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KLAUS WEIDT mit

 

 

WEi(d)tLÄUFIGES 2

LAUF 36 (2014-03-27)

Das war der Gipfel: Klaus Weidt auf dem Kilimandjaro

  

36mal - was gab's denn da so?

Rückblick auf alle Weidtschen LAPTOPWERK-Läufe

Mit dieser Kolumne verabschiede ich mich von laptopwerk.de. Nicht aus Altersschwäche. Und erst recht nicht aus fehlendem Interesse. Dem Laptopwerk gehört meine Hochachtung. Ich habe gern Texte und Bilder gesandt. Doch viele andere journalistische Vorhaben und wei(d)te Reisen, dazu das Spendenprojekt in Äthiopien lassen zur Zeit nicht viel Luft. Also mache ich eine Laptop-Laufpause. Zum Abschied gehe ich noch einmal alle 36 Kolumnen durch…

 

Nr. 1: Am Anfang stand ein starkes Stück. Tatsächlich war jener 21. August 1961 für mich der Anfang einer langjährigen Kraftsport-Aktion. Als der Schmied Helmut Wiech an diesem Tage auf einem Dessauer Sportplatz das 7,5 kg schwere Rundgewicht 10052mal ununterbrochen hob, war das für mich eine Idee, einen neuen Kraftsport-Fernwettkampf ins Leben zu rufen. Mit wechselnden Disziplinen. So Beugestüze am Barren, Kniebeuge mit 50 kg und weniger, Klimmziehen und Schlusssprüngen. Bald grüßten nicht nur starke Männer, sondern auch starke Lehrlinge und Schüler…

 

Nr. 2: Ein Engel ließ laufen! Der Mann hieß Gerd Engel. Als dieser in Stendal in den 70er Jahren seine neue Laufgruppe gründete, vermied er tunlichst übliche Namen wie „Lok“, „Motor“ oder gar „Aktivist“. Er benannte sie nach einer Oma, die den Altmärker Läufern bei ihren Runden immer Tee ausschenkte: „Haeder“. Den Oma-Haeder-Lauf gibt es auch heute noch in Erinnerung an diese Frau. Gerd hatte Visionen und wollte sie mit seiner Laufphilosophie verwirklichen. „Lieber schöne Erlebnisse, als Zeiten und Ergebnisse“ hieß eins seiner Slogans. Zu allererst dachten die Haeders daran, Familien zu gewinnen und Anfänger zu animieren. So kreierten sie originelle Veranstaltungen wie Fackelläufe oder ein Lauf- und Lichterfest. Später organisierte er sogar die Ägypten-Marathons. Ich freue mich, dass ich im Vorjahr ein Buch über Gerd auf den Markt bringen konnte. Titel – siehe oben.

 

Nr. 3: Email vom Weihnachtsmann. Santa Claus, der auch die moderne Kommunikationstechnik beherrscht, schickte sie mir. Genauer gesagt: Er sandte mir seine Nachricht direkt vom Santa Claus Village, das nördlich vom finnischen Rovaniemi am Polarkreis gelegen ist. In seiner Message zuerst ein Wunsch: „Ich würde mich freuen, wieder viele deutsche Teilnehmer begrüßen zu können.“ Und weiter im Detail: „Die Läufe läute ich wieder am Abend ein – Marathon, Halbmarathon 12 Kilometer.“ Die Mitteilung, dass es einen Santa-Claus-Marathon im finnischen Rovaniemi gibt, hatte ich durch einen Hinweis vom Fremdenverkehrsamt erhalten. So lernte ich den (ich sage immer: echten) Santa Claus kennen und schätzen. Der stattliche Mann mit seinem langen weißwelligen Bart startet immer dann, wenn die Sonne im Juni nicht untergeht, die Läufe über Marathon, Halbmarathon und 12 Kilometer. Er weigerte sich übrigens, eine Startpistole in die Hand zu nehmen und tauschte diese gegen eine Weihnachtsglocke aus. Eine Laufattraktion im finnischen Sommer für Läufer aus aller Welt.

 

Nr. 4: Das Wunder von Shafamu. Ein Schulobjekt in Äthiopien, das nur durch Spenden deutscher Läufer möglich wurde. In einer Gegend, die weder Straßen, Licht noch Wasser kennt. Die Kinder des äthiopischen Dorfs Shafamu kennen noch keinen Marathon. Sie können sich nicht einmal die Strecke von 42,195 km vorstellen. Sie wissen nur, dass sie jetzt nicht mehr pro Tag zwei Stunden Fußweg benötigen, um am Schulunterricht teilnehmen zu können. Denn als die neue Schule namens „Marathon“ eröffnet wurde, halbierten sich die Wege von ihren Hütten, und manche Eltern entschieden sich da überhaupt erst, ihre Kleinen in eine erste Klasse zu schicken.

 

Nr. 5: Warum denn alles so krumm? Die Geschichte der Marathonstreckenlänge von 42,195 km begann im Juli 1908. Eine andere krumme Zahl stammt aus der Antike: 4 614,48 m. Erstmals wurden die 42,195 km für den Marathon erstmals am 24. Juli 1908 gelaufen wurden. Bei den vierten Olympischen Sommerspielen in London. Bis dahin zog sich die Marathonstrecke 40 km, mal mehr oder weniger, entlang. Sollte der Landschaftslauf des griechischen Boten nach der Schlacht von Marathon bis nach Athen keine Legende gewesen sein, dürfte er nach Berechnungen nicht mehr als 34,5 km betragen haben.

 

Nr. 6: Selbst King Elvis lief mit. Den King of Rock’n’Roll, man soll es kaum glauben, traf ich zuerst inmitten eines riesigen Marathonfeldes. Nashville, die Tennessee-Hauptstadt, stand ganz im Zeichen des traditionellen Country Music Marathons, den mehr als 30.000 Läufer und 50 Bands feierten. Dieses Running-Event ist eines der beliebtesten der USA, vor allem deshalb, weil es auf der ganzen oder halben Marathonstrecke weniger um Zeiten als um den Spaß geht. Da laufen Hochzeitspaare in Weiß ebenso wie Clowns und Engel und mittendrin tatsächlich der „King“. Richtiger gesagt mehrere, meist in dem bekannten sektfarbenen Anzug, manche mit einer Gitarre auf dem Rücken.

 

Nr. 7: Der laufende Erbe Dschingis Khans. Ein Mongole kam in Ulan Bator auf mich zu und sagte ganz einfach: Ich möchte den Berlin-Marathon laufen. Mir war nicht recht wohl, als ich ihn 2010 vermittelte. Inzwischen gehört er zur Weltklasse,. Und ich wurde auch noch sein Manager…Wer kannte ihn schon? Als Serod Batachir den Zielstrich des 37. Berlin-Marathons  überquerte, beglückwünschten sich noch immer die Kenianer und Äthiopier zu ihren vorderen Plätzen. Nach ihnen ein Mongole als Zehnter, das war nicht so recht vorstellbar. Und so suchten einige Berichterstatter fieberhaft nach Informationen, die sie aber kaum fanden. Serod hielt sich abseits, freute still in sich hinein, während die schmalen Augen nach seiner Frau suchten. Die Einzige, die ihn und seinen Lauf durchweg verfolgte. Dann gab es noch zwei, die ihn beglückwünschten: Renndirektor Mark Milde und der Autor dieses Berichts, der den Läufer aus dem fernen Ulan Bator nach Berlin bringen konnte.


Nr. 8: Eile mit Meile. 1974 veröffentlichte an einem gemeinsam vereinbarten April-Montag die Mehrzahl der Sportredaktionen zwischen Oder und Elbe einen Aufruf, der bald Zehntausende in Bewegung bringen sollte. Unzufrieden mit der damaligen Sportpolitik, die einen effektiven Breitensport vernachlässigte, riefen engagierte DDR-Sportjournalisten gemeinsam mit bekannten Sportwissenschaftlern zu einer Aktion unter dem Slogan „Eile mit Meile“ auf. Grundgedanke war, viele neu für eine Ausdauersportart zu gewinnen. Daher konnte jeder kombinieren, so oft er wollte: z.B. 1974 Laufmeter mit 4 Wanderkilometern oder mit 400 Metern im Schwimmbecken. Von April bis Oktober. Das Ergebnis damals: 27.736 094 Meilen!

Nr. 9: Starten ohne Startgeld. Startgelder boomen. Wer sich beim New-.York-Marathon nach 42,195 km ausrechnet, was ihm ein Laufkilometer gekostet hat, dürfte ein wenig erstaunt sein: 7,45 Euro. Da sind die auch nicht gerade niedrigen Marathon-Startgelder in Athen (2,01 € pro km) oder Frankfurt (1,77 €) fast schon Schnäppchen, ganz zu schweigen von dem Coswiger 28-km-Sachsenlauf, wo ein Voranmelder nur 43 Cent pro Kilometer einsetzt. Da erscheint es fast sensationell, wenn man erfährt, dass es tatsächlich Läufe gibt, die kein Geld kosten. Ich fand vier, und die sogar in einem Umkreis von nur ca. 60 km. Events zwischen Elbe und Havel, bei denen jeder nicht nur kostenfrei laufen kann, sondern darüber hinaus noch „Geschenke“ erhält.

 

Nr. 10: Der längste Marathon der Welt. Der Japaner Shiso Kanaguri begann ihn bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm und beendete ihn 1967. Die Geschichte ist unglaublich, aber wahr. Der Marathonläufer Shiso Kanaguri gehörte zusammen mit dem Sprinter Yahiko Mishima zu den ersten Japanern, der an Olympischen Spielen teilnahm. Das war 1912 in Stockholm. Ein Jahr zuvor erst wurde in Japan der Marathon überhaupt erst bekannt. Kanaguri gewann einen Qualifikationslauf, musste sich das Geld für die lange Reise borgen und - schlief nach der Hälfte des Marathons ein...

 

Nr.11: Reiseepisoden. Was doch so alles passiert, wenn man mit Läufern Jahr für Jahr durch die Welt reist. Da erlebt man Episoden, die man weniger aufschreibt, als sie in abendlicher Runde bei einem Bier erzählt. Ich habe in dieser Kolumne einige zu Papier gebracht und dann im Nachhinein selbst noch manchmal den Kopf geschüttelt. Die Sache mit dem Beduinenzelt z.B. oder der „Marathonzug“ in Ägypten z.B.…

 

Nr. 12: Wer hat den Rennsteiglauf erfunden? Man soll es im Nachhinein kaum glauben, ist aber belegt: Den Anstoß zum heutigen Rennsteiglauf gab die Friedensfahrt. Das kann vielleicht nur der verstehen, der die Begeisterung um jenes internationale Etappenrennen selbst miterlebt hat. So auch eine Schar von Orientierungsläufern, meist Studenten in Jena, die ihre Sportart populärer machen wollten. Hans Georg Kremer, einer dieser Enthusiasten, weiß alles noch genau: „Bei einem Trainingslauf von Blankenhain nach Weimar, kam uns die Idee. Wir wollten eine Friedensfahrt zu Fuß ins Leben rufen, möglichst mit vielen Etappen. 1971 testeten sie das Laufen auf dem Rennsteig, 1972 fand dessen Premiere statt.

 

Nr. 13: Auf zum Kilimanjaro! Wie kommt man auf das Dach von Afrika? Es war ein Abenteuer für mich. Ein Bericht von Hans Meyer fiel mir in die Hände, er war der Erstbesteiger des Königs der afrikanischen Berge, am 5. Oktober 1889. Danach sammelte ich alles, was ich über den 5896 m hohen Kilimanjaro fand. Schließlich bohrte sich die Idee immer mehr fest: selbst einmal auf dem Dach von Afrika zu stehen. Eine verrückte Idee, über die damals selbst beste Freunde den Kopf verständnislos schüttelten, denn ich war in meinem Leben zwar manchen Marathon schon gelaufen, doch über 2000 m in der Niederen Tatra nie gekommen. Und dann begann tatsächlich eines Februartages in Tansania der Kampf um den „Kibo“.

 

Nr. 14: Laufen auf den Spuren der Pharaonen. Im Januar 2013 fand der 20. Ägypten-Marathon statt. Start und Ziel war wieder der der weltbekannte Hatschepsut-Tempel in Luxor. Natürlich wurde das ein Jubiläum der besonderen Art. In einem Land, in dem „ Marathon“ bis Anfang der 90er Jahre noch ein unbekanntes Fremdwort war, gelang es tatsächlich, die legendären 42,195 km zu markieren und einen „International Egyptian Marathon“ am Leben zu erhalten. Erst in Kairo, ab 1995 in Luxor. Eine Idee, die damals sofort zündete und heute noch populär ist.

 

Nr. 15: In Mumbai liefen Träume mit. Da standen nicht die Marathonläufer im Mittelpunkt. Mit dem „Dream Run“, dem Lauf der Träume, begann das eigentliche Festival in Mumbai. Mehr als 20 000 Männer, Frauen und Kinder liefen und walkten über 6,3 Kilometer. Farbenfroh und laut. Teils in bunten Gewändern, mit Kind und Kegel, mit Luftballons, einige in Phantasiekostümen, vier sogar auf Stelzen. Transparente waren zu sehen mit Träumen und Appellen: 21 Millionen Kinder ohne Schulen! Rettet das Wasser! Wohnungen für die Armen! Hier liefen Träume durch jene Straßen, in denen wir täglich die Ärmsten der Armen am Straßenrand hocken sahen. Auch 350 Rollstühle mit geistig und körperlich Behinderten wurden über eine Kurzstrecke geschoben. Anteilnahme und Begeisterung beim indischen Publikum.

 

Nr. 16: Mein erster Rennsteiglauf. Damals 1987 im Mai. Er bleibt mir unvergesslich. Als ich vor Jahren mit dem Laufen begann, erschienen mir Rennsteigläufer wie Märchenwesen mit Siebenmeilenstiefeln. Mir reichten meine regelmäßig gezogenen Fünf- und Zehnkilometerschleifen Schleifen im Berliner Plänterwald, und es wäre vielleicht auch so geblieben, wenn mich nicht eines Tages ein unerwarteter Zeitungsauftrag durcheinander gebracht hätte: „Schreib doch mal über den Rennsteiglauf!“ Da rang ich mich zu größeren Waldrunden durch... Und fuhr nach Neuhaus, um mich in die 45-km-Rennsteigläufer einzuordnen. Was ich kaum glaubte - ich kam bis ins Ziel nach Schmiedefeld.

 

Nr. 17: Die Letzten sind nicht das Letzte. Wer fürchtet sich vorm letzten Platz?

Ich! Zum Beispiel. Als ich mich dazu durchrang, ausdauernder zu laufen, war mir bald klar, dass ich mich irgendwann einem Wettkampf stellen würde. Der Einstieg war ein großartiger Zufall. Sportjournalisten engagierten sich mit prominenten Leistungssportlern für eine besondere Idee: eine Staffel von den Seelower Höhen bis zur Berliner Seelenbinderhalle. Jeder Schreiberling sollte einen Kilometer rennen und dann den Staffelstab an einen Klasseathleten übergeben. Die Auslosung für mich ergab einen Stabwechsel an keinen Geringeren als an den Skilanglauf-Weltmeister Gerhard Grimmer. Daraufhin maß an der Spree eine Kilometerstrecke ab, die ich nun Training sicherheitshalber immer zweimal durchlief. Grimmer erhielt von mir dann tatsächlich fast mühelos den Staffelstab.

 

Nr. 18: Aus zwei mach eins. Der „Friedenslauf“ (Ost) und die „Generalprobe“ (West) vereinigten sich einst zum “Berliner Halbmarathon“, der sich inzwischen zum größten und schnellsten „Halben“ Deutschlands mauserte Knapp 30.000 Anmeldungen hatte der Berliner Halbmarathon schon 2013 zu verzeichnen. Ein neuer Rekord, der die Beliebtheit der 21,0975 km langen Strecke unter den Deutschen einmal mehr belegte. Tendenz steigend. Vielen scheint der Trainingsaufwand zu groß, um sich nur auf die 42,195 km der Marathondistanz zu konzentrieren. Und so bedeutet für manchen Freizeitjogger so ein „Halber“ schon ein „Ganzer“. Ich erzähle in dieser Kolumne, wie alles begann...

 

Nr. 19: Der erste Marathon in Deutschland. Tatsächlich - in Leipzig stand 1897 die Wiege des deutschen Marathons, was lange Zeit nicht akzeptiert wurde. Frage: Alle kennen Spiridon Louis, wer aber kennt Theodor Schöffler?

Man sollte ihn sich merken: Jener, ein Leipziger, gewann 17 Monate nach dem Olympiasieger von 1896 den ersten Marathonlauf auf deutschem Boden. Somit hätten wir schon 1997 das hundertjährige deutsche Marathonjubiläum feiern müssen. Doch leider geriet dieses bahnbrechende Ereignis für lange Zeit in Vergessenheit. Erst 100 Jahre nach Schöfflers Pionierleistung wurde eine Zeitungsnotiz gefunden, die Deutschlands Marathongeschichte völlig veränderte.

 

Nr. 20: Die ersten Jahreswechselläufe. Der erste Silvesterlauf Deutschlands fand in Thüringen statt, der erste Neujahrslauf in Berlin-Friedrichshain. Das thüringische Städtchen Wasungen ist eigentlich wegen seines Karnevaltreibens berühmt. Dass man auf die Idee kam, einen Silvesterlauf zu veranstalten, war mehr oder weniger dem damals erst 15jährigen Rüdiger Grunow zuzuschreiben, der den einheimischen Leichtathleten von Emil Zatopek erzählte. Dieser gewann 1954 das Jahresendrennen im brasilianischen Sao Paulo. Der Name Zatopek zog. Also organisierten die Wasunger ein Jahr später auch einen Silvesterlauf, den ersten in Deutschland.

 

Nr. 21: Der „Kili“ in Berlin. Berlin kann so hoch sein. Bis 7000 Meter kann man klettern. Sie glauben das nicht? Ich lange Zeit auch nicht. Bis ich von solchen Höhen nämlich überzeugt wurde. Da gibt es nämlich einen „Höhenpunkt“ in Charlottenburg. Da kann sich jeder nicht nur auf höchste Berge vorbereiten, sondern auch seine Kondition verbessern. Sogar abnehmen… Und so lernte ich Berlins neue Höhen in einem Gebäude kennen.

