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XXXI. Olympische Spiele

Rio de Janeiro 2016

20 (2016 – 08 – 24) Walter Staufenbiel

„O Sport, 
Du bist Frieden !“

Doch was bleibt,

ist ein Limerick

 

Die Olympischen Spiele in Rio sind Vergangenheit.

Leider haben sie mich oft um den Schlaf gebracht,

denn ich habe immer wieder traurig dran gedacht,

wie das IOC den Olympia-Gedanken weiter kaputt gemacht.

Darum Achtung, denn Tokio ist nicht mehr weit!

 

Nach Ende der Fußball-Europa-Meisterschaft 2012 habe ich einen Limerick mit positivem Ausblick auf Rio 2016 gemacht.

Mein Fazit der diesjährigen Spiele beginnt mit einem Limerick. Es war nicht einfach, in diesen fünf Zeilen meine Gefühle aus zu drücken. (Ich schreibe das bewusst auseinander, denn ich habe wirklich etwas aus mir rausgedrückt.) Meine große Sorge um den Fortbestand des Olympischen Gedankens, der da lautet O sporttu es la Paix!“

Welcher Frieden ist wohl heute damit gemeint? Der Frieden, den die Milliarden auf den Konten des IOC seinen Funktionären verbreiten, oder der (Schein) Frieden, der durch inkonsequentes Verhalten des IOC gegen Doping erreicht wird. Wie lange will der Herr Bach noch mit diesen Zuständen, die ihm persönlich zwar die Taschen füllen, aber der Sportjugend der Welt nicht wirklich helfen, leben.

Heute Rußland, wer morgen? Doping ist ein Krebsgeschwür, und wie im Leben, wuchert es auch in der Sportwelt weiter, Heilung gibt es nicht, nur Hinauszögern. Aber wir haben ja nicht nur Krebs, äh Doping. Wie lange soll es noch so weitergehen, dass aller vier Jahre Milliarden für 14 Tage

angeblicher heiler Sportwelt ausgegeben werden, nur damit sich eine Handvoll weltfremder und abgehobener sogenannter Weltsportfunktionäre feiern lassen können.

 

Rio war das krasse Beispiel von Olympischen Spielen im hoch brisanten Spannungsfeld von Arm und Reich. Hier hätte das IOC doch mal ein paar Milliönchen locker machen können, um Eintrittskarten an die Armen zu verschenken, Nein, lieber haben Funktionäre dieses Milliarden-Gremiums noch kriminell mit Eintrittskarten gewerkelt. Wo sind eigentlich hier die gelben und roten Karten? Und der Herr Bach lässt sich weiter feiern und redet noch von Zeichen setzen und so. Das Schlimmste dabei ist für mich die Tatsache, dass es immer noch Athleten gibt, die sich jahrelang den Arsch aufreißen, viele Entbehrungen auf sich nehmen und am Ende sogar auf dem Treppchen heulen, wenn im Hintergrund die Landeshymne gespielt wird. Und die Funktionäre, in dem Fall die Großdeutschen?

Die Jammern, weil ihre Zahlenspielchen nicht aufgehen. Ich staune nur, dass bei diesen finanziellen „Anreizen“ überhaupt noch Sportler trainieren. 20.000 €uro für den Olympiasieg ist für mich der blanke Hohn. Schon als mittelschlechte Fußballer würden sie doch in Saus und Braus leben können. Und fragen wir mal lieber nicht nach den Gehältern unserer Sportfunktionäre. Im Gegensatz dazu rede ich auch nicht von den Bedingungen in kleinen Sportvereinen. Jetzt ist wieder der Moment, wo ich als der bekannte dumme Michel auch nichts zum Thema Sport in der bösen, bösen DDR (DDR hieß ja in Wirklichkeit „Durch Doping Rekorde“) sagen will, aber ich muss, denn ich habe ja nun mal dort gelebt.

Und kenne mich auch ein wenig aus. Jetzt hör ich mit dem Zeug auf, rede mich bloß noch um Kopf und Kragen. Noch dazu, wo der ehemals oberste Herr Freiheitskämpfer in der DDR, der Herr Pfarrer (Wie heißt der bloß?) nun auch Olympische Spiele in Deutschland möchte. Dass Bürger im demokratischsten Land aller Länder dies in Volksabstimmungen schon mal abgelehnt haben, scheint noch nicht bis ins Schloss mit dem schönen Blick vorgedrungen zu sein.

Oberster Deutscher aller Deutschen müsste man sein, denn dann könnte man solche Furz-Ideen in die Welt setzen. In den Sand gesetzte Milliarden für Flughäfen, Drohnen, Philharmonien und Auslandseinsätze deutscher Krieger reichen da noch nicht.

 

Soweit dazu. Nun noch einige ganz vorsichtige Bemerkungen zu den von den öffentlich-rechtlichen Medienanstalten auch mit meinen Beiträgen in Brasilien-Urlaub geschickte Menschen. Ihr sogenannter Arbeitsnachweis war stellenweise grausam, unzumutbar und unter der Gürtellinie. Athleten, die immer noch nach Luft ringend, vom Wettkampf kommen, Löcher in den Ar... zu fragen, ist für mich instinktlos. Und was der sogenannte Marathon-Reporter geboten hat.. Aber immerhin, sie alle träumen bestimmt schon von, auch durch mich wieder mitfinanzierten Urlaub in Tokio 2020. Der dumme Michel aber träumt jetzt von erlebten Reportagen mit H.F.Ö. und seinen damaligen Kollegen.

DDR-Eingeweihte wissen, wen ich meine, natürlich Öertel und Co.!

Hier mein absoluter Schluss: Dank an alle Athleten, die mit mehr oder weniger Erfolg ihre Disziplinen vertreten haben. Dank auch an die vielen ehrenamtlichen Helfer, die diese Olympischen Spiele ermöglicht haben.

Weg mit den Medaillenspiegeln und den sogenannten Sportfunktionären, die aktuell im IOC goldene Nasen verdienen und trotzdem korrupt sind:

O Sport, You are Peace!“

O sport, tu es la Paix!“

О спорт, ты – мир!“

O Sport , Du bist Frieden !“

Dafür steht Staufi vom Flohmarkt

19 (2016 – 08 – 24) Uwe Morchutt

Die Rechnung, bitte!

Wer soll das bezahlen?

 

Ganz ehrlich, das Allerletzte zu Rio 2016. Die XXXI. Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sind vorbei. Wie nach einem Essen im Restaurant folgt nun die Rechnung. Egal ob es geschmeckt hat, oder nicht! Der Koch ist zufrieden, wenn die Gäste wiederkommen. Thomas Bach, der IOC-Chef, ist auch zufrieden, obwohl keiner wiederkommt, weil der Veranstaltungsort raffinierter Weise immer wechselt. Welch' ein Geschäftsmodell! Die Kasse stimmt, die Rechnung bezahlt schließlich ein anderer. Wie im Restaurant, wenn der Nachbartisch die üppige Rechnung begleicht!

Die geschätzten Kosten von insgesamt 11,7 Mrd. Euro konnten nur mit Hilfe des Staates und von privaten Unterstützern (58 Prozent) beglichen werden, so vermelden es die Auguren. Wieviel davon auf Pump beglichen wurde, oder noch wird, verrät natürlich keiner. Brasilien ist sowieso pleite, da kommt es auf ein paar Nullen vor dem Komma sowieso nicht an. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Bewertung brasilianischer Staatsanleihen bekanntlich auf Ramsch-Niveau gesenkt.

Ebenso ARD und ZDF, die Kosten für das Sportspektakel sind wie immer „streng geheim“. Der Gebührenzahler, der sich nicht für „Pharmaspiele“ interessiert, könnte sich ja weigern, zukünftig seinen monatlichen Obolus von 17,50 Euro im Monat zu entrichten, und lieber als Gebührenrebell in Gewahrsam gehen! Vorher wird aber noch das Konto gepfändet, wenn etwas zu holen ist?

 

Eine Frau aus Thüringen wurde kürzlich landesweit bekannt, die es bis zum Äußersten getrieben hat: Sie ist die Erste, die wegen hartnäckiger Gebührenverweigerung ins Gefängnis ging, zwei Monate währte ihr Aufenthalt im Frauengefängnis von Chemnitz. Übrigens: Hafträume sind keine Wohnräume, so dass sie von der Gebühr befreit sind! Die Thüringerin konnte also gebührenfrei in „Karl-Marx-Stadt“ das Programm „genießen“!

 

Was zu DDR-Zeiten die Stasi mühelos schaffte, gelingt heute der GEZ! Bleibt man den Rundfunkbeitrag länger als sechs Monate schuldig, begeht man laut Rundfunkstaatsvertrag eine Ordnungswidrigkeit. Dann können die Rundfunkanstalten auch noch ein Bußgeld beantragen. Wenn man darauf nicht innerhalb von zwei Wochen reagiert, gehen die Behörden davon aus, dass man nicht zahlen will. Als letztes Mittel droht die Erzwingungshaft. Maximal drei Monate können Bußgeldverweigerer eingesperrt werden.

Die Rechnung von London 2012, ich weiß nicht, ob sie schon restlos bezahlt ist, liegt zur Einsicht vor. Zum Glück kommt heute alles ans Tageslicht. In ein paar Jahren, werden wir auch die wahren Kosten für Rio 2016 präsentiert bekommen, wenn sich keiner mehr dafür interessiert und die Olympiabauten sanierungsbedürftig sind. Der nächste Ausrichter 2020 ist ja schließlich mit Tokio schon bekannt. Selbstverständlich soll alles noch bunter und noch größer werden. Im Land der aktiven Erdbeben und 200 km von Fukushima entfernt. Es lebe Olympia, die XXXII. Sommerspiele werden garantiert noch „strahlender“ sein, und wie immer einen glücklichen IOC-Präsidenten zurücklassen! Welch' ein Geschäftsmodell! Die TV-Rechte hat dann Eurosport, so dass es noch teurer wird für die „Couch-Potatoes“, wenn sie die Spiele hochauflösend sehen wollen! Es lebe die olympische Idee! umo

18 (2016 – 08 – 22) Bernd Jürgen Morchutt

Gewinner und Verlierer

der XXXI. Olympiade

Spiele unter Ausschluss

der Öffentlichkeit 

 

Wenn ich mal großzügig rechne, habe ich von den umfangreichen Übertragungen aus Rio de Janeiro eventuell zwei Stunden Live-Sport miterlebt. Rund 90 Minuten davon entfielen auf die Endphase des Fußballfinales Brasilien gegen Deutschland. Wer mich kennt, weiß, dass ich durchaus ein bisschen sportinteressiert bin. Aber, warum soll ich mir alle vier Jahre über Stunden im Fernsehen Sportarten und deren Wettkämpfe ansehen, die zwischen den Olympischen Spielen auf dem Bildschirm nicht zu finden sind. Da treten deutsche Sportler an, von denen ich noch nicht einmal die Namen kenne. Ganz zu schweigen von den Regeln mancher Wettbewerbe. Und das auch noch morgens zwischen zwei und fünf Uhr.

