LaptopwerkPlus
LaptopwerkPlus

Hönower Sichten

14 (2017 - 05 - 03)

 

Der Kalte Krieg im Sport

TÄVE bleibt TÄVE oder GÄB ist gleich LÜCKE

 

Es ist 60 Jahre her und doch so, als wäre es gerade erst geschehen: Wir – meine sportbegeisterten Freunde und ich -, gerade mal jeder knapp 8 Jahre jung, standen sonntags - die Sonne schien - am Straßenrand in einer sächsischen Kleinstadt und warteten.

Worauf ? Der Sportlehrer hatte uns gesagt, Radrennfahrer aus vielen Ländern und unserem Land würden ein Rennen in Vorbereitung auf die Internationale Friedensfahrt Prag-Berlin-Warschau fahren, und wir sollten klatschen, winken, kleine Fähnchen mit ´ner Friedenstaube schwenken und natürlich laut rufen, wenn die Fahrer kämen. So laut, wie wir könnten, und keiner würde sich beschweren. Klasse ! Am besten, sozusagen vorzugsweise, könnten wir im Chor TÄVE !TÄVE! schreien. Doch eigentlich blöd, dachten wir im Stillen. Tempo,Tempo klingt doch besser und jeder weiß, worum es geht. Aber TÄVE ? Wir wußten nicht, was das zu bedeuten hatte. Ob es die anderen wußten, glaubten wir kaum. Wir waren ja schon schlau und konnten schon lesen, jedoch nicht alles, wie sich bald heraustellen würde. Aber auf jeden Fall wollten wir an diesem sonntäglichen Höhepunkt für uns und das kleine sächsische Städtchen dabei sein.

 

Da alles geklärt, wenn auch nicht verstanden schien, beschäftigen wir uns am Rand der damals schon befestigten Straße im Abwassergraben mit dem, was wir am besten konnten: Wir sprangen und stürzten, wir neckten und kampelten uns. Das ging ´ne ganze Weile so und wir dachten, das wird heute sicher nichts mehr, um im Bruchteil eines Moments eines Besseren belehrt zu werden.

Sie kommen !“ - und - „TÄVE ist vorne!“ Ein bunter Pulk von Rennfahrern -, später als wir schon fortgeschrittene Enthusiasten waren, nannten wir das ein Peleton - huschte wie in einem derben Atemzug mit einer ansonsten wohl kaum erlaubten Geschwindigkeit an uns vorbei, die Landstraße von Rochlitz über Aitzendorf nach Geringswalde hinunter. Wir erkannten rein niemanden auf dem Rad, schrien trotzdem wie vom Sportlehrer gewünscht TÄVE, TÄVE, klatschten, winkten, schwenkten Fähnchen, und vorbei waren sie und damit auch unsere erste Begegnung mit dem Radsport in unserem jungen Land und mit

Egon Adler, Helmut Stolper, Lothar Meister I, Lothar Meister II, Wolfgang Braune, Erich Hagen, Manfred Weißleder, Günter Grünwald, Roland Hennig, Rolf Töpfer, Detlef Zabel, Benno Funda, Georg Stoltze, Bernhard Trefflich, Johannes Schober, Günter Lörke, Bernhard Eckstein und einem

gewissen Gustav-Adolf-Schur.

 

Ab sofort hieß er TÄVE

 

Wie wir am nächsten Tag in der Schule – Fernsehen hatten wir noch nicht zu Hause und mit dem Radio war das so seine Sache - erfuhren, hatte dieser Schur das Rennen gewonnen. Aber von Täve keine Spur, obwohl wir ja angehalten worden waren, genau diesen anzufeuern. Ja, was denn nun ? Die schüchterne und verschämte Nachfrage an unseren Sportlehrer, wo dieser Täve denn nun geblieben sei, wurde uns unvergeßbar beantwortet. Nicht mal bemüht, sein Grinsen zu verbergen, meinte er, dass der Sieger Gustav-Adolf-Schur doch dieser Täve sei. Ihm mit Gustav-Adolf anzufeuern, sei doch wohl nicht so passend. Die Mutter unseres bald neuen Radsportidols soll stets so nach ihm gerufen haben. Und dabei blieb es. Wir nannten ihn fortan TÄVE, und er und seine Radsportfreunde bescherten uns aus der kleinen Land so manche große Freude. Was sicher nicht allen, westlich von Sachsen und der kleinen DDR gefiel, wie sich damals schon und heute leider immer noch heraustellt.

 

Später hingen wir an den Radios als TÄVE zwölfmal als Kapitän der DDR-Mannschaft die Friedensfahrt fuhr, sie zweimal in der Einzelwertung gewann, gleichsam zweimal Weltmeister bei den Amateuren wurde und obendrauf noch Medaillen bei den Olympischen Spielen für die DDR gewann. Und dass er dabei stets ein Sportsmann blieb, 9-mal !!! von den Lesern der „Jungen Welt“, nicht von anonymen Sportjournalisten, zum DDR-Sportler des Jahres gewählt wurde, trotzdem nie abhob, sondern bodenständig blieb, können neben seinem Sportkameraden Bernhard Eckstein Millionen seiner Mitbürger bestätigen.

Gustav-Adolf Schur (Mitte) bei der Radweltmeisterschaft der Straßenamateure am 13. August 1960 auf dem Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal

 

Täve verhalf der jungen DDR zu Selbstbewußtsein und Zuversicht, zu Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und zum Widerstand gegen Arroganz und Anmaßung so mancher von den späteren „Siegern“.

 

Die vermutliche Verwechslung des Herrn Gäb

 

Herr Gäb, der 60 Jahre später zu denen gehörte, die über die Aufnahme unseres Sportidols TÄVE in die Ruhmeshalle des deutschen Sports (auch Hall of Fame genannt) demokratisch entscheiden sollten, war damals nicht dabei und hat sich, auch aus medialen und politisch-geographischen Gründen eher nie und nicht um Täve geschert. Den Verdacht, Hans-Wilhelm Gäb, dessen Familienname im Englischen so viel wie Lücke (englisch: gab) heißt, hat Täve nie auf dem Rad erlebt und mangels dessen auch gar nicht erst mögen können, kann ich nicht beweisen. Da er ja bereits 81 Jahre alt ist, die beschriebene Lücke hat, man jedoch vor dem Alter genau solchem Respekt wie vor Leistung und Erfolg besitzen sollte, vermute ich mal, dass er Täve mit bereits aufgenommenen Vertretern des westdeutschen Sports verwechselt, wenn er nach dem Juryentscheid erklärte: »Kein Mensch käme auf die Idee, einen im Sport erfolgreichen Nazi, wenn er auch heute noch die Untaten des Regimes verherrlichte, in die Hall of Fame aufzunehmen. Warum dann Schur, der immer noch als Propagandist einer Diktatur auftritt, die Tausende von Menschenleben auf dem Gewissen hat?“ Ob dieser scheinbaren Verwechslung wegen frage ich mich schon, was Herr Gäb denn dann in dieser Jury wollte. Dabei beruhigt mich keinesfalls, dass er früher für die Aufnahme anderer, auf seine Erklärung eher passende Vertreter des deutschen Sports gestimmt hat.

 

Der Versuch, den DDR-Sport seitens westdeutscher Funktionäre und Politiker zu ignorieren oder gar nach Hallstein in unserem Namen überall in der Welt sprechen zu wollen, war ja spätestens schon mit der vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dessen Präsident Avery Brundage entschiedenden Teilnahme der ersten selbständigen DDR-Olympiamannschaft in Mexiko-City 1968 gescheitert. Auch wenn es mit dem täglichen Biß in die Banane und der Verringerung der Wartezeiten auf den Kauf der DDR-Mobile „Trabant“ und „Wartburg“ noch immer nicht gut bestellt war, ignorieren konnte uns nun keiner mehr. Da half auch nicht, auf Sportveranstaltungen gelegentlich die Fahne der DDR herunterzureißen, unsere Hymne zu verbieten und unseren Sportlern Visa für Wettkämpfe im westlichen Ausland zu verwehren. Eigentlich ähnelte das ja Spielchen bockiger Kinder. Dass sich diese Kindermarotte jedoch einige aus unserem ehemaligen Nachbarland immer noch bewahrt haben, stimmt dann schon sehr traurig. Zumal jeder weiß, dass Termine auf der roten Couch nicht so schnell und leicht zu haben sind. Also werden wir mit dieser Art von kognitiver Fehlwahrnehmung und dem entsprechenden störrischen Handeln noch eine Weile zu tun haben.

 

Auf gleicher Augenhöhe zusammenwachsen

 

Wenn nun noch jemand sagt, die DDR hat ja gedopt - was zweifelsfrei kein Kavaliersdelikt gewesen ist - dann frage ich, wo denn die Dopingbilanz aus Freiburg bleibt, worauf seit 2009 gewartet wird. Da wird doch wohl versucht, ein Gespräch auf gleicher Augenhöhe durch billige Manipulation zu vermeiden. Aber das ist diesmal schon kein Kinderkram, wie besonders die ungerechtfertigt und gerechtfertigt betroffenen Sportler aus der DDR wissen.

Die Höflichkeit aus unserer Erziehung und Sozialisierung läßt das drastische Urteil unausgesprochen, auch weil man nicht weiß, ob es sich dabei um Feigheit oder eine krankhafte Psychose Einzelner oder eines ganzen Systems handelt.

 

Es riecht jedoch nach genereller unsportlicher Haltung gegenüber denen östlich des deutschen Flusses Elbe. Es ist kein Beitrag zum Brandtschen Aufruf, dass zusammenwachsen soll, was zusammen gehört. Es ist die einseitige Fortsetzung einer Fehde aus dem Kalten Krieg.

Einseitig, weil die einen noch immer provozieren und attackieren, die anderen sich lediglich verteidigen. Und letzeres ist genau das, was Herrn Lücke, Verzeihung Herrn Gäb, an Täve stört. Was wagen sich Schur ? Sich und seinesgleichen zu verteidigen und nicht auf die Knie in den Staub zu sinken. Genau darum geht es doch bloß. Und nicht um die Rechtfertigung von Doping und um die scheinbare Verherrlichung von Herkunft und Staat.

Herr Gäb sollte sich besser darum bemühen, dass sich die BRD für die den Sportlern der DDR übergeholfenen Diskriminierungen entschuldigt, dass endlich mal reiner Tisch gemacht wird anstatt sich aufzuführen als sei und bleibe man das Maß aller Dinge und dass sich der größere Teil des vereinigten Deutschland doch endlich mal benimmt wie seinesgleichen und nicht wie ein ungesitteter Sieger.

 

Ja, Herr Gaäb, der ostdeutsche TÄVE hat Recht, wenn er feststellt: »Wenn die Deutsche Sporthilfe, der Deutsche Olympische Sportbund und der Verband Deutscher Sportjournalisten, drei Fundamente des Sports, mich vorschlagen, und die Jury dann anders entscheidet, dann brüskiert die Jury den gesamten Sport. … Das ist für alle ernüchternd, die sich mir positiv gegenüber geäußert haben - nicht nur im Osten, aber vor allem im Osten des Landes. Es ist tief befremdlich, wie man dem Osten wieder mitspielt«.

 

Auch wenn die für ihre regelmäßigen schwachen Statements und wackligen sportpolitischen Positionen bekannte Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag Dagmar Freitag (SPD) die Ablehnung Schurs (übrigens ihr langjähriger ehemaliger Kollege im Sportausschuß) dubioserweise seinen de facto Ausschluß begrüßte: »Die Jurymitglieder verfügen offenkundig über mehr sportpolitischen Instinkt als die Präsidenten der Landessportbünde.« wird klar, worum es eigentlich ging.

 

Auch ohne Hall of Fame des Ruhmes sicher

 

War doch TÄVE diesmal vom Deutschen Olympischen Sportbund auf Anregung von Andreas Silbersack, Präsident des Landessportbundes Sachsen-Anhalt für die Hall of Fame *) nominiert worden. Silbersack hatte dabei die Unterstützung aller 16 Landessportbünde. »Ich halte diese Entscheidung für einen kapitalen Fehler«, sagte Silbersack nach dem Entscheid der Jury. »Wie mit Täve Schur umgegangen wurde, hätte ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen können.«

 

Ich mir und meine Freunde aus der Zeit der ersten Begegnung mit dem Radsportler Gustav-Adolf Schur im Jahre 1957 am Rand der sächsischen Landstraße von Rochlitz nach Geringswalde auch nicht.

TÄVE bleibt TÄVE und seines immensen Ansehens mit oder ohne Ruhmeshalle sicher, auch wenn Herr Gäb und Co., noch einige Zeit brauchen werden, zumal ohne die Erfahrungen unserer Kindheit und unseres Lebens in der DDR, zu realisieren, wer TÄVE wirklich war und ist.

