Kräfte sind weiter im Nordkosovo, wo bei Mitrovica die serbische Minderheit lebt. Der albanisch- muslimische Kosovo wurde mit NATO-Hilfe ethnisch gesäubert.

Die nationalen und religiösen Konfliktlinien in diesem Teil des Balkans sind alle wieder aktiv – wie zu Zeiten der Osmanen.

 

Mit Aleksandar Vučić steht zur rechten Zeit der richtige Politiker an der Spitze des Staates. Er besitzt die Autorität, die Anerkennung und das Vertrauen der Bevölkerung, den brutalen Spagat zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erfolgreich zu Ende zu führen. Man stelle sich vor, an seiner Stelle würden Musterdemokraten wie Merkel oder Hollande agieren. Serbien wäre bereits heute im tiefsten Chaos versunken.

Albaner, Bosniaken, Kroaten und Serben hätten längst wieder zu den Waffen gegriffen.

Vor allem die Länder Osteuropas brauchen Politiker, die sich einmischen, die eigene Entscheidungen treffen, die den Weg und die Richtung des Landes vorgeben. Sicher würde das auch den Westeuropäern gefallen!

Zurecht sieht sich der zweifache Familienvater als unentbehrlich und stellt sich als Retter Serbiens und Garant für die Stabilität in der Region dar.

Mit seiner Mischung aus Sendungsbewusstsein und dem lange erlernten Wissen, wie man Kontrolle und Macht aufbaut, hat es der 47-Jährige geschafft, sein Image vom „Nationalisten“ zum "Macher" zu wandeln.

Im Westen laufen inzwischen die Spekulationen auf Hochtouren

 

Wird Aleksandar Vučić das eher bedeutungslose Amt des Staatspräsidenten weiter ausbauen und stärken wollen? Dabei bewegen sich die EU-Blicke besonders in Richtung des nördlichen Nachbarn, wo „Merkel-Freund“ Orban ähnliche Machtverhältnisse geschickt umzusetzen versteht. Die Angst geht um. Hoffentlich nimmt er sich nicht den ungeliebten Ungarn als Vorbild! Wer wird der nächste Ministerpräsident Serbiens? Natürlich ein Parteifreund Vučić`, der auch als Präsident die eng geknüpften Fäden in den Institutionen in seiner Hand behalten möchte. Und genau das kommt der Stabilität des Landes zugute. Es gibt keine Alternative zum gewählten Staatsoberhaupt. Nur daran zu glauben, erweckt Argwohn. Der zweitplatzierte Kandidat, der von der Demokratischen Partei unterstützte Unabhängige Saša Janković, errang rund 40 Prozent der Stimmen weniger.

 

Brüssel und Berlin mahnen wie selbstverständlich weitere sogenannte Reformen an. Was nichts anderes heißt, wir wollen mehr Mitspracherecht und Einfluss gewinnen. Da eine NATO-Mitgliedschaft Serbiens für lange Zeit weggebombt wurde, bleibt vorerst nur das Gefechtsfeld der Wirtschaft. Aber in dieser Hinsicht ist den serbischen EU-Nachbarn Slowenien und Kroatien das Hemd näher als die Jacke. Hier gibt es regionale Interessen, die auch ohne eine deutsche Vormundschaft auskommen können.

 

Deutsche Medien stürzen sich derweil auf einige Hundert studentische Demonstranten. Bei Kundgebungen in der Hauptstadt Belgrad, in Novi Sad und Niš riefen die über Facebook und Twitter rekrutierten Teilnehmer, zumeist Studenten: "Vučić Dieb!" und "Du bist nicht mein Präsident".

Diese leicht zu durchschauenden medialen Präferenzen werden nicht dazu beitragen, die Vorfreude der serbischen Bevölkerung auf die EU anzuheizen.

Somit wird es für die Europäische Union nach diesem überwältigenden Wahlsieg nicht einfacher werden, mit dem selbstbewußten, europafreundlichen und netten Balkantypen Vučić umzugehen. Und dann gibt es im Hintergrund ja noch einen gewissen Herrn Putin...

BJM

 

185 (2017-03-25) Pressemitteilung

Ungarische Stadionoffensive für etwa 220 Mio. Euro

Neues Nationalstadion

auch ohne Olympia

 

 

Die ungarische Regierung kündigte an, dass 2017 etwa 220 Mio. Euro in landesweite Stadionprojekte fließen sollen. Auch das neue Nationalstadion in Budapest soll wie geplant gebaut werden.

 

Erst vor wenigen Wochen hatte Budapest seine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2024 zurückgezogen. Trotzdem soll das neue Nationalstadion in Budapest planmäßig gebaut werden. Außerdem sollen 19 weitere Stadionprojekte im ganzen Land gefördert werden.

