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Sportjournalist MANFRED HÖNEL aus Berlin mit:

Unverhönelt

56 (2016-02-23) Manfred Hönel

Täve Schur wird heute 85

Auch über 50 Jahre nach seinen

großen Erfolgen noch ein Idol

Sympathie kann man nicht verordnen, die muss man erwerben. Ex-Radrennfahrer Gustav Adolf „Täve“ Schur ist im Osten Deutschlands gerade deshalb die Beliebtheit in Person. Obwohl er seit 50 Jahren kein Rennen auf Weltklasseniveau mehr fuhr, scharen sich die Menschen um ihn, wo immer er auftaucht. Elf Bücher und zwei Broschüren sind über Täve erschienen. Morgen feiert der zweimalige Ex-Weltmeister, vierfache Vater, siebenfache Opa und neunmalige „DDR-Sportler des Jahres“ seinen 85. Geburtstag. In der Mehrzweck-Halle von Heyrothsberge steigt heute eine „kleine Party“. Dort, wo er geboren wurde, wo er bei Grün-Rot Magdeburg mit dem Radsport begann und wo er mit seiner gleichaltrigen Frau Renate immer noch wohnt.

Die große Geburtstagsfete folgt am Sonnabend im Festsaal von Kleinmühligen gleich neben dem Friedensfahrt-Museum.

 

Kleinmühlingen ist ein Dorf am Rande der Magdeburger Börde. Zahlreiche Radsportler aus ganz Deutschland, viele Fans und Freunde werden kommen. „Ob sich die Kinder alle frei machen können, weiß ich nicht. Zum 100. werden sie bestimmt alle da sein“, sagt Täve mit seinem typischen Lächeln. Seit Tagen hat er sein Handy abgestellt. „Die Leute denken nicht daran: Ich werde 85 und nicht 25“, entschuldigt er sich. Immer wieder wird er zu Vorträgen, Diskussionsabenden oder Talk Shows eingeladen. Erst Anfang des Monats schwelgten bei einem Senioren-Frühstück in einem bis auf den letzten Platz besetzten Saal in Burg bei Magdeburg die Oldies und Täve in Erinnerungen. „Bei solchen Runden bin ich natürlich zur Stelle“, schmunzelt Täve, der während des Gesprächs nebenbei einen Staubsauger repariert. 

Ein Stückchen abseits der Hauptstraße schmiegt sich in Heyrothsberge ein kleines Einfamilienhaus in die Landschaft. Der Jubilar hat das Grundstück von seinen Eltern geerbt. Hier ist er aufgewachsen, hier fand er die Liebe zum Radsport. Als Mechaniker-Lehrling strampelte er bei Wind und Wetter zur Arbeit nach Magdeburg. „Diese tägliche Bekanntschaft mit dem Fahrrad brachte mich mit 16 Jahren dazu, Rennfahrer zu werden“, erinnert sich Täve. 1951 gewann er sein erstes Rennen: „Rund um Berlin“, das älteste deutsche Straßenradrennen. Schur war in der ehemaligen DDR ungefähr das, was die Fußball-Weltmeister von 1954 für die alte BRD sind. Millionen Menschen säumten die Straßen, als Täve 1955 erstmals die Friedensfahrt gewann. Millionen lauschten der Stimme von Reporterstar Heinz-Florian Oertel, als der 1958 im französischen Reims ins Mikrofon jubelte: „Täve Schur, unglaublich, Wahnsinn, er ist Weltmeister!“ Zwölf Monate später wiederholte Täve im holländischen Zandvoort dieses Kunststück. Er ist immer noch der einzige Amateur-Weltmeister, dem es gelang, zweimal hintereinander das Regenbogen-Trikot zu erkämpfen. 

Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Fairness zeichneten den Rennfahrer Schur aus. Bei der WM 1960 auf dem Sachsenring lagen Schur, der Leipziger Bernhard Eckstein und Willy Vandenberghen allein vorn. Der Belgier konzentrierte sich auf Schur, doch der deutete einen Spurt nur an und ließ dann Eckstein ziehen. Schur verzichtete auf seinen dritten Titel. „Aber wir haben das Regenbogentrikot für unser Land gewonnen“, strahlt der Magdeburger noch heute.

Einige Wochen später schob Schur unter der Hitzeglocke von Rom den völlig entkräfteten Erich Hagen (†) ins Ziel, rettete damit der gemeinsamen deutschen Mannschaft Olympia-Silber im 100-kmTeamfahren. Bei der Friedensfahrt 1963 trug der inzwischen schwer erkrankte Klaus Ampler das Gelbe Trikot. In Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) schlug die Defekthexe bei Ampler zu. Schur überließ ihm sein Rad, wartete auf den Materialwagen und kam abgeschlagen ins Ziel. Klaus Ampler gewann die Fahrt, Täve lag eine ganze Generation zu Füßen.

 

Profiradsport dagegen war nie Täves Ding: „Es geht mir dort zu sehr ums Geld. “Aber der Faszination der Tour de France konnte auch er sich nicht entziehen. „Seit der Wiedervereinigung war ich viele Male bei der Tour. Mich begeistert die sportliche Leistung.“ Profis verfügen nach Schurs Ansicht auch über einen Vorteil: „Wenn sie genug Piepen verdient haben, können sie Schluss machen. Wenn ich nach meinem zweiten WM-Sieg aufgehört hätte, würde sich heute kein Mensch für meine Bücher oder unser Friedensfahrtmuseum in Kleinmühlingen interessieren. “ Tour- und Olympiasieger Jan Ullrich, 14 Jahre nach Schurs letztem WM-Titel geboren, bekennt: „Täve ist nicht meine Zeit. Aber er steht für mich wie ein Turm.“ Für den das Rad immer noch ein Muss ist. An schönen Wochenendtagen spult er immer noch 60 km runter.

Manne Hönel – Text aus dem Berliner Kurier vom 23.02.2016

55 (2016-01-10) Manfred Hönel

Berliner Kletterkönig träumt vom Zuckerhut

Er macht eben seinen Job

 

Großer Bahnhof gestern in der italienischen Botschaft im Tiergarten. Das Profi-Radteam Giant- Alpecin präsentierte seine Mannschaften für die Saison 2016. Team-Chef Iwan Spekenbrink verkündete: „ 27 Männer und zehn Frauen werden für Giant-Apecin in die Pedale treten.“ Der Rennstall besitzt eine deutsche Lizenz, obwohl zu den Männern aus zehn Nationen nur fünf Deutschen gehören. Einer von ihnen ist der Berliner Simon Geschke. Durch seinen Sieg auf der 17. Etappe der Tour de France 2015 schob sich Simon ins Blickfeld der Fans. Als Markenzeichen des früheren TSC- Rouleurs gilt sein Vollbart. „Der bleibt vorläufig auch dran. Ich habe ihn nur ein bisschen gestutzt. Vielleicht kommt er nach einem großen Sieg ganz ab.“

 

Unter großem Sieg versteht der Sohn des früheren Radsprint-Weltmeisters Jürgen Geschke zum Beispiel einen Triumph beim Ardennen-Klassiker Lüttich- Bastogne-Lüttich, eine Tour-Etappensieg oder eine Medaille bei Olympia in Rio de Janeiro. Heute sitzt der 29-Jährige im Flugzeug Richtung Australien. „Dort will ich mich bei der Tour Down Under für die Saison einrollen“, sagt Simon und gibt zu, dass er sich für dieses Jahr große Ziele gesetzt hat, vorausgesetzt, er wird von seinem Team nominiert. „Meine Schwerpunkte sind im Frühjahr Lüttich-Bastogne-Lüttich und im Juli die Tour de France“, sagt Geschke und verrät dann: „Mein ganz großer Traum ist außerdem ein Start bei den Olympischen Spielen in Brasilien.“ Allerdings darf Deutschland nur fünf Straßenfahrer nominieren, davon entfallen zwei Plätze auf die Zeitfahrer wie den Ex-Weltmeister Tony Martin.

MH

54 (2015-09-20) Manfred Hönel

Chapeau im Chapiteau

„Rummel“-Boxen vom Feinsten

im Zirkuszelt

SES-Boxgala im Chapiteau des Leipziger Belantis Vergnügungsparks. Nach den sechs Profikämpfen kann man nur sagen Chapeau! Promotor Ulf Steinforth aus Magdeburg glückte eine tolle Veranstaltung mit richtig ansehnlichem Boxen. 

Halbschwergewichtler Dominic Bösel zermürbte seinen Gegner Maximiliano Jorge Gomez aus Argentinien mit harten Treffern, allein 20 Schläge auf die Leber waren dabei, dass der Argentinier nach der achten Runde nicht mehr aus der Ecke kam, war nachzuempfinden. Dominic gewann damit nicht nur seinen 20 Profikampf, sondern verteidigte auch den WBO-Intercontitel sicher. Darauf einen Sekt, was dem Freyburger sicher nicht schwer fällt, denn Mutter Bösel gehört zum Leitungsteam bei „Rotkäppchen“ in der Unstrut-Stadt. „Dominik kann in 20 Kämpfen auf 20 Siege verweisen. Im nächsten Jahr streben wir seinen ersten WM-Kampf an“, blickt Trainer Dirk Dzemski schon ein Stück voraus. Das Duell gegen den Argentinier nimmt der Trainer nicht als alleinigen Maßstab. „Dominic wird immer besser. Er hat sich technisch und mit der Schlagkraft ganz ausgezeichnet entwickelt. Noch zwei Kämpfe, und er ist für einen WM-Gürtel fit.“

Schwergewichtler Tom Schwarz musste nicht bis zum Letzten aus sich herausgehen, um den Österreicher Gezim Tahiri Angst einzujagen. Der Österreicher zog vor Beginn der vierten Runde die Handschuhe aus. Aufgabe! Im 14. Kampf war es der neunte vorzeitige Sieg für den Saalestädter aus Halle.

Im Weltergewicht ging es zwischen Felix Lamm aus Nordhausen und Philipp Schuster (Halle/Saale) „nur“ um die Deutsche Meisterschaft. Aber die Fans im ausverkauften Chapiteau werden von diesem Faustduell noch lange sprechen. „Das war Boxen auf höchstem Niveau“, lobte Ex-Weltmeister Robert Stieglitz. In der Tat merkte man beiden Boxern die solide Ausbildung an. Lamm bei der Sportfördergruppe in Frankfurt/Oder und Schuster im Leistungszentrum Halle. Den Fight sollte sich so mancher Weltmeister zu Gemüte ziehen, um zu sehen, was hochklassiges Boxen ist. Die Zuschauer erkannten das und sparten nicht mit Beifall und Jubel. Mit solchen Kämpfen lassen sich die Hallen wieder füllen und Fans vor den Bildschirm ziehen. Halles Trainer Uwe Schuster sah zwar seinen Sohn als Sieger und schimpfte: „Das Urteil ist ungerecht.“ Diese Meinung hatte er allerdings fast exklusiv.“ Das Duell verdiente keinen Sieger, deshalb war das Unentschieden nicht nur ein salomonisches, sondern auch gerechtes Urteil. Titelverteidiger Lamm bleibt Meister. Auf den Rückkampf darf man gespannt sein.

 

Für Aufklärung am Rande der SES-Gala sorgte Ramona Kühne. Einen WM-Kampf gegen Cecilia Breakhus im Vorprogramm von Klitschko gegen Fury im Oktober wird es nicht geben. „Wir haben verhandelt, aber keinen Vertrag unterschrieben“, sagte Ramona Kühne. Wahrscheinlich stimmte die Gage nicht.

Mit dem Groß-Neffen des Ex-Frankfurter Olympiasiegers Rudi Fink meldete sich bei SES ein neues Talent zu Wort. Er heiß Philip Nsingi, stammt aus Cottbus und trainiert jetzt bei SES-Trainer Stefan Kühne in Berlin. Der ist überzeugt: „Philip wird bestimmt ein ganz guter Profi.“ In Leipzig gewann er gegen den Tschechen Michal Vosyka zum Auftakt seiner Profi-Karriere alle vier Runden klar.

Manne Hönel

53 (2015-08-30) Manfred Hönel

Der Ostfußball braucht

die RB-Millionen

Union-Fans –

neidisch, naiv und weltfremd

Die Union-Fans können sich sehen lassen. Ihre Fairness unterstrichen sie während der 90 Minuten auch beim Spiel des 1. FC Union Berlin gegen Rasenballsport (RB) Leipzig. Das verdientermaßen 1:1 endete. Die Leipziger machten das Spiel, die Wuhlheider kämpften wirklich mit Leidenschaft. Um das Spiel drumherum hörte und sah man aus der Union-Fanschar jedoch ungewohnte Töne. Da war im Programm über die Bedeutung von Rindvieh und Bullen zu lesen. Vor dem Spiel rollten die Unioner Spruchbänder aus, auf denen sie für die Leipziger Fans ein Mitbestimmungsrecht forderten. Nobel!

Doch sind die Eisernen da nicht ein bisschen ungerecht. Welche Fans können bei Bayern München mitbestimmen? Sitzt etwa der Fan-Rat in Wolfsburg bei Klaus Alofs am Tisch, wenn der den 74-Millionen Deal mit Manchester City dreht? Die Wolfsburger Fans würden sicher liebend gern weiter Kevin de Bruyne zaubern sehen. Zu sagen haben sie nichts. Einige Unioner wollen das Duell RB Leipzig gegen die Köpenicker nicht als Ostderby anerkennen. Da haben sie vielleicht Recht, denn mit dem alten DDR-Osten haben weder Leipzig noch Union etwas zu tun. Aber geographisch hat das Duell durchaus seinen Reiz. Schließlich gibt es auch ein Nordderby oder ein Ruhrpott-Derby, obwohl die Spieler des HSV oder Bremens längst nicht alle aus den beiden Städten stammen und bei Schalke und Dortmund ist es nicht viel anders.