 

HG

© picture alliance/dpa; dpa/archiv;Wikipedia

Die Mitglieder der Hall of Fame des deutschen Sports auf einen Blick

 

Karl Adam 1912 – 1976 Ruder-Trainer

Dr. Hans-Georg Aschenbach *1951 Skispringen

Cilly Aussem 1909 – 1963 Tennis

Hans-Jürgen Bäumler *1942 Eiskunstlauf

Helmut Bantz 1921 – 2004 Turnen

Franz Beckenbauer *1945 Fußball

Boris Becker *1967 Tennis

Prof. Dr. h.c. mult. Berthold Beitz 1913 – 2013 Sportfunktionär

Wolfgang Graf Berghe von Trips 1928 – 1961 Motorsport

Gretel Bergmann-Lambert *1914 Leichtathletik

Willy Bogner *1942 Ski alpin

Heiner Brand *1952 Handball

Hanns Braun 1886 – 1918 Leichtathletik

Prof. Dr. Hugo Budinger *1927 Hockey

Prof. Dr. Karin Büttner-Janz *1952 Turnen

Rudolf Caracciola 1901 – 1959 Motorsport

Erwin Casmir 1895 – 1982 Fechten

Gottfried Freiherr von Cramm 1909 – 1976 Tennis

Willi Daume 1913 – 1996 Sportfunktionär

Joachim Deckarm *1954 Handball

Wilfried Dietrich 1933 – 1992 Ringen

Heide Ecker-Rosendahl *1947 Leichtathletik

Anja Fichtel *1968 Fechten

Birgit Fischer *1962 Kanu

Hans Frömming 1910 – 1996 Trabrennsport

Heinz Fütterer *1931 Leichtathletik

Hartwig Gauder *1954 Leichtathletik

Dr. Willibald Gebhardt 1861 – 1921 Sportfunktionär

Manfred Germar *1935 Leichtathletik

Eberhard Gienger *1951 Turnen

Steffi Graf *1969 Tennis

Dr. Michael Groß *1964 Schwimmen

Sir Ludwig Guttmann 1899 – 1980 Sportfunktionär

Cornelia Hanisch *1952 Fechten

Rudolf Harbig 1913 – 1944 Leichtathletik

Antje Harvey *1967 Biathlon

Armin Hary *1937 Leichtathletik

Sepp Herberger 1897 – 1977 Fußball-Trainer

Uli Hoeneß* *1952 Fußball

Willi Holdorf *1940 Leichtathletik

Gustav Jaenecke 1908 – 1985 Eishockey

* Uli Hoeneß hat im April 2014 nach der Verurteilung wegen Steuerhinterziehung seine Auszeichnung mit der „Goldenen Sportpyramide“ auf eigenen Wunsch niedergelegt. Seitdem ruht auch seine Mitgliedschaft in der „Hall of Fame des deutschen Sports“.

Friedrich Ludwig Jahn 1778 – 1852 Initiator der Turnbewegung

Dr. Erhard Keller *1944 Eisschnelllauf

Bernhard Kempa *1920 Handball

Gustav Kilian 1907 – 2000 Radsport

Marika Kilius *1943 Eiskunstlauf

Dr. Reiner Klimke 1936 – 1999 Reitsport

Peter-Michael Kolbe *1953 Rudern

Ingrid Krämer-Gulbin *1943 Wasserspringen

Erich Kühnhackl *1950 Eishockey

Willy Kuhweide *1943 Segeln

Bernhard Langer *1957 Golf

Emanuel Lasker 1868 – 1941 Schach

Martin Lauer *1937 Leichtathletik

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Lenk *1935 Rudern

Wolfgang Lötzsch *1952 Radsport

Joachim Löw *1960 Fußball

Sepp Maier *1944 Fußball

Henry Maske *1964 Boxen

Dr. Roland Matthes *1950 Schwimmen

Ingrid Mickler-Becker *1942 Leichtathletik

Henner Misersky *1940 Skilanglauf-Trainer

Rosi Mittermaier-Neureuther *1950 Ski alpin

Gerd Müller *1945 Fußball

Ulrike Nasse-Meyfarth *1956 Leichtathletik

Josef Neckermann 1912 – 1992 Sportfunktionär

Meinhard Nehmer *1941 Bobsport

Günter Netzer *1944 Fußball

Magdalena Neuner *1987 Biathlon

Georg von Opel 1912 – 1971 Sportfunktionär

Alexander Pusch *1955 Fechten

Erich Rademacher 1901 – 1979 Schwimmen

Dr. Helmut Recknagel *1937 Skispringen

Albert Richter 1912 – 1940 Radsport

Kristina Richter *1946 Handball

Walter Röhrl *1947 Motorsport

Gustav Schäfer 1906 – 1991 Rudern

Max Schmeling 1905 – 2005 Boxen

Dr. Harald Schmid *1957 Leichtathletik

Dr. Arnd Schmitt *1965 Fechten

Alwin Schockemöhle *1937 Reitsport

Eberhard Schöler *1940 Tischtennis

Helmut Schön 1915 – 1996 Fußball-Trainer

Stand: Januar 2017

Jochen Schümann *1954 Segeln

Carl Schuhmann 1869 – 1946 Turnen

Michael Schumacher *1969 Motorsport

Alfred Schwarzmann 1912 – 2000 Turnen

Werner Seelenbinder 1904 – 1944 Ringen

Uwe Seeler *1936 Fußball

Renate Stecher *1950 Leichtathletik

Michael Stich *1968 Tennis

Kurt Stöpel 1908 – 1997 Radsport

Heiner Stuhlfauth 1896 – 1966 Fußball

Fritz Thiedemann 1918 – 2000 Reitsport

Georg Thoma *1937 Ski nordisch

Bert Trautmann 1923 – 2013 Fußball

Harry Valérien 1923 – 2012 Sportjournalist

Fritz Walter 1920 – 2002 Fußball

Liesel Westermann-Krieg *1944 Leichtathletik

Willi Weyer 1917 – 1987 Sportfunktionär

Frank Wieneke *1962 Judo

Hans Günter Winkler *1926 Reitsport

Katarina Witt *1965 Eiskunstlauf

Klaus Wolfermann *1946 Leichtathletik vieles, abernicht alles,wiesichald heraustellen würde

Erhard Wunderlich 1956 – 2012 Handball

 

Die Jury setzt sich zusammen aus allen lebenden „Hall of Fame“-Mitgliedern sowie aus den Vorsitzenden von Vorstand, Aufsichtsrat und Stiftungsrat der Deutschen Sporthilfe, den Mitgliedern des Stiftungsrats, Vertreterinnen und Vertretern des Deutschen Olympischen Sportbundes, des Verbands Deutscher Sportjournalisten, der Politik sowie Persönlichkeiten weiterer Institutionen des Sports. Das 50-jährige Jubiläum der Deutschen Sporthilfe, das am 26. Mai ansteht, und die Bedeutung der deutschen Einheit für den Spitzensport bildeten die Klammer zur diesjährigen Vorschlagsliste. Mit den vier aktuellen Neuaufnahmen besteht die „Hall of Fame“ nun aus 108 Mitgliedern.

13 (2016 - 06 - 21)

Russland gefährdet, wo es nur kann

Deutsches Feindbild

bestätigt sich

Russland wird immer mehr zu einem globalen Gefährder

 

Es gefährdet den Krieg in der Ukraine und gegenwärtig besonders erfolgreich den Krieg in Syrien.

Kürzlich gefährdete es den Eurovision Song Contest, ließ jedoch noch rechtzeitig den ukrainischen Wettbewerbstitel „1944“ mit seinem unverfänglichen Text an sich vorbeiziehen und gar gewinnen. Selber Schuld, wenn die Russen Pussy Riot auf dem Stockholmer Liederfestival nicht einen ihrer Lieblingsfäkaliensongs singen ließen. F***.

 

Dopingverseuchtes Land

 

Und jetzt gefährdet Russland mit seinen Dopingeskapaden auch noch die sportliche Fairness des Weltsports. Und jammert auch noch, wenn es dafür endlich mal die Rechnung erhält: Ausschluss aller, auch der ungedopten Leichtathleten von den auch nicht ganz so sicheren Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Das ist erst einmal sicher. Noch weitere Strafmandate können folgen.

 

Sicher ist auch, dass die Weltöffentlichkeit die Enthüllung der russischen Unsportlichkeit (допинг) einem aufmerksamen deutschen Ex-Schwimmsportjournalisten zu verdanken hat. Auf Nachfrage dummer russsischer Journalisten nach den Beweisen seiner investigativen Recherchen in Russland konnte er sichtbar verzweifelt nur das Mikrophon der Interviewteams kurzzeitig entwenden und den Kameramann sozusagen näher an die Wohnungstür begleiten. Die verbale sachliche Antwort musste er leider schuldig bleiben. Sein Whistleblower ist nach kurzem Aufenthalt im Berliner Stadtbezirk Marzahn ja nun auch nicht mehr so leicht aufzutreiben. In den USA fühlt er sich sicherer, was jeder auch verstehen kann.

Soweit der Sarkasmus

 

Jetzt aber zum richtigen Ärger. Und da geht es nicht um Doping im olympischen und überhaupt im Sport. Da geht es um das verdammte Scheißgefühl, dass man bekommt, wenn man sieht, wie plump die Russen aus der Weltgemeinschaft herausgeschmissen werden sollen. Wahrscheinlich bis sie sich ergeben, sich endlich mal für alle ihre Kriege entschuldigen, zur Wiedergutmachung Putin davonjagen, ihre Märkte für amerikanische Chlorhähnchen öffnen sowie ihre Rohstoffe und Bodenschätze der westlichen Welt übereignen.Da freut man sich dann als politischer Hinterwäldler schon mal, wenn Außenminister Frank-Walter Steinmeier marginale Bedenken an der Ausrichtung des NATO-Manövers unmittelbar an der russischen Grenze vorbringt.

 

Deutsche Russophobie

 

Noch scheinen alle westlichen Werte nicht verloren, auch wenn der türkische Präsident gerade nicht daran arbeitet. Beim Russen müssen wir es jedoch regelmäßig anmahnen, die, unsere, nicht ihre, Werte zu achten. Gemeinsames gibt es ja nicht (mehr). Was wir dann bei uns mit ihnen, den Werten, in Freiburg, Ramstein, Bischofswerda, Berlin und wenn es geht überall in Deutschland machen, bleibt jedoch allein unsere Sache. Da lassen wir uns von keinem, vom Russen sowieso nicht (mehr) reinreden. Ja gut, vielleicht dürfen mal die US-Amerikaner, die Franzosen, die Briten, die Türken, die Israelis oder die Polen reinreden. Das war´s aber dann schon. Bitteschön.

 

Wenn jedoch die Russen uns weiter gefährden, vielleicht gar noch den NSU-Prozess verschleppen und vertuschen oder zusehen, wie die Deutsche Bank und VW auseinander genommen werden – von wem denn eigentlich? - dann wird es nicht mehr ausreichen, die Russen lediglich unter unsere strenge Beobachtung zu stellen. Gefährder sollten dann schon mal spüren, wozu wir in der Lage sind. Wenn es nämlich darauf ankommt, können wir unsere ureigensten Interessen schon mal selbst missachten. Das walte dann unser Grundgesetz. 

Fazit

 

Ich glaube schon, dass es sehr dringend ist, hier ständig unaufhörlich und mit allem Nachdruck nachzufragen. Hat eigentlich schon mal einer der Mächtigen oder gar die Mächtigste daran gedacht, dass Putin angesichts der zunehmenden Provokationen des Westens auch einmal die Neren verlieren könnte. Oder geht es gar darum, dass er sie verliert? Die Folgen wären fatal und Deutschland mittendrin. Nein, es geht niemanden darum, dass Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes oder völkerrechtswidrige Landnahmen, wenn sie es denn sind, geduldet werden. Nein, es geht auch nicht um deutsch-(sowjetische) russische Freundschaft. Es geht um deutsch-russische Logik in den Beziehungen, damit das nicht wieder passiert, was am 1. September 1939 begann und mit 70 Millionen Kriegstoten und einer Tragödie für das deutsche Volk endete.

 

HG

12 (2016 - 04 - 15)

Ein paar Tage auf der „Grünen Insel“

In Irland sind Engländer nicht beliebt

Irland ist ein sehenswertes Land mit netten, freundlichen Menschen. Ein wenig rau sind sie jedoch schon, die Iren. Wie auch das Wetter, das auch mehrmals am Tage wechseln kann. Das durch den Atlantik und den Golfstrom geprägte Klima Irlands sorgt dafür, dass zwölf Monate im Jahr Gras wächst und gedeiht. Daher kommt die Bezeichnung „Grüne Insel“.

Ihr Englisch ist gewöhnungsbedürftig, ihre eigentliche Sprache Gälisch klingt für mich wie Hebräisch. „Die irische Sprache (irisch Gaeilge oder Gaolainn, nach der bis 1948 geltenden Orthographie meist Gaedhilge) ist eine der drei goidelischen oder gälischen Sprachen. Zu diesen zählen auch das Schottisch-Gälische und das Manx (eine auf der Isle of Man gesprochene Sprache). Im Deutschen wird die Sprache bisweilen – jedoch ungenau – als „Gälisch“ bezeichnet, während insbesondere in England und Schottland unter „Gaelic“ meist das Schottisch-Gälische verstanden wird.“ - wie es bei Wikipedia heißt.

Die Keltische Harfe gehört zu den ältesten Instrumenten der Welt und hat in der Musiktradition der keltischen Länder Irland, Schottland und Wales sowie auch der Bretagne ihren festen Platz. Die Unterwerfung der Iren ab Ende des 14. Jahrhunderts durch die Engländer zerstörte nicht nur nach und nach die damalige kulturelle Hochblüte Irlands, sie leitete gleichzeitig den Niedergang der keltischen Harfe ein. Jahrhundertelang geriet die Keltische Harfe fast vollständig in Vergessenheit und erlebt erst seit 1970 eine große Renaissance.

Noch heute ist die Keltische Harfe (clairseach) das Symbol der Iren.

