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2011-06-01 Interview HORST TISCHLER.doc
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Horst Tischler aus Ashurst bei Southampton in England    (ehemals Schweiz - Zürich)

WERKSTÜCK 39 (2015-09-01)

Sie sprangen, sie rannten, sie warfen

Nachbetrachtung zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Peking

Da waren sie wieder, die Gladiatoren der Neuzeit, die, die im Stadion sich die Seele aus dem Leibe rannten, die weit oder hoch zu springen wussten oder die, die irgendwelche Geräte weit von sich weg schleuderten. Peking hat gerufen und alles was Rang und Namen hatte, fand sich ein, um sich einmal mehr in Erinnerung zu rufen und vor allem die Gelegenheit zu ergreifen, den eigenen Marktwert zu steigern. Zum Gastgeber sei zu sagen, er hat optimale Bedingungen geschaffen, sogar die hartnäckige Lufttrübung, welche normalerweise über der Stadt liegt, war auf wundersame Art verschwunden. Jetzt lag es an den Akteuren, ihrerseits ein unvergessliches Spektakel zu bieten.

The show can go on

 

Erste Bewerbe waren einerseits den Siebenkämpfern vorbehalten, dazu jagte man die Marathonläufer bei relativ angenehmen Temperaturen durch die Stadt. Später dann bereits der erste Höhepunkt, der Brite Mohamed „Mo“ Farah musste sich der Macht aus Kenia und Äthiopien stellen. Um es kurz zu machen, er wurde seiner Reputation gerecht, knapp aber unwiderstehlich vor drei Kenianern, die Äthiopier spielten diesmal keine Rolle. Ärgerlich, hatte ihnen vorher schon ein Läufer aus Eritrea den Marathon versaut. Tragische Figur im Siebenkampf der Frauen: die Britin Katarina Johnson-Thompson. Die setzte den Weitsprung im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand, am Ende drei Nuller und damit ohne Wertung, wenngleich der dritte Versuch nur hauchdünn übertreten war. Sie hätte den Mehrkampf gewinnen können, so war die Luft raus, der Rest des Programmes nur noch lustlos abgewickelt, blieb es letztlich beim letzten Platz. Es ging munter weiter, Kugelstoßen und Hammerwerfen, vom Fernsehen kaum beachtet, kürten ihre Sieger. Enttäuschung bei David Storl, „nur“ Silber für den Mitfavoriten im Kugelstoßen.

Und dann der erste Höhepunkt, der Sprint über 100 Meter, der Zweikampf zwischen Gatlin und Bolt ging in die Entscheidung. Und ein weiteres Mal setzte sich der Erhabene, der Göttliche durch, mit einer hundertstel Sekunde denkbar knapp. Aber, er war einmal mehr der Größte, der frenetisch Gefeierte. Rührend anzusehen die Bemühungen der Offiziellen, den Star aus dem Stadion zu komplimentieren. Als Zuschauer am TV-Apparat musste man sich damit abfinden, lange Zeit den Jamaikaner im Bild zu haben, ärgerlich, wenn man lieber die Aktivitäten am Platz gesehen hätte.

 

Überraschungen

 

Gott sei’s gedankt gab es auch diese. Erstes Opfer: der Franzose Renaud Lavillenie, er, der die großen Höhen nach Belieben zu meistern pflegt, er, der den Weltrekord hält. Er stieg als letzter in den Wettkampf, schaffte die Höhe von 5.80 Meter souverän, da war die Welt noch in Ordnung. Danach ging nichts mehr. Dreimal kläglich an 5.90 Meter gescheitert, einer Höhe, die er schon vielfach gemeistert hat. War es Überheblichkeit, war es Selbstüberschätzung, die ihn versagen ließen. Die Antwort weiß vermutlich nur er. Schmeichelhaft noch die Bronzemedaille, die er sich allerdings mit zwei Polen teilen musste.

Es war der 26. August, als ein Kenianer die Fachwelt aufhorchen ließ. Julius Yego, ein gut gebauter Mann aus dem Land der Läufer trat zu seinem dritten Versuch im Speerwerfen an. Den zweiten noch auf eher bescheidene 82 Meter gesetzt, schleuderte er das Gerät rund zehn Meter weiter zum nationalen Rekord und zum Weltmeistertitel. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Kenianer bei den technischen Disziplinen wenig bis gar nicht in Erscheinung treten. Wie dem auch sei, an diesem Tag war er der Held, ob er weiter Erfolge feiern wird oder ob er wieder in der Versenkung verschwindet wie seinerzeit Bob Beamon nach seinem 8.90 Meter-Weitsprung an den olympischen Spielen anno 1968 in Mexiko? Man wird es sehen.

Bemerkenswert, wenn auch nicht unbedingt überraschend der Amerikaner Christian Taylor im Dreisprung, im letzten Versuch setzte er zu einem Überflug an, sprang mehr als einen halben Meter weiter als seine vorherigen Weiten und kam dem Weltrekord von Edwards bis auf 8 Zentimeter nahe. Edwards, als Kommentator wurde kurz eingeblendet, machte nur eine bezeichnende Handbewegung, noch einmal davongekommen.

Als kleine Überraschung zu werten ist sicher auch der Sieg der Holländerin Dafne Schippers über zweihundert Meter, an diesem Tag war sie, die schon über hundert Meter nur knapp geschlagen wurde, die Größte und rang die starken Sprinterinnen aus der Karibik nieder.

Und da war noch…..

 

Der Ausflug von Allyson Felix auf die Stadionrunde. Die Amerikanerin, vormals auf den Sprintstrecken zuhause, wo sie auch große Erfolge feierte, wagte sich diesmal auf die 400 Meter und entschied auch diese Distanz souverän für sich. Turbulent ging es bei den Staffeln über 4 x 100 Meter her. USA, in aussichtsreicher Position, versaute ein gutes Ergebnis, ja vielleicht sogar den Sieg durch einen unprofessionellen Wechsel am Ende, sie mussten disqualifiziert werden. Das gleiche Schicksal ereilte den Briten, der letzte Wechsel misslang, was den Startläufer dazu veranlasste, wie ein Rohrspatz zu schimpfen. Peinlich, dass dieser Ausbruch groß und breit über den Bildschirm ging, wird vermutlich Konsequenzen haben.

Und dann kam er doch noch, der Weltrekord. Ashton Eaton, der Zehnkämpfer war dafür verantwortlich, leider wird dieser Wettbewerb immer noch zu wenig beachtet und findet weitgehend vor leeren Rängen statt. Es war der einzige Weltrekord dieser Meisterschaft, was nicht von ungefähr kommt, sind die Bestmarken schon in Bereichen, wo praktisch nichts mehr geht. Dazu kommt noch, dass vor allem bei Mittelstrecken taktiert wird, da spielt die Zeit eine untergeordnete Rolle.

 

Fazit

 

Im Ganzen gesehen waren es packende Wettkämpfe, einige Bewerbe wurden äußerst knapp, andere sehr deutlich entschieden. Bolt mit drei Goldmedaillen und Mo Farah als Doppelsieger der langen Distanzen waren erneut die erfolgreichsten Athleten. Mo Farah wurde von Steve Cram und Brendan Foster als bester Athlet aller Zeiten bezeichnet, weltweit. Da brach wohl der Nationalstolz durch. Kleiner Nachteil, die Übertragungszeiten. Auch wenn man Rentner ist und sich nicht ums Aufstehen am nächsten Tag kümmern muss, sich gegen den Schlaf so um Mitternacht bis in die Frühe zu wehren, ist beinahe unmöglich. Zumindest habe ich diesen Kampf meistens verloren.

 

Das Vogelnest in Peking hat, was diese Weltmeisterschaften betrifft, die Pforten geschlossen. Die Akteure reisen nun weiter, schon in wenigen Tagen trifft man sich in Europa, es gilt, die Säckel zu füllen, die Anstrengungen und Entbehrungen in harte Währung umzumünzen. Danach sind die Augen auf Rio gerichtet, die Vorbereitungen werden bald anlaufen, bis man sich dann zur nächsten Weltmeisterschaft in zwei Jahren in London trifft.

 

Peking ist für die Sportwelt, insbesondere die Leichtathleten kein unbekanntes Pflaster. Ich denke da an die olympischen Spiele 2008, wo ich selbst als Offizieller bei den Gewichthebern in den Genuss der chinesischen Gastfreundschaft gekommen bin. Wie damals, davon bin ich überzeugt, werden alle Teilnehmer die Stadt in bester Erinnerung haben, die Erfolgreichen wie die weniger Glücklichen.

 

Noch eine Bemerkung am Schluss: Es ist nicht zu übersehen, dass die Welt ordentlich zusammengerückt ist. Holländer, Schweden, Belgier etc. sind plötzlich von sehr dunkler Hautfarbe, ein weißhäutiger Vertreter der dunkelhäutigen Rasse konnte allerdings nicht ausgemacht werden. Ich kann mich einfach nicht mit der Unsitte anfreunden, gute Leute anderer Nationalitäten einzugemeinden, es verzerrt das Leistungsvermögen der Länder. Was soll’s, wie viele Bayern gibt’s noch beim FC?

 

Horst Tischler

WERKSTÜCK 38 (2015-07-13)

Das war Wimbledon 2015

Royale Tradition auch ohne Hofknicks und tiefe Verbeugung

 

Das traditionsträchtige Tennisturnier ist wieder Geschichte, mit Serena Williams auch einer logischen Siegerin bei den Damen und einem nicht unerwarteten Erfolg von Novak Djokovic bei den Herren. Grund für mich, das Ereignis einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

 

Was ist Wimbledon?

 

Wimbledon ist ein Stadtteil von London und der gibt dem dort einmal im Jahr, so Ende Juni, stattfindenden Tennisturnier seinen Namen. Es ist das dritte Grand Slam Turnier im Jahr und wird ausschliesslich auf Rasen gespielt. Wimbledon ist aber nicht nur ein Tennisturnier, ein Grand Slam wie die Übrigen, die einmal im Jahr über den ganzen Globus verteilt, ausgetragen werden. Wimbledon hebt sich von allen hervor und ist für jeden Tenniscrack ein angestrebtes Ziel. Dieses dann auch noch zu gewinnen, muss das Höchste der Gefühle sein, zumindest wird es so empfunden.

 

Was aber ist an Wimbledon nun so besonders, so speziell. Da wäre zunächst der royale Einfluss. Wie beispielsweise bei den Pferderennen in Ascot oder anderen Plätzen erscheinen auch in Wimbledon, zumindest wenn es den letzten Spielen zugeht, Mitglieder des Königshauses und beim Finale kann es durchaus vorkommen, dass die Queen höchstpersönlich vom Olymp steigt und in der königlichen Loge ihren Untertanen zuwinkt. In letzter Zeit allerdings weniger, ja ja, der Zahn der Zeit, macht auch um die Monarchen keinen Bogen. Kleine Bemerkung am Rande; bevor die Königin oder ihre Vertreter nicht Platz genommen haben, geht im Court rein gar nichts. Haben sie sich dann gesetzt, wird unter ihrem Sitz ein Kontakt ausgelöst, ein Klingeln ist an entscheidender Stelle zu hören und alles weiss, es kann losgehen.

 

Ein Wort noch zu den Eintrittspreisen. Will man hautnah dabei sein und das in den Endrundenspielen, muss man ordentlich etwas abdrücken, dafür müsste eine alte Oma ewig lang stricken. Elitärer Sport hat eben seinen Preis, zumal im Gegenzug Einige ihre Hand recht weit aufhalten.

 

Die Geschichte

 

Die Anfänge gehen zurück in das Jahr 1877, da wurde erstmals Lawn-Tennis, also Rasen-Tennis gespielt. Es ging damals angeblich um eine Rasenwalze die erneuert werden musste. Da dafür das Geld fehlte, beschloss man, ein Turnier ins Leben zu rufen und Eintritt zu verlangen, Wimbledon war geboren. Übrigens, der Preis für die Reparatur damals waren 10 Pfund. Zunächst tummelten sich nur Männer auf dem Grün, Frauen waren nicht zugelassen. Das änderte sich aber wenige Jahre später, 1884 wurden Damen-Einzel und Herren-Doppel ins Programm aufgenommen, 1913 schliesslich auch noch Doppel der Damen und Mixed. Das für Vierzehntausend Zuschauer ausgelegte Tenniscenter entwickelt sich im Lauf der Jahre zu einem Tennis-Mekka, was es bis heute geblieben ist.

 

Ein Turnier der Gebote

 

Wimbledon ist reich an Traditionen, an denen bis heute festgehalten wird. Da ist zum Beispiel die Sache mit der Kleidung. Überall in der Welt ist man dazu übergegangen, etwas Farbe und vor allem Lockerheit in die Textilien zu bringen, was andererseits nicht immer so gut ankommt. Der Sport und die Kleidung begannen auseinanderzudriften, Pete Sampras war Einer der einen Schlabberlook mit unansehnlichen und immer zu weiten Turnhosen demonstrierte. Martina Navratilova, die Tschechin und spätere US-Amerikanerin trat in Turnhosen auf, das aber hatte vermutlich noch andere Gründe. Es ändert sich halt alles im Lauf der Zeit, man nennt es Fortschritt. Nicht so in Wimbledon, da heisst es immer noch, neunzig Prozent der Kleidung muss weiß sein. Eine weitere Tradition ist, dass das Publikum immer Erdbeeren und Schlagsahne zu sich nimmt. Der erste Sonntag des Turniers ist spielfrei, bei Regen, und das ist nicht selten der Fall, wird der Platz sofort mit einer Plane zugedeckt, die Pausen können sich ziehen, werden aber vom Publikum gleichmütig hingenommen.

1922 wurde eine königliche Loge mit vierundsiebzig Sitzen eingerichtet. Sie steht den Mitgliedern der königlichen Familie, Politikern und eingeladenen Prominenten zur Verfügung.

Die Siegerehrung wird von einem Mitglied der königlichen Familie vorgenommen, Ausnahme: von 1969 bis 2001 war das die Aufgabe der Duchess of Kent, Katharine, danach waren wieder die Royals dran. Üblich war es auch, dass die Siegerinnen den Hofknicks und die Herren eine tiefe Verbeugung zelebrierten, sie bekundeten so ihren Respekt. Diese Regel wurde im Jahre 2003 geändert.

 

 

Bedeutende Tennisasse

 

Erfolgreichste Dame in Wimbledon war Martina Navratilova, sie liess sich neunmal als Siegerin feiern. Bei den Herren zieren der Amerikaner Pete Sampras, der Brite William Renshaw, der allerdings noch im 19. Jahrhundert und der Schweizer Roger Federer mit sieben Erfolgen die Bestenliste. Lang ist die Liste derer, die sich als mehrfache Turniersieger eingetragen haben, bei den Herren in den Siebzigerjahren der Schwede Björn Borg, der ständig maulende Amerikaner John Macenroe und nicht zu vergessen, einer der jüngsten Sieger, der Deutsche Boris Becker, der in den Achtzigerjahren dreimal dominierte. Heute beherrschen die Szene der Spanier Nadal, der Serbe Djokovic, der Schotte Murray und immer noch der Schweizer Federer. Bei den Damen neben der bereits erwähnten Navratilova war es vor allem Steffi Graf, die siebenmal dominierte, sie war praktisch die Ablösung der grossen Tschechin, 1988 stiess sie die, etwas unerwartet, vom Thron. Mit Beginn des Jahrtausendwechsels kam die Zeit der Williams Schwestern, ab 2000 gewannen sie elf Mal das Turnier, fünfmal Venus, sechsmal Schwester Serena, die gestern als Siegerin vom Platz ging.

 

2015

 

Das diesjährige Turnier ist vorbei, es hatte mit Rafael Nadal seinen traurigen Helden, sein frühes Ausscheiden war nicht unbedingt erwartet. Ansonsten mit Djokovic, Federer, Murray die Finalisten, die man auf der Rechnung hatte, etwas unvorhergesehen der Franzose Gasquet, da sah man den Schweizer Wawrinka, immerhin French-Open Sieger, schon eher vorne. Der Final bestritten dann wie gehabt, die Führenden der Weltrangliste Djokovic und Federer mit dem klaren Sieg des Serben. 

 

Der Tross zieht weiter, schon bald stehen die Gladiatoren wieder in der Arena, um sich zu messen und vor allem, um erkleckliche Preisgelder abzuholen. Es rentiert sich, Tennisspieler zu sein, Voraussetzung: man mischt ganz vorne mit. Wimbledon wird nächstes Jahr wieder rufen und dann versammelt sich erneut alles, was Rang und Namen in der Tenniswelt hat.

 

Horst Tischler

Images: AP; Stefan Wermuth/Reuters

WERKSTÜCK 37 (2015-06-17)

England und

sein Sport

Fußball, Cricket, Polo and so on

Nachdem ich von den Tagesaktualitäten hier im Lande noch nicht viel mitbekommen habe, um darüber schreiben zu können, habe ich mich mit den sportlichen Ereignissen auf der Insel beschäftigt. In erster Linie interessiert, welche Sportarten werden betrieben, wo ist man Weltspitze, was gehört zum Breitensport, welche findet man nur im Lande.

 

Fussball, natürlich!