Trotzdem sind mir einige Dinge, Geschichten und Vorkommnise im Gedächtnis haften geblieben.

 

Medaillenspiegel

 

Zuerst unsere Sportlerporträts auf laptopwerk.de. Danke, lieber Klaus Blume, da steckte sehr viel Engagement, Kraft und Können dahinter. Das Lob gilt darüber hinaus für jeden unserer Mitstreiter, die aus ihrer Sicht die Ereignisse von Rio reflektierten und verarbeiteten.

Die deutschen Sportfunktionäre hatten das Ziel ausgegeben, mit 44 Medaillen die Heimreise anzutreten. Am Ende wurden zwei weniger erkämpft.

Vorgabe in etwa erreicht. Platz fünf in der Länderwertung. Dummerweise lagen zum Schluss sogar noch die Russen vor uns. Peinlich. Das darf in vier Jahren nicht wieder passieren. Wir müssen Rußland endlich von solchen internationalen Sportevents ausschließen.

 

Da fällt mir ein, es gab vor nicht allzu langer Zeit ein kleines Land, dessen Kürzel DDR lautete. Die gewannen schon mal bei einer Sommerolympiade allein rund 40 Goldmedaillen. Aber dieses stasi- und dopingverseuchte Staatsgebilde kennt heute ohnehin niemand mehr.

 

Glück und Leid

 

Gut, dass die russischen Leichtathleten von der Teilnahme ausgeschlossen wurden. Sonst wäre Putins Gefolgschaft womöglich im Medaillenspiegel noch auf Platz zwei vorgerückt. Direkt hinter der Welt-, Friedens- und Sportmacht USA.

 

Apropos Leichtathletik, waren bei den zahlreichen Wettkämpfen eigentlich auch Deutsche zugelassen? Ach ja, 89 Teilnehmer, die bravourös kämpften und drei Medaillen (zweimal Gold und einmal Bronze) gewannen.

Eine Quote, die in der DDR zur Abschaffung dieses Sports geführt hätte.

 

Verhaltenskodex

 

Einer dieser beiden deutschen Goldjungen, nicht der Speer-, sondern der Diskuswerfer enttäuschte uns sogar noch maßlos. Als bei der Siegerehrung die Melodie aus dem Lied Gott erhalte Franz, den Kaiser (gemeint ist der römisch-deutsche Kaiser Franz II./Deutsche Nationalhymne), erklang, fing Christoph Harting plötzlich an rumzuhampeln und seiner Freude freien Lauf zu lassen. Das deutsche Volk war empört und schaltete die Fernseher aus.

Schließlich hatten uns Haydns Melodie und der Text von Hoffman von Fallersleben gerade in den letzten hundert Jahren durch viele Schlachten und Kämpfe begleitet. Zum Glück keine siegreichen.

 

Ich kann den Jungen verstehen. Er war der unerwartetste und überraschendste Olympiasieger dieser Spiele. Kein Wunder, dass Deutsche so wenige Titel gewinnen. Die haben Angst vor der Medaillenzeremonie und der anschließenden Bewertung ihrer Haltungsnoten.

 

Wirklich peinlich dagegen waren die Auftritte mancher deutscher Reporter oder Moderatoren. Dem Pferdejournalisten mit dem braunen Streifen in der Hose hatte ich schon vor zwei Wochen ein paar Bemerkungen geschenkt. Jedes Mal, wenn Frau Müller-Hohenstein auf dem Bildschirm erscheint, fällt mir die Fernbedienung aus der Hand. Danach drücke ich genussvoll die „Out“-Taste der Remote Controll. Das ist für mich (um mit den Worten von KMH zu sprechen) einfach nur ein „innerer Reichsparteitag“.

Wer solche Leute vor die Kameras oder Mikrofone lässt, sollte sich hüten, über Sportler zu urteilen, die sich in ihrer Disziplin als Weltbeste erwiesen haben.

 

Indianer und Vorratshaltung

 

Bei unserem Schulsystem kann es nicht verwundern, dass Deutschland im Schwimmen ohne Podiumsplatz geblieben ist. Im Beachvolleyball dagegen sind wir viel besser. Da muss man ja auch nicht ins Wasser. Bei den Frauen fallen die Wettkampftrikots auch noch schön stoffsparend aus.

 

Aber reitend, mit der Schnellfeuerwaffe, mit Pfeil und Bogen, im Kanu oder im Ruderboot konnte uns kaum jemand besiegen. Ich habe schon immer geahnt, wir Deutschen sind die Indianer Europas. Vielleicht ergeben sich daraus ein paar Ansätze für die Umrüstung unserer Bundeswehr und die Planung der nächsten Kriegseinsätze. Frau Merkel hat trotz ihrer untröstlichen intellektuellen Einschränkungen bereits richtige Schlussfolgerungen aus dem olympischen Kampfgeschehen gezogen: Wir müssen an unsere Vorräte denken! Die Terroristen haben wir schon „aus Versehen“ in unser Land gelassen. Wenn jetzt noch die Russen kommen? Da die keine Leichtathletik mehr betreiben dürfen, werden die uns glatt überlaufen, an den Hindernissen bedrängen, mit Speer, Stab und Hammer drangsalieren oder gar in die Grube schubsen.

 

Rasenballsport

 

Als militant ballverliebtes Land kommen wir mit den Sportarten, bei denen das Runde ins Eckige befördert werden muss, traditionell recht gut zurecht.

Die Handballer, Hockeyspieler und umso mehr die Kickerfrauen sind Weltspitze. Die hatten aber auch das Glück, dass sie ihre besten Spielerinnen und Spieler mit nach Rio de Janeiro nehmen durften. Im Fußball legten die deutschen Spitzenvereine und Sponsoren ihr Veto ein. Da zählt eine Halbfinalniederlage bei der Europameisterschaft mehr als ein Olympiasieg! Trotzdem holten die Jungs von Horst Hrubesch Silber. Die beeindruckende Bilanz eines Teams, das vor vier Wochen noch gar nicht existierte. Die ursprüngliche Reserve einer B-Nationalmannschaft gab sich erst im Elfmeterschießen den Brasilianern geschlagen. Die hatten immerhin einen der Top-Drei-Fußballer der Welt in ihren Reihen: Neymar. 

Geldverbrennung

 

Mindestens zwölf Milliarden EUR mussten die Brasilianer für ihre Spiele von Rio berappen. Viele Plätze in den Sportstätten blieben leer. Hunger vertrieb die Zuschauer. Elend erzeugt keine Olympiabegeisterung.

Wer spricht heute noch von den brasilianischen WM-Fußball-Stadien von 2014? Das Land versinkt in Armut, Korruption und Chaos. Aber wen interessiert das nach dem Sportfest? Wir blicken schließlich nach vorn.

 

Die Spiele der XXXII. Olympiade sollen vom 24. Juli bis zum 9. August 2020 in Tokio stattfinden. Dann wird der olympische Wahnsinn seine Fortsetzung finden.

Bei sieben Stunden Zeitunterschied sicher wieder ohne mich.

 

Goldrausch

 

Ach ja, zum Schluss habe ich noch die Goldplatzierten, die nicht im Medaillenspiegel auftauchen:

 

Elf Giganten dürfen sich „Worldwide Olympic Partners“ nennen, die mit dem IOC längerfristige Verträge zumindest über einen Olympiazyklus von vier Jahren abschließen, aber nur die Spitze der monetären Pyramide darstellen:

Coca-Cola, McDonalds, Visa, Bridgestone, Samsung, Panasonic, Omega, Procter & Gamble (P&G), General Electric (GE), Dow und Atos.

Jedes dieser Unternehmen zahlte für den Vierjahreszeitraum von 2013 bis 2016 geschätzte 100 Millionen Euro an das IOC und kann dafür direkt mit dem Megaevent werben. Ab 2017 ist Toyota neu mit im Boot.

 

Über die Payback-Rate dieser Investments herrscht Stillschweigen. Das IOC zumindest hat seine Schäflein im Trockenen: zwei Milliarden EUR.

Na dann, viel Spaß in vier Jahren.

BJM

17 (2016 – 08 – 19) Klaus Blume

Die deutsche Olympiamannschaft (7)

 

Porträt:

Mountainbike-Star Sabine Spitz

 

Eine Legende auf

ihrer letzten Tour

 

Den Gedanken, dass nach Jahren der Schinderei die fünfte Olympiateilnahme in allerletzter Sekunde platzen könnte, schiebt die Mountainbikerin Sabine Spitz beiseite. " Die Hoffnung bleibt, Daumen drücken", schrieb die 44-Jährige auf Facebook. Sabine Spitz war vor rund zehn Tagen im Training in Kanada gestürzt. Aber sie sei nach wie vor optimistisch, am Samstag in Rio dabei sein zu können. 

 

Denn sie ist zwar eine geborene Siegerin, aber alles andere als ein schillernder Star. Dafür rackert sie seit über zwanzig Jahren. Noch immer verzichtet sie auf vieles und schindet sich stattdessen. So ist aus der Chemielaborantin D I E Legende im Mountainbike-Sport worden: Bei Olympia sammelte die 44-Jährige  gleich einen ganzen Satz an Medaillen: Im Jahre 2004 Bronze, 2012 Silber, 2008 Gold! Hinzu kommen zwei Weltmeister- und 17 deutsche Meistertitel - einfach grandios! In Rio will sie zu ihrem fünften olympischen Rennen starten - und damit ins Finale der Ära Spitz. 

Den Olympia-Kurs in Rio hat sie sich zuvor genau angeschaut. Die dortige Runde hat ihr bei der Besichtigung ausnehmend gut gefallen. Sie scheint ihr zu liegen. Doch wie 2012 in London, ist auch dieser Kurs größtenteils ein künstlicher. So entstand eine sehr schnelle Strecke, auf der technische Passagen besonders sauber gefahren werden müssen. REPRÄSENTIERT SO ETWAS NOCH DEN ursprünglichen MOUNTAINBIKE-Sport? „Doch“, es wird nicht verfälscht“, meint Sabine Spitz. 