Die Ablehnung, manchmal auch der Hass gegenüber dem ehemaligen Besatzer England ist noch immer enorm, beinahe unversöhnlich. Wenn man sieht, was Cromwell & Co. angerichtet haben, wie die Britten die Iren in der großen Hungersnot einfach verhungern ließen und auch noch von den Höfen jagden, dann kann man die tiefen verbliebenen Narben verstehen. Zum Glück bombt die IRA, die der katholischen Mehrheit sehr nahe steht, nicht mehr, so dass äußerlich Frieden herrscht.

Die Sehnsucht, Nordirland von den Britten zurückzubekommen, ist jedoch ungebrochen. Da scheint noch vieles möglich. Nicht nur Schottland ist ein Problem für das Vereinigte Königreich.

Am 14. April begann unter der Rubrik „Im Bilde“ meine kleine Serie über Irland.

In verschiedenen Folgen werden die Eindrücke und Erlebnisse unserer zehntägigen Rundreise ins Bild gesetzt. Obwohl nicht immer „Fotowetter“ herrschte, bleiben für uns die Natur, Geschichte, Sehenswürdigkeiten und vor allem Land und Leute in bester Erinnerung. Vielleicht finden sich ein paar Nachahmer.

HG

11 (2016 - 03 - 04)

Verschleppen, Vertuschen, Vernichten

und Zumachen

 

Odyssee der Freiburger Evaluierungskommission wirft dunkelschwarze Schatten auf die Dopingaufklärung

in Deutschland

Die Sportmedizin der Uni Freiburg

Foto: dpa

Im Jahre 2007 ins Leben gerufen, bemühte sich seither eine mit hochkarätigen Experten bestückte Dopingkommission, seit 2009 unter Vorsitz der italienischen Kriminologin Letizia Paoli, die Dopinggeschichte der Universität Freiburg, besser der alten Bundesrepublik, zu bewerten. Und viele dachten, wer, wenn nicht die Elite der deutschen Dopingforscher und ihre mit den Tiefen mafioser Machenschaften wissenschaftlich vertraute Sonderermittlerin Paoli kann diesen unerfreulichen Job vorbildlich und zur Zufriedenheit der an Aufklärung interessierten Öffentlichkeit erledigen. 

Letizia Paoli,    

Vorsitzende der Evaluierungskommission der Freiburger Sportmedizin

Foto: Patrick Seeger/dpa 

Doch schon bald begann das langsames Sterben der Kommission. Die Dopinggeschichte des sportmedizinischen Instituts der Universität Freiburg scheint viel zu brisant für den deutschen Sport und die Bundespolitik, um sie öffentlich restlos und ungeschminkt aufklären zu wollen.

 

Dabei ging es längst nicht mehr nur um den Betrug der beiden westdeutschen Dopingprotagonisten, die Professoren Keul und Klümper, die beide unter Duldung von Staat, Funktionären und Sportpolitik und gar Förderung mit Steuergeldern die Uni-Klinik zu einem Dopingparadies gestalteten.

Sportarzt Armin Klümper 1978 in seiner Praxis

Foto: imago/Horstmüller

Es geht um großflächige, wenn nicht sogar flächendeckende Dopingaktivitäten, vor allem des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Es geht darum zu beweisen, dass Anabolikadoping auch im Profifußball eine signifikante Rolle spielte, u.a. beim Bundesligaverein VfB Stuttgart sowie beim damaligen Zweitligaklub SC Freiburg zum Ende der 1970er und zu Beginn der 1980er Jahre.

Es geht um die sportmedizinische Betreung von westdeutschen Kaderathleten - es sollen deren 5.500 gewesen sein - die seit 1972 die internationalen Medaillen für die Bundesrepublik erstritten.

 

Doping in der alten Bundesrepublik war „keineswegs nur der individuellen Verantwortung einzelner Sportler überstellt, sondern über einzelne Sportverbände oder Sportvereine mitunter zentral organisiert und finanziert. Ausgeschlossen werden kann nicht, dass im Radsport auch Minderjährige von den von Klümper hauptverantwortlich gesteuerten, aber von einer längeren Reihe weiterer Verbandsärzte, Trainer und Masseure des BDR mitverantworteten Dopingmaßnahmen betroffen gewesen sein könnten“ (siehe Dopingforschungsprojekt „Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“).

 

Immer wieder kam es zu Verzögerungen bei der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse, zu Querelen und Rücktritten sowohl in der Kommission als auch in der Leitung der Universität. Die Zusammenarbeit in der Kommission zwischen ihren Mitgliedern und mit der Universitätsleitung war stets fragil und regelmäßig gestört.

Als der „Dopingpapst“ Prof. Werner Franke 2012 die Kommission verließ, um seiner Entlassung durch deren Vorsitzende Paoli zuvor zu kommen, die ihm die Verletzung von Kommissionsgeheimnissen vorwarf, schien ein weiterer Tiefpunkt in der Arbeit in der Freiburger Dopingevaluierung erreicht.

Franke, der entgegen seiner Gewohnheit, beinahe alle leistungssportlichen Erfolge forsch und kompromißlos unter Dopingverdacht zu stellen wagte, sollte schweigen, hatte er doch gemeinsam mit seiner Frau Brigitte Berendonck, einer ehemaligen DDR-Speerwerferin, durch Untersuchungen und Veröffentlichungen zum Doping im Leistungssport der DDR Ansehen und Bundesverdienstkreuz erlangt.

 

Doch damals zum Anfang der 90er Jahre war das alles anders. Man genoss die großzügige Unterstützung der offiziellen Politik. Gesundheitsakten von Tausenden DDR-Sportlern wurden ohne den kleinsten Verweis auf deren Daten- und Persönlichkeitsbedürfnis und - schutz ausgewertet und namentlich veröffentlicht. Es ging ja nur um diejenigen, die der Bundesrepublik beigetreten waren und jetzt auch noch ihre Persönlichkeit schützen wollten. Vergeblich. Soweit war es dann doch mit erwartendem Schutz der Würde des Menschen und der Rechtsstaatlichkeit doch nicht.

 

Außerdem hatten diese Sportler der DDR „gedient“ und ihren damaligen sportlichen Konkurrenten so manche Niederlage zugefügt, aus der die politische Führung der DDR natürlich ideologischen Vorteil gezogen hatte.

 

Selber Schuld, sie durften jetzt dafür büßen.

 

Schlimm genug, dass all diese im persönlichen Besitz von Werner Franke gelangten Gesundheitsakten in die Universität Austin in Texas verbracht wurden, um sie vor dem Zugriff der Betroffenen und des deutschen Staates zu schützen. Aber vielleicht findet sich ein Diener des Gesetzes, der sich um die Rückführung dieser persönlichen Akten kümmert. Die Hoffnung ist zur Zeit gering, da es nicht um Geld und anderes Vermögen, sondern lediglich um Gerechtigkeit geht. Wendet man sich heute an die Bibliothek der Uni Austin mit der Bitte um die Einsicht in das besondere Archiv der ostdeutschen Akten, dann muss man lediglich den Grund für deren eventuelle Verwendung nachweisen. Arztgeheimnis hin, Arztgeheimnis her.

 

Ja, so einfach geht es nun nicht mehr. Die Ordnung ist wieder hergestellt. Die Gesundheitsakten westdeutscher Leistungssportler sind vor Einsicht gesetzlich geschützt. Das musste 2012 dann auch Prof. Franke akzeptieren, als er erschrocken über so manchen berühmten Namen in den Freiburger Dopingakten, sich nicht informierend an die Öffentlichkeit wenden durfte. Da ging er lieber und schwieg.

Soweit eine kleine Episode aus der Anti-Doping-Welt, die deren Widersprüchlichkeit und politische Instrumentalisierung offenbart.

 

Der Abschlussbericht der Evaluierungskommission war für Anfang 2016 fällig. Jetzt hat sich am Dienstag die Kommission aufgelöst. Insgesamt traten fünf von sechs Mitgliedern zurück: Helmut Mahler, Gerhard Treutlein, Hans Hoppeler, Perikles Simon und Fritz Sörgel. Letizia Paoli blieb als letzte der Mohikaner, wobei sie sicherlich vor allem ihr Image und ihre finanziellen Ansprüche an die Universität sichern will.

Foto: PIXATHLON/SID

Der schlechte Scherz ist, dass die düstere Dopingvergangenheit im Bereich Sportmedizin, mit großer Relevanz für den gesamten westdeutschen Sport, nun in Eigenregie der Universität analysiert werden soll. Die Aufklärungsarbeit werde durch eine Forschungsstelle zum Thema Doping und Sportmedizin fortgeführt, kündigte die Hochschule an. Diese werde im März als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität geschaffen und von einem externen wissenschaftlichen Beirat unterstützt. "Die wissenschaftliche Aufklärungsarbeit muss weitergehen", betonte Rektor Schiewer.

War das das Ziel der jahrelangen Obstruktionspoltik ? Oder will sich der Bock gar zum Gärtner machen ?

Prekär war das Thema Freiburg auch stets für die deutsche Politik. Immer wieder tauchen die Namen prominenter CDU-Politiker auf bei der Frage, warum Keul, Klümper und ihre Assistenten ungehindert wirken durften. So der Name von Wolfgang Schäuble, hatte er bei einer Anhörung im Bundestag 1977 als sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion die Verwendung von Medikamenten vorgeschlagen, wenn sie im Leistungssport unverzichtbar erscheinen, fürsorglich 

von Sportmedizinern steuern zu lassen. Genau so geschah es dann auch in Freiburg.

Die Bundespolitik und der für den Sport verantwortliche Innenminister schweigen. Noch.

Vor allem vielleicht, um sich selbst zu schützen. An Gerechtigkeit und Wahrheit sportlicher Retrospektive, wenn es um 5.500 ehemalige Leistungssportler geht, wird wohl kaum gedacht werden.

HG

10 (2016 - 02 - 26)

Wie das Hornberger Schießen

Sandra Maischberger und

die einfachen Wahrheiten

Lange musste der Zuschauer warten. Doch gestern zur abendlichen Stunde hat in der ARD Sandra Maischberger versucht, hinter die einfachen Wahrheiten der europäischen und deutschen Flüchtlingsproblematik zu schauen.

 

Das schwierige Unterfangen ist jedoch nur im Ansatz gelungen. Allerdings, das sei Frau Maischberger zugute gehalten, handelt es sich dabei um eines der komplexesten Probleme der Innen- und Außenpolitik überhaupt. Noch tief angeschlagenen von der sogenannten Finanzkrise, deren Flammen noch immer im Hintergrund kräftig lodern, hat es Europa und seine stärkste Wirtschaftsmacht Deutschland seit Mitte vergangenen Jahres mit der nächsten, diesmal einer gar existentiellen Krise zu tun.

 

Und da reichen einfache Fragen und einfache Antworten nicht

mehr aus

 

Ob die Kanzlerin Deutschland spalte und weshalb gerade in Sachsen die geforderte Willkommenskultur nicht greift? Ist der gemeine Sachse rechts und ein notorischer Ausländerfeind ?

Zwei einfache Fragen, die, um es vorwegzunehmen, nicht erschöpfend beantwortet werden konnten.

 

Die Runde der Gäste war diesmal nicht die erneute Auflage der letzten. Endlich schafften es einmal andere und vor allem auch Bürger vor die Kameras der Öffentlich-Rechtlichen Polittalks.

 

Bürger Liefers und Pegida

 

Jan Liefers, ein beliebter Schauspieler, selbst aus Dresden kommend, meinte, die Kanzlerin habe das Richtige getan, nur wurde und wird verabsäumt mit dem Volk, mit uns Deutschen zu reden. Sein geistiger Blick ging dabei bestimmt in seine sächsische Heimat, deren aufrechte, hilfsbereite, verantwortungsbewusste Bürger jetzt schnell mal von Politik und Medien in den rechten Mob untergemischt werden. Liefers blieb in dieser Kritik verbal zurückhaltend, bekam jedoch zu Ende des Gesprächs Unterstützung durch René Jahn, einem ehemaligen Pegida-Organisator.

Dass Jahn eingeladen wurde, ist zu begrüßen, hat man doch bisher lediglich über Pegida, ihre Auffassungen und ihre Klientel gewettert und nicht gerade zurückhaltend, alles und alle in die schmuddelige rechte Ecke gekehrt. Jahn, der eher gemäßigt wirkte, erwiderte in diesem Zusammenhang: "Bei Pegida sind nicht nur Rechtsradikale unterwegs, sondern Bürger wie sie und ich.Viele sehen keine andere Möglichkeit des Protests.“ Weil, ja weil, wie sein Landsmann Liefers vor ihm sagte, es versäumt wurde, mit dem Volk zu reden. Jedoch muss man bezweifeln, dass die Bundesregierung diese Sendung fürs Fernsehvolk sich auch angeschaut hat. 

Der Gesandte der Kanzlerin

 

Es sei denn Armin Laschet, der anwesende CDU-Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen, wird es der Kanzlerin berichten. Er scheint ja neben dem nicht vermissten Kanzleramtsminister Peter Altmeier derjenige zu sein, der die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin in beinahe jeder politischen Talk-Show dieses Landes vertritt. Man mag ihm seine Aufrichtigkeit und seine Parteitreue nicht abstreiten, aber seine Argumente waren auch diesmal die gleichen, die ihm außerhalb der Bundesregierung kaum noch einer abnimmt.

