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KLAUS BLUME MIT

 

 

UNVERBLÜMT

392 - (2017-07-19) Klaus Blume

Kittel gestürzt

und raus!

Doch wer gewinnt in Paris?

 

Ex-Skispringer siegt nach Alleinfahrt

 

Dass der Australier Michael Matthews - nach Marcel Kittels sturzbedingtem Ausstieg aus der 104. Tour de France - am Sonntag in Paris das Grüne Trikot gewinnen wird - keine Frage. Dass Primož Roglič  aus Slowenien, der frühere Junioren-Weltmeister im Skispringen, als Gewinner der Königsetappe der Held des Tages in den Alpen war - auch keine Frage.

 

Doch wer gewinnt am Sonntag das Gelbe Trikot dieser Frankreich-Rundfahrt?

 

Nur vier Podest-Anwärter für Paris waren noch übrig geblieben, als es am Mittwoch hinauf auf den Col de la Croix (2067 Meter), den Col du Telegraph (1566 m) und über das Dach der diesjährigen Tour, den Col du Galibier (2642m) ging. „Ein großes Spectacolo“ hatte der im Gesamtklassement als Zweiter platzierte Sardinier Fabiu Aru prophezeit. In der Tat: Am Galibier büßte er seine Chancen auf das Gelbe Trikot womöglich endgültig ein.

 

Nur 29 Sekunden trennten die vier Besten des gesamten Pelotons vor dem Start zu dieser Vorentscheidung noch voneinander.

 

Eine historische Situation in der 104-jährigen Geschichte der Frankreich-Rundfahrt

 

Im Gelben Trikot des Gesamtführenden begab sich der dreimalige Tour-Sieger Chris Froome aus England auf die Strecke. Wie ein Schatten folgte ihm anfangs Aru, hinter seinen AG2R-Teamkollegen verbarg sich der Franzose Romain Bardet und irgendwo im Feld rollte auch - locker und entspannt, als ginge ihn das Ganze nichts an - Der Kolumbianer Rigoberto Uran mit.

 

Ein Team, das ihm bedingungslos folge, sei Froomes Unterpfand für den möglichen vierten Tour-Triumph, sagt der Pole Michel Kwiatkowski. Doch hat der Weltmeister von 2014, der Froome bei dessen Panne auf der 15. Etappe uneigennützig sein Hinterrad zur Verfügung stellte, damit recht? Jeder konnte weltweit am Fernsehgerät verfolgen, wie Froomes spanischer Edelhelfer Mikel Landa in den Pyrenäen auf einmal davon zu fahren schien, bis ihn Teamchef David Brailsford energisch zurückpfiff. 

 

Das Wegfahren sei ihm aus Versehen passiert, versuchte sich Landa im Ziel an einer fadenscheinigen Entschuldigung. Antwortete dann aber spanischen Kollegen auf die Frage, ob er sich, anstelle Froomes, den Tour-Sieg zutraue: „Ja, ich habe die Beine dafür, ich habe aber nicht den Status.“ Als nachgefragt wurde, wer denn nun die 104. Tour gewinne, wurde Landa noch deutlicher: „Chris, und wenn nicht, dann ich!“

 

Verhältnisse, die Fabio Aru im kasachischen Team Astana schon deshalb nicht kennt, weil der zweite Mann in dieser Equipe, der Däne Jakob Fuglsang, längst verletzt nach Hause gefahren ist. Aru gab sich beim Start in La Mure nachdenklich: „Die dritte Tour-Woche ist ein Rennen für sich selbst. Und keiner von uns weiß, wie es gehen wird. Drei von uns vier Bestplatzierten müssen angreifen, weil wir Froome am Samstag beim Zeitfahren über 23 Kilometer in Marseille nicht schlagen können.“ Aber so kam es nicht.

 

Macron auf dem Gipfel

 

Präsident Emmanuel Macron war extra aus dem Elysée in Paris in die Alpen geeilt, um Frankreichs großer Tour-Hoffnung, Romain Bardet, zu huldigen. 32 Jahre nach dem legendären Bretonen Bernard Hinault könnte der Kapitän der Crew AG2R für einen französischen Tour-Erfolg sorgen. Ein Mann, der beim Start in die Alpen, bei 1,84 Meter Körpergröße nur noch 59 Kilo wog! Die Tour hat an ihm gezehrt, doch Bardet wirkt trotzdem noch immer ruhig, ja sogar zuversichtlich. Er habe auch diesmal wieder in der Höhe, in der spanischen Sierra Nevada trainiert, das habe ihm eine maximale Leistungssteigerung von drei Prozent beschert. Vor allem aber glaube er fest daran, dass das Gehirn den Körper über dessen natürliche Grenzen hinweg heben könne.

 

Chef Rigoberto

 

Philosophische Gedanken solcher Art sondert der Kolumbianer Rigoberto Uran nie ab, wenngleich sein amerikanischer Teamkollege Taylor Phinney erzählt: „Meditiert gern und viel, aber allein. Doch wir glauben im Team an ihn.“ So, wie daheim mindestens dreißig Millionen Velo-Fanatiker, die fest auf den ersten kolumbianischen Tour-Erfolg hoffen. Immerhin ist der 30-Jährige schon zweimal Zweiter (2013, 2014) des ebenfalls dreiwöchigen Giro d‘Italia gewesen. Sein amerikanische Teamchef Jonathan Vaugthers in der US-Equipe Cannondale schwärmt: „Rigoberto ist die beste Führungsperson, die wir jemals gehabt haben.“

 

Hinter Froome platzieren sich nun, mit nur 27 Sekunden Rückstand, Uran und Bardet zeitgleich auf den Positionen zwei und drei. Eine verrückte Tour!

 

KBL

391 - (2017-07-18) Klaus Blume

Der Giro-Sieger blieb zu Hause

Das deutsche Team Sunweb:

„Jeden Abend Champagner“

Im Peloton sind sie längst zum Tagesgespräch geworden, die Mannen des deutschen Tour-Teams Sunweb, doch in Deutschland spricht niemand von ihnen. Nicht von dessen Kapitänen Warren Baguil und Michael Matthews, noch von deren Adjudanten Simon Geschke und Nikias Arndt. Vielleicht, weil hierzulande kaum jemand weiß, dass es sich beim Team Sunweb um eine deutsche Equipe handelt. Eine, für die einst Marcel Kittel und John Degenkolb für Furore sorgten.

 

Möglicherweise wird Sunweb außerhalb des internationalen Pelotons aber auch deshalb nicht als Mannschaft mit deutscher Lizenz wahrgenommen, weil der Geldgeber, das Rotterdamer Reiseunternehmen Sunweb, ebenso seinen Sitz in den Niederlanden hat, wie das von ihm gesponserte Rad-Team; dieses firmiert in der Eisschnelllauf-Stadt Deventer. 

 

48 Rennfahrer stehen dort unter Vertrag, darunter sechs Deutsche; einer von ihnen, der Berliner Simon Geschke, ist als Tour-Etappensieger 2015, in aller (Radsport)-Welt hoch angesehen. Beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wiederum steht das Team Sunweb deshalb besonders hoch im Kurs, weil es neben einer erfolgreichen Frauen-Mannschaft, mit der Junioren-Europameisterin Liane Lippert aus Friedrichshafen, auch noch eine Nachwuchs-Mannschaft im Continental-Team beschäftigt und damit nachdrücklich den deutschen Radsport-Nachwuchs fördert.

 

Einer jener Nachwuchsfahrer, der 23-jährige Phil Bauhaus aus Bocholt, platzierte sich im Mai beim dreiwöchigen Giro d‘Italia gleich dreimal unter den besten Zehn einer Etappe und gewann auf der Tour-Generalprobe Dauphiné Libéré den fünften Tagesabschnitt im Massensprint vor Frankreichs Super-Star Arnaud Demare. Jetzt wird er geschont, doch 2019 möchte auch er zur Frankreich-Rundfahrt. So, wie der renommierte Niederländer Tom Dumoulin, der in diesem Jahr den Giro gewann - und deshalb jetzt pausiert.

 

Unumstrittener Star des Teams Sunweb ist in Frankreich deshalb Dumoulins französischer Kollege Warren Barguil, der derzeit seine dritte Tour bestreitet; derzeit im rotweiß gepunkteten Trikot des besten Bergfahrers. Der 25-Jährige, Ende April auf der Tour de Romandie noch schwer gestürzt, wobei er sich das Becken brach, vollbrachte ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag, am 14. Juli, das Kunststück, einen Tagessieg zu feiern. Für jemanden, wie ihn, sagte Barguil spöttisch, sei dieser Triumph deshalb so besonders gewesen, weil er ja gewissermaßen zwei Staatsbürgerschaften besitze - neben der im Pass eingetragenen französischen vor allem die bretonische. Immerhin stamme er aus Hennebont, was im wunderschönen Südwesten der Bretagne liegt. Und unter den besonderen Persönlichkeiten des kleinen Ortes wird Barguil im Rathaus nun bereits neben dem 2010 verstorbenen Schauspieler Bruno Cremer geführt, der in fünfzig Filmen den dickköpfigen Kommissar Maigret verkörpert hat.

 

Wie Barguiel es geschafft hat, nach seinem schweren Sturz ein solches Comeback wie jetzt zu feiern, vermag Sunweb-Manager Iwan Spekenbrink denn auch nur so zu erklären: „Bretonen haben nun einmal eine geradezu unglaubliche mentale Stärke.“ Wobei der Mann mit dieser Stärke aber auch davon profitiert, dass ganz Frankreich derzeit auf einen Landsmann blickt, auf Romain Bardet vom französischen Team AG2R, der sich anschickt, nach 1985 als erster Franzose die Frankreich-Rundfahrt zu gewinnen. Barguil: „Ich neide ihm seine Popularität schon deshalb nicht, weil man mich auch deshalb in Ruhe lässt. Das kommt mir zugute.“

 

Zugute kommt ihm auch, dass ihm Teamchef Rudi Kemna zwei deutsche Spitzenfahrer als Adjudanten an die Seite gestellt hat: neben dem erfahrenen Simon Geschke den Tour-Neuling Nikias Arndt aus Buchholz in der Nordheide, der nun in Köln zu Hause ist. Ein Fahrer, dem die Tour bislang „unheimlich viel Spaß, aber auch ganz schön müde Beine“ gebracht hat.

Wenn es jedoch darum geht, sich gegenseitig aufzurütteln, dann schaffen das Barguil und der Australier Michael Matthews (26) am Besten. Deshalb teilen sie auch stets ein Doppelzimmer auf dieser Tour miteinander. Matthews, der schon zuvor auf allen großen dreiwöchigen Rundfahrten, ob in Frankreich, Italien oder Spanien, Etappen gewonnen hat, feierte auf der 104. Frankreich-Rundfahrt 24 Stunden später als sein Kumpel Barguil endlich auch einen Tagessieg, was Simon Geschke zu der Bemerkung veranlasste: „Bei uns gibt es ja schon jeden Abend Champagner.“

 

Könnte es womöglich auch am Sonntag, am Schlussabend der Tour in Paris geben, wenn Barguil sein Bergtrikot verteidigt und Matthews dem Thüringer Marcel Kittel auch noch das grüne Hemd des schnellsten Sprinters abgejagt hat. Erfüllbare Ziele. Doch wie sieht es mit einem Gesamtsieg aus? Manager Spekenbrinck: „Eines Tages werden wir auch um Gelb kämpfen. Tom Dumoulin hätte in der Form, in der er dieses Jahr den Giro gewonnen hat, auch auf der Tour mit den Besten mitfahren können.“ 

 

KBL 

390 - (2017-07-14) Klaus Blume

Tour-Favorit Bardet: „Es ist doch nur Radsport . . .“

Französischer Sieg am französischen Nationalfeiertag

 

Vincent Lavenu ist ein hoch verehrter Mann. Weil sich nämlich Romain Bardet, der Star seines französischen Teams AG2R, gerade anschickt, die 104. Tour de France zu gewinnen; aber eben auch, weil Franzosen vergessen können. Auch Schlimmes aus der Vergangenheit.

 

1998, als Monsieur Lavenus Equipe noch „Casino“ hieß, hatte die Polizei auf der 16. Etappe alle Hotelzimmer seiner Fahrer durchsucht. Und siehe da, in den Taschen des Italieners Rodolfo Massi, genannt „der Apotheker“, fanden die Polizisten das gesuchte Dopingmittel Kortikosteroid. 

 

Am 29, Juli 1998 wurde Massi deshalb, als erster Rad-Profi überhaupt, verhaftet - und Lavenu fiel ob dieses Skandals in meisterhaft gespielter Entrüstung aus allen Wolken. So, wie auch 2006, als zum Tour-Start in Straßburg sein spanischer Kapitän Francisco Mancebo - wegen dessen Nähe zum Madrider Doping-Arzt Fuentes - vom Rennen ausgeschlossen wurde. Aber die Franzosen vergessen gern und vor allem gründlich. So wurde denn Monsieur Lavenu am 2. Januar 2015 die höchste  französische Auszeichnung gewährt, die Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion. Schließlich hatte seine EquipeAG2R, sie vertritt eine Versicherung in dem Ort La Motte-Servolex, 2014 die Mannschaftswertung der Frankreich-Rundfahrt gewonnen.

