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BERND JÜRGEN MORCHUTT

ZUR PERSON:

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 BERND  &  MORE

252 (2017-11-07) Bernd Jürgen Morchutt 

Ausstellung

in Berlin-Kreuzberg über afrikanische Drogendealer

 

Sie »arbeiten unerschrocken und tapfer im öffentlichen Raum«

 

Die eine oder andere Entscheidung, die in Berlin in der jüngeren Vergangenheit getroffen wurde, traf bei der Vielzahl der Bürger des Landes auf, gelinde gesagt, wenig Verständnis. Mehr noch, auf völlige Ablehnung und Entsetzen. Mit diversen propagandistischen Aktionen versuchen schwachsinnige Politiker permanent, den Menschen die Defizite der fehlgeleiteten und menschenverachtenden Flüchtlingspolitik als positive Errungenschaften, als einen Mehrwert, unterzujubeln. Es gibt für mich keinen einzigen ersichtlichen und vertretbaren Grund, warum wir kriminelle Ausländer einladen, nach Deutschland zu kommen. Haben wir zu viel Leerstand in den Gefängnissen? Ach ja, die Asylanten stehen nach ihren traumatischen Reiseerlebnissen noch unter Schock, die dürfen wir gar nicht verurteilen.

 

Haben wir nicht schon genügend Drogendealer?

Gegen das Drogengeschäft wird nichts getan. Die Grenzen sind offen – für legale und illegale Geschäfte. Millionenumsätze erfreuen die Hintermänner. Immer mehr „No-go-Areas“ etablieren sich in unserem Land. Das Verbrechen wächst von Tag zu Tag. Die Drogensucht ufert aus, wird fester Bestandteil unseres Alltags. Jeder kann das Teufelszeug kaufen. An jeder Ecke in Berlin. Ein Verkaufsnetz, das so eng ist wie der Schwarzmarkthandel bei Zigaretten. Wir sind ein freies Land. Wer sich die „Birne“ zudröhnen möchte, bitte schön.

Es ist nicht zu glauben

Das öffentliche Bild von afrikanischen Drogendealern sei viel zu negativ, wurde in Friedrichshain-Kreuzberg festgestellt. Eine Ausstellung soll dem nun entgegenwirken. Dem Thema „Drogendealer“ wollen sie sich aus einer anderen Perspektive nähern, stellen die Ausstellungsmacher des Friedrichshain-Kreuzberg Museums in einer Ankündigung für die Eröffnung am 21. November 2017 fest. Schließlich arbeiteten sie doch als unsere Bereicherung »unerschrocken und tapfer im öffentlichen Raum«.

 

Dort herrscht die feste Überzeugung, dass die afrikanischen Drogendealer, die ihren Stoff unter anderem am Kottbusser Tor, im Görlitzer Park, am Alexanderplatz und anderen Kriminalitätsschwerpunkten unter die Leute bringen, in der öffentlichen Wahrnehmung viel zu schlecht wegkommen.

Eine Ausstellung im Museum des Bezirks soll sich daher dem Thema aus einer anderen Perspektive nähern, wie es im Vorfeld der Ausstellung heißt. Der Blick solle auf die Menschen und ihre persönlichen Geschichten gerichtet werden.

Es gibt eben gute und böse Drogendealer

Und die Flüchtlinge bzw. kriminellen Eindringlinge gehören zu den positiven Erscheinungen der kriminellen Drogenszene.

Verantwortlich für das Museum ist das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, das gegenwärtig von den Grünen geführt wird. Die Ausstellung solle nicht zur Glorifizierung von Drogen oder des Drogenhandels dienen, wie es die Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann (Bündnis 90/Grüne) betont. Für mich klingt das aber völlig anders, sorry!

Der Satz: Die Drogendealer arbeiten »vor dem Hintergrund dieser vielfältigen Widerstände...(...)... unerschrocken und tapfer im öffentlichen Raum«, ist für mich mehr als eindeutig. Offener und provokanter lässt sich eine derartige Sympathie und Unterstützung für Kriminelle kaum formulieren.

 

Gefördert wird das Projekt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung der Linken, dem Hanf Museum, einer Firma für medizinisches Cannabis sowie dem Kreuzberger Fußballverein THC Franziskaner, benannt nicht nur nach einer Kreuzberger Kneipe, sondern auch dem berauschenden Inhaltsstoff von Cannabis.

Ein Schande, was in Berlin so alles abgeht

Die deutsche Hauptstadt zerfällt. Die Schienen und Straßen sind marode. An jeder verkehrsintensiven Straßenkreuzung gibt es eine Dauerbaustelle. Keine S- oder U-Bahn, kein Bus fährt pünktlich. Die als Flüchtlingsunterkünfte missbrauchten Sporthallen müssen für jeweils mehrere hunderttausend EURO saniert und wieder instand gesetzt werden...

und die Politiker der Hauptstadt sorgen sich um das Image afrikanischer Drogendealer und vergreifen sich an Steuergeldern, um Propaganda-Projekte zu finanzieren.

BJM

251 (2017-10-31) Bernd Jürgen Morchutt 

Von Menschen für Menschen gemacht

Die Reformation bewirkte

einen tiefgreifenden kirchlichen und gesellschaftlichen Wandel

bis nach Osteuropa

 

Obwohl Deutschland das Mutterland der Reformation ist, begründet durch den legendären Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg, blieb sie nicht auf die Grenzen Deutschlands beschränkt. Vieles ist heute in Vergessenheit geraten. Polen z.B. ist für viele Menschen ein erzkatholisches Land. Doch auch hier gab es prägende Einflüsse durch die Reformation. Denn Wittenberg ist durchaus verbunden mit den Stätten der Reformation in Polen. Tschechien, der Slowakei, in Ungarn und Rumänien.

Die einst recht starken protestantischen Bewegungen sind im Königreich Polen und im Habsburger Reich durch die Gegenreformation des 17. Jahrhunderts zurückgedrängt worden. In diesen Ländern bekennt sich heute nur noch eine Minderheit zur lutherischen, reformierten oder unitarischen Konfession.

Luthers Grundsatz, den Glauben in der Muttersprache zu lehren und zu predigen, festigte die Herausbildung vieler osteuropäischer Schriftsprachen. Das betrifft etwa das Sorbische oder das Slowenische, das Litauische oder das Rumänische. Es waren vor allem Studenten und Gelehrte, die die „Wittenberger Reformation“ in die Welt hinaustrugen. Besonders die Bevölkerung in den deutschen Sprach- und Siedlungsgebieten begeisterte sich für die Ansichten Martin Luthers – so die Bewohner der Städte im Königlichen Preußen, in Oberungarn oder in Siebenbürgen.

 

Als erster Staat mit lutherischem Bekenntnis gilt Preußen. Das Herzogtum entstand 1525 durch die Umwandlung des Deutschen Ritterordens in ein weltliches Staatsgebiet. Die Hauptstadt Königsberg war im 16. Jahrhundert ein wichtiger Ausgangspunkt für die Ausstrahlung der Reformation nach Polen und in die baltischen Länder. Ende des 16. Jahrhundert hatte sich die Reformation schließlich in vielen Ländern durchgesetzt, etwa in Schlesien, Böhmen und großen Teilen Ungarns. Böhmen und Polen waren Ende des 16. Jahrhunderts multikonfessionelle Staaten mit einer Vielzahl protestantischer Glaubensrichtungen.

 

Diese fruchtbare Entwicklung endete im 17. Jahrhundert mit den Anstrengungen der Gegenreformation seitens der römisch-katholischen Kirche. Mit Zwang und Gewalt versuchten z.B. die Habsburger, in ihren Ländern das einheitliche römisch-katholische Bekenntnis durchzusetzen. Im habsburgischen Teil Ungarns bildete die „Trauerdekade“ zwischen 1671 und 1681 einen scharfen Einschnitt. Sämtliche evangelische Kirchen wurden geschlossen oder katholischen Gemeinden übergeben, die Pfarrer und Lehrer verhaftet.

 

Im 18. Jahrhundert endeten die Glaubensverfolgungen. Doch es blieben Einschränkungen für die lutherischen und reformierten Christen, ihre freie Religionsausübung umzusetzen. Nach dem ersten und zweiten Weltkrieg und den territorialen Folgeerscheinungen kam es zu einer zunehmenden Zersplitterung der Lutheraner und der Evangelisch-Lutherischen Kirche.

In Pommern und Niederschlesien, bis 1945 evangelisch geprägt, siedelte sich eine größtenteils katholische polnische Bevölkerung an. Auch in Böhmen, Mähren oder in der Slowakei gingen evangelische Traditionen deutscher Sprache verloren.

 

Lediglich in Rumänien wurde die deutsche Minderheit, zu der auch die Lutheraner Siebenbürgens gehören, nicht vertrieben. Dafür sorgte dann eine von der Bundesrepublik Deutschland in den 1970er geförderte Auswanderungswelle.

Ein großer Anteil der ungarischen Bevölkerung im Donau-Karpaten-Raum bekennt sich zur reformierten Kirche. Das alte Königreich Ungarn wurde nach dem ersten Weltkrieg 1920 im Vertrag von Trianon unter mehreren Nachfolgestaaten aufgeteilt. Daher leben reformierte Christen ungarischer Sprache auch in Rumänien, in Serbien, in der Slowakei und in der Ukraine. Die reformierte Kirche in Ungarn ist die zweitgrößte Kirche des Landes. Sie versteht sich auch selbst als „ungarische Nationalkirche“. Etwa zwölf Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum reformierten Glauben.

 

Auch in der heute serbischen Vojvodina leben Ungarn, die sich in der Reformiert-Christlichen Kirche in Serbien organisiert haben.

 

In Rumänien gibt es zwei lutherische Kirchen. Die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien ist aus der „Nationalkirche“ der Siebenbürger Sachsen hervorgegangen. Die war auch vor 1918 nie in die Evangelisch-Lutherische Kirche Ungarns integriert. Durch die Heimatflucht der Siebenbürger Sachsen umfasst die Kirche heute nur noch 13.000 deutschsprachige Gemeindemitglieder. Und die müssen sich kümmern, die 250 Kirchengebäude und 150 Kirchenburgen zu erhalten. Dieser Bautyp hat sich bei Sachsen und Szeklern nach den Türkeneinfällen ab dem 14. Jahrhundert herausgebildet, weil sich die später lutherischen, reformierten und unierten Gemeinden vor den Osmanen und ihren Verbündeten schützen wollten.

Schon im 19. Jahrhundert spalteten sich die ungarischsprachigen Lutheraner von der Kirche der Siebenbürger Sachsen ab. Dank der historischen Entwicklung und der Bevölkerungszusammensetzung hat sich gerade in Siebenbürgen bis heute eine multikonfessionelle Kirchenstruktur erhalten.

 

Jeder, der durch diesen herrlichen Landstrich im Karpatenbogen reist, wird immer wieder auf Kirchengemeinden und ihre Gotteshäuser stoßen, deren Wurzeln, Bedeutung und Traditionen auf die Reformation vor 500 Jahren zurückzuführen sind.

 

Quelle: Matthias Donath; Lars-Arne Dannenberg; Harald Roth: „Das Erbe der Reformation im östlichen Europa“. Herausgeber: Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam

 

Images: Kirchenburgen in Siebenbürgen

 

BJM

250 (2017-10-26) Bernd Jürgen Morchutt 

Bildungsferne Träume

Das Wort Wohlstand kann die

Mehrheit gar nicht buchstabieren

 

Vor ein paar Wochen feierten wir vierzig Jahre Marzahn

 

1977 wurde das Fundament für das erste Hochhaus gegossen. Noch im selben Jahr zogen die ersten Mieter in ihre Neubauwohnungen. Alle waren glücklich, nach langem Warten eine neue tolle Wohnung zu erhalten. Nur Regen konnte die Freude etwas trüben. Dann zählten nur noch die Gummistiefel. Für befestigte Wege und Straßen mussten wir noch eine Weile Geduld aufbringen. Je schwieriger die Bedingungen, desto fester rückten die Hausgemeinschaften zusammen. Hauptsächlich junge Familie mit meist zwei Kindern.