 

Nr. 22: Letzter werden ist doch schwer. Eine neue Erfahrung, als ich mich 74 Rennsteiglauf-Veteranen anschloss und im Halbmarathon um das Ende kämpfte. Mein Vorhaben erwies sich als unerwartet schwierig. Doch die Erlebnisse waren einmalig. Allerdings musste ich mich „entschuldigen“. Ich wurde nicht Letzter. Das war mir fast peinlich, denn ich wollte am Ende durch das Halbmarathon-Ziel von Schmiedefeld laufen. Mir ist es nicht gelungen, und dabei hatte ich mir soviel Mühe gegeben. Aber – mir konnte es auch nicht gelingen! Warum, darüber schrieb ich in „LAUF 22“.

 

Nr.23: Rund um die Hedemicke. Frau Harke kam höchst persönlich. Ein unbekannter Lauf in einem unbekannten Ort, der eigentlich ins Guinness-Buch der Rekorde gehört: kein Startgeld, doch Geschenke und dazu noch 1 Euro für jeden. Man sollte sich KAMERN bei Havelberg, zwischen Havel und Elbe gelegen, mal merken. Er hat aber noch einiges andere an Bemerkenswertem vorzuweisen. Die Lauf- und Wanderveranstaltung war der Frau Harke (auch als Frau Holle bekannt) gewidmet. Und das hatte seinen Grund…

 

Nr. 24: Manch Bewegtes. Was tun, wenn ein Marathon ausfällt? Dazu noch einer im fernen Kenia, zu dem eine LAUFZEIT-Leserreise führen soll? Wir überlegten nicht lange, damals 1993, schickten ein Fax zur Severin-Lodge nach Mombasa und teilten kühn mit: Wir organisieren den alleine. Mit einem freundlichen „Jambo!“ begrüßte der Hotel-Manager unsere 24köpfige Reisegruppe und schlug vor: „Ihr sucht die Strecke aus und wir sponsern den Lauf.“ Als besonderen Clou hatte er sich eine Beach-Party unterhalb der 500 Jahre alten Jumba-Ruinen eines Suaheli-Dorfes ausgedacht. So zogen wir neue Laufspuren für Halbmarathon und Marathon – allerdings zweimal. Bei der Kontrolle der ersten Streckenlegung verliefen wir uns nämlich im Urwald…

 

Nr. 25: Die erste LAUFZEIT war verschwunden. Im Dezember 2012 erschien die 250. Ausgabe der LAUFZEIT. Ein Monatsjournal, wie sein Untertitel verrät, für alle Freunde des Laufens. Das erste Heft kam im Mai 1990 auf den Markt. Seitdem hat es sich nicht nur in ganz Deutschland etabliert, sondern auch Schritt für Schritt inhaltlich und äußerlich verbessert. Ich erinnerte an die Premierenfeier: Sie schien gut vorbereitet. Zwei Kegelbahnen waren reserviert, das kleine Büfett liebevoll angerichtet. Die Gäste kamen, und als alle im Berliner Sport- und Erholungszentrum ihre Blumen abgelegt hatten, konnte die LAUFZEIT Nr.1 eigentlich gewürdigt werden. Nur – sie war verschwunden. Die ersten Exemplare trafen nicht ein. Wie sich schließlich herausstellte, hatte einer unserer rührigsten Mitstreiter die Erstexemplare zwar von der Druckerei pünktlich abgeholt, in seiner Wohnung aber liegen gelassen. Gott sei Dank - das „Malheur“ bemerkte man nicht gleich, Minuten später tauchte die erste LAUFZEIT auf und wurde stolz herumgereicht.

 

Nr. 26: Wie ich den „Wunderläufer fand. Persönlich lernte ich ihn ziemlich spät kennen. Erst im Jahre 2005. Da hatten sich seine Titel bereits überschlagen. Die Journalisten nannten ihn „Jahrhundertrenner“ oder „Wunderläufer“. Natürlich hatte ich seine Laufbahn von Anfang an aufmerksam verfolgt und seine Rekorde und Siege bestaunt, die nur so wie reife Äpfel von den Bäumen fielen, kaum eine madige Frucht darunter. Nicht nur mir kam er manchmal vor wie ein Außerirdischer im Ausdauersport, selbst wenn man aus der langjährigen Geschichte wusste, dass die Laufastronauten Afrikas schon so manches Sternenwunder vollbracht hatten. So wurde mir schließlich klar, dass ich den zweimaligen Olympiasieger Haile Gebrselassie nur in seinem Heimatland Äthiopien finden könne. In Addis Abeba, wo er wohnt, arbeitet und trainiert. Ich beschloss, eine Reisegruppe zu formieren…

 

Nr.27: Wieder mal in Äthiopien. Zuerst ein Besuch bei Haile Gebrselassie, dann im höchsten Trainingscamp Afrikas und die obligatorische Fahrt zur Schule „Marathon“... Weiter in den Süden Äthiopiens. Dorthin, wo es in vielen Dörfern weder Strom, noch Wasser, noch Straßen gibt. Hier in der Welkite-Region fand man früher auch nur vereinzelt Schulen. Im Dorf Shafamu überhaupt keine, wem die Eltern es erlaubten, musste bis zu 15 km zurücklegen. Bis eine Läufer-Reisegruppe damals, 2005, auf die Idee kam, genau hier eine bauen zu lassen. Mit einem einzigen Klassenraum begannen wir – zwei Lehrer, eine kaputte Tafel, keine Stühle. Mit Spenden von deutschen Läufern entstanden dann einfache flache Gebäude in dieser vergessenen Landschaft, und wir nannten das Schulobjekt „Marathon“. Beachtliches ist inzwischen geschehen.13 Klassenräume haben sich aneinander gereiht. 14 Lehrer unterrichten mehr als 600 Mädchen und Jungen in den Stufen 1.-6. Klasse.

 

Nr. 28: Suppe mit Stäbchen. Aber auch über Austern, Stutenmilch, Straußeneier und andere kulinarische Kuriositäten staunten unsere Läufer bei Reisen. Zum Anfang der Kolumne war festzustellen: Bei allen Laufreisen wird ein gut ausgewogenes Essen serviert. Wo das mal nicht der Fall sein sollte – das kommt ja vor –, greifen wir ein. Keine Küche ist vor uns sicher. Wir sichern uns nämlich für unsere Laufreisenden ab. Vor allem vor der Laufzeit. Eine Pasta-Party ist meist unumgänglich, der Läufer verlangt nach diesem Nudel-Ritual. Wir akzeptierten aber auch schon Vorabendpartys mit Klößen in Oberhof, Kaiserschmarren im Wiener Rathaus und Reismenüs in Peking. Alles Folgende im Bericht waren ungewöhnliche Küchen-Kuriositäten.

 

Nr. 29: Wie die Liebesgöttin ins Laufen kam. Und so begann es: Vor 19 Jahren baten die Zyprioten um Lauf-Hilfe, 2013 feierten sie den 20. Aphrodite-Halbmarathon. Es muss im Mai 1994 gewesen sein, als ein gut gebräunter Herr an die Redaktionstür der LAUFZEIT klopfte. Er stellte sich als Nationaltrainer der zyprischen Leichtathleten vor und hatte ein Exemplar in der Hand, in dem der ausführliche Bericht über den ersten Ägypten-Marathon stand. Er trug sein Anliegen ohne Umschweife vor, wobei er immer die illustrierten Seiten von Kairo hoch hielt: „Ihr habt doch gerade den Marathon am Nil organisiert. Ich möchte gern einen am Mittelmeer. Könnt ihr uns dabei helfen?“

 

Nr. 30: Als die Gendarmen überlistet wurden…konnte der erste deutsche Waldlauf bei Hohen Neuendorf im Jahre 1900 bestritten werden. Der älteste Mannschaftslauf fand vor 100 Jahren in Dresden, der älteste Landschaftslauf Deutschlands 1924 rund um den Straussee statt. Ursprünglich sollte der erste deutsche Waldlauf in Berlin stattfinden. So wurde der Berliner Grunewald favorisiert, da dort jeden Sonntag zig Tausende in die Ausflugslokale strömten. Da hätten die Läufer für sich und ihre Sportart in aller Öffentlichkeit werben können. Doch der zuständige Landrat des Kreises Teltow, Ernst von Stubenrauch, war zur Jahrhundertwende ganz anderer Meinung und lehnte kategorisch den Antrag auf „Genehmigung einer Rennstrecke“ ab.

 

Nr. 31: Glückwunsch, Mister Marathon! 1973 hob der Tempelhofer Bäckermeister und Mittelstreckler Horst Milde im Berliner Grunewald den ersten Berlin-Marathon aus der Taufe. Am Sonntag, den 29. September 2013, feierte dieser seinen 40. Geburtstag. Der heutige Rentner kann sich über diesen Erfolg freuen, hat er doch zig Tausende zum Laufen gebracht. Einen Monat später, am 24. Oktober, wird man ihm noch einmal gratulieren. Horst Milde wird 75! Auch meine „Laufbahn“ hat er seit 1990 wei(d)tgehend mitbestimmt. Dafür ein persönliches Dankeschön und an dieser Stelle einige Milde-Erinnerungen.

 

Nr. 32: Behindert? Unbehindert! Immer mehr Laufveranstalter beziehen Behinderte ein. In Indien gibt es einen „Dream Run“, beim Rennsteiglauf einen „Spezial Cross“ mit der wohl längsten Siegerehrung der Welt, und Haile läuft „blind“ mit Blinden. Ich erinnerte mich an ein Bild, das mich nicht losließ. Ein Inder klammerte sich an einer Stange fest, die zwei Helferinnen hochhielten. Seine Ehefrau schritt mit einem Stuhl vornweg und feuerte ihn an. Hinter ihm seine Tochter, die die zurückgelegten Meter notierte. Dieser Mann schien gegen seine schwindende Muskulatur zu kämpfen. Meter für Meter rang er der Strecke ab und wurde gefeiert wie ein Marathonsieger. Von Zuschauern, die selbst Tag für Tag erfahren müssen, welch Lebens-Kampf von Nöten ist. Zögerte ich auch lange, nun drückte ich doch auf den Auslöser, um diese Szene festzuhalten.

 

Nr. 33:Superlative aus der Laufgeschichte Ost. Sie ist manchmal in Vergessenheit geraten, die Laufgeschichte im Osten Deutschlands. Die wenigsten wissen, welche Superlative hier entstanden – älteste, höchste, tiefste, schwierigste Läufe. Zeit, sich dessen mal wieder zu erinnern. Eine interessante Palette von Läufen – im Kalischacht, auf dem Windberg, über den Brocken und Fichtelberg…

 

Nr. 34: Wunderbar – und doch vorbei? Die Organisatoren des Semliner Drei-Seen-Laufs im Westhavelland geben auf. Damit stirbt eine Lauf-Legende. Ein familiärer Lauf mit vielen Überraschungen. Nun leider diese Überraschung. Doch die Stendaler beweisen, dass es in Deutschland noch ein Event ohne Startgeld gibt. Sie starten im April einen City-Lauf mit manchen Attraktionen.

 

Nr. 35: Ein gut BÜRGERliches Jubiläum… Das war mein privater Exkurs durch 40 gemeinsame Jahre mit Hilmar Bürger: Meilen, Hanteln, Wodkahügel und manches mehr haben wir erlebt. Eine Gratulations-Zeilen zu einem bemerkenswerten Geburtstag eines bemerkenswerten Freundes, der das Laptopwerk nicht nur begründete, sondern auf hohem Niveau weiter entwickelte. Und so wünsche ich mit dieser

 

Nr. 36 meinem Freund und Weggefährten Hilmar viel Gesundheit, gute Kondition, dazu Freude und Zusammenhalt mit seiner Doris. Na - und nicht zuletzt noch manch starke Leistung in den nächsten Jahren.

 

Übrigens - ich soll HB grüßen. Von jenem Mann, der meine erste Kolumne bestimmte. Vom einstmals Stärksten der Starken, Helmut Wiech, der jetzt in Bad Frankenhausen lebt und wohnt. Als rüstiger Rentner...

 

 


LAUF 35 (2014-03-18) - aus gegebenem Anlass bitte ich um vollständige und ungekürzte Wiedergabe

Erinnerst DU DICH?

Das war 1999 zu Deinem 60. im Freizeitforum Marzahn

 

Ein gut BÜRGERLICHES Jubiläum

Mein privater Exkurs durch 40 gemeinsame Jahre mit Hilmar Bürger: Reisen, Meilen, Hanteln und manches mehr – Gratulations-Zeilen zu einem bemerkenswerten Geburtstag am 18. März. Mit Fotos und Grafiken, die teils schon lange im Archiv schmoren

Manche haben etwas gegen Jubiläen. Ich nicht. Runde Geburts- und andere Tage geben immer die Gelegenheit zum Innehalten, Nachdenken, Zurückerinnern, Bilanzen ziehen. Sportjournalisten sind da sowieso ein zahlenartiges Völkchen. Sie suchen und forschen nach Besonder- und Einzelheiten, unermüdlich, und neigen dabei zu Über- oder Untertreibungen.

 

Bei meinem Freund Hilmar Bürger bin ich bereits einen Monat vor seinem Jubiläum, dem Geburtstag Nr. 75, in mich gekehrt und habe in meinen Gedanken und Notizen geblättert. Und festgestellt: Es werden Ende 2014 tatsächlich 40 Jahre her sein, dass wir das erste Mal aufeinandertrafen. Damit hätte ich gleich die erste Episode:

Die letzte Meile wurde getanzt

Und Hilmar war dabei, damals noch für den Rundfunk tätig. Und so sollte er für die damals sehr populäre Oertel-Sendung „He, he, he – der Sport an der Spree“   ein Interview über die 1974 gut gelaufene Meilenbe-wegung durch den Äther jagen. Die DDR-Sportjournalisten hatten sich nämlich damals zu einer gemeinsamen Aktion zusammen geschlossen, die „Eile mit Meile“ hieß und den Volkssport endlich einmal in die Schlagzeilen bringen sollte. Mit Laufen, Schwimmen, Wandern, Radfahren…

Erinnerst DU DICH?

Das war der Pass für "Eile mit Meile"

Da ich an diesem gelungenen Unterfangen beteiligt war (einige nannten mich tatsächlich „Meilen-Weidt“), kam der Bürger Hilmar auf mich zu, stellte sich vor und quetschte mich ziemlich lange aus. Danach tanzte er mit meiner Marianne die letzten Meilen jenes Jahres und ließ so nebenbei vernehmen, dass wir uns ja mal treffen könnten. Wir beide hätten ja auch noch andere Gemeinsamkeiten außer dem ähnlichen Alter. Gewichtheben, Bob und Rennrodeln zum Beispiel.

Erinnerst DU DICH?

Zu Deinem 50. gratulierte natürlich der "Schwerathlet" und wir druckten eigens für Dich im Unikat einen speziellen Bürger-Titel

 

Von nun an wurde gehantelt

 

Im Jahr darauf saßen zwei Familien bereits beim 56. Geburtstag in Bürgers damaliger Wohnstätte im Archibaldweg nahe Berliner Nöldnerplatz und schmiedeten eiserne Pläne. Da ich 1975 das Blättchen des Gewichtheberverbandes in Regie nahm, entstand ein „Schwertathlet“, den wir beide seitdem mit guten Bewertungsnoten hoben.

 

 

Hilmar, der akribische Sammler von Rekorden, Statistiken, historischen und täglichen Heber-Reports, bestimmte von Anfang an jene Entwicklung des Fachorgans, das alle starken Männer schätzten. Nicht zuletzt auch die Athleten, die sich nicht „Bodybuilder“, sondern „Kraftsportler“ nennen durften, hatten starke Verbündete. Auflagenhöhe knapp 5000. Davon träumen heute manche Fach-Redaktionen…

So hantelten wir 15 Jahre lang, bestimmten manch Kraft-Ereignis mit, sei es der Pokal der Blauen Schwerter oder auch einige Meisterschaftstage. Wir übernahmen Pressebetreuungen, und HB spielte da seine Stärke als Pressechef der Europameisterschaften im Gewichtheben 1986 im damaligen Karl-Marx-Stadt aus. Ich erinnere mich gern und mit einigem Schmunzeln daran, wie ich meinem „Chef“ zur jeweiligen Pressekonferenz die Stärksten des Tages heranschleppen durfte.

Erinnerst DU DICH?

Wir waren im Pressezentrum zur Gewichtheber-EM 1986 ein gutes Team - ein Dank dafür war die Auszeichnung als bestes Sport-Pressezentrum 1986 in der DDR mit dazugehörigem "Diplom" (siehe oben)

Von „Dunkerkü“ und antiken Meilen

Wie viele Gewichtheber-Meisterschaften haben wir gemeinsam besucht? Hilmar, der brillante Statistiker, weißt es vielleicht. Beim „Deutschen Sportecho“ galt er nicht nur als d e r Gewichtheber-Experte, er war es auch. An zwei internationale Auftritte als Berichterstatter erinnere ich mich noch sehr gut. Die eine fand im französischen Lille statt. Nach Paris kamen wir noch gut, saßen am Fuße des Eiffelturms auf einer Bank und bestaunten den betagten Riesen. Wir prosteten uns dabei mit einer Flasche mitgebrachten Mineralwassers zu.

 

Schließlich fanden wir auch noch den Heber-Ort Lille, mussten dort aber kapitulieren. Die Adresse unseres gebuchten Hotels (wo auch unsere DDR-Heber wohnten), hatten wir zwar notiert, scheiterten aber an unseren mangelnden Französisch-Kenntnissen. Die „Rue de Dunkerque“ übersetzten wir sprachlich als „Rü de Dunkerkü“, was bei den befragten Einwohnern nur ein verständnisloses Kopfschütteln hervorrief. So quartierten wir uns in die nächste preiswerte Herberge ein, die sich – zu spät gemerkt – als etwas zweideutig erwies.

Erinnerst DU DICH?

Erwischt!!! Athener Olympiastadion von 1896 um 93Jahre später. Was hätte wohl der erste Marathonsieger Spyridon Louis dazu gesagt?

