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INTERVIEW-LOUNGE

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(79)  2017-06-18 Stefan Kaltenbrunner sprach mit Imad Karim 

"Wir befinden uns mitten in der islamischen Inquisitions­zeit"

 

Deutschland entwickelt sich zum besten

islamischen Land der Welt

Der deutsch-libanesische Regisseur Imad Karim gilt als einer der umstrittensten Islam-Kritiker. Im Interview spricht er über das Versagen der arabischen Gesellschaft, über den politischen Islam, und warum er gegen Einwanderung ist.

 

KURIER: Es gibt im Internet ein Video, das den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Nasser zeigt, der vor Parteikollegen eine Rede hält, in der er launig erzählt, dass der Chef der Muslimbrüder tatsächlich von ihm verlangt hätte, dass Frauen dazu verpflichtet werden ein Kopftuch zu tragen. Alle Beteiligten im Saal fanden das sehr lustig.

Karim: Ich kenne das Video, das war Ende der Fünfzigerjahre. Ein Kopftuchzwang war damals völlig illusorisch.

 

Heute gibt es kaum mehr ein islamisches Land, in dem Frauen kein Kopftuch mehr tragen, was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in der arabischen Welt verändert?

Man hat bis in die Achtzigerjahre in vielen arabischen Ländern geglaubt, dass man mit demokratischen und säkularen Mitteln die Gesellschaft verändern könnte. Aber diese Kräfte haben völlig versagt.

Was waren die Gründe dafür?

Der Kalte Krieg. Der Westen war nicht bereit, die dortigen demokratischen und säkularen Kräfte zu unterstützen. Man hatte Angst, dass sie sozialistische Regime errichten wollen, wichtige Ressourcen und Bodenschätze verstaatlichen und sich außenpolitisch dem kommunistischen Ostblock anschließen. Deshalb bekämpften sie die Progressiven und unterstützten die Religiösen. Dann wurde 1979 der Schah durch Chomeini gestürzt, im Iran wurde eine Islamische Republik ausgerufen. Als Antwort darauf hat die sunnitische Mehrheit, unterstützt von Saudi-Arabien und den Golfstaaten, eine Richtungsänderung eingeleitet. Das heißt, die strenggläubigen und konservativen Kräfte haben als Antwort auf den Iran immer mehr Macht bekommen, liberale Strömungen wurden zurückgedrängt.

Waren die säkularen Kräfte zu schwach, um hier entgegenzuhalten?

Sie haben geglaubt, dass das nur eine vorübergehende Erscheinung ist, über vollverschleierte Frauen hat man sich in der Zeit zwischen 1978 und 1988 lustig gemacht. Später wurde das öffentliche Belächeln des Kopftuches zu einer Lebensgefahr. Bis dahin haben sich die meisten so verhalten, wie sich jetzt die Mehrheitsgesellschaft in Österreich und Deutschland verhält. Sie haben aus einer Selbstsicherheit heraus - man möge meinen auch aus Arroganz oder Ignoranz - geglaubt, dass das nicht von Dauer sein kann, dass man die Zeit nicht zurückdrehen kann. Sie haben sich alle geirrt. Sie haben sich blutig geirrt.

Gegenwärtig treten die Probleme mit großer Vehemenz zu Tage, wie zum Beispiel der Krieg in Syrien, im Irak, im Jemen, die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.

Wir befinden uns mitten in der islamischen Inquisitionszeit, im Grunde ist der nie unterbrochene Religionskrieg zwischen Sunniten und Schiiten, aber auch unter den Sunniten selbst, wieder sichtbarer geworden. Es geht um die Deutungshoheit, und diese bestimmt die kommende Dialektik der Geschichte. Das kann und will der Westen nicht begreifen.

Also hat der Westen maßgeblich Mitschuld an der Situation im Nahen Osten.

Ja, aber die größte Schuld liegt an uns Arabern selbst. Wir haben nie gelernt, uns von den alten, verkrusteten, religiösen Vorstellungen zu befreien. Die Fähigkeit der Selbstreflektion ist eine Mangelerscheinung in unseren Gesellschaften. Und natürlich macht jede Einmischung des Westens es nur noch schlimmer. Der Westen soll sich einfach aus dieser Region raushalten und sagen: 'Ihr müsst mit euren Problemen selbst klarkommen'. Länder wie Thailand, die Philippinen oder Burma haben ihre Krisen auch selbst gelöst. Fakt ist, kein Einsatz des Westens, sei es im Irak oder in Afghanistan, hat diesen Ländern den Frieden gebracht. Ganz im Gegenteil.

Aber das ist doch naiv zu glauben, dass der Westen oder Russland sich komplett aus dem Nahen Osten zurückziehen, hier gibt es doch viel zu viele Eigeninteressen. Allein der Waffendeal von Trump mit Saudi-Arabien über 110 Milliarden Dollar ist genau das Gegenteil davon, was Sie fordern.

Der Westen hat nicht begriffen, dass jede Einmischung nur noch mehr Zerstörung bringt. Jede Einmischung betrifft auch das Innenleben der Gesellschaft hier im Westen, wir verlieren an Lebensqualität, an Freiheit und an Sicherheit. Es flüchten immer mehr Menschen, die wir nicht integrieren können und müssen. Warum sollen wir hier Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis, die bereits in ihren Ländern sozialisiert sind, in Europa „re-sozialisieren“ um sie für die Integration fit zu machen? Was ist das für eine Anmaßung?

Das klingt von einem Araber, der selbst nach Europa ausgewandert ist, ziemlich hart.

Ich lebe seit 40 Jahren in diesem Land, ich sah Deutschland von Anfang an als meine Heimat und als Heimat meiner Werte, weil ich bereits „integriert“ ankam. Von meiner „Sorte“ gibt es viele, und dennoch sind wir eine Minderheit in unserem Kulturkreis. Das ist ein Fakt! Dieses Deutschland, die Heimat meiner Werte, möchte ich mit allen rechtsstaatlichen Mitteln verteidigen. Ich widerspreche den Eliten, die mir „Fremdenliebe“ auf Rezept verschreiben wollen. Das sind dieselben Akteure, die mir ihren Humanitätsbegriff verordnen. Das ist die gleiche Elite, die mit Saudi-Arabien Waffengeschäfte in Milliardenhöhe macht, aber mir vorschreiben möchte, dass ich Millionen fremde Menschen mit ihrem archaischen, menschen-, frauen-, und homosexuellenverachtenden Weltbild als neue Nachbarn akzeptieren, und die von vielen von ihnen begangenen täglichen An- und Übergriffe tolerieren soll. Gibt es noch etwas Absurderes als das?

 

Wenn man Ihnen so zuhört, könnte das auch auf einer Parteitagsrede der FPÖ oder AFD gesagt werden, sie sprechen wie die Rechtspopulisten. Zusammenfassend: Sie lehnen diese Einwanderungswelle komplett ab.

Was heute „rechts“ oder „populistisch“ ist, entscheidet nicht mehr der Duden, sondern eine Machtelite, die auch die Sprache vereinnahmt hat. Und ja, ich bin für eine strikt kontrollierte Einwanderung nach dem australischen bzw. kanadischen Modell. Hält dieses Migrationschaos an, werden wir verlieren.

Aber Sie übertreiben und polemisieren doch maßlos. In Österreich ist zum Beispiel die Kriminalitätsrate trotz der Flüchtlingswelle nicht wirklich signifikant gestiegen.

Das stimmt einfach nicht, es gibt mehr Übergriffe auf Frauen, es gibt mehr Gewalt, ich kenne die Berichte des BKA. Menschen sind doch immer das Produkt der Gesellschaft, aus der sie stammen. Und Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass Menschen aus Syrien und dem Irak, die seit Jahren nur mehr Chaos und Gewalt kennen und die es nur mit menschenverachtenden Fanatikern zu tun haben, nicht einen anderen Zugang zu Gewalt haben?

Was würden Sie also mit den Flüchtlingen tun? Alle wieder zurückschicken?

Ich bin für die Remigration, ich bin dafür, dass die Menschen wieder in ihre Heimatländer zurückgebracht werden.

Aber das ist doch illusorisch.

Aber wir müssen damit anfangen, wir müssen sofort die Grenzen schließen, heute wollen 70 Millionen Menschen nach Europa. Wenn Sie den Nachrückern die gleichen Rechte verweigern, die Sie den bereits hier aufgenommenen 2,5 Millionen zugestanden haben, handeln Sie ungerecht. Oder wollen Sie die alle aufnehmen? Oder möchten sie am besten diese Menschen aus ihren Heimatländern abholen, damit Sie täglich Tragödien im Mittelmeer verhindern? Und wenn ja, wie viele sollen ins westliche Paradies befördert werden? Es gibt natürlich viele Gründe, warum Menschen ihre Heimat verlassen. Was uns als Araber betrifft, sage ich, dass wir trotz der im Laufe der letzten 70 Jahre hineingeflossenen Billionen von Petrodollars versagt haben, eine moderne Gesellschaft aufzubauen. Verantwortlich hierfür sind nur wir allein!

Aber gestehen Sie den Menschen nicht zu, dass sie für sich und ihre Familien alles unternehmen, um sich ihre Lebenssituation zu verbessern?

Ich wäre ein Narr und ein Selbstleugner, wenn ich den Menschen nicht das Recht zuordnen würde, dass sie sich ihr Leben verbessern. Völkerwanderung ist ein integraler Bestandteil unserer Zivilisationen, aber sie zu begrenzen oder/und zu steuern ist ebenfalls ein integraler Bestandteil unserer Zivilisationen. Und wer das ignoriert, riskiert, dass Hochkulturen womöglich untergehen könnten. Diese Gefahr der Selbstabschaffung sehe ich heute im Westen. Ich habe das Gefühl, die Deutschen möchten ihre Großeltern noch einmal ausgraben, um sie kollektiv für die Verbrechen im Zweiten Weltkrieg verurteilen zu können. Diese Selbstgeißelungshaltung nützt weder der Mehrheitsgesellschaft, noch den Neuankömmlingen.

Wir reden von überwiegend muslimischen Migranten, gehört der Islam zu Europa?

Nein, der Islam gehört nicht zu Europa. Aber Muslime, die sich zu unserer Verfassung bekennen, gehören zu Europa. Aber all jene, die von einem europäischen Islam sprechen, liegen falsch. Auch Bassam Tibi, der das vor Jahren forderte, hat das mittlerweile revidiert. Er sagt, er hätte sich geirrt, da sich nicht der liberale, sondern der gewaltverherrlichende Islam in Europa durchgesetzt hat. Und Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass wir im heutigen medialen Zeitalter die Muslime in Europa als singulär betrachten können, das ist naiv. Jeder weiß, dass Menschen, die auswandern, in der Fremde viel mehr an Traditionen festhalten als zuhause.

Das heißt, die Menschen werden gerade hier im freien Westen religiöser?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel, ich kenne ja viele Araber hier in Deutschland. In den Achtzigerjahren waren die westlich gekleidet, sie hatten Kontakt zu ihren Nachbarn, die Kinder spielten gemeinsam, am Wochenende wurde gemeinsam gegrillt. Heute gehen sie in die Moschee, ihre Frauen tragen Kopftücher.

Was ist da passiert, hat man diese Leute alleingelassen, das klingt nach Versagen der Integration.

Die Probleme sind in der Religion angesiedelt. So wie wir Muslime sozialisiert wurden, sind wir alle tickende Zeitbomben. Meine Eltern im Libanon waren nicht gläubig, aber wenn wir andere Familienangehörige zu Festen besuchten, wurde dort gebetet. Und wissen Sie, was wir gebetet haben? Gott verfluche die Juden, Gott verfluche die Christen. Das steckt in unseren Köpfen von Kindesbeinen, ich kenne hier Araber in Deutschland, die dieselben Gebete in ihren Häusern beten und nicht nur in ihren Häusern.

Aber das westliche Lebensmodell bietet doch Freiheiten, die in den Herkunftsländern nicht einmal ansatzweise vorhanden ist.

Das westliche Lebensmodell ist heute viel labiler als vor 20 oder 30 Jahren. Das Gendermainstreaming und andere ideologisch forcierten Vielfaltmodelle überfordern viele Menschen. Die heutige Liberalität unserer Gesellschaft erschwert den Muslimen, aber auch allen anderen religiös behafteten Menschen die aktive Integration. Die Neuankömmlinge sind quasi kulturell geschockt, wenn das Kind daheim erzählt, dass heute in der Schule gelernt wurde, wie man ein Kondom überzieht. Das versteht nicht einmal ein gläubiger Christ.

Also eine Rückkehr zur Religiosität durch Überforderung?

Absolut, sie scheitern an der liberalen Gesellschaft, sie haben nie gelernt für sich selbst zu bestimmen, und wenn, dann müssen sie den Koran als Grundlage verwenden. Diese Menschen brauchen Halt und den finden sie im Koran. Wir unterstützen sie dabei und bemerken nicht, dass wir eine auf Isolation gerichtete Minderheit fördern, die, wenn nicht morgen, dann übermorgen die Mehrheit bilden könnte. Und dann, was ist mit uns liberal denkenden Menschen? Haben wir bis dahin eine Existenzberechtigung?

Aber es gibt doch genug muslimische Mitbürger, die das Gegenteil beweisen.

Die Menschen, die derzeit nach Europa kommen, tragen ein kulturelles Erbe mit sich, das mit dem westlichen Lebensstil nicht kompatibel ist. Es gibt in Deutschland auch andere Kulturen, wie die der Asiaten. Hier sieht es völlig anders aus. Sie sind bereit, sich hier zu integrieren, es gibt keine Probleme. Wenn Leute aus einer muslimischen Familienstruktur ausbrechen wollen, werden sie verstoßen. Und wenn in ihrem muslimisch dominierten Stadtteil ihre Nachbarn wieder strenge Muslime werden, dann haben sie keine anderen Alternativen als auch in die Moschee zu gehen und ihrer Frau zu sagen, dass sie jetzt ein Kopftuch tragen muss.

Aber wir haben in Österreich und Deutschland mit wenigen Ausnahmen keine wirklichen muslimischen Viertel, wie zum Beispiel in Frankreich oder England.

Ich kann Ihnen in Deutschland mittlerweile 100 No-Go-Areas nennen. Deutschland entwickelt sich zum besten islamischen Land der Welt. Hier kann der muslimische Vater verlangen, dass in der Schulkantine kein Schweinefleisch serviert wird oder er kann bewirken, dass Kreuze im Krankenhauszimmer abgehängt werden.

Also, das ist Ihnen alles zu tolerant?

Sie können mir gegenüber aufrichtig tolerant sein, wenn Sie ein gesundes Verhältnis zum eigenen Ich haben und nicht aus einem Schuldgefühl handeln. Solche Toleranzformen haben ein geringe Halbwertzeit.

Es ist unbestritten, dass man bei der Integration viele Fehler gemacht hat, aber was sollte man in Zukunft anders machen?

Wir sollten in Deutschland Grundgesetz Artikel 4 neu definieren. Darin wird die uneingeschränkte Religionsfreiheit gewährleistet. Diese Freiheit heißt aber auch, dass man die Weltanschauung von Agnostikern respektiert. Ich will zum Beispiel nicht, dass Muslime auf der Straße offen beten. Wenn wir das Grundgesetz richtig interpretieren, können wir von den Muslimen verlangen, dass der politische Islam den öffentlichen Raum nicht einnehmen darf. Das muss in der Verfassung neu definiert werden. Verschieben wir diese Entscheidung, wird jedes Jahr schwieriger.

Also, Kopftuchverbot im öffentlichen Raum, Moscheen kontrollieren, islamistische Strömungen verbieten etc.?

Ja, aber das reicht noch lange nicht aus. Und ich unterscheide nicht zwischen Muslime und Islamisten, es gibt nur einen Islam. Der Begriff Islamismus wurde vom Westen erfunden, ich kann den Islam streng oder light auslegen. Der Islam war nie friedlich, im Islam ist Gewalt immer positiv besetzt. Dafür sprechen die Erfahrungswerte der islamischen (Eroberungs-)Geschichte.

Jetzt scheren Sie schon wieder alle Muslime über einen Kamm und pauschalieren.

In den Muslimen keimt immer der Wunsch, die Welt zu islamisieren. Nur Kulturmuslime, die ihre Religion nicht praktizieren, sind von meiner Aussage ausgenommen. Alle anderen folgen früher oder später dieser Maxime, sobald sich die objektiven Möglichkeiten ergeben.

Hier bieten sich Vergleiche mit dem Christentum an, hier wurde auch missioniert, mit Abermillionen Toten.

Ja, aber das war vor 300 Jahren, der Islam hinkt Jahrhunderte nach. Die Muslime von heute sind die Christen vom 17. und 18 Jahrhundert. Wenn ich heute ein Bild von Mohammad male, egal ob negativ oder positiv, erklären mich Hundertmillionen Muslime zum Feind ihrer Religion. Wo wollen sie Vergleiche ziehen?

Aber gibt es nicht auch positive Entwicklungen, wenn man Ihnen zuhört, klingt das alles sehr pessimistisch.

Pessimist? Nein, eher Realist. Ja, ich habe leider wenig Hoffnung. Wir werden diese Phase im Nahen Osten noch lange haben, vielleicht mehr als 50 Jahre - den blutigen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten, aber auch zwischen Muslimen und Nichtmuslimen.

Sie sind ein erfolgreicher Regisseur, warum lehnen Sie sich mit Ihrer Islamkritik so weit aus dem Fenster?

Ich hoffe, das war gerade keine Drohung (lacht). Nein im Ernst, wir Migranten begreifen eine gelungene Integration als Bekenntnis zu diesem Kulturkreis und seinen Werten. Wir müssen aufstehen und sagen, „hört auf, auf diesem Land herumzutrampeln, und fangt endlich an, eure Werte zu verteidigen“. Mit meiner Kritik erfülle ich meine zivilisatorische Aufgabe. Das schulde ich Deutschland, der Freiheit und den kommenden Generationen.

 

 


Zur Person: Imad Karim


Imad Karim ist ein libanesisch-deutscher Regisseur, Drehbuchautor und Fernsehjournalist. Seine Filme wurden in den Fernsehanstalten ARD, ZDF, WDR, hr, BR, MDR, ORB, SR, SWR, NDR, 3Sat, Phoenix ausgestrahlt. Er gehörte verschiedenen Filmjurys an und ist selber Träger verschiedener Fernsehpreise. Seine Islamkritik brachte ihm viele Vorwürfe ein, so wird ihm immer wieder die Nähe zur AfD vorgeworfen, die er aber vehement abstreitet. Er selbst bezeichnet sich als Agnostiker.

 

(Kurier) Erstellt am 16.06.2017​

(78)  2017-06-15 Oliver Stone sprach mit Wladimir Putin 

Heißer Krieg zwischen USA

und Russland?

Putin: „Niemand

würde überleben“

 

William Oliver Stone (* 15. September 1946 in New York City) ist ein US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, der vor allem für politische Filme bekannt ist. Er wurde dreimal mit dem Oscar ausgezeichnet.

Oliver Stone: „Ich sehe meine Filme vor allem als Dramen über Individuen in persönlichen Kämpfen, und ich sehe mich selber zuerst als Dramatiker, dann erst als politischen Filmemacher. Mich interessieren verschiedene Blickpunkte. Im Endeffekt sind die Probleme des Planeten universell, und Nationalismus ist eine sehr destruktive Kraft. Und ich mag Anarchie in Filmen. Meine Helden waren Buñuel und Godard. Außer Atem war einer der ersten Filme, bei denen ich mich erinnere, dass sie mich wirklich prägten, wegen seines Tempos und seiner Energie. Man sagt, meine Mittel seien nicht subtil. Aber das ist zuallererst, was wir brauchen: ein Kino, das uns wachrüttelt, unsere Nerven und unser Herz.“ Wikipedia

NATO, Snowden und ein Krieg zwischen den USA und Russland: Was hat der Präsident des größten Landes der Welt zu diesen Themen zu sagen? US-Regisseur Oliver Stone fragt nach.

 

"Ich würde sagen, wenn Sie das westliche Bild von ihm als einem Schurken, einem schlechten Kerl und so weiter überwinden, dann kommen Sie zu einem realistischen Porträt eines Mannes, der ein Land führt und wirklich die Interessen Russlands im Grunde seines Herzen hat", sagte Stone in New York.

 

Das vierteilige Interview, das Stone bei rund einem Dutzend Begegnungen mit dem Kreml-Chef zwischen Juli 2015 und Februar 2017 führte, wird in diesen Tagen im US-Kabelsender Showtime gezeigt.

 

NATO, Snowden und die Beziehung zwischen den USA und Russland – all das sind Themen, auf die Putin in der Interview-Reihe „The Putin Interviews“ von US-Regisseur Oliver Stone Antworten gibt.

 

Zwei Jahre lang interviewte Stone den Präsidenten zu allen                                                                   möglichen Themen

 

Stone fragte Russlands Präsidenten, ob er denke, dass die USA einen heißen Krieg dominieren würden – Atomwaffeneinsatz inklusive.

„Ich glaube nicht, dass jemand einen solchen Konflikt überleben würde“, erwiderte Putin.

 

Stone fragt anschließend, ob es nach der Trump-Wahl „irgendeine Hoffnung auf Wandel“ in den amerikanisch-russischen Beziehungen gebe.

„Es gibt immer Hoffnung. Bis man uns auf den Friedhof bringt und uns begräbt“, antwortete Putin.

Putin: „In der NATO sind keine Verbündeten – nur Vasallen“

 

In einem weiteren Clip äußert sich Putin zur NATO. Das Bündnis sei „ein außenpolitisches Instrument der USA. Dort sind keine Verbündeten – nur Vasallen“, meinte der Präsident. Außerdem gefährde die NATO die Sicherheit Russlands.

„Sobald ein Land NATO-Mitglied wird, ist es schwer, dem Druck der USA zu widerstehen. Und plötzlich kann jedes Waffensystem in diesem Land platziert werden. Ein anti-ballistisches Raketensystem, neue Militärbasen und gegebenenfalls neue Offensivsysteme“, erklärte er.

Russland müsse Gegenmaßnahmen ergreifen und seine Raketensysteme auf Einrichtungen ausrichten, die eine Gefahr für das Land darstellen würden, so Putin. „Die Situation spannt sich weiter an“, meinte der Präsident weiter.

Putin: „Ich hätte nicht so wie Snowden gehandelt“

 

Während einer Autofahrt, bei der Putin am Steuer saß, stellte Oliver Stone auch Fragen zu dem Whistleblower Edward Snowden, der sich momentan in Russland aufhält.

„Als Ex-KGB-Agent müssten Sie doch das, was Snowden getan hat, aus tiefstem Herzen hassen“, meinte Stone.