 

Wir kamen 1980 dran

 

Raus aus der Einzimmerwohnung in Prenzlauer Berg. Mit dem Fahrstuhl hoch in die elfte Etage. Vom Balkon hatten wir einen freien Blick über Biesdorf oder zum Kienberg, an den sich heute die „Gärten der Welt“ schlängeln. Die Schule für unsere Kinder war dreihundert Meter vom Haus entfernt.

 

Die Mitschüler und besten Freund konnten sich nie verfehlen. Jeder wohnte in einem Nebenhaus des anderen. Die Kinder waren nicht besonders strebsam, aber intelligent und wissbegierig. In Vorbereitung der Jugendweihe habe ich als Elternvertreter mit der Klasse meiner Tochter gesprochen. Die Lehrer freuten sich, wenn Väter oder Mütter gesellschaftspolitische Themen aufgriffen und etwas Abwechslung in den Schulbetrieb brachten. Und wie die mich mit Fragen bombardiert haben! Es machte mir riesigen Spaß, mit den wachen, klugen und gebildeten Jugendlichen die Zeit zu verbringen.

 

Nach langer Abwesenheit und vielen Auslandsaufenthalten bin ich vor sechs Jahren mit meiner neuen Familie wieder nach Marzahn zurückgekehrt. Der Bezirk noch grüner, alle Häuser saniert, wenig erinnerte mehr an das schlichte Betongrau vergangener, anders ausgefüllter Zeiten. Die Mieten nominell sechs- bis achtfach höher. Allerdings fehlt die Basis, DDR-Mark und EURO miteinander zu vergleichen.

Auf den ersten Blick ist alles besser geworden

 

Marzahn und Nachbar Hellersdorf haben an Ausstrahlung gewonnen. Das individuelle Wohngefühl, die Qualität des Umlandes sind gestiegen. Wer ein Auto hat, findet hier auf kurzen Wegen paradiesische Einkaufsbedingungen. Auf vier Rädern ist man in fünf Minuten in Brandenburg.

 

Doch, wo sind die Menschen hinter den farbigen Fassaden geblieben? Welch sozialer Austausch hat sich hier vollzogen?

Gerade haben die Erstklässler die Schulen für sich eingenommen

 

Was verbirgt sich dahinter? Mit jedem Jahr dringen erschreckendere Zahlen an die Öffentlichkeit. Aus aktuellen Einschulungsuntersuchungen verlautbart: 60 Prozent aller Kinder, die in Marzahn-Hellersdorf in die Schule kommen, erfüllen eigentlich nicht die Voraussetzungen für die erste Klasse. Diesen ersten Befund aus den jüngsten Einschulungsuntersuchungen gab Stadtrat Gordon Lemm (SPD) am Donnerstag in der BVV bekannt. Besonders betrüblich ist die Situation von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern: Von ihnen erhalten 80 Prozent eine Förderempfehlung. Erhebliche Mängel gibt es jedoch auch in anderen Schichten: 31 Prozent der Kinder aus Familien mit höherem sozialen Status brauchen ebenfalls zusätzliche Unterstützung. Kita und Schule können nicht auffangen, was in den Familien nicht vermittelt wird. Zugleich erinnerte er an das Missverhältnis zwischen den Ausgaben für präventive und therapeutische Maßnahmen.

 

Laut veröffentlichtem Sozialbericht lebten Ende 2015 fast 14.500 Arbeitslose im Bezirk. Das sind rund 1300 weniger als im Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote betrug 9,1 Prozent – Berliner Durchschnitt. Marzahn-Hellersdorf hat aber mit rund 23 Prozent die vierthöchste Quote an Langzeitarbeitslosen von allen Berliner Bezirken. Der Berliner Durchschnitt liegt bei 19 Prozent.

 

Dramatischer sieht die Situation beim Thema Hartz IV aus. 48.500 Menschen sind derartige Leistungsempfänger, mit rund 20 Prozent ist das fast jeder Fünfte in Marzahn-Hellersdorf.

 

39 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren sind demnach von Hartz IV abhängig. Bei den unter 6-Jährigen ist der Anteil mit 41 Prozent etwas höher, was der vierthöchste Wert aller Bezirke ist.

 

In Marzahn-Hellersdorf erhalten 4.243 Personen (5 Prozent aller über 18- Jährigen) Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Seit 2009 ist eine starke jährliche Zunahme der Empfänger_innen von Grundsicherungsleistungen zu verzeichnen.

 

Frisch auf den Tisch ein paar Zahlen zum Bildungserfolg im Bezirk. Lediglich 34,5 Prozent der Schulabgänger in Marzahn-Hellersdorf hat im Jahr 2015/16 die allgemeinbildenden Gymnasien und Sekundarschulen mit dem Abitur in der Tasche verlassen. Zum Vergleich: Im Landesschnitt waren es 47,4 Prozent. Was eigentlich bedrückend ist: 10,6 Prozent verabschiedeten sich nach zehn Schuljahren ohne jeglichen Abschluss von der Penne. Schlechter als Marzahn-Hellersdorf sind Mitte, Neukölln und Spandau.

 

Und das sind die Eltern von morgen!

 

Eine Sozialpolitik sucht man in dem Land, in dem wir gut und gerne Leben, vergeblich. Es gibt nur Geldverteilstellen. Sozialleistungen werden gestreut, damit keiner hungern oder frieren muss. Um den Menschen geht es schon längst nicht mehr. Frauen mit dem niedrigsten Bildungsstand versuchen alleinerziehend, ihren Nachwuchs auf die „digitale Zukunft“ einzustellen.

Den höchsten Anteil mit rund 50 Prozent machen die Alleinerziehenden in Hellersdorf-Nord aus.

 

Kinder werden als mehrjährige Quelle steigender Sozialzuwendungen angesehen. An Arbeiten denkt da niemand mehr.

 

Ich habe alle Arten von Erziehungsberechtigten in meiner Umgebung

 

Viele Kinder kommen schon geistig beeinträchtigt zur Welt und müssen dann auch noch ihre Eltern ertragen.

 

In solch einem Kiez bleibt nichts verborgen. Leider hörst du alles, was im Haus, auf der Straße oder auf dem Spielplatz hinter dem Block abläuft. Du fühlst dich als Teil einer exotischen Minderheit, die sich höflich verhält, keine gefüllten Windeln vom Balkon wirft oder korrekt spricht. Wie es aussieht, schlittern wir sehenden Auges in eine düstere Zukunft. Alarmsignale gibt es seit mehr als zwanzig Jahren. Nur, keiner hört sie! Die beliebten Einzelbeispiele existieren ausschließlich im positiven Sinne.

 

Jetzt sprechen alle von Jamaika. Das passt sogar. Die dortigen Sozialverhältnisse werden wir auch bald in Deutschland haben.

Allah oder Muhammad werden uns da auch nicht helfen können – im Gegenteil!

BJM

249 (2017-10-21) Bernd Jürgen Morchutt 

George Soros

öffnet den Geldhahn

$18B US to charity

Open Society Foundations

 

Die fragwürdigen, eigennützigen Motive des Philanthropen


Denkfähige Mitbürger beargwöhnen und kritisieren den starken politischen und gesellschaftlichen Einfluss großer Stiftungen, die nur den Zielen ihrer Gründer verpflichtet und nicht demokratisch legitimiert sind.

Der Hedgefonds-Manager und Investor George Soros will sein Netzwerk der »Open Society Foundations« mit einer Finanzspritze von 18 Milliarden US-Dollar stärken, berichteten das "Wall Street Journal" und die "New York Times". Damit wird die „Soros“-Stiftung die zweitgrößte in den USA hinter der Organisation von Microsoft-Gründer Bill Gates. Der Investor besitzt laut der Reichenliste des US-Magazins "Forbes" ein Vermögen von 23 Milliarden Dollar.

 

Der 87-jährige Soros, in Ungarn geboren, der als Kind knapp den Nationalsozialisten entkommen konnte, hatte 1992 ein Vermögen mit Wetten gegen das britische Pfund gemacht. Seit den 1970er-Jahren tritt Soros dann als Philanthrop in Erscheinung - als Gründer und Finanzier der "Open Society Foundation" und der "Soros Foundation" etwa unterstützt er weltweit Bürgerrechtsbewegungen. Soros spielte eine signifikante Rolle bei der friedlichen Systemwende in den späten 1980er-Jahren in Mittel-und Osteuropa. Er unterstützte im Wahlkampf 2016 die demokratische Kandidatin Hillary Clinton. Soros gilt auch als scharfer Kritiker des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Zuletzt wettete er zudem auf fallende US-Börsenkurse - und damit auf ein Scheitern von

US-Präsident Donald Trump.


Er ist der Hauptmotor der »offenen Gesellschaft« mit ihren

»offenen Grenzen«


Egal, ob Demonstrationen gegen Donald Trump in den USA oder Flüchtlingsströme über das Mittelmeer, egal ob Zerstörung der Familien oder Unterstützung linker Organisationen – das Netzwerk von George Soros hat fast überall die Hand im Spiel.

Diese 18 Milliarden sind immerhin 78 Prozent seines aktuellen Vermögens. 14 Milliarden wurden bereits in den letzten 30 Jahren in seine Organisationen investiert. Doch die neue Finanzspritze übertrifft all das Bisherige, verheißt eine neue Welle globaler Kampagnen ungeahnten Ausmaßes. Rund 60 NGO hängen am finanziellen Tropf von Soros.

Doch Soros geht es nicht nur um seine politischen und gesellschaftlichen Einflussnahmen und Ziele. Wie jeder Profiteur des Kapitalismus will er damit auch Steuern sparen. Dabei orientiert er sich an Bill Gates und dessen Stiftung.

Soros ist in vielen Ländern heftig umstritten. Russland wirft ihm vor, die Ukraine gegen Moskau aufgebracht zu haben und für die Rubel-Krise in den 1990er Jahren mitverantwortlich zu sein. Bereits seit Dezember 2015 ist die "Open Society Foundation" von George Soros in Russland "unerwünscht". Staatspräsident Putin selbst soll sich für diesen Erlass stark gemacht haben. Russischen Bürgern und Institutionen ist es demzufolge untersagt, mit der Foundation des amerikanischen Milliardärs und Philanthropen zusammenzuarbeiten. Soros seinerseits hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er Putins imperiale Bestrebungen als die größte Gefahr für Osteuropa hält.

Großbritannien ist sauer, weil er mit seinen Hedgefonds gegen die Bank of England gewettet hatte.

In Südostasien ist man zornig, weil man Soros für die Asienkrise der späten 1990er Jahre mitveranwortlich macht.

In Ungarn ist Soros ohnehin zur Hassfigur geworden. Viktor Orbán wirft George Soros vor, die "Flüchtlingsströme" 2015 in Bewegung gesetzt zu haben, um Ungarn und überhaupt Europa zu schaden. "Der Mund gehört Hillary Clinton, aber die Stimme ist die von Soros", erklärte Orbán im Sommer 2016 einmal. Damals kündigte der ungarische Premier bereits an, dass den von Soros finanzierten Kräften "harte Zeiten" bevorstünden, denn man würde entschieden gegen sie vorgehen. Zunächst griff Orban die in Ungarn aktiven NGO an, im Frühjahr 2017 entschied er dann, die CEU, die von George Soros begründete Internationale Universität in Budapest, 2021 schließen zu lassen.

 

Mitarbeiter von NGO, die Gelder von George Soros erhalten, sind für den serbischen Staatspräsidenten Aleksandar Vucic "antiserbische" respektive "antinationale" Figuren, allesamt jedenfalls: "Soros-Söldner". Die regierungsnahe Zeitung "Informer" schreibt, Soros finanziere die NGO in Serbien nur, um das Land "ins Chaos zu stürzen".

Und Israels Premierminister Bejamin Netanjahu hat Soros vorgeworfen, mit seinen Organisationen gegen Israel zu arbeiten.

Derartige Beispiele ließen sich noch beliebig fortsetzen.