 

Wie in den meisten Ländern ist auch hier die Jagd nach dem runden Leder im Interesse des sportbegeisterten Volkes ganz oben anzusiedeln. Fussball hat hier Tradition, nicht umsonst bezeichnet man England als „Mutterland“, auch wenn es selbst nicht unbedingt als Erfinder gilt, man spricht da von Mönchen, die sich vor langer, langer Zeit erstmals damit amüsiert haben. Wie auch immer, die Nation zählt von Anbeginn an zu den führenden Ländern, erstaunlich, dass sie es bis jetzt nur einmal geschafft haben, Weltmeister zu werden. Im eigenen Land waren sie eine Macht, zumindest bis in die Fünfzigerjahre, da war es praktisch unmöglich, sie zu bezwingen. Mit Schweden, Österreich und Ungarn haben es bis dahin nur drei Länder geschafft. 

1966 dann der Höhepunkt mit dem Gewinn des bereits erwähnten Weltmeistertitels. Danach bröckelte der Glanz etwas ab. Hatte man zu der Zeit mit Moore, den Gebrüdern Charlton, Stiles, Hunt, Hurst und anderen noch eine Fülle von Klassespielern, wurden die im Verlauf der nächsten Jahre immer weniger. Es waren einzelne Akteure, die das Geschehen auf dem Platze bestimmten. Best, Lineker, Beckham oder Wayne Rooney - Einzelspieler, wenig mannschaftsdienlich, waren die einmal nicht in Form, ging das Spiel in der Regel verloren. Dazu kam, dass Fussballer immer besser bezahlt wurden und damit ausländische Spitzenkicker Engagements auf der Insel durchaus als attraktiv und vor allem lukrativ empfanden. So wurden die Vereine zusehends eine Mischung aus kühlem Norden und temperamentvollem Süden. Ja man scheute sich nicht, sogar Ballkünstler aus Frankreich zu ver­pflichten. Und so war es nicht verwunderlich, dass erstmals 1981 kein Engländer, kein Ire, kein Schotte oder Waliser, sondern mit Frans Thijssen ein Holländer Fussballer des Jahres wurde. Stimmt nicht ganz, das Kunststück brachte 1956 ein Deutscher Torwart namens Bert Trautmann zustande, der spielte damals bei Manchester United. Heute tummeln sich auf der Insel Ballkünstler aus der ganzen Welt, wie überall eben.

 

Was haben wir sonst noch

 

Natürlich bringen die Briten auch in anderen Sportarten immer wieder gute Männer und Frauen an die Weltspitze, wenn auch nicht mehr so häufig wie früher. Nehmen wir zum Beispiel Mittelstreckenläufer wie einst Sebastian Coe oder Steven Ovett. Seit die damals den Laufschuh an den Nagel gehängt haben, ist es in diesen Disziplinen ruhig geworden. Dafür hat man in den Langstrecken mit Mo Farah einen Heroen, der den Afrikanern Paroli bietet. Wenn man ihn aber so betrachtet, ganz englisch sieht auch der nicht aus.

 

Lang ist die Reihe englischer Formel-1 Piloten, Stirling Moss, James Hunt, Jacky Steward, Damon Hill, John Surtees um nur einige zu nennen und natürlich der aktuelle Weltmeister Lewis Hamilton.

Der Radsport hat seine Helden, mit Tom Simpson allerdings ein trauriger, der fiel seinerzeit vom Rad und verabschiedete sich für immer. Seither ist Doping im Radsport ein brisantes Thema. Heute heissen die Cracks Bradley Wiggins und Christopher Froome, beide Tour de France-Sieger der letzten Jahre.

 

Und da war doch noch ein Mann, der für Schlagzeilen sorgte: Skispringer Michel Edwards, besser bekannt als Edy the Eagle. Auch wenn er kaum über den Schanzentisch hüpfte, die Zuschauer hatten Freude an ihm, und so durfte er einige Jahre bei den Weltklassespringern dabei sein, schaffte sogar die Teilnahme zu olympischen Winterspielen. Lang, lang ist’s her.

 

Cricket

 

Abschliessen möchte ich mit zwei typisch britischen Sportarten, die auch weitgehend nur in Grossbritannien und den angeschlossenen Commonwealth-Ländern zu sehen sind, dort aber sehr beliebt und teilweise auch Nationalsport sind: Cricket und Polo.

Beginnen möchte ich mit Cricket, eine Sportart, welche dem amerikanischen Baseball ähnlich ist und in dem es um ein Duell zwischen Werfer und Fänger geht. Das Spiel vollumfänglich zu kommentieren würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, deshalb nur einige Stichworte. Eine Cricket Mannschaft besteht aus elf Spielern, der Batsman ist der Schlagmann, der Bowler ist der Werfer. Und da gibt es noch den sogenannten Wicket-Keeper, der hinter dem Schlagmann steht und den Ball zu fangen versucht. Dieser ist meist dunkelrot, und sein Innenleben besteht aus Kork. Überzogen ist er dann mit Lederstücken, die kunstvoll zusammengenäht sind. Ein Wort noch zur Kleidung, bei Testspielen ist das ein Trikot, oft zusätzlich noch ein Sweater und eine lange Hose. Dazu Schuhe, welche ein besonderes Profil haben, Bowler tragen sogar Spikes. Die Farbe der Kleidung inklusive Schuhe ist weiss, bei Testspielen ist dies Vorschrift. Bei den sogenannten One-day Spielen kann es schon vorkommen, dass die Kleidung bunt ist. Der Schlagmann trägt Schutzkleidung, das wichtigste davon sind die „Pads“, die schützen die Beine, wenn ein Ball mit hoher Wucht auftrifft. Zusätzlich sollte er noch einen Helm und vor allem eine sogenannte Box, tragen, ein Suspensorium zum Schutz der „Gentlemans Region“

Eine Fülle von Regeln bestimmt das Spiel, ich sehe davon ab, sie aufzuzählen. Bleiben eigentlich nur noch die Austragungsformen. Es gibt das sogenannten Test-Cricket, eine spezielle, internationale Form, es gibt das First-Class-Cricket, ein Pendent zum Test-Cricket, welches von Profis in Ligen gespielt wird, und es gibt das One-Day-Cricket, welches infolge der Bedürfnisse des Fernsehens in den Sechziger Jahren eingeführt wurde und dessen Spieldauer wesentlich kürzer ist.

 

Polo

 

Soweit Cricket, wenden wir uns noch dem Polo zu. Da muss ich mich etwas berichtigen. Polo ist keine rein britische Angelegenheit. Der Ursprung geht nach Asien. Länder wie Afghanistan, Iran, Pakistan haben 600 vor Christus diesen Sport ins Leben gerufen. Später haben sogar die Römer sich daran erfreut. Britische Kavallerie-Offiziere, die in Indien stationiert waren, haben den Sport im neunzehnten Jahrhundert nach Grossbritannien gebracht und salonfähig gemacht. 

Wie wird Polo gespielt? Ganz einfach, man sitzt auf einem Pferd, hat einen langen Holzschläger und schlägt damit einen Ball dem Gegner ins Tor, was dieser natürlich nach Möglichkeit nicht zulässt. Klingt einfach, braucht aber sehr viel reiterliches Geschick und Treffsicherheit mit dem Schläger. Polo kann mit Fug und Recht als elitär bezeichnet werden, die finanziellen Anforderungen kann nur jene Schicht aufbringen, die auch über die entsprechenden Mittel verfügt. Schliesslich wird es hier in England in den höchsten Kreisen gespielt, Prinz Charles und auch Prinz Harry sind ein Beispiel dafür. Die Nation hat aber weitgehend die breiteste Basis dieser Sportart, es wird vielfach in den Universitäten angeboten und da auch rege benutzt. Damit ist stets für genügend Nachwuchs gesorgt. Wo wird Polo sonst noch gespielt? Argentinien hat eine weitere Verbreitung als Europa, nicht zuletzt als die Leute im Lande gute Reiter sind. In Deutschland wird hauptsächlich im Bereich Hamburg, in Österreich in Klagenfurt und Graz und in der Schweiz in Ascona, Genf und Sankt Moritz gespielt. Die Anzahl ist aber mit wenigen hundert Mitgliedern recht überschaubar. Kleine Ergänzung am Schluss, Polo war von 1900 bis 1936 fünfmal olympische Disziplin, erfolgreichste Nation? Natürlich England.

Horst Tischler   

WERKSTÜCK 36 (2015-05-05)

Royalty Meets Reality

Neues von der Insel

Bernd hat mich in der letzten Mail gefragt, wo ich eigentlich in England gelandet bin, darüber will ich nun in meinem ersten Beitrag berichten.

 

Von der Frühgeschichte bis ins späte Mittelalter

 

Das Örtchen, das in meinem Leben die letzte Station sein wird (klingt etwas morbid, kann aber unter Umständen noch sehr lange dauern) nennt sich Ashurst und liegt am nördlichen Rande des Natur- und Freizeitparks New Forest, einem Naturschutzgebiet, welches sich als Ferienziel stressgeplagter Engländer hervorragend eignet und auch rege genutzt wird. Ich habe darüber schon früher berichtet, darum möchte ich nicht näher darauf eingehen. Unweit von Ashurst, etwa zehn Autominuten in östlicher Richtung wird es dann so richtig urban, da liegt Southampton, eine Stadt, die mit etwa dreihunderttausend Einwohnern, so etwa in der Grösse von vergleichsweise Münster oder Karlsruhe. 

At the heart of the New Forest lies this stunning Ashurst pub - the perfect rural retreat for a quiet pint or a sunday lunch. Set right amongst the greenery, the traditional New Forest serves up an exciting menu, fresh ales and a great view across the forest

Die Geschichte dieser Stadt geht weit zurück, genauer gesagt, bis in die Antike. In der Zeit, als die Römer in der halben Welt ihre Duftmarken gesetzt haben, kamen sie auch nach Britannien, um auch dort den Menschen ihre Kultur aufzuzwingen. So etwa siebzig Jahre nach Christi gründeten sie unter anderem Southampton und gaben dem Städtchen den Namen Clausentum. Später, im Mittelalter hiess der Ort Hamwick, Winchester war zu dieser Zeit die Hauptstadt Englands, bis es dann wenig später zum heutigen Namen kam.  

Die Gegenwart

 

Soviel zur Geschichte.

Was ist aber nun so Bedeutendes an dieser Stadt. Es ist die Lage. Southampton liegt am Atlantischen Ozean (English Channel), na ja, nicht direkt, sagen wir so, der Atlantik streckt einen Finger ins Landesinnere, an dessen Kuppe die Metropole sich ausbreitet. Sie ist schon seit jeher eine der wichtigsten Hafenstädte der Insel. Zumindest war sie das bis hinein in das siebzehnte Jahrhundert. Mit der britischen Expansion nach Amerika und Asien verlor sie zwischenzeitlich ihre Bedeutung als Hafenstadt an Plymouth und Liverpool. Aber da war da noch etwas Anderes, Southampton war in diesem Jahrhundert auch noch das bereits erwähnte Erholungsziel, verlor diesen Nimbus allerdings später an Brighton. Die Ansiedlung etlicher Werften in der Umgebung sorgte für einen erneuten Aufschwung und brachte die etwas verloren gegangene Bedeutsamkeit zurück. Von da an legten unzählige Schiffe ab, kamen herein und mit ihnen Handelsleute oder auch nur Reiselustige. Es war der Hafen von Southampton, von wo aus 1912 ein Riesendampfer namens Titanic die Reise nach Amerika antrat, mit der High Society an Bord und vielen Menschen, die sich im Westen ein besseres Leben erhofften. Wir wissen, der als unsinkbar propagierte Pott kam da nie an.

Mit dem Bau eines Flugplatzes verlor Southampton als Hafenstadt etwas an Bedeutung. Schiffsreisen nahmen ab, man konzentrierte sich künftig auf Kreuzfahrten und den Transport von Handelsgütern, heute ist Southampton nach Felixstowe der wichtigste Containerhafen von England. Beinahe täglich legen Schiffe da ab, beladen mit unzähligen Containern und nehmen Kurs auf die offene See um ihre Fracht in aller Herren Ländern abzuladen. Von Calshot aus kann man fast täglich beobachten, wie die Riesenfrachter Fahrt aufnehmen oder ein vielstöckiges Kreuzfahrtschiff die schmale Rinne entlangfährt, wahrlich, ein imposantes Schauspiel. Inzwischen sind auch Ölkonzerne auf die ideale Lage aufmerksam geworden, BP und Esso bauten in unmittelbarer Nähe Raffinerien, die BP-Raffinerie im nahe gelegenen Fawley ist die grösste in ganz England.

 

Sehenswürdigkeiten

 

Was hat die Stadt sonst noch zu bieten. Natürlich etliche Museen, die die Zeugen der Vergangenheit in sich bergen. Das Sea-City Museum beispielsweise beinhaltet alles Wissenswerte über die Titanic, ein Luftfahrtmuseum präsentiert unter anderem den Spitfire, ein sehr bekanntes Kampfflugzeug, welches im zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam.

 

Schlussendlich bleibt noch zu erwähnen, dass Southampton mit dem Landkreis Rems-Murr im Schwabenland eine städtepartnerschaftliche Beziehung unterhält .

HT/Images: Wikipedia; The New Forest      

WERKSTÜCK 35 (2015-04-22)

We have moved

laptopwerk.de jetzt auch exklusiv aus South West England

Cornwall – ein Paradies im Südwesten Englands

Einmal im Leben stellt sich für jeden Menschen die Frage, was kommt nach jahrelanger Quälerei im Arbeitsleben, was geschieht danach. Für die einen, die Bedauernswerten, eine Leere, die mit so viel Freiheit nichts anzufangen wissen, die in ihrem Beruf aufgegangen sind, die sich nach dem Betrieb zurücksehnen, dem sie einen grossen Teil ihres Lebens zur Verfügung gestellt haben und damit ein Teil davon geworden sind. Andere machen Pläne, leisten sich ein bewegtes, abwechslungsreiches Programm, vorausgesetzt, sie können es sich leisten. Und dann letztlich die, die sich irgendwohin absetzen und fürderhin der Ruhe, Beschaulichkeit und Bequemlichkeit frönen wollen, Spanien, Griechenland etc. waren oder sind immer noch die beliebtesten Stationen. Zu dieser Gruppe gehören Veronica, meine Lebensgefährtin, und ich. Unser Ziel war aber nicht der bisweilen sehr warme Süden, nein, wir haben beschlossen, unser Leben da zu verbringen, wo wir in den letzten Jahren Urlaub gemacht haben und zwar im Südwesten Englands, in einem wunderbaren Naturpark, nicht weit vom atlantischen Ozean gelegen. Nachdem wir die Welt schon vorher bereist haben, das auch dank des internationalen Gewichtheber-Verbandes, lassen wir es jetzt ruhiger angehen und öfter mal alle Fünfe gerade sein. Bis es aber soweit war, gab und gibt es noch einiges zu tun, davon aber der Reihe nach.

 

Die Vorbereitung, die Wohnungsauflösung und der Umzug

 

Das Glück war uns hold, anfangs März entdeckten wir auf einer Webseite einen herzigen Bungalow, ganz nach unserem Geschmack und in unserer Wunschgegend. Noch am selben Abend, Telefoncall zur Agentur, das Häuschen war noch frei und wir am nächsten Tag, Swissair sei Dank, nichts wie hin, um das Objekt zu besichtigen. Was soll ich sagen, wir waren sofort einig, dieses Refugium wird uns fortan beherbergen. Noch in derselben Stunde wurde der Vertrag unterzeichnet, und dann hiess es, wieder zurück nach Zürich und mit den unvermeidlichen Packarbeiten beginnen. Das war dann Stress pur, man kann es kaum glauben, was sich im Lauf der Zeit so alles ansammelt. Ich war nahezu pausenlos unterwegs zur Entsorgungsstation mit Möbeln, die wir nicht mehr mitnehmen wollten und allerlei sonstigem Kram. Es war ja die Gelegenheit, wieder einmal so richtig auszumisten. Und dann war er da, der Tag, an dem unser Exodus in ein neues Leben Tatsache wurde. Mit unserem vollbepackten Auto ging es los in Richtung Norden, quer durch Frankreich, gemütlich und mit Unterbrechungen. Mit Spannung sahen wir der Übersetzung auf die Insel durch den Eurotunnel entgegen, und dann war alles innert kurzer Zeit recht unspektakulär zu Ende. Was soll es, wir waren da und wunderten uns erst einmal über die vielen Geisterfahrer auf den Strassen. Anpassen hiess die Devise, und so steuerten wir eben unser Vehikel auch nach links. Die Weiterfahrt erwies sich als sehr romantisch, entlang der Küste Richtung Süden, begleitet vom viel zitierten britischen Wetter. Uns war es egal, wir näherten uns dem Ziel, und dann standen wir erneut vor unserem Traumhäuschen, welches sich allerdings noch recht leer präsentierte, unser verbliebener Hausrat kam erst etwa sieben Tage später.

 

Jetzt sind wir da

 

Es ist nun einige Zeit vergangen, wir sind dabei, uns einzurichten. Wir brauchen einige Möbel, Telefon, Internet und Fernsehen. Und das Wichtigste, unser Kapital, welches noch in der Schweiz rumlungert. Es ist zwar wie man weiss gut, wenn man sein Geld in der Schweiz hat, wir brauchen es aber hier. Warum ich das erwähne? Es ist gar nicht so einfach, hier ein Konto zu eröffnen, die Auflagen sind sehr streng und der Nachweis der eigenen Identität nicht einfach mit einem Pass bestätigt. Jetzt haben wir alles zusammen und hoffen, die letzten Hürden zu nehmen, um dann in Ruhe den nächsten Jahren entgegen sehen zu können. Die ersten Beiträge für „Laptopwork“ werden nicht lange auf sich warten lassen.

