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BERND JÜRGEN MORCHUTT

ZUR PERSON:

2012-01-31 (60 Bernd Morchutt).doc
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 BERND  &  MORE

235 (2017-05-11)

Rechtspopulistisch

und antistaatlich –

was ist das?

Die Zeiten ändern sich,

aber nicht die Gefahren

 

Gestern vor 84 Jahren verbrannten unter anderem auf dem Berliner Opernplatz Bücher von Karl Marx, Heinrich Heine, Sigmund Freud, Thomas Mann, Heinrich Mann, Erich Maria Remarque, Berthold Brecht, Erich Kästner, Kurt Tucholsky oder von Karl von Ossietzky. Die Werke von Philosophen, Wissenschaftlern, Lyrikern, Romanautoren oder politischen Schriftstellern wurden den Flammen übergeben.

Bei der "Säuberung" öffentlicher Bibliotheken beschlagnahmten die Nazis allein in Berlin bis Ende Mai 1933 rund 10.000 Zentner Literatur. Ein Jahr später gab es "Schwarze Listen" mit mehr als 3.000 Titeln verbotener Bücher und Schriften.

Keine zwanzig Jahre später

 

In der DDR kontrollierte die Parteiaufsicht vor allem Schriftsteller und Musiker, ob ihre Bücher und Texte dem Idealbild des Sozialismus entsprachen. Das förderte einerseits die Kreativität der Künstler, ihre Botschaften und Aussagen über der durchschnittlichen Intelligenz der Parteizensoren anzusiedeln. Andererseits brachte es vielen von ihnen ein One-Way-Ticket in den Westen ein. Einer der namhaftesten Künstler war seinerzeit der Rockmusiker Klaus Jentzsch/Renft. Der gebürtige Thüringer und spätere Leipziger „avancierte“ aufgrund seiner musikalischen Besessenheit zum Staatsfeind in der DDR. 1975 wurde die Kultband „Renft“ verboten. Die Autobiografie von Klaus Renft enthält die betreffenden Stasi-Dokumente (u.a. siehe unten):

 

Klaus, der Chef und Namensgeber, reiste ein paar Monate später nach Westberlin aus, allerdings ohne Rückfahrschein. Dreizehn Jahre lebte der Musiker im fremden Teil Deutschlands. Doch angekommen ist er dort nie. Zumindest hatte er genügend Zeit, sich über den dehn- und manipulierbaren Begriff der Freiheit Gedanken zu machen. In seiner Autobiografie sagt er: Manchmal wünscht man sich, daß die Geschichte zu einem Spiel bereit ist, zu einem Rollentausch. Uns würden wahrscheinlich die Augen übergehen, wie ähnlich die Leute überall sind, egal, in welchem System die leben. Wie das Freiheitsbedürfnis im Osten durch den Staat als Mittel benutzt wurde, um junge Leute bei der Stange zu halten, so wird es hier im Westen benutzt, um einen Markt am Leben zu halten. In beiden Fällen ist die Grundidee verfälscht, und aus behaupteter Freiheit wird der Knüppel, der dich in jedem Fall trifft. Freiheit heißt überall und zu allen Zeiten: Wenn du meiner Meinung bist – dann kannst du alles sagen.“

 

Die Geschichte ist gnadenlos

 

Ereignisse wiederholen sich. Nur die handelnden und die behandelten Personen ändern sich. Das für die Öffentlichkeit Sichtbare mag verschieden aussehen, doch für die betroffenen Künstler führt der „virtuelle Dolchstoß“ immer zu schweren inneren Verletzungen.

 

Es geht in diesem Zusammenhang um ein Lied der Söhne Mannheims mit ihrem Frontmann Xavier Naidoo. Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) hatte die Gruppe zu einem Gespräch eingeladen. Das Treffen im Technischen Rathaus dauerte drei Stunden. Es gab einem "intensiven Austausch" im sogenannten Collini-Center am Neckar-Ufer.

Kurz hatte die Rockband um Sänger Xavier Naidoo mit Nachdruck aufgefordert, "antistaatliche Aussagen" in ihren Texten „aufzuklären“. Naidoo ist Mit-Autor des in Politikerkreisen für Schnappatmung sorgenden Lieds "Marionetten", in dem es über Politiker unter anderem heißt: "Teile eures Volks nennen euch schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter." Hier der komplette Liedtext:

Songtext zu „Marionetten“ von Söhne Mannheims featuring Cr7z


[Refrain: Xavier Naidoo]

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?

Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter

Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein

Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?

Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter

Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein

Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter


[Strophe 1: Xavier Naidoo]

Und weil ihr die Tatsachen schon wieder verdreht

Werden wir einschreiten

Und weil ihr euch an Unschuldigen vergeht

Werden wir unsere Schutzschirme ausbreiten

Und weil ihr die Tatsachen schon wieder verdreht

Müssen wir einschreiten

Und weil ihr euch an Unschuldigen vergeht

Müssen wir unsere Schutzschilde ausbreiten


[Refrain: Xavier Naidoo]

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?

Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter

Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein

Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?

Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter

Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein

Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter


[Strophe 2: Xavier Naidoo]

Aufgereiht zum Scheitern wie Perlen an einer Perlenkette

Seid ihr nicht eine Matroschka weiter im Kampf um eure Ehrenrettung

Ihr seid blind für Nylon und Fäden an euren Gliedern und

Hat man euch im Bundestag, ihr zittert wie eure Gliedmaßen

Alles nur peinlich und sowas nennt sich dann Volksvertreter

Teile eures Volkes nennen euch schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter

Alles wird vergeben, wenn ihr einsichtig seid

Sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass ihr einsichtig seid

Mit dem Zweiten sieht man (besser)


[Strophe 3: Cr7z]

Wir steigen euch aufs Dach und verändern Radiowellen

Wenn ihr die Tür'n nicht aufmacht, öffnet sich plötzlich ein Warnhinweisfenster

Vom Stadium zum Zentrum einer Wahrheitsbewegung

Der Name des Zepters erstrahlt die Neonreklame im Regen

Zusamm'n mit den Söhnen werde ich Farbe bekennen

Eure Parlamente erinnern mich stark an Puppentheaterkästen

Ihr wandelt an den Fäden wie Marionetten

Bis sie euch mit scharfer Schere von der Nabelschnur Babylons trennen!


[Strophe 4: Xavier Naidoo]

Ihr seid so langsam und träge, es ist entsetzlich

Denkt, ihr wisst alles besser und besser geht's nicht, schätz' ich

Doch wir denken für euch mit und lieben euch als Menschen

Als Volks-in-die-Fresse-Treter stoßt ihr an eure Grenzen

Und etwas namens Pizzagate steht auch noch auf der Rechnung

Und bei näherer Betrachtung steigert sich doch das Entsetzen

Wenn ich so ein'n in die Finger krieg', dann reiß' ich ihn in Fetzen

Und da hilft auch kein Verstecken hinter Paragraphen und Gesetzen


[Refrain: Xavier Naidoo]

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?

Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter

Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein

Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?

Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter

Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein

Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter

Ist das Lied rechtspopulistisch?

 

Ich bedauere, dass mir dieser Text nicht eingefallen ist. Das ist eine künstlerische Darstellung aktueller politischer Erscheinungsformen unserer deutschen Gesellschaft. Der Song hat den Söhnen Mannheims weitreichende Missbilligung eingebracht. Kritiker geißeln das Lied als rechtspopulistisch. Die Leit-Medien stürzen sich auf die Musiker, zerfetzen öffentlich und schäbig deren Gedanken. Obwohl die Musiker und die Stadtverwaltung Mannheim seit Jahren eng zusammenarbeiten. Aktuell kooperieren beide Seiten etwa bei Kulturprojekten zur Erfindung des Fahrrads vor 200 Jahren. Weitere Initiativen sind die deutschlandweit bekannte Popakademie in Mannheim sowie die künftige Nutzung ehemaliger US-Militärareale in der Stadt.

 

Die Gruppe hat all die Anschuldigungen zurückgewiesen. Wie Xavier Naidoo mit seinem Facebook-Post mehr als deutlich macht:

„Guten Morgen,

nach dem Treffen mit dem Oberbürgermeister und den Söhnen Mannheims habe ich das Gefühl, noch einmal das Wort für die Kunst ergreifen zu müssen. Ebenso wenig wie man einen Menschen in einem Satz erklären kann, kann man dies bei der Kunst. Wenn ich es ausnahmsweise nunmehr trotzdem versuche, ist es für mich gar nicht einmal so schwierig, da mir das Texten erfreulicherweise leicht fällt.

Ein Produzent, meistens zugleich ein Freund, spielt mir z.B. eine Komposition vor, bei welcher mir bereits nach ein paar Sekunden der Melodie die ersten Textfragmente in den Sinn kommen. Das bedeutet, mein Unterbewusstsein hat ganz sicher Einfluss auf die Entstehung der Songs. Selbstverständlich können und werden sicherlich Erfahrungen und Beobachtungen aus meinem erlebten Alltag in der Gesellschaft meiner Freunde, in der Gesellschaft in welcher wir leben sowie natürlich in meiner Familie – insbesondere meiner geliebten Frau und meinem Sohn – in diesen Schaffensprozess einfließen. In diesen Momenten verschwende ich keinen einzigen bewussten Gedanken darauf, wohin mich die Reise wohl führen mag.

Einer der neuen Songs der Söhne Mannheims, der Song mit dem Titel „Marionetten“, hat zu hitzigen Diskussionen geführt. Einzelne Fragmente oder Satzteile wurden hier – teilweise aus dem Kontext gerissen – bewertet, gedeutet und heftig kritisiert. Damit kann ich gut leben – gerade als Musiker, für den Kunst- und Meinungsfreiheit eines der höchsten Güter überhaupt ist. Dennoch ist es schade, dass in der Diskussion über diesen Song teilweise Unterstellungen wiederholt werden, zu denen es meinerseits zahlreiche Klarstellungen und unmissverständliche Dementis gab.

Bei dem Lied "Marionetten" handelt es sich um eine zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen, also um die Beobachtung bestimmter Stimmungen, Auffassungen und Entwicklungen, dies im Rahmen einer künstlerischen Auseinandersetzung bewusst überzeichnet.

Das mag missverständlich gewesen sein, daher ist mir folgendes wichtig: Die Söhne Mannheims und ich stehen für eine offene, freiheitliche, liberale und demokratische Gesellschaft, in der viele Kulturen gemeinsam zusammenleben und in der es allen Menschen möglichst gut geht. Das ist mir wichtig und dafür lohnt es sich einzustehen. Wir erleben derzeit leider eine Phase, in der viele Menschen zumindest das Gefühl haben, dass es ihnen nicht mehr ganz so gut geht oder dass sie nicht mehr "mitgenommen" werden von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Das ist gefährlich und kann zu Extremismus führen. Und der ist nie gut.

Eine Demokratie und eine offene Gesellschaft leben davon, dass sie von der Mehrzahl der Menschen getragen wird, dass sie streitbar ist und auch, dass ihr Zustand kritisch hinterfragt werden darf. Gerade um sie zu erhalten und gerade um sie zu verbessern.

Dies gilt insbesondere in Zeiten, in der Globalisierung und internationale Abhängigkeiten es schwerer machen, jene unverzichtbaren Grundwerte einer Demokratie wie Freiheit, Frieden, Gleichheit und Solidarität so verständlich zu machen, wie wir es uns wünschen. Die Grundwerte, für die wir stehen, sind notwendige Grundlage für ein soziales und friedliches Miteinander ALLER Menschen, frei von Ressentiments und nationalem Gedankengut. Dabei ist auch Streitkultur wichtig – und es gibt abseits des Extremen ganz sicher kein monotones "Gut" oder "Böse" bzw. "Richtig" oder "Falsch". Wir müssen aufeinander hören und gegen Verdrossenheit angehen – wichtig ist aber tatsächlich, für welche Werte wir bei diesen Diskussionen stehen.

Die Söhne Mannheims und ich stehen (ohne das ernsthaft betonen zu müssen) seit vielen Jahren ganz klar gegen jede Art von Gewalt, gegen jede Art von Fremdenhass, gegen jede Art von Diskriminierung und gegen jede Form von Radikalismus oder Nationalismus. Genauso erheben wir seit Jahren unsere Stimme gegen alle menschenverachtenden, populistischen oder Hass säenden Personen und Bewegungen. Gerade meine Herkunft prägt mich als einen multikulturellen Menschen, mit meiner südafrikanisch-irischen Mutter und meinem indisch-deutschen Vater. Nachhaltig betroffen gemacht hat mich auch die Erfahrung, dass die Ehefrau meines geliebten jüdischen Patenonkels, die Schwester meines Vaters, meine dunkelhäutige Mutter aufgrund ihrer Hautfarbe abwertend behandelt und schlussendlich den Kontakt zu uns abgebrochen hat. Ich schätze mich glücklich und empfinde es als Bereicherung, dass ich viele Freunde jeglicher Nationalität und jeglichen Glaubens habe. Dass ich weder rassistisch noch rechtspopulistisch bin, bedarf für mich eigentlich keiner (erneuten) Erwähnung.

Ich widerspreche daher auch jeglicher Instrumentalisierung meiner Musik und Texte durch entsprechende politische Gruppierungen.

Ich gebe keinem meine Stimme, sondern erhebe meine eigene mit den Mitteln meiner Kunst. Und die ist oft hinterfragend, teils kindlich, im besten Fall zum eigenständigen Denken anregend, manchmal tiefsinnig, vielleicht auch für manche belanglos oder an ihrer Sache vorbei, gerne auch mal provozierend - aber im gleichen Atemzug stets voller Liebe und Überzeugung für die erwähnten Grundwerte.

One Love Euer Xavier“

 

Wo sind wir nur gelandet?

 

Deutschland wird immer dunkler. Ich fühle mich ausgebürgert. Doch, wohin kann ich gehen? Eine funktionierende und lebendige Demokratie sollte die objektive Auseinandersetzung mit der Kunst suchen. Kritische Künstler, die die Alarmglocken betätigen, müssen ermutigt werden, ihre eigenen Stilmittel im Interesse der Gesellschaft einzubringen. Ansonsten wird das fragile Gebilde, das wir Demokratie nennen, dem Bach runtergespült. Es geht um die Meinung der Andersdenkenden. Haben das die Politiker und ihre medialen Steigbügelhalter immer noch nicht begriffen? Doch. Deshalb geht ja die Angst um bei den „frei“ gewählten Volksvertretern, den tatsächlichen Populisten oder den Marionetten der Macht.

 

Ich danke Xavier Naidoo für seinen Mut zur Wahrheit und die Courage, den Pfad der heilen und heiligen Welt zu verlassen.

BJM

gettyimages; BJM; Scan Buchtitel

234 (2017-05-06)

Einmalig, unerreicht und nicht vergessen

 

 

 

Vor 70 Jahren erschien die erste Ausgabe der bisher einzigen Sporttageszeitung in Deutschland

Seit dem 5. Mai 1947 gab es zweimal wöchentlich die Zeitung »Deutsches Sportecho«. Später kam eine dritte Ausgabe pro Woche hinzu. 1963 erfolgte die Umwandlung zur Tageszeitung. Ab dieser Zeit war ich ein fast täglicher Leser. Aus heutiger Sicht unvorstellbar. Wir hatten zu Hause noch keinen Fernseher. Sportberichterstattung hieß für mich „Sportecho“ und „fuwo“. Damit bin ich aufgewachsen und erwachsen geworden. Nicht ahnend, dass ich 27 Jahre später als Verleger die Verantwortung für diese „Blätter“ übernehmen sollte. Eine Geschichte, die einen Lebenstraum und einen geheimen Berufswunsch in Erfüllung gehen ließ.