BJM

248 (2017-10-15) Bernd Jürgen Morchutt 

Kurz davor, Kanzler zu werden

ÖVP klarer Wahlsieger in Österreich

 

In Deutschland werden die Politikerinnen und Politiker immer älter. Mit verhärmten und „vermerkelten“ Gesichtszügen streuen sie ihre einstudierten flachen, unverständlichen und wahrheitsfernen Statements in die Mikrophone, präsentieren den umher stehenden Fernsehkameras ihre größtenteils ungepflegten Gebisspartien und ihr frisch den sechziger Jahren entliehenes Hairstyling.

Da fällt es schon mächtig auf, wenn plötzlich ein junger Kerl vor die geputzten Linsen tritt, der so gar nicht in die altväterliche Runde der internationalen Spitzendiplomatie passt. Ich meine Sebastian Kurz - den österreichischen Außenminister, Chef der ÖVP und wohl kommenden Kanzler der Republik Österreich. Ein echt beeindruckender junger Mann, was seine politische Auffassungsgabe, Formulierungsfähigkeit und Coolness betrifft.

 

Ich erinnere mich an die mitleidigen Kommentare in den deutschen Medien, als Mitte Dezember 2013 der damals 27-jährige Kurz zum Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres ernannt wurde. In fünf Jahren vom Landesobmann der Jungen ÖVP Wien zum Außenminister eines EU-Landes, das nenne ich eine Blitzkarriere, die wohl keine Partei in unserem Land zulassen würde.

 

Nach der Matura (Abitur, Reifeprüfung) mit Auszeichnung und dem Wehrdienst arbeitete er neben seiner Ausbildung an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien in einer Rechtsanwaltskanzlei und bei einer Versicherung. Das Studium hat Sebastian Kurz inzwischen abgebrochen.

 

Kurz war einer der ersten westeuropäischen Politiker, der Klartext in der Flüchtlingskrise redete. Als Integrationsminister ist er gewissermaßen vom Fach. Bereits vor sieben Jahren äußerte er sich über die hergebrachte Einwanderungspolitik der Vergangenheit: „Es sind vor zwanzig bis dreißig Jahren zahlreiche Gastarbeiter nach Österreich geholt worden ohne jegliche Strategie, was den Deutscherwerb oder die Integration betrifft. Wir haben daher einige Menschen in Österreich, die in einer Parallelgesellschaft leben und nur sehr schwer erreichbar sind. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass man auch an diese Menschen herankommen kann, wenn man den Weg über die Kinder und Enkelkinder wählt.“ Solche Sätze nimmt man auch einem jungen Politiker ab. Vor allem, wenn bekannt ist, dass er im Wiener Bezirk Meidling zur Schule gegangen ist und 50 Prozent seiner Mitschüler einen Migrationshintergrund hatten.

 

Aus dem Liebling der Schwiegermütter, dem sonnigen Polit-Newcomer und nachdenklichen Integrationsminister ist in drei Jahren Amtszeit ein hart kämpfender Außenminister und Parteivorsitzender geworden. Die europäischen Kollegen respektieren und bewundern die offene und geradlinige Art des Wieners.

Das neue Integrationsgesetz in Österreich trägt seine Handschrift.

 

Der gebürtige Wiener Kurz setzt bei der Integration auf „Leistung“: “Migranten sollten daran gemessen werden, was sie in Schule, Beruf oder Ehrenamt leisten.“ Jeder klar denkende Mensch weiß, dass Österreich, Deutschland und viele andere europäische Länder mit dem aktuellen massenhaften Zuzug der Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge überfordert sind. Aber nur wenige sprechen es aus.

 

Es bleibt zu hoffen, dass sein Einfluss als voraussichtlich jüngster EU-Ministerpräsident noch weiter wachsen wird. Er weiß zumindest, wie er noch mehr auf sich aufmerksam machen kann. Die Mehrheit der Bürger hat ihm heute das Mandat übertragen, eine neue Regierung zu bilden. Dafür braucht er einen Koalitionspartner. Nach dem bitteren Ausgang der Großen Koalition mit den Sozialdemokraten unter Bundeskanzler Kern wird die Entscheidung wohl in Richtung FPÖ gehen.

Sebastian Kurz, der am 27. August gerade mal seinen 31. Geburtstag feierte, hat in Sachen Glaubwürdigkeit schon jetzt mehr bewirkt, als manch deutscher Politiker in dreißig Jahren.

BJM

247 (2017-10-12) Bernd Jürgen Morchutt 

Portal von Dietrich Mateschitz

«addendum»

das, was fehlt

 

 

Mit einem Energy Drink wurde der Mann zum Milliardär. Mit „Red Bull“ hat er ein weltweites Getränke- und Sportimperium aus dem Boden gestampft. In sieben Jahren schuf er einen deutschen Fußball-Vizemeister aus Sachsen. Nun steigt Dietrich Mateschitz in den Journalismus ein.

Vor rund zwei Wochen ist das von seiner „Quo-Vadis-Veritas-Stiftung finanzierte Online-Medium „addendum“ (das Hinzuzufügende oder auch der Nachtrag) gestartet. Der Untertitel heißt: „das, was fehlt“. Und es fehlt sehr viel in unserer heutigen Gesellschaft. Vor allem die Wahrheit. Deshalb möchte er mit seiner Plattform „addendum.org“ eine Faktenbasis für eine qualifizierte politische Debatte schaffen. Und zwar das hinzufügen, was die Leitmedien aus parteipolitischen Gründen bewusst aussparen und damit die Zuschauer wie Leser zielgerichtet fehl orientieren und nur lückenhaft oder selektiv informieren.

Dietrich Mateschitz hatte sich im Frühjahr massiv und deutlich über die Medienlandschaft beklagt: „Man will den unmündigen, kritiklosen und verängstigten Staatsbürger.“ Dabei zielte er besonders auf die sogenannte Flüchtlingskrise ab, die vor allem den selbstverschuldeten Verfall der etablierten Parteien in Europa zum Ausdruck bringt. Schon früh sei „für jeden offensichtlich gewesen“, dass die meisten Einwanderer „nicht der Definition des Flüchtlings“ laut Genfer Konvention entsprochen hätten. Eine selbsternannte sogenannte intellektuelle Elite“ habe es aber verboten, dies offen zu sagen. Es sei „schnell Schluss mit Meinungsfreiheit, denn die wird ja nur gewährt, solange man dieselbe Meinung vertritt wie sie“. Niemand traue sich mehr, die Wahrheit zu sagen. „Der Großteil der Bürger hat mittlerweile Angst.“

Mit diesen Bemerkungen musste der 73-jährige Red-Bull-Gründer eine heftige Negativberichterstattung über sich ergehen lassen. Der Focus bescheinigte ihm ein „krudes Weltbild“. Andere sprachen von „Bullbart“ - in Anlehnung an die US-Internetzeitung „Breitbart“.

Die Süddeutsche Zeitung verstieg sich zu der Formulierung „Breitbart aus den Alpen“.

Doch die Auswürfe ehemaliger deutscher Qualitätsmedien lassen den österreichischen Ober-Bullen völlig kalt.

Er sagte, die Kritik stamme von Leuten, „deren Lob mich mehr

stören würde“.

 

In die Arbeit seines bisher 40 Menschen umfassenden Teams werde sich Mateschitz nicht einmischen. Der Selfmade-Milliardär hat erstrangige Journalisten aus der gesamten Alpenrepublik engagiert. Deren inhaltliche Ziele sind durchaus hochgesteckt: „Dieser rekonstruktive Journalismus stellt nicht den Anspruch, die Wahrheit gefunden zu haben, wir bemühen uns aber, ihr mit den Mitteln von Recherche und Datenanalyse so nahe wie möglich zu kommen.“

 

Der Geschäftsführer Michael Fleischhacker sagte: „Ganz besonders interessieren uns Hinweise und Dokumente zu Korruption, Betrug, Geldwäscherei und Machtmissbrauch.“

Wenn die Leser, User und Seher über diese Art investigativen Journalismus denken und aussprechen: „So habe ich das noch nie gesehen!“ - hat die Redaktionsmannschaft einen Teil der Vorschusslorbeeren bereits zurückgegeben.

Die Inhalte von Addendum werden von Projektteams erarbeitet, die aus unterschiedlichen Bereichen kommen: investigative Journalisten, Experten wie Juristen und Ökonomen oder TV-Gestalter. Gemeinsam recherchieren die Verantwortlichen über mehrere Wochen und bereiten ihre Ergebnisse für die Publikation auf „addendum.org“ sowie zur Weitergabe an andere Medien auf.

 

Hinter "addendum" steht die Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH, die von der gemeinnützigen Quo-Vadis-Veritas-Stiftung gegründet wurde. Darüber hinaus arbeitet das Portal natürlich eng mit dem von Dietrich Mateschitz gesponserten Fernsehsender „Servus TV“ zusammen. Donnerstags um 21.15 Uhr gibt es dort eine 50-minütige TV-Reportage zum aktuellen Wochenthema von „addendum.org“.

Obwohl sich die Recherche-Plattform vorerst nur auf Österreich – meine zweite oder dritte Heimat – konzentriert, verfolge ich das Projekt von Beginn an.

BJM

246 (2017-10-03) Bernd Jürgen Morchutt 

3. Oktober 2017

Tag der Deutschen Nicht-Einheit

 

 

Heute ist die 27. Wiederkehr des Tages, an dem sich die DDR freiwillig dem Geltungsbereich des Deutschen Grundgesetzes unterworfen hat. Ohne Umzug, ohne Möbelwagen landeten wir in einem anderen Land. Keiner von uns wusste damals, was auf uns zukommen würde. Hundert Prozent Hoffnung, kein Prozent Wissen – dazwischen unendliche Spekulationen. Natürlich hatte jeder seine Träume, aber die wurden sehr schnell von der Realität eingeholt. Wir lernten geschwind, unsere Vergangenheit umzudeuten, politische Überzeugungen wegzulassen, Lebensabschnitte neu zu sortieren und Erlerntes als Null und Nichtig zu erklären. Damit ging ein Großteil unseres Lebens, unserer Persönlichkeit verloren. Viele von uns gingen einfach davon aus, dass das noch Unbekannte, das Neue genug Ersatz für die gelöschten Bestandteile unserer alten Existenz parat halten würde. Wir waren bereit, bis zum Umfallen zu kämpfen. Dem Nachteil der Geburt im falschen Teil Deutschlands vehement entgegenzutreten.

Denn ein Zurück war ausgeschlossen.

Schnell stellten wir fest, uns braucht eigentlich niemand. Für jeden von uns gab es schon ein oder zwei andere. Deutschland hatte alles. Es verlangte lediglich nach Expansion, suchte neue Verbraucher, benötigte neue Märkte und Konsumenten. Und dieser Rolle wurden wir vom ersten Tag an gerecht. Mit einem neuen Wohnzimmer, einem besseren Fernseher oder Kühlschrank, einem Auto, das nicht aus Zwickau oder Eisenach stammte, radierten wir 40 Jahre aus unserem Leben. Noch gab es die alten Strukturen und Jobs.

Wir hatten die D-Mark und vergaßen, dass die Stunde Null für jeden von uns näher rückte. Aber sie kam, unbarmherzig und ohne Vorankündigung. Selbst diejenigen, die wie ich ihre Tätigkeit unter veränderten Rahmenbedingungen weiterführen konnten, schlitterten in eine ungewisse Zukunft. Waren plötzlich allein. Alle Kontakte lösten sich im Nichts auf. Ob freiwillig oder notgedrungen, weil andere schon „out of business“ waren. Ellenlange Listen von haupt- und nebenberuflichen Stasi-Mitarbeitern geisterten durchs Land, spalteten und zerstörten Familien und Freundschaften. Es gab nur noch eine Kompensation: Geld. Alle vormaligen Karriere- und Berufsplanungen verschwanden klammheimlich im Schreibtisch. Wunschvorstellungen oder Auswahlmöglichkeiten katapultierten sich ins Reich der Träume.