 

Horst, Euer Laptopworker aus England

WERKSTÜCK 34 (2015-01-07)

Alle Jahre wieder

deutsch-österreichisch

Das „fliegende Hotelzimmer“ Kraft und Hayböck

nicht zu schlagen

Wir reden von dem Ereignis, das für die Skispringer neben den Weltmeisterschaften das Highlight schlechthin, aber auch der Auftakt in eine neue Saison ist. Vier Schanzen, vier Orte laden ein, die Besten der Besten über den Bakken gehen zu lassen sowie Ruhm und Ehre (aber auch etwas Einträgliches) einzuheimsen. Der erste Teil geht noch im alten Jahr, der zweite, entscheidende läutet das neue Jahr ein. Die Akteure haben sich im Vorfeld schon in Form gebracht, jetzt gilt es diese auch auf die Schanze zu bringen. Altbewährte wie Bardal, Fannemel, Schlierenzauer, Freund etc. stehen den jungen Wilden gegenüber, die auf eine Wachablösung drängen. So war man schon auf das erste Springen in Oberstdorf gespannt, welches Auskunft geben sollte, wer in diesem Winter den Ton angibt, welche Nation sich ganz vorne etabliert.

Erste Station  -   vom Winde verweht

 

Traditionell eröffnete Oberstdorf die Tournee mit dem Springen auf der Schattenbergschanze. Irgendwie müssen die Oberstdorfer ihren Wettergott heftig erzürnt und es daraufhin unterlassen haben, ihn mit einem Opfer wieder zu besänftigen. Denn er ärgerte die Schanzenakrobaten mit heftigem Schneefall und vor allem mit ständig wechselnden, unkontrollierten Luftbewegungen. Das Qualifikationsspringen wurde zu einer Lotterie, warten, springen, wieder warten und so weiter. Opfer der Turbulenzen war Marinus Kraus, der vom Winde total verweht wurde. Die Jury hatte kurz vor Schluss ein Einsehen, das Springen wurde unterbrochen und schlussendlich auf den anderen Tag verschoben. Bei der ganzen Veranstaltung wurde der Spruch „die Hoffnung stirbt zuletzt“ so richtig ausgekostet, ständig kamen Meldungen über den Äther, dass in Kürze der Wind stark nachlassen würde, da war wohl der Wunsch der Vater des Gedanken. Anstatt abflauende Winde, immer stärkerer Schneefall und anschwellendes Gebläse mit permanentem Richtungswechsel.

Anderntags hatten die Wettermacher ein Einsehen, der Schneefall zwar stärker als am Vortag, die Winde aber im normalen Rahmen, die Qualifikation konnte über die Bühne. Gut und auch gerecht für Marinus Kraus, der nun normale Bedingungen vorfand und sein Potential ausspielen konnte.

Der Wertungsdurchgang setzte dann erste Zeichen, welche Athleten für einen Gesamtsieg in Frage kommen. Gewonnen wurde das Springen von Stefan Kraft aus Österreich vor seinem Landsmann Michael Hayböck und dem Slowenen Peter Prevc. In Österreich scheint eine Wachablösung stattzufinden, die Arrivierten Kofler, Schlierenzauer zurückgebunden, Loitzl nur noch ein Schatten von einst, Martin Koch und Thomas Morgenstern zurückgetreten. Augenfällig Thomas Diethard, letztes Jahr als Gesamtsieger gefeiert, hüpft zur Zeit ein wenig mit, versinkt aber mehr und mehr in der Anonymität, obwohl er nach wie vor zuversichtlich ist. Mag sein, dass sein Leistungsvermögen irgendwann wieder kommt, momentan sieht es nicht so aus.

Schwanengesang beim deutschen Reporter über die deutsche Staffel. Richard Freitag, vor kurzem noch Sieger in Engelberg und Severin Freund, der Garant für Bestleistungen, beide kamen auf der Schanze nicht zurecht. Sie aber gleich total abzuschreiben, fand ich etwas zu früh. Überhaupt, die Berichterstattung des Sprechers war ein einziges Lamento, von Anfang bis zum Ende, eigentlich unverständlich, der Event hat ja erst begonnen.

 

Mein Tipp nach dem ersten Springen: eindeutig Peter Prevc, er hinterliess den stärksten Eindruck.

Zweite Station   -   Garmisch-Partenkirchen

 

Kaiserwetter in Garmisch. Sonnenschein und normale Windbedingungen hoben die Stimmung bei den Verantwortlichen und versprachen einen reibungslosen sowie vor allem fairen Ablauf des Wettkampfes. Für Severin Freund und Co. war die Devise klar, Wiedergutmachung des etwas verkorksten Wettbewerbes in Oberstdorf. Um es vorwegzunehmen, es gelang teilweise, Richard Freitag als Neunter und Severin Freund als Zehnter immerhin wieder in den Top Ten, die beiden liessen vor allem im zweiten Durchgang ihre Klasse aufblitzen. Der Rest sucht noch nach seiner Form, aber die Saison ist ja noch lang. Held von Garmisch war eindeutig Anders Jacobson, der Norweger, der bis dato noch keine bemerkenswerten Ergebnisse aufzuweisen hatte, wartete mit Supersprüngen auf - dies sowohl in den Probesprüngen, in der Qualifikation und in den Trainingssprüngen. Er war dann auch der logische Sieger, die Schanze in Garmisch scheint dem sympathischen Nordländer besonders zu liegen. Die beiden, in der Gesamtwertung führenden Österreicher Stefan Kraft und Michael Hayböck wurden bei diesen herrlichen Bedingungen leicht zurückgebunden, Peter Prevc schob sich dazwischen und lag nun knapp hinter dem Salzburger. Ein Erfolgserlebnis auch für den Schweizer Simon Amman, der seine Ambitionen auf einen Tourneesieg mit dem Sturz in Oberstdorf bereits begraben musste, er wurde Zweiter.  

Dritte Station   -   Bergisel Innsbruck

 

Da kam Freude auf. Richard Freitag setzte sich gekonnt in Szene und strafte allen Lügen, die ihm eine untergeordnete Rolle in dieser Tournee verheissen haben. Er stand auf dem Podest und zwar an höchster Stelle. Dazu Severin Freund an achter Position, der Kommentator, der in Oberstdorf die deutschen Skispringer in globo beerdigt hatte, musste spätestens jetzt seine Meinung revidieren, auch wenn es für den Gesamtsieg vermutlich nicht mehr reichen würde. Strahlende Helden am Bergisel die beiden Springer, die diese Saison von bemerkenswerter Konstanz sind: Stefan Kraft und Michael Hayböck. Im ersten Durchgang flog Kraft unwiderstehlich allen davon und setzte bei 137 Metern auf. Der alte Schanzenrekord von Sven Hannawald war damit Geschichte. Pech für Kraft, er musste eine Sicherheitslandung einlegen, was ihm natürlich wertvolle Punkte gekostet hat. Im zweiten Durchgang war es dann Michael Hayböck, der mit einem Sprung auf 138 Meter noch einen draufsetzte, leider griff er kurz mit einer Hand in den Schnee, das gab natürlich Punkteabzug. Im Endergebnis war die Reihenfolge: 1. Richard Freitag, 2. Stefan Kraft und auf dem dritten Platz der Schweizer Simon Amman und Nuriaki Kasai, die Urgewalt aus Japan. Mein Geheimfavorit Peter Prevc liess im ersten Durchgang wertvolle Punkte im Schnee liegen, nun musste er auf eine Schwäche von Stefan Kraft hoffen, um das Steuer noch herum reissen zu können.

4. und letzte Station   -   Bischofshofen

 

Der letzte Wettbewerb der deutsch- österreichischen Vierschanzentournee geht traditionsgemäss in Bischofshofen zu Ende, einem kleinen aber bahntechnisch sehr bedeutenden Ort im Salzburger Land. Bevor aber die Helden um Punkte und dem Turniersieg kämpfen, muss wie schon in den vorangegangenen Bewerben eine Qualifikation gesprungen werden, die aussagt, wer dabei sein darf und auch eine Standortbestimmung abgibt, wer, wenn es ernst wird, triumphieren wird.

Wetter in Ordnung, Wind, schwach bis eingeschlafen, faire Bedingungen für alle Springer. Aus deutscher Sicht, Severin Freund und Richard Freitag, der mit einem weiteren Sieg sogar noch das Treppchen erklimmen könnte, zeigten sich stark und schöpften ihr Potential aus. Als zwei Drittel des Springens vorbei waren, liess der Coach der Norweger für seinen Schützling die Luke um eine Position verringern. Und er tat gut daran, denn Jacobson segelte auf 139 Meter hinunter. Der Sprung wiederum rief die Jury auf den Plan, die noch eine weitere Luke runterfahren liessen. Man dachte wohl an die beiden Österreicher Kraft und Hayböck, die zur Zeit durchaus in der Lage sind, noch weiter zu springen, und das wäre in jedem Fall nicht mehr zu verantworten. Und sie bekamen recht.  Zuerst kamen Kasai und der auferstandene Anders Bardal verdächtig nahe an Jacobson ran und zuletzt das „fliegende Hotelzimmer“ Kraft und Hayböck. Ersterer flog auf 137, letzterer auf 138 Meter. Das ergab natürlich den Doppelsieg der Alpenrepublik, und wieder war es Hayböck, der seinem Kameraden die Siegprämie wegschnappte. Ich denke aber, sie werden brüderlich teilen. Meinen Favoriten Peter Prevc konnte ich vermutlich abschreiben, er tat sich auf dieser Schanze recht schwer und landete im Mittelfeld.

Man muss kein Prophet sein um festzustellen, der Tourneesieg wird Stefan Kraft kaum mehr zu nehmen sein, zu gross ist sein Vorsprung und so wie er in Form ist…

 

Und dann wurde es ernst. Die äusseren Bedingungen wieder bestens, Windverhältnisse optimal, einem fairen Wettkampf stand nichts mehr im Wege. Im ersten Durchgang gaben sich die Favoriten keine Blösse, Severin Freund und Richard Freitag in Tuchfühlung. Ein Mann wird sich vermutlich langsam aus der Szene verabschieden; Andreas Kofler, sein Zenit ist überschritten, auch wenn er es selbst noch nicht wahrhaben will. Vorne in der Halbzeit: Michael Hayböck, der erstaunliche Nouriaki Kasai und der Führende in der Gesamtwertung Stefan Kraft. Peter Prevc, der Mann, den ich als Tourneesieger gesehen hatte, knapp dahinter in Lauerstellung. Für den Gesamtsieg allerdings chancenlos. Es ging in die Schlussrunde. Die Top-Ten leitete Simon Amman ein und schloss mit einem fürchterlichen Sturz ab. Laut letzten Berichten soll er aber ausser einigen schmerzhaften Blessuren noch einmal glimpflich davongekommen sein. Richard Freitag und Severin Freund hielten einigermassen ihre Positionen aus dem ersten Durchgang, Freitag mit sehr guten 133 Metern. Anders Jacobson legte dann als erster der Spitzengruppe einen Sprung auf 136 Meter, eine erste Marke, die zu überbieten nicht leicht sein würde. Diese Weite hatte vor ihm Simon Ammann, bevor er dann stürzte. Peter Prevc flog auf 134,5 Meter und dann ging es um den Tourneesieg. Nouriaki Kasai segelte in bestechender Manier auf 137 Meter und stand den Sprung, landete auch mit dem so wichtigen Telemark. Danach Stefan Kraft, der Sprung etwas kürzer, aber den Gesamtsieg ins Trockene gebracht. Den Schlusspunkt setzte Michael Hayböck, obwohl er einen halben Meter weniger als Kasai sprang, war ihm der Tagessieg nicht mehr zu nehmen. Für ihn ein besonderer Triumph, es war sein erster Weltcupsieg und gleichzeitig der zweite Rang in der Gesamtwertung. 

Rettungskräfte aus Bischofshofen bringen den vierfachen Olympiasieger Simon Ammann ins Krankenhaus

Image: dpa

Ein totaler Triumph der Ösis, den man vor der Tournee so nicht erwarten konnte. Für die deutschen Springer war Oberstdorf das Waterloo, doch Freund und Co. hatten sich zurückgemeldet. Die Nation verfügt über ein starkes Potential an ausgezeichneten Springern, von denen noch viel Gutes zu hören sein wird. Der Pechvogel der Tournee war eindeutig Simon Ammann, der seine Ambitionen auch schon in Oberstdorf begraben musste, auch da war er ähnlich wie in Bischofshofen gestürzt. Damals allerdings ohne gravierende Folgen. Schade für ihn, er ist, sieht man von seiner Landung ab, stilistisch und weitenmässig einer der besten Springer der Welt.  

 

Horst Tischler

WERKSTÜCK 33 (2014-11-19)

Rio ruft:

Weltmeisterschaften im Gewichtheben in Almaty/Kasachstan

Der Trend geht eindeutig nach Osten – Europa unter ferner liefen

Der Gastgeber

 

Kasachstan, neuntgrösstes Land der Erde, aber mit dünner Besiedlung, lud zu den diesjährigen Weltmeisterschaften der Gewichtheber ein. Nicht in Astana, der Hauptstadt, sondern in Almaty, dem früheren geschichtsträchtigen Alma-Ata, der größten Stadt im Lande nahmen die weltweit stärksten Frauen und Männer den Kampf untereinander und gegen die Schwerkraft auf. Alles was Rang und Namen hatte, fand sich ein und das aus gutem Grunde. Nicht nur, dass ein Erfolg Ruhm und Ehre einbrachten und darüber hinaus ein stattliches Sümmchen ins Portefeuille spülte, nein, es ging bereits um wertvolle Punkte für die olympischen Spiele in zwei Jahren in Rio, um möglichst viele Athletinnen und Athleten dort teilnehmen zu lassen. So konnte man interessante Auseinandersetzungen erwarten, möglicherweise da und dort neue Weltrekorde, auch wenn diese in den letzten Jahren eher seltener geworden sind. Woran das wohl liegen mag?

Der Eindruck über die ganzen Bewerbe gesehen

 

Wie sich schon in den letzten Jahren, gemessen an der Leistungsstärke, abgezeichnet hat, ist der Trend nach Osten, sprich Asien, zumindest bei den leichteren Gewichtsklassen, noch deutlich sichtbarer geworden. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen waren die ersten Plätze durchwegs von den Leuten aus China, Vietnam, Thailand und Nordkorea in Anspruch genommen. Europa hat dieser Bewegung schon lange kaum mehr etwas entgegen zu setzen. Und kann es schon als Erfolg verbuchen, wenn vereinzelt jemand in die Top-Ten reinrutscht. Länder wie Ungarn, Bulgarien oder die Türkei, die früher Weltmeister oder zumindest Medaillengewinner fast vom Band produzierten, sind mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden. Ein plausibler Grund sind vermutlich die Dopingfälle in diesen Regionen, die die Geldgeber ordentlich vergrault haben. Und ohne Moos nichts los. Der Westen Europas kann nur mit einzelnen Stars glänzen wie beispielsweise einer Lidia Valentin oder Genny Pagliardo. Die skandinavischen Riesen sind zu Gnomen mutiert, bleibt noch Deutschland, wo Gewichtheben noch eine gesunde Breite aufweist. Zahlenmäßig durchaus befriedigend, erwachsen aus dieser Fülle keine echten Cracks. Die Leute, mit denen man anreist, sind in der Entwicklung stehengeblieben oder befinden sich auf einem absteigenden Ast. Eine Julia Rhode, die ihre Karriere bereits beendet hatte, kommt als Julia Schwarzbach zurück, nicht zurück aber die Leistung von früher, im Endergebnis wurde sie Fünfzehnte. Dann waren da noch Sabine Kusterer, Yvonne Kranz, Nina Schroth und Tabel Tabea, letztere stieg schon beim Reißen aus, kein gültiges Resultat, keine Punkte. Sagen wir so, hier zählen der olympische Gedanke und die Punkte, die sie beisteuerten. Auch von den Männern ist, Ausnahme Almir Velagic, nicht viel Löbliches zu berichten, es ist zu vermuten, dass einige ihren Zenit bereits überschritten haben. Jürgen Spiess plagt immer wieder der Verletzungsteufel, Jakob Neufeld stagniert, Max Lang könnte hier künftig in die Bresche springen. Tom Schwarzbach und Robby Behm zeigten das, was erwartet wurde. Am Ende war da noch Almir Velagic, der einzige deutsche Heber der in der A-Gruppe untergekommen war und dort seine Sache mehr als nur gut gemacht hat. Ein siebenter Rang im Zweikampf und nur fünfzehn Kilo vom Bronzerang entfernt. Trotzdem, ein Heber, der in absehbarer Zeit in Richtung Mathias Steiner, Marc Huster, Ingo Steinhöfel oder Ronny Weller geht, ist zur Zeit nicht in Sicht. Hört sich etwas düster an, muss es aber nicht sein. Solange  Gewichtheben in Deutschland noch so seriös betrieben wird, besteht Hoffnung. Noch ein Blick über die Grenzen zu den Nachbarn, beispielsweise zur Alpenrepublik Österreich, die ja in grauer Vorzeit auch noch gute Heber hatten. Um dieses Land, wie übrigens auch um die Eidgenossen, ist es sehr ruhig geworden und was starke Männer und Frauen betrifft, auch sehr schlecht bestellt. Ich war schon versucht festzustellen, dass kein Austria-Heber dabei sein wird, da taucht im Ranking das rot-weiß-rote Emblem auf. Also ist doch noch einer dabei, und der schlägt sich vor allem im Reißen ganz ordentlich. Dann sehe ich seinen Namen, er heißt Martirosyan Sargis, ein urtypischer österreichischer Name, gell?  