Nein, überhaupt nicht“, antwortete Putin. „Snowden ist kein Verräter. Er hat die Interessen seines Landes nicht verraten und keinem anderen Land Informationen weitergegeben, die seinem Volk schaden könnten. Was auch immer er tut, er tut es öffentlich“, so der Präsident.

„Stimmen Sie dem zu, was er getan hat?“, hakte Stone weiter nach.

„Nein. […] Ich denke nicht, dass er das hätte tun sollen. Wenn ihm seine Arbeit nicht gefallen hat, hätte er einfach die Kündigung einreichen können“, so Putin.

„So wie Sie das getan haben“, meinte Stone.

„Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, aber wahrscheinlich schon. Ich habe meine Kündigung eingereicht, weil ich nicht mit dem Vorgehen der Regierung einverstanden war – dem Versuch des Coup D’Etat – und ich wollte in dieser Zeit nicht im Nachrichtendienst bleiben“, erklärte Putin.

Putin: Russlands Nachrichtendienste befolgen die Gesetze

 

Stone wechselte während des Gesprächs von Snowden zu dem Thema Nachrichtendienste und fragte, was der Präsident über die russischen denke.

„Ich denke, sie machen eine gute Arbeit. Sie arbeiten ausschließlich im gesetzlichen Rahmen“, so Putin.

Er spielte außerdem auf die NSA-Affäre an und meinte, dass es unanständig sei, seine eigenen Verbündeten auszuspionieren.

 

Attentatsversuche auf Putin: „Mein Sicherheitsteam leistet

gute Arbeit“

 

In einem anderen Trailer sagte Stone, er habe Informationen darüber, dass mindestens fünf Mal versucht wurde, den russischen Präsidenten zu ermorden.

 

Putin lobte sein Sicherheitsteam und meinte: „Ich mache meine Arbeit und die Sicherheitsbeamten machen die ihre, und bisher machten sie keinen schlechten Job“.

„Vertrauen Sie Ihren Sicherheitsbeamten?“, fragte Stone daraufhin. „Ich vertraue ihnen“, antwortete Putin.

Auch wisse Putin um die Tatsache, dass es gängige Praxis für Attentäter sei, vor dem Attentat als Sicherheitsbeamte des Präsidenten zu arbeiten.

Doch wie ein russisches Sprichwort besagt: „Diejenigen, die dazu bestimmt sind, gehängt zu werden, werden nicht ertrinken“, meinte Putin zu Stone.

 

„Was ist denn Ihr Schicksal?“, wollte der Regisseur anschließend wissen.

„Nur Gott kennt unser Schicksal – das Ihre und das meine. […] Eines Tages wird es jeden von uns ereilen. Die Frage ist, was wir bis dahin in dieser vergänglichen Welt vollbracht und ob wir unser Leben genossen haben“, antwortete der Präsident.

 

Anna Samarina - 8. June 2017/Aktualisiert: 11. Juni 2017 

(77)  2017-04-27 Thilo Sarrazin sprach mit NITRO 

Es wird weiter Zuwanderung geben

Islamkritik, Zuwanderung, Flüchtlinge und „knallharte Zensur“ der Medien

 

Thilo Sarrazin war Bundesbanker, Finanzsenator von Berlin und ist Bestsellerautor. Diplomatie gehört nicht zu seinen Stärken, denn er ist bekannt dafür, dass er polarisiert und viele halten seine Aussagen nicht nur für provokant, sondern auch für rassistisch. Nicht erst, seit er 2010 das Buch „Deutschland schafft sich ab“ veröffentlichte, gilt er vielen als Hassfigur mit rechtskonservativem Gedankengut. Schon zuvor hat er als Berliner Finanzsenator mit seinen „Ernährungs-Empfehlungen“ für Harz-IV-Empfänger für landesweite Empörung gesorgt.

Thilo Sarrazin ist andererseits für viele Menschen einer, der endlich mal Klartext redet, was in unserer Gesellschaft schiefläuft. An den Reaktionen auf Thilo Sarrazins Aussagen in seinen Büchern zu Flüchtlingen, Einwanderern und zu seiner Islamkritik wird sichtbar, dass wir in einer gespaltenen Gesellschaft leben. In den Medien ist er nach jeder Buchveröffentlichung präsent wie kaum ein anderer Autor. Denn Sarrazin ist ein Garant für Schlagzeilen, die sich bestens verkaufen.

 

NITRO: Im Jahr 2010 veröffentlichten Sie Ihr Buch „Deutschland schafft sich ab“. Sicherlich hatten Sie die Provokation mit dem Titel eingeplant. Wie haben Sie die Berichterstattung in den deutschen Medien erlebt?

Sarrazin: Frank Schirrmacher veröffentlichte damals in der FAZ unter der Überschrift „Ein fataler Irrweg“ einen alarmistischen Artikel. Im Vortext schrieb er: „Thilo Sarrazin ist der Ghostwriter einer verängstigten Gesellschaft. Aber er verschweigt die Pointe seines Thrillers. Seine Thesen laufen auf eine vollständige Neudefinition unseres Begriffs von Kultur hinaus und erschöpfen sich nicht in muslimischen Milieus“. Anfangs war ich vor den Kopf geschlagen und betroffen von den Unterstellungen und der Maßlosigkeit der Kritik, die tief ins Persönliche ging. Dann habe ich mir die Aussagen der Kritiker genauer angeschaut und stellte fest: Unter den zahlreichen Kritikern von Schirrmacher (FAZ) über Arno Widmann (Frankfurter Rundschau) und Heribert Prantl (Süddeutsche) hatte nur einer das Buch gelesen. Frank Schirrmacher. Allerdings hatte auch er das Buch sehr eilig gelesen und ohne Fußnoten, denn er schrieb: „Sarrazin verdeckt seine Quellen“ und nach der Eugenik würde ich die relevanten Namen nicht nennen. Die Namen standen aber in den Fußnoten und die Quellen waren angegeben. Und dann geschah etwas Erstaunliches: Das gesamte Feuilleton begann im Wesentlichen von Schirrmacher abzuschreiben – allerdings nicht auf seinem Niveau.

NITRO: Sie haben Frank Schirrmacher im September 2010 ein vielbeachtetes Interview gegeben.

Sarrazin: Nach etwa zehn Tagen wollte Schirrmacher ein Interview mit mir führen. Zuerst habe ich seine Anrufe nicht angenommen, aber dann habe ich mit ihm ein Streitgespräch geführt. Es erschien am 1. Oktober unter der Überschrift: „Thilo Sarrazin im Streitgespräch. Die große Zustimmung beunruhigt mich etwas“. Die Medienkritik anderer Zeitungen und Zeitschriften hatte mit dem Inhalt meines Buches ziemlich wenig zu tun.

 

NITRO: Die Kritik am Buch war Ihrer Meinung nach nicht gerechtfertigt?

Sarrazin: Sie war völlig vorbei an der Sache. Ich nenne Ihnen den Klassiker: „Sarrazin behauptet, Muslime seien genetisch dümmer“. Das ist absoluter Unsinn, das steht nirgendwo in meinem Buch, das würde ich auch niemals behaupten. Was ich gesagt habe ist, dass Intelligenz überwiegend erblich ist und dass es zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen nachhaltige kulturelle Unterschiede gibt, die sich oft über Generationen kaum oder nicht abbauen. Und, dass die Muslime in vielerlei Hinsicht eine besonders problematische Gruppe sind.

 

NITRO: In welcher zum Beispiel?

Sarrazin: Zum Beispiel was die Bildungsleistung und das Integrationsverhalten angeht.

 

NITRO: In der Debatte wurden aber weitere Themen kritisiert…

Sarrazin: Ja, es gab eine weitere Debatte zur Frage, ob Intelligenz erblich ist. Das ist so, als ob Sie sagen: Darwin hatte Unrecht. Natürlich ist Intelligenz wie alle menschlichen Eigenschaften überwiegend erblich. Das ist der eindeutige Stand der wissenschaftlichen Forschung. Darum rankt sich bis heute die Kritik an „Deutschland schafft sich ab“ – meist von Leuten, die das Buch durchweg nicht gelesen haben. Oder, wenn sie es gelesen haben, seine Fragestellung ablehnen und es deshalb inhaltlich verleumden.


NITRO: Es geht in dem Buch aber auch um die Fragestellung, was passiert, wenn sich erworbene kulturelle Eigenschaften vererben.

Sarrazin: Ja, präzise geht es darum, wie sich erworbene Eigenarten und Verhaltensweise in unterschiedlichen Religionen und Ethnien durch Weitergabe von Generation zu Generation quasi kulturell vererben und was es für eine Gesellschaft bedeutet, wenn sich diese Gruppen in unterschiedlichem Maße fortpflanzen. Diese Aussage war eine krasse Beleidigung des Kernglaubens unseres feuilletonistisch-ideologischen Mainstreams.


NITRO: Des feuilletonistisch-ideologischen Mainstreams?

Sarrazin: Ja, der behauptet, dass alle Menschen in ihren Eigenschaften von Natur aus kaum unterschiedlich sind. Im Prinzip spielen auch kulturelle Faktoren kaum eine Rolle, und es ist auch egal, wer welche Eltern hat. Den Rest macht die Bildungspolitik.


NITRO: Das soll die Ideologie der Mainstream-Medien sein?

Sarrazin: Ja, aber die meisten Medien der Provinzpresse sind gar nicht in der Lage, das überhaupt zu reflektieren. Die nehmen das hin wie Tag und Nacht und sind völlig fassungslos, wenn jemand ihre Überzeugungen in Zweifel zieht. Was natürlich zeigt, dass leider sehr viele Menschen, die in den Medien oder in der Politik tätig sind, eine erhebliche naturwissenschaftliche, soziologische und historische Unbildung haben.


NITRO: Kommen wir von den Medien zu den Lesern. Die Menschen sind offensichtlich sehr stark an Ihren Themen interessiert, denn das Buch wurde 1,5 Millionen Mal verkauft. Auch die Bücher, die Sie danach veröffentlicht haben, waren allesamt Bestseller. Haben Sie mit diesem überragenden Erfolg des Buchs gerechnet?

Sarrazin: Nein. Ich hatte der Zeitschrift Lettre International ein Jahr vor der Veröffentlichung von „Deutschland schafft sich ab“ ein Interview gegeben. Der Chefredakteur hat zwei Stunden mit mir geplaudert und aus dieser Plauderei wurde ein „Skandal-Interview“.

NITRO: Der Titel war: „Berlin auf der Couch“ und es ging um Mädchen mit Kopftuch und um Unterschichten …

Sarrazin: Nicht nur darum. Ich habe mir nach dem „Skandal-Interview“ ein striktes Schweigen verordnet, bis das Buch ein Jahr später veröffentlicht wurde. Die erste Auflage, es waren 25 000 Exemplare, ist in wenigen Stunden förmlich auf den Ladentischen verdampft. Das war natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass BILD und Der Spiegel am selben Tag einen Vorabdruck veröffentlichten.


NITRO: Und auch der Regierungssprecher hat sich zu Ihrem Buch geäußert.

Sarrazin: Regierungssprecher Seibert sagte einen Tag nach dem Erscheinen, die Bundeskanzlerin hielte das Buch für „nicht hilfreich“. Damit wurde die Basis für die maßlosen persönlichen Angriffe in den Medien gelegt, und letztlich muss ich sagen, dass Politik und Medien mein Buch erst so erfolgreich gemacht haben.


NITRO: Sie wissen aber nicht, ob die Menschen, die es gelesen haben, Ihren Thesen zustimmen?

Sarrazin: Nein, aber es gilt die allgemeine Erfahrung, dass man nur etwas kauft, wenn man in der Tendenz zustimmt. Es gab im Oktober 2010 eine Emnid-Umfrage mit einem interessanten Ergebnis: 30 bis 40 Prozent der Deutschen stimmten meinen Thesen in der Tendenz zu und 65 Prozent fanden es gut, dass ich sie veröffentlicht habe. Der Vorwurf linker Intellektueller an mich ist, dass ich in klarer wissenschaftlich orientierter Sprache, die nicht zu Hass und Beleidung aufruft, einfache Sachverhalte angesprochen habe, die fast gar nicht mehr diskutierbar waren. Das hat natürlich die deutsche Medienlandschaft und auch die politische Landschaft verändert. Darüber bin ich mir im Klaren.

NITRO: Jetzt haben Sie Ihr sechstes Buch vorgelegt: „Wunschdenken“. In dem Buch erklären Sie, warum Deutschland schlecht regiert wird …

Sarrazin: Moment. Ich habe gesagt: Wir werden weit unter unseren Möglichkeiten regiert.


NITRO: Und wieder trifft Sie der Vorwurf, rechtskonservatives Gedankengut zu unterstützen und der Wegbereiter der AfD zu sein.

Sarrazin: Wenn man Friedrich von Hayek, Karl Popper, Kant und Jeremy Bentham, David Hume und John Locke als rechtskonservativ bezeichnet, dann bin ich rechtskonservativ. Aber das zeigt auch, wie absurd der Vorwurf ist. Denjenigen, die das behaupten, fehlen alle denkbaren philosophischen, soziologischen und historischen Grundlagen. Im Übrigen: Die Wähler der AfD müssen sich ihre Meinung selber bilden, und jeder ist eingeladen, sich aus meinen Büchern das zu suchen, was ihm einleuchtet, und das abzulehnen, was ihm missfällt.


NITRO: Aber Sie fordern einen Kurswechsel. Wie soll der aussehen? Vielleicht können Sie das mal auf den Punkt bringen?

Sarrazin: Ich will es auf den Punkt bringen: keine falsche Einwanderung. Jeder Kontinent, jedes Land der Welt muss seine Probleme selber lösen. Entwicklungshilfe ist weltweit krachend gescheitert. Und im Land muss gelten: keine falschen Anreize durch den Sozialstaat.


NITRO: Ein Sozialstaat, auf den sich die Menschen in diesem Land verlassen.

Sarrazin: Ich bin auch ein Sozialstaat-Befürworter. Ich finde es aber falsch, dass unser Sozialstaat eine Prämie dafür aussetzt, dass Menschen, die nicht für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen können oder wollen, Kinder bekommen, für die sie mehr Geld kriegen als diese Kinder kosten. Ich finde, das ist ein falscher Anreiz.


NITRO: Sie haben mit Liane von Billerbeck im Deutschlandradio ein Interview zu Ihrem neuen Buch „Wunschdenken“ geführt, und sie sagt in der Anmoderation: „Das Buch liest sich über weite Strecken wie eine Abrechnung mit der deutschen Politik.“ War „Wunschdenken“ als Abrechnung mit der deutschen Politik gedacht?

Sarrazin: „Wunschdenken“ enthält einerseits eine Abrechnung mit der deutschen Politik. Es hat andererseits einen breiteren Fokus. Es fragt: Weshalb haben Gesellschaften Erfolg? Was sind die Prinzipien und Grundsätze guten Regierens? Was muss man vermeiden? Ich sage, man muss Utopien vermeiden. Und auf dieser relativ breiten methodischen Grundlage zeige ich auf, was in der deutschen Politik in den vergangenen fünfzig Jahren falsch gelaufen ist, und das anhand ausgewählter Themenfelder von Einwanderung, Demografie, Bildung bis Energie.


NITRO: Sie haben das Stichwort Utopie genannt. Sie kritisieren, die Flüchtlings- und Einwanderungspolitik der Bundesregierung sei der größte Fehler der Nachkriegspolitik. Warum ist es eine Utopie, dass Menschen aus der ganzen Welt, aus verschiedenen Kulturen in Deutschland zusammenleben? Könnte die Gesellschaft nicht davon profitieren, zum Beispiel beim demografischen Wandel oder der Vielfalt der Kulturen?

Sarrazin: Natürlich können alle Kulturen zusammenleben. Im Osmanischen Reich haben auch die Armenier, die Griechen, die Bulgaren, die Türken und die Araber zusammengelebt. Als Utopie bezeichne ich die Vorstellung, man könne Menschen fremder Kultur oder Menschen, die aus Räumen kommen, die in den letzten zigtausenden Jahren nie eine Hochkultur gehabt haben, innerhalb einer Generation zu guten Deutschen erziehen in dem Sinne, dass sie genauso bildungsfähig und -willig sind. Das zeigen die bisherigen Erfahrungen, die wir mit unterschiedlichen Einwanderungsgruppen gemacht haben. Vietnamesen oder Chinesen sind im Durchschnitt anders als Türken, Araber oder Schwarzafrikaner. Wir haben Einwanderungsgruppen, die nach einer Generation überhaupt keine Integrationsprobleme machen, sondern im Gegenteil nach allen Indikatoren wie Einkommen, Arbeitsmarktbeteiligung und Bildungsstand besser abschneiden als viele Deutsche. Wir haben aber auch Gruppen, bei denen ist das Gegenteil der Fall. Und die gegenwärtige Masseneinwanderung erfolgt zu 98 Prozent aus Gruppen, bei denen nachweislich große Integrationsschwierigkeiten zu erwarten sind. Wer das jetzt vernachlässigt, handelt verantwortungslos und geistig dumm.

NITRO: Sie meinen, dass die Verweigerung in diesen ethnischen Gruppen zu groß ist?

Sarrazin: Man kann natürlich philosophisch darüber nachdenken, ob es am kulturellen oder religiösen Hintergrund liegt, ob es daran liegt, dass die Menschen weniger intelligent sind oder dass sie andere Lebensentwürfe haben. Fakt ist: Wir haben in Berlin etwa 300 000 Muslime. Wir haben in Berlin aber auch etwa 300 000 Polen. Haben Sie schon je einen Artikel in der Presse über die problematische Integration von Polen in Berlin gelesen? Haben Sie schon mal gelesen, dass die Polen sich zusammenrotten, dass sie Gangs bilden, dass sie Autowettrennen fahren auf dem Kurfürstendamm, dass sie ihre Töchter zwangsverheiraten und unter Kopftücher zwingen?


NITRO: Aber es gibt auch Stimmen, die behaupten, es liegt an einer verfehlten Integrationspolitik.

Sarrazin: Entschuldigung, es gibt immer Leute, die irgendetwas behaupten. Es gibt Leute, die behaupten, die Erde ist flach und die Welt wurde vor 5 000 Jahren erschaffen. Integration ist eine Leistung derer, die sich integrieren.


NITRO: Sie werfen der Politik auch Versagen bei der Währung, der Einwanderung und bei der Bildung zu. Als Sie Finanzsenator in Berlin waren, wurde ein Einstellungsstopp für Lehrer verhängt und es gab kein Geld für die Sanierung von Schulen, weil Berlin pleite war. Ohne Lehrer oder Sozialarbeiter und funktionierende Schulen kann die Integration und die Bildung von Zuwanderern aber nicht gelingen. Kritisieren Sie nicht etwas, was in Berlin wegen leerer Kassen auch nicht gelungen ist?

Sarrazin: In meiner gesamten Amtszeit als Finanzsenator hatte Berlin weitaus mehr Lehrer pro Schüler als die meisten anderen Bundesländer und mit den höchsten Bildungsausgaben pro Schüler. Am größten war der Abstand zu den Pisa-Spitzenreitern Bayern und Sachsen. Die schlechten Berliner Bildungsergebnisse sind leider das Ergebnis schlechter Bildungspolitik trotz hoher staatlicher Ausgaben. Die Schulsanierung fällt in Berlin in die Zuständigkeit der Bezirke. Viele, nicht alle Bezirke, entschieden sich über viele Jahre hinweg, andere bezirkliche Bauprojekte zu Lasten der Schulsanierung zu bevorzugen. Diese bringt ja wenig Ruhm, sanierte Schultoiletten sind nicht so attraktiv bei Feierstunden.


NITRO: Wir sind in Deutschland in der Situation, dass wir im letzten Jahr sehr viele Flüchtlinge …

Sarrazin: … ich benutze das Wort Flüchtlinge nicht. Wir haben seit Anfang des letzten Jahres 1,5 Millionen illegale Einwanderer gehabt. Von denen sind ein Teil Flüchtlinge. Aus welchen Gründen auch immer. Aber es sind zunächst mal illegale Einwanderer. Und das ist die Mehrheit. Ich vermeide das Wort Flüchtlinge, zumal von diesen Flüchtlingen 75 Prozent wohl genährte junge Männer sind. Sie verweigern, was sie eigentlich zuerst tun müssten, nämlich sich für ihr Land einzusetzen. Und wenn 400 000 junge Syrer jetzt in Aleppo gegen Assad kämpfen würden, sähen dort die Verhältnisse anders aus. Sie ziehen es aber vor, nicht zu kämpfen, sondern …

NITRO: … sie fliehen vor einem unmenschlichen Krieg.

Sarrazin: … oder, wie der tschechische Ministerpräsident vor einigen Monaten polemisch sagte: Die sitzen lieber hier und trinken auf dem Kurfürstendamm Kaffee. Die Verhältnisse in den Ländern, aus denen sie kommen, sind schrecklich. Aber Verhältnisse in Ländern sind immer menschengemacht. Und wenn die Menschen gehen, statt die Verhältnisse zu ändern, bleiben die Verhältnisse schrecklich.

 

NITRO: Dass so viele Menschen nach Deutschland gekommen sind wie im letzten Jahr, hat etwas damit zu tun, dass die Kanzlerin sagte: „Wir schaffen das.“ Aber vielleicht hat sie es ja eher als Motivationsruf gemeint.

Sarrazin: Wenn ich ein politischer Führer bin, muss ich natürlich sagen „Wir schaffen das“. Nur, der Aufruf in einer bestimmten Situation von einer Partei und von deren Vorsitzender ist ja nichts Inhaltliches.


NITRO: Haben wir nicht die Pflicht, Menschen in Not zu helfen?

Sarrazin: Wenn ich zum Beispiel Heinrich Bedford-Strohm zitiere, der besonders umfassend und negativ für alles steht, was ich verachte an der gegenwärtigen Debatte, dann sagt er sinngemäß: Es ist unsere Pflicht, der ganzen Welt so lange zu helfen, bis wir genauso arm sind wie der Rest der Welt. Und bis dahin öffnen wir die Grenzen und nehmen alle auf, die zu uns kommen. Angela Merkels Ansicht ist nicht sehr viel anders. Das heißt, es werden aus einem völlig utopischen Solidaritätsgedanken heraus große Risiken für unser Land in Kauf genommen. Denn selbst, wenn wir jedes Jahr eine Million aufnehmen würden, ändert das ja nichts an den Verhältnissen im Rest der Welt. Ich las gerade eine aktuelle Umfrage vom amerikanischen Institut Gallup: Nigeria hat 180 Millionen Einwohner, mehr als die Hälfte davon unter 18 Jahre. 70 Millionen würden, wenn sie könnten, nach Europa auswandern. In Afrika sitzen Millionen Menschen auf gepackten Koffern. Wenn ich verantwortungsethisch auf die Folgen schaue, sage ich: Wir haben uns in Europa ein leistungsfähiges Gemeinwesen aufgebaut, mit einem hohen Lebensstandard und einer gewissen Kultur. Und das sollten wir beschützen.