 

Alle Welt spricht beim Radfahren sofort über Doping! Doch schon 2009 wurden Sie vom Internationalen Olympischen Komitee für Ihre konsequente Anti-Doping-Haltung mit der IOC-Trophy geehrt. Damals plädierten Sie für eine strafrechtliche Verfolgung der Dopingtäter. So, wie später Diskus-Olympiasieger Robert Harting und der schwedische Biathlon-Olympiagewinner Björn Ferry, der obendrein eine lebenslange Sport-Sperre fordert. Haben Sie diese Problematik jemals mit Ihrem Verbandsvorsitzenden Rudolf Scharping und mit IOC-Präsident Thomas Bach erörtert? „Nein, doch ich hätte es gern getan. Aber dafür hatten die Herren bisher keine Zeit.“

Wir lasen, Sie würden auf dem Fahrrad etwa 25 000 Kilometer pro Jahr zurücklegen, davon 80 Prozent auf der Straße. Hinzu kämen Training im Kraftraum,  regelmäßige Leistungs- und Materialtests. Wie für Ihr nur 7,6 Kilo leichtes Carbon-Rad. Summa summarum sind Sie etwa 200 Tage im Jahr auf Rennen, im Training und zu Testzwecken unterwegs. Manchmal, ließen Sie deshalb durchblicken, hätten Sie die Nase davon gestrichen voll. Doch Ihr Mann Ralf Schäuble, zugleich Ihr Manager, habe sie immer wieder motiviert. Auf welche Weise? „Auf die nette, wie denn sonst?“

 

Radfahren gilt den Deutschen als liebste sportliche Freizeitbeschäftigung. Vor allem abseits der großen Straßen, in der freien Natur. Was aber eben noch gelobt wurde, wird nun zunehmend kritisiert: Mountainbike-Parcours - heißt es - würden die Natur verschandeln - ob in Wiesbaden oder Hannover, ob im norddeutschen Deister oder im Schweizer Kanton Zürich. Obendrein rase der Zeitgeist auch noch per E-Mountainbike durch den Busch. Herrscht jetzt wirklich Halligalli im Wald und auf der Flur? „Das nicht, aber man muss halt versuchen, miteinander auszukommen.“

 

Nach fünf Olympiastarts - wenn es denn so wird - sei nun wirklich endgültig Schluss - hat sie gesagt. Andererseits hat ihr das südafrikanische Etappenrennen Cape Epic, die Tour de France der Mountainbiker, ganz besonderen Spaß bereitet. Auch der Straßen-Profi Udo Bölts, in diesem Jahr sogar Sieger in Südafrika, hat Gefallen daran gefunden. Mit Neunundvierzig! Wäre das also nicht auch was für Sie? „Wir können uns ja nächstes Jahr dort treffen.“

KBL

16 (2016 – 08 – 19) Uwe Morchutt

Medaillen - dank starker Pferde

Apfelschorle zur Belohnung

 

Deutschland, das Land der Schützen und Reiter. Ein gewiefter Beobachter könnte jetzt vermuten, dass es genau in die gegenwärtige Zeit passt. Oder aber auch die aktuelle gesellschaftliche Gefährdungslage in Deutschland widerspiegelt.

Die ungebremste Aufrüstung der Bevölkerung mit dem kleinen Waffenschein, der mehr subjektive Sicherheit verspricht, ist die Folge. Wer glücklicher Besitzer eines Pferdes ist, kann somit auch schneller Gefahren-Momenten aus dem Weg reiten. Insbesondere dann, wenn man die Vielseitigkeit eines Pferdes ausnutzt. Wer muss da noch schwimmen können? Vielleicht auch noch schnell, was einer Quälerei gleichkommt. Auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Deutschland verkommt immer mehr zum Land der Nichtschwimmer.

Aufblasbare Schwimmflügel boomen ebenso wie der kleine Waffenschein. Was höre ich da: Jedes dritte Grundschulkind in Deutschland kann nicht schwimmen. Obwohl es eine Schulpflicht (mutmaßlich mit Sportunterricht) gibt! Verantwortlich dafür sind die Eltern, aber auch das antiquierte Schulsystem. Droht dem Schwimmen das schleichende Ende? 

Laut Emnid können Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zu 33,9 Prozent gar nicht oder nur schlecht schwimmen. Der Anteil der Nichtschwimmer und schlechten Schwimmer in der gesamten Bevölkerung beläuft sich laut Experten auf 23,3 Prozent – also knapp ein Viertel der Bevölkerung. Landesweit stoßen die Nichtschwimmerbecken an ihre Grenzen!

Aber zurück zu den Vierbeinern. Die Pferde haben uns mehr Medaillen eingebracht als alle Schwimmer zusammen. Natürlich ein Kinderspiel, wenn die Schwimmer gar keine Medaille holen. 

Zum Glück keine Verschlechterung zu 2012, wo man auch „plantschen“ ging! Wären die Pferde und die „Waffennarren“ nicht, sehe es düster aus mit Olympia „Made in Germany“ im Medaillenspiegel. Die Schützen haben bisher dreimal Gold und einmal Silber abgeschossen. Vielleicht gibt es ja noch einen Ehrenpokal am Ende der Spiele für die „sauberste“ Olympiamannschaft zusammen mit einem Jahres-Abo der „Apotheken-Umschau“! Natürlich überreicht vom Berliner Hans-Joachim „Hajo“ Seppelt, dem unbeirrbaren Dopingfander der ARD!

Die bisherige sportliche Medaillenausbeute der deutschen Olympiamannschaft ist somit ein Spiegelbild der bundesdeutschen Realität. Die begabten Vierbeiner, die in keiner Sportförderung auftauchen, auch keine passende Ausrede parat haben, wenn es einmal zu heiß, zu nass, zu kalt oder zu windig ist, weil der ersehnte Medaillenerfolg ausbleibt. Machen einfach ihren Job, wie es der Mensch erwartet!

Die erfolgreichen Pferde, die in Rio mit einer Apfelschorle „belohnt“ wurden, sollen an dieser Stelle ins verdiente Rampenlicht gerückt werden. Zweimal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze gehen auf das Konto von Sam FBW (Michael Jung), Hale Bob OLD (Ingrid Klimke), Opgun Louvo (Sandra Auffarth) und Samourai du Thot (Julia Krajewski) in der Vielseitigkeitsprüfung. Sowie an Desperados FRH (Kristina Bröring-Sprehe), Showtime FRH (Dorothee Schneider), Weihegold OLD (Isabell Werth) und Cosmo (Sönke Rothenberger) in der Dressurprüfung.

Ganz frisch kommt hier sogar noch eine Bronzemedaille hereingeritten. Im Nationenpreis, bestehend aus vier Pferden mit ihren Reitern, hat Deutschland nach dem Stechen mit Kanada den dritten Platz erobert. Trotz sengender Hitze in der Mittagszeit haben Taloubet Z (Christian Ahlmann) Fibonacci (Meredith Michaels-Beerbaum), First Class (Daniel Deußer) und Casello (Ludger Beerbaum) einen glänzenden Job gemacht.

Die Schützen (Gold: Engleder, Junghänel und Reiz; Silber: Karsch) und die Reiter haben somit insgesamt zehn Medaillen gewonnen. Sechs Medaillen, Leonardo Fibonacci, der Rechenmeister des Mittelalters aus Pisa könnte es nicht besser errechnen, gehen allein auf das Konto der Pferde.

Die Pferde sind damit erfolgreicher als die Schwimmer und Leichtathleten (Stand: 18. August 2016) zusammen!

Ein Dankeschön an die bescheidenen Vierbeiner, die schon mit einer Apfelschorle zufrieden sind! umo

15 (2016 – 08 – 18) Gerhard Vögtler

Olympiafeuer der Zukunft

Batschauer und Cranz

entfachten die Frauenpower

 

Rio de Janeiro ist praktisch vorbei, da winkt Tokio in vier Jahren schon als Zeichen des neuen Starts. Zwischen Bilanz und Prognose als Atempause ein Blick in das Geschichtsbuch der Olympischen Spiele.

Kurios: Die erste Goldmedaille für deutsche Olympiastarter gab es 1908 bei den Sommerspielen in London in einer Wintersportdisziplin. Im Olympiaprogramm stand nämlich auch der Eiskunstlauf. Den Wettbewerb der Paare gewannen die Weltmeister Anna Hübler und Heinrich Burger aus München vor ihren Rivalen aus dem Gastgeberland.

Die Leichtathletin Lina Radke-Batschauer aus Baden-Baden siegte 1928 bei den Olympischen Sommerspielen in Amsterdam in Weltrekordzeit über 800 Meter. Vier Jahre zuvor feierten die ersten Olympischen Winterspiele in Chamonix Premiere.

Erste deutsche Olympiasiegerin bei Winterspielen wurde 1936 in Garmisch-Partenkirchen Skirennläuferin Christl Cranz aus Freiburg.

Cranz wie Batschauer eine Pionierin des olympischen Sports. Die von ihnen ausgelöste Frauenpower beflügelt die Athletinnen weltweit zu Weltklasseleistungen, die bei den Sommerspielen in Rio Tag für Tag Glanzlichter entfachen. 

 

Mögen sie bei Talenten das Olympiafeuer entzünden. So wie das in Baden der Fall war mit den Medaillengewinnen von Melanie Behringer und Sabine Spitz, deren Start übermorgen bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro gefährdet ist. Die Mountainbike-Olympiasiegerin aus Bad Säckingen im Landkreis Waldshut hat eine schmerzhafte bakterielle Infektion im Knie. Zum Glück hat Sabine schon drei Olympiamedaillen. 2004 holte Spitz in Athen Bronze, 2008 Gold in Peking und 2012 Silber in London. Jetzt heißt es nur noch: „Daumen drücken!“

GV

14 (2016 – 08 – 17) Klaus Blume

Die deutsche Olympiamannschaft (6)

 

Porträt: Ringerin Aline Focken

 

Je mehr Stress, desto besser

 

Sagen Sie bloß, Sie haben noch nie etwas von Aline Focken gehört? 

 

Dabei hat die Krefelderin doch schon fast alles gewonnen, was es im Freistil-Ringen zu gewinnen gibt: Deutsche Meistertitel, en masse; die Europa- und - selbstredend - auch die Weltmeisterschaft. Fehlt jetzt nur noch der Olympiasieg in Rio de Janeiro. Dafür ackert die 24-Jährige nun schon seit ihrem zehnten Lebensjahr. Und zwar „fanatisch“, wie Mutter Focken ihre 2015 zum „Champion des Jahres“ gekürte Tochter beschreibt. Hat sie damit recht, Aline? „Ja, durchaus! Denn ich war nun mal kein Talent; bei mir ist alles, was ich inzwischen kann, antrainiert. Also hart erarbeitet. Aber es lohnt, sich durchzubeißen, um dort anzukommen, wo man am Ende hinmöchte.“

 

Nun steht Ringen - wenngleich eine der ältesten und ehrwürdigsten olympischen Sportarten - nicht gerade im öffentlichen Interesse ganz oben. Das ist zu bedauern, aber leider eine Tatsache. Als es dann im Jahr 1987 die ersten Ringer-Weltmeisterschaften für Frauen gab, war Aline noch gar nicht geboren. Drei Jahre zuvor hatte es die ersten Olympiasiegerinnen in der Rhythmischen Sportgymnastik gegeben. In einer Sportart, die damals und auch in den Jahren danach gerade am Niederrhein geboomt hat. Also in Alines Heimat. Eine Sportart, die viele Mädchen angelockt hat - nicht aber Aline Focken. 

 

Warum musste es bei ihr unbedingt Ringen sein?