Athen mit seinen internationalen Gewichtheber-Meisterschaften ließ sich da schon mit Englisch besser erobern. Bevor wir 1989 unsere Füße jedoch in die Heberhalle setzten, nutzten wir diese zu einem nicht ganz legalen Exkurs. Wir wollten auf der Aschenbahn des antiken Olympiastadions von 1896 einige Jogging-Runden drehen. Doch das Tor war verschlossen. Was nun? Wir schlichen an der Umzäunung entlang, ohne auch nur ein Loch zu finden. So nutzten wir eine unbewachte Stelle und kletterten über den Zaun der Moderne ins Oval der Antike. Die antiken Meilen werden wir wohl nie vergessen. Und wenn ich mich recht erinnere, kamen wir dann doch noch legal aus dem Panathenaikischen „Stadium“ heraus. Ein Wächter öffnete uns irritiert das offizielle Tor…

Einmal rund um Berlin

Wir hatten ein bewegtes Leben. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ich weiß nicht mehr, wer auf diese Idee kam, aber sie war auf einmal da. Und faszinierte uns. Einmal rund um Berlin wandern. Um „Ost-Berlin“, damals als „Hauptstadt der DDR“ vermerkt, und um das eigenständig gekennzeichnete „West-Berlin“. Also um Berlin komplett. Da wir schon arbeitsbedingt das nicht in einem Ritt schaffen konnten, verabredeten wir uns immer wieder an „freien Tagen“. Mit der S-Bahn an den Rand Berlins und von dort aus so meist über 20 bis 30 Wanderkilometer. So kamen in den Jahren 1980/81 dann doch 210 Kilometer in zehn Etappen zusammen.

Erinnerst DU DICH?

Das war der Streckenplan unserer gemeinsamen Wanderungen 1980/81

Eine Geschichte für sich, mit vielen Episoden. Bei einer Rast im Süden in einer Art Kulturhaus kamen zwei Sanitäterinnen mit Spritzen auf uns zu und wollten die hier fällige Blutabnahme auch an uns vornehmen. Wir rissen aus. Im westlichen Vorfeld von Berlin gerieten wir in ein Manöver sowjetischer Infanteristen, worauf wir in einem Chaussee-Graben in Deckung gingen. Auf der Karte war diese Landschaft mit „Champagner-Hügel“ markiert – wir tauften sie um, in „Wodka-Hügel“.


Bei diesem „Rund um Berlin“ bewegte uns bald noch ein anderes Thema. Wir dachten über ein gemeinsames Buch nach. Den Titel fanden wir schnell: „Kraftproben“. Die Kapitel entwarfen wir in dem Bürgerlichen Marzahn, wo Hilmar mit Doris für fast 30 Jahre mehr als nur ein Domizil fand.

Kraft und andere Proben

Vielleicht war jenes Buch, das Mitte der 80er Jahre im Sportverlag entstand, einer unserer gemeinsamen Höhepunkte. „Kraftproben“ schildert die Geschichte der Kraftathleten von einst und heute in vielen Storys. Von Herkules bis Alexejew, von Beck bis Weller. Und von David Rigert. Wir hatten uns bei mit dem Ausnahme-athleten jener Jahre angefreundet. 1983 entstand beim gemeinsamen Meeting während der WM im Moskauer Hotelzimmer auch die Idee zum Titelfoto mit David, zu dem er uns sein Einverständnis gab.

Erinnerst DU DICH?

Die lange Nacht in unserem Moskauer Hotelzimmer im November 1983 mit David Rigert

Bebildert wurde das Buch von unserem unvergessenen Freund und Fotoreporter Günter Bersch, gestaltet von einem ebenfalls befreundeten sportlichen Designer namens Frank-Norbert Beyer. Die Auflage war im Nu vergriffen, und heute verfügen selbst Hilmar und ich nur noch über ein paar Autorenexemplare. Lob und Anerkennung von vielen und eine starke Erinnerung.

Erinnerst DU DICH?

Hier der leider schon etwas abgegriffene Titel unseres gemeinsamen Buches von 1985, das bei seinem Erscheinen (Auflage 9000) schon vergriffen war

Andere Proben fanden zwischen Oberhof, Königssee und Innsbruck statt. Am Rande von Rodel- und Bobbahnen. Die starken Schnellen zählten zu den bürgerlichen Lieblingen ebenso wie die schnellen Starken. Es gibt Sieger und Platzierte jener Welt- und Europameisterschaften, die HB heute noch für seine sachliche, aber auch plastische Berichterstattung schätzen. Sogar einen einstigen Pressechef aus dem bayrischen Schönau, der heute in Oberhof wohnt.

Wende ohne Ende

Hilmar blieb immer eisern. Wer weiß noch, dass er gemeinsam mit seinem Sohn Frank kurz nach der Wende - die Redaktionsjahre der Berliner Zeitung hinter sich - ein eigenes Eisen-Magazin herausgab? Viel beachtet, von der Konkurrenz aber arg beäugt. Kein Wunder, denn mit dem fachlichen und journalistischen Bürger-Wissen und -Können stand urplötzlich eine Publikation im Kraftsport-Raum, die es in dieser Form noch nicht gegeben hatte. Sie war zugleich eine Starthilfe Frank und ein Schritt hin zu einer eigenen Bürger-Agentur. Die bearbeitete schließlich ein breites Feld. Die Mittelalter-Athleten von Bad Belzig und die Berliner Biermeilen-Brauer lassen heute noch grüßen.

Erinnerst DU DICH?

Das war am Tag der Eröffnung von BÜRGER-SPORT 1994 - wir waren Büro-Nachbarn

Ein Geschenk aus den 90er Jahren hat in meinem Hausbüro einen besonderen Platz eingenommen. Hilmar machte sich – diesmal mit einem Berliner Sportstatistiker, tatsächlich auf zu einem Unterfangen, das von den Gewichtheber-Hochburgen als besonderer Kraftakt gewürdigt werden sollte. Wurde es das wirklich? Denn auf drei CD’s brannten der „Eiserne“ und sein Partner die komplette Historie des deutschen und auch internationalen Gewichthebens. Eigentlich unbezahlbar!

Ein Ende war und ist nicht abzusehen. Das inzwischen fast seit vier Jahren in den Äther gestellte eisern-literarische Laptop-

werk“ bezeichne ich kühn als einen eisernen Lebens-Höhepunkt des Jubilars. Ein solches Forum, mit diesen bunten Ideen und vielen profilierten Mitstreitern zu begründen und mit (der ihm eigenen) Energie und Hartnäckigkeit zu pflegen, ist einem Tagesjournal gleichzusetzen. Ein Medium, das man nicht genug bewundern kann. Selbst das Sprachrohr der Sportjournalisten hat da bereits verdientes Lob gespendet.

Erinnerst DU DICH?

2007 bei uns im Garten - da durften wir beide jeder mal Hahn im Korbe sein. Wenn wir unsere Frauen nicht hätten...

Ich möchte meinem Freund Hilmar schließlich auch für etwas anderes danken, was mir (uns) besonders wichtig ist: für die 40jährige Freundschaft und den familiären Zusammenhalt gemeinsam mit seiner Frau Doris. Und möchte  ihm von Marianne und mir zu seinem runden Geburtstag vor allem Gesundheit wünschen. Wenn man 75 geworden ist, das ist erwiesen, macht man nicht mehr schlapp. Bleib also weiterhin stark, Hilmar! Oder - wie Du immer sagst: Bleib Du so, wie wir werden sollten.

 

 

LAUF 34 (2014-01-12)

Oben: Semliner  Drei-Seen-Lauf - so, wie er bekannt und geliebt wurde; unten: Start zum Stendaler City-Lauf. Fotos: Weidt

Wunderbar - und doch vorbei?

Drei-Seen-Lauf gibt es nicht mehr /

Stendaler City-Lauf lebt  

Die Organisatoren des Semliner Drei-Seen-Laufs im Westhavelland geben auf. Damit stirbt eine Lauf-Legende. Doch die Stendaler beweisen, dass es in Deutschland noch ein Event ohne Startgeld gibt. Sie starten im April einen City-Lauf mit manchen Überraschungen.

 

Der Drei-Seen-Lauf im havelländischen Semlin, unweit von Berlin, war im Begriff eine Legende zu werden. Ein Event mit drei reizvollen Landschaftsstrecken, von 8 bis 24 Kilometer, liebevoll zelebriert. Kein Startgeld, doch viel Obst und Getränk am Ziel und unterwegs. Dazu jedes Jahr immer eine neue originelle Finisher-Medaille, wegen der manch einer allein schon anreiste.

 

Rausch’s Festwiese am Semliner See war Anfang August immer bevölkert, viele Gäste von überall schlugen ihre Zelte auf. Die Erbsensuppe brodelte im Kessel, die Würste dampften, der selbst gebackene Kuchen ging weg wie die T-Shirts im neuen Design. Und dazu tatsächlich alljährlich eine „Laufzeitung“ mit Wissenswertem auch aus der Region. Und die hielt auch zum Team um Dr. Hauke Czyborra, so dass dieses sich eigentlich kaum Sorgen machen durfte um Spender und Sponsoren. An die 1000 kamen jeden sommers, und Deutschlands Laufszene konnte wohl kaum ein ähnliches Beispiel aufbringen.

 

Die unerwartete Meldung

Und nun diese schön gestaltete Nachricht auf der Webseite des Drei-Seen-Laufs: „Es war wunderbar. Aber es ist (für uns) vorbei.“ Sieben gaben auf. „Vor zehn Jahren haben wir als damals noch ‚junges’ Veranstalterteam den Semliner Drei-Seen-Lauf von den Altvorderen übernommen. Es war ambitioniert und anstrengend. Von Anfang an war klar: Wir wollen die gute Tradition des Laufs… fortführen und den Lauf zu einem großen, gemeinsamen Naturerlebnis in unserem schönen Westhavelland ausbauen.“

 

Das war ihnen vollkommen gelungen, und dafür muss jeder, der hier lief und mitfeierte, den engagierten sieben – Hauke und Peggy Czyborra, Martin Keune, Jens und Christine Rausch, Hagen Rossmann und Lothar Schmidt - ein nachhaltiges Dankeschön sagen. Wer erinnert sich da nicht gern an den „Blasenball“? Der funktionierte so: Wer nach den Läufen oder Wanderungen eine Blase vorweisen konnte, erhielt ein Getränk umsonst. Am Samstagabend wurde getanzt!

Der Allgemeinmediziner Dr. Czyborra, Kopf der Organisation, brachte es auf einen entscheidenden Punkt:

 

„Der Entschluss ging von mir persönlich aus, da mir zusehends Zeit, Kraft und Motivation gefehlt haben. Meinen Mitstreitern erging es nicht anders.“ Und: „Die die Arbeit im Beruf wird immer intensiver und komplexer, das ganze Drumherum wird einfach mehr.“ Nachfolger waren nicht in Sicht – oder nicht gesucht? Alle Organisatoren nah und fern kennen das Problem: Hören die Alten auf, gehen selten Jüngere in die Spur. Zahlreiche Laufveranstaltungen in den deutschen Landen sind daran zugrunde gegangen, so beliebt und schön sie auch waren. Jeder kann da Beispiele nennen.

 

Aber es gibt Kämpfer

Nicht jeder kämpft für den Jogger und Walker so wie – zum Beispiel - der Stendaler Gerd Engel. Ein Leben lang. Von den Meilenläufen der siebziger Jahre bis zu Marathons, Familien- und Gedenkläufen der heutigen Zeit. So können wir uns freuen und vermelden, dass doch noch ein Running-Event ohne Startgeld starten wird. Dort, wo der rührige Engel zu Hause ist.

 

Das farbige Ausschreibungsblatt des 15. „Ramelow-City-Lauf“ am 26. April in Stendal verrät: „Kein Startgeld, Tombola, Urkunde, die ersten 300 Teilnehmer erhalten ein T-Shirt, weitere Überraschungen“. Der April-Samstag wird um 11 Uhr mit einem Sandmännchenlauf eröffnet, diesem folgt eine Promi-Staffel und dann der eigentliche City-Run, quer durch die Stendaler Innenstadt. Die Engelsche Lauf-Philosophie findet sich ganz unten auf dem Blatt: „Warum will die Welt nur Sieger sehen – ist Dabeisein nicht auch sehr schön?“

 

Doch nicht ganz vorbei?

Noch einmal zurück zu den Semlinern. Sie rechnen doch irgendwie, dass etwas weiterläuft. Die Halbmarathonstrecke um den See auf den wunderschönen Uferpfaden ist von ihnen wetterfest ausgeschildert worden. Hier kann jeder zu jeder Zeit wandern oder joggen. Hauke Czyborra fragt da auch schon im „Nachruf“: Vielleicht gibt es da unter euch da draußen neue frische, heiße Leute, die eine 32jährige Tradition fortführen wollen? Die ersten Dreiseen-Fans haben sich per Twitter gemeldet. Sie wollen am ersten August-Sonnabend einfach auf Rausch’s Festwiese strömen. Doch nicht ganz vorbei?


Gleich wie - wir wünschen, dass sich nicht nur Ältergewordene, sondern auch Junggebliebene um Lauffeste dieser Art kümmern, die Spaß und Freude verbreiten und weniger auf Zeit und Geld schauen.

Wunschdenken?

LAUF 33 (2013-12-29)

Oben: In Sondershausen; unten: Göltzschtallauf. Fotos: Weidt

Ein harter Brocken!

Superlative aus der Laufgeschichte Ost

Sie ist manchmal in Vergessenheit geraten, die Laufgeschichte im Osten Deutschlands. Die wenigsten wissen, welche Superlative hier entstanden – älteste, höchste, tiefste, schwierigste Läufe. Zeit, sich dessen mal wieder zu erinnern.

 

Der älteste Nachkriegslauf:

Viel Wind um den Windberg

 

Spektakuläre Gründe gab es nicht, als Helmut Veith im sächsischen Freital sechs Jahre nach dem Krieg einen Crosslauf ins Leben rief. Er war ein „passionierter Läufer der alten Schule“, wie ihn seine Nachfolger Günther und Carsten Ender beschrieben, der sich eben in den Kopf gesetzt hatte, das Kapitel „Cross- und Waldlaufgeschichte“, das einst 1900 in Deutschland aufgeschlagen wurde, fortzusetzen.

 

Und so suchte er sich den 352 m hohen Windberg aus, auf dem er eine Strecke markierte. Am ersten Novembersonntag des Jahres 1951 fanden sich 74 Läufer ein, die damit – keiner wusste es damals – den ältesten Nachkriegslauf im Osten Deutschlands aus der Taufe hoben. Der Hartnäckigkeit des „Urvaters“ war es zu verdanken, dass in den nächsten Jahren diese Veranstaltung nie ausfiel, ob Regen, Schnee oder Wind. Und letzteren gab es am Windberg eigentlich immer. Einmal, so erzählen die Insider, war er so heftig, dass ein herunterfallender Ast einem Kampfrichter ein Ohrläppchen abriss. In einem Taschentuch eingewickelt wurde es zum nächsten Arzt gebracht, der es dann wieder annähte.

 

Die Zeiten, wo die Startgelder nur 1 Mark für Erwachsene und eine halbe für Jugendliche betrugen, sind natürlich vorbei. Nicht verschwunden aber ist das Fluidum, dass sich unter

den Hainsberger Organisatoren entwickelte. Hier treffen nicht nur Generationen wie Vater und Sohn aufeinander, hier laufen Spitzen- und Breitensportler gemeinsam ihre Windbergrunden. An den Start gingen Stars wie Marathonrekordler Jörg Peter, Europacupsieger Karl-Heinz Leiteritz, Hindernis-Europameister Hagen Melzer, Olympiazweiter Jürgen Straub, und mit ihnen viele hundert weniger Bekannte. 13 Laufangebote für alle Altersklassen in einem Programm, wo hat man das schon? Urig sei der Windberglauf, auch „Wurzelcross“ genannt, so Vater und Sohn Ender. Sie wollen weiter viel Wind machen um ihren „Urlauf“ in Sachsen, der inzwischen Geschichte schrieb.

 

 

Der älteste Landschafts-Marathon:

Im Göltzschtal lief die erste „Ost-Marathonfrau“

 

Bekanntlich hat es ja lange gedauert, ehe die Frauen Marathon laufen durften. Erst 1984 wurde Olympia für sie frei gegeben. Im Osten Deutschlands öffneten sich die Marathon-Tore immerhin schon 1973. Das vogtländische Lengenfeld war da Vorreiter und bot hierfür den ältesten Landschafts-Marathon an. Somit war die Leipzigerin Rosemarie Pfeifer die erste Siegerin über 42,195 km, als sie den Göltzschtal-Marathon in 4:01:28 Stunden beendete. Natürlich wurde dieser damalige DDR-Rekord bald abgelöst, und die oftmalige Göltzschtal-Gewinnerin Romy Lindner, ein „Urgestein“ des Vogtlandes, machte (so mit 2:51:29) immer wieder auf sich und den landschaftlich reizvollen Lauf aufmerksam.

 

Wie kam man auf diese Marathon-Idee? Rainer Millek, verdienstvoller Organisator seit 1972, erinnert sich: „Wir wollten einfach mal etwas Besonderes machen und die Laufszene bereichern.“ Deshalb gingen sie kurzerhand auf die Straße und vermaßen die Marathondistanz durchs wunderschöne Göltzschtal. 47 Läufer starteten bei der Premiere 1968 (Gründungsvater Wolfgang Buchwald), und der erste Sieger, Martin Deparade aus Halle, lässt sich einen Besuch im Vogtland auch heute noch nicht nehmen. Von Jahr zu Jahr sind es immer mehr Fans geworden, die es zu diesem Landschafts-Marathon zieht. Und traditionsgemäß treffen sie sich bei allen „runden“ Veranstaltungen zu einem Göltzschtal-Jubiläumsball im „Lengenfelder Hof“.

 

 

Der größte Cross-Fernwettkampf:

Premiere 1966 - und dann zu Zatopek

 

Am 8. April 1967, es war ein sonniger Frühlingstag, rollte eine IL 14-Sondermaschine auf dem Prager Flughafen aus. An der Gangway stand winkend ein Mann, den man nicht nur in Laufsportkreisen überall auf der Welt kannte: Emil Zatopek. Das Flugzeug war tatsächlich von den DDR-Luftstreitkräften zur Verfügung gestellt worden, um zehn Läufer in die Goldene Stadt zu bringen. Diese nämlich hatten einen ausgeschriebenen Preis gewonnen, der für die schnellsten Crossmänner eines neuen Fernwettkampfes ausgeschrieben war.

