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INTERVIEW-LOUNGE

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(84)  2017-09-17 Jens Wernicke sprach mit Dr. Daniele Ganser

Vorsicht, Verschwörungstheorie!

Dr. Daniele Ganser im Interview mit Jens Wernicke. Aus dem Buch

                                              "Lügen die Medien?"

 

Haben Sie es auch schon gelesen? Auf Friedensdemonstrationen trifft man heutzutage angeblich viele Rechte an. Die meisten, die das Völkerrecht verteidigen oder die Auswüchse des Casino-Kapitalismus kritisieren, sind latente Antisemiten. Wer gegen TTIP ist, verbirgt hinter linker Attitüde vielleicht nur dumpfen Nationalismus und Querfront-Sympathie. Und diejenigen, die nicht gleich alles glauben, sondern auf Ungereimtheiten hinweisen und sich der Mehrheitsmeinung nicht per se beugen: Das sollen alles Spinner sein, denn sie glauben an »Verschwörungstheorien«. Was aber meint dieser Begriff eigentlich? Wo kommt er her? Und warum wird er aktuell so häufig verwandt? Darüber sprach Jens Wernicke mit dem Schweizer Friedensforscher Daniele Ganser, den Medien und interessierte Kreise seit einiger Zeit selbst als »Verschwörungstheoretiker« zu diskreditieren versuchen.

 

Herr Ganser, durch WikiLeaks und andere sind in der letzten Zeit einige brisante Dokumente, die staatliche Mechanismen zur Manipulation respektive Lenkung der öffentlichen Meinung offenbaren, an die Öffentlichkeit gelangt. Da wurde inzwischen nicht nur belegt, dass etwa im »Krieg um die Köpfe« seit einiger Zeit ganz gezielt Frauen propagandistisch angesprochen werden, um auch und insbesondere diese zur Zustimmung zu westlichen Kriegen im Nahen Osten zu bewegen. Da gibt es inzwischen auch Papiere, die darlegen, wie mit Spins und Propaganda diejenigen, die die richtigen Fragen stellen, in Verruf gebracht werden sollen. Was ist hier über die entsprechenden Strategien von Seiten der Mächtigen bekannt?

 

Wir stecken heute mitten im Informationskrieg. Immer mehr Menschen erkennen das und wachen sozusagen auf. Diese wachen Menschen lehnen Kriegspropaganda ab und versuchen, sich ein eigenes Bild von der Welt und den politischen Ereignissen zu machen, zum Beispiel indem sie verschiedene alternative Medien konsumieren. Es ist heute wichtig zu verstehen, dass die Massenmedien in diesem laufenden Informationskrieg benutzt werden, um die Menschen zu lenken und zu steuern.

Wie Edward Bernays in seinem Buch Propaganda schon 1928 erklärte, kann man das Denken der Öffentlichkeit ganz genauso dirigieren, wie eine Armee die Körper ihrer Männer dirigiert. Aber nur so lange, wie die gelenkten Menschen sozusagen schlafen und sich dieser Steuerung gar nicht bewusst sind. Wenn sie aber aufwachen und die Realität des Informationskrieges erkennen, wird es viel schwieriger, sie zu lenken. Dann funktioniert die Regel von Bernays nicht mehr, und genau das erleben wir derzeit bei Tausenden von Menschen.

Nehmen wir als konkretes Beispiel den Irakkrieg 2003. Die US-Regierung unter Präsident Bush wollte die eigene Bevölkerung davon überzeugen, dass der Irakkrieg richtig, notwendig und gerecht sei. Das war keine einfache Aufgabe für die Propagandaabteilung im Weißen Haus und die Massenmedien im Mainstream wie CNN oder New York Times. Denn in Wahrheit handelte es sich um einen illegalen Angriffskrieg ohne UNO-Mandat, der bis heute über eine Million Menschenleben gefordert und den Aufstieg der Terrormiliz IS erst ermöglicht hat. Die Aufgabe der Kriegspropaganda ist es, diese unschönen Fakten in den Hintergrund zu rücken und den Krieg als wertvollen Beitrag im Kampf für die Menschenrechte darzustellen.

Natürlich wird der Informationskrieg an der Heimatfront nicht mit Flugzeugträgern oder Landminen geführt, sondern mit Bildern und Worten. Konkret hat die Bush-Administration damals behauptet, der irakische Diktator Saddam Hussein habe etwas mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu tun. Das war völlig erfunden und erlogen, aber es hat funktioniert. Denn 9/11 ist ein Trauma in den USA und auch in Europa, ein schlimmes Ereignis, das sich tief in die Seelen der Menschen eingegraben hat. Man kann es nicht leicht vergessen. Im Informationskrieg wurde das Trauma mit dem neuen Feind, also Irak, verbunden, um dem Land einen schlechten Ruf zu verpassen. Und das hat tatsächlich funktioniert.

Bei einer Umfrage im Jahre 2006 erklärten 85 Prozent der US-Soldaten im Irak, dass ihre »Hauptmission« darin bestehe, »Saddam für seine Rolle bei den Terroranschlägen vom 11. September zu bestrafen«. Das Verrückte ist: Saddam hatte nichts mit 9/11 zu tun! Aber die Kriegspropaganda hat das in die Köpfe der Soldaten eingetrichtert, indem es immer wieder und zudem von verschiedenen Medien gesagt wurde. Tatsächlich muss man eine Lüge nur dauernd und in verschiedenen TV-Sendungen und Zeitungen wiederholen, dann wird sie oftmals geglaubt. Die Wiederholung ist das Entscheidende.

Eine weitere Lüge, welche die US-Administration an der Heimatfront einsetzte, war die Behauptung, der Irak besitze ABC-Waffen. Heute wissen wir, auch das war eine Lüge. Außenminister Colin Powell, der im Februar 2003 diese Lüge kurz vor dem US-Angriff im UNO-Sicherheitsrat der Welt präsentierte, zeigte später Reue und erklärte 2005, er fühle sich »furchtbar«, dass er vor der UNO angebliche Beweise für Massenvernichtungswaffen vorlegte, die sich als falsch erwiesen haben. Diese Rede sei ein »Schandfleck« in seiner politischen Karriere.

Wenn nun unabhängige Historiker mit dem Spezialgebiet Zeitgeschichte kommen und diese einfachen Tricks der breiten Öffentlichkeit in Vorträgen, Büchern und Interviews darlegen, dann werden die Mächtigen der Welt, die sogenannten 1 Prozent, natürlich nervös.

Die Machtelite mag es nicht, wenn ihre Strategien, die jenseits aller Ethik ablaufen und nur darauf abzielen, mehr Geld und mehr Macht anzusammeln, demaskiert werden. Daher werden auch die Intellektuellen angegriffen, wenn sie den Machtmissbrauch offen und deutlich kritisieren.

Wie wird das gemacht? Wie läuft das ab?

 

Ich habe es persönlich in den letzten Jahren immer wieder erlebt, dass einige meiner kritischen historischen Fragen lächerlich gemacht wurden, um sie dadurch zu schwächen. Ich untersuche ja vor allem die Energiewende und den globalen Kampf um Erdöl und Erdgas. Aber ein anderes meiner Forschungsgebiete sind die Terroranschläge vom 11. September 2001. Was damals passierte, ist bis heute ungeklärt. Speziell über den Einsturz von World Trade Center 7, das nicht von einem Flugzeug getroffen wurde, wird viel gestritten, vor allem in den USA.

Zwei Thesen stehen hier im Raum: Feuer oder Sprengung. Nun beobachte ich seit Jahren diese Debatte, denn sie ist ohne Frage historisch relevant. Die Überwachung der Bürger, die hohen Ausgaben für das Militär, der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan und auch der Irakkrieg, welcher in Folge auch Syrien destabilisiert hat: All das gründet auf 9/11 und wird hiermit legitimiert. Daher müssen wir die verschiedenen Geschichten und Fragen zu diesem Tag ganz genau untersuchen. Doch einige mächtige Menschen möchten das auf keinen Fall und sagen, das sei längst geklärt. Präsident Bush selbst hat 2001 vor der UNO erklärt, dass seine Geschichte zu den Anschlägen die Wahrheit sei. Alles andere seien »Verschwörungstheorien«, die man auf keinen Fall glauben dürfe.

Auch heute, vierzehn Jahre nach den Anschlägen, tobt zu 9/11 immer noch ein heftiger Informationskrieg. Die Debatte wird dabei gezielt mit Blödsinn kontaminiert, wie Sabine Schiffer und andere wunderbar herausgearbeitet haben. Dadurch werden wichtige und zentrale Fragen, wie etwa die bezüglich des WTC 7, als unwichtig abgetan, obschon sie das nicht sind. Wer sich im Informationskrieg aber nicht auskennt, der verliert schnell den Überblick oder bekommt ein ungutes Gefühl und wendet sich enttäuscht ab.

Genau das ist auch das Ziel solcher Manipulationen. Außerdem versucht die Machtelite nach wie vor, die kritischen Stimmen mit dem Vorwurf »Das sind doch alles Verschwörungstheoretiker!« mundtot zu machen. Man stellt die 9/11-Forscher also in die Spinner-Ecke und hofft, die Bevölkerung hört nicht auf sie. Mein Eindruck ist aber, dass dieses Spiel mit den Stigmata inzwischen immer weniger funktioniert.

Welche Stigmata meinen Sie? Und welches Spiel?

Nun, die Liste ist lang. Aber die bekanntesten stigmatisierenden, verleumderischen Zuschreibungen sind wohl jene, dass man ein »Verschwörungstheoretiker«, »Anti-Amerikaner« oder »Querfrontler« sei. Die USA sind ja gegenwärtig – und als Historiker gesprochen – das Imperium, also der mächtigste Staat der Welt. Wer den Machtmissbrauch des Imperiums aber anspricht, und der ist empirisch messbar, wird in den NATO-Ländern umgehend als »Anti-Amerikaner« stigmatisiert. Das ist Teil des Informationskrieges.

All diese Stigmata werden auch verwendet, um zum Beispiel die 9/11-Debatte und die hier notwendigen Fragen zu unterdrücken. Nun sind aber viele Menschen in den NATO-Ländern nicht blöd. Sie wissen, dass sie zum Irakkrieg belogen wurden. Sie haben erkannt, dass die USA ein Imperium sind, das rücksichtslos die eigenen Interessen verfolgt. Immer mehr Menschen verstehen auch, dass Kriege oft mit Lügen beginnen, und sind wachsam.

Weil ich selber auch schon mit den genannten Kampfbegriffen angegriffen wurde, weiß ich aus eigener Erfahrung, wovon ich spreche. Im Jahre 2006 habe ich zum Beispiel im Schweizer Tages-Anzeiger einen Text zu 9/11 publiziert, in dem ich auch auf das WTC 7 einging und die Frage in den Raum stellte: Feuer oder Sprengung? Daraufhin hat mich die US-Botschaft in der Schweiz umgehend als »Verschwörungstheoretiker« angegriffen. Das war unfair, aber im Kontext des Informationskrieges die normale und zu erwartende Reaktion.

Danach erhielt ich aber von vielen Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz E-Mails mit dem Tenor: »Diese Fragen zu WTC 7 sind wichtig. Bleiben Sie mutig. Bleiben Sie dran. Wir brauchen Historiker wie Sie, die einen kritischen Blick auf die Zeitgeschichte werfen.« Es sind derart viele E-Mails, dass ich empirisch festhalten kann: Tausende von Menschen werden von den oben genannten Stigmata inzwischen nicht mehr abgeschreckt. Sie bilden sich selber eine Meinung. Zudem greifen diese kritischen Mediennutzer jetzt über Leserbriefe und Postings in den Sozialen Medien wie Facebook selber in die Debatte ein.

(83)  2017-09-01 Götz Kubitschek sprach mit Mario Müller

Gegen die George Soros Open

Society Foundation

Interview von Bord

der C-Star 

„Das Schiff wurde 1975 als Suunta auf der finnischen Werft Rauma Rapola für die Finnish Maritime Administration gebaut. Es wurde u. a. für die Suche nach der in der Nacht vom 27. auf dem 28. September 1994 in der Ostsee gesunkenen Estonia eingesetzt.

Das Schiff wurde 2012 und 2017 umgebaut. Spätestens seit 2014 wurde es im Golf von Aden für die Unterstützung von Einheiten eingesetzt, die Handelsschiffe zum Schutz vor Piratenangriffen begleiteten. Das Schiff fuhr zu der Zeit unter der Flagge Dschibutis. Mittlerweile gehört es der Reederei C Vessels mit Sitz im britischen Cardiff, die es unter mongolischer Flagge betreibt. Hinter der Reederei steht Sven Tomas Egerstrom, Geschäftsführer der Maritime Global Services Ltd. Dem Besitzer des Schiffs, Egerstrom, wurde laut nordzyprischer Medien vorgeworfen, vor 2015 Waffen im Wert von über zwei Millionen Schweizer Franken geschmuggelt zu haben. Zuvor war Egerstrom Besitzer der Firma Sea Patrol. Im Jahr 2017 charterten Aktivisten der Identitären Bewegung das Schiff für ihre Aktion Defend Europe, mit dem Ziel, Flüchtlinge daran zu hindern, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen.“                                                                                                                          Wikipedia

 

Mario Müller ist der Kopf der identitären Gruppe "Kontrakultur" aus Halle/Saale. Seit Wochen ist er an Bord der C-Star auf dem Mittelmeer unterwegs. Endlich konnte er ein Interview geben!


Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Sezession: Die identitäre Mittelmeer-Mission Defend Europe ist seit einer Woche offiziell zu Ende. Warum sind Sie noch auf dem Schiff?


Müller: Derzeit liegen wir in internationalen Gewässern, rund 14 Seemeilen östlich von Malta. Die dortige Regierung hat gegen uns eine Art Embargo ausgesprochen: der maltesische Premierminister Joseph Muscat hindert die Versorgungsschiffe, die unsere Mannschaft hätte abholen sollen, am Auslaufen. Sogar bereits bezahlte Frischwasserversorgung wurde uns gegen jedes geltende Recht verweigert. Bezeichnenderweise sind in der selben Woche, in der uns als EU-Bürger die Einreise in ein europäisches Land verwehrt wurde, mehrere hundert illegale Einwanderer von NGOs in den historischen Hafen von Valletta gebracht worden. Es ist eine Schande, dass ausgerechnet jene einst stolze Insel, die Europas Grenzen 1565 gegen die osmanischen Eroberer verteidigte, heute zur Operationsbasis der kriminellen NGOs geworden ist, die die illegale Einwanderung nach Europa organisieren. Was uns trotzdem optimistisch stimmt, ist das maltesische Volk: Patrioten haben eine Petition für uns gestartet, Spenden gesammelt und uns mit einem kleinen Boot unter riskanten Bedingungen Wasser, Nahrungsmittel und kleine Aufmerksamkeiten gebracht.


Sezession: Sie arbeiten derzeit noch an einer Menge anderer Projekte: in Halle entsteht das erste identitäre Hausprojekt Deutschlands und bei Antaios ist vor kurzem ihr erstes Buch, Kontrakultur, erschienen. Was hat Sie motiviert, trotz allem an der Mission teilzunehmen?


Müller: Defend Europe ist einzigartig. Es ist die wahrscheinlich ambitionierteste und zugleich aufregendste politische Aktion, die die patriotische Bewegung seit Jahrzehnten in Angriff genommen hat. Nach unserer ersten Aktion in Sizilien hatten wir die Chance erkannt, unseren Aktivismus auf ein ganz neues Level zu heben, das weit über das klassische Repertoire rechter Protestbewegungen hinausgeht – wir würden mit einem eigenen Schiff vor der Küste Libyens gegen illegale Einwanderung und den Menschenschmuggel durch pseudo-humanitäre NGOs vorgehen und dem Versagen der europäischen Regierungen damit einen Spiegel vorhalten. Von dem Moment an, als mich die Nachricht erreichte, dass wir tatsächlich ein Schiff gefunden hatten, wusste ich: dieses Abenteuer konnte ich mir nicht entgehen lassen! Was unsere Projekte in Halle angeht, vertraue ich darauf, dass unsere Jungs derweil zu Hause die Stellung halten. Sicher ist jedenfalls, dass es auch nach Defend Europe spannend weitergehen wird, egal ob an Land oder auf See.

Sezession: Am Ende der Mission ziehen Sie also eine positive Bilanz?


Absolut! Es ist uns gelungen, unser Schiff C-Star entgegen aller Widerstände in die „SAR-Zone“ – jenes zum Umschlagsplatz für Menschenhändler gewordene Gebiet vor der Küste zwischen Zuwarah und Tripolis – zu bringen, wo wir die Schiffe der Schlepper-NGOs Tag und Nacht beobachtet, ihre Funksprüche mitgeschnitten und sie mit ihren kriminellen Aktivitäten konfrontiert haben. Unsere Präsenz vor Ort hat den politischen Druck auf die NGOs dabei nicht nur direkt, sondern vor allem auch indirekt erhöht. Tatsächlich wurde das Schiff Iuventa der deutschen Extremisten von Jugend Rettet während unserer Mission von den italienischen Behörden beschlagnahmt, andere wichtige NGOs wie Ärzte ohne Grenzen und Sea Watch haben mittlerweile freiwillig die Fahnen gestrichen und Italien plant, seine Küstenwache zur Grenzsicherung vor Libyen einzusetzen. Am Ende hat sich sogar der österreichische Innenminister Sobotka dank Defend Europe offensichtlich an die Verantwortung der europäischen Regierungen erinnert und erklärt, man dürfe uns „Ewiggestrigen“ nicht das Feld der Grenzsicherung überlassen und müsse daher dafür sorgen, „dass sich die Situation auf dem Mittelmeer normalisiert und die Fluchtroute geschlossen wird“. Politischer Aktivismus wirkt also – und wenn unsere tatsächliche und internationale mediale Präsenz zu diesen lange überfälligen Entwicklungen beitragen konnten, macht uns das sehr stolz!


Nicht zuletzt hat unser Einsatz gezeigt, dass wir mit unseren Forderungen nach Grenzschließung, Remigration und Hilfe vor Ort in der Küstenwache des migrationsgeplagten Landes Libyen einen willkommenen Verbündeten gefunden haben – deren letztes hochseetaugliches Schiff unter dem Kommando des Kapitäns Abdul-Bari, der dem deutschen Publikum durch Spiegel-TV bekannt geworden ist, hat uns auf hoher See seine Grüße entrichtet und uns versichert, dass die libyschen Sicherheitskräfte und Defend Europe die gleichen Probleme bekämpfen und das gleiche Ziel teilen. Nur wenige Minuten später konfrontierte dieser Mann der Ordnung in einem aus den Fugen geratenen Land die Golfo Azzurro (NGO: Proactiva Open Arms), nannte sie Menschenschmuggler, die in seiner Heimat großes Leid verursachen und drohte schließlich sogar, das Feuer zu eröffnen, wenn die NGOs sich nicht auf schnellstem Wege dorthin aufmachten, wo sie hergekommen seien. Seine letzte, an die Einwanderungsfanatiker gerichtete Botschaft „Go home and never come back!“ ist sicher eine der schönsten Erinnerungen, die wir von unserem Abenteuer mit nach Hause nehmen.

Sezession: Zuvor hatte die Mission mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, weshalb manche Mainstream-Medien das Scheitern von Defend Europe voreilig herbeigeschrieben haben. War mit diesem Maß an Widerständen zu rechnen?


Von Beginn an hat die Einwanderungslobby nichts unversucht gelassen, Defend Europe zu verhindern. Plötzlich traten neugegründete NGOs (zutreffender wäre wohl eher: Facebook-Seiten, denn mit vielmehr als diesen sind diese Gruppen bisher nicht in Erscheinung getreten) mit mächtigen Geldgebern wie George Soros Open Society Foundation auf den Plan, deren falsche Anschuldigungen schwerwiegende Folgen hatten, unter denen allen voran die politisch unbeteiligten Seeleute an Bord leiden mussten. Noch bevor wir Aktivisten die C-Star betraten, wurden diese in Port Suez vom Militär verhaftet und misshandelt, mussten beispielsweise bei über 40C°gefesselt und ohne Wasser stundenlang in der Sonne knien. Während die Beamten die Offiziere mit vorgehaltener Waffe bedrohten, durchsuchten sie das Schiff und stahlen alle denkbaren Wertgegenstände. Der Vorwurf, es seien ukrainische Söldner an Bord, stellte sich dennoch bald als unhaltbar heraus. Im türkisch besetzten Teil Zyperns wurden sie dann erneut verhaftet – ausgerechnet wegen Menschenschmuggel! Der falsche Vorwand waren diesmal auszubildende Seeleute aus Sri Lanka, die für ihre Lizenz Meilen sammeln wollten und das Schiff eigentlich bereits in Ägypten hätten verlassen sollen. Wieder hatte eine NGO eine bewusste Falschmeldung verbreitet, die sich am Ende als Lüge herausstellte. Um die Frage zu beantworten: natürlich haben wir mit erheblichen Widerständen gerechnet, wie skrupellos die selbstgerecht „humanitären“ NGOs allerdings menschliche Existenzen aufs Spiel setzen, hat uns trotzdem überrascht...


Auch die eigentliche Mission begann für uns Aktivisten kaum weniger abenteuerlich. Der politische Druck der westlichen Regierungen und der Einwanderungslobby war enorm: Für das wohl meistgehasste Schiff im Mittelmeer stellte es sich als äußerst schwierig heraus, in einem europäischen oder nordafrikanischen Hafen Wasser und Treibstoff, geschweige denn eine Einlaufgenehmigung zu erhalten. Alle Aktivisten – es gab zwischenzeitlich eine personelle Verstärkung – sind daher ausnahmslos von Versorgerschiffen an Bord gebracht worden, die die C-Star im internationalen Niemandsland auf hoher See getroffen haben. Für meine Gruppe führte der Weg zunächst mit dem Taxi durch Tunesien, wo zwei unserer Jungs verhaftet worden sind, über die Insel Malta ins zentrale Mittelmeer, bevor der eigentliche Einsatz endlich beginnen konnte. Am Ende jedoch war bei den Schlagzeilen der deutschen Lückenpresse über das Scheitern von Defend Europe der Wunsch der Vater des Gedankens: wir haben unsere Ziele erreicht.

 

Sezession: Was bedeutet die Aktion für die Zukunft der IB?


Nach meiner Auffassung muss auf jede größere Aktion zunächst einmal eine Phase der Auswertung und des Strukturaufbaus folgen, in der unsere neu gewonnenen Stellungen auf dem metapolitischen Feld ausgebaut und gefestigt werden – natürlich nur, um derart gestärkt einen neuen Angriff zu wagen. Nichtsdestotrotz hat Defend Europe bereits jetzt gezeigt, dass die Bewegung in der Lage ist, aktionistisch in größeren Maßstäben zu denken, die uns noch vor kurzer Zeit kaum jemand zugetraut hätte. Das wirft gleichzeitig die Frage auf, ob sich die Identitäre Bewegung weiter in Richtung einer patriotischen NGO entwickelt, und wenn ja, inwiefern sie sich hier zukünftig spezialisiert. Um diese Frage zu beantworten, ist es allerdings noch zu früh.

Zunächst müssen wir erstmal Festland betreten (lacht)!


26. August 2017

(82)  2017-08-29 Islamismus-Experte Ahmad Mansour

"Der Terror hat natürlich mit dem Islam zu tun"

Stefan Kaltenbrunner sprach mit dem deutschen Islamismus-Experten Ahmad Mansour über Strategien gegen den Terror und warum die muslimische Community endlich Verantwortung übernehmen muss.

 

KURIER: Nach jedem Terroranschlag übt sich die Politik in stereotypen Durchhalteparolen, wie "Wir werden gewinnen", oder "Wir sind stärker". Das klingt freilich mittlerweile so, als ob wir nichts gegen den Terror tun können und ihn als Fakt hinnehmen sollten.

Ahmad Mansour (rechts): Natürlich können wir etwas dagegen tun. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Nachrichtendienste besser werden, wir müssen unsere Sicherheitskonzepte besser organisieren, wir müssen sensible Orte noch besser schützen, wir müssen uns vielleicht davon verabschieden, dass wir mit dem Auto direkt ein paar Meter vor den Check-ins am Flughafen parken können, sondern dass wir vorab durch Sicherheitsschleusen müssen. Das sind Maßnahmen, die jedes Land, das von Terror betroffen ist, über kurz oder lang einführen muss. Man braucht nur nach Israel zu schauen.


 

Aber auch diese Maßnahmen, die uns ja auch ein Stück Freiheit wegnehmen, garantieren keinen 100-prozentigen Schutz.


 

Nein, aber es werden dadurch hunderte Attentate pro Jahr verhindert, und es werden Dutzende Menschen gerettet. Jedes einzelne Menschenleben ist es wert, gerettet zu werden.