 

„Ganz einfach weil Ringen eine Schule fürs Leben ist.“

Der amerikanische Bestseller-Autor John Irving - selbst ein Leben lang Ringkämpfer - behauptet sogar, das Ringen habe ihm beim Schreiben geholfen. Dennoch, Ringen als eine Schule fürs Leben sehen zu wollen - das müssen Sie uns erklären. Aline Focken versucht es: „Vielleicht so: Ich trainiere in unserem Verein auch eine Kinder- und Jugendgruppe. Da drin haben wir auch so manchen „Straßenköter“. Also rüde, widerborstige Jungens. Bei uns Ringern lernen sogar diese Jungen Respekt und Disziplin. Das heißt: bei uns können sie zum Ringer werden. Disziplin und Fairness lernen. Und wenn es einen solchen Jungen dann richtig packt, dann zu einhundert Prozent.“

 

Klasse, doch wie schafft Aline Focken das alles?

 

Sie trainiert für große Turniere, wie jetzt in Rio de Janeiro; sie übt regelmäßig und mit großem Einsatz mit dem Krefelder Nachwuchs. Und sie arbeitet obendrein für eine ambulante Fachklinik als Krankengymnastin. Denn schließlich muss sie ja auch ihren Lebensunterhalt verdienen. Da stellt sich freilich die Frage: Wie schafft sie das alles, denn der Tag hat ja auch für jemanden, wie Aline Focken nur 24 Stunden . . . Das sei zwar alles richtig, „nur Sport allein reicht mir eben nicht. Ich brauche das alles für meinen Kopf, denn ich muss mich auch geistig fordern. Je mehr Stress, desto besser.“

 

Je mehr Stress, desto besser - das ist ja wohl auch das Familien-Motto der Fockens. Einer Ringer-Dynastie: Ihr Opa war einst der zweite Mann hinter der Ringer-Legende Wilfried Dittrich, dem so genannten „Kran von Schifferstadt“.  Ihr Vater betreute Aline dann von Anfang an als Trainer, ihr Bruder Tim steht ebenfalls als Kämpfer auf der Matte. Da fragt man sich fast automatisch: Vergleichen Sie sich manchmal mit den Männern? „Nein,“ antwortet Aline, „denn wir sind doch genauso stark. In den Beinen, in den Armen, vor allem im Kopf.“

 

Allerdings hat die Leistungsdichte gerade in ihrer Gewichtsklasse, bis zu 69 Kilo, in den letzten Jahren extrem zugenommen. Und das bei mitunter bis zu sechs Kämpfen an einem Tag. Vor allem bei großen internationalen Turnieren. Kann sie sich nach einem solchen Kampftag überhaupt noch an die letzten Sekunden eines wichtigen oder auch dramatischen Kampfes erinnern? „Das nicht, denn es ist stets ein einziger Rausch, in welchem du den Sieg nur noch festhalten willst.“ 

KBL

13 (2016 – 08 – 16) Klaus Blume

Die deutsche Olympiamannschaft (5)

Porträt:

Die Taekwondo-Familie Gülec

 

Volles Training

im Ramadan

 

Bundespräsident Gauck ist zwar nur noch sieben Monate lang im Amt, doch er will noch vorbeikommen. So heißt es jedenfalls in Berlin. Alfons Hörmann, der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hat schließlich gleich zu Beginn seiner Amtszeit den Nürnberger Taekwondo-Klub ÖZER besucht.

Sogar als ersten deutschen Sportverein. Weil es dort vor allem um sozialintegrative Leistungen gehe. In dieser koreanisch geprägten Kampfsportschule absolvieren sogar Israelis mit Palästinensern gemeinsame Lehrgänge. Oder Behinderte trainieren mit Nichtbehinderten. Das alles ist dort zu beobachten. Özer Gülec, der deutsch-türkische Gründungsvater dieses Bundesstützpunktes, macht‘s möglich. Aus aller Welt pilgern deshalb Taekwondo-Kämpfer zu ihm ins fränkische Nürnberg. 

 

Aber nicht nur zu ihm, auch zu seiner Nichte Rabia, der Weltmeisterschafts- und Europameisterschaftsdritten und seinem in diesem Sport hoch angesehenen Neffen Tahir, seines Zeichens Weltmeister des Jahres 2013. Ein Mann, der von sich sagt: „Ohne eine Olympiamedaille kann ich meine Augen nicht schließen.“  Klingt dieses Motto nicht ein wenig zu pathetisch, Rabia? „Nein, überhaupt nicht! Das ist auch mein Anspruch - ohne einen einzigen Abstrich zu machen. Wie sollte man es denn sonst sehen?“ Eben. 

 

In der Nürnberger Südstadt, der Heimat dieses gerade 25 Jahre jungen Klubs, leben manchmal bis zu dreißig verschiedene Nationen. Dieses Vielvölker-Gemisch spiegelt sich auch im Verein wider. Und bildet zugleich die Vielseitigkeit dieses einzigartigen Klubs. „Integration durch Sport“ heißt bei den Özers in Nürnberg auch: Breitensportler sind eine willkommene, aber deutliche Minderheit. Alle Aktiven betreiben zwar Taekwondo, doch für Frauen gibt es auch eine offene Cardio-Gruppe und einen Selbstverteidigungs-Kurs. Und allen Mitgliedern wird nahegelegt: Bildet euch, dann seit ihr keine Gäste mehr, sondern Mitglied dieser Gesellschaft. Viele Vereins-Mitglieder haben das begriffen und inzwischen das Abitur abgelegt. Viele von ihnen studieren inzwischen. Auch deshalb wurde dieser Verein - ob seiner vorbildlichen Arbeit - bereits zweimal mit dem GRÜNEN BAND ausgezeichnet. 

 

 

Immer stand dabei die Familie Gülec im Mittelpunkt: 2008 gewann Rabias Schwester Sülmeyye schon die Europameisterschaft - damals als gerademal Fünfzehnjährige! Rabia wiederum begann bereits als Siebenjährige mit Taekwondo und gewann mit Sechszehn ihre erste internationale Medaille. In Rio gehört sie zu den Favoritinnen.

 

Was dabei erstaunt: Jeder in der Familie Gülec empfindet sich als gläubiger Muslim. DOCH TAEKWONDO KOMMT AUS EINEM VÖLLIG ANDEREN KULTURKREIS, GREIFT AUF BUDDHISTISCHE WURZELN ZURÜCK: auf Gewaltlosigkeit, Sanftheit - bildet aber gleichzeitig  knallharte Kampfsportler aus. Spielt für die Geschwister Gülec - als leistungsorientierte Olympiakämpfer - dieser Widerspruch  überhaupt eine Rolle? Stehen nicht Ehrgeiz und Risiko ohnehin  im Vordergrund? „Nein“, antwortet Rabia, räumt aber zugleich  ein, sich darüber noch nie Gedanken gemacht zu haben. Auch nicht, wenn sie in einem buddhistisch orientiertem asiatischen Land trainiert hat.

 

 

Doch Nicht-Muslime - ob in Asien oder hierzulande - beeindruckt es wiederum, dass die Geschwister Gülec sogar während der dreißigtägigen Fastenzeit, dem  Ramadan, ihre Olympiavorbereitungen eingehalten haben. Denn es gehört schon eine Menge Disziplin dazu, tagsüber nichts zu essen und kaum etwas zu trinken und dennoch zu trainieren. Kann so etwas möglicherweise andere Muslime davon abhalten, Leistungssport zu betreiben? Rabia schüttelt den Kopf: „Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.“ 

Zumal ausgerechnet in der Heimat ihrer Eltern, in der Türkei, viel mehr junge Menschen als in Deutschland Taekwondo betreiben; auch in den USA ist Taekwondo verbreiteter und natürlich in  den fernöstlichen Ländern. Viele leben übrigens dort recht gut von diesem Kampfsport: als Wettkämpfer, Lehrer oder als Trainer. Wäre es da angesichts dieser Situation nicht sinnvoller gewesen, in Rio für ein anderes Land anzutreten, als für Deutschland - vielleicht für die Türkei? Tahir Gülec, Jahrgang 1993, schüttelt den Kopf: „Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Nürnberg ist meine Heimat. Ich habe keine sehr starke Beziehung zur Türkei und kann mir auch nicht vorstellen, dort zu leben.“

 

 

Tahir dient bei der Bundeswehr, auch seine Schwester Rabia versieht dort ihren Dienst, und zwar als Hauptgefreite. Ihr Verein in der Nürnberger Südstadt, in der viele sozial Benachteiligte leben, wiederum kooperiert seit einiger Zeit mit einer Eliteschule des Sports und startet jetzt sogar bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften. Löst man sich damit nicht von den eigentlichen Wurzeln? Rabia sieht es keinesfalls so: „Nein, im Gegenteil. Wir versuchen ja gerade beides zusammenzuführen: Sport und Bildung.“ 

KBL

12 (2016 – 08 – 14) Klaus Blume

Wenn du schwarz bist, hast du keine Chance

Olympia in den USA

Kürzlich las ich mich in einer Studie eines französischen Wissenschaftlers fest, die dieser für die renommierte amerikanische Princeton University erstellt. Er vergleicht darin das rüde Verhalten junger Nordafrikaner in den Vorstädten von Paris mit dem, was sich täglich in den USA ereignet. Die Erkenntnis des Europäers: In Paris treibe die Perspektivlosigkeit die Jugendlichen auf die Straße, wo sie zwar randalieren würden, doch ohne Rassenhass. In den USA hingegen verursache die weiße Polizei solche Randale und schüre damit den Rassenhass. Also Angehörige der weißen Mittelschicht. Beamte und Polizisten würden ihre schwarzen Mitbürger derart schickanös drangsalieren, dass irgendwann irgendjemanden zwangsläufig die Sicherung durchbrennen müsse. 

Warum erzähle ich das? 

 

Als die 20-jährige Texanerin Simone Manuel, zeitgleich mit der Kanadierin Penny Oleksiak, in Rio Gold über 100 Meter Freistil gewann, versenkte der allmächtige US-Fernsehsender NBC die Siegerehrung der ersten schwarzen amerikanischen Schwimm-Olympiasiegerin ins Aufzeichnungs-Archiv. Als jedoch die - weiße - Kalifornierin Kim Rhode zum sechsten Mal in Folge auf einem olympischen Siegerpodest stand, überschlug sich die NBC fast vor Begeisterung. 

Sie setzte die Leistung der Schützin mit der des Schwimmers Michael Phelps gleich. Denn was ihr gelungen sei, sei bei Olympia schließlich keiner anderen Frau gelungen. Und das obendrein in der Randsport-Art Schießen - und im „fast schon biblischen Alter“ (!) von 37 Jahren. 

Also, bei allem Patriotismus, nun aber langsam mit den jungen Pferden! 

Der Schwede Oscar Swahn gewann 1912 in Stockholm die Team-Goldmedaille in der Disziplin „Laufender Hirsch“, als er 64 Jahre und 257 Tage alt war. Damit ist er bis heute der älteste Olympiasieger überhaupt.