 

Bereits 2014 wurden neue Stadien in Budapest, Debrecen und Felscut eröffnet. In der neuen Groupama Arena in Budapest findet Ende März der Coliseum Summit Europe statt. Dann sollen weitere Details der genauen Pläne veröffentlicht werden. Die neuen Investitionen sind Teil eines großangelegten Projekts der ungarischen Regierung, um die Sportinfrastruktur des gesamten Landes zu verbessern. (Stadionwelt, 22.03.2017)

 

Die Liste zeigt alle geplanten Stadioninvestitionen der ungarischen Regierung:

Stadion/ Stadt

Betrag in Mio. Euro

Nemzeti Sportközpont / Budapest

143,47

Rohonci úti Stadion / Szombathely

16,12

Sóstói Stadion / Székesfehérvár

14,58

Diósgyóri Stadion / Miszkolc

8,9

Dunaferr Arena / Dunajvaros

8,4

Bozsik Stadion / Budapest

6,8

Stadion Várkerti / Kisvarda

2,5

ZTE Arena / Zalaegerszeg

4,43

Stadion Kórház utcai / Békéscsaba

1,83

Rákóczi Stadion / Káposvar

1,62

Városi Stadion / Nyíregyháza

1,62

Illoszky József Stadion / Budapest

1,62

PMFC Stadion / Pécs

1,62

ETO Park / Gyór

0,77

Szusza Ferenc Stadion / Budapest

0,77

Széktói Stadion / Kecskemét

0,77

Fehérvári úti stadion / Paks

0,77

Perutz Stadion / Pápa

0,77

Városi stadion / Mezőkövesd

0,58

Káposztás utcai Stadion / Sopron

0,48

 

184 (2017-03-24) News

Erdogan bestätigt

EM-Bewerbung

Deutschland und Türkei

sind Konkurrenten

 

Wie der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nun bestätigte, wird sich die Türkei für die Ausrichtung der EM 2024 bewerben. Dafür soll unter anderem ein neues Stadion in Ankara gebaut werden.

 

Dies versicherte der türkische Staatspräsident am gestrigen Montag auf einem Treffen mit Fußballern und Sportfunktionären. Das neue Stadion in der türkischen Hauptstadt solle rund 40.000 Zuschauer fassen. Außerdem heizte er die Spekulationen über eine erneute Olympiabewerbung der Türkei an. Konkrete Pläne nannte er jedoch nicht.

 

Die Türkei hatte sich in der Vergangenheit bereits mehrfach für die Ausrichtung der beiden Sportgroßereignisse beworben, hatte den Zuschlag allerdings bislang nie erhalten. Bei der Ausrichtung für die Fußball Europameisterschaft 2016 scheiterte man mit nur einer Stimme weniger gegen Frankreich, bei der Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2020 zog man gegen Tokio den Kürzeren.

 

Auch Deutschland wird sich für die Ausrichtung der EM 2024 bewerben. Beide Länder werden die einzigen Bewerber sein, da nur Deutschland und die Türkei eine entsprechende Interessenserklärung eingereicht haben. Bis zum 27. April haben beide Bewerber Zeit, ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen bei der UEFA einzureichen. Die Entscheidung fällt aber erst nach der WM im September 2018.

 

 

183 (2017-03-19) Ralf Sudrigian aus Brașov/ADZ

Zu viel, zu groß,

zu teuer

Statuen-Inflation

in Mazedoniens

Hauptstadt Skopje

Im Vorjahr berichteten die Medien über die „bunte Revolution“ in Skopje. Sie bestand in dem Werfen von Farbbeuteln vor dem Eingang und an die Wände staatlicher Behörden, so dass Farbkleckse zurückblieben. Von Paintball-Geschossen betroffen waren auch die vielen neu entstandenen monumentalen Statuen im Zentrum der mazedonischen Hauptstadt.

Die Bürgerbewegung protestierte unter anderem gegen die Verschwendung öffentlicher Gelder mit dem umstrittenen städtebaulichen Projekt „Skopje 2014“. Dieses sollte bis zuletzt 200 Millionen Euro verschlucken, die in der ex-jugoslawischen Republik dringend für andere Investitionen wie jene in das staatliche Gesundheitssystem oder in den Unterricht notwendig wären.