Was gibt es von Afrika oder Übersee zu berichten. Afrika ist wieder zurückgekrebst, einige Akteure haben Unterschlupf vor allem in Frankreich gefunden. Das leidige Übel, der Griff nach verbotenen Substanzen und dessen Aufdeckung hat die Aktivitäten wieder stark zurückgeschraubt. Die Südamerikaner bleiben dran, haben sich weiter verbessert, Nordamerika, Australien und Ozeanien bleiben blass. 

 

Vom Geschehen

 

Nun  aber noch zu den Wettkämpfen und damit Frauen zuerst. Die leichteren Kategorien, da haben die Mädchen an Körpergewicht gerade mal zwischen 46 und 58 kg und da muss der Veranstalter sehr darauf achten, dass alle Türen geschlossen sind, ansonsten droht diesen Geschöpfen, weggeweht zu werden. Aber sie sind stark, stark und technisch absolute Augenweiden. Die Medaillen dieser Gewichtsklassen waren fest in asiatischer Hand, Chinesinnen, Thailänderinnen, Vietnamesinnen, Indonesierinnen, aber auch Heberinnen aus dem Veranstalterland teilen diese in der Regel unter sich auf. Umso erstaunlicher, dass da plötzlich eine Türkin den Leuten aus dem Land des Lächelns kräftig in die Suppe gespuckt hat. Das Mädchen vom Bosporus holte sich schlussendlich in der Klasse bis 48 kg Zweikampfsilber. Gold für das Gastgeberland in der Kategorie bis 53 kg, Chinshanlo Zulfia holte das Edelmetall in bestechender Manier und liess der Konkurrenz keine Chance. Die Klasse bis 63 kg sah erstmals einen spannenden Zweikampf um den Titel, der am Ende nur durch das leichtere Körpergewicht entschieden wurde. Die Chinesin Deng Wei war die Glückliche, da lohnt es sich schon einmal, etwas abzuspecken. Ab der Kategorie bis 63 kg wechselte das Bild, die Nordkoreanerinnen setzten sich in Szene, unwiderstehlich und perfekt in der Ausführung ihrer Hebungen. Es ist nicht übertrieben, wenn man behauptet, sie waren technisch die besten Athletinnen dieser Veranstaltung. Erfreulich aus europäischer Sicht der fünfte Rang der Spanierin Lidia Valentin, der Abstand zu einer Medaille aber doch deutlich. Ein wahres Feuerwerk zündete in der freien Klasse der Frauen, also die über 75 kg Körpergewicht, die Russin Tatiana Kashirina, die die Bühne als Alleinunterhalterin für sich Anspruch nahm. Mit sage und schreibe fünf Weltrekorden zeigte sie ihren Mitkonkurrentinnen die Meisterin, sie gewann mit einem Vorsprung von 28 kg im Zweikampf.

Die russische Gewichtheberin Tatiana Kashirina dominierte  die Weltmeisterschaften von Almaty - 348 kg (155 kg Reißen/193 Stoßen) und eine um 14 kg höhere eigene Bestmarke

Image: getty 

Bei den Männern in etwa das gleiche Bild, die leichten Klassen wurden von den Asiaten dominiert, ganz deutlich zu sehen im Ranking der Kategorie bis 56 kg. Da holten sie sich die ersten neun Plätze. Erst in den höheren Gewichtsklassen brachten sich so nach und nach auch die Europäer ein, in der Klasse bis 77 kg schaffte es der Albaner Daniel Godelli, dem Chinesen Zhong Guosun den Titel wegzuschnappen. Meines Wissens gab es erst einmal einen Albaner, der dieses Kunststück zustande brachte, der hieß Dymas Pyrros, allerdings startete der seinerzeit für Griechenland. Viel Freude bereiteten dem Gastgeber dann in der Klasse bis 94 kg die beiden Kasachen Kydyrbayev und Sedov, sie holten sich Gold und Silber. Schon in der nächst höheren Klasse sorgten drei Heber für Spannung pur. Ilyin Ilya, der Lokalmatador, der Usbeke Nurudinov und der Russe Bedzhanyan lieferten sich einen packenden Dreikampf um die Krone, welcher sich erst im Stoßen entschied. Und da zündeten sie ein Feuerwerk. Erster Heber im dritten Versuch, Urudinov, seine Last: 239 kg, Weltrekord, geschafft. Nächster Heber, Bedzhanyan, seine Last: 240 kg, Weltrekord, geschafft. Letzter Heber, Ilyin, seine Last: 242 kg, Weltrekord, geschafft und damit auch den Weltmeistertitel. Ebenso spannend auch der Auftritt der Superschweren. Da waren die ersten drei Plätze schon vorprogrammiert, es ging nur noch um die Reihenfolge. Der Iraner Salimikordasiabi, wir nennen in nur Salimi, ist kürzer und damit schneller ausgesprochen, die beiden Russen Lovchev und Albegov waren die Favoriten. Doch wieder einmal kam es anders, Lovchev leistete sich im Reißen einen Totalversager und war damit draußen. Aus dem Dreikampf wurde ein Zweikampf, den der Russe Albegov am Ende für sich entschied, den Grundstein dazu hatte er schon im Reißen gelegt. Ein mehr als würdiger Abschluss einer denkwürdigen Weltmeisterschaft.

 

Schlusswort           

 

Rio warf seinen Schatten voraus, es ging wie eingangs erwähnt um wertvolle Punkte.  Versteht sich, dass alle Länder so viele ihrer Athleten wie möglich ins Rennen schickten.  Nächstes Jahr werden es erfahrungsgemäß noch mehr sein. Ein Wort noch zur Organisation, den Teilnehmern wurden optimale Trainings- und Wettkampfbedingungen geboten, ob sie gut untergebracht und verpflegt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.  Ich war leider nicht vor Ort, habe alles nur vom Sofa aus gesehen.

Horst Tischler  

WERKSTÜCK 32 (2014-10-28)

Deutschlands starke Frauen und Männer

Eisern Meisterliches von den Muskelpaketen der Nation

Vor drei Tagen war es wieder soweit, die Kraftprotze der Nation, feminin und maskulin, kamen zur grossen Show in die Neckarhalle nach Obrigheim, nachdem der dortige Gewichtheber-Club mit der Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft betraut wurde und diese Aufgabe mit Bravour löste. Warum ich darüber berichte? Es ist so, wann immer die Entfernung es zulässt, reise ich mit meiner Lebensgefährtin an, das ist bei uns eine liebe Tradition geworden. Diesmal lag der Austragungsort beinahe vor unserer Haustür. Leider war der Verkehrsfluss um Stuttgart herum und auch danach derart ins Stocken geraten, was zur Folge hatte, dass wir mit erheblicher Verspätung eintrafen und damit die Damenbewerbe leider vollständig verpassten. Soweit die Vorgeschichte, jetzt aber zu den Akteuren, den eigentlichen Heldinnen und Helden der Veranstaltung.

 

Das weibliche Geschlecht

 

In den leichteren Gruppen stechen zwei Heberinnen hervor, Sandra Martin vom Chemnitzer AC und Julia Schwarzbach aus Görlitz. Beide im Wettkampf ohne Konkurrenz, dahinter eine gute Mitte ohne zu glänzen, technisch aber mit dem Prädikat gut bis ausgezeichnet. 

Sandra Martin aus Görlitz

So schön kann Gewichtheben sein: Julia Schwarzbach

Seit 27. Februar 2014 verheiratet – die beiden Gewichtheber Sandra und Tom Schwarzbach

Images: dpa, K. Schmidt

In der mittleren Gruppe mit der Meisterehre gekürt: Schweizerinnen  Lisa Marie und Sabine Kusterer, jeweils mit einem Vorsprung von gut 20 Kilo. Spannend aber dann die Kämpfe um die restlichen Medaillen. Auch hier eine gute Breite an Athletinnen, von denen zu hoffen ist, dass die eine oder andere den Weg nach oben findet.

 

Bei den schwereren Damen vermisste man Kathleen Schöppe und Mandy Wedow, die beide wohl aufgehört haben. In der Kategorie bis 75 kg gab es den einzigen spannenden Zweikampf um den Titel, den Yvonne Kranz schliesslich dank ihrer Überlegenheit im Stossen um einen Kilogramm für sich entscheiden konnte.

 

Fazit

 

Alles in allem, leistungsmässig eine gute Mittelschicht, nach oben eher dünn gesät, international einsetzbar Julia Schwarzbach, Yvonne Kranz und Nina Schroth, eventuell noch Sabine Kusterer, der Rest müsste sich noch ordentlich anstrengen.  

 

Die Jahre nach Steiner

 

Sesselrücken im BVDG. Präsident Klaus Umbach wurde durch Christan Baumgartner ersetzt, auch Jürgen Lippmann hat sich zurückgezogen. Mathias Steiner warf nicht unerwartet das Handtuch, gleich darauf Frank Mantek, der Erfolgstrainer. In diese Lücke sprang Oliver Caruso der fürderhin für starke Athleten besorgt sein wird. Ein schweres Amt aber auf den ersten Blick. Er scheint in die Position aber gut hineingewachsen zu sein.

 

Wer aber ersetzt Steiner?

 

Spontan fällt einem da Almir Velagic ein. Jedenfalls hat er am Samstag eindrücklich gezeigt, wozu er fähig ist. Mit 423 kg im Zweikampf zeigte er internationale Klasse, ist europaweit ganz vorne einzugliedern. Den Titel als Deutscher Meister holte er mit fast 100 kg Vorsprung, allerdings fiel Alexej Prochorow aus, er hätte den Abstand etwas geringer gehalten.

 

Dann hätten wir da noch eine Klasse tiefer Jürgen Spiess und Robby Behm.  Die lieferten sich einen spannenden Zweikampf, den Spiess schliesslich für sich entschied. Wenn Jürgen seine Stossleistungen verbessern kann, liegt auch er international ganz weit vorne.

Wieder eine Klasse tiefer duellierten sich Tom Schwarzbach und Robert Oswald. Die beiden sind in dieser Gewichtsklasse das Mass aller Dinge, dahinter etwas abgeschlagen einige Heber, die leistungsmässig sehr nahe zusammengerückt sind. International ansprechend waren noch die beiden Mittelgewichtler Jakob Neufeld und Max Lang. Um die Krone hatte Lang knapp die Nase vorn. Diese Zwei werden, zusammen mit Velagic, Spiess und Behm vermutlich auch in Kasachstan bei den Weltmeisterschaften in knapp zwei Wochen dabei sein, ob Schwarzbach oder Oswald auch nominiert werden, der Trainer wird es wissen.

 

Schlussfolgerung

 

Nun, was sagen uns diese Meisterschaften, die jetzt auch wieder der Vergangenheit angehören über das ganze gesehen. Caruso als Trainer für das Nationalteam hat zumindest das Niveau gehalten, muss aber auf Altbewährtes zurückgreifen. Neue drängen sich nicht auf (zumindest jetzt noch nicht, vielleicht müsste er sich in Österreich umsehen). Die Breite ist da, es gibt eine Reihe guter, technisch bestens versierte Athleten denen es einfach gelingen muss, noch etliche Kilos draufzupacken. Die Spitze ist dünn, keine neuen Namen, Spiess, Velagic, Neufeld sind schon länger dabei, wie lange können die das Niveau noch aufrecht erhalten, Jene, die diese Lücken schliessen sollen, sind noch nicht in Sicht. Aber es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn aus dieser Fülle von Hantelakrobaten, die sich im Mittelfeld tummeln, nicht der eine oder andere den Weg nach oben findet.

Horst Tischler  

WERKSTÜCK 31 (2014-09-04)

IAAF Diamond League:

Leichtathletik-Weltklasse vor einer Woche in Zürich

Starallüren und Bauernfängerei

Usain Bolt als Marketing-Trick?

Der Lockvogel des Events

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Es ist jetzt gut eine Woche her, da gab es in Zürich das Leichtathletikfest schlechthin. Ein Fest, bei dem sich die Weltelite die Ehre gibt, um beim Ausklang der Saison noch einmal zu zeigen, was man so drauf hat. Dass man dabei noch einmal kräftig absahnt, scheint nebensächlich. In Tat und Wahrheit ist es das tägliche Brot der Gladiatoren, die sich damit den Lebensunterhalt mehr als vergolden, sofern man zu den Top Ten gehört.

Ich habe vor Jahren schon darüber berichtet. Trotzdem möchte ich mich noch kurz zum Geschehen auf der Laufbahn und auf dem Rasen äußern.

Schon kaum mehr erwähnenswert ist die Dominanz der afrikanischen Läufer ab der Distanz von achthundert Metern aufwärts. Nur vereinzelt gelingt es da einem Läufer mit weisser Haut, vorne mitzumischen. Kennt man schon seit Jahrzehnten, wie gesagt, nicht erwähnenswert. Anders bei den Sprintstrecken, da thront die Karibik, vornehmlich Jamaika oder die US-Amerikaner. Bei den Technikern ist das Feld wesentlich ausgeglichener.  Sämtliche Kontinente verfügen über Topathleten, was der Konkurrenz mehr Spannung verleiht. Interessant diesmal der Vergleich Europa zum Rest der Welt, nachdem kurz vorher die Europameisterschaft, auch in Zürich, stattgefunden hat.

 

Erstes Fazit

 

Bei den Läufen lief Europa erwartungsgemäss hinterher, allerdings, die Abstände waren nicht allzu groß. Die Europameister schlugen sich beachtlich, so der Schweizer Kariem Hussein, der 400- Meter-Hürdenläufer, der immerhin mit neuer persönlicher Bestleistung Vierter wurde. Der Franzose Lemaitre, der sich nicht weiterentwickeln konnte, hielt trotzdem ansprechend mit. Nicht zu vergessen die Holländerin Schippers, die mit Weltklassezeit an der Weltspitze dran war. Die Luft raus war bei einigen Technikern wie beispielsweise den Finnen Pitkämäki und Ruuskanen, die von einem allerdings überragenden Thomas Röhler auf die Plätze verwiesen wurden. Schade, seine Leistung hätte ihm bei der Europameisterschaft die Silbermedaille eingebracht. Soviel zum Geschehen vor einer Woche von Top-Athleten, die ihre Show vor ausverkauftem Hause darbieten konnten.  

 

Der Unvergleichliche

 

Für ein volles Haus, dafür hat der Veranstalter einen starken Trumpf in der Hand. Er, der Erhabene, Unbezwingbare, der Inhaber der Fabelrekorde über 100 und 200 Meter Usain Bolt konnte verpflichtet werden. Schon Wochen vorher prangte sein Konterfei in den Hallen des Zürcher Hauptbahnhofes, in jedem großen Einkaufszentrum, in jeder stark frequentierten Strasse inklusive in einer der teuersten Meilen der Welt, die Züricher Bahnhofstrasse. Die Freude war groß, der Lockstoff muss es auch gewesen sein, damit seiner Majestät genehm ist, die Wadeln im Rund des Letzigrundes schwingen zu lassen. Und der Meister kam, schon zur Europameisterschaft, nahm erst einmal das übliche Bad in der Menge. Er ließ sich gebührend huldigen, um dann überraschenderweise eine Woche später so ganz nebenbei zu erwähnen, seine Saison per sofort zu beenden. Fassungslosigkeit bei denen, die sich eine sündhaft teure Karte erstanden hatten, nur um den Jamaikaner zu sehen. Der, wie man hoffte, noch einmal eine Bombenzeit auf die Bahn legen würde. Man war ratlos, eine plausible Erklärung blieb er schuldig. Da kommt man natürlich ins Grübeln, was sollte diese Scharade. Erste Vermutung, Bolt im Sinne einer launischen Diva hatte von vornherein keine Lust, am Rennen teilzunehmen, verzichtete auf die nicht gerade bescheidene Stargage. Er hatte immerhin einige Tage frei Kost und Logis und den Rummel um seine Person, den er so liebt. Möglich wäre auch, dass er fürchten musste, geschlagen zu werden. Was im Nachhinein als absurd abgetan werden kann, wenn man die Zeit des Siegers kennt. Wie aber, wenn alles völlig anders abgelaufen ist.