Aber so etwas vergisst man bei NBC gern mal im Olympia-Rausch

 

Und auch, dass mit Simone Manuel eine schwarze Amerikaner Gold im Schwimmen geholt hatte. Deren Mutter Sharon hatte ihr immer eingetrichtert: „Bei uns in Amerika kann sich jeder Mensch so entfalten, wie er es vermag. Die Hautfarbe spielt dabei keine Rolle.“ Gott ja, was bringt man seinen Kindern nicht alles bei. So studiert Simone denn heute sogar an der hochrenommierten Stanford-University in Kalifornien - was schon für viele zum Sprungbrett für eine große wissenschaftliche Karriere wurde.

In Rio erzählte das Mädchen aus dem texanischen Örtchen Zuckerhut, was gleich neben dem großen Houston liegt, ihr sei nach dem Sieg eine Menge durch den Kopf gegangen. „Vor allem, was bei uns zu Hause so vor sich geht, vor allem unsere Probleme mit der Polizeibrutalität. Mein Olympiasieg bringt da vielleicht ein wenig Hoffnung.“ Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.

Übrigens, NBC zeigte dann doch noch ihre Siegerehrung - versteckt als Aufzeichnung und erst, als es an der Ostküste der USA bereits Mitternacht war und man sich sicher sein konnte, dass die Menschen dort schon fest schliefen.

 

Interessierte ja auch wirklich niemanden

 

In Amerika hat man schließlich andere Sorgen. Durchschnittlich sterben dort täglich fast 80 Menschen durch Waffengewalt: Durch gezielte Morde, tragische Unfälle oder Suizide. Die Schützin Kim Rhode sagt dazu, es sei nicht die Schuld der Waffen, sondern die der Täter. Das meint sie ernst, und sie äußert sich gerne politisch - und wird auch gerne befragt. Von Trump und seinesgleichen. So durfte sie jetzt, zum Beispiel, sagen: "Auch, wenn Hillary (Clinton/Anmerkung des Autors) und einige andere Politiker uns in die Richtung führen wollen, etwas anderes zu glauben, ist es nur ein Versuch, von ihrer gescheiterten Politik abzulenken." 

Worum es dabei wirklich geht? 

 

Schon nach den Amokläufen in San Bernardino und Orlando sprach Kim Rhode zwar den Angehörigen und Hinterbliebenen ihr Beileid aus, betonte aber gleichzeitig, dass sie „auf jeden Fall“ auf dem viel diskutierten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung bestehe, der es der Regierung verbietet, das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen einzuschränken. Womit sie nicht nur bei der mächtigen Waffenlobby National Rifle Association (NRA) hohes Ansehen genießt.

Amerika, du hast es besser?

KBL

11 (2016 – 08 – 12) Klaus Blume

Die deutsche Olympiamannschaft (4)

Porträt: Hindernisläuferin

Gesa Felicitas Krause

 

Nur nicht an

Doping denken

Es stand zu lesen, die heutige Weltklasse-Läuferin Gesa Felicitas Krause aus dem ländlichen Nordhessen hätte schon als kleines Mädchen in ihrem Poesiealbum vermerkt: Mein größter Traum wäre die Teilnahme an Olympischen Spielen. 

Diesen Traum hat sich die jetzt 24-jährige Ausnahmeathletin schon vor vier Jahren in London erfüllt, als sie über 3000 Meter Hindernis Platz acht belegen konnte. Inzwischen hat sie sich geradezu selbst überholt: Wurde im Juli in Amsterdam auf dieser Strecke - und zwar ganz überlegen - Europameisterin, um dann in Kenia und im schweizerischen Höhenkurort Davos zu trainieren. Dass es in Rio für Gesa eine Medaille werden kann - daran zweifelt inzwischen kaum einer der internationalen Experten. Obendrein in deutscher Rekordzeit. Mancher der renommierten Trainer aus Afrika, den Niederlanden oder den USA meint allerdings, sie könne als Läuferin weit bekannter - ja, sogar prominenter - werden, würde sie nur eine andere Disziplin wählen. Zum Beispiel die ebenfalls olympischen 5000 Meter oder die gern gesehene Mittelstrecke über 1500 Meter, auf der sie in diesem Jahr, ganz nebenbei, auch schon Großes vollbracht hat.  

 

Wobei sich freilich die Frage stellt, warum ist sie eigentlich Hindernisläuferin geworden? Was sie an der Hatz über die festen klobigen Hindernisse und einen Wassergraben überhaupt gereizt hat? „Genau DAS! Eben das Außergewöhnliche. Und die Fertigkeit, dieses Außergewöhnliche irgendwann außergewöhnlich beherrschen zu können“, erklärt sie selbstbewusst.

 

Um dieses Selbstbewusstsein wiederum zu erklären: Als WM-Dritte von Peking hat sie mal erzählt, könne sie durchaus noch schneller, als bisher laufen. Gleichzeitig hat sie gesagt, was zuvor schon Olympiasieger Dieter Baumann immer wieder gepredigt und auch noch eindrucksvoll aller Welt vorgemacht hat: Die Läufer aus Ostafrika, selbst die angeblich ständig überlegenen Kenianer, sind allesamt schlagbar. Und wer sich Gesa Felicitas Krauses Hindernisläufe - eingedenk dessen - noch einmal im  Internet ansieht, und dabei ihren Stil mit dem der Kenianerinnen vergleicht, wird erstaunt sein! Denn Gesa überquert die Hindernisse, diese feststehenden „Pferdehürden“, mit einer fließenden eleganten Bewegung. Das sieht nach einem großen Vorteil gegenüber den Afrikanerinnen aus, denen allesamt diese Hürden regelrecht im Wege zu stehen scheinen.

 

Wie hat sie sich diesen Stil überhaupt angeeignet? Spielte dabei auch eine Rolle, dass sie sich - als Jugendliche - sogar am Hürdensprint versucht hat? „Das hat sicherlich eine Rolle gespielt, aber auch, dass ich mich als Jugend-Athletin an allen möglichen Disziplinen versucht habe - mal abgesehen vom Kugelstoßen und Stabhochsprung. Dennoch hat mir diese vielseitige Ausbildung, in der hessischen Provinz, also abseits der großen Leichtathletik-Welt, sicher sehr geholfen.“

 

Inzwischen trainiert sie seit sehr vielen Jahren bei dem gebürtigen Torgauer Wolfgang Heinig in Frankfurt und im schönen Odenwald; also bei dem Ehemann der einstigen Weltklasse-Marathonläuferin Katrin Dörre. Ein Coach, der in Läuferkreisen ob seiner Ansichten und Methoden nie ganz unumstritten gewesen ist. Was verbindet also Gesa Krause ausgerechnet mit Heinig - und obendrein so erfolgreich, dass der Konkurrenz nur noch das Staunen bleibt.

Gesa überlegt gar nicht lange, bis sie antwortet: „Weil er lange vor mir gespürt hat, dass ich eigentlich noch sehr viel schneller laufen kann, als ich tat - und mich dabei sehr professionell unterstützt hat.“ 

 

Angesichts dessen fragt man sich fast schon instinktiv: Wo will Gesa Krause als Läuferin überhaupt hin? In Kassel lief sie im Juli über 1500 Meter - einer klassischen olympischen Mittelstrecke - hervorragende 4:06,99 Minuten. Nicht nur Wolfgang Heinig, auch andere Trainer, mit denen sich der Autor unterhielt, sagten danach eine Zeit von 4:03 und durchaus noch etwas besser, sei für Gesa absolut möglich. Und zwar ohne viel Trainingsaufwand. Doch dazu wird es in diesem Jahr nicht mehr kommen. Denn nach den Olympischen Spielen ist sie bei den großen Meetings, ob in Zürich oder in Berlin, als Hindernisläuferin gefragt. Europa gegen Afrika, das ziehe die Massen in die Stadien. Heinig dazu: „Sie ist ja Profi, und da regelt sich so etwas eben nach Angebot und Nachfrage und nicht nachdem, was man lieber laufen würde.“ Also scheint es für Gesa vorerst keine erneute Beschleunigung auf der Mittelstrecke zu geben.

 

Nur, wann wird es dann? Bleibt der Ausflug auf die 1500-Meter-Distanz eine Art Abfallprodukt ihres Gesamttrainings? Das wäre doch schade . . . „Nein, nein! Aber lasst mir mal etwas Zeit - auch zum Nachdenken.“ Einverstanden - also Themenwechsel.

 

Gesa bezeichnet sich gern als Familienmensch - und ist dennoch fast das ganze Jahr über rastlos auf Achse. Von Amsterdam nach Kenia, von Nairobi nach Davos. Von dort nach Rio de Janeiro. Ein Leben aus dem Koffer. Mittlerweile mit ihrem Lebensgefährten Dirk. Sie wird dabei finanziell von der Sporthilfe unterstützt; sie absolviert im Training aber in jeder Woche an die 180 Kilometer im Laufschritt. Und zwar in einem ganz gehörigen Laufschritt. Wer als Jogger zuschaut, dem wird schwindelig. 

Aber wann kann man sie hierzulande dabei schon sehen? Sie trainiert ja besonders gern im Läuferparadies Kenia. Klar, wenn man derart viele Trainingseinheiten schrubbt wie Gesa, ist es auch schwer, alles allein zu erledigen. In Kenia jedoch finden sich immer ebenbürtige Trainingspartner. Dort können auch jene Männer ihr Tempo mitlaufen, die auf größeren Wettkämpfen nie in Erscheinung treten. Doch wie geht das vor Ort vor sich? Sucht sich Gesa dann irgendeine Gruppe aus, bietet womöglich sogar etwas Geld oder ein paar Schuhe fürs Mitlaufen an? „Das ist üblich“, antwortet sie. Und erklärt: „Trikots und Schuhe vom Ausrüster hat man immer bei sich, um diese, gewissermaßen als Belohnung, zu verteilen. Manchmal zahlt man aber auch mit barem Geld für einen guten Tempomacher. So ist das nun mal.“

 

Kurz vor Olympia wurde bekannt, dass in Kenia Prozesse gegen italienische Manager und Trainer laufen - wegen Dopings, wegen was sonst. Einige berühmte kenianische Läuferinnen sind in der Zwischenzeit auch gesperrt worden. Läuferinnen mit italienischen Geschäftsverbindungen. Gesa Felicitas Krause hat indes für sich beschlossen: „Wenn man sich als Athlet zu sehr damit beschäftigt, ob andere dopen, ist es schwierig, überhaupt diesen Sport zu betreiben.“ Kann sie dieses Thema in Rio, wo sie am Samstag zu ihrem ersten Vorlauf antritt, wirklich aus ihrem Kopf verbannen? „Ich habe doch gar keine Alternative.“

KBL

Images: https://www.facebook.com/Gesa-Felicitas-Krause

10 (2016 – 08 – 12) Uwe Morchutt

Auch mit Doping gäbe es keine Chance

Deutsche Medaillenflaute

im Schwimmen

Der hr-Sportchef Ralf Scholt, Nachfolger von Jürgen Emig, der vor Jahren wegen Bestechlichkeit und Untreue zu einer Haftstrafe (BGH) verurteilt wurde, bat doch die Fernsehgemeinde allerliebst, doch bitte den Wecker zu stellen, um sich die Finalläufe in der Nacht, deutscher Zeit, live anzusehen. Es könnte spannend werden, weil eine deutsche Medaillenchance auf dem Startblock kauern sollte. Gemeint war der Weltmeister Marco Koch aus Darmstadt. Ein Glück, möchte man sagen, finden die Finals in Rio zu einer Zeit statt, wo normale Menschen, trotz Sportinteresse, ihren wohlverdienten Schlaf genießen. Koch wurde übrigens Siebter, was ich ausgeschlafen im Laufe des Vormittags erfuhr!