Jedes Jahr im Mai und Juni erinnere ich mich an meine Erlebnisse im und mit dem Sportverlag. In diesen Monaten jähren sich die Gründungstage des Deutschen Sportechos und des Sportverlages. Wobei es die Zeitung bereits einen Monat vor der Verlagsgründung gab. Das war vor 70 Jahren. Obwohl ich erst viereinhalb Jahre später das Licht der Welt erblickte, kommt es mir inzwischen so vor, als wäre ich damals dabei gewesen. So intensiv und unwiederbringlich waren die Jahre in der Neustädtischen Kirchstraße in Berlin.

Deshalb begehe ich den 70. Geburtstag der Tageszeitung, die in einer GmbH in Deutschland die ersten unsicheren Schritte nahm und sich in derselben Unternehmensform am 13. April 1991 vom deutschen Medienmarkt verabschiedete. Nicht, wie Wikipedia schreibt, am 3. April! Dazwischen lagen die erfolgreichsten Jahre in einem Parteiverlag und in einem Land, das auch heute nur noch in der Erinnerung existiert.

 

Zum virtuellen Jubiläum füge ich einen Artikel an, den ich vor fünf Jahren auf laptopwerk.de veröffentlicht habe. Mancher erinnert sich vielleicht, für andere wiederum ist es ein gemeinsamer Rückblick auf eine längst vergangene, aber nicht vergessene Zeit:

 

 

„Warum wurde vor 21 Jahren die bisher einzige überregionale deutsche Sporttageszeitung eingestellt?

 

Zeitungen kommen und gehen. Sie folgen einem gesellschaftlichen Trend,

der Idee eines kreativen Kopfes oder einer Laune des Zufalls. Ob ein Blatt kürzer oder länger lebt, ist oft keine Frage des Inhalts oder der Qualität,

sondern schlicht und einfach dem Zeitgeist und den unbewußten Sehnsüchten einer größeren oder kleineren Leserzielgruppe geschuldet. Es gibt keine guten oder schlechten Zeitungen – die einen verkaufen viele Exemplare und die anderen wenige. So einfach ist das in unserem Business. Der eine wird von den Experten belächelt und landet trotzdem den großen Wurf. Andere wiederum arbeiten Jahre an einem Projekt, Markttests laufen in alle Richtungen, eigentlich kann nichts mehr schief gehen, doch der Souverän Leser zeigt sich unbeeindruckt und ignoriert das Produkt nebst allen Werbebotschaften.

 

Oft passiert es auch, dass Herausgeber ein Printerzeugnis auf den Markt bringen, das nie seine wirtschaftliche Existenzberechtigung nachweisen kann. Dahinter stehen dann Imagegewinn, politisches Kalkül, Steuerersparnisse oder bildungsmissionarische Absichten. Die Kosten werden in diesem Fall über andere lukrativere Geschäfte gedeckt.

 

So gab es in der DDR keine überregionale Tageszeitung, die strengen wirtschaftlichen Maßstäben gerecht wurde. Trotz gewaltiger Verkaufsauflagen und Remissionswerten von nur einem oder zwei Prozent verhinderten die politisch begründeten niedrigen Copypreise (EVP) und die fehlenden Anzeigenerlöse das Geldverdienen. Darum ging es ja auch nicht. Im Gegenteil, das Wort der Partei musste in jeden Winkel des Landes, in jeden Haushalt und in jeden Kopf transportiert werden. Das war das Ziel – das Ergebnis sah natürlich anders aus!

Am 5. Mai 1947 erschien erstmalig das Deutsche Sportecho. Anfangs mehrmals die Woche und seit 1963 als Tageszeitung. Die Mission war klar: Jeder sollte sich an den Erfolgen der eigenen Sportler berauschen, mit dem Land ihrer Herkunft identifizieren und möglichst selber viel Sport treiben, damit er nicht auf falsche Gedanken kommt. Aus den mit internationalen Medaillen geschmückten Sportlern wurden Idole und Helden geschnitzt, denen es galt nachzueifern. Auch die Funktion als Chronist des Sports eignete sich perfekt, ein nahezu objektives Abbild der Realität zu schaffen.

Diese Aufgabe erfüllte das Sportecho jeden Tag vorbildlich – und zwar 200.000 Mal. Die Verkäufe hätten sich sicher auch verdoppeln lassen, aber dafür gab es kein Papier. So wichtig war der Sport nun wiederum auch nicht Deshalb schrieb die Zeitung Verluste – jeden Tag, jeden Monat und jedes Jahr. Zum Glück hatte der Sportverlag noch die Fußballwoche (fuwo), die unbeachtet von der Obrigkeit einen höheren Verkaufspreis erhielt und somit das zusätzliche Geld einbrachte, das das Deutsche Sportecho verlor. Da auch die Nachfrage nach Büchern in dem kleinen Leseland sehr groß war, spülte der Sportverlag alljährlich ein paar Millionen in das bedürftige Geldsäckel der SED.

 

Dann kam das verflixte Jahr 1990. Die Grenzen waren offen, die Leute reisten, konsumierten und lasen die Bild-Zeitung. Die allgegenwärtige Partei verschwand und das Ministerium für Kultur versank in der Bedeutungslosigkeit.

 

In dieser Zeit kam ich als Geschäftsführer zum Sportverlag – halb geschoben, halb gezogen. Ich hätte mir nichts Besseres vorstellen können. Es erfüllten sich all meine geheimsten Karrierewünsche. Doch wie weiter? Das Umfeld brach weg. Die Lagerbestände an Büchern wuchsen ins Unermeßliche, die Chefredakteure der Zeitschriften suchten das Weite, um richtiges Geld zu verdienen und das Deutsche Sportecho verlor täglich an Auflage. Dagegen sonnte sich der Zeitungsvertrieb der Post in seiner eigenen Unfähigkeit.

 

Ständig klingelte das Telefon. Verleger und Geschäftsleute unterschiedlichster Couleur fielen über mich her, wollten Schach- oder Angeltitel kaufen, bei Motorsport oder in der Buchproduktion kooperieren. Alles keine seriösen Angebote, eher eine Großwildjagd. Auch aus den Redaktionen Bild und SportBild wurde Interesse signalisiert.

Dann klopfte der Axel Springer Verlag (ASV) ganz offiziell an. Ein paar hundert Meter Luftlinie waren schnell überwunden und wir saßen am selben Tisch. Plötzlich stand das Sportecho im Mittelpunkt. Na klar – Europas größter Zeitungsverlag hatte das Potenzial, nicht nur das Deutsche Sportecho aufzupeppen, sondern auch die übrigen Verlagsbereiche in sein Imperium einzugliedern. Danach ging alles sehr schnell. Die auffindbaren Gesetzes galt es zu interpretieren. Am 01. Juli 1990 startete das Deutsche Sportecho als Teil eines Joint Ventures (50 : 50) in eine bunte und wirtschaftlich gesicherte Zukunft. Springer investierte seine Firmenanteile in modernste Technik und völlig neue Zeitungstechnologien. Wir bauten das Team um, die Chefredaktion wurde neu sortiert – unser Projekt wirkte wie ein Magnet für alle Berliner Sportjournalisten.

 

Was blieb, war nur eine Formalie. Die Wettbewerbshüter des größeren Landesteiles mussten zustimmen. Aber kurze Zeit später stellte sich heraus: Auch wer zu früh kommt, den bestraft das Leben! Eine für mich völlig unbekannte Einrichtung war entstanden – die Treuhandanstalt. Alles, was ein gewisser Morchutt mit Springer ausgehandelt und unterzeichnet hatte, wurde für null und nichtig erklärt. Die damaligen Kommentare klingen mir in den Ohren, als wäre es gestern gewesen: „Der kann das nicht machen, der darf das nicht, das ist schließlich Volkseigentum, das gehört uns – der Treuhandanstalt.“

 

Das Deutsche Sportecho war nun wieder Teil des VEB Sportverlag, der per Gesetz in die Sportverlag GmbH i.A. (im Aufbau) umgewandelt wurde. Was sollte jetzt geschehen? Was sage ich den Mitarbeitern? Was wird aus den Investitionen von ASV? Auch die Geschäftsleitung der Bild-Gruppe, an die ich berichtete, wurde von den Geschehnissen überrascht. Aber schnell fanden wir in Hamburg einen gemeinsamen Nenner: „Wir machen weiter wie bisher und sagen nichts – nach außen bleibt alles beim Alten, es ist ja nur für eine kurze Zeit.“ Nach dem besagten Meeting nahm mich mein damaliger Chef Pacholski zur Seite und sagte: „Eines müssen sie bedenken, eine direkte materielle Unterstützung kann es künftig nicht mehr geben, da der Sportverlag weiterhin der Treuhandanstalt untersteht.“

 

Ein paar Wochen später feierte Deutschland die Einheit und bereitete sich auf das erste gemeinsame Weihnachtsfest vor. Ich nahm diese Ereignisse nur am Rande wahr, denn der Sportverlag stand vor der Pleite. Unsere über Jahrzehnte treuen Käufer und Leser dachten nicht mehr daran, ihre nach kurzer Zeit sehr liebgewonnene D-Mark für unsere Zeitung, Zeitschriften und Bücher auszugeben. Nicht, dass sie nicht mehr lasen, aber sie bevorzugten jetzt, was sie früher nur schwer oder gar nicht bekamen. Dem Sportecho halfen weder das bunte westliche Outfit noch die Anstrengungen der Redakteure, den Auflagenrückgang zu stoppen.

 

Im Dezember 1990 stand ich vor der nächsten existenziellen Entscheidung: Das Sportecho vom Markt nehmen und den gesamten Verlag in die Insolvenz schicken oder einen Millionen-Kredit bei der Treuhand beantragen. Auf unserem Konto war weder die Deckung für die Dezembergehälter noch für das per Tarifvertrag versprochene Weihnachtsgeld.

 

Ich entschied mich für den zweiten Weg und verbrachte die Wochen vor Weihnachten als Bittsteller auf den Fluren der Treuhandanstalt. Drei Tage vor dem Fest erhielt ich den Kredit bewilligt. Als Sicherheit hatte ich alles hinterlegt, was nur irgendwie einen Wert darstellte – sogar meinen Dienstwagen.

 

Die 230 Mitarbeiter des Sportverlages gingen frohen Mutes in die Feiertage. Das Gehalt kam früher als sonst, und den Weihnachtsbonus gab es oben drauf. Alle dachten, wie schön es doch ist, zum Axel Springer Verlag zu gehören…

Damit war auch das Deutsche Sportecho zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres gerettet.

 

Das Jahr 1991 begann, wie das vorherige endete. Wir waren wieder liquid, stemmten uns gegen die Unbilden des wegbrechenden Marktes und wurden weiterhin von den Kollegen ehemals befreundeter Medien beschimpft,

dass wir uns den Überschriftenhaien von SportBild unterwarfen und unsere journalistischen Tugenden an den Springer-Konzern verkauften.

 

Das Deutsche Sportecho kämpfte verbissen um die Lesergunst in den neuen Bundesländern. Die Redakteure träumten vom Eintritt in den gesamtdeutschen Markt. Der Chefredakteur versuchte, der Mannschaft eine gemeinsame Linie zu verpassen. Jeden Tag kamen Redakteure zu mir und wollten wissen, wann nun die nächsten Schritte von Springer folgen würden.

Niemand ahnte, dass ich bis dahin erfolglos versucht hatte, ein paar Herren aus Hamburg zu einem Besuch bei der Treuhandanstalt in Berlin zu bewegen.

 

Dort saß inzwischen ein Herr Dr. Greuner als Verlagsverkäufer, der mir gegenüber stets den gleichen Satz formulierte: „Wenn die etwas wollen, dann müssen die zu mir kommen!“

Aber die kamen nicht. Deshalb bemühte ich mich um einem Termin beim damaligen Vorstandsvorsitzenden Günter Wille. Kurze Zeit später rief die Sekretärin zurück und noch in derselben Woche fuhr ich nach Hamburg.

 

Eine Stunde sprachen wir über den Sportverlag und ich bat ihn, mal nachzufragen, wer sich momentan um die uns betreffenden Kaufabsichten seines Hauses kümmere. Am nächsten Tag erhielt ich vom Geschäftsführer der Bild-Gruppe einen Anruf, dessen Heftigkeit jedes Parteiausschlußverfahren der SED in den Schatten stellte. Für mich war klar, jetzt hast du mit deiner Eigenmächtigkeit deine Kompetenzen überschritten, die Hierarchien nicht beachtet und damit den ganzen Sportverlag in den Sand gesetzt.

 

Doch wider Erwarten reisten eine Woche später die zuständigen ASV-Controller zur Treuhandanstalt, um die Kaufverhandlungen zu beginnen.

 

Plötzlich wurde Fahrt aufgenommen. Wenig später unterbreitete Springer ein Kaufangebot und erzielte Einvernehmlichkeit mit der Treuhandanstalt.

Leider bezog sich diese Offerte nicht auf das Deutsche Sportecho.

 

Somit gab es keine dritte Rettungsmöglichkeit mehr und das Todesurteil

für die bisher einzige überregionale Sporttageszeitung in Deutschland

war gesprochen.

Die anfangs so ehrgeizigen Ziele konnten nicht verwirklicht werden, weil selbst der größte deutsche Zeitungsverlag vor der eigenen Courage und der Bild-Zeitung kapitulierte.

 

Mir wurde für dieses Spiel sogar eine Hauptrolle angetragen, die ich nicht ablehnen durfte. Ich sollte innerhalb einer Woche die letzte Ausgabe festlegen und die Medien über meinen Entschluss informieren.

Sowohl die Axel Springer Verlag AG als auch die Treuhandanstalt mussten in diesem Zusammenhang unerwähnt bleiben. Bei Wilfried Hark im Studio von „Sport aktuell“ begründete ich meine einsame Entscheidung.

Das war heute vor 21 Jahren – am 13. April 1991.”

 

BJM, 13. April 2012

233 (2017-05-04)

Lügenpresse war einmal - Heulpresse passt besser

Rasante Talfahrt

von Merkels Mainstream

 

Die Leser sorgen auch 2017 für einen brutalen Auflageneinbruch


Es ist tatsächlich zum Heulen. Da kämpfen die armen Journalisten mit all ihren Kräften darum, uns zu erklären, dass Merkel und Schulz die neuen Lichtgestalten des multikulturellen demokratischen Deutschlands sind, und keiner will es lesen. Mit geballter Power und spitzer Feder (Tastatur) stürzen sich die Regierungssprecher im Redaktionsgewand auf die Bösen unserer Tage, dieTrumps, Putins und Orbans, aber die Leser interessieren sich nicht für diese Hetztiraden. Hinzu kommt der rasant wachsende Anteil von Analphabeten in unserem Land. Zu den knappen acht Millionen deutschen Schreib- und Leseunwilligen kommen täglich Hunderte von zuwandernden Schriftverweigerern. Selbst die, die des Arabischen mächtig sind, können mit einer Bildzeitung nichts anfangen. Noch gibt es eine mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung in unserem Land. Aber diese wird von den Mainstreammedien täglich vor den Kopf gestoßen.