 

Wenn du von heute auf morgen das Vierfache verdienst, vergisst du vorerst die Frage nach dem Sinn des Lebens. Manch Reisesehnsucht, in der Enge des real existierenden Sozialismus qualvoll unterdrückt, gab deinem Leben eine neue, frische Farbe. Für Politik blieb keine Zeit mehr.

Aber eines wurde vom ersten Tag an deutlich, für uns Stief-Kollegen aus dem Osten blieben nur Jobs übrig, für die wenig westliches Interesse vorlag.

Was für andere Frankreich, England, Italien oder die USA waren, hieß für uns eben Ungarn, Rumänien, Russland oder Serbien.

So durfte ich mein neues, größeres Heimatland von außerhalb kennenlernen und bekam komische Komplimente, wie: „Zum Glück sind sie kein richtiger Deutscher!“ Oder: „Man merkt Ihnen gar nicht an, dass Sie ein Deutscher sind!“

 

In Belgrad wurde ich mit dem Krieg konfrontiert. Im Jahr davor noch flog die NATO ihre verbrecherischen, völkerrechtswidrigen Bombardements gegen das damalige Jugoslawien. Deutschland war einer der Hauptakteure. Der serbische Premier Zoran Đinđić wurde mit einer deutschen Schnellfeuerwaffe von Heckler&Koch ermordet, der Kosovo gewaltsam von Serbien abgespalten. Meine Heimat war plötzlich auf der anderen Seite

der Front.

Hatte der Krieg die Legitimation des deutschen Volkes? Heute ist Deutschland an jedem Krieg in dieser Welt direkt oder indirekt beteiligt. Das empfinde ich mit Abscheu.

 

Ich habe zwanzig Jahre lang Osteuropa wachsen sehen: die Wolkenkratzer der Banken, Versicherungen und internationalen Konzerne. Für den Durchschnittsbürger kamen in dieser Zeit keine 100 € hinzu. Das ist die viel gepriesene Europäische Union. Zollfreie Bewegung für die deutschen Retailer auf den Einbahnstraßen Europas!

 

In Deutschland funktioniert die ganze Gesellschaft nach dem GEZ-Prinzip: Die einen bezahlen und die anderen machen, was sie wollen. Ich habe in 27 Jahren lernen dürfen, dass so etwas Demokratie heißt.

Und zwar bürgerliche Demokratie. Im kleineren Teil Deutschlands nannten wir das Diktatur des Proletariats.

 

Inzwischen esse ich kein Schweinefleisch mehr. Das könnte sonst meine muslimischen Nachbarn im Ausüben ihrer Religionsfreiheit verunsichern. Damit die sich noch besser integrieren können, werde ich sicher auch noch zum Islam konvertieren.

 

Wer jetzt noch meint, dass ich heute Grund zum Feiern hatte, der soll diesen Gedanken ruhig noch weiter pflegen.

BJM

245 (2017-09-25) Bernd Jürgen Morchutt 

Merkel gefangen in ihren eigenen Unzulänglichkeiten

Linke wählten AfD

 

Endlich liegt dieser Wahlsonntag hinter uns. Was wir hatten, war schlimm. Die Zukunft wird nicht besser, die Talfahrt bleibt ungebremst bestehen. Mit einer Kanzlerin, die ihre kriminelle Flüchtlings- und Migrationspolitik auch heute, zwei Jahre später noch für gerechtfertigt hält. Dank Merkels Hilfe konnte Nordafrika seine überfüllten Gefängnisse auf die maximal zulässige Belegungsquote herunterfahren. Alle von der Kanzlerin initiierten Europalösungen sind gescheitert. Beginnend mit dem Türkei-Deal, über die Sicherung der Außengrenzen bis zur Umverteilung von in Italien und in Griechenland gestrandeten Asyl-Invasoren.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der smarte Herr Lindner seine frisch errungenen FDP-Lorbeeren in die jamaikanischen Nesseln einer Zwangskoalition setzen möchte. Nur bei einem Verzicht Merkels auf die Kanzlerschaft bliebe Christian Lindner auch in Zukunft glaubwürdig. Aber den Gefallen dürfte ihm die machtbesessene Pfarrerstochter – auch auf die Gefahr von Neuwahlen hin – nicht tun. Mit den Grünen sollte es keine Differenzen geben. Die stecken ihr grünes Fähnchen auf die Torte, dann kann die gegessen werden. Für das Wahlvolk gibt es als Dank ein paar neue 30er Zonen und schöne

breite Radwege.

Die SPD ist seit langem mal wieder positiv aufgefallen. Nicht mit dem erwarteten desaströsen Wahlergebnis, nein, mit der Absage an eine neue GroKo. Seit 154 Jahren kämpft die Partei für mehr Gerechtigkeit und keiner merkt es. Ungerechter war die in Arm und Reich gespaltene Gesellschaft noch nie in den vergangenen eineinhalb Jahrhunderten. Die Lachnummer mit den 8,50 € trug sogar noch zur Verschärfung bei.

 

Manchmal gehen mir komische Gedanken durch den Kopf. Was wäre geworden, hätte sich Merkel in den zurückliegenden zwei Jahren für ihre Fehlleistungen entschuldigt, die Grenzen geschlossen und alle straffälligen Illegalen rigoros ausgewiesen. Über die absolute Mehrheit an Parlamentssitzen im Bund und für die bayerische Schwester in München dürfte sich niemand mehr beschweren. Doch Sturheit und Dummheit verregneten das gestrige Wahlergebnis. Und keiner in den stolzen „Volks-Parteien“ CDU und CSU sagt etwas dazu. Das sind nordkoreanische Verhältnisse! Trotz zeitweise großer Gusche hat Seehofer letztlich doch immer wieder vor Merkel gekuscht. Solche Warmduscher sollten im Schaum der alpenländischen Wasserfälle entsorgt werden.

 

Der „lachende Dritte“ ist somit die AfD. Ohne ihren Hauptsponsor Merkel wäre wohl auch diesmal die 5-Prozent-Hürde zu hoch gewesen. Jetzt sind sie sogar politischer Marktführer in den östlichen Bundesländern. Zurecht. Wir Ossis kennen das Wort Stammwähler nicht. Auch mit dem Brauch, dass der Sohn dieselbe Partei wählt, die sein Vater bereits in den Jahrzehnten davor favorisierte, können wir nichts anfangen. Wir nehmen die, die aktuell unseren Interessen am nächsten stehen. Und das war für über 20 Prozent die AfD. Dass dieser Entschluss nicht ganz falsch gewesen sein konnte, zeigten die gestrigen abendlichen Fernsehrunden. Es ging stundenlang ausschließlich um die AfD. Flächendeckende, breitformatige Werbung im GEZ-TV.

Und das in HD. Selbst den größten Verlierern gelingt es in Deutschland nicht, eigene Fehler und Unzulänglichkeiten zuzugeben.

Meine alten Freunde von der „Linken“ stimmen mich traurig. Sahra Wagenknecht spricht mir mit ihrer Kapitalismuskritik sowie den Forderungen nach Frieden und Stopp von Waffenexporten voll aus dem Herzen. In der Flüchtlingspolitik hat die Partei versagt, wie sie gestern kleinlaut zugab. Statt als Nummer 1 aus dem Osten die jeweiligen Regierungen unter Druck zu setzen, nimmt sich die Partei selbst aus dem Rennen. Dietmar Bartsch sollte künftig Schlaftabletten verkaufen oder Frau Merkel die tägliche Wärmflasche vorbereiten und unterschieben.

Erstmalig habe ich der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau meine Stimme für ihr Direktmandat verweigert. Sie schaffte es trotzdem wieder ins Parlament.

Wir gehörten beide zu den wenigen, die 1988 ihr Studium an der Parteihochschule „Karl Marx“ mit „Summa cum Laude“ abschlossen. Heute würde mich Petra als Nazi, Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker bezeichnen.

Wie sich die Zeiten doch ändern…

BJM

244 (2017-09-04) Bernd Jürgen Morchutt 

Deutschland,

mir graut vor dir

Eine Entscheidung

zwischen Pest und Cholera

 

Nach zehn Minuten sorgenvollen Dreinschauens musste ich meine Pole-Position vor dem TV Screen wieder räumen. Aus Gründen der Gesundheitsvorsorge. Ein TV-Duell zwischen der Titelverteidigerin und ihrem Herausforderer.

 

Nur, so hatte selbst ich es in meinen schlimmsten Befürchtungen nicht erwartet. Beide Kandidaten erschienen auf dem HD-Bildschirm als wollten sie drei Wochen vor der Bundestagswahl ihren Verzicht auf alle politischen Ämter in diesem Land verkünden.

Leider haben sie es dann doch nicht getan. 

 

Die vier Kolleginnen und Kollegen Fragesteller passten sich den sauertöpfischen Mienen der beiden Parteivorsitzenden an, formulierten brav die vorher auf Schülerniveau herunter gebrochenen geistigen Herausforderungen. Antworten bekamen sie trotzdem nicht. Die eingeübten Stellungnahmen trafen auf die falschen Fragen oder umgekehrt.

 

Wer hat hier eigentlich wen herausgefordert?

 

Schulz kann doch froh sein, wenn für ihn in einer künftig wiederbelebten GroKo ein Ministerpöstchen freigehalten wird. Als Außenminister von Merkels Gnaden kann er ab Herbst seine Missachtungen gegenüber den osteuropäischen EU-Mitgliedern kultivieren. Schon als EU-Kommissionspräsident verdingte sich der Buchhändler ohne Schulabschluss als perfekte Kommunikationströte der CDU-Vorsitzenden. Seine anti-europäischen Entgleisungen brachten schonungslos seine bildungsferne Vergangenheit zum Vorschein. Auf diesem Level hat er tatsächlich nur eine Kontrahentin und das ist seine alte und neue Chefin von der anderen ehemaligen Volkspartei. Dann können beide künftig gemeinsam das Gold einfahren, das Merkels Fachkräfte illegal mit nach Deutschland gebracht haben.

Man stelle sich mal vor, diese beiden Gestalten wären früher im Westfernsehen aufgetreten: die christlich orientierte, menschelnde Schlepperkönigin Merkel und der abstinente, von Selbstzweifeln getriebene Sozialpopulist Schulz! Wir hätten doch freiwillig eine Verlängerung der „Aktuellen Kamera“ beantragt.

Was wir heute erleben, ist eine geistige und pragmatische Agonie. Intellektueller und programmatischer Stillstand oder Rückschritt würden ja fast noch euphorisch klingen!

 

Wer führt eigentlich dieses Land?

 

Frau Merkel ist es jedenfalls nicht. Das hat sie gerade wieder unter Beweis gestellt. Und der 100-Prozent-Martin von der SPD? Könnte der es besser? Klares Nein! Der versteht noch nicht einmal die Vorgaben, die andere für ihn erarbeitet haben. Aber er hat zumindest eine starke und traditionsreiche Partei in seinem Rücken. Die kämpft seit 154 Jahren für soziale Gerechtigkeit. Hat nur keiner gemerkt. Weil sie nach jeder Wahl ihren engsten Sympathisanten in den „Selbigen“ fällt.

Nach den aktuellen Eindrücken entscheide ich mich für die Cholera (Merkel) und gegen die Pest (Schulz). Es gibt nur einen einzigen Grund, die etwas besseren Überlebenschancen!

 

Noch ein Tipp:

Eventuell sollten wir uns in vier Jahren bei einem Kandidaten für einen scriptsicheren Jungschauspieler à la Macron entscheiden. Dann kämen Fragen und Antworten wenigstens aus einem Haus…

Images: Screenshots

BJM

243 (2017-08-19) Medienauslese 

Deutschland startete turbulent in die EM

Auftaktspiel gegen

Italien abgebrochen  

 

 

Wie funktioniert Blindenfußball?

 

Bei einer Mannschaftsstärke von vier Feldspielern, vier Spielern auf der Auswechselbank und einem Torhüter ist letzterer der Einzige, der sehen kann. Alle Feldspieler tragen Dunkelbrillen vor den Augen, damit jeder von ihnen gleich wenig, also überhaupt nichts sieht. Die Kicker auf dem Feld verständigen sich über Rufe untereinander und werden von Trainern und Guides am Spielfeldrand unterstützt.

