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BERND JÜRGEN MORCHUTT

ZUR PERSON:

2012-01-31 (60 Bernd Morchutt).doc
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 BERND  &  MORE

244 (2017-09-04) Bernd Jürgen Morchutt 

Deutschland,

mir graut vor dir

Eine Entscheidung

zwischen Pest und Cholera

 

Nach zehn Minuten sorgenvollen Dreinschauens musste ich meine Pole-Position vor dem TV Screen wieder räumen. Aus Gründen der Gesundheitsvorsorge. Ein TV-Duell zwischen der Titelverteidigerin und ihrem Herausforderer.

 

Nur, so hatte selbst ich es in meinen schlimmsten Befürchtungen nicht erwartet. Beide Kandidaten erschienen auf dem HD-Bildschirm als wollten sie drei Wochen vor der Bundestagswahl ihren Verzicht auf alle politischen Ämter in diesem Land verkünden.

Leider haben sie es dann doch nicht getan. 

 

Die vier Kolleginnen und Kollegen Fragesteller passten sich den sauertöpfischen Mienen der beiden Parteivorsitzenden an, formulierten brav die vorher auf Schülerniveau herunter gebrochenen geistigen Herausforderungen. Antworten bekamen sie trotzdem nicht. Die eingeübten Stellungnahmen trafen auf die falschen Fragen oder umgekehrt.

 

Wer hat hier eigentlich wen herausgefordert?

 

Schulz kann doch froh sein, wenn für ihn in einer künftig wiederbelebten GroKo ein Ministerpöstchen freigehalten wird. Als Außenminister von Merkels Gnaden kann er ab Herbst seine Missachtungen gegenüber den osteuropäischen EU-Mitgliedern kultivieren. Schon als EU-Kommissionspräsident verdingte sich der Buchhändler ohne Schulabschluss als perfekte Kommunikationströte der CDU-Vorsitzenden. Seine anti-europäischen Entgleisungen brachten schonungslos seine bildungsferne Vergangenheit zum Vorschein. Auf diesem Level hat er tatsächlich nur eine Kontrahentin und das ist seine alte und neue Chefin von der anderen ehemaligen Volkspartei. Dann können beide künftig gemeinsam das Gold einfahren, das Merkels Fachkräfte illegal mit nach Deutschland gebracht haben.

Man stelle sich mal vor, diese beiden Gestalten wären früher im Westfernsehen aufgetreten: die christlich orientierte, menschelnde Schlepperkönigin Merkel und der abstinente, von Selbstzweifeln getriebene Sozialpopulist Schulz! Wir hätten doch freiwillig eine Verlängerung der „Aktuellen Kamera“ beantragt.

Was wir heute erleben, ist eine geistige und pragmatische Agonie. Intellektueller und programmatischer Stillstand oder Rückschritt würden ja fast noch euphorisch klingen!

 

Wer führt eigentlich dieses Land?

 

Frau Merkel ist es jedenfalls nicht. Das hat sie gerade wieder unter Beweis gestellt. Und der 100-Prozent-Martin von der SPD? Könnte der es besser? Klares Nein! Der versteht noch nicht einmal die Vorgaben, die andere für ihn erarbeitet haben. Aber er hat zumindest eine starke und traditionsreiche Partei in seinem Rücken. Die kämpft seit 154 Jahren für soziale Gerechtigkeit. Hat nur keiner gemerkt. Weil sie nach jeder Wahl ihren engsten Sympathisanten in den „Selbigen“ fällt.

Nach den aktuellen Eindrücken entscheide ich mich für die Cholera (Merkel) und gegen die Pest (Schulz). Es gibt nur einen einzigen Grund, die etwas besseren Überlebenschancen!

 

Noch ein Tipp:

Eventuell sollten wir uns in vier Jahren bei einem Kandidaten für einen scriptsicheren Jungschauspieler à la Macron entscheiden. Dann kämen Fragen und Antworten wenigstens aus einem Haus…

Images: Screenshots

BJM

243 (2017-08-19) Medienauslese 

Deutschland startete turbulent in die EM

Auftaktspiel gegen

Italien abgebrochen  

 

 

Wie funktioniert Blindenfußball?

 

Bei einer Mannschaftsstärke von vier Feldspielern, vier Spielern auf der Auswechselbank und einem Torhüter ist letzterer der Einzige, der sehen kann. Alle Feldspieler tragen Dunkelbrillen vor den Augen, damit jeder von ihnen gleich wenig, also überhaupt nichts sieht. Die Kicker auf dem Feld verständigen sich über Rufe untereinander und werden von Trainern und Guides am Spielfeldrand unterstützt.

 

Das Spielgerät ist deutlich kleiner als jene Kugel, mit dem sehende Fußballer auf Torejagd gehen. Zudem ist das runde Leder schwerer und hat in seinem Inneren Rasseln, um von den Spielern gehört zu werden. Zweimal 20 Minuten Spielzeit auf einem 40 mal 20 Meter großen Kunstrasenplatz mit Banden an den Längsseiten. Die Tore haben die Maße von Feldhockey-Toren. Jede Mannschaft hat darüber hinaus zwei „Guides“, einen hinter dem Tor, einen an der Seite, sie schreien „rechts“, „links“, „hier“, sie hauen gegen die Pfosten, rufen Zahlenkombinationen, die der Gegner nicht entschlüsseln kann. „36!“, „78!“ 

 

Chef der Deutschen Nationalmannschaft ist Bundestrainer Ulrich Pfisterer und gemeinsam hat sich die Mannschaft für ihre Heim EM viel vorgenommen. Ungeachtet einer konkret zu nennenden Platzierung, soll neben dem einmaligen Erlebnis einer Heim-Europameisterschaft die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 in Spanien stehen.


Wo steht die deutsche Nationalmannschaft im internationalen Vergleich?


2004 feierte Blindenfußball bei den Spielen in Athen paralympische Premiere. In Deutschland gibt es die Sportart erst seit elf Jahren, zu den Paralympics schaffte es die deutsche Auswahl noch nie. Das soll sich 2020 in Tokio unbedingt ändern. „Wir haben aufgeholt. Auf europäischer Ebene sind wir dabei und auf Augenhöhe, da kann alles passieren“, sagt Pfisterer. Einen großen EM-Favoriten gebe es jedenfalls nicht, findet der Cheftrainer. „Doch auch die anderen Nationen nehmen das Turnier sehr ernst und wollen etwas reißen. Schon unsere Vorrundengruppe hat es in sich.“

Deutschland bestritt

das Auftaktmatch

 

Das Eröffnungsspiel der IBSA Blindenfußball Europameisterschaft zwischen Gastgeber Deutschland und Gruppengegner Italien musste aufgrund eines Gewitters mit starken Regengüssen beim Stand von 2:0 abgebrochen werden. Die Tore für die deutsche Auswahl schossen Taime Kuttig und Alexander Fangmann.

Bevor das erste Spiel eines internationalen Blindenfußball Turniers auf deutschem Boden begann, stand eine standesgemäße Eröffnungsfeier auf dem Programm. Neben musikalischer Umrahmung durch Joana Zimmer wurden alle Nationalmannschaften auf dem Spielfeld des Lilli-Henoch-Sportplatzes begrüßt und vorgestellt.

Joana Zimmer (links) begleitete die Eröffnungszeremonie der IBSA Blindenfußball Europameisterschaft 2017 am 18. August musikalisch. Die Sängerin, selbst von Geburt an blind, eröffnete die Festlichkeiten rund um das Auftaktmatch zwischen Deutschland und Italien mit ihrem erfolgreichen Song „I believe“, der im Jahr 2005 mit der goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurde. Während der Eröffnungsfeier präsentierte die doppelt zum Echo nominierte Musikerin dann noch passend zum ersten Spiel ein italienisches Lied, „Sorridi amore vai“.

„Ich bin sehr stolz, bei einer so außergewöhnlichen, ambitionierten und spannenden Veranstaltung den musikalischen Rahmen gestalten zu dürfen. Natürlich drücke ich allen Ländern fest die Daumen, bin aber besonders berührt, dass das Eröffnungsspiel Deutschland Italien ist. Da ich für einige Zeit in Italien gelebt habe, fällt es mir nicht schwer, auch in diese Richtung musikalisch zu denken“, so Zimmer über ihren bevorstehenden Auftritt.

Selbst ist Joana Zimmer auch sportlich aktiv. Im Jahr 2004 nahm sie am Berlin-Marathon teil, 2012 scheiterte sie bei der TV-Sendung „Let’s dance“ erst im Viertelfinale. Aktuell hält sie sich mit Yoga fit und ist seit 2011 ausgebildete Ashtanga Yogalehrerin.

 

Kurz danach fand der Anpfiff der Partie vor einem mit 2200 Menschen gefüllten und damit ausverkauften Stadion statt. Sofort nahmen die fünf deutschen Spieler das Heft in die Hand. Die Vorgabe von Coach Pfisterer, ein offensives Spiel zu forcieren, wurde umgesetzt und so belohnte sich das deutsche Team in der 3. Minute nach einem Freistoß aus acht Metern durch Taime Kuttig mit dem Tor zum 1:0.

Nach sechs Minuten kamen auch die Italiener zu ihrer ersten Chance. Paul Iyobo tauchte unbedrängt vor dem Kasten von Themel auf, scheiterte aber knapp. Kurz darauf setzte sich der deutsche Kapitän Alexander Fangmann auf der rechten Seite mit einer schönen Täuschung durch und netzte zum 2:0 für die deutsche Auswahl ein.

Was das italienische Team nicht erreichen konnte, gelang dann dem Wetter: Ein Gewitter mit heftigem Niederschlag zwang die Schiedsrichter zu einer Unterbrechung und später zum kompletten Abbruch der Partie. Das Spiel findet seine Fortsetzung am 19. August um 11:00 Uhr. Die Tickets der Eröffnungszeremonie behalten ihre Gültigkeit.

242 (2017-08-15)

 

IGA 2017 – eine bunte florale

und bauliche Sensation

Wer nicht hingeht und mitschwebt, dem ist nicht zu helfen

Ich habe vier Monate gewartet, bis ich meine Füße durch die Drehkreuze der IGA 2017 schob. Und es hat sich mehr als gelohnt. Ich bin froh, dass ich meine vor ein paar Monaten geäußerte Meinung in vielen Punkten revidieren kann. Der Eintrittspreis von 20 € ist zwar immer noch brutal, aber das dafür Angebotene durchweg sehenswert.

 

Monatelang sind wir von einem Starkregen in das nächste Unwetter gespült worden. Kälte und Sturm luden wahrlich weder zum Seilbahnfahren noch zum Bestaunen der angepflanzten Kostbarkeiten ein. Als Anwohner bin ich in den letzten Wochen jeden Tag am IGA-Gelände vorbeigekommen. Kein Andrang der Besucher, gähnende Leere vor den Einlasskontrollen und auf dem Sonderparkplatz in Hönow/Brandenburg. Ärger und Mitleid begannen, sich zu vermischen.

 

Vor einer Woche nun habe ich meine Frau und vierzig Euro geschnappt, damit wir endlich seriös mitreden können. Denn aus den einschlägigen Medien erfährt man herzlich wenig über diese gigantisch schöne Naturshow. Selbst der rbb, unser regionales Drittes Fernsehen, hat sich nur einmal in den fernen Osten gewagt. Ja, wenn die IGA in Charlottenburg angesiedelt wäre...

 

Zum Glück fanden die Verantwortlichen den Mut, sich für die Austragung der Internationalen Gartenschau in Marzahn-Hellersdorf zu entscheiden. Die ursprüngliche Idee, das ehemalige Flugplatzgelände von Tempelhof zu gestalten, zu bepflanzen und zum Blühen zu bringen, wurde „Gott sei Dank!“ ad acta gelegt.

 

Marzahn verfügt mit den „Gärten der Welt“ - leider für die heutige voreingenommene bundesdeutsche Öffentlichkeit ein Stiefkind aus DDR-Zeiten – über die idealen Voraussetzungen. Diese Substanz hätte man an keinem anderen Ort in der Kürze der Vorbereitungszeit und mit dem vorhandenen Budget aus dem Boden stampfen können. Mit einigen Erneuerungen und Ergänzungen versehen, ist dieser Bereich die tragende Säule der IGA 2017. Besonders beeindruckend finde ich den neuen glasumhüllten Balinesischen Garten, das von weitem sichtbare Tropenhaus voller exotischer Fundstücke (oben). Alle historisch gewachsenen Gärten passen sich nahtlos in das Gesamtkonzept einer international ausgelegten Gartenausstellung ein.

 

Zu dem Japanischen, Koreanischen und Arabischen Garten kam mit IGA-Start ein Englischer Garten (oben) hinzu. Ein Cottages mit Terrasse und Gastronomie - in- und outdoor - sowie Blumenbeeten, Balustraden und Stauten drumherum. Tolle Idee, doch die Umsetzung gelang nicht ganz. Die Anmutung kommt etwas oberflächlich daher. Es wird kein royales Flair versprüht. Aber immerhin passt er als optischer Übergang zu dem mit dem Entstehen der IGA verbundenen neuen Landschaftsbereich. Hier geht es großzügiger, weitflächiger und luftiger zu. Ein willkommener Kontrast zu den intensiv geformten „Gärten der Welt“.

 

Diese großen, blumenumsäumten grünen Freiflächen laden in den nächsten Jahren bei günstigerer Wetterlage sicher zum Sonnenbaden ein. In diesem Erweiterungsbereich der „Gärten der Welt“ entstand zwischen dem Besucherzentrum und dem Englischen Garten auch eine neue Arena im Stil eines klassischen Amphitheaters (unten). Die Bühne nach dem Entwurf des Architekturbüros Paul Böhm aus Köln hat zwei Seitenflügel und fügt sich mit dem geschwungenen, begrünten Dach fließend in die Parklandschaft ein. Bis zu 5.000 Gäste kommen hier in den Genuß kultureller Freiluftereignisse. Ein architektonischer Leckerbissen.

 

Nachdem das Wuhletal und der Kienberg in den vergangenen Jahrzehnten eher stiefmütterlich behandelt bzw. sich selbst überlassen wurden, stellen sie jetzt zusammen mit den „Gärten der Welt“ ein einheitliches landschaftliches Gesamtensemble dar. Und unser Doppelbezirk hat nun sogar eine schwebende Verbindung – durch die Luft von Hellersdorf über den Kienberg nach Marzahn. Leider verhindern momentan humorlose Aufpasser eine reibungslose Rücktour. Sie zwingen die Fahrgäste zum Aussteigen und zum Neuanstellen auf der anderen Seite.