 

Da fällt mir ein Erlebnis ein, das ich vor ein paar Tagen hatte

 

Ein Leserdienst-Mitarbeiter des „Tagesspiegel“ rief mich an. Er fragte, ob ich als Bezieher der kostenfreien Online-Publikation „Tagesspiel Checkpoint“ nicht auch die Papierausgabe des Mutterorgans abonnieren möchte. Meine Antwort war knapp bemessen: „Mir fällt spontan nicht einmal ein Grund ein, warum ich das tun sollte.“ Am anderen Ende der Leitung herrschte Atemnot. Dann fragte ich zurück: „Gibt es in ihrer Redaktion einen Kollegen, der ehrlich seine Meinung schreibt oder schreiben darf?“ Wie kommt es, dass alle jounalistischen Mitarbeiter der ehemals großen deutschen Tageszeitungen die gleiche Meinung zu Trump, Putin oder Orban vertreten und darüber hinaus die Zuwanderungspolitik von Merkel & Co. bewundern sowie den damit verbundenen Terror und die wachsende Kriminalität als gottgewollt abtun? Keiner hinterfragt die aktuelle Politik oder recherchiert nach unabhängigen Fakten. Um das herauszufinden, reichen mir täglich 15 Minuten Tagesschau. Warum soll ich dann noch Zeitungen lesen?

Der Anrufer fand langsam seine Sprache wieder. Aber er beschränkte sich fortan auf drei Wörter: Hm, ach und ja! Nach einer reichlichen halben Stunde brach ich meine Vorlesung zur aktuellen Medienpolitik ab. Der Marketingmitarbeiter formulierte noch einen höflichen Schlusssatz, drückte die Mitschnitttaste und legte auf.


Keine gute Nachricht für die professionellen Auflagen-Pusher


Als Verleger im Ruhestand macht es mich traurig und wütend, dem Zerfall und Niedergang einer ganzen Branche zuschauen zu müssen. Alle Vierteljahre gibt es die IVW-Zahlen, dann steigen die Schmerzen sogar noch sprunghaft an. Aber die Unverbesserlichen gehen ihren einsamen Weg weiter. Sicher wird in den politischen Koalitionsstuben bereits über eine GEZ-Gebühr für regierungsnahe Printmedien nachgedacht! Was sich woanders bewährt hat...

Bis es soweit ist, betrachten wir - wie gehabt - den Abwärtstrend der gedruckten Blätter. Eines der Headquarters (falsch eingedeutscht: Headquarter) der deutschen Heulpresse befindet sich in der Berliner Axel-Springer-Straße:

„Bild“ und „Bild am Sonntag“ brechen im ersten Quartal 2017 erneut zweistellig ein. Das xte Mal nacheinander. Wieder liefen um die 200.000 Leser davon. Und auch der Rest-Mainstream säuft weiter ab. Zulegen konnte mal wieder die „Junge Freiheit“ – um 5,1 Prozent. Wahrscheinlich wär’s (wie letztes Jahr) das Doppelte gewesen. Aber das Blatt passt sich mehr und mehr dem Mainstream an.

 

Alle drei Monate zittern die Verlagsmanager

 

Aber die Werbewirtschaft frohlockt. Dann gibt die „Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern“ (IVW) den Anlass, Druck auf die Anzeigenpreise auszuüben und darüber nachzudenken, wo sich Anzeigen lohnen und zu welchem Preis überhaupt noch.

Denn „ehrliche“ Zahlen liefert einzig die „harte Auflage“. Sie erfasst die tatsächlichen Einzelverkäufe ohne Auflagenkosmetik wie Bordexemplare, Lesezirkel, Gratisexemplare und Rabattverkäufe. Mit Blick auf die aktuellen Zahlen für 2017 zitierte der Mediendienst HORIZONT dieser Tage einen Verlagsmanager:,,Der Auflagenverfall in einzelnen Titelsegmenten insbesondere beim Einzelverkauf ist offensichtlich. Die Verteidigungsprosa wird schwieriger.“

Ganz besonders

bei Axel Springer!

 

Die „harten“ Auflagenzahlen für 2017 (Meldeschluss: 18. April) dürften Verleger-Witwe Friede Springer noch weniger schmecken als bisher – da hilft keine Operation mehr, Herr Döpfner! Da hilft nur noch Amputation! „Bild“ (inkl. „BZ“ und „Fußballbild“!!) meldet 1,621 Mio. Das sind übers Jahr 2016 gerechnet 194 820 „hart“ verkaufte Zeitungen weniger (-10,7 %). Nimmt man die noch vorhandene, kümmerliche Restauflage der „BZ“ von etwa 70.000 raus, dazu die im Herbst bejubelten, sicher nicht mehr existenten 50.000 für die grüne Fußball-BILD, bleiben Mütterchen BILD noch gerade eben 1,5 Mio.

Zu meinen Springer-Zeiten (bis vor 20 Jahren) kämpfte man noch hin und wieder erfolgreich um die 4 Mio. als Verkaufsauflage.

Auch die „BamS“ stürzt um gnadenlose 10,9 Prozent, macht auf dem Küchentisch häßliche 104.734 Exemplare weniger! Bleiben noch 859.052 übrig. Selbst unter dem freudlosen Dauer-TV-Talker und Ex-Stoiber-Berater Michael H.Spreng waren es noch 1 Mio. mehr als jetzt.

Die „Welt“ verliert „nur“ knapp drei Prozent, sackt auf 92.271 Exemplare, genau: minus 2,8 % = 2.700 weniger. Glück gehabt! Die „Welt am Sonntag“ dagegen landet bei 233.377, büßt 26.315 Exemplare ein, sagenhafte minus 10,1 Prozent. 

 

 „Land unter“ aber auch beim Rest von Merkels Mainstream

Die „Frankfurter Allgemeine“ (204.013) verliert 14 057 = 6,4 %. Die „FaS“ verjagt 9.912, hat nur noch 211.373 = minus 4,5 Prozent. Auch die Alpen-Prawda sieht immer mehr Leser von hinten; die „Süddeutsche“ meldet noch 305.035 „harte“ Ausharrer, macht 10.189 ehrliche Exemplare weniger = 3,2% im Minus.

 

Bei den Magazinen schafft der „Stern“ nur noch 370.617 Hefte – minus 8,1 Prozent = 32.635 Käufer weniger … Henri Nannen hat es wahrscheinlich längst aufgegeben, sich im Grab zu drehen – ihm würde schwindelig werden.

Auch der „SPIEGEL“, einst unter Rudolf Augstein das Sturmgeschütz der Demokratie, rostet und rostet zum Rohrkrepierer – noch 582.622 (wieder 16 482 weg = minus 2,8%).

 

Bei „Bild“ rechnen sie längst die 15 Jahre dauernde, viel zu lange währende und zu spät beendete „Diekmann-Kurve“ auf ihr Ende hoch: „Wenn die galoppierende Auflagenschwindsucht anhält, macht hier in acht Jahren der Letzte das Licht aus“, sorgt sich ein Leitender Redakteur (der dann in Rente ist). Ein jüngerer Fotoreporter meint sarkastisch: „Wir rennen doch schon jetzt mit der Kerze durchs Haus.“

 

Es gibt auch Positives in der Journaille, allerdings relativ weit weg von Merkels Mainstream: Das „Handelsblatt“ hält sich (fast) stabil – 88.824 ehrliche Zeitungen, genau 518 oder gerade mal 0,6 % weniger. Davon träumt Axel Springer im Jenseits!

 

Die „HörZu“, einst das stolze Programm-Flaggschiff von ihm, das Döpfner 2013 an einen textverarbeitenden Betrieb namens Funke-Gruppe versilberte, ist dagegen weiter konsequent auf dem Weg zur „HörWeg“: Nur noch 931.170 Exemplare – fast 30.000 oder knapp drei Prozent weniger. Zur Erinnerung: 1979 hatte die „HörZu“ mal eine Auflage von 4,43 Millionen!

 

Fake-News-Spezialist Julian Reichelt, seit Anfang Februar der „Chefredakteur der Chefredakteure“, trinkt dagegen lieber Kampftee gegen den Syrienkrieg. „Bild“ als „ehrlichstes Medium Deutschlands“ steht immer auf der richtigen Seite – gegen den angeblichen „Gasmörder“ Putin, gegen die AfD und gegen seine Leser. Zu Beginn des Jahres hatte "Bild" mit Sigmar Gabriel den falschen SPD-Kanzlerkandidaten ausgerufen. Dann stellte sich ein Bericht von Anfang Februar über einen "Sex-Mob" in Frankfurt am Main als haltlose Behauptung heraus. 

 

Von nichts kommt nun mal nichts. Nur immer weniger…, das aber kontinuierlich. Gute Nacht, Mainstream! Die Auflagen lügen nicht, sie sind zum Heulen!

 

Unter Verwendung von Textpassagen und IVW-Zahlen aus anonymous.de/Harry Haller 

232 (2017-04-22)

Zu früh, zu kalt,

zu teuer und zu

wenig Angebot

Nur die Harten

gingen in den Garten

 

Die IGA in Marzahn gibt es jetzt gut eine Woche. Ostern sollte den ersten geballten Besucheransturm bringen. Der fiel allerdings gehörig ins Wasser. In den ersten Tagen der Internationalen Gartenausstellung bibberten sich 40.000 Besucher durch die Rabatten. Diese äußerst optimistische Zahl wird einer näheren Betrachtung kaum standhalten können. Die offiziellen Gäste der Eröffnungsfeier wurden sicher mitgezählt, obwohl die keinen Eintritt entrichteten. Laut Geschäftsleitung müssten sich die Gästezahlen dauerhaft in dieser Region bewegen, damit die IGA-Blütenträume am Ende nicht verwelken. Am besten verkaufte sich am nassen Oster-Wochenende übrigens der Regenschirm names „Mademoiselle Meilland“ mit dem gleichnamigen Rosen-Motiv. Überdachte Schauobjekte hatten die sonnigen Planer nicht vorgesehen.

Auch nach den Feiertagen blieb der Andrang der Gartenfreunde überschaubar

 

Ein paar Einzelpersonen „drängelten“ und „schubsten“ sich zwischen Hagel und Graupel über das weitläufige Gelände. Gestern morgen habe ich mir gegen 10 Uhr, also eine Stunde nach der IGA-Öffnung, den offiziellen IGA-Parkplatz zwischen Eiche und Hönow angeschaut. Ich sah mehr Shuttle-Busse als Besucher-PKW. Übrigens, eine grandiose Idee, ein paar Kilometer von der IGA entfernt, einen solch großen PKW-Abstellplatz einzurichten. Nur, keiner weiß davon. Die Berliner kümmert das ohnehin nicht, die parken eh überall, wo es nicht erlaubt ist. An der Einfahrt zum Parkplatz steht das Schild „7€“ - als Abschreckung und Aufforderung zur Umkehr!

 

Manch Offizieller sprach von einem Stotterstart in das größte Berliner Event des Jahres 2017. Leider brummt es auch danach nicht.

 

Der Bundespräsident kalauerte bei der Eröffnungsfeier: „Die Welt zu Gast bei Gärtnern!“ Ungewollt hat Frank-Walter Steinmeier damit das heimliche Motto der IGA verraten. Aber die Gartenakrobaten hätten doch wissen müssen, dass der Monat April für seine regelmäßigen Wetterkapriolen bekannt ist. Die Flora braucht noch einige Wochen“, sagte der Ehrenpräsident des Bundes deutscher Baumschulen, Fritz Moldenhauer, der seit 1951 keine einzige Bundesgartenschau verpasst hat.

Ihm kam die Eröffnung zu früh.

 

Religiöse Schriften konnten den Wettergott nicht umstimmen

 

Wer die unsägliche und schizophrene Idee hatte, während der Eröffnungsfeier aus Bibel und Koran vorzulesen, braucht sich über das Wegbleiben der Marzahner Atheisten nicht zu wundern. Die Bibel passt immerhin zum Lutherjahr. Dem tapferen Junker Jörg können die anderen kirchlichen „Würdenträger“ selbst heute nicht das Wasser reichen.

Aber der Koran gehört in den Mülleimer der Geschichte. Wenn sich manche Zeitgenossen freiwillig ins religiöse Mittelalter zurückbeamen möchten, dann mögen sie dies gefälligst zu Hause tun, nicht die Öffentlichkeit damit belästigen. Mit zartem Grün durchmischt, blüht der Islamismus in Deutschland auf!

Da freuen sich meine Marzahner Nachbarn, die oft nicht auf Rosen gebettet sind, dass sie von den IGA-Verantwortlichen sogar noch an der Nase um den Komposthaufen herum geführt wurden.

 

Pech gehabt, liebe Marzahner!

 

Wir hatten uns lange auf die Internationale Blütenpracht gefreut, um nun auch den vollen Preis blechen zu müssen. Warum dürfen zum Beispiel die Anwohner des Blumberger Damms oder anderer Anrainerstraßen in Marzahn oder Hellersdorf nicht für 5 € pro Tag auf das IGA-Terrain? Viele von uns würden dies mehrmals die Woche tun, aber nicht für 20 € Einmaleintritt. Da wird sehr viel Geld verschenkt und noch mehr Unmut in der Nachbarschaft erzeugt.

Möchte denn in Deutschland niemand lernen, dass es wichtig ist, die Menschen mitzunehmen, sie einzubeziehen sowie für Kunst, Kultur und Natur zu begeistern.

Nehmen wir Schloss Biesdorf, die Siemens-Villa. In den letzten Jahren aufwendig saniert und restauriert, als Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum deklariert, aber niemand interessiert sich dafür. Weltfremde Kuratoren dürfen sich mit unseren Steuergeldern austoben und ihre Kindheitsträume verwirklichen. 4900 zahlende Besucher „strömten“ seit September vergangenen Jahres in dieses spätklassizistische Kleinod. Lächerlich. Eine Bankrotterklärung für die geistigen Schöpfer der kulturellen Highlights in der Turmvilla an der B1 in Alt-Biesdorf. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung verlangt für 2017 bereits eine Besucherzahl von mindestens 33.000 zahlenden Gästen. Eine utopische Erwartung bei dem gegenwärtigen Konzept.

 

Dabei ist das Schloss Biesdorf mit seinem herrlichen Park Teil des IGA-Programms, eine auf gut Deutsch „Außenstelle der Internationalen Gartenschau“. Der vier Hektar große Park repräsentiert den ältesten und größten zusammenhängenden Baumbestand in Marzahn. Beeindruckend sind die um 1900 entstandenen Anlagen wie der Fontänenteich, der Eiskeller mit doppelter Freitreppe, der Teepavillon und ein Rasen-Tennisplatz, der heute als Lesegarten dient. Die italienische Turmvilla wurde vermutlich nach den Plänen des Königlichen Baurates Heino Schmieden und des Architekten Martin Gropius erbaut.

 

Wo ist eigentlich dieses reiche Land geblieben, von dem die Medien ständig berichten?