NITRO: Die Konsequenz wäre, dass die Grenzen dichtgemacht werden.

Sarrazin: Ich will hier den holländischen Soziologen Paul Scheffer zitieren, der in seinem Buch „Het Land Van Aankomst“ (Die Eingewanderten) dieses Thema vor zehn Jahren erstmals thematisierte und einen Riesenerfolg damit hatte. Er sagt: So schwer es uns fällt, wir müssen wählen. Wollen wir unsere Kultur und unser Sozialsystem erhalten? Dann brauchen wir Grenzen. Wollen wir keine Grenzen? Dann können wir unsere Kultur und unser Sozialsystem nicht erhalten.


NITRO: Es wird aber auch in Zukunft Zuwanderung geben. Oder erwarten Sie, dass Europa die Grenzen schließen wird?

Sarrazin: Natürlich, es wird weiter Zuwanderung geben. Wenn persische Ärzte zu uns kommen, wird keiner dagegen sein. Wenn man Grenzen hat und Grenzen kontrolliert und überlegt, wer über diese Grenzen kommt, dann übt man Kontrolle aus. Das ist etwas anderes als Grenzen dichtmachen. Natürlich muss das Wissen wandern und natürlich können die Waren wandern und auch das Kapital kann wandern. Es gibt aber kein Naturgesetz, das besagt, dass Menschen wandern müssen.


NITRO: Wo sehen Sie Deutschland in Zukunft?

Sarrazin: Wie es bei uns weitergeht, ist eine Prognosefrage. Ich weiß es nicht, denn es gibt zu viele unsichere Variablen. Ich weiß aber eines genau: Ein neuer größerer Zustrom von Menschen, der vor allem aus Afrika käme, wird die jeweils amtierende Bundesregierung in unlösbare Probleme bringen, bis zur politischen Lähmung und zum Sturz. Zweitens: Wir haben keine Partner mehr für eine Politik der offenen Grenzen. Die Franzosen sind aus dem System längst ausgestiegen. Die sind nur zu höflich, es zu sagen, weil sie unsere Unterstützung bei anderen Problemen brauchen. Die Österreicher sind ausgestiegen. Die Balkanstaaten, die ehemaligen Ostblockstaaten sind ausgestiegen.

Die Italiener sind gerade in einem Lernprozess. Sie waren immer die guten Menschen, die die Schwarzafrikaner auf Lampedusa empfingen und sie dann elegant weitergereicht haben nach Norden. Jetzt gibt es einen Rückstau im Tessin und am Brenner. Und irgendwann werden die Italiener entdecken, dass sie die Schwarzafrikaner, die sie aufnehmen, selber behalten müssen. Und dann wird sich auch die italienische Politik ändern.

Da ein Andrang von illegalen Einwanderern in größerem Stil unvermeidlich ist, stehen wir demnächst in Europa ganz alleine. Und darum sage ich: Entweder wird die Europäische Union zu einem funktionierenden Grenzregime kommen, das illegale Einwanderung nicht mehr duldet beziehungsweise illegale Einwanderung unterbindet. Oder, wenn das nicht geschieht, wird es eine unwillkürliche Rückkehr zu nationalen Grenzen geben.


NITRO: Übernehmen die Medien gerade die Rolle, die ihnen zukommt, nämlich neutral und faktennah zu berichten?

Sarrazin: Ich kann mich an keinen Zeitpunkt erinnern, an dem die Medien nicht Politik gemacht hätten oder von der Politik instrumentalisiert wurden. Max Weber nennt politische Journalisten Politiker, er zählt sie zur Klasse der Politiker, die mit der Feder politisch einwirken wollen. Das Problem beginnt, wenn Medien einseitig berichten, und das ist bei unseren Medien der Fall. Der Staatsrundfunk ist völlig beherrscht von einer sehr einseitigen Sicht auf Fragen wie Einwanderung, Bildung, Demografie und übt knallhart Zensur aus. Das kenne ich von meinem eigenen Fall.

Und unsere Printmedien sind größtenteils einer linken und liberalen Strömung zuzuordnen, die einen sehr einseitigen Blick auf die Dinge hat. Der Medien-Mainstream hat keinen unverstellten Blick, sondern einen ideologisch eingefärbten. Und dieser ideologisch eingefärbte Blick geht aus von Internationalismus, Universalismus und der axiomatischen Grundannahme, dass es zwischen Menschen und Kulturen keine nennenswerten Unterschiede gebe.


NITRO: Gibt es noch etwas, was Sie überraschen kann?

Sarrazin: Jetzt muss ich dieses abgedroschene Wort von Hölderlin zitieren: „Wo die Gefahr am größten, wächst das Rettende auch“. Zeiten des Umbruchs sind immer auch Zeiten des Unerwarteten, denn in Zeiten des Umbruchs werden die Karten ständig neu gemischt. Hätten wir uns im Juli 2015 vorstellen können, was tatsächlich in diesem Land passiert? Hätte jemand im Sommer 1989 gedacht, dass am 9. November die Mauer fällt? Nein. Und so weiß niemand, was in Zukunft passiert.

Das Gespräch führte Bettina Schellong-Lammel

Mit freundlicher Genehmigung: Quelle: NITRO/© The European

Thilo Sarrazin 09.04.2017

(76)  2017-04-10  DIETRICH MATESCHITZ IM INTERVIEW

Red Bull-Chef rechnet mit Österreichs Flüchtlingspolitik ab

 

In seinem einzigen Interview zum 30-Jahr-Jubiläum der Weltmarke Red Bull übt Firmenchef Dietrich Mateschitz heftige Kritik an der politischen Klasse in Österreich. Ein Gespräch über Reichtum, Donald Trump, Metternich und die Weisheit der Mutter.


Von Hubert Patterer und Gerhard Nöhrer | 08. April 2017


Für das Gespräch lädt der Gastgeber auf seine abgeschiedene Lieblingsalm in der Obersteiermark. Der Weg führt über Forstwege hinauf auf eine Anhöhe, die den Blick auf ein prachtvolles Bergpanorama freigibt. Kein anderes Gehöft ist in Sichtweite, das sei ihm wichtig gewesen. Zu hören ist das helle Plätschern des Brunnens vor dem äußerlich schlichten Refugium. Das alte Holz in den Stuben stammt von abgetragenen Bauernhöfen. Am Eingang Sportschuhe und Mountainbike-Ausrüstung. Vor dem Gebäude steht ein Land Rover Defender, Kultvehikel mit Salzburger Kennzeichen. Dahinter ein Marterl.


Das „Forbes“-Magazin hat Sie dieser Tage als reichsten Österreicher bestätigt. Ihr Vermögen vergrößerte sich demnach auf 12,6 Milliarden Euro. Hat das eine Bedeutung für Sie? Ist es eine Messgröße für Erfolg, für ein gelungenes Leben?

So wie Sie solche Statistiken und Veröffentlichungen lieben, so sehr liebe ich sie: wie der Teufel das Weihwasser. Solche Rankings sind für nichts gut. Schade ums Papier.

Sie ärgern sich.

Ich ärgere mich nicht. Aber der Erfolg, der da abgebildet wird, ist in Wahrheit nicht relevant, wird einem als normalem Menschen auch nie bewusst, Gott sei Dank. Man gründet ja nicht ein Unternehmen mit dem Ziel, auf eine „Forbes“-Liste zu kommen. Man hat Ideen, die versucht man zu verwirklichen. Wenn Leute solche Summen lesen, stellen sie sich vor, du sitzt mit deinen elf oder mehr Milliarden da wie Dagobert Duck auf seinem Golddukatenspeicher. Das ist natürlich kompletter Unsinn.


Es ist für Sie also nur materialisiertes Vermögen, aber es ist nicht fiktiv.

So ist es. Nur beim mehr als theoretischen Verkauf des Unternehmens würde sich eine neue Verantwortung ergeben, eben die der richtigen Veranlagung. So ist meine Verantwortung, dass ich ein paar Hundert Millionen Steuern zahle, für 12.000 Mitarbeiter verantwortlich bin, dass wir wieder Formel-1-Weltmeister werden und im Fußball und vielen anderen Bereichen Erfolg haben wollen, dass wir im Marketing und bei der Finanzierung keine Fehler machen, langfristig und richtig planen und so weiter und so fort. Das bedeutet, Geld ist nur der Gegenwert erforderlicher Investitionen, Anschaffungen, Dienstleistungen. Es steht nur auf dem Papier.

Nicht nur. Sie haben Flugzeuge, Hubschrauber und eine Insel in der Südsee.

Das wird mir nur bewusst, wenn mich jemand darauf anspricht. Es ist schon richtig, dass ich ein Faible für schöne, einzigartige Plätze habe - um mich daran zu erfreuen, aber auch, um darauf aufzupassen. Und natürlich hab ich eine Leidenschaft fürs Fliegen.


Versteuern Sie Ihr ganzes Vermögen in Österreich?

In grauer Vorzeit habe ich einmal salopp gesagt, ich wäre froh, wenn ich möglichst viel Steuern zahlen dürfte, weil dann würde die Hälfte immer noch mir gehören. Es ist zwar nicht mehr ganz die Hälfte, aber ich zahle selbstverständlich und nahezu gerne in Österreich. Wir gehören auch nicht zu den Unternehmen, die ein Dutzend Konstrukte zur Steuerersparnis nutzen. Wir haben keine Einkaufsgesellschaft in Hongkong, keine Markenregistrierung auf den Cayman Islands, nichts in Panama oder wo auch immer. Das Welteinkommen wird hier in Österreich versteuert. Umso kritischer sollte man sich ansehen, wie mit den Steuern umgegangen wird.


Wie geht man um damit?

Im Großen und Ganzen falsch, und das in vielen Bereichen. Wir haben trotz einer der höchsten Besteuerungen unglaubliche Staatsschulden und vergrößern sie, anstatt sie zu verkleinern. Ich bin altmodisch groß geworden. Meine Mama hat zu mir gesagt: Fremdkapital sind Schulden und Schulden macht man nicht!

Betriebswirtschaftler würden einwenden, dass das ökonomischer Unsinn ist.

Ich weiß, was man auf Hochschulen lehrt: zwei Drittel Fremdkapital, ein Drittel Eigenkapital. Aber jetzt lassen Sie den Umsatz im Dezember etwas geringer ausfallen und die Zinsen parallel leicht steigen, und schon haben Sie mehr als nur ein Problem. Außerdem investiert man das Geld, das man verdient hat, und nicht das Geld, das man vielleicht einmal verdienen wird. Wir haben heuer das dreißigste Jahr Red Bull und außer zur Umsatzfinanzierung hatten wir noch nie Bankschulden. Das weltweite Ausrollen von Red Bull haben wir zeitlich unserem Cashflow angepasst.


Was ist Ihr Ziel? Gewinnmaximierung?

Maximierung des Gewinns als oberstes Unternehmensziel: Auch das lehrt man ja an den Unis. Auch das halte ich für nicht richtig. Alles kann man maximieren, die Kreativität, die Innovation, die Intelligenz, alles, aber nicht den Gewinn. Erst durch die Maximierung all dessen, was geistreich, gut, schöpferisch und sinnvoll ist, kommt der Gewinn. Als Folge. Anders kann man einen Gewinn nicht maximieren. Das ist meine tiefe Überzeugung.

Im Vorjahr hat Red Bull mehr als sechs Milliarden Dosen hergestellt und erstmals über sechs Milliarden Euro umgesetzt. Was wollen Sie da noch maximieren?

Wachstumsreserven gibt es genug. Wir haben noch viele Länder mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von drei, vier Dosen. In Österreich sind es 24 Dosen, in der Schweiz 23. Unsere allerersten Verwender vor 30 Jahren waren damals 18 und sind jetzt 48, in der Blüte ihres Lebens. Und jetzt kommen die neuen Verwender nach, ohne dass wir die alten verlieren.


Ihr wichtigster Markt ist Amerika, wo Sie fast die Hälfte der sechs Milliarden Dosen absetzen. Was machen Sie, wenn Donald Trump von Ihnen plötzlich 20 Prozent Einfuhrsteuer will?

Straf- und Importzölle haben schon andere Präsidenten vor ihm erfunden, und zwar nicht nur amerikanische. Dazu braucht es keinen Trump. Ich glaube aber gar nicht, dass es dazu kommen wird, und wenn, produzieren wir ja auch in der Schweiz, also außerhalb der EU. Wir können auch die 20 Prozent zahlen, keine Dividenden ausschütten und weniger investieren. Oder wir könnten kurz- bis mittelfristig eine Produktion nach Amerika verlagern. Wichtig ist, dass nichts passiert, was uns überraschen kann. Deswegen spielen wir jeden Monat alle Szenarien durch.


Was halten Sie von Trump?

Ich glaube nicht, dass er so ein Idiot ist, wie man ihn hinstellt. Wenn man mit Amerikanern spricht, hört man oft, dass sie einmal grundsätzlich froh sind, dass es eine neue Administration gibt. Die frühere hat man ja in vielen Belangen mehr als infrage gestellt. Und „anders“ ist es ja jetzt ohne Zweifel.


Ist das schon eine positive Kategorie? Viele sind schockiert über Trumps erratische Sprunghaftigkeit.

Diese Frage bietet sich schon an, natürlich. Aber vor allem halte ich die derzeitige Hysterie für lächerlich. Nur weil etwas außerhalb der eigenen Ideologie ist? Das Schlechte an der Demokratie ist, dass die Mehrheit nicht immer recht hat. Das Gute ist, dass das Irren korrigierbar ist, dass jeder genauso schnell abgewählt werden kann, wie er gewählt wurde. Man soll Trump Zeit geben.


Wo können Sie ihm folgen?

Ich glaube ganz einfach nicht, dass er je wirklich daran gedacht hat, ein paar Kilometer Grenzzaun zu Mexiko zu bauen. Viele Dinge werden auch zu Unrecht kritisiert, wie der versuchte Dialog mit Russland. Es macht einfach keinen Sinn, über einen Wirtschaftsboykott zu versuchen, ein Land wie Russland - auch und schon gar nicht mithilfe der EU - in den Ruin zu treiben. Vor allem, weil das auch für uns, für ganz Europa einen Verlust in Milliardenhöhe bedeutet. Russland ist ein Teil Europas, und was sonst, wenn kein beginnender Dialog, sollte zielführend sein? Doch das Meinungsdiktat des politisch Korrekten sagt: Russland ist ein Schurkenstaat, das Böse schlechthin, und wir sind die Guten. Und jeder, der das nicht so sieht, liegt falsch. Dann ist auch schnell Schluss mit Meinungsfreiheit, denn die wird ja nur gewährt, solange man dieselbe Meinung vertritt wie sie. Ich brauche niemanden, der mir sagt, wer meine Feinde sind.


Wie sie": Wer ist „sie“?

Die Politik, die sich in politischer Correctness ergeht, und eine selbst ernannte sogenannte intellektuelle Elite, bei der man bei bestem Willen weder einen wesentlichen wirtschaftspolitischen noch einen kulturpolitischen Beitrag für unser Land erkennen kann.


Sie sind doch auch Elite.

Ich bin Humanist, Kosmopolit, Pazifist und Individualist. Und ich bin jemand, der sich grundsätzlich jedem Meinungsdiktat widersetzt. Egal woher es kommt. Auch wenn man sich damit sofort in alle Richtungen verdächtig macht: In Amerika wird man als Kommunist abgestempelt, in Europa als Verschwörungstheoretiker oder Rechtspopulist.


Was stört Sie konkret?

Zum Beispiel das unverzeihliche Ausmaß der politischen Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen bei der Nichtbewältigung der Flüchtlingswelle oder, besser gesagt, der Auswanderungswelle. Ich glaube nicht, dass es ein klarer Ausdruck politischen Willens war, die Grenzen unkontrolliert offen zu lassen. Man hat aus Angst und politischer Opportunität so entschieden. Schon damals war für jedermann erkennbar, dass der Großteil der Menschen nicht der Definition des Flüchtlings entsprach. Jedenfalls nicht der der Genfer Konvention.


Ist es nicht polemisch und wohlfeil, mit dem Wissen von heute das damalige Handeln zu verurteilen? Man war überwältigt von den Bildern und der Dimension der Gestrandeten.

Nein. Man muss von Anfang an richtig und vorausdenkend entscheiden. Würde man in einem Unternehmen Fehlentscheidungen dieser Tragweite treffen, wäre man in Kürze pleite. Wie konnte die Politik überrascht gewesen sein? Man muss blind und taub gewesen sein, um nicht zu sehen, was da auf uns zukommt. Und selbstverständlich hätte man die Grenzen schließen und ordentlich kontrollieren müssen, gar keine Frage. Erinnern Sie sich, wie sehr man am Anfang die osteuropäischen Staaten für ihre Haltung kritisiert hat?

Ein paar Monate später haben unsere Politiker alles genauso gemacht. Mit dem einzigen Unterschied, dass man im Duden nach einem anderen Wort für Zaun gesucht hat.


Sie lassen außer Acht, dass die jetzige Regierung einen radikalen Paradigmenwechsel vorgenommen hat und ein rot-schwarzes Schaulaufen darbietet, wer den restriktiveren Kurs fährt.

Das war zu erwarten. Weil es jetzt um die Machterhaltung der politischen Parteien geht, bevor ihnen die letzten zehn, fünfzehn Prozent der Bürger auch noch davonlaufen. Ideologischen Wert hat das keinen.


Sie könnten doch froh sein, dass es aus nüchterner Vernunft passiert und nicht ideologisch ist.

Im Idealfall schließt das eine das andere ja nicht aus. Unterm Strich müssen jedenfalls richtige Lösungen stehen, und vor allem kann oder darf niemand an einer Destabilisierung Europas Interesse haben, an der Einzigartigkeit unserer Vielfalt, der Individualität, der verschiedenen Kulturen, Sprachen. Wenn einer der höchsten Beamten in Brüssel sagt, dass Staaten mit Monokulturen von der Landkarte ausradiert gehören, dann mache hoffentlich nicht nur ich mir Sorgen. Aber es scheint schon so, dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut, auch wenn jeder weiß, dass es die Wahrheit ist.


Wer traut sich nicht?

Der Großteil. Ich kenne Wirte, die haben sich gegen die Kassapflicht auf Almen oder die Kennzeichnungspflichten auf der Speisekarte gewehrt. Die meisten haben wieder damit aufgehört, weil sie außerordentliche Steuerprüfungen und Besuche von der Lebensmittelbehörde bekommen haben. Man will den unmündigen, kritiklosen und verängstigten Staatsbürger. Metternich war ein Lehrbub gegen das, was heute passiert. Das ureigenste aller Menschenrechte ist das auf Eigenverantwortung, und das nehmen sie dir. Sie manipulieren, reglementieren, überwachen, kontrollieren. Und der gläserne Mensch ist genauso ein Albtraum wie die Meinungsdiktatur. Jetzt will man auch noch das Bargeld abschaffen! Wen bitte hat es zu interessieren, was und wo ich zu Abend gegessen habe oder was ich meiner Familie und Freunden zu Weihnachten schenke?


Sie reden wie ein Wutbürger.

Ich rede über Fakten, und ich rede über Scheinheiligkeiten. Ich rede darüber, dass keiner von denen, die „Willkommen“ oder „Wir schaffen das“ gerufen haben, sein Gästezimmer frei gemacht oder in seinem Garten ein Zelt stehen hat, in dem fünf Auswanderer wohnen können. Oder über die Grüne, die sich mit der Limousine mit dem zusammenklappbaren Fahrrad hinter das Parlament fahren lässt, dort aussteigt und die letzten Meter zum Hohen Haus radelt. Leiden müsste jeder unter den Zuständen. Tut ja auch jeder.


Anerkennen Sie die Bemühungen des neuen Kanzlers Christian Kern, das Land aus dem Stillstand herauszuführen?

Das ist sein Beruf und seine Verantwortung. Was er wirklich bewegen kann, wird er beweisen.


Wie erleben Sie den mutmaßlichen Gegenspieler Sebastian Kurz?

Was für Christian Kern gilt, gilt natürlich auch für ihn und jeden anderen Beamten. Bei Kurz fällt auf, dass er sehr intelligent, couragiert und charismatisch wirkt. Man kann seine Standpunkte weitestgehend teilen.


Fällt es Ihnen zunehmend schwer, in Österreich zu leben?

Wie sollte es mir schwerfallen, in Österreich zu leben? Ich habe mir nur versprochen, dass ich mit dieser allgemeinen Nörgelei aufhöre und die Dinge beim Namen nenne. Das hat nichts mit Wutbürger zu tun, sondern mit der Verantwortung eines mündigen und kritischen Bürgers. Und diese Verantwortung haben alle. Es beleidigt einfach meine Intelligenz, wenn man uns nach wie vor für manipulierbar und blöd verkaufen will.


So rabiat kennen wir Sie nicht.

Ich sehe da nichts Rabiates und keine Polemik. Ich sehe Fakten. Und vielleicht hie und da das legitime rhetorische Mittel der Überzeichnung, um Dinge kenntlich zu machen.

 

Ein Kosmopolit und Besitzer einer globalen Marke bangt um den Verlust der eigenen kulturellen Identität?

Es gibt bei allem eine kritische Masse. Am Wochenende 20.000 Wanderer und Mountainbiker im Nationalpark Hohe Tauern, das geht. Da rücken die Gämsen halt zusammen. Wenn du aus den 20.000 aber 200.000 machst oder gar zwei Millionen, dann geht das Ganze kaputt. Wir müssen verstehen, dass nicht nur die Naturregionen endlich sind, sondern alle Ressourcen, Energie, Wasser, Lebensmittel, Luft, medizinische Versorgung, alles, auch die Erde selbst. Ich rede hier nicht über Flüchtlinge nach der Genfer Konvention. Ich rede darüber, was man schon seit Langem klar erkennen und erwarten muss: die ganz großen Auswanderungsströme und Völkerwanderungen auf dem gesamten Erdball. Es werden viele Hunderte Millionen von Menschen in einen für sie besseren Lebensraum wollen, wo es noch Trinkwasser gibt, eine intakte Natur und wo Menschenrechte gelten. Und das ist dann politisch nicht mehr regulierbar - außer man wirkt rechtzeitig den Ursachen entgegen.


Hat Europa, wenn es sich als christlich begreift, nicht die ethische Verpflichtung, den Reichtum und das Wohlergehen anderen zugänglich zu machen?