 

Wer beim Fahrspaß mit der Schwebebahn vergisst, dass er sich in Berlin befindet, kann den Zwischenstopp auf dem höchsten Berg Marzahns nutzen, um vom Wolkenhain (unten) seinen Blick über die Hauptstadt

und das angrenzende Brandenburg schweifen zu lassen.

Eine atemberaubende Aussicht.

 

Der international renomierte südtiroler Seilbahnbauer LEITNER besitzt eine Konzession bis 2033. Die Mindestlaufzeit beträgt drei Jahre. Dann kann der Investor und Konstrukteur aus Italien entscheiden, ob die wirtschaftlichen Grundlagen für ein langfristiges Nutzen und Betreiben ausreichen. Ich drücke uns Marzahnern die Daumen, dass der positive Fall eintreten möge.

 

Bis dahin bleibt genügend Zeit, das luftige Abenteuer zu verinnerlichen

und die neue große Parklandschaft auch nach IGA-Schluss sowohl im Bezahlbereich als auch außerhalb mit allen Sinnen zu genießen.

BJM

241 (2017-07-27)

Aus „Kraft durch Freude“ wird „Freude durch Kraft“

Der Luxuskoloss mit brauner Vergangenheit

 

Ob es nun das längste Gebäude der Welt ist, interessiert den staunenden Betrachter eher wenig. Niemand kann die viereinhalb Kilometer Stahlbeton im Osten der Insel Rügen, auf einem Teil des Prorer Wiek, einer schmalen Landzunge zwischen den Seebädern Saßnitz und Binz, mit bloßem Auge überblicken. Diese ragen hinter den nach acht Jahrzehnten stark bewaldeten Dünen am Strand hervor. Wie kaum ein anderes Bauwerk symbolisiert der „Koloss von Prora“ den unbändigen Größenwahn der Nazis. In dem "Kraft durch Freude"-Komplex sollten einst 20.000 fleißige deutsche Arier gleichzeitig Urlaub machen.

 

Der unvollendete Gigant


Heute nach rund 80 Jahren wird diese Zielstellung rassenunabhängig, aber kontoabhängig Schritt für Schritt verwirklicht. Ein attraktives Urlaubsdomizil entsteht in diesem Ortsteil von Binz. Aus dem braunen Motto „Kraft durch Freude“ wurde heute der modernere Slogan „Freude durch Kraft“. Gemeint ist natürlich die Finanzkraft.

Die Investitionen begannen am ersten der acht miteinander verbundenen Betonklötze (jeder 500 Meter lang), welcher dem Ostseebad Binz am nächsten liegt. Selbstlos unterstützten die Investoren sogar die Gemeinde Prora bei der Verlängerung der Strandpromenade. Ein finanzieller Glücksgriff, denn die Spaziergänger aus Binz werden nun direkt zur Ferienanlage geführt.

 

In Block II entstand gerade das 4-Sterne-„Prora Solitaire“ mit luxuriösen Ferienwohnungen, ausgestattet mit Parkett, Fußbodenheizung, Boxspringbetten, Flachbild-TV, edlen Bädern und schicken Küchen. Gut 4.000 Euro pro Quadratmeter kosten die Wohnungen im Schnitt. Meerblick gibt`s als Bonus oben drauf – zumindest für die höheren Etagen.

Ein Steuersparmodell für betuchte Mitbürger unmittelbar hinter dem

FKK-Strand.

Ein Beispiel, wie es die Verkäufer vorrechnen: 269.176 Euro für eine Drei-Zimmer-Wohnung, ein effektiver Jahreszins von 2,5 Prozent, drei Prozent Tilgung, das ergebe in zwölf Jahren, wenn die AfA ausläuft, einen Steuervorteil von: 83.668 Euro. Die AfA, also die „Absetzung für Abnutzung“ bedeutet, dass hohe Anschaffungskosten über einen längeren Zeitraum hinweg von der Steuer abgesetzt werden können. Käufer bekommen über eine jährliche Steuerersparnis quasi einen Teil der Kaufsumme zurück.

Fast alle der bisher fertiggestellten Wohnungen sind bereits verkauft. Bedenken wegen der „dunklen“ Vergangenheit kennen die Käufer nicht. Was zählt, ist die lukrative Geldanlage.


Seit 1994 ein Denkmal


Selbst der Denkmalschutz rückt ins zweite Glied. Ursprünglich sollte die Einheitlichkeit der Außenfassade gewahrt bleiben, in der sich der Machtgedanke der Nazis widerspiegelt. Aber der Bund verkaufte die Blöcke an private Investoren. Der Umgang mit dem Gebäude ist jetzt sehr kommerziell. Natürlich vermarktet sich eine Ferienwohnung mit Balkon wesentlich besser. Zumal mit Blick auf das Meer. Der Denkmalschutz muss schließlich für die Eigentümer im Rahmen des Zumutbaren erfolgen. Und eine moderne Ferienwohnung ohne Balkon ist eben nicht zumutbar.

 

Nur Block V am anderen Ende der Anlage gehört noch dem Landkreis Vorpommern-Rügen. Die eine Hälfte wird von einer Jugendherberge belegt, die andere ist noch unsaniert. Weder der Landkreis noch das Land haben aber das Geld, Kultur- und Bildungsangebote investitionsseitig umzusetzen. Das alte Dilemma. So bleibt die Geschichte Proras vor allem für junge Menschen weiterhin ein Buch mit sieben Siegeln.


Die kalte Enteignung


Am 30. Juli 1935 nahmen die Nazis dem Fürsten zu Putbus das für ihre Bauvorhaben benötigte Land ab. Sicher fragten die Alleinherrscher bei dem eigens dafür anberaumten Frühschoppen nicht nach seiner Zustimmung.

1936 starteten die Bauarbeiten. Architektonisch gilt das Projekt nicht als klassische Nazi-Kreation. Es gewann 1937 auf der Weltausstellung in Paris immerhin einen Preis.

Der deutsche Arier sollte sich auf 2,5 mal 5 Metern erholen. Die Zimmer – die man für Familien auch untereinander verbinden konnte – waren sogar beheizbar. Auf Komfort wurde verzichtet. Eine warme, trockene und schlichte Unterkunft – nur ein paar Meter vom Strand entfernt.

Bis 1939 waren die Bettenhäuser im Rohbau weitestgehend fertig. Als der Krieg begann, wurden die Tätigkeiten eingestellt. Hitler brauchte seine Herrenrasse für die Front. Die ehemaligen Bauarbeiter fielen dann, bevor sie an einen Urlaub in Prora auch nur denken konnten.


Die spartanische Nachkriegsnutzung


Nach dem Krieg brachten die Russen dort die Sieges-Panzer der Roten Armee unter. 1962 zogen sie von diesem Gelände ab und Soldaten der NVA in die Nazi-Überbleibsel ein. Da sich die im Rohbau befindlichen Gebäude perfekt als Kasernen eigneten, ließ die DDR die massiven Beton-Kolosse aus- und umbauen. Sie dienten bis 1990 als NVA-Standort und Offiziersschule. Auch eine Kompanie mit Spatensoldaten, die den Dienst an der Waffe verweigerten, war hier stationiert.

Der südlichste Teil (Block I, wo heute bereits die Investitionskraft logiert) wurde als „Walter-Ulbricht-Heim“ Feriendomizil für Angehörige von NVA und Grenztruppen.

 

20 Jahre standen die Blöcke einfach nur da und verwitterten. Erinnerten an NS-Zeit, Krieg, Besatzung und NVA.

Diese schwer verdauliche geschichtliche Kombination jagt dem Badegast beim Durchqueren des Geländes auch heute noch einen kräftigen kalten Schauer den Rücken runter.

 

Der schönste Badestrand Rügens lenkt aber umgehend wieder von der Vergangenheit ab und entschädigt für das mehr als nachdenkliche Abschweifen in die Abgründe deutscher Geschichte.

 

Na dann, „Money makes the World go round!“

BJM

240 (2017-06-27)

Cash to go!

Eine der nützlichsten Erfindungen

 

Der Bankomat gehört zu meinem Leben wie das täglich Brot

 

Und das geht nicht nur mir so. In Deutschland soll es rund 60.000 dieser Cash-Maschinen geben, die uns 24 Stunden lang mit Bargeld versorgen. Da ich zwanzig Jahre in einer südosteuropäischen Nicht-DM- oder Nicht-Euro-Zone gelebt habe, waren die Cash Machines oft die einzige Chance, in wenigen Sekunden über die Landeswährung verfügen zu können.

 

Wer braucht schon die ganze Bank, solange der Geldscheinautomat im Vorraum funktioniert bzw. gefüllt ist. In europäischen Großstädten stehen die Dinger heute an jeder Straßenecke. Mit genügend Plastikkarten lassen sich sogar die Tageslimits überspringen. Im Grunde sei diese Maschine die einzige nützliche Innovation, die die Finanzbranche über Jahrzehnte zustande gebracht habe, urteilte 2009 Paul Volcker. Der war von August 1979 bis August 1987 Alan Greenspans Vorgänger als Chairman der US-Notenbank-Fed.  

Selbst bei Dingen, die ich fast täglich benutze, fällt es mir schwer, mich zu erinnern, wie das Leben wohl ohne sie vonstatten gegangen war. Zumindest habe ich meine Geldkarte der Sparkasse der Stadt Berlin, Zweigstelle Alexanderplatz (links), aus den 1980er Jahren aufgehoben.

Da hatte der Gang zum Geldautomaten noch einen besonderen Touch.

Genau, wie am Zahltag, eine gefüllte Lohn- oder Gehaltstüte in Empfang zu nehmen. Das Nachzählen des Inhalts war schon prickelnd.

Wurde meine Gehaltserhöhung berücksichtigt? Ist die Prämie dabei? Ist das Zusatzhonorar eingerechnet?

Spannende Momente, die es heute so nicht mehr gibt.


Aber seit wann existieren eigentlich Bankomaten?


Die Erfindung ist gerade einmal 50 Jahre alt: Die erste Cash Machine

nahm die britische Großbank Barclays am 27. Juni 1967 in ihrer Filiale

in Enfield nördlich von London in Betrieb.

 

Reg (Reginald Alfred) Varney (links im Bild) war ein britischer Schauspieler. Er wurde in Großbritannien in den 1970er Jahren vor allem durch seine Rolle als Stan Butler in der Sitcom On the Buses bekannt. Am 27. Juni 1967 war er der erste Mensch, der an einem Bankautomat Geld abhob

 

John Shepherd-Barron (1925 - 2010) hatte die Idee, einen Automaten aufzustellen, der Schecks prüfen und entwerten sowie im Gegenzug Geldscheine durch die Luke schieben konnte. Der Schotte entwickelte ab 1965 sechs ATM-Bankautomaten (Automated Teller Machine). Als erster durfte der Schauspieler Reg Varney heute vor 50 Jahren zehn Pfund ziehen - mehr ging nicht. Schließlich kam der Erfinder aus Schottland. Nein, damals war das allerhand Money.

 

Sportliche Gene

 

Automaten-Johns Mutter war übrigens die Wimbledon-Siegerin Dorothy Cunliffe Shepherd-Barron. Sie gewann 1931 mit ihrer Landsfrau Phyllis Mudford die Konkurrenz im Damendoppel der Wimbledon Championships. Bereits sieben Jahre vorher, ein Jahr vor der Geburt ihres Sohnes John, gewann Dorothy ebenfalls im Doppel die Bronzemedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris.

 

Shepherd-Barron hatte die Idee in der Badewanne. An diesem Sonnabend kam er zu spät zur Bank und konnte für das Wochenende kein Geld mehr abheben. Dabei dachte er wehmütig an die Selbstbedienungsautomaten

für Schokolade.

 

DM-Computer

 

Elf Monate später zog die Bundesrepublik nach. Die Kreissparkasse Tübingen stellte am 27. Mai 1968 den ersten deutschen Geldautomaten auf. Nur tausend ausgewählten Kunden war es erlaubt, jeweils bis zu 400 D-Mark abzuheben. Dafür brauchten die Glücklichen aber ein ganzes Bündel an Ausrüstungen: einen Spezialschlüssel für den Tresor, eine Identifikationskarte aus Plastik und Auszahlungsbelege in Form von Lochkarten.

 

Geldkarten mit Magnetstreifen gab es seinerzeit noch nicht. In Shepherd-Barrons Automaten mussten die Kunden einen leicht radioaktiv imprägnierten Scheck schieben.

 

War das gefährlich?

 

Nein, meinte der Erfinder: Er habe berechnet, dass man 136.000 dieser Schecks essen müsse, bevor deren Radioaktivität gesundheitlich bedenklich sei. 

 

Ursprünglich sollten die Schecks eine sechsstellige PIN-Nummer haben, erinnerte sich Shepherd-Barron (im Bild oben): "Aber meine Frau sagte über den Küchentisch hinweg, sie könne sich nur vier Ziffern merken. Ihretwegen wurden also die vier Ziffern der Weltstandard."

Und sind es bis heute.

 

Die PIN-Tastatur selbst wurde von einem anderen Schotten, James Goodfellow (* 1937), erfunden (und 1966 patentiert).

 

Im Unterschied zu heute funktionierte jeder Bankomat als Inselrechner, der nicht mit einem Zentralcomputer zum Datenabgleich verbunden war.

 

Der Durchbruch für die Bargeldmaschine kam in Deutschland, als die Automaten wie schon in Spanien und Schweden im Foyer sowie im Außenbereich der Banken installiert wurden und damit rund um die Uhr erreichbar waren.

Ein nützliches Gerät

 

In einer im Juni 2002 veröffentlichten Allensbach-Umfrage erklärten 72 Prozent der Deutschen den Geldautomaten zur beliebtesten technischen Alltagsneuerung ("Den kann ich gut gebrauchen") - weit vor Mikrowelle (59 Prozent), Handy (58 Prozent) und Computer (56 Prozent).

 

Den ersten Bankautomaten in Enfield gibt es schon längst nicht mehr. Nur eine Plakette erinnert noch daran. Reich wurde John Shepherd-Barron mit seiner Erfindung nicht. Er hatte vergessen, sie sich patentieren zu lassen.