"Sie werden die europäische Flüchtlingskrise nicht in Traunstein oder Salzburg an der Grenze lösen", sagt er zum gefühlt hundertsten Mal. Ein Lächeln konnte sich keiner verkneifen, als er gar konstatierte, dass die Kanzlerin zur Beseitigung der Flüchtlingsursachen aufgerufen habe. Einfach nur toll, vorzugeben, sich ein Jahrzehnt zu spät um die Ursachen kümmern zu wollen. Danke, Frau Merkel.

Sehr schade, dass keiner der Gesprächsteilnehmer Idee und Traute hatte, Herrn Laschet zu fragen, weshalb die herrschende politische Elite in unserem Land sich immer so schwer tut - wenn überhaupt - ihren Verbündeten, allem voran den USA, Großbritannien, Frankreich und der Türkei in den Arm zu fallen, wenn sie ihre klassischen und geheimdienstlichen Kriege und Destabilisierungen betreiben.

Der Gesandte der Kanzlerin verteidigte sie – das war ja auch sein Auftrag - gegen den Vorwurf, dass erst das Zögern der Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik das Land so gespalten habe. "Ich bin ja froh, dass Pegida schon protestierte, bevor die Kanzlerin angeblich die Welt herbeirief", meinte er. Großer Frohsinn und intellektueller Schwachsinn.

Der Griff nach dem Prinzip Hoffnung "In 70 Jahren hat die Bundesrepublik schon andere Krisen gemeistert." war dann die propagandistische Krönung, vor der aktionistischen Seifenblase: „Jetzt gilt es die Ängste abzubauen“. Schön, wie doch die Regierung vorgibt, alles – noch vor dem 13. März!!! - im Griff zu haben. Na, dann.

Der CDU-Freund


Peter Ramsauer, CSU-Gestein, machte selbstredend Parteipolitik, ohne dabei seinen Freund Laschet aus 30 Jahren und mit 98-prozentiger Übereinstimmung (die 2 Prozent gehen wahrscheinlich auf den regelmäßig vorgetäuschten Dissens in der Flüchtlingspolitik der Koalition zurück) verbal die Schulter zu tätscheln, und redete in der bekannten besten CSU-Manier. „300.000 Flüchtlinge seien nicht registriert im Land. Ungarn und Mazedonien betreiben Notwehr. Der Ausnahmezustand hält an." Er warte darauf, dass die CSU in spätestens einem h a l b en Jahr Beschwerde zur Flüchtlingspolitik der Regierung beim Bundesverfassungsgericht einreiche.

Also nach „Zwischen-die-Stühle-setzen“ sah das nicht aus, eher nach„ Im-Backstage-bleiben-wir-die-besten-Freunde.

Das muss man nicht weiter kommentieren. Hoffentlich merken jedoch die Wähler der CSU in Bayern noch rechtzeitig die politische Volte, man kann auch einfach sagen, den Betrug.


SPD – erfrischend, aber unauffällig


Natascha Kohnen, SPD-Generalsekretärin aus Bayern – kürzlich durch eine klare Rede im Bayerischen Landtag aufgefallen - wirkte für die Runde erfrischend, obwohl sie inhaltlich-politisch wenig beitragen konnte. Aber dennoch kann man ihre Forderung, dass die Regierung Lösungsvorschläge bringt und sich nicht gegenseitig beharkt, nur unterstützen.


Ex-Bild-Chef


Der Joker des Abends in der Runde war Hans-Hermann Tiedje, Journalist und Politikberater. Des staatlichen Ungehorsams kaum zu verdächtigen,war er doch jahrelang für das journalistische und Informationsniveau der BILD und der Bunte zuständig, beriet Helmut Kohl, ist Aufsichtsratsvorsitzender der WMP Eurocom AG, nahm er kein Blatt vorm Mund und fuhr Herrn Laschet regelmäßig über denselben: "Ich nenne es eine Katastrophe, eine Flut, weil es einfach so ist", und benannte auch gleich die Verantwortliche: "Frau Merkel hat das alles ausgelöst. Alle anderen sagen, eure Kanzlerin hat sie hergebeten."

Nach seiner Prophezeiung, der man ohne große Vision folgen kann, werden nach den Landtagswahlen im März die Karten neu gemischt, und – das ist mir dann doch zu martialisch düster - stehe kein Stein mehr auf dem anderen.

Zu bedauern ist, dass dem Syrien-Aufenthalt von Liefers, als er 2013 Aleppo besuchte, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Anhand seines Filmbeitrags hätten die Gäste sehr nachvollziehbar über die Ursachen des nach 2013 ständig weiter eskalierenden Konflikts in Syrien polemisieren können. Die Chance wurde (bewusst) verpasst.

So schaffen wir das nicht

 

Versucht man das Ergebnis des Abends bei Maischberger zu finden, kann man feststellen, dass ihre Absicht, auf einfache Fragen, nicht nur einfache Antworten zu finden, hier und da aufgegangen ist. Dazu hatte sie passende Gäste eingeladen, gab sich wohltuende Moderatorinnenmühe, war unaufgeregt und beinahe stoisch.

Ein teilweise gelungener Versuch, mal mehr als einfache Wahrheiten nur verschieden politisch gefärbt beantworten zu lassen und dabei nicht nur verbissen auf die politische Korrektheit zu blicken.

Die entscheidende Erkenntnis aus dem diskutierten Thema für den Zuschauer ist wohl:

Ja, die Kanzlerin spaltet das Land. Ihre Maßnahmen und Lösungsansätze sollte man dabei nicht schmälern.

Die Kanzlerin hat vor ihrer verhängnisvollen Entscheidung weder die politischen Verantwortungsträger im Lande, noch ihre Regierungskollegen in Europa ausreichend konsultiert.

Das Volk wurde nicht mitgenommen, seine Ängste wurden ignoriert. Losungen wie „Wir schaffen das“ haben die Lage im Land weiter angespannt.

Der gemeine Sachse ist doch nicht mehrheitlich rechts, ist hilfsbereit und gastfreundlich, auch Flüchtlingen gegenüber.

Warten wir den 13. März ab und erleben hoffentlich kein braunes Wunder.


 

HG

9 (2015 - 12 - 08)

Erbauliches vor Weihnachten – Fehlanzeige

Die Wahrheiten werden verschwiegen, aber das Lügen klappt gut

Die vergangenen Tage und Wochen machen einen Angst und drohen, die Weihnachtslaune zu verderben. Nicht, dass wir uns dem Leid und dem Schmerz der Welt entziehen wollen. Nicht, dass wir Spießer und Kleinbürger sind. Nein, wir sollen uns erinnern, dass die Erde allen gehört, dass wir nur einmal leben, dem Schicksal unseres Planeten gleichermaßen verbunden sind und es viel Schönes und Wertvolles zu erhalten gibt.

 

In Syrien, Afghanistan, Irak, Libyen, Libanon, Mali, Nigeria, Tunesien, Ägypten, dem Tschad und der Ukraine – beinahe schon wieder vergessen – gibt es Krieg und Terror. Seit November dieses Jahres hat der Terror der Gotteskrieger vom „Islamischen Staat“, Al-Kaida und Boko Haram die erschreckende Bilanz von 934 unschuldigen Opfern gefordert. Wer auf den Schlachtfeldern des Krieges im Nahen und Mittleren Osten täglich grausam stirbt und umgebracht wird, zählen wir gar nicht. Oder weiß jemand, wie der Jemen ausblutet? In der Ukraine starben mehrere Tausend Unschuldige und 2,1 Millionen sind auf der Flucht. Unsere offiziellen Medien bevorzugen zu häufig zu schweigen und tun es ihren Regierungen gleich: Über Leid und Tod wird selektiv berichtet.  

 

Die PLO kündigte den Osloer Friedensprozess. Jassir Arafat und Jitzchak Rabin drehen sich im Grabe um, wie fatal ihre Nachfolger Politik betreiben. Den Palästinensern geschieht seit 1948 unrecht und die Weltgemeinschaft ist weder Willens noch in der Lage, das zu verhindern. Dafür lässt sie die Extremisten und Feinde des Friedens auf beiden Seiten gewähren.

Es ist nur folgerichtig, dass diese schrecklichsten von Menschen generierten Übel – Krieg und Terror - sich Europa nähern und um sich greifen. In Frankreich, Großbritannien, Belgien und Bosnien-Herzegowina kostete es das Leben unschuldiger Menschen und auch in Deutschland wird es nicht bei einer halbtägigen Straßensperre in der Berliner City wegen herrenloser Taschen bleiben.

 

Die Politik, d.h. diejenigen, denen die Bürger vorübergehend den Job übertragen, auf Frieden, Sicherheit und ihr Wohl zu achten, redet sich und uns wieder einmal unpassende Entscheidungen schön, halten uns die Wahrheiten weit vor und wenn´s es gar nicht anders geht, lügen sie einfach.

 

Um längerer diesbezüglicher Polemik zu entgehen, erinnere ich nur einmal daran, wie es denn sein kann, dass nachdem es bereits alle Bundesbürger seit langem wissen, nun plötzlich ganz überraschend der Bundesnachrichtendienst verkündet, dass Saudi-Arabien die Lage im Nahen und Mittleren Osten destabilisiert. Der Sohn des Scheichs soll vor allem in seiner Funktion als Außenminister Saudi-Arabiens schuld sein. 

 

Wenn dann noch – scheinbar überrascht und empört - der deutsche Vize-Kanzler Gabriel Saudi-Arabien genau deswegen warnt und es auffordert, die Verbreitung und Förderung des Wahhabismus - der basislosen und unmenschlichen Auslegung des Koran – in der islamischen Welt und auch anderswo zu unterlassen, dann sind wir ganz bei ihm.

Allerdings bleibt die legitime Frage, weshalb er das nicht schon früher gewusst und verurteilt hat.

 

So scheint die Politik ständig erkenntnistheoretisch im Verzug, obwohl sie sich ja ausreichend Konferenzen, Tagungen, Gedenkveranstaltungen und Meetings, ad-hoc oder turnusmäßig, zu allen möglichen Themen, Problemen und Krisen organisiert. Bleibt die alte Lebensweisheit, die auch für Politiker gilt: Wer zu viel taktiert, verliert schnell das Ziel aus dem Auge.

 

Der Bürger will mehr erfahren als nur über die Befindlichkeiten in der Regierungskoalition und ist zurecht empört, wird jedoch nur mit mittelmäßig bis wertlosen Informationen zur Sache versorgt, oft auch noch mit längst überschrittenen Fälligkeitsdatum. Eigentlich reicht´s.

 

Mit der katastrophalen politischen und medialen Begleitung der Flüchtlingskrise haben die Regierenden in Europa ihre Bürger ein weiteres Mal auf die Geduldsprobe gestellt. Und wenn diese Bürger keine Empörungs-Kultur besäßen, hätte die Lage auch schon mal in Deutschland über PEGIDA-Rübeleien hinaus entgleiten können. In Frankreich passiert genau das gerade. Wenn uns die sich gern als Volksparteien schmeichelnden Bünde davor nicht bewahren können, müssen wir es selber tun. Bei den nächsten Bundestagswahlen keinesfalls den Wolf im Schafspelz wählen, sondern denen die Stimme geben, die tun, was sie uns sagen. 

 

Die Bundesdeutsche Kanzlerin fordert von ihrem Volk eine Willkommens-Kultur und „Wir schaffen das“, und dann streitet sich bis heute die Regierungskoalition bis in jede drittklassische Polit-Show hoch und runter, was das eigentlich bedeuten soll. Von feiner Logistik und durchdachtem Management keine Spur. Dafür gibt’s ja scheinbar das Ehrenamt. Der öffentliche Dienst muss sich an die von Gewerkschaft und Arbeitgeber Staat vereinbarten Arbeitszeiten halten. Katastrophe hin, Katastrophe her. Da bekommt das Wörtchen „Wir“ von Frau Merkel schon eher die Bedeutung von „Ihr“. 

 

Eine Zumutung – mal ganz nebenbei - war dann noch der als medialer und koordinierender Geisterfahrer für Flüchtlingsfragen per Kanzlerindekret eingesetzte Amtsminister Altmaier. Das ging schon unter die Haut. Da war man schnell an schlechte Parteisekretäre erinnert, die gern schon mal Dinge verteidigten, die schon längst verloren waren. Da hat Frau Merkel zu DDR-Zeiten dann doch nicht immer gut aufgepasst, sonst hätte sie ihren Fehler nicht durch diesen Fehler ausbügeln lassen wollen. Gut, Deckel auf diese Personalentscheidung, es war ja nicht die erste falsche, und es kann ja noch Schlimmeres kommen.

Wir sind gerade kühn und offen dabei, bedauernd festzustellen, dass unter den Flüchtlingen aus Syrien nicht alle auch noch Akademiker und Facharbeiter sind. Leider sollen sogar zwei Drittel von ihnen Analphabeten sein. Kaum hat man das Dilemma erkannt, da kommen schon gleich die ganz Kreativen aus der Wirtschaft und den Behörden, die die Kürzung des Mindestlohns und die Absenkung der Ausbildungszeiten für jugendliche Migranten fordern. Um dann auch gleich den „Schulterschluss“ mit den im Lande seit längeren arbeitslosen herzustellen, wird auf deren diesbezügliche Sonderbehandlung hingewiesen. Das hat natürlich gesessen und wird der bekannten Politik rechts neben der Union wohl besonders nutzen.

 

Alles nicht so erbaulich, dafür aber anhaltend. Wer sich ein wenig mit den politischen Prozessen in der Welt und besonders in den von den Kriegen des Westens gebeutelten arabischen Ländern beschäftigt, dem konnte das Dilemma in Rede nicht überraschen. Man fragt sich bloß, weshalb es denn immer unsere Bundesregierung ist, die alles als letzte erfährt.