 

Bauernfängerei

 

Nehmen wir an, der Veranstalter ist sich nicht mehr sicher, für den Event das Stadion zu füllen, die verdammt hohen Preise bei der Europameisterschaft hatten schon mächtige Löcher in die Geldbeutel der Zuschauer gerissen. Jetzt sich noch einmal finanziell dermassen zu belasten, für nur eine Abendveranstaltung wird einigen nicht mehr gefallen und dagegen muss etwas getan werden. Also, so der Veranstalter, muss das Zugpferd her, der Mann, der schon in den vergangenen Jahren für ein volles Haus gesorgt hat. Man macht ihm ein lukratives Angebot ohne Startverpflichtung, einfach als Köder. Danach findet man eine Erklärung für seine Abwesenheit, die einigermassen plausibel klingt und seine Hoheit fliegt wieder nach Hause. Lange Gesichter bei den Zuschauern und ein schaler Beigeschmack. Nun, welche Geschichte kann zutreffen, wahrscheinlich sind sie alle, zumal bis jetzt eine gute Begründung immer noch fehlt.

 

Der Alltag hat die Metropole an der Limmat wieder. Bald werden auch die letzten kritischen Stimmen verstummen. Der berechtigte Ärger wird verschwinden, ändern lässt sich ohnehin nichts mehr.

   Horst Tischler         

WERKSTÜCK 30 (2014-08-19)

Europameisterschaft der Leichtathleten

Schneller,  höher,  weiter - die Vorgeschichte

Zürich, die grösste, aber auch teuerste Metropole der Eidgenossenschaft ist unter den Leichtathleten vor allem durch „Weltklasse Zürich“, ein Anlass der Diamond-League-Serie bekannt, wo sich die Creme-de-la-Creme der Läufer, Springer, Werfer zum letzten Mal im Jahr noch einmal messen, um durch herausragende Leistungen, sprich mögliche Weltrekorde, sich so richtig aufzuwerten und damit ordentlich abzusahnen. Dieser Anlass ist sehr beliebt, das Haus immer restlos ausverkauft. Das macht Lust auf mehr und so dachten vor ungefähr drei Jahren einige Herren, da geht doch noch was und beschlossen, zumindest Europas Elite einzuladen, sich in einer Meisterschaft zu messen. Gesagt getan, möglicher Zeitpunkt, August 2014. Der Zuschlag vom Europaverband kam postwendend (was nicht verwunderte, die Schweiz war einziger Kandidat), der Jubel gross. Innert kurzer Zeit stand auch die Finanzierung und da muss ich kurz etwas anfügen. Die Schweiz gilt allgemein als sehr reiches Land und da sollte jeder Anlass finanzierbar sein. Weit gefehlt. Richtig ist, die Schweiz ist noch reicher aber dieser Reichtum verteilt sich auf eine Minderheit und Sportverbände gehören nicht dazu, ausser es handelt sich um Tennis, Fussball, Radsport, die Reiterei, Golf oder Eishockey, die elitären und werbewirksamen Sportarten eben. Alle anderen sind auf wohlwollende Sponsoren angewiesen und die werden infolge der Wirtschaftskrise immer seltener und zurückhaltender. Die Leichtathleten schrumpeln schon länger am Existenzminimum dahin, es ist eigentlich wie dazumal beim Hauptmann von Köpenick, ohne Pass keine Arbeit, ohne Arbeit kein Pass, umgemünzt, ohne Geld keine erfolgreichen Sportler, ohne erfolgreiche Sportler kein Geld. Nun, der Event stand, das Geld vorhanden, jetzt musste nur noch der Zeitpunkt da sein und das ist jetzt der Fall, im Letzigrund wird gelaufen, geworfen und gesprungen, aber der Reihe nach.

 

Die Wettkämpfe: Tag 1

 

Naturgemäss beginnen die grossen Events mit den Helden der Leichtathletik, den Zehnkämpfern. Das Wetter prächtig, die Temperaturen vorsommerlich, beste Bedingungen für alle, inklusive Publikum, welches erstaunlicherweise schon zahlreich aufmarschiert. Sie sehen den Kurzauftritt von Kugelstösser Storl, der nur einen Versuch benötigt, um qualifiziert zu sein, ebenso sein vermeintlicher Widersacher Majewski aus Polen. Pflicht erfüllt, zusammenpacken. Inzwischen schlagen sich die deutschen Zehnkämpfer ausserordentlich gut, Kai Kazmirek führt nach Tag 1, Abele ist Dritter. Hängende Köpfe bei den Eidgenossen, die als Medaillenkandidatin gehandelte Stabhochspringerin Nicole Büchler scheitert kläglich, dasselbe widerfährt den besten Sprinter über 100 Meter im Lande, Amaru Schenkel, er wird mit bescheidenen 10.44 Sekunden nur Sechster. Dafür geht ein anderer Stern auf, Mujinga Kambundji gewinnt ihren Vorlauf, läuft Schweizer Rekord, das Publikum euphorisch. In weiteren Vorläufen fällt vor allem die Holländerin Dafne Schippers auf, sie beherrscht ihre Gegnerinnen, Myriam Soumare ist zwar die Vorlaufschnellste, in der Niederländerin wird sie im Finale eine ernst zu nehmende Gegnerin haben. Was ist aus deutscher Sicht zu melden, Nadine Hildebrand Vorlaufsiegerin über 100 Meter Hürden mit sehr guter Zeit. Ansonsten alles im normalen Bereich. Auffallend an diesem Tag, ein Europameister der alles andere als zufrieden dreinschaut, gemeint ist David Storl der schon mit dem ersten Versuch den Titel zementiert, der Rest zum Vergessen. Einziger Trost, auch dem Polen Majewsky wollte kein anständiger Versuch aus der Hand gleiten. Bei den Frauen sicherte sich die schon etwas in die Jahre gekommene Britin Jo Pavay die Goldmedaille.

 

Tag 2

 

Der  Zehnkampf geht in die entscheidende Phase, Deutschland schwächelt. Neu an die Spitze geht der Weissrusse Andrej Krautschanka, Kazmirek und Abele fallen auf die Plätze 5 Und 6 zurück. Am Vortag noch angenehmes sonniges Wetter, hat der Himmel heute die Schleusen weit aufgemacht, was vor allem den Technikern zu schaffen macht. Dazu kommen empfindlich kühle Temperaturen, Zürich zeigt sich von der nassen Seite. Was ist sonst noch, der schnellste Mann Europas kommt aus Grossbritannien, James Dasaolu heisst er, Lemaitre nicht in Form. Danach der erste Auftritt von Mo Farah über 10‘000 Meter, der Brite, der eigentlich aus Somalia stammt nicht zu schlagen, obwohl, der zweitplatzierte Türke Ali Kaya war ihm bis am Schluss dicht auf den Fersen. Robert Harting, wer sonst? Er macht das Ding, nur das Zerreissen seines Leibchens gelang nicht, machen sich da schon erste Anzeichen von Altersschwäche bemerkbar? Schon am Vormittag nehmen die Schrittsportler ihre 20 Kilometer unter die Füsse, bei heftigen Regen und über tückische Strassenbahnschienen. Doch die Stadt hat vorgesorgt, die Vertiefungen in den Schienen werden abgedeckt, das Problem gelöst. Sieger ist der Spanier Lopez über eine eher langweilige Strecke. Bei den Damen glänzt Schippers aus Holland, die Britin Tiffany Porter geht am schnellsten über die kurze Hürdenstrecke und der Weitsprung geht an die Französin Lesueur, die trotz misslichen äusseren Bedingungen eine Weite von 6.85 Meter in die Wertung bringt.

 

Tag 3

 

Vom Wetter nichts Neues ausser, es ist noch kühler geworden. 110 Meter Hürden, der Franzose Lagarde wird als Sieger gehandelt, am Ende bleibt ihm ein Platz ausserhalb des Edelmetalls. Es gewinnt der Russe Schubenkow, die Zeit, Nebensache. 3‘000 Meter Steeple, es gewinnt mit grossem Vorsprung der Franzose Mekhissi-Benabbad. Die Freude ist gross aber von kurzer Dauer. Im Gefühl des sicheren Sieges  reisst sich der Dödel vor der letzten Hürde das Trikot vom Leibe und überquert die Ziellinie oben ohne. Ist natürlich nicht erlaubt und es kommt, was kommen muss, er wird disqualifiziert. Es steht halt jeden Tag mindestens ein Dummer auf. Ein anderer Franzose wetzt die Scharte wieder aus und gewinnt mit 17.46 Meter den Dreisprung. Was gibt es von den Frauen Schönes zu berichten? Den Sieg im Stabhochsprung der Damen holt sich die Russin Sidorowa mit eher bescheidenen 4.65 Meter aber, die äusseren Bedingungen, da können die Erwartungen nicht so hochgeschraubt werden. Bedauernswert Lisa Ryzih, im letzten Versuch wird ihr die Bronzemedaille noch entrissen, kurzfristig bietet sie ein Bild des Jammers. Elmira Alembekowa, natürlich aus Russland. erweist sich als schnellste Geherin, natürlich deshalb, weil die Russen in Bezug auf den Gehersport aus dem Vollen schöpfen. Die Siebenkämpferinnen beginnen mit ihren Wettkämpfen, nach dem ersten Tag beherrscht wie so oft die Belgierin Thiam die Szene, sie wird am zweiten Tag deutlich zurückfallen.

 

Tag 4

 

 Nicht der erwartete Sieg von Sprintstar Lemaitre, Adam Gemili setzt sich klar vor den Franzosen mit einer Zeit von knapp unter Zwanzig Sekunden. Die erhoffte Show bei den Hochspringern fällt aus, Petrus lässt nicht mit sich reden. Trotzdem, der Ukrainer Bondarenko begeistert das etwas spärlicher aufmarschierte Publikum mit einer Höhe von 2.35 Meter, er versuchte sich sogar an 2.41 Meter aber das war an diesem Tage auch für ihn nicht zu bewältigen. Schon am Vormittag holt sich der Franzose Diniz den Titel im 50 Kilometer Gehen, die Konkurrenz insofern spektakulär, weil sich schon sehr früh zwei Russen vom übrigen Feld absetzen und ein Riesenvorsprung herausholen. Zu früh, wie es sich später herausstellt, nur einer der Beiden holte sich gerade noch die Bronzemedaille. Und wieder hört man „God save the Queen“, der Engländer Rooney gewinnt die 400 Meter flach in guten 44.71 Sekunden und zieht seinen Landsmann Hudson-Smith, Doppelsieg für die Insel also. Die doppelte Distanz geht an Polen, Adam Kszczot und Artur Kuciapski holen sich Gold und Silber(in dieser Reihenfolge). Nächste Disziplin, 400 Meter Hürden, es geschieht das Wunder von Zürich. Kariem Hussein, der schon seine Vorläufe eindrücklich gewonnen hat, überrascht die Eidgenossen. Auch im Finale setzt er sich früh an die Spitze und gibt diese nicht mehr ab. Jubel im Stadion, die Schweiz hat ihren Europameister. Bei den Damen sieht das Publikum eine überzeugende Vorstellung der Holländerin Schippers über 200 Meter, Libania Grenot aus Italien sichert sich Gold über 400 Meter und Siffat Hassan aus Holland verweist die stärker eingeschätzte Abeba Arregavi aus Schweden auf Platz zwei. Schwarzer Tag für die deutschen Hammerwerferinnen Heidler und Klaas, vor allem Bette Heidler ist meilenweit von ihrer Bestform entfernt. Beide gehen leer aus. Der Siebenkampf ist entschieden und endet mit dem erwarteten Sieg der Französin Djimou, die vor allem am zweiten Tag ihre gute Form ausspielt. Die deutschen Damen fallen wie schon zuvor die Herren aus den Medaillenrängen heraus.

 

Tag 5

 

Vorletzter Tag, das Schweizer Volk setzt grosse Hoffnung auf ihre Staffelequipen, sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen, vor allem bei den 4 x 100 Metern, wo die Finalqualifikation bereits geschafft ist. Lassen wir diesmal den Damen den Vortritt. Schon vormittags um Neun Uhr machen sich die Marathonläuferinnen auf den Weg, dabei auch die deutsche Hoffnung Sabrina Mockenhaupt. Nehmen wir es vorweg, einmal mehr kann sie ihrer Reputation nicht gerecht werden, sie gibt auf, ist nur noch ein schluchzendes Bündel. Den Sieg holt sich die Französin Daunay vor der Italienerin Straneo. Es geht weiter mit den zwei Stadionrunden, welche von der Weissrussin Arsamasowa gewonnen werden, dann die 5‘000 Meter, die holt sich die Schwedin Meraf Bahta, die vor den beiden Holländerinnen Hassan und Kuijken das bessere Ende hat. Für Hassan überaus erfolgreich, nach Gold nun auch Silber. 400 Meter Hürden wieder an die Briten, Child an diesem Tag nicht zu schlagen. Wechseln wir wieder zu den Technikern, die immer noch mit den Wetterverhältnissen zu kämpfen haben. Der Dreisprung ist eine Angelegenheit des Ostens, die Ukrainerin Olga Saladucha gewinnt vor den beiden Russinnen Koneva und Gumenjuk, die Weiten recht ansprechend. Bleibt noch der Diskuswurf den die Kroatin Perkovic für sich entscheidet, auf dem Treppchen auch die Deutsche Craft, die Dritte wird, dahinter noch Rüh und Fischer. Die Männer haben an diesem Tag nur zwei Finals, Stabhochsprung und Hammerwurf. Die erste Disziplin geht natürlich an den französischen Überflieger Lavienille, der allerdings, nachdem das deutsche Erfolgstrio nicht am Start ist, keine echte Konkurrenz hat, was den Franzosen erlaubt, seine Showeinlagen zum Besten zu geben. Schliesslich noch der Hammerwurf, den holt sich nicht unerwartet der Ungar Krisztian Pars.

 

Tag 6

 

Letzter Tag mit einer Fülle von Ereignissen. Vor allem die Eidgenossen sind voller Hoffnung. Da ist zunächst Viktor Röthlin, der amtierende Europameister. Man traut ihm das Kunststück absolut zu, seinen Sieg von Barcelona zu wiederholen. Aber Röthlin ist nicht mehr derselbe, Krankheiten und Trainingsrückstand werfen ihn zurück, die Form bleibt auf der Strecke. Umso bemerkenswerter sein fünfter Rang, wenn auch mit grossem Abstand zur Spitze. Dass er dennoch eine Medaille erhält, liegt an einer Ausnahmeregelung, bei der man diesmal auch das Mannschaftsergebnis prämiert, die Schweizer werden Dritter. Nächster Laufwettbewerb die 1‘500 Meter der Männer,  Mekhissi-Benabbad zum Zweiten, er gewinnt erneut, behält aber diesmal sein Leibchen an, hat scheinbar etwas dazugelernt. Der Norweger Ingebigtsen, als Favorit gehandelt wir nur Zweiter. Erneuter Auftritt von Mo Farah, unwiderstehlich, unbezwingbar, zumindest von keinem Europäer und sei er noch so dunkel. Mit ordentlich Vorsprung läuft er das Rennen nach Hause, sein Sieg ist nie gefährdet. Im technischen Lager messen sich die Speerwerfer und die Weitspringer. Aus deutscher Sicht bei den Speerwerfern, abhaken. Es gewinnt der Finne Ruuskanen vor dem aufstrebenden Tschechen Vesely. Weitsprung, mit 8.29 holt sich der Brite Rutherford nicht unerwartet Gold ab, die deutsche Hoffnung Reif, abhaken. Dafür kommt Freude auf, als Antje Möldner-Schmidt über 3‘000 Meter Steeple ein beherztes Rennen und zum sicheren Sieg läuft. Jetzt, am letzten Tag hat der Wettermacher über uns endlich ein Einsehen und beschert sonniges, mildes Wetter. Und schon geht es bei den Weitspringerinnen zur Sache, vor allem die Spanierin Beitia ergreift die Gunst der Stunde und entscheidet die Sache mit 2.01 Meter für sich. Grund zur Freude hat auch Marie Jungfleisch, 1.97 Meter bedeuten persönliche Bestleistung und den guten fünften Rang. Das war aber noch nicht das Ende der Fahnenstange, Christina Schwanitz setzt noch einen drauf und entscheidet das Kugelstossen klar für sich. Dieser Sieg ist mitverantwortlich, dass sich Deutschland im Ranking als drittbeste Nation dieser Europameisterschaft präsentiert. Nun aber zu dem Geschehen, das das Volk des Ausrichters in ein tiefes Jammertal zu stürzen. Die Männer treten zu einer der Disziplinen an, von der sich die Hausherren Medaillen erhoffen, die 4 x 100 Meter Staffel. Das Männerteam hat im Vorfeld eine Leistung gezeigt, welche die Hoffnung auf Edelmetall durchaus im Bereich des Möglichen erscheinen lässt. Der Startschuss fällt, erster Wechsel, gut, zweiter Wechsel noch besser und dann passiert‘s, der letzte Wechsel zum Schlussläufer Alex Wilson geht total daneben, er muss abbremsen, holt den Rückstand zum Dritten nicht mehr auf. Na ja, Pech gehabt aber da ist ja noch die Frauenstaffel, die ist dank Kambundshji noch höher dotiert, die werden es schon richten. Die Damen gehen in die Startlöcher, der Startschuss fällt und gleich darauf ein Aufschrei quer durch das Stadion. Was war geschehen? Ausgerechnet die Kambundshji, deren Stern im Laufe dieser Meisterschaften so richtig aufgegangen ist, 4. Über 100 Meter, 5. Über 200 Meter, sie lässt den Stab fallen, aus der Traum. Die Leute sind fassungslos, bestürzt, manche, einschliesslich der Sünderin den Tränen nahe. Sie verlässt die Arena, wird umgehend von der Männerstaffel getröstet. Minuten später machen die vier Mädchen eine Ehrenrunde die eher einem Trauerzug gleicht. Ein Abschluss, den eine Nation so nicht erwartet hat. Das Mädchen wird, so sie jetzt daraus nicht ein Trauma ableitet, darüber hinwegkommen, schon in vierzehn Tagen hat sie bei „Weltklasse Zürich“ die Gelegenheit, sich zu rehabilitieren. Zuletzt gibt es noch Grund für Deutschland zum Jubeln. Die 4 x 100 Meter Staffel der Männer holt sich Silber und das trotz einem angeschlagenen Julian Reus.

