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ÜBERRESCHENDES

CATRIN RESCH aus Schwerin, Baupolier, Mauermalerin und Vizeweltmeisterin im Kraftsport

INTERVIEW ZUR PERSON

2011-10-16 (53 EASTSIDEGALLERYMAERINPOLI[...]
Microsoft Word-Dokument [195.5 KB]

ÜBERRESCHUNG 18 (2015-06-22)

Der kollektive Zusammenbruch

der Eltern

Ein Unheil kommt selten allein - Familientragödie in drei Akten

Vielleicht ist es dem einen oder anderen auch schon mal so ergangen, dass ein Defekt nur der Anfang einer ganzen Serie war. Ich höre häufig von Leuten, die erzählen, kurz nachdem die Waschmaschine ihren Geist aufgab, verweigerte der Fernseher den Dienst. Und damit nicht genug! Wenige Tage später brach der Staubsauger zusammen. In akuten Fällen ging dann auch noch was am Auto kaputt. Ja, solche Ereignisse lassen uns schon aufmerken und staunen und irgendeine Art Verschwörung erahnen.

Aber, das ist ein Problem der Technik. Welches wahrscheinlich darauf beruht, dass alles nur für kurze Zeit funktionieren soll, damit die Wirtschaft auflebt, und wir alles wieder erneuern müssen.

 

Mit dem Rettungswagen ins Klinikum

 

Vor einigen Wochen schien jenes Phänomen über unsere Familie gekommen zu sein!

Bis Mittwochabend ahnte ich nicht, welche Lawine sich gelöst hatte.

Wie so häufig war ich gleich nach Feierabend in die Sportsachen geschlüpft und begab mich auf meine Laufrunde. Das Wetter war herrlich und ich ahnte nichts Böses. Bei meiner Rückkehr warf ich einen Blick aufs Handy. Da war ein Anruf in Abwesenheit gewesen. Ich erkannte den Anrufer. Es war der Freund meiner Mutter.

Er ruft mich nicht oft an! Da nahm mein Herz schon einen schnelleren Rhythmus auf.

Ich wählte seine Nummer. Gleich, als er sich meldete, spürte ich die Aufregung in seiner Stimme. Was er mir zu berichten hatte, war wenig erfreulich!

Meine Mutter war gestürzt und mit dem Rettungswagen ins Klinikum gebracht worden.

Ich brauchte einen Moment, um die Information zu verarbeiten. Mein erster Gedanke war, mich sofort ins Auto zu begeben und zum Krankenhaus zu fahren. Aber dann bewahrte ich einen kühlen Kopf. Was hätte ich nachts da schon bewirken können. Glücklicherweise stellten sich ihre Verletzungen als nicht ganz so schlimm heraus. Und sie verblieb nur die eine Nacht im Krankenhaus.

Die Arbeit lenkte mich gut ab. Das Kribbeln des grossen Erschreckens legte sich langsam in meiner Brust. Am Abend fuhr ich dann nach Hause und fand meine Mutter zwar in lädiertem Zustand, aber doch recht guter Verfassung vor.

 

Schon der Klingelton verriet nichts Gutes

 

Freitag früh fuhr ich dann wieder nach Hamburg auf die Baustelle. Es ist ja bekannt, Freitag ab eins macht jeder seins. Ich war gerade auf dem Weg zum Parkplatz, da ertönte der Klingelton meines Handys. Sogleich überkam mich ein unwohles Gefühl. Stimmte etwas nicht mit der Ma? Also kramte ich das Ding aus dem Rucksack und schaute zögerlich auf das Display.

Es war die Nummer meines Vaters. Nur als ich mich meldete, hörte ich nicht seine Stimme. Seine Frau sprach mit mir. Sie suchte nach Worten, redete lamgsam, bedacht und leise. Mein Hirn pulsierte für einen Augenblick so sehr, dass ich glaubte, es könnte meinen Schädel zersprengen.

Ich konnte gar nicht fassen, was sie mir mitteilte. Mein Vater hatte so heftige Herzprobleme gehabt, dass sie den Notarzt hatte rufen müssen. Nun lag der im Krankenhaus und wartete auf seine Op.

Binnen so weniger Tage zwei solcher miesen Nachrichten waren schon sehr heftig!

Ich muss erwähnen, dass ich zuvor mit derartigen Unannehmlichkeiten kaum zu tun hatte. Sonst waren alle immer recht fit! Und plötzlich war das vorherrschende Thema aller Unterhaltungen nur noch Krankheit und Schmerz. Mein Bedarf daran war gestillt, aber das ist gelogen - er hatte ja nie bestanden!

 

Das Ende der Misere folgt

 

Am Montag der folgenden Woche, rief ich meinen Bruder an, um zu erfragen, wie es unserem Vater geht. Er klang nach Weltuntergangsstimmung. Eigentlich hätte ich jetzt einen Herzspezialisten gebraucht! Unserem Vater ging es recht gut. Aber am Sonntag hatte es die Frau meines Vaters erwischt. Wie meine Mutter und unseren Vater hatte man auch sie mit dem Rettungswagen ins Klinikum befördern müssen.

Innerhalb von fünf Tagen alle Eltern über die Notaufnahme ins Krankenhaus. Sowas kommt doch sonst nur bei Massenepedemien oder Zug- und Flugzeugkatastrophen vor. Was mag das Personal im Klinikum wohl gedacht haben, jeden zweiten Tag einen Patienten mit dem gleichen Nachnamen in die Kartei aufzunehmen?

Nun, ja! Es ist jetzt ein paar Wochen her. Die Blessuren meiner Mutter sind nicht mehr zu sehen, aber Schmerzen plagen sie noch immer. Unser Vater hat sich gut erholt.Er ist nun Besitzer eines Herzschrittmachers.

Die zeitliche Folge der Erkrankungen verhält sich in gewisser Weise proportional zur Schwere der Auswirkungen. Die Frau meines Vaters hat sich noch nicht ganz wieder erholt. Aber sie ist unschlagbar tapfer!

Manchmal überhäufen sich Ereignisse. Und man fragt sich, wie kann es nur sein?!

Die Wege des Herrn sind unerschließlich.

CR

ÜBERRESCHUNG 17 (2015-01-18)

Der Sieges-„Zug“ einer Lügnerin

Punker, Betrüger, Schaffner, Flachmänner, Schlappschwänze – und ich mittendrin

Wer kennt ihn nicht den Spruch: "Wenn einer eine Reise tut ,dann kann er was erleben!".

Vor einigen Wochen kehrte ich von einem Kraftsport-Wettkampf aus Italien zurück. Zunächst ging es mit dem Flieger von Turin nach Frankfurt und nach einem kurzen Zwischenstopp dann weiter Richtung Berlin.Von dort aus fuhr ich mit dem Zug nach Schwerin.

 

Seltsame Lebewesen

 

Da ich über drei Stunden Aufenthalt hatte, nutzte ich die Zeit noch für einen Ausflug in den Berliner Tiergarten. Das Wetter war an diesem späten Herbstnachnittag wunderbar,und ich genoss den Spaziergang durch den schön angelegten Park. Um 18.00 Uhr schlossen sie jedoch die Pforten. So kam es ,dass ich dann doch noch über eine Stunde auf dem Bahnhof verweilte. Dort herrschte reges Treiben. Pärchen, die sich nicht trennen wollten, hektische Geschäftsleute, Betrunkene, kreischende Kinder, Blinde mit ihren geschulten Hunden, die Fröhlichen, die Coolen und die Verbissenen. Sie alle bewegten sich in irgendeiner Weise über die Bahnsteige. Aber einer fiel mir besonders auf! Ein Punk! Es waren nicht seine auffällig rot-grün gefärbten Haare oder die in Schwarz/Weiss/Rot gehaltenen Klamottten, die er trug,oder gar seine absolut unpassenden Sportschuhe dazu.

Völlig aufgeregt, Flüche von sich sprühend, stapfte er auf und ab.Hektisch gerötet waren seine Wangen und er schwitzte sichtlich. Ansonsten strahlte er Ordnung und Sauberkeit aus.

Dank der Zeit , die unaufhaltsam immer weiter läuft, hat jedes Warten auch ein Ende. So fuhr dann irgendwann mein Zug ein. Zielstrebig bewegte ich mich einer freien Sitzbank mit Blick in Fahrtrichtung entgegen. Es war so ein Viererplatz. Mir gegenüber saß bereits jemand. Und wie könnte es anders sein? Es war ein Punker. Doch nicht der vom Bahnsteig. Bei ihm passte alles zusammen, auch die Schuhe. Seine Haare waren grün-blau. Auf seinem Schoß umklammerte er eine geöffnete Bierflasche. Er hatte eine sehr lockere Haltung eingenommen. Sein Gepäck reichte weit zu mir hinüber. Aber der Bursche war freundlich und aufgeschlossen. So hatten wir nach kürzester Zeit die Platzverhältnisse geregelt und auch unsere Kniee und Füsse im frei bleibenden Raum postiert und kamen zur Ruhe.

Doch diese hielt nicht lange an. Der Rot-grüne vom Bahnsteig hetzte plötzlich durch den Mittelgang.

Der Zug hielt und weitere Fahrgäste stiegen zu. Eine zeternde Frau schob einen Mann vor sich her. Sie kommandierte, sie müsste eine Bank allein für sich haben. Der schlanke hagere Mann wagte kaum noch aufzuschauen. Er wählte einen Platz sozusagen im Rücken des blau-grünen Punkers und verschwand somit kurzzeitig aus meinem Blickfeld. Die Frau breitete sich in dem Viererabteil unserem gegenüber aus, so dass uns nur der Gang trennte. Kaum, dass sie saß, fing sie unliebsam an, den Mann zu massregeln. Sie fragte ,ob er denn total bescheuert wäre. Er sollte sich doch gefällligst auf den Platz ihr gegenüber hinsetzten. Er gehorchte widerspruchslos.

 

Smalltalk der besonderen Art

 

Diese Szene amüsiert verfolgend kommentierte Turnschuh: "Na ,da hast du keine Frage offen, wer die Hosen an hat!" Darüber sichtlich erfreut, hob die Frau in Schülermanier einen Arm und triumphierte: "Das bin ich!" Dann fügte sie hinzu:"Ich bin auch eine von euch. Ich habe jetzt nur leider Krebs und darf mir die Haare nicht mehr färben. Aber früher!"

Es entwickelte sich ein Palaver, wie ich es noch nie erlebt hatte. Nur der Mann sasß teilnahmslos da. Er hielt den Umschlag mit den Fahrtickets in der Hand und starrte auf seine Fußspitzen, als wären sie der Mittelpunkt der Welt.

Nachdem sämtliche Ereignisse der Punkerszene der letzten 15 Jahre diskutiert worden waren, nahm das Gespräch einen anderen Lauf. Es interessierte plötzlich, wer woher kam und warum man sich im Zug aufhielt. Und ich staunte immer mehr! Kerstin (man hatte sich bereits namentlich bekannt gemacht) gab zum Besten, dass sie ihren Mann im Gefängnis besucht habe und fluchte über das deutsche Justizsystem. Um sich wieder ein bisschen zu beruhigen, holte sie einen Flachmann aus ihrer Jackentasche und nahm einen kräftigen Hieb. Dann machte die Flasche die Runde. Turnschuh und der blau-grüne Henrik formulierten nun hemmungslos die Frage, die sich jetzt auch mir stellte. Wer ist denn der arme Tropf, der Kerstin begleitete? Frank! Sie waren Kollegen oder sowas. Streetwalker, die verirrten Jugendlichen den Weg wiesen. Oh, die armen jungen Leute, dachte ich, die sich solchen hoffnungslosen Menschen anvertrauen!