In La Motte-Servolex, wo die knapp 12 000 Einwohner eigentlich in erster Linie dem örtlichen Handballclub zujubeln, drücken sie in diesen Tagen nun ihre Daumen Romain Bardet, einem französischen Rad-Profi, der eigentlich in Grenoble zu Hause ist - aber für AG2R in die Pedale tritt.

 

Und wie! Am Vortag des 14. Juli gewann er eine üble Pyrenäen-Etappe, schraubte aber unversehens die allzu großen Erwartungen der Grand Nation herunter: „Ich weiß nicht, ob ich die Tour gewinnen kann. Es wird sehr kompliziert.“ Und daran erinnert, dass er mit einem Sieg in Paris einen historischen Triumph feiern könne, antwortete er: „Als Bernard Hinault als bisher letzter Franzose 1985 die Tour gewann, war ich noch gar nicht geboren . . .“  Ergo sähe er sich  keineswegs als legitimer Nachfolger des legendären Bretonen.

 

Auch, dass er schon im vorigen Jahr, als Tour-Zweiter, auf einer Etappe im Mont-Blanc-Gebiet dem als unschlagbar geltenden Briten Chris Froome im Alleingang 36 Sekunden abgenommen und ihn auch am 13. Juli 2017 kräftig düpiert hat, hebe ihn nicht auf den Favoritenschild. Er wolle darüber auch gar nicht erst diskutieren, schließlich sei alles nur Radsport, und sonst nichts weiter. Er trainiere zwar gewissenhaft, doch er verliere dabei niemals sein Lebensziel aus den Auge: Eine Führungsposition im Management. Nach dem Jura-Studium hat er deshalb in Grenoble die entsprechende Fachrichtung studiert und letztens zehn Wochen lang in der Verwaltung des Rugby-Clubs ASM Clermont Auvergne praktiziert. Dort habe er überhaupt erst erfahren, wie Sport tatsächlich funktioniere.

Übrigens, der 14. Juli: Es war im Jahre 2005, als es durch David Moncoutié den bis Freitag letzten französischen Sieg an diesem Ehrentag gab. Im zauberhaften Digne-les-Bains, der „Hauptstadt des Lavendels“ an der Route Napoleon. Doch am 14. Juli 2017 triumphierte in Foix in den Pyrenäen mit Warren Barguil vom deutschen Team „Sundweb“ nach zwölf Jahren endlich erneut ein Franzose.

 

KBL

389 - (2017-07-12) Klaus Blume

Ein Prosit auf die Vergesslichkeit

Hamburgs

Rechts-Links-Schwäche

 

Olympia und G20 - was hat denn das miteinander zu tun?

 

Nichts, wird Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz behaupten. Mit steifer hamburgischer Lippe, von oben herunter. Und selbstverständlich auch das Kanzleramt in Berlin. Es wird, auch in dieser Causa, wie so meist, beredt schweigen.

Merkwürdig, dass sich heute niemand mehr an diese internen Absprachen von damals erinnern will. Auch nicht die vornehme Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“. Die hat ja mal ein früherer Bundeskanzler herausgegeben, und da war sie auch recht mutig. Aber heute arbeitet die „Zeit“ in einem Blog gaanz eng mit dem Bundesjustiz-Ministerium zusammen, und hält nicht nur in solchen Fällen - staatstragend - den Mund. So ändern sich die Zeiten, auch bei der „Zeit“.

 

Also erinnern wir uns statt ihrer

 

Es hat in grauer Vorzeit, so wurde uns seinerzeit aus erster Quelle mit Daten und Fakten zugetragen, zwischen Berlin und Hamburg eine Absprache gegeben, die der (noch immer) aktuelle US-Präsident einen ordentlichen „Deal“ genannt hätte. Dessen Inhalt: Die feine und freie Hanse-Stadt Hamburg richtet 2017 den G20-Gipfel mit allen seinen Konsequenzen aus und bekommt dafür - ebenfalls mit allen Konsequenzen - aus Berlin jedwede Hilfe bei der Ausrichtung und vor allem Ausgestaltung Olympischer Sommerspiele.

 

Berlin gewann diesen Deal, haushoch; Hamburg verlor - und zwar niederschmetternd. Zum einen stimmten dessen Bürger im November 2015 gegen eine Olympia-Party hinter ihren Deichen, zum anderen mussten die ehrbaren hanseatischen Handelsleute obendrein zum anderen Teil des Deals stehen, also zum G20-Gipfel in ihrer schönen Stadt.

 

Dumm gelaufen. Ganz dumm

 

Zumal jetzt viel zu viel unter einen viel zu kleinen Teppich zu kehren ist. Denn, was die Stadt in der vorigen Woche erfahren hat, wird deren Bürger prägen wie die Sturmflut von 1962. Es wird aber hoffentlich auch eine ganze Reihe hiesiger Salon-Linken endlich einmal nachdenken, statt großmäulig bramarbasieren lassen; nachdenken darüber, dass Juristen vor Gericht niemals über „Links“ oder „Rechts“, sondern hoffentlich auch in ferner Zukunft über Recht und Unrecht entscheiden werden.

 

Sie werden hoffentlich auch erkennen, dass die „Rote Flora“, ein ganz und gar rechtsfreier Raum inmitten eines freien „Tor zur Welt“, alles andere als rechtsfrei ist. Und sie werden dabei unter Schmerzen feststellen, dass es tatsächlich überall auf dieser Welt nicht nur Rechts-, sondern eben auch Linksradikale gibt. Denen ein Menschenleben nicht viel wert scheint.

 

Und sie werden sich - zum Teufel auch - hoffentlich nicht auf die Historie zurück und daraus weiterhin falsche Schlüsse ziehen. Also lieber daran denken: die Jakobiner, die Pariser Urzelle aller links Denkenden, hielt sich in der Französischen Revolution nicht mit Debatten auf. Von wegen! Kopf ab, hieß es damals.

 

Und so ging es weiter. Bei Lenin, Stalin, bei Mao, Castro und so weiter, und so weiter.

Am Montag hatten wir in Altona zu tun, in der Großen Bergstraße. Der Haupt- und Einkaufs-Straße zwischen dem dortigen Bahnhof und einem berühmt-berüchtigten skandinavischen Möbelhaus, dessen Begründer einst die Rechtsradikalen in seinem Lande nicht nur finanziell gefördert haben soll. Interessiert heutzutage ebenso wenig wie der Deal Olympia – G20.

 

Also gehen wir lieber einen trinken, irgendwo gegenüber der

„Roten Flora“ (siehe oben), wo sie schon aufgeräumt haben.

Zu einem Prosit auf die Vergesslichkeit.

 

KBL

388 - (2017-07-09) Klaus Blume

Sky bleibt unter Doping-Verdacht

Kapitän Froome steht vor viertem Tour-Triumph

Kopf an Kopf:

Rigoberto Uran (r.) sichert sich den Sieg vor Warren Barguil 

© Getty Images 

Dreißig Prozent der ARD-Zuschauer tippten am Sonntagmorgen auf den Engländer Chris Froome als Sieger der 181,5 Kilometer langen Königsetappe im französischen Jura. Ausgerechnet auf einen Mann, umstritten wie kein zweiter im internationalen Radsport. 

 

Der Amerikaner Greg Lemond, dreimal Tour-Triumphator, zweimal Gewinner der Weltmeisterschaft, sagte dem konservativen britischen Telegraph: „Es gibt in Froomes Team Sky einen Mangel an Transparenz. Mein Vertrauen ist aber schon seit Jahren erschüttert worden. Ich bleibe deshalb auch 2017 gegenüber Sportdirektor David Brailsford und dessen Mannschaft skeptisch.“ Im angesehenen französischen Weltblatt Le Monde fragte Lemond dann nach: „Ist Froome wirklich der talentierteste Fahrer, den es in diesem Sport jemals gegeben hat?“

 

Fragen, die - wen wundert‘s? - pünktlich zur Königsetappe der 104. Tour de France gestellt worden sind. Vor einem Tagesabschnitt, der über 4600 Höhenmeter führte und auf dem Froomes wichtigster Helfer - Geraint Thomas - auf einer schwindelerregenden Abfahrt stürzte, das Schlüsselbein brach und ins Krankenhaus geflogen wurde. Sein Kapitän Chris Froome sicherte sich durch Platz drei im Etappenziel Chambery - hinter dem Kolumbianer Rigoberto Uran - weiterhin das Gelbe Trikot.

Hat Froome damit vorzeitig seine vierte Tour gewonnen?

 

Vor seinem Unfall hatte Geraint Thomas im Gespräch mit BBC Wales in Cardiff sein Team Sky und dessen einstigen Kapitän Bradley Wiggins heftig kritisiert: „Ich würde niemals ein Ausnahme-Attest in Anspruch nehmen. So, wie es Wiggins getan hat. Aber ich kann nicht für ihn und auch nicht für die anderen in unserer Mannschaft sprechen.“ Derart angegriffen, verteidigte sich Froome bei der BBC in London, von den 55 Dosen des Schmerzmittels Triamcinolon - einem Cortison - die das Team Sky zwischen 2010 und 2013 bestellt habe, „habe ich nichts angeboten bekommen.“ Und dann verstärkte er diese Aussage noch einmal: „Nein! Dieses Mittel wurde in unserem Team nicht frei angeboten.“

Übrigens, Triamcinolon wirkt antiallergisch, entzündungshemmend und immunsuppressiv. Sky‘s früherer Arzt Richard Freeman hat vor einem Untersuchungsausschuss des Englischen Unterhauses ausgesagt, während der Dauphiné-Rundfahrt 2011 dieses Mittel extra für Wiggins, den Tour-Sieger 2012, angefordert zu haben. Im Protokoll des Untersuchungsausschusses kann man überdies auch nachlesen, Freeman habe in seiner Privatpraxis die Mehrheit des Sky-Teams mit Triamcinolon behandelt.

 

Also mit einem Dopingmittel!

 

Keine Frage, dass Wiggins‘ Nachfolger Chris Froome und das gesamte Team Sky - nicht nur wegen seiner Überlegenheit - unter ständigem Dopingverdacht stehen. Dabei bemüht sich der Radsport in Sachen Doping intensiv um Schadensbegrenzung. Der deutsche Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin hat zu Beginn der Tour sogar mutig behauptet, 98 Prozent seiner Kollegen würden nicht dopen - was aber allenfalls ein Traum sein kann. Glaubt man nämlich der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, greifen zumindest zwanzig Prozent zu unerlaubten Mitteln. Damit stünde der Radsport - nach unseren Recherchen - mit der Leichtathletik, dem Skilanglauf, dem Biathlon, dem Gewichtheben, dem Schwimmen, dem Triathlon und dem Eisschnelllauf auf einer Ebene.

Doch, was wird heute im Radsport genommen?

 

Vor allem noch immer EPO, Insulin und sogenannte Releasing-Hormone. Diese regen die Produktion der körpereigenen Wachstumshormone an und lassen sich nur schwer feststellen. Solche Präparate werden hauptsächlich in Schwellenländern hergestellt - für den Schwarzmarkt. Und den Spitzensport.

 

Beschließen wir diese Etappe also mit einem Satz Wildor Hollmanns, einst Welt-Präsident der Sportmediziner: „Wer einen Sport ohne Doping für möglich hält, hält auch eine Gesellschaft ohne Kriminalität für möglich.“

 

KBL

387 - (2017-07-05) Klaus Blume

Peter Sagan -

alles für die Katz'?

Alle wollten ihn - und

zahlen dafür Millionen

 

Der Küchenabzugs-Hersteller Bora; der Produzent hochwertiger Badezimmer-Armaturen, Hans Grohe; der amerikanische Fahrrad-Hersteller Specialized. Sie alle setzen auf den Slowaken Peter Sagan, auf das dieser mit seinen Sprintsiegen, vor allem aber mit seinen Show-Einlagen auf Pressekonferenzen und Siegerehrungen den Verkauf ihrer Produkte weltweit voran treiben würde. In 190 Ländern blitzten ihre Firmen-Logos am Montag auf, als Sagan die dritte Etappe der Tour de France gewonnen hatte. 

 

In der Tat - was für ein Investment!

 

Nun ist Sagan nicht mehr dabei; die Jury hat ihn wegen angeblich unverhältnismäßig unsportlichen Verhaltens im Schluss-Sprint der vierten Etappe der Tour verwiesen. Sagan, den zweimaligen Weltmeister, den fünfmaligen Gewinner des grünen Punkte-Trikots. Sagan, der die Quälerei des Radsports in eine Show ohnegleichen zu verwandeln schien. Ausgerechnet ihn.