 

Der Osten Deutschlands ist arm – quasi osteuropäisch benachteiligt. 20 € Eintritt und 7 € Parking, um ein paar Frühjahrsblüher erwachen zu sehen. Oder eine Stadt aus luftiger Seilbahnhöhe zu bestaunen, die einen schon parterre ausreichend nervt.

Die IGA und ihr Umgang damit liefert viele Denkanstöße. Ich vermute aber, sie werden wieder ungehört verhallen.

 

All diese Probleme sind hausgemacht und politisch motiviert

 

Marzahn/Hellersdorf ist ein gelungenes Beispiel für eine „Grüne Wohnsiedlung“ an der Peripherie einer Millionenstadt. Mit den baulichen und gartenarchitektonischen Ergänzungen der IGA entwickelt sich der Stadtbezirk zu einem Vorbild für alle Regionen an der Berliner Landesgrenze und darüber hinaus.

Leider erfolgte der erste Spatenstich zu DDR-Zeiten. Dieses Manko wird Marzahn/Hellersdorf nie loswerden. Da hilft auch keine Internationale Gartenausstellung. Selbst junge Journalisten, die nie in unserem Bezirk waren, sprechen abfällig von Plattenbauten. Das ist der alltägliche Medienterror, der pausenlos auf uns und unsere Wohngegend herabprasselt.

Wie wird eigentlich in diesen Tagen im Zentrum Berlins gebaut? Natürlich alles Stein auf Stein, oder?! Erst denken und dann reden oder schreiben.

Ich jedenfalls werde das internationale Gartengeschehen im Osten der deutschen Hauptstadt nicht nur im kommenden halben Jahr wohlwollend begleiten.

BJM

231 (2017-04-13)

Na, denn man los!

Schweben, sehen und genießen in Marzahn

 

Heute öffnet die Internationale Gartenausstellung 2017 in Marzahn/Hellersdorf ihre Pforten. Seit rund einem Jahr verfolge ich das Baugeschehen bei mir vor der Haustür. Es ist schon etwas Besonderes, das Werden und Gedeihen eines solchen Großprojektes tagtäglich mit eigenen Augen beobachten zu können. Gestern habe ich noch eine Runde um das weitläufige Gelände gedreht und welch` Überraschung: Alles scheint pünktlich fertig geworden zu sein. Die Gondeln der südtiroler Seilbahn blinkten am trüben Frühjahrshimmel. Allein dieses IGA-Highlight macht einen Besuch lohnenswert. Mal schauen, wie zu Ostern der Besucheransturm ausfallen wird. Ich werde an einem ruhigeren Tag beginnen, meine beabsichtigten Folgen für unsere Rubrik „IM BILDE“

zu schießen.

 

Die Gärten der Welt, der wesentliche und traditionsreiche Bestandteil des IGA-Geländes, feiern in diesem Jahr am 9. Mai ihr 30-jähriges Bestehen. Sie wurden 1987 anläßlich der 750-Jahr-Feier Berlins der Öffentlichkeit übergeben. Auf 21 Hektar luden bisher die in drei Jahrzehnten aufwändig gestalteten neun Kleinode zur gärtnerischen Weltreise ein – ein zehnter Themenbereich - der Englische Garten – kommt heute offiziell hinzu.

Bereits vor der IGA war dieses besondere Gartenerlebnis ein Besuchermagnet. Mehr als 800.000 Gartenenthusiasten strömten jährlich nach Marzahn/Hellersdorf. Ab heute wird sich das Areal der Gärten der Welt dann auf über 43 ha mehr als verdoppeln und die Besucherinnen und Besucher aus aller Welt begrüßen. Mögen sie äußerst zahlreich erscheinen. Ich wünsche Berlin und Marzahn/Hellersdorf keinen solchen Flop wie es 2015 die BUGA (Bundesgartenschau) im benachbarten Havelland war. Die fünf beteiligten Standorte schrieben einen gemeinsamen Verlust von mehr als elf Millionen EUR.

Der Erfolg der IGA wird ganz entscheidend davon abhängen, ob die rund 260.000 Einwohner des Stadtbezirks die Eintrittspreise akzeptieren. Darüber hinaus kommt es darauf an, wie viele Mitbürger aus dem Westteil der Hauptstadt den Mut aufbringen, in den grünen, aber fernen Osten unserer Metropole zu reisen. Die Gäste aus dem In- und Ausland allein werden nicht ausreichen. Die Tageskarte kostet 20 EUR, für eine Dauerkarte muss der Gartenfreund 90 EUR berappen. Die Planung basiert auf zwei Millionen zahlenden Gästen. Bei der BUGA kauften wohl nicht mehr als 700.000 Besucher eine reguläre Eintrittskarte.

An Highlights wird es in den kommenden 186 Tagen jedenfalls nicht fehlen.

Das jährliche Kirschblütenfest steht schon zu Ostern an. Mit Berlins einziger Kabinenseilbahn - Betreiber und Investor ist die aus Südtirol stammende LEITNER AG - erleben die Fahrgäste ungewohnte Aussichten aus der Vogelperspektive.

Markant erhebt sich auf dem Kienberg über den Wipfeln der Bäume die neue Aussichtsplattform Wolkenhain. Sie ermöglicht beste Aussichten bis ins Zentrum der Hauptstadt und in die umgebende brandenburgische Landschaft. Eine Naturbobbahn ist auf dem Gipfel des Kienbergs neben der Seilbahnstation und dem Wolkenhain entstanden. Sie hat eine Länge von 500 Metern und erlaubt eine Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h.

Vom Wolkenhain über das moderne Besucherzentrum bis hin zur „Seeterrasse“, einer 20 Meter breiten und 60 Meter langen Plattform aus Lärchenholz am Ende des Wuhlestegs, reichen die Sehenswürdigkeiten.

Die IGA Berlin bietet also nicht nur grüne und blühende Attraktionen. Die IGA ist eine Gartenschau, aber auch eine internationale Bauausstellung.

Weitere IGA-Bauten belegen diese Aussage: Die Arena für bis zu 5.000 Gäste, das neue Besucherzentrum, der IGA-Campus mit dem Umweltbildungszentrum, die Tropenhalle, das Landschaftsfenster „Belvedere“und die "Promenade Aquatica". Vier neue Spielplätze laden zu einer ganz besonderen Reise in die Welt von Erich Kästners Kinderbuchhelden Konrad ein.

 

Wer mehr wissen möchte, sollte einfach hingehen und sich von der Vielfalt und Schönheit der angebotenen Schaustücke überzeugen.

Für die besonders geduldigen Anwohner bleibt auch noch die Zeit danach. Dann sind viele IGA-Highlights dauerhafte touristische Anziehungspunkte der künftigen „Gärten der Welt“ und des „Kienbergpark“.

BJM

230 (2017-04-01)

Mit Prinz Charles

in Bukarest

Der britische Thronfolger tanzte sich in die Herzen der Rumänen

Der Prince of Wales unternimmt zur Zeit eine neuntägige Europareise, die ihn auch zum Papst nach Rom und nach Österreich führen wird. Den Auftakt machte er in Rumänien. Prinz Charles hat ein Faible für die wilde Natur und die mittelalterliche Architektur in Siebenbürgen. Er betreibt dort eine Stiftung, die sich für Denkmalschutz einsetzt und darüber hinaus vier traditionelle bäuerliche Anwesen betreibt. Dazu gehören auch Gästehäuser, die für Touristen aus aller Welt offenstehen.

Für den britischen Thronfolger (68) ist es nach 1998 die zweite offizielle Visite in Rumänien. Anders als angekündigt war Charles' Frau Camilla in Bukarest nicht dabei, sie schließt sich in Italien der Reise an. Ob das Fernbleiben der Duchess of Cornwall mit fehlender Liebe zu dem Karpatenland interpretiert werden kann, geht aus der Meldung vom Buckingham Palace nicht hervor.

 

Auf dem Weg zum Präsidentensitz Cotroceni


Der Prinz begann den dreitägigen Rumänienbesuch am Mittwoch, dem 29. März, mit seiner Teilnahme an der Gedenkfeier zu Ehren der rumänischen Kriegsopfer.

Am Denkmal des „Unbekannten Soldaten“ im Bukarester Carol Park legte er einen Trauerkranz nieder, der speziell für diesen Zweck aus Großbritannien eingeflogen wurde. Der Kranz wurde von stilisierten Mohnblumen umschlossen, die als Symbol für die Helden gelten, die im Kampf für ihr Vaterland gefallen sind.

Danach traf der Prince of Wales mit Staatspräsident Klaus Iohannis zusammen. Das rumänische Staatsoberhaupt überreichte Prinz Charles das Großkreuz des rumänischen Verdienstordens. Mit der höchsten Auszeichnung des Landes bedanken sich die Rumänen für die Verdienste des britischen Thronfolgers bei der Werbung für das international immer noch wenig bekannte Land im Karpatenbogen. Leider gibt es nur wenige Einheimische, die ähnliche Verdienste vorweisen können.

Im nachfolgenden Vier-Augen-Gespräch wird Iohannis erfahren haben, dass sich britische Royals grundsätzlich nicht zur aktuellen Politik äußern, schon gar nicht zum Brexit.

 

Tanzreigen im Dorfmuseum


Am zweiten Besuchstag übte sich Charles vor der Dragomireşti Kirche im „Dimitrie Gusti Village Museum“ in Bukarest als Tänzer der traditionellen rumänischen „Hora“. In Rumänien hat die „Hora“ eine lange und wichtige Tradition. Die Anwesenden werden in einem großen geschlossenen Kreis vereint. Die Tänzerinnen und Tänzer halten sich an den Händen, machen diagonale Schritte, vorwärts und rückwärts, und drehen den Kreis vorzugsweise gegen den Uhrzeigersinn (nach rechts). Auch in anderen Balkanländern gibt es diese Art Tanz. Während der über 500-jährigen osmanischen Herrschaft hatte der dortige „HORO“ für die Bulgaren zum Beispiel eine eminente gemeinschaftsbildende und identitätsstiftende Funktion. Mit der Teilnahme am „HORO“ auf dem Dorfplatz gehörte man zur Gemeinschaft der christlichen Bulgaren, in Abgrenzung zu den muslimischen Türken. Sicher kannte Charles diese tiefere Bedeutung nicht, als die Gastgeber ihren berühmten Royal zum „Hora mare din Căluş“ einluden. Der Prinz ließ sich nicht zweimal bitten. Er nahm die Hand einer jungen Frau vom „Burnasul Ensemble“ und begab sich in den Kreis der Tänzer.

Der Căluş gehört übrigens seit 2008 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Er kommt ursprünglich aus der Region Olt im Süden Rumäniens und bezieht auch die Walachen in Bulgarien und Serbien ein. Übrigens, der Name Căluş stammt von dem hölzernen Teil am Zügel eines Pferdes.

 

Traditioneller Willkommensgruß

 

Zu Beginn seines Besuches im Dorfmuseum wurde der Gast aus dem Vereinigten Königreich wie üblich mit „Brot und Salz“ willkommen geheißen. Charles stellte fest, dass das Brot anders aussah, als das, welches er von anderen Gegenden des Landes kannte.

Während seines Rundganges sah der Prinz in der „Minderheiten-Allee“ ein Tatarenhaus. Passend zur Jahreszeit wurde er Zeuge, wie Eier in der Bucovina (Buchenland) bemalt werden oder auch Gegenstände aus Holz und Stein. Er sah, wie Teppiche hergestellt werden und bekam natürlich viele Geschenke: Akazienhonig, Früchte und Honigsamen. Jeder in Rumänien weiß inzwischen, was Charles mag. Viele wollten ihn sehen und treffen. Der Olympia-Kanute Ivan Patzaichin brachte ihm ein Paddel – sicher nicht zum Überqueren der Themse. Nachdem Prinz Charles Interesse gezeigt hatte, auch andere Gebiete Rumäniens kennenzulernen, bot sich ihm Ivan Patzaichin als Führer durchs Donau Delta an.  

 

Ein bärtiger Handwerker in einem Schafsledermantel schenkte ihm handgefertigte Bauernschuhe, wie sie seit Jahrhunderten hergestellt werden. Die Opanke (rumänisch opincă) ist eine Urform des Schuhs und vermutlich keltischen Ursprungs. Eventuell für den „nächsten Besuch“ bei der Queen geeignet.

Auch die Vertreter seiner „Prince of Wales Stiftung“ kamen vorbei.

Auf Folklore folgte die Politik des Alltags

 

Nach den bunten und vielfältigen Eindrücken im Dorfmuseum ging das Besuchsprogramm mit einem ernsteren Hintergrund weiter. Prinz Charles traf im Victoria-Palast den rumänischen Premier Sorin Grindeanu. Die beiden sprachen über den terroristischen Anschlang vom 22. März in London, bei dem zwei rumänische Touristen verletzt worden sind. Grindeanu kondolierte dem Prinzen. Dieser wiederum brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die junge rumänische Frau, die sich immer noch in einem Londoner Krankenhaus befindet, möglichst bald entlassen werden könne.

Bei Verwandten war der britische Thronfolger im Elisabeta-Palais, wo Prinzessin Margareta, die rumänische Thronfolgerin, zum Tee eingeladen hatte.

 

Im Anschluss an die „staatstragenden Begegnungen“ ging es in den Văcăreşti Naturpark – auch als Bukarest Delta bekannt. Dort wurden Seiner Königlichen Hoheit die Gemeinsamkeiten zwischen Donau Delta und Văcăreşti Delta erläutert.

 

Da solch ein Besuchstag auch einen Nachmittag hat, blieb noch genügend Zeit, in der Rumänischen Patriarchie, dem Oberhaupt der Rumänischen Orthodoxen Kirche, Patriarch Daniel, seine Aufwartung zu machen.

Herzensangelegenheit

Wenn ich nichts vergessen habe, gab es zum Abschluss noch eine Visite bei der „Fara Foundation“. Ein Besuch, der dem Prinzen von Wales sehr am Herzen lag. Seit 16 Jahren unterstützt Charles als Schirmherr diese Stiftung, die sich um die Linderung der furchtbaren Leiden verlassener rumänischer Heimkinder kümmert.

 

Ein kleiner Junge sprach den Prinzen an: „my name is Paul!“ Er wurde nervös als Charles ihn anstrahlte.

Der Prince of Wales gratulierte den Fara-Kindern: “Your English is much better than my Romanian, I’ve got a lot to learn.”

Ein äußerst gelungener Abschluss eines langen und erfolgreichen Besuchstages in der rumänischen Hauptstadt.

Camilla hat sehr viel verpasst!

Siehe auch "IM BILDE" vom 01. April 2017!

BJM

Images: Press Association; Agerpres; WPA/Bogdan Cristel; John Stillwell/PA Wire; Silviu Matei; Grigore Popescu

229 (2017-03-30)

 

Tiberiu Uşeriu: The Ice Man

Gangsterboss - Sportheld - Buchautor

 

Tiberiu Uşeriu (43) aus dem rumänischen Bistrița-Năsăud gewann zum zweiten Mal den härtesten, kältesten und stürmischsten Marathon unseres Planeten, den 6633 Ultra über 566 km in der Arktis!