BJM

239 (2017-06-24)

Tag des Deutschen Whiskys

In diesem Jahr ist es der 24. Juni

Der Verband Deutscher Whiskybrenner hat einen gemeinsamen Aktionstag ausgerufen, um den Deutschen Whisky stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Jeweils am letzten Sonnabend im Juni – also erstmalig heute - soll laut Pressemitteilung der Tag des Deutschen Whiskys im Kalender stehen.


Welche Spirituose („Geist“; „Geistiges“) darf die Bezeichnung Whisky/Whiskey führen?


„Das Wasser des Lebens“ ist ein Kornbrand, der mindestens drei Jahre in einem Holzfass gelagert werden muss, das maximal 700 Liter fasst, heißt es in der europäischen Spirituosenverordnung. Grundlage muss demnach ein Destillat aus gemälztem Getreide sein. Dem endgültigen Produkt dürfen somit nur Wasser und die Lebensmittelfarbe Zuckerkulör zugesetzt werden. Es darf nicht gesüßt oder aromatisiert werden.

Damit das Getränk Whisky genannt werden darf, muss es mindestens

40 Volumenprozent Alkohol enthalten. Einige Whisky-Destillerien verkaufen ihr Produkt auch "in Fassstärke", das bedeutet, dass kein Wasser zugesetzt wird und das Produkt einen höheren Alkoholgehalt hat.

 

Deutsche Whiskyhersteller gehen in unterschiedliche Richtungen


Der Deutsche Whisky besitzt inzwischen viele Liebhaber und kann sich über eine breite Fangemeinde freuen. Die schätzt vor allem die Regionalität und die individuellen Ausrichtungen der Whiskybrenner. Meist kommt hier eine andere Brenntechnik zum Einsatz, als wir sie von Schottland, Irland, den USA oder anderen traditionellen Whisky-Produzenten kennen. Auch beim Getreide oder bei den verwendeten Fässern gehen deutsche Brenner hin und wieder andere, eigene Wege. Natürlich gibt auch deutsche Whiskyexperten, die sich an der schottischen Brenntradition orientieren und vielfach auch Malz direkt in Schottland einkaufen. Die Szene der deutschen Destillerien ist äußerst vielfältig. Deshalb ist es an der Zeit, einen Tag des Deutschen Whiskys zu begehen. Leider findet man im deutschen Einzelhandel noch recht selten diese Köstlichkeiten aus heimatlichen Gefilden.


Jeder gestaltet seinen Tag des Deutschen Whiskys


Wie der aussieht, ist jeder Firma selbst überlassen. „Ein gemeinsamer Tag, ein individuelles Programm“ proklamiert der Verband der Deutschen Whiskybrenner. Ob eine Brennerei einen Tag der offenen Tür veranstaltet, spezielle Tastings oder Vorträge anbietet oder gar Sonderabfüllungen herausbringt, bleibt dem Geschick und Organisationstalent der Marketingverantwortlichen überlassen.

34 Brennereien gehören bisher dem Verband Deutscher Whiskybrenner an. Auch auf Whisky.de lassen sich Whiskys einiger dieser Destillerien finden. Im Produktangebot sind beispielsweise Finch Whisky, Coillmor, Gilors oder Aureum von Ziegler.

Es gibt derzeit im gesamten Bundesgebiet 29.000 Obst- & Kornbrennereien, von denen sich 300 bis 400 auch mit Whisky beschäftigen.

Die hohe Dichte an Whiskyherstellern in einigen Bundesländern liegt mitunter daran, dass die Kleinbrenner aus historischen Gründen vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und im Saarland zu finden sind. Die einst strukturschwache Gegend wurde durch das Brennrecht und die damit verbundenen Einnahmen zu Kaiserzeiten gefördert, wie der Vorsitzende des Whiskyverbandes, Fink, erklärt. 

 

Von Sammlern geschätzt: „Falckner“

 

Zu DDR-Zeiten wurde in Luckenwalde in der Firma Falckenthal der "Falckner" produziert. Früher war es ein Familienunternehmen, das bis in das Jahr 1759 zurückblicken konnte und seinerzeit vor allem durch den berühmten Kräuterlikör "Zinnaer Klosterbruder" bekannt war. Damals bezahlte man für eine Flasche "Falckner" wohl 27 DDR-Mark. Wenn ich mich recht erinnere, war das der einzige Whisky-Hersteller bei uns und die Marken hießen darüber hinaus noch "Edel Falcke" und "Oldmaster". Letzterer wurde nur exportiert oder „guten Freunden“ zum Kosten gegeben.

Heute lässt mancher Sammler für eine solche Flasche mal locker zwischen 200 und 300 Euro springen. 1995 wurde die Brennerei von der Firma Berentzen übernommen, doch zwei Jahre später geschlossen.

Deutsche Whisk(e)y-Tradition reicht 222 Jahre zurück

 

Inzwischen hat man aber auch in unserer Region wieder damit begonnen, das "flüssige Sonnenlicht" herzustellen.

 

Klar, dass es auch einen Whisky made in Berlin geben muss.

Martin Eschenbrenner betreibt im Berliner Wedding eine Brauerei und brennt feine Whiskys. Vom Eschenbräu zum Berliner Whisky?

2011 destilliert, reifen die Single Malt Whiskys heran. Die erste und zweite Abfüllung der Dreijährigen ist bereits vollständig vergriffen. 2016 wurden als dritte Auflage die Fünfjährigen aus den Fässern entlassen. Die Produktpalette des Weddinger Whisky-Pioniers wächst stetig und ab 2021 sollen auch 10-jährige Whiskys ihre Aromen entfalten dürfen. Die Single Malts heissen zum Beispiel Charly, Small Pete, Spessart Amber. Sie reifen heran und mit ihnen wächst die Erfahrung und eine solide Berliner Whisky-Tradition.

Nach meinen Informationen existieren auch im Umland von Berlin einige Whisky-Brennereien:

 

Spreewälder Feinbrand & Spirituosenfabrik in Schlepzig (Spreewald),

Preussische Whiskydestillerie in Schönermark (Uckermark),

Destillerie & Mälzerei Glina Whisky in Werder (Potsdam-Mittelmark),

German Whisky Destille in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark ab 2015) und die Burger Hofbrennerei in Burg (Spreewald ab 2015).

 

Natürlich profitiert auch der Spreewald vom Whisky-Boom. Hier steht Brandenburgs erste Whisky-Brennerei. Der "Sloupisti" war in Sachen Single Malt Vorreiter. Das wendische Wort "Sloupisti" steht übrigens für Schlepzig, eine Gemeinde im Landkreis Dahme-Spreewald. "Ich glaube, das Geheimnis von Whisky ist, dass er so mythenumrankt ist. Dass eigentlich niemand so richtig definieren kann, was Whisky eigentlich ist", sagt Torsten Römer, der Macher und Nichtgenießer. "Mir macht es mittlerweile Spaß, aber das Whisky-Trinken hab ich immer noch nicht gelernt. Ich schnuppere ganz gern mal dran, halte auch den Finger rein und lutsche ihn ab. Aber richtig einen Schluck Whisky hab ich ganz selten getrunken."

Von der Whisky-Herstellung, gibt er unumwunden zu, hatte er anfangs keine Ahnung. Zusammen mit seinen Mitstreitern habe er sich dieses Wissen erarbeitet. Heraus kam dennoch ein edler Tropfen - geadelt vom Whisky-Papst Jim Murray aus Schottland, mit 94 von 100 Punkten. "Das war schon eine kleine Sensation, dass ein kontinentaler Whisky, und dann auch noch aus Ostdeutschland und sogar noch aus dem Spreewald (siehe unten), so eine gute Bewertung bei Jim Murray bekommen hat. Das hat schon stolz gemacht. Aber ich habe nichts Besonderes dafür getan."

 

Das dachte anfangs sicher auch Johannes Jakob Böhm. 1795 war es. Damals startete der Sohn deutscher Einwanderer, der sich später in Jacob Beam umbenannte, in Clermont/Kentucky seine Bourbon-Herstellung.

Jim Beam Bourbon, eine der bekanntesten Whisk(e)y-Marken des Planeten hat deutsche Wurzeln. (Siehe auch IM BILDE vom 24. Juni 2017).

Als ich das herausgefunden hatte, war mir klar, der Tag des Deutschen Whiskys ist mehr als berechtigt.

BJM

238 (2017-06-12)

Der Plan ist aufgegangen

Macron festigt die Macht

 

Mit einem Erdrutschsieg hat Emmanuel Macron seine Macht als Präsident Frankreichs ausgebaut. Beim ersten Wahlgang der Parlamentswahlen holte La République en Marche am Sonntag souveräne 32,3 Prozent - und damit die absolute Mehrheit im Parlament. Ein perfekt verwirklichtes Konzept. Von langer Hand vorbereitet und medienwirksam in die Massen gestreut. Keiner fragt nach den Hintergründen. Niemand traut sich, Kritik zu äußern. Ein Modellversuch, der brillant in die Praxis umgesetzt wurde. Könnte als künftiges Beispiel für die Vereinheitlichung und Umgestaltung der „westlichen Demokratien“ herhalten. Die richtigen Leute zur rechten Zeit mit dem vorhandenen Geld zusammengebracht. Die parlamentarische Demokratie ist nun einmal die beste Form der Diktatur.

Das ganze Parteiengeschwafel wirkt inzwischen nur noch lästig, überflüssig und nicht mehr zeitgemäß. Reine Zeitverschwendung. Politiker müssen wieder lernen, sich zurückzunehmen und die „Anderen“ einfach machen lassen. Jeder Herrscher beschäftigt seine Hofnarren, um das Volk zu beschäftigen, zu besänftigen und zu belustigen. Mehr wird von den Volksvertretern nicht verlangt.

Deshalb mussten die etablierten Parteien zum Teil herbe Verluste hinnehmen, wie die Grafik von Statista zeigt: Die Republikaner liegen nur noch bei 21,6 Prozent, die Sozialisten kommen sogar nur noch auf 9,5 Prozent. Auch der Front National holte nur noch 13,2 Prozent der Wählerstimmen. 

Macron will die Mehrheit im Parlament nutzen, um nun zügig seine Gesetze durchzubringen. Es bleibt abzuwarten, wohin die Reise gehen wird. Viele sprechen von einer Revolution in Frankreich. Aber es ist das Gegenteil. Die verlorene Macht des Establishments wurde zurückerobert. Die Karten neu gemischt. Und die waren von vornherein auf Sieg programmiert. Gezinkte Karten werden in vielen Kartenspielen für betrügerisches Falschspiel verwendet. Aber auch moderne Zauberkünstler benutzen diese Karten, um ihrem Publikum verblüffende Tricks zu präsentieren. Wichtig ist, dass es keiner merkt. Und davon haben nun auch die Strippenzieher der Macht Gebrauch gemacht. Solch ein Ausrutscher, wie er in den USA passierte, darf nicht noch einmal vorkommen.

Mit den Macrons werden künftige Trumps verhindert. Schließlich soll die Welt den eingeschrittenen Weg nicht verlassen oder ungewollte Umwege einschlagen. Das Kapital braucht weder LINKE noch RECHTE, sondern die MITTE, wo es sich allgegenwärtig befindet. Und im Selbstverständnis auch hingehört.

 

Trotz der starken Bestätigung für En Marche hat die Parlamentswahl in Frankreich auch eine bereits sichtbare Schattenseite offenbart: Die Wahlbeteiligung war mit 48,7 Prozent verhältnismäßig niedrig. Da müssen die Wähler noch an sich arbeiten. Im Moment kein Problem, solange die Ergebnisse stimmen!

 

BJM

237 (2017-06-06)

Zwei Jahre

nach Kriegsende

Vor 70 Jahren wurde

der Sportverlag gegründet 

 

Ein Jubiläum, das nur noch wenige interessiert. Ein Nebengleis der gesamtdeutschen Verlagsgeschichte. Vor der deutschen Teilung entstanden und nach der Wiedervereinigung ausradiert. Erinnerungen bleiben. Manch nachdenklicher Blick geht zurück. Die Zukunft hat die Vergangenheit überrollt. Der Verzicht ist schmerzhaft, aber endgültig. Die Zeit setzt neue Maßstäbe. Das Tempo der Veränderung zieht an.

Der Staub der Vergangenheit lässt die Konturen einstiger Wirklichkeit verblassen. Die Gegenwart verlangt nach anderen Zielen und schafft neue Prioritäten. Aber die Geschichte ist das Fundament der Zukunft.

Denken wir zurück und freuen uns über das Dagewesene. Daraus erwachsen künftige Ideen und Bedürfnisse. Aus Einsicht wird Zuversicht.

 

Die Nachlese eines Beteiligten, geschrieben vor vier Jahren:

Der Sommer hatte noch gar nicht begonnen, aber das Nachkriegs-Berlin schwitzte bereits heftig. Zum einen lag das an den Temperaturen, die Anfang Juni 1947 bereits Rekordwerte erreichten. Zum anderen aber daran, dass im Ostteil der Stadt viel Arbeit auf die Journalisten wartete.

In kurzen Abständen erteilte die Sowjetische Militäradministration

Lizenzen für Zeitungen und Zeitschriften. Damit sollte das noch recht

fragile Machtgefüge der SED stabilisiert und in der Öffentlichkeit popularisiert werden.

Zu den aktuellen Neugründungen gehörte seit dem 5. Mai 1947 auch das „Deutsche Sportecho“. Eine Zeitung ohne Verlag, das geht nicht lange gut. Deshalb begaben sich einen Tag nach Fronleichnam am 6. Juni 1947 die Herren Otto Heimberger aus Charlottenburg, Helmuth Behrend aus Neukölln und Alexander Lösche aus Kleinmachnow zur Notarin Ingeburg Gentz, die die Gründung der Sportverlag GmbH an diesem Freitag beurkundete. Gegenstand des Unternehmens: Verlag von Sport-Fachliteratur jeder Art. Als Standort wurde die Neustädtische Kirchstraße 15 in Berlin NW 7 gewählt. Die Unternehmensgründer handelten wohlweislich im Auftrag der SED-Firma Zentrag, der am 29.10.1945 geschaffenen Zentralen Druckerei-, Einkaufs- und Revisionsgesellschaft mbH.

 

Was spricht für diese Vermutung?