Tatsache ist, dass heute eine Vielzahl von Statuen und Statuengruppen an öffentlichen Plätzen, Straßenkreuzungen, Parks und Alleen anzutreffen sind. Eine sogar, eine Badende die sich für einen Kopfsprung ins Wasser vorbereitet, kann man sogar von der alten Steinbogenbrücke im Fluss Vardar der durch Skopje fließt, erkennen. In der Nähe ist ein für den kleinen Fluss viel zu großes hölzernes Segelschiff zu erkennen – es ist da nicht gestrandet, sondern war von Anbeginn als Restaurant für Touristen gedacht.

 

Mit den Statuen, mit imposanten Neubauten als Sitz verschiedener staatlicher Institutionen, mit einem Triumphbogen „Makedonija“ wollte die Regierung vor allem „identitätsstiftend“ wirken und dabei auch touristische Sehenswürdigkeiten vorzeigen. Über den künstlerischen Wert der Denkmäler kann man streiten. Vielen erscheinen sie als „historischer Kitsch“ oder als „mazedonisches Disneyland“. Die Heldengalerie wird von Alexander dem Großen dominiert. Allein seine 28 Meter große Statue soll an die zehn Millionen Euro gekostet haben. Aber bereits der Name „Mazedonien“ des neuen Staates bereitete Ärger. Griechenland will ihn nicht anerkennen, weil unter dieser Bezeichnung der Norden von Festland-Griechenland bekannt ist. So wurde international als Kompromiss durchgesetzt, dass der 1991 gegründete neue Staat unter dem Namen Former Yugoslav Republic of Macedonia (FYROM) - Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien - bezeichnet wird.

 

Wenn Touristen die rund 500.000 Einwohner zählende Hauptstadt dieses Balkanlandes besuchen, bekommen sie die Gelegenheit, direkt zu sehen, wie Politik, Geschichte und Kunst zusammenspielen. Manche werden sich wundern; für einige wird dieses wohl als für staatliche Propaganda missbrauchte Kunst gelten; andere sehen diese Statuenwelt als Kuriosität und interessantes Fotomotiv an; anderen imponiert diese Denkmalvielfalt mit ihren Dimensionen. Neugierig darauf wird man allemal.

 

Dabei hat Skopje auch vieles andere zu bieten. Bereits von weitem erkennt man das 66 Meter hohe kreuzförmige Stahlgerüst auf Skopjes Hausberg Vodno. 
Dieses 2000 errichtete Milleniumskreuz (oben) gilt als eines der weltweit größten Gipfelkreuze. Skopje und Mazedonien werden aber nicht nur von orthodoxen Christen bewohnt. Da gibt es, als Folge der jahrhundertelangen osmanischen Herrschaft, auch Muslime, so dass die ethnischen Mazedonier (64 Prozent der etwas über 2 Millionen Einwohner) sowohl Christen als auch Muslime sind. Hinzu kommen noch Albaner, Türken, Roma, Serben und Mazedorumänen (Aromunen) sowie Meglenorumänen. Interessant ist zu vermerken, dass (als wohl weltweite Premiere) in diesem ethnisch gemischten Land auch Romani und Aromunisch (Walachisch) als Amtssprachen anerkannt werden.
Man kann für oder gegen den künstlerischen Wert der Statuen in Skopje sein – eine Attraktion sind sie dennoch.

Images: BJM

 

182 (2017-03-18) Ştefana Ciortea-Neamţiu aus Timisoara/ADZ  

Ein Blockbuster wurde Wirklichkeit

Ein Tag im Dino-Park

in Râşnov 

 

Es könnte durchaus der Drehplatz von Steven Spielbergs „Jurassic Park“ sein. Ein Blockbuster der 1990er Jahre wurde auf dem Hügel mit der Bauernburg in Rosenau/Râşnov Wirklichkeit.

 

Seit 1993 geistern die Riesen der Kreidezeit und dem Jura durch die Filmindustrie, beleben Bücher und Spielzeugregale. Aus Plastik, Gummi oder Plüsch, kindgerecht mit Murmelaugen oder – ebenfalls kindgerecht – mit scharfen Zähnen (für die Kinder eben, die keine Angst vor Monstern, Dinos oder dem legendären „Bau Bau“ haben, sondern diese liebevoll adoptieren). Spielberg hatte wohl nicht den Aufruf im Sinne gehabt „Adoptiere einen Dino!“, aber Kinder aus aller Welt haben diesen verspürt. Und dann: „Jurassic World“. Mehr als zwanzig Jahre später, mit den Effekten, die die Computer eben zwanzig Jahre später erzeugen können. Und fast gleichzeitig mit dem Film-Release die Eröffnung des Parks. Natürlich kommt man da ins Träumen: Was wäre, wenn…

Jemand hat den Traum verwirklicht. Und ungefährlich ist es auch für den Besucher, denn es handelt sich bei den Dinos nicht um im Labor wiederbelebte Tiere, sondern um lebensechte Riesenechsen aus Glasfasern, die die Kinder ins Träumen bringen. Und es wimmelt von Kindern, die einwandfrei die Namen aussprechen, bei denen sich Erwachsene die Zunge brechen: Ankylosaurus, Baryonyx oder Zuniceratops – die Liste reicht von A bis Z.