Kerstin scheute nicht, uns noch mehr von den Tiefpunkten ihres Lebens anzuvertrauen. Sie war dem Alkohol verfallen, hatte den Entzug aber geschafft! Und heute war der erste Tag, an dem sie wieder trank. Man hatte ihr auch die jüngste Tochter weggenommen. Diese lebte jetzt bei Adoptiveltern. Ich erschrak über meine Weltfremdheit. Mit so etwas war ich noch nie konfrontiert worden. Ihr Schicksal berührte mich.

 

Wer lügt, gewinnt

 

Turnschuh wurde plötzlich blass, was aber weniger mit den Schilderungen der Frau zu tun hatte. Der Schaffner kam! Er kontrollierte die Fahrkarten und war schon sehr nah. Für Turnschuh gab es kein Entrinnen!

Noch bevor der Schaffner in unserer Runde um die Tickets bat, outete sich Turnschuh. "Ich habe keinen Fahrschein!"  „Kein Problem!"erwiederte der Kontrolleur: "Den können Sie bei mir nachlösen!" Turnschuh senkte nun den Blick. "Geld habe ich auch keines, aber könnten Sie mir nicht eventuell `ne Rechnung geben? "Der Schaffner schluckte. So einen Vorschlag hatte ihm wohl bisher keiner unterbreitet. Und in seiner Dienstbeflissenheit wies er den Punker mit den unpassenden Schuhen darauf hin, er könne bezahlen oder beim nächsten Halt aussteigen. Doch dann geschah etwas völlig Unvorhersehbares. Die Frau mischte sich ein. Sie erzählte, dass alles nur ihre Schuld sei. Sie hätte beim Einsteigen die Hilfe des jungen Mannes benötigt, und dann wäre der Zug schon plötzlich angefahren, und er hätte keine Gelegenheit mehr zum Aussteigen gehabt. Wenn sie in ihrer Not nicht gewesen wäre, hätte Turnschuh den nächsten Zug genommen. Gemeinsam mit seinem Freund, der die Fahrkarten bezahlen wollte.

Zur Krönung ihrer Lügengeschichte, wies sie auf ihren total verzweifelten Begleiter, der ja so ein Schlappschwanz sei und ihr absolut keine Hilfe sein konnte. Mir blieb bei dieser Story fast die Luft weg.

Der Schaffner war mit dieser Situation überfordert. Um Stress abzubauen, blinzelte er mich an. "Und was ist mit Ihnen?" zischte er. "Ich habe meinen Fahrschein brav bezahlt. "Voller Unglauben musterte er meine Dokumente. Sichtbare Erleichterung machte sich nun auf seinem Gesicht breit. Seine Welt schien wieder in Ordnung. Zur grossen Überraschung aller hörte ich ihn plötzlich sagen: "Dann will ich mal beide Augen zudrücken. Aber Sie möchte ich nie wieder in meinem Zug sehen!" Und er verschwand im anderen Waggon.

Turnschuh bedankte sich nicht einmal. Die Lügnerin des Tages feierte sich als Heldin, schickte den Flachmann nochmal in die Runde, rühmte sich ihrer großen Worte. Der hagere Mann an ihrer Seite sah aus ,als wünschte er, im Erdboden zu versinken.

Ich bin mir bis heute nicht sicher, wie ich die Sache deuten soll. Aber eines ist klar! Wenn man eine Reise macht,  kann man was erleben!

CR

ÜBERRESCHUNG 16 (2014-06-06)

Die Wildnis vor meiner Haustür

Der Garten Eden - oder doch nicht?

Wer kennt sie nicht? Die lieben Tiere aus der Nachbarschaft. Da sind Max und Rosi, Bobby, Amy und Rembrandt und manch andere, deren Namen ich nicht kenne. Sie sind grosse und kleine Hunde, die Tag für Tag mit ihren Besitzern ihre Runden drehen.

Und dann gibt es die Vögel. Die, die gegen 3.30 Uhr ihr Konzert mit dezentem Schiepsen und Pfeiffen eröffnen und gegen 5.00 Uhr ihren ohrenbetäubenden Höhepunkt erreichen. Wenn diese Piepmätze erschöpft in Stille verfallen, beginnt Entengeschnatter, und die vier Halsbandtauben nerven mit ihrem Gurren und Glucksen. Von irgendwo mischt sich ein Kuckuck mit ein. Aber nur selten äussern sich die Raben und Krähen. Der schlauste von den letztgenannten Vögeln, mit einer auffallend hellgrauen Halskrause, ist der König im Revier. Erhobenen Hauptes stolziert er alles überwachend über die weiträumige Rasenfläche. Seine Dominanz wird nur von der "Schwarzen Lady" untergraben.

 

Die inaktivste und faulste Katze, die man sich vorstellen kann

 

Die "Schwarze Lady" wohnt im Keller des gegenüberliegenden Wohnblocks. Direkt unter dem Fenster, das ihr als Schlupfloch in die Natur dient. Ihr Besitzer hat extra für sie ein Podest gebaut, auf dem sie je nach Witterung bis zu 14 Stunden des Tages meist leblos thront.

Nur ganz selten können vorbeikommende Hunde sie zu irgendeiner Regung bewegen. Wenn doch mal einer zu nahe kommt, tritt sie vorübergehend den Rückzug in den schützenden Keller an, um dann recht bald wieder ihren Platz auf dem Hochstand zu beziehen.

Ihr Besitzer ist ein älterer Herr, ein echter Tierfreund. Er betreut ein Futterhäuschen und einen Fressnapf ganz in der Nähe seiner "Schwarzen Lady". 

Die „Schwarze Lady“ auf ihrem Hochsitz

Diese beiden Futterstellen sind regelrechte Magneten für alle tierischen Bewohner unseres Viertels. Der eine oder andere lockt einfach jeden an. Enten,Tauben, Rabenvögel und Spatzen geben sich dort ein friedliches Stelldichein. Und selbst Amy sah ich dort schon naschen.

Auch die Population der Hasen ist in unserer Fauna vertreten. Und an manchen Morgenden, wenn ich zum Parkplatz eile, besteht die Gefahr, hinter der Hecke mit einem Reh zusammenzustossen.

Vor einigen Tagen erblickte ich sogar eine kleine schwarze Schlange, die über die Pflastersteine des Gehwegs huschte, um dann im Gebüsch zu verschwinden.

 

Der König des Reviers

 

Es ist der Garten Eden. Alles so harmonisch und friedlich!

Dachte ich lange Zeit! Aber dann holte mich der König des Reviers auf den Boden der Tatsachen.

Stolz und tollkühn – der „König des Reviers“

Ich erblickte ihn vom Balkon aus. In seiner würdevollsten Haltung umschritt er die kleine Baumgruppe. Irgendetwas im Geäst erweckte unverkennbar sein Interesse. Mit lang gestrecktem Hals legte er den Kopf zur Seite und verharrte einen Augenblick. Plötzlich setzte er zum Sprung an und verschwand im dichten Blattwerk.

Ein fürchterliches Vogelgezeter brach los! Schreie, Flattern, Flügelschlagen!

Im wahrsten Sinne des Wortes, war da etwas im Busch! Blätter flogen, Zweige knackten.

Dann sah ich den Grund des Tumults. Verzweifelt kämpfte ein Starenpaar um seine Brut. Aber der König des Reviers kannte kein Erbarmen. Siegestrunken erhob er sich aus dem Geäst, in seinem Schnabel ein noch zappelndes Küken.

Nur wenige Meter neben der Baumgruppe liess er sich nieder. Und auf die gleiche Art wie Seelöwen Pinguine fressen, warf er sein Opfer in die Höhe. Dann durchbohrte er es mit seinem geschlossenen spitzen Schnabel. Im Angesicht der geschockten Eltern riss er seine Beute auseinander und frass genüsslich deren Innereien.

Zwei Möwen kamen herbeigeeilt und teilten sich den Rest des kleinen Vogels. Danach stolzierte der König sein Revier ab, als wäre nichts geschehen.

 

Die Hasenjagd

 

Die erfolgreiche Jagd des Vormittags musste den König beflügelt haben. Denn am Abend des selbigen Tages fiel er über den Hasen her. Dieser sass ahnungslos da und knabberte am Gras. Der König mit seiner hellen Halskrause war zunächst noch weit entfernt. Er flog ein Stück heran. Und dann bewegte er sich wie es nur Rabenvögeln eigen ist, im seitlichen Hüpfgang an den Hasen. Zuerst hielt er noch einen halben Meter Distanz. Seine Geste war eindeutig, nur der Hase erkannte es nicht, frass einfach weiter, den König ignoriere

„Meister Langohr“ auf der Flucht

Überraschend schlug dieser nun zu! Er rammte dem Langohr in die Flanke. Ein kleines Fellbüschel flog auf. Völlig verschreckt streckte sich der Hase in einen gewaltigen Sprung, der ihn auf die Länge eines Rehs erwachsen liess. Zickzack schlagend flüchtete er aus der Reichweite seines Angreifers. Nach einer Weile hatte er den Schock überwunden und widmete sich wieder dem Gras.

Den König stimmte es nicht zufrieden. Mit weit gestreckten Flügeln setzte er zu einem gekonnten Sturzflug an. Zweimal attackierte er den Hasen auf diese Weise. Der hatte nun genug von diesen Belästigungen und hoppelte von der Rasenfläche.

 

Und nun frag ich mich, wie es denn mit dem Frieden vor unserer Haustür bestellt ist. Vielleicht sollte ich mal all die Spinnen und Käfer beobachten. Unter denen sind bestimmt auch knallharte Killer.

Ist eben nicht Eden! Aber unverfälschte Natur!

CR

ÜBERRESCHUNG 15 (2014-05-19)

Hurra, hurra! Neue Möbel sind da!

Keine Liebe auf den ersten Blick, auch Kraftsportler haben Gefühle

Catrin Resch bei den Europameisterschaften im Kraftdreikampf vom 7. bis 11. Mai 2014 in Sofia

Fotos: Archiv Resch

Ich geb`s ja zu. Ich bin kein Freund von Veränderungen. Okay, neuer Anstrich, frische Tapete, anderer Fussbodenbelag. Das kommt schon ganz gut! Und irgendwann, muss ich gestehen, erreiche auch ich den Punkt, dass ich ein altes Möbelstück nicht mehr sehen mag oder kann. Aber soweit war es bei mir noch nicht, als meine Mutter verkündete, für unser Schlafzimmer eine tolle neue Anbauwand bestellt zu haben. Zunächst löste diese Ansage bei mir nur einen kurzen Schock aus, der bald wieder in Vergessenheit geriet. Es verstrichen ein paar Wochen und ich hatte es schon fast vergessen.

Für die Bronzemedaille aus Bulgarien ist in der neuen Regalwand genügend Platz

Ich kam vom Training nach Hause. Meine sonst perfekt gestylte Mutter war sehr salopp gekleidet. Auch ihre Frisur hatte bereits gelitten. Kurzum, sie sah nach Arbeit und ziemlich erschöpft aus. "Ich kann nicht mehr" hörte ich sie hauchen. "Ich dachte, ich würde es noch schaffen, bevor du kommst. Aber ich bin total erschossen.“

 

Die neuen Möbel sind da

 

Meine noch vom Training erwärmte Muskulatur wurde von einer Hitzewallung duchpeitscht. Mein Magen verkrampfte sich und durch meinen Kopf hallte ein Schrei, den ich glücklicherweise nicht ausstiess! Ich sehnte mich nach Schlaf, wollte einfach nur die Tasche packen für den morgigen Tag, mein Frühstück und das Futterpaket zur Arbeit vorbereiten und ins Bett!