Diese Verpflichtung hat nicht nur ein christliches Europa, sondern jeder Mensch, der etwas beitragen kann. Ein kleines Problem am Rande ist ja, dass zwar jeder das will, was der andere mehr hat, aber keiner was abgeben will an den, der weniger hat. Wobei eine Umverteilung innerhalb der Kirche kein minder interessantes Thema wäre, aber das nur nebenbei. Und zurück zur Realität. Wenn Sie das ganze Vermögen der vorhin strapazierten „Forbes“-Liste auf die restliche Menschheit aufteilen, merken Sie nicht einmal was davon.


Arbeitgeber dürfen laut Höchstgericht in ihren Unternehmen ein Kopftuchverbot erlassen. Wie gehen Sie damit um?

Mir ist das so was von egal. Die Menschen müssen in Ordnung sein. Sie dürfen im Sommer auch in Shorts kommen, wenn es 30 Grad hat. Ich finde es lächerlich, wenn man daraus ein Politikum macht. Es gibt Dringlicheres zu tun.


Welche Tugenden fordern Sie von Mitarbeitern ein?

Berufliche Kompetenz, Geradlinigkeit, Anständigkeit, Charakter. Das schließt nicht nur ein gewisses Leistungspotenzial ein, sondern auch die Bereitschaft, dieses Potenzial bereitzustellen. Es bringt nichts, wenn ich alles könnte, aber nicht bereit bin, es auszuschöpfen. Ich versuche, mich mit Leuten zu umgeben, die meine Philosophie zwischen „work hard“ und „play hard“ teilen. Nur arbeiten ist dumm, nur nichts tun genauso. Gleich sind die Menschen bei uns in ihren Rechten, aber ihre Begabungen und Fähigkeiten sind unterschiedlich, und diese Vielfalt versuchen wir auch zu fördern. Das entspricht unserem Weltbild.


Was ist Ihr Weltbild?

Die Eckpfeiler sind Individualismus und Nonkonformismus.


Lassen Sie den auch im Unternehmen zu? Wie gehen Sie mit Widerspruch um?

Im Berufsleben allgemein, so auch bei uns, geht es primär um Fakten, um Analysen, Planung, Umsetzung. Also um richtig oder nicht richtig, da bleibt für Meinung und Befindlichkeit wenig Platz. Ein Konsens in einem Team ist dann meist nicht mehr sehr schwierig.


Eine renommierte deutsche Zeitung hat Red Bull mit einer Sekte und ihren Firmenchef mit einem Guru verglichen: Herrscher über ein geschlossenes System und eine abgeschirmte Welt, aus der nur die Lust der Sportler, die Leidenschaft für das Risiko und die Gier nach Erfolg nach außen dringen sollen.

Mancher, der in den letzten Jahrzehnten über Red Bull geschrieben hat, müsste sich eigentlich in Grund und Boden schämen, so haarsträubender Unsinn wurde zum Teil verbreitet. Zuerst hatte Red Bull angeblich so viel Koffein wie 36 große Braune, dann war man plötzlich süchtig. Ich wurde dargestellt wie ein Drogendealer. Später hieß es, eine dunkle Macht stehe dahinter. Ich kenne kein transparenteres und geradlinigeres Unternehmen als unseres. Wir reden aber halt nur, wenn wir was zu sagen haben. Gackern nicht, bevor wir das Ei gelegt haben. Und ich für mich persönlich nehme eine gewisse Privatsphäre in Anspruch. Was ja auch schlüssig ist, schließlich soll nicht ich, sondern das Produkt im Mittelpunkt stehen.


Haben Sie all diese Zerrbilder nicht auch selbst befeuert, indem Sie sich der Öffentlichkeit radikal entziehen? So entstehen dann auch die Mythen.

Ich entziehe mich nicht der Öffentlichkeit, ich bin jeden Tag privat oder beruflich irgendwo unterwegs. Ich gebe Sport- und Wirtschaftsfachmedien auch Interviews. Was ich jedoch nicht tue, ist, mich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in Medien zu pressen. Mir ist die Zeit dafür zu schade. Ich mache mit der Regenbogenpresse keine Revolvergeschichten.


Lesen Sie alles, was über Red Bull oder über Sie geschrieben wird?

Nein.


Sie lassen es sich vorlesen.

Auch nicht. Wenn ich auf sogenannte Kritik aufmerksam gemacht werde, schaue ich als Erstes, von wem sie kommt. Meistens sind das dann Leute, deren Lob mich mehr stören würde als deren Kritik.

 

 

Mit Schmähungen waren Sie auch konfrontiert, als Red Bull in Leipzig in den deutschen Fußball einstieg. Man sieht in Stadien noch immer feindselige Banner auf den Rängen. Trifft Sie das?

Wir reden hier über Hardcore-Fans, über Hooligans oder Ultras, die den Fußball generell und Red Bull insbesondere fürs Ausleben ihrer Konflikt- und Gewaltbereitschaft missbrauchen. Es gibt eine Minderheit im Fußball, die macht Klassenkampf, will nur betrunken sein oder Feuerwerke abschießen. Das registriere ich, und damit ist es getan. Es kränkt mich nicht. Dass sich der eine oder andere Präsident bemüßigt fühlt, für solche Dinge Sympathie und Zustimmung zu signalisieren, ist vielleicht nicht besonders durchdacht, vor allem wenn er sich die eigene Finanzierung anschaut. Aber egal. Was beim Fußball zählt, sind sportlicher Erfolg, Fairness im Umgang mit dem Gegner und die überwältigende Stimmung in einem ausverkauften Stadion. Das haben wir unbestritten erreicht.

 

Dennoch werfen Anhänger in Deutschland Ihrem Unternehmen vor, den Fußball entweiht zu haben, weil Sie ihn als Marketing-Vehikel veruntreuen würden.

Manchmal muss man sich nur noch wundern. Wir sind mit Sebastian Vettel in fünf Jahren vier Mal Weltmeister und einmal Zweiter geworden. Wir spielen in München Eishockey, waren im ersten Jahr deutscher Meister und spielen im zweiten Jahr wieder im Finale. Viele andere unserer Athleten bringen Weltklasseleistungen, und mit unseren Events setzen wir neue Standards.

 

Wie erklären Sie sich dann die Ablehnung und die Vorbehalte bei Teilen des Publikums?

Ich glaube fast, unser eigentliches Verbrechen besteht nicht darin, dass wir Fußball spielen, sondern darin, dass wir Erfolg haben. Dass wir in sechs Jahren viermal aufgestiegen sind und jetzt, worauf wir sehr stolz sind, mit einem der günstigeren Teams - und dem jüngsten - Tabellenzweiter in der 1. deutschen Bundesliga sind. Wenn man die Mannschaft in Leipzig mit Bayern München vergleicht, ist das wie ein Rekrutenbataillon gegen römische Söldner in ihrer vorletzten Schlacht. Eine gesamtdeutsche Befragung hat uns unter die beliebtesten Fußballklubs Deutschlands gewählt. Es steht also wieder eine vernachlässigbare Minderheit einer überwältigenden Mehrheit gegenüber.

 

In Österreich will man Ihnen nicht verzeihen, dass Sie von Salzburg die Besten nach Leipzig abziehen.

So denkt doch schon lange niemand mehr. Die Leute haben längst verstanden, dass unser Konzept in Kombination mit der Nachwuchsakademie das einzig Richtige und Mögliche für die österreichische Liga ist. So bekommen wir junge Talente zur Ausbildung ins Land, die sonst nie kommen würden. Und wenn sie für unsere Liga zu gut werden, gehen sie eben, ob nach Leipzig oder woandershin, spielt keine Rolle. Und solange sie da sind, um bei uns eine ordentliche Ausbildung zu erhalten, profitiert Österreichs Fußball davon. Noch nie hat eine österreichische U19-Mannschaft im Finale des Youth Cups gespielt und Klubs wie Paris St-Germain, Manchester City oder Atletico Madrid eliminiert. Und auch noch nie hat ein österreichischer Verein in eineinhalb Jahren über hundert Millionen Transfererlöse erzielt.


Wie haben Sie Aufstieg und Fall des Nationalteams erlebt?

So wie alle Österreicher. Den Aufstieg als inszeniert und überbewertet, den Fall als ernüchternd.


Sie haben zwischendurch mit dem Rückzug aus der Formel 1 kokettiert. Sie hatten keinen wettbewerbsfähigen Motor und schmerzhaft erfolglose Jahre. Was wollen Sie heuer erreichen?

Die „schmerzhaft erfolglosen Jahre“ sind derer zwei, mit dem zweiten Platz in der Konstrukteurswertung. Aber nachdem wir zuvor viermal Weltmeister geworden sind, wollen wir heuer und nächstes Jahr wieder um die WM mitfahren.


Der Formel 1 geht es nicht gut. Sie leidet unter Spannungsarmut, die Zuschauerzahlen schwinden. Dazu kommt die Legitimationskrise in Zeiten der CO2-Debatte. Ist der Zirkus noch zeitgemäß?

Der Formel 1 geht es wieder besser. Sie ist spannender geworden, und die Zuschauerzahlen steigen heuer wieder signifikant. Wir werden versuchen, mit unserer Wettbewerbsfähigkeit zur Attraktivität beizutragen. Spannender sportlicher Wettkampf auf höchstem Niveau, nur darauf kommt es im Motorsport an, alles andere ist irrelevant.


Steht Ihr Sohn Mark in Ihren Fußstapfen?

Er hat heuer erfolgreich seinen Bachelor abgeschlossen und wird bei uns im Unternehmen seinen Master berufsbegleitend machen. Ich lasse ihn noch ein wenig, der Ernst des Lebens holt ihn früh genug ein.


Wir hören, Sie haben die Jagdprüfung gemacht. Was lernt man da?

Ich wollte mehr Wissen haben, um mit den Förstern und Jägern auf Augenhöhe zu sein. Vorrangig bin ich Forstwirt und kein Jäger. Ich gehe hinein, weil es eine wunderbare Betätigung ist. Ich möchte keinen Erlös aus dem Wald erzielen, es wird ohnehin zu viel geschlagen.


In der Obersteiermark und im Salzkammergut haben Sie Dorfwirtshäuser, Schlösser, Restaurants und Hotels erworben. Neuerdings füllen Sie Heilwasser ab und brauen Bier. Warum tun Sie das?

Jedenfalls nicht, um Vermögen zu vermehren. Ich kann nichts mitnehmen. Ich will was Sinnvolles machen und das Schöne bewahren.


Wie oft halten Sie Nachschau in Ihren Betrieben?

Immer wieder. Da kann es schon vorkommen, dass mir das eine oder andere auffällt. Da stellt einer die Menükarte zusammen und schreibt hinein: „Hirsch aus eigener Jagd“. Und dann steht hinten in der Küche der 25-Kilo-Kanister mit der Aufschrift „Hirschragout“. Dann ist Schluss mit lustig.


Was passiert dann?

Ich schaue eine Zeit lang zu. Dann folgen fünf Gelbe Karten. Und irgendwann ist es selbst mir, dem extrem belastbaren Arbeitgeber, zu blöd. Jetzt isst man hervorragend dort.

Aus: Die kleine Zeitung/Images: Red Bull

 

(75)  2017-04-09  Hilmar Bürger sprach mit Jürgen Heuser

Der „Löwe“ kommt

nach Meißen

Jürgen Heuser, der Zweikampf-Weltmeister

von 1978, Ehrengast

beim Pokal der

Blauen Schwerter

 

Aus dem Eisenlexikon der dreiteiligen CD-Dokumentation „Deutsches Gewichtheben“ – erschienen 2006 – ergänzt bis 2009. 

Der in Barth an der Ostseeküste geborene Jürgen Heuser (jetzt 64) ist neben Peter Wenzel (1975), Rolf Milser (1978,1984), Joachim Kunz (1981, 1983) Karl-Heinz Radschinsky (1984), Ronny Weller (1993) und Marc Huster (1994) einer der sieben deutschen Zweikampf-Weltmeister im Gewichtheben. Der Schützling von Uwe Ihde wurde 1978 bei den Weltmeisterschaften im US-amerikanischen Gettysburg stärkster Mann der Welt. Seine Kameraden im Nationalteam und bei der BSG Motor Stralsund nannten ihn „Löwe“. Nach vielen Jahren tritt er wieder einmal auf eine Gewichtheberbühne. Zum Talk mit Marc Huster beim 28. Pokal der Blauen Schwerter in Meißen.

HILMAR BÜRGER führte mit ihm vorher nachstehendes Interview.

 

Weiterer Ausschnitt aus der CD-Dokumentation

Mit welchen Emotionen kehren Sie nach langer Zeit wieder einmal zum Gewichtheben in Meißen zurück?

 

Jürgen Heuser: Ich habe mich über die Einladung nach Meißen sehr gefreut. Zu meiner aktiven Zeit war das Turnier der Blauen Schwerter einer der Jahreshöhe-punkte. Ich denke noch sehr oft daran zurück, da ich mich auch immer ganz gut platzieren konnte.

 

Man hat lange nichts von Ihnen gehört. Was waren die wichtigsten Ereignisse der letzten 25 Jahre in Ihrem Leben – erst einmal privat?

 

Jürgen Heuser: Seit 30 Jahren wohne ich mit meiner Familie in Prerow auf dem Darß. Das war früher immer ein Traum von mir. Meine zwei Kinder sind nach ihrer Ausbildung auch nach Prerow zurück gekommen und haben hier geheiratet. Mittlerweile habe ich fünf Enkelkinder. Ich genieße es richtig, sie alle in der Nähe zu haben.

 

Und beruflich?

 

Jürgen Heuser: Ich hatte das Glück, mich schon zu DDR-Zeiten vor der Wende mit einem Fuhrunternehmen selbständig machen zu können. Es lief alles sehr gut und ich habe auch den Einstieg nach der Wende gut und erfolgreich gemeistert. 1993 haben wir noch eine Pension für 35 Gäste gebaut. Seit drei Jahren betreibt unsere Tochter ein gut gehendes Cafe in unseren Räumlichkeiten.

 

Das ist doch auch für die Gewichtheber-Gemeinde eine interessante Adresse. Kann man darüber mehr erfahren?

 

Jürgen Heuser: Unsere Ferienunterkünfte nennen sich inzwischen „Ulenhoef“ – das ist plattdeutsch und heißt auf hochdeutsch „Eulenhof“. Alles Wissenswerte gibt es unter www.ulenhoef.de. Übrigens – wenn jemand den Wunsch hat, so hole ich ihn natürlich mit dem Auto vom Bahnhof ab. Ehrensache!

 

Denken Sie noch oft an ihre so erfolgreiche aktive Zeit als Gewichtheber und besonders den Sieg bei den Weltmeisterschaften 1978 im amerikanischen Gettysburg?

 

Jürgen Heuser: Natürlich! Diese Jahre waren die erfolgreichreichsten meines Lebens. Ich habe mich erst mit 15 Jahren für das Gewichthaben entschieden. Mit anderen seine Kräfte zu messen, fand ich immer toll und möglichst der Stärkste zu sein. Dass ich es geschafft habe, einmal der Erste bei einer Weltmeisterschaft zu sein, war lange Zeit unfassbar.

 

Gab es in Gettysburg nicht auch ein Hymnenproblem?

 

Jürgen Heuser: Ich denke bei den Weltmeisterschaften 1978 war ich zwar Medallienanwärter, aber dass ich als jüngster und leichtester Heber im Superschwergewicht, bei allen anwesenden namhaften Favoriten wie Alexejew, Rachmanow, Bonk und Platschkow gewinnen würde, hatte wohl keiner ernsthaft geglaubt. Man hatte wohl in weiser Voraussicht schon die sowjetische Hymne bereit gelegt.

 

Das war Jürgen Heuser in seiner aktiven Zeit.

Haben Sie noch Kontakt zu ihren ehemaligen Kameraden

und Trainern?

 

Jürgen Heuser: Leider sind wir an der Küste etwas entfernt von den Zentren des Gewichthebersports. Ich bedaure sehr, dass sich die Medien bei der Berichterstattung so sehr von Sportarten wie Gewichtheben, Judo, Ringen usw. zurückgezogen haben. Es gibt kaum noch Möglichkeiten, das aktuelle Geschehen zu verfolgen. Mein Trainer, Uwe Ihde, wohnt im Nachbarort. Wir haben nach wie vor ein freundschaft-liches Verhältnis. Wir besuchen uns und telefonieren häufig miteinander. Beide bedauern wir sehr, dass es mit der Zeit Stück für Stück mit einem sehr erfolgreichen Stralsunder Traditionsverein bergab ging. Uns bleibt nur die Erinnerung an eine schöne Zeit. Ich bekomme heute noch Autogrammwünsche aus den USA, China, Russland, Schweiz und natürlich aus Deutschland. Vor kurzem verstarb leider unser langjähriger Nationaltrainer Harry Roewer, den ich sehr geschätzt habe. Uwe Ihde und ich waren zur Beerdigung in Berlin.

 

Verfolgen Sie auch das aktuelle Gewichtheben – wie schätzen Sie

das internationale Niveau des BVDG ein?

 

Bei jeder EM und WM versuche ich, möglichst viele Informationen zu erhalten. Gefühlsmäßig wird das von Jahr zu Jahr schwieriger. Im TV gibt es meistens nur Aufzeichnungen und in der Presse nur Randnotizen. Ich kann mich riesig freuen über tolle Zweikämpfe von Athleten und über neue Rekorde, weil ich weiss, wie hart man dafür trainieren muß. Bedauerlich ist, dass über jeder Superleistung immer das Fragezeichen Doping hängt. Es wird dadurch immer alles in Frage gestellt. Das internationale Niveau des BVDG ist höchstens noch Mittelmaß. Das liegt aber nicht daran, dass alle anderen dopen und deutsche Gewichtheber nicht. Das ganze System, angefangen mit Sichtung und öffentlicher Wahrnehmung hinkt. Ich bin immer noch stolz, wenn ich ältere Bürger in Stralsund treffe, die sagen, das waren unsere Gewichtheber.

 

Worauf freuen Sie sich in Meißen am meisten?

 

Jürgen Heuser: Ich freue mich, dort endlich mal wieder live Gewichtheben zu erleben und einige Sportfreunde zu treffen, mit denen ich zusammen trainiert habe. Ich erinnere mich noch immer gern an die tolle Atmosphäre,

die dort in der Wettkampfhalle herrscht.

 

Sagt heute noch jemand „Löwe“ zu Ihnen?

 

Jürgen Heuser: Der Spitzname stammt von meinem ersten Vorstellungstraining bei der BSG Motor Stralsund.

Ich war 15 Jahre alt und hatte als Krafttraining damals nur Arbeit in der Landwirtschaft vorzuweisen. Ohne Technik schaffte ich 15 Kilo mehr als der damalige Stralsunder Lokalmatador, der es schon zum DDR-Vizemeister gebracht hatte. Da kam der Ausruf: „Ist das ein Löwe!“ Zeitweise wussten einige Leute gar nicht meinen richtigen Namen. Ich werde tatsächlich noch öfters so angesprochen. Und dann kommen die Erinnerungen...

HB

(74)  2017-04-07   Tilo Gräser sprach mit Dr. Wolfgang Grabowski

Syrien: Westen will Regime Change

Russland steht dem im Wege

 

Russland hat in Syrien dem Westen und seiner Regime Change-Politik die Grenzen gezeigt. Nur deshalb wird verhandelt, stellt der frühere DDR-Diplomat Wolfgang Grabowski im Sputnik-Interview fest. Die jüngst von der EU wiederholte Forderung „Assad muss weg“ ist für ihn bereits gescheitert. Er kritisiert die westlichen Doppelstandards.

Herr Grabowski, Sie haben in der Zeitschrift WeltTrends 2/2017 einen Beitrag zum Syrienkonflikt und Russland veröffentlicht. Wie lässt sich das Verhältnis Syrien und Russland einschätzen? Welche Interessen hat Russland dabei?

Das ist ein strategisches Interesse, das auf langjähriger Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und Syrien basierte. Mit Wladimir Putin ist dort eine erneute Verbesserung eingetreten. Russland hat vor allen Dingen Interesse daran, strategisch in dem Gebiet präsent zu sein, seine gewachsenen Möglichkeiten zum Einsatz zu bringen und natürlich auch dafür zu sorgen, dass kein weiterer Regime Change vollzogen wird. Ich würde auch sagen, dass man in Moskau natürlich nicht die IS-Kämpfer im Kaukasus haben möchte und deshalb dort gegen den IS konsequent vorgeht.


Es gibt kritische Stimmen, die sagen, Russland verhalte sich in dem Zusammenhang nicht anders als der Westen, der versucht, seine Interessen im Nahen Osten durchzusetzen mit Hilfe ihm genehmer Regimes. Lässt sich das so Eins zu Eins vergleichen?

Das sind schon grundsätzlich andere Interessen, die dort meiner Sicht nach von Bedeutung sind. Das betrifft in erster Linie die Verteidigung gegen Terrorismus für das eigene Land, und die Absicherung von normalen Verhältnissen in dieser Region. Was Regime Change und Krieg dort bedeutet hat, durch den Westen geführt, ist allgemein bekannt. Das möchte man verhindern und einen Block dagegen setzen. Nicht zu übersehen ist, dass durch das Eingreifen Russlands erst Verhandlungen jetzt möglich wurden. General Kujat hat das treffend zum Ausdruck gebracht: Die Russen haben den Westen an den Verhandlungstisch gebombt. Da ist schon ein starker Unterschied.


Genau zu diesem Thema: Welche Rolle spielt Russland in dem Krieg in Syrien? Das ist ja auch zum Teil ein von außen gesteuerter Krieg gegen Syrien.

Russland war bemüht, diese Einmischung zurückzudrängen. Das ist auch gelungen. Der Westen muss sich darauf einstellen und nach dem Veto oder der Behinderung von den jahrelang gemachten Vorschlägen durch Russland und auch andere zu Dialog und Verhandlungen kommen. Diese Verhandlungen finden nun mit allem zögerlichen und auch Konter-Vorgehen statt.


Der Westen hat Verhandlungsvorschläge blockiert

Musste es also erst zu dem militärischen Eingreifen kommen, damit verhandelt wird?

Vier Jahre lang wurden die Vorschläge, die gemacht wurden, entweder zerredet oder ignoriert, nicht zur Kenntnis genommen. Das ging so nicht weiter. Der Krieg wurde weitergeführt. Das hat dann zu dieser Entscheidung geführt.


Russland hat in dem Konflikt immer wieder auf die Rolle des Völkerrechts hingewiesen. Wie schätzen Sie das ein? In Ihrem Beitrag haben Sie geschrieben, dass russische Vorgehen sei anders als das westliche gegen den IS in Irak und Syrien völkerrechtlich legitimiert.