 

Wenn ich mir die deutschen Schwimmsportler, und nicht nur die, genauer betrachte, muss ich leider konstatieren, dass noch kein Dopingmittel erfunden wurde, das deutschen Schwimmsportlern helfen würde, nur annähernd in den Dunstkreis von Medaillen zu gelangen. Ganz nach dem Motto: Nur gucken, nicht anfassen! Das Gemeine am Leistungssport ist nämlich, das wird bei dem bisweilen exzentrischen Dopinggeschwafel unserer „Fernseh-Beamten“ gern verschwiegen, dass auch Doper trainieren müssen! Also auch die Russen! Natürlich macht sich auch eine gewisse Portion Talent gut, um in die Nähe von Spitzenleistungen zu gelangen!

 

Übrigens: Wer sich an dem Begriff „Fernseh-Beamte“ des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ereifern sollte, der kennt anscheinend das Urteil des BGH nicht. Nach einem Grundsatzurteil gelten Redakteure von ARD, ZDF und Deutschlandradio als "Amtsträger" und können damit bei der Annahme von Schmiergeldern, siehe Emig, wegen Bestechlichkeit bestraft werden - ebenso wie zum Beispiel Beamte. Ob sich wirklich alle Philister in Rio daran halten?

Zum Glück neigt sich die Schwimmwoche in Rio langsam dem Ende zu. Endlich ein Ende der Dopingverdächtigungen gen Osten in Sicht. Die russischen Leichtathleten sind ja präventiv gesperrt worden. Das bedeutet auch entspannte 100-m-Finals, oder etwa nicht? Ich freue mich schon auf das versauteste Rennen in Rio.

Am 15. August 2016 fällt um 3:25 Uhr (MESZ) die Entscheidung darüber, wer im 100 m Lauf die Goldmedaille gewinnen wird. Zur Erinnerung: Von den zehn schnellsten 100-m-Läufern der Geschichte gilt nur Weltrekordler Usain Bolt, der Michael Phelps der Leichtathleten, als unbelastet. Einen Russen sucht man hier indes vergeblich. Sicher in Ermangelung von Talent? Der kalte Krieg im Sport hat uns endlich wieder befallen. So macht Sport auch mit überschaubaren deutschen Medaillen wieder so richtig Freude! Hoch lebe Olympia! Umo

9 (2016 – 08 – 11) Klaus Blume

Die deutsche Olympiamannschaft (3)

Porträt:

Badminton-Star Marc Zwiebler

 

400 Millionen am Fernsehgerät

Ein Badmintonspieler, so die Beschreibung eines internationalen Experten, verfüge über die Ausdauer eines Marathonläufers, die Schnelligkeit eines Sprinters, die Sprungkraft eines Hochspringers, die Armkraft eines Speerwerfers, die Schlagstärke eines Schmiedes, die Gewandtheit einer Artistin, die Reaktionsfähigkeit eines Fechters, die Konzentrationsfähigkeit eines Schachspielers, die Menschenkenntnis eines Staubsaugervertreters, die psychische Härte eines Arktisforschers, die Nervenstärke eines Sprengmeisters, die Rücksichtslosigkeit eines Kolonialherren, die Besessenheit eines Bergsteigers und obendrein auch noch über die Intuition und Fantasie eines Künstlers.

Welche Eigenschaften missfallen Ihnen, Marc Zwiebler, an dieser Aufzählung am ehesten? „Mit der Rücksichtslosigkeit eines Kolonialherren möchte ich überhaupt nichts zu tun haben; auch glaube ich, dass mir die Menschenkenntnis eines Staubsaugervertreters abgeht. Aber ansonsten kann ich dieser Aufzählung, aus eigener Erfahrung, nicht widersprechen.“

 

Zur Erklärung: Marc Zwiebler (32)  aus Bonn gehört seit Jahren zu den besten Badmintonspielern der Welt. Obwohl er jetzt in Rio bereits zum dritten Male an Olympischen Spielen teilnimmt, lebt er dennoch in einem permanenten Widerspruch. Zum einen spielen hierzulande Hunderttausende in ihrer Freizeit, vor allen in den Ferien, Federball, sprich: Badminton - am Strand oder irgendwo im Park. Andererseits gilt Deutschland - aus der Sicht der Badminton-Leistungssportler in aller Welt - schlicht als als Federball-Diaspora. So fasst denn der deutsche Verband, dessen Mannschaft es 2013 immerhin zur Europameisterschaft gebracht hat, gerade an die 20 000 Mitglieder. Die Mini-Vereinigung ist über die Jahre hinweg dennoch sportlich recht erfolgreich geworden, was aber hierzulande kaum jemand zur Kenntnis genommen hat, weil selbst internationale Erfolge nur selten mediales Interesse finden. Lässt sich so etwas überhaupt ändern - und wie? Zwiebler: „Ich glaube, da ginge schon noch etwas. Wir müssen von der Verbandsseite aus, nur immer weiter dran bleiben - und neben Hilfen den Medien auch ständige Informationen bieten. Dann würde mit der Zeit schon etwas passieren.“

 

In der Setzliste für die Olympischen Spiele in Rio steht Zwiebler, der Linkshänder und ehemalige Europameister, immerhin auf Platz 12. Das allein ist schon ein Erfolg! Denn vor ihm rangieren gleich neun Asiaten - auch, weil dort Badminton, für uns in Deutschland völlig unvorstellbar, Volkssport ist! In China und Malaysia, in Taiwan und Indonesien versuchen die Fans nach großen Turnieren sogar anderntags, die Ballwechsel der Stars nachzuspielen. Es gibt in diesen Ländern Parkanlagen, in denen die Bäume in einem Abstand von 6,10 Metern gepflanzt wurden. Also in der Breite eines Badminton-Feldes. Dazwischen hängen diese Fans dann ihre eigenen mitgebrachten Netze auf - und legen los. 

 

In der Setzliste für Rio stehen aber auch zwei Europäer vor Zwiebler: zwei Dänen. Das ist keine Überraschung, denn dass sie den Asiaten am nächsten gekommen sind, ist schon seit vielen Jahren so. Da stellt sich freilich die Frage: Sind die Dänen per se wirklich von Natur aus die besseren Badmintonspieler? Aus Veranlagung? Das anzunehmen, sagt Zwiebler, sei wirklich barer Unfug. „Aber sie begeistern sich für diesen Sport, auch in der Öffentlichkeit, und das weitaus mehr, als wir Deutschen. Damit fördern sie diesen Sport auch intensiver. Das könnte eine von vielen Erklärungen sein.“ 

Marc Zwiebler hat einmal jenen Satz geprägt, der in fast jedem deutschen Zeitungs-Archiv nachzulesen ist: „Ich kann mich an ein Leben ohne Badminton nicht erinnern.“ Was durchaus vorstellbar ist, wenn man allein seine Biographie betrachtet. Er hat als gebürtiger Bad Godesberger das Spiel mit dem Federball aus Plastik einst beim 1. BC Beuel - einer traditionellen Badminton-Hochburg bei Bonn - gelernt. Schon mit sechs Jahren! Obendrein in der Erwin-Kranz-Halle, dem ersten speziellen Badminton-Bau Deutschlands. Erstellt nach dänischem Vorbild (!) - und zwar von Zwieblers Großvater Erwin Kranz. Und dann eifrig benutzt von Zwieblers Eltern, die gleich im Dutzend deutsche Meistertitel gesammelt haben. Der kleine Marc hatte also gar keine Chance, diesem Sport zu entkommen. Dennoch, so fragt man sich, wie ist er als Junge mit seinen Schulkameraden ausgekommen, wenn die zum Fußball, er aber zum Federball gegangen ist? Und noch dazu im fußball-verrücktem Rheinland. Ähnlich, wie einst ZDF-Moderator Rudi Cerne, der sich - als Kind des Ruhr-Potts - einst eher heimlich zum Eiskunstlauf geschlichen hat? „Nein“, erinnert sich Zwiebler, „bei mir ging das ohne Hänseleien ab. Das wurde ganz einfach akzeptiert.“

Inzwischen hat er es sogar zum Badminton-Profi  gebracht und studiert - nebenher, versteht sich -  BWL. Wohl in erster Linie deshalb nur nebenbei, weil sein stressiges, oft weltweites Reisepensum, es gar nicht anders zulässt..  Aber kann ein deutscher Sportler denn vom Badminton leben? „Ich sammele zwar keine Reichtümer an, doch in meiner Position im internationalen Geschäft funktioniert das.“

 

Die asiatischen Superstars hingegen schwimmen im Geld, so wie in Europa die besten Fußballspieler. Schaut man nur auf die reinen Preisgelder, ergibt sich zwar dieses Bild nicht - doch wenn man deren gesamtes Einkommen - also die Preis- und Werbegelder - betrachtet, kann einem geradezu schwindelig werden. Der Chinese Lin Dan, zum Beispiel, in Rio an Nummer drei gesetzt, ist ebenso in der italienischen Mode-Szene zu Hause wie in der amerikanischen Unterhaltungsbranche. Von seinen weltweit operierenden Sponsoren wird er ungeniert als „größter Badminton-Spieler aller Zeiten“, oder, wenn es die Sachlage erfordert, auch mal als Rock-Star seines Sports, angepriesen. 2008 und 2012 war Lin Dan Olympiasieger, dazu dreimal Weltmeister. Sein Einkommen wird, unwidersprochen, auf zehn Millionen Dollar geschätzt - und zwar per annum! 