 

Das Spielgerät ist deutlich kleiner als jene Kugel, mit dem sehende Fußballer auf Torejagd gehen. Zudem ist das runde Leder schwerer und hat in seinem Inneren Rasseln, um von den Spielern gehört zu werden. Zweimal 20 Minuten Spielzeit auf einem 40 mal 20 Meter großen Kunstrasenplatz mit Banden an den Längsseiten. Die Tore haben die Maße von Feldhockey-Toren. Jede Mannschaft hat darüber hinaus zwei „Guides“, einen hinter dem Tor, einen an der Seite, sie schreien „rechts“, „links“, „hier“, sie hauen gegen die Pfosten, rufen Zahlenkombinationen, die der Gegner nicht entschlüsseln kann. „36!“, „78!“ 

 

Chef der Deutschen Nationalmannschaft ist Bundestrainer Ulrich Pfisterer und gemeinsam hat sich die Mannschaft für ihre Heim EM viel vorgenommen. Ungeachtet einer konkret zu nennenden Platzierung, soll neben dem einmaligen Erlebnis einer Heim-Europameisterschaft die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 in Spanien stehen.


Wo steht die deutsche Nationalmannschaft im internationalen Vergleich?


2004 feierte Blindenfußball bei den Spielen in Athen paralympische Premiere. In Deutschland gibt es die Sportart erst seit elf Jahren, zu den Paralympics schaffte es die deutsche Auswahl noch nie. Das soll sich 2020 in Tokio unbedingt ändern. „Wir haben aufgeholt. Auf europäischer Ebene sind wir dabei und auf Augenhöhe, da kann alles passieren“, sagt Pfisterer. Einen großen EM-Favoriten gebe es jedenfalls nicht, findet der Cheftrainer. „Doch auch die anderen Nationen nehmen das Turnier sehr ernst und wollen etwas reißen. Schon unsere Vorrundengruppe hat es in sich.“

Deutschland bestritt

das Auftaktmatch

 

Das Eröffnungsspiel der IBSA Blindenfußball Europameisterschaft zwischen Gastgeber Deutschland und Gruppengegner Italien musste aufgrund eines Gewitters mit starken Regengüssen beim Stand von 2:0 abgebrochen werden. Die Tore für die deutsche Auswahl schossen Taime Kuttig und Alexander Fangmann.

Bevor das erste Spiel eines internationalen Blindenfußball Turniers auf deutschem Boden begann, stand eine standesgemäße Eröffnungsfeier auf dem Programm. Neben musikalischer Umrahmung durch Joana Zimmer wurden alle Nationalmannschaften auf dem Spielfeld des Lilli-Henoch-Sportplatzes begrüßt und vorgestellt.

Joana Zimmer (links) begleitete die Eröffnungszeremonie der IBSA Blindenfußball Europameisterschaft 2017 am 18. August musikalisch. Die Sängerin, selbst von Geburt an blind, eröffnete die Festlichkeiten rund um das Auftaktmatch zwischen Deutschland und Italien mit ihrem erfolgreichen Song „I believe“, der im Jahr 2005 mit der goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde. Während der Eröffnungsfeier präsentierte die doppelt zum Echo nominierte Musikerin dann noch passend zum ersten Spiel ein italienisches Lied, „Sorridi amore vai“.

„Ich bin sehr stolz, bei einer so außergewöhnlichen, ambitionierten und spannenden Veranstaltung den musikalischen Rahmen gestalten zu dürfen. Natürlich drücke ich allen Ländern fest die Daumen, bin aber besonders berührt, dass das Eröffnungsspiel Deutschland Italien ist. Da ich für einige Zeit in Italien gelebt habe, fällt es mir nicht schwer, auch in diese Richtung musikalisch zu denken“, so Zimmer über ihren bevorstehenden Auftritt.

Selbst ist Joana Zimmer auch sportlich aktiv. Im Jahr 2004 nahm sie am Berlin-Marathon teil, 2012 scheiterte sie bei der TV-Sendung „Let’s dance“ erst im Viertelfinale. Aktuell hält sie sich mit Yoga fit und ist seit 2011 ausgebildete Ashtanga Yogalehrerin.

 

Kurz danach fand der Anpfiff der Partie vor einem mit 2200 Menschen gefüllten und damit ausverkauften Stadion statt. Sofort nahmen die fünf deutschen Spieler das Heft in die Hand. Die Vorgabe von Coach Pfisterer, ein offensives Spiel zu forcieren, wurde umgesetzt und so belohnte sich das deutsche Team in der 3. Minute nach einem Freistoß aus acht Metern durch Taime Kuttig mit dem Tor zum 1:0.

Nach sechs Minuten kamen auch die Italiener zu ihrer ersten Chance. Paul Iyobo tauchte unbedrängt vor dem Kasten von Themel auf, scheiterte aber knapp. Kurz darauf setzte sich der deutsche Kapitän Alexander Fangmann auf der rechten Seite mit einer schönen Täuschung durch und netzte zum 2:0 für die deutsche Auswahl ein.

Was das italienische Team nicht erreichen konnte, gelang dann dem Wetter: Ein Gewitter mit heftigem Niederschlag zwang die Schiedsrichter zu einer Unterbrechung und später zum kompletten Abbruch der Partie. Das Spiel findet seine Fortsetzung am 19. August um 11:00 Uhr. Die Tickets der Eröffnungszeremonie behalten ihre Gültigkeit.

242 (2017-08-15)

 

IGA 2017 – eine bunte florale

und bauliche Sensation

Wer nicht hingeht und mitschwebt, dem ist nicht zu helfen

Ich habe vier Monate gewartet, bis ich meine Füße durch die Drehkreuze der IGA 2017 schob. Und es hat sich mehr als gelohnt. Ich bin froh, dass ich meine vor ein paar Monaten geäußerte Meinung in vielen Punkten revidieren kann. Der Eintrittspreis von 20 € ist zwar immer noch brutal, aber das dafür Angebotene durchweg sehenswert.

 

Monatelang sind wir von einem Starkregen in das nächste Unwetter gespült worden. Kälte und Sturm luden wahrlich weder zum Seilbahnfahren noch zum Bestaunen der angepflanzten Kostbarkeiten ein. Als Anwohner bin ich in den letzten Wochen jeden Tag am IGA-Gelände vorbeigekommen. Kein Andrang der Besucher, gähnende Leere vor den Einlasskontrollen und auf dem Sonderparkplatz in Hönow/Brandenburg. Ärger und Mitleid begannen, sich zu vermischen.

 

Vor einer Woche nun habe ich meine Frau und vierzig Euro geschnappt, damit wir endlich seriös mitreden können. Denn aus den einschlägigen Medien erfährt man herzlich wenig über diese gigantisch schöne Naturshow. Selbst der rbb, unser regionales Drittes Fernsehen, hat sich nur einmal in den fernen Osten gewagt. Ja, wenn die IGA in Charlottenburg angesiedelt wäre...

 

Zum Glück fanden die Verantwortlichen den Mut, sich für die Austragung der Internationalen Gartenschau in Marzahn-Hellersdorf zu entscheiden. Die ursprüngliche Idee, das ehemalige Flugplatzgelände von Tempelhof zu gestalten, zu bepflanzen und zum Blühen zu bringen, wurde „Gott sei Dank!“ ad acta gelegt.

 

Marzahn verfügt mit den „Gärten der Welt“ - leider für die heutige voreingenommene bundesdeutsche Öffentlichkeit ein Stiefkind aus DDR-Zeiten – über die idealen Voraussetzungen. Diese Substanz hätte man an keinem anderen Ort in der Kürze der Vorbereitungszeit und mit dem vorhandenen Budget aus dem Boden stampfen können. Mit einigen Erneuerungen und Ergänzungen versehen, ist dieser Bereich die tragende Säule der IGA 2017. Besonders beeindruckend finde ich den neuen glasumhüllten Balinesischen Garten, das von weitem sichtbare Tropenhaus voller exotischer Fundstücke (oben). Alle historisch gewachsenen Gärten passen sich nahtlos in das Gesamtkonzept einer international ausgelegten Gartenausstellung ein.

 

Zu dem Japanischen, Koreanischen und Arabischen Garten kam mit IGA-Start ein Englischer Garten (oben) hinzu. Ein Cottages mit Terrasse und Gastronomie - in- und outdoor - sowie Blumenbeeten, Balustraden und Stauten drumherum. Tolle Idee, doch die Umsetzung gelang nicht ganz. Die Anmutung kommt etwas oberflächlich daher. Es wird kein royales Flair versprüht. Aber immerhin passt er als optischer Übergang zu dem mit dem Entstehen der IGA verbundenen neuen Landschaftsbereich. Hier geht es großzügiger, weitflächiger und luftiger zu. Ein willkommener Kontrast zu den intensiv geformten „Gärten der Welt“.

 

Diese großen, blumenumsäumten grünen Freiflächen laden in den nächsten Jahren bei günstigerer Wetterlage sicher zum Sonnenbaden ein. In diesem Erweiterungsbereich der „Gärten der Welt“ entstand zwischen dem Besucherzentrum und dem Englischen Garten auch eine neue Arena im Stil eines klassischen Amphitheaters (unten). Die Bühne nach dem Entwurf des Architekturbüros Paul Böhm aus Köln hat zwei Seitenflügel und fügt sich mit dem geschwungenen, begrünten Dach fließend in die Parklandschaft ein. Bis zu 5.000 Gäste kommen hier in den Genuß kultureller Freiluftereignisse. Ein architektonischer Leckerbissen.

 

Nachdem das Wuhletal und der Kienberg in den vergangenen Jahrzehnten eher stiefmütterlich behandelt bzw. sich selbst überlassen wurden, stellen sie jetzt zusammen mit den „Gärten der Welt“ ein einheitliches landschaftliches Gesamtensemble dar. Und unser Doppelbezirk hat nun sogar eine schwebende Verbindung – durch die Luft von Hellersdorf über den Kienberg nach Marzahn. Leider verhindern momentan humorlose Aufpasser eine reibungslose Rücktour. Sie zwingen die Fahrgäste zum Aussteigen und zum Neuanstellen auf der anderen Seite.

 

Wer beim Fahrspaß mit der Schwebebahn vergisst, dass er sich in Berlin befindet, kann den Zwischenstopp auf dem höchsten Berg Marzahns nutzen, um vom Wolkenhain (unten) seinen Blick über die Hauptstadt

und das angrenzende Brandenburg schweifen zu lassen.

Eine atemberaubende Aussicht.

 

Der international renomierte südtiroler Seilbahnbauer LEITNER besitzt eine Konzession bis 2033. Die Mindestlaufzeit beträgt drei Jahre. Dann kann der Investor und Konstrukteur aus Italien entscheiden, ob die wirtschaftlichen Grundlagen für ein langfristiges Nutzen und Betreiben ausreichen. Ich drücke uns Marzahnern die Daumen, dass der positive Fall eintreten möge.

 

Bis dahin bleibt genügend Zeit, das luftige Abenteuer zu verinnerlichen

und die neue große Parklandschaft auch nach IGA-Schluss sowohl im Bezahlbereich als auch außerhalb mit allen Sinnen zu genießen.

BJM

241 (2017-07-27)

Aus „Kraft durch Freude“ wird „Freude durch Kraft“

Der Luxuskoloss mit brauner Vergangenheit

 

Ob es nun das längste Gebäude der Welt ist, interessiert den staunenden Betrachter eher wenig. Niemand kann die viereinhalb Kilometer Stahlbeton im Osten der Insel Rügen, auf einem Teil des Prorer Wiek, einer schmalen Landzunge zwischen den Seebädern Saßnitz und Binz, mit bloßem Auge überblicken. Diese ragen hinter den nach acht Jahrzehnten stark bewaldeten Dünen am Strand hervor. Wie kaum ein anderes Bauwerk symbolisiert der „Koloss von Prora“ den unbändigen Größenwahn der Nazis. In dem "Kraft durch Freude"-Komplex sollten einst 20.000 fleißige deutsche Arier gleichzeitig Urlaub machen.