Das würde ich nochmal unterstreichen. Russland ist zum Eingreifen von Assad eingeladen worden, also von der legitimen Regierung, und ist damit völkerrechtlich gedeckt.


Wie schätzen Sie die Rolle des Völkerrechts insgesamt in diesem Konflikt ein? Moskau sagt ja immer wieder, es gehe auch um völkerrechtliche Normen wie die Achtung der nationalen Souveränität.

Das sind wichtige Positionen, die Russland immer wieder, auch in der Uno und in den Verhandlungen jetzt, vorbringt. Das sind grundsätzliche Positionen Russlands. Man ist bemüht, dem auch wieder zum Durchbruch zu verhelfen.

Westliche Doppelstandards sind scheinheilig


In der Darstellung der Vorgänge in Syrien, auch im Krieg gegen den IS auf dem Gebiet des Irak und in Syrien, wird immer wieder verglichen zwischen Aleppo und Mossul als prägnanten Beispielen. In Aleppo soll gar „Völkermord“ stattgefunden haben. Dort soll angeblich die syrische Armee mit der russischen Unterstützung absichtlich die Zivilbevölkerung bombardiert haben, während in Mossul eine „Schlacht für die Freiheit“ gefochten wird wie es zum Teil Medien darstellten. Wie lässt sich diese unterschiedliche Darstellung bewerten?

Es sind zwei Standards, die immer wieder auch vom Westen in die internationale Politik eingebracht werden. Natürlich bin ich als Linker gegen jeden Krieg und dagegen, dass bombardiert wird. Nur, wenn wie in Aleppo geschehen – und ganz offensichtlich auch in Mossul –, die Terroristen sich in den Wohngebieten der Zivilbevölkerung einnisten, und in den entsprechenden Schulen, Krankenhäusern und so weiter, da ist die Frage berechtigt: Wie soll man das bekämpfen? Die einzige Kraft am Boden war die syrische Armee. Insofern sind schon Unterschiede da. Der eine macht das, und jener macht das, und man versucht das gleichzustellen. Der Unterschied ist nur, dass diese sogenannte Internationale Koalition dort tätig ist ohne entsprechendes Mandat, ohne gerufen zu sein.


So dass Sie dem Vorwurf, in Aleppo sei „barbarisch“ vorgegangen worden, während in Mossul „zivilisiert“ und „demokratisch“ vorgegangen wird, widersprechen würden?

Ja, sicher. Das ist eine scheinheilige Behauptung, die so nicht zutrifft. Und von den US-Amerikanern bei all ihren Aktionen im Irak, in Afghanistan ja ad absurdum geführt.


Nun gibt es derzeit verschiedene Bemühungen einer politischen Regelung in Syrien, so in Genf zwischen der syrischen Regierung und den verschiedenen sogenannten Rebellen-Gruppen, zuvor der Prozess von Astana, angeregt unter anderem durch Russland. Die EU will in Brüssel eine Konferenz abhalten und sagt aber gleichzeitig: Politische Lösung – aber ohne Assad! Wie sind diese aktuellen Bemühungen aus Ihrer Sicht einzuschätzen?

Sie werden sehr schwierig laufen. Diese Forderung „Assad muss weg und dann wird verhandelt!“, die war ja schon vorher gescheitert. Dass sie erneut vorgebracht wird, zeigt, wie schwierig die Auseinandersetzung wird. Ich glaube schon, dass die Gruppe, die in Astana verhandelt hat, das nicht als verhandlungsfähig charakterisieren wird.


Wie sehen die aktuellen Aussichten einer politischen Lösung aus?

Es gibt keine andere Lösung. Also muss man weiter verhandeln, immer weiter, viel Geduld aufbringen und die Lage so gestalten, dass Interessenübereinkünfte über lange Zeiträume möglich werden.


Es gibt aktuelle Meldungen eines vermeintlichen Giftgasangriffes bei Idlib. Zu beobachten ist, dass oftmals im Vorfeld, im Zusammenhang mit Verhandlungen zwischen den Konfliktbeteiligten solche Massaker-Meldungen auftauchen. Wird da bewusst versucht zu verhindern, dass es irgendeine Verhandlungslösung gibt?

Es wird nicht der letzte Versuch sein, Derartiges zu tun. Das hat sich ja gerade in der ganzen langen Kriegsführung in Syrien und auch in anderen Ländern des Nahen Ostens gezeigt, dass immer wenn sozusagen ein Lichtschein am Horizont erscheint, versucht wird, zu blockieren und provoziert wird. Das Giftgas-Gerede des Westens ist nicht zutreffend und blockiert nur.


Botschafter a.D. Wolfgang Grabowski war als DDR-Diplomat u.a. in der Sowjetunion und Syrien tätig. In den 2000er Jahren leitete er lange Zeit das Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau.

Die Zeitschrift WeltTrends

(73)  2017-04-03   Dagmar Gassen und Kester Schlenz 

                                sprachen mit Constantin Schreiber  

ARD-Journalist besuchte deutsche Moscheen

Vieles, was er hörte, entsetzte ihn

 

Der ARD-Journalist Constantin Schreiber hat Freitagspredigten in deutschen Moscheen besucht. Er sagt: "Da fielen ungeheure Sätze."

Constantin Schreiber vor der Berliner Sehitlik-Moschee. In der war er wenige Tage nach dem Putschversuch in der Türkei

© Anna Rose

 

"Ich finde dich und werde dich zersägen." "Dich muss man mit Merkel in eine Gummizelle sperren." Solche Mails bekam der Journalist als Reaktion auf seine N-TV-Sendung "Marhaba – Ankommen in Deutschland", in der er Flüchtlingen auf Arabisch unser Land erklärte – und die 2016 mit dem Grimme-Preis geehrt wurde. Seit Januar ist der 37-Jährige nun Sprecher der "Tagesschau" im Ersten, er moderiert das "Nachtmagazin" der ARD sowie das NDR-Medienmagazin "Zapp" und ab Ende März auch die Reportagereihe "Moschee-Report" im Sender Tagesschau 24. Der gebürtige Cuxhavener studierte Jura, volontierte bei der Deutschen Welle und wurde Korrespondent in Dubai. Später moderierte er bei N-TV und RTL, war Medienberater für den Nahen Osten im Auswärtigen Amt. Arabisch spricht er, weil er schon als Schüler häufig bei syrischen Freunden seiner Eltern in Damaskus zu Gast war und viel in der Region gereist ist.

Schreiber lebt mit Frau und Tochter in Berlin.

 

Herr Schreiber, Sie haben sich die Freitagspredigten in 13 Moscheen angehört. Welcher Moment ist Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben?

Das war der Besuch einer Predigt in Potsdam. Weil der Platz in der dortigen Al Farouk-Moschee begrenzt ist, darf deren Imam freitags in einer Halle der "Biosphäre Potsdam" predigen, mitten im Tropen-Erlebnispark. Dort saß ich dann mit Hunderten von Muslimen, unter ihnen viele Flüchtlinge, in einem Raum mit Palmen und großen Fensterfronten. Nebenan flogen Papageien. Draußen grasten Kühe. Es regnete. Deutsche Provinz. Und vorn stand ein Imam in traditioneller Kleidung und predigte, dass man sich nur mit seinen rechtschaffenen Brüdern befreunden und den Islam verbreiten solle. Das fand ich ziemlich bizarr.

 

Was hat Sie auf die Idee gebracht, in die Moscheen zu gehen und aus Ihren Erfahrungen ein Buch zu machen?

Schlichtweg Neugier. Ich war vorher nur ein einziges Mal in einer Freitagspredigt. Und ich dachte: Jetzt gehst du da einfach mal hin und hörst in ein paar Moscheen zu. Das hatte vor mir überraschenderweise noch kaum einer gemacht.

 

Was hatten Sie erwartet?

Dass ich so etwas wie eine Bandbreite hören würde. Konservative, moderate und, ja, auch fortschrittliche Predigten, die Brücken zwischen den Religionen bauen und in denen das Leben in Deutschland eine Rolle spielt.

 

Und?

Ich war enttäuscht, teilweise entsetzt. Ich habe keine einzige Predigt gehört, die ich wenigstens okay fand. Fast alle waren sehr konservativ. Und wenig integrativ. Es ging fast immer um "wir und die". Wir Muslime und die Anderen, die Deutschen, die Ungläubigen. Integration wurde eher als Bedrohung der reinen Lehre dargestellt.

 

Gab es Aufrufe zur Gewalt?

Nein, das nicht. Aber mir hat schon gereicht, was ich sonst gehört habe.

Wie haben Sie die Moscheen ausgesucht?

Mehr oder weniger zufällig. Ich habe die besucht, die ich kannte. Und ich habe arabische Freunde und syrische Flüchtlinge gefragt, wo sie beten. Dann bin ich, wann immer Zeit war, nach und nach dort hingegangen. In arabische und türkische Moscheen. In ansehnliche Bauten und in Hinterhöfe. Viele lagen in Berlin, aber ich war auch in Hamburg, in Leipzig, Magdeburg, Karlsruhe und eben in Potsdam.

Wir haben mehr als 2500 Moscheen im Land. Repräsentativ ist Ihre Auswahl nicht.

Nein, das behaupte ich auch nicht. Aber ich habe versucht zu dokumentieren, was man zu hören bekommt, wenn man an einem beliebigen Freitag in eine mehr oder weniger beliebige Moschee geht. Ich habe ja bewusst keine Moscheen besucht, die als salafistisch verschrien sind. Ich wollte ergebnisoffen recherchieren.

 

Das heißt aber auch, dass Sie möglicherweise in 13 anderen Moscheen ganz andere Dinge erlebt hätten.

Möglicherweise. Aber ich habe bei meinen Besuchen nun mal das erlebt, was ich in meinem Buch beschreibe. Und das war ernüchternd.

 

Haben Sie sich als Journalist zu erkennen gegeben?

Ich bin nach jeder Predigt zum Imam gegangen – bei den arabischen habe ich es meistens gleich gemacht, bei den türkischen, nachdem ich die Übersetzung hatte. Ich habe dann gesagt, dass ich Journalist bin, dass ich die Predigt gehört und aufgenommen habe und gerne darüber reden würde.

 

Und wie waren die Reaktionen?

Verwunderung, teilweise Ablehnung. Wie? Sie sind hier einfach so reingekommen? Warum haben Sie sich nicht angemeldet?

 

Und? Haben die Imame mit Ihnen über die Predigten gesprochen?

Fünf haben mit mir geredet. Die anderen nicht. Einmal hieß es: Das ist verboten. Andere haben mich auf später vertröstet und sich dann nie gemeldet. Die meisten Imame sprachen auch kein Deutsch. Einer lebte seit elf Jahren hier und konnte praktisch kein Wort. Aber ich konnte schon verstehen, dass manche nicht mit mir sprechen wollten.

 

Inwiefern?

Da ist immer auch die Angst, etwas Falsches zu sagen, falsch verstanden und pauschal in eine gewisse Ecke gerückt zu werden. Gerade wenn es auch Sprachbarrieren gibt. Aber hilfreich ist das natürlich nicht.

 

Sie sprechen fließend Arabisch, aber kein Türkisch.

Ja, aber ich habe ohnehin alle Predigten von Dolmetschern übersetzen lassen. Auch bei den arabischen wollte ich sichergehen, dass ich alles richtig verstanden habe.

Sie berichten in Ihrem Buch von Predigten, die auch unabhängig von der Sprache schwer nachvollziehbar scheinen. Der Imam in der türkischen Hagia-Sophia-Moschee in Karlsruhe zum Beispiel vermittelte seinen Gläubigen ein eigenwilliges Frauenbild.

Ja, er sagte klagend: Schaut euch die Mädchen und Frauen von heute an. Und dann lobte er die Heilige Fatima, die sich sogar als Tote den Blicken fremder Männer entzogen wissen wollte und bat, ihren Leichnam nachts zu beerdigen. Ich war erschrocken. Zumal an diesem Tag zahlreiche muslimische Schüler dort saßen und zuhörten. Wie sollen die so was einordnen?

 

Sie lassen zu jeder Predigt Islam-Experten zu Wort kommen. Haben Sie auch mit den Gläubigen selbst über die Predigten gesprochen?

Ja, mit einigen arabischen Besuchern habe ich gesprochen. In Potsdam sagten mir zum Beispiel Syrer, dass sie die Predigt konservativer als bei sich zu Hause fanden.

 

Einen Imam zitieren Sie mit den Worten: "Wir leben in einer westlichen Umgebung, in der du frei bist. Das ist ein wichtiger Wert, zu dem der Islam angespornt hat. Es gibt keinen Zwang in der Religion."

Ja, doch dann kommt später das große "Aber". Dann heißt es: Ihr müsst in dieser freien Umgebung unbedingt eure Rechtschaffenheit wahren, auch eure Kinder so erziehen und unter euresgleichen bleiben.

 

Sie kritisieren die Weltfremdheit einiger Predigten, die in einer scheinbar zeitlosen, idealisierten arabischen Welt spielen, die nichts mit der heutigen Lebensrealität der Muslime zu tun hat.

Ja, das war besonders bei einer Predigt in der Umar-Ibn-al-Khattab-Moschee in Berlin-Kreuzberg der Fall. Da ging es um die Armensteuer auf Datteln, Kamele und Kichererbsen.

 

In so mancher katholischen Kirche auf dem Land stößt man in Predigten auch nicht auf die Moderne. Weltfremdheit ist kein Alleinstellungsmerkmal des Islam.

Das stimmt. Aber die christlichen Kirchen sind ziemlich leer. Und die Moscheen sind voll. Sehr voll. So habe ich das zumindest erlebt. Und es sind viele junge Leute da. Unter ihnen viele Flüchtlinge. Denen müsste man aus meiner Sicht mehr bieten.

 

Nun wird ja gerade dem Islam vorgeworfen, er trenne nicht zwischen Religion und Politik. Dann lassen Sie doch den Imam von Kamelen und Kichererbsen reden. Das tut ja keinem weh.

Hilft aber auch keinem, der wissen möchte, wie er in unserem Land klarkommen und seine Religion auf friedliche Weise leben soll.

 

Müssen Freitagspredigten Integrationsarbeit leisten? Es gibt um die Moscheen herum eine vielfältige Gemeindearbeit, inklusive Sprachkursen und Flüchtlingshilfe. 10 000 Ehrenamtliche sind in der islamischen Wohlfahrtspflege engagiert.

Natürlich ist muslimisches Leben in Deutschland vielfältiger, aber das ist nicht mein Thema. Ich finde die Freitagspredigt zentral – auch weil ihr Besuch für die männlichen Gläubigen obligatorisch ist. Und Imame sind etwas Besonderes. Denen werden die Hände geküsst. Ihr Wort hat Bedeutung.

 

Welche Predigt hat Sie am meisten erschreckt?

In zwei Predigten ging es ganz offen gegen Jesiden, Armenier oder Juden. Das hat mich entsetzt. Und bemerkenswert war auch die in der Imam-Riza-Moschee in Berlin. Da hieß es: "Ihr könnt nicht sagen: Ich bin zugleich Demokrat und Schiit. Nein, das geht nicht. Man kann nicht sowohl Muslim als auch laizistisch sein. Man kann nicht sowohl Humanist als auch ein Freund der Familie des Propheten sein." Ungeheure Sätze!

 

Daran gibt es nicht viel auszulegen. In vielen anderen Fällen aber interpretieren Sie das Gesagte und mutmaßen, was mit Anspielungen und Metaphern gemeint sein könnte. Eindeutig ist das nicht immer. Man könnte auch zu anderen Schlüssen kommen.

Womöglich. Ich sage ja auch, dass das meine Schlüsse sind. Und ich diskutiere die Predigten durchaus kontrovers mit Islamexperten. Aber ich stieß eben auch auf Feindbilder und Stereotype, die klar waren und die mir keine Einzelfälle zu sein schienen.

 

Zum Beispiel?

Die Ablehnung oder sogar Verteufelung der westlichen Lebensweise. In der Berliner Mehmed Zahid Kotku Tekkesi-Moschee wurde am 23. Dezember des vergangenen Jahres noch die "größte aller Gefahren – die Weihnachtsgefahr" beschworen. Es stehe schon im Koran geschrieben: "Wer einen anderen Stamm nachahmt, wird einer von ihnen." Der Imam warnte: "Selbst Sonnenblumenkerne zu kaufen und den Silvesterabend zu Hause in der Familie zu feiern ist sehr gefährlich. Gott möge uns davor bewahren." Das war wenige Tage nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz.

 

Wurde der Anschlag erwähnt?                                                                Ja, der Imam sagte auch ganz klar, dass Gott das Morden verbiete, dass so etwas nicht zum Islam gehöre. Trotzdem: Als "größte der Gefahren" bezeichnete er die "Weihachtsgefahr" . In der türkischen Sehitlik-Moschee in Berlin sprach der Imam immer wieder von "unserer Nation". Aber damit war offenbar nicht Deutschland gemeint. Nein, die Türkei. Das war in vielen türkischen Predigten so. Ein Imam, der hier schon lange lebt, sprach von Deutschen als "unseren ausländischen Mitbürgern". Das fand er offenbar ganz normal.

 

Drei türkische Moscheen, die Sie besucht haben, gehören zum Dachverband Ditib und sind eng mit der Regierung in Ankara verknüpft.                                                                                                   Ja, die Sehitlik-Moschee war eine davon. Ich hatte bei den Ditib-Moscheen schon den Eindruck, dass politische Botschaften und religiöse Formeln stark verflochten waren. In der Sehitlik-Moschee, die ich wenige Tage nach dem Putschversuch in der Türkei besuchte, sprach der Imam von einer "amoklaufenden Junta" und würdigte die "Märtyrer, die für unsere Unabhängigkeit und Zukunft ihr Leben ließen" . Aber auch insgesamt waren die türkischen Predigten, die ich gehört habe, eher politisch, die arabischen eher spirituell-konservativ.

 

Sie drücken an mehreren Stellen Ihres Buches Ihre große Sorge um die vielen Flüchtlinge aus, die Sie in den Moscheen angetroffen haben. Was genau sorgt Sie?                                                               Viele von ihnen waren noch nie im Westen. Sie wissen wenig über Deutschland. Frauen mit kurzen Haaren zum Beispiel irritieren sie massiv. Sie wollten von mir wissen, ob die krank seien. Ich frage mich, wohin das führt, wenn man Menschen mit diesem Kenntnisstand in den Moscheen sagt, dass sie fest im Glauben sein müssen und sich nur mit rechtgläubigen Muslimen befreunden sollen. Ich sorge mich, dass solche Freitagspredigten schlichtweg antiintegrativ sind und Gräben vertiefen.

 

Wie würde denn eine ideale Predigt aus Ihrer Sicht aussehen?          Ich erwarte schon, dass Religion auch etwas mit dem realen Leben zu tun hat. Gerade die Flüchtlinge sind ja mit massiven Problemen konfrontiert, die sämtliche Lebensbereiche betreffen. Da kann es doch nicht reichen, immer nur zu sagen: Seid fest im Glauben.

 

Aber noch einmal: So etwas hört man zum Teil auch in christlichen Kirchen. Religiöse Veranstaltungen müssen keine Sozialarbeit ersetzen.                                                                                               Meine Frau und ich sind regelmäßig in Gottesdiensten. Auch in katholischen. Diese Kirche macht bestimmt nicht alles richtig, aber dort wird in den Predigten auch mal über gesellschaftliche Themen gesprochen. Es geht um mehr als das, was ich bei meinen Moscheebesuchen gehört habe.

 

Muss der deutsche Staat etwas tun?

Wenn wir besser verstehen wollen, was in Moscheen gepredigt wird, wäre eine Verpflichtung zur deutschen Sprache zu diskutieren. Das würde auch sicherstellen, dass die Imame einen Zugang zur Kultur des Landes haben, in dem sie sprechen.

 

Sie kennen Artikel 4 des Grundgesetzes?                                              Ja, der garantiert die Freiheit des Glaubens und der Religionsausübung. Ein hohes Gut. Die will ich wahrlich nicht abschaffen. Und ehe Sie jetzt damit kommen: Ich weiß, dass in der katholischen Kirche auch Messen auf Latein gelesen werden dürfen.

 

Also müsste die Initiative von den Muslimen selbst kommen?   Absolut. Letztendlich müssen die muslimischen Gemeinden hierzulande das selber in die Hand nehmen und entscheiden, wohin sie in religiösen Dingen wollen. Ich glaube, dass vor allem ein aufgeklärter Euro-Islam eine Chance ist, Brücken zu bauen und Vorurteile abzubauen. Ich bin auch ein großer Freund der Imam-Ausbildung bei uns im Land.

Sie haben nur 13 Moscheen besucht. Die meisten davon liegen in Berlin, es sind nicht alle wichtigen Glaubensrichtungen vertreten. Trotzdem heißt Ihr Buch "Inside Islam". Ist dieser Titel nicht anmaßend?                                                                                                 Er ist sicherlich etwas plakativ und reduziert. Aber wie soll ich mich denn einer Religion nähern, wenn nicht an dem Ort, an dem sie verkündet wird? Ich bin reingegangen in die Moscheen und war in dieser Hinsicht "inside". Und ich mache weiter. Auch in meiner neuen TV-Sendung "Moschee-Report".

Sie waren also in weiteren Moscheen.                                                    Ja, in fünf.

Gab es irgendeine positive Überraschung?                                           Ich würde so gern ein positives Beispiel anführen, eine Predigt, die Weltoffenheit ausstrahlt, eine Brücke baut zum Leben in Deutschland. Ich habe sie bisher nicht gefunden. Aber ich suche weiter.

Dieses Gespräch erschien zuerst in stern Nr. 13/2017.

(72)  2017-03-25 - Christoph Prantner sprach

                              mit der Urenkelin Nikita Chruschtschows  

Chruschtschowa:

"Europa darf sich nicht zerquetschen lassen"

Politologin sieht Wladimir Putin

als pragmatischen Spieler

STANDARD: Die EU ist destabilisiert wie selten zuvor. Gleichzeitig sehen wir einen US-Präsidenten von Putins Gnaden. Für eine "Regionalmacht", wie Barack Obama es formuliert hat, ist Russland derzeit ganz schön einflussreich, oder?