Nicht nur in China, auch in Südostasien, wollen ihm die Kinder und Jugendlichen nacheifern - und zwar gleich zu Hunderttausenden. Sie werden dabei mitunter geradezu gnadenlos gefördert. Vor allem in China. Sollte man sich in Deutschland daran ein Beispiel nehmen? „Auf keinen Fall“, erhebt Zwiebler Einspruch. Warum? „Weil es, vor allem in China, viele Kinder gibt, die , statt zu Schule zu gehen, nur noch Badminton spielen.“

 

Marc Zwiebler hat schon oft in Asien gespielt. Die TV-Einschaltquoten dort sind - sogar gegenüber dem American Football in den USA - nur noch als gigantisch zu bezeichnen. Wie kommt man sich dann als Vertreter einer deutschen Randsportart vor, wenn es  tagsdrauf heißt, Ihren Einsatz haben an die 400 Millionen Chinesen am Fernseher verfolgt? Zwiebler: „Anfangs bist du von solchen Zahlen regelrecht benommen, doch mit der Zeit gewöhnt man sich auch daran.“

KBL 

7 (2016 – 08 – 10) Klaus Blume

Die deutsche Olympiamannschaft (2)

Porträt:

Judo-Kämpferin Luise Malzahn

 

 

Negative in positive Energie umgewandelt

Die hallesche Polizeipräsidentin Christine Bergmann platzte fast vor Stolz, weil Luise Malzahn  - als ausgebildete Hauptkommissarin - zu ihrer Truppe gehört. Es sei geradezu „BOMBASTISCH“, dass eine ihrer Beamtinnen nun als aktuelle Fünfte der Judo-Weltrangliste in Rio um eine Medaille kämpfen würde. Begleitet von Ihren Eltern, Ihrem Freund und einem Onkel. Warum nicht auch von Ihrer Schwester Claudia? Fürchtet sie womöglich, deren negative Erfahrungen bei den Spielen 2012 in London könnten sie in Brasilien  negativ beeinflussen? 

Polizeipräsidentin Christiane Bergmann (li.) mit ihrem derzeit prominentesten „Schützling“, Polizeikommissarin Luise Malzahn

Foto: S. Christmann 

Damals traf ihre Schwester gleich in ihrem ersten Kampf auf die spätere Olympiasiegerin Urska Zolnir aus Slowenien. Nach zwei Minuten und acht Sekunden war damals alles schon zu Ende. Völlig überraschend. Doch selbst nach ihrem Rücktritt im Jahr 2013 gilt Claudia Malzahn noch immer als DAS Gesicht des deutschen Frauen-Judo. Warum steht sie also ihrer Schwester Luise in Rio nicht mit Rat und Tat zur Seite?  „Weil sie schwanger ist. Da hat man ihr, von medizinischer Seite aus, und auch wegen des Zika-Virus in Lateinamerika, von einer Olympia-Reise abgeraten. Aber wir telefonieren und skypen - da geht zumindest auf diesem Wege nichts verloren,“ erklärt Luise Malzahn die ungewöhnliche Situation.

Gespräche mit ihrer erfahrenen Schwester können schon deshalb hilfreich sein, weil Luise ausgerechnet im Olympiajahr 2016 an kleinen, aber offenbar ganz entscheidenden Stellschrauben gedreht hat, um mit verfeinerten Techniken nochmals einen Schritt weiter zu kommen. Und mit zusätzlicher Hilfe des Sportpsychologen Marc-Oliver Löw von der Martin-Luther-Universität in Halle. Es ging dabei hauptsächlich um Ängste und Erwartungen. Das betraf zwar auch Luises Vorliebe für gewisse Würfe  und Griffe, doch vor allem die Frage, wie sich negative in positive Energie umwandeln lässt. Wie so etwas in praxi geht, „kann man nicht so detailliert erklären, wie es dann wirklich funktioniert. Ich weiß nur, dass es funktioniert, weil ich es an mir selbst erfahren habe“, staunt die erfahrene Weltklasse-Judokämpferin.

 

Vielleicht versuchen wir es zusätzlich noch mit dieser Erklärung: Judo - das heißt, der sanfte Weg. Doch was bedeutet das? Vereinfacht gesagt: Gib‘ nach, wenn du gezogen wirst, denn dann fällt die Gegnerin schon über ihre eigenen Füße. Pardon, sind Sie etwa gestolpert?  So weit zur Kampftechnik. Doch es geht in diesem uralten asiatischen Sport noch einen ganzen Schritt weiter. Geist und Körper sollten im Idealfall eine Einheit, also einen Gleichklang, bilden. Deshalb werden im Judo Schüler- und Meistergraduierungen nicht nur für sportliche Fertigkeiten verliehen. Luise trägt, zum Beispiel, derzeit den DRITTEN DAN (Meistergürtel), ihre Schwester sogar den FÜNFTEN. Der Außenstehende fragt sich freilich, ob für eine WM- und EM-Dritte, wie Luise Malzahn, diese historischen Graduierungen überhaupt noch von Bedeutung sind - oder ob man sie nicht eher als anachronistisch empfindet?

 „Anachronistisch, würde ich das nicht nennen. Doch mit dem reinen Kampfsport haben sie oft nicht mehr viel Gemeinsames. Vielleicht werden die DAN-Graduierungen, je höher man sportlich aufsteigt, auch deshalb nur noch als eine Art der Anerkennung verliehen - und nicht nach einer Extra-Prüfung,“ versucht Luise zu erklären. 

 

Also bleiben wir beim Judo, dem modernen Kampfsport. Wer sich Luises Kämpfe einmal auf YouTub anschaut, wird dabei  über Ihr stets forsches Vorgehen staunen. Egal, in welchem Kampf sie sich auch immer befandt. Was sie sich allerdings bei Ihrer Physis und ihrer ausgefeilten Technik auch leisten kann. Dennoch, ist nicht gerade der erste Kampf in einem wichtigen Turnier, wie dem olympischen in Rio, ein Hopp- oder Top-Geschäft? Luise Malzahn: „Klar, aber gerade deshalb darfst du doch nicht zögerlich an die Sache herangehen.“ 

 

Es schien übrigens zuvor, Luise Malzahn, die einst auf fast allen Turnieren der Welt anzutreffen war, sei im Olympia-Jahr nicht mehr so viel gereist wie sonst. Noch 2015 ging es mitunter von einem Grand-Slam-Turnier gleich zum nächsten. Sieben Monate lang im Jahr auf Achse! An einem Wochenende in Abu Dhabi, am nächsten in Tokio. So etwas bleibt ja auch bei einer jetzt 26-jährigen Vorzeige-Athletin nicht so einfach in den Kleidern hängen. So etwas hinterlässt Spuren. Hat sie auch deshalb ihr Programm drastisch reduziert? „Nicht nur deshalb. Ich konnte es mir auch leisten, weil ich mir sicher war, für Olympia alles getan zu haben.“

 

Und sie konnte deshalb auch zur Ruhe kommen. Im vorigen Jahr hatte sie in ihrer Wohnung am historischen Domplatz in Halle zum ersten Mal einen Weihnachtsbaum aufgestellt. Und zuvor sogar Plätzchen gebacken. Der Stress blieb draussen. Luise Malzahn: „Egal, was in Rio wird, diese Erfahrung möchte ich nicht mehr missen.“

KBL

Images:http://www.malzahnjudo.de/#portfolio

4 (2016 – 08 – 07) Klaus Blume

Die deutsche Olympiamannschaft (1)

Porträt: Pauline Schäfer 

 

Turnerin

und Erfinderin

Als Chemnitz noch Karl-Marx-Stadt hieß

 

Da war die sächsische Stadt welweit im Sport bekannt: Durch die Eiskunstläuferin Katarina Witt und deren Trainerin Jutta Müller.

Jetzt hat sich die Kunstturnerin Pauline Schäfer mit ihrer Trainerin Gabi Frehse auf deren Spuren begeben - wobei die 87-jährige Jutta Müller im Hintergrund nicht mit Tipps geizt. Wie man, zum Beispiel - ausdrucksstark - zuerst das Publikum für sich gewinnt und damit auch skeptische Kampfrichter beeindruckt.

 

Als WM-Dritte am Schwebebalken gehört die Wahl-Chemnitzerin Pauline Schäfer zur Creme de la Creme ihres Sports. Kann da jemand, wie Kati Witt überhaupt noch ein Vorbild für sie sein? Oder zumindest die zehnmalige Turn-Weltmeisterin Simone Biles aus den USA? Oder gibt es für Pauline überhaupt keine Vorbilder? Ihre energische Antwort: "Nein! Ich habe noch nie ein Vorbild gehabt, dem ich im Sport nacheifern würde. Weder von der Art, wie sie turnt, noch vom Erfolg her. Das war von Anfang an so."

 

Eigentlich nicht verwunderlich, denn Pauline Schäfer hat schon früh internationale Erfolge erturnt: Mit Sechszehn - als beste Deutsche am Boden - bei den Europameisterschaften in Antwerpen 2013! Zwei Jahre später stieg das Talent aus der saarländischen Provinz dann bereits zur EM-Siebten am Schwebebalken auf. Danach hat sie in einem Fernseh-Interview selbstbewusst gesagt, das alles habe ihr neben "cooler Erfahrung", vor allem viel Selbstbewusstsein und auch eine Menge an Motivation gebracht. Wer so etwas in sehr jungen Jahren sagt, hat offenbar später Großes vor.

 

Zumal sie bereits seit Ihrem fünften Lebensjahr turnt. Doch seit wann stand dabei der Schwebebalken im Vordergrund? "Weiß nicht, das entwickelte sich eben so."

Wie so manches im Turnen

 

So hatte das Kunstturnen der Frauen - ob in der ehemaligen DDR oder in der früheren Bundesrepublik - einst enorm an Image eingebüßt. Als eine Sportart, die über Jahre hinweg in Verruf geraten war: Durch gefälschte Altersangaben; durch Magersucht; Doping; durch Druck und Drill. Noch kurz vor der Wende flüchteten gleich vier Kaderturnerinnen aus der Frankfurter Turnschule. Sie trauten den Erwachsenen nicht mehr über den Weg. Wie es hingegen zeitweilig in der DDR zuging, belegen allein schon die Stasi-Unterlagen der ehemaligen Weltklasse-Turnerin Dagmar Kersten - einem anerkannten Doping-Opfer. Das alles ist Paulines Trainerin, Gabi Frehse, wohlgekannt. Dennoch sagt sie heute, sie werde auf diese Vergangenheit von niemanden mehr angesprochen, nicht von Journalisten, nicht von Turn-Eltern. Es scheint in der Tat eine Epoche gewesen zu sein, die lange hinter dem heutigen Kunstturnen zurückliegt. Gabi Frehse, die auch international als eine der Besten ihres Fachs gilt, erzählt: "Unsere Wettkämpfe sind immer hervorragend besucht, und der Ansturm der Kinder, die mit ihren Eltern zu uns kommen, um Turnerinnen zu werden, lässt nicht nach."