Zum Glück sorgten die Fans für eine wunderbare Atmosphäre, die Leipzigs Trainer Ralf Rangnick schwärmen ließ: „Wir haben heute ein schönes, spannendes Fußballspiel in einer richtig guten Fußballatmosphäre erlebt.“ Einen Eindruck, den auch Union-Trainer Norbert Düwel teilte: „Es war eine angenehme Atmosphäre. Leider haben wir in der 82. Minute durch ein Eigentor noch unseren ersten Saisonsieg verpasst.“

Vielleicht sollten sich die Fans mehr über den gelungenen Fußballabend freuen und nicht die Neidhammel herausgucken lassen. Die Union-Fans schwiegen in den ersten 15 Minuten des Spiels. Von Stille ist da auf der Homepage bei Union zu lesen. Der Autor hatte wahrscheinlich Watte im Ohr. Denn immerhin nutzten 2200 Leipziger die Union-Stille und riefen deutlich hörbar: „Auf geht’s Leipziger Jungs, schießt ein Tor für uns.“ Was RB-Trainer Rangnick zu der Äußerung animierte: „ Von wegen wir haben keine Fans. Mal sehen welche Mannschaft das nächste Mal 2200 Fans mit in die ‚Alte Försterei‘ bringt.“ Natürlich pumpte Brausemischer Dietrich Mateschitz Millionen in den Fußball der Pleißestadt, aber der Fußball im Osten benötigt die Millionen, sonst geht er auf dem Zahnfleisch, und das schöne Spiel versinkt im Mittelmaß. Rangnick hat nicht nur teure Profis nach Sachsen geholt, RB investiert auch viel in den Nachwuchs. Aus dem einzigartigen Nachwuchszentrum werden bestimmt talentierte Fußballer entwachsen. Davon wiederum profitieren alle…

Manne Hönel

52 (2015-08-25) Manfred Hönel

Ein Pilsener sucht

das Bier im Internet

Es muss vom Fass sein, sagt

der tschechische Handball-Fuchs

An den Paraden des Berliner Füchse-Torwarts Petr Stochl verzweifelte schon so mancher Torjäger auf dem Handball-Parkett. Es scheint dem Tschechen nichts auszumachen, wenn ihm die harten Lederkugeln mit Geschwindigkeit von 120 km/h um die Ohren fliegen. „Ich habe es einige Zeit mit autogenem Training probiert. Es hat mir geholfen. Ich bin seither vom Kopf her bereit, richtig locker ins Tor zu gehen. Wenn du das nicht kannst, bist du als Handball-Torwart falsch“, erklärt Stochl, der sich mit Silvio Heinevetter den Platz im Tor der Füchse teilt.

Der tschechische Nationaltorwart beginnt jetzt die zehnte Saison bei den Füchsen: „Mein Vertrag läuft aus. Ich will aber noch ein oder zwei Jahre bleiben. Ich fühle mich noch fit und bin den Anforderungen des Spitzen-Handballs gewachsen.“ Stochl sieht den tschechischen Eishockeytorwart Dominik Hasek (Olympiasieger 1998) als sein großes Vorbild an. „Hasek hat 20 Jahre in der NHL gespielt und stand mit 46 Jahre noch bei Spartak Moskau im Tor. Vielleicht halte ich meine Form wenigstens bis 43“, hofft der „Wachmann“ im Fuchsbau.

 

Von den Fans immer wieder beklatscht und bestaunt

 

Der gebürtige Pilsener brilliert mit bewundernswerter Reaktionsschnelligkeit und Beweglichkeit. Der bald 40 Jahre alte Keeper hat eine Erklärung dafür: „Mit acht Jahren habe ich mit dem Handball begonnen. Ich wollte Torwart werden. Mein Trainer war damals Vladimir Marek. Er hat meinen Wunsch akzeptiert und mit mir immer wieder Dehn- und Reaktionsübungen trainiert. Das hat mir bis zum heutigen Tag geholfen. Ich habe keine Probleme, schnell auf das Parkett zu klatschen und blitzartig auf Schüsse zu reagieren.“

 

Eishockey ist die große Leidenschaft

 

Allerdings fuhr der Diplomsportlehrer bis zu den Junioren zweigleisig. Neben dem Handball hütete er auch die kleine Eishockeykiste. „Dann musste ich mich entscheiden. Ich ging zum Handball. Eishockey ist aber weiter meine Lieblingssportart“, gesteht er. Erst unlängst beim Sommertraining stellte er sich bei den Eisbären wieder ins Tor „und hielt richtig gut“, wie Eisbären-Verteidiger Frank Hördler bestätigte.

Der Tscheche trat bei den Berliner Füchsen zwischen die Pfosten, als die noch in der zweiten Bundesliga spielten: „Von da an habe ich alles mitgemacht; wie den Klassenerhalt, die Qualifikation für die Champions League, den Gewinn des DHB- und EHF-Pokals. Nach der vergangenen Saison war ich ein bisschen müde. Ich bin mit meiner Familie in unser Haus nach Pilsen gefahren und habe mich fünf Wochen nicht um den Handball gekümmert. Jetzt fühle ich mich wieder frisch. Wir haben mehrere neue Spieler und mit Erlingur Richardsson einen neuen Trainer. Da will ich natürlich mithelfen, die Füchse im Spitzenfeld der Bundesliga zu halten.“ Die 20:23-Niederlage zum Saisonauftakt in Melsungen hält ihn von seinen Vorhaben nicht ab.

 

Nun könnte man annehmen, dass ein bald 40-Jähriger nicht mehr wie ein 19 Jahre alter Jung-Fuchs um den Faulen See neben dem Berliner Sportforum keulen muss. „Da kennst du mich aber schlecht“, sagt Petr und betont. „Ich mache alle Übungen mit. Allerdings haben wir seit diesem Jahr einen Athletik-Trainer, der für jeden Spieler einen speziellen Trainingsplan ausgearbeitet hat. Auf mein Alter nimmt er dabei keine Rücksicht.“

Petr Stochl lebt mit Ehefrau und zwei Kindern in Berlin-Charlottenburg. Eine Stunde Anfahrt von seiner Wohnung zur Füchse-Town im Berliner Sportforum in Hohenschönhausen muss er einplanen. Zur S-Bahn Westkreuz mit dem Fahrrad, von dort mit der S-Bahn zur Landsberger Allee, danach mit der Straßenbahn bis Weißenseer Weg und dann fünf Minuten zu Fuß. „Mit dem Auto dauert es noch länger“, hat der Keeper längst zu verschiedenen Tageszeiten ausprobiert.

 

Die Stochls planen noch ein paar Jahre mit Berlin

 

Ich würde gern hier noch als Torwarttrainer arbeiten. Es geht mir und meiner Frau Tereza auch um unsere Jungs. Jakub, unserer Großer, ist zehn, geht in Charlottenburg zur Schule und kann natürlich wie andere Schüler in diesem Alter perfekt Deutsch. Unser Matei kommt jetzt zur Schule, wir wollen möglichst so lange bleiben, bis auch der Kleine die deutsche Sprache möglichst perfekt verinnerlicht hat. Damit die Jungen ihre Muttersprache möglichst gut drauf haben, sprechen wir zu Hause ausschließlich tschechisch.

 

Später wollen wir zurück nach Pilsen

 

Das ist schließlich unsere Heimat.“ Ob sich die Jungs einmal für Handball entscheiden? „Im Moment gehen sie zum Fußball. Ins Handballtor würde sich Jakub sowieso nicht stellen. Er gibt zu, dass er vor den Schüssen Angst hat. Aber das kann sich vielleicht noch ändern“, erzählt der Vater. Insgeheim hofft Stochl schon auf eine Fortsetzung der Tradition. Vater stand einst in Pilsen im Fußballtor und Bruder Jan hütet wie er die Handballkiste.

 

Als gebürtiger Pilsener steht er natürlich auf „Urquell“

 

Ich gucke immer im Internet, wo Pilsner Urquell in Berlin zu haben ist. Pasteurisiert in Flaschen kann man das fast in jedem Supermarkt kaufen. Aber das Bier will ich nicht. Ich will das frische Tankbier. Es wird von Pilsen mit Kühlfahrzeugen in Tanks nach Berlin transportiert und vom Fass ausgeschenkt. Einen besseren Biergenuss gibt es nicht. Allerdings muss man da ein bisschen suchen und durch Berlin kurven, ehe man die richtige Kneipe findet.“

 

Es gab Zeiten, da spielten zehn Tschechen in der Bundesliga

 

In der gegenwärtigen 50. Bundesligasaison bin ich als einziger Tscheche übrig geblieben. Filip Jicha ist von Kiel nach Spanien gegangen, mein Bruder Jan ist mit Erlangen abgestiegen und auch Jan Horak von den Füchsen spielt jetzt in der zweiten Liga“, meint der Torwächter des Fuchsbaus. „Ich will als Einzelkämpfer die tschechische Fraktion möglichst erfolgreich mit den Füchsen auch international vertreten“, sagt Petr Stochl und hofft: „Vielleicht lädt mich der Trainer auch für die Nationalmannschaft ein.“ Der Pilsener kann auf 173 Länderspiele verweisen und gibt zu: „Ich würde schon gern mit einer runden Zahl diesen Abschnitt meines Sportlerlebens beschließen.“

Zur Person

 

Petr Stochl geboren am 24.4. 1976 in Pilsen. 1,95 m groß und 85 kg schwer. Diplomsportlehrer. Verheiratet zwei Kinder. Sportliche Erfolge : zweimal tschechischer Meister mit Kovopetrol Pilsen. Kovopetrol war auch 1984 sein erster Verein. DHB-Pokalsieger 2014 mit den Füchsen Berlin und 2015 EHF-Pokalsieger mit den Füchsen Berlin. 173 Länderspiele für Tschechien und 252 Bundesligaspiele für Berlin.

 

Manne Hönel

Images: Matten Ernst, Armin Kübelbeck, ČTK Krumphanzl Michal 

51 (2015-08-18) Manfred Hönel

Endlich trifft Wood

auch in der Wuhlheide

Köpenicker Soccer Boy

mit bayerischem Dialekt

Der 1. FC Union griff tief in die Tasche, als er den USA-Nationalspieler Bobby Shou Wood verpflichtete. Angeblich sollen 800 000 Euro geflossen sein. Wood besaß bei 1860 München einen Vertrag bis 2016. In der vorigen Saison trat er neunmal für Erzgebirge Aue an und schoss dort drei Tore. Der 22-Jährige füllte im Juni die Zeitungsspalten, als er für die Soccer Boys von Jürgen Klinsmann sowohl beim 4:3 gegen die Niederlande als auch beim 2:1 gegen Deutschland die Siegtore der US-Amerikaner schoss.

Die Wood-Treffer elektrisierten auch die Chefetage bei Union. Im Juli wurde der Wechsel von der Isar an die Spree fixiert. In den ersten Pflichtauftritten für Union blieb der Kalifornier blass. Er schien die Torkanone in München vergessen zu haben - bis Sonntag! Da traf er nach einem maßgerechten Pass von Sören Brandy zum 2:1 für die Eisernen. Bobby jubelte trotzdem nicht vor Freude: „Für mich war es wichtig, ein Tor zu schießen. Endlich ist mir das geglückt und trotzdem gewinnen wir nicht und spielen 2:2. Das ist ärgerlich.“

Wood, der Sohn einer Japanerin und eines Afroamerikaners kam im kalifornischen Irvine zur Welt. Bereits mit 15 Jahren landete er 2007 im Internat von 1860 München. Er durchlief dort die Nachwuchsabteilungen und gab 2013 sein Debüt im US-Nationalteam. Bisher bestritt er acht Länderspiele. In der „Alten Försterei“ ließ er am Sonntag gegen Kaiserslautern zum ersten Mal seine Torgefährlichkeit aufblitzen. „So kann es weitergehen“, sagt der Torjäger, der sich sogar auf bayrisch mit dem Münchner Union-Trainer Norbert Düwel gut unterhalten kann.

Der Union-Coach hat den US-Stürmer immer wieder gebracht, obwohl dieser noch nicht überzeugen konnte und auch konditionell noch nicht den erforderlichen Standard erreicht hatte. „Wood ist ein besonderer Stürmer, den man besonders behandeln muss“, meint Düwel. Durch den verschobenen Urlaub wegen der Nationalmannschafts-Einsätze konnte Bobby Wood noch gar nicht die Topform erreicht haben. „Aber jetzt scheint der Junge Tritt zu fassen“, hofft der Trainer. Für nächsten Sonntag bei 1860 München hat sich Bobby zumindest eine Sache vorgenommen: „Ich will unbedingt ein Tor schießen.“

Manne Hönel

50! (2015-07-24) Manfred Hönel

„Tuttis“ Sohn

im siebten Himmel

Im Wandlitzer Fliederweg

duftet es nach Lorbeeren

Im Wandlitzer Fliederweg riecht es jetzt nach Lorbeeren. Vera und Jürgen Geschke können sich im Moment vor Besuchen und Anrufen nicht retten. Wer hätte das auch gedacht, ihr Simon hat am Mittwoch die erste schwere Alpenetappe der Tour de France gewonnen. „Es ist für mich ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk zu meinem 72 in der vorigen Woche “, freut sich Vater Jürgen Geschke. Der einstige Radsprint-Weltmeister fühlt sich “schuldig“ an der Rennkarriere seines Sohnes. „Ich war Trainer beim TSC Berlin. Als Simon 1998 zwölf Jahre alt war, habe ich ihn einfach mitgenommen zum Training. Wie sich zeigt, war das offensichtlich kein Fehler“, sagt der einstige Berliner Bahnradstar. In der Jugend trainierte Simon bei Dagomar Richter, der auch schon Erik Zabel, Jens Voigt und Jan Schaffrath zu Spitzen-Könnern entwickelt hat. Bei den Trainern Dieter Stein und Uwe Freese trat er dann im U23-Team in die Pedale. „Schon da ließen sich die Bergqualitäten des Jungen erkennen“, hat Sechstage-Sportdirektor Dieter Stein beobachtet. Wie Simon am Mittwoch 49 km völlig allein über die Alpen stiefelte, beeindruckte auch die Konkurrenz.

Die Atmosphäre in der deutschen Mannschaft ist gut, auch wenn das Bielefelder Team bis Mittwoch noch keine Etappenerfolge feiern konnte. Der Sieg des Berliners hellte die Mienen der Chefs weiter auf. Natürlich fiel auch Simon Geschke ein Stein vorm Herzen: „Es war schon härter als in den beiden vergangenen Jahren, als wir immer schnell mit Marcel Kittel zum Erfolg gekommen waren. Ich sollte in der zweiten Tourwoche meine eigenen Chancen bekommen, aber sicher hat niemand im Team von mir einen Etappensieg erwartet. In erster Linie war ich als Helfer für John Degenkolb und Warren Barguil hier. Ich gewinne ja eigentlich nicht so viel, das war erst mein dritter Profisieg.“ Aber dafür sorgte der Berliner damit gleich für doppeltes Aufsehen. Immerhin ist er nach Kurt Stöbel (1932), Erik Zabel und Jens Voigt erst der vierte Berliner mit einem Etappensieg bei der „Großen Schleife“.

Im Moment lebt der Radprofi mit dem Vollbart in Freiburg. „Das macht Sinn“, sagt Simon und begründet seinen Umzug in den deutschen Südwesten: „Das Bergtraining mit dem nahen Schwarzwald kann ich hier effektiver gestalten.“ Mit Simons Vollbart werden die Fans mindesten noch ein Jahr leben müssen, denn der Profi verriet: „Der Bart kommt erst ab, wenn ich die Tour gewinne.“

Nach der Tour kommt Simon Geschke für ein paar Tage nach Berlin. „ Die Eltern, die Trainer und alten Kumpel besuchen. Dann beginnt die Vorbereitung auf die WM im September. Ich bin vornominiert und hoffe auf einen Start“, verrät der 29 Jahre alte Topradler. Geschke rückte übrigens als 25. in die Rubrik deutscher Tour-de-France-Etappengewinner. Rekordler ist mit zwölf Tagessiegen übrigens mit Erik Zabel auch ein Berliner.