 

1. Die Notarin und Rechtsanwältin Gentz war damals das einzige Parteimitglied mit einer Rechtsanwaltszulassung für alle Berliner Gerichte. 2. Sie legitimierte seit 1945 die Gründungsversammlungen der Zentrag sowie aller SED-Betriebe und -Tarnfirmen – gewissermaßen eine Spezialistin für „Shareholding through straw men“. 3. Die Verhandlung zum Sportverlag fand statt in den Räumlichkeiten des parteieigenen Berliner Verlages („Berliner Zeitung“) in der Jägerstraße 10/11. 4. Bereits zwei Jahre später trat Heimberger seinen Gesellschafteranteil in Höhe von 4.500 RM an Gerhard Sprafke aus Pankow ab, der darüber hinaus auch eine Vertretungsvollmacht für Helmuth Behrend besaß. 5. Der Mehrheitseigner Lösche übertrug am 5. Mai 1950 seine Beteiligung von 11.000 RM offiziell an die Zentrag. Ab diesem Zeitpunkt verfügte die Partei direkt über 55 Prozent der ausgewiesenen 20.000 (jetzt) DM Stammkapital der GmbH.

 

Das ist die eine Seite der Medaille

 

Die andere besteht aus einer unnachahmlichen Erfolgsstory, die vor 66 Jahren begann und erst zum 30.6.1993 nach 46 Geschäftsjahren beendet wurde – und zwar durch Gesellschafterbeschluss des Axel Springer Verlages. Welches Bild vom Sportverlag ist erhalten geblieben? Wie lässt sich das verlegerische Schaffen heute mit dem Abstand von zwanzig Jahren bewerten? Von Beginn an vereinte der Verlag geballtes Sportfachwissen mit journalistischer Vielfalt, akribischer Wissenschaftlichkeit, olympischem Gedankengut, kaufmännischer Verantwortung und den Visionen großer Persönlichkeiten. Es ist meines Wissens bis heute einmalig im deutschsprachigen Verlagswesen, dass so unterschiedliche Profitcenter wie eine Tageszeitung, Wochen- und Monatszeitschriften und darüber hinaus eine vielschichtige Buchproduktion unter einem Managementdach verantwortet wurden.

Nach dem „Deutschen Sportecho“ entstanden weitere Periodika, die über Jahrzehnte das Profil des Verlagshauses mitbestimmten: Die „Neue Fußballwoche“ (1949), der „Deutsche Angelsport“ (1949), der „Illustrierte Motorsport“ (1951), die Zeitschrift „Schach“ (1950) und der Wissenschaftstitel „Theorie und Praxis der Körperkultur“ (1952). Komplettiert wurde dieses Publikationskonglomerat 1950 als mit „Lerne schwimmen“ das erste Buch in einer Auflage von 30.000 Exemplaren erschien. Damit war das Kerngeschäft gegeben, das alle politischen und wirtschaftlichen Stürme der Folgezeit überstehen sollte. Seit dem 12. August 1958 bezeugte das Warenzeichen mit den „Drei stilisierten Läufern“ die Qualität der Marke Sportverlag. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weltweit bekannt:

Das Logo des Sportverlages

Aus meiner Sicht gab es in der DDR nur wenige Produkte, für die es sich lohnte, etwas länger auf das Erscheinen zu warten. Hierzu gehörten die Standardwerke des Verlages zu den Olympischen Winter- und Sommerspielen, die 1956 erstmalig auf den Markt kamen. Trotzdem musste man Glück oder Beziehungen haben, um alle vier Jahre eines dieser verlegerischen Highlights zu ergattern. Große Anerkennung erlangte das Verlagshaus als Herausgeber hochwertiger Schachliteratur, die weltweit ihresgleichen suchte, wie z.B. die achtbändige Reihe über alle Systeme der Schacheröffnung. Siebzig Prozent der gedruckten Exemplare wurden seinerzeit exportiert.

Der Sportverlag war zudem einer der wenigen namhaften Parteiverlage, die effektiv wirtschafteten. Jedes Jahr flossen mehrere Millionen Mark in die Parteikasse. Dazu zählten auch ansehnliche Valutaerlöse, die vor allem über Sortimentsverkäufe in anderen deutschsprachigen Ländern generiert wurden. Der jährliche Gewinn hätte sogar noch wesentlich höher ausfallen können, wenn nicht 1951 auf Parteibeschluss der Copypreis des „Deutschen Sportechos“ von 30 auf 20 Pfennig reduziert worden wäre. Trotzdem gelang es über 40 Jahre, mit Hilfe der Zeitschriften- und Buchproduktion die Verluste der Tageszeitung hausintern mehr als aufzufangen.

Zentrag-Tagung in den 1970er Jahren: Horst Schubert (links), Karl-Heinz Heß/Verlag Die Wirtschaft (Mitte), Horst Voigt/Stellv. Generaldirktor der Zentrag (rechts) und Karl Raab/Leiter der Abt. Finanzverwaltung und Parteibetriebe beim ZK der SED (vorn)

Einen prägenden Einfluss auf Entwicklung und Struktur des Sportverlages übten die Führungspersönlichkeiten aus, die in diesen 46 Jahren die Geschäfte des Hauses leiteten

 

Auch Olympiasieger, Welt- und Europameister, Schach-Großmeister oder Fußball-Nationalspieler starteten ihre zweite Karriere in der Neustädtischen Kirchstraße 15. Bis Januar 1951 war die Verlagsdirektion dreimal nacheinander jeweils mit einer Doppelspitze besetzt. Nach zwei weiteren Geschäftsführern übernahm am 12. Januar 1961 Horst Schubert die Verantwortung für das Unternehmen. Neunundzwanzig Jahre war er nach außen das Gesicht, der Repräsentant des Sportverlages sowie nach innen der Entscheider, der Ideengeber, der tägliche Ansprechpartner und der Organisator der fachlichen wie politischen Arbeit. Als Diener vieler Herren (u.a. ZK der SED, Zentrag, DTSB und Ministerium für Kultur) umschiffte er mit seinem Verlagshaus sowohl alle real existierenden als auch die aus Neid, Missgunst und Konkurrenzdenken geborenen Klippen des sozialistischen Alltags. Nie verlor er den aufrechten Gang, immer bemüht, mit eigenen Worten den Dingen auf den Grund zu gehen, aber auch die individuelle Färbung seiner Persönlichkeit nicht zu verbergen. Manch braver Genosse verblasste in seiner Gegenwart und ließ sich von Schuberts Wortgewalt ins zweite Glied drücken. Kam er zur Zentrag, ging er nicht wie andere zum fachlich zuständigen Mitarbeiter. Horst Schubert sprach direkt mit dem Generaldirektor. Er konnte diplomatisch sein, aber auch stur seinen Kopf durchsetzen. Wurde es mal richtig brenzlig, nahm er das Geschehene einfach auf seine Kappe. Der Gewinner war immer „sein“ Sportverlag. Ohne einen Mann dieses Kalibers wären viele noch so wichtige oder erwünschte Verlagsprojekte auf halber Strecke versandet. Seine Kompetenz und Persönlichkeit verhalfen dem Sportverlag zu einer drei Jahrzehnte währenden Stabilität und internationalem Renommee. Größe zeigte Horst Schubert auch bei seinem Abgang. Wieder unterschied er sich von anderen Verlegerkollegen, die selbst 1990 während der Leipziger Buchmesse noch nicht begriffen hatten, wohin die Entwicklung geht. Im Dezember 1989 rief er mich an und sagte: „Bernd, ich möchte etwas mit dir besprechen, es geht um meine Nachfolge. Komm doch bitte in den nächsten Tagen mal zu mir!“ Obwohl wir uns seit langem kannten und schätzten, hatten wir beide bei diesem Treffen einen Kloß im Hals. Aber wir wurden uns schnell einig. Horst entschied für sich, in Rente zu gehen. Trotz permanenter Wirren im Umfeld berief mich wenige Wochen später der Minister für Kultur zum zehnten und - wie sich herausstellen sollte - letzten Geschäftsführer des legendären Sportverlages. 

 

Anfang 1990: Eines der ersten Meetings zwischen Vertretern des Sportverlages und des von der Bild-Gruppe angeführten Axel Springer Verlages

Wir führten das Unternehmen zurück zu seinen Wurzeln. Aus Parteibetrieb und VEB wurde wieder eine GmbH. Im Hintergrund zogen diesmal Andere die Fäden. An die Stelle der SED traten die Treuhandanstalt und der Axel Springer Verlag. Deren Bemühen wirkte leider weniger intensiv und zielstrebig. Die glorreichen Jahre waren endgültig vorbei. Den Kampf gegen unsere besten Freunde verlor die Sportverlag GmbH - zerlegt in ihre Einzelteile wurden diese gewinnbringend vermarktet. Nach exakt 46 Jahren schloss sich der Kreis. Das letzte Kapitel der Geschichte des Sportverlages ward geschrieben.

 

Bernd Morchutt – 6. Juni 2013

Fotos: Herbert Kronfeld/Sportverlag (1), Archiv Morchutt (3)

236 (2017-06-05)

Er hat es getan

Die USA steigen

aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aus

 

Profiteure der Klimawandelhysterie sehen

ihre Felle davon schwimmen

 

Sie betonen, dass doch die Mehrheit der Wissenschaftler der Meinung vom menschengemachten Klimawandel folge. Seit wann orientiert sich Wissenschaft an Mehrheitsmeinungen? Die Klima-Fraktion verdiente bisher zu gut an den vielen Klima-Projekten, in Instituten, Verbänden und Firmen. Sie werden auch weiterhin aus großen Geschützen auf Trump feuern.

Mal wieder gilt Donald Trump als der Bösewicht der internationalen Welt.

Das Pariser Klimaabkommen

sei unfair gegenüber den Vereinigten Staaten


Trump: »Amerikanische Arbeiter, die ich liebe, werden benachteiligt.« Er zeigt den Verlust von Arbeitsplätzen in der Produktion auf: »Die drakonischen Bedingungen, die der Vertrag uns auferlegt, würden 2,7 Mio Arbeitsplätze bis 2025 kosten!« Er rechnet als Resultat der Zerstörung vitaler amerikanischer Industrien vor: Die Papierindustrie vermindere sich um zwölf Prozent, die Zementindustrie ebenso, Eisen und Stahlindustrie gar um 38, die Kohle werde nahezu vollkommen zerstört, um 86 Prozent. Die Klimajünger werfen mit Milliardenbeträgen um sich, ohne überhaupt sagen zu können, was damit getan wird: »Niemand weiß, wohin das Geld geht!« Er führt öffentlich auf, was das Pariser Abkommen bedeutet: China könne 13 Jahre tun und lassen, was sie wollen. »Wir nicht!« Indien mache seine Zustimmung davon abhängig, dass das Land über Jahre ausländische Hilfe erhalte. »China kann 100 zusätzliche Kohleminen eröffnen, wir dürfen nicht – zumindest nicht nach dem Abkommen«, »Indien kann Kohleproduktion verdoppeln. Wir nicht!«

 

Trumps Fazit des Pariser Abkommens


»Nicht Kohle wird limitiert, sondern die Verwendung wird nur in andere Länder verlegt.« Es gehe nur darum, daß andere Länder einen Vorteil haben. Er fragt: »Andere Länder haben geklatscht, aus einem einzigen Grund – warum? Weil die USA in einen wirtschaftlichen Nachteil erlitten haben.«

Erstmals spricht ein Politiker so deutlich wie nie zuvor aus, welche sozialen Folgen der Schwindel um den Klimawandel hat: »Wir haben die größten Energieressourcen der Welt. Aber aufgrund des Pariser Abkommens dürften wir sie nicht nutzten. Ein großer Reichtum, phänomenal. Doch Millionen von Familien befinden sich in der Armutsfalle.

Das Pariser Abkommen bedeute lediglich eine massive Umverteilung in andere Länder. Das wird unter meiner Präsidentschaft nicht passieren!«

Aufatmen können die großen US-Energieversorger und die Öl- und Kohleindustrie; Trump will die einschneidenden Regulierungen für Kohlekraftwerke rückgängig und die Nutzung von fossilen Rohstoffen einfacher machen. Die amerikanische Wirtschaft wird davon profitieren. Unmittelbar erspart sich Amerika eine Menge Geld, das in den diversen Taschen verschwindet. Immerhin wurde in Paris vereinbart, dass die Industrieländer von 2020 bis 2050 rund 100 Milliarden Dollar in den Umbau der Energieversorgung und in die Beseitigung von Schäden stecken, die angeblich vom Klimawandel verursacht werden. Ein großer Teil davon sollte aus amerikanischen Steuergeldern fließen.

 

Merkel ist »enttäuscht« über den Ausstieg und setzt sich als Bewahrerin der Erde in Szene: Sie wünsche sich »weiter alle Kraft für globale Klimapolitik, die unsere Erde bewahrt.« Abschied vom »nachhaltigen Denken« beklagt die weltweit berühmte Klima- und Naziexpertin

Ursula von der Leyen.

 

Niemand spricht aus, was der ständige Wandel für

deutsche Haushalte bedeutet

 

Armut aufgrund zu hoher Energiekosten! Im angeblich so sozialen Paradies Deutschland spricht das kein umweltbewegter Politiker aus.

Jeden Werktag wird bereits heute 70 Berliner Haushalten der Strom abgestellt. 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die 17.800 betroffenen Haushalte mussten im Schnitt 32 Tage ohne Strom auskommen. Hatten also weder Herd, Kühlschrank noch Telefon, Internet und zum Teil auch kein warmes Wasser. Generell wächst die Zahl der Stromsperren seit 2014 kontinuierlich. In Marzahn-Hellersdorf wurden rund 16 Prozent mehr Abschaltungen als in den Vorjahren angeordnet. 2.015 Mal drehte man Haushalten in unserem Bezirk den Saft ab. In Mitte und Wedding wurden im Jahr 2016 gar 2.249 Stromsperrungen gezählt. Das ist der aktuelle Spitzenwert für die

deutsche Hauptstadt.

Klimawandel ist ein unbedenkliches Argument, widerstandslos die Steuern, Energiekosten und Abgaben zu erhöhen, und das für einen guten Zweck.

Aber heiligt der Zweck tatsächlich alle Mittel?

 

Trumps NEIN hat sofort die kritischen Klimaforscher bestärkt, sich wieder öffentlich zu äußern. Weg vom Erwärmungsdogma der Globalisierer.

 

Selbst wenn CO2 das Klima erwärmen würde, wie die eingeschworene Glaubensgemeinschaft der „Klimaretter“ behauptet, hätten die Menschen einen viel geringeren Einfluss darauf. Laut Umweltbundesamt stammen nur 1,2 Prozent des jährlichen CO2-Ausstosses aus dem Verbrennen fossiler Brennstoffe. Zwei Prozent, also fast doppelt so viel, verursacht die Atemluft der Menschen. Der Hauptteil von über 96 Prozent wird aber zu großen Teilen von den Meeren, Vulkanen und der Natur ausgestoßen. Das heißt, der Mensch hat eigentlich so gut wie keinen Einfluss auf den CO2-Gehalt der Luft. Ich bin kein Klima-Wissenschaftler, aber anhören muss man sich auch diese Argumente.