 

Ralph Denk, der Teammanager der deutschen Mannschaft Bora-hansgrohe, hatte noch am Montag gejubelt, die Media-Werte seien urplötzlich extrem hoch, "denn Peter ist ein spezieller Typ, deshalb bezahlen wir ihm auch relativ viel Geld." Im Peloton kursieren Gehaltszahlungen zwischen drei und fünf Millionen Euro per annum. Wobei "Specialized" am höchsten hingelangt haben soll. Ohne Sagan, so hieß es aus den USA, hätte man sich an Bora-hansgrohe niemals beteiligt. 

 

Viel Geld für einen 27-Jährigen, dem zu Ehren die slowakische Post 2016 sogar eine Sonderbriefmarke herausgegeben hat. Viel Geld für jemanden, der nicht nur hervorragend auf dem Rennrad zu sprinten vermag, sondern zudem in der Werbung eine herausragende Rolle zu spielen versteht. Ob er aber in den nächsten Wochen für Bora in deren TV-Spots noch am Herd posieren wird? Oder ob uns Hans Grohe künftig - via Internet - weiterhin mit seinen Werbetexten über Wasserhähne und Duschköpfe auf die Nerven geht?

 

Das alles ist nun fraglich

 

Weil so viel von Peter Sagan abhängt. Denn wie nur wenigen Weltklasse-Sportlern wird ihm ja vor allem Charisma zugeschrieben. Jene von den Göttern aus Wohlwollen gespendete Gabe, die aber im knallharten Sprint, Mann gegen Mann, noch niemanden geholfen hat.

 

KBL

386 - (2017-07-02) Klaus Blume

Grün ist die Zukunft

Nicht nur für Marcel Kittel allein

 

Zehn Etappensiege auf der Tour de France - da braucht sich der Arnstädter Marcel Kittel eigentlich keine Sorgen um seine berufliche Zukunft zu machen. Doch ob sein belgisches Team Quick-Step Floors am Ende der Frankreich-Rundfahrt noch besteht, das weiß derzeit noch nicht einmal dessen Chef Patrick Lefevere. 38 Siege hat die schon seit 2002 - unter verschiedenen Sponsoren - bestehende Mannschaft bisher in diesem Jahr eingefahren, dennoch sucht Kittels 62-jähriger flämischer Chef händeringend nach einem neuen Sponsor. Denn der Teppichboden-Fabrikant Quick-Step Floor möchte sich zum Ende der Saison aus dem Radsport-Business zurückziehen. Sein Bekanntheitsgrad sei groß genug.

Marcel Kittel, auf der ersten Etappe der 104. Tour de France, auf einem 14 Kilometer langen Zeitfahren am Düsseldorfer Rheinufer Neunter, auf dem zweiten Tagesabschnitt, im Massensprint von Lüttich, dann imponierender Sieger und somit Träger des Grünen Trikots, trägt damit auf einmal eine Bürde, die den 1,88 Meter großen Mann eigentlich niederdrücken könnte. Denn Lefevere weiß, seine ursprünglich auf Eintags-Klassiker ausgerichtete Equipe kann nur dann weltweit erfolgreich auf der Suche nach Sponsoren bestehen, wenn sie künftig hauptsächlich in den dreiwöchigen Rundfahrten reüssiert: im Giro d‘Italia, vor allem aber in der Tour de France.

 

Doch das wird schwierig. Nachdem der Belgier Tom Boonen - er gewann 2007 für Quick Step das Grüne Trikot - im Frühjahr seine Karriere beendet hat, nachdem zuvor schon Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin zur schweizerischen Crew Katjuscha-Alpecin gewechselt hatte, hängt nun alles an Marcel Kittel. Er selbst weiß das, und er kennt die daraus erwachsenden Schwierigkeiten. Denn er hat im siegreichen Sprint von Lüttich die Schwächen des angeblich stärksten Rad-Teams der Welt überaus deutlich zu spüren bekommen: „Auf den letzten fünfhundert Metern hat bei uns gar nichts mehr funktioniert, da gab es keinen Helfer mehr für mich, da bin ich nur noch von Hinterrad zu Hinterrad gesprungen und habe nach Lücken gesucht, durch die hindurch ich sprinten konnte.“

So könne es auf Dauer nicht gehen, solle er tatsächlich - im Kampf gegen den zweimaligen Weltmeister Peter Sagan vom deutschen Team Bora-hansgrohe - das Grüne Trikot des Punktbesten bis nach Paris tragen. Aber irgendwie müsse es gehen, hofft Lefevere; wenn es jetzt um weltweit agierende Sponsoren gehe, sei die Sachlage doch so: „Die Araber stecken die Hälfte ihres Geldes in den Fußball, die Chinesen wahrscheinlich noch mehr. Wo bleibt da der Radsport?“ Also müsse man die Tour gewinnen - mit Marcel Kittel im Grünen Trikot.

 

KBL

385 - (2017-06-29) Klaus Blume

Man spricht deutsch - auch ohne Jan Ullrich

Glänzende Karrieren

in ausländischen Teams

 

Keine Frage, mit Jan Ullrich hängt immer noch alles zusammen. Deshalb haben sie den einzigen deutschen Tour-Triumphator auch zum Start der 104. Tour de France ausgeladen. Er könnte ja wohl so manchem Star von heute die Show stehlen . . .

 

Die große Fete zum Grand Depart am Wochenende in Düsseldorf findet, zwanzig Jahre nach Ullrichs Triumph, also ohne ihn statt. Der offizielle Grund: 2012 hatte der Internationale Sportgerichtshof (CAS) den heute 43-Jährigen wegen dessen Verbindung zum spanischen Doping-Arzt Eufemanio Fuentes zwei Jahre lang gesperrt. Sechs Jahre nach dessen Rücktritt. Doch jeder der Verantwortlichen in Düsseldorf, ob Tour-Direktor Christian Prudhomme, Verbandspräsident Rudolf Scharping oder Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel, weiß, ohne Ullrichs Initialzündung vor zwanzig Jahren würde sich hierzulande kaum jemand für das populärste Radrennen der Welt interessieren.

 

Und wie reagiert „Ulle“ auf die Ausladung?

 

Er wird stattdessen am Freitag in Bocholt ein Jedermann-Rennen bestreiten, gewissermaßen als ganz persönliche Jubiläumsfahrt, und sich dann am Sonntag - auf der 2. Etappe - am Straßenrand von Korschenbroich unter die Zuschauer mischen. Wer ihn dort treffen will, sollte gegen 14 Uhr auftauchen und alle Befangenheit ablegen. „Ulle“ ist ein sehr zugänglicher Mensch, der vieles aus dem Radsport überaus plausibel erklären kann. Auch, warum bei seinem Sieg 1997 gerademal sechs Deutsche am Tour-Start waren. Aber immerhin schon mal doppelt soviel, wie 1977, als der Frankfurter Dietrich Thurau Deutschland in einen ähnlichen Tour-Taumel versetzt hatte, wie zwanzig Jahre später Ullrich. Als er nämlich 15 Tage lang das Gelbe Trikot trug und Paris als Fünfter der Gesamtwertung erreichte. 

 

2007, als es dann mit dem deutschen Radsport schon kräftig bergab ging, starteten immerhin 18 deutsche Profis in drei deutschen Mannschaften in die Tour: bei T-Mobil, Gerolsteiner und Milram. Der Münsteraner Linus Gerdemann fuhr damals nach seinem sensationellen Etappensieg in den Bergen einen ganzen Tag lang im Gelben Trikot. Höhepunkt einer wechselvollen Karriere, die kaum noch jemand wahr nahm. Der Radsport, von unzähligen Dopingfällen gebeutelt, war bereits ins Bodenlose

abgeglitten.

 

Doch unabhängig von Dopingfall auf Dopingfall

 

Vor allem bei Telekom und Gerolsteiner, deren Teams deshalb aufgelöst wurden, starteten deutsche Profis bei ausländischen Mannschaften glänzende Karrieren: Tony Martin, zum Beispiel, brachte es zu sieben WM-Titeln im Zeitfahren. Marcel Kittel gewann neun, André Greipel sogar elf Tour-Etappen. In diesem Jahr ist der gebürtige Rostocker sogar drauf und dran, Erik Zabels Tour-Rekord von zwölf Tageserfolgen zu brechen. Ob sein Entdecker Peter Sager auch in diesem Jahr auf den Champs Elysees in Paris auf ihn wartet - der 74-Jährige weiß es noch nicht. 2015 staunte der für die belgische Traditions-Equipe Lotto-Soudal fahrende Greipel nicht schlecht, als ihn, völlig unerwartet, auf einmal Sager gratulierte.

 

Apropos, Sager

 

Er hat nicht nur Greipel entdeckt, er hatte zuvor auch fünf Jahre lang Jan Ullrich trainiert, und unter den 16 deutschen Profis, die in neun verschiedenen Teams nun drei Wochen lang in die Pedale treten werden, befinden sich neben Greipel noch zwei weitere Sager-Schützlinge: Paul Martens und Robert Wagner, 2011 Deutscher Meister. Beide tragen das Trikot des niederländischen Teams Lotto NL. In dessen Teamleitung haben sie einen erfahrenen deutschen Ansprechpartner: den ehemaligen Profi Grischa Niermann aus Hannover.

Niermann ist nicht der einzige Deutsche in der Teamleitung einer Tour-Equipe

 

Bei der amerikanischen Crew Cannondale arbeitet Andreas Klier; bei der einzigen afrikanischen Mannschaft steuert Rolf Aldag die Geschicke; bei Katjuscha Torsten Schmidt. Bei dieser Schweizer Equipe gibt es mit dem Haarmittel-Hersteller Alpecin übrigens nicht nur einen deutschen Sponsor, es gibt dort mit der Koblenzer Firma Caynon auch einen deutschen Rad-Lieferanten. Ein Hersteller, bei dem Ullrichs einstiger Mannschaftskollege Erik Zabel seit 2009 Nachwuchsfahrer ausbildet. Er sagt: „Also dort, wo ich bisher aufgetaucht bin, gab es weder Pfiffe, noch Buhrufe.“

 

Doch die „Zabel-Zabel“-Rufe in letzter Zeit galten nicht mehr ihm, sondern seinem Sohn Rick, der zum ersten Mal in die Tour startet, und als ganz  außerordentliches Talent gilt. Ob er, oder der ebenfalls 24-jährige Emanuel Buchmann vom deutschen Team Bora-hansgrohe in Frankreich zum besten Nachwuchsfahrer des Pelotons aufsteigt, oder der Freiburger Jascha Sütterlin, der in seiner spanischen Mannschaft Movistar für den kolumbianischen Top-Favoriten Nairo Quintana als persönlicher Wasserträger zu ackern hat - alles ist möglich. Denn deutsche Wertarbeit ist im internationalen Radsport gefragt.

 

KBL 

384 - (2017-06-23) Klaus Blume

„Koko“ teilt sich

alles genau ein

Konstanze Klosterhalfen

und das Unbehagen über

eine verrufene Laufstrecke

 

„Es freut mich, wenn sich die Leute für mich interessieren“, strahlt Konstanze Klosterhalfen und wirkt dabei völlig ungeniert. Es sind nicht Wenige, die sich in diesen Tagen für die 20-jährige Rheinländerin interessieren. Schließlich steht ja Einiges über sie in den Zeitungen. Obwohl sie weder Schlager trällert, noch auf einem bunten Blatt lächelt. Konstanze Klosterhalfen ist Mittelstreckenläuferin, womit die Wenigsten etwas anzufangen wissen. Deshalb zur Erklärung: Mittelstecklerinnen legen Strecken von 800 bis 3000 Meter zurück und zwar im Wettkampf, in einem Stadion.

Konstanze Klosterhalfen (im Bild rechts) aus Oberpleis, was im Siebengebirge bei Bonn liegt, startet bei der Team-Europameisterschaft der Leichtathleten am Wochenende im französischen Lille für Deutschland. Am Sonntag - um 14.20 Uhr - auf der olympischen 1500-Meter-Distanz - und zwar nicht als Mit-Läuferin, sondern als Top-Favoritin. Das hat es, aus deutscher Sicht, seit 37 Jahren nicht mehr gegeben. Damals, bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau, holte die Hallenserin Christiane Wartenberg Silber hinter der Russin Tatjana Kasankina. Hinter einer Athletin, die den gesamten Mittelstreckenlauf der Frauen kräftig in Verruf gebracht hat. Als sie schließlich bei einem internationalen Meeting 1984 in Paris einen Doping-Test verweigerte und daraufhin 18 Monate gesperrt wurde, war aus dem allgemeinen Misstrauen schlimme Gewissheit geworden. Sie ist dann nur noch einmal öffentlich angetreten, bei der ersten 15-Kilometer-Weltmeisterschaft 1986 - als kaum beachtete Fünfte.