 

Der unvollendete Gigant


Heute nach rund 80 Jahren wird diese Zielstellung rassenunabhängig, aber kontoabhängig Schritt für Schritt verwirklicht. Ein attraktives Urlaubsdomizil entsteht in diesem Ortsteil von Binz. Aus dem braunen Motto „Kraft durch Freude“ wurde heute der modernere Slogan „Freude durch Kraft“. Gemeint ist natürlich die Finanzkraft.

Die Investitionen begannen am ersten der acht miteinander verbundenen Betonklötze (jeder 500 Meter lang), welcher dem Ostseebad Binz am nächsten liegt. Selbstlos unterstützten die Investoren sogar die Gemeinde Prora bei der Verlängerung der Strandpromenade. Ein finanzieller Glücksgriff, denn die Spaziergänger aus Binz werden nun direkt zur Ferienanlage geführt.

 

In Block II entstand gerade das 4-Sterne-„Prora Solitaire“ mit luxuriösen Ferienwohnungen, ausgestattet mit Parkett, Fußbodenheizung, Boxspringbetten, Flachbild-TV, edlen Bädern und schicken Küchen. Gut 4.000 Euro pro Quadratmeter kosten die Wohnungen im Schnitt. Meerblick gibt`s als Bonus oben drauf – zumindest für die höheren Etagen.

Ein Steuersparmodell für betuchte Mitbürger unmittelbar hinter dem

FKK-Strand.

Ein Beispiel, wie es die Verkäufer vorrechnen: 269.176 Euro für eine Drei-Zimmer-Wohnung, ein effektiver Jahreszins von 2,5 Prozent, drei Prozent Tilgung, das ergebe in zwölf Jahren, wenn die AfA ausläuft, einen Steuervorteil von: 83.668 Euro. Die AfA, also die „Absetzung für Abnutzung“ bedeutet, dass hohe Anschaffungskosten über einen längeren Zeitraum hinweg von der Steuer abgesetzt werden können. Käufer bekommen über eine jährliche Steuerersparnis quasi einen Teil der Kaufsumme zurück.

Fast alle der bisher fertiggestellten Wohnungen sind bereits verkauft. Bedenken wegen der „dunklen“ Vergangenheit kennen die Käufer nicht. Was zählt, ist die lukrative Geldanlage.


Seit 1994 ein Denkmal


Selbst der Denkmalschutz rückt ins zweite Glied. Ursprünglich sollte die Einheitlichkeit der Außenfassade gewahrt bleiben, in der sich der Machtgedanke der Nazis widerspiegelt. Aber der Bund verkaufte die Blöcke an private Investoren. Der Umgang mit dem Gebäude ist jetzt sehr kommerziell. Natürlich vermarktet sich eine Ferienwohnung mit Balkon wesentlich besser. Zumal mit Blick auf das Meer. Der Denkmalschutz muss schließlich für die Eigentümer im Rahmen des Zumutbaren erfolgen. Und eine moderne Ferienwohnung ohne Balkon ist eben nicht zumutbar.

 

Nur Block V am anderen Ende der Anlage gehört noch dem Landkreis Vorpommern-Rügen. Die eine Hälfte wird von einer Jugendherberge belegt, die andere ist noch unsaniert. Weder der Landkreis noch das Land haben aber das Geld, Kultur- und Bildungsangebote investitionsseitig umzusetzen. Das alte Dilemma. So bleibt die Geschichte Proras vor allem für junge Menschen weiterhin ein Buch mit sieben Siegeln.


Die kalte Enteignung


Am 30. Juli 1935 nahmen die Nazis dem Fürsten zu Putbus das für ihre Bauvorhaben benötigte Land ab. Sicher fragten die Alleinherrscher bei dem eigens dafür anberaumten Frühschoppen nicht nach seiner Zustimmung.

1936 starteten die Bauarbeiten. Architektonisch gilt das Projekt nicht als klassische Nazi-Kreation. Es gewann 1937 auf der Weltausstellung in Paris immerhin einen Preis.

Der deutsche Arier sollte sich auf 2,5 mal 5 Metern erholen. Die Zimmer – die man für Familien auch untereinander verbinden konnte – waren sogar beheizbar. Auf Komfort wurde verzichtet. Eine warme, trockene und schlichte Unterkunft – nur ein paar Meter vom Strand entfernt.

Bis 1939 waren die Bettenhäuser im Rohbau weitestgehend fertig. Als der Krieg begann, wurden die Tätigkeiten eingestellt. Hitler brauchte seine Herrenrasse für die Front. Die ehemaligen Bauarbeiter fielen dann, bevor sie an einen Urlaub in Prora auch nur denken konnten.


Die spartanische Nachkriegsnutzung


Nach dem Krieg brachten die Russen dort die Sieges-Panzer der Roten Armee unter. 1962 zogen sie von diesem Gelände ab und Soldaten der NVA in die Nazi-Überbleibsel ein. Da sich die im Rohbau befindlichen Gebäude perfekt als Kasernen eigneten, ließ die DDR die massiven Beton-Kolosse aus- und umbauen. Sie dienten bis 1990 als NVA-Standort und Offiziersschule. Auch eine Kompanie mit Spatensoldaten, die den Dienst an der Waffe verweigerten, war hier stationiert.

Der südlichste Teil (Block I, wo heute bereits die Investitionskraft logiert) wurde als „Walter-Ulbricht-Heim“ Feriendomizil für Angehörige von NVA und Grenztruppen.

 

20 Jahre standen die Blöcke einfach nur da und verwitterten. Erinnerten an NS-Zeit, Krieg, Besatzung und NVA.

Diese schwer verdauliche geschichtliche Kombination jagt dem Badegast beim Durchqueren des Geländes auch heute noch einen kräftigen kalten Schauer den Rücken runter.

 

Der schönste Badestrand Rügens lenkt aber umgehend wieder von der Vergangenheit ab und entschädigt für das mehr als nachdenkliche Abschweifen in die Abgründe deutscher Geschichte.

 

Na dann, „Money makes the World go round!“

BJM

240 (2017-06-27)

Cash to go!

Eine der nützlichsten Erfindungen

 

Der Bankomat gehört zu meinem Leben wie das täglich Brot

 

Und das geht nicht nur mir so. In Deutschland soll es rund 60.000 dieser Cash-Maschinen geben, die uns 24 Stunden lang mit Bargeld versorgen. Da ich zwanzig Jahre in einer südosteuropäischen Nicht-DM- oder Nicht-Euro-Zone gelebt habe, waren die Cash Machines oft die einzige Chance, in wenigen Sekunden über die Landeswährung verfügen zu können.

 

Wer braucht schon die ganze Bank, solange der Geldscheinautomat im Vorraum funktioniert bzw. gefüllt ist. In europäischen Großstädten stehen die Dinger heute an jeder Straßenecke. Mit genügend Plastikkarten lassen sich sogar die Tageslimits überspringen. Im Grunde sei diese Maschine die einzige nützliche Innovation, die die Finanzbranche über Jahrzehnte zustande gebracht habe, urteilte 2009 Paul Volcker. Der war von August 1979 bis August 1987 Alan Greenspans Vorgänger als Chairman der US-Notenbank-Fed.  

Selbst bei Dingen, die ich fast täglich benutze, fällt es mir schwer, mich zu erinnern, wie das Leben wohl ohne sie vonstatten gegangen war. Zumindest habe ich meine Geldkarte der Sparkasse der Stadt Berlin, Zweigstelle Alexanderplatz (links), aus den 1980er Jahren aufgehoben.

Da hatte der Gang zum Geldautomaten noch einen besonderen Touch.

Genau, wie am Zahltag, eine gefüllte Lohn- oder Gehaltstüte in Empfang zu nehmen. Das Nachzählen des Inhalts war schon prickelnd.

Wurde meine Gehaltserhöhung berücksichtigt? Ist die Prämie dabei? Ist das Zusatzhonorar eingerechnet?

Spannende Momente, die es heute so nicht mehr gibt.


Aber seit wann existieren eigentlich Bankomaten?


Die Erfindung ist gerade einmal 50 Jahre alt: Die erste Cash Machine

nahm die britische Großbank Barclays am 27. Juni 1967 in ihrer Filiale

in Enfield nördlich von London in Betrieb.

 

Reg (Reginald Alfred) Varney (links im Bild) war ein britischer Schauspieler. Er wurde in Großbritannien in den 1970er Jahren vor allem durch seine Rolle als Stan Butler in der Sitcom On the Buses bekannt. Am 27. Juni 1967 war er der erste Mensch, der an einem Bankautomat Geld abhob

 

John Shepherd-Barron (1925 - 2010) hatte die Idee, einen Automaten aufzustellen, der Schecks prüfen und entwerten sowie im Gegenzug Geldscheine durch die Luke schieben konnte. Der Schotte entwickelte ab 1965 sechs ATM-Bankautomaten (Automated Teller Machine). Als erster durfte der Schauspieler Reg Varney heute vor 50 Jahren zehn Pfund ziehen - mehr ging nicht. Schließlich kam der Erfinder aus Schottland. Nein, damals war das allerhand Money.

 

Sportliche Gene

 

Automaten-Johns Mutter war übrigens die Wimbledon-Siegerin Dorothy Cunliffe Shepherd-Barron. Sie gewann 1931 mit ihrer Landsfrau Phyllis Mudford die Konkurrenz im Damendoppel der Wimbledon Championships. Bereits sieben Jahre vorher, ein Jahr vor der Geburt ihres Sohnes John, gewann Dorothy ebenfalls im Doppel die Bronzemedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris.

 

Shepherd-Barron hatte die Idee in der Badewanne. An diesem Sonnabend kam er zu spät zur Bank und konnte für das Wochenende kein Geld mehr abheben. Dabei dachte er wehmütig an die Selbstbedienungsautomaten

für Schokolade.

 

DM-Computer

 

Elf Monate später zog die Bundesrepublik nach. Die Kreissparkasse Tübingen stellte am 27. Mai 1968 den ersten deutschen Geldautomaten auf. Nur tausend ausgewählten Kunden war es erlaubt, jeweils bis zu 400 D-Mark abzuheben. Dafür brauchten die Glücklichen aber ein ganzes Bündel an Ausrüstungen: einen Spezialschlüssel für den Tresor, eine Identifikationskarte aus Plastik und Auszahlungsbelege in Form von Lochkarten.

 

Geldkarten mit Magnetstreifen gab es seinerzeit noch nicht. In Shepherd-Barrons Automaten mussten die Kunden einen leicht radioaktiv imprägnierten Scheck schieben.

 

War das gefährlich?

 

Nein, meinte der Erfinder: Er habe berechnet, dass man 136.000 dieser Schecks essen müsse, bevor deren Radioaktivität gesundheitlich bedenklich sei. 

 

Ursprünglich sollten die Schecks eine sechsstellige PIN-Nummer haben, erinnerte sich Shepherd-Barron (im Bild oben): "Aber meine Frau sagte über den Küchentisch hinweg, sie könne sich nur vier Ziffern merken. Ihretwegen wurden also die vier Ziffern der Weltstandard."

Und sind es bis heute.

 

Die PIN-Tastatur selbst wurde von einem anderen Schotten, James Goodfellow (* 1937), erfunden (und 1966 patentiert).

 

Im Unterschied zu heute funktionierte jeder Bankomat als Inselrechner, der nicht mit einem Zentralcomputer zum Datenabgleich verbunden war.

 

Der Durchbruch für die Bargeldmaschine kam in Deutschland, als die Automaten wie schon in Spanien und Schweden im Foyer sowie im Außenbereich der Banken installiert wurden und damit rund um die Uhr erreichbar waren.

Ein nützliches Gerät

 

In einer im Juni 2002 veröffentlichten Allensbach-Umfrage erklärten 72 Prozent der Deutschen den Geldautomaten zur beliebtesten technischen Alltagsneuerung ("Den kann ich gut gebrauchen") - weit vor Mikrowelle (59 Prozent), Handy (58 Prozent) und Computer (56 Prozent).