 

Trotzdem ist die Sicherheitsfrage nur ein Aspekt, um gegen den Terror vorzugehen. Welche Maßnahmen wird es noch brauchen?


 

Noch einmal, ich akzeptiere nicht, dass wir gegen diese Art des Terrors machtlos sind. Wir können etwas tun, wir können es den Terroristen schwerer machen. Wir brauchen endlich eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene, unsere Daten müssen bürokratielos ausgetauscht werden können. Wir wissen, dass Terroristen global arbeiten, deswegen ist der Terror kein nationales, sondern ein europäisches und globales Problem. Wir sehen ja immer wieder, dass bei den meisten Attentaten die Zusammenarbeit innerhalb Europas nicht funktioniert, und das muss sich dringend ändern.


 

Und was müssen wir abseits der Sicherheit tun?


 

Langfristig können wir sehr viel tun, wir müssen vor allem präventiv endlich aktiv werden. Wir müssen die Jugendlichen schneller erreichen und den Islamisten und Hasspredigern zuvorkommen. Jugendliche radikalisieren sich aus unterschiedlichen Gründen, einer dieser Gründe, der in der öffentlichen Debatte immer sehr klein gehalten wird, ist ein bestimmtes Islam-Verständnis. Die Menschen glauben, dass sie am richtigen Weg sind, dass sie die wahre Religion ausleben, dass sie gegen die Feinde Allahs in den Tod geschickt werden. Deswegen finde ich es fatal, dass nach jedem Anschlag der Satz kommt „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“, das stimmt einfach nicht. Wir müssen gegen diese ideologischen Brandstifter, die mitten in unserer Gesellschaft existieren, massiv vorgehen.


 

Wie genau soll das funktionieren?


 

Islamisten, ihre geistigen Unterstützer und Lobbyisten müssen nach jedem Anschlag täglich spüren, dass Europa nicht mehr naiv reagiert, sondern mit einer klaren Agenda, mit einer Strategie. Wir haben keine Angst, aber schicken unsere Polizei auf die Straße, um unsere Feste zu sichern. Wir sind tolerant, aber zeigen keine Toleranz den Intoleranten. Wir schätzen Religionsfreiheit, aber zögern nicht, Moscheen zu schließen, wenn dort Hass gepredigt wird. Wir machen es sehr eng für die Vertreter des freiheitsfeindlichen Islam. Und wir unterstützen Reformbemühungen und kritisches Denken. Wir schützen die Verfolgten, geben ihnen Asyl und Sicherheit, zögern aber nicht, sie abzuschieben, wenn sie sich bewusst verweigern, sich zu integrieren und unsere Gesetze immer wieder mit Füßen treten. Dazu müssen wir in den Schulen Demokratiepädagogik zum Pflichtfach machen und die Grundwerte der Gesellschaft vermitteln.


 

Es heißt immer, dass wir unsere Werte verteidigen müssen, welche Werte verkörpern die Terroristen?


 

Islamisten haben eine ganz klare Vorstellung von der Welt. Sie verachten das Leben und orientieren sich am Jenseits. Sie glauben, die absolute und einzige Wahrheit zu besitzen. Sie lehnen die Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und die Demokratie ab. Der Architekt dieses Terrors ist nicht nur der Islamische Staat. Der Islamische Staat ist nur ein Produkt dieser Ideologie, ein Symptom und nicht die Ursache. Deshalb reicht es nicht, auf den IS zu schimpfen, sondern wir müssen die Wegbereiter identifizieren und ihnen entschieden klarmachen, dass sie Mitschuld an der Entstehung und Verbreitung dieser Ideologie haben. Mit diesen Leuten nach jedem Anschlag Mahnwachen zu veranstalten, ist falsch und einfach feige.


 

Also machen wir es uns zu leicht, wenn wir sagen, dass der Terror nichts mit der Religion zu tun hat?


 

Ja, auf jeden Fall. Auch wenn wir sagen, dass das nur tragische Einzelfälle sind, dass das Jugendliche sind, die ausgegrenzt wurden, die Rassismus erfahren mussten etc. Das stimmt einfach nicht. Wir haben die Lebensläufe von über 300 radikalisierten Jugendlichen untersucht, und wenn man deren Biografien anschaut, sieht man genau: Das sind nicht nur die Verlierer der Gesellschaft. Das sind junge Männer quer durch alle Schichten, die eines vereint: Dass sie den Islamismus attraktiv für ihren Lebensweg empfunden haben. Und das müssen wir bekämpfen, und die politische Elite muss endlich Verantwortung übernehmen, indem sie den Menschen Rezepte liefert, wie wir mit dieser Ideologie und dem Terror umgehen müssen. Und dass bis heute dagegen keine wirklichen Strategien vorhanden sind, empfinde ich als wirklich fatal.


 

Aber wie lässt sich verhindern, dass sich ein 18-jähriger, in Europa geborener und aufgewachsener Jugendlicher dazu entschließt, Menschen zu töten und sein eigenes Leben im Namen der Religion zu opfern?


 

Wir müssen unsere Lehrer dazu ausbilden, dass sie eine Radikalisierung erkennen. Wir müssen präventiv alles daran setzen, dass es zu keiner Radikalisierung kommt. Wir können nicht darauf warten, dass sie eintritt, denn dann ist es meistens schon zu spät. Um diese Jugendlichen zu erreichen, müssen wir in den Sozialen Medien aktiv werden, wir müssen in Jugendsprache Demokratie und Menschenrechte thematisieren, kritisches Denken vermitteln, und religiöse Inhalte auch anders beleuchten. Das sind alles pädagogische Inhalte, die derzeit gar nicht existieren, aber die wir unbedingt brauchen.

 

Welche Rolle sollen Muslime selbst dabei spielen?


 

Wir brauchen die muslimische Community dazu, die hier endlich Verantwortung übernehmen muss. Wir können uns nicht mehr mit Mahnwachen zufriedengeben, und dass wir uns gegenseitig nach jedem Anschlag umarmen. Das sieht zwar schön aus, kann aber keine Antwort sein. Der Islam muss sich reformieren, und zu einer Religion wachsen, die nicht ausgrenzt. Zu einer Religion, die Demokratie unterstützt, und die Teil unserer Gesellschaft ist. Das ist die Aufgabe der Community, der Theologen und der Moscheen. Aber das wird nur passieren, wenn wir das aktiv einfordern und Druck aufbauen.


 

Aber ist es nicht ein Wunschdenken, wenn es der Politik selbst an vernünftigen Integrationskonzepten fehlt?


 

Unsere Volksparteien wollen gegenwärtig die Wahlen gewinnen, das Thema Integration versuchen sie auszusparen. Ich werfe den großen Volksparteien vor, dass sie in eine Wahl ohne genauen Plan zum Thema Integration und Terror gehen. Das ist es doch, was die meisten Menschen derzeit beschäftigt. Und ich finde es unverzeihlich, dass man dieses Thema den Rechten und Rassisten überlässt.


 

Was fordern Sie von der Politik genau, außer mehr Geld für Integration?


 

Terror ist kein Flüchtlingsthema. Aber gute Integrations- und Flüchtlingskonzepte schaffen mehr Sicherheit. Wir brauchen natürlich die Diskussion über die Sicherung der Grenzen, über eine Neuordnung der Asylverfahren, wer ins Land darf und wer nicht, und wie jene kontrolliert werden, die schon da sind. Aber was wir auch dringend benötigen, ist ein genauer Plan für jene Menschen, die schon hier sind, die vielleicht schon hier geboren sind, und wie wir sie in die Gesellschaft integrieren wollen. Wir wissen, dass die Integrationskurse nicht gut laufen. Das ist nichts anderes als ein sinnloser Frontalunterricht. Wir brauchen dagegen Dialogplattformen, dort müssen wir den Menschen klarmachen, dass sie, wenn sie kommen, nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben. Sie müssen lernen und begreifen, dass man ihnen die europäischen Werte nicht nur präsentiert, sondern, dass sie diese Werte auch verinnerlichen müssen.

 

Wenn wir uns die Szene von Islamisten in Europa ansehen: Wird diese gegenwärtig größer? Und steigt damit die Gefahr von weiteren Anschlägen?


 

Die Szene wird definitiv größer, und zwar aus zwei Gründen: Erstens ist der IS gerade in Syrien und dem Irak am Rückzug, deshalb sagen sie ihren Anhängern: "Kommt nicht mehr hierher, sondern greift direkt in Europa an." Es gibt hier genug Jugendliche mit Gewaltfantasien, die jetzt nicht mehr ausreisen können und so zur potenziellen Gefahr werden. Und zweitens braucht es für diese Art von Anschlägen keine Struktur mehr. Mit Ausnahme von Spanien haben wir gesehen, dass in den vergangenen Monaten Personen Anschläge verübt haben, die vom IS begeistert waren, die aber selbst nie in Kontakt mit dieser Terrorgruppe waren.


 

Sie schätzen das Risiko für weitere Anschläge also als relativ groß ein?


 

Ja, auch wenn der IS am Rückzug ist, heißt das nicht, dass seine Ideologie nicht weiterlebt. Wir müssen die Architekten dieser Ideologie mit Vehemenz verfolgen und demokratisch zur Rechenschaft zu ziehen.


Kurier.at – 29.08.2017

Zur Person: Ahmad Mansour


Ahmad Mansour ist Islamismus-Experte und Diplom- Psychologe und arbeitet in unterschiedlichen Präventions- und Deradikalisierungsprojekten, er ist Programme-Director bei der European Foundation for Democracy in Brüssel. Im Oktober 2015 erschien sein erstes Buch mit dem Titel: "Generation Allah: Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen“.

(81)  2017-08-27 Gespräch von Axel R. Göhring

                            mit Imad Karim aus Berlin

Diese „Weder-Fisch-noch-Fleisch-Politik“ schadet unseren Kindern

Europa muss schnell handeln, wenn es nicht islamisiert                                                        werden will!

 

Imad Karim ist neben Hamed Abdel-Samad und Bassam Tibi der wichtigste muslim- und arabischstämmige Kritiker der politischen Korrektheit in Deutschland. Er ist der Sohn libanesischer und syrischer Eltern und kam Ende der 1970er Jahre aus Beirut als Student nach West-Berlin. Er heiratete eine Deutsche und bekam mehrere Kinder mit ihr.

Imad Karim arbeitete in den 1990er Jahren als erfolgreicher und angesehener Dokumentarfilmer für den Westdeutschen Rundfunk (WDR). Er profilierte sich vor allem mit Beiträgen zu den Themen Krieg und Nahost; außerdem drehte er zu den Themen Flüchtlinge und Ausländerfeindlichkeit. 1995 erhielt er den CIVIS-Preis der ARD.

Heute ist Karim wegen seiner Kritik am Islam und der Migrationspolitik Merkels Persona non grata in den öffentlichen, aber auch in den privaten Medien. Auch in den sozialen Medien wurde er bereits mehrfach gesperrt.

 

Axel R. Göhring: Herr Karim, als Student in Berlin waren Sie nach eigener Angabe ganz links, wie viele junge Araber an den Universitäten damals. Heute sind Sie ein konservativer Islamkritiker, Ihre arabischen Freunde in Berlin sind strenggläubige bärtige Männer mit aus der Heimat importierten Jungbräuten, und Ihre deutschen Kommilitonen von damals sind heute politkorrekte ökologische Multikulturalisten. Wie konnte es zu solch unterschiedlichen Lebensentscheidungen kommen?


 

Diese Frage habe ich mir oft selber gestellt. Ich suchte nach plausiblen Antworten, die mir erklären könnten, wie sogar Absolventen der sowjetischen Kominternschulen über Nacht als strenge Muslime (re-)sozialisiert werden konnten.

Die Antwort fand ich in der Erkenntnis, dass jemand, der sich vom Islam nicht eindeutig trennt, stets eine Art „tickende Zeitbombe“ bleibt.

Dieses Phänomen nannte ich nach meiner Selbstanalyse innerkulturelle Faktoren.

Als globale Faktoren meinte ich etwas Bestimmtes gefunden zu haben: Dadurch, dass der liberale und aufgeklärte demokratische Westen demokratische und progressive Bestrebungen arabischer Linker zu Gunsten des Kapitals und aus Angst vor einer Sowjetisierung der säkularen Bewegung im Nahen Osten verraten hat, haben viele ehemalige arabische Linke frustriert und resigniert aufgegeben.


 

Axel R. Göhring: Sie wurden früher von den Qualitätsmedien für Ihre Filme bejubelt; heute werden Sie totgeschwiegen oder sogar attackiert. Wie stellt sich Ihre berufliche Situation heute dar, und was empfinden Sie bei der weltanschaulichen Ablehnung, die Sie erleben müssen? Haben Sie sich verändert, oder die anderen?


 

Beruflich habe ich schnell reagiert und mich auf Realisierung von Imagefilmen und hochqualitativen Werbespots spezialisiert. Nebenbei arbeite ich für verschiedene internationale Nachrichtenagenturen als Freelancer. Gelegentlich rufe ich bei meinen ehemaligen Kollegen, die ich persönlich sehr gut kenne (kannte) und die bei der ÖR arbeiten, ob sie inzwischen bereit wären, einen guten Beitrag von mir abzunehmen und dann muss ich mich damit trösten, dass von mir „vorübergehend“ keine Beiträge gewünscht seien. Für mich als Jemand, der aus der Unfreiheit kommt und der seit 40 Jahren in der Freiheit lebt, bedeutet diese Entwicklung ein neues Exil, ein inneres Exil.


 

Axel R. Göhring: Die 68er und Grünen waren unerbittliche Gegner der US-Politik, obwohl gerade die Anglo-Amerikaner Prosperität und Freiheit Westdeutschlands garantierten. Heute kritisieren die Politkorrekten offenbar alles, was den Westen und seine Kultur ausmacht. Fremde Kulturen, und seien sie noch so rückständig und brutal, werden hingegen paradoxerweise idealisiert und generell entschuldigt. Was steckt Ihrer Meinung nach hinter diesem widersprüchlichen Denken und Verhalten?


 

Ob wir wollen oder nicht wollen, die Grünen sind Kinder und Enkelkinder der Frankfurter Schule. Ihnen geht es in erster Linie darum, ihre Utopie von einer gerechten Welt zu verwirklichen, in der alle Kulturen gleichwertig sind und wo die Ethnien als Faktor bei der Entscheidungsfindung verschwinden.

Auch die Grünen tragen einen in ihren Augen evolutionären „notwendigen“ Hass auf den Kapitalismus und den historisch gewachsenen Nationalstaat.

Wenn ich das hier beschreibe, dann spreche ich von einer Gesinnungsethik, die in den letzten zehn Jahren und besonders mit Obama faschistisch-ähnliche Züge angenommen hat.

Es ist eine Form des Selbsthasses als Ausdrucksform, um dem Fremden gegenüber den Beweis zu erbringen, dass er von mir quasi geschätzt und geachtet wird. Diese Gesinnung der Übermenschlichung des Fremdseins und der Entmenschlichung des Selbst scheint inzwischen eine Art sexuell-masochistische Befriedigung bei den Akteuren hervorzurufen. Andere würden das Ganze eine Sozialdekadenz oder Kulturuntergang bezeichnen.

 

 

Axel R. Göhring: Sie sind Halblibanese und warnen eindringlich vor der Islamisierung Europas, die Ihre alte Heimat bereits erleben musste. Welche konkreten Maßnahmen einer zukünftigen deutschen Politik würden Sie befürworten, um der mohammedanischen Transformation unserer Kultur zu begegnen?


 

In erster Linie würde ich die Migration muslimischer Massen stoppen und dafür rechtstaatlich (notfalls nach Änderung des Grundgesetzes) sorgen, dass die vielen Millionen muslimischer Zuwanderer der letzten zehn Jahre zu re-emigrieren, sofern sie hier nicht über die notwendigen Aufenthaltserlaubnisse verfügen.

Auch kriminelle und unserem Grundgesetz feindlich gesinnte Zuwanderer würde ich in ein Drittes Land (wenn die Heimatländer ablehnen, diese Personen aufzunehmen) abschieben und bei einigen anderen die Staatsangehörigkeit aberkennen und zur sofortigen Ausreise auffordern.

Ich würde bei allen Islamverbänden die staatliche Anerkennung rückgängig machen. Sie könnten als Vereine existieren, aber ohne jegliche staatliche Anerkennung. Ich würde alle Moscheen schließen, wenn sie nicht nachweisen, dass ihre Imame ausnahmslos in Deutsch predigen. Ich würde auch alle islamischen Formen in der Öffentlichkeit verbieten. Religion ist in den vier Wänden und notfalls innerhalb einer Moschee dezent und zurückhaltend auszuüben. Ich würde das Kopftuch sowohl bei der Arbeit als auch in Bildungsstätten oder in den Behörden VERBIETEN.

Ich würde Schweinefleisch als Zwangsspeisen, natürlich neben Rind und Vegetarischem in den Kantinen einführen. Ich würde jeden auffordern, das Land innerhalb von drei Monaten zu verlassen, sofern er mit seinen Ansichten konträr zu unserem Grundgesetz steht. Ich würde Artikel 16 des Grundgesetzes neu und streng definieren, so dass tatsächlich NUR Einzelmenschen, die aufgrund ihrer politischen (demokratischen) Ansicht, Abstammung, Rasse, Sprache oder ihrer sexuellen (gesetzkonformen also keiner pädophilen) Orientierung INDIVIDUELL verfolgt werden, schützt.

 

Des Weiteren würde ich grundsätzlich alle kirchlichen und sonstigen Institutionen als private Interessenverbände beschränken und Kirchensteuer sowie Subventionen seitens des Staates für diese Verbände abschaffen. Entweder sind wir eine echte säkulare Gesellschaft in einem neutralen säkularen Staat oder der Staat entdeckt seine christlichen Wurzeln und kehrt dorthin zurück mit dem Anspruch, Muslime haben sich in einem christlichen Staat unterzuordnen.

Diese „Weder-Fisch-noch-Fleisch-Politik“ wird vor allem unseren Kindern durch die sehr reale Islamisierungsgefahr die Zukunft für die nächsten 300 Jahre zerstören. Europa muss schnell handeln, wenn es nicht vernahöstlicht werden will!


 

Axel R. Göhring: Herzlichen Dank für dieses Interview – alles Gute für Sie und Ihre Familie und für Ihre Arbeit, für die alle Leser von PP (PHILOSOPHIA PERENNIS) sehr dankbar sind!


 

Datum: August 21, 2017

Autor: davidbergerweb

(80)  2017-08-13 Gespräch mit Michael Heinrich aus Berlin

So aktuell wie nie

Karl Marx und die Kritik an

der modernen Gesellschaft

 

Vor 150 Jahren erschien der erste Band des “Kapitals” von Karl Marx. Im nächsten Jahr steht Marx’ 200. Geburtstag an. Um das doppelte Jubiläum zu feiern, hat die Frankfurter Buchmesse (11.-15. Oktober 2017) mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland die Buchkollektion „Karl Marx und die Kritik an der modernen Gesellschaft” zusammengestellt. Darin werden ausgewählte Werke von Marx präsentiert, Biographien über ihn sowie Analysen seiner Schriften. Welche Relevanz hat Karl Marx heute? Und warum sind seine Ideen gerade heute noch hoch aktuell? Diese Fragen kann der Autor des Vorwortes der Kollektion, Michael Heinrich, bestens beantworten. Bis 2016 war er Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Er hat zahlreiche Bücher über Marx verfasst, darunter Wie das “Marxsche” Kapital lesen?

Das Kapital“ Band 1 und das „Kommunistische Manifest“ gehören seit 2013 zum UNESCO Weltkulturerbe. Sollte sich also jeder mit Karl Marx beschäftigen? Und welche Möglichkeiten gibt es, Zugang zu den nicht immer einfachen Schriften zu finden?

Michael Heinrich: Wer daran interessiert ist, was die Grundlagen des Kapitalismus sind, wie die Dynamik einer kapitalistischen Gesellschaft funktioniert, sollte einen Blick in die Marx’schen Schriften werfen. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass das früh entstandene „kommunistische Manifest“ mit seinen nicht mal 40 Druckseiten eher eine polemische Flugschrift ist, während man die wissenschaftliche Analyse erst im 20 Jahre später veröffentlichten „Kapital“ findet und dort werden auch keineswegs alle Thesen des „Manifests“ aufrecht erhalten. Dass Marx eine absolute Verelendung prognostiziert habe, trifft zwar auf das „Manifest“ zu, aber nicht auf das „Kapital“. Im Übrigen finde ich die Marx’schen Texte gar nicht so furchtbar schwer zu lesen. Das Problem ist eher, dass da mehr drinsteckt, als einem bei der ersten, vielleicht etwas oberflächlichen Lektüre auffällt. Es lohnt sich, gründlich zu lesen, mit anderen das Gelesene zu diskutieren, vielleicht auch in eine der verschiedenen Einführungen reinzuschauen, aber man sollte diese Einführungen (auch die von mir geschriebene) auf keinen Fall anstelle des „Kapitals“ lesen.

 

Welche Bedeutung hat Marx heute?

Marx nimmt Gesellschaft, Staat, Ökonomie insgesamt in den Blick. Während heute immer wieder „Interdisziplinarität“ gefordert wird, kann man bei Marx sehen, was das ist. Aber nicht nur das. Während sich die heutigen Wissenschaften, insbesondere die Wirtschaftswissenschaft, ihrem Gegenstand gegenüber unkritisch verhalten, indem sie vieles einfach akzeptieren, stellt Marx sehr grundlegende Fragen. Marx nimmt es nicht einfach hin, dass Waren neben ihrer Nützlichkeit auch noch einen ökonomischen Wert haben. Er fragt, wie ist das denn überhaupt möglich? Was verrät uns dieser Doppelcharakter der Ware, nützliches Ding und Wertding zu sein, über den Charakter unserer Ökonomie? Und ist das tatsächlich zwangsläufig so? Diese Art von grundlegenden Fragen werden heute nur selten gestellt, selbst von Kritikern des Kapitalismus. Auch diejenigen, die mit den Antworten von Marx vielleicht nicht einverstanden sind, können noch etwas lernen, wenn sie sich mit seinen Fragen auseinandersetzen.

Wie können wir Marx‘ Analysen und Ideen für die zukünftige Gestaltung der Gesellschaft nutzen?

Von Marx können wir erstmal lernen, was nicht geht. Etwa, dass es eine kapitalistische Wirtschaft ohne Wirtschaftskrisen, ohne Arbeitslosigkeit nicht geben wird. Wenn Politiker erzählen, dass sich eine Finanzkrise 2008/2009, als Banken mit Milliarden an Steuergeldern gerettet werden mussten, nicht mehr wiederholen wird, dann kann man mit Marx sehr einfach zeigen: Das steht gar nicht in eurer Macht, so etwas zu verhindern. So lange wir eine kapitalistische Wirtschaft haben, herrschen die „Sachzwänge“ der Wirtschaft über die Menschen. Dann werden wir immer nur jene „marktkonforme Demokratie“ haben können, von der Frau Merkel, und zwar keineswegs in einem kritischen Sinn, gesprochen hat.

Wenn uns das aber nicht genügt, wenn wir stattdessen eine demokratiekonforme Wirtschaft wollen, vielleicht auch eine Wirtschaft, die nicht mehr wie bisher in ihrer blinden Jagd nach immer höheren Profiten die natürlichen Lebensgrundlagen zerstört, dann müssen wir bereit sein, über radikale Veränderungen der kapitalistischen Organisation der Wirtschaft nachzudenken. Und dabei können die Analysen von Marx sehr viel helfen.

 
Die Buchkollektion „Karl Marx und die Kritik an der modernen Gesellschaft“ beinhaltet nicht nur Schriften von Marx und Biografien und Interpretationen über ihn und seine Werke, sondern auch einige in den letzten Jahren erschienene Bücher mit alternativen Vorschlägen für Gesellschaft und Ökonomie. Welches Potenzial sehen Sie in diesen Ideen? Können sie Realität werden?

Die Beiträge zu Alternativen in der Buchkollektion sind ganz bewusst sehr vielfältig gehalten. Niemand hat einen Masterplan, eine Lösung für alles. Wir müssen überhaupt zu einer Diskussion kommen, die eingefahrene Selbstverständlichkeiten in Frage stellt. Wie wollen wir eigentlich leben, wie wollen wir arbeiten, welche Art von Gesellschaft wünschen wir uns? Dass immer nur „mehr“ die Lösung ist, mehr Wachstum, mehr Profit, mehr Lohn, wird zu Recht angezweifelt. Es ist eine Sackgasse. Wovon brauchen wir wirklich mehr und wovon haben wir vielleicht schon viel zu viel? Und lässt sich überhaupt von einem „wir“ sprechen? Wer ist damit gemeint? Die Alternativvorschläge stoßen uns auf solche Fragen. Sie zu diskutieren und zu überlegen, wie man das umsetzen kann, darin steckt ihr Potenzial.