Die „Peitsche“ schwingt mit

 

Doch Turnen, so wirkt es jedenfalls auf den Außenstehenden, bleibt trotzdem Schufterei. Und wer sich den Tagesablauf der 19-jährigen Chemnitzer Turnerinnen Pauline Schäfer und Sophie Scheder anschaut, erschrickt schon: Denn ein solcher Tag dehnt sich von 7.30 Uhr bis 19 Uhr aus - inklusive Schule, Training, Massage, medizinischer Betreuung. Sicher, ohne Fleiß kein Preis; doch das ist schon sehr hart. Und ebenso hart scheint zu sein, wenn Gabi Frehses sagt, bei Pauline müsse sie öfters mal die symbolische Peitsche schwingen. Wie darf man sich das vorstellen, Frau Frehse?

 

"Pauline weiß selbst," erklärte die Trainerin, "wann sie im Training nicht ganz bei der Sache gewesen ist. Ich spüre dann, wie sie - nach einem kurzen Blick zu mir - sich selbst in die Pflicht nimmt. Indem sie von sich aus mehr tut, als vorgesehen ist."

 

Themenwechsel

 

Die Technische Universität Kaiserslautern hat in einer wissenschaftlichen Untersuchung nachgewiesen, die Angst bei Übungen auf dem fünf Meter langen und zehn Zentimeter schmalen Balken sei ungleich höher, als an allen anderen Geräten. Die „Komponente Besorgnis“, also die Angst runterzufallen, sei sogar extrem hoch - und bei den Frauen noch nicht einmal vergleichbar mit dem Stufenbarren.

Dennoch spricht Pauline gern von einer „Balken-Offensive“. Ist das womöglich als Attacke gegen die eigene Angst gedacht? "Glaube ich nicht", kontert die Angesprochene, "denn Angst hatte ich vor diesem Gerät noch nie." Sonst hätte sie wohl am Schwebebalken nicht auch noch ein neues Element entwickelt, einen spektakulären Seitwärtssalto, der bereits ihren Namen trägt und jetzt im Code de Pointage steht, dem internationalen Wertungskatalog. Was im Turnen einem Ritterschlag gleichkommt. Ob sie dieses Risiko-Teil auch in Rio turnt, steht jedoch nicht fest.

 

Es heißt übrigens, sie hätte die Idee zu diesem „Schäfer-Salto“ schon 2012 aus einem Trainingslager in Kanada mitgebracht. Nach Gesprächen mit der als besonders kreativ geltenden kanadischen Trainerin Carol-Angela Orchard. "Nein, nein! Ganz bestimmt nicht", wehrt sich Pauline Schäfer gegen dieses hartnäckige Gerücht und erklärt: "Wir haben es in Chemnitz gemeinsam entwickelt, zusammen mit anderen Turnerinnen. Mit praktischen Übungen und in ständigen Diskussionen."

Lebensschule

 

Carol-Angela Orchard, die von der Turn-Welt rund um den Globus ehrfürchtig als „Balken-Fee“ verehrt wird, deren Lehrgänge und Vorträge - ob in der deutschen oder in der englischen Provinz - regelmäßig regelrechte Massenanstürme verursachen, scheint in ihren Ansprüchen allerdings manchmal etwas zu hoch zu greifen: Sie will bei einer - jugendlichen - Turnerin VÖLLIGE Unabhängigkeit entwickeln. Sie will bei ihr keinerlei Zweifel an der eigenen Person zulassen. Denn die jugendliche Turnerin müsse ja auch jene Fähigkeiten entwickeln, mit denen sie - wenn das Turnen eines Tages passé ist - ihr Leben meistern kann. Gabi Frehse stimmt dem zu: "Das Turnen ist schon eine Schule fürs Leben. Da greift Frau Ochard keinesfalls zu hoch."

 

Dennoch scheinen Zweifel angebracht

 

Pauline, zum Beispiel, bezeichnet die deutsche Mehrkampf-Meisterin Sophie Scheder - die aus Wolfsburg nach Chemnitz fand - als ihre beste Freundin. Gleichzeitig ist sie ihre härteste Konkurrentin. "Naja, Freundin", schränkt Pauline Schäfer ein, "da könnte man wohl eher Teamkameradin sagen. Wenn eine von uns vom Gerät fällt, lacht die andere natürlich nicht. Aber wenn eine von uns eine ganz besonders gelungene Übung geturnt hat, umarmt man sich schon."

KBL 

Do              20.07.2017 

Nr.           2.461 - 1.158

Aktualisierung        19:15

Übrigens,

 

… in Berlin werden immer noch dringend Wahlhelfer gesucht - ein Interessent wollte sich deshalb melden, aber … Sie glauben nicht, was dann geschah (doch Sie ahnen es sicherlich): Online ließ sich die „Bereitschaftserklärung" auf dem beschriebenen Weg an die angegebene Stelle nicht senden, also schickte unser freundlicher Helfer das Papier per Mail an die allgemeine Adresse des Bezirksamts - das war vor zehn Tagen, bis heute keine Antwort. Nächster Versuch: Persönliche Anmeldung im Rathaus Weißensee - doch dort hieß es: Nicht bei uns! Fahren Sie zum Rathaus Pankow … Das Resümee: „Im Bürgeramt Weißensee kann man kein Formular raussuchen und das ausgefüllte Ding dann nach Pankow senden? Statt dessen soll ich noch Fahrgeld bezahlen, um nach Pankow zu kommen? Also lassen wir das.“ TSCP

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 19.07.2017

17    19   21   27    36   41    SZ: 1

Spiel 77:  0177 997 

 

Super 6: 422 100  

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

1974 (2017-07-20) 

Bernd Jürgen Morchutt

 

Metalldiebe im Bergener Gotteshaus

In Sankt Marien hat

die Stunde 61 Minuten

Die westliche Außenwand

mit dem Grabstein einens

wendischen Priesters

BREAKING NEWS

Stand: 20.07.2017 - 19.25 Uhr

 

International

 

US-Präsident Donald Trump hat laut einem Medienbericht die verdeckten Waffenlieferungen der CIA an syrische Rebellen, die gegen die Regierung von Bashar al-Assad kämpfen, stoppen lassen. Die Entscheidung habe Trump vor knapp einem Monat nach einem Treffen mit CIA-Direktor Mike Pompeo und seinem Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster getroffen.

 

Nach dem Hickhack um die Gesundheitsreform und die Russland-Affäre seines Sohnes bringt ein Zeitungsinterview US-Präsident Donald Trump abermals in Erklärungsnot. Eben wegen der Kontakte seines Teams nach Moskau hat sich Trump nun offenbar nachhaltig mit seinem Justizminister Jeff Sessions entzweit. Er hätte Sessions nicht ernannt, wenn er gewusst hätte, dass dieser sich in der Causa für befangen erklären würde, sagte Trump in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der "New York Times".

 

In Russland ist der Entzug der Staatsbürgerschaft bei einer Verurteilung wegen terroristischer Straftaten nun möglich. Die Abgeordneten des Unterhauses verabschiedeten am Mittwoch in Moskau in dritter Lesung das Gesetz, das ausschließlich eingebürgerte Russen betrifft.

 

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu befand sich im Gespräch mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Sein Mikrofon soll bei dem privaten Treffen zeitweise noch eingeschaltet gewesen sein, so dass ihn Journalisten außerhalb des Zimmers hätten hören können. "Europa gefährdet seine eigene Entwicklung, in dem es seine Beziehung zu Israel in Gefahr bringt wegen dieses verrückten Versuchs, Bedingungen zu schaffen" für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern, sagte er laut "Ynet" weiter. "Europa muss sich entscheiden, ob es leben und gedeihen will oder ausdörren und verschwinden."

 

In Griechenland haben sich in den vergangenen Wochen gewalttätige Angriffe auf Migranten gehäuft. Die Attacken werden meist nachts von Schlägertrupps durchgeführt, die mit Messern und Schlagstöcken bewaffnet sind.

 

Beim Errichten von Wohnraum haut Österreich im internationalen Vergleich kräftig auf den Putz: Mit 7,6 Bauvorhaben pro 1.000 Einwohner wurde 2016 der höchste Wert von 19 untersuchten Ländern erreicht, wie aus dem aktuellen Deloitte Property Index hervorgeht. Dahinter folgten Israel mit 6,1 und Frankreich mit 5,7 geplanten Wohnungen. Das Schlusslicht bildete Portugal mit 1,1 Wohnbauvorhaben. 

 

Deutschland/Berlin

 

Im Streit zwischen der Türkei und Deutschland über die Inhaftierung deutscher Staatsbürger wird der Ton immer schärfer. Das türkische Außenministerium erklärte am Donnerstag, die deutschen Äußerungen zur Festnahme von Menschenrechtsaktivisten seien nicht akzeptabel. "Das war eine direkte Einmischung in Angelegenheiten der türkischen Justiz."

 

Ein Unwetter über dem Ruhrgebiet hat zum Tod einer 51 Jahre alten Frau in Dortmund geführt. Die Frau sei an den lebensgefährlichen Verletzungen gestorben, die ihr am Mittwochabend ein umstürzender Baum zugefügt habe, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. 

 

Sport

 

Fussball

 

Teammanager Antonio Conte hat seinen Vertrag beim englischen Fußball-Meister FC Chelsea vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2021 verlängert. Das gaben die Londoner am Dienstagabend bekannt. Der ursprüngliche Vertrag des 47-Jährigen wäre bis 2019 gelaufen.

 

Spaniens Fußball-Teamstürmer Alvaro Morata wechselt von Champions-League-Sieger Real Madrid nach London zum englischen Meister Chelsea. Dies bestätigten beide Clubs am Mittwochabend. Die Ablösesumme für den 24-Jährigen soll laut spanischen Medienberichten 80 Millionen Euro betragen. Damit würde Morata zum Rekord-Verkauf der Madrilenen und zum teuersten Chelsea-Transfer. 

 

Radsport

 

Tour de France

 

Chris Froome strampelt bei der Tour de France seinem vierten Gesamtsieg entgegen. Der Brite hielt mit seinem Sky-Team am Donnerstag auch auf der letzten Bergetappe den Angriffen der Konkurrenz stand. Auf der 18. Etappe mit dem Schlussanstieg auf den Col d'Izoard belegte Froome Rang vier zeitgleich hinter seinem schärfsten Rivalen Romain Bardet.

 

18. Etappe, Briancon – Izoard (179,5 km):

 

1. Warren Barguil (FRA) Sunweb 4:40:33 Stunden 2. Darwin Atapuma (COL) UAE +20 Sek. 3. Romain Bardet (FRA) AG2R 4. Chris Froome (GBR) Sky 5. Rigoberto Uran (COL) Cannondale 22 6. Mikel Landa (ESP) Sky 32 7. Louis Meintjes (RSA) UAE 37 8. Daniel Martin (IRL) Quick-Step 39 9. Simon Yates (GBR) Orica 59 10. Alberto Contador (ESP) Trek 1:09 Min.

 

Gesamtwertung:

 

1. Froome 78:08:19 2. Bardet +23 Sek. 3. Uran 29 4. Landa 1:36 5. Aru 1:55 6. Martin 2:56 7. Yates 4:46 8. Meintjes 6:52 9. Barguil 8:22 10. Contador 8:34

 

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