HG

 

Images: wikipedia, Sebastian Rieusse, AFP, Tagesschau.de, Welt.de, Cicero.de

8 (2015 - 09 - 14)

Gedenkfeier für Erika Zuchold

Das gemeinsam Erlebte wie ein kostbares Geschenk für immer

in sich tragen

In Gedenken für die am 22. August dieses Jahres in Ascunción mit 68 Jahren unerwartet und beinahe unbemerkt für die Öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland und die Freunde der deutschen und internationalen Turnwelt verstorbenen deutschen Weltklasseturnerin Erika Zuchold fand am 11. September im Berliner Sportmuseum Marzahn-Hellersdorf im Beisein von 40 ehemaligen Turnerinnen und Turnern, Trainern, Kampfrichtern, Sportfunktionären und Freunden des Sports eine feierliche Würdigung statt.

 

Unter den Anwesenden waren die Olympiamedaillengewinner von Mexiko-City 1968 und München 1972 im Turnen Marianne Noack-Paulick, Magdalene Schmidt-Jakob, Maritta Bauerschmidt-Grießig und Irene Abel, der zweifache Bronzemedaillengewinner und langjährige Turnnationaltrainer der DDR Peter Weber, die mehrfache Olympiamedaillengewinnerin im Schwimmen und im Handball Roswitha Krause, Erika Zucholds erste Trainerin Dr. Ursula Gundlach, die ihr den Flickflack auf dem Schwebebalken lehrte, die Bronzemedaillengewinnerin im Turnen von Montreal 1976 Kerstin Kurrat-Gerschau, der Silbermedaillengewinner mit der 100-m-Staffel von Montreal 1976 Klaus-Dieter Kurrat, der ehemalige Generalsekretär Peter Dobbertin, der Vize-Präsident des DTSB der DDR Prof. Horst Röder, eine Reihe namhafter und erfolgreicher Trainer des DDR-Turnsports, der Sprecher der Gemeinschaft der Sport-Senioren der DDR Erhard Richter sowie Freunde des Sports wie Eberhard Aurich, ehemals 1. Sekretär des DDR-Jugendverbandes FDJ.

 

Sie alle waren gekommen, um der Doppelweltmeisterin, Gewinnerin mehrerer olympischer Silber- und Bronzemedaillen und 14-maligen DDR-Meisterin und damit einer der erfolgreichsten deutschen Turnerinnen aller Zeiten, der Leipzigerin Erika Zuchold die Ehre zu erweisen.

 

Die kleine Feier wurde eröffnete durch das von Wolfgang Turowski instrumental und gesanglich vorgetragene Lied für Generationen von der Rockgruppe Puhdys, das an die sich verändernde Sicht auf unsere Welt erinnert.

Der Gedenkredner Herbert Grießig würdigte in seiner Ansprache sowohl die bemerkenswerten Erfolge der Verstorbenen als Turnerin des Sportclubs Leipzig, der DDR-Nationalmannschaft und nach ihrer sportlichen Laufbahn als bildende und darstellende Künstlerin als auch ihre kaum vergleichbare Persönlichkeit, in der sich Wille, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit,

 

Nachdenklichkeit, Kreativität und Dynamik zu einer einmaligen Symbiose vereinigt hatten.

 

Er verwies darauf, dass es Erika Zuchold gelang, sowohl die Leipziger Turnschule als auch die Leipziger Kunstschule auf einem bemerkenswert hohen Niveau zu repräsentieren.

Ihre Olympiateam- und Clubkameradin Maritta Bauerschmidt-Grießig lobte vor allem die kämpferische Seite von Erika, die sich in den Wirren der Wendezeit nicht entmutigen ließ und mit außerordentlicher Beobachtungsgabe und geschickter Hand unterschiedliche Strukturen, Bewegungen und Handlungen in Natur und Gesellschaft erforschte und künstlerisch zur Ansicht brachte. Unvergessen bleibt ihre Vielseitigkeit, die sie nicht nur im Kunsturnen, sondern auch in ihren Auftritten in Unterhaltungssendungen des Fernsehens nachweisen konnte.

 

Was sie gemeinsam mit ihrer Turnkameradin Erika erleben konnte, werde sie frei nach Dietrich Bonhoeffer wie ein kostbares Geschenk für immer in sich tragen.

Dr. Ursula Gundlach unterstrich in ihren Gedenkworten , dass sie es als eine wahre Freude und ein großes Glück empfand, mitzuhelfen, aus einem Leipziger Rohdiamanten eine der hochkarätigsten Turnerinnen Deutschlands und der Turnwelt zu formen. Sie werde Erika nie vergessen und als schöpferisches, aktives, oft rastloses, aber auch Zuwendung bedürftiges

Menschenkind in ihrer Erinnerung bewahren.

Während der Gedenkfeier erinnerten Videos wie von der Schwebebalkenkür zur Weltmeisterschaft 1970 in Ljubljana an die großen turnerischen Erfolge der verstorbenen Turnerin.

 

Die Anwesenden waren sich einig, dass mit Erika Zuchold eine der vielseitigsten und elegantesten deutschen Turnerinnen aller Zeiten uns viel zu früh verlassen hat.

Die Erinnerungen an sie als einer erfolgreichen, liebenswerten, bescheidenen und bodenständigen Sportlerin werden nicht verblassen, werden doch ihr Name und ihr Vermächtnis in der Turn-Talentschule des Deutschen Turner-Bundes in Leipzig und in der Internationalen Hall of Fame in Oklahoma-City bewahrt bleiben.

 

Herbert Grießig/Text; Werner Ambrasat/Foto

7 (2015 - 07 - 19)

 

 

 

It`s your world

 

A view of the Greek crisis from Germany

 

by: HERBERT GRIESSIG

july 17 2015 

Hier der vollständige Originaltext...

Die griechische Krise aus der Sicht Deutschlands

In Englisch von unserem Freund und Laptopwerker Herbert Grießig aus Hönow bei Berlin

 

Herbert vermittelt ein klares Bild der aktuellen Krisensituation in Griechenland. Er nennt die Ursachen für deren Entstehung und Zuspitzung. Er hebt die Rolle Deutschlands hervor und beschreibt, wie Merkel und Schäuble Europa ihrem Diktat unterordnen.

Weitere Fragen zum Inhalt des Beitrages beantworten Herbert und ich gern.

 

Peoplesworld.org ist eine tägliche Nachrichten-Website und der direkte Nachfolger der Tageszeitung „Daily Worker“ (1924 – 1956). Die von Long View Publishing Co. verlegte Zeitung berichtet und analysiert vor allem die für sie wichtigen Dinge des täglichen Kampfes wie Arbeiterbewegung, Frieden, Gleichheit, Soziales, Demokratie, Freiheit, Frauenrechte und Umweltschutz.

Seit 1. Januar 2010 ist People's World eine reine Online-Zeitung.

BJM

6 (2015 - 07 - 12)

Papst Franziskus

und die Bewahrung

der Schöpfung

Ein Pontifex des Wortes,

der Gehör verdient

Nein, er ist nicht in einer Partei mit Liebknecht, Luxemburg, Lenin, Ghandi, Castro oder Ché Guevara und auch nicht mit ihnen verwandt. Er ist der irdische Stellvertreter Jesus Christus auf Erden, er ist der Bischof von Rom,der Nachfolger des Apostel Petrus. Er ist der Pontifex Maximus und der absolute Monarch des Staates Vatikanstadt. Er ist der Heilige Vater.

Papst Franziskus

und der

bolivianische

Staatspräsident

Morales 

Seine Rede beim zweiten weltweiten Kongress der Volksbewegungen in Santa Cruz liest sich wie ein Grundsatzprogramm, gehalten auf einer antikapitalistischen Protestkundgebung, inhaltlich kaum entfernt von den Dekreten der Russischen Oktoberrevolution von 1917 über Frieden, Grund und Boden, Wohnung und Arbeit.

Man muss nicht das Geschichtsverständnis eines Marxisten oder Leninisten haben – es genügen die Auffassungen des britischen Politikwissenschaftlers Richard Sakwa - um zu erkennen, dass der Papst grundlegende und in ihrer Erfüllung längst überfällige Forderungen der Völker benennt und wiederholt: „Es sind unantastbare Rechte. Es lohnt sich, für sie zu kämpfen. Möge die Klage der Ausgeschlossenen in Lateinamerika und auf der ganzen Erde gehört werden!“

 

Der aufmerksame, von den dramatischen Entwicklungen unserer Zeit alarmierte Zeitgenosse verzichtet gern angesichts der Klarheit der Sprache des Papstes auf jegliche polemische Kommentierung. Es ist einfach wahr, was er sagt. Die meisten Regierenden und Vertreter der Eliten werden es intellektuell verstehen, aber es sicher nicht besonders mögen. Das kratzt doch weiter an der Fassade, die gerade angesichts der immensen Krisenlast – übrigens durch die Gier und Unfähigkeit der Eliten eingebrockt – täglich hässlicher erscheint.

 

Ist es doch nahezu teuflisch und verwerflich, wenn die Regierenden ihren Intellekt und ihre hohe Bildung benützen, um den Bürgern penetrant das Krumme gerade und das Schwarze weiß zu erklären. Eine unheilbare Krankheit der Macht ? Nein, nur eine verhängnisvolle Methode, sich die Macht zu erhalten, bis man sie verliert. Die Geschichte ist voller derartiger Exemplare. Der Papst ist jedenfalls nicht davon befallen.

Dagegen erscheint er geistig sehr gesund und fordert daher auch eine rapide und globale Veränderung:

Dieses System ist nicht mehr hinzunehmen; die Campesinos ertragen es nicht, die Arbeiter ertragen es nicht, die Gemeinschaften ertragen es nicht, die Völker ertragen es nicht… Und ebenso wenig erträgt es die Erde, ... die Zeit scheint reif. Es reichte nicht, dass wir untereinander gestritten haben, sondern wir wüten sogar gegen unser Haus.“

 

Er prangert es an, das hemmungslose Streben nach Geld, das regiert: „Der Dienst am Gemeinwohl wird außer Acht gelassen. Wenn das Kapital sich in einen Götzen verwandelt und die Optionen der Menschen bestimmt, wenn die Geldgier das ganze sozioökonomische System bevormundet, zerrüttet es die Gesellschaft, verwirft es den Menschen, macht ihn zum Sklaven, zerstört die Brüderlichkeit unter den Menschen, bringt Völker gegeneinander auf.“

 

Der Papst gibt „(den) Unbedeutendsten, (den) Ausgebeuteten, (den) Armen und Ausgeschlossenen“ Mut und weist sie darauf hin, dass „die Zukunft der Menschheit großenteils in Ihren Händen liegt, in Ihren Fähigkeiten, sich zusammenzuschließen und kreative Alternativen zu fördern, im täglichen Streben nach … Arbeit, Wohnung, Grund und Boden und auch in Ihrer Beteiligung als Protagonisten an den großen Wandlungsprozessen auf nationaler, regionaler und weltweiter Ebene“.

In drei großen Aufgaben umreißt er die entscheidenden Herausforderungen unserer Zeit, gerade weil das gegenwärtige Wirtschaftssystem, sprich der herrschende Kapitalismus, sozial ungerecht ist, Menschen ausschließt, sie tötet und die Erde zerstört:

 

* „ eine gerechte Wirtschaft muss die Bedingungen dafür schaffen, dass jeder Mensch eine Kindheit ohne Entbehrungen genießen, während der Jugend seine Talente entfalten, in den Jahren der Aktivität einer rechtlich gesicherten Arbeit nachgehen und im Alter zu einer würdigen Rente gelangen kann. Es ist eine Wirtschaft, in der der Mensch im Einklang mit der Natur das gesamte System von Produktion und Distribution so gestaltet, dass die Fähigkeiten und die Bedürfnisse jedes Einzelnen einen angemessenen Rahmen im Gemeinwesen finden.“

 

* „Der Besitz – ganz besonders wenn er die natürlichen Ressourcen betrifft – muss immer den Bedürfnissen der Völker zugeordnet sein. Und diese Bedürfnisse beschränken sich nicht auf den Konsum. Es reicht nicht, ein paar Tropfen fallen zu lassen, wenn die Armen diesen Becher schütteln, der niemals von sich aus etwas ausgießt. Die Hilfspläne, die gewisse Dringlichkeiten versorgen, müssten nur als vorübergehende Antworten gedacht werden. Niemals werden sie die wahre Einbeziehung ersetzen können: die, welche die würdige, freie, kreative, beteiligte und solidarische Arbeit gibt.“

 

* „Die Völker der Welt wollen ihr Schicksal selbst bestimmen. Sie wollen in Frieden ihren Weg zur Gerechtigkeit gehen. Sie wollen weder Bevormundung noch Einmischung, wo der Stärkere den Schwächeren unterordnet. Sie wollen, dass ihre Kultur, ihre Sprache, ihre gesellschaftlichen Prozesse und ihre religiösen Traditionen respektiert werden. Keine faktische oder konstituierte Macht hat das Recht, den armen Ländern die volle Ausübung ihrer Souveränität abzuerkennen, und wenn es dennoch geschieht, sehen wir neue Formen von Kolonialismus, welche die Möglichkeiten zu Frieden und Gerechtigkeit ernsthaft schädigen.“

 

* „Der neue wie der alte Kolonialismus, der die armen Länder zu bloßen Rohstofflieferanten und Zulieferern kostengünstiger Arbeit herabwürdigt, erzeugt Gewalt, Elend, Zwangsmigrationen und all die Übel, die wir vor Augen haben… und zwar aus dem einfachen Grund, weil er dadurch, dass er die Peripherie vom Zentrum abhängig macht, ihr das Recht auf eine ganzheitliche Entwicklung verweigert. Das ist soziale Ungerechtigkeit, und die erzeugt eine Gewalt, die weder mit polizeilichen, noch mit militärischen oder geheimdienstlichen Mitteln aufgehalten werden kann.“

 

* „Unser aller gemeinsames Haus wird ungestraft ausgeplündert, verwüstet und misshandelt. Die Feigheit bei ihrer Verteidigung ist eine schwere Sünde. Mit zunehmender Enttäuschung sehen wir, wie ein internationales Gipfeltreffen dem anderen folgt ohne irgendein bedeutendes Ergebnis.... Man darf nicht zulassen, dass gewisse Interessen – die globalen aber nicht universalen Charakters sind – sich durchsetzen, die Staaten und die internationalen Organisationen unterwerfen und fortfahren, die Schöpfung zu zerstören.“

 

Auch Papst Franziskus nimmt das Wort „dritter Weltkrieg“ in den Mund, den er „in Raten“ vor sich gehen sieht und der von Völkermord begleitet wird.