 

Sie haben sich auch mit dem Leben Karl Marx‘ befasst und arbeiten gerade an einer neuen Biografie. Dass Marx als Journalist arbeitete und viele Jahre im Exil lebte, erinnert an aktuelle Schicksale von Journalisten. Welche Schlüsse kann man daraus ziehen?

Der allererste Artikel von Marx „Bemerkungen über die neueste preußische Zensurinstruktion“, 1842 geschrieben, ist eine vehemente Verteidigung der Pressefreiheit  -  in Preußen konnte dieser Artikel nicht erscheinen, er musste in der Schweiz veröffentlicht werden. 1849 musste sich Marx in Köln vor Gericht verantworten, weil man seiner Zeitung Magistratsbeleidigung vorwarf. Vor dem Geschworenengericht, bei dem also die Bürger und nicht die beamteten Richter entschieden, erreichte Marx durch eine fulminante Verteidigungsrede einen Freispruch. Bald darauf musste er allerdings nach London ins Exil gehen. Heutzutage ist Meinungs- und Pressefreiheit in den meisten Verfassungen garantiert, was aber häufig nicht viel hilft. Dabei gibt es nicht nur die offensichtliche Zensur und die Bedrohung bis hin zur Ermordung von Journalisten. Es gibt heute auch subtilere Methoden, die Pressefreiheit anzugreifen. In der Türkei werden dieser Tage regierungskritische Journalisten wegen „Unterstützung des Terrorismus“ angeklagt, ohne dass es dafür, außer ihrer Kritik an der Regierung, irgendwelche Beweise gibt. In Ungarn werden regierungskritische Medien von Unternehmen, die der Regierung nahestehen, einfach aufgekauft. Aber auch in Deutschland wurde gerade einer Reihe von Journalisten, die bereits für den G20-Gipfel in Hamburg angemeldet waren, diese Akkreditierung aus undurchsichtigen Gründen ganz plötzlich wieder entzogen. Wie zu Marx‘ Zeiten muss Pressefreiheit immer wieder neu erkämpft und verteidigt werden.

Das Interview führte Julia Biermann, Volontärin Marketing & Kommunikation bei der Frankfurter Buchmesse.

Über Michael Heinrich

Michael Heinrich studierte von 1976 bis 1982 Mathematik, Physik und Politikwissenschaft in Heidelberg und Berlin. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Politikwissenschaft der FU Berlin, Gastprofessor in Wien und von 2001 bis 2016 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Er veröffentlichte mehrere Bücher und Artikel zur Marx’schen Theorie — gerade erschien seine „Wissenschaft vom Wert” in 7. Auflage. Im Moment bereitet er eine dreibändige Marx-Biographie vor („Karl Marx und die Geburt der modernen Gesellschaft“), deren erster Band Anfang 2018 im Stuttgarter Schmetterling Verlag erscheinen wird.

(79)  2017-06-18 Stefan Kaltenbrunner sprach mit Imad Karim 

"Wir befinden uns mitten in der islamischen Inquisitions­zeit"

 

Deutschland entwickelt sich zum besten

islamischen Land der Welt

Der deutsch-libanesische Regisseur Imad Karim gilt als einer der umstrittensten Islam-Kritiker. Im Interview spricht er über das Versagen der arabischen Gesellschaft, über den politischen Islam, und warum er gegen Einwanderung ist.

 

KURIER: Es gibt im Internet ein Video, das den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Nasser zeigt, der vor Parteikollegen eine Rede hält, in der er launig erzählt, dass der Chef der Muslimbrüder tatsächlich von ihm verlangt hätte, dass Frauen dazu verpflichtet werden ein Kopftuch zu tragen. Alle Beteiligten im Saal fanden das sehr lustig.

Karim: Ich kenne das Video, das war Ende der Fünfzigerjahre. Ein Kopftuchzwang war damals völlig illusorisch.

 

Heute gibt es kaum mehr ein islamisches Land, in dem Frauen kein Kopftuch mehr tragen, was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in der arabischen Welt verändert?

Man hat bis in die Achtzigerjahre in vielen arabischen Ländern geglaubt, dass man mit demokratischen und säkularen Mitteln die Gesellschaft verändern könnte. Aber diese Kräfte haben völlig versagt.

Was waren die Gründe dafür?

Der Kalte Krieg. Der Westen war nicht bereit, die dortigen demokratischen und säkularen Kräfte zu unterstützen. Man hatte Angst, dass sie sozialistische Regime errichten wollen, wichtige Ressourcen und Bodenschätze verstaatlichen und sich außenpolitisch dem kommunistischen Ostblock anschließen. Deshalb bekämpften sie die Progressiven und unterstützten die Religiösen. Dann wurde 1979 der Schah durch Chomeini gestürzt, im Iran wurde eine Islamische Republik ausgerufen. Als Antwort darauf hat die sunnitische Mehrheit, unterstützt von Saudi-Arabien und den Golfstaaten, eine Richtungsänderung eingeleitet. Das heißt, die strenggläubigen und konservativen Kräfte haben als Antwort auf den Iran immer mehr Macht bekommen, liberale Strömungen wurden zurückgedrängt.

Waren die säkularen Kräfte zu schwach, um hier entgegenzuhalten?

Sie haben geglaubt, dass das nur eine vorübergehende Erscheinung ist, über vollverschleierte Frauen hat man sich in der Zeit zwischen 1978 und 1988 lustig gemacht. Später wurde das öffentliche Belächeln des Kopftuches zu einer Lebensgefahr. Bis dahin haben sich die meisten so verhalten, wie sich jetzt die Mehrheitsgesellschaft in Österreich und Deutschland verhält. Sie haben aus einer Selbstsicherheit heraus - man möge meinen auch aus Arroganz oder Ignoranz - geglaubt, dass das nicht von Dauer sein kann, dass man die Zeit nicht zurückdrehen kann. Sie haben sich alle geirrt. Sie haben sich blutig geirrt.

Gegenwärtig treten die Probleme mit großer Vehemenz zu Tage, wie zum Beispiel der Krieg in Syrien, im Irak, im Jemen, die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.

Wir befinden uns mitten in der islamischen Inquisitionszeit, im Grunde ist der nie unterbrochene Religionskrieg zwischen Sunniten und Schiiten, aber auch unter den Sunniten selbst, wieder sichtbarer geworden. Es geht um die Deutungshoheit, und diese bestimmt die kommende Dialektik der Geschichte. Das kann und will der Westen nicht begreifen.

Also hat der Westen maßgeblich Mitschuld an der Situation im Nahen Osten.

Ja, aber die größte Schuld liegt an uns Arabern selbst. Wir haben nie gelernt, uns von den alten, verkrusteten, religiösen Vorstellungen zu befreien. Die Fähigkeit der Selbstreflektion ist eine Mangelerscheinung in unseren Gesellschaften. Und natürlich macht jede Einmischung des Westens es nur noch schlimmer. Der Westen soll sich einfach aus dieser Region raushalten und sagen: 'Ihr müsst mit euren Problemen selbst klarkommen'. Länder wie Thailand, die Philippinen oder Burma haben ihre Krisen auch selbst gelöst. Fakt ist, kein Einsatz des Westens, sei es im Irak oder in Afghanistan, hat diesen Ländern den Frieden gebracht. Ganz im Gegenteil.

Aber das ist doch naiv zu glauben, dass der Westen oder Russland sich komplett aus dem Nahen Osten zurückziehen, hier gibt es doch viel zu viele Eigeninteressen. Allein der Waffendeal von Trump mit Saudi-Arabien über 110 Milliarden Dollar ist genau das Gegenteil davon, was Sie fordern.

Der Westen hat nicht begriffen, dass jede Einmischung nur noch mehr Zerstörung bringt. Jede Einmischung betrifft auch das Innenleben der Gesellschaft hier im Westen, wir verlieren an Lebensqualität, an Freiheit und an Sicherheit. Es flüchten immer mehr Menschen, die wir nicht integrieren können und müssen. Warum sollen wir hier Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis, die bereits in ihren Ländern sozialisiert sind, in Europa „re-sozialisieren“ um sie für die Integration fit zu machen? Was ist das für eine Anmaßung?

Das klingt von einem Araber, der selbst nach Europa ausgewandert ist, ziemlich hart.

Ich lebe seit 40 Jahren in diesem Land, ich sah Deutschland von Anfang an als meine Heimat und als Heimat meiner Werte, weil ich bereits „integriert“ ankam. Von meiner „Sorte“ gibt es viele, und dennoch sind wir eine Minderheit in unserem Kulturkreis. Das ist ein Fakt! Dieses Deutschland, die Heimat meiner Werte, möchte ich mit allen rechtsstaatlichen Mitteln verteidigen. Ich widerspreche den Eliten, die mir „Fremdenliebe“ auf Rezept verschreiben wollen. Das sind dieselben Akteure, die mir ihren Humanitätsbegriff verordnen. Das ist die gleiche Elite, die mit Saudi-Arabien Waffengeschäfte in Milliardenhöhe macht, aber mir vorschreiben möchte, dass ich Millionen fremde Menschen mit ihrem archaischen, menschen-, frauen-, und homosexuellenverachtenden Weltbild als neue Nachbarn akzeptieren, und die von vielen von ihnen begangenen täglichen An- und Übergriffe tolerieren soll. Gibt es noch etwas Absurderes als das?

 

Wenn man Ihnen so zuhört, könnte das auch auf einer Parteitagsrede der FPÖ oder AFD gesagt werden, sie sprechen wie die Rechtspopulisten. Zusammenfassend: Sie lehnen diese Einwanderungswelle komplett ab.

Was heute „rechts“ oder „populistisch“ ist, entscheidet nicht mehr der Duden, sondern eine Machtelite, die auch die Sprache vereinnahmt hat. Und ja, ich bin für eine strikt kontrollierte Einwanderung nach dem australischen bzw. kanadischen Modell. Hält dieses Migrationschaos an, werden wir verlieren.

Aber Sie übertreiben und polemisieren doch maßlos. In Österreich ist zum Beispiel die Kriminalitätsrate trotz der Flüchtlingswelle nicht wirklich signifikant gestiegen.

Das stimmt einfach nicht, es gibt mehr Übergriffe auf Frauen, es gibt mehr Gewalt, ich kenne die Berichte des BKA. Menschen sind doch immer das Produkt der Gesellschaft, aus der sie stammen. Und Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass Menschen aus Syrien und dem Irak, die seit Jahren nur mehr Chaos und Gewalt kennen und die es nur mit menschenverachtenden Fanatikern zu tun haben, nicht einen anderen Zugang zu Gewalt haben?

Was würden Sie also mit den Flüchtlingen tun? Alle wieder zurückschicken?

Ich bin für die Remigration, ich bin dafür, dass die Menschen wieder in ihre Heimatländer zurückgebracht werden.

Aber das ist doch illusorisch.

Aber wir müssen damit anfangen, wir müssen sofort die Grenzen schließen, heute wollen 70 Millionen Menschen nach Europa. Wenn Sie den Nachrückern die gleichen Rechte verweigern, die Sie den bereits hier aufgenommenen 2,5 Millionen zugestanden haben, handeln Sie ungerecht. Oder wollen Sie die alle aufnehmen? Oder möchten sie am besten diese Menschen aus ihren Heimatländern abholen, damit Sie täglich Tragödien im Mittelmeer verhindern? Und wenn ja, wie viele sollen ins westliche Paradies befördert werden? Es gibt natürlich viele Gründe, warum Menschen ihre Heimat verlassen. Was uns als Araber betrifft, sage ich, dass wir trotz der im Laufe der letzten 70 Jahre hineingeflossenen Billionen von Petrodollars versagt haben, eine moderne Gesellschaft aufzubauen. Verantwortlich hierfür sind nur wir allein!

Aber gestehen Sie den Menschen nicht zu, dass sie für sich und ihre Familien alles unternehmen, um sich ihre Lebenssituation zu verbessern?

Ich wäre ein Narr und ein Selbstleugner, wenn ich den Menschen nicht das Recht zuordnen würde, dass sie sich ihr Leben verbessern. Völkerwanderung ist ein integraler Bestandteil unserer Zivilisationen, aber sie zu begrenzen oder/und zu steuern ist ebenfalls ein integraler Bestandteil unserer Zivilisationen. Und wer das ignoriert, riskiert, dass Hochkulturen womöglich untergehen könnten. Diese Gefahr der Selbstabschaffung sehe ich heute im Westen. Ich habe das Gefühl, die Deutschen möchten ihre Großeltern noch einmal ausgraben, um sie kollektiv für die Verbrechen im Zweiten Weltkrieg verurteilen zu können. Diese Selbstgeißelungshaltung nützt weder der Mehrheitsgesellschaft, noch den Neuankömmlingen.

Wir reden von überwiegend muslimischen Migranten, gehört der Islam zu Europa?

Nein, der Islam gehört nicht zu Europa. Aber Muslime, die sich zu unserer Verfassung bekennen, gehören zu Europa. Aber all jene, die von einem europäischen Islam sprechen, liegen falsch. Auch Bassam Tibi, der das vor Jahren forderte, hat das mittlerweile revidiert. Er sagt, er hätte sich geirrt, da sich nicht der liberale, sondern der gewaltverherrlichende Islam in Europa durchgesetzt hat. Und Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass wir im heutigen medialen Zeitalter die Muslime in Europa als singulär betrachten können, das ist naiv. Jeder weiß, dass Menschen, die auswandern, in der Fremde viel mehr an Traditionen festhalten als zuhause.

Das heißt, die Menschen werden gerade hier im freien Westen religiöser?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel, ich kenne ja viele Araber hier in Deutschland. In den Achtzigerjahren waren die westlich gekleidet, sie hatten Kontakt zu ihren Nachbarn, die Kinder spielten gemeinsam, am Wochenende wurde gemeinsam gegrillt. Heute gehen sie in die Moschee, ihre Frauen tragen Kopftücher.

Was ist da passiert, hat man diese Leute alleingelassen, das klingt nach Versagen der Integration.

Die Probleme sind in der Religion angesiedelt. So wie wir Muslime sozialisiert wurden, sind wir alle tickende Zeitbomben. Meine Eltern im Libanon waren nicht gläubig, aber wenn wir andere Familienangehörige zu Festen besuchten, wurde dort gebetet. Und wissen Sie, was wir gebetet haben? Gott verfluche die Juden, Gott verfluche die Christen. Das steckt in unseren Köpfen von Kindesbeinen, ich kenne hier Araber in Deutschland, die dieselben Gebete in ihren Häusern beten und nicht nur in ihren Häusern.

Aber das westliche Lebensmodell bietet doch Freiheiten, die in den Herkunftsländern nicht einmal ansatzweise vorhanden ist.

Das westliche Lebensmodell ist heute viel labiler als vor 20 oder 30 Jahren. Das Gendermainstreaming und andere ideologisch forcierten Vielfaltmodelle überfordern viele Menschen. Die heutige Liberalität unserer Gesellschaft erschwert den Muslimen, aber auch allen anderen religiös behafteten Menschen die aktive Integration. Die Neuankömmlinge sind quasi kulturell geschockt, wenn das Kind daheim erzählt, dass heute in der Schule gelernt wurde, wie man ein Kondom überzieht. Das versteht nicht einmal ein gläubiger Christ.

Also eine Rückkehr zur Religiosität durch Überforderung?

Absolut, sie scheitern an der liberalen Gesellschaft, sie haben nie gelernt für sich selbst zu bestimmen, und wenn, dann müssen sie den Koran als Grundlage verwenden. Diese Menschen brauchen Halt und den finden sie im Koran. Wir unterstützen sie dabei und bemerken nicht, dass wir eine auf Isolation gerichtete Minderheit fördern, die, wenn nicht morgen, dann übermorgen die Mehrheit bilden könnte. Und dann, was ist mit uns liberal denkenden Menschen? Haben wir bis dahin eine Existenzberechtigung?

Aber es gibt doch genug muslimische Mitbürger, die das Gegenteil beweisen.

Die Menschen, die derzeit nach Europa kommen, tragen ein kulturelles Erbe mit sich, das mit dem westlichen Lebensstil nicht kompatibel ist. Es gibt in Deutschland auch andere Kulturen, wie die der Asiaten. Hier sieht es völlig anders aus. Sie sind bereit, sich hier zu integrieren, es gibt keine Probleme. Wenn Leute aus einer muslimischen Familienstruktur ausbrechen wollen, werden sie verstoßen. Und wenn in ihrem muslimisch dominierten Stadtteil ihre Nachbarn wieder strenge Muslime werden, dann haben sie keine anderen Alternativen als auch in die Moschee zu gehen und ihrer Frau zu sagen, dass sie jetzt ein Kopftuch tragen muss.

Aber wir haben in Österreich und Deutschland mit wenigen Ausnahmen keine wirklichen muslimischen Viertel, wie zum Beispiel in Frankreich oder England.

Ich kann Ihnen in Deutschland mittlerweile 100 No-Go-Areas nennen. Deutschland entwickelt sich zum besten islamischen Land der Welt. Hier kann der muslimische Vater verlangen, dass in der Schulkantine kein Schweinefleisch serviert wird oder er kann bewirken, dass Kreuze im Krankenhauszimmer abgehängt werden.

Also, das ist Ihnen alles zu tolerant?

Sie können mir gegenüber aufrichtig tolerant sein, wenn Sie ein gesundes Verhältnis zum eigenen Ich haben und nicht aus einem Schuldgefühl handeln. Solche Toleranzformen haben ein geringe Halbwertzeit.

Es ist unbestritten, dass man bei der Integration viele Fehler gemacht hat, aber was sollte man in Zukunft anders machen?

Wir sollten in Deutschland Grundgesetz Artikel 4 neu definieren. Darin wird die uneingeschränkte Religionsfreiheit gewährleistet. Diese Freiheit heißt aber auch, dass man die Weltanschauung von Agnostikern respektiert. Ich will zum Beispiel nicht, dass Muslime auf der Straße offen beten. Wenn wir das Grundgesetz richtig interpretieren, können wir von den Muslimen verlangen, dass der politische Islam den öffentlichen Raum nicht einnehmen darf. Das muss in der Verfassung neu definiert werden. Verschieben wir diese Entscheidung, wird jedes Jahr schwieriger.

Also, Kopftuchverbot im öffentlichen Raum, Moscheen kontrollieren, islamistische Strömungen verbieten etc.?

Ja, aber das reicht noch lange nicht aus. Und ich unterscheide nicht zwischen Muslime und Islamisten, es gibt nur einen Islam. Der Begriff Islamismus wurde vom Westen erfunden, ich kann den Islam streng oder light auslegen. Der Islam war nie friedlich, im Islam ist Gewalt immer positiv besetzt. Dafür sprechen die Erfahrungswerte der islamischen (Eroberungs-)Geschichte.

Jetzt scheren Sie schon wieder alle Muslime über einen Kamm und pauschalieren.

In den Muslimen keimt immer der Wunsch, die Welt zu islamisieren. Nur Kulturmuslime, die ihre Religion nicht praktizieren, sind von meiner Aussage ausgenommen. Alle anderen folgen früher oder später dieser Maxime, sobald sich die objektiven Möglichkeiten ergeben.

Hier bieten sich Vergleiche mit dem Christentum an, hier wurde auch missioniert, mit Abermillionen Toten.

Ja, aber das war vor 300 Jahren, der Islam hinkt Jahrhunderte nach. Die Muslime von heute sind die Christen vom 17. und 18 Jahrhundert. Wenn ich heute ein Bild von Mohammad male, egal ob negativ oder positiv, erklären mich Hundertmillionen Muslime zum Feind ihrer Religion. Wo wollen sie Vergleiche ziehen?

Aber gibt es nicht auch positive Entwicklungen, wenn man Ihnen zuhört, klingt das alles sehr pessimistisch.

Pessimist? Nein, eher Realist. Ja, ich habe leider wenig Hoffnung. Wir werden diese Phase im Nahen Osten noch lange haben, vielleicht mehr als 50 Jahre - den blutigen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten, aber auch zwischen Muslimen und Nichtmuslimen.

Sie sind ein erfolgreicher Regisseur, warum lehnen Sie sich mit Ihrer Islamkritik so weit aus dem Fenster?

Ich hoffe, das war gerade keine Drohung (lacht). Nein im Ernst, wir Migranten begreifen eine gelungene Integration als Bekenntnis zu diesem Kulturkreis und seinen Werten. Wir müssen aufstehen und sagen, „hört auf, auf diesem Land herumzutrampeln, und fangt endlich an, eure Werte zu verteidigen“. Mit meiner Kritik erfülle ich meine zivilisatorische Aufgabe. Das schulde ich Deutschland, der Freiheit und den kommenden Generationen.

 

 


Zur Person: Imad Karim


Imad Karim ist ein libanesisch-deutscher Regisseur, Drehbuchautor und Fernsehjournalist. Seine Filme wurden in den Fernsehanstalten ARD, ZDF, WDR, hr, BR, MDR, ORB, SR, SWR, NDR, 3Sat, Phoenix ausgestrahlt. Er gehörte verschiedenen Filmjurys an und ist selber Träger verschiedener Fernsehpreise. Seine Islamkritik brachte ihm viele Vorwürfe ein, so wird ihm immer wieder die Nähe zur AfD vorgeworfen, die er aber vehement abstreitet. Er selbst bezeichnet sich als Agnostiker.

 

(Kurier) Erstellt am 16.06.2017​

(78)  2017-06-15 Oliver Stone sprach mit Wladimir Putin 

Heißer Krieg zwischen USA

und Russland?

Putin: „Niemand

würde überleben“

 

William Oliver Stone (* 15. September 1946 in New York City) ist ein US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, der vor allem für politische Filme bekannt ist. Er wurde dreimal mit dem Oscar ausgezeichnet.

Oliver Stone: „Ich sehe meine Filme vor allem als Dramen über Individuen in persönlichen Kämpfen, und ich sehe mich selber zuerst als Dramatiker, dann erst als politischen Filmemacher. Mich interessieren verschiedene Blickpunkte. Im Endeffekt sind die Probleme des Planeten universell, und Nationalismus ist eine sehr destruktive Kraft. Und ich mag Anarchie in Filmen. Meine Helden waren Buñuel und Godard. Außer Atem war einer der ersten Filme, bei denen ich mich erinnere, dass sie mich wirklich prägten, wegen seines Tempos und seiner Energie. Man sagt, meine Mittel seien nicht subtil. Aber das ist zuallererst, was wir brauchen: ein Kino, das uns wachrüttelt, unsere Nerven und unser Herz.“ Wikipedia

NATO, Snowden und ein Krieg zwischen den USA und Russland: Was hat der Präsident des größten Landes der Welt zu diesen Themen zu sagen? US-Regisseur Oliver Stone fragt nach.

 

"Ich würde sagen, wenn Sie das westliche Bild von ihm als einem Schurken, einem schlechten Kerl und so weiter überwinden, dann kommen Sie zu einem realistischen Porträt eines Mannes, der ein Land führt und wirklich die Interessen Russlands im Grunde seines Herzen hat", sagte Stone in New York.

 

Das vierteilige Interview, das Stone bei rund einem Dutzend Begegnungen mit dem Kreml-Chef zwischen Juli 2015 und Februar 2017 führte, wird in diesen Tagen im US-Kabelsender Showtime gezeigt.

 

NATO, Snowden und die Beziehung zwischen den USA und Russland – all das sind Themen, auf die Putin in der Interview-Reihe „The Putin Interviews“ von US-Regisseur Oliver Stone Antworten gibt.

 

Zwei Jahre lang interviewte Stone den Präsidenten zu allen                                                                   möglichen Themen

 

Stone fragte Russlands Präsidenten, ob er denke, dass die USA einen heißen Krieg dominieren würden – Atomwaffeneinsatz inklusive.

„Ich glaube nicht, dass jemand einen solchen Konflikt überleben würde“, erwiderte Putin.

 

Stone fragt anschließend, ob es nach der Trump-Wahl „irgendeine Hoffnung auf Wandel“ in den amerikanisch-russischen Beziehungen gebe.

„Es gibt immer Hoffnung. Bis man uns auf den Friedhof bringt und uns begräbt“, antwortete Putin.

Putin: „In der NATO sind keine Verbündeten – nur Vasallen“

 

In einem weiteren Clip äußert sich Putin zur NATO. Das Bündnis sei „ein außenpolitisches Instrument der USA. Dort sind keine Verbündeten – nur Vasallen“, meinte der Präsident. Außerdem gefährde die NATO die Sicherheit Russlands.

„Sobald ein Land NATO-Mitglied wird, ist es schwer, dem Druck der USA zu widerstehen. Und plötzlich kann jedes Waffensystem in diesem Land platziert werden. Ein anti-ballistisches Raketensystem, neue Militärbasen und gegebenenfalls neue Offensivsysteme“, erklärte er.