 

„Tibi“ erreichte Tuktoyaktuk am 17. März 2017 um 1:25 Uhr kanadischer Ortszeit, rund sieben Stunden vor seinem wichtigsten Konkurrenten, dem Schotten Roddy Riddle. Er ist damit der erste Extremsportler überhaupt, der diesen Ultramarathon zweimal als Sieger beendete. Im Ziel am arktischen Meer herrschten beim Einlauf minus 36 Grad Celsius.

 

„Tibi“ gelang wie vor exakt zwölf Monaten ein Start-Ziel-Sieg. In diesem Jahr gingen am 10. März 24 Teilnehmer von vier Kontinenten in Eagle Plains an den Start. Achtzehn von ihnen - alles Männer - entschieden sich für die maximale Distanz von 350 Meilen. Nur sieben erreichten auch das Ziel.

Die übrigen Läuferinnen und Läufer bevorzugten die Strecke über 120 Meilen. Darunter waren diesmal sogar drei Frauen. Zwei schieden unterwegs aus. Die Dritte, Bronwyn Hull aus Australien, belegte Platz zwei auf der kürzeren Strecke, hinter dem einzigen verbliebenen männlichen Kältespezialisten.

Ausnahmslos alle Teilnehmer haben in dieser einen Woche ihren Körpern mehr abverlangt, als überhaupt menschenmöglich ist! Eher noch viel mehr.

 

Uneingeschränkte Hochachtung vor dieser wahnsinnigen Extrem- Leistung!

 

„Tibi“ lag wie im vergangenen Jahr bereits beim ersten Kontrollpunkt an der Spitze des Rennens. Die letzten Kilometer bestritt er auf eigens Risiko. Der Rennarzt wollte ihn aus dem Wettbewerb nehmen, da er Erfrierungen an den Zehen hatte. Aber der eiserne Eiskämpfer hielt unter großen Schmerzen bis zum Schluss durch. „Tibi“ war sogar rund 15 Stunden schneller als bei seinem Sieg 2016.

 

2017 startete „Tibi“ Uşeriu als einziger Rumäne. Noch vor zwölf Monaten belegten zwei Landsleute von ihm gemeinsam Platz drei beim 6633 Arctic Ultra Marathon.

 

Nur neun der 24 gemeldeten Starter schafften diesmal die 120 bzw. 350 Meilen. Der Rest des Läuferfeldes über beide Distanzen kapitulierte vor minus 40 Grad, starken Winden und Schneefall.

 

Aber ein Ziel verfehlte „Tibi“ auch in diesem Jahr

 

Er wollte den Streckenrekord aus dem Jahr 2007 brechen. Den hält nämlich die berühmte britische Athletin Mimi Anderson. Die heute

55-jährige „Großmutter“ aller Ultra Runner bewältigte die 566 arktischen Kilometer in 143 Stunden und 25 Minuten. Das ist nur eine ihrer zahlreichen Weltbestleistungen. Uşeriu benötigte vor ein paar Tagen genau fünfzehn Stunden mehr. Vielleicht gelingt ihm das Vorhaben bei seiner dritten Teilnahme im nächsten Jahr! Falls nicht, bei seinem Ehrgeiz wird er den „Artic Circle“ sicher solange durchlaufen, bis die Bestzeit ihm gehört.

 

Seine außergewöhnliche Lebensgeschichte lässt daran keinen Zweifel

 

Ein Hollywood-Drehbuch könnte sein Leben kaum spannender beschreiben. Aber er hat es selbst getan. „Tibi“ brachte in diesen Tagen seine Autobiografie in die rumänischen Buchläden.

Der Titel heisst: „27 de Pasi“ (27 Fuß).

200 Seiten reflektieren, wie eine Serie falscher Entscheidungen in seiner Jugend ihn in eine weiße Gefängniszelle beförderte, in der er die zehn besten Jahre seines Lebens ausharren musste und wie der Sport ihm half, den Weg zurück zu finden.

 

Sein Comeback begann auf einem 27 Fuß langen Gefängnishof, auf dem er sich jeden Tag ein paar Minuten bewegen durfte. „Die Menschen nehmen mich heute als Extremläufer wahr. Aber sie kennen nicht die Geschichte meines anderen Lebens. Ich war Hilfsbursche eines Schäfers im Bârgău-Gebirge in den rumänischen Ostkarpaten, Schweinehirt in der rumänischen Armee, Antragsteller für politisches Asyl in Berlin, Pizzabäcker in einem italienischen Restaurant, Bodygard eines serbischen Unterwelt-Bosses und in einer Spielhalle auf Gran Canaria sowie ein bewaffneter Juwelenräuber," wie Tiberiu Uşeriu im Vorwort seines Buches sich selbst beschreibt.

 

Ein international gesuchter Verbrecher

 

„Ich bin zweimal aus europäischen Gefängnissen ausgebrochen, aber nicht aus dem dritten. Gejagt von Interpol wurde ich Insasse eines Hochsicherheitsgefängnisses in Deutschland. Und das für über zehn Jahre, in denen ich meine Jugend verlor. Allein, eingeschlossen zwischen vier dicken weißen Mauern," fährt „Tibi“ fort.

In seiner Autobiografie beschreibt er, wie er und zwei Partner Juweliergeschäfte in Österreich ausraubten. Sie kopierten Methoden, die sie in amerikanischen Kinofilmen gesehen hatten – zum Beispiel in „Heat“ mit Al Pacino und Robert De Niro. „Wir nutzten gestohlene Autos und Waffen, waren bereit, diese auch einzusetzen. Ich war damals 22 Jahre alt. Bis dahin lebte ich in zwei Leben. Im zweiten war ich ein Räuber und die Richter bezeichneten mich als einen gefährlichen Bandenführer.“ 

 

Haft, Einsamkeit und Reue

 

Mit 25 Jahren wurde er schließlich zu 23 Jahren Gefängnis verurteilt – dreizehn in Deutschland und fast zehn in Österreich. In der Haft war er

nur die Nummer 2.800 und verbrachte zehn Jahre in einer kleinen Zelle. Während der Einsamkeit hinter undurchsichtigen Wänden träumte er das erste Mal vom Laufen.

Vor sieben Jahren wurde Tiberiu Uşeriu vorzeitig entlassen und begann, sein Leben in die richtige Spur zu lenken. Sein Bruder, Alin Uşeriu, half ihm bei der Rehabilitation. Dieser managte die „Tasuleasa Social Association“ in Piatra Fântânele im Kreis Bistrița-Năsăud (Transsilvanien), eine der größten NGO in Rumänien.

Inzwischen machen die Brüder den Job gemeinsam.

Tiberiu Uşeriu sagte, dass er seine Autobiografie geschrieben habe sowohl als negatives als auch positives Beispiel für die heutige Jugend, die zu ihm aufblickt. Damit sie nicht wie er in die falsche Richtung abgleitet.

Das Buch zeigt auch, wie sich jemand ändern kann, wenn er nur fest

davon überzeugt ist.

„Die Vergangenheit muss verstehen, dass sie nicht das letzte Wort im Leben eines Mannes haben kann. Sie ist nur ein Teil davon. Alles kann immer und zu jeder Zeit verändert und verbessert werden," fasste Tiberiu Uşeriu sein neues Lebensmotto zusammen. Er kann einfach nicht anders. In seinem Leben geht es immer ultra extrem zu!

Sein Buch ist zur Zeit nur in Rumänien erhältlich.

Siehe auch „IM BILDE“ vom 30. März 2017!

Images: 6633 ArcticUltra; Facebook

BJM

228 (2017-03-15)

Islam und Terrorismus bestimmen die Wahl in den Niederlanden

Rutte oder Wilders

 

Sie fürchten sich vor Terrorismus und sehen die zunehmende Einwanderung als Problem. Im November 2016 wollte die Europäische Kommission in einer repräsentativen Befragung wissen, welche die zwei wichtigsten Probleme seien, denen die Europäische Union (EU) zur Zeit gegenübersteht.

 

Das Ergebnis: Im Vergleich zum EU-Durchschnitt (45 Prozent) haben die Niederländer übermäßig große Angst vor Einwanderung. Obwohl das kleine Land gar nicht so stark von der Flüchtlingskrise betroffen ist, gaben 56 Prozent dieses Thema als ihre Hauptsorge an. An zweiter Stelle steht die Angst vor Terrorismus mit 33 Prozent. Der EU-Durchschnitt liegt hier bei 32 Prozent. 

 

Insgesamt 28 Parteien treten zur Parlamentswahl an, stellen die dreizehn Millionen Niederländer vor eine Entscheidung. In den üblichen Erhebungen kam keine der Parteien auf mehr als 20 Prozent. Die rechtsliberale VVD des amtierenden Ministerpräsidenten Mark Rutte lag zuletzt in den Umfragen knapp vor der Freiheitspartei von Geert Wilders, der im Wahlkampf ein Einreiseverbot für Muslime gefordert hatte. Wir haben in den letzten Monaten gelernt, dass alle Vorab-Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind.

Die Wahllokale schließen um Punkt 21 Uhr. Ausnahmen aus Europasicht gibt es nur in den Kommunen auf den karibischen Inseln Bonaire, Saba und Sint Eustatius. Der Zeitunterschied beträgt fünf Stunden.

Viele Deutsche blicken seit ein paar Tagen etwas neidvoll, wehmütig und sehnsüchtig auf unsere Nachbarn. Das erste europäische Land, das sich Erdoğans Rücksichtlosigkeit, Anmaßungen und provokanten Lügen entgegengestellt hat. Wollte Rutte kurz vor der Wahl noch einmal Stärke demonstrieren? Doch auch Wilders wird von den schrecklichen Bildern profitieren, die die Anhänger der türkischen Regierung produzierten.

 

Integration ist fern jeder Realität

 

Wieder einmal wurde das Märchen von der gelungenen Integration muslimischer Mitbürger ad absurdum geführt.

Es besteht ein tiefer Spalt zwischen den in Mitteleuropa lebenden Türken und ihren aktuellen Gastgeberländern. Man identifiziert sich wesentlich mehr mit der Türkei als z.B mit Deutschland, Österreich oder eben den Niederlanden. Es werden türkische Medien konsumiert. Seit Jahrzehnten bestehen innereuropäische Parallelwelten. Die Mehrheit der Moslems hatte nie die Absicht, sich als Gast in der Fremde anzupassen und die alten Lebensgewohnheiten abzulegen. Der europäische Sozialstaat und die islamischen Moscheen und Minarette stellen für sie eine willkommene Verbindung dar. Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit schallt längst in unzähligen Städten der Muezzinruf über mitteleuropäische Dächer. Bezeichnend ist vor allem, dass sich junge Türken der dritten Generation, die hier geboren wurden, bedingungslos dem islamischen Kulturkreis anschließen. Wie groß die „Heimatliebe“ der Türken ist, zeigt sich im Juli eines jeden Jahres. Dann reisen Türken aus ganz Europa zu Tausenden pro Tag in die Ferien nach Hause. Die kroatisch-serbische Grenze wird durch diese Invasion über viele Tage total blockiert, okupiert sowie extrem verdreckt und vermüllt. Ich habe das über viele Jahre mit eigenen Augen gesehen und miterleben müssen. Zum Glück war ich meist in der Gegenrichtung unterwegs.

 

Vielen Dank, Recep Tayyip Erdoğan

 

Wir sollten uns bei Herrn Erdoğan bedanken. Schließlich führt er uns vor Augen, was der Vormarsch des politischen Islam für Europas Zukunft bedeuten wird. Die zahnlosen Tiger der deutschen Regierung haben sich schon geschlagen gegeben und auf jeden Widerstand verzichtet.

Die Niederlande brauchen keine deutsche Solidarität. Es gibt Schlimmeres als Putin, Trump und Orban zusammen. Nur haben das in Deutschland bisher nur wenige begriffen. Die Europäer sollten sich aus der türkischen Geiselhaft befreien und ihre türkisch-muslimischen Mitbürger dazu auffordern, sich als Deutsche, Österreicher, Niederländer... oder Türken zu outen. Beides gibt es nicht.

Mal schauen, ob die Ergebnisse der Parlamentswahlen in den Niederlanden dazu ausreichen werden, den Mut für die längst überfälligen politischen Schritte zu forcieren.

BJM

227 (2017-02-27)

Das Leid der „armen Vroni“

Ein Superstar in Altersarmut –

Schuld ist die DDR

Auszug: Kurier, 26.02.2017

'In der DDR war sie ein Superstar. Doch jetzt droht Veronika Fischer („Auf der Wiese“) zum Sozialfall zu werden – müsste sie ab sofort mit dem Singen aufhören. Denn von nur 350 Euro Rente im Monat kann die 65-Jährige nicht leben. Und von ihren Hits auch nicht. Denn die DDR Plattenfirma Amiga speiste Fischer mit Almosen ab, obwohl sie Millionen von Platten verkaufte. Nun klagte der Star vor Gericht. Eine Rente unter Hartz-IVNiveau, Veronika Fischer muss die Altersarmut fürchten.

„Die Bedrohung liegt darin, dass ich zum Sozialfall werden könnte, wenn ich nicht mehr arbeiten kann“, sagte die Sängerin dem RBB. Nicht einmal krank werden dürfte sie...Doch vom Millionen-Umsatz bekam sie nichts. Mit nur 5000 DDR-Mark wurde sie für ihre erste LP „Veronika Fischer & Band“ (1975) „entlohnt“. Dafür würden heutige Stars nicht einmal ins Studio gehen. „Ich habe deshalb so wenig bekommen, weil ich nicht mit der DDR-Ideologie konform war“, sagt die Sängerin, die 1981 in den Westen ging. Wegen des in der DDR erfahrenen Unrechts stellte sie nun beim Landesamt für Gesundheit und Soziales Antrag auf Entschädigung. Die Behörde lehnte den Antrag ab. Fischer verklagte das Amt, zog jetzt vor das Berliner Verwaltungsgericht. Doch die Richterin schmetterte die Klage ab. Begründung: Das Unrecht sei nicht durch DDR-Behörden, sondern durch die Plattenfirma entstanden.'

 

Diese Meldung sollte uns zu Tränen rühren und rückwirkend unsere Wut auf die DDR wieder anheizen. In jüngeren Jahren war ich ein großer Fan der vor dreißig, vierzig Jahren äußerst beliebten Sängerin. Die nahm bereits 1973 – in ihrer für mich besten Zeit als Sängerin - eine LP auf, und zwar mit „Panta Rhei“, einer Band, aus der drei Musiker hervorgingen (Herbert Dreilich, Ed Swillms, Henning Protzmann), die 1975 die Rockband „Karat“ gründeten.

Diese Erinnerungen brachten mich dazu, das Thema aus meiner Sicht mal aufzugreifen. Zumal wir Landsleute sind. Kommen beide aus Thüringen. Sind ein Jahrgang. Vroni stammt aus Wölfis, ich aus Gotha.

Sie wuchs in einer musikalischen Familie auf. So war es nicht verwunderlich, dass Fischer 1968 begann, Gesang an der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ in Dresden zu studieren. Vroni beendete ihr Studium 1973 und hatte damit ein Staatsexamen in der Tasche, das sie als Solistin für Chanson und Musical auswies.