Aber diese Planung war jetzt hinfällig.

Zunächst beschränkte ich meine Aktivitäten auf Bad und Küche. Ich wollte nicht ins Schlafzimmer! Ich wollte es nicht sehen!!! Aber schliesslich muss man sich irgendwann jedem Problem stellen. Es traf mich heftiger als erwartet! Binnen weniger Stunden hatte sich das Zimmer von einem richtigen Raum in eine Abstellkammer mit Hochregal verwandelt.

Ausufernd gross und mächtig dominierte das Stück den Raum. Selbst der von mir so geliebte langflorige Teppich konnte sich nicht mehr auf ganzer Länge entrollen. Es war ein Ungetüm in Weiss mit Schiebetüren, die in Führungsschienen gehalten wurden.

 

Ich konnte das nicht fassen!

 

Meine Mutter zeigt bei solchen Dingen sonst wirklich guten Geschmack. Es konnte nur ein brillentechnisches Problem gewesen sein! Aber ich war viel zu müde, meiner Enttäuschung Ausdruck zu geben. Also ergab ich mich meinem Schicksal!

In der Mitte des Ungeheuers, dessen Bonsaiversion sicher schick gewesen wäre, hatte man eine Schreibtischplatte vorgesehen. Diese sollte am nächsten Tag geliefert werden. An der Stelle besass das Regal keine Rückwand. Da in jenem Bereich all die Jahre zuvor der alte Schrank gestanden hatte, fiel dort jetzt der Blick auf die Reste einer längst vergessenen  Tapete. Nun war es meine Aufgabe, diesen Schandfleck noch zu nächtlicher Stunde zu beseitigen. Meine Mutter hatte den Tapetenkleister sogar schon angerührt.

 

Da gab es kein Entrinnen

 

Also fing ich um 21.30 Uhr an, die alten Tapetenreste von der Wand zu entfernen. Glücklicherweise war die Wandfläche nicht allzu gross und ich vollendete nach 1,5 h mein Werk. Totmüde sank ich in mein Bett.

Doch, oh Schreck, es mag albern erscheinen, aber ich bin nun mal ein Gewohnheitstier. Das neue Möbelstück versperrte mir die vertraute Aussicht zum Fenster, die ich sonst vorm Einschlafen geniesse. Frustriert wechselte ich meine Position vom Kopf- zum Fussende. Die völlig fremde Perspektive bescherte mir einen unruhigen Schlaf.

Als ich am nachfolgenden Tag von der Arbeit kam, war es noch hell genug, dass ich das schöne Teil in seiner ganzen Pracht bewundern konnte. Auch die Schreibtischplatte hatte der Tischler bereits montiert. Das Tageslicht verschönte leider nichts.

 

Der Feind in unserem Zimmer

 

In getrübter Stimmung hatten wir einige Pokale und Bücher in den Fächern verstaut. Es war eine Art Friedensangebot zur Selbstversöhnung mit dem neuen Objekt.

Das von mir ungemochte und von meiner Mutter an den ersten beiden Tagen noch verteidigte Regal, geriet auch langsam bei ihr in Missfallen. Glücklicherweise wies es genügend Makelpunkte auf, die eine Reklamation rechtfertigten. Und so kam es, dass das weisse Monster wieder ausgeräumt, demontiert und aus unserer Wohnung getragen wurde.

Wie das eben so mit Ungeheuern ist, hatte es Spuren hinterlassen. Ein Teil der Gardinenstange hatte ihm weichen müssen. Deckenplatten waren von Schraubendübeln gezeichnet. Und ganz bedrohlich sprang nun die Fläche mit der erneuerten Tapete ins Auge.

Es gab kein Zurück mehr

Es kam das Wochenende, an dem meine Mutter verreiste. Somit war ich nun Kapitän auf dem Schiff. Da gab es nur mein eigenes Kommando, das da hiess: "Ganze Wand freilegen und komplett neu Tapezieren!" Am frühen Freitagabend legte ich los. Sonnabend gegen 11.00 Uhr brachte ich meine Mission zum Abschluss. Ich tauschte die beschädigten Deckenplatten aus. Am Ende platzierte ich meine Liege an ihrem neuen Platz, denn das grosse Regal sollte nun durch eine kleinere Variante an der angrenzenden kürzeren Wand abermals aufgestellt werden.

Bei dem Gedanken wurde mir ganz übel. Aber es gab kein Zurück.

 

Vertrag ist Vertrag!

 

Eine weitere Woche strich dahin. Dann war es wieder soweit; das neue Möbel wurde aufgestellt. Eine erneute Enttäuschung erwartend tastete ich mich zögerlich in das Zimmer.

Nun ja, wirklich schön ist anders, aber der grosse Schock blieb aus. Es dauerte wieder ein paar Tage bis wir die Regal- und Schrankfächer bestückten. Mit jedem eingeräumten Teil wurde die Regalwand ansehnlicher. Der Glanz meiner Pokale verleiht ihr ein besonderes Licht. Ich glaube, langsam fange ich an, das Teil zu mögen. Nach vielen beinahe schlaflosen Nächten habe ich mich jetzt auch an die neue Perspektive aus der umgestellten Bettposition gewöhnt.

Hoffentlich bestellt meine Mutter nicht bald wieder etwas Neues, denn unser Tapetenkleister geht zur Neige und von den Deckenplatten sind auch keine mehr da.

Ich liebe neue Möbel!

Catrin Resch

ÜBERRESCHUNG 14 (2013-07-21)

So kann Catrin Resch, wenn sie denn kann.... Fotos: Archiv Resch

Als ein Interview starb

Hallo Leute, wenn ich nicht bald aus den Puschen komme, werdet ihr mich wirklich noch ganz vergessen. Eigentlich wollte ich schon vor Monaten eine heitere Story von mir geben. Aber irgendwie ist mir im März das Lachen abhanden gekommen. Da ahnte ich noch nicht, dass eine kleine Peinlichkeit nur der Grundstein für mein monumentales Gebäude aus Pech sein.

 

Das öffentliche Ohr

 

Kurz vor dem 8.März erhielt ich den Anruf einer Zeitungsredakteurin von einem Regionalblatt in Hamburg. Sie hatte von einem Bekannten erfahren, dass ich als Maurerpolier tätig bin. Zu der Thematik "Frauen in Männerbe-rufen" wollte sie am Internationalen Frauentag einen Betrag in ihrer Zeitung veröffentlichen.

 

Somit bat sie mich um einen Termin auf der Baustelle, um ein paar Fotos und ein kleines Interview zu machen. Ich fand die Idee echt witzig. Der Frauentag an sich steht nicht gerade auf der Nummmer eins meiner Prioritätsliste der besonderen Ereignisse. Aber ich sah es als Chance, ein öffentliches Ohr zu finden. Ihr werdet Euch vielleicht erinnern, zu jenen Tagen war die East-Side-Galery im Gespräch wegen der geplanten Baumassnahme.

 

Grünes Licht vom Chef

 

Darauf wollte ich das Gespräch bringen. Und ausserdem hätte ich gleich für den Kraftdreikampf geworben. Die gute Frau hatte ja keine Ahnung, mit wem sie es zu tun bekommen wollte. Ich malte mir unsere Begegnung in leuchtensten Farben aus. Doch bevor ich endgültig einem Termin zustimmte, sah ich mich in der Pflicht,meinen Geschäftsführer um seine Zustimmung zu bitten.

 

Am nächsten Morgen setzte ich dann alle Hebel in Bewegung.Unsere Sekretärin brachte dem Chef die Sache nahe. Der zeigte sich einverstanden! Nun, so glaubte ich, stünde meinem grossen Auftritt nichts mehr im Wege. Also meldete ich mich in der Redaktion,um den Termin dingfest zu machen.

 

Welches Wismar?

 

Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang erfreut. Dann stellte sie die alles entscheidende Frage: "Wo ist Ihre Baustelle?" Ich nannte die Adresse, merkte aber sofort, dass meine Gesprächspartnerin ins Straucheln geriet. Bald ergaben ihre Worte nur noch ein Gestammel. Irgendwann hatte sie wohl ihre Hausaufgaben nicht richtig gemacht.Sie fragte mich allen Ernstes:"Welches Wismar?" Und nachdem ich sie aufgeklärt hatte, dass es sich um die Hafenstadt in Mecklenburg-Vorpommern handele, war ihr Interresse an mir und den Frauen in Männerberufen gestorben.

 

Wismar war einfach viel zu weit entfernt von ihrere kleinen Welt. So konnte ich nicht zur Förderung des Kraftsports und zum vollständigen Erhalt der Mauergalerie beitragen –

zumindest nicht in jener Zeitung in Hamburg. Sogesehen, war es nicht das Ende der Welt, aber dennoch für mich recht peinlich gegenüber unserer Chefetage. Dort musste ich nun wieder Entwarnung geben.

 

Nun nach Lauchhammer

 

Ja,schmunzelt nur! Hinterher fand ich es auch recht lustig. Aber glaubt mir, das war nur ein leiser Vorgeschmack! Vielleicht ist es mit Glück und den wirklich angenehmen Erfahrungen des Lebens wie mit statischen Systemen, die erst im Gleichgewicht sind,wenn die Summe aller Momente gleich null ist. Also fünf Minuten Lachen und die gleiche Zeit im Tränenfluss!

 

Am 23.März standen die Deutschen Meisterschaften im Kraftdreikampf. Wie immer war ich gut vorbereitet und in top Form. Im Vorfeld hatte ich mich darum bemüht, diesen Wettkampf als Qualifikation für den RAW-Cup im russischen Suzdal zu nutzen. Gemeinsam mit zwei Vereinskamera-

den reiste ich einen Tag vor dem Wettkampf in Lauchhammer an. Am Abend war ich noch bester Dinge. Dann kam die Nacht auf einer viel zu weichen Matraze.

 

Der Knax unter Dusch

 

Direkt nach dem Aufstehen fühlte ich mich noch gut. Ich ging duschen. Ihr ahnt es bestimmt! Nein,ich rutschte nicht aus! Aber ein Nerv verklemmte sich in meiner Wirbelsäule. Anfänglich war der Schmerz noch zu ertragen, doch mit fortschreitender Zeit wurde es immer schlimmer. Zum Beginn der Waage war ich nicht mehr in der Lage aufrecht zu stehen. Für einen kurzen Augenblick dachte ich daran,meine Teilnahme abzusagen.Aber die Vernunft konnte nicht siegen. Der Kampfgeist war stärker.

 

Also quälte ich mich durch die Disziplinen. Die Beuge waren fürchterlich, das Bankdrücken nun ja, und das Kreuzheben die grösste Folter! Was hatte ich mich gemüht! 354 Punkte (bitterst erkämpfte!) von 360 erforderlichen! Suzdal  ade! Ich gestehe,ich hatte Tränen in den Augen und sie kamen nicht vom Schmerz; sie waren Auswüchse meiner Wut. Der einzige Trost,der mir blieb, war die damit erkämpfte Teilnahme an der EM in Luxemburg.

 

Eine Woche Schmerztabletten, Wärmepflaster und leichte Dehnungsübungen besänftigten zwar den Nerv in meinem Rücken, bannten aber nicht das "Böse"von mir. Sicher denkt ihr jetzt. Ist doch alles halb so wild. Es gibt weitaus Schlimmeres! Natürlich! Und das bekam ich dann ja auch!