 

Den ersten Bankautomaten in Enfield gibt es schon längst nicht mehr. Nur eine Plakette erinnert noch daran. Reich wurde John Shepherd-Barron mit seiner Erfindung nicht. Er hatte vergessen, sie sich patentieren zu lassen.

BJM

239 (2017-06-24)

Tag des Deutschen Whiskys

In diesem Jahr ist es der 24. Juni

Der Verband Deutscher Whiskybrenner hat einen gemeinsamen Aktionstag ausgerufen, um den Deutschen Whisky stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Jeweils am letzten Sonnabend im Juni – also erstmalig heute - soll laut Pressemitteilung der Tag des Deutschen Whiskys im Kalender stehen.


Welche Spirituose („Geist“; „Geistiges“) darf die Bezeichnung Whisky/Whiskey führen?


„Das Wasser des Lebens“ ist ein Kornbrand, der mindestens drei Jahre in einem Holzfass gelagert werden muss, das maximal 700 Liter fasst, heißt es in der europäischen Spirituosenverordnung. Grundlage muss demnach ein Destillat aus gemälztem Getreide sein. Dem endgültigen Produkt dürfen somit nur Wasser und die Lebensmittelfarbe Zuckerkulör zugesetzt werden. Es darf nicht gesüßt oder aromatisiert werden.

Damit das Getränk Whisky genannt werden darf, muss es mindestens

40 Volumenprozent Alkohol enthalten. Einige Whisky-Destillerien verkaufen ihr Produkt auch "in Fassstärke", das bedeutet, dass kein Wasser zugesetzt wird und das Produkt einen höheren Alkoholgehalt hat.

 

Deutsche Whiskyhersteller gehen in unterschiedliche Richtungen


Der Deutsche Whisky besitzt inzwischen viele Liebhaber und kann sich über eine breite Fangemeinde freuen. Die schätzt vor allem die Regionalität und die individuellen Ausrichtungen der Whiskybrenner. Meist kommt hier eine andere Brenntechnik zum Einsatz, als wir sie von Schottland, Irland, den USA oder anderen traditionellen Whisky-Produzenten kennen. Auch beim Getreide oder bei den verwendeten Fässern gehen deutsche Brenner hin und wieder andere, eigene Wege. Natürlich gibt auch deutsche Whiskyexperten, die sich an der schottischen Brenntradition orientieren und vielfach auch Malz direkt in Schottland einkaufen. Die Szene der deutschen Destillerien ist äußerst vielfältig. Deshalb ist es an der Zeit, einen Tag des Deutschen Whiskys zu begehen. Leider findet man im deutschen Einzelhandel noch recht selten diese Köstlichkeiten aus heimatlichen Gefilden.


Jeder gestaltet seinen Tag des Deutschen Whiskys


Wie der aussieht, ist jeder Firma selbst überlassen. „Ein gemeinsamer Tag, ein individuelles Programm“ proklamiert der Verband der Deutschen Whiskybrenner. Ob eine Brennerei einen Tag der offenen Tür veranstaltet, spezielle Tastings oder Vorträge anbietet oder gar Sonderabfüllungen herausbringt, bleibt dem Geschick und Organisationstalent der Marketingverantwortlichen überlassen.

34 Brennereien gehören bisher dem Verband Deutscher Whiskybrenner an. Auch auf Whisky.de lassen sich Whiskys einiger dieser Destillerien finden. Im Produktangebot sind beispielsweise Finch Whisky, Coillmor, Gilors oder Aureum von Ziegler.

Es gibt derzeit im gesamten Bundesgebiet 29.000 Obst- & Kornbrennereien, von denen sich 300 bis 400 auch mit Whisky beschäftigen.

Die hohe Dichte an Whiskyherstellern in einigen Bundesländern liegt mitunter daran, dass die Kleinbrenner aus historischen Gründen vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und im Saarland zu finden sind. Die einst strukturschwache Gegend wurde durch das Brennrecht und die damit verbundenen Einnahmen zu Kaiserzeiten gefördert, wie der Vorsitzende des Whiskyverbandes, Fink, erklärt. 

 

Von Sammlern geschätzt: „Falckner“

 

Zu DDR-Zeiten wurde in Luckenwalde in der Firma Falckenthal der "Falckner" produziert. Früher war es ein Familienunternehmen, das bis in das Jahr 1759 zurückblicken konnte und seinerzeit vor allem durch den berühmten Kräuterlikör "Zinnaer Klosterbruder" bekannt war. Damals bezahlte man für eine Flasche "Falckner" wohl 27 DDR-Mark. Wenn ich mich recht erinnere, war das der einzige Whisky-Hersteller bei uns und die Marken hießen darüber hinaus noch "Edel Falcke" und "Oldmaster". Letzterer wurde nur exportiert oder „guten Freunden“ zum Kosten gegeben.

Heute lässt mancher Sammler für eine solche Flasche mal locker zwischen 200 und 300 Euro springen. 1995 wurde die Brennerei von der Firma Berentzen übernommen, doch zwei Jahre später geschlossen.

Deutsche Whisk(e)y-Tradition reicht 222 Jahre zurück

 

Inzwischen hat man aber auch in unserer Region wieder damit begonnen, das "flüssige Sonnenlicht" herzustellen.

 

Klar, dass es auch einen Whisky made in Berlin geben muss.

Martin Eschenbrenner betreibt im Berliner Wedding eine Brauerei und brennt feine Whiskys. Vom Eschenbräu zum Berliner Whisky?

2011 destilliert, reifen die Single Malt Whiskys heran. Die erste und zweite Abfüllung der Dreijährigen ist bereits vollständig vergriffen. 2016 wurden als dritte Auflage die Fünfjährigen aus den Fässern entlassen. Die Produktpalette des Weddinger Whisky-Pioniers wächst stetig und ab 2021 sollen auch 10-jährige Whiskys ihre Aromen entfalten dürfen. Die Single Malts heissen zum Beispiel Charly, Small Pete, Spessart Amber. Sie reifen heran und mit ihnen wächst die Erfahrung und eine solide Berliner Whisky-Tradition.

Nach meinen Informationen existieren auch im Umland von Berlin einige Whisky-Brennereien:

 

Spreewälder Feinbrand & Spirituosenfabrik in Schlepzig (Spreewald),

Preussische Whiskydestillerie in Schönermark (Uckermark),

Destillerie & Mälzerei Glina Whisky in Werder (Potsdam-Mittelmark),

German Whisky Destille in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark ab 2015) und die Burger Hofbrennerei in Burg (Spreewald ab 2015).

 

Natürlich profitiert auch der Spreewald vom Whisky-Boom. Hier steht Brandenburgs erste Whisky-Brennerei. Der "Sloupisti" war in Sachen Single Malt Vorreiter. Das wendische Wort "Sloupisti" steht übrigens für Schlepzig, eine Gemeinde im Landkreis Dahme-Spreewald. "Ich glaube, das Geheimnis von Whisky ist, dass er so mythenumrankt ist. Dass eigentlich niemand so richtig definieren kann, was Whisky eigentlich ist", sagt Torsten Römer, der Macher und Nichtgenießer. "Mir macht es mittlerweile Spaß, aber das Whisky-Trinken hab ich immer noch nicht gelernt. Ich schnuppere ganz gern mal dran, halte auch den Finger rein und lutsche ihn ab. Aber richtig einen Schluck Whisky hab ich ganz selten getrunken."

Von der Whisky-Herstellung, gibt er unumwunden zu, hatte er anfangs keine Ahnung. Zusammen mit seinen Mitstreitern habe er sich dieses Wissen erarbeitet. Heraus kam dennoch ein edler Tropfen - geadelt vom Whisky-Papst Jim Murray aus Schottland, mit 94 von 100 Punkten. "Das war schon eine kleine Sensation, dass ein kontinentaler Whisky, und dann auch noch aus Ostdeutschland und sogar noch aus dem Spreewald (siehe unten), so eine gute Bewertung bei Jim Murray bekommen hat. Das hat schon stolz gemacht. Aber ich habe nichts Besonderes dafür getan."

 

Das dachte anfangs sicher auch Johannes Jakob Böhm. 1795 war es. Damals startete der Sohn deutscher Einwanderer, der sich später in Jacob Beam umbenannte, in Clermont/Kentucky seine Bourbon-Herstellung.

Jim Beam Bourbon, eine der bekanntesten Whisk(e)y-Marken des Planeten hat deutsche Wurzeln. (Siehe auch IM BILDE vom 24. Juni 2017).

Als ich das herausgefunden hatte, war mir klar, der Tag des Deutschen Whiskys ist mehr als berechtigt.

BJM

238 (2017-06-12)

Der Plan ist aufgegangen

Macron festigt die Macht

 

Mit einem Erdrutschsieg hat Emmanuel Macron seine Macht als Präsident Frankreichs ausgebaut. Beim ersten Wahlgang der Parlamentswahlen holte La République en Marche am Sonntag souveräne 32,3 Prozent - und damit die absolute Mehrheit im Parlament. Ein perfekt verwirklichtes Konzept. Von langer Hand vorbereitet und medienwirksam in die Massen gestreut. Keiner fragt nach den Hintergründen. Niemand traut sich, Kritik zu äußern. Ein Modellversuch, der brillant in die Praxis umgesetzt wurde. Könnte als künftiges Beispiel für die Vereinheitlichung und Umgestaltung der „westlichen Demokratien“ herhalten. Die richtigen Leute zur rechten Zeit mit dem vorhandenen Geld zusammengebracht. Die parlamentarische Demokratie ist nun einmal die beste Form der Diktatur.

Das ganze Parteiengeschwafel wirkt inzwischen nur noch lästig, überflüssig und nicht mehr zeitgemäß. Reine Zeitverschwendung. Politiker müssen wieder lernen, sich zurückzunehmen und die „Anderen“ einfach machen lassen. Jeder Herrscher beschäftigt seine Hofnarren, um das Volk zu beschäftigen, zu besänftigen und zu belustigen. Mehr wird von den Volksvertretern nicht verlangt.

Deshalb mussten die etablierten Parteien zum Teil herbe Verluste hinnehmen, wie die Grafik von Statista zeigt: Die Republikaner liegen nur noch bei 21,6 Prozent, die Sozialisten kommen sogar nur noch auf 9,5 Prozent. Auch der Front National holte nur noch 13,2 Prozent der Wählerstimmen. 

Macron will die Mehrheit im Parlament nutzen, um nun zügig seine Gesetze durchzubringen. Es bleibt abzuwarten, wohin die Reise gehen wird. Viele sprechen von einer Revolution in Frankreich. Aber es ist das Gegenteil. Die verlorene Macht des Establishments wurde zurückerobert. Die Karten neu gemischt. Und die waren von vornherein auf Sieg programmiert. Gezinkte Karten werden in vielen Kartenspielen für betrügerisches Falschspiel verwendet. Aber auch moderne Zauberkünstler benutzen diese Karten, um ihrem Publikum verblüffende Tricks zu präsentieren. Wichtig ist, dass es keiner merkt. Und davon haben nun auch die Strippenzieher der Macht Gebrauch gemacht. Solch ein Ausrutscher, wie er in den USA passierte, darf nicht noch einmal vorkommen.

Mit den Macrons werden künftige Trumps verhindert. Schließlich soll die Welt den eingeschrittenen Weg nicht verlassen oder ungewollte Umwege einschlagen. Das Kapital braucht weder LINKE noch RECHTE, sondern die MITTE, wo es sich allgegenwärtig befindet. Und im Selbstverständnis auch hingehört.

 

Trotz der starken Bestätigung für En Marche hat die Parlamentswahl in Frankreich auch eine bereits sichtbare Schattenseite offenbart: Die Wahlbeteiligung war mit 48,7 Prozent verhältnismäßig niedrig. Da müssen die Wähler noch an sich arbeiten. Im Moment kein Problem, solange die Ergebnisse stimmen!