 

Die Botschaft des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche ist angekommen, ob man nun gläubig ist oder nicht. Von der Mehrheit begrüßt, ist jedoch auch sicher, dass diese sehr politische Stellungsnahme von den betroffenen Regierenden und Eliten – von denen viele sich zum christlichen Glauben bekennen und gar zum Amtsantritt auf die Bibel schwören - schleunigst ad acta ohne Wiedervorlage gelegt werden wird, passt sie doch so gar nicht in das, was sie und ihre Mainstream-Medien den Bürgern täglich glauben machen wollen.

 

Die Zitate wurden der Rede von Papst Franziskus beim zweiten weltweiten Kongress der Volksbewegungen in Santa Cruz/Bolivia entnommen.

Images: SN/APA (EPA)/AGENCIA BOLIVIANA DE I; afp;Reuters/David Mercado

 

HG

5 (2015 - 04 - 07)

Wem gehört die Kunst ?

Nicht nur der Schatz der Welfen wirft Fragen auf

Seit der Wiedervereinigung ist eine Welle von Rückgabe- oder juristisch korrekter Restitutionsforderungen auf das vereinte Deutschland zugekommen. Waren es anfangs vor allem im Osten Deutschlands meistens Grundstücke mit den darauf befindlichen Gebäuden, so sind es jetzt hauptsächlich museal gezeigte Gemälde und andere Kunstgegenstände.

 

Bei den Grundstücken war die Verfahrensweise überschaubar und nicht unbedingt zum Nachteil der städtischen Bebauung und Nutzung. Im größten Restitutionsanspruch, dem so genannten „Michael-Fall“, hatte 1990 der ostdeutsche Rechtsanwalt Dr. Rainer Arzinger durch eine Routineeinsicht in das Grundbuch einer (Ost-)Berliner Immobilie, in der sich heute die Australische Botschaft befindet, entdeckt, dass diese und mehr als 100 weitere Grundstücke und Häuser in bester innerstädtischer Lage durch das Reichsministergesetz von 1936 ihren rechtmäßigen, vor allem jüdischen Besitzern entzogen worden waren. Leider wurden nach dem II. Weltkrieg alle diesbezüglichen betroffenen Grundbücher nach dem politischen Verständnis der DDR, man habe in diesem Kontext keine Wiedergutmachung, i.e. Entschädigung oder Rückgabe zu leisten, unter staatlichen Verschluss gebracht. 

Das Paradebeispiel und den Berlinern mehrheitlich gut bekannt sind die Hackeschen Höfe mit ihren Jugendstilfassaden, dem einst flächenmäßig größten Gewerbehof Deutschlands im ehemaligen jüdischen oder auch Scheunen-Viertel in Berlin-Mitte.

 

Die in den USA lebenden Erben des Besitzers Jacob Michael bekamen es 1993 zurück und verkauften es an den Heidelberger Bauunternehmer Roland Ernst und den Düsseldorfer Immobilienunternehmer Dr. Rainer Behne, die die Sanierung 1997 abschlossen und zu dem gestalteten, was es heute ist: Eine multifunktionale Kultur-, Gewerbe-, Gastronomie-, Entertainment- und Begegnungsstätte für Berliner und ihre neugierigen Gäste.

 

So schön, so gut. Die Mühen der Berge scheinen hinter uns. Aber jetzt kommen die Brechtschen Mühen der Ebenen. Noch immer und ein Ende ist nicht abzusehen, werden auch 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung Forderungen auf Rückgabe laut. Und man tut sich sehr schwer damit. Unrechtmäßige Enteignung und profaner Raub bleiben trotzdem, was sie waren und sind: Willkür und Unrecht. 

Jetzt betrifft dies seit geraumer Zeit vor allem Kunstwerke aus der Malerei und dem künstlerischen Handwerk. Spätestens seit dem spektakulären Fall Cornelius Gurlitt wissen nicht nur Kunstliebhaber und Kunstfachleute, was es mit Provenienz auf sich hat.

Die "Sitzende Frau" von Henri Matisse und die „Zwei Reiter“ von Max Liebermann gingen bereits an ihre jüdischen Vorbesitzer zurück.

Ein aktueller Fall betrifft zur Zeit das Kunstgewerbemuseum Berlin am Potsdamer Platz, nach 3-jähriger Teilsanierung im November 2014 wieder eröffnet. Ein echte Attraktion droht ihm abhanden zu kommen: Der Schatz der Welfen.

Seine Geschichte ist sehr bewegt. Ursprünglich für den Braunschweiger Dom als Reliquienschatz zusammengetragen, gelangten diese formidablen Goldschmiedearbeiten aus dem 11. bis 15. Jahrhundert 1671 in den Besitz des Welfenhauses, des ältesten Adelsgeschlechts Europas.

1929 verkaufte Herzog Ernst-August von Braunschweig-Lüneburg 82 Stücke an ein jüdisches Händlerkonsortium. Sechs Jahre später - 1935 - erwarb der Staat Preußen über die Dresdner Bank etwa die Hälfte der Kunstschätze für das Schlossmuseum, das heutige Kunstgewerbemuseum.

Neben dem Pergamon-Altar und der Büste der Nofretete gehört der Welfenschatz heute zu den Hauptattraktionen der Berliner Museen. Herausragende Stücke sind etwa das berühmte Welfenkreuz und das Kuppelreliquiar.

Der Welfenschatz mit seinen heute 44 Meisterwerken - ursprünglich waren es etwa 140 - mittelalterlicher Kirchenkunst ist das Herzstück des Berliner Kunstgewerbemuseums. Seine Eintragung in das Kulturgutverzeichnis soll ihn als Teil des Weltkulturerbes bewahren.

Im Jahr 2008 erhoben die Erben der Kunsthändler Anspruch auf die Sammlung. Der damalige Verkauf sei nur unter dem Druck der Nazis zustande gekommen, argumentierten sie. Die von beiden Seiten angerufene Limbach-Kommission wies im vergangenen Jahr die Ansprüche überraschend klar zurück und erklärte im März 2014, dass keine Indizien vorlägen, „ die darauf hindeuten, dass die Kunsthändler und ihre Geschäftspartner in dem von der Beratenden Kommission zu beurteilenden speziellen Fall in den Verhandlungen – etwa von Göring – unter Druck gesetzt worden sind.“ Und sprachen den Schatz der Preußenstiftung zu. Die Anwälte der Erben nannten die Empfehlung damals «nicht nachvollziehbar», um im Februar 2015 der Bundesregierung und der Stiftung das Restitutionsbegehren bekannt zu geben. Jetzt soll bei einem Gericht in Washington D.C. die Klage auf Herausgabe vorliegen.

Jetzt heißt es zu warten, wohl wissend, mit welcher Härte und juristischer Raffinesse amerikanische Anwälte vorgehen können.

Für den einfachen Neugierigen und Kunstliebhaber kann das jedoch nur bedeuten, den Schatz der Welfen sofort live zu besichtigen, könnte er doch bald nur noch unter größerem Aufwand Blick und Gemüt eines Großteils der Besucher erfreuen.

 

 

Herbert Grießig

 

 

© bpk / Kunstgewerbemuseum; dpa, Reuters, AFP/Getty

4 (2014 - 12 - 30)

Friede auf Erden

Nur drei Wörter - aber Worte, die die Menschen immer wieder umtreiben

Entschlossen und doch ratlos, mutig und doch verängstigt. In Frieden für sich und ihre Lieben wollen alle leben. Der Frieden der anderen scheint davon nicht immer berührt. Dabei kann es immer nur wahren Frieden geben, wenn der andere ihn auch hat. Kleines Friedenseinmaleins, glaubt man.

Und doch ist es oft für manche Staatslenker zu hoch, diese ordinäre Grundweisheit der Weltgeschichte zu begreifen.

 

Karl May konterkarierte am Beginn des 20. Jahrhunderts mit seinem gleichnamigen Buch den Krieg in China und fand die Wertschätzung seiner späten Freundin, der Friedensnobelpreisträgerin Berta von Suttner. Martin Luther King forderte in seiner legendären Weihnachtspredigt im Jahre 1967 die Beendigung des Vietnamkrieges und „Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind“. Albert Einstein und Sigmund Freud - der eine aus der Perspektive des Weltalls und der andere aus der Seelensicht des Individuums - kamen in ihrem berühmt gewordenen Briefwechsel im Jahre 1932 zwischen Caputh und Wien zum Schluss, dass die Liebe des Nächsten wie dich selbst, leicht gefordert, aber schwer zu erfüllen ist, und daher jede Stimme der Eintracht und dem Friede auf Erde geliehen werden muss.

 

Ein einziger globaler Krieg und die Menschheit ist an ihrem Ende, nicht nur psychisch, sondern auch physisch

 

Eine Atomrakete gezündet, ganz gleich, ob in Absicht oder durch Zufall, die Folgen werden dem in der Bibel beschriebenen Inferno vom Jüngsten Tag wohl sehr ähnlich sein. Gorbatschows kürzlicher Hinweis auf die R-36M mit dem NATO-Codenamen SS-18 Satan war kaum billige Drohgebärde, sondern eher eine gut gemeinte Mahnung an diejenigen, die schon wieder einen weiteren militärischen Konflikt zur Sanierung ihrer Wirtschaft suchen und diesmal sogar Freund und erneut den gleichen Feind ins Dilemma stürzen.

 

Der Wunsch russischer Raketenbauer, die Präzision und Sprengkraft dieser größten ballistischen Rakete der Welt als wirksames Mittel im Kampf gegen Asteroiden, die die Existenz der Erde bedrohen, umzunutzen, soll unbedingt verhindert werden.

Gerade  das wäre jedoch eine Variante, die nicht nur May, von Suttner, Einstein, Freud und Luther King gefallen hätte und Gorbatschow sowie den gegenwärtig auf der Erde lebenden friedliebenden 7,3 Milliarden  Menschen gefällt. Das eine Prozent, allerdings immerhin etwa sieben Millionen, die an einem nuklearen Desaster zu verdienen glauben, dürfen wir natürlich nur rechnerisch vernachlässigen, denn ihnen sind derartig friedliche Optionen ein Dorn im Profitauge.

 

Das Brecht-Wort “Wehret den Anfängen“ ist mehr als valide

 

Zumal es an potentiellen Anlässen, die totbringende Option zu realisieren, an der man nach Karl Marx noch immer mindestens 300 Prozent Profit erzielen kann, auch gewählte Regierungen und bezahlte Söldner unablässig unter Einbeziehung aller zur Verfügung stehenden Mittel arbeiten. Massenmanipulation scheint da leider noch ein softes Instrument zu sein, wird man Ohren- und Augenzeuge des Genozids im Nahen Mittleren Osten.

Man braucht keinen Universitätsabschluss als Rechtsanwalt oder Physikerin, um zu begreifen, dass bei einer False-Fla -Provokation gegen eine Atommacht wie der Abschuss der MH-17 einen, wenn auch begrenzten lokalen Einsatz von Nuklearraketen nach sich ziehen könnte. Dann können wir uns alles weitere außer ein Dahinsiechen in Europa schenken.

 

Dabei sollte es doch schon lange zum obligaten Allgemeinwissen gehören: Egal wie hoch die monatlichen Erträge beim Börsenzocken oder beim Schuften unter Mindestlohn sind, ob man in Berlin in einer Luxussuite des Adlon Kempinski oder unter der Jannowitzbrücke schlafen muss, plötzlich wären alle wieder so etwas von gleich. Atomstrahlung ist Atomstrahlung und gegen die ist auch keinerlei Vermögen in Gold und Aktien resistent. Einfaches Atomkriegsseinmaleins, glaubt man.

 

Wenn das ein Rechtsanwalt und eine Physikerin nicht erfassen können, muss etwas mit ihnen nicht stimmen. Entweder sie dienen nicht ihren Völkern, haben anders geartete Interessen und Bedürfnisse oder unterliegen gar anderen Zwängen als dem zum Leben. Kaum zu glauben. Aber was wissen wir denn schon. Die Bilderberge sind ja noch nicht geleakt worden. Wäre eigentlich an der Zeit, bevor es zu spät ist.

 

Düstere Szenarien, verschwörerische Annahmen?