 

Die Kasankina und andere Russinnen, die Afrikanerinnen, aber auch die Türkinnen Gamze Bulut und Ashi Cakir Alpetkin haben besonders den 1500-Meter-Lauf mit ihrem Dopingmissbrauch in den letzten Jahren erneut in Verruf gebracht. Dass Konstanze Klosterhalfens Hauptkonkurrentinnen, die superschnelle Niederländerin Sifan Hassan und die schwedische 5000-Meter-Europameisterin Meraf Barthu gebürtige Afrikanerinnen aus Äthiopien und Eritrea sind, dämmt das Misstrauen, selbstredend, nicht unbedingt ein.

Ausgerechnet in diese Front ist nun eine deutsche Studentin hineingelaufen, die später als Sportjournalistin über Derartiges kritisch berichten möchte; sie ist hineingelaufen mit ihren schier überlangen Beinen und viel „Bock aufs Laufen“ (Klosterhalfen). Ihr erst 31-jähriger Coach Sebastian Weiß kann sich ihre Leistungsstärke angeblich gar nicht so richtig erklären, dafür aber das Institut für angewandte Trainingswissenschaften (IAT) in Leipzig. Es führte im März 2015 einen Laktat-Test mit dem deutschen C-Kader durch. Darunter auch die gefürchtete Abbruchübung „Vita Maxima“. Dabei wird alle dreißig Sekunden die Geschwindigkeitssstufe des Laufbands erhöht. Klosterhalfen: „Dann musst du so lange laufen, bis du nicht mehr kannst.“ Sie hielt durch, weit länger, als die Wissenschaftler vorausgesagt hatten.

 

Was sich mittlerweile auch in den internationalen Statistiken niederschlägt. Die Einser-Abiturientin ist nämlich derzeit die viertschnellste 1500-Meter-Spezialistin der Welt; sie steht also sogar vor den meisten, angeblich unschlagbaren Afrikanerinnen. Als sie im Frühsommer in Rom ihre Top-Strecke als Dritte in fabelhaften 3:59,30 Minuten zurücklegte, bewies sie nicht nur viel Mut, sondern auch taktisches Geschick und zum Schluss, im Duell gegen die Kenianerin Winny Chebet, kämpfte sie bis zum Umfallen. Der deutsche Verbands-Cheftrainer Idriss Gonschinska staunte: „Sie hat den Instinkt, im wichtigen Moment das Richtige zu machen.“

 

Neben Training und Studium verblüfft “Koko“, wie die Tochter eines rheinischen Rechtsanwaltes gerufen wird, obendrein durch ihren Einsatz in der heimischen Kirche und in einer Laufgruppe für Asylbewerber. Wenn die Zeit dann noch reicht, spielt sie entweder Klavier oder auch mal Querflöte. Man dürfe sich nur nicht verzetteln, sagt sie, sondern müsse sich alles genau einteilen. So, wie einen ordentlichen 1500-Meter-Lauf.

 

KBL/© Gladys Chai von der Laage

383 - (2017-06-22) Klaus Blume

In einer Woche hat

das Warten ein Ende

Der Grand Départ

der 104. Tour de France

 

Unabhängig vom aktuellen Geschehen wird es vor und während der diesjährigen Tour de France viele Themen geben, die das Traditionsrennen aus unterschiedlichen Blickwinkeln begleiten, beleuchten, beobachten und bewerten werden.

 

Es ist erstaunlich, was man ein gutes halbes Jahr lang in einer Stadt, in der Radsport ursprünglich überhaupt keine Rolle spielt, alles um diesen Sport herum entfachen kann. In den Kindergärten, in den Kirchen oder der weltberühmten Kunsthochschule (Kunstakademie Düsseldorf) des seligen Joseph Beuys.

Wenngleich der Radsport von den Medien und damit von der deutschen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird, ist er im internationalen Geschäft zu einer festen Größe aufgestiegen. Ob Fahrer, Teamleiter, Ärzte, Pfleger und Mechaniker; allein in den wichtigsten World-Cup-Teams fahren derzeit 29 deutsche Profis. Hinzu kommen deutsche Sponsoren (wie Alpecin bei Katjusha), aber auch vier Velo-Hersteller, die mit Mannschaften in aller Welt zusammenarbeiten.

 

Wer wird als Favorit oder besonders auffälliger Fahrer gehandelt? Natürlich geht es um den Weltmeister Peter Sagan. Aber auch der Name von Rafael Majka fällt sehr oft. Dreimal hat der Pole auf der Tour das Bergtrikot gewonnen, doch er kann mehr! Das bewies er beim Giro ebenso wie bei der Vuelta. An der Tour 2017 gilt er als Geheimtipp.

 

Tour-Organisator A.S.O. hat seit über einem halben Jahr ein deutsches Büro in Hamburg eingerichtet, um von dort aus den deutschen Markt zu beackern. Das gilt auch für die 2018 wieder stattfindende Deutschland-Tour mit Ziel in Stuttgart, die mit A.S.O.-Antrieb fahren soll. Wobei die A.S.O. in Deutschland vor allem darauf setzt, dass das Radfahren neben Tischtennis der Deutschen liebste sportliche Freizeitbeschäftigung ist. „Die Amaury Sport Organisation (A.S.O.) ist ein französisches Unternehmen mit Sitz in Issy-les-Moulineaux, Département Hauts-de-Seine, das sich auf die Organisation und das Management großer Sport-Veranstaltungen spezialisiert hat. Das 1992 gegründete Unternehmen ist eine Tochter der französischen Pressegruppe Philippe Amaury, welche unter anderem die Sportzeitung L’Équipe und die Zeitung Le Parisien herausgibt.“ (Wikipedia)

 

Der Grand Départ des bekanntesten Radrennens der Welt wird vom 29. Juni bis 2. Juli 2017 in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf stattfinden. Zum vierten Mal nach 1965 in Köln, 1980 in Frankfurt am Main und 1987 in West-Berlin startet die große Frankreichschleife in Deutschland.

 

Die Teampräsentation am 29. Juni 2017 ist der erste Höhepunkt des Grand Départ Düsseldorf 2017. Die 198 Radprofis werden in der Landeshauptstadt von großen Düsseldorfer Persönlichkeiten wie Heinrich Heine, Clara und Robert Schumann und Joseph Beuys am Burgplatz begrüßt und auf die Bühne begleitet. Während die Düsseldorfer Prominenten allerdings von sogenannten "Living Sculptures", also Schauspielern, dargestellt werden, treten die jeweils neun Fahrer der

22 Teams persönlich an und stellen sich auf dem Podium am

Schlossturm vor. 

 

Das Schloss Benrath Lichterfest am Freitag, 30. Juni 2017, ist ein Klassik Open-Air Konzert mit den Düsseldorfer Symphonikern mit Illumination von Schloss und Schlosspark und einem Musikfeuerwerk mit jährlich über 10.000 Zuschauern.

Die Tour de France 2017 beginnt am Samstag, 1. Juli, mit einem Einzelzeitfahren über 14 Kilometer durch das Düsseldorfer Stadtgebiet. Die Fahrer starten an der Messe Düsseldorf und fahren dann das Rheinufer entlang in Richtung Altstadt. Über die Oberkasseler Brücke sprinten sie ins linksrheinische Oberkassel. Von dort aus geht es über die Rheinkniebrücke zurück in Richtung Innenstadt. Auf der Königsallee geht die Jagd nach der Bestzeit weiter. Am Ende der "Kö" wechseln die Fahrer auf die Heinrich-Heine-Allee, um an der Deutschen Oper vorbei wieder ans Rheinufer zu gelangen. Die folgende Zielgerade von 3,3 Kilometern Länge führt entlang des Rheins zurück zur Messe. 

 

Der offizielle Start der 2. Etappe des Grand Départ wird am Sonntag,

2. Juli 2017, auf der Fischerstraße vollzogen. Nach den ersten flachen Kilometern durch die nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt geht es hinauf Richtung Galopprennbahn. Von Grafenberg führt der Kurs durch Gerresheim und in die Stadt Erkrath. Anschließend schlängelt sich die

2. Etappe der Tour de France 2017 durch das Neandertal bis hinauf nach Mettmann, ehe die Fahrer Ratingen durchqueren und von dort zurück nach Düsseldorf gelangen. Es folgt die Querung des Rheins über die Theodor-Heuss-Brücke, bevor die Fahrer bei Streckenkilometer 57 gegen 14 Uhr das Düsseldorfer Stadtgebiet verlassen.

 

Die Domstadt Aachen ist dann die letzte deutsche Stadt, durch die das Feld rollt. Über die B264 passieren die Radprofis anschließend die deutsch-belgische Grenze. Die letzten 51 Kilometer der Strecke bestreiten sie auf belgischem Boden zum Zielort der 2. Etappe der Tour de France 2017: Lüttich/Liège - zweitgrößte Stadt und kulturelles Zentrum der Wallonischen Region Belgiens.

2018 ist wieder ein Grand Départ in Frankreich an der Reihe. Die 105. Tour de France beginnt im Département Vendée – so wie 2011, 2005, 1999, 1993 und 1976. Es liegt in der Region Pays de la Loire an der Atlantikküste im Westen des Landes.

KBL/BJM/A.S.O./Pressematerial- und -images

382 - (2017-06-16) Klaus Blume

Tour de Suisse

Michael Woods - der Läufer und die Angst

vor der Abfahrt

 

Sollte ein Etappen-Zehnter der Tour de Suisse eine Story wert sein?

 

Er sollte es, meint Michael Woods‘ amerikanischer Teamchef Jonathan Vaughters. Schließlich sei der 30-jährige Kanadier der Held dieses Alpen-Abenteuers gewesen, weil er als Erster den 2300 Meter hohen Albulapass erklommen hat, doch im Regen zitternd vor Angst hinunter ins Tal fuhr und deshalb von neun Kontrahenten überholt wurde.

 

Klar, gab Woods, der Kanadier aus Ottawa, zu: „Ich bin eben noch immer kein richtiger Rad-Profi.“ Mit 25 Jahren erst hat er beschlossen, diesen Sport zu betreiben, da fehle es ihm - dem ehemaligen Eishockey-Spieler und früheren Mittelstreckenläufer - ganz einfach an Übung und Kaltschnäuzigkeit, um mit neunzig Sachen auf dem Fahrrad im strömenden Regen ins Tal zu rasen.

Dabei ist Michael Woods immer ein sehr guter Sportler gewesen

 

Er war ein hervorragender Eishockeyspieler, auf dem linken Flügel der berühmten Toronto Maple Leafs, doch mit gerademal 1,75 Meter Körpergröße etwas zu schmächtig für diesen rauhen Sport mit heftigem Körpereinsatz. Also beschloss er, lieber Läufer zu werden. Mit 18 Jahren legte er die englische Meile (1609 Meter) in 3:57, 48 Minuten und die 3000 Meter in 7:58:04 Minuten zurück. Ein Talent! So gehörte er zum kanadischen Team, das 2005 bei den panamerikanischen Meisterschaften der Junioren startete - und hoffte auf eine internationale Karriere als 1500-Meter-Spezialist.

 

Doch mit seinem schier unstillbaren Ehrgeiz übertrieb er es im Training; der linke Fuß brach unter dem selbstgewählten Stress zusammen - aus war es mit dem Läufertraum. „Was sollte ich denn nun mit meinem Leben machen?“ fragte er sich im Jahre 2011, und versuchte sich als Cross-Spezialist auf dem Fahrrad. Das kleine kanadische Team Garneau-Quebecor wurde auf ihn aufmerksam, und stellte ihn ein. 2014 sogar die bekannte italienische Equipe Amore & Vita, die sogar schon mal vom Vatikan unterstützt worden ist, damals aber ausgerechnet mit einer ukrainischen Lizenz ins internationale Geschehen einrückte.

Woods war‘s egal, er wollte nur fahren

 

Jonathan Vaugthers, einst an Lance Armstrongs Seite als Profi unterwegs, dann derjenige, der von dem Texaner enttäuscht, als Erster ein Team mit Fahrern aufbaute, die sich - team-intern - jederzeit einer Doping-Untersuchung stellten, beobachtete den emsigen Michael Woods Jahr für Jahr und holte ihn im vorigen Frühling in sein renommiertes Team Cannondale-Drapac. 

 

Es sollte sich lohnen

 

Woods qualifizierte sich für die kanadische Olympia-Mannschaft, belegte in diesem Frühjahr beim Grand Prix Miguel Indurain Platz zwei, beim weltberühmten belgischen Eintagsklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich Rang neun und beendete den dreiwöchigen Giro d‘Italia immerhin als 38.