 

Mein Abschluss als Diplomökonom erfolgte ein Jahr später. Das Studium wurde für meine heutige Rente angerechnet. Meine davorliegende Lehre zum Industriekaufmann fand in der Bundesrepublik Deutschland allerdings keine Anerkennung, ebenso mein zweites Hochschulstudium zwischen 1985 und 1988.

 

Unsere Ausgangspositionen am Beginn unserer Karrieren waren sowohl DDR-typisch als auch vergleichbar. Als festangestellter Ökonom und ein paar Monate später als Redakteur begann ich 1974 meine Verlagstätigkeit. Das monatliche Anfangsgehalt betrug 735 DDR-Mark brutto. Als Musikerin mit vielen Auftritten und Plattenverträgen – wenn auch aus heutiger Sicht etwas bescheideneren – verdiente sie in den ersten Berufsjahren deutlich mehr als ich.

 

Veronika Fischer folgte 1981 ihrem damaligen Ehemann, dem Ungarn Laszlo Kleber und ihrem Komponisten Frank Bartzsch, die die DDR bereits vor ihr verlassen hatten. Sie reiste mit ihrem Sohn, der 1979 geboren worden war, nach West-Berlin aus. Ich blieb noch weitere zehn Jahre in der Heimat, weil die DDR erst 1990 ausreiste.

 

Frau Fischer ist somit seit 35 Jahren im Sozialversicherungssystem der Bundesrepuklik Deutschland verankert. Zehn Jahre länger als wir, ihre ehemaligen ostdeutschen Landsleute. Sicher hat sie in diesen rentenrelevanten Jahren versäumt, einen freiwilligen Beitrag in die Rentenversicherung zu zahlen. Das ist sicher auch Schuld der DDR. Die Stasi hätte sie vor der Ausreise gründlicher über ihre Rechte und Pflichten im damaligen Nachbarland informieren müssen.

 

Außerdem erhält jeder Bürger in Deutschland einen jährlichen Bescheid, der über die künftige Rentenhöhe informiert. Veronika Fischer wusste somit seit Jahrzehnten, welche Rente sie mal mit 65 Jahren bekommen wird. Jedenfalls sind bei mir regelmäßig solche Dokumente eingegangen.

Denn auf die Verwaltungsbürokratie in Deutschland ist Verlass, auch in

der Causa Fischer.

 

Jetzt kommt der Aufschrei, wenn alles zu spät ist. Dann gibt es eben statt 1.500 nur 350 EUR Altersbezüge vom Staat. Sorry, eigenes Versäumnis und Verschulden.

Auch das mit dem Krankwerden ist ein Schmarrn. Die Krankenversicherung in Deutschland ist Pflicht. Wer den monatlich fälligen Beitrag nicht allein aufbringen kann, wird vom Jobcenter oder Sozialamt unterstützt. In Deutschland muss im Normalfall keiner an einem Husten sterben.

 

Natürlich ist es für niemanden leicht, eigene Fehler einzugestehen. Vielen ihrer Kollegen - die nie Amiga-Verträge hatten - geht es da nicht besser.

 

Es passt halt ins politische Bild, der DDR den „Schwarzen Peter“ zuzuschieben. Bei den Kurierredakteuren jedenfalls fiel die weltfremde Geschichte auf fruchtbaren Boden.

Dass die Leser nicht so naiv sind, zeigt die kontinuierlich schwindende Auflage des Blattes.

BJM

226 (2017-02-11)

Wir sind Millionäre!

In die Zukunft blicken, in der Gegenwart leben und aus der Vergangenheit lernen

 

Wer möchte in seinem Leben nicht Millionär werden? Die erste Million habe ich mehr oder weniger „knapp“ verfehlt. Mit der zweiten wird es eher noch schwieriger. Aber Geld ist nicht alles.

 

Heute wurde dieses Ziel, die 1.000.000 trotzdem Realität. Eine Million. Kein Lottogewinn. Ein Beachtungserfolg. 

 

Gratulation, laptopwerk.de!

 

Der millionste Besucher klickte sich soeben auf unsere Plattform. Nach 77 Monaten, denn alles begann am 07. September 2010. Das ist ein Verdienst vor allem des Gründers unserer Website, Hilmar Bürger. Denn zu dieser Zeit bin ich noch meinen Mediengeschäften auf dem Balkan nachgegangen.

In den zurückliegenden sechseinhalb Jahren haben die Webmaster Bürger und Morchutt unsere Plattform an 2 311 Tagen aktualisiert. Am 13. April 2014 durfte ich unseren HB als Editor-in-Chief ablösen und seitdem 1 008 mal die Seite gestalten.

 

Woher kommt eigentlich das Wort Million?

 

Es handelt sich um eine italienische Vergrößerungsbildung (»Augmentativ«) auf -one mit der Ableitungsbasis mille 'tausend', also wörtlich ein 'Großtausend'. Ursprünglich bezeichnete es eher eine »gefühlte Million«, es konnte nämlich generell für eine sehr große Zahl verwendet werden. Das Wort wurde auch schnell in andere Sprachen entlehnt – so tritt es im Deutschen schon im 15. Jahrhundert auf, erhält aber erst im 17. Jahrhundert seine konkrete heutige Bedeutung '1.000.000'. Das zumindest habe ich gegoogelt!

Gemeinsam sind wir stark

 

Diese Million ist das Verdienst aller Laptopwerker und unserer Gäste. Jede Idee, jeder Hinweis, jeder Beitrag als Text oder Bild tragen zu den stabilen Besucherzahlen und Seitenaufrufen bei. Voraussetzung dafür sind eine hohe inhaltliche wie journalistische Qualität, Themen- und Genrevielfalt sowie offene und ehrliche Meinungsäußerungen, die sich wohltuend vom Berechen- und Vorhersehbaren anderer Medien unterscheiden. Jeder Autor steht zu seinem Wort. Bei uns gibt es keinen künstlichen Gleichklang. Starke Persönlichkeiten brauchen keine Vorgaben. Wir schreiben frei von der Leber weg, folgen keinen Stereotypen oder Vorbehalten und müssen keine wirtschaftlichen Interessen anderer berücksichtigen. Das macht uns frei von politischen Dogmen und parteienunabhängig.

 

Ich bedanke mich im Namen des gesamten Teams bei all unseren Mitstreitern, bei denjenigen, die sich fast täglich oder wöchentlich auf unserer Website äußern oder ihre Bilder platzieren. Aber auch bei den anderen, die sich gelegentlich zu Wort melden.

Jeder Beitrag ist ein Gewinn.

 

Besucher, die regelmäßig unsere Plattform aufrufen, kennen die Akteure von laptopwerk.de. Haben sicher auch ihre Favoriten. Deshalb kann ich an dieser Stelle auf die Nennung der Namen verzichten. Ein wenig Selbstschutz ist auch dabei. So kann ich keinen Namen vergessen. Auch unsere Gastschreiber müssen sich nicht ins zweite Glied versetzt fühlen.

 

Da die erste Million hinter uns liegt, können wir unbeschwert nach vorn blicken. Jeden Tag tauchen neue Themen auf. Lasst uns zugreifen – weiter, schneller und höher. „Heilige Kühe“ kennen wir ohnehin nicht.

BJM

225 (2017-02-09)

Was geht denn da ab

in Rumänien?

Hunderttausende auf den Straßen des Landes

 

So wie ich haben sich sicher viele gewundert, was da wohl seit rund zehn Tagen los ist in Rumänien. Die Informationen, die in Deutschland kursieren, sind mager und dürftig. Niemand versucht, die Ursachen herauszufinden. Hunderttausende protestieren. Gegen wen? Die Menschen gehen auf die Straße. Sie erheben sich gegen eine von Sozialdemokraten geführte Regierung. 27 Jahre nach der juristisch umstrittenen Hinrichtung von Staatschef Nicolae Ceaușescu lassen die Bürger ihrer Wut, Verärgerung und grenzenlosen Abscheu gegenüber dem politischen System des Landes freien Lauf. Dass es irgendwann mal dazu kommen würde, war vorherzusehen.

 

Der Zeitpunkt überrascht

 

Erst am 11. Dezember 2016 gab es in Rumänien Parlamentswahlen. Die Wahlbeteiligung lag bei 39,78 Prozent. Das zeugt von einem riesigen Desinteresse der Bevölkerung am Fortgang der gesellschaftlichen Entwicklung des Landes. Klar ist, dass die Wahlen die demokratieverdrossenen Bürger nicht zufriedengestellt haben, eben jene Mehrheit, die damals zu Hause geblieben ist und jetzt seit Tagen auf Plätzen protestiert und durch die Innenstädte zieht. Diese Nichtwähler trugen dazu bei, dass die Sozialdemokraten als klare Wahlsieger den Regierungsauftrag erhielten. Und jetzt möchten genau diejenigen mit ihrem zehntausendfachen Chor inzwischen heißerer Kehlen ihre vergebenen Chancen ausbügeln und die demokratisch gewählte Regierung wieder wegbrüllen. Allein in Bukarest versammelten sich knapp 300.000 Menschen vor dem Regierungssitz, die „Rücktritt“, „Diebe“, „Verräter“ „Weg mit euch“, „PSD, die rote Pest“, „Wir sind aufgewacht“ und „Vereint stehen wir“ riefen. Aber so einfach, wie sich manche Spätaufsteher wünschen, ist das nicht. Diese PSD (Partidul Social Democrat) hat viele Anhänger im Lande. Sie ist schließlich aus der kommunistischen Partei Ceaușescus hervorgegangen. Eine Säuberung der eigenen Reihen oder eine Bestrafung alter Täter fand nie statt. Sechs Jahre dauerte damals die postkommunistische und scheindemokratische Umgestaltung des Landes. Die Anhänger des Ceaușescu-Stellvertreters Iliescu kümmerten sich ganz geschickt um den sozialen Frieden in Rumänien. Wer wollte, konnte in diesen Jahren seine Mietwohnung zu einem Schnäppchenpreis als Eigentum erwerben. 

 

Ein genialer Schachzug

 

Welcher Pensionär könnte sich heute aus den aktuellen Rentenbezügen eine Mietwohnung leisten. Mit drei- oder vierhundert EURO wohl kaum. Diese Dankbarkeit bringt bis in die Gegenwart viele Wählerstimmen.

 

Auch die Europäische Union steht auf dem Prüfstand

 

Statt im Januar 2017 freudig die zehnjährige EU-Mitgliedschaft Rumäniens zu feiern, sind viele Menschen enttäuscht und frustriert, weil kaum ein Zukunftsversprechen in der Realität ankam. Im Gegenteil. Das einzige, was Europa brachte, war Geld. Und das floss mehrheitlich in die Taschen führender Persönlichkeiten. Wer überprüft zum Beispiel, wieviel Geld in den vergangenen zehn Jahren oder zuvor während des Jugoslawienkrieges von der EU zweckgebunden nach Rumänien überwiesen wurde und wie viele Kilometer Autobahn in dieser Zeit hätten gebaut werden können?

Aber mit Selbstbedienungsläden kennen wir uns in Deutschland ja auch bestens aus.

Einige politische Gestalten von 2007 sind in der Zwischenzeit aus dem rumänischen Blickfeld verschwunden, wenige davon haben sich aus freien Stücken zurückgezogen, andere wurden zu Haftstrafen verurteilt. Ein Vergleich der führenden Politiker über den Zeitraum von zehn Jahren gibt nur wenig Anlass zur Hoffnung. Korrupt waren die damaligen, so befinden inzwischen vermehrt rumänische Gerichte. Korrupt sind sicher auch die jetzigen. Aber das wird sich wie immer erst später herausstellen.

 

Das ist nur die Spitze des Eisberges

 

Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass Rumänien ein durch und durch korruptes Land ist. Das betrifft die Politiker oder Wirtschaftsmanager ebenso wie die Geringverdiener oder armen Rentner. Wer etwas möchte, was er nicht hat oder dringend braucht, zahlt nicht nur die Rechnung, nein, er legt auch noch Schwarzgeld oben drauf. Das ist den Menschen in Fleisch und Blut übergegangen. Alle halten die Hände auf für einen steuerfreien Extra-Bonus: Der Handwerker, der Arzt, der Lehrer, der Richter, der Polizist bei der Verkehrskontrolle, der Beamte für ein oder kein Brandschutzzertifikat... einfach jeder!

Wer nicht zahlt, bekommt weniger oder gar nichts. Eventuell, bei etwas Glück, erhält er es doch, aber viel später.

 

Als Geschäftsführer habe ich das jedes Jahr mindestens einmal erlebt, wenn die Garda Financiara vom Finanzministerium im Verlag auftauchte. Da ich kein Bakschisch anbieten konnte, mussten wir stets eine Strafe zahlen von umgerechnet zehntausenden EURO für ein leicht zu entdeckendes fehlendes Belegdatum auf einer Lieferantenrechnung.

 

Privat oder geschäftlich - bis heute läuft es nicht anders

 

Die Politiker sind Teil des Systems bzw. stehen sogar an der Spitze der Korruption. Da unterscheidet sich der siebenbürgische deutschstämmige Präsident Klaus Johannis mit seinen zwielichtigen Immobiliengeschäften als ehemaliger Bürgermeister von Cluj-Napoca kaum von seinen europafreundlichen Kollegen oder den politischen Gegnern, die direkt in die bereitstehenden Töpfe gegriffen haben.

 

Auch die, die in den letzten Tagen ihre Freizeit auf Straßen und Plätzen verbrachten, sind nicht frei vom Verdacht der Vorteilsnahme und des Amtsmissbrauchs.

Deshalb war das Eildekret der neuen Regierung, die Bestrafung des oben geschilderten Vergehens abzumildern, auch nur ein Vorwand, gegen die politischen Gegner vorzugehen und eine Revision des Wahlergebnisses zu erreichen. Dass die Massenproteste auch nach der Rücknahme des Erlasses anhalten, bestätigt meine Vermutung. Auch die beabsichtigte straffreie Missbrauchsgrenze von 200 000 Lei kann nicht als Grund der Massenverärgerung herhalten. Welcher korrupte Politiker begnügt sich schon mit lächerlichen umgerechnet etwa 45 000 EURO pro Jahr!

 

EU ist befangen und parteiisch

 

Europa steht – wie nicht anders zu erwarten – auf der Seite der Organisatoren dieser Massenproteste. Nach den Erfahrungen mit den rumänischen Nachbarn Ungarn und Bulgarien sieht die EU die jetzige Regierung eher skeptisch. Deshalb wird Präsident Klaus Johannis zum Wortführer der Regierungsgegner gelobt. Sicher nicht zufällig bekam Johannis am 3. Februar 2017 in Dresden den St. Georgs Orden. Der SemperOpernball ehrte das politische Schaffen des rumänischen Präsidenten und seinen – wie es hieß - entschlossenen Einsatz für Europa. Doch dessen Amtszeit war bisher eher von seinem Zaudern, Zögern und naiver Unentschlossenheit geprägt. Auch die Aussagen und Handlungen der letzten Tage zeugen wieder von der Hilflosigkeit der Präsidialverwaltung. Einen genauen Plan, um der Lage Herr zu werden, scheint es im Bukarester Schloss Cotroceni nicht zu geben, trotz der wiederholten Rufe zur Ordnung, die der Staatschef an die PSD gerichtet hat.