Fortsetzung kommt bald!

Die Catrin

ÜBERRESCHUNG 13 (2013-03-04)

So könnte es gewesen sein... Foto: LW

Parkplatz-Chaos (1):

Alles ist möglich!



Die meisten von Euch kennen sie bestimmt - Parkplätze oder Tiefgaragen, die mit Schranken gesichert sind, an denen man eine Karte ziehen muss. Eigentlich einfach zu handhaben! Man muss schon ein ziemlicher Trottel sein, um an dieser Stelle zu versagen. Aber glaubt mir - alles ist möglich!

 

Am Ende einer Schlange


 

Nach einem erfolgreichen Einkauf hatte ich ordnungsgemäß meine Parkkarte im Automaten entwertet und den fälligen Betrag bezahlt. Also strebte ich meinem Auto entgegen, verstaute das Gepäck in gewohnter Manier. Bei mir hat alles seinen Platz! Und so auch die Karte. Wie schon viele Male zuvor, legte ich sie auf die Mittelkonsole zwischen Fahrer- und Beifahrersitz.


Jacke aus, Gurt fest, Zündung an und los. Es war voll

auf  dem Parkplatz. Schon wenige Meter, nachdem ich meine Lücke verlassen hatte, bildete ich kurzfristig das Ende einer Schlange von Autos, die sich mal langsam und dann wieder schneller in Richtung der Ausfahrt bewegten. Recht bald reihten sich andere Fahrzeuge nach mir in den Reigen mit ein. De Schrankenanlage war nun nicht mehr weit. Nch einmal anfahren und bremsen!

 

Im Ascher verschwunden

 

Während der vorherigen Manöver dieser Art war die Parkkarte auf der Konsole kontinuierlich nach vorne gerutscht. Ud dann passierte es! Ich erfasste die Entwicklung der Dinge zunächst nur aus dem Augenwinkel. Das rot-weisse Plastikstück hob sich plötzlich nicht mehr vom Schwarz der Konsole ab.

Es war in einem Schlitz im Bereich der Aschenbecher-abdeckung verschwunden.

 

Vielleicht kennt Ihr das ja auch?! Ich nutze immer nur die Dinge, die ich brauche. Dieser kleine Müllbehälter gehört nun nicht gerade in diese Kategorie. Ich bin mir nicht sicher, mag sein, dass ich ihn irgendwann schon einmal geöffnet hatte. Aber wenn, dann lag es lange zurück und ich hatte keine Erinnerung an seinen Aufbau. Drum erkannte ich nicht gleich das Problem. Gelassen schob ich die Abdeckung des Fachs beiseite, um die entwi-chene Karte wieder zu entnehmen.

 

In den Fussraum abgetaucht

 

Mittlerweile stand ich direkt vor der Schranke. Ich hatte die Fenterscheibe geöffnet und wollte nun den letzten Akt vollziehen, um den Parkplatz zu verlassen. Doch, oh Schreck - das Fach war leer! Nichts Weisses, nichts Rotes, nur Schwarz! Fassungslos tastete ich die Wandung des kleinen Raumes ab. Dort war er! Ein schmaler Spalt, direkt an der Oberkante zur Abdeckung hin. Viel zu eng,um ihn mit Fingern zu ergründen.

 

Ich verschwand aus dem Sichtbereich anderer Passanten und tauchte ab in den Fussraum des Wagens. Ich versuchte zu schauen, wo das Auge nicht hingelangte; die Finger zu biegen in anatomisch nicht realisierbare Positionen. Mir wurde warm! Und das hat bei mir viel zu bedeuten. Meine Körperhaltung gewann mir das Äusserste ab. Ich vollbrachte eine akrobatische Höchstleistung! Doch Applaus dafür blieb mir verwehrt. Alles was ich hörte, war ein anschwellendes Hupkonzert.

Da mir der Knick in meiner Körpermitte die Atmung erschwerte, musste ich mich aufrichten. Dabei wagte ich einen Blick in den Rückspiegel.

 

Die letzte Hoffnung

 

Was ich dort sah gefiel mir gar nicht! Ich traf auf hasserfüllte Augen, gebettet in versteinerte Gesichter. Weiter hinten in der Schlange waren einige bereits ausgestiegen und taten kollektiv ihre Begeisterung kund. Ich registrierte sogar Beschimpfungen! Hilfe bot mir niemand an! Dennoch musste ich mit meinen Mitmen-schen Kontakt aufnehmen. Ich hatte kurzentschlossen eine umfangreiche Operation am Innenraum meines Wagens geplant. Die letzte Hoffnung auf Lösung des Problems.

 

Doch dafür war es unumgänglich, den Standort meines Autos zu verändern, um all den Zeitlosen hinter mir nicht noch länger im Weg zu stehen. An diesem Tag gewann ich die Erkenntnis, dass der nach vorn strebende Mensch schon äusserste Schwierigkeiten mit einem "Halt" hat. Das Wort "Zurück" muss solche Schäden anrichten, dass das Hirn einfach abschaltet und eine Verarbeitung dieser Buchstabenreihe total blockiert.

 

Wie die Böcke auf der Brücke?

 

Nach vorn ging es nicht und nach hinten auch nicht. Ich setzte auf Geduld. Eine Fabel aus Schultagen kam mir in den Sinn. Zwei Ziegenböcke, die sich auf einer schmalen Brücke begegnen. Keiner der Beiden wollte weichen. Leider erinnerte ich mich nicht mehr an das Ende der Geschichte. Ich glaube, sie stürzten gemeinsam in die Tiefe.

 

Tiefe, Leere, Raum!!! Der tat sich gerade hinter mir auf! Die Blockade musste sich gelöst haben. Möglicherweise dadurch, dass die Vorwärtsbewegung lange genug unterbrochen gewesen war. In diesem Augenblick, muss ich gestehen, war mir kochend heiss. Die Wut brodelte! Warum musste gerade ich so ein Pech haben?

 

Kraft ist eine wundervolle Gabe

 

Nach aufwendigen Lenkmanövern gelang es mir, das Auto in eine Parklücke zu bugsieren. Ich brauchte Platz! Auf mit der Tür, raus mit dem Rucksack, den Fahrersitz ganz weit nach hinten! Bäuchlings warf ich mich auf die Sitzfläche, den Kopf der Wagenmitte zugewandt, die Füsse nach draussen baumelnd. Ich war bereit zu tun, was nötig war. Ob ich das in meiner Rage wirklich wusste, mag ich heute nicht einschätzen.

 

Kraft ist eine wundervolle Gabe. Manchmal ist es jedoch besser, man hat nicht zu viel davon. Ich bog, hebelte, riss, zerrte und zerstörte. Manches Teil hätte ich besser zusammengelassen! Völlig entkräftet,in schweissnas- sem Hemd, musste ich mir eingestehen, dass all mein Bemühen umsonst gewesen war. Die Karte blieb unauffindbar.

 

Fortsetzung folgt – die Catrin

 



ÜBERRESCHUNG 12 (2012-05-13)

Genügend Muße zur Malerei hatte die Autorin in ihrer Auszeit.

Repro: Resch

Mein Unheil war nur ein Mückenstich

BAULICHT-KRIMI (Teil 6 und Schluss)

Das war der erste Tag meines neuen Lebens. Ich gebe zu, es klingt etwas dramatisch. Und ich muss auch gestehen, dass sich mein Leben danach nicht drastisch verändert hat. Aber ich habe mich verändert! Ich kannte freie Tage nur als Urlaub oder Feiertage, war zuvor nie krank gewesen. Klar hatte es die eine oder andere Prellung oder Erkältung gegeben. Aber aus Angst vorm Arzt schlug ich mich mit solchen Gebrechen stets allein durch und ging tapfer meiner Arbeit nach.

 

Mir fehlte mein Leben

 

Doch jetzt war alles anders. Meine Fersenbeinfraktur setzte mich für 50 Wochen ausser Gefecht. In dieser Zeit durchlebte ich mehrere Krankenhausaufenthalte mit Operationen. Ich lernte offene und geschlossene Kaastverbände und Orthesen verschiedener Ausführungen kennen. Ich perfektionierte meinen Gang auf einem Bein mit Gehhilfen. Keine Treppe war mir zu steil, kein Weg zu holperig und keine Entfernung zu weit. Die ersten Wochen waren so gespickt mit neuen Eindrücken, dass ich kaum an die Arbeit dachte.

 

Doch dann kam die Zeit des Vermissens. Ich sehnte mich nach dem Staub und Dreck und Lärm, nach der unverkennbaren Atmosphäre einer Frühstückspause in der Baubude, nach blöden Sprüchen und sogar nach Kollegen,von denen ich nie gedacht hätte, an sie überhaupt je einen Gedanken zu verschwenden.Mir fehlten das  frühe Aufstehen und der zu wenige Schlaf, die körperliche Erschöpfung und der Stolz auf etwas Fertiggewordenes. Mir fehlte mein Leben!

 

Es geht auch ohne Baustellen

 

Also gestaltete ich mir ein neues. Ich besann mich auf meine Hobbies. Ich zeichnete und malte viel, nahm mir Zeit zum Lesen und trainierte meinen Körper um das Bein herum, so gut es mir möglich war.

Bald schon gab es keine "Freizeit " mehr. Meine Tage waren straff durchorganisiert. Und mal abgesehen von Schmerzen und anderen Unannehmlichkeiten gefiel es mir recht gut! Ich gewann meine erste Erkenntnis! Auch ohne Baustellen war ich lebensfähig.


Aber es gab noch viel mehr, dass ich in diesen 50 Wochen lernte. So wurde mir bitter klar, dass sich die Firma bereits nach wenigen Wochen an seine langjährigen Mitarbeiter kaum noch erinnert. Wahrscheinlich rechneten sie nicht mehr mit meiner Wiederkehr. (Das ist ein eigenständiges Kapitel.Darüber könnte ich einen Roman schreiben.) Aber weitaus prägender waren die Einblicke in die Schicksale anderer Menschen. Speziell derer, die ich im berufsgenossenschaftlichem Klinikum Boberg in Hamburg kennenlernte. Sie führten mir deutlich vor Augen, dass das, was ich schon für grosses Unheil hielt, nur ein Mückenstich war.

 

ENDE – die Catrin



ÜBERRESCHUNG 11 (2012-04-21)

BAULICHT-KRIMI (5)

Gemälde:  Catrin Resch

Nichts mit Pinguin

So rappelte ich mich auf und hinkte zum Fenster und liess lebensnotwendige Luft einströmen. Bei dieser Gelegenheit erkundete ich die Mechanik der Lamellenrollos und entschied, ein wenig Licht könnte dem Zimmer nicht schaden. Ich will nicht unbedingt von Wohlbehagen reden, aber Licht und Luft taten mir gut. Ich fühlte mich nicht mehr ganz so niedergeschmettert und ausgeliefert. Ich verkroch mich unter dem Zudeck und hoffte trotz der mich umwogenden Geräuschkulisse etwas Ruhe zu finden. Der Schmerz in meinem Fuss erwuchs ins Unermessliche.