 

Gestern auf der sechsten Etappe der Tour de Suisse sah er oben auf dem höchsten Pass wie der sichere Sieger aus, aber hinunter ging es für ihn dann nur noch im Schritttempo. Da fuhr in jeder glitschigen Kurve die Angst mit. Sein Eindruck: „Wenn ich darüber nachdenke, fühle ich mich noch immer wie ein Eindringling in einen fremden Sport.“

 

Und dann: „Laufen ist eben doch schöner, simpler, einfacher. Diese Reinheit vermisse ich beim Radsport.“

 

KBL

381 - (2017-06-07) Klaus Blume

China kann sofort einspringen

Der Weise aus dem Weißen Haus und die große Mauer

 

Am Anfang übermannte alle die blanke Gier

 

Einen Notgroschen von 330 Milliarden Euro hatte die Herrscherfamilie Qatars seit Jahren als Staatsfonds gebunkert. Und nebenan schießt das Erdgas noch immer ans Licht, so quicklebendig wie Champagner aus der Flasche. Davon wollte doch jeder etwas abhaben: die Deutsche Bank, VW, Siemens, die London Stock Exchange, die Credit Suisse, der FC Barcelona, der FC Bayern und, und, und. Dabei ist das kleine Qatar, nicht ganz so groß wie das winzige Schleswig-Holstein, nie knauserig gewesen. Es hat seinen sagenumwobenen Reichtum über die ganze Welt verstreut.

 

Nun bibbern sie in aller Welt - vor Angst

 

Gibt es künftig kein Geld mehr aus dem feinen kleinen Wüstenstaat? Keine Aufträge mehr für Herz-Chirurgen in Hamburg und Juweliere auf der Düsseldorfer Kö? Kann passieren. Denn Qatars Nachbarstaaten Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Beziehungen zu den reichen Brüdern am Golf abgebrochen - und damit deren internationale Geschäftsbeziehungen gekappt. Begründung, diese würden mit ihren Milliarden den internationalen Terror finanzieren. Schlimm? Ja! Neu? nein! Nur, wer vor lauter Gier blind war, hat partout nicht sehen wollen, dass am Golf - und dort nicht nur in Qatar - eine ganz andere Politik betrieben, als verlautbart wird. 

 

Doch warum steht nun ausgerechnet Qatar am Pranger der eigenen Brüder?

 

Hatte nicht vor wenigen Tagen ein gewisser Donald Trump, der große Weise aus dem Weißen Haus, in Saudi-Arabien geraunt, nebenan - im Iran - würde das Böse mit Macht herangezogen. Und hatten die Saudis nicht nur dazu genickt, sondern auch noch geraunt: die Qataris sind doch mit denen gut Freund . . . igitt, igitt.

 

Da wackelt also alles. Auch die Fußball-WM 2022, für das gerade das erste Stadion in Qatar fertig wurde - versehen mit ausgeklügelter deutscher Kühltechnik. Ob dort wirklich mal der WM-Ball rollen wird? Diese Frage darf gestellt werden. Aber, wenn nicht in Qatar, wo dann?

 

Dann muss wohl blitzschnell unser neuer Partner einspringen: China. Dessen Großinvestor HNA könnte, wird uns versichert, so etwas mit einem Fingerschnippen wuppen. Und Terroristen sind den Genossen Milliardären aus dem Reich der Mitte ebenso fremd wie der Begriff „Menschenrechte.“

 

Womit allen geholfen wäre - in einem fernen Lande hinter einer großen Mauer. Auch dem großen Weisen aus dem Weißen Haus.

 

KBL/Gettyimages 

380 - (2017-05-31) Klaus Blume

SPD übergeht Denkmalschutz

Das Olympiastadion

in Berlin gehört Deutschland - nicht der Hertha

 

Kürzlich in Berlin. Eine Arbeitstagung. Trotzdem blieb mehr hängen, als nur das Tagungsprotokoll - BERLIN eben: Brandenburger Tor, Gendarmen-Markt, Ku-Damm, Gedächtniskirche - und das Olympiastadion. Also nicht nur Berliner, sondern vor allem deutsche Merkmale.

 

Eines davon soll nun verschwinden: das ehrwürdige Olympiastadion von 1936. Es soll nach einer Machbarkeitsstudie des Fußballvereins Hertha BSC in ein reines Fußball-Stadion umgebaut werden. Steile Ränge, steile Thesen, keine Laufbahn - so weit, so beunruhigend. Mich beunruhigen dabei vor allem jene beiden Männer, die hinter diesem Wahnsinns-Projekt stehen: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Innensenator Andreas Geisel. Beide SPD-isten stehen nämlich bereits für den unfertigen Hauptstadt-Flughafen Schönefeld - offenbar als Bauwerk für die Ewigkeit gedacht; für das missglückte Bebauungsprogramm des Tempelhofer Felds und für die einsturzgefährdete Friedrichswerdersche Kirche, übrigens ein ganz besonderes Meisterwerk Schinkels.

 

Aber wen kümmert‘s. Ob irgend etwas unter Denkmalschutz steht oder ob es überhaupt schützenswert scheint, das scheint um Müller und Geisel herum offenbar niemanden in Berlin zu interessieren. Sonst würden man sich jetzt nicht am denkmalgeschützen Olympiastadion vergreifen wollen. An einem nationalen Kulturerbe! Denn es gehört ja noch nicht einmal allein der Stadt Berlin, sondern vielmehr dem ganzen deutschen Volk. So sieht die tatsächliche Lage aus! Also der Hertha gehört es ohnehin nicht, auch wenn die schon mal eine Machbarkeitsstudie zum Umbau in Auftrag gegeben hat. Eine Unverfrorenheit, weil die auch in diesem Falle wieder mal allzu großspurig auftretende Hertha - bei Lichte betrachtet - im Olympiastadion nur Gastrecht hat.

 

Das Berliner Olympiastadion, mit seiner herrlichen blauen Laufbahn, ist die einzige übrig gebliebene deutsche Groß-Arena für Leichtathletik. Und das muss sie auch bleiben! Köln ist längst untergegangen; Koblenz hat die Segel gestrichen, in Hamburg haben sie die Leichtathleten vertrieben; in Düsseldorf - überall. Wer die große internationale Leichtathletik erleben will, muss in die Schweiz reisen, wo es alljährlich gleich drei große Sportfeste zu genießen gibt: in Zürich, Lausanne und Luzern. In Zürich haben sie übrigens 2007 ein neu gebautes Stadion eröffnet - für Fußball und Leichtathletik. Sollten Sie sich 2018 mal ansehen, denn 2017 ist es längst ausverkauft.

 

Von wegen, die Leichathletik liege am Boden! Bei den Europameisterschaften im nächsten Jahr im Berliner Olympiastadion rechnen die Veranstalter mit einem täglichen Zuschauerschnitt von 45 000 Leichtathletikfreunden. Ich erinnere mich dabei gern an das ISTAF 2007. Damals war das Stadion mit 70 253 Zuschauern ausverkauft! Nirgendwo auf der Welt sind jemals mehr Zuschauer zu einem Leichtathletik-Meeting gekommen, und mein alter Freund Wilfried Meert, Chef des legendären Brüsseler Meetings, hat mich damals vor Rührung umarmt.

 

Und das soll alles vergessen sein? An die zwanzig Weltrekorde sind in Berlin aufgestellt worden - ich erinnere dabei nicht nur an Usain Bolts Sturmläufe über 100 Meter (9,58 Sekunden) und 200 Meter (19,19 Sekunden) im Jahre 2009. Ich erinnere mich an das Jahr 1960, als der in den Westen geflüchtete Hallenser Manfred Steinbach 8,14 Meter weit flog und damit eigentlich Jesse Owens‘ Stadionrekord verbessert hätte, hätte damals nicht der Wind zu stark geweht. Oder ich erinnere mich an den 26. August 1977, als sich Rosi Ackermann aus Cottbus als erste Hochspringerin der Welt über die Höhe von zwei Metern wälzte, und ich alles, was ich bis dahin geschrieben hatte, wegschmeißen musste. 

 

Und ich erinnere mich natürlich an das ISTAF 1985, als der Marokkaner Said Aouita mit fabelhaften 3:29,46 einen damals für kaum möglichen 1500-Meter-Weltrekord sorgte. Aouita - der Jahrhundertläufer! Nur ihm gelang ein 800-Meter-Rennen unter 1:44 Minuten; ein 1500-Meter-Lauf unter 3:30; eine 3000-Meter-Bestzeit unter 7:30 und ein 5000-Meter-Rekord unter 13 Minuten.

 

Immer, wenn wir uns in den Jahren danach auf irgend einem Flughafen über den Weg liefen, wie kürzlich im Osloer Winter, versprachen wir uns: Also, nächsten Sommer, beim ISTAF in Berlin.

Soll das jetzt alles vorbei sein?

KBL

379 - (2017-05-16) Klaus Blume

Was für ein Coup!

Jan Ullrich wird Chef

von „Rund um Köln“

Niemand anderer, als der 75-jährige Rheinländer Artur Tabat (im Bild links neben Jan Ullrich), hätte eine solche verrückte Idee in die Praxis umsetzen können: Ausgerechnet Jan Ullrich (43), die Persona non grata des deutschen Sports schlechthin, wird am 11. Juni das 101. klassische Eintags-Radrennen „Rund um Köln“ leiten. Ein Mann, der vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne, wegen des Verdachtes auf Blutdoping bei dem spanischen Gynäkologen Fuentes von August 2011 an zwölf Monate gesperrt worden war. Und der dazu sagte: „Ich bestätige, dass ich Kontakt zu Fuentes hatte. Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue. Für dieses Verhalten möchte ich mich aufrichtig bei allen entschuldigen – es tut mir sehr leid. Rückblickend würde ich in einigen Situationen während meiner Karriere anders handeln.“

Dieser Mann (rechts) wird also extra aus dem sonnigen Mallorca, wo er seit letztem Sommer mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt - zwanzig Minuten von Palma und zwanzig Minuten von den Bergen entfernt - für einen Tag ins Rheinland reisen. Eine Rückkehr des einzigen deutschen Tour-de-France-Siegers (1997) in den internationalen Radsport soll es aber nicht werden, auch nicht die Wahrnehmung einer Daueraufgabe; sein Ausflug nach Deutschland sei nur eine Geste gegenüber Artur Tabat, um bei dessen Rennen den verstorbenen Rudi Altig als sportlichen Leiter zu ersetzen.

 

Was für ein Coup! Aber Artur Tabat, ein Radsport-Verrückter, ein Vorzeige-Rheinländer, ein begnadetes Kölner Schlitzohr, ein Mann, der seit 43 Jahren dieses Rennen veranstaltet, hat schon öfters die Zunft verblufft. Zum Beispiel mit einem - in der ARD einst live vorgetragenen Hinweis - er zelebriere das älteste deutsche Straßenrennen. Einsprüche ließ Tabat danach nicht gelten, auch, wenn ihm alle Welt nachwies, dass „Rund um Köln“ erst seit 1908 rolle, während zwei weitere deutsche Rennen früher gestartet worden seien: 1907 „Rund um die Hainleite“, 1896 „Rund um Berlin.“ Tabat lächelte den Einwand beiseite.

 

Nun präsentiert er das 101. „Rund um Köln“ mit der Galionsfigur Jan Ullrich, was einem Paukenschlag gleichkommt, also mit dem so genannten „Markenbotschafter“ eines Bocholter Rad-Herstellers und Veranstalter verschiedener Radsport-Camps auf Mallorca, der Deutschen zuhauf bereister Lieblingsinsel. Dort wohnen die Ullrichs derzeit noch zur Miete; ihre Villa in der Schweiz, mit zehn Zimmern, wird derweil über das Immobiienportal Immoscout angeboten: für rund drei Millionen Euro. 

 

Mit Jan Ullrich hat Artur Tabat übrigens schon einmal ein sehr gutes Geschäft gemacht: Am Ostermontag 2003 verhalf er seinem Freund Jan zu einem unwahrscheinlichen Sieg und fast unglaublichem Comeback, nachdem dieser das Jahr 2002 völlig vergurkt hatte. Zuerst mit Knieproblemen, dann mit einem Autounfall unter Alkoholeinfluss und anschliessender Fahrerflucht - und schließlich mit einer Disco-Pillen-Affäre, die mit einem Dopingbefund endete. „Ich glaube, es gibt noch Wunder“, jubelte Ullrich seinerzeit. Und Tabat glaubte „Millionen über Millionen“, gesehen zu haben, die seinerzeit die Straße gesäumt hätten.