Chruschtschowa: In Präsident Obamas Außenpolitik gab es generell viel Wunschdenken. Wäre die Welt rational und alle ihre Akteure ebenso, hätte sein Ansatz funktioniert. Aber dem ist eben nicht so. Obamas Russland-Einschätzung illustriert dieses Fehlkalkül. Wladimir Putin hat sich dadurch in seiner Ehre gekränkt gefühlt und den USA gezeigt, wozu er imstande ist. Im Gegensatz zu Obama bewundert Donald Trump die autokratische Statur Putins. Diesen Führungsstil würde er gerne nachahmen. Zwischen diesen beiden Polen läuft es derzeit nicht besonders gut für Europa. Es muss aufpassen, dass es in diesem Sandwich nicht zerquetscht wird.

 

STANDARD: Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass Trump durch russische Geheimdienstinformationen erpressbar sein könnte?

Chruschtschowa: Ich bin mir sicher, dass sie alles über ihn haben. Wenn sie die Server der Demokraten im Wahlkampf gehackt haben, dann waren sie auch in jenen der Republikaner drinnen. Es war bisher vorteilhafter für die Russen, diese Informationen geheimzuhalten. Wenn es sich als besser erweist, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, werden sie auch das tun. Man kann ja bereits einen gewissen Wandel sehen: In Russland flaut die Trump-Begeisterung ab. Bisher gab es wenig Gespräche zwischen Washington und Moskau, es gibt auch keine Pläne für ein Treffen. Die Russen könnten wieder umschwenken und sagen: Na ja, es wird wieder so ein amerikanischer Idiot sein, der zuerst alles verspricht und dann nichts einhält. Es ist gut möglich, dass Russland sich in die Weltgemeinschaft der Trump-Jäger einreiht. Je schwächer er wird, und Trump wird schwächer, desto größer könnten die Gelüste in Moskau werden, ihn tatsächlich auch loszuwerden.

 

STANDARD: Was ist das langfristige Ziel Wladimir Putins?

Chruschtschowa: Er muss an der Macht bleiben, zumindest bis 2024. Denn wenn er aus dem Spiel ist, wird es schlecht für ihn enden. Das System ist mörderisch, er ist in Gefahr. Daneben ist die Großrussland-Idee tatsächlich sehr wichtig für ihn. Und, was sollte er denn auch sonst machen? Er kann nicht mehr zum Skifahren in die Schweiz. Ihm bleiben die Krim und Sotschi. Aber das ist ziemlich begrenzt für einen Mann, der an beinahe unbegrenzte Macht gewöhnt ist.

 

STANDARD: Wie soll Europa damit umgehen?

Chruschtschowa: Obama hat ein Land mit elf Zeitzonen und einem Nuklearwaffenarsenal heruntergemacht. Europa ist dieser Einschätzung gefolgt. Das ist schade. Denn es hätte eine großartige Möglichkeit gehabt, im amerikanisch-russischen Verhältnis zu vermitteln. Angela Merkel hat es versucht, aber die USA haben das bald beendet. Die Ukraine mag ein wichtiger Faktor für Europa sein, dennoch hätte es nicht so kommen müssen, dass Putin das Gefühl hat, umzingelt zu sein und gegen den Westen kämpfen zu müssen, statt mit ihm zu sprechen.

 

STANDARD: Wie lange wird die russische Bevölkerung noch bereit sein, unter den Sanktionen zu leiden?

Chruschtschowa: Sehr lange. Die Russen waren schon 2011 und 2012 nicht bereit für einen Regimewechsel. Wenn es jetzt einen Staatsstreich gibt, dann geht er nicht von den Bürgern aus, sondern von Einzelnen in der Entourage Putins, die sich schlecht behandelt oder bedroht fühlen. Seit 2013 gibt es in Teilen von Putins Gefolgschaft großen Missmut wegen der Krimgeschichte.

 

STANDARD: Gibt es jemanden, der sich als Gegner Putins profiliert?

Chruschtschowa: Nein, und wenn Ihnen jemand etwas anderes sagt, ist es gelogen. Man kann über das Militär spekulieren oder den KGB. Als es seinerzeit gegen Chruschtschow ging, wusste niemand, dass Breschnew als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen würde. Vor einiger Zeit hätte ich noch gesagt, Sergej Iwanow (der ehemalige Chef der russischen Präsidialverwaltung, Anm.) wäre jemand, der Wladimir Putin herausfordern will. Aber ich höre, dass er sich völlig zurückgezogen hat und nur noch sein Geld ausgeben will. Allerdings: Was macht er mit seinen Milliarden in Russland? Das gilt übrigens für viele dieser Oligarchen. Deshalb, denke ich, wird irgendwo etwas köcheln. Vielleicht verbünden sich sogar Hardliner und Liberale. Es kann aber auch sein, dass Putin 2018 wiedergewählt wird und 2024, als alter Mann, noch einmal.

 

STANDARD: Was würde das für Europa bedeuten?

Chruschtschowa: Wenn das so eintritt, heißt es: Lernt umzugehen mit ihm. Es gibt keine andere Möglichkeit. Es ist besser, ihn zum Partner zu haben als zum Feind.

 

STANDARD: Sollte Merkel die deutsche Wahl gewinnen, wie werden sich die europäisch-russischen Beziehungen dann entwickeln?

Chruschtschowa: Sie ist extrem pragmatisch. Von allen Staats- und Regierungschefs ist sie vermutlich die Einzige, die Putin respektiert. Sie kennt ihn, sie hat ihm den Baum aufgestellt. Derzeit versucht er alles, damit sie nicht wiedergewählt wird. Aber deshalb, weil er ein Spieler ist und jede sich bietende Gelegenheit beim Schopf packt. Aber er ist eben auch pragmatisch und arbeitet mit dem, was er vorfindet. Derzeit mögen sie einander nicht grün sein, aber das kann sich ändern.

ZUR PERSON: Nina Chruschtschowa (Jahrgang 1962) lehrt Internationale Politik an der New School in New York und ist Senior Fellow des World Policy Institute. Vergangenen Donnerstag sprach die Urenkelin Nikita Chruschtschows im Wiener Kreisky-Forum über das politische Comeback Russlands auf der Weltbühne. 

Der Standard, 24.3.2017/Images: standard.at

(71)  2017-01-30 -  Gespräch mit Mia Åkerblom aus Linz

1472 Prozent mehr Vergewaltigungen

Jetzt spricht eine Schwedin!

 

Schweden ist für Frauen das gefährlichste Land außerhalb Afrikas

geworden, mit einer Vergewaltigungshäufigkeit, die zehnmal höher liegt

als bei seinen europäischen Nachbarn.

 

David Goldman, Asia Times

So etwas hat es im Internet noch nie gegeben

 

Drei Migranten vergewaltigten stundenlang eine Schwedin. Und übertrugen die kranke, abartige und kriminelle Gruppenvergewaltigung live auf Facebook.

 

Wie konnte aus dem früheren Vorzeige-Staat Schweden das „Vergewaltigungs-Mekka“ der Gegenwart werden? Kommen die Entwicklungen zeitverzögert auch zu uns? Zu diesem Zweck hat der österreichische „Wochenblick“-Redakteur Philipp Fehrerberger ein ausführliches Gespräch mit der Linzer Gemeinderätin Mia Åkerblom geführt. Als Schwedin kennt sie die Lage vor Ort genau und berichtet über die Entwicklung des Landes in den letzten Jahrzehnten und persönliche Erlebnisse in ihrer Jugend. Sie nimmt außerdem ausführlich Stellung zu Integration und der zukünftigen Entwicklung in Europa.

 

Das renommierte Gatestone-Institut stellt dazu sogar fest: „40 Jahre nachdem das schwedische Parlament einstimmig beschloss, das vormals homogene Schweden in ein multikulturelles Land umzuwandeln, haben Gewaltverbrechen um 300 Prozent und Vergewaltigungen um 1472 Prozent zugenommen.“

Die Nachricht der abscheulichen Live-Vergewaltigung in Schweden geht in diesen Stunden um die Welt.

In Linz trafen wir dazu die in Schweden geborene Mia Åkerblom, die seit Jahren in Oberösterreich lebt. Sie sitzt seit Herbst 2015 im Linzer Gemeinderat

Live-Vergewaltigung könnte Nachahmungstäter finden

Wochenblick: Frau Åkerblom, was empfanden Sie, als Sie von der Tat hörten?

Åkerblom: Mich überkam Ekel und Abscheu.

Wochenblick: Ein bedauerlicher Einzelfall?

Åkerblom: Nein, leider nein. So gut wie jeden Monat gibt es Berichte über Vergewaltigungsfälle in Schweden, und ich muss mittlerweile sagen, dass es zum Alltag geworden ist. Die Dunkelziffer liegt natürlich weit höher. Dass ich das jetzt sage, tut mir sehr weh, weil es so nicht sein soll und es nicht sein kann, dass einer schuldlosen Frau so etwas angetan wurde.

Wochenblick: Aber Live-Vergewaltigungen auf Facebook sind neu?

Åkerblom: Es ist zwar das erste Mal, dass eine Vergewaltigung live auf Facebook gestreamt wurde, jedoch können ähnliche Fälle in Zukunft nicht ausgeschlossen werden. Andere irre Trittbrettfahrer könnten sich an dieser abscheulichen Tat ein Vorbild nehmen, auch in Österreich.

Wochenblick: Macht man als „normale“ schwedische Frau auch Erfahrungen mit dem schwedischen „Vergewaltigungsproblem“?

Åkerblom: In Schweden sind Vergewaltigungen durch Zuwanderer nichts Neues. Als ich etwa 12 Jahre alt war, wurde ein junges Mädel aus meiner Schule im Wald von einer Gruppe frisch zugewanderter „Schulkollegen“ vergewaltigt. Ein Einzelfall war das sicher nicht.

Wochenblick: Aber früher las man weniger von Vergewaltigungen in Europa?

Åkerblom: Vergewaltigungen und Übergriffe gegenüber Frauen sind nur das Symptom einer fehlerhaften Einwanderungs- und Integrationspolitik. Auch wenn es Verbreitungsmöglichkeiten über Socialmedia damals noch nicht gab, und solche Vorfälle durch Mainstream-Medien nicht oder nur spärlich publiziert wurden, waren es immer die „normalen Bürger“, die unter der verfehlten Politik zu leiden hatte.

(70)  2017-01-07 - Pressemitteilung in Interviewform: Andy Dittmar 

„Einmalige Mischung aus großer Vorfreude und riesigem Stolz!“

Höhepunkt 2017:

20. Gothaer Schloss-Meeting

 

Er kann’s einfach nicht lassen. Aber warum auch? Andy Dittmar ist noch immer fit wie ein Turnschuh, der zwar schon viele Jahre auf dem Buckel hat, aber in dieser Zeit bestens gepflegt wurde. Und vor allem hat er nach wie vor großen Spaß an dem Sport, dem er seit seiner Jugend frönt: Kugelstoßen. Deshalb startet der 42-Jährige am kommenden Samstag bei einem Meeting in Erfurt in die Hallensaison. Grund genug für ein Interview zum Auftakt des Jahres, dessen Höhepunkt ein besonderes Jubiläum werden soll. Doch der Reihe nach.

Andy, am kommenden Samstag geht’s wieder los. Deine wievielte Hallensaison nimmst Du dann eigentlich in Angriff?

Oh, so genau weiß ich das aus dem Stegreif gar nicht. Da muss ich kurz überlegen... Es müsste die 35. Hallensaison sein.

 

Da kommen sicher auch viele Medaillen und Titel zusammen.

Ja, in der Summe sind es aktuell 46 Landesmeistertitel, abwechselnd errungen in der Halle und unter freiem Himmel.

 

Am 22. Januar stehen die Thüringer Hallenmeisterschaften in Erfurt auf dem Programm. Bekommt die Titelsammlung dann weiteren Zuwachs?

Das hoffe ich sehr. Für mich ist es auch immer wieder eine große Motivation, meinen Titel zu verteidigen: im Idealfall natürlich mit einer starken Leistung.

 

Was wäre im Jahr 2017 eine gute Leistung für Dich?

Da mache ich im Vergleich zu den Vorjahren keine Abstriche: Wichtig ist die Zahl 18 vor dem Komma, das ist nach wie vor meine magische Grenze. Alles, was darüber hinausgeht, ist eine Zugabe!

 

In Deinem Kalender für die Hallensaison sind fürs Erste sechs nationale Wettkämpfe eingeplant, aber kein internationaler. Warum?

Das hat ganz pragmatische Gründe. Die Hallen-Weltmeisterschaften der Senioren finden in diesem Jahr in Daegu statt, also in Südkorea, das ist nicht gleich um die Ecke. Ein Start wäre mit sehr großem Aufwand verbunden, unter anderem müsste ich eine Woche Urlaub einplanen. Da muss ich einfach abwägen und meine Prioritäten ganz bewusst anders setzen.

Und, was hat Priorität für Dich im Jahr 2017?

Sportlich ganz klar das 20. Gothaer Schloss-Meeting am Samstag, 15. Juli 2017, im Rosengarten. Diesem Datum blicke ich mit einer einmaligen Mischung aus riesiger Vorfreude und großem Stolz entgegen. Das wird eine tolle Geschichte!

Einerseits freue ich mich auf das Wiedersehen mit vielen Wegbegleitern – wir planen ja eine Art sportliches Klassentreffen, die Vorbereitungen dafür sind schon angelaufen.

Andererseits bin ich sehr stolz auf das, was aus einer fixen Idee aus dem Jahr 1997 geworden ist, auf das, was hier in Gotha in den vergangenen 20 Jahren mit Unterstützung vieler aufgebaut werden konnte, und natürlich auch auf das Team, mit dem ich den Wettkampf Jahr für Jahr organisiere. Das ist wirklich top!

 

In diesem Sinne: Viel Glück und Erfolg für die Hallensaison und das Jahr 2017!

Wolfgang Gleichmar – Gothaer Schloss-Meeting

(69)  2016-12-18 - Streitgespräch mit Udo Ulfkotte

Medienkritiker Udo Ulfkotte:

"Die Journalisten kapieren

es einfach nicht"

 

Zu einem der schärfsten und polemischsten Medienkritiker hat sich der frühere "FAZ"-Redakteur Udo Ulfkotte entwickelt. Die Bücher des Politikwissenschaftlers sind Bestseller. In seinem soeben erschienenen Band "Volkspädagogen" lässt er kaum ein gutes Haar an der Branche. kress.de hat den 56-Jährigen zu seinen Thesen befragt. Ein Streitgespräch mit Frank Hauke-Steller:

kress.de: Woher kommt Ihr Selbsthass, Herr Ulfkotte?

Udo Ulfkotte: Alles, was politisch nicht korrekt ist und nicht zur Einheitsmeinung passt, wird pathologisiert. Schon Ihre Frage zeigt, dass Sie wohl auch eher zu den Anpassern und Mitschwimmern gehören. Ich habe keinen Selbsthass, ist bin ein ganz normaler, einfacher Medienkritiker.

 

kress.de: Sie waren lange Zeit etablierter Teil dieser Branche. Nun veröffentlichen Sie ein Buch nach dem anderen über die Verkommenheit des Journalismus. Hat das nichts mit Selbsthass zu tun?

Udo Ulfkotte: Würden Sie Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin und die vielen anderen, die ähnliche Bücher schreiben, das auch fragen? Jeder, der Missstände in Politik und Medien kritisiert, wird doch sofort hingerichtet - früher auf dem Marktplatz, heute in den Medien.

 

kress.de: Dann anders gefragt: Wie kam es zu diesem kritischen Blick auf den eigenen Berufsstand?

Udo Ulfkotte: Das begann schon 1988, als ich an der iranisch-irakischen Grenze Augenzeuge von Vergasungen iranischer Soldaten wurde. Mit deutschem Giftgas und unter amerikanischer Oberaufsicht haben Iraker Iraner vergast - und das hinterher in Bagdad gefeiert. Ich bin Jahrgang 1960 und habe in der Schule eingeimpft bekommen, dass Deutsche nie wieder Menschen vergasen dürfen. Und da stand ich nun und musste ohnmächtig vor Wut mit ansehen, dass es für unsere Medien - und ich war ein Teil davon - gute und böse Vergasungsaktionen gibt.

 

kress.de: Inwiefern?

Udo Ulfkotte: Das, was ich zur "FAZ" geschickt hatte, und das, was abgedruckt wurde, waren zwei Welten. Ich habe damals gelernt, dass dieses Vorgehen bei Medien "normal" ist. Ich habe weitergemacht, bis ich nicht mehr in den Spiegel schauen konnte. Übrigens bin ich inzwischen der einzige lebende deutsche Journalist, der offiziell als Senfgasopfer anerkannt ist.

 

kress.de: Das ist fast 30 Jahre her. Lassen Sie uns über heute sprechen: Sie werfen Ihren Kollegen vor, Volkspädagogen zu sein, Lobbyarbeit zu betreiben, unterstellen eine "klebrig-filzige Nähe zu Eliteorganisationen". Liest man Ihr Buch, ist der heutige Journalismus eine furchtbare Branche. Oder formuliere ich das zu zugespitzt?

Udo Ulfkotte: Nein, tun Sie nicht. Der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Krüger sieht das auch so, da bin ich nicht allein. Er ist kein Insider, kennt den redaktionellen Alltag in Leitmedien mit dem Druck von oben, den es da in Hinblick auf politisch korrekte Berichterstattung im Sinne bestimmter Eliten gibt, nicht aus eigener Anschauung. Und Krüger ist ganz sicher kein "Rechtspopulist" oder Selbsthasser, wie Sie sagen würden.

 

kress.de: Inzwischen kommt ja auch Selbstkritik aus den Leitmedien, die sich ein wenig mit Ihrem Kritikpunkt deckt, die Leser seien "noch nie so von oben herab behandelt" worden wie heute. Sind wir an einem Wendepunkt?

Udo Ulfkotte: Nein, die Chance haben wir verpasst. Wer in meiner Verwandtschaft noch Lokalzeitungen abonniert hat, der ist älter und liest sie nur noch wegen der Todesanzeigen und der Müllabfuhr. Diese Leser werden wegsterben.

 

kress.de: Ich meinte die Leitmedien...

Udo Ulfkotte: Deren Konsumenten finden sich und ihre Welt in den redaktionellen Texten nicht mehr wieder. Die Bürger haben doch längst entschieden. Sie sagen sich: Liebe Journalisten, ihr könnt euch keine neuen Kunden suchen, aber wir Bürger können uns neue Informationsquellen suchen, wo wir uns mit unseren Sorgen wiederfinden. Sie sehen das doch am Niedergang der Auflagen. Aber die Journalisten kapieren es einfach nicht.

kress.de: In Ihrem Buch gehen Sie noch einen Schritt weiter: "Jedem Bürger sollte klar sein, dass Meinungs- und Pressefreiheit nur noch auf dem Papier bestehen", schreiben Sie. Aber Sie können doch Ihre Meinung ausführlich in einem Buch darstellen. Wie passt das zusammen?

Udo Ulfkotte: Na, dann fragen Sie mal meine Frau, wie viele Hausdurchsuchungen und Gerichtsverfahren ich schon hatte. Weil ich Dinge geschrieben habe, die politisch nicht korrekt waren. Ich kann mich übrigens an nicht einen Journalisten erinnern, der je darüber berichtet hätte, dass die Verfahren eingestellt wurden. Auch die Journalistenverbände, in denen ich früher noch Mitglied war, haben politisch korrekt weggeschaut. Das fing 2004 an. Angeblich hatte ich Geheimnisse verraten. Es ist eine reine Frage der Zeit, wann ich auch mal wegen Volksverhetzung angeklagt werde, sagen meine Anwälte. So wie bei Thilo Sarrazin und anderen gehört das heute dazu, um einen Kritiker der politischen Korrektheit fertigzumachen.

 

kress.de: Sie sprechen in Ihrem Buch auch von "Zensur". Verharmlost das nicht die Zustände in Ländern wie Kuba oder Weißrussland, in denen tatsächlich Zensur herrscht?

Udo Ulfkotte: Wie nennen Sie es denn, wenn Länder-Polizeien Vorgaben bekommen, etwa über Flüchtlingskriminalität möglichst nicht zu berichten? Das sind klare Zensurvorgaben. Denken Sie bei diesem Thema auch an Silvester in Köln und die Zensurmaßnahmen. Es ist widerlich - wie in einer Bananenrepublik! Und wie nennen Sie es, wenn unsere geliebte Führerin seit 2008 regelmäßig die Chefredakteure der großen Leitmedien im Kanzleramt zum Rapport bestellt...

 

kress.de: Das ist ein Meinungsaustausch.

Udo Ulfkotte: Ist es nicht. Denn Merkel gibt vor, worüber die Journalisten im Staatsinteresse nicht berichten sollen. Oder dass sie den Euro schönzuschreiben haben. Jakob Augstein und andere haben das publik gemacht. Das wird in Nordkorea nicht anders sein. Und wer sich hier nicht daran hält, der wird zwar nicht erschossen, aber vom Informationsfluss abgeschnitten. Selbst der grüne Oberbürgermeister Boris Palmer spricht inzwischen von "Zensur" und "Orwellscher Sprachkontrolle" in Deutschland. Er meint wohl die von Zensurminister Heiko Maas unterstützte Stasi-Truppe, die bei Facebook aktiv ist. Was glauben Sie denn, woher es kommt, dass drei Viertel der Bürger Angst davor haben, ihre Meinung noch frei zu äußern?

 

kress.de: Zurück zum Zensur-Vorwurf. Sie behaupten, die "Organisation Werbungstreibende im Markenverband" fordere von Medien ein politisch korrektes Umfeld, sonst würden diese von den großen Unternehmen keine Anzeigen erhalten. Können Sie das belegen?

Udo Ulfkotte: Das hat das Branchenmagazin "Horizont" im August 2016 berichtet. Ich habe das auch als Quelle angegeben. Und ich nenne das subjektiv Zensur. Dabei bleibe ich.

 

kress.de: Auch "Spiegel" und "Focus" würden ihre Berichterstattung von Anzeigenkunden beeinflussen lassen, schreiben Sie. Ein harter Vorwurf gegen die Unabhängigkeit unserer Nachrichtenmagazine. Wie kommen Sie darauf?

Udo Ulfkotte: Ich zitiere in "Volkspädagogen" ausführlich aus einer wissenschaftlichen Studie über die Synchronisation von Werbung und Nachricht. Und da sind nun mal auch "Spiegel" und "Focus" mit ausgewertet worden. Sagen wir mal so: Die kommen da eher weniger gut weg.

 

kress.de: Als ein Beispiel für Manipulationen nennen Sie Berichte über Flüchtlinge, die "Tag für Tag" Geld finden und es bei der Polizei abgeben. Die Leser sollten so "auf den Massenansturm von noch mehr Migranten eingestimmt werden". Unterstellen Sie, dass diese Geschichten fingiert sind?