 

Schlimm, aber möglich. Wenn die Gier nach mehr – ob nun nach Land, Wasser oder Öl und Gas oder einfach nur nach zu generierendem Gewinn– alles andere, was der Mensch braucht, allen voran sein Leben auf der Erde, dominiert  und unterdrückt, dann hätte die Schöpfung – wer auch immer dafür zuständig war – uns auch ohne Vernunftbegabung leben lassen können. Eine offensichtliche Fehlinvestition ohne gleichen wäre dann vermieden worden.

 

Noch haben jedoch wir, die sieben Milliarden friedliebenden Menschen auf der Erde eine Chance. Wir sollten es so machen, dass die anderen - der Rest - ein mächtiges Problem bekommen. Nein, wir verweigern uns nicht für die vernünftige Bürgerpflicht, sondern wir verweigern uns gegen das menschlich Unvernünftige, die Selbstvernichtung durch falsche Politik.

Einer wirft immer den ersten Stein. Wir sitzen jedoch nicht im Glashaus, weder im palladianisch-neoklassizistischen Weißen Haus, noch im zeitgenössisch-modernen Bundeskanzleramt, wir sitzen auf unserem Planeten Erde. Und für den wollen wir Frieden, nichts als Frieden.

Herbert Grießig

3 (2014 - 11 - 26)

In Berlin-Hohenschönhausen steht ein Haus auf dem Kopf

Homunkulus und „Sinn sala bim“ fallen aus dem Rahmen

Wer am Grundstück der Bornitzstraße 101 in 10365 Berlin vorbeiläuft, glaubt seinen Augen nicht zu trauen. Da sitzt doch einer vor der Tür und ein Haus steht auf dem Kopf.

Homunkulus, lateinisch „Menschlein“ – dessen Idee Goethe schon erklärte - begrüßt jeden Gast am Eingangstor

Wer hat sich denn das getraut?

 

Ich habe die Courage und will im in die  Jahre gekommenen einstöckigen Flachbau nachfragen, in denen jüngere mit älteren Menschen gerade dabei sind, - einige gemeinsam, andere allein - etwas Handwerkliches zu schaffen.

 

„Frau Büttner?“ rufe ich in einen nach Werkstatt anmutenden Raum hinein, denn ich bin ja mit ihr verabredet. Sechs bis acht junge Menschen sind in die Arbeit vertieft. Keiner zeigt besonderes Interesse an den Fremden, der sich gerade hineingedrängelt hat. Ihre Blicke gleiten jedoch zu einer beschäftigten, selbstbewussten Dame von Ende Vierzig, die sichtbar und von allen anerkannt hier die Fäden zusammen zu halten scheint.

 

„Ja, bin ich. Wir waren schon um 11:00 Uhr verabredet. Sie kommen zu spät.“ kommt es kurz und präzise. Schlechte Karten denke ich, jetzt nicht noch „Wieso?“ fragen. Aber gleich ist alles gut. Die Verbindung steht. Ich bin mit Barbara Büttner, Kunsthistorikerin und Projektleiterin des Vereins „existere e. V.“, einem gemeinnützigen Träger der freien Jugendhilfe in Berlin-Lichtenberg, verabredet.

 

2006 gegründet, ist der Verein mittendrin, wenn es um Angebote für Jung und Alt rund um betriebswirtschaftliches Grundwissen, für sinnvolle Freizeitgestaltung und die Vorbereitung vor allem junger Leute auf den Wiedereintritt in den ersten Arbeitsmarkt geht.

 

Frau Büttner tanzt dabei auf vielen Hochzeiten, ist sie doch eine von lediglich drei Festangestellten dieser gemeinnützigen Unternehmung. Sachlich, ernsthaft, leicht verschmitzt und zielorientiert wirkt sie hier seit Anbeginn und hat Leuten zwischen 20 und 62 schon oft helfen können, eine neue Lebensstruktur oder gar einen neuen Job auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Chapeau!

 

Welche Angebote laufen zur Zeit?

 

„Sinn sala bim“, das Angebot verschiedener Events rund um die Sinne und ihre Täuschungen wird noch immer sehr gut angenommen. Die interaktive Ausstellung zum Thema zog im Jahre 2013 fast 10.000 Besucher in ihren Bann. Für dieses Jahr wird ein ähnliches Echo erwartet. Zur Zeit ist die jedes Alter faszinierende Galerie im Jugendamt Lichtenberg in der Große-Leege-Straße zu betrachten.

 

Ja, „Sinn sala bim“ fällt aus dem Rahmen. Der Grieche Aristoteles beschäftigte sich ernsthaft bereits vor 2000 Jahren mit den Sinnen des Menschen. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten, ohne sie könnte der Mensch sich nicht in der komplexen Welt orientieren und wäre nicht das, was er ist: Ein Mensch.

 

„Die Sinne sind das Tor zur Außenwelt. Über sie nehmen wir die Reize unserer Umwelt, die Sprache und Mimik anderer Menschen wahr. Die Sinne liefern uns den Kompass zur Orientierung. Getäuschte Sinne können uns auf Irrwege führen.“ wird das weite Feld der menschlichen Sinne und ihrer Täuschungen vom Vorstandvorsitzenden des Vereins „existere e. V.“  Prof. Michael Geiger umrissen.

Ohne gute Zusammenarbeit mit Jobcenter und Jugendamt geht nichts

 

Das umgekehrte Haus, das im Garten des Vereins mit guter Passanteneinsicht steht und sofort meinen Blick angezogen hatte, ist das jüngste Kind des Vereins in Sachen Sinnestäuschung.

 

Das Wendehaus wurde über das stadtbezirkliche Programm LSK –

Lokales soziales Kapital -  projektiert und gebaut. Mit Fachleuten aus MAE -Maßnahmen des Jobcenters Lichtenberg (ausgeschrieben als Mehraufwandsentschädigung oder geläufiger als Ein-Euro-Job bezeichnet) wurde hier mit Material von Sponsoren, ohne deren Hilfe die Projekte nicht zu schaffen wären, ein illustres Kleinod errichtet.

Das Wendehaus von außen und von innen

 

Es steht sozusagen auf dem Dach. Die Möbel kleben an der Decke, die eigentlich der Fußboden ist. Nichts kann man nutzen, Badewanne nicht, Toilette oben, selbst das Bett und die kleine Sitzecke scheinen augenblicklich auf den Gast hereinzustürzen. Fernsehen auch Fehlmeldung: Unbequem, sehr unbequem. Aber darum geht es nicht. Es geht um die Täuschung der genetischen Sinneswahrnehmung. 17 Grad nach unten und 3 Grad nach links ist der Fußboden geneigt, um zu suggerieren, was Sinnestäuschungen denn sind. Die Informationen, die die Füße signalisieren, widersprechen denen der Augen. Da muss das Gehirn nun etwas draus machen. Die Sinnestäuschung ist programmiert. Doch genau die ist beabsichtigt, und es hat geklappt. Bei mir zumindest. Aber jeder muss sich das selbst anschauen. Sicherlich ein bleibendes Erlebnis, besonders für unsere jungen Mitbürger.

Volles Programm

 

Im Vereinsprogramm geht es nicht nur um Sinnestäuschungen, sondern auch um  alltäglich Unterhaltsames. Der Geschmack kommt voll auf seine Kosten, wenn im Lehmofen Brözel auf urisch - herkömmliche Art lecker Brot und Pizza gebacken werden. Die Ohren erleben ihren Schmaus, wenn deren Besitzer den Musik- oder Akustikwagen im Garten des Vereins betreten. Ganze Gesellschaften, Schulklassen, Jugendgruppen und größere Familien mit Sinn für Außergewöhnliches können es sich hier lehrreich und gemütlich machen.

Herr Wolf, einer der langjährigen Fachleute auf MAE-Basis verweist stolz auf seine Verdienste. Sowohl der Lehmofen Brözel als auch der Akustikwagen tragen seine Handschrift

Lange Rede kurzer Sinn: Also volles Programm, wer will. Nur unter info@existere.de oder 030 / 98 60 88 97 anmelden, buchen und sich individuell ein Programm gestalten lassen. Oder einfach nur mal neugierig vorbeischauen.

 

Übrigens, der Besuch hat sich gelohnt. Leider hinterließ er einen Wermutstropfen. Über Weihnachten werden im und um den Verein herum die fleißigen Akteure, vor allem jedoch die jungen Leute sinnieren, ob es im Februar 2015 weiter gehen kann. Denn dann wird vom Stadtbezirk entschieden, ob der Verein für sich und seine Projekte und damit für sein lokales menschliches Kapital auch weiterhin finanzielle Unterstützung erhalten wird. Mein nächster Besuch im Verein wird also spätestens im Februar 2015 sein. 

HG

2 (2014 - 11 - 25)

Günter Jauch und seine Gäste

Der Moderator auf Biermann-Niveau

Vorgestern Abend bei Jauch dachte ich anfangs, es wird eine souverän moderierte und spannende Diskussion. Doch dann das.

 

Der berühmt berüchtigte Agent Provocateure

 

Wolf Biermann hielt sich aus gutem Grund zurück und „glänzte“ mit Bildbeschreibung und eklatanten Wissenslücken. So wie er zum heutigen Spiegelcover visionierte,  war man an Studien- und Lehrjahre vergangener Zeiten erinnert, die er sicher auch besucht hat. Seine Patentante, die er stets verleugnet, wird sich sicher in Chile hämisch gefreut haben. Insofern war er für viele hier und weiter weg keine Enttäuschung. Das hatte man von ihm erwartet.

 

Ob die ARD Biermann noch einmal ihren Zuschauern als Politclown zumuten wird, bleibt abzuwarten. Vorstellbar ist es, da auch die Öffentlich-Rechtlichen sich zurzeit kaum noch nach Qualität ihrer Sendungen von den Privaten zu unterscheiden versuchen. Was zählt, sind die auch hier nur noch die Einschaltquoten. Bleibt für die ARD zu hoffen, dass Wolf Biermann wenigstens sein Honorar in dieser Beziehung wert war.

 

Jauch hilflos und überfordert, Geschichte ist nicht sein Ding

 

Günter Jauch, das fällt  immer mehr auf, verspricht auch schon lange nicht mehr das, was man sich von ihm versprach. Er tritt in die Fußstapfen seiner Vorgängerinnen, die schließlich auch daran gescheitert sind, dass ihnen der gymnasiale Grundkurs in Geschichte und Politik nicht mehr reichte, um die illustren Talkgäste anspruchsvoll zu moderieren und vor allem der Diskussion Sinn und Richtung zu geben. Bemerkenswert ist dagegen in diesem Zusammenhang, dass  eine Ostdeutsche im ZDF – obwohl sie durch die oft verpönte DDR-Schule gegangen ist – die Dinge und den Polittalk weitaus besser beherrscht. Aber vielleicht ist das der Intendanz auch schon aufgefallen.

 

Jauch jedenfalls war beim Thema Russland, Krim und Putin überfordert. Diesmal nicht nur inhaltlich, sondern auch talktechnisch. Wenn er dazu noch von seiner rechts neben ihm sitzenden Fachkollegin Gabriele Krone-Schmalz korrigiert werden musste, verlor er ganz die inhaltliche Fassung und versuchte nur noch auf Standpunkt und wahrscheinlichem Redaktionsauftrag abzustellen. Small Talk über Nonsens und unnötiges Wissen wie bei RTL sind ja nicht immer langweilig, aber für den Politiktalk Number One des Deutschen Fernsehens einfach zu karg.  

Selbst der verspätete Versuch, den Abend noch mit einer Pointe aus der Geschichte der russisch-deutschen Beziehungen zugunsten von Alexander Graf Lambsdorff zu retten, ging daneben. Der Vize-Präsident des Europaparlaments hätte sicher gern mehr dazu gesagt. Vor allem, dass in Tausend Jahren gemeinsamer Geschichte seit Otto dem Großen nicht nur deutsche Leibärzte und Wissenschaftler am russischen Hofe, sondern auch Heerführer, Außenminister, Premierminister und sogar Zaren und Zarinnen mit deutschem Stammbaum die Geschicke Russlands bestimmten. Ein Grund mehr, ernsthaft darüber nachzudenken, wie eigentlich die Russen und die Deutschen zueinander stehen.

 

Krone-Schmalz stellt Jauch in den Schatten

 

Ein Glück, dass es mehr intelligente und verantwortungsvolle als gekaufte Journalisten gibt. Frau Krone-Schmalz, sicher nicht vom Moskau angeheuert, gab eine Lektion an Sachlichkeit, Geschichts- und Politikkenntnis und war die eigentliche Moderatorin des Abends. Keiner der anwesenden Herren kam umhin, trotz offensichtlichen politischen Dissens sich hier und da bestätigend auf ihre Wortmeldungen zu beziehen. Dabei kehrte sie nie die Russlandkennerin heraus, sondern brillierte durch ihre Argumente. Selbst als sie Graf Lambsdorf auf seine langjährige diplomatische und damit von ihm angenommene völkerrechtliche Kompetenz hin parierte und ihm den Unterscheid zwischen der im internationalen Recht erlaubten Sezession und der von der NATO und der EU unterstellten Annexion der Krim erklärte.

 

Graf Lambsdorf gab sich große Mühe. Durchaus mit moderatem Stil, mit dem er seine uns bekannten und von Günter Jauch erwähnten Vorfahren beerbt hat, trug er seine Sicht auf Russland und Putin vor. Leider drehte er sich zu sehr im Kreise und konnte mangels Beweise nicht überzeugen. Frau Krone-Schmalz war ihm nicht nur an Charme, sondern auch an Kompetenz überlegen.