 

Mal sehen, wie es am 11. Juni wird, wenn Ullrich wieder in Köln auftritt. Ein Mann, gegen den derzeit die Staatsanwalt des Schweizer Kantons Thurgau ermittelt, weil er dort 2014 einen schweren Autounfall im alkoholisierten Zustand verursacht hat. Der Zürcher Zeitung „Blick“ gestand der Olympiasieger des Jahres 2000 danach: „Gott sei Dank hat es dabei keine Toten gegeben.“

 

KBL

378 - (2017-05-09) Klaus Blume

O bella Italia - von wegen

Überraschungssieger

aus Slowenien

als Erster auf dem Ätna

 

Kein vernünftiger Mensch setzt sich eigentlich um die Mittagszeit - in der glühenden Hitze Siziliens - freiwillig auf ein Fahrrad und fährt dort hinauf, wo einst die glühende Lava des Ätna gebrodelt hat. Wo die Feuersbrunst aus dem Inneren der Erde das Leben vernichtet hat. Wo die Hitze zur Hölle werden kann, und es oft genug für die Menschen in den Dörfern rund um diesen Vulkan auch geworden ist.

 

Doch der Mensch, dieses durch und durch vernunftbegabte Wesen, tut so etwas. Er fährt auf einem Fahrrad in der Mittagszeit in glühender Hitze

zum Ätna hinauf. 

 

 

Warum?

 

Doch nur, weil es die Direktion des 100. Giro d‘Italia so vorgesehen hat. Gestern, als es auf der vierten Giro-Etappe von Cefalu über 181 Kilometer  zum ehedem feuerspeienden Ätna hinauf ging. Nach 1967, 1989 und 2011 zum vierten Male in der Geschichte dieses dreiwöchigen Radrennens.

Gestartet wurde dabei auf einer Höhe, die gerade noch neun Meter über dem Spiegel des tiefblauen Mittelmeeres liegt. Ins Ziel gelangte der 25-jährige slowenische Etappensieger Jan Pollanc (unten) vom arabischen Team der Vereinigten Emirate jedoch erst auf einer Höhe von 1892 Metern - und das nach knapp 180 Kilometer langer Ausreißjagd. 

Was für ein Sieg!

 

Die maximale Steigung auf dem 18 Kilometer langen Schlussanstieg zum Ätna betrug immerhin zwölf Prozent.

Das alles sah - beim Frühstück im Streckenbuch des Giro gelesen - recht harmlos aus.

 

Doch von wegen!

 

Die gestrige Bergankunft fällt eindeutig unter die Rubrik Spektakel. Je ausgefallener, um so besser. Das scheint aber ohnehin seit dreißig Jahren der schlimme Grundgedanke der Giro-Verantwortlichen zu sein, wenn sie sich anschicken, den Gesamtkurs festzulegen. 

 

Denn gestartet wurde, zum Beispiel, gestern zu einer Zeit, die jedem vernünftigen Sizilianer als Siesta-Zeit heilig ist. Es ist die Zeit, in der sich Körper und Geist unter der glühenden Sonne Siziliens Ruhe wünschen.

 

Ausgerechnet aber dann begann der Kampf der Rennfahrer gegen den Ätna

 

La Montagna, den Berg, nennen die Einheimischen diesen höchsten Vulkan Europas. Was nach Ehrerbietung klingt und nicht nach Beiläufigkeit. Und wenn du unten in der Ebene, gleich hinter Cefalu, auf dein Rad steigst, dann führt dich dein Weg an hohen Steinwällen vorbei, an Weinbergen und mannshohen Kakteen. Gefällig und bequem scheint die Straße anzusteigen. Sanft und nicht allzu viel Kraft kostend, bestünde sie nicht aus einer schier nicht enden wollenden Zickzack-Kurve.

 

Du scheinst wie gefangen zu sein auf dieser merkwürdigen Straße, die scheinbar aus dem Nichts kommt und im Nichts zu verschwinden scheint. Ein Gefühl der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins, kann sich hier des Rennfahrers bemächtigen, wenn er hinauf strebt zum Krater des Ätna. 

 

Wenn er rechts und links der Straße der steingewordenen Lava des letzten Vulkanausbruchs gewahr wird. Wenn er die letzten menschlichen Behausungen am Wegesrand hinter sch gelassen hat. Wenn wild wucherndes Heidekraut verfallene Gehöfte in einen Dornröschenschlaf versetzt haben.

 

Doch vielleicht, so hat es wohl auch gestern so mancher Fahrer wieder einmal im Ziel auf dem Ätna festgestellt, war das alles nur ein Traum. Denn im Ziel, wo die Tifosi, die Fans, lärmen und die Reporter drängeln, war dann doch wieder alles so wie immer. So, als sei man gestern irgendwo, nur nicht nicht auf dem Ätna gewesen.

KBL 

377 - (2017-05-05) Klaus Blume

Marathon unter zwei Stunden:

Hirngespinst

oder Doping-Ablenkung?

 

Ist es nur eine geniale PR-Nummer in einer Zeit, in der unter den besten Läufern der Welt Doping allgegenwärtig zu sein scheint?

 

Am 6. Mai wollen drei Afrikaner für den amerikanischen Sportartikel-Konzern Nike erstmals einen Marathonlauf (42, 195 Kilometer) unter zwei Stunden zurücklegen. An einem Tag, an dem vor 63 Jahren schon einmal eine sogenannte Schallmauer durchbrochen wurde. Seinerzeit durcheilte der britische Neurologe Sir Roger Bannister die englische Meile nach 1609 Metern als Erster unter vier Minuten - in 3:59,4.

 

63 Jahre später wollen der Kenianer Eliud Kipchoge, der Äthiopier Lelisa Desisa und Zersenay Tadese aus Eritrea 42, 195 km unter zwei Stunden zurücklegen - auf der Formel-1-Piste im italienischen Monza. Ein gigantisches Unternehmen. Insider sprechen von 35 Millionen Dollar Vorbereitungskosten. Was aber bei weltweit 500 Marathonläufen per annum unter den Volksläufern auch ein gigantisches Geschäft verspricht. Egal, ob am 6., 7. oder 8. Mai - wann, hängt vom Wetter ab - eine Siegerzeit von 1:59:59 Stunden zu Buche steht.

 

Der Umsatz des längst annoncierten Weltrekord-Schuhs wird boomen, wahrscheinlich wie kaum ein anderes Sportgerät zuvor

 

Die Marketing-Experten sagen, es sei dabei unerheblich, ob der angepeilte Rekord vom Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) als regelkonform anerkannt werde oder ob die 2:02:57 Stunden, gelaufen 2014 von dem Kenianer Dennis Kimetto in Berlin, weiterhin die Spitze der Rekord-Annalen zieren; mit dem Monster-Rennen von Monza, das prophezeit auch Kipchoges als Läufer wohlhabend gewordener Trainer Patrick Sang, würde so oder so ein Hype losgetreten, den niemand mehr stoppen könne. Wobei es allerdings Kimetto war, der mit seinem Berliner Weltrekord - unbeabsichtigt - die wissenschaftliche Jagd um das Projekt „Marathon unter zwei Stunden“ eröffnet hat. 

 

Die ersten Berechnungen für einen solchen Lauf entwickelte kurz darauf Professor Yannis Pitsiladis von der Universität Brighton

 

Ein Mann, dessen wissenschaftliche Arbeiten über ähnliche Projekte schon immer viel Beachtung in der Szene gefunden haben und der seit Jahren mit den äthiopischen Olympiasiegern Haile Gebreselassie und Kenenisa Bekele zusammenarbeitet. Pitsiladis unterbreitete Bekele die Idee, einen Rekordversuch unterhalb des Meeresspiegels zu unternehmen; also dort, wo mehr Sauerstoff vorhanden ist. Pitsiladis dachte an eine Piste am Toten Meer. Doch Bekele winkte ab, auch dort hielt er allenfalls eine Zeit von 2:01:30 Stunden für möglich. Sein Vertragspartner Nike sprach ihn nie mehr darauf an.

 

Stattdessen aber wandte sich Nike an Kipchoge, Desisa und Tadese, was in der Szene erstaunt kommentiert wurde. Zumindest im Falle von Desisa und Tadese. Während Kipchoge von seinen bisher acht Marathonläufen sieben gewinnen konnte, hat Desisa seit 2013 kein herausragendes Rennen mehr gezeigt; so rangiert er in der ewigen Bestenliste nur noch auf Platz zwanzig. Tadese gilt wegen seiner Erfolge auf dieser Distanz zwar als „Mister Halb-Marathon“, doch alle Versuche über die doppelt so lange Marathonstrecke endeten stets mit einer Pleite, wie 2012 in London, wo er erst nach  indiskutablen 2:10:41 Stunden ins Ziel kam.

 

Warum also hat Nike diese Drei für ein so ungewöhnliches Projekt ausgesucht?

 

Kipchoge (32), der seit 15 Jahren im kenianischen Hochland bei Patrick Sang trainiert, einst einer der schnellsten Hindernisspezialisten der Welt, gehört zweifellos zu den talentiertesten Läufern der Sportgeschichte. Er war bereits 2003 in Paris Weltmeister über 5000 Meter und dreizehn Jahre später in Rio de Janeiro Olympiasieger im Marathonlauf. Eine ganz und gar ungewöhnliche Karriere! Aber noch etwas ist außergewöhnlich: Mit seiner 5000-Meter-Bestzeit von 12:46,53 Minuten (2004) nimmt Kipchoge in der ewigen Weltbestenliste Rang vier ein, mit 2:03:05 Stunden (2016) Platz drei in der Marathon-Geschichte. Eine Bandbreite, wie kein anderer Läufer. Wer sonst, als Eliud Kipchoge sollte also als Erster die 42,1905 km unter zwei Stunden laufen?

 

Doch was soll Tadese bei diesem Projekt?

 

Die Nike-Wissenschaftler, die in ihrer zentralen Datenbank im amerikanischen Portland alles sammeln, was über einen Athleten zu sammeln ist, sind geradezu hingerissen von dessen Daten. Er sei, verriet ein Wissenschaftler, „ökonomisch betrachtet, der Weltbeste.“ Das heißt: Tadese benötigt weit weniger Sauerstoff als jeder andere Läufer; selbst dann, wenn er dabei schneller als jeder andere laufe. Ein Phänomen! Die bei der Europäischen Universität Madrid hinterlegten Studien seines spanischen Trainers Jeronimo Bravo würden jedoch noch weit mehr offenbaren - doch die gingen die Öffentlichkeit nichts an. „Allein schon wegen dieser Daten“, so Bravo, „wird er in Monza auch nicht den Hasen für Kipchoge spielen.“

 

Als „Hasen“, als Pacemaker für die drei Rekord-Aspiranten, sind 18 andere Läufer vorgesehen, die sich ständig abwechseln sollen, und die teilweise erst in der Schlussphase einsteigen werden, um Kipchoge und Co. als Windschatten zu dienen. Wie der bereits 42-jährige Amerikaner Bernard Lagat, ein gebürtiger Kenianer. 2007 als Doppel-Weltmeister über 1500 und 5000 Meter superschnell, 2013 beim New Yorker Halbmarathon aber auch erstaunlich ausdauernd. Ihm zur Seite steht der 21-jährige Schweizer Julien Wanders. Er hat extra in Kenia für Monza trainiert, und ist derzeit der schnellste Europäer im 10-Kilometer-Straßenlauf.

 

Nirgendwo scheint es demnach eine Schwachstelle zu geben, wäre da nicht Lelisa Desisas äthiopischer Coach Haji Adillo, bekannt auch als Trainer der zehnmaligen Weltmeisterin und dreimaligen Olympiasiegerin Tirunesh Dibaba. Ein Mann mit bemerkenswerten Fähigkeiten, aber auch mit geradezu unheimlichen Verbindungen in dieser nur schwer durchschaubaren Szene. Zum Beispiel zu dem somalischen Trainer Jama Aden. Zu dessen Schützlingen gehört Tirunesh Dibabas Schwester Genezbe. Sie, die Weltmeisterin über 1500 Meter, wurde 2015 zur „Weltsportlerin des Jahres“ gekürt; Jama Aden indes verschwand 2016 in einem spanischen Gefängnis. Er soll neben anderen Medikamenten auch das Blutdopingmittel EPO vertrieben haben.

 

Ist also das, was in den nächsten Tagen in Monza geplant ist, doch nur ein großer PR-Gag, um vom weltweiten Leichtathletik-Doping abzulenken?

 

Könnte sein. Doch wie auch immer: Nike-Konkurrent Adidas scheint auch auf diesen Zug aufspringen zu wollen. Mit Weltrekordler Kimetto und Ex-Weltrekordler Patrick Makau aus Kenia. Alles noch ungeheuer geheim. Doch auch, wenn derzeit (noch) niemand über dieses Projekt spricht, muss es ja kein Hirngespinst sein.

KBL

Images: Nike 

376 - (2017-05-01) Klaus Blume

Radsport in Frankfurt:

Ein Volksfest mit

Rick Zabel und

John Degenkolb

 

Beschwerde statt Begeisterung. Das Radrennen von Eschborn nach Frankfurt war kaum eine Stunde alt, da quengelten beim Hessischen Rundfunk die ersten Anrufer. Wieso man eine derart doping-verseuchte Sportart, wie den Radsport, live im Fernsehen zeigen könne? Zusätzlich wurde gezetert: Und noch dazu am 1. Mai, einem der schönsten Feiertage - weltweit. Polternde Beschimpfungen ähnlicher Art mussten jene zehn ausländischen TV-Anstalten, die das 56. World-Tour-Rennen aus Frankfurt in 170 Länder auf fünf Kontinente live übertrugen, nicht ertragen.