 

Weil der CO2-Anfall einen so geringen Einfluss auf die Erderwärmung hat, lässt Umwelt-Merkel auch die Diesel-Mafia in Deutschland schalten und walten. Die Atemluftverbrecher der deutschen Autoindustrie müssen in Deutschland keine Strafen befürchten. Umweltschutz und Klimavorsorge gelten nur für die anderen Länder. Wir liegen fern von den selbstgesteckten Zielen der Eindämmung der Erderwärmung. Trotz großer Klappe und tausender Experten.


Schließlich fahren die meisten deutschen Dieselautos

in anderen Ländern


Selbst in der modernsten Schadstoffklasse Euro 6 blasen viele Autos mit Dieselmotor mehr giftige Stickoxide aus dem Auspuff als neue Lastwagen oder Busse. Laut einer Analyse des Forscherverbunds ICCT ergaben Daten des Kraftfahrt-Bundesamts sowie aus Finnland im Schnitt für moderne Lkw durchschnittliche Stickoxidemissionen von 210 Milligramm je Kilometer. Pkw der Klasse Euro 6 mit Dieselmotoren stoßen im realen Straßenverkehr dagegen pro gefahrenem Kilometer im Schnitt etwa

500 Milligramm aus.

Bei der Verbrennung von einem Liter Diesel entstehen rund zwölf Prozent mehr CO2 als bei einem Liter Benzin. Ein Ottomotor "darf" daher diese rund zwölf Prozent mehr verbrauchen, um – in punkto Kohlendioxid-Emission – gleichwertig zu einem Diesel zu sein. Fahrzeuge mit Flüssiggas-Betrieb wiederum emittieren deutlich weniger CO2.

 

Warum werden in Deutschland eigentlich noch Dieselmotoren für Pkw hergestellt und eingebaut?

 

Ich dachte, wir sind Vorreiter in Sachen Klimaschutz?


Da ich gerade meinen Urlaub am Meer verbracht habe: Wer bekämpft zur Zeit die Verschmutzung unserer Weltmeere? Plastikmüll tötet Flora und Fauna. Von gesundheitlichen Schäden für den Menschen muss man gar nicht erst sprechen.

20.000 Tonnen Müll, vor allem aus Schifffahrt und Fischerei, gelangen jährlich in die Nordsee. Entlang untersuchter Strandabschnitte der Wattenmeerküste Deutschlands und der Niederlande machten Plastik und Styropor über 75 Prozent des angespülten Abfalls aus; auf dem Grund der Nordsee sollen 2012 rund 600.000 Kubikmeter Plastikmüll gelegen haben.

An der Küste der Ostsee befinden sich an manchen Strandabschnitten bis zu sieben Abfallteile pro Meter. An den Küstenlinien des Nordostatlantiks (OSPAR-Region) zählte man in den Jahren 2000 bis 2006 durchschnittlich 712 Müllteile pro 100 m. Rund um Großbritannien wurden durchschnittlich 12.000 bis 150.000 Mikroplastik-Partikel pro Quadratkilometer gefunden.

Und die Mengen steigen von Jahr zu Jahr weiter. Keiner hält sich an Verbote oder interessiert sich dafür!

Das Pariser Klimaabkommen ist ein rein ideologisches Projekt. Niemand weltweit unternimmt ernsthafte Anstrengungen. Allein die Mammutkonferenzen mit Vertretern aus 197 Staaten kosten viele Millionen EURO, die besser zur Erhaltung der Umwelt genutzt werden sollten.

Wahr ist, „dass wir das Erdklima derzeit weder verstehen noch voraussagen können“. Das schrieb Professor Gottfried Schatz, als Biochemiker eine internationale Kapazität, am 23. Juli 2007 in der NZZ. 

 

Wie sagte doch die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks bei der Verarbeitung des Trump-Schocks dieser Tage sinngemäß: Wenn es eng wird mit den Klimazielen, dann beenden wir eben die Braunkohleförderung in der Lausitz.

So einfach funktionieren in Deutschland Umwelt- und Klimaschutz.

 

Anmerkung: Die Eingangszitate von Donald Trump entstammen einem Artikel von Roland Tichy (Tichys Einblick).

BJM

235 (2017-05-11)

Rechtspopulistisch

und antistaatlich –

was ist das?

Die Zeiten ändern sich,

aber nicht die Gefahren

 

Gestern vor 84 Jahren verbrannten unter anderem auf dem Berliner Opernplatz Bücher von Karl Marx, Heinrich Heine, Sigmund Freud, Thomas Mann, Heinrich Mann, Erich Maria Remarque, Berthold Brecht, Erich Kästner, Kurt Tucholsky oder von Karl von Ossietzky. Die Werke von Philosophen, Wissenschaftlern, Lyrikern, Romanautoren oder politischen Schriftstellern wurden den Flammen übergeben.

Bei der "Säuberung" öffentlicher Bibliotheken beschlagnahmten die Nazis allein in Berlin bis Ende Mai 1933 rund 10.000 Zentner Literatur. Ein Jahr später gab es "Schwarze Listen" mit mehr als 3.000 Titeln verbotener Bücher und Schriften.

Keine zwanzig Jahre später

 

In der DDR kontrollierte die Parteiaufsicht vor allem Schriftsteller und Musiker, ob ihre Bücher und Texte dem Idealbild des Sozialismus entsprachen. Das förderte einerseits die Kreativität der Künstler, ihre Botschaften und Aussagen über der durchschnittlichen Intelligenz der Parteizensoren anzusiedeln. Andererseits brachte es vielen von ihnen ein One-Way-Ticket in den Westen ein. Einer der namhaftesten Künstler war seinerzeit der Rockmusiker Klaus Jentzsch/Renft. Der gebürtige Thüringer und spätere Leipziger „avancierte“ aufgrund seiner musikalischen Besessenheit zum Staatsfeind in der DDR. 1975 wurde die Kultband „Renft“ verboten. Die Autobiografie von Klaus Renft enthält die betreffenden Stasi-Dokumente (u.a. siehe unten):

 

Klaus, der Chef und Namensgeber, reiste ein paar Monate später nach Westberlin aus, allerdings ohne Rückfahrschein. Dreizehn Jahre lebte der Musiker im fremden Teil Deutschlands. Doch angekommen ist er dort nie. Zumindest hatte er genügend Zeit, sich über den dehn- und manipulierbaren Begriff der Freiheit Gedanken zu machen. In seiner Autobiografie sagt er: Manchmal wünscht man sich, daß die Geschichte zu einem Spiel bereit ist, zu einem Rollentausch. Uns würden wahrscheinlich die Augen übergehen, wie ähnlich die Leute überall sind, egal, in welchem System die leben. Wie das Freiheitsbedürfnis im Osten durch den Staat als Mittel benutzt wurde, um junge Leute bei der Stange zu halten, so wird es hier im Westen benutzt, um einen Markt am Leben zu halten. In beiden Fällen ist die Grundidee verfälscht, und aus behaupteter Freiheit wird der Knüppel, der dich in jedem Fall trifft. Freiheit heißt überall und zu allen Zeiten: Wenn du meiner Meinung bist – dann kannst du alles sagen.“

 

Die Geschichte ist gnadenlos

 

Ereignisse wiederholen sich. Nur die handelnden und die behandelten Personen ändern sich. Das für die Öffentlichkeit Sichtbare mag verschieden aussehen, doch für die betroffenen Künstler führt der „virtuelle Dolchstoß“ immer zu schweren inneren Verletzungen.

 

Es geht in diesem Zusammenhang um ein Lied der Söhne Mannheims mit ihrem Frontmann Xavier Naidoo. Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) hatte die Gruppe zu einem Gespräch eingeladen. Das Treffen im Technischen Rathaus dauerte drei Stunden. Es gab einem "intensiven Austausch" im sogenannten Collini-Center am Neckar-Ufer.

Kurz hatte die Rockband um Sänger Xavier Naidoo mit Nachdruck aufgefordert, "antistaatliche Aussagen" in ihren Texten „aufzuklären“. Naidoo ist Mit-Autor des in Politikerkreisen für Schnappatmung sorgenden Lieds "Marionetten", in dem es über Politiker unter anderem heißt: "Teile eures Volks nennen euch schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter." Hier der komplette Liedtext:

Songtext zu „Marionetten“ von Söhne Mannheims featuring Cr7z


[Refrain: Xavier Naidoo]

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?

Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter

Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein

Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?

Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter

Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein

Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter


[Strophe 1: Xavier Naidoo]

Und weil ihr die Tatsachen schon wieder verdreht

Werden wir einschreiten

Und weil ihr euch an Unschuldigen vergeht

Werden wir unsere Schutzschirme ausbreiten

Und weil ihr die Tatsachen schon wieder verdreht

Müssen wir einschreiten

Und weil ihr euch an Unschuldigen vergeht

Müssen wir unsere Schutzschilde ausbreiten


[Refrain: Xavier Naidoo]

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?

Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter

Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein

Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?

Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter

Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein

Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter


[Strophe 2: Xavier Naidoo]

Aufgereiht zum Scheitern wie Perlen an einer Perlenkette

Seid ihr nicht eine Matroschka weiter im Kampf um eure Ehrenrettung

Ihr seid blind für Nylon und Fäden an euren Gliedern und

Hat man euch im Bundestag, ihr zittert wie eure Gliedmaßen

Alles nur peinlich und sowas nennt sich dann Volksvertreter

Teile eures Volkes nennen euch schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter

Alles wird vergeben, wenn ihr einsichtig seid

Sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass ihr einsichtig seid

Mit dem Zweiten sieht man (besser)


[Strophe 3: Cr7z]

Wir steigen euch aufs Dach und verändern Radiowellen

Wenn ihr die Tür'n nicht aufmacht, öffnet sich plötzlich ein Warnhinweisfenster

Vom Stadium zum Zentrum einer Wahrheitsbewegung

Der Name des Zepters erstrahlt die Neonreklame im Regen

Zusamm'n mit den Söhnen werde ich Farbe bekennen

Eure Parlamente erinnern mich stark an Puppentheaterkästen

Ihr wandelt an den Fäden wie Marionetten

Bis sie euch mit scharfer Schere von der Nabelschnur Babylons trennen!


[Strophe 4: Xavier Naidoo]

Ihr seid so langsam und träge, es ist entsetzlich

Denkt, ihr wisst alles besser und besser geht's nicht, schätz' ich

Doch wir denken für euch mit und lieben euch als Menschen

Als Volks-in-die-Fresse-Treter stoßt ihr an eure Grenzen

Und etwas namens Pizzagate steht auch noch auf der Rechnung

Und bei näherer Betrachtung steigert sich doch das Entsetzen

Wenn ich so ein'n in die Finger krieg', dann reiß' ich ihn in Fetzen

Und da hilft auch kein Verstecken hinter Paragraphen und Gesetzen


[Refrain: Xavier Naidoo]

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?

Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter

Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein

Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter

Wie lange wollt ihr noch Marionetten sein?

Seht ihr nicht? Ihr seid nur Steigbügelhalter

Merkt ihr nicht? Ihr steht bald ganz allein

Für eure Puppenspieler seid ihr nur Sachverwalter

Ist das Lied rechtspopulistisch?

 

Ich bedauere, dass mir dieser Text nicht eingefallen ist. Das ist eine künstlerische Darstellung aktueller politischer Erscheinungsformen unserer deutschen Gesellschaft. Der Song hat den Söhnen Mannheims weitreichende Missbilligung eingebracht. Kritiker geißeln das Lied als rechtspopulistisch. Die Leit-Medien stürzen sich auf die Musiker, zerfetzen öffentlich und schäbig deren Gedanken. Obwohl die Musiker und die Stadtverwaltung Mannheim seit Jahren eng zusammenarbeiten. Aktuell kooperieren beide Seiten etwa bei Kulturprojekten zur Erfindung des Fahrrads vor 200 Jahren. Weitere Initiativen sind die deutschlandweit bekannte Popakademie in Mannheim sowie die künftige Nutzung ehemaliger US-Militärareale in der Stadt.

 

Die Gruppe hat all die Anschuldigungen zurückgewiesen. Wie Xavier Naidoo mit seinem Facebook-Post mehr als deutlich macht:

„Guten Morgen,

nach dem Treffen mit dem Oberbürgermeister und den Söhnen Mannheims habe ich das Gefühl, noch einmal das Wort für die Kunst ergreifen zu müssen. Ebenso wenig wie man einen Menschen in einem Satz erklären kann, kann man dies bei der Kunst. Wenn ich es ausnahmsweise nunmehr trotzdem versuche, ist es für mich gar nicht einmal so schwierig, da mir das Texten erfreulicherweise leicht fällt.

Ein Produzent, meistens zugleich ein Freund, spielt mir z.B. eine Komposition vor, bei welcher mir bereits nach ein paar Sekunden der Melodie die ersten Textfragmente in den Sinn kommen. Das bedeutet, mein Unterbewusstsein hat ganz sicher Einfluss auf die Entstehung der Songs. Selbstverständlich können und werden sicherlich Erfahrungen und Beobachtungen aus meinem erlebten Alltag in der Gesellschaft meiner Freunde, in der Gesellschaft in welcher wir leben sowie natürlich in meiner Familie – insbesondere meiner geliebten Frau und meinem Sohn – in diesen Schaffensprozess einfließen. In diesen Momenten verschwende ich keinen einzigen bewussten Gedanken darauf, wohin mich die Reise wohl führen mag.

Einer der neuen Songs der Söhne Mannheims, der Song mit dem Titel „Marionetten“, hat zu hitzigen Diskussionen geführt. Einzelne Fragmente oder Satzteile wurden hier – teilweise aus dem Kontext gerissen – bewertet, gedeutet und heftig kritisiert. Damit kann ich gut leben – gerade als Musiker, für den Kunst- und Meinungsfreiheit eines der höchsten Güter überhaupt ist. Dennoch ist es schade, dass in der Diskussion über diesen Song teilweise Unterstellungen wiederholt werden, zu denen es meinerseits zahlreiche Klarstellungen und unmissverständliche Dementis gab.