Auf dem Hügel, im Wald


Oben am Hügel steht die Bauernburg, das Wahrzeichen von Rosenau, 1215 errichtet, somit 800 Jahre früher. Man kann den Weg zu Fuß laufen oder einen Bummelbus nehmen, der auf dem Parkplatz wartet, lärmt und dicke Rauchschwaden hinterlässt, aber auch Spaß macht. Irgendwo auf dem Weg: eine Kreuzung. Wenn man seinen Blick nach rechts wendet, dann steht man direkt unter einem langhalsigen, eindrucksvollen, aber lieben Brachiosaurus - schließlich handelt es sich um einen Pflanzenfresser - hinter einem hohen Tor: Willkommen in der Jura-Welt. Kinder und Eltern. Vor allem Kinder, die in mehreren Sprachen der Welt hier brabbeln, quasseln, kreischen: Aus Deutschland, Ungarn, Israel und Großbritannien kommen sie. Und selbstverständlich ganz viele aus Rumänien. Der Dino-Park in Rosenau hat erst seit zwei Jahren geöffnet, ist aber weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Nicht so wie Disneyland, doch um die Touristenzahlen muss man sich hier wahrlich nicht sorgen, in der Region hat vielleicht noch die Törzburg einen solchen Andrang gefunden. Der Dino-Park ist der einzige Dinosaurier-Themen-Park Rumäniens und mit einer Fläche von 1,5 Hektar der größte Südosteuropas. 47 Riesenexponate stehen den Besuchern zur Verfügung. Für Fotos mit den beliebtesten unter den Großen des Juras muss man mitunter Schlange stehen.

Der Preis mag für rumänische Verhältnisse vielleicht nicht besonders attraktiv sein, wie manche auf Mütterseiten oder Facebook gepostet haben, vergleicht man aber diesen mit den Eintrittspreisen in die großen Themen- und Abenteuerparks Europas, wird die Entscheidung leichter fallen. Für den Eintritt hier kann man sich die Dinos in aller Ruhe den ganzen Tag lang anschauen und sich dann etwa mit fliegenden Pteranodonten, mit zackigen, aber gutmütigen Stegosauriern oder aber mit dem absoluten Terror der Kreidezeit, dem Tyrannosaurus Rex, fotografieren lassen, der dabei die Zähne bleckt und armdicke Krallen zur Schau stellt, vor denen die Kinder aber keinen Halt machen. Neben den riesigen, messerscharfen Klauen lassen sich die kleinen Paläontologen in spe am liebsten knipsen. Die Extras, für die man zahlt, geben dem Spaß noch einen Kick dazu: etwa das Erlebnis eines 9D-Kinos oder einer Seilrutsche oder maßgeschneiderte Menüs mit Dino-Burgern. Frei ist hingegen der Eintritt in eine kleine, aber feine Ausstellung, in der Steine und Fossilien, sogar die eines Mastodons, präsentiert werden. Viele der Exponate stammen aus Siebenbürgen und sorgen dafür, die Region noch mehr hervorzuheben.

Eine Tour und noch mehr Abenteuer


Der Park ist das ganze Jahr über geöffnet und passt Extra-Events der jeweiligen Jahreszeit an. Auch Konzerte werden dort angeboten und der 1. Juni ist natürlich als internationaler Kindertag rot im Kalender eingetragen. Hochsaison feiert der Dino-Park natürlich im Sommer, wenn Ferienzeit und Sonne die idealen Argumente sind, die Freizeit mit der Familie oder mit der Schulklasse dort zu verbringen. Seit der Eröffnung des Parks wurde ständig etwas verbessert und erweitert, so dass die kleinen und großen Besucher noch mehr Freude daran finden. So kann man seit vergangenem Sommer auf großen Touchscreens Paläontologe spielen und Dinosaurier „ausgraben“, indem man über die Oberfläche wischt. Und die junge Generation von Smartphone- und Tablet-Nutzern findet das nun mal „Unterhaltung pur“.