Manne Hönel

49 (2015-07-11) Manfred Hönel

Eisbären wollen unter dem Stern

mehr Gas geben

Für 20 Jahre Mercedes-Benz Arena

 

Die Berliner Eisbären und Albas Basketballer hatten richtig Schwein, wie der Berliner so sagt. Die frühere O2 World und seit 1. Juli zur Mercedes-Benz Arena umgetaufte Monster-Halle, von Berliner Medien verschämt Arena am Ostbahnhof genannt, wurde zum Glück von der amerikanischen Anschutz Entertainment Group gebaut. Wären die Bauherren vom Berliner Flughafen verantwortlich, müssten die Eisbären wohl auf Rasenhockey umschulen.

Am 13. September 2006 erfolgte die Grundsteinlegung. Bereits am 10. September 2008 liefen die Eisbären zu ihrem DEL-Eröffnungspiel zwischen die Banden und fegten die Augsburger Panther mit 11:0. Nostalgie! In der vergangenen Saison waren die Eisbären froh, wenn sie ihre Siege mit einem Tor Unterschied nach Hause brachten. „Das soll ab sofort anders werden. Wir spielen jetzt in einer Halle mit einem verpflichtenden Namen“, ist sich Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee der Aufgabe bewusst. Der Stern leuchtet auf der ganzen Welt als Edelmarke. Unter diesem Symbol können natürlich die Eisbären nicht als graue Mäuse über den kalten Grund wieseln. Obwohl die Eisbären mit ihrer Einkaufstour hoffentlich noch nicht am Ende sind, stehen bereits neun Verteidiger unter Vertrag. Allerdings brodelt es in der Gerüchteküche. So soll der Südtiroler Alexander Trivelatto nach Schwennigen verliehen werden. Die Wild Wings müssten dafür nicht einmal eine Ausländerstelle streichen, denn Alex erhält einen deutschen Pass, darf aber weiter für Italiens Nationalteam auflaufen.

Namensumbenennung. Das sagt sich so einfach, bringt aber mehr Umstände mit sich, als man im ersten Moment glaubt. Mercedes hat die Namensrechte für die nächsten 20 Jahre erworben. „Da macht sich ein bisschen Mühe schon erforderlich“, sagt Moritz Hillebrand, Pressesprecher des Anschutz-Unternehmes und schildert, wie gewichtig allein der Schriftzug unter dem Haupteingang ist: „Mercedes-Benz Arena wird auf einer Länge von 52 Metern und 4,20 m Höhe über den Eingangstoren leuchten.“ Der Schriftzug wiegt übrigens 2,5 Tonnen.

Vom 15. Juli werden bis 28.August 345 neue Wegweiser, Informationen, Piktogramme und Blocknummerierungen angebracht. Die gesamte Arena wird in den Mercedes-Farben Schwarz, Anthrazit und Silber gestaltet. Der Kalkstein in den Fluchttreppenhäusern wird durch den schwarzen Granit „Nero Assoluto“ aus China ersetzt. Nobel, nobel! Die Kapazität von 14 200 Plätzen beim Eishockey und 17 000 Plätzen bei Konzerten und beim Boxen bleiben. Wichtig: Bier, Pommes, Bouletten, Bockwurst sollen zu den bisher üblichen Preisen vertrieben werden. Hoffentlich!

Manne Hönel

48 (2015-06-29) Manfred Hönel

Käpt'n Huck promotet seinen eigenen Kampf

Faust-Lehrgang in der Spielerstadt

Der WBO-Weltmeister Marco Huck alias Muamer Hukić hat sich auf den Weg in die USA gemacht. Am 14. August trifft der 30-Jährige in Newark im US-Staat New Jersey in einem Titelkampf auf den Herausforderer Krzystof Glowacki (28) aus Polen. Vor seinem Abflug sprach laptopwerk.de mit Marco Huck, der aus einer bosniakischen Familie in Serbien stammt.

 

 

 

Ihr WM-Kampf steigt erst am 14. August. Warum fliegen Sie jetzt schon in die USA?

 

Marco Huck: „Ich will absolut top auf diesem Kampf nach fast einem Jahr Ringpause vorbereitet sein. Mein neuer Trainer Don House betreibt sein Gym in Las Vegas, deshalb reise ich mit meinem Physio, meinem Pressesprecher und meinem Bruder als Manager nach Las Vegas. Ich werde dort bis 8. August schweinehart trainieren, damit ich gegen Glowacki in Glanzform bin. In Las Vegas habe ich ein Haus gemietet und bereits einen Koch und eine Putzfrau eingestellt. Damit in jeder Beziehung eine maximale Vorbereitung garantiert ist.“

 

Kennen Sie ihren Gegner?

 

Marco Huck: „Überhaupt nicht. Ich habe auch noch keine Videos von ihm gesehen, aber das wird sich bei Don House ändern.“

 

Warum boxen Sie gegen einen Polen in den USA?

 

Marco Huck: „Mit einem Kampf in den USA geht für mich ein Traum in Erfüllung. Der Kampfort hängt auch mit meinem Trainer zusammen und mit dem Interesse der Fernsehsender. Neben dem Pay-TV-Sender Sky wird unser Kampf auch in den USA übertragen. Zudem war auch die WBO dafür, weil in New Jersey zahlreiche Menschen mit polnischen Wurzeln leben.“

 

Fast ein Jahr Pause, wie haben Sie sich fit gehalten?

 

Marco Huck: „In Berlin habe ich mich im Legends-Studio in der Bundesallee und beim Joggen im Tiergarten fit gehalten. Bei meiner Familie in Sjenica in Serbien stand mir ebenfalls ein Fitness-Studio mit Ring zur Verfügung und laufen kann man überall. Den ganzen Februar trainierte ich zum ersten Mal mit Don Huose in der Türkei. Da habe ich gespürt, dass ich mit ihm sehr gut zusammen arbeiten kann. Ich glaube, ich habe mit dem 54 Jahre alten Trainer einen guten Fang gemacht.“

 

Gibt es noch Verbindungen zu Sauerland-Event; ihrem Ex-Boxstall?

 

Marco Huck: Überhaupt nicht. Seit 31. Dezember sind alle Verbindungen bis auf eine Ausnahme gekappt. Die Ausnahme ist mein alter Trainer Ulli Wegner mit dem ich in ständiger Verbindung bin.“

 

Kommen Sie ohne die Hilfe eines großen Boxstalls zu Recht?

 

Marco Huck: „ Ich habe keine Probleme. Ich komme mit meinen Helfern gut klar. Wir sind in Verhandlung mit verschiedenen Fernsehsendern. Ich denke, da wird sich bald auch wieder ein Kampf in Deutschland ergeben.“

 

Was ist aus ihrem Traum vom Schwergewicht geworden?

 

Marco Huck: „Der Traum ist noch nicht ausgeträumt. Als eigener Promotor bin ich jetzt viel näher an einem Schwergewichtskampf dran als bei Sauerland. Ich glaube noch an einen Kampf gegen Wladimir Klitschko im Berliner Olympiastadion. Klitschko gegen Huck wäre aus meiner Sicht ein großes Boxhighlight, das die Fans begeistern würde.“

 

Las Vegas ist eine Spielerstadt, haben Sie nicht Angst, abgelenkt zu werden?

 

Marco Huck: „Ich fahre dorthin, um zu arbeiten. Wir haben ein Haus etwas am Rande der Stadt gemietet . Ich bin hungrig auf das Boxen und nicht auf das Roulette.“

Manne Hönel

47 (2015-06-08) Manfred Hönel

Ein halbes Dutzend Füchse verläßt den Bau

Wenn Amor trifft, schrumpft selbst die Bedeutung von Bundesligatoren

THW Kiel ist Deutscher Handball-Meister. Keine Sensation! Die Kieler feiern in elf Jahren bereits den zehnten Titel. Die Nachbarn von Flensburg-Handewitt tanzen um den DHB-Pokal und die Berliner Füchse schwenken den EHF-Cup. 

Damit stehen alle wichtigen Pokale im Norden Deutschlands. Die Berliner führen trotz des ersten internationalen Pokalgewinns in der Vereinsgeschichte keine übertriebenen Freudentänze auf. Zum Saisonabschluss unterlagen die Füchse 29:33 gegen Flensburg-Handewitt. Die 9000 Zuschauer sahen, dass die Füchse schon noch ein paarmal auf Beutezug gehen müssen, um zu den Spitzenteams der Bundesliga aufzuschließen. Die Fans verabschiedeten zwar mit Winke, Winke, Sing-Sang und 1000 Liter Freibier, aber auch mit einer Träne im Knopfloch gleich fünf Spieler und Trainer Dagur Sigurdsson. Sogar Konrad Wilczinski, Füchses Ex-Torjäger ( 237 Treffern davon 128 Siebenmeter) war aus Wien zur Abschiedsparty angereist. Es war ein Abend voller Emotionen. Für den Spanier Ike Romero hielt Füchse-Präsident Frank Steffel persönlich die Abschiedsrede. Der 35-Jährige hatte sich im vorigen Sommer noch zu einem Jahr Verlängerung überreden lassen. Jetzt aber ist Schluss. Er übernimmt in Spanien einen Trainerjob im Nachwuchs. Sagt aber mit einem breiten Grinsen: „Wenn ich mich ausgeruht habe und Manager Bob Hanning ruft mich an, mal sehen.“ Der Ex-Weltmeister brummt nicht allein mit dem Porsche in die Heimat. Er nimmt seine große Liebe Laura Steinbach mit. Die 29-jährige Berlinerin wird dem Bundesliga-Team der Füchsinnen fehlen. Tschüss sagte am Wochenende in Berlin nach einem halben Jahr als Aushilfe am Kreis auch Evgeni Pevnov. Der Nationalspieler geht nach Gummersbach, den Russen Konstantin Igropulo zieht es nach Kopenhagen, Pavel Horak wechselt in die zweite Liga nach Erlangen. Tom Skroblien kam als Jugendlicher von Schwerin zu den Füchsen, fasste aber nicht so richtig Fuß und versucht sein Glück nun in Lemgo. Wie schon lange bekannt, übernimmt Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson nun als Allein-Unterhalter die deutsche Nationalmannschaft. Als ob dieser Aderlass nicht schon groß genug wäre, tappten die Füchse auch noch in die Verletzungsfalle. Nach mehreren Schulteroperationen gibt Bartlomiej Jaszka auf. „Es hat keinen Zweck. Ich kann Handball nicht mehr auf hohem Niveau spielen“, äußerte der Pole. In seiner Heimat hat er offensichtlich beim Zweitligist Kalisz einen Job in Aussicht. Wie Jaszka kann auch Abwehrrecke Denis Spoljaric nicht mehr. Der 35-jährige Kroate muss wohl wegen einer Fußverletzung die Karriere beendet. Beide Spieler wurden am Wochenende noch nicht verabschiedet. Auf dem Parkett werden wir sie aber kaum noch einmal erleben.

Doch wer schießt dann im Fuchsbau die Tore? Von den 29 Treffern der Berliner gegen Flensburg-Handewitt gingen allein 18 auf das Konto von Kapitän Ike Romero (8). Je fünf Tore erzielten Evgeni Pevnov und Konstantin Igropulo. Von den Jungs aus der eigenen Jugend traf Fabian Wiede gerade einmal. Das wird nicht reichen, um sich in der Bundesliga von Platz sieben weiter nach oben zu hangeln. Zum Glück verpflichteten die Berliner vorige Woche Schützenkönig Petar Nenadic für die neue Saison. Mit 169 Bundesliga-Toren traf er so oft wie kein anderer Fuchs.

Manager Bob Hanning setzte auf seine drei Neuzugänge. So stößt aus Wetzlar der Norweger Kent Robin Tönnesen für den Rückraum zu den Füchsen. Vom Zweitliga-Aufsteiger Eisenach schließt sich der Isländer Bjarki Mar Elisson als Linksaußen den Füchsen an, und am Kreis soll ab August der 21 Jahre alte Spanier Igancio Placa Jimenez den Gegnern das Fürchten lehren. Neben Fabian Wiede, Paul Drux und Willy Weyhrauch rückte auch der 18 Jahre alte Kevin Struck in das Profiteam. Ob das für einen Spitzenplatz in der Bundesliga reicht? Da wird wohl Bob Hanning noch einmal auf Suche gehen müssen.

Manne Hönel

46 (2015-05-28) Manfred Hönel

Manchmal müssen sich selbst die Eisernen verbiegen

Union das letzte Team aus der ehemaligen DDR-Oberliga

im DFB-Profifußball der 36 Topteams

Der 1. FC Union verabschiedet sich auf Platz sieben der 2. Fußballbundesliga aus der Saison. Knapp 22000 Fans verschönerten den 2:0-Sieg über Braunschweig. Die Berliner vom 1. FC Union nennen sich nicht nur die Eisernen. Sie sind es auch. Sie mischen als einziges Team aus der ehemaligen DDR-Oberliga weiter kräftig im DFB-Profifußball der 36 Topteams mit. Inzwischen kicken die Männer aus der Wuhlheide bereits das siebente Jahr in Folge in der 2. Bundesliga mit, obwohl ihnen bei einem geschätzten Etat von 20 Millionen keiner die Euros in die Vereinskasse schaufelt. Auf dem Präsidentenstuhl sitzt seit elf Jahren der Bauunternehmer Dirk Zingler. Das Beharrungsvermögen des 58-Jährigen wirkt sich nicht nur auf die sportliche Seites des Vereins positiv aus. So gehören die Köpenicker zu den 25 stärksten deutschen Sportvereinen. Trainer Ralpf Hasenhüttl vom Aufsteiger Ingolstadt schwärmte einmal: „Zu Union kommen wir immer wieder gern. Die Atmosphäre hier ist einmalig.“Jetzt gehen die Bayern eine Etage höher auf Torjagd, aber vielleicht stoßen im nächsten Jahr die Unioner zu ihnen. Die „Alte Försterei“ gehört in der Tat zu den schönsten deutschen Fußball-Stadien. Das bestätigte auch Hans-Jürgen Herrmann. Der Europacup-Sieger von 1974 vom 1. FC Magdeburg war am letzten Spieltag bei Union zu Besuch und staunte: „ Gegen das heutige Schmuckstück war die Alte Försterei zu meiner Zeit eine Wiese mit Bänken.“ Besonders stolz macht es hunderte Fans, dass sie selbst beim Bau der Top-Arena mit Hand angelegt haben. Deshalb niemals vergessen – eisern Union.