Udo Ulfkotte: Ich weiß nicht, ob Teile dieser tränenrührenden Geschichten erfunden sind. Aber es ist ein klassischer Propaganda- und Desinformationstrick. Auf der einen Seite gibt es, was ja inzwischen keiner mehr bestreitet, Anweisungen aus den Reihen deutscher Sicherheitsbehörden, möglichst nicht über Kriminalität und die Schattenseiten der unkontrollierten Massenzuwanderung zu berichten. Ich werte andererseits gerade für 2016 die offen zugänglichen Polizeiberichte über sexuellen Missbrauch und Vergewaltigungen von Frauen und Kindern aus, bei denen die Tatverdächtigen laut Fahndung "Südländer", "Ausländer", "Flüchtlinge", "arabischen Typs" oder "Dunkelhäutige" sind. Und ich sammle wirklich nur die Fälle, die in keiner Zeitung erwähnt wurden. Ich habe das Gefühl, dass ich eine mehrbändige Enzyklopädie erarbeite, so viele Fälle sind das. Und von keinem einzigen haben die Menschen da draußen je etwas gehört. Und dann sehe ich andererseits diese Berichte über die lieben potentiellen Herzchirurgen, Raketeningenieure und Chemielaboranten, die ständig Geld finden und brav abliefern. Sorry, aber da fühle ich mich einfach nur noch veräppelt.

 

kress.de: Nichts tue Journalisten so gut wie das Gefühl, gegen Rechts zu kämpfen, kritisieren Sie. Was ist denn daran verwerflich? Ist es nicht vielmehr löblich, wenn sich Medien gegen eine menschenverachtende Ideologie stellen und Haltung zeigen?

Udo Ulfkotte: Was ist denn heute rechts? Wenn ich früher neben Helmut Kohl gesessen habe und er erzählt hat, warum er den Zuzug von Ausländern extrem begrenzen will, dann wäre das aus heutiger Sicht schon "rechts". Und lesen Sie mal, was Angela Merkel auf früheren Parteitagen zur gleichen Thematik gesagt hat - heute würde sie dafür in die Nähe der "Volksverhetzung" gerückt. Heute ist alles "rechts", was den Zielen der herrschenden Elite widerspricht. Die Mehrheit der Deutschen wollte den Euro nicht. Politik und Medien haben die neue Weichwährung trotzdem gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt. Und wer das kritisiert, ist "rechts".

 

kress.de: Ausführlich stellen Sie in Ihrem Buch fehlerhafte Berichterstattung dar, wenn es um Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Flüchtlingen geht. Obwohl die Aggression von Flüchtlingen ausgegangen sei, sei die Polizei in Medien schlecht weggekommen. Aber passieren nicht überall Fehler? Ist es wirklich fair, aus solchen Einzelfällen auf eine gesamte Branche zu schließen?

Udo Ulfkotte: Ich sage es mal anders: Lesen Sie doch bitte das Buch "Notruf einer Polizistin" der politisch unverdächtigen griechischstämmigen Tania Kambouri. Und lesen Sie vom Chef der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, "Deutschland in Gefahr". Ich kann hundert weitere nennen, die Ihnen bestätigen werden, dass deutsche Journalisten systematisch nach dem Muster "Guter Asylant - Böser Polizist" arbeiten.

 

kress.de: Sie greifen die Leitmedien pauschal und auch polemisch an. Andererseits beklagen Sie, dass diese jede Werbung für Ihr Buch oder andere Werke des Kopp-Verlages ablehnen. Ist das nicht ein wenig heuchlerisch? So wie es in den Wald hineinschallt, schallt es eben auch wieder heraus...

Udo Ulfkotte: Um Himmels Willen. Ich beklage mich doch nicht darüber, dass Leitmedien keine bezahlten Werbeanzeigen von mir oder meinem Verlag wollen. Ich erwähne das nur, weil es immer wieder Leser gibt, die gute Ideen für bezahlte Werbung außerhalb der klassischen Medien haben. Und ich erwähne es, weil die letzten Bücher, für die ja auch nicht geworben werden durfte, alle auf die "Spiegel"-Bestsellerliste kamen. Da müsste einem halbwegs intelligenten Journalisten doch irgendwann mal ein Licht aufgehen, dass er sich in einer Sackgasse befindet.

 

Hintergrund: Udo Ulfkotte, Volkspädagogen; Kopp-Verlag, gebunden, 272 Seiten, ISBN: 9783864453885, Preis: 19,95 Euro

(68)  2016-12-17 - Robin Riemann/heute.de

Hauptverantwortung für die Syrien-Katastrophe liegt

bei den USA

 

Ohne den Eingriff Russlands wäre alles noch viel schlimmer

 

Für seine Luftangriffe auf Aleppo und die Blockade im UN-Sicherheitsrat wird Russland heftig kritisiert. Nahost-Experte Günter Meyer macht im heute.de-Interview aber vor allem die USA für die Not der Menschen in Syrien verantwortlich. Und Deutschland? "Hat de facto keinen Einfluss auf die Lage."

Günter Meyer

... leitet das Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Er ist auch Präsident der European Association for Middle Eastern Studies. Seit fast vier Jahrzehnten hat Meyer wissenschaftliche Untersuchungen zur wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung in Syrien durchgeführt.

 

Das Interview mit PROF. GÜNTER MEYER führte Robin Riemann:

heute.de: Die Hilfsorganisation World Vision vergleicht Aleppo mit Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen spricht von einem "kompletten Kollaps der Menschlichkeit" in Aleppo. Und der UN-Generalsekretär gibt zu: "Wir alle haben die Menschen in Syrien bislang kollektiv hängenlassen."
Herr Meyer, was hat die Welt in Syrien falsch gemacht?

Günter Meyer: Die Welt hat in Syrien sehr vieles falsch gemacht, aber wir müssen auch sagen, wer was falsch gemacht hat: Und hier liegt die Hauptverantwortung bei den USA. Nach Aussagen des ehemaligen Oberkommandeurs der NATO, General Wesley Clark, begann die US-Regierung bereits unmittelbar nach den Terrorschlägen am 11. September 2001 mit den Planungen des Regimewechsels in sieben Ländern, die von den USA als Gegner angesehen wurden, darunter Irak, Libyen und auch Syrien.

Um dort dieses Ziel zu erreichen, haben die USA seit 2005 die Rahmenbedingungen geschaffen. Dazu gehörte neben zahllosen medialen Propagandaaktionen gegen das Assad-Regime die Finanzierung und Ausbildung einer Armee von Terroristen gemeinsam mit Israel und Saudi-Arabien. Diese Truppen sollten für den Sturz der Regierungen in Damaskus und Teheran eingesetzt werden, wie der renommierte Journalist Seymour Hersh 2007 aufdeckte.

 

heute.de: 2011 begann der Krieg in Syrien. Welche Fehler wurden da gemacht?

Meyer: Der Westen, also insbesondere die USA, hat die aufständischen Dschihadisten mit Waffen versorgt und teilweise auch ausgebildet. Die materielle und personelle Logistik wurde vor allem von der Türkei abgewickelt, während die finanzielle Unterstützung zum größten Teil aus Saudi-Arabien und Katar kam. Saudi-Arabien hat dabei salafistische Extremisten gefördert, um in Syrien eine radikal-islamistische Regierung zu etablieren. Hier war die Eroberung von Aleppo 2012 für die Dschihadisten ein wichtiger Schritt.

 

heute.de: Mal abgesehen von den USA. Was muss sich Russland an der Situation in Aleppo vorwerfen lassen?

Meyer: Ohne die militärische Intervention Russlands im September 2015 wäre inzwischen nicht nur Aleppo komplett von den Dschihadisten erobert worden. Auch das Assad-Regime wäre längst zusammengebrochen. Damit hätten die Assad-Gegner unter Führung der USA ihr Ziel des Regimewechsels zwar erreicht. Die Macht hätten jedoch die stärksten militärischen Kräfte an sich gerissen. Und das wären die islamistischen Extremisten, wie die zum Al-Kaida-Netzwerk gehörende Nusra-Front und der von der internationalen Allianz unter US-Führung bekämpfte Islamische Staat (IS). Wem, wie israelische Politiker erklärten, eine solche Terrorherrschaft lieber ist als das Assad-Regime, der kann Putin vorwerfen, dass er dies verhindert hat.

 

heute.de: Also geht ohne Assad jetzt erstmal nichts mehr?

Meyer: Es gibt niemanden, der gegenwärtig Assads Position und auch das funktionierende staatliche Ordnungssystem in Syrien ersetzen könnte. Es ist davon auszugehen, dass mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung das Regime unterstützt. Das gilt nicht nur für die religiösen Minderheiten wie Christen, Alawiten und andere schiitische Gruppierungen, die unter der Herrschaft sunnitischer Extremisten keine Überlebenschance in Syrien hätten - die Forderung "Christen nach Beirut, Alawiten ins Grab" wird von den Dschihadisten nach wie vor erhoben. Doch auch ein Großteil der Sunniten, insbesondere aus der städtischen Mittelschicht, steht immer noch auf der Seite von Assad

 

heute.de: Was ist mit gemäßigten Rebellengruppen?

Meyer: Die USA betonen immer, dass sie gemäßigte Rebellengruppen unterstützen. Die spielen aber keine Rolle mehr. Diejenigen, die von den USA ausgebildet und mit Waffen ausgestattet wurden, sind größtenteils zu den radikalen Dschihadisten übergelaufen, weil sie dort wesentlich besser bezahlt werden. Dabei haben die USA 2003 durch die völkerrechtswidrige Invasion im Irak nicht nur die Rahmenbedingungen für die Entstehung des IS geschaffen. Wie Michael Flynn, der ehemalige Leiter des militärischen Geheimdienstes DIA (Defense Intelligence Agency) erklärte, ist auch "die Unterstützung und Expansion des Islamischen Staates auf eine bewusste Entscheidung der amerikanischen Regierung zurückzuführen". Die von dieser Terrororganisation ausgehende Gefahr war 2012 durchaus bekannt, wurde aber ignoriert vor dem übergeordneten Ziel, Machthaber Assad zu stürzen.

 

heute.de: Wenn man mal an eine gemeinsame Lösung denkt, also ein UN-Mandat. Welche diplomatischen Hebel hätte der Westen in Bewegung setzen können, um Russland zum Einlenken zu bewegen?

Meyer: Alle diplomatischen Initiativen der Vergangenheit sind vor allem daran gescheitert, dass der Westen politisch vor allem auf die syrische Auslandsopposition gesetzt hat, obwohl diese keinen Rückhalt in Syrien hat. Dagegen liefen die Forderungen Assads darauf hinaus, einen innersyrischen Dialog zu führen. Dieses Thema war jetzt wieder Gegenstand der jüngsten Verhandlungen zwischen US-Außenminister Kerry und dem russischen Außenminister Lawrow. Ein solcher innersyrischer Dialog mit der Zielsetzung einer politischen Lösung könnte tatsächlich eine Chance für den Frieden sein - allerdings müssten in diesem Fall wohl größtenteils die Bedingungen akzeptiert werden, die Assad stellt, da er nach den militärischen Erfolgen über die stärkste Position in Syrien verfügt.

 

heute.de: Welche Fehler hat Europa aus humanitärer Sicht gemacht?

Meyer: Wie unter anderem auch die christlichen Bischöfe in Syrien immer wieder beklagen, war der größte humanitäre Fehler der EU die Verhängung von Sanktionen. Dadurch hat sich die Versorgungssituation der Bevölkerung insgesamt und hier besonders im medizinischen Bereich gravierend verschlechtert.

 

heute.de: Mit Blick auf die Zukunft - Was muss getan werden, um die Lage in Syrien zu stabilisieren und welche Rolle spielt der Westen dabei?

Meyer: In der aktuellen Situation ist die Macht, die den stärksten Einfluss hat, nämlich die USA, wegen des bevorstehenden Regierungswechsels weitestgehend handlungsunfähig. Trump hat erklärt, die bisherige Politik seiner Vorgänger mit dem Ziel, einen Regimewechsel in Syrien herbeizuführen, nicht fortsetzen zu wollen. Sein Ziel ist es, den Kampf gegen den IS und andere islamistische Terroristen zu verstärken. Dazu ist ihm jeder willkommen, der ihn unterstützt. Es deutet also für Damaskus einiges darauf hin, dass der wichtigste Gegner einen Rückzieher macht und man sogar gemeinsam gegen die Terroristen vorgehen kann. Der Gewinner wäre in diesem Fall Assad. Offen bleibt, ob Trump hält, was er im Wahlkampf versprochen hat.

 

heute.de: Was können Deutschland und Europa tun, um die Lage in Syrien zu stabilisieren?

Meyer: Europa mit seinen wichtigsten militärischen Akteuren, Großbritannien und Frankreich, spielt nur eine sekundäre Rolle. Die Entscheidungen werden in Washington getroffen. Deutschland übernimmt dabei in Syrien nur Hilfsfunktionen wie etwa im Bereich der Luftaufklärung. De facto hat Deutschland also keinen Einfluss auf die Geschehnisse in Syrien. Abgesehen von wichtigen humanitären Maßnahmen der Bundesrepublik - insbesondere für Flüchtlinge in Deutschland und den Nachbarländern Syriens. Hier sind die jüngsten Ankündigungen der Regierung, die Unterstützung für UN-Hilfsmaßnahmen für Aleppo auszuweiten, nachdrücklich zu begrüßen. Auch ist es sicher kein Fehler, dass in Berlin eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel eingesetzt worden ist, sich um den Wiederaufbau in Syrien zu kümmern. Wann damit begonnen werden kann, ist allerdings noch völlig offen.

 

heute.de: Zurück zu Assads Verbündeten: Was können Russland und die anderen Verbündeten tun, um die Lage schnell zu verbessern?

Meyer: Da gibt es zwei Wege: Der eine ist die weitere militärische Unterstützung für Assad bis zur Rückeroberung des gesamten Landes. Dabei werden sich nach der Konsolidierung der Lage in Ost-Aleppo die Kämpfe zunächst vor allem auf die verbliebenen Hochburgen der islamistischen Milizen in der Provinz Idlib und im Süden von Damaskus konzentrieren. Der zweite Weg wäre die Aufnahme von innersyrischen Verhandlungen über eine friedliche Lösung. Dass die USA wieder begonnen haben, die "moderaten Rebellen" mit Waffen zu beliefern, ist da wenig hilfreich.

(67)  2016-02-12 - Siegfried Thiel - ADZ

Timo Gebhart

von Nürnberg

nach Bukarest

 

„Alles hat einfach gepasst“ - Interview mit

dem Steaua-Neuzugang

 

Um 21 Millionen Euro höher als im vergangenen Sommer liegt angeblich die Transfersumme der Spieler, die in diesem Winter in die Erste Rumänische Fußballliga gewechselt sind. Dies zeigt, wie ernst die Chefetagen der Erstligisten die bevorstehende Play-Off- bzw. Play-Out-Runde nehmen. Zu einem Knaller für die Liga sorgte die Verpflichtung von Timo Gebhart zum amtierenden Meister Steaua Bukarest. Der deutsche Kicker agierte in seiner Laufbahn in den beiden ersten deutschen Bundesligen, beim VfB Stuttgart, für 1860 München und den 1. FC Nürnberg. Im Alter von 26 Jahren hat es ihn nun zum ersten Mal ins Ausland, zu Steaua Bukarest, gezogen. Die Mannschaft peilt – nach Aussagen der Verantwortlichen – mit einer groß angelegten Transferkampagne einen neuen Titel an. Zu seinem Einstand führte ADZ-Redakteur Siegfried Thiel mit Timo Gebhart per E-Mail ein Interview. 

Hier der vollständige Text in der „Allgemeinen Deutschen Zeitung“:

(66)  2016-01-24

Hilmar Bürger sprach mit

KERSTIN GROßNER aus Erfurt

Geboren im Jahr des Mauerbaus

Verheiratet, zwei Kinder

 

Lehrerstudium für Sport und Geographie

an der Humboldt-Universität Berlin

Mein längstes Praktikum

Zu Fuß entlang

der ehemaligen

deutsch-deutschen

Demarkationslinie

Was bewog Sie, entlang der gesamten Grenzlinie zu wandern, die einst Deutschland teilte?

 

KG: Irgendwie hatte ich schon immer eine Affinität zur Grenze … wenn ich etwas las, sah oder hörte, bin ich sofort hingefahren und habe es mir vor Ort angeschaut. Vielleicht kommt diese Anziehungskraft daher, dass ich im Jahr des Mauerbaus geboren wurde.

2011 gab es eine Artikelserie in unserer Tageszeitung, in der 15 Tageswanderungen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze um Thüringen vorgestellt wurden. Ich habe alle gelesen, ausgeschnitten und abgeheftet. Schon damals dachte ich, dass es toll wäre, mal eine dieser Etappen abzuwandern. Als ich im Frühjahr 2012 beim Frühstücken in der Zeitung eine Annonce zu einem Buch las: „Thüringer Grenz-Wege“ vermutete ich, dass es möglicherweise das Buch zur Artikelserie war. Ich kaufte es noch am gleichen Tag. Als ich das Geld dafür auf den Tisch legte, kam wie eine fixe Idee der Gedanke auf, die ehemalige Grenze um Thüringen abzuwandern. Drei Tage später bin ich völlig unbedarft im Südharz losmarschiert. Aber nicht mit dem Ziel die gesamte ehemalige innerdeutsche Grenze abzuwandern. Das schien mir eine Nummer zu groß.

 

Der Grenzbereich um Thüringen schien mir machbar. Aber damals wusste ich noch nicht, dass Thüringen mit 763 km den längsten Grenzabschnitt besaß. Bis zum Dreiländereck an der Tschechischen Grenze waren es 800 km. Das war mein ursprüngliches Ziel. Erst kurz vor dem Zieleinlauf beschloss ich den Nachschlag vom Südharz zur Ostsee. Ein Projekt dieser Größenordnung und Akzeptanz in der Bevölkerung in ganz Deutschland durfte nicht unvollendet bleiben. Außerdem hatte ich Gefallen gefunden an den Grenzabenteuern und den Geschichten aus der Zeit des „Kalten Krieges“.

1393 Kilometer kamen zusammen – so viel wie von Berlin nach Barcelona oder Varna – war das Ihre Art von Jakobsweg?

 

KG: Mein spontanes Projekt hat sich zu sehr viel entwickelt, aber definitiv war es nicht mein Jakobsweg, und als solcher auch nicht geplant. Ich hatte gar keine Zeit, mir Gedanken zu machen, jedenfalls nicht über mich und mein Leben.

Es gab jeden Tag wichtigere Dinge zu lösen: Den richtigen Weg und ein Bett zu finden und von A nach B zu kommen. Eigentlich wusste ich bei der Beschlussfassung gar nicht, was ich da wollte, wo sich Hase und Igel „Gute Nacht“ sagen, und warum ich das mache. In erster Linie stellte die Wanderung für mich eine Mutprobe dar, eine Abenteuertour. Nicht zu wissen was auf einen zukommt, da war dieses Kribbeln im Bauch. Ich wollte sehen, ob man noch erkennt, wo die Grenze einst war, und was heute von ihr übrig ist. Geworden ist es auf alle Fälle mein persönlicher Weg der deutschen Einheit – mein längstes Geschichts- Geographie- und Biologiepraktikum, ein Stück individuelles Leben. Ein Weg auf dem ich ganz viel fürs Leben gelernt habe. Lebenserfahrung, die man nicht „googeln“ kann.

Wieso sind Sie ohne Begleitung unterwegs gewesen?

KG:

 

Das war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus und im Nachhinein würde ich es jeder Zeit wieder so machen. Nur so lernt man wirklich andere Menschen kennen.

Wann unternahmen Sie diesen „Gewaltritt“ und in welchen Etappen?

KG:

 

Insgesamt war ich 62 Wandertage in den drei Sommern 2012 bis 2014 unterwegs. Immer nur an Wochenenden – freitags und /oder Samstag/

Sonntag - an denen „Kaiserwetter“ angesagt war. Manchmal wurde es auch nur eine Eintagestour. Im Nachhinein auch ein Glücksumstand. Es brauchte immer seine Zeit, um die Erlebnisse sacken zu lassen.

 

Welches waren ihre drei schönsten Erlebnisse?

 

KG: Mein Tramperlebnis mit Michael Kessler. Er drehte gerade eine neue Staffel von „Kesslers Expedition“ für die ARD/rbb “ Auf drei Rädern von Bayern zur Ostsee“ und fuhr mit seinem Team die ehemalige Grenze ab. Ich durfte sein Interviewpartner sein.

Der Zieleinlauf auf der Halbinsel Priwall an der Ostsee, der genau auf meinem Geburtstag fiel. Das Ereignis hat mich emotional überrollt.

Alle anderen Minuten, Stunden, Tage, die ich am Grenzweg unterwegs war.

Sicherlich gab es auch kritische Situationen...

 

KG: Die gab es an jedem Wandertag. Beispielsweise wenn ich am Abend noch keine Unterkunft hatte und bei wildfremden Leuten klingeln musste. Wenn ich mich im Wald verlaufen hatte, und nicht mehr wusste, wo Nord, Süd, Ost und West war. Wenn ich allein mitten in der Wildnis stand, und am liebsten vor Verzweiflung geschrien hätte, Wildschweine keine zehn Meter von mir den Weg querten. Wenn ich durch Gebiete mit Restminengefahr lief und und, und … Je mehr ich unter Druck stand, desto besser war ich bei der Meisterung der Situation.

War das Ganze nicht auch eine große sportliche Herausforderung?

 

KG: Auch wenn ich an manchen Tagen bei brütender Hitze und 30 bis 40 km Tagespensum völlig kaputt mein Tagesziel erreichte, habe ich nie in Frage gestellt, dass ich die Gesamtlänge nicht meistern könnte. Es klingt vielleicht überheblich, aber andere Herausforderungen haben mich mehr gefordert. Da mein Adrenalinspiegel häufig am Anschlag war, spürte ich die körperliche Belastung oft gar nicht so.

Was bewegt Sie, Ihre Erlebnisse in Wort und Bild zu dokumentieren?

 

KG: Schon nach den Wandersommern 2012 und 2013 hatte ich meine Erlebnisse in kurzen Geschichten aufgeschrieben. Das half mir, meine Erinnerungen und Eindrücke besser zu verarbeiten. Ich schickte sie an die Redaktion unserer Tageszeitung, und kurz darauf standen meine Texte 1:1 in der Zeitung. Parallel dazu entstanden mehrere dicke Fotobücher zur Wanderung. Quasi als Erinnerungshilfen für später. An jedem Bild hängen Schweißperlen, Erinnerungen und Erlebnisse.

Wie stellen Sie sich eine mögliche eigene Publikation vor?