Im Themenpark kann man seine Dino-Kenntnisse überprüfen und nach einem Quiz eine Urkunde als Dino-Experte bekommen. So etwas ist ein schönes Mitbringsel aus der Ferienzeit und - vor Schulfreunden vorgelegt - immer etwas Besonderes. Als Erinnerung kann man sich im Laden beim Ausgang noch etwas kaufen: Ob Dinos aus Plastik oder Plüsch, ob winzig aus einem Ei schlüpfend, das man über Nacht in einem Wasserglas stehen lässt, oder groß und kuschelig, ob Bücher oder einen Hut, der das A und O des Outfits eines Paläontologen darstellt, Erinnerungsbecher, Anstecknadeln und und und – jeder findet etwas nach seinem Geschmack. Ein Besuch in Rosenau wird nun vielfältiger, denn die Stadt winkt nicht nur mit den klassischen Sehenswürdigkeiten, etwa der Bauernburg, oder dem Reiseziel neueren Datums, der Rosenauer Höhle, in der die Besucher zum Beispiel erleben können, was Finsternis bedeutet (während der Tour werden für eine Minute die Lichter ausgeschaltet). Vor allem Kinder kommen jetzt auf ihre Kosten und sind von der neuen Destination angetan, die sie und ihre Eltern auf eine Zeitreise zurück vor 150 Millionen Jahren schickt. Originaltext hier.

 

181 (2017-03-08) Bernd Jürgen Morchutt  

Bukarest:

Erdbebenhauptstadt Europas

40 Jahre nach

der verheerenden

Katastrophe von 1977

 

 

Immer dann, wenn in den Medien von schweren Erdbeben – wie zuletzt in Italien - berichtet wird, die Menschenleben forderten und hohe Sachschäden verursachten, wird die Frage gestellt, ob die Zahl der schweren Beben im Vergleich zur Vergangenheit zugenommen hat. Höchstens in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Zahlen verdeutlichen, dass sich Erdbeben ständig ereignen.

 

Durchschnittliche jährliche Erdbebenhäufigkeit in Abhängigkeit von der Magnitude basierend auf den Daten der Jahre 1990-2015 des United States Geological Survey (USGS)Quelle: BGR

 

Starke Beben mit einer Magnitude 6 und höher finden im Mittel etwa dreimal pro Woche statt. Solange sich die Epizentren dieser starken Beben beispielsweise in Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte bzw. guter Bausubstanz befinden, oder aber der Erdbebenherd in größerer Tiefe liegt, treten kaum schwerwiegende Folgen auf. Diese Beben werden von der Berichterstattung meist unterschlagen.

Umso dringender stellt sich die Frage, ob die gefährdeten Regionen oder Städte, die bereits Opfer dieser ungezügelten Naturkräfte waren, aus den bekannten Versäumnissen der Vergangenheit gelernt und inzwischen ihre Hausaufgaben erledigt haben. 

 

Anzahl der seit 1964 jährlich beobachteten Erdbeben der Magnitude 5.0 und höher, basierend auf den Daten des Unites States Geological Survey (USGS)Quelle: BGR 

 

Wie sieht es in diesem Zusammenhang mit der rumänischen Hauptstadt aus, die vor genau vierzig Jahren ein unsagbares Leid ertragen musste?

Bukarest kann auch heute einer solchen Katastrophe nicht widerstehen


Die rumänischen Behörden trafen in den vergangenen 27 Jahren einige Maßnahmen, um auf ein abermaliges Erdbeben dieser Stärke besser vorbereitet zu sein. Damals, am 4. März 1977, kamen mehr als 1.400 Menschen in Bukarest ums Leben. Die rumänische Hauptstadt kann immer wieder von solchen Naturkräften heimgesucht werden. Wenn ein ähnliches Beben Bukarest heute treffen würde, bestünde die Altstadt nur noch aus Ruinen, wie Spezialisten einschätzten. Eine im November 2016 vom Innenministerium in Auftrag gegebene Katastrophensimulation bestätigte dieses Szenario. Erdstöße der Stärke 7,6 auf der nach oben hin offenen Richter-Skala würden allein in Bukarest über 1.500 Menschen das Leben kosten und 4.100 Einwohner verletzen. Die zu erwartenden Schäden lägen bei mindestens 1,8 Mrd. EUR.

 

Es wird schon nichts passieren

 

Es gibt zur Zeit in der rumänischen Hauptstadt 772 Gebäude mit einem seismologischen Risiko und nur 79 davon wurden in den vergangenen 27 Jahren erdbebensicherer gestaltet. Das besagen zumindest die offiziellen Verlautbarungen aus dem Rathaus. 347 Häuser – wie auf der Website der Stadtadministration aufgeführt - unterliegen einer hohen seismischen Gefährdung, d.h., diese könnten starken Erdstößen nicht standhalten und würden zerbersten. Solche Gebäude sind rot markiert. 174 aus dieser Auflistung stellen sogar eine öffentliche Gefahr dar. Es bestehen nur äußerst geringe Chancen, dass diese Objekte einem Erdbeben der damaligen Stärke standhalten könnten.