Die Einrichtung des „Wohnzimmers“ in der „Alten Försterei“ während der Fußball-WM sorgte für weltweites Aufsehen. Durch diese Werbung hat sich die Vermietung der exklusiven Klubräume des 1. FC Union um 60 Prozent erhöht. Das ist wichtig für die großen Pläne der Wuhlheider. Präsident Zingler versprach zum Saisonabschluss den Fans: „ Wir wollen endlich unseren Wohlfühlplatz im Mittelfeld der zweiten Liga verlassen und nach oben gucken.“ Was nichts anderes heißt, als das die Unioner Hertha BSC nicht mehr allein aus der Hauptstadt den Platz an der Sonne in der Bundesliga überlassen wollen. Die Köpenicker trennten sich deshalb von Spielern wie Mario Eggimann, Björn Koppelin, Björn Jopke, Martin Kobylanski und Valmir Sulejmani. Dafür laufen zur neuen Saison ab 24. Juli die beiden Braunschweiger Raffael Korte und Benjamin Kessel ebenso im neuen Union-Trikot auf wie Collin Quaner (Aalen), Denius Daube (St. Pauli), Kenny-Prince Rodondo (Unterhaching) und Stephan Fürstner (Greuther-Fürth). „Weitere Spieler werden noch folgen“, verspricht Union-Trainer Norbert Düwel. Manchmal verzocken sich allerdings auch die cleveren Berliner. Nach der vorigen Saison erhielt Simon Terodde keinen Vertrag. Pech, denn in Bochum rückte er mit 16 Treffern an die zweite Stelle der Schützenkönige in Liga zwei. Da der Verein aus der Wuhlheide aber nicht von großen Konzernen, sondern von Handwerkern und Klein-Unternehmern gesponsert wird, müssen sich auch die Eisernen manchmal verbiegen. Um 600 000 Euro zu sparen, musste die U23-Mannschaft daran glauben. Sie wurde aufgelöst. Andere Vereine wie Viktoria empfingen die Jungs mit offenen Armen. In Köpenick und Schöneweide starb die Industrie. Nicht umsonst spricht der Volksmund von „Schweineöde“. Wo einst die Kabeltrommeln rollten, üben jetzt Ballettgruppen. Das Filmkopierwerk eignet sich höchsten noch als Kulisse für eine Ruinen- Landschaft. Ein Verein, der weiter Topfußball bieten will, muss sich in dieser Umgebung nach der Decke strecken und seine finanziellen Möglichkeiten genau einschätzen, um nicht in die Schuldenfalle zu tappen. Union will sich jetzt auf die Jugendabteilung konzentrieren. Offensichtlich mit Erfolg. Die A-Jugend gewann gerade den Berliner Landespokal und die B-Jugend stand im Finale. Nicht schlecht. Mal sehen, ob die Rechnung aufgeht.

Manne Hönel

45 (2015-05-20) Manfred Hönel

Abschied im Goldregen

Die Berliner Handball-Füchse feierten den

größten Triumph ihrer Klubgeschichte

 

In der Max-Schmeling-Halle rieselte ein goldener Starkregen von der Decke. 8200 Zuschauer sangen aus voller Kehle: „So ein Tag, so wunderschön wie heute…“. Durch einen 30:27-Sieg über den Hamburger SV hatten sie den EHF-Pokal gewonnen. Das Schwenken mit dem riesigen EHF-Pokal galt auch gleichzeitig als eine Investition in die Zukunft. Durch den Gewinn des Cups qualifizierten sich die Füchse bereits für diesen Wettbewerb der kommenden Saison. Den sonst so coolen Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson haben die Fans wohl selten so herzerfrischend lachen sehen wie am vergangenen Sonntag. Zum Lachen versteckt sich der Isländer nämlich meist unter der Bettdecke.

Anders am Sonntag im Tanzreigen seiner Spieler. Da ergriffen selbst den Mann von der Nordmeer-Insel die Emotionen. Sigurdsson „füttert“ seit 2009 die Füchse mit Ideen und Tricks. Noch gut vier Wochen sitzt Dagur bei den Berlinern auf der Trainerbank, dann rutscht er einen Stuhl weiter und betreut exklusiv die deutsche Nationalmannschaft. Bisher spielte Dagur Sigurdsson eine Doppelrolle als Füchse- und Nationaltrainer. „Auf Dauer ist diese Belastung zu hoch“, gibt der Isländer zu bedenken.

 

Einen schöneren Abschied als mit einem Pokalfoto zur Erinnerung, ist nur schwer vorstellbar. Der Trainer sieht das auch so: „Es ist ein wunderschöner Moment für mich. Nach unserem Ausscheiden beim DHB-Pokal vor einer Woche in Hamburg war es schwer, zwischen Übereifer und Nachlässigkeit die Balance zu halten. Da bedurfte es Fingerspitzengefühl, die Vorbereitung genau zu steuern.“ Es glückte. Sigurdsson sieht den Pokalgewinn als kleines Wunder an: „Wir haben ein hartes Jahr mit schweren Verletzungen unserer Führungsspieler hinter uns. Wir haben oft nicht gut gespielt. Vor dem Finalturnier spürte ich aber ein gutes Gefühl, weil ich sah wie die Mannschaft brennt. Die Jungs haben Charakter gezeigt. Die in letzter Zeit öfter kritisierten Heinevetter und Igropulo liefen zur Glanzform auf.“

Silvio Heinevetter wurde als bester Torwart des Turniers ausgezeichnet, und der Russe Konstantin Igropulo trug mit sechs Toren wesentlich zum Sieg der Füchse bei. Dagur Sigurdsson kann seinem Nachfolger und Landsmann Erlingur Richardsson ein geordnetes Team übergeben. „Jetzt fehlt nur noch die Revanche für die Niederlage beim DHB-Pokal gegen Magdeburg. Das wird noch ein schweres Spiel in der Schmeling-Halle“, droht Sigurdsson in Richtung Börde.

Das Abschiednehmen kennt der Familienvater und 217-fache isländische Nationalspieler schon. Mit 25 Jahren sagte er den Geysiren tschüss und heuerte beim LTV Wuppertal an. Von dort zog es ihn nach Fernost ins japanische Hiroshima. Bis heute hat er dorthin Verbindungen, und der Japaner Kohei Narita spielt zur Ausbildung bei den Füchsen II. Von Japan wechselte er nach Bregenz in Österreich. Von 2007 an betreute er von Reykjavik aus die österreichische Nationalmannschaft, ehe ihn Manager Bob Hanning in den Fuchsbau lockte.

Mit dem Pokalsieg liegt ein erfolgreiches Jahr hinter Sigurdsson. Die Füchse am Saisonende im Glanz, dazu Platz sieben bei der WM mit dem Nationalteam und das Erreichen des olympischen Qualifikationsturniers im nächsten Jahr. Darüber hinaus auf gutem Wege in der EM-Qualifikation. Da konnte Dagur in der Nacht zum Montag mit seinen Füchsen schon ein bisschen die Sau raus lassen. Nicht irgendwo- in der Felix-Bar, Berlins Nobeladresse im Hotel Adlon. Dort stieß auch der umtriebige Füchse-Manager Bob Hanning zum Team. Beim Spiel fehlte er, denn er weilte mit der B-Jugend in Essen, wo die Füchse-Jungs Deutscher Meister geworden sind. „Die Truppe liegt Bob am Herzen“, erklärte Sigurdsson. Im vorigen Jahr ist er mit dieser Mannschaft Weltmeister der Schulen geworden. Außerdem ist der Nachwuchs wichtig, denn Paul Drux, (vier Schüsse und vier Tore gegen den HSV) und Fabian Wiede (fünf Schüsse, vier Tore) gehörten vor drei beziehungsweise vier Jahren auch noch zur B-Jugend.

Vielleicht lädt Dagur Sigurdsson die Füchse noch nach Reykjavik ein. „Die Zeit wird wohl nicht reichen“, meint er. Diese Möglichkeit hätte der mit allen Geysir-Wassern gewaschenen Trainer aber schon. Sigurdsson ließ nämlich ein altes Fabrikgebäude zu einem Hostel umbauen, wo die zahlreichen Inselwanderer immer eine Bleibe finden.

Manne Hönel

44 (2015-05-05) Manfred Hönel

Bösel als Nummer 1 zur WM

Duell mit dem WBA-Champ Jürgen Brähmer wäre reizvoll

Boxprofi Dominic Bösel aus der Rotkäppchen-Sektstadt Freyburg/Unstrut bleibt weiter die Nummer 1 auf der WBO-Weltrangliste im Halbschwergewicht. Vor 3020 Zuschauern verteidigte er in der altehrwürdigen Universitätsstadt Jena den WBO-Interconti-Titel gegen den Polen Norbert Dabrowski (26). Damit steht Bösel unmittelbar vor der Chance, Titelverteidiger Sergej Kowaljew (Russland) herauszufordern. Nur in Topform darf sich der Magdeburger SES-Boxer jedoch eine Siegchance ausrechnen. Aus deutscher Sicht wäre ein Duell mit dem WBA-Champ Jürgen Brähmer ziemlich reizvoll. Doch solche Gedanken schiebt Bösels Trainer Dirk Dzemski von sich. „Jetzt muss Dominic erst einmal den Ellenbogen am rechten Arm operieren lassen. Ihn plagen dort Knorpelabsplitterungen, die starke Schmerzen verursachen. Dann sehen wir weiter.“ Ex-Weltmeister und Boxexperte Markus Beyer warnt allerdings: „Ein Kampf gegen Kowaljew wäre jetzt noch zu früh.“ Kowaljew hatte die US-Gallionsfigur Bernhard Hopkins nach allen Regeln der Kunst ausgeboxt.

Bösel konnte das Duell mit dem cleveren Polen klar mit 3:0 für sich entscheiden, musste sich aber über zwölf Runden den Attacken des Polens erwehren. Einmal traktierte Dominic Bösel den angeschlagenen Warschauer mit unsauberen Schlägen. Da wurde Trainer Dzemski sauer. Er blies seinem Schützling in der Pause den Marsch: „Du willst immer ein Gentleman wie Henry Maske sein, dann verhalte dich im Ring auch so. Unsaubere Schläge hast du nicht nötig.“

Der Profi hörte auf seinen Chef und zog den Kampf sauber durch. Dennoch war der Sieger nicht so richtig mit seiner Leistung zufrieden: „Ich wollte besser boxen. Auf den nächsten Kampf werde ich mich intensiver und hoffentlich ohne Verletzungen vorbereiten.“ Der 25-jährige Bösel spielte damit auf seine kurze Vorbereitungszeit an. Zwischen dem letzten WBO-Interconti-Kampf und Jena lagen nur zehn Wochen. „Das ist zu kurz. Darauf lasse ich mich in Zukunft nicht mehr ein“, erklärte SES-Trainer Dirk Dzemski. Manager Ulf Steinforth wird den Wink verstanden haben.

Manne Hönel/© imago/Christian Schroedter

43 (2015-05-04) Manfred Hönel

Die nächste Ringshow

in Las Vegas kommt bestimmt

Kampf des Jahrhunderts als Langweiler für 400 Millionen Dollar

Jahrelang rührten die Medien den Profi-Boxkampf der Weltergewichtler Floyd Mayweather aus den USA gegen den Filipino Manny Pacquiao als Spektakel an. In der Nacht zum Sonntag stieg nun in Las Vegas die Ringshow. Über 16 000 Zuschauer füllten die Arena. Alle 124 270 Hotelzimmer in der Spieler-Stadt waren wegen des „Jahrhundertkampfes“ ausgebucht. Das Pay-TV hatte die Preise erhöht und kassierte kräftig mit wie die Hotelbesitzer, Kneipiers, Taxiunternehmen und, und, und…Der Einmarsch beider Kämpfer fand wie immer bei Profikämpfen in Las Vegas mit viel Brimborium statt. Natürlich saßen die Promis wie Clint Eastwood, Sting, Adrien Brody, Magic Johnson, Andre Agassi mit Steffi Graf am Ring. Ein bisschen Glanz und Werbung kann nicht schaden.

Der Kampf begann und je länger er dauerte, desto mehr setzte das Gähnen ein. Mayweather und Pacquiao tänzelten durch den Ring und taten sich nichts. Keine blauen Augen, kein Blut und keine Action. Vater Mayweather hatte seinen Sohn in der Ringecke noch gewarnt: „Du musst mehr schlagen.“ Doch es hat auch so gereicht. Die Ringrichter sahen den Ami mit 116:112 vorn. Pfiffe gelten nach der Urteilverkündung durch die Halle. Die Boxer ließ das cool. Sie hatten die Dollar in der Kasse. Da störte es auch nicht, wenn nach dem Kampf Mike Tyson oder Lennox Lewis von einem enttäuschenden Langweiler und Graciano Rocchigiani sogar schimpfte: „Ein langweiliger Scheißkampf.“ Was soll‘s? Immerhin verdienten Boxer und Organisatoren 400 Millionen Dollar daran.

Na und? Auch das gehört zur Inszenierung. Zwei Tage wird noch geschimpft und dann drehen die Moneymaker schon wieder an der neuen Uhr. Schließlich kann Mayweather jetzt auf 48 Kämpfe in Serie ohne Niederlage verweisen. Der Siegrekord von Rocky Marciano steht bei 49 Siegen in Serien. Es wäre doch gelacht, wenn sich durch geschickte Vermarktung aus der Jagd nach diesem Rekord nicht noch ein paar Milliönchen herausschlagen ließen. Floyd ist jetzt Weltmeister der WBA, WBC und WBO. Es fehlt also noch der IBF-Gürtel. Den besitzt derzeit der Engländer Kelly Brook. Vielleicht ist er in ein paar Monaten der nächste Gegner des Überfliegers oder eben ein anderer. Mayweathers Promotor kann sicher sein, auch dann strömen die Fans wieder nach Las Vegas und die Promis scharen sich um den Ring. Den „Jahrhundertkampf“ haben sie längst vergessen. Die Gefahr, dass der Sonny-Boy verliert, scheint gering, denn Serafim Todorov aus Bulgarien hat seine Laufbahn längst beendet. Der Olympiazweite von 1996 hatte als letzter Boxer Floyd Mayweather vor eigenem USA-Publikum bei den Spielen in Atlanta besiegt.

Manne Hönel

42 (2015-04-11) Manfred Hönel

Im Handball machen die „Kleingärtner“ Stimmung

Power-Bob in Gefahr?

Füchse-Manager Bob Hanning war nicht sonderlich gut gelaunt. Die Berliner mussten sich mit einem 30:30 gegen TuS Nettelstedt-Lübbecke zufrieden geben. Der eine liegengelassene Punkt könnte am Ende fehlen, um erneut ins internationale Geschäft einzuziehen. Kurios! Das Siegtor für die Gäste fiel erst nach dem Abpfiff. Mit dem Schluss-Signal hatten die Schiedsrichter auf Siebenmeter entschieden und der musste trotz Spielschluss noch ausgeführt werden.