 

Arme in der Kniekehle

 

Verzweifelt suchte ich nach einer erträglichen Liegeposition. Das Bein in die Schiene, den gesunden Fuss unter´s Knie; oder besser, das kranke Teil über das Zudeck, gekreuzt über das gesunde Bein; oder sollte ich den verletzten Fuss doch aus dem Bett hängen lassen? Ich erforschte eine Vielzahl von Variationen, die keinen Erfolg brachten. Am meisten Bequemlichkeit erreichte ich, indem ich den kranken Fuss senkrecht nach oben streckte und beide Arme in der Kniekehle des selben Beines verschränkte. Diese Haltung war leider nicht zum Schlafen geeignet, half aber den Schmerz zu beherrschen. Ach, wär ich doch ein unbeschwerter Pinguin im Wasser, wie ich ihn schon oft gemalt habe.

 

Ablenkung soll in solchen Momenten ja für Linderung sorgen. Und die bekam ich auch recht bald! Ein Rascheln und Scharren ertönte aus dem Bett auf der rechten Seite und ein leises Brubbeln. Ich stellte mich schlafend, lauschte gespannt. Die rechte Nachbarin kämpfte sich gegen die Schwerkraft aus dem Bett. Nach mehrmaligen Versuchen gelang es ihr, ihre Füsse in die Pantoffeln zu schieben. Sie schlurfte los, zielstrebig auf das geöffnete Fenster zu.

 

Was einen nicht umbringt...

 

Zeitgleich wandelte sich das Schnarchen zu meiner linken Seite von lautem Grunzen zu einem kratzenden Röcheln. Dann hörte ich das Klappen des Fensterflügels, das Drehen der Olive und mit einem Klack-Klack schlossen sich die Lamellen der Jalousie. Für Wut fehlte mir die Kraft.Aber was einen nicht umbringt, macht einen ja angeblich nur noch stärker. Nach diesem Krankenhausaufenthalt sollte ich sehr stark werden! Irgendwie gelang es mir, den Drang zu besiegen, das Fenster erneut zu öffnen.

 

Ich streckte den schmerzenden Fuss wieder in Richtung Zimmerdecke und konzentrierte meine Gedanken darauf, dem Schmerz eine Farbe zu geben. Stahlblau umgeben von einer Korona gleich der der Sonne an heissen Sommertagen; gelbgrüne Blitze aus einem tiefen Magenta,das am Rande  kreisförmig in allmächtiges Schwarz überging. Und dieses Schwarz war erfüllt von grellen Lichtern wie den sprühenden Funken eines Feuerwerks.

 

 

Und nun auch noch eine Rakete 

 

Irgendjemand schoss gerade eine Rakete ab. Doch ich sah sie nicht vor meinem inneren Auge, sondern nahm ich diese akustisch war. Nun, bei der gedämpften Zündung wäre sie wohl nicht sehr hoch geflogen. Die Luft im Zimmer wurde unerträglich. Die durch das zuvor durch mich geöffnete Fenster eingetretene Frische war  viel zu schnell verbraucht. Die netten alten Damen mit ihren weit aufgerissenen Mündern verschlangen mit jedem Atemzug ganze Happen von Sauerstoff.

 

 

Ich musste da raus! Kurzentschlossen floh ich auf den Flur.Doch schon nach wenigen unsicheren Schritten auf Krücken und einem Bein lief ich dem Stationspfleger in die Arme. Fürsorglich nahm er sich meiner an. Schneller als es mir lieb war, geleitete er mich zurück in das Zimmer zu meinem Bett. Er schrieb mein Schlafproblem den Schmerzen zu, verschwand und kehrte kurz darauf mit einem kleinen Becher zurück. In dem Behältnis befand sich eine leicht zähe Flüssigkeit, deren Farbe ich bei der Dunkelheit nicht erkennen konnte.

 

Gehirnzelle liefen amok  

 

"Das hilft gegen den Schmerz"sagte er und liess das Becherchen auf meinem Nachttisch zurück und machte sich aus dem Staub. Mittler-weile wurde ich so müde und erschöpft, dass mir alles egal war. Schlimmer konnte es ja kaum noch werden! Dachte ich jedenfalls.

 

Mit der Gewandheit eines Stammtischgängers kippte ich die Flüssigkeit in mich hinein. Doch, oh Schreck! Ein derart widerliches Geschmackserlebnis hatte ich noch nie gehabt! Sauer, bitter, prickelnd scharf und ein wenig salzig! Meine Gehirnzellen liefen amok. Vielleicht war die Medizin gar nicht zur oralen Einnahme gedacht. Hätte ich sie besser über den demolierten Fuss giessen sollen? Aber hätte es mir der Pfleger dann nicht gesagt?

 

Unheilhoffend lauschte ich in meinen Körper. Kein sonderbares Glucksen, Brennen im Magen? Nein! Kein Bauchschmerz! Auch Zunge und Rachenraum schienen unversehrt. Oder lag es etwa nur an meiner allmählig schwindenden Wahrnehmungsgabe. Irgendwie wurde das Schnarchen um mich herum leiser. Und ich schlief ein. Danke!

 

Schluss folgt - die Catrin

ÜBERRESCHUNG 10 (2012-04-15)

BAULICHT-KRIMI (4):

Unfallkrankenhaus Berlin. Hier hätte es unsere verunfallte Titelheldin wahrscheinlich besser gehabt.

Foto: LW

Nacht des tanzenden Zäpfchens

Doch ein schlaues Herz erkennt gleich einem Ralleyfahrer, der hinter der Kurve eine Gefahr wittert, wann es Zeit wird, das Tempo herabzusetzen. Ruhe und Gelassenheit machten sich in mir breit. Und das war gut so!

Man brachte mich auf das Zimmer. Meine Mutter begleitete mich. Auf dem Weg durch die Flure des Klinikums glaubte ich plötzlich, ihre ehemalige Kollegin Gudrun zu sehen. War ich schon jetzt dem Wahnsinn verfallen?! Mein Verstand brauchte einen Augenblick. Es widersprach zwar jeglicher Logik; aber Gudrun war da! An diesem Ort, da sie jetzt eigentlich nicht hingehörte.

 

Das mittlere Bett

 

Doch manche Leute schrecken selbst sonderbarste Ereignisse nicht ab, geplante Verabredungen einzuhalten. Auch Krankenhäuser sind Orte der Begegnung! Sie begleitete uns sogar bis zu meinem Bett.
Ich nahm das Geschehen um mich herum wie durch einen Filter wahr.Wie gut! Ansonsten hätten spätestens beim Erblicken meiner Zimmerkameraden meine Alarmglocken läüten müssen. Zwei ältere Damen! Nett!


Mein Bett stand in ihrer Mitte. Die zu meiner Linken schlief bereits. Sie war blass und hohlwangig und hatte den Mund soweit zum Schnarchen geöffnet, dass ich das kleine Zäpfchen in ihrem Rachen tanzen sah. Die extreme Schrägstellung des Kopfteiles ihres Bettes liess nicht die geringste Hoffnung zu, dass ihr Schnarchen im Laufe der Nacht irgendwann versiegen würde.

 

Brubbel, brubbel


Eigentlich schon schlimm genug! Jedoch die Lady auf der rechten Seite stellte das wohl grössere Problem dar. Ihre fleischigen Beine, (gezwängt in Trombosestrümpfe, die an den Knien sich kringelnd endeten, da die Oberschenkel wohl nicht hinein passten) baumelten seitlich aus dem Bett. Mit vorgebeugtem Oberkörper brubbelte sie unentwegt vor sich hin.


Ich wusste nicht , ob ihre Kommentare mir galten oder nur für die Dunkelheit der Nacht bestimmt waren. Gudrun und meine Mutter ignorierten sie. Wie bereits erwähnt, war ich erschreckend ruhig. Ich wollte nur noch schlafen, mir über nichts mehr Gedanken machen. Und irgendwie war ich sehr froh , als meine Mutter und ihre Besucherin Gudrun endlich gingen.

 

Vielleicht ein Schleuse


Witzigerweise war ich überzeugt davon, am nächsten Tag auf ein anderes Zimmer verlegt zu werden. War eben mein erster Krankenhausaufenthalt! Und ich wusste nichts über die Gesetze dort. Ich hielt dieses Zimmer für eine Art Schleuse, ein Auffangbecken für die Neuankömmlinge, die es am nächsten Tag zu verteilen galt.
Die Luft im Raum roch erbärmlich. Bei einem prüfenden Blick zur Fensterfront stellte ich fest, dass alle drei Flügel geschlossen waren. Undenkbar so zu schlafen!                                    

 

(Fortsetzung folgt) Die Catrin                       



ÜBERRESCHUNG 9 (2012-04-01)

BAULICHT-KRIMI (3):

So ähnlich muss das wohl ausgesehen haben.

Foto: Wikipedia

Nicht mal der Entwurf eines Planes

Da meine ersten Schrittversuche wohl so erbärmlich wirkten, schulterte er mich kurzentschlossen, wie er es von den Mörtelsäcken gewohnt war. So verfrachtete er mich auf einen Stuhl im Pausenraum. Irgend jemand brachte einen Plastikbeutel, gefüllt mit Eiswürfeln.

 

Kühlung,eine gute Idee! Auf meinen glühenden Schläfen hätte es wohl gut getan. Doch ich wollte es meinen Helfern nicht weiter erklären, sie nicht enttäuschen, und liess die Prozedur über mich ergehen. Aber jeglicher Kontakt mit einem festen Gegenstand führte nur zu grösserem Schmerz in meinem Fuss!

 

Um Kopf und Kragen

 

Während ich im Begriff war, den ersten Schock zu verwinden, meine Augen und Ohren für das Geschehen um mich herum wieder aufnahmefähig wurden, stockte mir schlagartig der Atem. Ich sah sie auf mich zukommen. Zwei Männer in den typisch orangefarbenen Jacken mit den reflektierenden Leuchtstreifen darauf. Die Wahrscheinlich-

keit, dass sie wegen eines anderen kamen oder gar nur zufällig vorbeischauten, erschien mir äusserst gering.

 

Nun war es doch passiert! Irgend jemand hatte mich verraten! Es gab kein Entrinnen mehr. Selbst mit gesunden Beinen wäre es für eine Flucht zu spät gewesen. Sie waren schon zu nah,viel zu nah! Fragen prasselten auf mich ein, sie zerrten an mir herum, starrten mir in die Augen. Sie wollten sogar, dass ich den Klumpen namens Fuss für sie in die ein oder andere Richtung bewegte.Aber das fiel aus! Besonders gesprächig war ich nicht in meinem traumatisierten Zustand. Also taten die anderen Handwerker ihr Bestes. Sie redeten sich nicht um ihren, sondern um meinen Kopf und Kragen und lieferten mich den Rettungssanitätern aus.

 

Horrorszenario

 

Ich konnte nicht verfolgen, wohin sie mich fuhren. Aber eines war sicher: Diese Burschen kannten sich gut aus auf Hamburgs Strassen; besonders mit den Schlaglöchern. Denn nach meinem Empfinden liessen sie keines aus!

 

Auf der Notstation angekommen, übergaben sie meine Unterlagen an einen medizinischen Assistenten und mich der Einsamkeit auf einem weiten weissen kalten Flur. Die Stille tat mir gut.So konnte ich mich ein bisschen beruhigen (und Fluchtpläne schmieden). Wenige Stunden später stand es dann fest! Eine Wiederherstellung des Knochens war nur auf operativem Wege machbar. Das war der eigentliche Schock! Krankenhaus! Das Horrorszenario! Übelkeit stieg in mir auf. Und es grenzte an ein Wunder, dass ich mich nicht auf dem Behandlungstisch des Unfallchirugen übergab.