 

Der Hessische Rundfunk zeigte das klassischste aller klassischen deutschen Radrennen, trotz dieser schon üblichen Beschwerden, ungerührt fünfeinhalb Stunden lang - und zwar live! Es war eine spannende Übertragung bei Dauerregen, das an der Alten Oper in Frankfurt nach 218,7 Kilometer zum dritten Mal der Norweger Alexander Kristoff vor zwei deutschen Profis, vor Rick Zabel (u.l.) und John Degenkolb (u.r.), gewann.

 

Doch zurück zu den Doping-Kritikern, die im vorigen Jahr auch die ARD während der Tour de France immer wieder am Telefon beschwichtigen musste. In den letzten vier Jahren gehörte der Radsport weltweit, und damit auch hierzulande, zu jenen Sportarten, bei denen die wenigsten Dopingfälle registriert wurden. Ganz im Gegensatz zum Biathlon, Skilanglauf, zur Leichtathletik, zum Profi-Boxen, zum Ringen und Gewichtheben. Der Fall des Amerikaners Lance Armstrong, dem wegen seines ausgeklügelten Dopings alle sieben Siege in der Tour de France (von 1999 bis 2005) aberkannt wurden, lässt sich nicht verallgemeinern. Vor allem nicht zwölf Jahre nach dessen letzter Betrugsaffäre.

 

Zwölf Jahre danach treten 29 deutsche Berufs-Rennfahrer für 13 internationale Teams der World--Tour - hochklassig wie im Fußball die Champions-League - in die Pedale. Darunter auch zwei deutsche Mannschaften. Die Besten bei Bora-Hansgrohe sind Weltstars ihrer Sportart: der zweimalige Weltmeister Peter Sagan aus der Slowakei und Rafal Majka aus Polen. Majka gewann 2014, 2015 und 2016 jeweils das Bergklassement der Tour de France. 

 

Aber auch deutsche Super-Stars sind gefragt: Tony Martin, viermal Weltmeister im Zeitfahren, verdient sein Geld als Kapitän der schweizerischen Equipe Katusha-Alpecin. Marcel Kittel ist mit neun Etappensiegen auf der Tour de France der Super-Star der belgischen Equipe Quick Step Floors, des erfolgreichsten Rad-Teams der Welt. John Degenkolb, bei der amerikanischen Mannschaft Trek-Segafredo unter Vertrag,  gewann bereits vier weltberühmte Eintagsrennen: 2013 Paris-Tours, 2014 Gent-Wevelgem, 2015 Mailand-San Remo und Paris-Roubaix. 

 

 

Aber deutsche Profis sind auch als zuverlässige Helfer der Weltstars gefragt. Das bewies am 1. Mai in Frankfurt auch der 23-jährige Rick Zabel (o.r.), Sohn des früheren Tour-Stars Erik Zabel (o.l.). Er führte am 1. Mai seinen norwegischen Kapitän Alexander Kristoff zum Sieg in der Main-Metropole. Zabel junior „Ich wusste, ich hatte alles für Alexander zu tun, vor allem zum Schluss. Da musste ich für ihn eine Lücke reißen. Das war meine Aufgabe. Aber eines Tages will ich auch selber gewinnen, und ich glaube, ich bin auf dem richtigen Weg.“

 

Doch nicht nur deutsche Rennfahrer sind gefragt, auch deutsche Teamchefs stehen bei internationalen Spitzenmannschaften hoch im Kurs: Andreas Klier bei Cannondale (USA), Torsten Schmid bei Katusha (Schweiz), Rolf Aldag bei Dimension Data (Südafrika) und Grischa Niermann bei Lotto NL (Niederlande).

 

Und weil der deutsche Radsport weltweit hoch angesehen ist, startet denn in diesem Jahr die Tour de France auch hierzulande, und zwar am 1. Juli in Düsseldorf. Veranstaltet wird die Tour von der französischen Amaury Sport Organisation (ASO), die seit dem 1. Januar auch den deutschen Klassiker in Frankfurt übernommen hat. 2018 wird die ASO zusätzlich die Deutschland-Tour wieder beleben - der deutsche Radsport, so  scheint‘s, ist kaum noch aufzuhalten.

KBL

375 - (2017-04-24) Klaus Blume

Michele Scarponi:

Tod eines Doping-Spezialisten

 

Gestern am Sonntag, auf den Straßen zwischen Lüttich und Bastogne, wäre Michele Scarponi nur allzu gerne mitgefahren. Schon 2003 hatte er beim ältesten Klassiker der Radsport-Geschichte Platz vier belegt - diesmal war er in Hochform und hatte sich viel vorgenommen. Doch beim Training zuvor, im heimischen Filottrano, ist der Italiener am Samstag bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Mit 37 Jahren. So, wie 2006 schon der Australier Scott Peoples. Und wie dessen Landsfrau Amy Gillett, die 2005 bei einer Trainingsfahrt in Thüringen ums Leben gekommen ist.

 

Der Tod auf der Straße - er scheint im Radsport fast schon alltäglich zu werden und wird wohl nur noch wahrgenommen, wenn es dabei einen Prominenten ereilt. Wie jetzt Michele Visconti, der seit fünfzehn Jahren einer der Stars der Szene gewesen ist. So, wie sein Landsmann Vincenco Nibali, der Tour-Sieger von 2014. Oder der slowakische Doppel-Weltmeister Peter Sagan. Oder wie der Spanier Alberto Contador.

 

Scarponi zählte seit 2003 zu den Ausnahmekönnern der Branche. Und damit auch zu jenen, die stets im Zentrum schlimmer Dopingskandale standen. Vom 13. Juli 2007 bis zum 3. August 2008 suspendierte ihn deshalb sein Team Aqua Sapone; Scarponi gehörte nämlich zu jenen Profis, die sich tief in die spanische Affäre „Operacion Puerto“ verstrickt hatten. Unter den Decknamen „Zapatero“ und „Il Presidente“ hatte er bei dem Madrider Gynäkologen Eufemiano Fuentes zahlreiche Depots mit Eigenblut deponiert. Zwar konnte er glaubhaft behaupten, dieses Blut sei zu keiner Zeit mit verbotenen Dopingmitteln angereichert worden, doch gleichfalls sagte er aus, sein ehemaliger spanischer Teamchef Saiz habe ihn zum Blutdoping geraten. Eine Aussage, die man ihm beim Internationalen Sportgerichsthof (CAS) in Lausanne zugute hielt und die zur Verhaftung von Manolo Saiz beitrug.

 

Doch Scarponi löste sich dennoch nicht aus der Doping-Szene. Vier Jahre später wurde er erneut erwischt. Diesmal wies man ihm Geschäfte mit dem italienischen Doping-Dealer Michele Ferrari, genannt „Dottore EPO“, nach. Was für das dritte Quartal 2012 eine erneute Dopingsperre nach sich zog. Womit Visconti sogar den kasachischen Olympiasieger Alexander Winokurow übertrumpft hatte, dessen Doping-Vergangenheit eigentlich nicht einzuholen schien.

Einer, wie Scarponi musste Winokurow damit enorm beeindruckt haben, und so kam es, wie es kommen musste: 2014 heuerte Scarponi bei Winokurows berüchtigten kasachischen Rennstall Astana an. Ein Team, dem der Weltverband (UCI) schon mehrmals wegen sich häufender Dopingfälle die Lizenz entziehen wollte. Unter der Führung seines italienischen Teamleiters Guiseppe Martinelli, des einstigen Vertrauten des 2004 unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommenen Tour-Siegers Marco Pantani, produzierten die Astana-Profis nämlich Dopingfälle fast im Akkord; so wurden einst innerhalb von drei Monaten gleich fünf Kasachen überführt. Scarponi aber geriet nie mehr in Verdacht.

 

Am Samstag ist Michele Scarponi mit 37 Jahren gestorben. Er hinterlässt seine Frau und zwei Söhne.

KBL 

374 - (2017-04-20) Klaus Blume

 

Der April - wenn Geschichten

zur Geschichte werden

Lüttich oder London - das ist hier die Frage

 

Ob‘s sinnvoller ist, am Sonntag die besten Rad-Profis beim Balancieren durch die verschneiten Ardennen zu beobachten oder in London die schnellsten Marathonläufern zu sehen, wie sie gegen harsche Atlantik-Winde ankämpfen. Ein verrückter Monat, dieser April. Nicht nur wegen der Nachtfröste und tagsüber plötzlicher Schneeböen. Vor allem, weil ausgerechnet in diesen scheußlichen Wochen die hohe Zeit der Ausdauer-Athleten zelebriert wird. 

 

Die großen klassischen Radrennen ebenso wie die schnellen Marathonläufe

 

Die Rad-Profis kämpfen sich dabei über einhundert Jahre alte Straßen, was wie Kulissen historischer Filme wirkt; die Marathonläufer bewegen sich hingegen auf allerfeinstem Asphalt. In Rotterdam hatte Ex-Stundenweltrekordler Jos Hermens obendrein vor vielen Jahren die Stadtväter rumgekriegt, manche Straßenecke im Sinne eines schnellen Marathons kurzerhand umzubauen. So wurden denn aus bremsenden Neunzig-Grad-Ecken Kurven, in denen so richtig zum Tempo ausgeholt werden kann.

 

Lüttich-Bastogne-Lüttich oder London Marathon?

 

Im Jahre 2000 hatte sich unsereins kurzerhand für LBL entschieden, wo sich die beiden italienischen Welt-Stars Paolo Bettini und Davide Rebellin bekriegten; mit der kenianischen Marathon-Läuferin Tegla Loroupe hatte ich für den selben Tag ein Telefonat, direkt nach dem London Marathon, verabredet: „Denk‘ dran, die BBC kann warten.“ Es wurde völlig irrsinnig. In einer zugigen kalten Halle am Stadtrand von Lüttich standen Paolo - der spätere Doppel-Weltmeister und damalige Sieger - sowie Davide, der Drittplatzierte, um mich herum, und redeten ohne Punkt und Komma in ihrem merkwürdigen italienischen Französisch auf mich ein. Das aus dieser „Renn-Analyse“ doch noch ein druckbarer Kommentar geworden ist, erscheint mir noch heute wie ein Wunder.

 

Denn mitten in Paolos blumenreiche Verklärung des letzten Rennkilometers, augenrollend und gestenreich vorgetragen, platzte Teglas Anruf aus London: Kleinlaut, enttäuscht, am Boden zerstört! Da wollte jemand - auf der Stelle, versteht sich ! - aufgerichtet werden. Warum, die Agenturen hatten doch einen glorreichen Sieg vermeldet? Also gratulierte ich pflichtschuldigst, doch nicht überschwänglich. Und hörte ihre Analyse: Auf den letzten drei Kilometern hätte sie ein starker Seitenwind fast von der Straße geweht, versicherte aber im selben Atemzug, bis dahin sei sie klar auf Rekordkurs gewesen. Die 2:21.26 Stunden der Norwegerin Ingrid Kristiansen aus dem Jahre 1985 hätte sie mühelos pulverisiert - doch geschafft habe sie die 42, 195 Kilometer „nur“ in 2:24:33 Stunden. Dann folgte eine ganze Suada kenianischer Schimpfwörter . . .

Ich habe sie dann in der zurückhaltenden Neuen Zürcher Zeitung, gerade deshalb, besonders gefeiert. Sie hatte mir doch schon soviel beigebracht; nicht nur übers Laufen oder wie man „kenianischen Tee“ kocht: mit Milch, statt mit Wasser. „Denn du weißt ja nie, was im Wasser drin ist.“ Jedenfalls nicht in Kenia. Denn um die Wasserqualität daheim hat sie sich bis heute gekümmert. Und damit um die Gesundheit, vor allem um die der Kinder. Vor einigen Jahren hat sie, eigentlich zwischen Kenia und Uganda, ihre „Peace and Leadership School“ errichtet.

 

Ein Lebenstraum!

 

Es geht der heute 44-Jährigen dabei nicht nur um Bildung, sondern vor allem um Schutz vor Missbrauch, Zwangsheirat und  Genitalverstümmelung. 

 

In Detmold, von wo aus sie einst jahrein, jahraus zu ihren großen Rennen aufbrach, sammeln sie inzwischen für dieses wegweisende Unternehmen. Denn ihr selbst wurden vom deutschen Fiskus an die 300 000 Euro gepfändet. Begründung: Ihr Lebensmittelpunkt sei zu ihrer Glanzzeit nicht Kenia, sondern in Detmold gewesen. Also müsse sie dafür Steuern zahlen. Für den London Marathon, den New York Marathon und, und, und . . .