Natürlich wurmte das Hanning. Doch noch mehr geht ihm die Diskussion um seinen Posten als DHB-Vizepräsident auf die Nerven. „Das ist eine richtige Treibjagd“, sagt er. Dabei ist der gebürtige Essener ein richtiger Macher. Er war schon Co-Trainer bei Heiner Brand. Im Juli feiert Hanning sein zehnjähriges Jubiläum bei den Füchsen. Er holte den Berliner Handball aus den Niederungen der zweiten Liga ans Licht des deutschen Profi-Handballs.

Der 47-Jährige wird wegen seiner 1,68 m Größe in Handballkreisen Napoleon genannt. Ein bisschen arbeitet er auch wie der französische Feldmarschall. „Was einmal beschlossen ist, muss durchgezogen werden“, lautet seine Maxime. Er weiß, wie wichtig die Jugendförderung für den deutschen Handball ist, deshalb kniete er sich als Jugendtrainer in seine Aufgabe und führte die A-und B-Jugend-Teams der Füchse zu einem halben Dutzend deutscher Meistertitel. „Deutschland muss 2020 bei Olympia wieder zu den Medaillengewinnern gehören“, heißt Hannings große Vision. Den „Kleingärtnern“ im Deutschen Handballbund scheint das ein Dorn im Auge

Das Trainings-Camp der einstmals Reinickendorfer Füchse verlegte er vom Charlottenburger Horst-Korber-Zentrum ins Sportforum von Hohenschönhausen, „weil wir hier ideale Bedingungen und viel Verständnis für den Leistungssport vorfinden.“

Hanning schaffte es in Zusammenarbeit mit Trainer Dagur Sigurdsson für die WM im Februar in Katar eine junge und überraschend spielstarke Mannschaft auf die Beine zu stellen. Der Manager ist sicher kein einfacher Charakter, aber wenn man etwas erreichen will, muss man einen Konsens finden. Dazu war offensichtlich DHB-Präsident Bernhard Bauer nicht bereits. Nach nur 574 Tagen im Amt trat er im März zurück. Natürlich fand er Gefolgsleute, ob in Kiel oder in Bayern, die Power-Bob am Zeug flicken wollen. Selbst der 80 Jahre alte Vlato Stenzel, der vor 41 Jahren das Nationalteam zum WM-Titel geführt hatte, mischte sich als Hanning-Gegner ein. So wurde gefordert, dass es keine Doppelfunktionen geben soll. Wer ehrenamtlich beim DHB eine Funktion begleitet, kann nicht im Verein einem bezahlten Job nachgehen. Wo leben diese Amateure? In den Profisportarten, Fußball, Handball, Basketball und Eishockey werden mehr Milliarden umgesetzt als in zahlreichen Dax-Unternehmen. „Ehrenamtliche Strukturen sind für den Profisport völlig ungeeignet“, meint auch Füchse-Präsident Frank Steffel und fügt hinzu, „ der DHB soll sich freuen, dass wir ihm unsere besten Männer zur Verfügung stellen.“

Offensichtlich erkannten das auch jene DHB-Kräfte, die über den Wurfkreis hinaus denken. So stellte sich der DHB-Vorstand geschlossen hinter Hanning als Vizepräsident Leistungssport. Bis 26. September bleibt deshalb erst einmal alles so, wie es ist, dann steigt die Wahl für einen neuen DHB-Präsidenten. Hoffentlich wird der richtige Mann oder die richtige Frau gefunden.

Manne Hönel

41 (2015-04-10) Manfred Hönel

Der Teufel und

die großen Haufen

Ab jetzt spielt Union Berlin um Millionen

für das nächste Jahr

In Richtung Bundesliga geht beim 1. FC Union nicht mehr viel. Die Abstiegsplätze sehen die Berliner wohl auch nur noch von Weitem. Trotzdem sollten die Wuhlheider in den letzten sieben Saisonspielen die Füße nicht still halten. Es geht um viel Geld. Dabei zählt jeder Tabellenplatz. Die Deutsche Fußballliga lässt den Teams der 2. Fußball-Bundesliga aus Solidaritäts- und Gerechtigkeitsgründen mehr Euro zukommen, als es eigentlich dem Vermarktungswert entspricht. Das ist nobel und freut die Vereine. Ganz ohne Leistungsprinzip können die Zweit-Liga-Mannschaften die Fernseh-Moneten allerdings nicht einstreichen. In dieser Spielzeit rangieren die Unioner auf dem achten Rang der TV-Geldrangliste. Deshalb durften sie immerhin 7,254 Millionen Euro kassieren. Zum Vergleich: Erzgebirge Aue musste sich mit 5,714 Millionen zufrieden geben.

Der 1. FC Union profitierte von Tabellenplatz 8 des Vorjahres. Im Moment kicken die 36 Teams der Bundesliga und 2. Bundesliga um die Kohle für das nächste Spieljahr. Für die Rangliste werden stets die letzten fünf Jahre mit den Faktoren fünf, vier, drei, zwei, eins zur Berechnung der DFL-Ausschüttung herangezogen. Nach dem aktuellen Stand kassieren die Unioner sogar 7,515 Millionen. Da auch die Gelder der internationalen Vermarktung auf alle Mannschaften verteilt werden, könnte Union sogar bis zu 8,2 Millionen einstreichen. Wie gesagt, die Summen beziehen sich alle noch auf die Erfolge der vergangenen fünf Jahre. Die aktuelle Spielzeit schlägt erst im nächsten Jahr zu Buche. Da liegt es auf der Hand, dass Trainer Norbert Düwel seinen Jungs bereits Beine für das Spiel am kommenden Sonntag gegen Aalen machen muss. In Aalen leuchtet im Moment die Rote Laterne der 2. Liga. Wenn die Eisernen gegen Aalen nicht treffen, besteht die Gefahr, dass sie in der Tabelle und Geldtabelle abrutschen und sich ihre Gehälter für nächstes Jahr selbst schmälern. Als Krösus in der 2. Bundesliga stehen übrigens die Nürnberger mit 10,370 Millionen da. Die Franken profitieren noch von ihren Erst-Liga-Zeiten. Aufsteiger Darmstadt muss sich dagegen mit der kleinsten Summe von 4,965 Millionen begnügen. Zum Vergleich: Bayern München streicht 37,236 Millionen von der DFL, 10,370 Millionen aus der internationalen Vermarktung und drei Millionen, wenn die Bayern Meister werden. Macht rund 50 Millionen. Wie sagt doch der Volksmund: „Der Teufel sch…. immer auf den größten Haufen.“

Manne Hönel

So schlecht wie bei der WM in Shanghai präsentierten sich deutsche Eiskunstläufer noch nie, wenn sie bei einer WM angetreten sind. Seit 1896 tanzen Herren und Paare um die WM-Krone. 1906 folgten die Damen. Seit 1952 drehen sich die Tanzpaare über das kalte WM-Parkett. Bei der WM in China sanken die deutschen „Kufenkünstler“ in der 119-jährigen WM-Geschichte auf ihren absoluten Tiefpunkt ab. In keiner der vier Disziplinen vermochten die Deutschen, einen Platz unter den Top Ten zu belegen. „Entsetzlich was aus der einstigen deutschen Paradesportart geworden ist“, klagte die frühere Startrainerin Jutta Müller (57 internationale Medaillen). Sie gibt aber zu: „Eiskunstlauf ist schwerer geworden. Früher wurden Pirouetten gedreht, heute muss man auf Außen- und Innendrehungen achten. Das ist schwer, trifft aber alle. Dadurch erhält auch die B-Note eine andere Bedeutung. Das künstlerische tritt in den Hintergrund.“

Wenn ich heute in Chemnitz in die Eishalle gehe und das Training beobachte, weiß ich, dort kommt über Jahre nichts, aber auch gar nichts heraus, was internationalen Ansprüchen genügen könnte. “ Die einstige Trainerin der Olympiasiegerinnen Katarina Witt und Annett Pötzsch- Rauschenbach sieht den größten Bedarf im deutschen Eiskunstlauf bei den Trainern. „Die Trainer sind gar keine richtigen Trainer, den meisten fehlt eine tiefgehende Hochschulausbildung.“

In der Deutschen Eislaufunion hat man zwar begriffen, dass man die Strukturen ändern muss. Doch ein Papier reicht nicht. Es müssen Taten folgen. „Es ist richtig, die Mädchen und Jungen aus den Kitas aufs Eis zu bringen. Schon dort muss man gucken, wo stecken die Talente. Es bringt nichts, einen Schwarm Kinder in den gleichen Gruppen zu belassen. Talente müssen in spezielle Gruppen und individuell gefördert werde“, sagt die 86-Jährige. Die weniger talentierten Kinder sollte man in anderen Gruppen die Freude am Sport ausleben lassen.

Jutta Müller, die immer noch erfolgreichste Trainerin der Welt, mit ihren einstigen Schützlingen Simone Lang, Simone Gräfe, Sonja Morgenstern, Gaby Seyfert, Jan Hoffmann, Evelyn Großmann, Katarina Witt, Anett Pötzsch, Martina Clausner und Constanze Gensel (von links). Insgesamt 57 Medaillen gewannen ihre Schützlinge bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften

Image:Wolfgang Schmidt

Die immer noch erfolgreichste Trainerin der Welt, seit elf Jahren in der Hall of Fame des Eiskunstlaufs in den USA, steht auch dem Projekt Robin Szolkowy skeptisch gegenüber: „Wie soll das gehen, Trainer in Moskau und Nachwuchs-Verantwortlicher in Deutschland? Aus meiner Sicht müsste Robin erst einmal auf die Schulbank. Wir brauchen Trainer mit einer soliden Ausbildung. Robin war ein Weltklasseläufer, damit ist er noch lange kein Weltklassetrainer,“ wunderte sich die Sächsin, die Kurzprogramme und Küren der Shanghai-WM soweit wie möglich im TV verfolgt hat. In Deutschland arbeiten ein paar gute Trainer wie zum Beispiel Bundestrainerin Viola Striegler, Michael Huth und drei, vier andere. „Michael, heute in Oberstdorf zu Hause, hat noch bei mir gelernt. Er bewies seine Fähigkeiten, als er die Italienerin Caroline Kostner zur Weltmeisterin geführt hat.“ Jutta Müller weiß, wie es gehen müsste: „Den guten Trainern muss man nicht nur die besten Talente zuführen, ihnen muss die Möglichkeit eingeräumt werden, ihr Können in einem Team mit Athletik-Trainer, Choreograph, Designer, Arzt und Physiotherapeut voll zu entfalten. Ich traue Micha zu, dass er deutsche Läuferinnen wie Nicole Schott weit nach vorn bringen kann. Die Sportlerinnen müssen allerdings auch wollen, hart trainieren und kämpfen.“ Freude über einen Auftritt in vollen Hallen („es war schön vor so vielen Zuschauern zulaufen“, Nicole Schott) reicht da nicht.

Einen Super-Gau durchlebte der Olympia-Achte Peter Liebers. Er verpatzte im Kurzprogramm alle wichtigen Elemente wie die Dreifach-Kombi und landete auf dem 29. und damit vorletzten Platz. Dadurch verpasste er den Endkampf der 25 besten Läufer. Wie kann so etwas passieren? Jutta Müller zuckt mit den Achseln: „Dafür habe ich auch keine Erklärung.“ Wenn sich allerdings ein zweiter Deutscher für die WM qualifizierte hätte, wäre die Tragik nicht ganz so schlimm. Doch das ist nun frühestens 2017 wieder möglich. Vorausgesetzt: Bei der WM im nächsten Jahr in Boston gelingt einem Deutschen der Sprung unter die Top Ten.

Manne Hönel

39 (2015-03-17) Manfred Hönel

Füchse schleichen sich

unter die Prominenz

Zwei Finalturniere, aber die Zukunft hat Priorität

Die Berliner Handball-Füchse fühlen sich auf Beutezug. Durch einen 25:20-Sieg gegen den FC Porto zogen sie ins Finale-Four des EHF-Pokals am 16.und 17. Mai in Berlin. Bereits im April dürfen die Füchse beim DHB-Pokal-Finale der Top-Vier in Hamburg im ersten Spiel gegen Magdeburg auflaufen. „Mit den beiden Final-Turnieren haben wir viel erreicht. Zufrieden sind wir noch nicht ganz. Wir wollen uns auch in der Bundesliga wieder für den EHF-Cup qualifizierten“, sagt Füchse-Sportdirektor Volker Zerbe. Warum der Ex-Nationalspieler (284 Einsätze und 777 Tore) die Bundesliga so betont, hat seinen Grund. Mit Platz acht in der aktuellen Tabelle ist ein internationaler Auftritt im nächsten Jahr noch keineswegs gesichert, zumal die Füchse bei THW Kiel in eine fürchterliche Falle tappten und mit einem Torunterschied von 14 Treffern (18:32) ganz schön zu kauen hatten. „Wir haben das Spiel genau analysiert und abgehakt. Im Moment spielt Kiel noch in einer anderen Liga, da müssen wir ehrlich sein. Wir arbeiten daran, diesen Abstand in Zukunft zu verringern,“ erklärt Zerbe, der Leuchtturm (2,11 m) im Fuchsbau.

Der einstige Lemgoer trägt bei den Füchsen Verantwortung von den Schülern bis zu den Profis. Natürlich baut er da auf die Säule der Jugend: „Noch sehen wir Kiel und die Rhein-Neckar-Löwen in der Ferne. Aber wir werden unser Bundesliga-Team weiter mit guten Jugendspielern füttern. Der Umschwung zu unseren Gunsten wird kommen.“

Volker Zerbe darf Optimist bleiben. Immerhin mischten in den letzten vier Minuten gegen Porto gleich sechs Eigengewächse angeführt von „Papa“ Iker Romero mit. Dabei trugen die Jungstars mit zwölf Treffern von 25 zum Sieg über die Portugiesen bei.

Zudem verriet Berlins Manager Bob Hanning: „Wir schauen uns langsam um, ob wir bei uns ausgebildete Spieler, die wir zu anderen Teams ausgeliehen haben, langsam wieder in den Fuchsbau zurückholen.“ Die Verbindungen sind ohnehin nicht gekappt worden. Die Füchse hielten stets Verbindung zu ihren einstigen Jugendspielern. „Allerdings müssen die Spieler bei einer Rückholaktion auch ins Konzept passen“, betont Sportdirektor Zerbe. Fuchsmajor Dagur Sigurdsson wird seinem isländischen Landsmann Erlingur Richardsson bestimmt eine intakte Mannschaft übergeben. Sicher aber will Richardsson auch mit einer eigenen Handschrift die Füchse ins Feld führen. Aber das ist Zukunftsmusik. Erst einmal muss am Mittwoch in der Berliner Max-Schmeling-Halle gegen Wetzlar gewonnen werden, damit die internationalen Pläne auch 2016 Wirklichkeit werden.