Bei dem Lied "Marionetten" handelt es sich um eine zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen, also um die Beobachtung bestimmter Stimmungen, Auffassungen und Entwicklungen, dies im Rahmen einer künstlerischen Auseinandersetzung bewusst überzeichnet.

Das mag missverständlich gewesen sein, daher ist mir folgendes wichtig: Die Söhne Mannheims und ich stehen für eine offene, freiheitliche, liberale und demokratische Gesellschaft, in der viele Kulturen gemeinsam zusammenleben und in der es allen Menschen möglichst gut geht. Das ist mir wichtig und dafür lohnt es sich einzustehen. Wir erleben derzeit leider eine Phase, in der viele Menschen zumindest das Gefühl haben, dass es ihnen nicht mehr ganz so gut geht oder dass sie nicht mehr "mitgenommen" werden von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Das ist gefährlich und kann zu Extremismus führen. Und der ist nie gut.

Eine Demokratie und eine offene Gesellschaft leben davon, dass sie von der Mehrzahl der Menschen getragen wird, dass sie streitbar ist und auch, dass ihr Zustand kritisch hinterfragt werden darf. Gerade um sie zu erhalten und gerade um sie zu verbessern.

Dies gilt insbesondere in Zeiten, in der Globalisierung und internationale Abhängigkeiten es schwerer machen, jene unverzichtbaren Grundwerte einer Demokratie wie Freiheit, Frieden, Gleichheit und Solidarität so verständlich zu machen, wie wir es uns wünschen. Die Grundwerte, für die wir stehen, sind notwendige Grundlage für ein soziales und friedliches Miteinander ALLER Menschen, frei von Ressentiments und nationalem Gedankengut. Dabei ist auch Streitkultur wichtig – und es gibt abseits des Extremen ganz sicher kein monotones "Gut" oder "Böse" bzw. "Richtig" oder "Falsch". Wir müssen aufeinander hören und gegen Verdrossenheit angehen – wichtig ist aber tatsächlich, für welche Werte wir bei diesen Diskussionen stehen.

Die Söhne Mannheims und ich stehen (ohne das ernsthaft betonen zu müssen) seit vielen Jahren ganz klar gegen jede Art von Gewalt, gegen jede Art von Fremdenhass, gegen jede Art von Diskriminierung und gegen jede Form von Radikalismus oder Nationalismus. Genauso erheben wir seit Jahren unsere Stimme gegen alle menschenverachtenden, populistischen oder Hass säenden Personen und Bewegungen. Gerade meine Herkunft prägt mich als einen multikulturellen Menschen, mit meiner südafrikanisch-irischen Mutter und meinem indisch-deutschen Vater. Nachhaltig betroffen gemacht hat mich auch die Erfahrung, dass die Ehefrau meines geliebten jüdischen Patenonkels, die Schwester meines Vaters, meine dunkelhäutige Mutter aufgrund ihrer Hautfarbe abwertend behandelt und schlussendlich den Kontakt zu uns abgebrochen hat. Ich schätze mich glücklich und empfinde es als Bereicherung, dass ich viele Freunde jeglicher Nationalität und jeglichen Glaubens habe. Dass ich weder rassistisch noch rechtspopulistisch bin, bedarf für mich eigentlich keiner (erneuten) Erwähnung.

Ich widerspreche daher auch jeglicher Instrumentalisierung meiner Musik und Texte durch entsprechende politische Gruppierungen.

Ich gebe keinem meine Stimme, sondern erhebe meine eigene mit den Mitteln meiner Kunst. Und die ist oft hinterfragend, teils kindlich, im besten Fall zum eigenständigen Denken anregend, manchmal tiefsinnig, vielleicht auch für manche belanglos oder an ihrer Sache vorbei, gerne auch mal provozierend - aber im gleichen Atemzug stets voller Liebe und Überzeugung für die erwähnten Grundwerte.

One Love Euer Xavier“

 

Wo sind wir nur gelandet?

 

Deutschland wird immer dunkler. Ich fühle mich ausgebürgert. Doch, wohin kann ich gehen? Eine funktionierende und lebendige Demokratie sollte die objektive Auseinandersetzung mit der Kunst suchen. Kritische Künstler, die die Alarmglocken betätigen, müssen ermutigt werden, ihre eigenen Stilmittel im Interesse der Gesellschaft einzubringen. Ansonsten wird das fragile Gebilde, das wir Demokratie nennen, dem Bach runtergespült. Es geht um die Meinung der Andersdenkenden. Haben das die Politiker und ihre medialen Steigbügelhalter immer noch nicht begriffen? Doch. Deshalb geht ja die Angst um bei den „frei“ gewählten Volksvertretern, den tatsächlichen Populisten oder den Marionetten der Macht.

 

Ich danke Xavier Naidoo für seinen Mut zur Wahrheit und die Courage, den Pfad der heilen und heiligen Welt zu verlassen.

BJM

gettyimages; BJM; Scan Buchtitel

234 (2017-05-06)

Einmalig, unerreicht und nicht vergessen

 

 

 

Vor 70 Jahren erschien die erste Ausgabe der bisher einzigen Sporttageszeitung in Deutschland

Seit dem 5. Mai 1947 gab es zweimal wöchentlich die Zeitung »Deutsches Sportecho«. Später kam eine dritte Ausgabe pro Woche hinzu. 1963 erfolgte die Umwandlung zur Tageszeitung. Ab dieser Zeit war ich ein fast täglicher Leser. Aus heutiger Sicht unvorstellbar. Wir hatten zu Hause noch keinen Fernseher. Sportberichterstattung hieß für mich „Sportecho“ und „fuwo“. Damit bin ich aufgewachsen und erwachsen geworden. Nicht ahnend, dass ich 27 Jahre später als Verleger die Verantwortung für diese „Blätter“ übernehmen sollte. Eine Geschichte, die einen Lebenstraum und einen geheimen Berufswunsch in Erfüllung gehen ließ.

Jedes Jahr im Mai und Juni erinnere ich mich an meine Erlebnisse im und mit dem Sportverlag. In diesen Monaten jähren sich die Gründungstage des Deutschen Sportechos und des Sportverlages. Wobei es die Zeitung bereits einen Monat vor der Verlagsgründung gab. Das war vor 70 Jahren. Obwohl ich erst viereinhalb Jahre später das Licht der Welt erblickte, kommt es mir inzwischen so vor, als wäre ich damals dabei gewesen. So intensiv und unwiederbringlich waren die Jahre in der Neustädtischen Kirchstraße in Berlin.

Deshalb begehe ich den 70. Geburtstag der Tageszeitung, die in einer GmbH in Deutschland die ersten unsicheren Schritte nahm und sich in derselben Unternehmensform am 13. April 1991 vom deutschen Medienmarkt verabschiedete. Nicht, wie Wikipedia schreibt, am 3. April! Dazwischen lagen die erfolgreichsten Jahre in einem Parteiverlag und in einem Land, das auch heute nur noch in der Erinnerung existiert.

 

Zum virtuellen Jubiläum füge ich einen Artikel an, den ich vor fünf Jahren auf laptopwerk.de veröffentlicht habe. Mancher erinnert sich vielleicht, für andere wiederum ist es ein gemeinsamer Rückblick auf eine längst vergangene, aber nicht vergessene Zeit:

 

 

„Warum wurde vor 21 Jahren die bisher einzige überregionale deutsche Sporttageszeitung eingestellt?

 

Zeitungen kommen und gehen. Sie folgen einem gesellschaftlichen Trend,

der Idee eines kreativen Kopfes oder einer Laune des Zufalls. Ob ein Blatt kürzer oder länger lebt, ist oft keine Frage des Inhalts oder der Qualität,

sondern schlicht und einfach dem Zeitgeist und den unbewußten Sehnsüchten einer größeren oder kleineren Leserzielgruppe geschuldet. Es gibt keine guten oder schlechten Zeitungen – die einen verkaufen viele Exemplare und die anderen wenige. So einfach ist das in unserem Business. Der eine wird von den Experten belächelt und landet trotzdem den großen Wurf. Andere wiederum arbeiten Jahre an einem Projekt, Markttests laufen in alle Richtungen, eigentlich kann nichts mehr schief gehen, doch der Souverän Leser zeigt sich unbeeindruckt und ignoriert das Produkt nebst allen Werbebotschaften.

 

Oft passiert es auch, dass Herausgeber ein Printerzeugnis auf den Markt bringen, das nie seine wirtschaftliche Existenzberechtigung nachweisen kann. Dahinter stehen dann Imagegewinn, politisches Kalkül, Steuerersparnisse oder bildungsmissionarische Absichten. Die Kosten werden in diesem Fall über andere lukrativere Geschäfte gedeckt.

 

So gab es in der DDR keine überregionale Tageszeitung, die strengen wirtschaftlichen Maßstäben gerecht wurde. Trotz gewaltiger Verkaufsauflagen und Remissionswerten von nur einem oder zwei Prozent verhinderten die politisch begründeten niedrigen Copypreise (EVP) und die fehlenden Anzeigenerlöse das Geldverdienen. Darum ging es ja auch nicht. Im Gegenteil, das Wort der Partei musste in jeden Winkel des Landes, in jeden Haushalt und in jeden Kopf transportiert werden. Das war das Ziel – das Ergebnis sah natürlich anders aus!

Am 5. Mai 1947 erschien erstmalig das Deutsche Sportecho. Anfangs mehrmals die Woche und seit 1963 als Tageszeitung. Die Mission war klar: Jeder sollte sich an den Erfolgen der eigenen Sportler berauschen, mit dem Land ihrer Herkunft identifizieren und möglichst selber viel Sport treiben, damit er nicht auf falsche Gedanken kommt. Aus den mit internationalen Medaillen geschmückten Sportlern wurden Idole und Helden geschnitzt, denen es galt nachzueifern. Auch die Funktion als Chronist des Sports eignete sich perfekt, ein nahezu objektives Abbild der Realität zu schaffen.

Diese Aufgabe erfüllte das Sportecho jeden Tag vorbildlich – und zwar 200.000 Mal. Die Verkäufe hätten sich sicher auch verdoppeln lassen, aber dafür gab es kein Papier. So wichtig war der Sport nun wiederum auch nicht Deshalb schrieb die Zeitung Verluste – jeden Tag, jeden Monat und jedes Jahr. Zum Glück hatte der Sportverlag noch die Fußballwoche (fuwo), die unbeachtet von der Obrigkeit einen höheren Verkaufspreis erhielt und somit das zusätzliche Geld einbrachte, das das Deutsche Sportecho verlor. Da auch die Nachfrage nach Büchern in dem kleinen Leseland sehr groß war, spülte der Sportverlag alljährlich ein paar Millionen in das bedürftige Geldsäckel der SED.

 

Dann kam das verflixte Jahr 1990. Die Grenzen waren offen, die Leute reisten, konsumierten und lasen die Bild-Zeitung. Die allgegenwärtige Partei verschwand und das Ministerium für Kultur versank in der Bedeutungslosigkeit.

 

In dieser Zeit kam ich als Geschäftsführer zum Sportverlag – halb geschoben, halb gezogen. Ich hätte mir nichts Besseres vorstellen können. Es erfüllten sich all meine geheimsten Karrierewünsche. Doch wie weiter? Das Umfeld brach weg. Die Lagerbestände an Büchern wuchsen ins Unermeßliche, die Chefredakteure der Zeitschriften suchten das Weite, um richtiges Geld zu verdienen und das Deutsche Sportecho verlor täglich an Auflage. Dagegen sonnte sich der Zeitungsvertrieb der Post in seiner eigenen Unfähigkeit.

 

Ständig klingelte das Telefon. Verleger und Geschäftsleute unterschiedlichster Couleur fielen über mich her, wollten Schach- oder Angeltitel kaufen, bei Motorsport oder in der Buchproduktion kooperieren. Alles keine seriösen Angebote, eher eine Großwildjagd. Auch aus den Redaktionen Bild und SportBild wurde Interesse signalisiert.

Dann klopfte der Axel Springer Verlag (ASV) ganz offiziell an. Ein paar hundert Meter Luftlinie waren schnell überwunden und wir saßen am selben Tisch. Plötzlich stand das Sportecho im Mittelpunkt. Na klar – Europas größter Zeitungsverlag hatte das Potenzial, nicht nur das Deutsche Sportecho aufzupeppen, sondern auch die übrigen Verlagsbereiche in sein Imperium einzugliedern. Danach ging alles sehr schnell. Die auffindbaren Gesetzes galt es zu interpretieren. Am 01. Juli 1990 startete das Deutsche Sportecho als Teil eines Joint Ventures (50 : 50) in eine bunte und wirtschaftlich gesicherte Zukunft. Springer investierte seine Firmenanteile in modernste Technik und völlig neue Zeitungstechnologien. Wir bauten das Team um, die Chefredaktion wurde neu sortiert – unser Projekt wirkte wie ein Magnet für alle Berliner Sportjournalisten.

 

Was blieb, war nur eine Formalie. Die Wettbewerbshüter des größeren Landesteiles mussten zustimmen. Aber kurze Zeit später stellte sich heraus: Auch wer zu früh kommt, den bestraft das Leben! Eine für mich völlig unbekannte Einrichtung war entstanden – die Treuhandanstalt. Alles, was ein gewisser Morchutt mit Springer ausgehandelt und unterzeichnet hatte, wurde für null und nichtig erklärt. Die damaligen Kommentare klingen mir in den Ohren, als wäre es gestern gewesen: „Der kann das nicht machen, der darf das nicht, das ist schließlich Volkseigentum, das gehört uns – der Treuhandanstalt.“

 

Das Deutsche Sportecho war nun wieder Teil des VEB Sportverlag, der per Gesetz in die Sportverlag GmbH i.A. (im Aufbau) umgewandelt wurde. Was sollte jetzt geschehen? Was sage ich den Mitarbeitern? Was wird aus den Investitionen von ASV? Auch die Geschäftsleitung der Bild-Gruppe, an die ich berichtete, wurde von den Geschehnissen überrascht. Aber schnell fanden wir in Hamburg einen gemeinsamen Nenner: „Wir machen weiter wie bisher und sagen nichts – nach außen bleibt alles beim Alten, es ist ja nur für eine kurze Zeit.“ Nach dem besagten Meeting nahm mich mein damaliger Chef Pacholski zur Seite und sagte: „Eines müssen sie bedenken, eine direkte materielle Unterstützung kann es künftig nicht mehr geben, da der Sportverlag weiterhin der Treuhandanstalt untersteht.“

 

Ein paar Wochen später feierte Deutschland die Einheit und bereitete sich auf das erste gemeinsame Weihnachtsfest vor. Ich nahm diese Ereignisse nur am Rande wahr, denn der Sportverlag stand vor der Pleite. Unsere über Jahrzehnte treuen Käufer und Leser dachten nicht mehr daran, ihre nach kurzer Zeit sehr liebgewonnene D-Mark für unsere Zeitung, Zeitschriften und Bücher auszugeben. Nicht, dass sie nicht mehr lasen, aber sie bevorzugten jetzt, was sie früher nur schwer oder gar nicht bekamen. Dem Sportecho halfen weder das bunte westliche Outfit noch die Anstrengungen der Redakteure, den Auflagenrückgang zu stoppen.