 

Trotzdem, die Massenproteste sitzen der Führungsriege der PSD in den Knochen. Das hatten sie so nicht erwartet. Es kam zu einem Misstrauensvotum im Parlament. Für die Annahme des von der Mitte-rechts-Opposition eingebrachten Antrags wären 233 Stimmen erforderlich gewesen. Diese wurden weit verfehlt. Die Sozialdemokraten und deren Koalitionspartner ALDE (Alianța Liberalilor și Democraților) verfügen im Parlament über eine komfortable Mehrheit.

Teile des Volkes und die Opposition ziehen momentan an einem Strang. Ob sie länger durchhalten und tatsächlich Neuwahlen erzwingen können, bleibt abzuwarten. Auf Unterstützung aus Brüssel und Berlin sollten sie besser nicht hoffen.

BJM/Getty Images

224 (2017-02-01)

 

Print im Sturzflug

IVW-Auflagen verbreiten Angst und Hoffnungslosigkeit

 

Die ungebremste Talfahrt der Printmedien hielt auch im vierten Quartal 2016 an. Den Zeitungen und Zeitschriften sterben nicht nur die langjährigen Abonnenten weg. Es kommen auch keine neuen hinzu. Die Smartphone-Generation liest auf Twitter, Facebook und Instagram.

Die Kiosk-Verkäufe gehen zurück, weil die Redaktionen den Zug der Zeit verschlafen haben. Die Mainstreammedien überbieten sich in Uniformität, Gleichschaltung und Einfallslosigkeit. Die Inhalte sind identisch. Es erübrigt sich z.B., eine zweite Zeitung zu kaufen und zu lesen.

Die Wochenmagazine und überregionalen Tageszeitungen mutierten zu Haus- und Hofpostillen der Bundesregierung.

Journalisten verkaufen sich als Regierungssprecher. Es fehlt die kritische Distanz zu den politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen in unserem Land.

Die Leser springen zu Tausenden ab, weil ihre Themen nicht behandelt werden und sie auf ihre Fragen keine Antworten bekommen. Früher galten die Medien als vierte Gewalt im Land. Dem Staat und den Regierenden auf die Finger schauen, das gehörte zu ihrem Kerngeschäft. Heute suchen die Journalisten nach Gründen und Argumenten, um die Politik der Regierung zu rechtfertigen und zu unterstützen. Bei den Mächtigen Gehör finden, kommt an erster Stelle. Aus den Texten der Printorgane verschwinden die Interessen und politisch-gesellschaftlichen Anliegen der Zielgruppen, und die wiederum revanchieren sich mit dem Fernbleiben am Presseoutlet.

Nichts ist weniger spannend als die heutige Tageszeitung mit den Meldungen von gestern. Selbst ePaper verfehlen ihre Wirkung. Sie sparen nur den Weg zum Point of Sale. Der Inhalt ist gleich. Die Redaktionen schreiben sich selbst in die Bedeutungslosigkeit. Vordergründiger Populismus statt seriös recherchierter Fakten und Tatsachen.

Apropos, „Ihr epapern-Download steht bereit“: Seit Jahren bekomme ich jeden Tag vier oder fünf Berliner Tageszeitungen im Testabonnement. Natürlich „free of charge“. Darüber hinaus landen in meinem Email-Account regelmäßig noch etwa zehn Wochen- oder Monatszeitschriften. Alles Geschenke der Verlage. Weil ich so ein netter Mensch bin? Nein, das hilft bei der IVW-Statistik. So können die Printverluste ein bisschen kaschiert werden. Die sogenannten eLeser lassen sich nicht so leicht kontrollieren.

Die Verlage schummeln sich also sehenden Auges in das wirtschaftliche Abseits. Dabei wäre es so einfach, die Interessen und Lesewünsche der potenziellen Käufer zu berücksichtigen.

 

Hier ein paar Belege:


81 der Top-100-Publikumszeitschriften büßten im vierten Quartal 2016 Käufer in den beiden wichtigsten IVW-Kategorien Einzelverkauf und Abos ein. In den Top 25 sind es 21 von 25.

Die höherpreisigen Programmzeitschriften gehören zu den größten Verlierern. TV Movie verlor 9%, TV Spielfilm 7,5%, Auf einen Blick 6,3% und die Funk Uhr 6,1%.


Die Wochenmagazine Spiegel und stern fuhren ebenfalls starke Rückgänge ein: Der Spiegel 2,7% gegenüber dem Vorjahr, der stern sogar 5,9%. Der Focus legte hingegen leicht zu – um immerhin 0,5%. Zu verdanken hat er das einem – wie auch immer entstandenen - Plus bei den ePaper-Abos und der Tatsache, dass es am Kiosk nur um 0,9% nach unten ging.


Ähnlich ist die Situation bei den überregionalen Tageszeitungen. Die Süddeutsche Zeitung verlor 0,7%. Das Handelsblatt steigerte sich aufgrund erneut hinzugewonnener ominöser ePaper-Abos um 0,5%. Es rückt damit näher an Die Welt heran, die 7% im Minus liegt.

Bei der Süddeutschen sähe das tatsächliche Minus allerdings höher aus. Der Verlag meldet ein Plus im Einzelverkauf, das allerdings nur durch eine Änderung bei der Remissions-Meldung zustandekam. Der Einzelverkauf ist daher nicht mit dem Vorjahr vergleichbar. Ab dem 1. Quartal 2017 ist das wieder der Fall. Großer Verlierer des Quartals ist erneut die Bild mit einem Minus von 10,3%. Sie hat ihre harte Auflage damit in nur neun Jahren halbiert.


 

Überregionale Tageszeitungen im 4. Quartal 2016 (nur Abo+EV)

 

 

Abo+EV

2016-IV vs. 2015-IV

Platz

Titel

2016-IV

absolut

in %

1

Bild

1.622.624

-186.019

-10,3

2

Süddeutsche Zeitung

305.059

-2.091

-0,7

3

Frankfurter Allgemeine

214.850

-15.639

-6,8

4

Die Welt Gesamt (Die Welt + Welt Kompakt)

91.665

-6.889

-7,0

5

Handelsblatt

88.659

458

0,5

6

taz.die tageszeitung gesamt

44.514

-1.815

-3,9

7

Neues Deutschland Gesamt

25.515

-1.459

-5,4

Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

 


Auch die Bild am Sonntag büßte 10,2% ein, fällt damit bei Abos und Einzelverkäufen erstmals unter die 900.000er-Marke. Auch Welt am Sonntag und F.A.S. liegen dick im Minus, Die Zeit büßte 3,1% ein. Über dem Vorjahreszeitraum liegen drei kleinere Wochenzeitungen: die Junge Freiheit steigert sich um 6,6%, die Jüdische Allgemeine um 12,0% und der Freitag sogar um 12,2%.


 

Wochen- und Sonntagszeitungen im 4. Quartal 2016 (nur Abo+EV)

 

 

Abo+EV

2016-IV vs. 2015-IV

Platz

Titel

2016-IV

absolut

in %

1

Bild am Sonntag

896.958

-101.867

-10,2

2

Die Zeit

416.296

-13.380

-3,1

3

Welt am Sonntag (+kompakt)

236.935

-23.128

-8,9

4

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

223.670

-18.604

-7,7

5

Katholische SonntagsZeitung für Deutschland (gesamt) incl. Neue Bildpost

36.376

-2.504

-6,4

6

Junge Freiheit

23.083

1.424

6,6

7

der Freitag

19.265

2.093

12,2

8

Das Parlament

6.623

-3

0,0

9

Jüdische Allgemeine Wochenzeitung für Politik, Kultur, Religion und Jüdisches Leben

4.520

486

12,0

Daten-Quelle: IVW / Tabelle: MEEDIA

 


Die Lokalzeitungen in unserer Region haben auch im vierten Quartal 2016 wieder viele Käufer verloren. Ausnahme: Der Tagesspiegel aus Berlin, der nur dank seiner unkontrolliert gestiegenen ePaper-Abos, die das Blatt von 8.330 auf 14.929 erhöhte, im Plus liegt. Zu den größten Verlierern gehören deutschlandweit - was mich nicht verwundert - die Berliner Zeitung, der Berliner Kurier und die B.Z.

Die B.Z. büßte 10,0% ein, die Berliner Zeitung dramatische 15,5% und der Berliner Kurier 12,2%. Auch die Berliner Morgenpost liegt mit einem Minus von 8,9% deutlich unter dem vierten Quartal 2015.

In Brandenburg bleibt die Märkische Allgemeine auflagenstärkste Tageszeitung, obwohl sie im Nachbar-Bundesland am deutlichsten verloren hat. Ähnliches gilt für die Mitteldeutsche Zeitung in Sachsen-Anhalt. Marktführer Ostsee-Zeitung (Mecklenburg-Vorpommern), Freie Presse (Sachsen) und Mediengruppe Thüringen kamen mit 3,1% bis 3,5% hingegen für Ost-Verhältnisse relativ glimpflich davon.


 

IVW 2016/IV: Die größten Regionalzeitungen Berlin/Brandenburg

Platz

Titel / Belegungseinheit

Abos + Einzelverkauf

 

 

2016/IV

vs. 2015/IV

in %

Berlin

1

Der Tagesspiegel

94.273

676

0,7

2

B.Z.

83.234

-9.239

-10,0

3

Berliner Zeitung

77.020

-14.081

-15,5

4

Berliner Kurier

61.712

-8.567

-12,2

5

Berliner Morgenpost

59.812

-5.854

-8,9

Brandenburg

1

Märkische Allgemeine Gesamt

106.798

-5.671

-5,0

2

Märkische Oderzeitung Gesamt

89.413

-3.077

-3,3

3

Lausitzer Rundschau Gesamt

71.332

-2.614

-3,5

 

 

Es bleibt abzuwarten, wann unsere Verlegerinnen und Verleger Augen und Verstand öffnen werden, um den stetigen Niedergang der deutschen Presse in seiner Gesamtheit zu stoppen. Ich vermute, es ist längst zu spät!

BJM

 

 

Nach einer IVW-Auswertung von Medienanalyst Jens Schröder

223 (2017-01-14)

 

Sehnsucht nach den Wurzeln

70 Jahre Verlags- und Zeitgeschichte

 

Im vergangenen Jahr feierte der Verlag für die Frau seinen 70. Geburtstag.

Schon allein diese Zeitspanne ist eine Sensation. Denn heute ist nicht mehr viel übrig geblieben von der Zeitschriftenbranche der DDR. Das trifft auch auf den Verlag für die Frau zu. Das Jubiläum beging der BuchVerlag für die Frau. Nur noch vier Mitarbeiter betreiben heute das Buchgeschäft am traditionellen Standort in Leipzig. Sie gehören zur Thüringer Verlagsgruppe „grünes herz“, die auf Land- und Wanderkarten sowie auf Regionales spezialisiert ist und ihren Sitz im Ilmenauer Stadtteil Oberpörlitz hat.

 

1890 begann die frauenorientierte verlegerische Tätigkeit. In dem Jahr wurde in Leipzig der „Otto Beyer Verlag" gegründet. Aufgrund eines Volksentscheids wurde 1946 der „Otto Beyer Verlag“ enteignet und verstaatlicht, woraufhin der Stadt Leipzig die Verwaltung übertragen wurde. Noch im selben Jahr firmierte sich der „Verlag für die Frau“, der später der Verwaltung der parteieigenen Verlage, der Zentrag unterstellt wurde.

 

Mehr als vier Jahrzehnte war ich privat und beruflich sehr eng mit dem Leipziger Verlagshaus verbunden. Deshalb interessierte ich mich auch sofort für die Ausstellung, die anlässlich des Jubiläums vom 6. Januar bis 28. Februar 2017 in der Bezirkszentralbibliothek Mark Twain in Berlin-Marzahn/Hellersdorf stattfindet. Dass überhaupt jemand den Mut aufbringt, einen ehemaligen DDR-Verlag zu präsentieren und zu würdigen, verlangt schon Anerkennung. Da lässt sich auch die etwas bescheidene und zurückhaltende Aneinanderreihung von Schautafeln und Vitrinen verzeihen. Denn wer möchte schon in den Verdacht geraten, verträumt dem Gestrigen nachzuhängen. Leistungen, die in der DDR erbracht wurden, dürfen aus heutiger politischer Sicht nicht gelobt oder positiv eingeschätzt werden, es sei denn, sie hatten schon damals einen westlichen Touch. Übrigens, zur festlichen Eröffnung der Jubiläumsausstellung in Leipzig waren fast 100 Gäste versammelt, darunter viele ehemalige Mitarbeiter, von denen es 1989 weit über 400 gab.

 

Der Gong-Verlag kaufte 1991 das Leipziger Verlagshaus, entließ die meisten Mitarbeiter und legte wesentliche Teile der Produktion still. Die Zeitschriftentitel wurden nach wenigen Jahren vom Markt genommen – lediglich das Verbrauchermagazin „Guter Rat“ wird bis heute im Burda Verlag herausgegeben. Und dieser Titel erschien auf Beschluss der SBZ im November 1945 noch im „Otto Beyer Verlag“. Das Profil der Zeitschrift änderte sich im Laufe der Jahre. Statt „klassisch weiblicher“ Themen rückten vor allem Hobby und Do it yourself in den Vordergrund. Ein MUSS für jeden Bastler und Heimwerker fernab der westlichen Baumarktidylle.

 

In meinen Ilmenauer Kinder- und Jugendjahren fiel mir zwölfmal im Jahr die „Pramo“ in die Hände. Meine Mutter, eine gelernte Schneiderin, hatte die „Praktische Mode“ abonniert. Dank Schnittmusterbogen und geschicktem Umgang mit der Nähmaschine konnte sie für sich und ihre Söhne das eine oder andere Kleidungsstück fertigen, das sich auch wohltuend vom Angebot aus HO und Konsum unterschied.

1956 kam die Modezeitschrift „Sibylle“ ins Verlagsprogramm, eine Übernahme vom Verlag Die Wirtschaft, der die ersten Ausgaben verlegte. Redaktionsstandort Berlin und der Inhalt des Magazins unterschieden sich vom übrigen Zeitschriftensortiment des Verlages für die Frau. Sybille brachte nicht nur Mode, sondern auch Kunst und Architektur. Sibylle galt als die „Vogue des Ostens“, vor allem wegen der anspruchsvollen Modefotos von bekannten DDR-Fotografen. Die gezeigten Modelle hatten wenig mit der DDR-Wirklichkeit zu tun, deshalb waren sowohl die verkaufte Auflage als auch die Wirtschaftlichkeit des Titels geringer als bei den sonstigen praktischen Mode- und Handarbeitspublikationen. Als zuständiger Instrukteur der Zentrag blieben mir aber auch die Spannungen nicht verborgen, die zwischen den Redaktionen aus Berlin und Leipzig herrschten. Kunst kostet, und das wollte nicht jede Chefredakteurin verstehen, deren Kostenstelle einen größeren Gewinn abwarf. Solch kleinere Scharmützel finden wir auch heute noch in jedem größeren Medienunternehmen.