Manne Hönel

38 (2015-03-11) Manfred Hönel

Der Ruhm des Rekordmeisters

ist bereits verflogen

Hey, wir woll`n die Eisbären seh`n“ –

aber nächste Saison endlich wieder in besserer Form

So schnell geht das im Sport. Vor zwei Jahren brillierten Berlins Eishockey-Bären noch als das große Wunderteam. Nach der 2:3-Niederlage vom Sonntag im dritten Play-Off-Spiel gegen Nürnberg kehrte das Team als Häufchen Unglück in die Hauptstadt zurück. Die Mannschaft grübelte darüber, ob bei dem dritten Tor in der Verlängerung die Schiedsrichter zu hart mit den Eisbären ins Gericht gegangen seien. Vielleicht, aber das Ausscheiden aus den Reihen der deutschen Topteams besaß eine lange Anlaufphase. Bereits in der vorigen Saison war man sang- und glanzlos eingebrochen. Doch EHC-Manager Peter John Lee glaubte: „Das war nur ein einmaliger Ausrutscher.“ Sportdirektor Stefan Ustorf sprach sogar zu Weihnachten noch von der „Jagd auf den achten Titel“. Welch eine Fehleinschätzung von ausgewiesenen Fachleuten. Eigentlich deuteten sich bereits in den ersten Wochen der neuen Saison die Lücken im viel zu kleinen Kader an.

Lee versuchte dann Abhilfe mit neuen Spielern zu schaffen. Doch von den Altprofis half eigentlich nur der finnische Keeper Perti Vehanen dem siebenmaligen Rekordmeister. Nur mit dem Krefelder Marcel Noebels glückte Lee ein Volltreffer. Von der Sorte benötigen die Eisbären für die nächste Saison zehn Spieler, wenn sie wieder um den Meistertitel mitspielen wollen. Mitten in der Saison musste Trainer Jeff Tomlinson gehen. Ex-Nationaltrainer Uwe Krupp trat hinter die Eisbärenbande. Die Bilanz wurde nicht besser, insgesamt verließen die Eisbären in der Vorrunde von 52 Spielen 21mal als Verlierer das Eis. Zwölfmal kassierten die Berliner nach Führungen in den letzten drei Minuten die Gegentore. Kapitän Andre´ Rankel redete die Niederlagen immer schön, wenn er sagte: „Wir haben gut gespielt, aber wir müssen uns mehr konzentrieren. Außerdem plagte uns reichlich Verletzungspech.“ Trainer Krupp erkannte zum Glück schnell, woran die Eisbären kränkeln: „Das Team hat Spieler in Rollen, die sehr groß für sie sind.“ Mit Blick auf die nächste Saison schwor Krupp: „Ich werde im Sommer nicht verreisen. Ich bleibe in Berlin, um die Mannschaft zu formieren.“ Wahrscheinlich auch, um das Sommertraining zu kontrollieren. Es ist durch die zahlreichen Tore in den Schlussminuten unbestritten: der Mannschaft fehlen Kraft und Kondition. Den Tiefpunkt des Jammertals erlebten die Berliner beim Tabellenletzten Schwenningen, als sie bereits mit 3:0 führten und am Ende in der Verlängerung mit 3:4 eingingen. In diesem Match wurde bereits das Heimrecht für die Pre-Play-Offs verloren. Die Fans müssen über die Schlappe in Nürnberg nicht jammern. Die jetzige Situation der Eisbären stellt das Fazit der gesamten Saison dar.

Leider scheint es, als habe Manager Peter John Lee nicht aus den Fehlern gelernt. Er redet bereits wieder von der Champions League ab August. Aber was will ein Loser in der Champions League? Genau durch diese Spiele schienen die Eisbären überfordert, gingen gegen die internationalen Kontrahenten fürchterlich ein und kamen die gesamte Saison nicht in Schwung. Hoffentlich sorgt Trainer Uwe Krupp für eine ordentlich Saisonvorbereitung, damit die Eisbären nicht schon im März ihre Angelruten auswerfen müssen.

Der wiederholte Einbruch des immer noch DEL-Rekordmeisters schadet dem gesamten deutschen Eishockey. In die O2-World strömen bei den Eisbärenspielen im Schnitt 13.018 Zuschauer auf die Tribünen. Rekord! Doch wenn der EHC so weiter verliert, könnte es sein, dass die Fans dann zu Hause singen: „Hey, keiner will die Eisbären seh`n!“

Manne Hönel

Hey, wir woll'n die Eisbärn seh`n“ - Songtext (Puhdys)

Sie sind die Könige auf dem Ewigen Eis
ohohohohoh
Und ihr Thron ist blau-rot-weiß
ohohohohoh
Und der wird niemals untergehen
ohohohohoh
niemals, weil wir hinter euch stehen

Hey, wir wollen die Eisbären seh'n
ohohohohoh
Hey, wir wollen die Eisbären seh'n
ohohohohoh
Denn unser Leben wär so leer ohne Bär'n
Wir haben die Eisbären so gern
Wir haben die Eisbären so gern

Sie sind so Wild auf dem Ewigen Eis
ohohohohoh
Jeder denkt, was jeder hier weiß
ohohohohoh
so bärenstark und voll Energie
ohohohohoh
so warn sie, so warn die Eisbären noch nie


Hey, wir wollen die Eisbären seh'n
ohohohohoh
Hey, wir wollen die Eisbären seh'n
ohohohohoh
Denn unser Leben wär so leer ohne Bär'n
Wir haben die Eisbären so gern
Wir haben die Eisbären so gern

Hey, wir wollen die Eisbären seh'n
ohohohohoh
Hey, wir wollen die Eisbären seh'n
ohohohohoh
Denn unser Leben wär so leer ohne Bär'n
Wir haben die Eisbären so gern
Wir haben die Eisbären so gern

ohohohohoh
ohohohohoh
wir haben die Eisbären so gern (ohohohohoh)

37 (2015-03-09) Manfred Hönel

Red Bull will dem weißen Fleck im Osten Farbe geben

Neid, Angst und Missgunst begleiten die Leipziger

Die Leipziger Red Bull Arena – das WM-Stadion von 2006. Die Ambitionen von RB verlangen sicher bald nach einem neuen Stadion

 

Auf so einem Rasen kann man nicht Fußball spielen“, ärgerte sich Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach dem 2:0-Pokalsieg bei Dynamo Dresden. Irgendwie spiegelt die Dresdner Wiese den Zustand des ostdeutschen Fußballs wieder. In Dresden fehlt einfach das Geld für einen neuen Rasen und für eine gute Mannschaft. Selbst gegen Abstiegskandidat Großaspach unterlagen die Sachsen. In Magdeburg gibt es eine Rasenheizung, die bleibt aber ausgeschaltet: Zu hohe Kosten. In Erfurt und Chemnitz wird zum Glück gebaut. Die Bundesliga ist ostfrei. In der 2. Bundesliga hängen der FC Union Berlin im Mittelfeld und Aue kurz vorm Abgrund. Lediglich bei den Drittklassigen tummeln sich die Ossis gleich mit sechs Mannschaften. An den Talenten kann es nicht liegen. Denn wenn man einmal in alten „Fußball-Wochen“ blättert, steht der Ostfußball mit Europacupsieg, drei Olympiamedaillen, WM Platz sechs und einer Reihe bemerkenswerter Resultate in den europäischen Cup-Wettbewerben nicht schlecht da. Doch ohne Moos nichts los! Der deutsche Osten ist ein weißer Fleck auf der Fußball-Landkarte. Die finanziellen Notlagen wirken sich auch auf den Fußballplätzen aus.

In Leipzig zündete der Österreicher Dietrich Mateschitz mit RB Leipzig einen Leuchtturm. Man muss kein Red-Bull-Konsument und auch kein Fan des RasenBallsport Leipzig sein, doch als Fußball-Freund aus dem Osten sollte man sich schon freuen, wenn sich einer findet, der sein Geld nicht am Rhein und Donau hinterlegt, sondern an der Pleiße investiert. Flaschenwerfer in Aue und Protest-Demos der Union-Fans findet selbst der bekennende Union-Fan und Ex-Handballstar Stefan Kretzschmar fehl am Platz: „RB bezahlt alles selbst und nimmt keinem anderen Vereinen die Sponsoren weg. RB besitzt ein gutes Stadion und lockt viele Fans zu den Spielen.“

Den Sachsen könnte es, trotz der 0:2-Niederlage gegen Wolfsburg, am ehesten glücken, den Osten in der Bundesliga zu vertreten. Die Leipziger locken nicht nur gute Kicker in die traditionsreiche Sportstadt, RB ist mit seiner Nachwuchsförderung ein Vorbild für ganz Deutschland. Die B-Jugend führt die Bundesligatabelle an, die A-Jugend steht ebenfalls in der Bundesliga auf Rang drei und RBs U23 ist auf den Sprung in die Regionalliga. Die Entwicklung ist schon erstaunlich, denn erst im Juni 2009 wurde der Verein gegründet, nachdem ihm von Sächsischen Fußballverband, NOFV und selbst vom DFB ziemlich viele Knüppel in den Weg geschmissen wurden. Im Osten regierte mit Blick auf RB ein bisschen der Neid und im Westen die Angst vor einem zusätzlichen Konkurrenten. Schade!

Manne Hönel

36 (2015-03-04) Manfred Hönel

Die Spieler ziehen nicht

die Spritzen auf

Zum Glück ist Fußball kein Ausdauersport...

Es ist schon verblüffend mit welch unschuldigem Gesicht Reinhold Beckmann nach dem Spiel Dynamo Dresden –Borussia Dortmund in die Kamera guckte und behauptete: „Doping im Radsport und in den Ausdauersportarten ist bekannt, aber im Fußball?“ Woraufhin sich Experte Mehmet Scholl beeilte zu verkünden, dass Doping im Fußball wegen der Technik und dem Ballgefühl gar nichts bringt. Na klar, Fußballspieler sind durch die Bank Weicheier brauchen keine Kraft , keine Ausdauer, keine Spritzigkeit und keine Kondition! Schon vor zwei Jahren verplapperte sich Franz Beckenbauer: „Wir haben Vitaminspritzen bekommen.“ Toni Schumacher hat sich in seinem Buch „Anpfiff“ 1987 die zahlreichen Dopingfälle in der Bundesliga nur aus den Fingern gesogen. Natürlich hatte der VfB Stuttgart mit Doping nichts am Hute, wenn Ex-Nationalspieler Karl-Heinz Förster behauptet: „Wir sind gelegentlich fitgespritzt worden, aber das hat mit Doping nichts zu tun.“ Als die Blutbeutel von Jan Ullrich bei Dr. Fuentes in Spanien aufgespürt wurden, sollen auch Blutbeutel einer ganzen Reihe von spanischen Kickern entdeckt worden sein. Wenn die ersten Ergebnisse einer Untersuchungskommission an der Uni Freiburg jetzt bekannt geworden sind, liegt das nur an der Geschwätzigkeit des Dr. Andreas Singler, der die Tinte nicht halten konnte und an die Öffentlichkeit ging. In Zukunft wird an der Uni in Freiburg weiter so kräftig unter den Tisch gekehrt wie bisher. Da kann man sicher sein.

Wie in anderen Sportarten wird allerdings auch im Fußball das ganze Dopingproblem auf den Rücken der Spieler und Trainer ausgetragen. Die Spritzen jedoch werden in erster Linie in den Büros der profitgeilen Verbände und in den Chefetagen der Vereine und Sponsoren aufgezogen. Sponsoren zahlen nur bei Erfolg, also treiben die Vereine ihre Spieler zum Sieg. Nationale und internationale Verbände wiederum wollen nur kassieren. Möglichst hunderte von Millionen. Wenn man sich die Spielansetzungen im Fußball, Handball, Basketball und Eishockey ansieht, erkennt man schnell, dass hier Unglaubliches verlangt wird. Die Handballer protestierten bereits im vorigen Jahr wegen Überforderung. Ein Fußball-Bundesligamannschaft, die es in der Champions League und im DFB-Pokal bis ins Finale schafft, hat zwischen August und Mai mindesten 53. Spiel zu bestreiten. Weltpokal und Supercup nicht mitgerechnet. Dazu kommen dann für die Nationalspieler noch weitere Einsätze bei den Qualifikationen für EM und WM. Dabei erwarten Sponsoren und Fans immer volle Pulle. Auf lau darf kein Spieler machen. Man bezahlt ja. Doch selbst die Freizeit-Fußballer wissen, wie nach einem Match die Knochen schmerzen. Das ist auch bei Profis so, denn das sind auch nur Menschen. Wer also ehrlich an einem Kampf gegen Doping interessiert ist, muss zu allererst das Mammut-Programm verkleinern.

 

Manne Hönel

35 (2015-02-28) Manfred Hönel

Flüchtlinge fühlen sich

wohl bei den Unionern

Wenn es um Menschlichkeit und soziales Engagement geht, spielen die „Eisernen“ längst im Oberhaus

Flüchtlinge und Fans des 1. FC Union Berlin trafen sich am Mittwoch in der „Alten Försterei“ zu einem Begegnungsfest

Image: rbbonline

Am Sonntag tritt der 1. FC Union bei RB Leipzig an. Hier treffen zwei Klubs aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können. Leipzig gilt als Retortenverein, der vom Österreicher Dietrich Mateschitz Kraft dessen Euro-Millionen zur Freude vieler Fußball-Fans in Sachsen etabliert wurde. Auf der anderen Seite der 1. FC Union, dessen Wurzeln tief im Berliner Boden stecken. Schon kurz nach 1900 trafen sich in Schöneweide die Schlosser-Jungs zum Fußball-Kick. Bis heute quillt bei den Spielen der Schlachtruf aus der „Alten Försterei“ –„Eisern Union!“ und bis heute ist der Verein nicht auf Rosen gebettet und auf die Hilfe, wie beim Bau des schmucken Stadions, seiner treuen Fans angewiesen.

Diese Tradition des normalen Berliners wird immer wieder nach oben gespült, wenn Solidarität gefragt ist. In Leipzig-Leutzsch zerfällt die alte Kampfstätte der einstigen BSG Chemie Leipzig. Also brummt die Traditions-Mannschaft der Unioner in den Leipziger Alfred-Kunz-Sportpark zu einem Match am Sonntagvormittag gegen die Oldies von Chemie (FC Sachsen). Die Einnahmen fließen komplett in den Etat für die Renovierung des Leutzscher Stadions. Die Unioner zeigten Herz, als sie den Vertrag ihres Stürmers Benjamin Köhler um eine Jahr verlängerten, obwohl seine Krebserkrankung bekannt war. In der Winterpause trat der 1. FC Union im Berliner Poststadion gegen den SC Berlin 06 an. Flüchtlinge hatten freien Eintritt. In dieser Woche nun wiederum luden die Unioner 500 Flüchtlinge in ihren VIP-Bereich ein. Die „Eisernen“ wollten damit ein Zeichen setzen, denn immer noch demonstrieren in Berlin-Köpenick Anwohner gegen die Einrichtung von Flüchtlings-Unterkünften in dem Stadtbezirk, in dem auch der 1. FC Union beheimatet ist. Die Einladung der Flüchtlinge begründete Union- Präsident Dirk Zingler: „Wir fühlen uns nach unserer Vereinssatzung den humanistischen Grundwerten verpflichtet.“ Nach anfänglichen Unsicherheiten konnte man sehen, wie sich die Flüchtlinge angesichts des herzlichen Entgegenkommens in der „Alten Försterei“ immer wohler fühlten. Der Union-Präsident weiß, dass das Thema noch immer Sprengkraft beinhaltet. »Natürlich ist uns bewusst, dass das Thema auch polarisiert. Umso wichtiger ist es, klar Position zu beziehen und sich für eine Willkommenskultur einzusetzen«, sagt Zingler entschlossen. Für Schwung sorgte ein Tanzgruppe, die arabische, kurdische und serbische Tänze vorführte.