 

Panik beim Arztbesuch

 

Da war ich nun! Ausgeliefert dem medizinischen Personal, ergeben der eigenen Vernunft und dem uns stets beherrschenden Wunsch nach Selbsterhaltung. Das Wort "Arzt" genügte, seit ich denken kann, um meinen Kreislauf auf bedrohliche Weise in Schwung zu bringen. Schon der Gedanke an Reihenuntersuchungen während der Schulzeit hatte mir schlaflose Nächte bereitet. Wie sollte ich einen Krankenhausaufenthalt überstehen?!

 

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass mich bereits Panik befiel, wenn einem anderen Familienmitglied ein Arztbesuch bevorstand. Die Art meiner Verletzung liess mich nicht darauf hoffen, in ein mehrtägiges Koma versetzt zu werden. Bei vollstem Bewusstsein (mal abgesehen von der Zeit der Operation) standen mir zwei meiner härtesten Wochen bevor. Dafür hatte ich keinen Plan; nicht einmal den Entwurf eines Planes! Ich wünschte mir nur sehnlichst auf meine Beherrschung und Kraft vertrauen zu können, um nicht doch noch auf die psychatrische Abteilung überwiesen zu werden.

 

Fortsetzung folgt. Die Catrin

ÜBERRESCHUNG 8 (2012-03-17)

BAULICHT-KRIMI (2):

Soll man sich so Nothelfer Heiko vorstellen?

Repro: Wikipedia

Wie einst Mose am Jordan

1. Fortsetzung

 

Den Fuss gen Himmel

 

Irgendwie war es mir gelungen von der Bauch- in die Rückenlage zu wechseln. Zusammengerollt wie ein Igel wiegte ich mich hin und her. Vielleicht in der Hoffnung die Reizleitung vom Bein zum Kopf unterbrechen zu können, hatte ich die Arme fest in der Kniekehle verschränkt, den Oberschenkel eng an den Körper gepresst und den Fuss gen Himmmel gerichtet. In dieser Position suchte ich nach dem Ort des Übels.

 

Ich  horchte in mein Knie, in den Unterschenkel, Knöchel. Knöchel war schon ziemlich warm! Hacken?! Heiss!!! Der Hacken und das Fussgelenk; dort rührte der Schmerz her. Instinktiv riss ich Schuh und Strumpf von mir. Der Anblick war erschreckend! Um ehrlich zu sein gab es nur noch zwei Gründe, die dafür sprachen,dass es sich um einen (meinen) Fuss handelte. Er befand sich in der Verlängerung meines Unterschenkels und endete in fünf Zehen. In Form und Farbe erinnerte er kaum noch an ein menschliches Körperteil. Mir wurde etwas übel.

 

Dem Erzfeind ausliefern?

 

Meine Beobachter standen wie erstarrt im Flur. Als hätte ich eine Seuche oder würde Gift versprühen, hielten sie einen gehörigen Sicherheitsabstand zu mir ein. Doch plötzlich löste sich einer aus der Menge. Es war Achim, der Heizungsbauer. Zögerlich setzte er ein paar kleine Schritte in meine Richtung, beugte sich auf meine Höhe herab. In etwa einem Meter Entfernung begab er sich auf ein Knie. Sein Gesicht wirkte besorgt und mitfühlend. Und dennoch war etwas Bedrohliches an ihm. Wie einen schussbereiten Revolver umschlossen die Finger seiner Rechten sein Handy.

 

Dann hörte ich seine Stimme. Hörte, aber konnte nicht verstehen. Eines seiner Worte jedoch sprengte den Schmerz in mir wie ein Stein beim Einschlag in eine Pfütze all das Wasser in feinste Tröpfchen zerteilt. "Arzt"!!! Soll ich dir einen Arzt rufen?" Ja. das war die Frage gewesen. Zu all meinem Elend kam nun auch noch Panik hinzu. Nichts auf der Welt fürchte ich mehr als Ärzte! Panische Angst ergriff mich. Der sonst so nette Achim wollte mich verraten, dem Erzfeind ausliefern. Meine Lage wurde immer aussichtsloser.

 

Ich brauch keinen Arzt

 

Drum reagierte ich wohl auch wie ein in die Enge getriebenes Tier. Nun, mit gefährlichen Klauen und Reisszähnen konnte ich nicht aufwarten. Aber meine Antwort traf Achim genauso scharf. Es waren nicht unbedingt meine Worte, aber die Art und Weise wie sie aus mir zischten."Lass mich in Ruhe! Ich brauch keinen Arzt!"

 

Ratlos und eingeschüchtert schnellte der Heizungsbauer in die Sicherheit der Gruppe zurück. Das Handy verschwand wieder in seiner Hosentasche. Diese Gefahr schien gebannt. Nur die erhoffte Linderung stellte sich nicht ein. Ich wiegte mich weiterhin von einer Seite auf die Andere. Zum Jammern verlor ich langsam die Kraft. Ich konzentrierte mich nur noch auf meine Atmung.

 

Heiko kam

 

Wieviel Zeit seit meinem Fall vergangen war, weiss ich nicht. Ich fühlte mich gefangen in einer nicht enden wollenden Ewigkeit.

Endlich tat sich etwas.Vielleicht hatten die anderen Handwerker ihn gerufen, oder auch er hatte auf der anderen Seite der Baustelle mein Gebrüll gehört. Heiko kam! Mein einziger Mitarbeiter von unserer Firma. Wie Mose einst die Wasser des Jordans teilte, begab er sich durch die kleine Menge auf mich zu. Nun, ein freiwilliger Feuerwehrmann ist eben durch nichts aufzuhalten! Grosse Hände packten mich, hoben mich vom Boden auf, hielten mich in der Position des aufrechten Ganges.

 

Fortsetzung folgt



ÜBERRESCHUNG 7 (2012-03-10)

BAULICHT-KRIMI (1):

Foto: Archiv LW

Schubkarrenslalom

Bis zur Mittagspause verlief der Tag ganz normal. Nach dem Essen blödelten wir noch ein bisschen umher. Und dann verriet ein Blick auf die Uhr, dass die letzte Etappe vorm Feierabend begann. Natürlich ahnte ich nicht, dass sie an jenem 30. März für mich nur noch sieben Minuten lang sein sollte.

 

Wir befanden uns im Kellergeschoss der Baustelle.Ich strebte mit meiner Schubkarre die Steinpalette in der Garagenzufahrt an. Der Flur, den ich durchquerte, war nicht besonders breit. Aber heute war er noch etwas enger als sonst. Die Fussbodenleger hatten Linoleum in 2m breiten Rollen geliefert bekommen, und diese standen nun an der Seite des Flures. Ich nahm die letzte Kurve. Knappe 15m trennten mich noch von der Steinpalette. Aber ich erreichte sie nicht mehr.

 

Völlig unerwartet begann ich zu straucheln. Es packte mich zunächst auf der rechten Seite, wo der Rücken Richtung Bein seinen Namen ändert. Ein so mächtiger Hieb, dass ich brutal mit dem rechten Knie aufschlug. Und wäre die Sache damit zu Ende gewesen, hätte ich wohl fürchterlich über die Schmerzen im Knie und an der Arschbacke gejammert. Doch das war nur der Hauch des Vorgeschmacks dessen, was mich dann erwartete.

 

Zuvor nahm ich noch das aus der Wand ragende Heizkörperventil wahr. Ich verfehlte es nur um wenige Millimeter mit meiner rechten Schläfe. Doch ehe ich gänzlich auf dem Boden zu liegen kam, durchfuhr mich der Schmerz meines Lebens. Alles andere wurde zur Nebensache. Zeit und Raum gingen mir verloren.

 

Katapultartig durchschossen Gedanken meinen Kopf: Heute werd ích keinen Stein mehr vemauern! Training muss wohl ausfallen! Und-oh ,mein Gott! Tut das weh! Bloss nicht heulen! Plötzlich hörte ich einen Schrei. So unbeschreiblich laut! Kein wehleidiges Jammern, kein schreckerfülltes Kreischen. Er kam dem Gebrüll eines Löwen gleich, der die gesamte Tierwelt des afrikanischen Kontinents von seiner Anwesenheit in Kenntnis setzten wollte. Zu meinem grössten Erstaunen entwich dieses Geräusch meiner eigenen Kehle! Als die Luft alle war, hielt ich inne.

Ich glaube für den Bruchteil einer Sekunde war ich sogar stolz auf diesen Schrei. Er klang so würdevoll und mächtig! Seine Wirkung hatte er auch nicht verfehlt. Fast die gesamte Belegschaft der Baustelle hatte sich bei mir im Flur eingefunden. Sogar den Architekten konnte ich in der kleinen Schar ausmachen. Seine braunen Augen schienen beinahe aus dem Kopf zu fallen. Er erinnerte mich an ein aus dem Dickicht aufgescheuchtes Reh. Ein wenig hektisch wies er die Fussbodenleger an, die Linoleumrollen sofort zu beräumen und flach hinzulegen. Seine Worte waren wie Klänge aus einer entfernten Galaxie.

 

Fortsetzung folgt!          Die Catrin

 



ÜBERRESCHUNG 6 (2012-01-31)

Foto: Resch

Lazarett unterm Weihnachtsbaum

Weil wir gerade noch einmal von Weihnachten sprechen: Vor einigen Jahren schnappte ich ein Zitat auf: "Wenn alle um dich herum in Panik geraten und du die Ruhe bewahrst, könnte es daran liegen, dass  du die Situation falsch einschätzt!" Damals, so erinnere ich mich, lies mich dieser Spruch lange nicht los. Ich kam auf viele andere Gründe, die dazu führen könnten sich vom hektischen Treiben der anderen nicht mitreissen zu lassen. Aber am ersten Weihnachtsfeiertag musste ich einsehen, dass dieser Spruch in seiner ursprünglichen Form durchaus zutreffen kann. Im Besonderen der letztere Teil.

Ermot ist der Stubenälteste

Bestimmt gibt es in jeder Familie zu den Feiertagen feste Rituale. Und so gehört es seit vielen Jahren zu unseren Traditionen, dass ich den Nachmittag und frühen Abend des 24.12. bei meinem Vater verbringe. Den Rest des Heiligen Abends bin ich dann zu Hause mit meiner Mutter. Aber wir sind nicht ganz allein. Wir geniessen die Gesellschaft unserer Aquarienbewohner. In einem 220-Liter-Becken beherbergen wir zwei Schleierschwänze, zwei Papageifische und einen Spanischen Rippenmolch.

Und da wir sie lieben und sie schon über Jahre zur Familie gehören, haben sie natürlich auch Namen. Die Schleierschwänze heissen Roka und Rofe. Die beiden anderen sind Pila und Pilu. Ermot ist der Molch. Mit acht Jahren ist er sozusagen der Stubenälteste im Bassin.

Jeder hat seine eigene Macke

Die anderen Vier ziehen seit 2007 dort ihre Kreise. Nichtaquarianer halten Fische meist für langweilig. Diese Auffassung kann ich absolut nicht teilen. Jedes unserer Tiere ist ganz speziell. Es sind wahrlich nicht nur die optischen Aspekte, die sie unterscheiden. Um es auf einen Nenner zu bringen: Jeder hat so seine eigene Macke!

Roka ist der Verfressenste von allen, was ihm den Spitznamen "Der Staubsauger" eingebracht hat. Keine Spalte, keine Nische ist ihm zu eng, um an Futter zu gelangen. Schon häufiger mussten wir ihn aus bedrohlichen Situationen befreien. Wenn´s ums Fressen geht,riskiert er Kopf und Kragen.