Russland müsse Gegenmaßnahmen ergreifen und seine Raketensysteme auf Einrichtungen ausrichten, die eine Gefahr für das Land darstellen würden, so Putin. „Die Situation spannt sich weiter an“, meinte der Präsident weiter.

Putin: „Ich hätte nicht so wie Snowden gehandelt“

 

Während einer Autofahrt, bei der Putin am Steuer saß, stellte Oliver Stone auch Fragen zu dem Whistleblower Edward Snowden, der sich momentan in Russland aufhält.

„Als Ex-KGB-Agent müssten Sie doch das, was Snowden getan hat, aus tiefstem Herzen hassen“, meinte Stone.

Nein, überhaupt nicht“, antwortete Putin. „Snowden ist kein Verräter. Er hat die Interessen seines Landes nicht verraten und keinem anderen Land Informationen weitergegeben, die seinem Volk schaden könnten. Was auch immer er tut, er tut es öffentlich“, so der Präsident.

„Stimmen Sie dem zu, was er getan hat?“, hakte Stone weiter nach.

„Nein. […] Ich denke nicht, dass er das hätte tun sollen. Wenn ihm seine Arbeit nicht gefallen hat, hätte er einfach die Kündigung einreichen können“, so Putin.

„So wie Sie das getan haben“, meinte Stone.

„Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, aber wahrscheinlich schon. Ich habe meine Kündigung eingereicht, weil ich nicht mit dem Vorgehen der Regierung einverstanden war – dem Versuch des Coup D’Etat – und ich wollte in dieser Zeit nicht im Nachrichtendienst bleiben“, erklärte Putin.

Putin: Russlands Nachrichtendienste befolgen die Gesetze

 

Stone wechselte während des Gesprächs von Snowden zu dem Thema Nachrichtendienste und fragte, was der Präsident über die russischen denke.

„Ich denke, sie machen eine gute Arbeit. Sie arbeiten ausschließlich im gesetzlichen Rahmen“, so Putin.

Er spielte außerdem auf die NSA-Affäre an und meinte, dass es unanständig sei, seine eigenen Verbündeten auszuspionieren.

 

Attentatsversuche auf Putin: „Mein Sicherheitsteam leistet

gute Arbeit“

 

In einem anderen Trailer sagte Stone, er habe Informationen darüber, dass mindestens fünf Mal versucht wurde, den russischen Präsidenten zu ermorden.

 

Putin lobte sein Sicherheitsteam und meinte: „Ich mache meine Arbeit und die Sicherheitsbeamten machen die ihre, und bisher machten sie keinen schlechten Job“.

„Vertrauen Sie Ihren Sicherheitsbeamten?“, fragte Stone daraufhin. „Ich vertraue ihnen“, antwortete Putin.

Auch wisse Putin um die Tatsache, dass es gängige Praxis für Attentäter sei, vor dem Attentat als Sicherheitsbeamte des Präsidenten zu arbeiten.

Doch wie ein russisches Sprichwort besagt: „Diejenigen, die dazu bestimmt sind, gehängt zu werden, werden nicht ertrinken“, meinte Putin zu Stone.

 

„Was ist denn Ihr Schicksal?“, wollte der Regisseur anschließend wissen.

„Nur Gott kennt unser Schicksal – das Ihre und das meine. […] Eines Tages wird es jeden von uns ereilen. Die Frage ist, was wir bis dahin in dieser vergänglichen Welt vollbracht und ob wir unser Leben genossen haben“, antwortete der Präsident.

 

Anna Samarina - 8. June 2017/Aktualisiert: 11. Juni 2017 

(77)  2017-04-27 Thilo Sarrazin sprach mit NITRO 

Es wird weiter Zuwanderung geben

Islamkritik, Zuwanderung, Flüchtlinge und „knallharte Zensur“ der Medien

 

Thilo Sarrazin war Bundesbanker, Finanzsenator von Berlin und ist Bestsellerautor. Diplomatie gehört nicht zu seinen Stärken, denn er ist bekannt dafür, dass er polarisiert und viele halten seine Aussagen nicht nur für provokant, sondern auch für rassistisch. Nicht erst, seit er 2010 das Buch „Deutschland schafft sich ab“ veröffentlichte, gilt er vielen als Hassfigur mit rechtskonservativem Gedankengut. Schon zuvor hat er als Berliner Finanzsenator mit seinen „Ernährungs-Empfehlungen“ für Harz-IV-Empfänger für landesweite Empörung gesorgt.

Thilo Sarrazin ist andererseits für viele Menschen einer, der endlich mal Klartext redet, was in unserer Gesellschaft schiefläuft. An den Reaktionen auf Thilo Sarrazins Aussagen in seinen Büchern zu Flüchtlingen, Einwanderern und zu seiner Islamkritik wird sichtbar, dass wir in einer gespaltenen Gesellschaft leben. In den Medien ist er nach jeder Buchveröffentlichung präsent wie kaum ein anderer Autor. Denn Sarrazin ist ein Garant für Schlagzeilen, die sich bestens verkaufen.

 

NITRO: Im Jahr 2010 veröffentlichten Sie Ihr Buch „Deutschland schafft sich ab“. Sicherlich hatten Sie die Provokation mit dem Titel eingeplant. Wie haben Sie die Berichterstattung in den deutschen Medien erlebt?

Sarrazin: Frank Schirrmacher veröffentlichte damals in der FAZ unter der Überschrift „Ein fataler Irrweg“ einen alarmistischen Artikel. Im Vortext schrieb er: „Thilo Sarrazin ist der Ghostwriter einer verängstigten Gesellschaft. Aber er verschweigt die Pointe seines Thrillers. Seine Thesen laufen auf eine vollständige Neudefinition unseres Begriffs von Kultur hinaus und erschöpfen sich nicht in muslimischen Milieus“. Anfangs war ich vor den Kopf geschlagen und betroffen von den Unterstellungen und der Maßlosigkeit der Kritik, die tief ins Persönliche ging. Dann habe ich mir die Aussagen der Kritiker genauer angeschaut und stellte fest: Unter den zahlreichen Kritikern von Schirrmacher (FAZ) über Arno Widmann (Frankfurter Rundschau) und Heribert Prantl (Süddeutsche) hatte nur einer das Buch gelesen. Frank Schirrmacher. Allerdings hatte auch er das Buch sehr eilig gelesen und ohne Fußnoten, denn er schrieb: „Sarrazin verdeckt seine Quellen“ und nach der Eugenik würde ich die relevanten Namen nicht nennen. Die Namen standen aber in den Fußnoten und die Quellen waren angegeben. Und dann geschah etwas Erstaunliches: Das gesamte Feuilleton begann im Wesentlichen von Schirrmacher abzuschreiben – allerdings nicht auf seinem Niveau.

NITRO: Sie haben Frank Schirrmacher im September 2010 ein vielbeachtetes Interview gegeben.

Sarrazin: Nach etwa zehn Tagen wollte Schirrmacher ein Interview mit mir führen. Zuerst habe ich seine Anrufe nicht angenommen, aber dann habe ich mit ihm ein Streitgespräch geführt. Es erschien am 1. Oktober unter der Überschrift: „Thilo Sarrazin im Streitgespräch. Die große Zustimmung beunruhigt mich etwas“. Die Medienkritik anderer Zeitungen und Zeitschriften hatte mit dem Inhalt meines Buches ziemlich wenig zu tun.

 

NITRO: Die Kritik am Buch war Ihrer Meinung nach nicht gerechtfertigt?

Sarrazin: Sie war völlig vorbei an der Sache. Ich nenne Ihnen den Klassiker: „Sarrazin behauptet, Muslime seien genetisch dümmer“. Das ist absoluter Unsinn, das steht nirgendwo in meinem Buch, das würde ich auch niemals behaupten. Was ich gesagt habe ist, dass Intelligenz überwiegend erblich ist und dass es zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen nachhaltige kulturelle Unterschiede gibt, die sich oft über Generationen kaum oder nicht abbauen. Und, dass die Muslime in vielerlei Hinsicht eine besonders problematische Gruppe sind.

 

NITRO: In welcher zum Beispiel?

Sarrazin: Zum Beispiel was die Bildungsleistung und das Integrationsverhalten angeht.

 

NITRO: In der Debatte wurden aber weitere Themen kritisiert…

Sarrazin: Ja, es gab eine weitere Debatte zur Frage, ob Intelligenz erblich ist. Das ist so, als ob Sie sagen: Darwin hatte Unrecht. Natürlich ist Intelligenz wie alle menschlichen Eigenschaften überwiegend erblich. Das ist der eindeutige Stand der wissenschaftlichen Forschung. Darum rankt sich bis heute die Kritik an „Deutschland schafft sich ab“ – meist von Leuten, die das Buch durchweg nicht gelesen haben. Oder, wenn sie es gelesen haben, seine Fragestellung ablehnen und es deshalb inhaltlich verleumden.


NITRO: Es geht in dem Buch aber auch um die Fragestellung, was passiert, wenn sich erworbene kulturelle Eigenschaften vererben.

Sarrazin: Ja, präzise geht es darum, wie sich erworbene Eigenarten und Verhaltensweise in unterschiedlichen Religionen und Ethnien durch Weitergabe von Generation zu Generation quasi kulturell vererben und was es für eine Gesellschaft bedeutet, wenn sich diese Gruppen in unterschiedlichem Maße fortpflanzen. Diese Aussage war eine krasse Beleidigung des Kernglaubens unseres feuilletonistisch-ideologischen Mainstreams.


NITRO: Des feuilletonistisch-ideologischen Mainstreams?

Sarrazin: Ja, der behauptet, dass alle Menschen in ihren Eigenschaften von Natur aus kaum unterschiedlich sind. Im Prinzip spielen auch kulturelle Faktoren kaum eine Rolle, und es ist auch egal, wer welche Eltern hat. Den Rest macht die Bildungspolitik.


NITRO: Das soll die Ideologie der Mainstream-Medien sein?

Sarrazin: Ja, aber die meisten Medien der Provinzpresse sind gar nicht in der Lage, das überhaupt zu reflektieren. Die nehmen das hin wie Tag und Nacht und sind völlig fassungslos, wenn jemand ihre Überzeugungen in Zweifel zieht. Was natürlich zeigt, dass leider sehr viele Menschen, die in den Medien oder in der Politik tätig sind, eine erhebliche naturwissenschaftliche, soziologische und historische Unbildung haben.


NITRO: Kommen wir von den Medien zu den Lesern. Die Menschen sind offensichtlich sehr stark an Ihren Themen interessiert, denn das Buch wurde 1,5 Millionen Mal verkauft. Auch die Bücher, die Sie danach veröffentlicht haben, waren allesamt Bestseller. Haben Sie mit diesem überragenden Erfolg des Buchs gerechnet?

Sarrazin: Nein. Ich hatte der Zeitschrift Lettre International ein Jahr vor der Veröffentlichung von „Deutschland schafft sich ab“ ein Interview gegeben. Der Chefredakteur hat zwei Stunden mit mir geplaudert und aus dieser Plauderei wurde ein „Skandal-Interview“.

NITRO: Der Titel war: „Berlin auf der Couch“ und es ging um Mädchen mit Kopftuch und um Unterschichten …

Sarrazin: Nicht nur darum. Ich habe mir nach dem „Skandal-Interview“ ein striktes Schweigen verordnet, bis das Buch ein Jahr später veröffentlicht wurde. Die erste Auflage, es waren 25 000 Exemplare, ist in wenigen Stunden förmlich auf den Ladentischen verdampft. Das war natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass BILD und Der Spiegel am selben Tag einen Vorabdruck veröffentlichten.


NITRO: Und auch der Regierungssprecher hat sich zu Ihrem Buch geäußert.

Sarrazin: Regierungssprecher Seibert sagte einen Tag nach dem Erscheinen, die Bundeskanzlerin hielte das Buch für „nicht hilfreich“. Damit wurde die Basis für die maßlosen persönlichen Angriffe in den Medien gelegt, und letztlich muss ich sagen, dass Politik und Medien mein Buch erst so erfolgreich gemacht haben.


NITRO: Sie wissen aber nicht, ob die Menschen, die es gelesen haben, Ihren Thesen zustimmen?

Sarrazin: Nein, aber es gilt die allgemeine Erfahrung, dass man nur etwas kauft, wenn man in der Tendenz zustimmt. Es gab im Oktober 2010 eine Emnid-Umfrage mit einem interessanten Ergebnis: 30 bis 40 Prozent der Deutschen stimmten meinen Thesen in der Tendenz zu und 65 Prozent fanden es gut, dass ich sie veröffentlicht habe. Der Vorwurf linker Intellektueller an mich ist, dass ich in klarer wissenschaftlich orientierter Sprache, die nicht zu Hass und Beleidung aufruft, einfache Sachverhalte angesprochen habe, die fast gar nicht mehr diskutierbar waren. Das hat natürlich die deutsche Medienlandschaft und auch die politische Landschaft verändert. Darüber bin ich mir im Klaren.

NITRO: Jetzt haben Sie Ihr sechstes Buch vorgelegt: „Wunschdenken“. In dem Buch erklären Sie, warum Deutschland schlecht regiert wird …

Sarrazin: Moment. Ich habe gesagt: Wir werden weit unter unseren Möglichkeiten regiert.


NITRO: Und wieder trifft Sie der Vorwurf, rechtskonservatives Gedankengut zu unterstützen und der Wegbereiter der AfD zu sein.

Sarrazin: Wenn man Friedrich von Hayek, Karl Popper, Kant und Jeremy Bentham, David Hume und John Locke als rechtskonservativ bezeichnet, dann bin ich rechtskonservativ. Aber das zeigt auch, wie absurd der Vorwurf ist. Denjenigen, die das behaupten, fehlen alle denkbaren philosophischen, soziologischen und historischen Grundlagen. Im Übrigen: Die Wähler der AfD müssen sich ihre Meinung selber bilden, und jeder ist eingeladen, sich aus meinen Büchern das zu suchen, was ihm einleuchtet, und das abzulehnen, was ihm missfällt.


NITRO: Aber Sie fordern einen Kurswechsel. Wie soll der aussehen? Vielleicht können Sie das mal auf den Punkt bringen?

Sarrazin: Ich will es auf den Punkt bringen: keine falsche Einwanderung. Jeder Kontinent, jedes Land der Welt muss seine Probleme selber lösen. Entwicklungshilfe ist weltweit krachend gescheitert. Und im Land muss gelten: keine falschen Anreize durch den Sozialstaat.


NITRO: Ein Sozialstaat, auf den sich die Menschen in diesem Land verlassen.

Sarrazin: Ich bin auch ein Sozialstaat-Befürworter. Ich finde es aber falsch, dass unser Sozialstaat eine Prämie dafür aussetzt, dass Menschen, die nicht für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen können oder wollen, Kinder bekommen, für die sie mehr Geld kriegen als diese Kinder kosten. Ich finde, das ist ein falscher Anreiz.


NITRO: Sie haben mit Liane von Billerbeck im Deutschlandradio ein Interview zu Ihrem neuen Buch „Wunschdenken“ geführt, und sie sagt in der Anmoderation: „Das Buch liest sich über weite Strecken wie eine Abrechnung mit der deutschen Politik.“ War „Wunschdenken“ als Abrechnung mit der deutschen Politik gedacht?

Sarrazin: „Wunschdenken“ enthält einerseits eine Abrechnung mit der deutschen Politik. Es hat andererseits einen breiteren Fokus. Es fragt: Weshalb haben Gesellschaften Erfolg? Was sind die Prinzipien und Grundsätze guten Regierens? Was muss man vermeiden? Ich sage, man muss Utopien vermeiden. Und auf dieser relativ breiten methodischen Grundlage zeige ich auf, was in der deutschen Politik in den vergangenen fünfzig Jahren falsch gelaufen ist, und das anhand ausgewählter Themenfelder von Einwanderung, Demografie, Bildung bis Energie.


NITRO: Sie haben das Stichwort Utopie genannt. Sie kritisieren, die Flüchtlings- und Einwanderungspolitik der Bundesregierung sei der größte Fehler der Nachkriegspolitik. Warum ist es eine Utopie, dass Menschen aus der ganzen Welt, aus verschiedenen Kulturen in Deutschland zusammenleben? Könnte die Gesellschaft nicht davon profitieren, zum Beispiel beim demografischen Wandel oder der Vielfalt der Kulturen?

Sarrazin: Natürlich können alle Kulturen zusammenleben. Im Osmanischen Reich haben auch die Armenier, die Griechen, die Bulgaren, die Türken und die Araber zusammengelebt. Als Utopie bezeichne ich die Vorstellung, man könne Menschen fremder Kultur oder Menschen, die aus Räumen kommen, die in den letzten zigtausenden Jahren nie eine Hochkultur gehabt haben, innerhalb einer Generation zu guten Deutschen erziehen in dem Sinne, dass sie genauso bildungsfähig und -willig sind. Das zeigen die bisherigen Erfahrungen, die wir mit unterschiedlichen Einwanderungsgruppen gemacht haben. Vietnamesen oder Chinesen sind im Durchschnitt anders als Türken, Araber oder Schwarzafrikaner. Wir haben Einwanderungsgruppen, die nach einer Generation überhaupt keine Integrationsprobleme machen, sondern im Gegenteil nach allen Indikatoren wie Einkommen, Arbeitsmarktbeteiligung und Bildungsstand besser abschneiden als viele Deutsche. Wir haben aber auch Gruppen, bei denen ist das Gegenteil der Fall. Und die gegenwärtige Masseneinwanderung erfolgt zu 98 Prozent aus Gruppen, bei denen nachweislich große Integrationsschwierigkeiten zu erwarten sind. Wer das jetzt vernachlässigt, handelt verantwortungslos und geistig dumm.

NITRO: Sie meinen, dass die Verweigerung in diesen ethnischen Gruppen zu groß ist?

Sarrazin: Man kann natürlich philosophisch darüber nachdenken, ob es am kulturellen oder religiösen Hintergrund liegt, ob es daran liegt, dass die Menschen weniger intelligent sind oder dass sie andere Lebensentwürfe haben. Fakt ist: Wir haben in Berlin etwa 300 000 Muslime. Wir haben in Berlin aber auch etwa 300 000 Polen. Haben Sie schon je einen Artikel in der Presse über die problematische Integration von Polen in Berlin gelesen? Haben Sie schon mal gelesen, dass die Polen sich zusammenrotten, dass sie Gangs bilden, dass sie Autowettrennen fahren auf dem Kurfürstendamm, dass sie ihre Töchter zwangsverheiraten und unter Kopftücher zwingen?


NITRO: Aber es gibt auch Stimmen, die behaupten, es liegt an einer verfehlten Integrationspolitik.

Sarrazin: Entschuldigung, es gibt immer Leute, die irgendetwas behaupten. Es gibt Leute, die behaupten, die Erde ist flach und die Welt wurde vor 5 000 Jahren erschaffen. Integration ist eine Leistung derer, die sich integrieren.


NITRO: Sie werfen der Politik auch Versagen bei der Währung, der Einwanderung und bei der Bildung zu. Als Sie Finanzsenator in Berlin waren, wurde ein Einstellungsstopp für Lehrer verhängt und es gab kein Geld für die Sanierung von Schulen, weil Berlin pleite war. Ohne Lehrer oder Sozialarbeiter und funktionierende Schulen kann die Integration und die Bildung von Zuwanderern aber nicht gelingen. Kritisieren Sie nicht etwas, was in Berlin wegen leerer Kassen auch nicht gelungen ist?

Sarrazin: In meiner gesamten Amtszeit als Finanzsenator hatte Berlin weitaus mehr Lehrer pro Schüler als die meisten anderen Bundesländer und mit den höchsten Bildungsausgaben pro Schüler. Am größten war der Abstand zu den Pisa-Spitzenreitern Bayern und Sachsen. Die schlechten Berliner Bildungsergebnisse sind leider das Ergebnis schlechter Bildungspolitik trotz hoher staatlicher Ausgaben. Die Schulsanierung fällt in Berlin in die Zuständigkeit der Bezirke. Viele, nicht alle Bezirke, entschieden sich über viele Jahre hinweg, andere bezirkliche Bauprojekte zu Lasten der Schulsanierung zu bevorzugen. Diese bringt ja wenig Ruhm, sanierte Schultoiletten sind nicht so attraktiv bei Feierstunden.


NITRO: Wir sind in Deutschland in der Situation, dass wir im letzten Jahr sehr viele Flüchtlinge …

Sarrazin: … ich benutze das Wort Flüchtlinge nicht. Wir haben seit Anfang des letzten Jahres 1,5 Millionen illegale Einwanderer gehabt. Von denen sind ein Teil Flüchtlinge. Aus welchen Gründen auch immer. Aber es sind zunächst mal illegale Einwanderer. Und das ist die Mehrheit. Ich vermeide das Wort Flüchtlinge, zumal von diesen Flüchtlingen 75 Prozent wohl genährte junge Männer sind. Sie verweigern, was sie eigentlich zuerst tun müssten, nämlich sich für ihr Land einzusetzen. Und wenn 400 000 junge Syrer jetzt in Aleppo gegen Assad kämpfen würden, sähen dort die Verhältnisse anders aus. Sie ziehen es aber vor, nicht zu kämpfen, sondern …

NITRO: … sie fliehen vor einem unmenschlichen Krieg.

Sarrazin: … oder, wie der tschechische Ministerpräsident vor einigen Monaten polemisch sagte: Die sitzen lieber hier und trinken auf dem Kurfürstendamm Kaffee. Die Verhältnisse in den Ländern, aus denen sie kommen, sind schrecklich. Aber Verhältnisse in Ländern sind immer menschengemacht. Und wenn die Menschen gehen, statt die Verhältnisse zu ändern, bleiben die Verhältnisse schrecklich.

 

NITRO: Dass so viele Menschen nach Deutschland gekommen sind wie im letzten Jahr, hat etwas damit zu tun, dass die Kanzlerin sagte: „Wir schaffen das.“ Aber vielleicht hat sie es ja eher als Motivationsruf gemeint.

Sarrazin: Wenn ich ein politischer Führer bin, muss ich natürlich sagen „Wir schaffen das“. Nur, der Aufruf in einer bestimmten Situation von einer Partei und von deren Vorsitzender ist ja nichts Inhaltliches.


NITRO: Haben wir nicht die Pflicht, Menschen in Not zu helfen?

Sarrazin: Wenn ich zum Beispiel Heinrich Bedford-Strohm zitiere, der besonders umfassend und negativ für alles steht, was ich verachte an der gegenwärtigen Debatte, dann sagt er sinngemäß: Es ist unsere Pflicht, der ganzen Welt so lange zu helfen, bis wir genauso arm sind wie der Rest der Welt. Und bis dahin öffnen wir die Grenzen und nehmen alle auf, die zu uns kommen. Angela Merkels Ansicht ist nicht sehr viel anders. Das heißt, es werden aus einem völlig utopischen Solidaritätsgedanken heraus große Risiken für unser Land in Kauf genommen. Denn selbst, wenn wir jedes Jahr eine Million aufnehmen würden, ändert das ja nichts an den Verhältnissen im Rest der Welt. Ich las gerade eine aktuelle Umfrage vom amerikanischen Institut Gallup: Nigeria hat 180 Millionen Einwohner, mehr als die Hälfte davon unter 18 Jahre. 70 Millionen würden, wenn sie könnten, nach Europa auswandern. In Afrika sitzen Millionen Menschen auf gepackten Koffern. Wenn ich verantwortungsethisch auf die Folgen schaue, sage ich: Wir haben uns in Europa ein leistungsfähiges Gemeinwesen aufgebaut, mit einem hohen Lebensstandard und einer gewissen Kultur. Und das sollten wir beschützen.

NITRO: Die Konsequenz wäre, dass die Grenzen dichtgemacht werden.

Sarrazin: Ich will hier den holländischen Soziologen Paul Scheffer zitieren, der in seinem Buch „Het Land Van Aankomst“ (Die Eingewanderten) dieses Thema vor zehn Jahren erstmals thematisierte und einen Riesenerfolg damit hatte. Er sagt: So schwer es uns fällt, wir müssen wählen. Wollen wir unsere Kultur und unser Sozialsystem erhalten? Dann brauchen wir Grenzen. Wollen wir keine Grenzen? Dann können wir unsere Kultur und unser Sozialsystem nicht erhalten.


NITRO: Es wird aber auch in Zukunft Zuwanderung geben. Oder erwarten Sie, dass Europa die Grenzen schließen wird?

Sarrazin: Natürlich, es wird weiter Zuwanderung geben. Wenn persische Ärzte zu uns kommen, wird keiner dagegen sein. Wenn man Grenzen hat und Grenzen kontrolliert und überlegt, wer über diese Grenzen kommt, dann übt man Kontrolle aus. Das ist etwas anderes als Grenzen dichtmachen. Natürlich muss das Wissen wandern und natürlich können die Waren wandern und auch das Kapital kann wandern. Es gibt aber kein Naturgesetz, das besagt, dass Menschen wandern müssen.