Zudem saßen bei jedem Union-Spiel in den vergangenen Monaten Flüchtlinge als Gäste auf der Tribüne. Das soll auch bis Saisonende so bleiben. Wenn im Moment auch noch nicht sportlich, aber was Menschlichkeit und soziales Engagement betrifft, spielen die „Eisernen“ längst in der Bundesliga.

Manne Hönel

34 (2015-02-25) Manfred Hönel

Pevnov bringt

Leben in den Fuchsbau...

aber nur für fünf Monate

Pevnov bei der Unterschrift in Berlin – rechts Füchse-Manager Hanning

Image: Photowende

Ende der ersten Halbserie in der Handball-Bundesliga wurde bei den Berliner Füchsen mit Tabellenrang zehn Trübsal geblasen. Während der WM in Katar kam Füchse-Manager Bob Hanning die Erleuchtung. Er hatte mitbekommen, dass sein ehemaliger Fuchs Jewgeni Pevnov bei Frisch Auf Göppingen nicht glücklich ist. Der Kreisläufer wirbelte von 2011 bis 2013 bei den Füchsen, dann zog es ihn nach Göppingen. Dort aber hatten Manuel Späth und Bojan Bolanski bereits die Plätze am Kreis besetzt. „Also bekam ich wenig Spielzeit, was mich nervte“, gesteht der 26 Jahre alte Kreisläufer. Jewgeni streute geschickt seine Wechselwünsche. Bob Hanning, der überall seine Ohren hat, hörte natürlich davon. Am 2. Februar saß Jewgeni wieder im Fuchsbau und unterschrieb einen Vertrag für fünf Monate. „Wir wollten der Mannschaft für den Rest des Spieljahres mit einem zweiten Kreisläufer eine Hilfestellung geben“, begründete Hanning die Verpflichtung. Das Experiment ist geglückt. Pevnov spielt auf wie in besten Zeiten. Mit ihm wurde bisher kein Spiel verloren. Beim Kantersieg von 37:22 im EHF-Pokal gegen den HC Vojvodina trug er selbst mit fünf Treffern zu diesem klaren Ergebnis bei. Zwischendurch glänzte er im Zusammenspiel mit Iker Romero, Pavel Horak und Konstantin Igropolu durch traumhafte Kombinationen. Jewgeni hat offensichtlich wieder Freude am Handball gefunden: „Es ist für mich wunderbar, wieder auf der Heimseite hier in Berlin zu spielen. Ich habe gute Erinnerungen, wenn ich die alten Gesichter sehe.“

Ob der Vertrag für Pevnov wirklich im Sommer endet? Bei der Spielstärke des Kreisläufers wäre es schade. Doch Manager Hanning gibt klare Signale: „Das Budget ist ausgereizt.“

Jewgeni Pevnov, der in der korrekten deutschen Transkription Pewnow geschrieben wird, kam im Februar 1989 in Taschkent zur Welt. Als Jewgeni sechs Jahre alt war, zog die Familie nach Deutschland. Der Junge wuchs hier auf und begann bei TV Hemsbach (Baden-Würtemberg) mit dem Handball. Danach wanderte er durch die deutsche Handball-Landschaft. Er spielte in Leutershausen, beim SC Magdeburg, in Eisenach, Friesenheim, bei den Füchsen Berlin und Frisch Auf Göppingen. Auf das Können des 1,98 m großen Athleten wurden auch die Russen aufmerksam. 20mal trieb er in der russischen Juniorenauswahl den Ball. Er war sogar für das Nationalteam vorgesehen. Doch 2012 gab der Handballer die russische Staatsbürgerschaft zurück. Seit drei Jahren besitzt er nun den deutschen Pass. Und was wird im Sommer aus ihm? Bob Hanning: „Ich hoffe, dass er bis dahin einige Teams auf sich aufmerksam gemacht hat.“

Manne Hönel

33 (2015-02-19)

Die Adler hackten

den Eisbären in den Pelz                

Die Strafbank war heiß umkämpft

Brutaler Fastnacht-Fight in der SAP-Arena

                                 zwischen Mannheim und Berlin                                                                                                                        

                                                                                           Image: City-Press GbR

Es wird eng für die Eisbären. Nach der 2:3-Niederlage  am Dienstag in Mannheim rutschten die Eisbären auf den achten Rang ab. Am Freitag in Schwenningen und Sonntag in München stehen weitere schwere Auswärtsspiele bevor, und wahrscheinlich fallen Florian Busch und Henry Haase durch raubeinige Spielweise der Mannheimer wegen Verletzungen aus. Allein im zweiten Drittel verhängten die Unparteiischen 49 Strafminuten. Vor 11500 Zuschauern lief in Mannheim eine hitzige Partie ab. Nach dem 1:0 durch Martin Buchwieser für die „Gastgeber“ und dem Ausgleich  durch Antti Miettinen ging es hoch her. Adler können nämlich gefährlich sein. Noch im ersten Drittel bekam das Florian Busch zu spüren. Nach einem Check gegen die Bande lief er zum Arzt. Er kam nicht mehr zurück, denn eine klaffende Wunde musste mit acht Stichen genäht werden. Im zweiten Drittel verloren die beiden Schiedsrichter  Stefan Vogl und Roland Aumüller die Kontrolle über das Spiel und zogen eine Strafminutenorgie ab. Bei insgesamt 49 Strafminuten in diesem Spielabschnitt saßen bisweilen fünf (!) Eisbären auf der Strafbank. Trotzdem gingen die Eisbären mit 2:1 durch Darin Olver in Führung, obwohl der EHC in dieser Phase mit doppelter Unterzahl, also 3 Eisbären gegen 5Adler, auskommen musste. Im zweiten Drittel schickten die Schiedsrichter Markus Kink für die Spieldauer in die Kabine. Er hatte EHC-Verteidiger Henry Haase fies gegen die Bande geknallt. Haase musste auch am Mittwoch noch im Krankenhaus behandelt werden und konnte nicht mit der Mannschaft nach Hause fliegen. Bereits im vorigen Jahr hatte Kink durch seine brutale Spielweise Darin Olver und Andre´ Rankel für längere Zeit auf die Verletzten-Liste beförderte. Hier dürfte die  DEL-Disziplinar-Kommission gefordert sein. Überhaupt scheinen die Mannheimer bei Spielen gegen Berlin durchzudrehen. Sie führen die  Vorrunden-Tabelle mit 100 Punkten an und zeigen ein so schmutziges Eishockey, dass selbst die eigenen Fans und die Lokalpresse erstaunt ist. Dabei gefährden die Adler nicht nur den Gegner, was schlimm genug ist, sondern auch sich selbst. Lange hatten die Berliner beim Stand von 2:2 die Verlängerung vor Augen. Als die Berliner zwei Minuten vor Schluss wieder mit Drei gegen Fünf auskommen mussten, traf Jo Rheault  zum 3:2 für die Adler. EHC-Trainer Uwe Krupp brach ob der Niederlage dennoch nicht in Tränen aus. Ich glaube, wir haben heute ein heiß umkämpftes Eishockeyspiel gesehen. Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen. Wir haben heute ein Riesenspiel gemacht, um jeden Zentimeter auf jeder Position gekämpft, da gibt’s überhaupt keinen Vorwurf. Am Ende hat Mannheim den Vorteil bekommen mit dem 5 gegen 3 und das genutzt. Insgesamt bin ich zufrieden mit der Art und Weise, wie die Mannschaft spielt. Die Moral ist gut, die Jungs kämpfen. Sie spielen gut und halten zusammen. Hoffentlich sehen wir Mannheim in den Playoffs noch mal wieder.”

Manne Hönel

32 (2015-02-14)

Trainer Sigurdsson schleicht sich nicht

aus dem Fuchsbau                        

Erfolge sollen Abschiedsschmerz vertreiben

 

Optimistisch betrachtet, sitzt Trainer Dagur Sigurdsson noch 26 Spiele bei den Berliner Handball-Füchsen auf der Trainerbank. Voraussetzung ist allerdings, dass sowohl im DHB- als auch im EHF-Pokal das Finale-Four erreicht wird. Im DHB-Pokal sieht Füchse-Manager Bob Hanning kaum ein Problem: „Wir müssen im Viertelfinale bei DHfK Leipzig ran. Wir sind auf allen Positionen besser besetzt. Da müsste das Finale-Four drin sein.“ Der 41 Jahre alte Sigurdsson gibt im Juni seine Doppelrolle auf und widmet sich dann ganz der Aufgabe als Bundestrainer. Der Isländer dressiert die Füchse seit 2009. Nach sechs Jahren will er auf keinen Fall leise aus dem Fuchsbau schleichen und sagen: Nach mir die Sintflut. Ganz im Gegenteil; Dagur hat sich noch einiges vorgenommen: „Ich will mit den Füchsen in der Bundesliga vom Platz acht weiter nach oben klettern. Im DHB-Pokal will ich mit den Jungs den Sieg vom Vorjahr verteidigen. Es wäre zudem ein Traumabschluss für mich, wenn wir beim EHF-Finale im Mai in Berlin noch einmal zuschlagen könnten.“

 

Der Traum kann aber nur in Erfüllung gehen, wenn in der Gruppe mit dem FC Porto, HC Vojvodina (Serbien) und Skjern Handbold aus Dänemark gewonnen wird. Das wird nicht leicht. „Denn wir haben einige Verletzte zu beklagen“, bleibt Sigurdsson vorsichtig. Der Trainer schmeißt aber nicht so schnell die Flinte ins Korn. Es nötigt schon Hochachtung ab, wie Sigurdsson als Nationaltrainer aus einem wilden Haufen ein WM-Team formte, das sich mit Platz sieben die Berechtigung für ein Olympiaqualifikationsturnier ergattert hat. Der Mann aus Reykjavik gibt zu: „Abschiedsschmerz empfinde ich noch nicht, der kommt vielleicht später. Aber erst will ich mit den Füchsen noch meine Ziele erreichen.“ Das Winke-Winke kennt der 215-fache isländische Nationalspieler ohnehin. Mit 17 verabschiedete er sich nach sieben Länderspielen vom Fußball und stieg zum Handball bei Valur Reykjavik um. Mit 25 Jahren sagte er der Geysir-Insel tschüss und heuerte bei LTV Wuppertal an. Von dort zog es ihn für drei Jahre nach Heroshima in Japan, ehe er im österreichischen Bregenz unterkam. Vor Reykjavik betreute er ab 2007 die österreichische Nationalmannschaft, ehe ihn Bob Hanning für den Fuchsbau einfing.

 

Der Mann ist nicht nur als Trainer mit allen Geysir-Wassern gewaschen. Zum WM-Testpiel in Island brachte er das deutsche Team in Sechs-Bett-Zimmern in einem Hostel unter. Die Handball-Jungs staunten, lernten sich so aber schneller kennen und für Dagur hatte die bescheidene Unterkunft auch noch etwas Gutes. Das Hostel gehört Sigurdsson. Der Trainer ließ es aus einem alten Fabrikgebäude umbauen.

 

Manne Hönel/Image: getty

 

 

 

31 (2015-02-12)

Das Meer holt sich die Rentner               

Einen Puck-Haudegen zieht es in die Heimat

Mit Alt-Dynamo Dietmar Peters, 315 Länderspiele für die DDR, sagt ein Puck-Haudegen: „Tschüss Berlin.“ Als die DDR-Sportbosse 1971 das DDR-Eishockey auf die zwei Dynamo-Teams Weißwasser und Berlin reduzierten, stand  der damals 21-jährige Peters mit seinen Mannschaftskameraden vom SC Empor Rostock vor abgetauter Eisfläche. Dietmar Peters fand Aufnahme bei Dynamo Berlin. Von 1971 bis 1986 trieb er den Puck in Berlin-Hohenschönhausen. Danach arbeitete der Verteidiger  bis zur Rente als Nachwuchstrainer bei den Eisbären. Am Donnerstag rollte der Möbelwagen in Berlin vor. „Für die letzten Jahre ziehe ich mit meiner Frau wieder in die alte Heimat an die Ostsee“, sagt der 65 Jahre alte, einstige Starverteidiger.

Bis zu seinem 15. Lebensjahr fuhr Peters zweigleisig. Er spielte Eishockey und Fußball beim FC Hansa Rostock. Zweimal lief er sogar zu Fußballländerspielen für die DDR-Schülerauswahl auf. Dann entschied er sich endgültig für das Eishockey. Ein Fehler? Dietmar Peters zuckt mit den Schultern: „Man ist ja kein Hellseher“ und ergänzt: „Es gibt nichts zu bereuen. Ich hatte beim Eishockey viele schöne Jahre.“ Mit 49 Jahren zog er sogar noch einmal die Schlittschuhe für die Saale-Teufel an und stieg mit ihnen bis in die Oberliga auf.