 

BJM

237 (2017-06-06)

Zwei Jahre

nach Kriegsende

Vor 70 Jahren wurde

der Sportverlag gegründet 

 

Ein Jubiläum, das nur noch wenige interessiert. Ein Nebengleis der gesamtdeutschen Verlagsgeschichte. Vor der deutschen Teilung entstanden und nach der Wiedervereinigung ausradiert. Erinnerungen bleiben. Manch nachdenklicher Blick geht zurück. Die Zukunft hat die Vergangenheit überrollt. Der Verzicht ist schmerzhaft, aber endgültig. Die Zeit setzt neue Maßstäbe. Das Tempo der Veränderung zieht an.

Der Staub der Vergangenheit lässt die Konturen einstiger Wirklichkeit verblassen. Die Gegenwart verlangt nach anderen Zielen und schafft neue Prioritäten. Aber die Geschichte ist das Fundament der Zukunft.

Denken wir zurück und freuen uns über das Dagewesene. Daraus erwachsen künftige Ideen und Bedürfnisse. Aus Einsicht wird Zuversicht.

 

Die Nachlese eines Beteiligten, geschrieben vor vier Jahren:

Der Sommer hatte noch gar nicht begonnen, aber das Nachkriegs-Berlin schwitzte bereits heftig. Zum einen lag das an den Temperaturen, die Anfang Juni 1947 bereits Rekordwerte erreichten. Zum anderen aber daran, dass im Ostteil der Stadt viel Arbeit auf die Journalisten wartete.

In kurzen Abständen erteilte die Sowjetische Militäradministration

Lizenzen für Zeitungen und Zeitschriften. Damit sollte das noch recht

fragile Machtgefüge der SED stabilisiert und in der Öffentlichkeit popularisiert werden.

Zu den aktuellen Neugründungen gehörte seit dem 5. Mai 1947 auch das „Deutsche Sportecho“. Eine Zeitung ohne Verlag, das geht nicht lange gut. Deshalb begaben sich einen Tag nach Fronleichnam am 6. Juni 1947 die Herren Otto Heimberger aus Charlottenburg, Helmuth Behrend aus Neukölln und Alexander Lösche aus Kleinmachnow zur Notarin Ingeburg Gentz, die die Gründung der Sportverlag GmbH an diesem Freitag beurkundete. Gegenstand des Unternehmens: Verlag von Sport-Fachliteratur jeder Art. Als Standort wurde die Neustädtische Kirchstraße 15 in Berlin NW 7 gewählt. Die Unternehmensgründer handelten wohlweislich im Auftrag der SED-Firma Zentrag, der am 29.10.1945 geschaffenen Zentralen Druckerei-, Einkaufs- und Revisionsgesellschaft mbH.

 

Was spricht für diese Vermutung?

 

1. Die Notarin und Rechtsanwältin Gentz war damals das einzige Parteimitglied mit einer Rechtsanwaltszulassung für alle Berliner Gerichte. 2. Sie legitimierte seit 1945 die Gründungsversammlungen der Zentrag sowie aller SED-Betriebe und -Tarnfirmen – gewissermaßen eine Spezialistin für „Shareholding through straw men“. 3. Die Verhandlung zum Sportverlag fand statt in den Räumlichkeiten des parteieigenen Berliner Verlages („Berliner Zeitung“) in der Jägerstraße 10/11. 4. Bereits zwei Jahre später trat Heimberger seinen Gesellschafteranteil in Höhe von 4.500 RM an Gerhard Sprafke aus Pankow ab, der darüber hinaus auch eine Vertretungsvollmacht für Helmuth Behrend besaß. 5. Der Mehrheitseigner Lösche übertrug am 5. Mai 1950 seine Beteiligung von 11.000 RM offiziell an die Zentrag. Ab diesem Zeitpunkt verfügte die Partei direkt über 55 Prozent der ausgewiesenen 20.000 (jetzt) DM Stammkapital der GmbH.

 

Das ist die eine Seite der Medaille

 

Die andere besteht aus einer unnachahmlichen Erfolgsstory, die vor 66 Jahren begann und erst zum 30.6.1993 nach 46 Geschäftsjahren beendet wurde – und zwar durch Gesellschafterbeschluss des Axel Springer Verlages. Welches Bild vom Sportverlag ist erhalten geblieben? Wie lässt sich das verlegerische Schaffen heute mit dem Abstand von zwanzig Jahren bewerten? Von Beginn an vereinte der Verlag geballtes Sportfachwissen mit journalistischer Vielfalt, akribischer Wissenschaftlichkeit, olympischem Gedankengut, kaufmännischer Verantwortung und den Visionen großer Persönlichkeiten. Es ist meines Wissens bis heute einmalig im deutschsprachigen Verlagswesen, dass so unterschiedliche Profitcenter wie eine Tageszeitung, Wochen- und Monatszeitschriften und darüber hinaus eine vielschichtige Buchproduktion unter einem Managementdach verantwortet wurden.

Nach dem „Deutschen Sportecho“ entstanden weitere Periodika, die über Jahrzehnte das Profil des Verlagshauses mitbestimmten: Die „Neue Fußballwoche“ (1949), der „Deutsche Angelsport“ (1949), der „Illustrierte Motorsport“ (1951), die Zeitschrift „Schach“ (1950) und der Wissenschaftstitel „Theorie und Praxis der Körperkultur“ (1952). Komplettiert wurde dieses Publikationskonglomerat 1950 als mit „Lerne schwimmen“ das erste Buch in einer Auflage von 30.000 Exemplaren erschien. Damit war das Kerngeschäft gegeben, das alle politischen und wirtschaftlichen Stürme der Folgezeit überstehen sollte. Seit dem 12. August 1958 bezeugte das Warenzeichen mit den „Drei stilisierten Läufern“ die Qualität der Marke Sportverlag. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weltweit bekannt:

Das Logo des Sportverlages

Aus meiner Sicht gab es in der DDR nur wenige Produkte, für die es sich lohnte, etwas länger auf das Erscheinen zu warten. Hierzu gehörten die Standardwerke des Verlages zu den Olympischen Winter- und Sommerspielen, die 1956 erstmalig auf den Markt kamen. Trotzdem musste man Glück oder Beziehungen haben, um alle vier Jahre eines dieser verlegerischen Highlights zu ergattern. Große Anerkennung erlangte das Verlagshaus als Herausgeber hochwertiger Schachliteratur, die weltweit ihresgleichen suchte, wie z.B. die achtbändige Reihe über alle Systeme der Schacheröffnung. Siebzig Prozent der gedruckten Exemplare wurden seinerzeit exportiert.

Der Sportverlag war zudem einer der wenigen namhaften Parteiverlage, die effektiv wirtschafteten. Jedes Jahr flossen mehrere Millionen Mark in die Parteikasse. Dazu zählten auch ansehnliche Valutaerlöse, die vor allem über Sortimentsverkäufe in anderen deutschsprachigen Ländern generiert wurden. Der jährliche Gewinn hätte sogar noch wesentlich höher ausfallen können, wenn nicht 1951 auf Parteibeschluss der Copypreis des „Deutschen Sportechos“ von 30 auf 20 Pfennig reduziert worden wäre. Trotzdem gelang es über 40 Jahre, mit Hilfe der Zeitschriften- und Buchproduktion die Verluste der Tageszeitung hausintern mehr als aufzufangen.

Zentrag-Tagung in den 1970er Jahren: Horst Schubert (links), Karl-Heinz Heß/Verlag Die Wirtschaft (Mitte), Horst Voigt/Stellv. Generaldirktor der Zentrag (rechts) und Karl Raab/Leiter der Abt. Finanzverwaltung und Parteibetriebe beim ZK der SED (vorn)

Einen prägenden Einfluss auf Entwicklung und Struktur des Sportverlages übten die Führungspersönlichkeiten aus, die in diesen 46 Jahren die Geschäfte des Hauses leiteten

 

Auch Olympiasieger, Welt- und Europameister, Schach-Großmeister oder Fußball-Nationalspieler starteten ihre zweite Karriere in der Neustädtischen Kirchstraße 15. Bis Januar 1951 war die Verlagsdirektion dreimal nacheinander jeweils mit einer Doppelspitze besetzt. Nach zwei weiteren Geschäftsführern übernahm am 12. Januar 1961 Horst Schubert die Verantwortung für das Unternehmen. Neunundzwanzig Jahre war er nach außen das Gesicht, der Repräsentant des Sportverlages sowie nach innen der Entscheider, der Ideengeber, der tägliche Ansprechpartner und der Organisator der fachlichen wie politischen Arbeit. Als Diener vieler Herren (u.a. ZK der SED, Zentrag, DTSB und Ministerium für Kultur) umschiffte er mit seinem Verlagshaus sowohl alle real existierenden als auch die aus Neid, Missgunst und Konkurrenzdenken geborenen Klippen des sozialistischen Alltags. Nie verlor er den aufrechten Gang, immer bemüht, mit eigenen Worten den Dingen auf den Grund zu gehen, aber auch die individuelle Färbung seiner Persönlichkeit nicht zu verbergen. Manch braver Genosse verblasste in seiner Gegenwart und ließ sich von Schuberts Wortgewalt ins zweite Glied drücken. Kam er zur Zentrag, ging er nicht wie andere zum fachlich zuständigen Mitarbeiter. Horst Schubert sprach direkt mit dem Generaldirektor. Er konnte diplomatisch sein, aber auch stur seinen Kopf durchsetzen. Wurde es mal richtig brenzlig, nahm er das Geschehene einfach auf seine Kappe. Der Gewinner war immer „sein“ Sportverlag. Ohne einen Mann dieses Kalibers wären viele noch so wichtige oder erwünschte Verlagsprojekte auf halber Strecke versandet. Seine Kompetenz und Persönlichkeit verhalfen dem Sportverlag zu einer drei Jahrzehnte währenden Stabilität und internationalem Renommee. Größe zeigte Horst Schubert auch bei seinem Abgang. Wieder unterschied er sich von anderen Verlegerkollegen, die selbst 1990 während der Leipziger Buchmesse noch nicht begriffen hatten, wohin die Entwicklung geht. Im Dezember 1989 rief er mich an und sagte: „Bernd, ich möchte etwas mit dir besprechen, es geht um meine Nachfolge. Komm doch bitte in den nächsten Tagen mal zu mir!“ Obwohl wir uns seit langem kannten und schätzten, hatten wir beide bei diesem Treffen einen Kloß im Hals. Aber wir wurden uns schnell einig. Horst entschied für sich, in Rente zu gehen. Trotz permanenter Wirren im Umfeld berief mich wenige Wochen später der Minister für Kultur zum zehnten und - wie sich herausstellen sollte - letzten Geschäftsführer des legendären Sportverlages. 

 

Anfang 1990: Eines der ersten Meetings zwischen Vertretern des Sportverlages und des von der Bild-Gruppe angeführten Axel Springer Verlages

Wir führten das Unternehmen zurück zu seinen Wurzeln. Aus Parteibetrieb und VEB wurde wieder eine GmbH. Im Hintergrund zogen diesmal Andere die Fäden. An die Stelle der SED traten die Treuhandanstalt und der Axel Springer Verlag. Deren Bemühen wirkte leider weniger intensiv und zielstrebig. Die glorreichen Jahre waren endgültig vorbei. Den Kampf gegen unsere besten Freunde verlor die Sportverlag GmbH - zerlegt in ihre Einzelteile wurden diese gewinnbringend vermarktet. Nach exakt 46 Jahren schloss sich der Kreis. Das letzte Kapitel der Geschichte des Sportverlages ward geschrieben.

 

Bernd Morchutt – 6. Juni 2013

Fotos: Herbert Kronfeld/Sportverlag (1), Archiv Morchutt (3)

Mi                 22.11.2017 

Nr.            2.585 - 1.282

Aktualisierung:        16:30

Übrigens,

 

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 18.11.2017

     2    5    9    12    20   25    SZ: 7

 

Spiel 77:  5449 972

Super 6: 848 704

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

2092 (2017-11-22) 

Bernd Jürgen Morchutt

 

Zum 100. Jubiläum (1920 - 2020)

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