Malheur bei der Fütterung

Als ich nun am Heiligen Abend schwer beladen mit Geschenken von meinem Vater nach Hause kam und der zweiten Bescherung entgegenfieberte, war die Beleuchtung im Aquarium bereits zur Nachtruhe erloschen. Im Schein der Kerzen wirkte alles ganz normal. Ich hatte viel zu erzählen von den bisherigen Ereignissen des Tages und präsentierte die erhaltenen Gaben. Während wir uns so unterhielten, schweiften meine Blicke immer häufiger in Richtung Tannenbaum und die darunter plazierten verpackten Geschenke.

Neugier kam in mir auf. Und ich war wohl zu abgelenkt, um den Worten meiner Mutter die ihnen zustehende Bedeutung zu schenken. Sie erzählte mir von ihrem Malheur bei der abendlichen Fütterung. Der Deckel der Dose hatte sich versehentlich gelöst.Und so war eine viel zu große Menge der Flocken ins Wasser geraten. Aber sie hatte beherzt zum Kescher gegriffen, und nach ihrem Ermessen das Übel behoben. In diesem Augenblick hätte ich eigentlich den festlichen Schein der Weihnacht durch grelles Licht durchbrechen müssen, denn ich weiss um die Sehschwäche meiner Mutter. Ihre Augen sind leider nicht mehr die Besten, und auch die schicke teure Brille macht es nicht wett. Aber ich schätzte die Situation ganz falsch ein, bewahrte die Ruhe und genoss weiter die Weihnacht.

Rofe in Schräglage

Der nächste Morgen passte dann bestens unter die Überschrift "Oh,du fröhliche..."! Ich stehe gern früh auf. Wie gut! So beginnt auch der Tag für unsere Schwimmer bereits um 6.30 Uhr. Als ich das Wohnzimmer, in dem sich das Aquarium befindet, betrat, war ich zum Glück wach genug, die Katastrophe gleich zu erkennen.

Das Wasser hatte eine undurchsichtige Trübung; Rofe ruhte wie so oft auf dem Grund, jedoch in bedrohlicher Schräglage! Pila und Pilu hielten sich schwer japsend, die Köpfe nach unten geneigt im oberen Bereich des Beckens. Und dann entdeckte ich ihn! Roka! Er trieb an der Oberfläche den Rücken zum Boden gewandt. Eine silbern glänzende Kugel durchbrach die Wasseroberfläche. Es handelte sich nicht um eine Weihnachtskugel. Es war Roka´s prallgefüllter Bauch!

Der Staubsauger machte Sorgen

Er hatte gewiss die ganze Nacht lang durchgefressen. Jeder aufgeblähte Kugelfisch hätte sich neben ihm als Flunder ausgeben können. Er lebte noch. Wenn auch sehr langsam, aber seine Kiemendeckel bewegten sich. Einzig an Ermot ging der Gau spurlos vorüber. Nun gab es keine Zeit mehr zu verlieren! Jede Sekunde zählte: Es ging um Leben oder Tod! Da war nichts mehr von weihnachtlicher Stille und Andächtigkeit!

Durch den Aufschrei meines Entsetzen geweckt, stürmte auch meine Mutter hinzu. Und wie schon oft, bewiesen wir uns gerade in Notsituationen als perfektes Team. Während ich die Schüsseln mit Wasser füllte, hatte sie bereits das Meeressalz und die Fangglocke parad. So evakuierten wir unsere kleinen Freunde aus der Gefahrenzone und leiteten die Wiederbelebungsmassnahmen ein. Die Stube glich  plötzlich einem Lazarett. Besorgt sprangen wir von einer Schüssel zur anderen, um auch die kleinsten Erfolge unserer Behandlung zu registrieren. Und wohl wahr- es war Weihnacht! Mit Ausnahme von Roka erholten sie sich recht schnell. Der Staubsauger hingegen bereitete uns arge Sorgen. Noch nach Stunden war er nicht in der Lage, normal zu schwimmen. Sein aufgeblähter Körper spie fortwährend unverdautes Futter aus. Aber da musste er jetzt alleine durch! Uns blieb lediglich das Aquarium einer Komplettreinigung mit Wasserwechsel zu unterziehen.

So verbrachten wir den 1. Weihnachtsfeiertag mal ganz anders. Gegen Abend konnte ich Roka dann auch wieder zu seinen Kumpanen ins Becken setzen. Wir alle haben den Zwischenfall ohne Nachwirkungen überstanden.

Seid stets um eine richtige Einschätzung der Situation bemüht. Und reagiert ruhig mal panisch.  Auch wenn alle anderen die Ruhe bewahren!


Die Catrin          

ÜBERRESCHUNG 5 (2011-12-07)

Fotos: Archiv Resch

Wie ich Mauermalerin wurde (3)

Narendra K. Jain, Fulvio Pinna und die Gruppe Stellvertretende Durstende sowie Dimitrij Vrubel, Theodor Cheslav Tezhik und Marc Engel malten zeitgleich mit mir. Fulvio war mit eigenem Kamerateam vor Ort und liess jeden Strich und Farbtupfer für die Nachwelt festhalten. Eine Dame mit einem überdimensionalen roten Hut, wie man ihn sonst nur auf Pferderennen sieht, gehörte zu seiner Begleitung.

 

Die Stellvertretenden waren immer super gelaunt

 

Dimitrij trug stets Hosen mit auffälligen Farbkleksen drauf - wohl bemerkt,waren es nicht seine Arbeitshosen, sicher eher sein Markenzeichen. Obwohl unsere Bilder nicht soweit voneinander entfernt waren, würdigte er mich nie auch nur eines Blickes. Eine seiner grössten Eigenschaften schien die Überheblichkeit zu sein.

 

Die Gruppe Sellvertretende Durstende machte ihrem Namen alle Ehre und nutzte den Aufenthalt an der Mauer für ausgiebige Saufgelage. Die waren immer super gelaunt. An Narendra und Theodor habe ich keine tiefgreifende Erinnerung. Sie waren eben da! Mit Marc wechselte ich hin und wieder ein paar Worte. Was wohl darauf gründete, dass sein Deutsch von allen Anwesenden das beste war. Aber schliesslich waren wir ja nicht zum Plaudern dort.

 

So ähnlich  - wie Laptopwerk

 

Die grosse Fläche entpuppte sich als wahre Herausforderung. Ich arbeitete 10 bis 12 Stunden am Tag. Aber mit jeder verstrichenen Minute machte es mehr Spass. Auch das Wetter war uns gut gesonnen - kein Sturm, kein Regen! Schaulustige, Neugierige, Reporter kamen, zu schauen. Und sie hatten eine Menge Fragen. Eine war immer dabei: "Wieso malst du hier,wo die Mauer doch sowieso abgerissen wird?" Meine Antwort darauf lautete: "Wenn nur einer kommt,sich mein Bild anschaut und sich Gedanken  darüber macht, dann ist es die Arbeit wert gewesen." Das ist so etwas ähnliches wie die Laptopwerk-Philosophie.

 

In neun Tagen vollendete ich mein Werk. Schon während dieser Zeit waren "Mauerspechte" und Sprayer die Feinde der Freiluftgalerie. So manche Stelle bemalten Betons fehlte am nächsten Morgen, und wir mussten nacharbeiten.

 

Ein hoffnungsloses Unterfangen

 

Ich malte Anfang Juni. Wenig später fing ich wieder an, auf dem Bau zu arbeiten. So war meine freie Zeit begrenzt. Im September 90 fand eine offizielle Vernissage statt. Da sah ich mein Bild noch einmal in unversehrtem Zustand. Erst fünf Jahre später kehrte ich dann an die East Side Galerie zurück und war über das Aussehen der Bilder erschrocken. "Bösewichte" und Witterung hatten ihr Bestes getan! Weitere drei Jahre später war von der Pracht unserer Arbeiten nur noch ein Schimmer zu erahnen.

 

Zwischenzeitlich hatte es einige Aufrufe gegeben, unsere Bilder zu restaurieren. Einige Künstler kamen diesen auch nach. Aber es waren nur wenige! Vielleicht hatten die , die es nicht taten, ähnliche Gründe wie ich. Zum einen fehlte mir die Zeit, und andererseits hielt ich es für ein hoffnungsloses Unterfangen.

 

„Europas Frühling“ zum zweiten

 

2009 war es anders. Die Mauer wurde komplett saniert. Maroden Beton und Teile der durchrosteten Bewehrung entfernte man. Voranstriche wurden aufgetragen. Die Bilder versah man nach erneuter Fertigstellung mit einer Versiegelung. Die gesamte Galerie unter Denkmalschutz gestellt. Das machte Sinn!

 

So malte ich "Europas Frühling" 19 Jahre später an der selben Stelle ein zweites Mal. Obwohl sich unsere Welt in der Zwischenzeit so sehr verändert hat, war es - als ich den ersten Strich setzte - genau wie damals. So, als wäre ich nie fort gewesen. Je länger ich an meinem Bild arbeitete, wurde mir klarer, dass seine Thematik in all den Jahren nichts von seiner Aktualität verlor. Wer hat schon 1990 an ein geeintes Europa gedacht? Und auch Kernkraftwerke und Militarismus sind immernoch brennende Themen.

 

Man kann mit mir rechnen

 

Ich danke Kani Alavi und all denen, die ihn bei seinen Bemühungen unterstützten, der East Side Galerie wieder zu neuem Ruhm zu verhelfen und sie in neuer Pracht erstrahlen zu lassen. Sollte in den nächsten 20 oder 30 Jahren eine weitere Restaurierung der Bilder anstehen, kann man mit mir rechnen! Ich bin stolz darauf und dankbar dafür, an diesem wundervollen Projekt mitgewirkt zu haben, und zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen zu sein!



ÜBERRESCHUNG 4 (2011-12-05)

Archiv Resch

Wie ich Mauermalerin wurde (2)

Welche Stränge sich dann verknüpften, blieb mir bis jetzt ein Geheimnis. Auf alle Fälle erreichte mich wenige Wochen später ein Brief aus Berlin, der einer letzten Mahnung sehr nahe kam. Eine Werbe-und Veranstaltungsagentur fragte an, wo denn nun endlich meine Entwürfe für die Mauermalerei blieben. Beim Lesen der Post schlug mir das Herz bis zum Hals. Der Gedanke, an der Mauer in Berlin zu malen, brachte mich gewaltig in Aufregung. Ich wollte unbedingt dabei sein! Drum stellte ich auch keinerlei Fragen - wieso Entwürfe und warum ich?!

 

„Europas Frühling“ siegte

 

Sofort machte ich mich an die Arbeit. Zwei Ideen platzten aus mir heraus. Die eine war "Europas Frühling", und dann gab es da noch "Als wir endlich ans Licht kamen". Nachdem ich beide massstabs-getreu in Aquarellform zu Papier gebracht hatte, war "Europas Frühling" bereits mein Favorit. Dann ging alles sehr schnell. Ein kurzfristiger Termin wurde ausgemacht. Und erneut stürzte ich mich in ein künstlerisches Abenteuer in Berlin.

 

Dieses Mal hatte ich mich sehr gut vorbereitet. Die Symetrie des Bildes erforderte präzise Berechnungen für die Ausführung der Regenbögen. Ich hatte ein Koordina-

tensystem erarbeitet, das es mir erleichterte auf der grossen Fläche nicht die Übersicht zu verlieren. Es gab auch kleinformatige Detailzeichnungen einzelner Bildszenen.