 

Im Dezember 1990 stand ich vor der nächsten existenziellen Entscheidung: Das Sportecho vom Markt nehmen und den gesamten Verlag in die Insolvenz schicken oder einen Millionen-Kredit bei der Treuhand beantragen. Auf unserem Konto war weder die Deckung für die Dezembergehälter noch für das per Tarifvertrag versprochene Weihnachtsgeld.

 

Ich entschied mich für den zweiten Weg und verbrachte die Wochen vor Weihnachten als Bittsteller auf den Fluren der Treuhandanstalt. Drei Tage vor dem Fest erhielt ich den Kredit bewilligt. Als Sicherheit hatte ich alles hinterlegt, was nur irgendwie einen Wert darstellte – sogar meinen Dienstwagen.

 

Die 230 Mitarbeiter des Sportverlages gingen frohen Mutes in die Feiertage. Das Gehalt kam früher als sonst, und den Weihnachtsbonus gab es oben drauf. Alle dachten, wie schön es doch ist, zum Axel Springer Verlag zu gehören…

Damit war auch das Deutsche Sportecho zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres gerettet.

 

Das Jahr 1991 begann, wie das vorherige endete. Wir waren wieder liquid, stemmten uns gegen die Unbilden des wegbrechenden Marktes und wurden weiterhin von den Kollegen ehemals befreundeter Medien beschimpft,

dass wir uns den Überschriftenhaien von SportBild unterwarfen und unsere journalistischen Tugenden an den Springer-Konzern verkauften.

 

Das Deutsche Sportecho kämpfte verbissen um die Lesergunst in den neuen Bundesländern. Die Redakteure träumten vom Eintritt in den gesamtdeutschen Markt. Der Chefredakteur versuchte, der Mannschaft eine gemeinsame Linie zu verpassen. Jeden Tag kamen Redakteure zu mir und wollten wissen, wann nun die nächsten Schritte von Springer folgen würden.

Niemand ahnte, dass ich bis dahin erfolglos versucht hatte, ein paar Herren aus Hamburg zu einem Besuch bei der Treuhandanstalt in Berlin zu bewegen.

 

Dort saß inzwischen ein Herr Dr. Greuner als Verlagsverkäufer, der mir gegenüber stets den gleichen Satz formulierte: „Wenn die etwas wollen, dann müssen die zu mir kommen!“

Aber die kamen nicht. Deshalb bemühte ich mich um einem Termin beim damaligen Vorstandsvorsitzenden Günter Wille. Kurze Zeit später rief die Sekretärin zurück und noch in derselben Woche fuhr ich nach Hamburg.

 

Eine Stunde sprachen wir über den Sportverlag und ich bat ihn, mal nachzufragen, wer sich momentan um die uns betreffenden Kaufabsichten seines Hauses kümmere. Am nächsten Tag erhielt ich vom Geschäftsführer der Bild-Gruppe einen Anruf, dessen Heftigkeit jedes Parteiausschlußverfahren der SED in den Schatten stellte. Für mich war klar, jetzt hast du mit deiner Eigenmächtigkeit deine Kompetenzen überschritten, die Hierarchien nicht beachtet und damit den ganzen Sportverlag in den Sand gesetzt.

 

Doch wider Erwarten reisten eine Woche später die zuständigen ASV-Controller zur Treuhandanstalt, um die Kaufverhandlungen zu beginnen.

 

Plötzlich wurde Fahrt aufgenommen. Wenig später unterbreitete Springer ein Kaufangebot und erzielte Einvernehmlichkeit mit der Treuhandanstalt.

Leider bezog sich diese Offerte nicht auf das Deutsche Sportecho.

 

Somit gab es keine dritte Rettungsmöglichkeit mehr und das Todesurteil

für die bisher einzige überregionale Sporttageszeitung in Deutschland

war gesprochen.

Die anfangs so ehrgeizigen Ziele konnten nicht verwirklicht werden, weil selbst der größte deutsche Zeitungsverlag vor der eigenen Courage und der Bild-Zeitung kapitulierte.

 

Mir wurde für dieses Spiel sogar eine Hauptrolle angetragen, die ich nicht ablehnen durfte. Ich sollte innerhalb einer Woche die letzte Ausgabe festlegen und die Medien über meinen Entschluss informieren.

Sowohl die Axel Springer Verlag AG als auch die Treuhandanstalt mussten in diesem Zusammenhang unerwähnt bleiben. Bei Wilfried Hark im Studio von „Sport aktuell“ begründete ich meine einsame Entscheidung.

Das war heute vor 21 Jahren – am 13. April 1991.”

 

BJM, 13. April 2012

233 (2017-05-04)

Lügenpresse war einmal - Heulpresse passt besser

Rasante Talfahrt

von Merkels Mainstream

 

Die Leser sorgen auch 2017 für einen brutalen Auflageneinbruch


Es ist tatsächlich zum Heulen. Da kämpfen die armen Journalisten mit all ihren Kräften darum, uns zu erklären, dass Merkel und Schulz die neuen Lichtgestalten des multikulturellen demokratischen Deutschlands sind, und keiner will es lesen. Mit geballter Power und spitzer Feder (Tastatur) stürzen sich die Regierungssprecher im Redaktionsgewand auf die Bösen unserer Tage, dieTrumps, Putins und Orbans, aber die Leser interessieren sich nicht für diese Hetztiraden. Hinzu kommt der rasant wachsende Anteil von Analphabeten in unserem Land. Zu den knappen acht Millionen deutschen Schreib- und Leseunwilligen kommen täglich Hunderte von zuwandernden Schriftverweigerern. Selbst die, die des Arabischen mächtig sind, können mit einer Bildzeitung nichts anfangen. Noch gibt es eine mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung in unserem Land. Aber diese wird von den Mainstreammedien täglich vor den Kopf gestoßen.

 

Da fällt mir ein Erlebnis ein, das ich vor ein paar Tagen hatte

 

Ein Leserdienst-Mitarbeiter des „Tagesspiegel“ rief mich an. Er fragte, ob ich als Bezieher der kostenfreien Online-Publikation „Tagesspiel Checkpoint“ nicht auch die Papierausgabe des Mutterorgans abonnieren möchte. Meine Antwort war knapp bemessen: „Mir fällt spontan nicht einmal ein Grund ein, warum ich das tun sollte.“ Am anderen Ende der Leitung herrschte Atemnot. Dann fragte ich zurück: „Gibt es in ihrer Redaktion einen Kollegen, der ehrlich seine Meinung schreibt oder schreiben darf?“ Wie kommt es, dass alle jounalistischen Mitarbeiter der ehemals großen deutschen Tageszeitungen die gleiche Meinung zu Trump, Putin oder Orban vertreten und darüber hinaus die Zuwanderungspolitik von Merkel & Co. bewundern sowie den damit verbundenen Terror und die wachsende Kriminalität als gottgewollt abtun? Keiner hinterfragt die aktuelle Politik oder recherchiert nach unabhängigen Fakten. Um das herauszufinden, reichen mir täglich 15 Minuten Tagesschau. Warum soll ich dann noch Zeitungen lesen?

Der Anrufer fand langsam seine Sprache wieder. Aber er beschränkte sich fortan auf drei Wörter: Hm, ach und ja! Nach einer reichlichen halben Stunde brach ich meine Vorlesung zur aktuellen Medienpolitik ab. Der Marketingmitarbeiter formulierte noch einen höflichen Schlusssatz, drückte die Mitschnitttaste und legte auf.


Keine gute Nachricht für die professionellen Auflagen-Pusher


Als Verleger im Ruhestand macht es mich traurig und wütend, dem Zerfall und Niedergang einer ganzen Branche zuschauen zu müssen. Alle Vierteljahre gibt es die IVW-Zahlen, dann steigen die Schmerzen sogar noch sprunghaft an. Aber die Unverbesserlichen gehen ihren einsamen Weg weiter. Sicher wird in den politischen Koalitionsstuben bereits über eine GEZ-Gebühr für regierungsnahe Printmedien nachgedacht! Was sich woanders bewährt hat...

Bis es soweit ist, betrachten wir - wie gehabt - den Abwärtstrend der gedruckten Blätter. Eines der Headquarters (falsch eingedeutscht: Headquarter) der deutschen Heulpresse befindet sich in der Berliner Axel-Springer-Straße:

„Bild“ und „Bild am Sonntag“ brechen im ersten Quartal 2017 erneut zweistellig ein. Das xte Mal nacheinander. Wieder liefen um die 200.000 Leser davon. Und auch der Rest-Mainstream säuft weiter ab. Zulegen konnte mal wieder die „Junge Freiheit“ – um 5,1 Prozent. Wahrscheinlich wär’s (wie letztes Jahr) das Doppelte gewesen. Aber das Blatt passt sich mehr und mehr dem Mainstream an.

 

Alle drei Monate zittern die Verlagsmanager

 

Aber die Werbewirtschaft frohlockt. Dann gibt die „Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern“ (IVW) den Anlass, Druck auf die Anzeigenpreise auszuüben und darüber nachzudenken, wo sich Anzeigen lohnen und zu welchem Preis überhaupt noch.

Denn „ehrliche“ Zahlen liefert einzig die „harte Auflage“. Sie erfasst die tatsächlichen Einzelverkäufe ohne Auflagenkosmetik wie Bordexemplare, Lesezirkel, Gratisexemplare und Rabattverkäufe. Mit Blick auf die aktuellen Zahlen für 2017 zitierte der Mediendienst HORIZONT dieser Tage einen Verlagsmanager:,,Der Auflagenverfall in einzelnen Titelsegmenten insbesondere beim Einzelverkauf ist offensichtlich. Die Verteidigungsprosa wird schwieriger.“

Ganz besonders

bei Axel Springer!

 

Die „harten“ Auflagenzahlen für 2017 (Meldeschluss: 18. April) dürften Verleger-Witwe Friede Springer noch weniger schmecken als bisher – da hilft keine Operation mehr, Herr Döpfner! Da hilft nur noch Amputation! „Bild“ (inkl. „BZ“ und „Fußballbild“!!) meldet 1,621 Mio. Das sind übers Jahr 2016 gerechnet 194 820 „hart“ verkaufte Zeitungen weniger (-10,7 %). Nimmt man die noch vorhandene, kümmerliche Restauflage der „BZ“ von etwa 70.000 raus, dazu die im Herbst bejubelten, sicher nicht mehr existenten 50.000 für die grüne Fußball-BILD, bleiben Mütterchen BILD noch gerade eben 1,5 Mio.

Zu meinen Springer-Zeiten (bis vor 20 Jahren) kämpfte man noch hin und wieder erfolgreich um die 4 Mio. als Verkaufsauflage.

Auch die „BamS“ stürzt um gnadenlose 10,9 Prozent, macht auf dem Küchentisch häßliche 104.734 Exemplare weniger! Bleiben noch 859.052 übrig. Selbst unter dem freudlosen Dauer-TV-Talker und Ex-Stoiber-Berater Michael H.Spreng waren es noch 1 Mio. mehr als jetzt.

Die „Welt“ verliert „nur“ knapp drei Prozent, sackt auf 92.271 Exemplare, genau: minus 2,8 % = 2.700 weniger. Glück gehabt! Die „Welt am Sonntag“ dagegen landet bei 233.377, büßt 26.315 Exemplare ein, sagenhafte minus 10,1 Prozent. 

 

 „Land unter“ aber auch beim Rest von Merkels Mainstream

Die „Frankfurter Allgemeine“ (204.013) verliert 14 057 = 6,4 %. Die „FaS“ verjagt 9.912, hat nur noch 211.373 = minus 4,5 Prozent. Auch die Alpen-Prawda sieht immer mehr Leser von hinten; die „Süddeutsche“ meldet noch 305.035 „harte“ Ausharrer, macht 10.189 ehrliche Exemplare weniger = 3,2% im Minus.

 

Bei den Magazinen schafft der „Stern“ nur noch 370.617 Hefte – minus 8,1 Prozent = 32.635 Käufer weniger … Henri Nannen hat es wahrscheinlich längst aufgegeben, sich im Grab zu drehen – ihm würde schwindelig werden.

Auch der „SPIEGEL“, einst unter Rudolf Augstein das Sturmgeschütz der Demokratie, rostet und rostet zum Rohrkrepierer – noch 582.622 (wieder 16 482 weg = minus 2,8%).

 

Bei „Bild“ rechnen sie längst die 15 Jahre dauernde, viel zu lange währende und zu spät beendete „Diekmann-Kurve“ auf ihr Ende hoch: „Wenn die galoppierende Auflagenschwindsucht anhält, macht hier in acht Jahren der Letzte das Licht aus“, sorgt sich ein Leitender Redakteur (der dann in Rente ist). Ein jüngerer Fotoreporter meint sarkastisch: „Wir rennen doch schon jetzt mit der Kerze durchs Haus.“

 

Es gibt auch Positives in der Journaille, allerdings relativ weit weg von Merkels Mainstream: Das „Handelsblatt“ hält sich (fast) stabil – 88.824 ehrliche Zeitungen, genau 518 oder gerade mal 0,6 % weniger. Davon träumt Axel Springer im Jenseits!

 

Die „HörZu“, einst das stolze Programm-Flaggschiff von ihm, das Döpfner 2013 an einen textverarbeitenden Betrieb namens Funke-Gruppe versilberte, ist dagegen weiter konsequent auf dem Weg zur „HörWeg“: Nur noch 931.170 Exemplare – fast 30.000 oder knapp drei Prozent weniger. Zur Erinnerung: 1979 hatte die „HörZu“ mal eine Auflage von 4,43 Millionen!