 

Davide Rebellin wiederum, der als Einziger im Jahre 2004, in nur einer Woche die drei Ardennen-Klassiker Amstel Gold Race, Fleche Wallonne und Lüttich-Bastogne-Lüttich gewann, sammelte damals bereits jahrelang für ein Kinderhilfsprojekt in Bolivien, weil ihm das der Pfarrer seiner Heimatgemeinde ans Herz gelegt hatte. Er tut das noch heute, weil diese Kinder, mit einem genetischen Defekt geboren, ohne Hilfe sterben müssten. Hilfe, die jedoch jahrelang gefährdet war. Denn Rebellin sollte für die Zeit von 2002 bis 2008 insgesamt 6,8 Millionen Euro an Steuern nachzahlen. Weil er als Rad-Profi, des Wetters und der Straßen-Profile wegen, mitunter wochenlang in der Toskana trainiert, mochte der römische Fiskus seinen Hauptwohnsitz in Monte Carlo nicht als solchen anerkennen, sondern irgendwelche Dörfer an seiner Trainingsstrecke. Doch am 1. Mai 2015 wurde er vom Verdacht der Steuerhinterziehung freigesprochen. 

 

Er habe ja ohnehin noch genug zu büßen, sagt Rebellin dazu - und meint damit den Verlust der olympischen Silbermedaille von 2008 in Peking. Die hatte er nämlich mit Hilfe des Blutdopingmittels EPO gewonnen.

 

April - das ist auch der Monat, in dem Geschichten zur Geschichte werden können

 

Wie am Ostermontag, beim 121. Boston Marathon. Den gewann die Kenianerin Edna Kiplagat in beachtlichen 2:21:52 Stunden - und auch dahinter verbirgt sich eine besondere Geschichte. Edna gehörte nämlich bis 2008 in Boulder (Colorado) der Trainingsgruppe Dieter Hogens und Uta Pippigs an, und Uta, die sich in Boston mit drei Siegen hintereinander ein eigenes Denkmal gesetzt hatte (1994, 1995, 1996), war vor elf (!) Jahren schneller als Kiplagat heute: Ihr gelang 1996 der dritte Sieg in 2:21:45 Stunden. Heute berät sie Dieter Hogen, dessen kenianischer Schützling Allan Kiprono am 9. April den Hannover Marathon in 2:09:52 Stunden gewann. Nun möchte der gebürtige Thüringer seinen kenianischen Schützling Kiprono im Herbst gern in Frankfurt präsentieren. Angestrebte Zeit: 2:06 Stunden. Na, wenn das kein seriöses Angebot ist . . .

 

Übrigens, Ostern 2017

 

Da verzockte ein Pole , der es als Ex-Weltmeister und geübter Klassiker-Jäger eigentlich besser kann, den sicheren Sieg im niederländischen Amstel Gold Race. Der große Michal Kwiatkowski sprintete fünfzig Meter zu früh zum Ziel, immer feste gegen den Wind - und gab fünf Meter vor dem Zielstrich auf, als der Belgier Philippe Gilbert an ihm vorbei brauste.

 

Da hatte es einst ein anderer Pole besser gemacht: Jean Stablinski. 1966 fuhren wir dieses Rennen zum ersten Mal und es schien überhaupt kein Ziel in Sicht, weil sich die Veranstalter vermessen hatten. Am Ende stand auf dem Tacho unseres Begleitautos eine Distanz von sage und schreibe 302 Kilometern! Eigentlich sollte das Rennen gut siebzig Kilometer kürzer sein. Doch Stablinski, dieser Fuchs, hatte sich nicht irre machen lassen.

 

Erst Jahre später haben wir darüber gesprochen. Am Vorabend der Pavé-Classique Paris-Roubaix, in einem kleinen Traditionshotel. Draußen heulte und tobte der Sturm um das verwinkelte Haus, rüttelte an Türmchen, Zinnen und Fensterläden. Und der Regen klatschte wie Sturmfluten an die alten Mauern. Damals erzählte ich ihm, wie ich 1953 in der damaligen DDR - auf der „Friedensfahrt“, dem anspruchsvollsten Amateur-Etappenrennen der Welt - wegen eines Autogramms hinter ihm her war. Übrigens vergeblich. „Stab“, 2007 verstorben, lächelte gerührt.

 

Er war 1953 unter seinem polnischen Namen Jan Stablewski für das Team „der in Frankreich lebenden Polen“ angetreten, hatte zwei Etappen der „Friedensfahrt“ gewonnen, drei Tage lang das Gelbe Trikot getragen und am Ende Platz drei im Gesamtklassement belegt.

 

Der April, und die Geschichten, aus denen Geschichte werden kann

 

Beim London Marathon am Sonntag, dem prestigereichsten Rennen des Frühjahrs, wird Vorjahrssiegerin Jemina Sumgong aus Kenia fehlen. Die Olympiasiegerin von Rio de Janeiro wurde am 7. April des EPO-Dopings überführt. Das hatte man innerhalb eines speziellen Testprogramms für Straßenläufer festgestellt. Schon 2012 war die Dame als Zweite des Boston Marathon unangenehm aufgefallen, weil sie eine gehörige Kortison-Dosis benutzt hatte. Doch ihr umtriebiger italienischer Manager Federico Rosa konnte dafür das Attest eines bei ihm angestellten Arztes herbeizaubern - und alles war in Ordnung.

 

Ebenfalls am Sonntag schickt sich der 37-jährige Spanier Alejandro Valverde an, den Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich zum vierten Male zu gewinnen. Die Veranstalter, die schließlich auch die Tour de France inszenieren, hoffen auf einen anderen Sieger. Denn Valverde, von 2010 bis 2012 gesperrt, stand jahrelang im Mittelpunkt der „Operacione Puerto“, des größten Doping-Skandals Spaniens. Eines nie beendeten Skandals! Und was sagt Valverde zu alledem? Er verbitte sich, dieses Thema auch nur im Ansatz zu erwähnen.

 

Der April, ein Monat, in dem Geschichten zu Geschichte werden können.

KBL

Do              20.07.2017 

Nr.           2.461 - 1.158

Aktualisierung        19:15

Übrigens,

 

… in Berlin werden immer noch dringend Wahlhelfer gesucht - ein Interessent wollte sich deshalb melden, aber … Sie glauben nicht, was dann geschah (doch Sie ahnen es sicherlich): Online ließ sich die „Bereitschaftserklärung" auf dem beschriebenen Weg an die angegebene Stelle nicht senden, also schickte unser freundlicher Helfer das Papier per Mail an die allgemeine Adresse des Bezirksamts - das war vor zehn Tagen, bis heute keine Antwort. Nächster Versuch: Persönliche Anmeldung im Rathaus Weißensee - doch dort hieß es: Nicht bei uns! Fahren Sie zum Rathaus Pankow … Das Resümee: „Im Bürgeramt Weißensee kann man kein Formular raussuchen und das ausgefüllte Ding dann nach Pankow senden? Statt dessen soll ich noch Fahrgeld bezahlen, um nach Pankow zu kommen? Also lassen wir das.“ TSCP

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 19.07.2017

17    19   21   27    36   41    SZ: 1

Spiel 77:  0177 997 

 

Super 6: 422 100  

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

1974 (2017-07-20) 

Bernd Jürgen Morchutt

 

Metalldiebe im Bergener Gotteshaus

In Sankt Marien hat

die Stunde 61 Minuten

Die westliche Außenwand

mit dem Grabstein einens

wendischen Priesters

BREAKING NEWS

Stand: 20.07.2017 - 19.25 Uhr

 

International

 

US-Präsident Donald Trump hat laut einem Medienbericht die verdeckten Waffenlieferungen der CIA an syrische Rebellen, die gegen die Regierung von Bashar al-Assad kämpfen, stoppen lassen. Die Entscheidung habe Trump vor knapp einem Monat nach einem Treffen mit CIA-Direktor Mike Pompeo und seinem Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster getroffen.

 

Nach dem Hickhack um die Gesundheitsreform und die Russland-Affäre seines Sohnes bringt ein Zeitungsinterview US-Präsident Donald Trump abermals in Erklärungsnot. Eben wegen der Kontakte seines Teams nach Moskau hat sich Trump nun offenbar nachhaltig mit seinem Justizminister Jeff Sessions entzweit. Er hätte Sessions nicht ernannt, wenn er gewusst hätte, dass dieser sich in der Causa für befangen erklären würde, sagte Trump in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der "New York Times".

 

In Russland ist der Entzug der Staatsbürgerschaft bei einer Verurteilung wegen terroristischer Straftaten nun möglich. Die Abgeordneten des Unterhauses verabschiedeten am Mittwoch in Moskau in dritter Lesung das Gesetz, das ausschließlich eingebürgerte Russen betrifft.

 

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu befand sich im Gespräch mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Sein Mikrofon soll bei dem privaten Treffen zeitweise noch eingeschaltet gewesen sein, so dass ihn Journalisten außerhalb des Zimmers hätten hören können. "Europa gefährdet seine eigene Entwicklung, in dem es seine Beziehung zu Israel in Gefahr bringt wegen dieses verrückten Versuchs, Bedingungen zu schaffen" für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern, sagte er laut "Ynet" weiter. "Europa muss sich entscheiden, ob es leben und gedeihen will oder ausdörren und verschwinden."

 

In Griechenland haben sich in den vergangenen Wochen gewalttätige Angriffe auf Migranten gehäuft. Die Attacken werden meist nachts von Schlägertrupps durchgeführt, die mit Messern und Schlagstöcken bewaffnet sind.

 

Beim Errichten von Wohnraum haut Österreich im internationalen Vergleich kräftig auf den Putz: Mit 7,6 Bauvorhaben pro 1.000 Einwohner wurde 2016 der höchste Wert von 19 untersuchten Ländern erreicht, wie aus dem aktuellen Deloitte Property Index hervorgeht. Dahinter folgten Israel mit 6,1 und Frankreich mit 5,7 geplanten Wohnungen. Das Schlusslicht bildete Portugal mit 1,1 Wohnbauvorhaben. 

 

Deutschland/Berlin

 

Im Streit zwischen der Türkei und Deutschland über die Inhaftierung deutscher Staatsbürger wird der Ton immer schärfer. Das türkische Außenministerium erklärte am Donnerstag, die deutschen Äußerungen zur Festnahme von Menschenrechtsaktivisten seien nicht akzeptabel. "Das war eine direkte Einmischung in Angelegenheiten der türkischen Justiz."

 

Ein Unwetter über dem Ruhrgebiet hat zum Tod einer 51 Jahre alten Frau in Dortmund geführt. Die Frau sei an den lebensgefährlichen Verletzungen gestorben, die ihr am Mittwochabend ein umstürzender Baum zugefügt habe, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. 

 

Sport

 

Fussball

 

Teammanager Antonio Conte hat seinen Vertrag beim englischen Fußball-Meister FC Chelsea vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2021 verlängert. Das gaben die Londoner am Dienstagabend bekannt. Der ursprüngliche Vertrag des 47-Jährigen wäre bis 2019 gelaufen.

 

Spaniens Fußball-Teamstürmer Alvaro Morata wechselt von Champions-League-Sieger Real Madrid nach London zum englischen Meister Chelsea. Dies bestätigten beide Clubs am Mittwochabend. Die Ablösesumme für den 24-Jährigen soll laut spanischen Medienberichten 80 Millionen Euro betragen. Damit würde Morata zum Rekord-Verkauf der Madrilenen und zum teuersten Chelsea-Transfer. 

 

Radsport

 

Tour de France

 

Chris Froome strampelt bei der Tour de France seinem vierten Gesamtsieg entgegen. Der Brite hielt mit seinem Sky-Team am Donnerstag auch auf der letzten Bergetappe den Angriffen der Konkurrenz stand. Auf der 18. Etappe mit dem Schlussanstieg auf den Col d'Izoard belegte Froome Rang vier zeitgleich hinter seinem schärfsten Rivalen Romain Bardet.

 

18. Etappe, Briancon – Izoard (179,5 km):

 

1. Warren Barguil (FRA) Sunweb 4:40:33 Stunden 2. Darwin Atapuma (COL) UAE +20 Sek. 3. Romain Bardet (FRA) AG2R 4. Chris Froome (GBR) Sky 5. Rigoberto Uran (COL) Cannondale 22 6. Mikel Landa (ESP) Sky 32 7. Louis Meintjes (RSA) UAE 37 8. Daniel Martin (IRL) Quick-Step 39 9. Simon Yates (GBR) Orica 59 10. Alberto Contador (ESP) Trek 1:09 Min.

 

Gesamtwertung:

 

1. Froome 78:08:19 2. Bardet +23 Sek. 3. Uran 29 4. Landa 1:36 5. Aru 1:55 6. Martin 2:56 7. Yates 4:46 8. Meintjes 6:52 9. Barguil 8:22 10. Contador 8:34

 

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