 

Der Ausklang

 

Die Europameisterschaften der Leichtathleten 2014 in Zürich sind Geschichte. Wie schon erwähnt, die äusseren Bedingungen mehrheitlich mies, die Temperaturen auch. Europa hat gute Athleten, im Vergleich zu Asien, Afrika oder Amerika aber doch deutliche Defizite.  Erstaunlich, die Holländer, Schweden und einige weiter Länder haben zu dunkelhäutigen Individuen mutiert, ob da die Klimaerwärmung? Ein Wort zur Organisation, nach aussenhin ganz in Ordnung, wer aber dahinter sehen konnte, hat schon teilweise erhebliche Mängel feststellen können. Und dann noch die Preise, meiner Meinung schweizerisch und daher unverschämt, kein Wunder, dass das Stadion nie ausverkauft war, nicht einmal bei idealem Wetter und der Tatsache, dass eigene Athleten mit Medaillenchancen am Werk waren. Als Mitglied vom Leichtathletikclub Zürich hatte ich natürlich gewisse Narrenfreiheit, sprich freien Zutritt, sonst hätte ich alles nur vom Fernseher aus verfolgen können. „Weltklasse Zürich“ ist immer ein Fest, vom organisatorischen aber überschaubar, es dauert auch nur einen Abend. Eine ganze Woche zu organisieren ist ein anderes Kaliber, da fehlt eindeutig da und dort die Erfahrung.

Horst Tischler    

WERKSTÜCK 28 (2014-04-14)

Gewichtheber-EM 2014 in Israel

Almir Velagic top in Tel Aviv

Er liess die Herzen seiner Anhänger höher schlagen: Almir Velagic, seit Steiners Rücktritt der Vertreter der schwersten Jungs im Gewichtheben. Mit sechs gültigen und vor allem absolut korrekten Versuchen holte er Bronze an den Europa-Meisterschaften der Gewichtheber in Tel Aviv-Jaffa, der zweitgrößten Stadt Israels. Eine nicht unbedingt erwartete Platzierung, plagten den stämmigen Mann aus Speyer immer wieder irgendwelche Verletzungen, zogen Operationen nach sich. An diesem Tage war davon nichts zu sehen, mit 191 kg im Reissen, 232 kg im Stossen und 423 kg setzte er sich noch vor dem höher eingeschätzten Polen Marcin Dolega durch und liess sich mit der Bronzemedaille schmücken. So wie er seine Versuche absolvierte, ist man sich sicher, das war noch nicht das Ende der Fahnenstange, von ihm wird man noch mehr sehen.

 

Die verlorenen Töchter und Söhne

 

Was war der allgemeine Eindruck dieser Meisterschaften. Zunächst einmal war auffällig, dass mit den Bulgarien und der Türkei zwei Nationen mit guten Athletinnen und Athleten am Start erschienen, die in letzter Zeit etwas von der Bildfläche verschwunden waren, nicht zuletzt der Tatsache wegen, dass man mit der Einnahme von leistungsfördernden Mitteln etwas nachlässig umgegangen ist. Nun gut, sie sind wieder da, mischen auch in den vorderen Reihen mit, zumindest europaweit. Etwas Skepsis bleibe aber angebracht.

 

Europa und der Rest der Welt   

 

Spricht man die erzielten Leistungen an, dann klaffen die im Vergleich zu den besten Ergebnissen der übrigen Kontinente doch recht weit auseinander, vor allem bezogen auf die Asiaten. Natürlich gibt es Ausnahmen wie die Russin Kashirina, die in ihrer Kategorie die Weltrekorde hält. Sie konnte es sich auch leisten, einen entspannten Wettkampf zu absolvieren.

 

Ein Wort noch zu den Kommentatoren Marc Huster und Ron Ringut. Marc als ehemaliger Weltmeister und damit äusserst fachkundig ergänzt sich hervorragend mit seinem Kollegen, auch wenn dessen Witze manchmal etwas fehl am Platze sind. Gut, die Athletinnen und Athleten können die nicht hören.

 

Horst Tischler, 13.04.2014

 

WERKSTÜCK 27 (2014-03-31)

Foto: Archiv LWP

Ein Tropfen auf dem  heißen Stein

Was der Schweizer Volksentscheid bringt

So hin und wieder wage ich mich in den Dunstkreis allen politischen Geschehens in dem Lande, das mir eine Ernährungsgrundlage gab und dem ich seit einiger Zeit als Rentner auf der Tasche liege. Nun gehöre ich nicht zur Gruppe der leisen Töne wenn es um die Staatsdiener geht, ganz im Gegenteil, da ziehe ich gerne ordentlich vom Leder. Und das, weil ich absolut der Meinung bin, da liegt einiges im Argen. Diesmal möchte ich mich mit einem Ereignis auseinandersetzen, wo ausnahmsweise das Volk die Hauptrolle innehatte. Es ging um die Einreisebeschränkung von ausländischen Arbeitskräften, eine Initiative der Schweizerischen Volkspartei, die den Zustrom von Arbeitsuchenden aus dem Europaraum drastisch einschränken möchte.

 

Die Vorgeschichte

 

Die Schweiz steht schon sehr früh für Neutralität und hielt sich seit der Niederlage in Marinagno 1515 aus allen Konflikten heraus. 1647 wurde dieser Status definitiv beschlossen, allerdings von Napoleon wieder aufgehoben weil der Knirps Söldner für seine Truppen benötigte. 1815 wurde die Unabhängigkeit durch die fünf Grossmächte (Russland, United Kingdom, Österreich, Preussen, Frankreich) am Wiener Kongress endgültig bestätigt, seitdem ist das kleine Land von grossen Kriegen verschont geblieben.

 

Im Klartext heisst das, die Wirtschaft kam nie zum Stillstand, Herr Schweizer (Frau Schweizer war da noch die Dame am Herd) hatte einen sicheren Arbeitsplatz, ja konnte sich diese nach Belieben aussuchen. Es war die Zeit der enorm vielen offenen Stellen, allerdings in den sogenannten „niedrigen“ Bereichen, sei es als Hilfskraft in der Gastronomie, im Gesundheitswesen, als Austräger in den Lebensmittelgeschäften oder bei den Knochenjobs im Hoch- Tief- und Tunnelbau. Hat man zu wenig im eigenen Land, streckt man die Fühler beim Nachbar aus.

 

Zuerst waren es hauptsächlich Italiener, was in einem schönen Nebeneffekt etliche Frauenherzen höher schlagen liess (Giovanni war ja molto potente). Später kamen weitere Länder dazu, es war das wahre Paradies für Jobsuchende, zumal die Bezahlung einiges höher war als in der Heimat. Der Strom der Zuwanderer riss nicht mehr ab bis die Schweiz 1967 erstmals eine wenn auch leichte Wirtschaftskrise erlebte. War noch nicht so schlimm, man erholte sich wieder doch schon 1974 kam es wieder knüppeldick, diesmal so drastisch, dass erstmals Arbeitsplätze abgebaut werden mussten.

 

Nun hatte man ein Dilemma, auf der einen Seite weniger Stellen, auf der anderen Seite der ungebremste Zustrom an Gastarbeitern. Erste Reaktion auf dieses für die Schweiz unbekanntes Phänomen, die Nationalräte Schwarzenbach und Oehen lancierten eine Initiative zu Einschränkung der ausländischen Arbeitskräfte. Die Angelegenheit kam vor den Souverän, also vors Volk und die schmetterten das Ansinnen deutlich ab, wohl mehr aus Angst, man müsse künftig Müll selbst beseitigen, den Topf unter dem Hintern bewegungsunfähiger Leidgenossen leeren oder Hotels und Gaststätten saubermachen.

 

Die Neuzeit

 

Die goldenen Zeiten der Fünfziger- und Sechzigerjahre sind längst Geschichte, das Schreckgespenst Arbeitslosigkeit eine alltägliche Geschichte. Um die uneingeschränkte Zuwanderung zu stoppen hat man die sogenannte Kontingentierung eingeführt, was so viel heisst wie, jede Firma darf nur eine gewisse Anzahl landesfremde Arbeiter beschäftigen. War eigentlich nur der berühmte Tropfen auf dem heissen Stein, zumal inzwischen zu den Arbeitssuchenden neu die Asylanten dazukamen und das in beträchtliche Menge, die Schweiz füllte sich.

 

Bei der Schweizer Volkspartei schrillten anscheinend die Alarmglocken, düstere Parolen wurden ausgegeben, die Zukunft schwärzer als schwarz gemalt. Teilweise berechtigt wenn man bedenkt, dass die Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise, ausgelöst durch rücksichtslose Bankmanager noch lange zu spüren sein wird. Also, eine Lösung des Problems muss her und die hiess: Das Volk soll einer Initiative gegen Masseneinwanderung zustimmen. Doch heutzutage ist das nicht mehr so einfach, die Schweiz gehört zwar nicht der EU an, ist aber durch den bilateralen Vertrag mit der Union an gewisse Zugeständnisse gebunden. Dazu gehört auch die Beschäftigung von Leuten aus dem Europaraum. Soweit so gut, die Initiative ging vor die Bürger und der wurde, wenn auch äusserst knapp, stattgegeben.

 

Die Folgen

Was heisst das nun, wie wird der Volkswille umgesetzt, welche Massnahmen werden getroffen. Zunächst keine. Die zuständigen Instanzen haben drei Jahre Zeit, ein Konzept auszuarbeiten, das sich dem Problem annehmen muss. Man kann es vielleicht so interpretieren: drei Jahre sind eine lange Zeit in der praktisch nichts passiert, danach wird man sehen. Ob man sich dann noch an die Initiative erinnern wird hängt stark davon ab ob man sich in einem Wahljahr befindet und ob dieser Volkswille eine Wiederwahl nicht gefährdet. Volksabstimmungen hier in der Schweiz sind eine ernsthafte Sache, in den seltensten Fällen wird er umgesetzt, man denke nur an die letztjährige Initiative gegen die überrissenen Managerlöhne, auch da hat sich seither überhaupt nichts bewegt.

 

Fazit

 

Europa hat auf die Abstimmung reagiert, allerdings ist das bestenfalls ein Säbelrasseln. Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung, ändern wird sich kaum etwas. Man bedenke, inzwischen arbeiten hier so viele Fachkräfte und Spezialisten, auf die man nicht mehr verzichten kann. Ob der Bevölkerungszuwachs künftig zum Problem werden könnte wird sich zeigen, wenn das Land eine Dichte erreicht hat, die es zum Bersten bringt.

 

Horst Tischler

WERKSTÜCK 26 (2014-01-10)

Österreich - Deine Sportler (2): Skispringen

Sepp (Bubi) Bradl war der erste Springer, der die magische Weite von 100 Metern erreichte. Foto: Archiv Tischler

Nur einer zog bisher nach

In der zweiten Auflage möchte ich mich einer Sportart widmen, die in Österreich jahrzehntelange Tradition hat und in der die Ösis wahre Helden hervorgebracht hat: dem Skispringen. Um die Wahrheit zu sagen, nachdem unsere Schluchtenscheisser (tschuldigung!) im letzten halben Jahr (es gibt auch Sommerwettbewerbe) sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben und ich bei meinem letzten Artikel an den Fussballern wenig Positives gesehen habe, wollte ich auch hier bei den Schanzenhüpfern so richtig ablästern. Ich wäre gut beraten gewesen, es vor der Vierschanzentournee zu tun, da hätte ich noch Grund gehabt aber dazu später mehr.

 

Schon in grauer Vorzeit

Der Skisprung hat seinen Ursprung vermutlich in Norwegen und geht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Man vermerkte den ersten gemessenen Hüpfer 1809 mit einer Weite von 9.5 Meter, gestanden von Olaf Rye. 1960 segelte der Norweger Sondre Norheim auf sage und schreibe 30.5 Meter, damals mit Skistöcken um das Gleichgewicht zu halten. 1883 entdeckte man die Telemark-Landung, eine bewährte Variante um ein Aufsetzen auf dem Hang zu stehen. Es ging unaufhaltsam weiter, die Sportart gewann zusehends an Interesse und damit an Teilnehmern. Auch am Stil wurde gefeilt, der Schweizer Andreas Däscher beispielsweise fand heraus, dass, wenn man die Arme nach hinten am Körper anlegt, man aerodynamische Vorteile hatte. Seine Idee fand aber erst einige Jahre später Anwendung und hat sich bis heute gehalten. Nun aber wieder zurück zu meinen Landsleuten, welche eigentlich in den ersten Jahrzehnten kaum eine Rolle spielten. An den olympischen Spielen 1932 nahm ein gewisser Harald Paumgarten teil, er wurde in dem von den Skandinaviern dominierten Springen 25. Vier Jahre später waren bereits vier Teilnehmer aus dem Alpenland, darunter ein gewisser Sepp (Bubi) Bradl, der Jahre danach als erster Springer die 100 Meter übersprang.

 

Das Mittelalter

Jetzt hatte man Blut gerochen, die Dominanz der Nordländer nicht mehr so gravierend. 1960 war das Jahr von Helmut Recknagel, er holte sich den Sieg aber schon auf dem Bronzeplatz mit Leodolter ein Österreicher. Die mischten ab da an ordentlich mit, brachten immer wieder neue Talente hervor, machten mit den Deutschen, den Tschechen, der DDR die Spitze breit. Namen Bachler und Preiml, der später die Österreicher zu einer wahren Skisprungmacht machte. Es folgten Karl Schnabl, Alois Lippurger, Armin Kogler, Hubert Neuper, Ernst Vettori und der Stilist Toni Innauer. Es folgte eine Phase wo man nicht mehr so aus dem Vollen schöpfte, mit Andy Goldberger, der erstaunlicherweise einmal nicht aus den Alpenregionen kam, einen absoluten Superstar. Inzwischen hatten auch die Japaner sehr erfolgreich ins Geschehen eingegriffen. Kasai, Harada und Okabe um nur einige zu nennen. Und Martin Schmitt aus Deutschland, ein Siegspringer vom Feinsten. Inzwischen hat ein Schwede den Sprungstil revolutioniert, der V-Stil war geboren.

 

Die Neuzeit

Der vorläufig letzte Akt wurde um die Jahrtausendwende eingeläutet. Mit Thomas Morgenstern trat ein Jüngling in die Szene, eilte von Erfolg zu Erfolg und riss seine Kollegen, sogar die Routiniers wie Wolfgang Loitzl, Martin Höllwarth und Andreas Widhölzl förmlich mit. 2005 stiegen die Austria-Boys in der Nationenweltmeisterschaft auf die oberste Stufe des Treppchens und wiederholten diesen Triumph seither ununterbrochen. 2007 machte ein weiterer Jungspunt von sich reden, Gregor Schlierenzauer, der auch im Einzelspringen von Erfolg zu Erfolg hüpfte. Man könnte wirklich vom goldenen Zeitalter der österreichischen Skispringer reden, welches aber im zweiten Halbjahr 2013 zu Ende zu gehen schien. Es war nicht zu übersehen, die Helden sind müde geworden die Ergebnisse eher bescheiden, das war’s dann wohl. Dachte man. Das Highlight um die Jahreswende stand an: die Vierschanzentournee und wie Phönix aus der Asche erhoben sich die Adler aus der Alpenrepublik und brachten alle Skeptikern, mich eingeschlossen, zum Staunen. Nicht nur, dass durch die „Älteren“ wieder ein Ruck ging, sogar der Nachwuchs brachte sich wieder in Erinnerung.

 

Allen voran ein junger Mann aus Michelhausen, einem Örtchen in Niederösterreich schaffte etwas, was vorher noch Keinem gelungen war. Mit erst vier Weltcupeinsätzen sprang er sich erstmals in Engelberg (Schweiz) in die Weltspitze und sicherte sich damit einen Platz bei der Tournee. Und da lief er zur Form auf: 3. In Oberstdorf, 1. in Garmisch, 5. In Innsbruck und 1. In Bischofshofen, was ihm schliesslich den Tourneesieg vor den Routiniers Morgenstern und Amman bescherte. Der 21-jährige ging dabei mit einer Unbekümmertheit zu Werke als ob er schon jahrelang nichts anderes gemacht hätte. Da hatte man wirklich das Gefühl, aus dem Nachwuchsbereich kommt nichts Gescheites mehr nach, Stefan Kraft mit eher mässigen Ergebnissen, dasselbe gilt für Manuel Fettner der schon lange auf der Stelle tritt. Ein Lichtblick immerhin Michael Hayböck der sich etwas nach vorne orientieren konnte. Und dann zaubert man einen wie Diethart aus dem Hut, der die Fachwelt zum Staunen bringt. Aber diskutieren wir es nicht weg und verfallen wieder in Euphorie, es ist nur einer, der nachgezogen ist. Demnächst zu ersetzen sind Kofler, Loitzl und Martin Koch die leistungsmässig ins zweite Glied zurückgetreten sind. Verständlich, dass da Zweifel über die künftige Power der Ösis angebracht ist.