 

Der zweifache Olympia-Silbermedaillengewinner von Rom, Hans Grodotzki, hatte mit der reizvollen Frage „Wer fliegt mit mir zu Zatopek nach Prag?“ zu dieser massensportlichen Aktion aufgerufen und eine fast sensationelle Resonanz gefunden. Mehr als 100 000, vorwiegend Soldaten, beteiligten sich innerhalb der Winterperiode 1966/67 an den 4 km langen Querfeldeinrennen, ehe am Potsdamer Ruinenberg ein Finale der Besten stieg. Dorthin fuhr Zatopek, übrigens per Bahn von Prag, um den Startschuss zu geben.

 

Nun wurden die zehn Erstplazierten von ihm in seiner Heimatstadt an der Moldau empfangen, von ihm, der genau wie seine Frau Diana zu einer sportlichen Legende geworden war. Die acht olympischen Goldmedaillen der beiden machten die Runde, Lorbeeren für Siege u.a. im Marathon, 10 000 m und im Speerwerfen. Im „Kelch“ stießen alle auf das tschechische Original Schwejk an, Zatopek zitierte ihn: „Herr Ober einen Slibowitz, ich bin verhaftet.“ Keiner ahnte, dass der mehrfache Olympiasieger wenig später nach dem „Prager Frühling“ dem selbst nur knapp entgehen würde.

 

Die tiefsten Läufe:

Mit Schutzhelm im Kailschacht

 

Als die Erfurter um Olaf Kleinsteuber 1998 ein erstes 10-km-Rennen tief unter Tage ankündigten, schüttelten viele verständnislos den Kopf. Sie hatten die Rechnung ohne die „verrückten“ Läufer gemacht. Das war doch etwas, am tiefsten Lauf Deutschlands teilzunehmen. Und so musste die Teilnehmerzahl auf 333 begrenzt werden – und das Los entscheidet inzwischen, wer fast 700 m unter der Erde im Brügmann-Schacht von Sondershausen, der einstigen DDR-Kalihochburg, starten kann. Schutzhelm tragen ist da Pflicht, und wer noch eine Lampe an der Stirn befestigt, sieht in den „Laufröhren“ manchen Untergrund besser.

 

Die ungewöhnlichen Untertage-Läufe haben noch viele andere Besonderheiten aufzuweisen. Im ratternden Förderkorb, einige Minuten in völliger Dunkelheit, werden alle auf 680 m Tiefe hinunter gebracht. Warm und trocken ist es hier unten, 20 bis 28 Grad, viel trinken ist Pflicht. Vor dem Start Bergmannsgesänge, nach dem Ziel auch Bar mit Biertischen. Toiletten, Umkleidemöglichkeiten, Festsaal – das alles und noch mehr wird bestaunt.

 

Einmal spielte die Bergmannskapelle „Glück auf“ bereits zwei Stunden vor dem Start. Frank Dahms hatte sich mit seiner Verlobten Dagmar diesen Ort ausgesucht, um den Bund der Ehe zu schließen. Nach altem Brauch musste ein Baumstamm zersägt werden, dann zogen sich beide Shorts und Shirts an, sangen und schunkelten noch gemeinsam mit allen anderen den „Schneewalzer“ und liefen mit – die Braut gab übrigens den Startschuss…

 

Seit 2002 fügte das „im puls“-Team noch einen neuen Impuls hinzu, den Untertage-Marathon. Eine schwere Tiefen-Prüfung, die manche bereits bei Halbzeit beenden, mit gestoppter Zeit und Urkunde versteht sich. In jeder Runde auf hartem Untergrund sind immerhin 300 Höhemeter zu überwinden, und das bei den hohen Temperaturen.

Einen aber schockte das nicht. Der Erfurter Steven Koch wollte ins Guinness-Buch der Rekorde und legte im Jahre 2003 in diesem Kalischacht außer der Wertung 84,6 km zurück, für die er 11 Stunden und 29 Minuten benötigte.

 

Die höchsten Läufe:

Über Brocken und Fichtelberg

 

Wohl kaum ein Rennen hat deutsche Geschichte gespürt wie das über den Brocken. Als der Waldarbeiter Otto Schulze mit Ilsenburger Freunden am 12. Juni 1927 um 9 Uhr den Kampf um den 1142 m hohen Brockengipfel unternahm und ihn zum ersten Mal auch gewann, hoffte man auf ein friedvolles Deutschland. Mit nur 17 Startern begann der Lauf, ein wahrer „Brocken“, bei dem es die ersten 12 km nur bergan ging. Doch die Resonanz nahm zu, 1939 waren es fast 100. Aber wenige Wochen danach das erste „Aus“ – Hitlers mörderischer Weltkrieg ließ alsbald die Schulze, Sulkowski und Droste über die Schlachtfelder laufen, von denen nur wenige heim kehrten. So kam es erst im August 1954 wieder zu einer Fortsetzung, die als „Otto-Schulze-Gedächtnislauf“ in der Brockenlauf-Chronik geführt ist.

 

Als sich vier Jahre später 124 Bergenthusiasten in Ilsenburg am Start aufstellten, ahnte noch keiner, dass dieser Traditionsveranstaltung die zweite Zwangspause ihrer Geschichte bevorstand. Am 13. August 1961 wurde auch der Brocken eingemauert. 30 Jahre lang gab es keinen Brockenlauf.

 

Als das Brockentor wieder aufgebrochen wurde, schrieben die Harzer Freunde den 3. Dezember 1989, und sofort setzten sie alle Hebel in Bewegung, um ihren Brockenlauf wieder starten zu können. 422 Männer und erstmals 14 Frauen nahmen am 8. September 1990 mit grenzenloser Begeisterung den Brocken in ihren Besitz und freuten sich mit den Ilsenburger Veranstaltern auf die nächsten Treffen. Der Fortsetzung einer langen Tradition schien nichts mehr im Wege zu stehen. Doch – weit gefehlt. Übereifrige Umweltschützer begriffen die umweltschonenden Bergläufer nicht und setzten für das Jahr danach ein Verbot durch. Allerdings hatten sie da die Rechnung ohne die Pfiffigkeit der Brockenlauf-Freunde gemacht. Diese organisierten einen „Ilsenburger Traditionslauf“ und – verliefen sich einfach, aus Protest, auf den Gipfel…

 

Inzwischen ist all das deutsche Laufsportgeschichte. Der älteste höchste Lauf des Ostens besitzt einen Vertrag zwischen dem Nationalpark Harz und dem Brockenlaufverein zur dauerhaften Genehmigung der beliebten Bergveranstaltung. Mit einem halben tausend Teilnehmern hat die sich längst etabliert und wird alljährlich am ersten Septembersonntag von den Ilsenburger Einwohnern gefeiert. Man erzählt sich, dass nur Schwerkranke in ihren Wohnungen bleiben, wenn die Brocken- und Ilsenstein-Renner kommen. Gern erinnert man sich an die Pioniere wie Otto Schulze und Walter Tröger, die dreimaligen Sieger der Vergangenheit, und umjubelt Helden der Jahrhundertwende wie Sabine Wilberg oder Sven Lambeck.

 

Wer aber weiß schon, dass nicht über den Brocken der höchste Lauf im Osten ging, sondern über den Fichtelberg? Sportler des Örtchens Neudorf luden erstmals am 24. Oktober 1987 zu einem „Lauf zum höchsten Berg der DDR“ ein. Dreimal wurde der 1214 m hohe Fichtelberg auf einer fast 6 Kilometer langen Berganroute bezwungen. Und als Zusatzgabe schrieben die Neudorfer noch einen Radcross dort hinauf aus.

Eigentlich fand er viermal statt. Durch einen falschen Termin in der Presse kamen einige Fichtelbergstürmer 1989 einen Tag zu spät an. Die Veranstalter ließen sich davon nicht erschüttern und schicken die ebenfalls noch auf ihren Gipfel…

 

 

Der schwerste Marathon

in Deutschland?

 

Lassen wir das Fragezeichen stehen. Wer schon mal über den 1142 m hohen Brockengipfel rannte und dann noch 42,195 km in den Beinen hatte, wird ihn als den schwersten titulieren. 800 Marathonkämpfer und mehr versuchen sich alljährlich an dieser Herausforderung und freuen sich stets, wenn sie „da oben“, gleich ob bei Sonne, Nebel oder Schnee, vom Brockenwirt begrüßt werden. Dort gibt es, von ihm initiiert, auch den ersten Preis, einen Brocken-Pokal. Obwohl 1978 schon ins Leben gerufen, konnte der höchste Punkt des Harzes erst 1990 bezwungen werden – die Wende machte es möglich. Doch danach gab es tatsächlich noch einmal ein unverständliches Gipfel-Verbot. Die Läufer würden die Eidechsen zertreten und das Rotwild verjagen... 1993 wurde der Rechtsstreit beigelegt

 

Doch das ist es nicht allein, was das Fluidum des Harz-Gebirgslauf ausmacht. Es müssen schon mehr Merkmale angeführt werden. Da ist die einmalige Landschaft des Harzes, die jeder Laufteilnehmer bewundert. Mönchsbuche, Ilsenstein oder Steinerne Renne – man lernt die Natur kennen und schätzen. Da ist die perfekte Organisation eines Teams, das die Zügel fest in der Hand hat und Strecken für jede Lauf- oder Wander-Kondition anbietet. Die Festwiese an der Himmelpforte gleicht an diesem Oktobertag einem Volksfest, mit Ständen, farbigen Moderationen, Erbsensuppe, Bier der Region und Soforturkunden.

 

Zu DDR-Zeiten entwickelte sich der Harz-Gebirgslauf zum zweitgrößten Joggertreff hinter dem Rennsteiglauf, der auch hier Pate stand. Da wurde schon mal – auf allen Strecken - fast die 5000er Gesamtteilnehmer-Marke erklommen. Nach einem Nachwende-Rücklauf hat sich der Harz-Gebirgslauf wieder Jahr für Jahr gesteigert. Kult und Nostalgie spielen ebenso eine Rolle wie Läuferball und Frühstücks-Trab zum Wernigeroder Schloss – aber erst am Tag danach. Da schlägt keiner ein Glas Sekt zum „Guten Morgen“ aus. Herzlichkeit ist Trumpf, die viele in der Anonymität bei City-Läufen vermissen.

 

LAUF 32 (2013-11-10)

Oben: Faszination in Mumbai; unten: Lebensfreude in Dortmund.

Fotos: Klaus Weidt

Behindert? Unbehindert!

Immer mehr Laufveranstalter beziehen Behinderte ein. In Indien gibt es einen „Dream Run“, beim Rennsteiglauf einen „Spezial Cross“ mit der wohl längsten Siegerehrung der Welt, und Haile läuft „blind“ mit Blinden…

 

Dieses Bild ließ mich nicht los. Ein Inder klammerte sich an einer Stange fest, die zwei Helferinnen hochhielten. Seine Ehefrau schritt mit einem Stuhl vornweg und feuerte ihn an. Hinter ihm seine Tochter, die die zurückgelegten Meter notierte. Dieser Mann schien gegen seine schwindenden Muskeln zu kämpfen. Meter für Meter rang er der Strecke ab und wurde gefeiert wie ein Marathonsieger. Von Zuschauern, die selbst Tag für Tag erfahren müssen, welch Lebens-Kampf von Nöten ist. Zögerte ich auch lange, nun drückte ich doch auf den Auslöser, um diese Szene festzuhalten.

 

Mumbai ist nicht nur Marathon

Das ist das Besondere am Mumbai-Marathon, immer Ende Januar: Wenn sich die Marathon- und Halbmarathonläufer aus der Morgendämmerung verabschieden, beginnt das eigentliche Festival im einstigen Bombay. Mit einem „Dream Run“. Hier versammeln sich die unterschiedlichsten Gruppen zu den unterschiedlichsten Distanzen. Mehr als 20 000 Teilnehmer  -  darunter Kinder - malen ihre Träume. Farbenfroh und laut. In bunten Gewändern, mit Kind und Kegel, mit Luftballons und Transparenten. Mittendrin 300 bis 400 Rollis mit geistig und körperlich Behinderten. Genauso bejubelt wie die Nichtbehinderten. Indische Normalität. Die unbändige Freude der Rollstuhlfahrer und ihrer Betreuer ist unschwer an den Gesichtern abzulesen. Faszinierende, unvergessliche Bilder. „Ich freue mich immer wieder über diese Resonanz beim Dream Run“, sagt mir einer, der diesen Mumbai-Marathon ins Leben rief und ihn heute noch als vielfältigen Event mit organisiert, Hugh Jones aus London, der Generalsekretär der AIMS. An seinem Gesicht erkenne ich, dass ihn diese Bilder auch nach einem Jahrzehnt noch bewegen.


Immer mehr Laufveranstalter beziehen erfreulicherweise behinderte Sportler in ihre Programme ein. So auch der „Athens Classic Marathon“ seit 2010. Erstmals liefen und rollten anlässlich des Jubiläums der Schlacht von Marathon geistig und körperlich behinderte, aber auch Blinde, in das historische Olympiastadion von 1896 ein. Sie wurden mit unbeschreiblichem Jubel von mehr als 30.000 Zuschauern empfangen. Beim Empfang der an Leinen geführten Sehbehinderten erinnerte ich mich an Haile Gebrselassie. Seit Jahren pflegt er gute Verbindungen zu einer Blinden-Schule in Addis Abeba, die er regelmäßig zu deren Sportfesten besucht. Dann bindet er sich ein Kopftuch um die Augen und läuft mit ihnen „blind“. Behinderten-Schulen sind im zentralen Afrika noch Raritäten.

 

Dortmunder und Kamerner Lebenshilfe

Deutschlandweit setzt sich die sportliche Gemeinsamkeit Behinderter und Unbehinderter an vielen Orten, wenn auch langsam, durch. Beispiele verschiedenster Art beweisen das. So die Wohnstätte „Lebenshilfe“ in Dortmund. Vor zwei Jahren hatte Benjamin Bruns mit seinen Helfern einen ersten Sponsorenlauf am Schlosspark organisiert. Jeder konnte teilnehmen, ob mit oder ohne Handicap. Jede bewältigte Kilometerrunde wurde mit einem Obolus belohnt. Gruppen, Vereine, Dortmunder Einwohner starteten und stellten Streckenposten. Die Resonanz mit 200 Anmeldern war ermutigend, so dass nunmehr alle zwei Jahre unter dem Motto „Da läuft was!“ etwas Neues ins Laufen kommt. Längst ist eine Walkingtruppe entstanden, die sich wöchentlich an der Lebenshilfe-Wohnstätte trifft. Für 45 Minuten und mehr.

 

Kaum einer kennt Kamern, jenen kleinen, aber reizvollen Ort zwischen Elbe und Havel. Dort ist der Legende nach Frau Harke (auch als Frau Holle bekannt) zu Hause. Eigentlich steigt sie von ihrem hohen Berg nur in den heiligen Dezembernächten ins Tal, macht aber beim traditionellen Lauffest „Rund um die Hedemicke“ eine Ausnahme. Da nämlich lässt sie es sich nicht nehmen, auch jene Kindern aus dem Havelberger Julianenhof zu ehren, die an diesem Julisonntagslauf um diese uralte Eiche herum das Luftballonzielband erreichen. Im Programm ausgeschrieben: Wanderung für Sehschwache und Blinde mit Begleitung, Handicap für Gehbehinderte und Rollatoren. 50 Julianenhof-Bewohner hatten sich lange auf das Ereignis vorbereitet, das für sie eine Premiere bedeutete: sportlich aktiv unter Unbehinderten sein zu dürfen. Die Aufregung, aber auch die Freude war allen ablesbar.

 

„Spezielles“ auf den Thüringer Höhen

Spricht man über den Rennsteiglauf, jenem Traditionsrennen über die Höhen des Thüringer Waldes, werden Marathon, Halbmarathon, Ultralauf und gewiss auch die urigen Wanderungen aufgeführt. Und vom einzigartigen Fluidum zwischen Eisenach und Neuhaus geschwärmt. Wer aber weiß, dass es einen Lauf für Behinderte gibt, einen „Spezial-Cross“, der in diesem Jahr bereits zum 14. Mal stattfand? Wenn die Marathonis nach ihrem traditionell geschunkelten „Schneewalzer“ das Städtchen Neuhaus verlassen haben, setzen sich hinter ihnen bis zu 500 Läufer und Läuferinnen mit geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung in Bewegung. 3,7 Kilometer lang ist die Strecke, auf der sie genauso wie die Rennsteig-Langstreckler von den Zuschauern angefeuert werden. Der Schnellste bisher schaffte sie in 14 Minuten, und auch der Letzte mit fast einer Dreiviertelstunde erhält den gleichen Beifall. Aus fast allen Bundesländern kommen sie, sogar aus Österreich, um bei dieser wohl größten Crossveranstaltung Europas für Behinderte dabei zu sein.

 

Heiko Schmidt und Christiane Beetz heißen die Initiatoren. Sie wirken hauptamtlich in den Rennsteig-Werkstätten am Neuhauser Rennweg, in der mehr als 200 behinderte Männer und Frauen verschiedenste Produkte – Stühle, Holzlöffel, bemalte Ballons – fabrizieren. Die beiden fanden heraus, dass sportliches Freizeitangebot eine günstige Therapie sei und lehnten sich schnell an den GutsMuths-Rennsteiglauf mit ihrer Idee an.

 

So ein spezieller Cross ist inzwischen eine Mammutaufgabe geworden. Acht Altersgruppen, 50 Leistungsklassen! Jeder, der teilnimmt, wird einzeln aufgerufen und mit Medaille, Urkunde und Beifall geehrt. 500 glückliche Gesichter… So sollte wohl diese Siegerehrung von Neuhaus, die sich über vier Stunden erstreckt, die längste, aber auch die schönste der Welt sein.

 

Sieghard Zitzmann von der Rennsteiglauf-GmbH hebt die Besonderheit dieses Konzepts hervor: „Man kann es als beispielgebend bezeichnen. Olympische Spiele und Special Olympics haben zwar auch einen Austragungsort - aber verschiedene Termine. Bei uns sind Gesunde und Behinderte gemeinsam in einer Laufveranstaltung vereint.“

Behindert? Unbehindert! Das „Gemeinsam“ ist längst kein Traum mehr.

LAUF 31 (2013-09-21)

Oben: Horst Milde auf einer Collage der LAUFZEIT-Titelseite; unten: Läufer des Berlin-Marathons an der "Goldelse".

Foto: Klaus Weidt

Glückwunsch, Mister Marathon!