Darunter sind auch 330 Gebäude der zweiten Risikokategorie, die zwar aufrecht blieben, aber wesentliche strukturelle Schäden von sich tragen würden. 95 Häuser hätten zudem einen deutlichen Substanzverlust

zu erwarten.

Die meisten der betroffenen Gebäude befinden sich in der City. Dazu gehören die Altstadt und die Straßen der Umgebung, der Cismigiu Park und der Magheru Boulevard – alles Bestand aus den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Einige davon sogar vom Ende des 19. Jahrhunderts.

„ Man kann im historischen Viertel die Gebäude an den Fingern abzählen, die ein derart starkes Erdbeben unbeschadet überstehen würden“, sagte Stefan Dumitrescu, der Chef-Architekt des dritten Bezirkes von Bukarest.

Darüber hinaus gibt es rund 1.500 Gebäude, die überhaupt noch nicht in den Risikokategorien erfasst wurden. Niemand weiß bisher, wie sicher diese Objekte sind.

2016 bewilligte die Regierung rund 25 Mio. RON (5,5 Mio. EUR) für die Konsolidierung seismologisch riskanter Gebäude. Fünfmal mehr als 2015. Trotzdem wurde kein Gebäude gesichert. Erst Ende 2016 waren die Bezirksverwaltungen in der Lage, die Eigentümer

und Bewohner von in solchen Gebäuden befindlichen Wohnungen

zu evakuieren.

2015 forderten die Behörden die Betreiber von Cafès, Restaurants Bankfilialen, Geschäften, Kinos und Theatern, deren Business in unsicherer Bausubstanz untergebracht ist, auf, ihre Lokalitäten zu schließen.

Stadt und Land verkennen nach wie vor die Gefahren der geologischen Lage

 

Denn auch am späten Mittwochabend des 27. Oktober 2004 erschütterte ein schweres Erdbeben Teile Südosteuropas. Die Erdstöße erreichten nach Angaben des amerikanischen Erdbebendienstes die Stärke 6,0 auf der Richter-Skala. Das Epizentrum lag etwa 65 Kilometer nordwestlich von Buzau und damit etwa 145 Kilometer nordöstlich der rumänischen Hauptstadt. Da sich der Erdbebenherd aber rund 100 Kilometer unter der Erdoberfläche befand, traten nur geringe Schäden auf. Glück gehabt!

 

Selbst wenn alle Gebäude in ferner Zukunft auf Erdbebentauglichkeit geprüft und die Konsolidierungsmaßnahmen abgeschlossen sein sollten, vermitteln die rumänischen Erfahrungen keine Sicherheit für die Bevölkerung. Noch heute haben allein in Bukarest Hunderte Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser oder Musikclubs keinen Brandschutznachweis. Tausende Menschen gehen dort täglich ein und aus.

 

Massensterben aus Fahrlässigkeit, Korruption übertüncht Sicherheitsmängel

 

Der Brand am 30. Oktober 2015 im Bukarester Musikclub "Colectiv" gilt

als beispiellose Tragödie in Rumänien. Bei der Katastrophe im Nachtclub

in der Strada Tăbăcarilor 7 wurden durch ein Feuer und eine Massenpanik

64 Menschen getötet und 147 teilweise schwer verletzt.

Auch eine Freundin meiner Frau verlor in dieser Nacht ihre Tochter.

 

Der Premier musste zurücktreten - und die Aufarbeitung lässt auf sich warten. Erst zehn Tage zuvor hatte die Polizei das Lokal kontrolliert und einen Mangel an qualifiziertem Personal beanstandet und dafür eine Geldbuße verhängt.

 

Als Fazit bleibt: Die Bevölkerung muss leiden, wenn Politik und staatliche Verwaltung ihrer Verantwortung nicht gerecht werden.

Ich drücke allen Bukarestern, vor allem unseren Verwandten und vielen Freunden die Daumen, dass sie auch in den nächsten Jahrzehnten von solch ungebändigten, leider nie auszuschließenden Naturgewalten verschont bleiben.

 

Wer an Gott glaubt, sollte es tun. Politik und Wirtschaft versinken derweil in Korruption, Machtgier und Profitsucht.