 

Nach dem Untergang der Zeitschriftensparte wurde 1996 die Buchproduktion ein eigenständiger Betrieb unter dem Namen „Buchverlag für die Frau“. Christa Winkelmann, die ich bei meinen Besuchen im Verlag in den achtziger Jahren mehrfach traf, war bis 2014 Geschäftsführerin. Zum Jahresbeginn 2015 verkaufte sie das übrig gebliebene Unternehmen an Verleger Lutz Gebhardt aus Ilmenau. Der Thüringer Verlagschef und die Leipziger Programmleiterin Sabine Melchert bekennen sich bisher klar zur Beständigkeit: „Wir wollen den guten Ruf des Verlags bewahren und die Traditionslinien weiterführen.

“ Dazu gehören die Miniturbücher und die DDR-Küchenbibel „Wir kochen gut“. Von dem Standardwerk wurden in den letzten Jahrzehnten über 5 Millionen Exemplare verkauft. Vom Backbuch sind bisher wohl 43 Nachauflagen gedruckt worden. Zu den Bestsellern zählt auch das Kochbuch „Thüringer Festtagskuchen“, welches bereits in 31 Auflagen publiziert wurde.

Es war nicht mehr viel vorhanden vom einst mächtigen Verlag für die Frau, der in seinen Glanzzeiten die Parteikasse füllte. Es erschienen jährlich zehn verschiedene Zeitschriften (unter anderem Pramo, Sibylle, Modische Maschen, Saison, Guter Rat, Wohnen im Grünen) sowie 40 Bücher und 700 Schnittmuster für den Binnen- und den begehrten Exportmarkt. Der Leipziger Verlag verfügte über eigene Schnittwerkstätten, eine eigene Modenschau-Truppe, eine Ladenkette mit elf „Schnittzentren“ in den DDR-Bezirksstädten, eine eigene Tischlerei u.v.a.m.

 

Ich freue mich vor allem, dass in Leipzig die vor über 30 Jahren begründete Miniturbibliothek weitergeführt wird. Bislang kamen über 300 Bände heraus. Sie sind 6,2 mal 9,5 Zentimeter klein und 128 Seiten stark. Auch in den Mini-Büchern geht es um Kulinarisches - aber nicht nur. Es gibt auch Biografien oder Städteporträts.

Die Ausstellung im „Freizeit Forum Marzahn“ vermittelt einen tiefen Einblick in die bewegte Vergangenheit und Gegenwart von Sachsens und Mitteldeutschlands größtem Ratgeberverlag. Der Besucher entdeckt auch Teile seiner eigenen Lebensgeschichte. Unter dem Motto „Bücher für Generationen“ spiegelt sich ein Stück deutsch-deutschen Zeitgeistes wider. Gewinner wurden zu Verlierern. Die übermächtigen Sieger teilten die Errungenschaften unter sich auf.

Was bleibt, ist die Erinnerung und der schleichende Abschied von den kulturellen Werten des Alltags.

BJM


 

Images: BJM; BuchVerlag für die Frau/Sandra Neuhaus; Gaby Waldek

222 (2016-12-29)

 

Merkels Freunde zünden Obdachlosen an

Kulturelle Bereicherung zu Weihnachten

 

Ein Berliner Obdachloser ist am Heiligabend nur knapp einer Feuerattacke entgangen. Wie die Polizei mitteilte, sollen sieben junge Männer Kleidungsstücke des in einem U-Bahnhof schlafenden Mannes angezündet haben. Die Polizei hatte am Montag Fahndungsbilder und ein Video veröffentlicht, anschließend stellten sich die Gesuchten. Sechs Männer stammen aus Syrien, einer aus Libyen.

 

Diese jungen Kerle haben Hilfe und Schutz in Deutschland gefunden. Auf ihrer Flucht vor dem Armeedienst wurden sie als kulturelle Bereicherung in Deutschland willkommen geheißen. Jetzt beginnen sie, das in sie gesetzte Vertrauen zurückzuzahlen. Sie haben in den ersten Monaten gelernt, dass sich ein Flüchtling in Deutschland alles erlauben kann. Schließlich ist es ein großer Wohlfühlfaktor, allen negativen Gefühlen freien Lauf zu lassen.

 

Natürlich versteht kein junger Syrer, warum es in Deutschland wohnungslose Menschen gibt und schon gar nicht, warum die Zahl dieser Hunderttausenden sogar noch steigt. Millionen Fremde werden ins Land geholt, obwohl die eigenen sozialen Probleme seit Jahrzehnten auf eine Lösung warten.

Diese jungen, körperlich kräftigen Analphabeten oder gelangweilten bildungsfernen Gehirnakrobaten verstehen noch nicht einmal, warum in ihrem Land Krieg herrscht.

Sie gehen gewiss davon aus, dass in Deutschland niemand auf der Straße leben muss. Wo Deutschland so effektiv im Bereitstellen von Containerdörfern ist.

 

Wenn die Wohnungslosen schuld an ihrer misslichen Lage sind, dann können wir sie auch treten, die Treppe hinunter schmeißen, einfach anzünden oder gleich töten. Mit ihrer zur Schau gestellten gedankenlosen Grobheit sowie ihren unmenschlich rohen und rauhen Umgangsformen bereichern die Flüchtlinge die kriminellen Parallelwelten unserer Großstädte. Es ist genau so gekommen, wie die Hetzer, Rechtsextremen und Populisten es vorhergesagt haben.

 

Als vor eineinhalb Jahren die Verbrecherwanderung durch Südosteuropa an Fahrt aufnahm, habe ich mich über die Brutalität der geschundenen Seelen gewundert. Jetzt bin ich selber zu einem „rechten Populisten“ geworden. So schnell kann das gehen. Nur, weil ich den sogenannten Rechtsstaat nicht verstehe, der Verbrecher einlädt, sie als solche aber nicht erkennen will. Trotzdem ist er ihnen dank geschickter und verdeckter Abhörmethoden ständig auf der Spur, um im entscheidenden Moment den Zugriff zu verschlafen.

 

Solange nur unschuldige Zivilisten als Opfer zu beklagen sind, werden unsere Willkommenspolitiker mit ihren gepanzerten Limousinen frohen Mutes in das Wahljahr 2017 fahren. Vielleicht rast demnächst mal ein LKW in eine Kabinettssitzung, oder ein Groko-Politiker steht in Flammen?

Obdachlose oder Weihnachtsmarktbesucher, die ihre Sozialleistungen verprassen, haben wir ohnehin genug. Wofür lassen sich die jungen Krieger/Dschihadisten aus den Krisengebieten sonst einsetzen?

BJM

221 (2016-12-20)

Religiöser Massenmord

Wer sich die Terroristen nach Hause einlädt...

"Dies ist ein sehr schwerer Tag. Ich bin wie Millionen von Menschen in Deutschland entsetzt, erschüttert und tieftraurig über das, was gestern Abend geschehen ist", sagte Merkel vor ein paar Stunden.

Ich dagegen bin wütend, verbittert und entsetzlich enttäuscht von der Politik unseres Landes. Unschuldige Menschen mussten das Versagen der deutschen Bundesregierung mit ihrem Leben bezahlen. Angela Merkel höchstpersönlich hat Terroristen, Massenmörder, Vergewaltiger und Kinderschänder in unser Land eingeladen.

Tausende Menschen haben diese Verbrecher mit Tee und Kuchen willkommen geheißen. Das ist einmalig in der Welt. Die leben bei freier Kost und Logie in der Bundesrepublik Deutschland. Wir füttern und stärken sie, geben ihnen eine medizinische Betreuung und sorgen für kulturelle Abwechslung. Die Opfer des gestrigen Attentats trugen mit ihren Steuern zum Wohlergehen des Gewalttäters bei. Auch meine Steuern als Rentner gehen jeden Monat in das Willkommensbudget.

Frau Merkel übernimmt trotzdem keine Verantwortung. Paris, Brüssel, Nizza, Köln, Berlin..., in welche menschlichen Abgründe führt uns diese deutsche Politik?

Auch dieses Mal war der Terrorist polizeibekannt. Sogenannte geringfügige Delikte sind bisher übersehen oder bewusst heruntergespielt worden. Er hatte Asyl beantragt, gelogen und den wahren Grund seines Hierseins verschleiert. Warum wurde dieser islamistische Wahnsinnige nicht nach seinem ersten Gesetzesbruch des Landes verwiesen? Dafür gibt es keine Rechtfertigung.

Das müssen die politisch Verantwortlichen dieses Landes mit ihren Albträumen und schlaflosen Nächten bezahlen. Sofern diese überhaupt noch zu solchen menschlichen Regungen fähig sind.

Wir laufen sehenden Auges in die Katastrophe. Die deutsche Politik erntet im Ausland Entsetzen und Abscheu. Natürlich schwingt auch eine gehörige Portion Schadenfreude mit. Endlich kriegen die deutschen Besserwisser und Allesbestimmer mal die Faust zwischen die Lichter.

Die Analyse und Nachbereitung des gestrigen vorweihnachtlichen Massensterbens an der Gedächtniskirche habe ich mir 90 Minuten lang im ZDF zugemutet. Eine zitternde Moderatorin und ein ahnungsloser Terrorismusexperte versuchten, die Vorgaben des Senders umzusetzen und uns Zuschauern das Schauermärchen eines tragischen Unfalls zu vermitteln. Dabei war längst bekannt, dass das tonnenschwere Fahrzeug eines polnischen Spediteurs als gestohlen gemeldet wurde. Jeder halbwegs taugliche Autofahrer weiß, bei 40 oder 50 km/h bleibt auch ein derart großer LKW bereits an der ersten Adventsbude hängen.

So unmenschlich und brutal die religiös-fanatische Gewalttat auch ausgeführt wurde, eine noch größere Angst und Wut wuchs in mir, als ich die Reaktionen unserer elektronischen Leitmedien und die Stellungnahmen „führender Politiker“ über mich ergehen lassen musste.

Diese kriminelle Hilflosigkeit, verbrecherische Naivität und unfähigen Verschleierungsversuche haben wir nicht verdient!

BJM

220 (2016-11-21)

Sie will...

Uns bleibt auch nichts erspart

 

Was sich gestern ereignete, war längst keine Überraschung mehr. Merkel will nochmals antreten – als Parteiführerin und Kanzlerin. Sie hat das jetzt seit Monaten jeden Tag überlegt. Was kann ich dem Land geben? Was kann ich der CDU geben? Was sie geben kann, sagte sie zwar nicht, aber dass es sehr rührend gewesen sei, „wie viele mich gebeten haben“. Und, dass sie sich nicht auf den Meriten ausruhen wolle.

 

Anne Will durfte die grandiose Botschaft ins Volk tragen. Wie es sich gehört für einen mit dem CDU-Politbüro gleichgeschalteten Sender. Wohl dem, der einen „willigen“ Teleprompter (engl. für „Souffleuse“; von lat. promptus „entschlossen, bereit“) hat.

Ich gehörte nicht

zu den Bittstellern

 

Im Gegenteil, ich habe mich geschämt während des Merkelvortrags, den ich nach wenigen Minuten im Interesse meiner Gesundheit abbrechen musste. „Ich habe da keine Maßstäbe.“ Zweimal sagte sie wie auswendig gelernt: „Soziale Marktwirtschaft und freiheitlich-demokratische Grundordnung“. Das waren auch schon die Highlights ihrer dürren und inhaltsleeren Ausführungen. Ich habe selten einen Politiker erlebt, der so emotionsarm und sprachlich ungelenk seine Ambitionen für das höchste Regierungsamt im Staate anbot. Ich sehe momentan in Europa keinen Politiker und keine Politikerin, die die Lowlights einer Merkelrede noch unterbieten könnten. Die Frau ist ein armseliges Häufchen Unwissen. Ihre Muttersprache beherrscht sie auf Grundschulniveau. Wenn unsere Kanzlerin von „Modernisierungsverlierern“ spricht, dann stelle ich mir die Frage, gehört nicht auch die „mächtigste Frau der Welt“ zu dieser Personengruppe? 

 

Für solche haarsträubenden Schmierenkomödien

zahle auch ich jeden Monat 17,50 EUR

 

Ja, was kann Frau Merkel unserem Volk geben? Noch mehr soziale Ungerechtigkeit? Da ist sicher noch Luft nach oben. Noch mehr deutsche Kriegsbeteiligungen mit Gerät und Personal? Waffen und Ausrüstungen könnten wir uns gewiss beim IS borgen. Beim Personal hängt es nur an der Bezahlung, dann finden sich auch genug Dumme und Lebensmüde. Auch das Bildungsniveau breiter Bevölkerungsschichten lässt sich noch senken. Mit unserer Kanzlerin haben wir da eine prominente Vorreiterin. Wer nicht versteht, dass uns weitere 10 oder 20 Millionen Flüchtlinge kulturell und religiös bis nach unseren Tod bereichern würden, ist selber dran schuld.

 

Als junger Zeitschriftenredakteur erlebte ich einen Beiratsvorsitzenden, dessen Hobby es war, die Anzahl der unterschiedlichen Wörter in unseren monatlichen Leitartikeln zu zählen. Seine Schmerzgrenze lag bei 200. Wer als Autor diese magische Grenze für eine knappe Druckseite unterschritt, fiel durch das Beurteilungsraster. Mit den Sprechübungen von Angela Merkel hätte Prof. Schoppan seine helle Freude.

 

Bei den Meriten, auf denen Merkel sich ausruhen könnte,

muss ich passen

 

Nein, Entschuldigung. Da fallen mir doch noch drei internationale Erfolge ein. Ohne Merkel gäbe es in Griechenland geringere Verbindlichkeiten, hätte es keinen Brexit gegeben. Auch Donald Trump wäre ohne Merkels Hilfe nie im Weißen Haus gelandet.

 

Den scharfen Wind, der ihr auf deutschen und europäischen Marktplätzen um die Ohren flattert, wertet die Kanzlerin positiv und zwar, „dass man mich als jemand nimmt, mit dem man sich auseinandersetzt“. Wie sie zu dieser Erkenntnis kommen konnte, bleibt eher rätselhaft, da sie keine Maßstäbe hat. Ihr Trick lautet: „Ich passe meine Politik der Wirklichkeit an.“ Um die Realität kümmern sich schon andere. Das hat in den vergangenen elf Jahren funktioniert. Das wird auch in den nächsten fünf Jahren klappen, in einer von Jahr zu Jahr kleiner werdenden Europäischen Union.

BJM/Images dpa

So                 21.05.2017 

Nr.             2.410 - 1.107

Aktualisierung        08:55

Übrigens,

 

… für die Vereinigten Staaten von Amerika würde die derzeitige Klassifizierung von HTS als terroristische Organisation das Eingeständnis bedeuten, dass sie hochentwickelte Waffen, darunter TOW-Panzerabwehrraketen an „Terroristen“ geliefert haben, und würde Aufmerksamkeit auf die Tatsache ziehen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika weiterhin islamistische Milizen in Syrien mit Waffen beliefern.

Sie haben richtig gelesen: der Grund, warum die Vereinigten Staaten von Amerika al-Qaeda in Syrien nicht als terroristische Gruppierung einstufen können, liegt darin, dass das die Vereinigten Staaten von Amerika gesetzlich dafür haftbar machen würde, eine terroristische Gruppe mit extrem hochentwickelten Waffen und Ausbildung versorgt zu haben.

Die Vereinigten Staaten von Amerika bewaffnen Terroristen in Syrien und bilden sie aus, aber statt sich einfach zurückzuziehen geben sie vor, dass al-Qaeda keine terroristische Organisation ist.

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