NITRO: Wo sehen Sie Deutschland in Zukunft?

Sarrazin: Wie es bei uns weitergeht, ist eine Prognosefrage. Ich weiß es nicht, denn es gibt zu viele unsichere Variablen. Ich weiß aber eines genau: Ein neuer größerer Zustrom von Menschen, der vor allem aus Afrika käme, wird die jeweils amtierende Bundesregierung in unlösbare Probleme bringen, bis zur politischen Lähmung und zum Sturz. Zweitens: Wir haben keine Partner mehr für eine Politik der offenen Grenzen. Die Franzosen sind aus dem System längst ausgestiegen. Die sind nur zu höflich, es zu sagen, weil sie unsere Unterstützung bei anderen Problemen brauchen. Die Österreicher sind ausgestiegen. Die Balkanstaaten, die ehemaligen Ostblockstaaten sind ausgestiegen.

Die Italiener sind gerade in einem Lernprozess. Sie waren immer die guten Menschen, die die Schwarzafrikaner auf Lampedusa empfingen und sie dann elegant weitergereicht haben nach Norden. Jetzt gibt es einen Rückstau im Tessin und am Brenner. Und irgendwann werden die Italiener entdecken, dass sie die Schwarzafrikaner, die sie aufnehmen, selber behalten müssen. Und dann wird sich auch die italienische Politik ändern.

Da ein Andrang von illegalen Einwanderern in größerem Stil unvermeidlich ist, stehen wir demnächst in Europa ganz alleine. Und darum sage ich: Entweder wird die Europäische Union zu einem funktionierenden Grenzregime kommen, das illegale Einwanderung nicht mehr duldet beziehungsweise illegale Einwanderung unterbindet. Oder, wenn das nicht geschieht, wird es eine unwillkürliche Rückkehr zu nationalen Grenzen geben.


NITRO: Übernehmen die Medien gerade die Rolle, die ihnen zukommt, nämlich neutral und faktennah zu berichten?

Sarrazin: Ich kann mich an keinen Zeitpunkt erinnern, an dem die Medien nicht Politik gemacht hätten oder von der Politik instrumentalisiert wurden. Max Weber nennt politische Journalisten Politiker, er zählt sie zur Klasse der Politiker, die mit der Feder politisch einwirken wollen. Das Problem beginnt, wenn Medien einseitig berichten, und das ist bei unseren Medien der Fall. Der Staatsrundfunk ist völlig beherrscht von einer sehr einseitigen Sicht auf Fragen wie Einwanderung, Bildung, Demografie und übt knallhart Zensur aus. Das kenne ich von meinem eigenen Fall.

Und unsere Printmedien sind größtenteils einer linken und liberalen Strömung zuzuordnen, die einen sehr einseitigen Blick auf die Dinge hat. Der Medien-Mainstream hat keinen unverstellten Blick, sondern einen ideologisch eingefärbten. Und dieser ideologisch eingefärbte Blick geht aus von Internationalismus, Universalismus und der axiomatischen Grundannahme, dass es zwischen Menschen und Kulturen keine nennenswerten Unterschiede gebe.


NITRO: Gibt es noch etwas, was Sie überraschen kann?

Sarrazin: Jetzt muss ich dieses abgedroschene Wort von Hölderlin zitieren: „Wo die Gefahr am größten, wächst das Rettende auch“. Zeiten des Umbruchs sind immer auch Zeiten des Unerwarteten, denn in Zeiten des Umbruchs werden die Karten ständig neu gemischt. Hätten wir uns im Juli 2015 vorstellen können, was tatsächlich in diesem Land passiert? Hätte jemand im Sommer 1989 gedacht, dass am 9. November die Mauer fällt? Nein. Und so weiß niemand, was in Zukunft passiert.

Das Gespräch führte Bettina Schellong-Lammel

Mit freundlicher Genehmigung: Quelle: NITRO/© The European

Thilo Sarrazin 09.04.2017

(76)  2017-04-10  DIETRICH MATESCHITZ IM INTERVIEW

Red Bull-Chef rechnet mit Österreichs Flüchtlingspolitik ab

 

In seinem einzigen Interview zum 30-Jahr-Jubiläum der Weltmarke Red Bull übt Firmenchef Dietrich Mateschitz heftige Kritik an der politischen Klasse in Österreich. Ein Gespräch über Reichtum, Donald Trump, Metternich und die Weisheit der Mutter.


Von Hubert Patterer und Gerhard Nöhrer | 08. April 2017


Für das Gespräch lädt der Gastgeber auf seine abgeschiedene Lieblingsalm in der Obersteiermark. Der Weg führt über Forstwege hinauf auf eine Anhöhe, die den Blick auf ein prachtvolles Bergpanorama freigibt. Kein anderes Gehöft ist in Sichtweite, das sei ihm wichtig gewesen. Zu hören ist das helle Plätschern des Brunnens vor dem äußerlich schlichten Refugium. Das alte Holz in den Stuben stammt von abgetragenen Bauernhöfen. Am Eingang Sportschuhe und Mountainbike-Ausrüstung. Vor dem Gebäude steht ein Land Rover Defender, Kultvehikel mit Salzburger Kennzeichen. Dahinter ein Marterl.


Das „Forbes“-Magazin hat Sie dieser Tage als reichsten Österreicher bestätigt. Ihr Vermögen vergrößerte sich demnach auf 12,6 Milliarden Euro. Hat das eine Bedeutung für Sie? Ist es eine Messgröße für Erfolg, für ein gelungenes Leben?

So wie Sie solche Statistiken und Veröffentlichungen lieben, so sehr liebe ich sie: wie der Teufel das Weihwasser. Solche Rankings sind für nichts gut. Schade ums Papier.

Sie ärgern sich.

Ich ärgere mich nicht. Aber der Erfolg, der da abgebildet wird, ist in Wahrheit nicht relevant, wird einem als normalem Menschen auch nie bewusst, Gott sei Dank. Man gründet ja nicht ein Unternehmen mit dem Ziel, auf eine „Forbes“-Liste zu kommen. Man hat Ideen, die versucht man zu verwirklichen. Wenn Leute solche Summen lesen, stellen sie sich vor, du sitzt mit deinen elf oder mehr Milliarden da wie Dagobert Duck auf seinem Golddukatenspeicher. Das ist natürlich kompletter Unsinn.


Es ist für Sie also nur materialisiertes Vermögen, aber es ist nicht fiktiv.

So ist es. Nur beim mehr als theoretischen Verkauf des Unternehmens würde sich eine neue Verantwortung ergeben, eben die der richtigen Veranlagung. So ist meine Verantwortung, dass ich ein paar Hundert Millionen Steuern zahle, für 12.000 Mitarbeiter verantwortlich bin, dass wir wieder Formel-1-Weltmeister werden und im Fußball und vielen anderen Bereichen Erfolg haben wollen, dass wir im Marketing und bei der Finanzierung keine Fehler machen, langfristig und richtig planen und so weiter und so fort. Das bedeutet, Geld ist nur der Gegenwert erforderlicher Investitionen, Anschaffungen, Dienstleistungen. Es steht nur auf dem Papier.

Nicht nur. Sie haben Flugzeuge, Hubschrauber und eine Insel in der Südsee.

Das wird mir nur bewusst, wenn mich jemand darauf anspricht. Es ist schon richtig, dass ich ein Faible für schöne, einzigartige Plätze habe - um mich daran zu erfreuen, aber auch, um darauf aufzupassen. Und natürlich hab ich eine Leidenschaft fürs Fliegen.


Versteuern Sie Ihr ganzes Vermögen in Österreich?

In grauer Vorzeit habe ich einmal salopp gesagt, ich wäre froh, wenn ich möglichst viel Steuern zahlen dürfte, weil dann würde die Hälfte immer noch mir gehören. Es ist zwar nicht mehr ganz die Hälfte, aber ich zahle selbstverständlich und nahezu gerne in Österreich. Wir gehören auch nicht zu den Unternehmen, die ein Dutzend Konstrukte zur Steuerersparnis nutzen. Wir haben keine Einkaufsgesellschaft in Hongkong, keine Markenregistrierung auf den Cayman Islands, nichts in Panama oder wo auch immer. Das Welteinkommen wird hier in Österreich versteuert. Umso kritischer sollte man sich ansehen, wie mit den Steuern umgegangen wird.


Wie geht man um damit?

Im Großen und Ganzen falsch, und das in vielen Bereichen. Wir haben trotz einer der höchsten Besteuerungen unglaubliche Staatsschulden und vergrößern sie, anstatt sie zu verkleinern. Ich bin altmodisch groß geworden. Meine Mama hat zu mir gesagt: Fremdkapital sind Schulden und Schulden macht man nicht!

Betriebswirtschaftler würden einwenden, dass das ökonomischer Unsinn ist.

Ich weiß, was man auf Hochschulen lehrt: zwei Drittel Fremdkapital, ein Drittel Eigenkapital. Aber jetzt lassen Sie den Umsatz im Dezember etwas geringer ausfallen und die Zinsen parallel leicht steigen, und schon haben Sie mehr als nur ein Problem. Außerdem investiert man das Geld, das man verdient hat, und nicht das Geld, das man vielleicht einmal verdienen wird. Wir haben heuer das dreißigste Jahr Red Bull und außer zur Umsatzfinanzierung hatten wir noch nie Bankschulden. Das weltweite Ausrollen von Red Bull haben wir zeitlich unserem Cashflow angepasst.


Was ist Ihr Ziel? Gewinnmaximierung?

Maximierung des Gewinns als oberstes Unternehmensziel: Auch das lehrt man ja an den Unis. Auch das halte ich für nicht richtig. Alles kann man maximieren, die Kreativität, die Innovation, die Intelligenz, alles, aber nicht den Gewinn. Erst durch die Maximierung all dessen, was geistreich, gut, schöpferisch und sinnvoll ist, kommt der Gewinn. Als Folge. Anders kann man einen Gewinn nicht maximieren. Das ist meine tiefe Überzeugung.

Im Vorjahr hat Red Bull mehr als sechs Milliarden Dosen hergestellt und erstmals über sechs Milliarden Euro umgesetzt. Was wollen Sie da noch maximieren?

Wachstumsreserven gibt es genug. Wir haben noch viele Länder mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von drei, vier Dosen. In Österreich sind es 24 Dosen, in der Schweiz 23. Unsere allerersten Verwender vor 30 Jahren waren damals 18 und sind jetzt 48, in der Blüte ihres Lebens. Und jetzt kommen die neuen Verwender nach, ohne dass wir die alten verlieren.


Ihr wichtigster Markt ist Amerika, wo Sie fast die Hälfte der sechs Milliarden Dosen absetzen. Was machen Sie, wenn Donald Trump von Ihnen plötzlich 20 Prozent Einfuhrsteuer will?

Straf- und Importzölle haben schon andere Präsidenten vor ihm erfunden, und zwar nicht nur amerikanische. Dazu braucht es keinen Trump. Ich glaube aber gar nicht, dass es dazu kommen wird, und wenn, produzieren wir ja auch in der Schweiz, also außerhalb der EU. Wir können auch die 20 Prozent zahlen, keine Dividenden ausschütten und weniger investieren. Oder wir könnten kurz- bis mittelfristig eine Produktion nach Amerika verlagern. Wichtig ist, dass nichts passiert, was uns überraschen kann. Deswegen spielen wir jeden Monat alle Szenarien durch.


Was halten Sie von Trump?

Ich glaube nicht, dass er so ein Idiot ist, wie man ihn hinstellt. Wenn man mit Amerikanern spricht, hört man oft, dass sie einmal grundsätzlich froh sind, dass es eine neue Administration gibt. Die frühere hat man ja in vielen Belangen mehr als infrage gestellt. Und „anders“ ist es ja jetzt ohne Zweifel.


Ist das schon eine positive Kategorie? Viele sind schockiert über Trumps erratische Sprunghaftigkeit.

Diese Frage bietet sich schon an, natürlich. Aber vor allem halte ich die derzeitige Hysterie für lächerlich. Nur weil etwas außerhalb der eigenen Ideologie ist? Das Schlechte an der Demokratie ist, dass die Mehrheit nicht immer recht hat. Das Gute ist, dass das Irren korrigierbar ist, dass jeder genauso schnell abgewählt werden kann, wie er gewählt wurde. Man soll Trump Zeit geben.


Wo können Sie ihm folgen?

Ich glaube ganz einfach nicht, dass er je wirklich daran gedacht hat, ein paar Kilometer Grenzzaun zu Mexiko zu bauen. Viele Dinge werden auch zu Unrecht kritisiert, wie der versuchte Dialog mit Russland. Es macht einfach keinen Sinn, über einen Wirtschaftsboykott zu versuchen, ein Land wie Russland - auch und schon gar nicht mithilfe der EU - in den Ruin zu treiben. Vor allem, weil das auch für uns, für ganz Europa einen Verlust in Milliardenhöhe bedeutet. Russland ist ein Teil Europas, und was sonst, wenn kein beginnender Dialog, sollte zielführend sein? Doch das Meinungsdiktat des politisch Korrekten sagt: Russland ist ein Schurkenstaat, das Böse schlechthin, und wir sind die Guten. Und jeder, der das nicht so sieht, liegt falsch. Dann ist auch schnell Schluss mit Meinungsfreiheit, denn die wird ja nur gewährt, solange man dieselbe Meinung vertritt wie sie. Ich brauche niemanden, der mir sagt, wer meine Feinde sind.


Wie sie": Wer ist „sie“?

Die Politik, die sich in politischer Correctness ergeht, und eine selbst ernannte sogenannte intellektuelle Elite, bei der man bei bestem Willen weder einen wesentlichen wirtschaftspolitischen noch einen kulturpolitischen Beitrag für unser Land erkennen kann.


Sie sind doch auch Elite.

Ich bin Humanist, Kosmopolit, Pazifist und Individualist. Und ich bin jemand, der sich grundsätzlich jedem Meinungsdiktat widersetzt. Egal woher es kommt. Auch wenn man sich damit sofort in alle Richtungen verdächtig macht: In Amerika wird man als Kommunist abgestempelt, in Europa als Verschwörungstheoretiker oder Rechtspopulist.


Was stört Sie konkret?

Zum Beispiel das unverzeihliche Ausmaß der politischen Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen bei der Nichtbewältigung der Flüchtlingswelle oder, besser gesagt, der Auswanderungswelle. Ich glaube nicht, dass es ein klarer Ausdruck politischen Willens war, die Grenzen unkontrolliert offen zu lassen. Man hat aus Angst und politischer Opportunität so entschieden. Schon damals war für jedermann erkennbar, dass der Großteil der Menschen nicht der Definition des Flüchtlings entsprach. Jedenfalls nicht der der Genfer Konvention.


Ist es nicht polemisch und wohlfeil, mit dem Wissen von heute das damalige Handeln zu verurteilen? Man war überwältigt von den Bildern und der Dimension der Gestrandeten.

Nein. Man muss von Anfang an richtig und vorausdenkend entscheiden. Würde man in einem Unternehmen Fehlentscheidungen dieser Tragweite treffen, wäre man in Kürze pleite. Wie konnte die Politik überrascht gewesen sein? Man muss blind und taub gewesen sein, um nicht zu sehen, was da auf uns zukommt. Und selbstverständlich hätte man die Grenzen schließen und ordentlich kontrollieren müssen, gar keine Frage. Erinnern Sie sich, wie sehr man am Anfang die osteuropäischen Staaten für ihre Haltung kritisiert hat?

Ein paar Monate später haben unsere Politiker alles genauso gemacht. Mit dem einzigen Unterschied, dass man im Duden nach einem anderen Wort für Zaun gesucht hat.


Sie lassen außer Acht, dass die jetzige Regierung einen radikalen Paradigmenwechsel vorgenommen hat und ein rot-schwarzes Schaulaufen darbietet, wer den restriktiveren Kurs fährt.

Das war zu erwarten. Weil es jetzt um die Machterhaltung der politischen Parteien geht, bevor ihnen die letzten zehn, fünfzehn Prozent der Bürger auch noch davonlaufen. Ideologischen Wert hat das keinen.


Sie könnten doch froh sein, dass es aus nüchterner Vernunft passiert und nicht ideologisch ist.

Im Idealfall schließt das eine das andere ja nicht aus. Unterm Strich müssen jedenfalls richtige Lösungen stehen, und vor allem kann oder darf niemand an einer Destabilisierung Europas Interesse haben, an der Einzigartigkeit unserer Vielfalt, der Individualität, der verschiedenen Kulturen, Sprachen. Wenn einer der höchsten Beamten in Brüssel sagt, dass Staaten mit Monokulturen von der Landkarte ausradiert gehören, dann mache hoffentlich nicht nur ich mir Sorgen. Aber es scheint schon so, dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut, auch wenn jeder weiß, dass es die Wahrheit ist.


Wer traut sich nicht?

Der Großteil. Ich kenne Wirte, die haben sich gegen die Kassapflicht auf Almen oder die Kennzeichnungspflichten auf der Speisekarte gewehrt. Die meisten haben wieder damit aufgehört, weil sie außerordentliche Steuerprüfungen und Besuche von der Lebensmittelbehörde bekommen haben. Man will den unmündigen, kritiklosen und verängstigten Staatsbürger. Metternich war ein Lehrbub gegen das, was heute passiert. Das ureigenste aller Menschenrechte ist das auf Eigenverantwortung, und das nehmen sie dir. Sie manipulieren, reglementieren, überwachen, kontrollieren. Und der gläserne Mensch ist genauso ein Albtraum wie die Meinungsdiktatur. Jetzt will man auch noch das Bargeld abschaffen! Wen bitte hat es zu interessieren, was und wo ich zu Abend gegessen habe oder was ich meiner Familie und Freunden zu Weihnachten schenke?


Sie reden wie ein Wutbürger.

Ich rede über Fakten, und ich rede über Scheinheiligkeiten. Ich rede darüber, dass keiner von denen, die „Willkommen“ oder „Wir schaffen das“ gerufen haben, sein Gästezimmer frei gemacht oder in seinem Garten ein Zelt stehen hat, in dem fünf Auswanderer wohnen können. Oder über die Grüne, die sich mit der Limousine mit dem zusammenklappbaren Fahrrad hinter das Parlament fahren lässt, dort aussteigt und die letzten Meter zum Hohen Haus radelt. Leiden müsste jeder unter den Zuständen. Tut ja auch jeder.


Anerkennen Sie die Bemühungen des neuen Kanzlers Christian Kern, das Land aus dem Stillstand herauszuführen?

Das ist sein Beruf und seine Verantwortung. Was er wirklich bewegen kann, wird er beweisen.


Wie erleben Sie den mutmaßlichen Gegenspieler Sebastian Kurz?

Was für Christian Kern gilt, gilt natürlich auch für ihn und jeden anderen Beamten. Bei Kurz fällt auf, dass er sehr intelligent, couragiert und charismatisch wirkt. Man kann seine Standpunkte weitestgehend teilen.


Fällt es Ihnen zunehmend schwer, in Österreich zu leben?

Wie sollte es mir schwerfallen, in Österreich zu leben? Ich habe mir nur versprochen, dass ich mit dieser allgemeinen Nörgelei aufhöre und die Dinge beim Namen nenne. Das hat nichts mit Wutbürger zu tun, sondern mit der Verantwortung eines mündigen und kritischen Bürgers. Und diese Verantwortung haben alle. Es beleidigt einfach meine Intelligenz, wenn man uns nach wie vor für manipulierbar und blöd verkaufen will.


So rabiat kennen wir Sie nicht.

Ich sehe da nichts Rabiates und keine Polemik. Ich sehe Fakten. Und vielleicht hie und da das legitime rhetorische Mittel der Überzeichnung, um Dinge kenntlich zu machen.

 

Ein Kosmopolit und Besitzer einer globalen Marke bangt um den Verlust der eigenen kulturellen Identität?

Es gibt bei allem eine kritische Masse. Am Wochenende 20.000 Wanderer und Mountainbiker im Nationalpark Hohe Tauern, das geht. Da rücken die Gämsen halt zusammen. Wenn du aus den 20.000 aber 200.000 machst oder gar zwei Millionen, dann geht das Ganze kaputt. Wir müssen verstehen, dass nicht nur die Naturregionen endlich sind, sondern alle Ressourcen, Energie, Wasser, Lebensmittel, Luft, medizinische Versorgung, alles, auch die Erde selbst. Ich rede hier nicht über Flüchtlinge nach der Genfer Konvention. Ich rede darüber, was man schon seit Langem klar erkennen und erwarten muss: die ganz großen Auswanderungsströme und Völkerwanderungen auf dem gesamten Erdball. Es werden viele Hunderte Millionen von Menschen in einen für sie besseren Lebensraum wollen, wo es noch Trinkwasser gibt, eine intakte Natur und wo Menschenrechte gelten. Und das ist dann politisch nicht mehr regulierbar - außer man wirkt rechtzeitig den Ursachen entgegen.


Hat Europa, wenn es sich als christlich begreift, nicht die ethische Verpflichtung, den Reichtum und das Wohlergehen anderen zugänglich zu machen?

Diese Verpflichtung hat nicht nur ein christliches Europa, sondern jeder Mensch, der etwas beitragen kann. Ein kleines Problem am Rande ist ja, dass zwar jeder das will, was der andere mehr hat, aber keiner was abgeben will an den, der weniger hat. Wobei eine Umverteilung innerhalb der Kirche kein minder interessantes Thema wäre, aber das nur nebenbei. Und zurück zur Realität. Wenn Sie das ganze Vermögen der vorhin strapazierten „Forbes“-Liste auf die restliche Menschheit aufteilen, merken Sie nicht einmal was davon.


Arbeitgeber dürfen laut Höchstgericht in ihren Unternehmen ein Kopftuchverbot erlassen. Wie gehen Sie damit um?

Mir ist das so was von egal. Die Menschen müssen in Ordnung sein. Sie dürfen im Sommer auch in Shorts kommen, wenn es 30 Grad hat. Ich finde es lächerlich, wenn man daraus ein Politikum macht. Es gibt Dringlicheres zu tun.


Welche Tugenden fordern Sie von Mitarbeitern ein?

Berufliche Kompetenz, Geradlinigkeit, Anständigkeit, Charakter. Das schließt nicht nur ein gewisses Leistungspotenzial ein, sondern auch die Bereitschaft, dieses Potenzial bereitzustellen. Es bringt nichts, wenn ich alles könnte, aber nicht bereit bin, es auszuschöpfen. Ich versuche, mich mit Leuten zu umgeben, die meine Philosophie zwischen „work hard“ und „play hard“ teilen. Nur arbeiten ist dumm, nur nichts tun genauso. Gleich sind die Menschen bei uns in ihren Rechten, aber ihre Begabungen und Fähigkeiten sind unterschiedlich, und diese Vielfalt versuchen wir auch zu fördern. Das entspricht unserem Weltbild.


Was ist Ihr Weltbild?

Die Eckpfeiler sind Individualismus und Nonkonformismus.


Lassen Sie den auch im Unternehmen zu? Wie gehen Sie mit Widerspruch um?

Im Berufsleben allgemein, so auch bei uns, geht es primär um Fakten, um Analysen, Planung, Umsetzung. Also um richtig oder nicht richtig, da bleibt für Meinung und Befindlichkeit wenig Platz. Ein Konsens in einem Team ist dann meist nicht mehr sehr schwierig.


Eine renommierte deutsche Zeitung hat Red Bull mit einer Sekte und ihren Firmenchef mit einem Guru verglichen: Herrscher über ein geschlossenes System und eine abgeschirmte Welt, aus der nur die Lust der Sportler, die Leidenschaft für das Risiko und die Gier nach Erfolg nach außen dringen sollen.

Mancher, der in den letzten Jahrzehnten über Red Bull geschrieben hat, müsste sich eigentlich in Grund und Boden schämen, so haarsträubender Unsinn wurde zum Teil verbreitet. Zuerst hatte Red Bull angeblich so viel Koffein wie 36 große Braune, dann war man plötzlich süchtig. Ich wurde dargestellt wie ein Drogendealer. Später hieß es, eine dunkle Macht stehe dahinter. Ich kenne kein transparenteres und geradlinigeres Unternehmen als unseres. Wir reden aber halt nur, wenn wir was zu sagen haben. Gackern nicht, bevor wir das Ei gelegt haben. Und ich für mich persönlich nehme eine gewisse Privatsphäre in Anspruch. Was ja auch schlüssig ist, schließlich soll nicht ich, sondern das Produkt im Mittelpunkt stehen.