 

Nachtrag

Soviel noch zur Tournee, die hatte auch ihre tragischen Helden. Janne Ahonen, Takanobu Okabe und vor allem Martin Schmitt, der nur durch den Continental-Cup überhaupt zugelassen war. Zugegeben, er zeigt noch immer passable, wenn auch nicht unbedingt weite Sprünge aber die Frage bleibt, warum tut er sich das noch an. Er, der um die Jahrtausendwende die Menge zu begeistern wusste kann jetzt, da er der Konkurrenz hinterherhüpft nur noch eines ernten: Mitleid. Auf der anderen Seite gab es noch die echten Helden wie zum Beispiel Thomas Morgenstern, im Dezember bei einem Meeting schwer gestürzt beendete die Tour auf dem zweiten Platz – stürzte aber leider heute beim Training am Kulm wieder schwer - , Noriaki Kasai im (hohen) Alter von 41 Jahren auf Rang fünf.

 

Fazit

Die Österreicher haben wie es scheint, noch einmal die Kurve gekriegt. Bei Diethart wird man sehen ob er sich vorne etablieren kann oder ob er wie eine Sternschnuppe einmal kurz aufblitzt und dann verschwindet. Kurz und gut, die Adler fliegen wieder aber die Frage bleibt, wie lange noch.

 

Wird fortgesetzt

 

Horst Tischler             

WERKSTÜCK 25 (2013-12-22)

Österreich - Deine Sportler (1): Fußball

Als man  "Wiener Walzer" spielte

Wenn ich behaupte, ich bin am sportlichen Geschehen weltweit mehr, als nur interessiert, dann ist das noch leicht untertrieben. Um es ein wenig gerade zu rücken, es gibt schon Sportarten, die ich nicht so mag, denen ich aber ihre Berechtigung keineswegs abspreche.

 

Auch wenn ich zwei Drittel meines Lebens in der Schweiz verbracht habe, ist mein Austria-Patriotismus ungebrochen. Deshalb soll auch verständlich sein, dass ich mit den Akteuren meiner Heimat mitfiebere und beide Daumen drücke, obwohl seit einiger Zeit der Auftritt in einem wahren Desaster endet. Als Landsmann - denke ich - steht es mir auch zu, Kritik anzubringen und deshalb versuche ich nun, die Leistungen der einzelnen Kategorien so gut es geht zu analysieren und die Ergebnisse nüchtern zu bewerten.

 

Wo sind sie geblieben ?

Beginnen möchte ich mit den Ballartisten auf den grünen Rasen, die, die das runde Leder gekonnt in die Platzhälfte des Gegners führen, um ihn in den 7.32 m breiten und 2.44 m hohen Kasten zu befördern. Fussball, weltweit eine der beliebtesten Sportarten, so auch in Österreich.

 

Um aber über grossartige Erfolge des Landes berichten zu können muss man weit, weit zurückblicken. Da gab es das vor den Fünfzigerjahren das selbsternannte „Wunderteam“, der Stil in Anlehnung an kulturellen Höchstleistungen „Wiener Walzer“ genannt. Zu dieser Zeit war man eine Macht welche zweifellos ihren Höhepunkt hatte, als man 1954 einen dritten Platz an der Weltmeisterschaft in der Schweiz herausgekickt hatte.

 

Danach war nichts mehr so wie es war. 1958 schaffte man zwar die Teilnahme, schied aber in der Vorrunde sang und klanglos aus und dann war erst einmal Schluss. Erst 1978 gelang wieder eine Teilnahme und da schöpfte man wieder Hoffnung, zu den Vorderen aufzurücken. Die Vorrunde wurde man Gruppensieger, in der Zwischenrunde folgte die Klatsche (1:5) gegen Holland und dann der Sieg gegen Deutschland in Cordoba nach mehr als drei Jahrzehnten.

 

Das war es aber auch schon, kleiner Trost, wir schieden mit einem der besten Nationen aus: Deutschland. Vier Jahre später, Österreich hat es erneut geschafft, doch der Auftritt war kein Ruhmesblatt. Chile und Algerien wurden besiegt, auf der anderen Seite leistete sich Deutschland gegen Algerien einen Ausrutscher und waren danach auf nachbarschaftliche Schützenhilfe angewiesen und das Land der schönen blauen Donau, der Heimat von Mozart und Strauss zeigte sich kulant und leistete kaum Gegenwehr, dem Sieg der Fussballmacht haftet seitdem ein schaler Beigeschmack an.

 

Wie ging es mit den österreichischen Balljongleuren weiter? Nächste Weltmeisterschaftsteilnahme 1990 in Italien. Ganze Ausbeute war ein Sieg gegen die damals fussballerisch unterentwickelten US-Amerikaner und damit das Aus schon in der Vorrunde. Spätestens jetzt war deutlich zu erkennen, das österreichische Spiel ist nicht mehr das Gelbe vom Ei, gute Spieler mehr und mehr Mangelware.

 

1998 schaffte man erneut die Endrunde was vermutlich dem zuzuschreiben war, dass die Teilnehmerzahl auf 32 Teilnehmer aufgestockt wurde. Ich glaube, ich muss nicht extra erwähnen, dass in der Vorrunde bereits Schluss war. Das war auch die letzte Teilnahme an einer Weltmeisterschaft, auch die nächste in Brasilien wird ohne sie stattfinden, die Klasse reicht einfach nicht mehr.

 

Im internationalen Ranking liegt man inzwischen auf Rang 46, weit hinter Ländern, die man früher, viel früher locker zweistellig besiegt hätte. Das endgültige Waterloo für Österreichs Kicker wurde wohl im Jahre 2000 eingeläutet als man gegen Spanien 0:9 verlor, eine der höchsten Niederlagen in der Geschichte. Von da an ging nicht mehr viel und das ist bis heute so geblieben.

 

Ich wage keine Prognose aber internationaler guter Fussball wird auch die nächsten Jahre von Österreich nicht zu erwarten sein, das beweist schon die Erfolglosigkeit im europäischen Club-Fussball. Bleib nur noch das recht abgewetzte Zitat: „Die Hoffnung stirb zuletzt“, mir scheint, es ist ein sehr langsamer aber nicht abwendbarer Tod.

 

Wird fortgesetzt

WERKSTÜCK 24 (2013-12-07)

Waterloo

im Land des Rütlischwurs

Neues aus der Eidgenossenschaft

Wenn das Volk gefragt wird

 Von Zeit zu Zeit ist es angebracht, die Frage aufzuwerfen, was geschieht so hierzulande. Für mich als Dauergast der Söhne Winkelrieds ist es natürlich das kleine Land im Herzen Europas worüber ich berichten kann. Mein letzter Artikel handelte die Abzocker Initiative ab, ein längst fälliges Aufbäumen einer Volksschicht, die genug hat von den Lohnexzessen einer Minderheit die alles zusammenrafft was zu kriegen ist und die tatkräftig von der Regierung unterstützt wird. Wir wissen, die Initianten haben einen eindrücklichen Sieg errungen, mit einer noch selten dagewesenen Mehrheit. Alles gut und recht, aber jetzt die alles entscheidende Frage, was ist seither geschehen? Antwort: Nichts! Natürlich kommt das nicht unerwartet. Wie schon so oft hat das Volk entschieden aber die Exekutive davon kaum Notiz genommen. Das hat auch eine Gruppe junger sozial denkender Leute bewogen, einen weiteren Anlauf im Kampf gegen diese unselige Lohnpolitik zu nehmen.

 

1 zu 12 ist die Devise

Eigentlich war die Sache ganz einfach, der höchste Lohn, das höchste Gehalt oder wie es hier in der Schweiz heisst, das höchste Salär darf nur zwölf Mal höher sein als das derjenigen mit dem geringsten Einkommen. Bei näherer Betrachtung eine sinnvolle Aufteilung, obwohl, schlussendlich kriegen die, die am meisten und unter schwierigsten und unwürdigsten Verhältnissen schuften immer für wenig Verdienst. Aber lassen wir das, das ist ein weltweites Problem und wird sich, solange es Menschen gibt, nie ändern. Kommen wir zurück zum Vorschlag dieser Gruppe von Jungsozialisten, die Nägel mit Köpfen machen wollten. Sie stellten sich dem Kampf, sammelten fleissig Unterschriften die es benötigt, um die Angelegenheit vor das Volk zu bringen. Ein schwieriges Unterfangen, werden diese Leute gerne als Spinner abgetan, denen schlussendlich doch Erfolg beschieden war. Vermutlich lag es in der Natur der Sache, den Gierhälsen Einhalt zu gebieten ist schon lange in den Köpfen einem Grossteil der Nation.

 

Das Volk entscheidet

Die erste Hürde also genommen galt es jetzt ordentlich Propaganda zu machen, zumal die Gegenseite nun auch sehr aktiv wurde. Und die hatte die besseren Redner, sprich das gesamte Parlament in ihren Reihen was verständlich ist wenn man weiss, dass die ja auch ordentlich absahnen und, bei einer Annahme der Initiative, schmerzlich Einbussen hinnehmen müssten. Das Tauziehen begann und brachte schon einmal leichte Vorteile für die Gegner was erste Hochrechnungen bewiesen. War auch kein Wunder denn diese Seite hatte die schlagkräftigeren Argumente und war im Bange machen weltmeisterlich. Da wurde geunkt was das Zeug hält, von Betrieben die sich ins Ausland orientieren und damit Plätze streichen bis zum Verfall der Wirtschaft und damit die Schwächung des Fränklis. Was hatten die Befürworter? Einzig und allein die Gerechtigkeit und die Hebung der Lebensqualität auch der untersten Schicht. Kling nett, hat aber im Gefüge des Profitdenkens schlechte Karten. Trotzdem, jetzt ging es vor’s Volk, die Initianten dachten positiv und glaubten an einen Erfolg.

 

Die Abzocker werden immer reicher

Es wurde ein Desaster, eine bittere Ablehnung, beinahe so deutlich wie seinerzeit die Abzocker Initiative angenommen wurde. Bei einigen Kantonen wie im Tessin und im Jura war es knapp, die Westschweizer nicht ganz so deutlich dagegen wie in der übrigen Schweiz. Half alles nichts, man musste es akzeptieren und damit war der sogenannte „Lohndeckel“ vom Tisch. Es folgten zaghafte Versuche, die Niederlage zu kommentieren und ein Versprechen es erneut zu versuchen. Nett gemeint aber so etwas passiert in frühestens zehn Jahren und bis dahin ergaunern sich die Abzocker weiterhin dumm und dämlich. Heute hat man die Sache zwar abgehakt, sucht aber immer noch nach Ursachen. Es gibt viele Theorien, der Wahrheit am nächsten kommt sicher diese, die Drohungen der Unternehmer und Politiker haben ihre Wirkung nicht verfehlt, Für Herrn und Frau Schweizer steht seit Urzeiten Sicherheit an erster Stelle, man ist zufrieden mit dem was man hat und nimmt gerne entgegen, dass die einen gar nicht mehr wissen wohin mit der Knete und andere als Folge davon ständig am Existenzminimum vorbeischrammen. Ist so, bleibt so, kann man nichts machen. Eine gerechte Lohnpolitik wird es hier nie geben, genauso wie der eingangs erwähnte Winkelried immer ein Mysterium bleiben wird.

 

Horst Tischler  

 

 

WERKSTÜCK 23 (2013-10-12)

Nicht das Gelbe vom Ei

Gedanken zum WM-Kampf der Box-Profis Wladimir Klitschko gegen Alexander Powetkin

Ich habe lange überlegt, soll ich oder soll ich die Sache einfach vergessen und nächstes Mal standhafter sein. Ich habe entschieden, es kann eigentlich nicht schaden, einige Gedanken darüber zu Papier zu bringen. Aber worum geht es eigentlich?

 

Jedes Mal masslos enttäuscht

Es ist so, letzten Samstag hiess es wieder einmal: Mr. Stahlhammer steigt erneut in den Ring um sich diesmal mit einem wirklich ebenbürtigen Gegner zu messen. Nun muss man wissen, ich habe es mir angetan, die letzten „Fights“ vom Ukrainer Wladimir Klitschko gegen vermeintlich starke Herausforderer anzusehen und war jedes Mal masslos enttäuscht.

 

Diesmal wird es anders hiess es, diesmal soll der Gegner Alexander Powetkin, er stammt aus Russland, wirklich ein harter Brocken sein, technisch beschlagen und ordentlich Bums in den Fäusten, beste Voraussetzungen also für eine spannende Auseinandersetzung. Ich hätte es wissen müssen.

 

Mix aus Rangelei und Wrestling

Um es kurz zu machen, das was da geboten wurde war das Schlechteste, was ich je gesehen habe. Der Gegner, in der Reichweite deutlich unterlegen, hatte nicht die boxerischen Mittel, um nur annähernd an den Weltmeister heran zu kommen. Wie löst er das Problem und das fünfzehn Runden lang? Er geht Kopf voran in den Gegner und dieser, mangels technischer Fähigkeiten, deckt ihn einfach mit dem Körper zu. So entstand ein Mix aus rustikaler Rangelei gepaart mit einigen Wrestlingeinlagen.

 

Was äusserst selten zu sehen war, war Boxen, wie man es aus früheren Auseinandersetzungen kannte, aus der Zeit, als Evander Holyfield, Joe Fra7ier oder der Grösste, Muhamad Ali ihr Können unter Beweis stellten, Techniker wie Alan Minter oder Roberto Duran und unzählige andere, die Mengen zu begeistern wussten.

 

Die vom anderen Ufer fehlen

Wladimir Klitschko ist ein sympathischer Mensch, gebildet, gutaussehend und weiss sich auszudrücken. Was er im Ring zeigt ist, mit Verlaub, nicht das Gelbe vom Ei, auch wenn er vielerorts hochgelobt wird. Es ist wirklich schon eine Zeit lang her, dass er es mit wirklich guten Gegnern zu tun hatte, im Augenblick ist er für mich ein Flaschensammler wie man es in der Boxersprache etwas despektierlich auszudrücken pflegt.

 

Unerklärlich auch, wie man mit so einer kläglichen Vorstellung so viel Geld verdienen kann. Letztendlich tun mir auch die Leute leid, die in den Medien darüber berichten müssen, so einem K(r)ampf etwas Positives abzugewinnen, ist wahrlich eine Meisterleistung.

 

Um die Cracks in USA ist es bedauerlicherweise ruhig geworden. Dem Land, das früher aus dem Vollen geschöpft hat, sind scheinbar aus unerklärlichen Gründen die Talente ausgegangen. Wir müssen uns wohl auch weiterhin mit bescheidenerer Kost abfinden, zumindest solange, bis die Leute vom anderen Ufer des Teichs sich alter Stärke besinnen.                   

WERKSTÜCK 22 (2013-08-22)

Grundentwurf: Staufi

Die Leichtathletik-WM vom Zürcher Sofa:

Nicht alle waren da...

Sie maßen sich wieder, die Grössten der Grossen in Rasputins Heimat, sie strebten nach Gold, Silber oder Bronze, lechzten danach, die Hymne ihres Landes zu hören, welche nur für sie erklang, und bei der sie mehr oder weniger gerührt ihren Nationalstolz zur Schau stellen konnten. Viele waren angereist, Weiblein und Männlein, Junge und nicht mehr ganz Taufrische, mit mehr oder minder grossen Ambitionen was den Erfolg betraf.

 

Man sah vertraute Gesichter und neue, welche künftig solche werden wollen. Indes, einige, von denen man wundersames erwarten konnte, wird man vermutlich in keinem Stadion mehr zu Gesicht bekommen. Nicht wegen altersbedingten Rücktritt nein, da hat der IAAF kurz vor Beginn noch die Reissleine gezogen und nicht ganz unbekannte Cracks aus dem Verkehr gezogen, die irgendwie an verbotenen Säftchen und Wässerchen geschnup­pert und diese zu sehr eingesaugt haben, völlig ahnungslos natürlich. Sei es wie es sei, die Szene ist seitdem um einige Attraktionen ärmer.

 

Es ging los

 

Traditionsgemäss begannen die Männer, die sich in zehn Disziplinen messen, die wahren Könige der Leichtathletik. Zwei Tage beherrschten sie die Szene und zeigten Leistungen die allen Respekt verdienten. Leider haben das vor Ort nicht viele mitbekommen, das Stadion kaum halb voll. Überhaupt, das Zuschauerinteresse in der russischen Metropole eher verhalten, nicht einmal Überflieger Usain Bolt konnte für ein volles Haus sorgen.

Um Auszeichnungen ging es bereits am ersten Tag im Marathon der Frauen, bei einer Temperatur von über dreissig Grad wurde etwa siebzig Frauen auf die zweiundvierzig Kilometer geschickt, eine Tortur. Kein Wunder, dass nur knapp die Hälfte der Teilnehmerinnen das Ziel sah, kein geschicktes Händchen des Veranstalters.