 

KG: Nachdem viele Bekannte und Freunde meine Geschichten in der Zeitung gelesen hatten, fragten sie:

Du schreibst aber ein Buch über deine Wanderung!? Die Wahnsinnserlebnisse, die du uns erzählst, musst du aufschreiben. Schließlich bist du jetzt auch ein Zeitzeuge der deutschen Teilung geworden.“

Ich lehnte es vehement ab. Es passte gar nicht in meine Vorstellungswelt hinein. Aber immer wieder kamen diese neugierigen Fragen und setzten mich zusehend unter Druck. Irgendwann lies ich den Gedanken bei mir zu. Mir ging der Liedtext nicht mehr aus dem Kopf, was man im Leben alles getan haben sollte. Einen Baum hatte ich schon eingepflanzt, einen Sohn hatte ich geboren. Die Sache mit dem Buch war überfällig. Es wird für mich die größte Herausforderung meiner Wanderung. Gern würde ich dazu auch noch ein paar Vorträge vor interessierten Menschen halten.

 

Was nehmen Sie mit für Ihr weiteres Leben?

 

KG: Ein Projekt parallel zum normalen Alltagstrott zu haben, ist eine tolle Sache. Deshalb stehen die nächsten auch schon in den Startlöchern und warten auf den Startschuss.

 

Mit freundlicher Genehmigung von habe-web.de

5  FRAGEN (65)  2014-10-18

Mit Täve Schur bei der

Tour de France

Herbert Grießig wird Laptopwerker, und LWP stellte

ihm fünf Fragen

In den letzten Wochen ist Bewegung in die Riege der Laptopwerker gekommen. Mit dem Fachjournalisten Uwe Morchutt stieß ein sehr aktiver Vertreter unserer Zunft hinzu. Gert Rickers beendete zum Glück gerade seine halbjährige Schreibpause. Auch unser bekannter Gäste-Klicker Herbert Grießig (HG) bekennt Farbe und wird künftig  seine eigene Kolumne füttern. Wie er sich das vorstellt, erzählt er im Gespräch mit Bernd Jürgen Morchutt (BJM):

BJM: Die USER von Laptopwerk sind sehr neugierig. Was sollten sie über den privaten Herbert Grießig (HG) wissen?

 

HG: Sturm und Drang sind längst hinter mir. Kürzlich habe ich der Deutschen Rentenversicherung vertrauensvoll die Finanzierung meines Lebensunterhalts übertragen, besser gesagt meinen drei Kindern und deren Altersgenossen. Ich versuche etwas zurückzugeben, indem ich mich im Ehrenamt engagiere. Ab und zu kümmere ich mich auch mal um die Enkel.

Dass ich mich gerne mal sachlich streite, bekommt mir nicht immer. Vor allem dann nicht, wenn der Widerpart den Begriff der Sachlichkeit noch nicht im Lexikon nachgeschlagen hatte.

 

Geboren bin ich in der sächsischen Kleinstadt Geringswalde, auf die und deren Ehrenbürger Wolfgang Blochwitz und Roselore Sonntag bin ich besonders stolz. Die wenigsten wissen, dass auch die Familie von Andreas Klöden aus diesem Ort kommt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herberts Geburtsort Geringswalde

Gleich nach dem Abitur verschlug es mich nach Potsdam und Berlin, wo ich als Tastfunker bei der Nationalen Volksarmee der DDR meinen Dienst versah. In Potsdam studierte ich dann auch Internationale Beziehungen mit dem Spezialfach Völkerrecht.

 

Mit meinem Job in nationalen und internationalen nichtstaatlichen Organisationen bekam ich die Möglichkeit, sehr unterschiedlichen Menschen zu begegnen.  Ich war auch journalistisch tätig, genoss die Gastfreundschaft, lernte konträre Kulturen kennen. Leider auch immer wieder die Leiden unschuldiger Menschen und vor allem von Kindern.  Ihre Hoffnungen und Sehnsüchte sind seit Tausenden von Jahren die gleichen: Frieden und Wohlergehen.

Das machte mich alert und sehr sensibel gegenüber Ungerechtigkeiten. Mainstream und die Floskel „Political Correctness“ sind mir daher ein Graus. Ich will mehr wissen, als die bezahlten Medien uns mitteilen dürfen. Ein Wahrheitsfanatiker bin ich nicht, jedoch knapp davor.

 

 

BJM: Du lebst in einer sportlichen Familie. Wie steht es mit Deinen sportlichen Aktivitäten, welche

Rolle spielt der Sport (auch passiv) in Deinem Leben?

 

HG: Sport war immer Teil meines Lebens. In der Jugend vielseitig aktiv, konzentriere ich mich jetzt mehr aufs Betrachten.  Wenn im Fernsehen Fußball und doch noch ab und zu mal Radsport laufen oder die Enkel Fußball spielen.

 

Ich trieb Sport nie auf höchstem Leistungsniveau. Doch ein fairer sportlicher Wettkampf gefiel mir. Dabei sprangen auch mal kleine Erfolge im Fußball, im Handball und in der Leichtathletik heraus. Andere Mitglieder meiner Familie waren bei weitem erfolgreicher. Von Olympia bis zu den Deutschen und den Berliner Meisterschaften wurden Medaillen gesammelt.

Meinen sehnlichsten Wunsch, mal die Tour de France und ihre Protagonisten nach der Friedensfahrt live zu erleben, habe ich mir 2004 erfüllt. Dass wir von Täve Schur begleitet wurden, war natürlich von besonderer Würze. Auch Andreas Klöden, der Sohn eines Jugendgefährten fuhr ganz vorn mit und wurde Zweiter der Gesamtwertung. Mehr Sahnehäubchen geht nicht!

Engagiert für den Sport, insbesondere den Radsport, habe ich mich im reiferen Alter auch. Dabei musste ich erfahren, wie steinig und widerspruchsvoll, ja auch voller Illusionen, der Weg zum

sauberen Sport ist.

Als 2006 der von der spanischen Polizei als „Operación Puerto“ codierte Dopingskandal des Netzwerks von Eufemiano Fuentes die Welt des Radsports  erschütterte, scharten wir uns um Rolf Järmann, einen ehemaligen Schweizer Radprofi.  Wir richteten eine Petition an den Weltradsportverband UCI und die Sportmedien. Wir forderten Veränderung des Dopingkontrollsystems u. a. bei der Tour de France.

Es sollten nicht lediglich die Sünder bestraft werden. Das Echo war eher leise. Die Verbände und die Teams wollten sich natürlich nicht in die Karten schauen lassen. Der UCI hielt sich bedeckt. Die Sportredaktionen der Meinungsmedien wie  Süddeutsche und Frankfurter Allgemeine waren nicht bereit, diese Botschaft der einfachen Fans zu befördern. 

Sie schwiegen!

 

Uns blieb ein Radsportforum, dass sich unter dem Titel „Radsport – gegen - Doping“ jahrelang sachlich mit der Malaise Doping, aber vor allem mit den sportlichen Aspekten des Radsports auseinandersetzte. Was leider auch blieb, das „intelligente“ Doping.

 

 

 

BJM: Wie ich mitbekommen habe, sprichst Du mehrere Fremdsprachen. Welche sind das, und war das beruflich bedingt oder einfach Wissensdurst?

 

HG: Sprachen unterliegen jähen und oft auch markanten Entwicklungen, die nicht sofort den Ansprüchen der Ästhetik gerecht werden. Wer hätte sich vor 15 Jahren gewagt, in der Öffentlichkeit das Wort „geil“ in den Mund zu nehmen. Heute sagt das sogar sichtlich amüsiert die Bundeskanzlerin. Wie heute die junge Generation spricht, hätten wir wahrscheinlich nie die Klassenziele erreicht.

Da ich neugierig geboren und es auch noch bin, habe ich schon früh versucht, mich mit anderen in deren Muttersprache zu verständigen.

Aus Wörtern wurden Sätze und schließlich daraus der Anspruch, immer besser zu werden.

Ich bin in keiner Fremdsprache perfekt, jedoch geht die Verständigung in Englisch, Französisch und Russisch flüssig. Zur Freude des Volkes der Magyaren klappt das auch ein wenig auf Ungarisch.

 

Beruflich hat mir das natürlich sehr geholfen. Wer die Sprache seines Gesprächspartners spricht, hat nicht nur einen Sympathiebonus, er kann auch mehr von seinem Gegenüber erfahren.

 

In der Zeit der Globalisierung ist es enorm wichtig und vorteilhaft, mehr als seine Muttersprache zu sprechen. Andererseits bedauere ich, dass heute diese Herausforderungen und Möglichkeiten nur von einem kleinen Teil der Jugend angemessen genutzt werden.

 

BJM: Als bisher aktiver Gäste-Klicker engagierst Du Dich schon längere Zeit auf Laptopwerk. Was gefällt Dir an unserer Website, was stört Dich?

 

HG: Mir gefällt die Offenheit und Ehrlichkeit - man ist eben nur sich selbst verpflichtet –, mit der die Laptopwerker ihre Auffassungen vortragen. Probleme werden oft aus einer Sicht beschrieben, wie man sie in den bezahlten Medien nicht findet. Die Fachleute, die sich zu Wort melden, schreiben allesamt sehr interessant und aufschlussreich über Vergangenes und Aktuelles im Sport. Ich weiß aus sicherer Quelle, dass auch aktive Medienprofis regelmäßig im Laptopwerk nicht nur aus Neugier vorbeischauen.

Ja, und hier kommt auch meine leichte Kritik. Eine Kommentarspalte wäre nicht schlecht, obwohl ich auch über deren Missbrauch zu berichten wüsste. 

 

 

BJM: Womit möchtest Du künftig unsere Plattform bereichern, worauf dürfen sich die USER bereits freuen?

 

HG: Wenn es meine Zeit hergibt, werde ich versuchen, regelmäßig

zu schreiben.

Meine Kolumne „Hönower Sichten“ wird sich nicht mit denen der Profis messen können. Sie will ergänzen und hier wie da zum Nachdenken anregen. Hinter jedem Problem verbirgt sich bekannterweise mindestens ein weiteres. Hinter jeder Frage steht oft noch eine andere, die meist verdrängt oder aus Gründen der politischen Korrektheit unterlassen wird. Hinter jeder Antwort verbergen sich nicht selten die eigentlichen Geschichten, Abgründe und Zusammenhänge. Darauf will ich aufmerksam machen; sachlich, unaufgeregt und auch ein

wenig provokativ.

Interessantes und rein Informatives ohne Polemik wird natürlich auch dabei sein. Hier sehe ich vor allem die Bildende Kunst.

Da will ich überraschen.

 

Als Ostdeutscher werde ich besonders darauf achten, ob und wie die Interessen der neuen Bundesbürger – ob im Sport oder anderswo – ihre Berücksichtigung finden. Da bin ich ausnahmsweise mal parteilich.

 

Lieber Herbert, mir hat der Dialog mit Dir sehr viel Spaß gemacht. Im Namen aller Freunde und Fans von LWP wünsche ich Dir viele unaufgeregte und prickelnde Ideen.

Bernd Jürgen Morchutt

5  FRAGEN (64)  2014-09-11

Vom Gäste-Klicker zum Laptopwerker

Uwe Morchutt jetzt mit eigener Kolumne

LWP sprach mit dem neuen Mitstreiter

Unsere regelmäßigen User haben es sicher längst bemerkt. Das Autoren-Team von Laptopwerk erhielt Zuwachs. Uwe Morchutt hat sich entschlossen, künftig den gelben Helm zu tragen. Dieser Schritt war längst überfällig, da er als „Gast-Schreiber“ bereits auf sich aufmerksam machte.

Oder, viele erinnern sich gewiß noch an den erfolgreichen Tipp-Experten aus den WM-Tagen in Brasilien! Wer ist dieser Uwe Morchutt, der seine Beiträge mit „umo“ zeichnet? Thüringer, am 9. März 1955 in Gotha geboren, Bauingenieur, Fachjournalist, Bausachverständiger, Web-Designer usw. Uwe lebt in Hessen und zwar in Eltville am Rhein. Er ist seit drei Jahren stolzer Opa. Sein Sohn Ronnie gehört auch zu unserer Zunft. Er layoutet in Berlin die größte Boulevard-Zeitung Europas. Was es sonst noch über Uwe Morchutt zu berichten gilt, erzählt er lieber selber. Und LWP (BJM) stellte die Fragen:

BJM: Uwe, als Dein großer Bruder kenne ich Dich ja recht gut. Was aber sollten die User von "laptopwerk" über Dich wissen?

 

UMO: Ich befasse mich seit 1971 mit der Thematik des Bauens, so dass ich durchaus als Bau-Experte zu bezeichnen bin. Vier Fachbücher sind neben meiner Website Ausdruck dieser Wissensvermittlung. Eine große Leidenschaft sind natürlich die Pferde, hier vor allem die Vollblüter. Seit 1986 verfolge ich Pferderennen intensiv, leider in Deutschland nur noch eine elitäre Randsportart! Darüber hinaus liebe ich Whisky, Kakteen und Spekulatius, den es zum Glück jetzt schon wieder gibt.

 

BJM: Seit rund 20 Jahren lebst Du im Rheingau. Was fasziniert Dich und was stört Dich an der bekannten Weinregion?

 

UMO: Es werden mittlerweile sogar 23 Jahre. Man kann hier in Ruhe (im Vergleich zu Berlin) leben und das milde Klima genießen. Leider ist die Region in ihrer Entwicklung im Vergleich zur Mitte der 1990er Jahre stehen geblieben, aber trotzdem auf einem hohen Preisniveau durch die direkte Rheinnähe. Am nervigsten ist die Bahnstrecke rechts des Rheines, die alle Ortschaften mit Lärm umhüllt.

 

BJM: Vermisst Du manchmal Deine Thüringer Heimat?

 

UMO: Eigentlich nicht, da ich ja schon 1971 von Thüringen weg bin. Was mir vor allem fehlt, sind die Thüringer Spezialitäten, die es nicht mal im benachbarten Hessen gibt. Der verwöhnte Gaumen hängt halt an dem altbewährten Geschmack. Mittlerweile sind die Straßen in Thüringen sogar besser als in Hessen.

 

BJM: Von Dir lernte ich, dass Bischofsmützen  Pflastersteine sind. Wie siehst Du als Mann vom Fach das aktuelle Baugeschehen in Deutschland?

 

UMO: Bischofsmützen, der Name bleibt jedem in Erinnerung, sind besondere Randbegrenzungsplatten im Bereich von Gehwegflächen gewesen. Vielleicht findet man hier und da noch einige! Das Bauen im Jahr 2014 tritt im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen auf der Stelle. Nervige Straßenbau-Baustellen kennt jeder von uns. Warum sieht man dort immer so wenig Baufortschritt? Hier hat sich in den letzten 30 Jahren nichts geändert! Ein großes Problem, neben dem Pfusch am Bau, sind die Feuchteschäden an Gebäuden. Noch nie gab es so viele Feuchteeinträge wie in der Gegenwart. Selbst neue Niedrigenergie- und Passivhäuser sind nach kurzer Nutzung davon betroffen! Es verdienen einfach zu viele am Pfusch!

 

BJM: Womit möchtest Du als Neu-Laptopwerker unsere Website bereichern?

 

UMO: Laptopwerker sind erfahrene und unabhängige Autoren, so dass ich mich dort mit meiner Kolumne „(RH)EINSICHTEN“ gut angesiedelt fühle. Ich werde interessante Artikel nicht nur zu meinen Leidenschaften beitragen, die aus der Mitte des Lebens kommen, so dass hoffentlich viele Laptopwerk-User Freude daran haben. Stereotype, unkritische Einheitssoße, wo ein Skribent vom anderen abschreibt, haben wir ja genug! Kein Wunder, dass die Auflagen bei den Printmedien an Schwindsucht leiden!

 

Lieber Uwe, ich danke Dir für unser kurzes Gespräch und wünsche Dir viele prickelnde Ideen.

Bernd Jürgen Morchutt

Do              20.07.2017 

Nr.           2.461 - 1.158

Aktualisierung        19:15

Übrigens,

 

… in Berlin werden immer noch dringend Wahlhelfer gesucht - ein Interessent wollte sich deshalb melden, aber … Sie glauben nicht, was dann geschah (doch Sie ahnen es sicherlich): Online ließ sich die „Bereitschaftserklärung" auf dem beschriebenen Weg an die angegebene Stelle nicht senden, also schickte unser freundlicher Helfer das Papier per Mail an die allgemeine Adresse des Bezirksamts - das war vor zehn Tagen, bis heute keine Antwort. Nächster Versuch: Persönliche Anmeldung im Rathaus Weißensee - doch dort hieß es: Nicht bei uns! Fahren Sie zum Rathaus Pankow … Das Resümee: „Im Bürgeramt Weißensee kann man kein Formular raussuchen und das ausgefüllte Ding dann nach Pankow senden? Statt dessen soll ich noch Fahrgeld bezahlen, um nach Pankow zu kommen? Also lassen wir das.“ TSCP

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 19.07.2017

17    19   21   27    36   41    SZ: 1

Spiel 77:  0177 997 

 

Super 6: 422 100  

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

1974 (2017-07-20) 

Bernd Jürgen Morchutt

 

Metalldiebe im Bergener Gotteshaus

In Sankt Marien hat

die Stunde 61 Minuten

Die westliche Außenwand

mit dem Grabstein einens

wendischen Priesters

BREAKING NEWS

Stand: 20.07.2017 - 19.25 Uhr

 

International

 

US-Präsident Donald Trump hat laut einem Medienbericht die verdeckten Waffenlieferungen der CIA an syrische Rebellen, die gegen die Regierung von Bashar al-Assad kämpfen, stoppen lassen. Die Entscheidung habe Trump vor knapp einem Monat nach einem Treffen mit CIA-Direktor Mike Pompeo und seinem Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster getroffen.

 

Nach dem Hickhack um die Gesundheitsreform und die Russland-Affäre seines Sohnes bringt ein Zeitungsinterview US-Präsident Donald Trump abermals in Erklärungsnot. Eben wegen der Kontakte seines Teams nach Moskau hat sich Trump nun offenbar nachhaltig mit seinem Justizminister Jeff Sessions entzweit. Er hätte Sessions nicht ernannt, wenn er gewusst hätte, dass dieser sich in der Causa für befangen erklären würde, sagte Trump in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der "New York Times".

 

In Russland ist der Entzug der Staatsbürgerschaft bei einer Verurteilung wegen terroristischer Straftaten nun möglich. Die Abgeordneten des Unterhauses verabschiedeten am Mittwoch in Moskau in dritter Lesung das Gesetz, das ausschließlich eingebürgerte Russen betrifft.

 

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu befand sich im Gespräch mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Sein Mikrofon soll bei dem privaten Treffen zeitweise noch eingeschaltet gewesen sein, so dass ihn Journalisten außerhalb des Zimmers hätten hören können. "Europa gefährdet seine eigene Entwicklung, in dem es seine Beziehung zu Israel in Gefahr bringt wegen dieses verrückten Versuchs, Bedingungen zu schaffen" für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern, sagte er laut "Ynet" weiter. "Europa muss sich entscheiden, ob es leben und gedeihen will oder ausdörren und verschwinden."

 

In Griechenland haben sich in den vergangenen Wochen gewalttätige Angriffe auf Migranten gehäuft. Die Attacken werden meist nachts von Schlägertrupps durchgeführt, die mit Messern und Schlagstöcken bewaffnet sind.

 

Beim Errichten von Wohnraum haut Österreich im internationalen Vergleich kräftig auf den Putz: Mit 7,6 Bauvorhaben pro 1.000 Einwohner wurde 2016 der höchste Wert von 19 untersuchten Ländern erreicht, wie aus dem aktuellen Deloitte Property Index hervorgeht. Dahinter folgten Israel mit 6,1 und Frankreich mit 5,7 geplanten Wohnungen. Das Schlusslicht bildete Portugal mit 1,1 Wohnbauvorhaben. 

 

Deutschland/Berlin

 

Im Streit zwischen der Türkei und Deutschland über die Inhaftierung deutscher Staatsbürger wird der Ton immer schärfer. Das türkische Außenministerium erklärte am Donnerstag, die deutschen Äußerungen zur Festnahme von Menschenrechtsaktivisten seien nicht akzeptabel. "Das war eine direkte Einmischung in Angelegenheiten der türkischen Justiz."

 

Ein Unwetter über dem Ruhrgebiet hat zum Tod einer 51 Jahre alten Frau in Dortmund geführt. Die Frau sei an den lebensgefährlichen Verletzungen gestorben, die ihr am Mittwochabend ein umstürzender Baum zugefügt habe, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. 

 

Sport

 

Fussball

 

Teammanager Antonio Conte hat seinen Vertrag beim englischen Fußball-Meister FC Chelsea vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2021 verlängert. Das gaben die Londoner am Dienstagabend bekannt. Der ursprüngliche Vertrag des 47-Jährigen wäre bis 2019 gelaufen.

 

Spaniens Fußball-Teamstürmer Alvaro Morata wechselt von Champions-League-Sieger Real Madrid nach London zum englischen Meister Chelsea. Dies bestätigten beide Clubs am Mittwochabend. Die Ablösesumme für den 24-Jährigen soll laut spanischen Medienberichten 80 Millionen Euro betragen. Damit würde Morata zum Rekord-Verkauf der Madrilenen und zum teuersten Chelsea-Transfer. 

 

Radsport

 

Tour de France

 

Chris Froome strampelt bei der Tour de France seinem vierten Gesamtsieg entgegen. Der Brite hielt mit seinem Sky-Team am Donnerstag auch auf der letzten Bergetappe den Angriffen der Konkurrenz stand. Auf der 18. Etappe mit dem Schlussanstieg auf den Col d'Izoard belegte Froome Rang vier zeitgleich hinter seinem schärfsten Rivalen Romain Bardet.

 

18. Etappe, Briancon – Izoard (179,5 km):

 

1. Warren Barguil (FRA) Sunweb 4:40:33 Stunden 2. Darwin Atapuma (COL) UAE +20 Sek. 3. Romain Bardet (FRA) AG2R 4. Chris Froome (GBR) Sky 5. Rigoberto Uran (COL) Cannondale 22 6. Mikel Landa (ESP) Sky 32 7. Louis Meintjes (RSA) UAE 37 8. Daniel Martin (IRL) Quick-Step 39 9. Simon Yates (GBR) Orica 59 10. Alberto Contador (ESP) Trek 1:09 Min.

 

Gesamtwertung:

 

1. Froome 78:08:19 2. Bardet +23 Sek. 3. Uran 29 4. Landa 1:36 5. Aru 1:55 6. Martin 2:56 7. Yates 4:46 8. Meintjes 6:52 9. Barguil 8:22 10. Contador 8:34

 

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