Haben Sie all diese Zerrbilder nicht auch selbst befeuert, indem Sie sich der Öffentlichkeit radikal entziehen? So entstehen dann auch die Mythen.

Ich entziehe mich nicht der Öffentlichkeit, ich bin jeden Tag privat oder beruflich irgendwo unterwegs. Ich gebe Sport- und Wirtschaftsfachmedien auch Interviews. Was ich jedoch nicht tue, ist, mich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in Medien zu pressen. Mir ist die Zeit dafür zu schade. Ich mache mit der Regenbogenpresse keine Revolvergeschichten.


Lesen Sie alles, was über Red Bull oder über Sie geschrieben wird?

Nein.


Sie lassen es sich vorlesen.

Auch nicht. Wenn ich auf sogenannte Kritik aufmerksam gemacht werde, schaue ich als Erstes, von wem sie kommt. Meistens sind das dann Leute, deren Lob mich mehr stören würde als deren Kritik.

 

 

Mit Schmähungen waren Sie auch konfrontiert, als Red Bull in Leipzig in den deutschen Fußball einstieg. Man sieht in Stadien noch immer feindselige Banner auf den Rängen. Trifft Sie das?

Wir reden hier über Hardcore-Fans, über Hooligans oder Ultras, die den Fußball generell und Red Bull insbesondere fürs Ausleben ihrer Konflikt- und Gewaltbereitschaft missbrauchen. Es gibt eine Minderheit im Fußball, die macht Klassenkampf, will nur betrunken sein oder Feuerwerke abschießen. Das registriere ich, und damit ist es getan. Es kränkt mich nicht. Dass sich der eine oder andere Präsident bemüßigt fühlt, für solche Dinge Sympathie und Zustimmung zu signalisieren, ist vielleicht nicht besonders durchdacht, vor allem wenn er sich die eigene Finanzierung anschaut. Aber egal. Was beim Fußball zählt, sind sportlicher Erfolg, Fairness im Umgang mit dem Gegner und die überwältigende Stimmung in einem ausverkauften Stadion. Das haben wir unbestritten erreicht.

 

Dennoch werfen Anhänger in Deutschland Ihrem Unternehmen vor, den Fußball entweiht zu haben, weil Sie ihn als Marketing-Vehikel veruntreuen würden.

Manchmal muss man sich nur noch wundern. Wir sind mit Sebastian Vettel in fünf Jahren vier Mal Weltmeister und einmal Zweiter geworden. Wir spielen in München Eishockey, waren im ersten Jahr deutscher Meister und spielen im zweiten Jahr wieder im Finale. Viele andere unserer Athleten bringen Weltklasseleistungen, und mit unseren Events setzen wir neue Standards.

 

Wie erklären Sie sich dann die Ablehnung und die Vorbehalte bei Teilen des Publikums?

Ich glaube fast, unser eigentliches Verbrechen besteht nicht darin, dass wir Fußball spielen, sondern darin, dass wir Erfolg haben. Dass wir in sechs Jahren viermal aufgestiegen sind und jetzt, worauf wir sehr stolz sind, mit einem der günstigeren Teams - und dem jüngsten - Tabellenzweiter in der 1. deutschen Bundesliga sind. Wenn man die Mannschaft in Leipzig mit Bayern München vergleicht, ist das wie ein Rekrutenbataillon gegen römische Söldner in ihrer vorletzten Schlacht. Eine gesamtdeutsche Befragung hat uns unter die beliebtesten Fußballklubs Deutschlands gewählt. Es steht also wieder eine vernachlässigbare Minderheit einer überwältigenden Mehrheit gegenüber.

 

In Österreich will man Ihnen nicht verzeihen, dass Sie von Salzburg die Besten nach Leipzig abziehen.

So denkt doch schon lange niemand mehr. Die Leute haben längst verstanden, dass unser Konzept in Kombination mit der Nachwuchsakademie das einzig Richtige und Mögliche für die österreichische Liga ist. So bekommen wir junge Talente zur Ausbildung ins Land, die sonst nie kommen würden. Und wenn sie für unsere Liga zu gut werden, gehen sie eben, ob nach Leipzig oder woandershin, spielt keine Rolle. Und solange sie da sind, um bei uns eine ordentliche Ausbildung zu erhalten, profitiert Österreichs Fußball davon. Noch nie hat eine österreichische U19-Mannschaft im Finale des Youth Cups gespielt und Klubs wie Paris St-Germain, Manchester City oder Atletico Madrid eliminiert. Und auch noch nie hat ein österreichischer Verein in eineinhalb Jahren über hundert Millionen Transfererlöse erzielt.


Wie haben Sie Aufstieg und Fall des Nationalteams erlebt?

So wie alle Österreicher. Den Aufstieg als inszeniert und überbewertet, den Fall als ernüchternd.


Sie haben zwischendurch mit dem Rückzug aus der Formel 1 kokettiert. Sie hatten keinen wettbewerbsfähigen Motor und schmerzhaft erfolglose Jahre. Was wollen Sie heuer erreichen?

Die „schmerzhaft erfolglosen Jahre“ sind derer zwei, mit dem zweiten Platz in der Konstrukteurswertung. Aber nachdem wir zuvor viermal Weltmeister geworden sind, wollen wir heuer und nächstes Jahr wieder um die WM mitfahren.


Der Formel 1 geht es nicht gut. Sie leidet unter Spannungsarmut, die Zuschauerzahlen schwinden. Dazu kommt die Legitimationskrise in Zeiten der CO2-Debatte. Ist der Zirkus noch zeitgemäß?

Der Formel 1 geht es wieder besser. Sie ist spannender geworden, und die Zuschauerzahlen steigen heuer wieder signifikant. Wir werden versuchen, mit unserer Wettbewerbsfähigkeit zur Attraktivität beizutragen. Spannender sportlicher Wettkampf auf höchstem Niveau, nur darauf kommt es im Motorsport an, alles andere ist irrelevant.


Steht Ihr Sohn Mark in Ihren Fußstapfen?

Er hat heuer erfolgreich seinen Bachelor abgeschlossen und wird bei uns im Unternehmen seinen Master berufsbegleitend machen. Ich lasse ihn noch ein wenig, der Ernst des Lebens holt ihn früh genug ein.


Wir hören, Sie haben die Jagdprüfung gemacht. Was lernt man da?

Ich wollte mehr Wissen haben, um mit den Förstern und Jägern auf Augenhöhe zu sein. Vorrangig bin ich Forstwirt und kein Jäger. Ich gehe hinein, weil es eine wunderbare Betätigung ist. Ich möchte keinen Erlös aus dem Wald erzielen, es wird ohnehin zu viel geschlagen.


In der Obersteiermark und im Salzkammergut haben Sie Dorfwirtshäuser, Schlösser, Restaurants und Hotels erworben. Neuerdings füllen Sie Heilwasser ab und brauen Bier. Warum tun Sie das?

Jedenfalls nicht, um Vermögen zu vermehren. Ich kann nichts mitnehmen. Ich will was Sinnvolles machen und das Schöne bewahren.


Wie oft halten Sie Nachschau in Ihren Betrieben?

Immer wieder. Da kann es schon vorkommen, dass mir das eine oder andere auffällt. Da stellt einer die Menükarte zusammen und schreibt hinein: „Hirsch aus eigener Jagd“. Und dann steht hinten in der Küche der 25-Kilo-Kanister mit der Aufschrift „Hirschragout“. Dann ist Schluss mit lustig.


Was passiert dann?

Ich schaue eine Zeit lang zu. Dann folgen fünf Gelbe Karten. Und irgendwann ist es selbst mir, dem extrem belastbaren Arbeitgeber, zu blöd. Jetzt isst man hervorragend dort.

Aus: Die kleine Zeitung/Images: Red Bull

 

(75)  2017-04-09  Hilmar Bürger sprach mit Jürgen Heuser

Der „Löwe“ kommt

nach Meißen

Jürgen Heuser, der Zweikampf-Weltmeister

von 1978, Ehrengast

beim Pokal der

Blauen Schwerter

 

Aus dem Eisenlexikon der dreiteiligen CD-Dokumentation „Deutsches Gewichtheben“ – erschienen 2006 – ergänzt bis 2009. 

Der in Barth an der Ostseeküste geborene Jürgen Heuser (jetzt 64) ist neben Peter Wenzel (1975), Rolf Milser (1978,1984), Joachim Kunz (1981, 1983) Karl-Heinz Radschinsky (1984), Ronny Weller (1993) und Marc Huster (1994) einer der sieben deutschen Zweikampf-Weltmeister im Gewichtheben. Der Schützling von Uwe Ihde wurde 1978 bei den Weltmeisterschaften im US-amerikanischen Gettysburg stärkster Mann der Welt. Seine Kameraden im Nationalteam und bei der BSG Motor Stralsund nannten ihn „Löwe“. Nach vielen Jahren tritt er wieder einmal auf eine Gewichtheberbühne. Zum Talk mit Marc Huster beim 28. Pokal der Blauen Schwerter in Meißen.

HILMAR BÜRGER führte mit ihm vorher nachstehendes Interview.

 

Weiterer Ausschnitt aus der CD-Dokumentation

Mit welchen Emotionen kehren Sie nach langer Zeit wieder einmal zum Gewichtheben in Meißen zurück?

 

Jürgen Heuser: Ich habe mich über die Einladung nach Meißen sehr gefreut. Zu meiner aktiven Zeit war das Turnier der Blauen Schwerter einer der Jahreshöhe-punkte. Ich denke noch sehr oft daran zurück, da ich mich auch immer ganz gut platzieren konnte.

 

Man hat lange nichts von Ihnen gehört. Was waren die wichtigsten Ereignisse der letzten 25 Jahre in Ihrem Leben – erst einmal privat?

 

Jürgen Heuser: Seit 30 Jahren wohne ich mit meiner Familie in Prerow auf dem Darß. Das war früher immer ein Traum von mir. Meine zwei Kinder sind nach ihrer Ausbildung auch nach Prerow zurück gekommen und haben hier geheiratet. Mittlerweile habe ich fünf Enkelkinder. Ich genieße es richtig, sie alle in der Nähe zu haben.

 

Und beruflich?

 

Jürgen Heuser: Ich hatte das Glück, mich schon zu DDR-Zeiten vor der Wende mit einem Fuhrunternehmen selbständig machen zu können. Es lief alles sehr gut und ich habe auch den Einstieg nach der Wende gut und erfolgreich gemeistert. 1993 haben wir noch eine Pension für 35 Gäste gebaut. Seit drei Jahren betreibt unsere Tochter ein gut gehendes Cafe in unseren Räumlichkeiten.

 

Das ist doch auch für die Gewichtheber-Gemeinde eine interessante Adresse. Kann man darüber mehr erfahren?

 

Jürgen Heuser: Unsere Ferienunterkünfte nennen sich inzwischen „Ulenhoef“ – das ist plattdeutsch und heißt auf hochdeutsch „Eulenhof“. Alles Wissenswerte gibt es unter www.ulenhoef.de. Übrigens – wenn jemand den Wunsch hat, so hole ich ihn natürlich mit dem Auto vom Bahnhof ab. Ehrensache!

 

Denken Sie noch oft an ihre so erfolgreiche aktive Zeit als Gewichtheber und besonders den Sieg bei den Weltmeisterschaften 1978 im amerikanischen Gettysburg?

 

Jürgen Heuser: Natürlich! Diese Jahre waren die erfolgreichreichsten meines Lebens. Ich habe mich erst mit 15 Jahren für das Gewichthaben entschieden. Mit anderen seine Kräfte zu messen, fand ich immer toll und möglichst der Stärkste zu sein. Dass ich es geschafft habe, einmal der Erste bei einer Weltmeisterschaft zu sein, war lange Zeit unfassbar.

 

Gab es in Gettysburg nicht auch ein Hymnenproblem?

 

Jürgen Heuser: Ich denke bei den Weltmeisterschaften 1978 war ich zwar Medallienanwärter, aber dass ich als jüngster und leichtester Heber im Superschwergewicht, bei allen anwesenden namhaften Favoriten wie Alexejew, Rachmanow, Bonk und Platschkow gewinnen würde, hatte wohl keiner ernsthaft geglaubt. Man hatte wohl in weiser Voraussicht schon die sowjetische Hymne bereit gelegt.

 

Das war Jürgen Heuser in seiner aktiven Zeit.

Haben Sie noch Kontakt zu ihren ehemaligen Kameraden

und Trainern?

 

Jürgen Heuser: Leider sind wir an der Küste etwas entfernt von den Zentren des Gewichthebersports. Ich bedaure sehr, dass sich die Medien bei der Berichterstattung so sehr von Sportarten wie Gewichtheben, Judo, Ringen usw. zurückgezogen haben. Es gibt kaum noch Möglichkeiten, das aktuelle Geschehen zu verfolgen. Mein Trainer, Uwe Ihde, wohnt im Nachbarort. Wir haben nach wie vor ein freundschaft-liches Verhältnis. Wir besuchen uns und telefonieren häufig miteinander. Beide bedauern wir sehr, dass es mit der Zeit Stück für Stück mit einem sehr erfolgreichen Stralsunder Traditionsverein bergab ging. Uns bleibt nur die Erinnerung an eine schöne Zeit. Ich bekomme heute noch Autogrammwünsche aus den USA, China, Russland, Schweiz und natürlich aus Deutschland. Vor kurzem verstarb leider unser langjähriger Nationaltrainer Harry Roewer, den ich sehr geschätzt habe. Uwe Ihde und ich waren zur Beerdigung in Berlin.

 

Verfolgen Sie auch das aktuelle Gewichtheben – wie schätzen Sie

das internationale Niveau des BVDG ein?

 

Bei jeder EM und WM versuche ich, möglichst viele Informationen zu erhalten. Gefühlsmäßig wird das von Jahr zu Jahr schwieriger. Im TV gibt es meistens nur Aufzeichnungen und in der Presse nur Randnotizen. Ich kann mich riesig freuen über tolle Zweikämpfe von Athleten und über neue Rekorde, weil ich weiss, wie hart man dafür trainieren muß. Bedauerlich ist, dass über jeder Superleistung immer das Fragezeichen Doping hängt. Es wird dadurch immer alles in Frage gestellt. Das internationale Niveau des BVDG ist höchstens noch Mittelmaß. Das liegt aber nicht daran, dass alle anderen dopen und deutsche Gewichtheber nicht. Das ganze System, angefangen mit Sichtung und öffentlicher Wahrnehmung hinkt. Ich bin immer noch stolz, wenn ich ältere Bürger in Stralsund treffe, die sagen, das waren unsere Gewichtheber.

 

Worauf freuen Sie sich in Meißen am meisten?

 

Jürgen Heuser: Ich freue mich, dort endlich mal wieder live Gewichtheben zu erleben und einige Sportfreunde zu treffen, mit denen ich zusammen trainiert habe. Ich erinnere mich noch immer gern an die tolle Atmosphäre,

die dort in der Wettkampfhalle herrscht.

 

Sagt heute noch jemand „Löwe“ zu Ihnen?

 

Jürgen Heuser: Der Spitzname stammt von meinem ersten Vorstellungstraining bei der BSG Motor Stralsund.

Ich war 15 Jahre alt und hatte als Krafttraining damals nur Arbeit in der Landwirtschaft vorzuweisen. Ohne Technik schaffte ich 15 Kilo mehr als der damalige Stralsunder Lokalmatador, der es schon zum DDR-Vizemeister gebracht hatte. Da kam der Ausruf: „Ist das ein Löwe!“ Zeitweise wussten einige Leute gar nicht meinen richtigen Namen. Ich werde tatsächlich noch öfters so angesprochen. Und dann kommen die Erinnerungen...

HB

(74)  2017-04-07   Tilo Gräser sprach mit Dr. Wolfgang Grabowski

Syrien: Westen will Regime Change

Russland steht dem im Wege

 

Russland hat in Syrien dem Westen und seiner Regime Change-Politik die Grenzen gezeigt. Nur deshalb wird verhandelt, stellt der frühere DDR-Diplomat Wolfgang Grabowski im Sputnik-Interview fest. Die jüngst von der EU wiederholte Forderung „Assad muss weg“ ist für ihn bereits gescheitert. Er kritisiert die westlichen Doppelstandards.

Herr Grabowski, Sie haben in der Zeitschrift WeltTrends 2/2017 einen Beitrag zum Syrienkonflikt und Russland veröffentlicht. Wie lässt sich das Verhältnis Syrien und Russland einschätzen? Welche Interessen hat Russland dabei?

Das ist ein strategisches Interesse, das auf langjähriger Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und Syrien basierte. Mit Wladimir Putin ist dort eine erneute Verbesserung eingetreten. Russland hat vor allen Dingen Interesse daran, strategisch in dem Gebiet präsent zu sein, seine gewachsenen Möglichkeiten zum Einsatz zu bringen und natürlich auch dafür zu sorgen, dass kein weiterer Regime Change vollzogen wird. Ich würde auch sagen, dass man in Moskau natürlich nicht die IS-Kämpfer im Kaukasus haben möchte und deshalb dort gegen den IS konsequent vorgeht.


Es gibt kritische Stimmen, die sagen, Russland verhalte sich in dem Zusammenhang nicht anders als der Westen, der versucht, seine Interessen im Nahen Osten durchzusetzen mit Hilfe ihm genehmer Regimes. Lässt sich das so Eins zu Eins vergleichen?

Das sind schon grundsätzlich andere Interessen, die dort meiner Sicht nach von Bedeutung sind. Das betrifft in erster Linie die Verteidigung gegen Terrorismus für das eigene Land, und die Absicherung von normalen Verhältnissen in dieser Region. Was Regime Change und Krieg dort bedeutet hat, durch den Westen geführt, ist allgemein bekannt. Das möchte man verhindern und einen Block dagegen setzen. Nicht zu übersehen ist, dass durch das Eingreifen Russlands erst Verhandlungen jetzt möglich wurden. General Kujat hat das treffend zum Ausdruck gebracht: Die Russen haben den Westen an den Verhandlungstisch gebombt. Da ist schon ein starker Unterschied.


Genau zu diesem Thema: Welche Rolle spielt Russland in dem Krieg in Syrien? Das ist ja auch zum Teil ein von außen gesteuerter Krieg gegen Syrien.

Russland war bemüht, diese Einmischung zurückzudrängen. Das ist auch gelungen. Der Westen muss sich darauf einstellen und nach dem Veto oder der Behinderung von den jahrelang gemachten Vorschlägen durch Russland und auch andere zu Dialog und Verhandlungen kommen. Diese Verhandlungen finden nun mit allem zögerlichen und auch Konter-Vorgehen statt.


Der Westen hat Verhandlungsvorschläge blockiert

Musste es also erst zu dem militärischen Eingreifen kommen, damit verhandelt wird?

Vier Jahre lang wurden die Vorschläge, die gemacht wurden, entweder zerredet oder ignoriert, nicht zur Kenntnis genommen. Das ging so nicht weiter. Der Krieg wurde weitergeführt. Das hat dann zu dieser Entscheidung geführt.


Russland hat in dem Konflikt immer wieder auf die Rolle des Völkerrechts hingewiesen. Wie schätzen Sie das ein? In Ihrem Beitrag haben Sie geschrieben, dass russische Vorgehen sei anders als das westliche gegen den IS in Irak und Syrien völkerrechtlich legitimiert.

Das würde ich nochmal unterstreichen. Russland ist zum Eingreifen von Assad eingeladen worden, also von der legitimen Regierung, und ist damit völkerrechtlich gedeckt.


Wie schätzen Sie die Rolle des Völkerrechts insgesamt in diesem Konflikt ein? Moskau sagt ja immer wieder, es gehe auch um völkerrechtliche Normen wie die Achtung der nationalen Souveränität.

Das sind wichtige Positionen, die Russland immer wieder, auch in der Uno und in den Verhandlungen jetzt, vorbringt. Das sind grundsätzliche Positionen Russlands. Man ist bemüht, dem auch wieder zum Durchbruch zu verhelfen.

Westliche Doppelstandards sind scheinheilig


In der Darstellung der Vorgänge in Syrien, auch im Krieg gegen den IS auf dem Gebiet des Irak und in Syrien, wird immer wieder verglichen zwischen Aleppo und Mossul als prägnanten Beispielen. In Aleppo soll gar „Völkermord“ stattgefunden haben. Dort soll angeblich die syrische Armee mit der russischen Unterstützung absichtlich die Zivilbevölkerung bombardiert haben, während in Mossul eine „Schlacht für die Freiheit“ gefochten wird wie es zum Teil Medien darstellten. Wie lässt sich diese unterschiedliche Darstellung bewerten?

Es sind zwei Standards, die immer wieder auch vom Westen in die internationale Politik eingebracht werden. Natürlich bin ich als Linker gegen jeden Krieg und dagegen, dass bombardiert wird. Nur, wenn wie in Aleppo geschehen – und ganz offensichtlich auch in Mossul –, die Terroristen sich in den Wohngebieten der Zivilbevölkerung einnisten, und in den entsprechenden Schulen, Krankenhäusern und so weiter, da ist die Frage berechtigt: Wie soll man das bekämpfen? Die einzige Kraft am Boden war die syrische Armee. Insofern sind schon Unterschiede da. Der eine macht das, und jener macht das, und man versucht das gleichzustellen. Der Unterschied ist nur, dass diese sogenannte Internationale Koalition dort tätig ist ohne entsprechendes Mandat, ohne gerufen zu sein.


So dass Sie dem Vorwurf, in Aleppo sei „barbarisch“ vorgegangen worden, während in Mossul „zivilisiert“ und „demokratisch“ vorgegangen wird, widersprechen würden?

Ja, sicher. Das ist eine scheinheilige Behauptung, die so nicht zutrifft. Und von den US-Amerikanern bei all ihren Aktionen im Irak, in Afghanistan ja ad absurdum geführt.


Nun gibt es derzeit verschiedene Bemühungen einer politischen Regelung in Syrien, so in Genf zwischen der syrischen Regierung und den verschiedenen sogenannten Rebellen-Gruppen, zuvor der Prozess von Astana, angeregt unter anderem durch Russland. Die EU will in Brüssel eine Konferenz abhalten und sagt aber gleichzeitig: Politische Lösung – aber ohne Assad! Wie sind diese aktuellen Bemühungen aus Ihrer Sicht einzuschätzen?

Sie werden sehr schwierig laufen. Diese Forderung „Assad muss weg und dann wird verhandelt!“, die war ja schon vorher gescheitert. Dass sie erneut vorgebracht wird, zeigt, wie schwierig die Auseinandersetzung wird. Ich glaube schon, dass die Gruppe, die in Astana verhandelt hat, das nicht als verhandlungsfähig charakterisieren wird.


Wie sehen die aktuellen Aussichten einer politischen Lösung aus?

Es gibt keine andere Lösung. Also muss man weiter verhandeln, immer weiter, viel Geduld aufbringen und die Lage so gestalten, dass Interessenübereinkünfte über lange Zeiträume möglich werden.


Es gibt aktuelle Meldungen eines vermeintlichen Giftgasangriffes bei Idlib. Zu beobachten ist, dass oftmals im Vorfeld, im Zusammenhang mit Verhandlungen zwischen den Konfliktbeteiligten solche Massaker-Meldungen auftauchen. Wird da bewusst versucht zu verhindern, dass es irgendeine Verhandlungslösung gibt?

Es wird nicht der letzte Versuch sein, Derartiges zu tun. Das hat sich ja gerade in der ganzen langen Kriegsführung in Syrien und auch in anderen Ländern des Nahen Ostens gezeigt, dass immer wenn sozusagen ein Lichtschein am Horizont erscheint, versucht wird, zu blockieren und provoziert wird. Das Giftgas-Gerede des Westens ist nicht zutreffend und blockiert nur.


Botschafter a.D. Wolfgang Grabowski war als DDR-Diplomat u.a. in der Sowjetunion und Syrien tätig. In den 2000er Jahren leitete er lange Zeit das Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau.

Die Zeitschrift WeltTrends

(73)  2017-04-03   Dagmar Gassen und Kester Schlenz 

                                sprachen mit Constantin Schreiber  

ARD-Journalist besuchte deutsche Moscheen

Vieles, was er hörte, entsetzte ihn

 

Der ARD-Journalist Constantin Schreiber hat Freitagspredigten in deutschen Moscheen besucht. Er sagt: "Da fielen ungeheure Sätze."