Manne Hönel

30 (2015-02-11)

Die schöne Franzi wird

von Sorgen geplagt

Bestechung, Betrug und Bestechlichkeit

Es gab auch bessere Tage für Franziska van Almsick und Jürgen Harder

Image: dpa

In die Heidelberger Villa des Unternehmers Jürgen B. Harder und seiner Lebenspartnerin Franziska van Almsick ist Unruhe eingezogen. Seit Dienstag steht  wegen des großen Medienandrangs im großen Saal des Hochsicherheits-Tracks in Frankfurt/Main Harder vor Gericht. Mit dem 55 Jahre alten Manager sind vier weitere Männer angeklagt. Die einstige Schwimmkönigin war nicht vor Ort. Auf dem Ball des Sports am vergangenen Sonnabend führte die Ex-Weltrekordlerin als Vizepräsidentin der Sporthilfe in einem blauen Abendkleid gekonnt durchs Programm. Auf die Fragen nach dem Prozess ihres Lebenspartners antwortete sie allerdings nur schmallippig oder gar nicht. Dem18 Jahre älteren Harder wirft die Staatsanwaltschaft in einer 111 Seiten umfassenden Anklageschrift  im Zusammenhang mit dem Kauf von Grundstücken am Frankfurter Flughafen Betrug, Bestechung und Bestechlichkeit vor. Der Prozess ist auf zwölf Verhandlungstage angesetzt. Beobachter rechnen aber mit mehreren Monaten. Laut Medienberichten will die 36-Jährige wegen ihrer beiden Söhne Don Hugo (8) und  Mo Vito (2) vorerst nach Spanien ziehen. Don Hugo geht dort angeblich schon zur Schule. Noch im Sommer verriet der einstige „Goldfisch“: „Ich mache jetzt das Abitur nach. Ich habe drei Tage in der Woche einen Nachhilfe-Lehrer, pauke Geschichte, löse Mathe-Aufgaben und lese Literatur wie ‚Dantons Tod’.“ Einst verließ Franzi nach der 11. Klasse die Sportschule in Berlin, weil sie keinen richtigen Sinn mehr im Weiterlernen sah. Immerhin war sie mit 17 Jahren  schon Millionärin. Sie hatte dicke Werbeverträge mit Opel, Milka, Arena und Schüco-Fenster. Egal wie der Prozess ihres Lebenspartners ausgeht. Die TV-Expertin wird nicht zum Sozialamt müssen. Nach der Trennung von Ex-Handballstar Stefan Kretschmar zog sie vor acht Jahren zum Vater ihrer beiden Söhne nach Heidelberg.

Um zu zeigen, wie man schnell Pfunde verlieren kann, gründete die Ex-Weltmeisterin das eigene Portal  „Mybod-e de.“ Dort kann sich jeder Tipps zum Abnehmen durch ein Fitnessprogramm holen. Die Schwimm-Expertin van Almsick verriet auch etwas zu ihren Plänen bezüglich ihrer Zukunft  als Moderatorin der Sportschau. „Ich denke, dass es in dieser Richtung noch das eine oder andere von mir geben wird.“ Wenn sie mit ihrer Familie in Spanien wohnt, dürfte das wahrscheinlich nicht ganz so einfach werden.

Manne Hönel

27 (2014-12-27)

Wohlfühl-Arena

für Pistenradler

Neue 250-m-Bahn aus sibirischer Fichte in Frankfurt/Oder

Wer die Oderland-Halle aus früheren Tagen kennt,  könnte bei einem aktuellen Besuch auf den Gedanken verfallen, er habe sich verlaufen. Die renovierte Halle und die neue 250-m-Standardpiste aus sibirischer Fichte, „lassen keine Wünsche offen“,  freut sich Bahnbundestrainer Sven Meyer. Mit dem ehemaligen Team-Junioren-Weltmeister, DDR-Meister und Friedensfahrer Dan Radtke hat ein Fachmann die Objektleitung übernommen. „Wir sind in erster Linie eine Trainingsanlage. Wir werden versuchen, unseren Sportlern immer beste Bedingungen zu bieten“, sagt der inzwischen 51-jährige Ex-Radler. Die Halle wurde 1988 zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Seoul mit einer 333 m Bahn eröffnet. „Da internationale Meisterschaften und Olympia nur noch auf 250-m-Bahnen ausgetragen werden, bot sich ein Umbau an, wenn wir die Halle als Verband weiter nutzen wollten“,  erklärt BDR-Vizepräsident Udo Sprenger und kommt dann ins Schwärmen: „Bessere Trainingsbedingungen können wir gar nicht haben. Die Bahn ist Spitze, die Halle ist immer warm, und durch das Internat halten sich die Übernachtungskosten in Grenzen.“  Wie die Arena auch für Topveranstaltungen genutzt werden kann, zeigte sich unlängst bei den Deutschen Omnium-Meisterschaften. Die Bahn musste ihre Bewährungsprobe bestehen, da sie durch den Mehrkampf mit den Disziplinen Scratch, Einer-Verfolgung, Ausscheidungsfahren, 1000-m-Zeitfahren, Rundenrekordfahren und Punktefahren einem kompletten Test unterzogen wurde.

Mit dem Berliner Theo Reinhardt setzte sich einer der Favoriten mit 214 Punkten vor dem Wuppertaler Michael Koch (LKT Team Brandenburg/ 206 Pkt.) und Nico Heßlich ( RSC Cottbus/202 Pkt.) durch. Reinhardt darf allerdings kaum auf einen WM- oder Olympiaeinsatz im Omnium hoffen, wie uns Bundestrainer Meyer gestand: „Theo gehört zum Bahnvierer, mit dem wir bei Olympia etwas reißen wollen. Für das Omnium sind Roger Kluge und Lucas Liss vorgesehen. Beide gehören im Mehrkampf zur absoluten Weltspitze.“

Da es sich bei den Titelkämpfen um die erste offizielle Veranstaltung handelte, gelten alle Siegerzeiten natürlich auch als Bahnrekorde. Trotzdem werden Zeiten wie die von Lucas Liss mit 1:03, 287 Minuten  über 1000 m oder von Nico Heßlich im Rundenrekordfahren mit 13,297 s nicht so schnell in der Archivablage landen. Liss begann in Unna mit dem Radsport und wurde dort auch von Straßensprinter Erik Zabel gefördert. In den beiden vergangenen Jahren trat er beim Team Stölting unter der Leitung des Berliner Erfolgstrainers Jochen Hahn in die Pedale. Da hat der 22-Jährige viel gelernt. Der Cottbuser Trainer Michael Max sieht auch den Runden-Rekord von Nico Heßlich ziemlich hochwertig

Zur Freude seines Vaters Lutz, Radsprint-Olympiasieger 1980 und 1988, fand Nico mit 18 Jahren doch noch zum Radsport. „Jetzt ist er 24 und wird immer besser“, freut sich der Vater, der jetzt auch Trainer seines Sohnes ist. „Nico arbeitet einen halben Tag bei mir im Fahrradgeschäft, danach trainieren wir. Schließlich müssen wir auch Geld verdienen. Weder am Job noch am Training lassen wir Luft ran. Nico will sich für den Olympia-Bahnvierer  anbieten. Wir schaffen das auch“, ist Lutz Heßlich überzeugt. Nur zu Weihnachten war bei den Heßlichs etwas Ruhe eingekehrt, da saßen die Heßlichs mit Nico, Tochter Nadja und den drei Enkeln unterm Weihnachtsbaum.

Die Oderland-Halle bleibt in den nächsten Wochen dem Nachwuchs vorbehalten. „Mit dem Nationalteam trainieren wir nach Neujahr auf Mallorca, dann fliegen wir zum Weltcup nach Cali und Ende Januar bereiten wir uns in Frankfurt auf die WM vor“, verrät der Bundestrainer.

Bei den Frauen bestach einmal mehr die Junioren-Weltmeisterin Anna Knauer aus Eichstätt. Sie siegte mit 294 Punkten vor der gleichaltrigen Erfurterin Gudrun Stock mit 230 Pkt. und Lis Küllmer  (Reinheim/ 221). Die Jagden auf der neuen Piste in Frankfurt bildeten den Abschluss einer äußerst erfolgreichen Saison mit insgesamt 75 Medaillen bei EM und WM,  über die BDR-Präsident Rudolf Scharping sagt: „Für den Bund Deutscher Radfahrer war 2014 das erfolgreichste Jahr seit Jahrzehnten. Unsere Sportler überzeugten nicht nur durch lobenswerte sportliche Leistungen. Sie setzten sich auch entschieden für den Kampf gegen Doping ein. Marcel Kittel, Andre´ Greipel, Toni Martin und John Degenkolb ließen keine Chance aus, sich für einen Radsport ohne Doping stark zu machen.“

Manne Hönel

15 (2014-07-04)

Joachim Ziesche – der Mann, der das ostdeutsche Eishockey vor dem Untergang rettete

Aus der Laudatio zum 75. Geburtstag der Eishockey-Legende

Image: dpa

 

Die Sportstars der ehemaligen DDR finden relativ selten einen Niederschlag in den Medien. Auf seiner Feier zum 75.  Geburtstag  wurde eine Laudatio mit zahlreichen interessanten Fakten  verlesen.  Wir stellen diese Rede hier vor:

 

Dynamo-Glanz in Kanada

 

Wer als Eishockey-Anhänger das Glück eines Aufenthaltes in Toronto erhält, den zieht es natürlich in die „Hall of Fame“ unseres schönen, schnellen Sports. Es beeindruckt, wenn man Filmausschnitte von Spielen zwischen der damaligen UdSSR und Kanada von den Olympischen Winterspielen 1956 auf sich wirken lassen kann.  Man staunt über Wsewoldo Bobrow oder den Kanadier  Martin Floyd genannt Butch. Wenn man nach dem Kino weiter durch die Museumsgänge wandelt, stößt man auf Namen wie Bobby Hull aus Kanada,  den Schweden Sven Tumba Johannson, die Tschechen Vaclav Bubnik und Bohuslav Stastny  oder des Finnen  Teppo Numminen.  In einer Glasvitrine steht man dann - zugegeben etwas unerwartet - vor einem  Trikot mit dem Emblem  SC Dynamo Berlin. Da kommt Freude auf. Das Trikot gehört unserem Geburtstagskind Joachim Ziesche. Gratulation zu seinem 75. Als dritter Deutscher fand er auf Vorschlag  russischer und schwedischer Eishockeyverantwortlicher Aufnahme in die Ruhmeshalle des Pucksports.

 

75 Jahre

 

Da ist sie wieder die Erinnerung an goldene Zeiten mit bemerkenswerten Erfolgen, aber auch an ganz bittere Stunden, als man 1970 unserem damaligen DDR-Eishockey einfach die Grundlagen entzog. Genau in dem Moment setzten die großen Zusatzverdienste eines Joachim Ziesche ein, der mit 16 Jahren schon bei den Männern spielte und mit 21 Jahren bei der WM 1961 die Stürmerrolle beim 2:2 gegen Schweden übernahm.

Die sportlichen Leistungen mit 197 Länderspielen,  112 Toren, Serien von Vorlagen und sensationellen Treffern wie bei der WM in Tampere als er fünf Sekunden vor Schluss zum 4:3-Sieg gegen Finnland einklinkte.

 

Ziesches Trikot gehört unters Dach der O2 World

 

Solche Momente wurden durchaus gewürdigt. Der Journalist  Jörg Lubrich stellte  bei „Bild de.“ die Frage. Warum kommt Ziesches Trikot nicht unters Dach der O2? Ein Trikot unseres einstigen Dynamo-Stars hängt zwar unterm Dach des Wellblech-Palastes in Hohenschönhausen. Dort spielen  die Nachwuchsteams und FASS Berlin.  Für sie soll ein Trikot mit der Nummer neun durchaus als Vorbildwirkung  unterm Dach bleiben.

Aber in die O2, wo die Eisbären-Profis spielen, gehört als Verneigung vor Joachims Leistungen auf alle Fälle ein Trikot.

Ohne einen Mann wie Ziesche mit seinem riesigen Herz  fürs Eishockey und  der großen Leidensfähigkeit gäbe es wahrscheinlich  weder die Eisbären noch die wunderschöne Arena zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße. Was Joachim mit einem fast verlorenen DDR-Häuflein von 40 bis 45 Spielern in der Welt des Eishockeys fertig gebracht hat, sorgt bis heute  überall für Staunen.

 

Dortmunder Cola-Büchsen und das Aus für Olympia 1984

 

Was für ein unglaublicher  Schmerz für einen Trainer, als die DDR 1970 freiwillig aus der A-Gruppe absteigen musste. Leider kam es danach  noch dicker. Bis 1973 mussten sich unsere Jungs wie Rainer Patschinski oder Dietmar Peters einen Arm anbinden, um bloß nicht zu gewinnen.  Achim ließ auch 1983 bei der WM in Dortmund die Schimpfarien der westdeutschen Fans über sich ergehen und ertrug es mit Fassung, als er er in der Westfalen-Halle mit Cola-Büchsen beworfen wurde. Trotz seiner 1,93 m Größe sackte er im gleichen Jahr allerdings in sich zusammen, als ihm mitgeteilt wurde, die DDR-Mannschaft darf - trotz Qualifikation-  nicht bei den Olympischen Winterspielen 1984 in Sarajevo antreten. Unfassbar, unsere Mannschaft war qualifiziert, wovon das heutige deutsche Nationalteam  träumt, und diesem Team wurde von den DDR-Sportbossen die olympische Eisfläche verwehrt. Für einen Sportler eine extreme Demütigung.  Journalisten erinnern sich noch genau an die Begründung, wie sie vom DTSB auf einer Pressekonferenz gegeben wurde. „Wenn die Eishockeyspieler bei Olympia antreten, gucken alle Eishockey und sehen wie die DDR verliert und keiner guckt Rennschlitten, wo wir Gold holen.“ Auch diese schweren Momente stand Joachim Ziesche durch. 

 

Ohne Ziesche keine Eisbären

 

Am Tag der Wiedervereinigung zwischen DELV und DEB konnte er gemeinsam mit Dieter Waschitowitz einen konkurrenzfähigen Verein  der Bundesliga übergeben. Die   Dynamo- und späteren Eisbären–Junioren sorgten für Aufsehen und erkämpften sogar 1993 und 1994 den deutschen Juniorenmeister-Titel. Und weil es ohne Geschichte keine Zukunft gibt, wie der einstige Eisbären-Trainer  Pierre Page´ einmal sagte, ließ Page´ die alten Meisterpokale und Dynamo-Erinnerungswimpel aus dem Keller holen und wieder aufstellen oder aufhängen. Weil es auch weiterhin ohne Geschichte  keine Zukunft gibt, gehört das Trikot mit der Nummer neun und dem Namen Ziesche noch vor allen anderen Eisbärenspielern schnell nach oben unters Dach der O2 World zur Erinnerung,  an einen Mann der das Eishockey im deutschen Osten vor den Komplett-Untergang rettete.

Manne Hönel

So                 21.05.2017 

Nr.             2.410 - 1.107

Aktualisierung        08:55

Übrigens,

 

… für die Vereinigten Staaten von Amerika würde die derzeitige Klassifizierung von HTS als terroristische Organisation das Eingeständnis bedeuten, dass sie hochentwickelte Waffen, darunter TOW-Panzerabwehrraketen an „Terroristen“ geliefert haben, und würde Aufmerksamkeit auf die Tatsache ziehen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika weiterhin islamistische Milizen in Syrien mit Waffen beliefern.

Sie haben richtig gelesen: der Grund, warum die Vereinigten Staaten von Amerika al-Qaeda in Syrien nicht als terroristische Gruppierung einstufen können, liegt darin, dass das die Vereinigten Staaten von Amerika gesetzlich dafür haftbar machen würde, eine terroristische Gruppe mit extrem hochentwickelten Waffen und Ausbildung versorgt zu haben.

Die Vereinigten Staaten von Amerika bewaffnen Terroristen in Syrien und bilden sie aus, aber statt sich einfach zurückzuziehen geben sie vor, dass al-Qaeda keine terroristische Organisation ist.

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