BJM

 

180 (2017-03-07) Bernd Jürgen Morchutt  

Serben sind traurig

Jugoslawien wird vermisst

 

Fast drei Viertel der Serben – 71 Prozent – trauern laut einer Umfrage dem früheren Jugoslawien nach. Mit großer Mehrheit – 68 Prozent – bedauern auch die Menschen in Bosnien-Herzegowinas den Zerfall des früheren Staatenbundes auf dem Balkan. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Ipsos hervor, das 10.500 Bürger in der Region befragt hat. In den übrigen Nachfolgestaaten Jugoslawiens ist die Zahl der Nostalgiker geringer. In Mazedonien bedauern immerhin noch 45 Prozent der Befragten den Zerfall des gemeinsamen Staates in den 1990er Jahren, in Montenegro sind es nur 28,1 Prozent, in Kroatien 18 Prozent. Am niedrigsten ist der Anteil derjenigen, die dem einstigen Jugoslawien nachtrauern, im Kosovo. In dem Staat, dessen Unabhängigkeit von Serbien nach wie vor nicht anerkannt wird, trauern nur 5,4 Prozent dem ehemaligen Jugoslawien nach, berichtete das Internetportal "Klix.ba" am Montag. Kein Wunder, denn die Moslems hatten über Jahrzehnte die Vertreibung der Ungläubigen als Ziel ausgerufen.

 

Für Slowenien wurden keine Daten angegeben. Aber die Erfahrungen und Eindrücke bestätigen, dass die Slowenen wohl am besten die Trennung von ihren ehemaligen Landsleuten verkraftet haben. Sie sind die wirtschaftlichen Sieger unter den heute sieben Nachfolgestaaten. Ein bisschen Nostalgie schwingt aber bei vielen von ihnen mit. Ein Besuch in Belgrad verbindet sich für ältere Slowenen mit eindrucksvollen Erinnerungen und interessanten Jugenderlebnissen.

 

179 (2017-03-04) Johann Steiner aus Bonn  

Zwei Brüder aus dem Banat eilen von Erfolg zu Erfolg

Herbert und Helfried Müller schreiben

in Deutschland Handball-Geschichte

 

 

Solch eine Erfolgsserie hat wohl noch kein Trainer-Gespann im bundesdeutschen Frauenhandball hingelegt: In zwölf Jahren haben die Brüder Herbert und Helfried Müller aus Warjasch/Variaş Meistertitel und Pokale wie Perlen an einer Schnur gesammelt und sind zu den erfolgreichsten Coaches im Frauenhandball avanciert. Von den Trainern, die aus dem Banat und Siebenbürgen stammen, ganz zu schweigen. Eine ähnliche Bilanz hatte bis dahin lediglich der aus Siebenbürgen stammende und inzwischen verstorbene Reinhard Gottschling, der 1982 und 1984 mit der Frauenmannschaft von Bayer Leverkusen jeweils deutscher Meister und gleichzeitig auch Pokalsieger geworden ist.

Die Müller-Brüder haben mit vereinten Kräften bisher neun deutsche Meistertitel gesammelt: drei mit dem 1. FC Nürnberg (2005, 2007 und 2008) und sechs in Folge (von 2010 bis 2016) mit dem Thüringer HC. Hinzu kommen noch vier DHB-Pokal-Siege, je zwei mit Nürnberg und Erfurt. Außerdem sind die Müller-Brüder Challenge-Cup- (2004) und zweifache Super-Cup-Sieger (2015 und 2016) geworden.


Die Erfolge teilen sich die in Temeswar/Timişoara geborenen und in Warjasch Aufgewachsenen brüderlich. Dabei spielen sie stets denselben Part: Herbert (Jahrgang 1962) ist Cheftrainer, Bruder Helfried (Jahrgang 1966) sein Assistent. Doch ihr Engagement beschränkt sich nicht allein auf die Handball-Bundesliga: Herbert ist seit 2004 Bundestrainer der österreichischen Frauen-Nationalmannschaft, Bruder Helfried betreut das österreichische Junioren-Nationalteam. Die Doppelaufgaben können sich die beiden nur erlauben, weil sie sich gegenseitig unterstützen und ergänzen. Aber auch, weil sie den Handball lieben und sich dafür voll einsetzen: „Mein Bruder ist der Techniker, ich der Fanatiker“, sagt Herbert Müller. Im Sommer will Herbert Müller mit der österreichischen Mannschaft das schier Unmögliche schaffen: einen Sieg gegen die haushoch bessere rumänische Nationalmannschaft in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2017 in Deutschland. Bruder Helfried hat mit den österreichischen Juniorinnen schon eine erste WM-Medaille gewonnen und damit einen großen Erfolg verbucht.