 

Fake-News-Spezialist Julian Reichelt, seit Anfang Februar der „Chefredakteur der Chefredakteure“, trinkt dagegen lieber Kampftee gegen den Syrienkrieg. „Bild“ als „ehrlichstes Medium Deutschlands“ steht immer auf der richtigen Seite – gegen den angeblichen „Gasmörder“ Putin, gegen die AfD und gegen seine Leser. Zu Beginn des Jahres hatte "Bild" mit Sigmar Gabriel den falschen SPD-Kanzlerkandidaten ausgerufen. Dann stellte sich ein Bericht von Anfang Februar über einen "Sex-Mob" in Frankfurt am Main als haltlose Behauptung heraus. 

 

Von nichts kommt nun mal nichts. Nur immer weniger…, das aber kontinuierlich. Gute Nacht, Mainstream! Die Auflagen lügen nicht, sie sind zum Heulen!

 

Unter Verwendung von Textpassagen und IVW-Zahlen aus anonymous.de/Harry Haller 

232 (2017-04-22)

Zu früh, zu kalt,

zu teuer und zu

wenig Angebot

Nur die Harten

gingen in den Garten

 

Die IGA in Marzahn gibt es jetzt gut eine Woche. Ostern sollte den ersten geballten Besucheransturm bringen. Der fiel allerdings gehörig ins Wasser. In den ersten Tagen der Internationalen Gartenausstellung bibberten sich 40.000 Besucher durch die Rabatten. Diese äußerst optimistische Zahl wird einer näheren Betrachtung kaum standhalten können. Die offiziellen Gäste der Eröffnungsfeier wurden sicher mitgezählt, obwohl die keinen Eintritt entrichteten. Laut Geschäftsleitung müssten sich die Gästezahlen dauerhaft in dieser Region bewegen, damit die IGA-Blütenträume am Ende nicht verwelken. Am besten verkaufte sich am nassen Oster-Wochenende übrigens der Regenschirm names „Mademoiselle Meilland“ mit dem gleichnamigen Rosen-Motiv. Überdachte Schauobjekte hatten die sonnigen Planer nicht vorgesehen.

Auch nach den Feiertagen blieb der Andrang der Gartenfreunde überschaubar

 

Ein paar Einzelpersonen „drängelten“ und „schubsten“ sich zwischen Hagel und Graupel über das weitläufige Gelände. Gestern morgen habe ich mir gegen 10 Uhr, also eine Stunde nach der IGA-Öffnung, den offiziellen IGA-Parkplatz zwischen Eiche und Hönow angeschaut. Ich sah mehr Shuttle-Busse als Besucher-PKW. Übrigens, eine grandiose Idee, ein paar Kilometer von der IGA entfernt, einen solch großen PKW-Abstellplatz einzurichten. Nur, keiner weiß davon. Die Berliner kümmert das ohnehin nicht, die parken eh überall, wo es nicht erlaubt ist. An der Einfahrt zum Parkplatz steht das Schild „7€“ - als Abschreckung und Aufforderung zur Umkehr!

 

Manch Offizieller sprach von einem Stotterstart in das größte Berliner Event des Jahres 2017. Leider brummt es auch danach nicht.

 

Der Bundespräsident kalauerte bei der Eröffnungsfeier: „Die Welt zu Gast bei Gärtnern!“ Ungewollt hat Frank-Walter Steinmeier damit das heimliche Motto der IGA verraten. Aber die Gartenakrobaten hätten doch wissen müssen, dass der Monat April für seine regelmäßigen Wetterkapriolen bekannt ist. Die Flora braucht noch einige Wochen“, sagte der Ehrenpräsident des Bundes deutscher Baumschulen, Fritz Moldenhauer, der seit 1951 keine einzige Bundesgartenschau verpasst hat.

Ihm kam die Eröffnung zu früh.

 

Religiöse Schriften konnten den Wettergott nicht umstimmen

 

Wer die unsägliche und schizophrene Idee hatte, während der Eröffnungsfeier aus Bibel und Koran vorzulesen, braucht sich über das Wegbleiben der Marzahner Atheisten nicht zu wundern. Die Bibel passt immerhin zum Lutherjahr. Dem tapferen Junker Jörg können die anderen kirchlichen „Würdenträger“ selbst heute nicht das Wasser reichen.

Aber der Koran gehört in den Mülleimer der Geschichte. Wenn sich manche Zeitgenossen freiwillig ins religiöse Mittelalter zurückbeamen möchten, dann mögen sie dies gefälligst zu Hause tun, nicht die Öffentlichkeit damit belästigen. Mit zartem Grün durchmischt, blüht der Islamismus in Deutschland auf!

Da freuen sich meine Marzahner Nachbarn, die oft nicht auf Rosen gebettet sind, dass sie von den IGA-Verantwortlichen sogar noch an der Nase um den Komposthaufen herum geführt wurden.

 

Pech gehabt, liebe Marzahner!

 

Wir hatten uns lange auf die Internationale Blütenpracht gefreut, um nun auch den vollen Preis blechen zu müssen. Warum dürfen zum Beispiel die Anwohner des Blumberger Damms oder anderer Anrainerstraßen in Marzahn oder Hellersdorf nicht für 5 € pro Tag auf das IGA-Terrain? Viele von uns würden dies mehrmals die Woche tun, aber nicht für 20 € Einmaleintritt. Da wird sehr viel Geld verschenkt und noch mehr Unmut in der Nachbarschaft erzeugt.

Möchte denn in Deutschland niemand lernen, dass es wichtig ist, die Menschen mitzunehmen, sie einzubeziehen sowie für Kunst, Kultur und Natur zu begeistern.

Nehmen wir Schloss Biesdorf, die Siemens-Villa. In den letzten Jahren aufwendig saniert und restauriert, als Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum deklariert, aber niemand interessiert sich dafür. Weltfremde Kuratoren dürfen sich mit unseren Steuergeldern austoben und ihre Kindheitsträume verwirklichen. 4900 zahlende Besucher „strömten“ seit September vergangenen Jahres in dieses spätklassizistische Kleinod. Lächerlich. Eine Bankrotterklärung für die geistigen Schöpfer der kulturellen Highlights in der Turmvilla an der B1 in Alt-Biesdorf. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung verlangt für 2017 bereits eine Besucherzahl von mindestens 33.000 zahlenden Gästen. Eine utopische Erwartung bei dem gegenwärtigen Konzept.

 

Dabei ist das Schloss Biesdorf mit seinem herrlichen Park Teil des IGA-Programms, eine auf gut Deutsch „Außenstelle der Internationalen Gartenschau“. Der vier Hektar große Park repräsentiert den ältesten und größten zusammenhängenden Baumbestand in Marzahn. Beeindruckend sind die um 1900 entstandenen Anlagen wie der Fontänenteich, der Eiskeller mit doppelter Freitreppe, der Teepavillon und ein Rasen-Tennisplatz, der heute als Lesegarten dient. Die italienische Turmvilla wurde vermutlich nach den Plänen des Königlichen Baurates Heino Schmieden und des Architekten Martin Gropius erbaut.

 

Wo ist eigentlich dieses reiche Land geblieben, von dem die Medien ständig berichten?

 

Der Osten Deutschlands ist arm – quasi osteuropäisch benachteiligt. 20 € Eintritt und 7 € Parking, um ein paar Frühjahrsblüher erwachen zu sehen. Oder eine Stadt aus luftiger Seilbahnhöhe zu bestaunen, die einen schon parterre ausreichend nervt.

Die IGA und ihr Umgang damit liefert viele Denkanstöße. Ich vermute aber, sie werden wieder ungehört verhallen.

 

All diese Probleme sind hausgemacht und politisch motiviert

 

Marzahn/Hellersdorf ist ein gelungenes Beispiel für eine „Grüne Wohnsiedlung“ an der Peripherie einer Millionenstadt. Mit den baulichen und gartenarchitektonischen Ergänzungen der IGA entwickelt sich der Stadtbezirk zu einem Vorbild für alle Regionen an der Berliner Landesgrenze und darüber hinaus.

Leider erfolgte der erste Spatenstich zu DDR-Zeiten. Dieses Manko wird Marzahn/Hellersdorf nie loswerden. Da hilft auch keine Internationale Gartenausstellung. Selbst junge Journalisten, die nie in unserem Bezirk waren, sprechen abfällig von Plattenbauten. Das ist der alltägliche Medienterror, der pausenlos auf uns und unsere Wohngegend herabprasselt.

Wie wird eigentlich in diesen Tagen im Zentrum Berlins gebaut? Natürlich alles Stein auf Stein, oder?! Erst denken und dann reden oder schreiben.

Ich jedenfalls werde das internationale Gartengeschehen im Osten der deutschen Hauptstadt nicht nur im kommenden halben Jahr wohlwollend begleiten.

BJM

Di                  19.09.2017 

Nr.             2.522 - 1.219

Sollte es in diesen Tagen zu Unregelmäßigkeiten bei der Aktualisierung der Website kommen, bitte ich um Entschuldigung. Webmaster und Internet Provider primacom führen einen Vertragsstreit!

BJM

Aktualisierung        11:05

Übrigens,

 

… der Abschuss eines Wisents, eine europäische Art des Bisons (rechts), in Brandenburg am 13. September schlägt immer höhere Wellen. Der aus Polen stammende 900-kg-Bulle wurde nahe des Städtchens Lebus auf Anweisung des Ordnungsamtes abgeknallt. Ein Tierarzt mit einem Betäubungsgewehr sei vor Einbruch der Dunkelheit nicht aufzutreiben gewesen, hieß es. "Deutschland – kein Land für Wisente", titelte die regierungsnahe Zeitung Gazeta Polska Codzienna vorwurfsvoll. Nun kann den Deutschen der Schwarze Peter in Sachen Naturschutz zugeschoben werden. "Deutsche Logik – den geschützten Wisent abschießen, aber die Borkenkäfer in unserem Urwald schützen" so eine von vielen Twitter-Meldungen. Es ist der alte Vorwurf östlich der Oder, dass man in Deutschland Polen gern belehre, sich selbst jedoch mehr Freiheiten herausnehme.

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 16.09.2017

21    26    27   31    35   47    SZ: 9

Spiel 77:  4741 600

 

Super 6: 169 673 

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

2035 (2017-09-19) 

Bernd Jürgen Morchutt

 

Im Süden der Insel Rügen direkt

an der Deutschen Alleenstraße

Putbus - die ehemalige Fürstenresidenz

Name kommt vom slawischen epod boz - hinter dem Holunderbusch

BREAKING NEWS

Stand: 19.09.2017 - 11.05 Uhr

 

International

 

Der frühere Wahlkampfmanager von US-Präsident Donald Trump, Paul Manafort, ist laut einem CNN-Bericht während des Wahlkampfs bis nach dem Urnengang heimlich von den Behörden abgehört worden. Manaforts Gespräche seien auf Grundlage einer geheimen Gerichtsanordnung bis mindestens Anfang dieses Jahres mitgeschnitten worden.Unter Berufung auf drei Quellen berichtete CNN, die abgehörten Gespräche hätten bei den Ermittlern den Verdacht genährt, dass Manafort Russland ermutigt habe, zugunsten von Trump in den Wahlkampf einzugreifen. Zwei der Quellen gaben demnach allerdings an, dass die Beweise nicht ausreichend gewesen seien.

 

Spanien weist den nordkoreanischen Botschafter aus. Wegen der wiederholten Weigerung des asiatischen Landes, sein Atomwaffenprogramm aufzugeben, müsse der Diplomat Spanien bis Ende des Monats verlassen, erklärte das spanische Außenministerium am Montag. Der Botschafter sei einbestellt und zur persona non grata erklärt worden.

 

Mitten in der Nordkorea-Krise haben Russland und China sowie die USA und Südkorea am Montag Militärmanöver in der Nähe des isolierten Landes gestartet.

 

Deutschland/Berlin

 

Als Angela Merkel am Montag am Rednerpult steht, im badischen Offenburg, da geht es nicht um das, was sie sagt. Es geht um das, was sie nicht sagt. Das weiß auch der Jubilar in der ersten Reihe. Wolfgang Schäuble ist gerade 75 geworden, er scheint das Brimborium um ihn zu genießen, selbst die Blasmusik, die seine CDU für ihn spielen lässt. Seit 45 Jahren sitzt er im Bundestag, ist damit nicht nur der dienstälteste CDUler, sondern auch der längstdienende Mandatar der Geschichte; und immer ist er per Direktmandat gewählt worden. Letztes Mal waren es 56 Prozent in Offenburg, wo er herkommt, wo gefeiert wird. Dass es am Sonntag ebenso viele sein werden, gilt als ausgemacht. Und dass er weitermachen will als Finanzminister, trotz der vielen Jahre in Spitzenämtern, daran lässt er selbst keinen Zweifel. Nur: Ob er noch darf, ist die Frage.


Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat das türkische Außenministerium den deutschen Botschafter einbestellt. Erst am Samstag hatte Martin Erdmann im Außenministerium in Ankara antreten müssen, weil die Türkei sich über eine Kurdendemonstration in Köln beschwert hatte.

 

Sport

 

Fussball

 

Am Tag vor dem Bundesliga-Schlager gegen Schalke hat Bayern München einen Rückschlag verdauen müssen. So verletzte sich Tormann Manuel Neuer im geheimen Abschlusstraining am Montag erneut am linken Fuß, nach Informationen der "Bild"-Zeitung droht dem Kapitän wieder eine Operation und damit eine mehrmonatige Pause. Neuer hatte erst vor drei Wochen in Bremen sein Bundesliga-Comeback gefeiert. 

 

Rad-WM in Bergen/Norwegen

 

Das deutsche Team Sunweb um Giro-Sieger Tom Dumoulin hat am Sonntag bei der Radstraßen-WM im norwegischen Bergen überraschend Gold geholt. Völlig unerwartet wurden die wesentlich höher eingeschätzten Teams wie Sky, BMC Racing und Titelverteidiger Quick-Step Floors geschlagen.

 

Sonntag: Herren, Teamzeitfahren (42,5 km): 1. Sunweb (GER/Tom Dumoulin, Lennard Kämna, Wilco Kelderman, Sören Andersen, Michael Matthews, Sam Oomen) 47:50,42 Min. – 2. BMC (USA/Rohan Dennis, Silvan Dillier, Stefan Küng, Daniel Oss, Miles Scotson, Tejay van Garderen) + 8,29 Sek. – 3. Sky (GBR/Owain Doull, Chris Froome, Wasil Kirijenka, Michal Kwiatkowski, Gianni Moscon, Geraint Thomas) 22,35. 

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