 

Die Herren……

 

Die nächsten Tage dann Vor-und Zwischenläufe, Qualifikationsdurchgänge bei den tech­nischen Disziplinen, weitere Finals. Was könnte da hervorgestrichen werden? Sicherlich die beiden Siege des Briten Mo Farah über 5000 und 10´000 Meter in überragender Manier. Die Sprintsiege von Bolt sind vorprogrammiert, er ist zur Zeit konkurrenzlos. Stark, wenn auch nicht mehr so unwiderstehlich, die Mittel- und Langstreckenläufer aus Kenia und Äthiopien. Immerhin, sie waren stets in den vorderen Rängen heimisch.

 

Die technischen Disziplinen hatten ihre erwarteten Sieger, trotzdem gab es Gott sei Dank Überraschungen, die den Anlass nicht langweilig werden lassen. So zum Beispiel im Stabhochsprung, wo der schier unbezwingbare Franzose Lavillenie im Deutschen Holzdeppe seinen Meister fand. Oder der Kenianer Julius Yego, der es beinahe auf´s Treppchen geschafft hätte. Ansonsten alles wie gehabt, inklusive das Zerreissen des Leibchens durch Robert Harting. Nicht zu vergessen die 18 Meter im Dreisprung von Teddy Tamgho aus Frankreich, eine Weite, die schon lange nicht mehr gesprungen wurde.

 

Die Damen……

  

Auch bei den Damen im Wesentlichen nichts Aussergewöhnliches, die Mittel- und Langstrecken fest in afrikanischer Hand, Doppelsieg von Shelly Frazer aus Jamaika, und endlich der erste Sieg von Christina Obergföll. Nicht unbedingt erwartet wurde der Sieg von Christine Ohuruogu, die Engländerin hatte am Ende das beste Durchstehvermögen.

 

Bequem vor der Glotze

Als Zuschauer, besonders wenn man pensioniert ist und sich jederzeit im Fernsehstuhl räkeln kann, unterhaltsame Stunden. Noch ein Wort zu den Übertragungsstationen, Eurosport, ARD und ZDF, die sich täglich abwechselten und SRF2. Von allen drei Möglichkeiten war man gut beraten, SRF zu wählen, Eurosport wurde immer wieder durch irgendwelche Werbespots unterbrochen, sehr lästig, und die deutschen Sender, die mit eigenen Übertragungskameras vor Ort waren hatten vor allem ihre eigenen Athleten im Focus. Was noch verständlich ist aber sie nervten mit unzähligen, nichtssagenden Interviews, während auf dem Platz interessante Dinge zu sehen gewesen wären.

 

Bewegende Momente

Natürlich gab es auch bei dieser Weltmeisterschaft Momente die zu Herzen gingen. Beispiel Jelena Issinbajewa, obwohl sie als Favoritin gestartet und im Wettkampf deutlich die Beste war, freute sie sich wie ein Kind über ihren Erfolg. Wobei, seit Glasnost und Perestroika sind die ernsten Gesichter, die man damals bei Siegerehrungen von den Leuten hinter dem eisernen Vorhang gesehen hat fast völlig verschwunden. Oder die Freude der Zehnkämpfer nach Ende ihres beschwerlichen Wettkampfes, die sich glücklich in die Arme fallen. Und dann war da noch wie schon erwähnt, Julius Yego, Speerwerfer aus Kenia dem im letzten Durchgang die Bronzemedaille noch entrissen wurde, man hätte es dem Mann so gegönnt.

 

Aus deutscher Sicht  

 

Robert Harting, Christine Obergföll, David Storl keine Überraschung, schon eher unerwartet der Erfolg von Raphael Holzdeppe, da hatte man gewiss den Franzosen Lavillenie auf der Rechnung. Mir selbst kam es vor, dass dieser eine Show abziehen wollte um etwas überheblich seine Überlegenheit zu demonstrieren. Wie wir wissen, ging das vollends in die Hose, obwohl er die Höhe immer draufhatte. Mannschaftlich aber eine wahre Demonstration der deutschen Stabhochspringer.

 

Wer fiel sonst noch positiv auf? Sicherlich Verena Seiler, sie schied im Halbfinal nur knapp aus und zeigte in der Staffel mit ihrem Team eine hervorragende Leistung die beinahe aufs Podest gereicht hätte. Ferner Antje Möldner-Schmid die Steepleläuferin, sie plazierte sich in den Top-Ten hinter den, zumindest für Europäerinnen unbesiegbaren Afrikanerinnen.

 

Und dann waren da noch die Zehnkämpfer Schrader, Freimuth und Behrenbruch. Schrader und Freimuth absolut top, Behrenbruch an diesen Tagen etwas indisponiert, trotzdem, auch ein elfter Platz ist ein Erfolg. Positiv aufgefallen Martin Wierig, letztendlich fehlten ihm lächerliche achtzehn Zentimeter zum Bronzeplatz. Zur tragischen Figur avanciert langsam auch Silke Spiegelburg. Trotz guter Form recht es letztendlich immer nur zum vierten Platz. Aber nicht den Mut verlieren, Obergföll hat es bewiesen

 

Der Ausklang

Es waren gute Meisterschaften wenngleich man sich mehr Publikumsinteresse vor Ort gewünscht hätte, vor allem die Vorauscheidungen oder die Mehrkämpfer hätten wahrlich mehr Resonanz verdient aber, kleiner Trost, nicht einmal der göttliche Usain Bolt hat für ein volles Haus sorgen können.

Horst Tischler

WERKSTÜCK 21 (2013-04-19)

Wenn dem Böögg

der Kopf platzt

Foto: Tischler

Sächsilüüte (Sechseläuten) - Zwischen Tradition und Aberglaube

Im Herbst habe ich über einen Brauch in Zürich berichtet der sich "Knabenschiessen" nennt, und in den die Stadt einen halben Tag als Feiertag investiert. Heute erzähle ich über eine Tradition, die der Metropole auch nur einen halben Tag wert ist, das Sächsilüüte, zu Deutsch Sechseläuten und die als Höhepunkt das Verbrennen einer Puppe, die sie den "Böögg" nennen, hat.  

 

Woher kommt……..

 

Aber vorweg etwas zu diesem Brauchtum, welches seinen Ursprung im Mittelalter wiederfindet. Damals schlossen sich Handwerker zu ständischen Körperschaften den sogenannten Zünften zusammen, um gemeinsame Interessen zu wahren. Diese Organisationen existierten bis ins 19. Jahrhundert, in der Schweiz pflegt man sie heute noch, mit dem damaligen Gedankengut haben sie aber kaum noch etwas gemeinsam.

 

Man hält die Tradition aufrecht, allerdings kann man der Vereinigung eine gewisse Exklusivität nicht absprechen, die Mitglieder sind teilweise hoch dekoriert, im Pulk der Marschierenden konnten immer wieder Promis aus Wirtschaft und Politik ausgemacht werden, die natürlich auch vor laufender Kamera ihren Sermon abgeben durften .

 

Es ist soweit

 

Für einmal wundervolles prächtiges Frühjahrswetter mit zum Teil schon sommerlichen Temperaturen von über 25 Grad, so präsentierte sich die Stadt zu diesem Feste. Etwas noch zum Ablauf, das Ganze geht über zwei Tage, am jeweiligen Sonntag gibt es den Kinderumzug, wobei die Kurzen mit den traditionellen Kostümen der Zünftler eingekleidet werden, einfach einige Nummern kleiner. Danach beruhigt sich die Szene wieder, und am Montag darauf geht der brave Eidgenosse wieder artig an die Arbeit, zumindest am Vormittag.

 

Gut, der Grossteil opfert etwas von seinem Ferienguthaben, um einerseits das Wochenende zu verlängern und andererseits sich genüsslich auf den Nachmittag vorzubereiten. Dazu muss noch erwähnt werden, hier handelt es sich um eine rein zürcherische Angelegenheit, frei hat nur, wer seinen Arbeitsplatz in der Stadt hat was vor allem die Pendler freut, die auf diese Weise in den Genuss eines zusätzlichen Freitages kommen.

 

Der Festakt

 

Nachdem sich der Frühling nach einem schier endlosen Winter doch noch entschlossen hat, im Land Einzug zu halten, die Temperaturen blitzartig nach oben schnellten, konnten bereits die Kinder an ihrem Umzug herrlichen Sonnenschein geniessen. Einen Tick schöner und wärmer dann am Montag, beste Voraussetzungen für die eigentlichen Akteure, den Zünften. Prächtig dekoriert in ihren schmucken historischen Kleidern, begleitet von zahlreichen Musikkapellen schritten sie mit geschwellter Brust über den Limmatquai, zu Fuss oder hoch zu Ross, bejubelt von Massen von Zuschauern am Strassenrand.

 

Jetzt ist es nebenher noch Sitte, dass zahlreiche Frauen, jung oder schon etwas gesetzter, den feschen Herren der Zünfte einen Blumenstrauss überreichen und sich damit einen oder mehrere Küsschen abzuholen. Wenn man Gerüchten folgen will, dann sollen diese Aktionen schon Ehekrisen hervorgerufen haben, weil die Partner sich damit überhaupt nicht anfreunden konnten. Wie gesagt, Gerüchte.

 

Das Finale

 

Der endlose Zug fand sich vollständig so gegen halb sechs auf dem Sechseläutenplatz ein, wo mittendrin schon das Objekt der Winteraustreibung auf seine Hinrichtung wartete. Ein mehrere Meter hoher Holzstoss und obendrauf noch unversehrt die Puppe, der "Böögg". Der Brauch sagt, wenn die Turmuhr der St. Peterskirche Sechs Uhr schlägt und, wenn der letzte Schlag verklungen ist, wird der Holzstoss angesteckt, das erledigt dann irgend ein prominenter Gast.

 

Von dem Moment an, wo das Holz brennt, wird die Zeit bis zu dem Punkt gemessen, in dem der Kopf der Puppe explodiert. Je eher das geschieht, desto schöner wird der Sommer, so die Auslegung. Als Untermalung sieht man Reiterabteilungen der Zünfte um den Scheiterhaufen herumzureiten, was infolge der enormen Hitze für Mensch und Tier eine echte Herausforderung ist. Um es kurz zu machen, der Holzstoss muss diesmal sehr feucht gewesen sein, eine halbe Stunde wenig Feuer, um so mehr Rauch und erst nach fünfunddreissig Minuten zeriss es den Kopf der Puppe, demnach sehen wir einen tristen Sommer entgegen. Es lebe der Aberglaube.

 

Eine kurze Anmerkung noch, der Aufmarsch der Zünfte ist reine Männersache. Es existieren zwar auch weibliche Innungen und sie durften letztes Jahr auch mitmarschieren, doch inzwischen hat man sie wieder rausgeschmissen, gemäss einem uralten eidgenössischen Ausspruch: "Wiiber händ do nüt verlore".

 

Horst Tischler



Vorhergehende Folgen

2012-06-20 (WERKSTÜCK 15 EM mit Schweize[...]
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2012-04-18 (WERKSTÜCK 14 Sesselrücken un[...]
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2012-01-30 (WERKSTÜCK 13 Im Schatten des[...]
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Di                 25.04.2017 

Nr.            2.384 - 1.081

Aktualisierung        12:55

Übrigens,

 

… die Kriminalitätsstatistik ist da - daraus lassen sich folgende Meldungen machen, die beide stimmen:

 

1. Berlin immer schlimmer! Die Stadt ist jetzt mit 16.161 Straftaten pro 100.000 Einwohner die gefährlichste deutsche Großstadt vor Leipzig (15.811) und Hannover (15.764). Der bisherige Spitzenreiter Frankfurt ist auf Platz 4 abgerutscht, bravste deutsche Großstadt ist München (7909).

 

2. Berlin immer sicherer! Die Stadt verzeichnet mit 16.161 Straftaten pro 100.000 Einwohner relativ gesehen weniger Fälle als im Vorjahr (16.414). Die leichte Steigerung in absoluten Zahlen ist allein dem starken Wachstum Berlins geschuldet.

 

Jeder kann daraus machen, was Ihm politisch am besten in den Kram passt. Aber daran denken: Es handelt sich um die Zahlen für 2016. Es kann nur noch schlimmer werden.

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 22.04.2017

1    11    12   19   25   32    SZ: 7

Spiel 77:  2152 168

 

Super 6: 437 607   

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

1898 (2017-04-25) 

Bernd Jürgen Morchutt

 

Die IGA 2017 machte es möglich

Ein U-Bahnhof verlor seinen Namen

Ein neuer Blickfang an der Linie U5

BREAKING NEWS

Stand: 25.04.2017; 10.15 Uhr

 

International

 

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan reist nach Angaben seines Büros Mitte Mai zu US-Präsident Donald Trump nach Washington. Trump habe Erdoğan zu der Begegnung im Weißen Haus eingeladen.


Die schwedische Polizei hat im Zusammenhang mit dem Lastwagen-Anschlag in Stockholm eine zweite verdächtige Person festgenommen.


Dass Emmanuel Macron im ersten Wahlgang mit seinen 24 Prozent die Nationalistin Marine Le Pen (sie kam auf 21,3 Prozent) übertraf, hat zwar bei allen EU-Befürwortern eine enorme Erleichterung ausgelöst, knapp darauf wurde man aber wieder von Sorgen heimgesucht – und zwar spätestens seit der Siegesrede, die Macron hielt. Ein Überhang an zum Teil peinlichen Leerfloskeln in dieser Rede wirft die Frage auf: kann dieser, ein wenig windig wirkende Dauerlächler auch noch die vierzehn Tage bis zur Stichwahl am 7.Mai erfolgreich überstehen? Aber diese Bedenken bezüglich der Konsistenz des parteilosen Jungstars (Macron ist mit 39 Jahren der jüngste Präsidentschaftskandidat) teilten auch schon vor dem ersten Wahlgang etliche Beobachter in Paris mit Ausnahme der Meinungsforscher, die seit Monaten Macrons Erfolgskurve unbeirrt wiedergaben.


In ersten Umfragen werden Macron für den zweiten Wahlgang am 7. Mai 62 Prozent der Stimmen gutgeschrieben, Le Pen 38 Prozent. Das ist einerseits ein klarer Abstand; er zeigt aber auch das Potenzial der bisherigen FN-Chefin, die in einem TV-Interview am Montagabend bekanntgab, sie werde den Parteivorsitz ruhend stellen, bis die Wahl geschlagen ist.


In der libanesischen Hauptstadt Beirut haben Aktivisten zur Abschaffung eines Gesetzes aufgerufen, mit dem Vergewaltiger durch die Heirat mit ihrem Opfer einer Bestrafung entgehen können. Sie forderten die Parlamentarier am Samstag auf, bei einer anstehenden Beratung den umstrittenen Artikel 522 des Strafgesetzes abzuschaffen.

 

Die Lage ist ernst, diesmal aber wirklich. Bis Montag um 16 Uhr konnten die rund 12.000 Mitarbeiter über den Rettungsplan samt Jobabbau und Gehaltskürzungen abstimmen. An der Urabstimmung hatten sich rund 90 Prozent der Belegschaft beteiligt. Laut italienischen Medien überschritten die Nein-Stimmen im Laufe des Montag-Abend bereits die 50 Prozent-Marke. Damit dürfte Italiens größte Airline unter die Kontrolle eines Insolvenzverwalters gestellt werden.

 

Deutschland/Berlin

 

Angesichts der Zunahme von Gewalttaten in Deutschland fordert die Gewerkschaft der Polizei (GDP) von Bund und Ländern, das Personal bei den Sicherheitskräften und der Justiz massiv aufzustocken. Um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu verbessern, müssten deutlich mehr Polizisten sichtbar auf der Straße unterwegs sein.

 

Ein geplantes Treffen des deutschen Außenministers Sigmar Gabriel mit linken Menschenrechtsorganisationen während seines Antrittsbesuchs in Israel sorgt für Wirbel. Das israelische Fernsehen berichtete am Montagabend, Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erwäge deswegen eine Absage seines Gesprächs mit Gabriel am Dienstag. Der private Sender Channel 2 meldete, der Regierungschef habe seinen Gast aus Deutschland vor die Wahl gestellt, sich mit den Menschenrechtlern oder mit ihm zu treffen.

 

CSU-Chef Seehofer will entgegen früherer Ankündigungen über 2018 hinaus im Amt bleiben. Er will am Parteitag im November nun doch erneut als CSU-Chef kandidieren und im Herbst 2018 wieder als Spitzenkandidat in die Landtagswahl ziehen.

 

Sport

 

 

Fussball

 

Die U19-Mannschaft von Red Bull Salzburg hat am Montag den wichtigsten europäischen Nachwuchsbewerb auf Klubebene gewonnen. Das Nachwuchs-Team des österreichischen Fußball-Meisters setzte sich im Finale der UEFA Youth League in Nyon gegen Benfica Lissabon mit 2:1 (0:1) durch.

 

Zlatan Ibrahimovic denkt trotz seiner schweren Knieverletzung nicht an ein Karriereende. "Ich werde das durchstehen wie alles andere und sogar noch stärker zurückkommen", schrieb der schwedische Fußball-Superstar bei Instagram. Der Torjäger von Manchester United hat sich britischen Medien zufolge das vordere und hintere Kreuzband gerissen und wird daher wohl bis Jahresende ausfallen.

 

500 Pflichtspieltore von Messi für Barça in knapp 12 Jahren: Bei den Katalanen feiert man wieder einmal seinen Superstar.

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