Als Vereinstrainer ist den Müller-Brüdern die Erfolgsserie selten gerissen. Ein Beispiel: Als die Handballabteilung des 1. FC Nürnberg 2008 Insolvenz anmeldet, gibt der Mathematiker Herbert die Stelle als Hochschuldozent am Institut für Informatik in Nürnberg auf und folgt zusammen mit Bruder Helfried einem Ruf aus dem siebenbürgischen Kronstadt. Doch die Verantwortlichen des CS Urban Kornstadt können nicht halten, was sie versprechen: Aus dem Vorhaben, eine Spitzenmannschaft aufzubauen, wird mangels Geldes nichts. Die beiden Trainer erhalten lediglich ein Monatsgehalt, halten aber bis Ende 2009 durch, stellen eine sehr gute Mannschaft zusammen und erreichen sogar das Halbfinale im EHF-Pokal, das sie knapp verlieren, weil ein Teil der Spielerinnen nach Ausbleiben des Gehaltes schon aufgegeben hatte.


Damals schlägt Herbert Müller Angebote aus dem Ausland aus, darunter auch eines aus Metz, er will in die Nähe von Nürnberg zurück, wo seine beiden Töchter leben. So kommt er 2010 nach Erfurt zum HC Thüringen.

 

In der laufenden Meisterschaft mischt der Thüringer HC zwar in der Spitzengruppe der Bundesliga mit, doch Herbert Müller und sein Bruder müssen nach den sechs Meisterfeiern in Folge Abstriche machen. Die HC-Sponsoren sind in erster Linie Landwirtschaftsbetriebe, denen es in letzter Zeit wegen des Preisverfalls der Agrarprodukte schlecht geht und die deshalb nicht mehr so viel Geld wie vorher für den Sport übrig haben. „Seit zwei Jahren können wir uns keine absoluten Spitzenspielerinnen leisten, wir spielen jetzt das Gallier-Dorf, das die Römer ärgert. In unserem Etat stehen jetzt 200.000 Euro weniger als in den Vorjahren.“


Der HC-Cheftrainer sieht in Bietigheim den neuen deutschen Meister im Frauenhandball. Doch an Aufgeben denkt er noch lange nicht. Er will mit der Mannschaft alles geben und seinen bis 2018 laufenden Vertrag erfüllen. Und deshalb hat er erneut attraktive Angebote aus dem Ausland abgelehnt. An einen Wechsel zu einer Herrenmannschaft denkt Herbert Müller auch nicht.


Mit dem Handball ist Herbert Müller als Siebtklässler in Warjasch in Kontakt gekommen. Als Gymnasiast spielt Herbert für das Temeswarer Sportgymnasium Handball. Von 1976 bis zur Umsiedlung nach Deutschland 1980 gehört er zur Jugendmannschaft von Poli Temeswar.


In Deutschland wird er für den FC Augsburg in der Regionalliga Handball spielen. 1985 übernimmt er als Trainer die Turn- und Sportgemeinschaft Augsburg. Elf Jahre lang wird er zusammen mit seinem Bruder die Deutsche Jugendkraft (DJK) Augsburg-Hochzoll trainieren und mit ihr den sportlichen Aufstieg in die Bundesliga schaffen. 1999 wechselt er zum 1. FC Nürnberg, mit dessen Damen-Mannschaft marschiert er aus der Landes-, über die Bayern-, die Regional- und die zweite Bundesliga in die erste Bundesliga. Der Einzug ins Handball-Oberhaus im Frühsommer 2002 nach 88 Pflichtspielen ohne Niederlage und zwei weiteren in der Bundesliga hat Herbert Müllers Mannschaft den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde gebracht.


Aus: Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien

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So                 21.05.2017 

Nr.             2.410 - 1.107

Aktualisierung        08:55

Übrigens,

 

… für die Vereinigten Staaten von Amerika würde die derzeitige Klassifizierung von HTS als terroristische Organisation das Eingeständnis bedeuten, dass sie hochentwickelte Waffen, darunter TOW-Panzerabwehrraketen an „Terroristen“ geliefert haben, und würde Aufmerksamkeit auf die Tatsache ziehen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika weiterhin islamistische Milizen in Syrien mit Waffen beliefern.

Sie haben richtig gelesen: der Grund, warum die Vereinigten Staaten von Amerika al-Qaeda in Syrien nicht als terroristische Gruppierung einstufen können, liegt darin, dass das die Vereinigten Staaten von Amerika gesetzlich dafür haftbar machen würde, eine terroristische Gruppe mit extrem hochentwickelten Waffen und Ausbildung versorgt zu haben.

Die Vereinigten Staaten von Amerika bewaffnen Terroristen in Syrien und bilden sie aus, aber statt sich einfach zurückzuziehen geben sie vor, dass al-Qaeda keine terroristische Organisation ist.

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(ohne Gewähr)

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