 

Schlecht gemachtes Bauwerk

 

Aber zunächst stand ich vor einer kalten noch in morgendlichen Schatten getauchten grauen Wand. Natürlich kannte ich Betonseg-mente.Schliesslich bin ich ja vom Bau! Aber dieses hier waren etwas Besonderes, ein historisches Wahrzeichen, ein Monument!

 

Nur zögerlich streckte ich meine Hand aus und berühte dieses so schlecht gemachte Bauwerk. Und siehe da! Stinknormaler Beton,das vertraute Gemisch aus Körnung, Zuschlagstoff und Anmachwasser!


Der Bann war gebrochen. Ich stand einzig und allein vor einem grossen Malgrund. 33 Quadratmeter für mich, für die Welt, für ein bisschen Ewigkeit. Und ich wollte nur noch eines, einfach malen!


Ich arbeitete nicht allein an der Mauer. Auch andere Künstler waren angereist.

ÜBERRESCHUNG 3 (2011-12-01)

War er es, der Catrin Resch ins Bild lief?

Archiv LW

Wie ich Mauermalerin wurde (1)

Es gibt eine Menge Sprichwörter, die sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte in unserem Sprachgebrauch halten. Und eines meiner liebsten lautet: " Man muss zur rechten Zeit am rechten Ort sein." Das ist die Gelegenheit für ungeahnte Chancen.

 

Spur nach Braunschweig

 

Hätte ich im Februar 1990 meine Arbeitsstelle nicht gekündigt, hätte ich an jenem Nachmittag bestimmt nicht die Annoncen in der Schweriner Volkszeitung gelesen. Und da war er, der Vierzeiler, der mein Interesse weckte. Es handelte sich nicht um die Anzeige einer Baufirma, die um Mitarbeiter warb. Ich las dort folgende Worte: "Wir suchen Mitwirkende an einem künstlerischen Projekt in Berlin!"

 

Diesem schlichten Satz folgten eine Adresse und Telefonnum-mer. Weiter nichts! Da ich momentan nicht arbeiten musste, meldete ich mich bei der angegebenen Anschrift. Schliesslich war ich frei, hatte Lust und Zeit für solche Aktionen. Es dauerte nicht lange, da bekam ich Post von einer Braunschweiger Künstleragentur. Sie sandten mir umfangreiche Unterlagen zu und freuten sich bereits auf meine Teilnahme an einer Pflastermalerei am Brandenburger Tor.

 

Mir verging das Grinsen

 

So stellte ich mich zu Ostern 1990 in Berlin ein und malte ein 24 Quadratmeter grosses Bild mit dem Titel "Die vielen kleinen und grossen Schritte". Zu meinem Bedauern machte ich damals kein Foto davon. Ich war ohne Entwurf angereist und liess mich von der Form der mir zugestandenen Fläche inspirieren. Ein lang gestrecktes Rechteck. Spontan fielen mir Füsse ein. Ich malte so´ne Art Ausblick aus einem Souterainfenster, wo man die vorbeieilenden Leute nur bis zu den Knieen sehen kann. Ein kleines Mädchen stellte ich bis zur Hüfte dar, und ein Bassett-Hund trabte in ganzer Grösse zwischen den menschlichen Füssen.

 

Nun, ich muss zugeben meine Erfahrungen mit Pflastermalerei beschränkten sich auf frühkindliche Aktivitäten. So wie jeder irgendwann einmal eine Sonne oder Blume auf den Gehweg zauberte.

Anfänglich hatte ich über die anderen Künstler ein wenig geschmun-zelt.Sie rückten mit Knieschonern,Schaumgummikissen und Schwäm-men an. Nach den zwei Tagen war mir das Grinsen vergangen und ich wusste, warum.

 

20 Stunden am Boden

 

Die etwa 20 Stunden am Boden hatten meiner körperlichen Verfassung böse zugesetzt. Die Handballen glichen vom Verstreichen der Kreide rohem Fleisch und meine Knie schmerzten so sehr, dass ich sie weder in gestreckter noch in gebeugter Position halten mochte. Dennoch behielt ich die Pflastermalerei am Brandenburger Tor in bester Erinnerung.

 

Mit diesem Einsatz glaube ich das "künstlerische Projekt in Berlin" abgearbeitet zu haben.

(Fortsetzung folgt)



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ÜBERRESCHUNG 2 (2011-11-15)

Oben: Catrin Resch in kanadischen St. Catharines auf dem Podest; unten: Die Niagarafälle

Fotos: Archiv Resch, Weidt

Podestaufstieg und Niagarafälle

Kanada.doc
Microsoft Word-Dokument [32.5 KB]

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ÜBERRESCHUNG 1 (2011-11-01)

Fotos: Archiv Resch

Vorsicht - ich bin eiserner Eremit!

Eremit.doc
Microsoft Word-Dokument [21.0 KB]

Do              20.07.2017 

Nr.           2.461 - 1.158

Aktualisierung        19:15

Übrigens,

 

… in Berlin werden immer noch dringend Wahlhelfer gesucht - ein Interessent wollte sich deshalb melden, aber … Sie glauben nicht, was dann geschah (doch Sie ahnen es sicherlich): Online ließ sich die „Bereitschaftserklärung" auf dem beschriebenen Weg an die angegebene Stelle nicht senden, also schickte unser freundlicher Helfer das Papier per Mail an die allgemeine Adresse des Bezirksamts - das war vor zehn Tagen, bis heute keine Antwort. Nächster Versuch: Persönliche Anmeldung im Rathaus Weißensee - doch dort hieß es: Nicht bei uns! Fahren Sie zum Rathaus Pankow … Das Resümee: „Im Bürgeramt Weißensee kann man kein Formular raussuchen und das ausgefüllte Ding dann nach Pankow senden? Statt dessen soll ich noch Fahrgeld bezahlen, um nach Pankow zu kommen? Also lassen wir das.“ TSCP

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 19.07.2017

17    19   21   27    36   41    SZ: 1

Spiel 77:  0177 997 

 

Super 6: 422 100  

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

1974 (2017-07-20) 

Bernd Jürgen Morchutt

 

Metalldiebe im Bergener Gotteshaus

In Sankt Marien hat

die Stunde 61 Minuten

Die westliche Außenwand

mit dem Grabstein einens

wendischen Priesters

BREAKING NEWS

Stand: 20.07.2017 - 19.25 Uhr

 

International

 

US-Präsident Donald Trump hat laut einem Medienbericht die verdeckten Waffenlieferungen der CIA an syrische Rebellen, die gegen die Regierung von Bashar al-Assad kämpfen, stoppen lassen. Die Entscheidung habe Trump vor knapp einem Monat nach einem Treffen mit CIA-Direktor Mike Pompeo und seinem Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster getroffen.

 

Nach dem Hickhack um die Gesundheitsreform und die Russland-Affäre seines Sohnes bringt ein Zeitungsinterview US-Präsident Donald Trump abermals in Erklärungsnot. Eben wegen der Kontakte seines Teams nach Moskau hat sich Trump nun offenbar nachhaltig mit seinem Justizminister Jeff Sessions entzweit. Er hätte Sessions nicht ernannt, wenn er gewusst hätte, dass dieser sich in der Causa für befangen erklären würde, sagte Trump in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der "New York Times".

 

In Russland ist der Entzug der Staatsbürgerschaft bei einer Verurteilung wegen terroristischer Straftaten nun möglich. Die Abgeordneten des Unterhauses verabschiedeten am Mittwoch in Moskau in dritter Lesung das Gesetz, das ausschließlich eingebürgerte Russen betrifft.

 

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu befand sich im Gespräch mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Sein Mikrofon soll bei dem privaten Treffen zeitweise noch eingeschaltet gewesen sein, so dass ihn Journalisten außerhalb des Zimmers hätten hören können. "Europa gefährdet seine eigene Entwicklung, in dem es seine Beziehung zu Israel in Gefahr bringt wegen dieses verrückten Versuchs, Bedingungen zu schaffen" für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern, sagte er laut "Ynet" weiter. "Europa muss sich entscheiden, ob es leben und gedeihen will oder ausdörren und verschwinden."

 

In Griechenland haben sich in den vergangenen Wochen gewalttätige Angriffe auf Migranten gehäuft. Die Attacken werden meist nachts von Schlägertrupps durchgeführt, die mit Messern und Schlagstöcken bewaffnet sind.

 

Beim Errichten von Wohnraum haut Österreich im internationalen Vergleich kräftig auf den Putz: Mit 7,6 Bauvorhaben pro 1.000 Einwohner wurde 2016 der höchste Wert von 19 untersuchten Ländern erreicht, wie aus dem aktuellen Deloitte Property Index hervorgeht. Dahinter folgten Israel mit 6,1 und Frankreich mit 5,7 geplanten Wohnungen. Das Schlusslicht bildete Portugal mit 1,1 Wohnbauvorhaben. 

 

Deutschland/Berlin

 

Im Streit zwischen der Türkei und Deutschland über die Inhaftierung deutscher Staatsbürger wird der Ton immer schärfer. Das türkische Außenministerium erklärte am Donnerstag, die deutschen Äußerungen zur Festnahme von Menschenrechtsaktivisten seien nicht akzeptabel. "Das war eine direkte Einmischung in Angelegenheiten der türkischen Justiz."

 

Ein Unwetter über dem Ruhrgebiet hat zum Tod einer 51 Jahre alten Frau in Dortmund geführt. Die Frau sei an den lebensgefährlichen Verletzungen gestorben, die ihr am Mittwochabend ein umstürzender Baum zugefügt habe, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. 

 

Sport

 

Fussball

 

Teammanager Antonio Conte hat seinen Vertrag beim englischen Fußball-Meister FC Chelsea vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2021 verlängert. Das gaben die Londoner am Dienstagabend bekannt. Der ursprüngliche Vertrag des 47-Jährigen wäre bis 2019 gelaufen.

 

Spaniens Fußball-Teamstürmer Alvaro Morata wechselt von Champions-League-Sieger Real Madrid nach London zum englischen Meister Chelsea. Dies bestätigten beide Clubs am Mittwochabend. Die Ablösesumme für den 24-Jährigen soll laut spanischen Medienberichten 80 Millionen Euro betragen. Damit würde Morata zum Rekord-Verkauf der Madrilenen und zum teuersten Chelsea-Transfer. 

 

Radsport

 

Tour de France

 

Chris Froome strampelt bei der Tour de France seinem vierten Gesamtsieg entgegen. Der Brite hielt mit seinem Sky-Team am Donnerstag auch auf der letzten Bergetappe den Angriffen der Konkurrenz stand. Auf der 18. Etappe mit dem Schlussanstieg auf den Col d'Izoard belegte Froome Rang vier zeitgleich hinter seinem schärfsten Rivalen Romain Bardet.

 

18. Etappe, Briancon – Izoard (179,5 km):

 

1. Warren Barguil (FRA) Sunweb 4:40:33 Stunden 2. Darwin Atapuma (COL) UAE +20 Sek. 3. Romain Bardet (FRA) AG2R 4. Chris Froome (GBR) Sky 5. Rigoberto Uran (COL) Cannondale 22 6. Mikel Landa (ESP) Sky 32 7. Louis Meintjes (RSA) UAE 37 8. Daniel Martin (IRL) Quick-Step 39 9. Simon Yates (GBR) Orica 59 10. Alberto Contador (ESP) Trek 1:09 Min.

 

Gesamtwertung:

 

1. Froome 78:08:19 2. Bardet +23 Sek. 3. Uran 29 4. Landa 1:36 5. Aru 1:55 6. Martin 2:56 7. Yates 4:46 8. Meintjes 6:52 9. Barguil 8:22 10. Contador 8:34

 

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