Vor 40 Jahren hob der Tempelhofer Bäckermeister und Mittelstreckler Horst Milde im Berliner Grunewald den ersten Berlin-Marathon aus der Taufe. Am kommenden Sonntag, den 29. September 2013, feiert dieser seinen 40. Geburtstag. Der heutige Rentner kann sich über diesen Erfolg freuen, hat er doch zig Tausende zum Laufen gebracht. Einen Monat später, am 24. Oktober, wird man ihm noch einmal gratulieren. Horst Milde wird 75! Auch meine „Laufbahn“ hat er seit 1990 wei(d)t-gehend mitbestimmt. Dafür ein persönliches Dankeschön und an dieser Stelle einige Milde-Erinnerun-

gen.

 

Anruf aus Tempelhof

Er ist ein Mann, der scheinbar das Gras wachsen hört. Am Neujahrstag 1990 waren wir noch euphorisch mit den 25 000 durch das Brandenburger Tor gerannt, einen Tag später saßen wir in einer Geburtstagsnach-

feier zusammen und beschlossen, nun endlich das zu realisieren, was uns jahrelang von den DDR-Sportoberen verwehrt blieb: eine Laufzeitung ins Leben zu rufen.

 

Zehn Tage später bimmelte bei mir zu Hause das Telefon, und eine leicht heisere Stimme meldete sich so: „Hier ist Milde aus Tempelhof.“ Wahrscheinlich hatte es mir die Sprache verschlagen, jedenfalls ergänzte der Anrufer schnell: „Horst Milde vom Berlin-Marathon.“ Und der fragte an, ob es wahr wäre, was er gehört habe: „Ihr macht ein neues Laufjournal in Berlin, im Osten? Tatsächlich?“


Kuchen mit viel Pudding

Dann verfiel er in seinen Berliner Dialekt: „Is ja ne interessante Sache, auch für uns. Vielleicht wissen Se det nich, aber unser Marathon is sogar von Fachmedien schon in die Ecke jedrängt worden.“ Ich holte tief Luft, dachte, etwas Besseres als Marathonmann Milde kann dir gar nicht passieren und machte mit ihm einen Treff aus.

 

Am 8. Februar suchte ich die Bäckerei Milde in Tempelhof auf. Wurde dort äußerst freundlich begrüßt und mit Gebäck und Kaffee auf den im Stau stehenden Bäckermeister und Marathonvater vertröstet. Der Kaffee war stark, der Kuchen mit viel Pudding und Obststücken etwas zu süß.

 

In der „Marathonecke“

Als Horst Milde eintraf, schob er mich zu allererst in seine „Marathonecke“. Dieser etwa 6 Quadratmeter kleine Arbeitsraum war von einem Lagerraum mit einer Art spanischer Wand abgetrennt worden. An den Wänden Fotos, Plakate, Lauftermine, Presseinfos, auf dem Schreibtisch Akten, Zeitungsstapel, Telefon und Faxgerät.

 

Von dieser kleinen Laufwelt gingen also jene großen Impulse aus, die inzwischen Tausende und Abertausende bewegten. „Ich wollte Ihnen nur mal zeigen, dass wir auch mit kleinen Brötchen großen Kuchen backen können.“ Und erzählte beiläufig, wie er und seine Marathonhelfer in vielen Jahren Klinken putzten, ja selbst an parkende Autos Werbezettel für den nächsten Berlin-Marathon unter die Wischblätter schoben.

 

Registriernummer 1728

Dann führte er mich in seine recht stilvoll eingerichtete Wohnetage über der Konditorei, stellte mich seiner Tochter und einem Sohn (es war wohl Mark, der heutige Renndirektor) vor, holte einen Jubiläumsband des SCC Berlin aus dem Schrank und zeigte mir das Foto des einstigen Mittelstreckler Milde, wie er mit seinen Staffelkameraden jubelte.

 

Ein Mann, der in vieler Hinsicht bei den Charlottenburgern Geschichte schrieb. Dann erst – Sohn Mark hatte noch einmal Kuchen aus der Erdetage angeschleppt -, kamen wir zur Sache. Ich musste ihm die Story erzählen, wie wir, vier laufverrückte Journalisten aus Ostberlin, auf die Idee mit dem Laufjournal kamen und wie wir das Vorhaben nun auch tatsächlich schaffen wollen. Als ich in meine Tasche griff und ihm die detaillierte Konzeption einer neuen „Laufzeit“ auf den Tisch legte, dazu die Registriernummer 1728 des damaligen Presse- und Informationsamtes der DDR, waren alle Zweifel ausgeräumt.

 

Abkommen in der Bäckerei

Horst Milde, immer einer, der sagt, was er denkt, seine Emotionen aber zurückzuhalten weiß, zeigte sich nun doch angetan. „Also, wenn das was wird, habt ihr unsere ganze Unterstützung.“ Ehe ich mein letztes Plunderstück verzehrt hatte, fügte er noch hinzu: „Wenn ihr wollt, machen wir so eine Art Abkommen.

Zwei Tage darauf schon informierte unter „gez. Horst Milde“ der SCC Berlin über das neue „deutsch-deutsche Laufsportmagazin“. Wenig später flatterte ein „Vertrag über Zusammenarbeit zwischen der Redaktion LAUFZEIT und dem SC Charlottenburg“ in die Tempelhofer Bäckerei. Mit Mildes Unterschrift begann eine Gemeinsamkeit zum gegenseitigen Wohle, die bis heute ungebrochen ist.

 

Was er ins Rennen brachte

Bei Gelegenheit muss ich allerdings mal nachfragen, wie einst Horst Milde in nur zehn Tagen von unserer Laufzeit-Idee Wind bekommen hatte. Kann er wirklich Gras wachsen hören?

 

Horst Milde kann stolz auf seine Lauf-Geschichte sein. Die SCC-RUNNNING Event GmbH – ein Veranstal-

tungsunternehmen, das er einst mit aus der Taufe hob – organisiert heute übers Jahr an die 20 Volks- und Triathlonläufe.

 

Ohne die Familie ginge nichts

In die Wiege war dem gebürtigen Tempelhofer das alles nicht gelegt worden. Der gelernte Konditor wurde nach einem FU-Studium Diplomkaufmann und trainierte beim SC Charlottenburg Berlin. Mit der 3x1000-m-Staffel seines Clubs wurde er zweimal Deutscher Meister. Sei-

ne Mittelstreckenzeiten konnten sich sehen lassen. 1974 startete er den ersten Berlin-Marathon, noch außerhalb der City, und entwickelte diesen zu einem der ersten großen Stadtmarathons Deutschlands.

 

Eine Belastung, die er ohne die Unterstützung der Familie, besonders seiner Ehefrau Sabine, nicht hätte meistern können. 2004 übergab er den Staffelstab seinem Sohn Mark. Für seine Verdienste erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande, wurde Mitglied des Vorstands der internationalen Marathon-Föderation AIMS und Sprecher der Interessengemeinschaft deutscher Straßenlaufveranstalter German Road Races. Na, und laufen tut er heute noch selbst - meist durch den Tempelhofer Park.

LAUF 30 (2013-08-20)

Oben: Waldlauf 1939 in Hohen Neuendorf; unten: Die ältesten Sachsen beim Mannschaftscross 1995 in Dresden. Fotos: Archiv Weidt

Als die Gendarmen

überlistet wurden...

…konnte der erste deutsche Waldlauf bei Hohen Neuendorf im Jahre 1900 bestritten werden. Der älteste Mannschaftslauf fand vor 100 Jahren in Dresden, der älteste Landschaftslauf Deutschlands 1924 rund um den Straussee statt.

 

Ursprünglich sollte der erste deutsche Waldlauf in Berlin stattfinden. So wurde der Berliner Grunewald favorisiert, da dort jeden Sonntag zig Tausende in die Ausflugslokale strömten. Da hätten die Läufer für sich und ihre Sportart in aller Öffentlichkeit werben können. Doch der zuständige Landrat des Kreises Teltow, Ernst von Stubenrauch, war zur Jahrhundertwende ganz anderer Meinung und lehnte kategorisch den Antrag auf „Genehmigung einer Rennstrecke“ ab.

 

Der Initiator der Waldlaufidee, der Berliner Sport-Club Komet, gab nicht auf. Neue Vorschläge wurden eingereicht: Strecken in der Jungfernheide, in der Wuhlheide, in Köpenick und Grünau. Doch die behördlichen Genehmigungen ließen auf sich warten. Da blieb nichts weiter übrig, als in die Umgebung der Hauptstadt zu flüchten. So gelangte man nach Hohen Neuendorf, dem an der Berliner Nordbahn gelegenen Vorort. Dort war ein ideales Gelände entdeckt worden, bestehend aus Wiesen, Wäldern, Feldern, Hügeln und Zäunen. Da hier auch ein Schützenfest stattfinden sollte, waren sogar Gendarmen eingesetzt, die für Sicherheit und Ordnung sorgten.

 

Von Hohen Neuendorf nach Birkenwerder

Die Rechnung ging auf. Unbemerkt von der Obrigkeit, bestritten ganze neun Berliner Pioniere am 29. Juli 1900 den ersten Waldlauf Deutschlands. Auf dem 8,5-km-Kurs von Hohen Neuendorf nach Birkenwerder und zurück setzte sich der erfolgreichste deutsche Geher und Langstreckler jener Zeit, Johannes Böge vom veranstaltenden Verein, rechtzeitig ab und passierte das Ziel in 35:11,2 min. Zweiter wurde der 18jährige Eugen Wagener vom Sport-Club Marcomannia Berlin, der in den Sportberichten der damaligen Zeit viel genannt wurde. 250 m nach dem Gewinner kam er in Hohen Neuendorf an und hatte u.a. seinen Zwillingsbruder Bruno abgehängt.

 

Übrigens war dieser Waldlauf unter der Bezeichnung „Cross Country“ ausgeschrieben worden, da die Art der Querfeldeinrennen nur im Englischen bekannt waren. England war das Herkunftsland jener Läufe, in Deutschland entwickelten sich jedoch mehr die Wettkämpfe auf Waldboden, und bereits 1910 wurde von Massenwaldläufen berichtet.

 

Gleich zweimal ins Guinness-Buch der Rekorde

Er ist der älteste und in seiner Art auch der einzige Mannschaftscross in Deutschland, der Dreier-Team-Lauf vom Dresdner Prießnitzgrund. Dr. Bernd Melzer, der sich als Lauforganisator einen Namen an der Elbe gemacht hat, fand seine Ursprünge in alten Zeitungen der Landesbibliothek. Da stieß er auf einen Artikel, der vom 6. April 1913 berichtete, dass ein Dresdner Querfeldeinlauf um einen Ehrenpreis des Königs gestartet wurde, damals noch als Mannschaftsrennen mit vier Mitgliedern – zum Wachgebäude des 2. Grenadierregiments.

 

Die Zeitung gab zuvor Ratschläge: „Die Strecke … führt zuerst durch den Prießnitzgrund. Da dieser bis zum neuen Brückenweg ziemlich schmal ist, so wird das Publikum gebeten, auf den durch Inserate und Plakate bekannt gegebenen Punkten Aufstellung zu nehmen.“ Auf vielseitigen Wunsch fand noch ein letzter Übungslauf für die damals ausgetragenen 3,8 km statt.

 

Bernd Melzer sorgte im Jahr 1988 für eine Wiedergeburt dieses Mannschaftslaufes, der in den Wirren des Krieges eingestellt wurde. Nun als „Dreier“, und das nicht nur für die Sachsen. Für Furore sorgten in den Jahren danach, meist traditionsgemäß am 6. April, vor allem die Veteranen. Zweimal wurden sie ins Guinness-Buch der Rekorde eingetragen. Gerhard Lessig, Siegmund Regel und Bernhard Polleschner hatten 1998 zusammen ein Alter von 253 Jahren und erhöhten als „Sachsens Laufälteste“ diese Methusalem-Zahl zwei Jahre später noch auf 260. Damit wurden sie das „älteste erfolgreichstes Team der Welt“… Das Teilnehmeralter im Prießnitzgrund pendelt zwischen neun und neunzig, und die Resonanz insgesamt stieg von Jahr zu Jahr in den Teams, deren Anzahl bis über 140 stieg.

 

Ein Kasten Bier für den elften Sieg

Am 9. November 1924 schlug die Geburtsstunde des wahrscheinlich ältesten Landschaftslaufes in Deutschland, der noch heute stattfindet. Eigentlich war er damals nur als „Zugabe“ für eine Werbeveranstaltung der Turner des Männerturnvereins „Vorwärts“ gedacht. Doch die Resonanz war derart groß, dass der Herbstlauf im Nordosten Berlins zur Tradition wurde. Die erste Lauflegende des „Strausseelaufes“ gab sein Debüt mit knapp 18 Jahren bei der dritten Auflage. Kurt Lochow, ein Schlosser, gewann zur Überraschung aller begeisterten Zuschauer die 9200 m lange Rundstrecke um einen der schönsten Randberliner Seen. Seitdem holte er sich elfmal die Siegerpokale, unter denen der gewaltige Kelch des Vereinswirtes noch heute bewundert werden kann.

 

Angeregt durch die örtlichen Pferderennen wetteiferten die Jungen damals nach der Fragestellung „Wer läuft am schnellsten von Strausberg-Vorstadt bis Strausberg-Stadt?“, und Lochow rannte dann noch zusätzlich durch die Wälder am See. Als nach der mehrjährigen Lauf-Pause, bedingt durch den Krieg, am 14.Oktober im Jahre 1951 die Seenrunde wieder belebt wurde, schrieb Organisator Franz Krüger über den Start der 57 Läufer:„Altmeister Lochow…lief in diesem Jahre wieder, und es war eine Freude, ihn laufen zu sehen. Der sicherte sich in überlegender Haltung den Wanderpreis.“

 

Was die wenigsten wussten: In den letzten Tagen war noch eine Wette im Freundeskreis abgeschlossen worden. Gewinnt Lochow, zahlen die Kumpels, sonst der „Meister“…

Lochows Siegesserie wurde später nur noch von dem Neuenhagener Juristen Sigmar Grabow übertroffen, der es tatsächlich schaffte, 18mal zu gewinnen. Kurt Lochow lernte er noch persönlich kennen, weil der sich lange Zeit als Helfer für die Organisation zur Verfügung stellte und es sich schließlich nicht nehmen ließ, als Ehrengast bei der Seenumrundung Hände zu schütteln. Als er 1999 seinen 90. Geburtstag feierte, fuhr die Strausberger Lauflegende tatsächlich noch Rennrad…

 

LAUF 29 (2013-07-17)

Oben: Reisegruppe am Felsen der Aphrodite; unten: Unterwegs auf dem Halbmarathon in Paphos

Fotos: Archiv Weidt

Vor 19 Jahren baten die Zyprioten um Lauf-Hilfe, 2013 feiern sie nun den 20. Aphrodite-Halbmarathon

Wie die Liebegöttin

ins Laufen kam 

Es muss im Mai 1994 gewesen sein, als ein gut gebräunter Herr an die Redaktionstür der LAUFZEIT klopfte. Er stellte sich als Nationaltrainer der zyprischen Leichtathleten vor und hatte ein Exemplar in der Hand, in dem der ausführliche Bericht über den ersten Ägypten-Marathon stand.

 

Zyperns Nationaltrainer

 

Er trug sein Anliegen ohne Umschweife vor, wobei er immer die illustrierten Seiten von Kairo hoch hielt: „Ihr habt doch gerade den Marathon am Nil organisiert. Ich möchte gern einen am Mittelmeer. Könnt ihr uns dabei helfen?“

 

Der Mann hieß Marko, war aber kein Zyprer, obwohl so ein Name auf der Insel gang und gebe ist. Rüdiger Marko erwies sich als erfahrener deutscher Leichtathletik-Trainer und war zu DDR-Zeiten im In- und Ausland gefragt gewesen. Nach der Wende wollte ihn keiner mehr. Da erinnerte er sich an gute alte Freunde, und siehe da, die mochten ihn. Zypern wurde für Jahre seine zweite Heimat, die Inselathleten kürten ihn zum Nationaltrainer.

 

Idee in 10 000 m Höhe

 

Internationale Medaillen blieben bald nicht aus. Hin und wieder flog er nach Berlin, seinem ersten Wohnsitz, zurück. Im Gepäck meist die LAUFZEIT, die er von Anfang an abonniert hatte. So kam ihm in 10.000 m Höhe die Idee, auf Zypern auch so eine Laufveran-staltung ins Leben zu rufen. Dazu brauchte er engagierte Leute mit Kenntnissen und Erfahrungen, wie er sagte, Freunde.

 

Gut, dachte ich, damals Chefredakteur des neuen Journals, der Ägypten-Marathon lief ausgezeichnet. In einem Land, wo bisher 42,195 Kilometer als Laufdistanz unbekannt waren. Zypern hatte zumindest schon Marathonläufer, die in Griechenland und England starteten, wenn auch unter „ferner liefen“. Und dazu einen Coach, der vor Elan zu brennen schien. Warum also sollten wir nicht helfen? „O.k.“, sagte ich damals und reichte dem Trainer die Hand. „Ihr bezahlt Flug und Aufenthalt, ich bringe noch einen Experten mit.“ Marko strahlte und schlug ein: „Ich bin noch ein paar Tage hier.“

 

Bei Meze und Wein

 

Kaum war er weg, griff ich zum Telefonhörer und wählte eine Nummer in Stendal. Mein Freund Gerd Engel, Läufer und Lauforganisator, meldete sich. Mit einer Kurzreise nach Zypern war er sofort einverstanden. Und so landeten wir bei schwüler Augusthitze in Larnaca, wo uns Rüdiger Marko empfing und in die Hauptstadt Nikosia kutschierte. Am selben Abend saßen wir schon mit einem Dutzend Läufer des Health Runner’s Club bei einer wohlschmeckenden Meze-Spezialität an langgestreckten Tischen, mitten in einer Nebengasse, zusammen und berieten den möglichen Run.

 

Wir plädierten für Silvester oder zumindest November oder Dezember. Da wir gerade den Marathon in Ägypten im Februar aus der Nil-Taufe gehoben hatten, überzeugten wir sie für einen Halbmarathon. „Den schafft gegen Ende des Jahres fast jeder“, argumentierte Gerd. “Und das Wetter hat doch noch gute Temperaturen bei euch?“ Alle stimmten zu. Griechisch-zyprischer Wein floss an diesem Abend reichlich.