 

Platzek windet sich im SPD-Stil, bleibt sich aber treu

 

Der Jauchsche Talkabend  wurde schließlich durch den kurz vor seiner Entmachtung im Deutsch-Russischen Forum stehenden Matthias Platzek bestimmt. Obwohl dieser mit einem Handikap in den Abend gestartet war. Wie kann man denn aber auch als erfahrener Politiker sich so zwischen die Stühle setzen, und seine durchaus vernünftige Forderung nach völkerrechtlicher Klärung der  Krim-Sezession nicht vorher mit Frank-Walter Steinmeier, dem Bundesaußenminister aus seiner Partei, absprechen ? Jedoch, trotz diesbezüglicher Rückzugsmeldung bleib er klar bei seinem Plädoyer für entspannte, gegenseitig respektvolle, die Interessen der anderen Seite achtenden Verhandlungen und Gespräche zwischen der Europäischen Union, Deutschland insbesondere und Russland. Zwei Bemerkungen von ihm verdienen dabei meines Erachtens das Prädikat „Besonders  wertvoll“: Erstens, der Wechsel des Führungspersonals bei der EU und der Nato bietet eine Chance zur Verbesserung von Klima und Sprache in den Beziehungen der beiden Seiten. Und zweitens, wer Russland in die Enge treibt, erreicht das Gegenteil von dem, was er sich erhofft. Das bleibt eine alte geschichtliche Weisheit, die die Politik nicht vergessen sollte.

Trotz der  verfahrenen Moderation gab es mehre Lichtpunkte in der Diskussion, die dem Zuschauer die Hoffnung bewahren half, wir können doch noch sachlich, kompetent und untendenziös unsere politischen Interessen erkennen und unsere Auffassungen trotzdem prononciert darlegen. Vorrausetzung ist dabei vor allem, dass sich der Pluralismus in der öffentlichen Meinung auch in den von den Bürgern finanzierten Medien widerspiegeln darf und nicht durch schnöde, einseitige und ignorante Meinungsmache ersetzt wird.

 

Es gibt nur die US-Wahrheit

 

Last but not least kann man jedoch die Anwesenden in der abendlichen politischen Runde nicht von dem Vorwurf frei sprechen, dass sie - einige wären sicher gar nicht erst drauf gekommen – mit  keinem Wort, nicht mit einem einzigen , die Verantwortung der USA für die Entstehung und das Anheizen des Konflikts in der Ukraine und dessen Russifizierung  erwähnt haben. Aber gerade darin scheint das  alles überlagernde Problem zu bestehen. Wer das nicht erkennt, aufdeckt und dementsprechend berücksichtigt, wird sich einer künftigen Lösung nur schwerlich nähern können.

 

Herr Jauch hätte ja hierzu mal nachfragen können. Aber wer weiß, weshalb dazu neben den Fragen an Wolf Biermann nichts auf des Moderators Spickzettel gestanden hat.

 

HG

1 (2014 - 10 - 27)

Dopingaufklärung in Deutschland

Bleib doch, Letizia !

Werner Franke: „Wir sind korrupt, unser System ist korrupt!“

Eine schier endlose Geschichte: Die Freiburger Universitätsklinik will seit 2007 mit Hilfe einer unabhängigen Kommission ihre Dopingvergangenheit und damit zu wesentlichen Teilen die der Bundesrepublik Deutschland aufklären. Das klingt ehrenvoll, wenngleich diese Selbstuntersuchung bei der vorhandenen massiven Fakten- und Verdachtslage eher nach einer versuchten Reinwaschung aussieht. 

 

Der Täter untersucht seine Taten selbst? Honni soit qui mal y pense …

 

Nachdem Dr. Schäfer sich 2009 aus gesundheitlichen Gründen und mit einem kaum beachteten und widersprüchlichen Abschlussbericht zum Doping beim Telekom-Radsportteam vom Vorsitz der Kommission verabschiedet hatte, wollte die Freiburger Uni-Klinik vor den Augen der Öffentlichkeit einen großen Coup landen. Die Professorin Letizia Paoli, Mafia-Expertin und derzeit in der Fachwelt als die Spezialistin für Drogenkriminalität geachtete Kriminologin aus Belgien, wurde kontaktiert. Gleichzeitig versprach die Universität „gnadenlose Aufklärung“. Eine hochkarätige Kommission, nicht schlechthin mit Experten, sondern neben der Vorsitzenden unter anderen mit den ProfessorInnen Britta Banneberg, Gerhard Treutlein, Wolfgang Jelkmann, Wilhelm Schänzer, Carsten Lundby,  Bengt Saltin und last but not least Werner Franke wurde inauguriert.

Und dann das: Was sich wie ein „Who is Who?“ der Ant-Doping-Welt liest, wird einfach, aber zweifelsfrei jahrelang – exakt seit sieben Jahren -vorgeführt. Die zugesicherte Unabhängigkeit der Kommission, d.h. vor allem ihr weisungsfreies Wirken und die ausschließliche Unterwerfung ihrer Mitglieder lediglich unter das eigene Gewissen, wurde an die strikte Untersagung der Weitergabe und Nutzung der Erkenntnisse aus den Untersuchungen und Zeitzeugengesprächen sowie der Identität der von ihr befragten Personen  gekoppelt.

Im Falle der untergegangen DDR fand dieses Prinzip der Rechtstaatlichkeit lediglich seine Null-Option, da die DDR als „Unrechtsstaat“ ja auch im Nachhinein von der bundesrepublikanischen Jurisdiktion als solcher behandelt wird. Absurd und ein tiefe Offenbarung: Zehntausende DDR-Leistungssportler - in der Zwischenzeit zu Bundesdeutschen geworden - und ihre Gesundheitsakten unterliegen noch immer keinerlei Schutz, was ihre Gesundheitsakten und andere Persönlichkeitsrechte betrifft. Welches Licht das auf die so gern gelobte Rechtstaatlichkeit und ihre Protagonisten wirft, braucht man nicht zu erklären. Welche Konsequenz solch ein selektives Rechtsbewusstsein auf das von den Volksparteipolitikern angestrebte harmonische Zusammenwachsen hat – auch und gerade 25 Jahre nach der Wiedervereinigung – sei auch dahingestellt. Eines ist jedoch offensichtlich, kein Regierungspolitiker hat die Eier, hier mal die Bewertung und Behandlung von Dopingmitteln in Deutschland während der letzten 50 Jahre vom Kopf auf die Füße und vor allem auf die selbe rechtliche Grundlage zu stellen.

 

Sich weiter durchzulügen, scheint angenehmer  zu sein

 

Ob das transparenzlose Zusammensitzen des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Zivilrechtsklagen von Anti-Doping-Experten, Enthüllungen von Investigativ-Journalisten, selektives Wirken des deutschen Dopingopfervereins oder auch die Zeitzeugenberichte von Sportlern, die glaubten, dadurch die Hetzjagd auf sich und ihre leistungssportlichen Erfolge beenden zu können, alles brachte nicht viel. Außer, die einen waren böse und die anderen waren gut. Beschämend infantil und höchst ungerecht. Der Sieger bestimmt die Regeln und macht sich immer lächerlicher.

 

Quo vadis bundesdeutsche Dopingaufklärung ?

 

Nachdem die vollständige Veröffentlichung der Auftragsstudien der Münsteraner und Berliner Professoren Krüger und Spitzer über Doping in der Bundesrepublik seit den 50er Jahren, initiiert  vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und finanziert vom  Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp), an formalen Hürden gescheitert ist, kommt der Verdacht auf, dass die seit nunmehr sieben Jahren mit der Aufklärung des Dopings der Altbundesrepublik beschäftigte Freiburger Paoli- Kommission das gleiche Schicksal erleiden soll.

Für Mai 2014 war nach mehrfacher Verschiebung der endgültige Abschlussbericht  dieser,  Evaluierungskommission genannten Untersuchungs- und Aufklärungsmission angekündigt. Jedoch zum x-ten Male erneute Fehlmeldung. 

Aufklärerin Paoli (2011) beklagt Behinderung der Arbeit

Image: dpa

Die nachweislich fehlende Zusammenarbeit zwischen der Paoli-Kommission und der Leitung von Universität und Klinik, Austritte von Kommissionsmitgliedern, wie von Prof. Werner Franke, aufgrund der rigorosen Geheimhaltung aller Erkenntnisse, das Verstecken und Vernichten von brisanten Unterlagen, nicht nur von den Doping-Gurus Keul und Klümper und erst kürzlich die unberechtigte öffentliche Schelte gegenüber Letizia Paoli durch den Rektor der Universität Prof. Schiever entfachten mittlerweile den jahrelangen Schwelbrand zum offenen Flächenbrand im Breisgau.

Kommissionschefin Paoli wandte sich Hilfe suchend an die Politik, machte einen Kompromiss und verschiebt ihre angedrohte Demissionierung auf die nächsten 14 Tage.

Auch wenn das langjährige Kommissionsmitglied Gerhard Treutlein die belgische Kriminologin gegenüber den Vorwürfen der Universität, sie bringe für ihr Honorar nichts auf dem Tisch, verteidigt, wird das Eintauchen in das Eingemachte des bundesdeutschen Dopings wahrscheinlich auch weiterhin systematisch blockiert bleiben.

Es wäre ja noch schöner, wenn man öffentlich zugeben müsste, seit 1949 systematisch im staatlichen Auftrag und mit  Steuergeldern Dopingforschung und Dopinganwendung - die Rede ist von 2.500 betreuten Kadersportlern – betrieben zu haben.

Da kann die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne), die schon seit längerem zu schlichten versuchte, auch nicht mehr helfen. 

Es gibt kein politisches Interesse, die Dinge endlich mal richtigzustellen

 

Wenn man bedenkt, dass der inzwischen enttäuscht aus der Kommission ausgetretene und für seine Verdienste zur Aufklärung des DDR-Dopings hoch dekorierte Heidelberger Werner Franke, einst von der Kommission erwartete, dass von ihr die Öffentlichkeit Neues erfährt: „ …da kommen Sachen raus, das glauben Sie gar nicht. Da haben inzwischen ja viele Sportler die Hosen runtergelassen, darunter auch Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen“.

Dopingexperte Werner Franke quittierte die Kommissionsarbeit

Image: dpa

Was die zu erwartende Freiburger Aufklärung betrifft, sind die Grenzen schon von Anbeginn  klar gesetzt. Patienten- sprich Sportlerakten, aus welchem Zeitraum auch immer, sind wegen des Datenschutzes unzugänglich. Für die betroffenen Sportler einerseits gut, sollte ihnen doch das Schleifen durch den medialen Rinnsteig erspart bleiben. Diejenigen (ost)deutschen Sportler, deren Gesundheitsakten zum „Allgemeingut“ der nationalen und internationalen Öffentlichkeit - siehe hier auch das Archiv der Austin Universität in Texas - gemacht wurden, werden wohl andererseits noch länger diese Ungleichbehandlung bei der Aufarbeitung deutscher Sportgeschichte erdulden und es mit Würde ertragen müssen. Das ist der eigentliche Skandal hinter dem gegenwärtigen Gerangel gegen die Professorin Letizai Paoli und der von ihr geleiteten Freiburger Anti-Doping-Kommission.

 „ Wir sind korrupt, unser System ist korrupt.“ Und das auch von keinem Geringeren als vom bundesdeutschen „Anti-Doping- Papst“ Werner Franke..

Wenn Letizia Paoli das auch weiß, scheint es ein frommer Wunsch zu erwarten, dass sie in Freiburg bleibt.

 

HG

 

Die Zitate von Prof. Franke wurden einem Interview aus Stuttgarter Nachrichten. de  "Die Wahrheit interessiert als Letztes" vom 28.12.2011 entnommen.

So                 21.05.2017 

Nr.             2.410 - 1.107

Aktualisierung        08:55

Übrigens,

 

… für die Vereinigten Staaten von Amerika würde die derzeitige Klassifizierung von HTS als terroristische Organisation das Eingeständnis bedeuten, dass sie hochentwickelte Waffen, darunter TOW-Panzerabwehrraketen an „Terroristen“ geliefert haben, und würde Aufmerksamkeit auf die Tatsache ziehen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika weiterhin islamistische Milizen in Syrien mit Waffen beliefern.

Sie haben richtig gelesen: der Grund, warum die Vereinigten Staaten von Amerika al-Qaeda in Syrien nicht als terroristische Gruppierung einstufen können, liegt darin, dass das die Vereinigten Staaten von Amerika gesetzlich dafür haftbar machen würde, eine terroristische Gruppe mit extrem hochentwickelten Waffen und Ausbildung versorgt zu haben.

Die Vereinigten Staaten von Amerika bewaffnen Terroristen in Syrien und bilden sie aus, aber statt sich einfach zurückzuziehen geben sie vor, dass al-Qaeda keine terroristische Organisation ist.

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 20.05.2017

   15    29    34   37   44    SZ: 7

Spiel 77:  4072 755

 

Super 6: 718 112   

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

1924 (2017-05-21) 

Honoré de Balzac 

und Heinrich Seidel 

 

Liebe zur Natur

ist die einzige Liebe,

die menschliche Hoffnungen nicht enttäuscht.

Jahreszeiten

BREAKING NEWS

Stand: Urlaub

Profiwissen für den privaten Bauherrn

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© laptopwerk

Diese Homepage wurde mit 1&1 MyWebsite erstellt.