Constantin Schreiber vor der Berliner Sehitlik-Moschee. In der war er wenige Tage nach dem Putschversuch in der Türkei

© Anna Rose

 

"Ich finde dich und werde dich zersägen." "Dich muss man mit Merkel in eine Gummizelle sperren." Solche Mails bekam der Journalist als Reaktion auf seine N-TV-Sendung "Marhaba – Ankommen in Deutschland", in der er Flüchtlingen auf Arabisch unser Land erklärte – und die 2016 mit dem Grimme-Preis geehrt wurde. Seit Januar ist der 37-Jährige nun Sprecher der "Tagesschau" im Ersten, er moderiert das "Nachtmagazin" der ARD sowie das NDR-Medienmagazin "Zapp" und ab Ende März auch die Reportagereihe "Moschee-Report" im Sender Tagesschau 24. Der gebürtige Cuxhavener studierte Jura, volontierte bei der Deutschen Welle und wurde Korrespondent in Dubai. Später moderierte er bei N-TV und RTL, war Medienberater für den Nahen Osten im Auswärtigen Amt. Arabisch spricht er, weil er schon als Schüler häufig bei syrischen Freunden seiner Eltern in Damaskus zu Gast war und viel in der Region gereist ist.

Schreiber lebt mit Frau und Tochter in Berlin.

 

Herr Schreiber, Sie haben sich die Freitagspredigten in 13 Moscheen angehört. Welcher Moment ist Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben?

Das war der Besuch einer Predigt in Potsdam. Weil der Platz in der dortigen Al Farouk-Moschee begrenzt ist, darf deren Imam freitags in einer Halle der "Biosphäre Potsdam" predigen, mitten im Tropen-Erlebnispark. Dort saß ich dann mit Hunderten von Muslimen, unter ihnen viele Flüchtlinge, in einem Raum mit Palmen und großen Fensterfronten. Nebenan flogen Papageien. Draußen grasten Kühe. Es regnete. Deutsche Provinz. Und vorn stand ein Imam in traditioneller Kleidung und predigte, dass man sich nur mit seinen rechtschaffenen Brüdern befreunden und den Islam verbreiten solle. Das fand ich ziemlich bizarr.

 

Was hat Sie auf die Idee gebracht, in die Moscheen zu gehen und aus Ihren Erfahrungen ein Buch zu machen?

Schlichtweg Neugier. Ich war vorher nur ein einziges Mal in einer Freitagspredigt. Und ich dachte: Jetzt gehst du da einfach mal hin und hörst in ein paar Moscheen zu. Das hatte vor mir überraschenderweise noch kaum einer gemacht.

 

Was hatten Sie erwartet?

Dass ich so etwas wie eine Bandbreite hören würde. Konservative, moderate und, ja, auch fortschrittliche Predigten, die Brücken zwischen den Religionen bauen und in denen das Leben in Deutschland eine Rolle spielt.

 

Und?

Ich war enttäuscht, teilweise entsetzt. Ich habe keine einzige Predigt gehört, die ich wenigstens okay fand. Fast alle waren sehr konservativ. Und wenig integrativ. Es ging fast immer um "wir und die". Wir Muslime und die Anderen, die Deutschen, die Ungläubigen. Integration wurde eher als Bedrohung der reinen Lehre dargestellt.

 

Gab es Aufrufe zur Gewalt?

Nein, das nicht. Aber mir hat schon gereicht, was ich sonst gehört habe.

Wie haben Sie die Moscheen ausgesucht?

Mehr oder weniger zufällig. Ich habe die besucht, die ich kannte. Und ich habe arabische Freunde und syrische Flüchtlinge gefragt, wo sie beten. Dann bin ich, wann immer Zeit war, nach und nach dort hingegangen. In arabische und türkische Moscheen. In ansehnliche Bauten und in Hinterhöfe. Viele lagen in Berlin, aber ich war auch in Hamburg, in Leipzig, Magdeburg, Karlsruhe und eben in Potsdam.

Wir haben mehr als 2500 Moscheen im Land. Repräsentativ ist Ihre Auswahl nicht.

Nein, das behaupte ich auch nicht. Aber ich habe versucht zu dokumentieren, was man zu hören bekommt, wenn man an einem beliebigen Freitag in eine mehr oder weniger beliebige Moschee geht. Ich habe ja bewusst keine Moscheen besucht, die als salafistisch verschrien sind. Ich wollte ergebnisoffen recherchieren.

 

Das heißt aber auch, dass Sie möglicherweise in 13 anderen Moscheen ganz andere Dinge erlebt hätten.

Möglicherweise. Aber ich habe bei meinen Besuchen nun mal das erlebt, was ich in meinem Buch beschreibe. Und das war ernüchternd.

 

Haben Sie sich als Journalist zu erkennen gegeben?

Ich bin nach jeder Predigt zum Imam gegangen – bei den arabischen habe ich es meistens gleich gemacht, bei den türkischen, nachdem ich die Übersetzung hatte. Ich habe dann gesagt, dass ich Journalist bin, dass ich die Predigt gehört und aufgenommen habe und gerne darüber reden würde.

 

Und wie waren die Reaktionen?

Verwunderung, teilweise Ablehnung. Wie? Sie sind hier einfach so reingekommen? Warum haben Sie sich nicht angemeldet?

 

Und? Haben die Imame mit Ihnen über die Predigten gesprochen?

Fünf haben mit mir geredet. Die anderen nicht. Einmal hieß es: Das ist verboten. Andere haben mich auf später vertröstet und sich dann nie gemeldet. Die meisten Imame sprachen auch kein Deutsch. Einer lebte seit elf Jahren hier und konnte praktisch kein Wort. Aber ich konnte schon verstehen, dass manche nicht mit mir sprechen wollten.

 

Inwiefern?

Da ist immer auch die Angst, etwas Falsches zu sagen, falsch verstanden und pauschal in eine gewisse Ecke gerückt zu werden. Gerade wenn es auch Sprachbarrieren gibt. Aber hilfreich ist das natürlich nicht.

 

Sie sprechen fließend Arabisch, aber kein Türkisch.

Ja, aber ich habe ohnehin alle Predigten von Dolmetschern übersetzen lassen. Auch bei den arabischen wollte ich sichergehen, dass ich alles richtig verstanden habe.

Sie berichten in Ihrem Buch von Predigten, die auch unabhängig von der Sprache schwer nachvollziehbar scheinen. Der Imam in der türkischen Hagia-Sophia-Moschee in Karlsruhe zum Beispiel vermittelte seinen Gläubigen ein eigenwilliges Frauenbild.

Ja, er sagte klagend: Schaut euch die Mädchen und Frauen von heute an. Und dann lobte er die Heilige Fatima, die sich sogar als Tote den Blicken fremder Männer entzogen wissen wollte und bat, ihren Leichnam nachts zu beerdigen. Ich war erschrocken. Zumal an diesem Tag zahlreiche muslimische Schüler dort saßen und zuhörten. Wie sollen die so was einordnen?

 

Sie lassen zu jeder Predigt Islam-Experten zu Wort kommen. Haben Sie auch mit den Gläubigen selbst über die Predigten gesprochen?

Ja, mit einigen arabischen Besuchern habe ich gesprochen. In Potsdam sagten mir zum Beispiel Syrer, dass sie die Predigt konservativer als bei sich zu Hause fanden.

 

Einen Imam zitieren Sie mit den Worten: "Wir leben in einer westlichen Umgebung, in der du frei bist. Das ist ein wichtiger Wert, zu dem der Islam angespornt hat. Es gibt keinen Zwang in der Religion."

Ja, doch dann kommt später das große "Aber". Dann heißt es: Ihr müsst in dieser freien Umgebung unbedingt eure Rechtschaffenheit wahren, auch eure Kinder so erziehen und unter euresgleichen bleiben.

 

Sie kritisieren die Weltfremdheit einiger Predigten, die in einer scheinbar zeitlosen, idealisierten arabischen Welt spielen, die nichts mit der heutigen Lebensrealität der Muslime zu tun hat.

Ja, das war besonders bei einer Predigt in der Umar-Ibn-al-Khattab-Moschee in Berlin-Kreuzberg der Fall. Da ging es um die Armensteuer auf Datteln, Kamele und Kichererbsen.

 

In so mancher katholischen Kirche auf dem Land stößt man in Predigten auch nicht auf die Moderne. Weltfremdheit ist kein Alleinstellungsmerkmal des Islam.

Das stimmt. Aber die christlichen Kirchen sind ziemlich leer. Und die Moscheen sind voll. Sehr voll. So habe ich das zumindest erlebt. Und es sind viele junge Leute da. Unter ihnen viele Flüchtlinge. Denen müsste man aus meiner Sicht mehr bieten.

 

Nun wird ja gerade dem Islam vorgeworfen, er trenne nicht zwischen Religion und Politik. Dann lassen Sie doch den Imam von Kamelen und Kichererbsen reden. Das tut ja keinem weh.

Hilft aber auch keinem, der wissen möchte, wie er in unserem Land klarkommen und seine Religion auf friedliche Weise leben soll.

 

Müssen Freitagspredigten Integrationsarbeit leisten? Es gibt um die Moscheen herum eine vielfältige Gemeindearbeit, inklusive Sprachkursen und Flüchtlingshilfe. 10 000 Ehrenamtliche sind in der islamischen Wohlfahrtspflege engagiert.

Natürlich ist muslimisches Leben in Deutschland vielfältiger, aber das ist nicht mein Thema. Ich finde die Freitagspredigt zentral – auch weil ihr Besuch für die männlichen Gläubigen obligatorisch ist. Und Imame sind etwas Besonderes. Denen werden die Hände geküsst. Ihr Wort hat Bedeutung.

 

Welche Predigt hat Sie am meisten erschreckt?

In zwei Predigten ging es ganz offen gegen Jesiden, Armenier oder Juden. Das hat mich entsetzt. Und bemerkenswert war auch die in der Imam-Riza-Moschee in Berlin. Da hieß es: "Ihr könnt nicht sagen: Ich bin zugleich Demokrat und Schiit. Nein, das geht nicht. Man kann nicht sowohl Muslim als auch laizistisch sein. Man kann nicht sowohl Humanist als auch ein Freund der Familie des Propheten sein." Ungeheure Sätze!

 

Daran gibt es nicht viel auszulegen. In vielen anderen Fällen aber interpretieren Sie das Gesagte und mutmaßen, was mit Anspielungen und Metaphern gemeint sein könnte. Eindeutig ist das nicht immer. Man könnte auch zu anderen Schlüssen kommen.

Womöglich. Ich sage ja auch, dass das meine Schlüsse sind. Und ich diskutiere die Predigten durchaus kontrovers mit Islamexperten. Aber ich stieß eben auch auf Feindbilder und Stereotype, die klar waren und die mir keine Einzelfälle zu sein schienen.

 

Zum Beispiel?

Die Ablehnung oder sogar Verteufelung der westlichen Lebensweise. In der Berliner Mehmed Zahid Kotku Tekkesi-Moschee wurde am 23. Dezember des vergangenen Jahres noch die "größte aller Gefahren – die Weihnachtsgefahr" beschworen. Es stehe schon im Koran geschrieben: "Wer einen anderen Stamm nachahmt, wird einer von ihnen." Der Imam warnte: "Selbst Sonnenblumenkerne zu kaufen und den Silvesterabend zu Hause in der Familie zu feiern ist sehr gefährlich. Gott möge uns davor bewahren." Das war wenige Tage nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz.

 

Wurde der Anschlag erwähnt?                                                                Ja, der Imam sagte auch ganz klar, dass Gott das Morden verbiete, dass so etwas nicht zum Islam gehöre. Trotzdem: Als "größte der Gefahren" bezeichnete er die "Weihachtsgefahr" . In der türkischen Sehitlik-Moschee in Berlin sprach der Imam immer wieder von "unserer Nation". Aber damit war offenbar nicht Deutschland gemeint. Nein, die Türkei. Das war in vielen türkischen Predigten so. Ein Imam, der hier schon lange lebt, sprach von Deutschen als "unseren ausländischen Mitbürgern". Das fand er offenbar ganz normal.

 

Drei türkische Moscheen, die Sie besucht haben, gehören zum Dachverband Ditib und sind eng mit der Regierung in Ankara verknüpft.                                                                                                   Ja, die Sehitlik-Moschee war eine davon. Ich hatte bei den Ditib-Moscheen schon den Eindruck, dass politische Botschaften und religiöse Formeln stark verflochten waren. In der Sehitlik-Moschee, die ich wenige Tage nach dem Putschversuch in der Türkei besuchte, sprach der Imam von einer "amoklaufenden Junta" und würdigte die "Märtyrer, die für unsere Unabhängigkeit und Zukunft ihr Leben ließen" . Aber auch insgesamt waren die türkischen Predigten, die ich gehört habe, eher politisch, die arabischen eher spirituell-konservativ.

 

Sie drücken an mehreren Stellen Ihres Buches Ihre große Sorge um die vielen Flüchtlinge aus, die Sie in den Moscheen angetroffen haben. Was genau sorgt Sie?                                                               Viele von ihnen waren noch nie im Westen. Sie wissen wenig über Deutschland. Frauen mit kurzen Haaren zum Beispiel irritieren sie massiv. Sie wollten von mir wissen, ob die krank seien. Ich frage mich, wohin das führt, wenn man Menschen mit diesem Kenntnisstand in den Moscheen sagt, dass sie fest im Glauben sein müssen und sich nur mit rechtgläubigen Muslimen befreunden sollen. Ich sorge mich, dass solche Freitagspredigten schlichtweg antiintegrativ sind und Gräben vertiefen.

 

Wie würde denn eine ideale Predigt aus Ihrer Sicht aussehen?          Ich erwarte schon, dass Religion auch etwas mit dem realen Leben zu tun hat. Gerade die Flüchtlinge sind ja mit massiven Problemen konfrontiert, die sämtliche Lebensbereiche betreffen. Da kann es doch nicht reichen, immer nur zu sagen: Seid fest im Glauben.

 

Aber noch einmal: So etwas hört man zum Teil auch in christlichen Kirchen. Religiöse Veranstaltungen müssen keine Sozialarbeit ersetzen.                                                                                               Meine Frau und ich sind regelmäßig in Gottesdiensten. Auch in katholischen. Diese Kirche macht bestimmt nicht alles richtig, aber dort wird in den Predigten auch mal über gesellschaftliche Themen gesprochen. Es geht um mehr als das, was ich bei meinen Moscheebesuchen gehört habe.

 

Muss der deutsche Staat etwas tun?

Wenn wir besser verstehen wollen, was in Moscheen gepredigt wird, wäre eine Verpflichtung zur deutschen Sprache zu diskutieren. Das würde auch sicherstellen, dass die Imame einen Zugang zur Kultur des Landes haben, in dem sie sprechen.

 

Sie kennen Artikel 4 des Grundgesetzes?                                              Ja, der garantiert die Freiheit des Glaubens und der Religionsausübung. Ein hohes Gut. Die will ich wahrlich nicht abschaffen. Und ehe Sie jetzt damit kommen: Ich weiß, dass in der katholischen Kirche auch Messen auf Latein gelesen werden dürfen.

 

Also müsste die Initiative von den Muslimen selbst kommen?   Absolut. Letztendlich müssen die muslimischen Gemeinden hierzulande das selber in die Hand nehmen und entscheiden, wohin sie in religiösen Dingen wollen. Ich glaube, dass vor allem ein aufgeklärter Euro-Islam eine Chance ist, Brücken zu bauen und Vorurteile abzubauen. Ich bin auch ein großer Freund der Imam-Ausbildung bei uns im Land.

Sie haben nur 13 Moscheen besucht. Die meisten davon liegen in Berlin, es sind nicht alle wichtigen Glaubensrichtungen vertreten. Trotzdem heißt Ihr Buch "Inside Islam". Ist dieser Titel nicht anmaßend?                                                                                                 Er ist sicherlich etwas plakativ und reduziert. Aber wie soll ich mich denn einer Religion nähern, wenn nicht an dem Ort, an dem sie verkündet wird? Ich bin reingegangen in die Moscheen und war in dieser Hinsicht "inside". Und ich mache weiter. Auch in meiner neuen TV-Sendung "Moschee-Report".

Sie waren also in weiteren Moscheen.                                                    Ja, in fünf.

Gab es irgendeine positive Überraschung?                                           Ich würde so gern ein positives Beispiel anführen, eine Predigt, die Weltoffenheit ausstrahlt, eine Brücke baut zum Leben in Deutschland. Ich habe sie bisher nicht gefunden. Aber ich suche weiter.

Dieses Gespräch erschien zuerst in stern Nr. 13/2017.

(72)  2017-03-25 - Christoph Prantner sprach

                              mit der Urenkelin Nikita Chruschtschows  

Chruschtschowa:

"Europa darf sich nicht zerquetschen lassen"

Politologin sieht Wladimir Putin

als pragmatischen Spieler

STANDARD: Die EU ist destabilisiert wie selten zuvor. Gleichzeitig sehen wir einen US-Präsidenten von Putins Gnaden. Für eine "Regionalmacht", wie Barack Obama es formuliert hat, ist Russland derzeit ganz schön einflussreich, oder?

Chruschtschowa: In Präsident Obamas Außenpolitik gab es generell viel Wunschdenken. Wäre die Welt rational und alle ihre Akteure ebenso, hätte sein Ansatz funktioniert. Aber dem ist eben nicht so. Obamas Russland-Einschätzung illustriert dieses Fehlkalkül. Wladimir Putin hat sich dadurch in seiner Ehre gekränkt gefühlt und den USA gezeigt, wozu er imstande ist. Im Gegensatz zu Obama bewundert Donald Trump die autokratische Statur Putins. Diesen Führungsstil würde er gerne nachahmen. Zwischen diesen beiden Polen läuft es derzeit nicht besonders gut für Europa. Es muss aufpassen, dass es in diesem Sandwich nicht zerquetscht wird.

 

STANDARD: Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass Trump durch russische Geheimdienstinformationen erpressbar sein könnte?

Chruschtschowa: Ich bin mir sicher, dass sie alles über ihn haben. Wenn sie die Server der Demokraten im Wahlkampf gehackt haben, dann waren sie auch in jenen der Republikaner drinnen. Es war bisher vorteilhafter für die Russen, diese Informationen geheimzuhalten. Wenn es sich als besser erweist, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, werden sie auch das tun. Man kann ja bereits einen gewissen Wandel sehen: In Russland flaut die Trump-Begeisterung ab. Bisher gab es wenig Gespräche zwischen Washington und Moskau, es gibt auch keine Pläne für ein Treffen. Die Russen könnten wieder umschwenken und sagen: Na ja, es wird wieder so ein amerikanischer Idiot sein, der zuerst alles verspricht und dann nichts einhält. Es ist gut möglich, dass Russland sich in die Weltgemeinschaft der Trump-Jäger einreiht. Je schwächer er wird, und Trump wird schwächer, desto größer könnten die Gelüste in Moskau werden, ihn tatsächlich auch loszuwerden.

 

STANDARD: Was ist das langfristige Ziel Wladimir Putins?

Chruschtschowa: Er muss an der Macht bleiben, zumindest bis 2024. Denn wenn er aus dem Spiel ist, wird es schlecht für ihn enden. Das System ist mörderisch, er ist in Gefahr. Daneben ist die Großrussland-Idee tatsächlich sehr wichtig für ihn. Und, was sollte er denn auch sonst machen? Er kann nicht mehr zum Skifahren in die Schweiz. Ihm bleiben die Krim und Sotschi. Aber das ist ziemlich begrenzt für einen Mann, der an beinahe unbegrenzte Macht gewöhnt ist.

 

STANDARD: Wie soll Europa damit umgehen?

Chruschtschowa: Obama hat ein Land mit elf Zeitzonen und einem Nuklearwaffenarsenal heruntergemacht. Europa ist dieser Einschätzung gefolgt. Das ist schade. Denn es hätte eine großartige Möglichkeit gehabt, im amerikanisch-russischen Verhältnis zu vermitteln. Angela Merkel hat es versucht, aber die USA haben das bald beendet. Die Ukraine mag ein wichtiger Faktor für Europa sein, dennoch hätte es nicht so kommen müssen, dass Putin das Gefühl hat, umzingelt zu sein und gegen den Westen kämpfen zu müssen, statt mit ihm zu sprechen.

 

STANDARD: Wie lange wird die russische Bevölkerung noch bereit sein, unter den Sanktionen zu leiden?

Chruschtschowa: Sehr lange. Die Russen waren schon 2011 und 2012 nicht bereit für einen Regimewechsel. Wenn es jetzt einen Staatsstreich gibt, dann geht er nicht von den Bürgern aus, sondern von Einzelnen in der Entourage Putins, die sich schlecht behandelt oder bedroht fühlen. Seit 2013 gibt es in Teilen von Putins Gefolgschaft großen Missmut wegen der Krimgeschichte.

 

STANDARD: Gibt es jemanden, der sich als Gegner Putins profiliert?

Chruschtschowa: Nein, und wenn Ihnen jemand etwas anderes sagt, ist es gelogen. Man kann über das Militär spekulieren oder den KGB. Als es seinerzeit gegen Chruschtschow ging, wusste niemand, dass Breschnew als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen würde. Vor einiger Zeit hätte ich noch gesagt, Sergej Iwanow (der ehemalige Chef der russischen Präsidialverwaltung, Anm.) wäre jemand, der Wladimir Putin herausfordern will. Aber ich höre, dass er sich völlig zurückgezogen hat und nur noch sein Geld ausgeben will. Allerdings: Was macht er mit seinen Milliarden in Russland? Das gilt übrigens für viele dieser Oligarchen. Deshalb, denke ich, wird irgendwo etwas köcheln. Vielleicht verbünden sich sogar Hardliner und Liberale. Es kann aber auch sein, dass Putin 2018 wiedergewählt wird und 2024, als alter Mann, noch einmal.

 

STANDARD: Was würde das für Europa bedeuten?

Chruschtschowa: Wenn das so eintritt, heißt es: Lernt umzugehen mit ihm. Es gibt keine andere Möglichkeit. Es ist besser, ihn zum Partner zu haben als zum Feind.

 

STANDARD: Sollte Merkel die deutsche Wahl gewinnen, wie werden sich die europäisch-russischen Beziehungen dann entwickeln?

Chruschtschowa: Sie ist extrem pragmatisch. Von allen Staats- und Regierungschefs ist sie vermutlich die Einzige, die Putin respektiert. Sie kennt ihn, sie hat ihm den Baum aufgestellt. Derzeit versucht er alles, damit sie nicht wiedergewählt wird. Aber deshalb, weil er ein Spieler ist und jede sich bietende Gelegenheit beim Schopf packt. Aber er ist eben auch pragmatisch und arbeitet mit dem, was er vorfindet. Derzeit mögen sie einander nicht grün sein, aber das kann sich ändern.

ZUR PERSON: Nina Chruschtschowa (Jahrgang 1962) lehrt Internationale Politik an der New School in New York und ist Senior Fellow des World Policy Institute. Vergangenen Donnerstag sprach die Urenkelin Nikita Chruschtschows im Wiener Kreisky-Forum über das politische Comeback Russlands auf der Weltbühne. 

Der Standard, 24.3.2017/Images: standard.at

(71)  2017-01-30 -  Gespräch mit Mia Åkerblom aus Linz

1472 Prozent mehr Vergewaltigungen

Jetzt spricht eine Schwedin!

 

Schweden ist für Frauen das gefährlichste Land außerhalb Afrikas

geworden, mit einer Vergewaltigungshäufigkeit, die zehnmal höher liegt

als bei seinen europäischen Nachbarn.

 

David Goldman, Asia Times

So etwas hat es im Internet noch nie gegeben

 

Drei Migranten vergewaltigten stundenlang eine Schwedin. Und übertrugen die kranke, abartige und kriminelle Gruppenvergewaltigung live auf Facebook.

 

Wie konnte aus dem früheren Vorzeige-Staat Schweden das „Vergewaltigungs-Mekka“ der Gegenwart werden? Kommen die Entwicklungen zeitverzögert auch zu uns? Zu diesem Zweck hat der österreichische „Wochenblick“-Redakteur Philipp Fehrerberger ein ausführliches Gespräch mit der Linzer Gemeinderätin Mia Åkerblom geführt. Als Schwedin kennt sie die Lage vor Ort genau und berichtet über die Entwicklung des Landes in den letzten Jahrzehnten und persönliche Erlebnisse in ihrer Jugend. Sie nimmt außerdem ausführlich Stellung zu Integration und der zukünftigen Entwicklung in Europa.

 

Das renommierte Gatestone-Institut stellt dazu sogar fest: „40 Jahre nachdem das schwedische Parlament einstimmig beschloss, das vormals homogene Schweden in ein multikulturelles Land umzuwandeln, haben Gewaltverbrechen um 300 Prozent und Vergewaltigungen um 1472 Prozent zugenommen.“

Die Nachricht der abscheulichen Live-Vergewaltigung in Schweden geht in diesen Stunden um die Welt.

In Linz trafen wir dazu die in Schweden geborene Mia Åkerblom, die seit Jahren in Oberösterreich lebt. Sie sitzt seit Herbst 2015 im Linzer Gemeinderat

Live-Vergewaltigung könnte Nachahmungstäter finden

Wochenblick: Frau Åkerblom, was empfanden Sie, als Sie von der Tat hörten?