 

Pendelstrecke musste es sein

 

Tags drauf fuhren wir nach Paphos an das südwestlich gelegene Mittelmeer: der damalige Health Runners-Präsident Stavros, Rüdiger, Gerd und ich. Am berühmten Aphrodite-Felsen machten wir der Liebegöttin unsere Aufwartung. Hier sollte der Sage nach die Liebesgöttin aus den schäumenden Wellen gestiegen sein. Natürlich hatte sie noch nichts von Läufern gewusst und dass man einmal mit ihrem Namen für diese Reklame machen würde.

 

Wir aber nutzten das Areal um das Städtchen Paphos, wo Felsen und Bäder mit ihrem Namen festgeschrieben sind, zu einem Aphrodite Run, dem ersten internationalen Langstreckenlauf in diesem schönen Inselreich. Im Hotel „Cypria Maris“ wurden wir zuerst mit einem 4-Sterne-Frühstück überrascht („Das beste auf Zypern“, so der General Manager), ehe wir uns auf Spurensuche machten. Die Strecke war bald eindeutig, sie musste eine Pendelstrecke sein. Vom Stadion des Hotels aus auf dem Strandsboulevard entlang durch die verträumte „Unterstadt“, dann rechts am historischen Hafen ab und an Kathedralen, dann vorbei die Straße hinauf bis fast zu den Königsgräbern. Mit herrlichen Ausblicken aufs Meer.

 

Mit viel Folklore

 

Gleich die Premiere, damals noch Anfang Dezember, wurde ein Erfolg. Etwa 300 Starter aus verschiedenen Ländern, darunter 36 deutsche Läufer in meiner Reisegruppe. Was die Veranstalter von Anfang an zelebrierten, konnte bis heute beibehalten bleiben: viel Folklore an Start und Ziel, Bier, Wein, Mandarinen und Sirtaki-Tänze. Pokale für alle Altersklassen, T-Shirts und Medaillen für jeden. Bei der abendlichen Abschluss-veranstaltung alles noch mal. Stimmung bis in die Nachtstunden hinein. Aphrodite hätte ihre Freude daran.

 

Dieser neue Halbmarathon wurde ein Jahresendrenner. Ab Auflage Nr. 2 immer Ende November. Eine 5-km-Distanz als „Fun Run“ kam noch hinzu. Ein Marathon wurde einmal, anlässlich des 10jährigen Geburtstags, ausprobiert, mit Start am Felsen der Göttin. Es blieb bei dieser Einmaligkeit, die Gesundheitsläufer aus Nikosia pflegten weiterhin die Halbmarathon-Tradition. Die Strecke veränderte sich später, der Anstieg wurde gegen einige Kilometer am Meer, unweit der Mosaiken, ausgetauscht.

 

Joggingtouren sind fast Kult

 

Jede November-Reise findet traditionell bei schönsten Spätsommertemperaturen statt – meist sind es 22 Grad Luft und Wasser! Morgenläufe am Strand entlang oder durch die Mandarinenhaine! Seitdem unsere Mitstreiterin, die engagierte und immer noch schnelle Elke Weisener aus Falkensee, Jahr für Jahr mit uns nach Paphos reist, sind diese Joggingtouren fast Kult geworden.

 

Genauso wie die einmalig schönen und interessanten Exkursionen durchs Land: ins romantische Troodos-Gebirge, in die geteilte Hauptstadt Nikosia, in die verwinkelten Weindörfer, aber auch in die Hafenstadt Kyrenia im türkischen Norden. Und immer wieder wandeln wir auf den Spuren jener Liebesgöttin, die die Römer Venus und die Griechen Aphrodite benannten.

Natürlich sind wir auch anlässlich des 20. Geburtstages am 24. November wieder laufend unterwegs. Die Schaumgeborene dürfte sich freuen.

 

Lauf 27 (2013-06-16)

Fotos: Archiv Klaus Weidt

Suppe mit Stäbchen

Aber auch über Austern, Stutenmilch, Straußeneier und andere kulinarische Kuriositäten staunten unsere Läufer

Zuallererst sei festgestellt: Bei allen Laufreisen, die ich bisher organisierte, wird ein gut ausgewogenes Essen serviert. Wo das mal nicht der Fall sein sollte – das kommt ja vor –, greifen wir ein. Keine Küche ist vor uns sicher. Wir sichern uns nämlich für unsere Laufreisenden ab. Vor allem vor der Laufzeit. Eine Pasta-Party ist meist unumgänglich, der Läufer verlangt nach diesem Nudel-Ritual. Wir akzeptierten aber auch schon Vorabendpartys mit Klößen in Oberhof, Kaiserschmarren im Wiener Rathaus und Reismenüs in Peking. Alles Folgende in meinem Bericht sind ungewöhnliche Küchen-Kuriositäten, die aber auch zu interessanten Reisen gehören.

 

Schüsseln am Fuji

 

Der Tag des Kawaguchi-Marathons war eigentlich perfekt. Die Sonne strahlte an einem tiefblauen Himmel, der Fuji-Bergriese grüßte alle Läufer, genügend Getränke gab’s unterwegs am Seeufer, doch dann der Schock auf der Zielgeraden. Jedem von uns wurde eine Suppenschüssel mit Nudeln gereicht. Übliche und beliebte Nahrung der Japaner, auch nach einem Run. Na gut, doch wie verspeisen? Als uns die Helfer noch Stäbchen zusteckten, war die Verwirrung gänzlich. Bis uns ein japanischer Marathonläufer aufklärte. Aus der Schüssel werden zuerst mit den Stäbchen die Nudeln herausgefischt, danach die Suppe getrunken. Oder umgekehrt. wer hier nicht von den 42 oder 21 Kilometern geschafft war, schaffte das noch.

 

Da könnten sich die Chinesen noch etwas abgucken. Natürlich werden auch bei ihnen zu allen Speisen Holzstäbe gelegt, doch Löffel und Gabel sind meist in Reichweite. Läufer sind aber unkompliziert und lernfreudig. Und so beeindruckte mich z.B. nach dem Peking-Marathon auf unserer Yangtse-Schiffstour vor allem, wie schnell an den großen runden Tischen die Läufer mit den Stäbchen hantierten.

 

Chinesisches an der Seine

 

Soweit, so gut. Im Land der Mitte rechnet man mit solchen Tischwerkzeugen. Aber beim Paris-Marathon? Das Hotel am südlichen Rande der Seine verwies auf ein gutes 4-Sterne-Ambiente, aber – Stäbchen zum Frühstück? Die Erklärung: Das Gasthaus wurde von einer chinesischen Hotelkette bewirtschaftet und von vielen asiatischen Geschäftsreisenden aufgesucht. Kurzer Blick rundum, und das europäische Breakfast wurde entdeckt. Doch dann staunte ich wieder über meine Läufergruppe – sie zog zumeist die Chinakost vor.

 

Bleiben wir in Frankreich. Der Medoc-Marathon ist für seinen Laufkarneval, aber auch für seine gute Gastronomie weltbekannt. Die Weinstadt Bordeaux lässt grüßen, und die Chateaus in der Weinregion erst recht. Für die 42,195 km, die spaßeshalber als „längster Marathon der Welt“ bezeichnet werden, sollte man sich das Sechseinhalb-Stunden-Zeitlimit gönnen. Hervorragende Rotweine, bestes Obst, auch mal Kuchen, etwas Käse und Grillgeschnetzeltes.

Austern am Chateau Rothschild

 

Ja und dann am Kilometer 32 der kulinarische Kick für den, der ihn noch verkraftet: Austern mit Weißwein. Ich verrate erstmals ein Geheimnis. Als ich bei meinem ersten Medoc-Marathon an dieser „Verpflegungsstelle“ ankam, verschlang ich mit Müh und Not nur eins dieser glitschigen Meerestiere. Zu mehr war mir nicht zumute. Daraufhin stieg ich beim nächsten Mal erst beim Chateau Rothschild (ca. km 20) in das Geschehen ein, wurde zwar disqualifiziert (natürlich eine Kontrollstelle verpasst), brachte es aber mit dem hervorragenden Weißwein auf zehn Austern…


Laufreisende, die es zur Mittsommernachtswen-

de ins finnische Lappland zog, hatten zwar zu Recht erwartet, beim Santa-Claus-Marathon mit dem leibhaftigen Weihnachtsmann zusammen zu treffen. Aber nicht damit: Am Tag nach dem nächtlichen Zieleinlauf luden wir, die Reiseveranstalter, gemeinsam mit Santa Claus, zu einem Treff in Rovaniemi ein. Und in einem etwas abgeschiedenen Hotelraum flackerten zur Überraschung aller nicht nur Kerzen, lagen fein gefaltete Weihnachtsservietten, sondern auch ein aufgeschnittener Christstollen auf den Tischen.

 

 Kumys in der Jurte

 

Staunen bei Läufern, aber selbst bei Santa Claus. Und die Frage: Wo kommt solch ein Weihnachtsgebäck im Sommer her? Das Geheimnis sei hier gelüftet: Wir hatten den Weihnachtsstollen sechs Monate lang im Kühlschrank frisch gehalten und dann nach Finnland mitgenommen.

 

Je weiter man fliegt, umso ungewöhnlicher ist manche Speise. Wobei das weniger die Hauptgerichte betrifft, bei denen europäische Geschmäcker meist berücksichtigt werden. Aber es reizt die Gastgeber schon, etwas von ihren nationalen „Spezialitäten“ anzubieten. Nehmen wir die ferne Mongolei. Natürlich wandelten wir nach dem Mongolia-Marathon auf den Spuren Dschingis Khans. Und der trank nicht nur Wodka, sondern vor allem „Kumys“, die leicht gegorene Stutenmilch. Gesund und bekömmlich, wie uns die Jurtenbewohner versicherten, und servierten sie ebenfalls. Stimmt, wenn man die gereichte Schale nicht bis auf den Boden leert. Das ist nämlich das Zeichen, dass es dem Gast gemundet hat. Dann wird gleich nachgegossen. Doch zweimal Stutenmilch kann für den europäischen Darm möglicherweise zuviel sein…


Omlett vom Straußenei

 

Wer den Two Oceans Marathon in Südafrika erlebte, wird gewiss auch einen Ausflug in eine Straußenfarm gebucht haben. Nachdem die Straußenvögel vorgeführt wurden, bittet der Farmer zu Tisch. Omelett vom Straußenei. Dieses ist so riesig, dass ein halbes Dutzend Rühreier davon hergestellt werden. Eine Kostprobe reicht aber – das Cholesterin im Ei ist mehr als reichlich.

 

In Kenia schaukelte man uns zu einem Wildspezialitäten-Restaurant am Rande Nairobis. Die Speisenkarte erwies sich als einzigartig, die Gerichte sofort verständlich. Jene Steppen- und Wassertiere waren abgebildet, die die Farm gegrillt oder gekocht serviert: so Antilope, Gnu, Zebra, sogar Krokodil. Erstaunlich, das das meiste sogar mundete.

Wot bei Haile

Äthiopien hat eine besondere Esskultur. Haile Gebrselassie hat uns einst die kulinarischen Besonderheiten seines Hochlandes eindrucksvoll zelebriert. Scharf gewürzte Schmorfleischstücke („Wot“) sind da mit verschiedenen Soßen zu genießen. Dazu „Injera“, ein kuchenartiges flaches Brot aus einheimischem Getreide („Teff“) hergestellt. „Gut für Läufer“, betonte der vielfache Weltrekordmann, ehe er uns zeigte, wie man so ein Gericht in den Mund bekommt. Einfach ein Stück Injera abreißen, die Fleischstückchen umwickeln und in eine Soße tunken. Vor und nach dem Essen die Hände waschen. Ein kulinarisches Erlebnis!


Übrigens erlebte ich auch eine Tour, bei der kaum einer von unserer Gruppe etwas an Essbarem zu sich nahm, obwohl sich die mitgekommenen Guides als vorzügliche Köche erwiesen. Das war in 4.700 m Höhe - auf der Kibo-Hütte, kurz vor dem entscheidenden Kilimanjaro-Aufstieg zum Uhuru Peak, dem höchsten Gipfel Afrikas. Da hatte die ungewohnte Höhe voll zugeschlagen. Wir bekamen keinen Bissen hinunter und füllten unsere Trinkflaschen lediglich mit Tee auf…

 

LAUF 26 (2013-05-12)

Oben: Mit Handy und Berliner Plüschbär - Wunderläufer Haile Gebrselassie; unten: Högen-Trainingscamp "Yaya" bei Addis Abeba (links), einer der 13 Klassenräume in der Schule "Marathon". Fotos. Klaus Weidt

Haile wird in Berlin "Hase"

Besuch bei Haile Gebrselassie, im höchsten Trainingscamp Afrikas und in der Schule „Marathon“

Wieder mal in Äthiopien. Mit einer Reisegruppe. Addis Abeba zuerst. Natürlich gleich zum Alem Building in der Bole Avenue zu Haile Gebrselassie. Und natürlich freut er sich wie immer. In der einen Hand hält er das Handy ans Ohr, in der anderen drückt er einen Plüschbären. Ersteres scheint derzeit eine der wichtigsten Beschäftigungen von Haile Gebrselassie zu sein.

 

„Sorry“, entschuldigt er sich, und dann klingelte es schon wieder. „Business“, erklärt er danach seinen Besuchern, durchweg Läufer, und nennt Details. Im Gebiet Kaffa, dort, wo einst der erste Kaffee der Welt gefunden wurde, hat seine Firma „Haile & Alem PLC“ eine riesige Plantage angelegt. 400 Arbeitsstellen entstanden so urplötzlich auf 1400 Hektar Boden, ca. 300 km südlich von Addis Abeba entfernt. 2000 Angestellte freuen sich inzwischen, im Imperium von Kaiser Haile in den verschiedensten Regionen regelmäßig äthiopische Birr zu verdienen.

 

Auch im Autohandel, im Wohnungsbau, bei der Betreuung von Schulen. „Ihr werdet verstehen, dass es da auch Probleme per Handy zu lösen gibt“, entschuldigt er sich noch einmal bei unserem Treff im Erdgeschos-Café seines Alem-Centers auf dem Hauptboulevard der äthiopischen Hauptstadt.

Ob er das noch zu einem intensiven Training kommt? Da lächelt er nur und verweist auf zurückgelegte Zeiten in diesem Jahr. 61 Minuten auf einem halben Marathon könne man nicht mit gedrosseltem Trainings-Motor erreichen. An die 300 Kilometer in der Woche muss man da schon diszipliniert ablaufen. Nach jener genannten Zeit, mit der er bekanntlich in Wien gewann, hatte er – ebenfalls bekanntlich – einen besonderen Geburtstag. Haile wurde 40.

 

Und war da was los? „Unbeschreiblich, was da los war, lacht der Lauf- und Business-Mann, „Mein Handy klingelte den ganzen Tag.“ Über Rundfunk und Television ließen die äthiopischen Fans den „Wunderläufers“ mit ihren Fragen nicht zur Ruhe kommen. Alle wollten Anteil haben an dem Jubiläum und wissen, was der Olympiasieger und Weltrekordler heute so alles macht. Schmeichelnde Zwischenbemerkung einer unserer Besucherinnen: „ Eigentlich siehst du noch aus wie 20.“ Darauf Haile: „Nein, nein – ich muss die korrigieren: wie 21.“ Und. Was er in 10 Jahren machen wird, wenn er 50 wird. Prompte Antwort: „Na, laufen und arbeiten, wie jetzt.“

 

Dass er einen Bären knuddelt, hatte seinen triftigen Grund. Seit seinem Berlin-Marathon-Einstand schenken wir ihm alljährlich einen Bären, wissend, dass er sich wirklich freut über diese Hauptstadt-Maskottchen. Er hat sie alle, inzwischen sieben an der Zahl, in seinem Heim, nahe der Entoto-Hügel, aufgereiht.

 

Der neue Bär passe diesmal wieder ganz besonders, verrät er. „Ich komme nämlich wieder mal zum Berlin-Marathon im September.“ Er hat mit Renndirektor Mark Milde einen besonderen Coup vereinbart. Er wird als „Hase“ rennen – als Schrittmacher für Irina Mikitenko.

 

Im Yaya-Camp auf 2702 m Höhe

 

Es ist nur 20 Kilometer von Addis Abeba entfernt, das Höhentrainings-Camp namens „Yaya“, benannt nach den urwüchsigen Bäumen, die hier in fast 3000 Meter Höhe wachsen. Vor nicht einmal zwei Jahren ist es hier in den Wäldern entstanden, ein Privatobjekt des Läufers und Managers Joseph Kibur, ein Schmuckstück. Mit Laufbahn, Trainingsstrecken, Fitness-Center, Sauna, Restaurant, mit Blumenrabatten gestaltete Entspannungs-Inseln und bisher 16 Doppelzimmer, die auf 24 noch erweitert werden sollen.

 

Hierher kommen nicht nur die Asse aus dem Land der Läufer, hierher finden auch schon nichtafrikanische Renner. „Bei uns ist jeder willkommen, gleich welche Laufvoraussetzungen er hat“, sagt Joseph. Für unsere Besuchergruppe hat er sich für ein kleines gemeinsames Training eingestimmt. Genauso wie der Renndirektor des Great Ethiopian Run, Ermias Ayele, der gleich einen Olympiasieger aus Addis Abeba mitbrachte, den von Sydney über 5000 m, Wolde Million.

 

Unsere Schar aber führt Dejen an, ein Halbmarathonmann, dessen Level bei 64 Minuten liegt. Die spielt er natürlich nicht aus. Im Gegenteil, immer wieder kehrt er in der mit 2702 m für uns ungewohnten Höhe zu den Letzten, um sie zu motivieren. „Ich werde nicht vergessen“, betont Petra Redepening aus der Aachener Gegend, „wie er immer wieder mir entgegen lief – mit einem Lächeln“ Und sie fügt hinzu: „Ich glaube, an dieses Lächeln werde ich denken, wenn ich mich beim Laufen zu Hause überwinden muss.“

 

Mit Joseph Kibur sitze ich noch vor unserer Weiterfahrt zusammen. Wir hecken einen interessanten Plan aus: Warum sollten wir nicht für alle, die in Deutschland daran Interesse haben, ein Höhen-Trainingscamp im Yaya Village organisieren? Einen äthiopischen Trainer hätte er für uns, und Exkursionen in die Umgebung von Addis würde er uns organisieren. So denken wir bereits ein Datum an: im November 2014, acht Tage vor dem Great Ethiopian Run, dem größten afrikanischen Volkslauf über 10 000 m mit etwa 35.000 Teilnehmern.