Åkerblom: Mich überkam Ekel und Abscheu.

Wochenblick: Ein bedauerlicher Einzelfall?

Åkerblom: Nein, leider nein. So gut wie jeden Monat gibt es Berichte über Vergewaltigungsfälle in Schweden, und ich muss mittlerweile sagen, dass es zum Alltag geworden ist. Die Dunkelziffer liegt natürlich weit höher. Dass ich das jetzt sage, tut mir sehr weh, weil es so nicht sein soll und es nicht sein kann, dass einer schuldlosen Frau so etwas angetan wurde.

Wochenblick: Aber Live-Vergewaltigungen auf Facebook sind neu?

Åkerblom: Es ist zwar das erste Mal, dass eine Vergewaltigung live auf Facebook gestreamt wurde, jedoch können ähnliche Fälle in Zukunft nicht ausgeschlossen werden. Andere irre Trittbrettfahrer könnten sich an dieser abscheulichen Tat ein Vorbild nehmen, auch in Österreich.

Wochenblick: Macht man als „normale“ schwedische Frau auch Erfahrungen mit dem schwedischen „Vergewaltigungsproblem“?

Åkerblom: In Schweden sind Vergewaltigungen durch Zuwanderer nichts Neues. Als ich etwa 12 Jahre alt war, wurde ein junges Mädel aus meiner Schule im Wald von einer Gruppe frisch zugewanderter „Schulkollegen“ vergewaltigt. Ein Einzelfall war das sicher nicht.

Wochenblick: Aber früher las man weniger von Vergewaltigungen in Europa?

Åkerblom: Vergewaltigungen und Übergriffe gegenüber Frauen sind nur das Symptom einer fehlerhaften Einwanderungs- und Integrationspolitik. Auch wenn es Verbreitungsmöglichkeiten über Socialmedia damals noch nicht gab, und solche Vorfälle durch Mainstream-Medien nicht oder nur spärlich publiziert wurden, waren es immer die „normalen Bürger“, die unter der verfehlten Politik zu leiden hatte.

(70)  2017-01-07 - Pressemitteilung in Interviewform: Andy Dittmar 

„Einmalige Mischung aus großer Vorfreude und riesigem Stolz!“

Höhepunkt 2017:

20. Gothaer Schloss-Meeting

 

Er kann’s einfach nicht lassen. Aber warum auch? Andy Dittmar ist noch immer fit wie ein Turnschuh, der zwar schon viele Jahre auf dem Buckel hat, aber in dieser Zeit bestens gepflegt wurde. Und vor allem hat er nach wie vor großen Spaß an dem Sport, dem er seit seiner Jugend frönt: Kugelstoßen. Deshalb startet der 42-Jährige am kommenden Samstag bei einem Meeting in Erfurt in die Hallensaison. Grund genug für ein Interview zum Auftakt des Jahres, dessen Höhepunkt ein besonderes Jubiläum werden soll. Doch der Reihe nach.

Andy, am kommenden Samstag geht’s wieder los. Deine wievielte Hallensaison nimmst Du dann eigentlich in Angriff?

Oh, so genau weiß ich das aus dem Stegreif gar nicht. Da muss ich kurz überlegen... Es müsste die 35. Hallensaison sein.

 

Da kommen sicher auch viele Medaillen und Titel zusammen.

Ja, in der Summe sind es aktuell 46 Landesmeistertitel, abwechselnd errungen in der Halle und unter freiem Himmel.

 

Am 22. Januar stehen die Thüringer Hallenmeisterschaften in Erfurt auf dem Programm. Bekommt die Titelsammlung dann weiteren Zuwachs?

Das hoffe ich sehr. Für mich ist es auch immer wieder eine große Motivation, meinen Titel zu verteidigen: im Idealfall natürlich mit einer starken Leistung.

 

Was wäre im Jahr 2017 eine gute Leistung für Dich?

Da mache ich im Vergleich zu den Vorjahren keine Abstriche: Wichtig ist die Zahl 18 vor dem Komma, das ist nach wie vor meine magische Grenze. Alles, was darüber hinausgeht, ist eine Zugabe!

 

In Deinem Kalender für die Hallensaison sind fürs Erste sechs nationale Wettkämpfe eingeplant, aber kein internationaler. Warum?

Das hat ganz pragmatische Gründe. Die Hallen-Weltmeisterschaften der Senioren finden in diesem Jahr in Daegu statt, also in Südkorea, das ist nicht gleich um die Ecke. Ein Start wäre mit sehr großem Aufwand verbunden, unter anderem müsste ich eine Woche Urlaub einplanen. Da muss ich einfach abwägen und meine Prioritäten ganz bewusst anders setzen.

Und, was hat Priorität für Dich im Jahr 2017?

Sportlich ganz klar das 20. Gothaer Schloss-Meeting am Samstag, 15. Juli 2017, im Rosengarten. Diesem Datum blicke ich mit einer einmaligen Mischung aus riesiger Vorfreude und großem Stolz entgegen. Das wird eine tolle Geschichte!

Einerseits freue ich mich auf das Wiedersehen mit vielen Wegbegleitern – wir planen ja eine Art sportliches Klassentreffen, die Vorbereitungen dafür sind schon angelaufen.

Andererseits bin ich sehr stolz auf das, was aus einer fixen Idee aus dem Jahr 1997 geworden ist, auf das, was hier in Gotha in den vergangenen 20 Jahren mit Unterstützung vieler aufgebaut werden konnte, und natürlich auch auf das Team, mit dem ich den Wettkampf Jahr für Jahr organisiere. Das ist wirklich top!

 

In diesem Sinne: Viel Glück und Erfolg für die Hallensaison und das Jahr 2017!

Wolfgang Gleichmar – Gothaer Schloss-Meeting

(69)  2016-12-18 - Streitgespräch mit Udo Ulfkotte

Medienkritiker Udo Ulfkotte:

"Die Journalisten kapieren

es einfach nicht"

 

Zu einem der schärfsten und polemischsten Medienkritiker hat sich der frühere "FAZ"-Redakteur Udo Ulfkotte entwickelt. Die Bücher des Politikwissenschaftlers sind Bestseller. In seinem soeben erschienenen Band "Volkspädagogen" lässt er kaum ein gutes Haar an der Branche. kress.de hat den 56-Jährigen zu seinen Thesen befragt. Ein Streitgespräch mit Frank Hauke-Steller:

kress.de: Woher kommt Ihr Selbsthass, Herr Ulfkotte?

Udo Ulfkotte: Alles, was politisch nicht korrekt ist und nicht zur Einheitsmeinung passt, wird pathologisiert. Schon Ihre Frage zeigt, dass Sie wohl auch eher zu den Anpassern und Mitschwimmern gehören. Ich habe keinen Selbsthass, ist bin ein ganz normaler, einfacher Medienkritiker.

 

kress.de: Sie waren lange Zeit etablierter Teil dieser Branche. Nun veröffentlichen Sie ein Buch nach dem anderen über die Verkommenheit des Journalismus. Hat das nichts mit Selbsthass zu tun?

Udo Ulfkotte: Würden Sie Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin und die vielen anderen, die ähnliche Bücher schreiben, das auch fragen? Jeder, der Missstände in Politik und Medien kritisiert, wird doch sofort hingerichtet - früher auf dem Marktplatz, heute in den Medien.

 

kress.de: Dann anders gefragt: Wie kam es zu diesem kritischen Blick auf den eigenen Berufsstand?

Udo Ulfkotte: Das begann schon 1988, als ich an der iranisch-irakischen Grenze Augenzeuge von Vergasungen iranischer Soldaten wurde. Mit deutschem Giftgas und unter amerikanischer Oberaufsicht haben Iraker Iraner vergast - und das hinterher in Bagdad gefeiert. Ich bin Jahrgang 1960 und habe in der Schule eingeimpft bekommen, dass Deutsche nie wieder Menschen vergasen dürfen. Und da stand ich nun und musste ohnmächtig vor Wut mit ansehen, dass es für unsere Medien - und ich war ein Teil davon - gute und böse Vergasungsaktionen gibt.

 

kress.de: Inwiefern?

Udo Ulfkotte: Das, was ich zur "FAZ" geschickt hatte, und das, was abgedruckt wurde, waren zwei Welten. Ich habe damals gelernt, dass dieses Vorgehen bei Medien "normal" ist. Ich habe weitergemacht, bis ich nicht mehr in den Spiegel schauen konnte. Übrigens bin ich inzwischen der einzige lebende deutsche Journalist, der offiziell als Senfgasopfer anerkannt ist.

 

kress.de: Das ist fast 30 Jahre her. Lassen Sie uns über heute sprechen: Sie werfen Ihren Kollegen vor, Volkspädagogen zu sein, Lobbyarbeit zu betreiben, unterstellen eine "klebrig-filzige Nähe zu Eliteorganisationen". Liest man Ihr Buch, ist der heutige Journalismus eine furchtbare Branche. Oder formuliere ich das zu zugespitzt?

Udo Ulfkotte: Nein, tun Sie nicht. Der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Krüger sieht das auch so, da bin ich nicht allein. Er ist kein Insider, kennt den redaktionellen Alltag in Leitmedien mit dem Druck von oben, den es da in Hinblick auf politisch korrekte Berichterstattung im Sinne bestimmter Eliten gibt, nicht aus eigener Anschauung. Und Krüger ist ganz sicher kein "Rechtspopulist" oder Selbsthasser, wie Sie sagen würden.

 

kress.de: Inzwischen kommt ja auch Selbstkritik aus den Leitmedien, die sich ein wenig mit Ihrem Kritikpunkt deckt, die Leser seien "noch nie so von oben herab behandelt" worden wie heute. Sind wir an einem Wendepunkt?

Udo Ulfkotte: Nein, die Chance haben wir verpasst. Wer in meiner Verwandtschaft noch Lokalzeitungen abonniert hat, der ist älter und liest sie nur noch wegen der Todesanzeigen und der Müllabfuhr. Diese Leser werden wegsterben.

 

kress.de: Ich meinte die Leitmedien...

Udo Ulfkotte: Deren Konsumenten finden sich und ihre Welt in den redaktionellen Texten nicht mehr wieder. Die Bürger haben doch längst entschieden. Sie sagen sich: Liebe Journalisten, ihr könnt euch keine neuen Kunden suchen, aber wir Bürger können uns neue Informationsquellen suchen, wo wir uns mit unseren Sorgen wiederfinden. Sie sehen das doch am Niedergang der Auflagen. Aber die Journalisten kapieren es einfach nicht.

kress.de: In Ihrem Buch gehen Sie noch einen Schritt weiter: "Jedem Bürger sollte klar sein, dass Meinungs- und Pressefreiheit nur noch auf dem Papier bestehen", schreiben Sie. Aber Sie können doch Ihre Meinung ausführlich in einem Buch darstellen. Wie passt das zusammen?

Udo Ulfkotte: Na, dann fragen Sie mal meine Frau, wie viele Hausdurchsuchungen und Gerichtsverfahren ich schon hatte. Weil ich Dinge geschrieben habe, die politisch nicht korrekt waren. Ich kann mich übrigens an nicht einen Journalisten erinnern, der je darüber berichtet hätte, dass die Verfahren eingestellt wurden. Auch die Journalistenverbände, in denen ich früher noch Mitglied war, haben politisch korrekt weggeschaut. Das fing 2004 an. Angeblich hatte ich Geheimnisse verraten. Es ist eine reine Frage der Zeit, wann ich auch mal wegen Volksverhetzung angeklagt werde, sagen meine Anwälte. So wie bei Thilo Sarrazin und anderen gehört das heute dazu, um einen Kritiker der politischen Korrektheit fertigzumachen.

 

kress.de: Sie sprechen in Ihrem Buch auch von "Zensur". Verharmlost das nicht die Zustände in Ländern wie Kuba oder Weißrussland, in denen tatsächlich Zensur herrscht?

Udo Ulfkotte: Wie nennen Sie es denn, wenn Länder-Polizeien Vorgaben bekommen, etwa über Flüchtlingskriminalität möglichst nicht zu berichten? Das sind klare Zensurvorgaben. Denken Sie bei diesem Thema auch an Silvester in Köln und die Zensurmaßnahmen. Es ist widerlich - wie in einer Bananenrepublik! Und wie nennen Sie es, wenn unsere geliebte Führerin seit 2008 regelmäßig die Chefredakteure der großen Leitmedien im Kanzleramt zum Rapport bestellt...

 

kress.de: Das ist ein Meinungsaustausch.

Udo Ulfkotte: Ist es nicht. Denn Merkel gibt vor, worüber die Journalisten im Staatsinteresse nicht berichten sollen. Oder dass sie den Euro schönzuschreiben haben. Jakob Augstein und andere haben das publik gemacht. Das wird in Nordkorea nicht anders sein. Und wer sich hier nicht daran hält, der wird zwar nicht erschossen, aber vom Informationsfluss abgeschnitten. Selbst der grüne Oberbürgermeister Boris Palmer spricht inzwischen von "Zensur" und "Orwellscher Sprachkontrolle" in Deutschland. Er meint wohl die von Zensurminister Heiko Maas unterstützte Stasi-Truppe, die bei Facebook aktiv ist. Was glauben Sie denn, woher es kommt, dass drei Viertel der Bürger Angst davor haben, ihre Meinung noch frei zu äußern?

 

kress.de: Zurück zum Zensur-Vorwurf. Sie behaupten, die "Organisation Werbungstreibende im Markenverband" fordere von Medien ein politisch korrektes Umfeld, sonst würden diese von den großen Unternehmen keine Anzeigen erhalten. Können Sie das belegen?

Udo Ulfkotte: Das hat das Branchenmagazin "Horizont" im August 2016 berichtet. Ich habe das auch als Quelle angegeben. Und ich nenne das subjektiv Zensur. Dabei bleibe ich.

 

kress.de: Auch "Spiegel" und "Focus" würden ihre Berichterstattung von Anzeigenkunden beeinflussen lassen, schreiben Sie. Ein harter Vorwurf gegen die Unabhängigkeit unserer Nachrichtenmagazine. Wie kommen Sie darauf?

Udo Ulfkotte: Ich zitiere in "Volkspädagogen" ausführlich aus einer wissenschaftlichen Studie über die Synchronisation von Werbung und Nachricht. Und da sind nun mal auch "Spiegel" und "Focus" mit ausgewertet worden. Sagen wir mal so: Die kommen da eher weniger gut weg.

 

kress.de: Als ein Beispiel für Manipulationen nennen Sie Berichte über Flüchtlinge, die "Tag für Tag" Geld finden und es bei der Polizei abgeben. Die Leser sollten so "auf den Massenansturm von noch mehr Migranten eingestimmt werden". Unterstellen Sie, dass diese Geschichten fingiert sind?

Udo Ulfkotte: Ich weiß nicht, ob Teile dieser tränenrührenden Geschichten erfunden sind. Aber es ist ein klassischer Propaganda- und Desinformationstrick. Auf der einen Seite gibt es, was ja inzwischen keiner mehr bestreitet, Anweisungen aus den Reihen deutscher Sicherheitsbehörden, möglichst nicht über Kriminalität und die Schattenseiten der unkontrollierten Massenzuwanderung zu berichten. Ich werte andererseits gerade für 2016 die offen zugänglichen Polizeiberichte über sexuellen Missbrauch und Vergewaltigungen von Frauen und Kindern aus, bei denen die Tatverdächtigen laut Fahndung "Südländer", "Ausländer", "Flüchtlinge", "arabischen Typs" oder "Dunkelhäutige" sind. Und ich sammle wirklich nur die Fälle, die in keiner Zeitung erwähnt wurden. Ich habe das Gefühl, dass ich eine mehrbändige Enzyklopädie erarbeite, so viele Fälle sind das. Und von keinem einzigen haben die Menschen da draußen je etwas gehört. Und dann sehe ich andererseits diese Berichte über die lieben potentiellen Herzchirurgen, Raketeningenieure und Chemielaboranten, die ständig Geld finden und brav abliefern. Sorry, aber da fühle ich mich einfach nur noch veräppelt.

 

kress.de: Nichts tue Journalisten so gut wie das Gefühl, gegen Rechts zu kämpfen, kritisieren Sie. Was ist denn daran verwerflich? Ist es nicht vielmehr löblich, wenn sich Medien gegen eine menschenverachtende Ideologie stellen und Haltung zeigen?

Udo Ulfkotte: Was ist denn heute rechts? Wenn ich früher neben Helmut Kohl gesessen habe und er erzählt hat, warum er den Zuzug von Ausländern extrem begrenzen will, dann wäre das aus heutiger Sicht schon "rechts". Und lesen Sie mal, was Angela Merkel auf früheren Parteitagen zur gleichen Thematik gesagt hat - heute würde sie dafür in die Nähe der "Volksverhetzung" gerückt. Heute ist alles "rechts", was den Zielen der herrschenden Elite widerspricht. Die Mehrheit der Deutschen wollte den Euro nicht. Politik und Medien haben die neue Weichwährung trotzdem gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt. Und wer das kritisiert, ist "rechts".

 

kress.de: Ausführlich stellen Sie in Ihrem Buch fehlerhafte Berichterstattung dar, wenn es um Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Flüchtlingen geht. Obwohl die Aggression von Flüchtlingen ausgegangen sei, sei die Polizei in Medien schlecht weggekommen. Aber passieren nicht überall Fehler? Ist es wirklich fair, aus solchen Einzelfällen auf eine gesamte Branche zu schließen?

Udo Ulfkotte: Ich sage es mal anders: Lesen Sie doch bitte das Buch "Notruf einer Polizistin" der politisch unverdächtigen griechischstämmigen Tania Kambouri. Und lesen Sie vom Chef der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, "Deutschland in Gefahr". Ich kann hundert weitere nennen, die Ihnen bestätigen werden, dass deutsche Journalisten systematisch nach dem Muster "Guter Asylant - Böser Polizist" arbeiten.

 

kress.de: Sie greifen die Leitmedien pauschal und auch polemisch an. Andererseits beklagen Sie, dass diese jede Werbung für Ihr Buch oder andere Werke des Kopp-Verlages ablehnen. Ist das nicht ein wenig heuchlerisch? So wie es in den Wald hineinschallt, schallt es eben auch wieder heraus...

Udo Ulfkotte: Um Himmels Willen. Ich beklage mich doch nicht darüber, dass Leitmedien keine bezahlten Werbeanzeigen von mir oder meinem Verlag wollen. Ich erwähne das nur, weil es immer wieder Leser gibt, die gute Ideen für bezahlte Werbung außerhalb der klassischen Medien haben. Und ich erwähne es, weil die letzten Bücher, für die ja auch nicht geworben werden durfte, alle auf die "Spiegel"-Bestsellerliste kamen. Da müsste einem halbwegs intelligenten Journalisten doch irgendwann mal ein Licht aufgehen, dass er sich in einer Sackgasse befindet.

 

Hintergrund: Udo Ulfkotte, Volkspädagogen; Kopp-Verlag, gebunden, 272 Seiten, ISBN: 9783864453885, Preis: 19,95 Euro

Di                  19.09.2017 

Nr.             2.522 - 1.219

Sollte es in diesen Tagen zu Unregelmäßigkeiten bei der Aktualisierung der Website kommen, bitte ich um Entschuldigung. Webmaster und Internet Provider primacom führen einen Vertragsstreit!

BJM

Aktualisierung        11:05

Übrigens,

 

… der Abschuss eines Wisents, eine europäische Art des Bisons (rechts), in Brandenburg am 13. September schlägt immer höhere Wellen. Der aus Polen stammende 900-kg-Bulle wurde nahe des Städtchens Lebus auf Anweisung des Ordnungsamtes abgeknallt. Ein Tierarzt mit einem Betäubungsgewehr sei vor Einbruch der Dunkelheit nicht aufzutreiben gewesen, hieß es. "Deutschland – kein Land für Wisente", titelte die regierungsnahe Zeitung Gazeta Polska Codzienna vorwurfsvoll. Nun kann den Deutschen der Schwarze Peter in Sachen Naturschutz zugeschoben werden. "Deutsche Logik – den geschützten Wisent abschießen, aber die Borkenkäfer in unserem Urwald schützen" so eine von vielen Twitter-Meldungen. Es ist der alte Vorwurf östlich der Oder, dass man in Deutschland Polen gern belehre, sich selbst jedoch mehr Freiheiten herausnehme.

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 16.09.2017

21    26    27   31    35   47    SZ: 9

Spiel 77:  4741 600

 

Super 6: 169 673 

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

2035 (2017-09-19) 

Bernd Jürgen Morchutt

 

Im Süden der Insel Rügen direkt

an der Deutschen Alleenstraße

Putbus - die ehemalige Fürstenresidenz

Name kommt vom slawischen epod boz - hinter dem Holunderbusch

BREAKING NEWS

Stand: 19.09.2017 - 11.05 Uhr

 

International

 

Der frühere Wahlkampfmanager von US-Präsident Donald Trump, Paul Manafort, ist laut einem CNN-Bericht während des Wahlkampfs bis nach dem Urnengang heimlich von den Behörden abgehört worden. Manaforts Gespräche seien auf Grundlage einer geheimen Gerichtsanordnung bis mindestens Anfang dieses Jahres mitgeschnitten worden.Unter Berufung auf drei Quellen berichtete CNN, die abgehörten Gespräche hätten bei den Ermittlern den Verdacht genährt, dass Manafort Russland ermutigt habe, zugunsten von Trump in den Wahlkampf einzugreifen. Zwei der Quellen gaben demnach allerdings an, dass die Beweise nicht ausreichend gewesen seien.

 

Spanien weist den nordkoreanischen Botschafter aus. Wegen der wiederholten Weigerung des asiatischen Landes, sein Atomwaffenprogramm aufzugeben, müsse der Diplomat Spanien bis Ende des Monats verlassen, erklärte das spanische Außenministerium am Montag. Der Botschafter sei einbestellt und zur persona non grata erklärt worden.

 

Mitten in der Nordkorea-Krise haben Russland und China sowie die USA und Südkorea am Montag Militärmanöver in der Nähe des isolierten Landes gestartet.

 

Deutschland/Berlin

 

Als Angela Merkel am Montag am Rednerpult steht, im badischen Offenburg, da geht es nicht um das, was sie sagt. Es geht um das, was sie nicht sagt. Das weiß auch der Jubilar in der ersten Reihe. Wolfgang Schäuble ist gerade 75 geworden, er scheint das Brimborium um ihn zu genießen, selbst die Blasmusik, die seine CDU für ihn spielen lässt. Seit 45 Jahren sitzt er im Bundestag, ist damit nicht nur der dienstälteste CDUler, sondern auch der längstdienende Mandatar der Geschichte; und immer ist er per Direktmandat gewählt worden. Letztes Mal waren es 56 Prozent in Offenburg, wo er herkommt, wo gefeiert wird. Dass es am Sonntag ebenso viele sein werden, gilt als ausgemacht. Und dass er weitermachen will als Finanzminister, trotz der vielen Jahre in Spitzenämtern, daran lässt er selbst keinen Zweifel. Nur: Ob er noch darf, ist die Frage.


Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat das türkische Außenministerium den deutschen Botschafter einbestellt. Erst am Samstag hatte Martin Erdmann im Außenministerium in Ankara antreten müssen, weil die Türkei sich über eine Kurdendemonstration in Köln beschwert hatte.

 

Sport

 

Fussball

 

Am Tag vor dem Bundesliga-Schlager gegen Schalke hat Bayern München einen Rückschlag verdauen müssen. So verletzte sich Tormann Manuel Neuer im geheimen Abschlusstraining am Montag erneut am linken Fuß, nach Informationen der "Bild"-Zeitung droht dem Kapitän wieder eine Operation und damit eine mehrmonatige Pause. Neuer hatte erst vor drei Wochen in Bremen sein Bundesliga-Comeback gefeiert. 

 

Rad-WM in Bergen/Norwegen

 

Das deutsche Team Sunweb um Giro-Sieger Tom Dumoulin hat am Sonntag bei der Radstraßen-WM im norwegischen Bergen überraschend Gold geholt. Völlig unerwartet wurden die wesentlich höher eingeschätzten Teams wie Sky, BMC Racing und Titelverteidiger Quick-Step Floors geschlagen.

 

Sonntag: Herren, Teamzeitfahren (42,5 km): 1. Sunweb (GER/Tom Dumoulin, Lennard Kämna, Wilco Kelderman, Sören Andersen, Michael Matthews, Sam Oomen) 47:50,42 Min. – 2. BMC (USA/Rohan Dennis, Silvan Dillier, Stefan Küng, Daniel Oss, Miles Scotson, Tejay van Garderen) + 8,29 Sek. – 3. Sky (GBR/Owain Doull, Chris Froome, Wasil Kirijenka, Michal Kwiatkowski, Gianni Moscon, Geraint Thomas) 22,35. 

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