 

„Marathon“ auf Warteliste

 

Weiter in den Süden Äthiopiens. Dorthin, wo es in vielen Dörfern weder Strom, noch Wasser, noch Straßen gibt. Hier in der Welkite-Region fand man früher auch nur vereinzelt Schulen. Im Dorf Shafamu überhaupt keine, wem die Eltern es erlaubten, musste bis zu 15 km zurücklegen. Bis meine Läufer-Reisegruppe damals, 2005, auf die Idee kam, genau hier eine bauen zu lassen. Mit einem einzigen Klassenraum begannen wir – zwei Lehrer, eine kaputte Tafel, keine Stühle. Mit Spenden von deutschen Läufern entstanden dann einfache flache Gebäude in dieser vergessenen Landschaft, und wir nannten das Schulobjekt „Marathon“.

Beachtliches ist inzwischen geschehen.13 Klassenräume haben sich aneinander gereiht. 14 Lehrer unterrichten 597 Mädchen und Jungen in den Stufen 1.-6. Klasse. Hielten die Dorfbewohner in ihren Rundhütten ihre Kinder noch zurück, müssen sie diese heute auf eine Warteliste setzen. Jeder will zu „Marathon“.

 

Und so wurde bei unserem Besuch in Shafamu beschlossen, mit Bibliothek und weiteren Klassenräumen die Schulkapazität zu erweitern. In einem Jahr sollen bereits Voraussetzungen eine 7. und 8. Klasse geschaffen sein.

 

Übrigens hatte einst uns, vor acht Jahren kein Geringerer als Haile Gebrselassie auf diese „Marathon“-Spur gebracht, damals, als wir von ihm – als erste Läufergruppe aus Deutschland in Äthiopien - in seinem Haus bewirtet wurden. „Man muss in die Kinder, in die Zukubft, investieren, um Veränderungen herbeizuführen“, sagte er damals. Der Besuch diesmal auf unserer Ethiopia-Tour 2013 bestärkte uns, dass es die richtige Spur ist.

 

Nachbemerkung: Nur drei Tage nach unserem Besuch im Höhen-Trainingscamp „Yaya Village“ übermittelte dessen Chef Joseph Kibur ein detailliertes 8-Tage-Programm für den November 2014 – mit Übernachtungen/Vollpension, einem äthiopischen Trainer, Exkursionen in die Umgebung von Addis Abeba und einem Treffen mit Haile Gebrselassie. 30 Doppelbettzimmer warten nun auf die ersten Interessenten. Jeder mit Interesse hierfür kann sich bei uns melden.

LAUF 25 (2013-03-16)

Oben: Abebe-Bikila-Marathon in Addis Abeba; unten: Die REISEZEIT-Laufgruppe mit Haile Gbreselassie - Fotos Klaus Weidt

Wie ich einst den "Wunderläufer" fand

Von den Begegnungen mit Haile Gebrselassie

Persönlich lernte ich ihn ziemlich spät kennen. Erst im Jahre 2005. Da hatten sich seine Titel bereits überschlagen. Die Journalisten nannten ihn „Jahrhundert-renner“ oder „Wunderläufer“. Natürlich hatte ich seine Laufbahn von Anfang an aufmerksam verfolgt und seine Rekorde und Siege bestaunt, die nur so wie reife Äpfel von den Bäumen fielen, kaum eine madige Frucht darunter. Nicht nur mir kam er manchmal vor wie ein Außer-irdischer im Ausdauersport, selbst wenn man aus der langjährigen Geschichte wusste, dass die Laufastronauten Afrikas schon so manches Sternenwunder vollbracht hatten. Denken wir nur an Abebe Bikila.

So wurde mir schließlich klar, dass ich den zweimaligen Olympiasieger Haile Gebrselassie nur in seinem Heimatland Äthiopien finden könne. In Addis Abeba, wo er wohnt, arbeitet und trainiert. Ich beschloss, eine Reisegruppe zu formieren…

 

Noch nie, so ergaben meine Recherchen, war bisher eine deutsche Läuferschar in das Land des Haile Gebrselassie und Abebe Bikila geflogen, um bei einem Marathon zu starten. Also sollten wir Neuland betreten, reisen in dieses ostafrikanische Hochland, zwischen Sudan, Somalia und Kenia gelegen, unweit vom Horn von Afrika, mit seinen faszinierenden Landschaften und geschichtsträchtigen Kulturen.

 

Doch wie? Ein Marathon war bald ermittelt, er hatte sogar Tradition und wurde meist im Juni, in Addis Abeba, ausgerichtet. Schon mehr als zwei Jahrzehnte alt, nach der Marathonlegende Abebe Bikila benannt, als Testrennen für alle Äthiopier, die so werden wollten wie ihre erfolgreichen Laufstars. Bei der Tourismusbörse 2005 in den Berliner Messehallen am Funkturm sprach mich ein dunkelhäutiger junger Mann mit Oberlippenbart in fließendem Deutsch an: „Hallo, wollen Sie nicht mal nach Äthiopien?“

 

Er stellte sich als Amanuel, Chef eines Touristikunternehmens, vor, das er gründete, als er nach langjährigem Schifffahrt-Studium in Rostock bitter spüren musste, das es die falsche Fakultät war. Amanuel packte es tatsächlich. Zwei Monate nach unserer Begegnung erreichte uns eine Mail mit folgendem Inhalt: Abebe-Bikila-Marathon am 8. Juni, ihr könnt daran teilnehmen, und Haile ist auch in Addis. Mit dem ihm eigenen Ehrgeiz hatte er die Ethiopian Athletic Federation überzeugt, uns zu empfangen und sich auf einen exakten Termin festzulegen. Haile hatte er, was ich nicht erfuhr, zwar nicht erreicht, von dessen Sekretärin aber erfahren, dass zu diesem Zeitpunkt keine Auslandsverpflichtungen in seinem Terminkalender standen.

 

Unruhen, Turbulenzen und ein Umweg,

Wir waren erst einmal begeistert und sammelten Läufer und Interessenten für eine Reisegruppe. Sie umfasste schließlich zwei Dutzend. Am 5. Juni 2005 stiegen wir alle, mit einer gewissen Spannung aufgeladen, in die Nachtmaschine der Ethiopian Airlines. Der Nachtflug verlief ruhig, die Landung in Addis Abeba, der höchsten Metropole Afrikas, war sanft. Auch der Reisebus stand pünktlich vor dem Airport, doch in Amanuels Freude über unser Kommen ließ sich Unruhe nicht verbergen. Irgendwelche Turbulenzen in 2500 m Höhe. War Haile doch ausgeflogen? War der Marathon verschoben worden?

 

Was wir in Deutschland nicht mitbekommen hatten: In der äthiopischen Hauptstadt waren heftige Unruhen ausgebrochen. Die oppositionellen Kräfte fochten das frisch veröffentlichte Wahlergebnis an und brachten mehrere Tausend auf die Straßen. Diese sahen sich bald bewaffneten Polizeikräften gegenüber. Die Konfrontation ließ nicht lange auf sich warten, es fielen Schüsse, Protestierende wurden verletzt. In einigen Zeitungen war sogar von Toten die Rede. In diese nicht ungefährliche Situation platzten wir nun hinein, auf der Suche nach einer Haile-Welt… Addis Abeba, zu Deutsch die „Neue Blume“, schien an unserem Ankunftstag wenig farbig. Wie ausgestorben. Auch das Alem Building, Handelshochhaus von Haile Gebrselassie, machte einen verlassenen Eindruck.

 

Kein Wunder, wenn man uns in dieser nicht überschaubaren Lage nach nur kurzem Aufenthalt erst einmal aus Addis hinaus schleuste. Zu einer Zwei-Tage-Exkursion ins „Land des Lebens“, wie die hügelige Landschaft zum Wenchi-Krater, etwa 170 km von der Hauptstadt entfernt, in den Prospekten bezeichnet wurde. Natürlich hatten wir nichts dagegen, machten nur immer wieder darauf aufmerksam, dass wir auf zwei Ereignisse nicht verzichten können – die Teilnahme am Abebe-Bikila-Marathon, sollte er stattfinden, und die Begegnung mit Haile. So erlebten wir die ersten Begegnungen mit dem landschaftlich schönen, recht sauberen, aber armen Land mit gemischten Gefühlen.

 

Die erste Begegnung mit dem „Heros“

Auf dem Fahrtweg zurück konnte ich meine Unruhe nur wenig unterdrücken. Ist er nun da oder nicht? Wir erfreuten uns zwar an der überraschend grünen und nicht, wie von vielen erwartet, ausgedörrten Landschaft, doch war unser Reiseziel vor allem der Mann, den man hier als „Heros“ oder gar „Empore“ titulierte. So beobachtete ich immer wieder Amanuel, wie er mit seinem Handy Hailes Zahlenkombination vergeblich drückte. Schließlich hatte er, der ja einen Erfolg für seine erste Laufreisegruppe erringen wollte, eine gute Idee. Ihm fiel sein Onkel ein, der zu den Trainern der Athleten-Nationalmannschaft gehörte, Dr. Yilma Berta. Der hörte. „Doktor“, Amanuel nannte den Onkel immer mit Titel, „kannst du uns helfen? Haile weiß, dass wir da sind, doch ist er da, und wenn ja, wo?“ Der „Doktor“ versprach sein Möglichstes zu tun.

 

Die Strecke wurde für mich immer länger, die Fragen der ungeduldigen Mitreisenden immer bohrender, doch dann die erwartete Erlösung. Haile war nicht nur da, er wartete im Alem Building, genauer gesagt, in einem Clubraum seines neuen Kino-Hochhauses auf uns. Diese Nachricht löste alle Spannung und begeisterten Beifall im Bus aus. Und dann stand er plötzlich vor uns, mit seinem legendären Lachen, das die großen weißen Zähne zeigte. Mitten unter uns, im roten Adidas-Trainingsanzug und gab jedem die Hand: „Welcome, how are you?“ und bat uns Platz zu nehmen und erst einmal etwas zu trinken. „Ich freue mich sehr, dass ihr gekommen seid. Trotz unserer schwierigen Situation in diesen Tagen. Bisher sind wir Äthiopier immer nach Deutschland gekommen. Jetzt seid ihr endlich bei uns. Glückwunsch. Kommt bitte immer wieder!“

 

Eine Stunde Fragen und Antworten. Und auf dem Wege zu einem gemeinsamen Erinnerungsfoto sorgte dann Haile gleich für zwei Überraschungen. Die erste, eine nicht erwartete mit Beifall bedachte Einladung: „Wenn ihr von eurer Exkursion aus dem Süden zurückkehrt, möchte ich euch alle in meinem Haus bewirten.“ Die zweite war eine Frage, mit vielen guten Wünschen für den bevorstehenden Marathon verbunden: „Wisst ihr, dass der erste Wettkampf in meinem Leben der Abebe-Bikila-Marathon war?“ Und fügte noch hinzu: „Gern denke ich an den aber nicht zurück.“ Er wollte damals eigentlich nur ein 15-km-Rennen bestreiten, das aber fiel aus, und so ließ er sich von seinem größeren Bruder zum Marathon überreden. Völlig erschöpft wurde er 99.

 

Besuch bei Abebe Bikila

Sechzehn Jahre nach diesem Einstand von Haile Gebrselassie machten sich nun fast zwei Dutzend deutsche Hobbyläufer auf, den 21. Abebe-Bikila-Marathon zu bewältigen. Doch bevor sie sich unter die afrikanische Elite mischten, suchten sie das Grab des Urvaters, des Begründers aller afrikanischer Laufgeschichte auf, das von Abebe Bikila. Seine letzte Ruhestätte fand der zweimalige Marathon-Olympiasieger auf dem Zentralfriedhof von Addis Abeba. Wir fanden sie problemlos, obwohl sich die von schmiedeeisernen Zäunen umgebenen Familiengräbern eng an eng reihen. Abebe Bikila ist schon von weitem zu entdecken, er scheint zu winken, doch beim näheren Herankommen sieht man, dass der Steinmetz den drahtigen Läufer im Moment des Sieges von Rom zum ewigen Denkmal gehauen hat. Um dieses herum dicke Ketten, die von den olympischen Ringen unterbrochen werden. Wir überstiegen diese vorsichtig und legten einen grünen Kranz nieder, auf dessen Schleifen dieser Satz geschrieben stand: „Unser Gedenken der Marathonlegende Abebe Bikila.“

 

Als wir uns auf dem Zentralfriedhof vom Denkmal des Abebe Bikila entfernten, machte mich ein prominenter Begleiter unserer Laufreisegruppe auf eine nahe gelegene Grabstelle aufmerksam, die für jenen Mamo Wolde eingerichtet war. Er hatte selbst im olympischen Marathonwettkampf von Mexiko City gekämpft und dort einen beachtlichen siebzehnten Platz belegt: Manfred Steffny. Mamos Ruhestätte erschien weniger auffällig und weniger beachtet. „Vielleicht hätten wir ihn an seiner letzten Ruhestätte auch mit einer Schleife ehren sollen.“

 

Von unserer Teilnahme am Abebe-Bikila-Marathon, jener Talentesuche, bei der die Trainer nach 2:45 Std. die Stoppuhren einsteckten und etwa 150 Äthiopier registriert hatten, ist nur soviel zu berichten: Wir liefen weit hinter den letzten Afrikanern her und waren froh, die bereits abgeräumte Strecke ins Stadion noch zu finden. Doch gab es eine Anerkennung gegenüber uns deutschen Athleten, die mit ihrer Teilnahme eine Art Premiere im Land der Läufer feierten. Alle wurden zum Abschlussbankett eingeladen, das eigentlich nur für die Medaillengewinner aufgebaut wurde, und erhielten für jeden der knapp 20 Läuferinnen und Läufer aus Deutschland einen grüngelbroten Adidas-Trainingsanzug mit dem Schriftzug „Ethiopia“.

 

An jenem Sonntagabend rief Haile in unserem Hotel an und erkundigte sich nach unseren Marathon-Nachwehen. „Bis Donnerstagabend dann also“, als wir ihm unsere Zufriedenheit zu verstehen gaben. „I’m happy to meet you again. Welcome you!“

 

Zu Hause beim „Wunderläufer“

Nach unserer erlebnisreichen Äthiopientour in den grünen Süden kehrten wir nach Addis Abeba zurück. Und suchten wieder einmal Haile. Wir fanden sein Haus nicht auf Anhieb. Die Richtung, Nähe Entotohügel, war klar. Als es hügelauf ging, fragten wir nach. „Haile? Na, da drüben!“ Trotzdem gerieten wir schließlich nur an das eiserne Tor des Hintereinganges, an dem wir uns stark klopfend bemerkbar machten. Als der Torwächter das bemerkte, war auch Haile schon da, im hellgrauen dreigestreiften Trainingsanzug, lachend über unseren Umweg in sein Domizil.

 

„Normalerweise kommen meine Gäste immer von vorn.“ und setzte noch hinzu: „Na, ihr seid eben doch etwas Besonderes.“ Er lässt es sich nicht nehmen, jedem einzelnen von uns die Hand zu geben und willkommen zu heißen. Nach altäthiopischer Art meist, wo die linke Hand die eigene rechte festhält, ein Brauch, der uns so erklärt wurde: In den früheren kriegerischen Zeiten bekundete der Begrüßende, dass er unbewaffnet sei. Haile schenkte uns freundlich und friedlich zur Ankunft selbst ein Getränk nach Wunsch ein: Wasser, Wein, Bier, auch Cola.

 

Die Gebrselassie-Villa hoch über der Metropole Addis Abeba kann durchaus mit der Residenz eines Botschafters verglichen werden. Der „Jahrhundertläufer“ braucht kein Hehl daraus zu machen, dass er mit seinen Siegen und Rekorden einige Millionen verdiente. Er hat sie vor allem in soziale Projekte, Häuser, Handel gesteckt und seinen Geschwistern und dem Vater unter die Arme gegriffen. Es gibt kaum einen unter den 65 bis 70 Millionen Äthiopiern, viele zu den Ärmsten der Welt zählend, die ihm den erlaufenden Reichtum missgönnen. Haile ist einer von ihnen geblieben. Und fragt man nach ihren Hoffnungen, ihn in der Zukunft betreffend, sprechen sie nicht nur von seinen Weltmeister- und Olympiatiteln, sondern auch davon, dass sie ihn gern zu ihrem Präsidenten küren möchten. Empore Haile Gebrselassie.

 

Haile stellte uns seine drei Töchter vor und dazu Alem, die Ehefrau und Geschäftspartnerin. Dann führte er uns durch seine prächtig eingerichteten Räume: kunstvolle antike Sitzmöbel, lederbezogen, Kissen mit dem Löwensymbol Haile Selassies, schwere helle Vorhänge, die jedoch einen atemberaubenden Ausblick auf die tiefer gelegene Heimatstadt Addis ermöglichen, orientalisch geprägte Teppiche und ein riesiger Standfernseher, der im Gegensatz zu Haile wohl rund um die Uhr läuft. Eine Wendeltreppe schlängelte sich zu den Schlaf- und Gästezimmern. Hohe und zugleich breite Glasvitrinen beherbergten unzählige Pokale, Vasen, Figuren, Bilder und Medaillen. Eine fehlte, die goldene von Atlanta, die erste olympische Siegermedaille. Die hat er dem Museum der Kedam-Merate-Kirche gestiftet, jener Pilgerstätte am „Entoto“, die oft Treff und Ausgangspunkt für das Training der Spitzenathleten war.

 

Laufen noch mit 66…

Ein paar Stufen ging es noch hinunter, wo Haile die Arme ausbreitete: „Hier werde ich einmal alle Trophäen und Geschenke unterbringen, chronologisch geordnet.“ Einer der Gäste unterbrach ihn mit einer neugierigen, aber nicht uninteressanten Zwischenfrage: „Wie lange denkst du noch du sammeln?“ Darauf Haile salomonisch und mit dem berühmten Lachen „Solange ich laufen kann. Und ihr sollte wissen, ich laufe auch noch mit 66“. Sagt es mit einem Blick auf einige Umstehenden.

In der Küche war ein echt äthiopisches Büfett für uns aufgebaut. Für Fremde ist die Esskultur in diesem altafrikanischen Lande vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, für uns, die gerade eine Entdeckungsfahrt durch einen Teil Äthiopiens beendet haben, war sie zu bewältigen. Üblich ist auch, dass der Hausherr einen besonders appetitlichen Bissen einem Gast als Zeichen von Respekt oder Freundschaft („Gursha“) in den Mund steckt. Haile ließ das in seiner abendlichen Hausrunde aus, wahrscheinlich waren wir zuviel.

 

Als wir uns des Rückfluges nach Deutschland wegen verabschieden mussten, traten wir noch gemeinsam auf die Terrasse des Haile-Hauses. Unten funkelten die Lichter der quirligen Millionenstadt Addis Abeba. Beinahe wäre in all diesem Trubel und bei dieser besonderen Stimmung vergessen worden, dem Gastgeber ein besonderes Souvenir zu übergeben - ein paar dünne Laufhandschuhe mit dem Autogramm des Doppel-Olympiasiegers im Marathon, Waldemar Cierpinski. Haile lachte wieder in seiner charmanten Art und kommentierte schlagfertig: „Ich nehme an, ihr habt gewusst, dass es auf den 3000 m hohen Hügeln kalt sein kann. Da kann ich sie gut gebrauchen.“

Dehnahun – auf Wiedersehen, Haile. Du und Äthiopien, ihr seht uns wieder!

***

Klaus Weidt veröffentlichte ein Buch über Haile Gebrselassie, das inzwischen nicht nur in Deutsch (2. Auflage), sondern auch in Englisch und Niederländisch erschien. Zurzeit sind Verhandlungen mit einem äthiopischen Verlag in Gange.



LAUF 24 (2012-11-24)

Oben: LAUFZEIT-Ausgabe 249; unten: TRaditionelles Läuferwochenende in Weinböhla bei Dresden.

Foto/Repro: LAUFZEIT

Die erste LAUFZEIT war verschwunden

Im Dezember 2012 erscheint, man soll es kaum glauben, die 250. Ausgabe die LAUFZEIT. Ein Monatsjournal, wie sein Untertitel verrät, für alle Freunde des Laufens. Das erste Heft kam im Mai 1990 auf den Markt. Seitdem hat es sich nicht nur in ganz Deutschland etabliert, sondern auch Schritt für Schritt inhaltlich und äußerlich verbessert. Klaus Weidt gründete in jenem Jahr nach der Wende die Laufzeit Verlags GmbH noch in der DDR und war erster Chefredakteur dieses Journals in den ersten sieben Jahren. Er erinnert sich an die LZ Nr.1 und wie es damals dazu kam

 

Die Premierenfeier schien gut vorbereitet. Zwei Kegelbahnen waren reserviert, das kleine Büfett liebevoll angerichtet. Die Gäste kamen, und als alle im Berliner Sport- und Erholungszentrum ihre Blumen abgelegt hatten, konnte die LAUFZEIT Nr.1 eigentlich gewürdigt werden. Nur – sie war verschwunden. Die ersten Exemplare trafen nicht ein. Wie sich schließlich herausstellte, hatte einer unserer rührigsten Mitstreiter die Erstexemplare zwar von der Druckerei pünktlich abgeholt, in seiner Wohnung aber liegen gelassen.

 

Gott sei Dank - das „Malheur“ bemerkte man nicht gleich, Minuten später tauchte die erste LAUFZEIT auf und wurde stolz herumgereicht. Berlin-Marathon-Vater Horst Milde hob zum ersten Trinkspruch an und wünschte auch für die nächsten Ausgaben viel Kraft und alles Gute. Unvergessen, das war damals im Mai 1990.

 

Premieren-Verkauf beim Rennsteiglauf

 

Wir hatten die erste Ausgabe mit voller Absicht für den Mai des 90er Jahres geplant und auch herausgegeben. Beim Rennsteiglauf, so sagten wir uns, ist jenes Leserpotential, das schon lange ungeduldig auf ein Läuferjournal im Osten Deutschlands wartet. Und so schleppten wir ein paar Tausend der neuen Hefte nach Oberhof, Neuhaus und Schmiedefeld, bauten kleine Stände auf und boten die neue LAUFZEIT an. Der Erfolg blieb nicht aus. Mit dem farbigen Titel einer Rennsteiglaufszene ließ sie sich für 2,50 DDR-Mark (!) wunderbar verkaufen.

 

Doch was nach der Schmiedefelder Abschlussparty die Begründer noch mehr erfreuen konnte: Knapp 1000 abonnierten die „Neue“ sofort. Bundesdeutsche Medien-Profis zeigten sich da ein wenig verwundert. Das war ungewöhnlich. Wo gewann ein neues Magazin auf Anhieb schon derart viele Abonnenten?

 

Was allerdings manchen Leser danach irritierte: Die zweite Ausgabe folgte nicht im nächsten Monat, sondern erst im Juli. Was mit dem Vierteljahres-Rhytmus des damaligen DDR-Postzeitungsvertriebs zusammenhing und im Folgenden oftmals erklärt werden musste…

 

Wie kam es überhaupt zur „LAUFZEIT“?

 

Die Idee der LAUFZEIT entstand am 2.1.1990. An diesem Januartag hatte ich nachträglich zu einer Geburtstagsrunde eingeladen. Fünf lauffreudige Journalisten saßen da zusammen. Bereits beim ersten Glas kalten Rotkäppchen-Sekt wurde ein Thema wieder heiß debattiert: Wollen wir nicht endlich ein eigenes Laufmagazin im Osten Deutschlands ins Leben rufen?

 

Die Chance, jetzt nach der Wende? Zweimal hatte ich, zu DDR-Zeiten, bereits solch einen Vorstoß unternom-men. Vergeblich. Er scheiterte sowohl am Papierkon-tingent als auch am Unverständnis derjenigen, die hierzulande etwas zu erlauben hatten. Sollte nicht nunmehr die Zeit für eine Läufer-Zeitung reif sein? Wir beschlossen, einen neuen Start zu versuchen, verteilten die Aufgaben und forschten nach Verbündeten.

 

Der erste hieß Werner Zock und hatte als profilierter Lauforganisator in Berlins Ostteil einiges Sagen. Der zweite rief mich noch im Januar aus einer Westberliner Bäckerei an. Er erwies sich als kein Geringerer als der Chef des Berlin-Marathons. „Ick hab’ jehört“, so Horst Milde im gewohnten Berliner Dialekt, “ihr wollt ein Laufjournal gründen?“ Er witterte eine mögliche Zusatzwerbung. Wenig später trafen sich fast 14tägig alle, die dieses neue Projekt ins Laufen bringen wollten, in Ost- oder West-Berlin.

 

Bald standen die Konzeption und auch die Finanzierung. Gegründet wurde im April eine LAUFZEIT Verlags GmbH – noch unter DDR-Bedingungen –, und die Erstauflage mit einem Farbumschlag, vorerst nur 32 Seiten Inhalt in schwarz-weiß, konnte gedruckt werden. Titelthemen: Rennsteiglauf und Berlin-Marathon. Zwei Highlights, die heute noch immer bewegen.

 

An Ideen fehlte es von Anfang an nicht

 

Joggi, die laufende Schnecke unseres Zeichners Frank-Norbert Beyer begleitet das Journal noch heute. Aus den ersten Leserreisen zum Swiss Alpine und zum New York City Marathons von 1990 entwickelte sich inzwischen die bekannte alljährliche Reisepalette mit Hilfe der REISE-ZEIT, die sich vier Jahre später als Firma vorstellte. Wir erkundeten bald mit den „Top Ten“ und „Tip Ten“ die beliebtesten Running Events Deutschland, wurden u.a. Partner des Rennsteiglaufvereins und des Berlin-Marathons, starteten Serien wie „Kleider machen Läufer“, „LAUFliteraTOUR“ und fanden von Anfang an kundige und prominente Kolumnisten wie Waldemar Cierpinski und Reporterlegende Heinz Florian Oertel.

 

Die ersten zehn Titelblätter hatte ich an die Wände der Redaktionsstube geklebt und Monat für Monat gehofft, dass es so weiterläuft. Wie wir heute wissen – es lief. Mit vielen Ideen, treuen Lesern und Geschäftsfreunden.

Bleibt mir somit zu wünschen, dass die LAUFZEIT, die längst der ostdeutschen Laufszene entwachsen ist, deutschlandweit beliebt und selbst in Überseestaaten gelesen wird, die bisherigen 250 Ausgaben nur als „Halbzeit“ betrachten kann.

 

Denn der Slogan seit jenem Startschuss von 1990 heißt unverändert: IMMER IST LAUFZEIT!



LAUF 23 (2012-11-05)

Aus der Laufpalette von REISEZEIT und LAUFZEIT: Der Terrakotta-Mauerlauf (oben), der Mombasa-Ersatzmarathon (unten lins) und der Mongolia-Marathon. Fotos: Klaus Weidt

Ob Wüsten- oder Mauerlauf, Ägypten- oder Mongolia-Marathon, Moormeile oder „Dolichos“ – Klaus Weidt brachte mit der Laufreiseagentur REISEZEIT und dem

Läuferjournal LAUFZEIT so manches in der Welt ins Laufen

Da staunten sogar die alten Griechen...

Was tun, wenn ein Marathon ausfällt? Dazu noch einer im  fernen Kenia, zu dem eine LAUFZEIT-Leserreise führen soll? Wir über-legten nicht  lange, damals 1993, schickten ein Fax zur Severin-Lodge nach Mombasa und  teilten kühn mit: Wir organisieren den alleine. Mit einem freundlichen „Jambo!“  begrüßte der Hotel-Manager unsere 24köpfige Reisegruppe und schlug vor: „Ihr  sucht die Strecke aus und wir sponsern den Lauf.“ Als besonderen Clou hatte er  sich eine Beach-Party unterhalb der 500 Jahre alten Jumba-Ruinen eines  Suaheli-Dorfes ausgedacht. Mit dem versierten Stendaler Lauforganisator Gerd  Engel zogen wir die Laufspuren für Halbmarathon und Marathon – allerdings  zweimal. Bei der Kontrolle der ersten Streckenlegung verliefen wir uns nämlich  im Urwald…

 

Als der Scheich von Dubai starb…

 



Der erste selbst initiierte Laufevent, aus der „Not“
geboren, erwies sich als Erfolg. Dass dem allerdings – siehe unsere „bewegte  Übersicht“ – noch weitere 35 folgen sollten, konnten wir damals nicht ahnen.  Wobei, wie wir erleben sollten, nicht nur lauftouristische Zwänge, sondern vor
allem schöne Ideen manch Neues in aller Welt ins Laufen brachte.

 

Allerdings  Ähnliches wie in Kenia widerfuhr uns in den Emiraten. Zwei Tage vor dem Abflug
der Reisegruppe nach Dubai starb der Scheich der Weltwunderstadt. 40 Tage  Trauer, also kein Marathon. Wir flogen trotzdem hin, zogen mit Hilfe unserer  Agentur vor Ort 10-km-Schleifen durch den Park einer Halbinsel und besorgten  uns die T-Shirts und Finisher-Urkunden der ausgefallenen Veranstaltung.

 

Der erste eigene Einfall für einen internationalen Marathon  entstand aus einem Zufall und wurde ein Langzeit-Hit. In „Wei(d)tläufiges 14“ haben wir über die fast unglaublich scheinende Geschichte des Ägypten-Marathons  ausführlich berichtet. Mehr als 1000 Leser reisten in den Jahren 1994 bis 96
mit uns ins Land am Nil. Wir garnierten diese Ägypten-Touren noch mit Wüsten  Tempel- und

Hotelläufen, erfolgreich.

 

Später entdeckten wir die Reize der  Halbin-

sel Sinai mit St. Cathenrine und dem Mosesberg. Die Silvesterläufe dort  mit dem einzigen Marathon zum Jahreswechsel in der Welt wurden einzigartig. Das  alles machte uns bald Mut, auf interna-tionalem Laufparkett manch Neues,  Ungewöhn-

liches anzustoßen und damit unsere Leserreisen nicht nur attraktiv,  sondern auch unverwechselbar zu gestalten.

 

Einmal um  die kleinste Republik

 



So entdeckten wir die Ruinen von Karthago neu. Nämlich für  Läufer. Unweit von Tunis zog uns das Tunesische Fremdenverkehrsamt dorthin, wo
einst die drei Punischen Kriege tobten. Mit dem Karthago-Marathon gaben wir dem  kleinen nordafrikanischen Land einige Impulse, und unsere Reise-Läufer  wandelten auf historischen und neuen Pfaden. Wie auch später im tiefen  tunesi-

schen Inland, als wir den fast ausgetrockneten Salzsee „Chott El  Dscherit“ fürs Laufen ent-deckten. Noch in fünf Kilometer Entfernung vom Ufer  konnten die Jogger und Walker gesehen werden, einer Fata Morgana gleich.

 

San Marino gilt als kleinste Republik der Welt. Als wir auf  der Landkarte ihre Grenzen ausmaßen, kamen wir auf – den Marathon. Rannte man
nämlich einmal um San Marino, konnten es 42,195 km sein. Allerdings auf  anspruchsvollen Berg- und Talstraßen rund um den Monte Titano. Die Regenten des  Lilliput-Staates waren von unserer Idee begeistert. Sie passte haargenau in
ihre etwas verrückte Tourismus-Konzeption, in der schon Formel 1 und Symposien  für „Außerirdische“ Platz gefunden hatten. Im Jahr 2000 fuhren somit gleich  drei Busse mit insgesamt 240 Reiseteilnehmern in die Bilderbuch-Republik.

 

Schon mit Gründung der REISEZEIT1994 war ein Halbmarathon  geboren worde , der heute noch alljährlich im November unsere Leser anzieht:
zur Aphrodite, der Liebesgöttin. In Paphos, wo diese der Legende nach den  Fluten entstiegen sein soll, folgten wir einer Einladung des Health Runner’s  Club von Nikosia und des damaligen deutschen Nationaltrainers auf Zypern,  Rüdiger Marko, und fanden eine Strecke am Mittelmeer und auf historischen  Spuren bis zu den Königsgräbern, die heute noch fast haargenau so besteht und
für unsere Leser in jedem Herbst beliebt ist. Wärme, Wasser, Wein – Laufen, wo  die Götter Urlaub machen…

 

Wer kennt  schon den „Dolichos“?



 

Der Bürgermeister von Olympia zeigte sich zuerst
fassungslos. „Da staunen ja selbst die alten Griechen“, schmunzelte er  schließlich, übernahm aber sofort das Patronat über unsere angeregte Laufidee.  Wir hatten nämlich in historischen Dokumenten herausgefunden, dass die längste
Strecke der antiken Olympier, als „Dolichos“ benannt, 24 „Stadien“ betrug. Diese umgerechnet, ergaben exakt 4614,48  Meter. Diese maßen wir im griechischen Dorf Olympia aus und trugen zweimal
bisher einen, sogar vom griechischen Fernsehen beachteten Run aus. Als Zugabe  zum einige Tage vorher absolvierten Athen-Marathon.

 

Andere „Exoten“ wurden nicht weniger spektakulär.
Exkursionen nach dem bekannten Lissaboner Halbmarathon wurden gemeinsam mit portu-giesischen Langläüfern zum Beispiel dazu genutzt, um am äußersten Ende des  europäischen Festlandes, dem Cabo da Roca, zu joggen. Nach dem Peking-Marathon  fuhren wir mit der Bahn nach Xi’an, der Stadt der ausgegrabenen
Terrakotta-Armee. Auf der vollständig erhaltenen geschichtsträchtigen  Stadtmauer liefen wir den Terrakotta-Mauerlauf, begleitet lautstark von
chinesischen Trommler-Formationen.

 

In der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu wurde auf unsere  Anregung ein Freundschaftslauf „Rund um den Affentempel“ organisiert, dessen  Sieger-

ehrungen die Sportministerin des Landes und die deutsche Botschafterin  vornahmen. Im fernen Ulan-Bator regten wir den „Mongolia-Marathon“ an und
ließen so manchen Reiter zu Fuß umsteigen. In 
Nicaragua gibt es seit dem Vorjahr einen Marathon, der, durch Christel  Schemel von der REISEZEIT angeregt und unterstützt, auf historischer Distanz
ausgetragen wird. Land und Leute laufend erleben – ein Slogan, den wir nunmehr  seit zwei Jahrzehnten pflegen.

 

Moor,  Meilen und mehr

 



Wir gaben aber nicht nur in aller Welt einige Laufimpulse.  Als uns Reporter-Legende Heinz Florian Oertel auf Bad Wilsnack aufmerksam
machte, organisierten wir in diesem reizvollen Städtchen nicht nur eins unserer  traditionel-

len Läuferwochenenden, sondern begründeten zugleich die „Prignitzer  Moormeile“. Dort, wo zu DDR-Zeiten noch Cross-Meisterschaften zelebriert
wurden, war nach der Wende nur noch Leer-Lauf. Dankbar griffen die dortigen  Läufer die Initiative auf – im Vorjahr fand bereits die 10. Auflage statt.

 

In Weinböhla bei Dresden nahmen wir den Namen des Ortes  wörtlich und regten – ebenfalls bei einem Läufer- und Walkerwochenende – einen
„Weinlauf“ an. Die Winzer waren begeistert und stellten ihre besten Weißweine  an den Getränkestellen auf. Die Lauffreunde aus der Nachbarschaft griffen  danach unsere Idee alá Medoc auf und laden nunmehr Jahr für Jahr mit
Riesenresonanz zum „Meißner Weinlauf“ ein.

 

Ein Ende unserer Einfälle dürfte noch nicht abzusehen sein.  Kürzlich kreierten wir anlässlich des traditionellen Läuferwochenendes in Quedlinburg der 1. Burg-Falkenstein-Lauf
& Walk. Ein wenig nördlicher hatten bereits neue Partner angefragt, ob wir  nicht dort auch mal etwas in Bewegung bringen könnten. Es waren – Grönländer!  Und da sich bereits Leipziger Freunde für einen August-Ausflug hinter den Polarkreis interessiert haben,  könnte es demnächst dort einen nach guter Leipziger Lauf-Tradition vielleicht einen Stundenlauf mit den Eskimos  geben…

 

 

 

 

Vorhergehende Folgen

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Mi                 22.11.2017 

Nr.            2.585 - 1.282

Aktualisierung:        16:30

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     2    5    9    12    20   25    SZ: 7

 

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(ohne Gewähr)

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Aktueller Stand:

2092 (2017-11-22) 

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Zum 100. Jubiläum (1920 - 2020)

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