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HEBEN GEHÖRT

ZUM LEBEN

 

Höhepunkte des deutschen Gewichthebens von 1879 bis zur Gegenwart

1879 wurde mit dem Wandsbeker Athleten-klub der erste deutsche Kraftsportverein gegründet. Und da dies auch eine Wiege des deutschen Gewichthebens war, konnten wir 2014 auf stattliche 135 Jahre der Entwicklung unserer Sportart in Deutschland zurückblicken. Eine Spanne, in der es vom Deutschen Athletenverband(DAV)von 1891 bis zum Bundes Verband Deutscher Gewichtheber von 1969 auch mehrere Verbände gab. Nachfolgende Serie von HILMAR BÜRGER mit Fotos aus dem Archiv von STEPHAN MÜLLER vollzieht wichtige Stationen und verschiedene Jahre nach. Sie nimmt in Text, Fotos, Grafiken und Statistiken Bezug auf ihre gemeinsame, dreiteilige CD-RAM „Deutsches Gewicht-heben Total“ (überarbeitete Auflage 2009).

 

Weitere Informationen: http://sport-record.de/

 

Die Autoren der dreiteiligen CD-RAM-Dokumentation über das deutsche Gewichtheben Stephan Müller (Zweiter von links) und Hilmar Bürger (rechts) stellten auf dem BVDG-Bundestag 2007 – hier von links Manfred Nerlinger, Claus Umbach, Frank Mantek und Martin Zawieja – die Urfassung ihres Werkes vor.

12 (1920/1923)

In Antwerpen ohne Deutschland

 

Wieder einmal mischte in jener Zeit die Politik mit. Bis 1924 blieben die Verlierer des 1. Weltkrieges, die sogenannten Mittelmächte, von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften ausgeschlossen. Das waren u.a. Deutschland, Österreich, Ungarn, Bulgarien und die Türkei. In Antwerpen fielen Entscheidungen in fünf Gewichtsklassen. Die Goldmedaillen gingen an Frankreich (2), Belgien, Estland und Italien. Ausgetragen wurde ein Dreikampf mit einarmig Reißen und Stoßen sowie beidarmig Stoßen.

 

Gründung der FHI


Und trotzdem brachte Olympia 1920 in Antwerpen für das internationale Gewichtheben eine Sternstunde. Mit der FIH (Fèdèration International Haltèrophile International) – später FHI (Fèdèration Haltèrophile International) - kam es erstmals in der Geschichte unseres Sports zu einem auch vom Titel her reinen Gewichtheber-Weltverband. Allerdings war es eine Art Reaktivierung der 1905 in Duisburg gegründeten Athleten Welt-Union. Der aktuelle internationale Gewichtheber-Weltverband IWF sieht 1905 als sein Gründungsjahr an.


Was die deutsche Präsenz in diesem Gremium betrifft, so wurden erst 1928 mit Ernst August Kampmann ein Deutscher als Vizepräsident in eine Führungsfunktion gewählt.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jules Rosset

Aus der FIH, die auch später das Bodybuilding in sich vereinte, ging 1972 die IWF hervor, die für sich damit 1905 als Gründungsjahr deklariert. Erster Präsident der FIH war der Franzose Jules Rosset, der 1973 im Alter von 95 Jahren verstarb. Einer seiner Nachfolger, der einstige österreichische IWF-Präsident Gottfried Schödl, bezeichnete ihn als verdienstvollen Gründer der IWF.


Genaues weiß nur Gottfried Schödl

 

Die für das deutsche Gewichtheben missliche Situation in jener Zeit bedeutete aber nicht, dass die Athleten unseres Landes keine internationalen Höhepunkte hatten. So gründeten Deutschland, Österreich und Ungarn am 4. September 1920 einen eigenen den Internationalen Kraftsportverband. Er bestand nur drei Jahre. Er zeichnete für die Weltmeisterschaften 1920 in Wien und die 20. Europameisterschaften 1921 in Offenbach verantwortlich. Bei der WM 1922 in Tallinn der FIH blieb Deutschland weiter ausgeladen. Unter welcher Flagge die WM 1923 in Wien stattfand, konnte hier leider nicht ergründet werden. Da es zur klaren Dominnanz österreichischer Heber mit nur einigen Medaillen an Tschechien und Deutschland kam, könnte es eigentlich die letzte WM der Internationalen Kraftsportverbandes gewesen sein. Ganz genau weiß das sicherlich nur einer: Gottfried Schödl.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gottfried Schödl

Vier deutsche Weltmeister 1923 in Wien

 

Die beiden Wiener Weltmeisterschaften 1920 und 1923 brachten aus deutscher Sicht unterschiedliche Erfolge. Im Olympiajahr kamen die sieben dort vertretenen Heber immerhin zu vier Gold- und zwei Silbermedaillen.

Weltmeister wurden der Stuttgarter Eugen Widmann (60 kg), der Neu-Isenburger Phlipp List (67.5 kg), der Münchner Josef Straßberger (82.5 kg) und der Kölner Karl Mörke (+82.5 kg).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

WM-Teilnehmer in Wien 1920

Noch etwas Kuriosa: Ignaz Jarkulisch und Wilhelm Blaczicza vom SV Deutsche Eiche Neudorf kamen infolge von Eisenbahnver-spätungen nicht rechtzeitig zum Wettkampf. Sie durften eine Gewichtsklasse höher heben – aber außer Konkurrenz. 

Drei Jahre später blieben für Deutsche nur einmal Silber durch den Münchner Heinrich Baumann (67.5 kg) und ein vierter Rang durch den Saarbrücker Heinrich Lang (82.5 kg) übrig.

 

Zwei Medaillen in die Schweiz

 

Mehr als denkwürdig verliefen die 20. Europameister-schaften in Offenbach. Das Ergebnisprotokoll liegt uns leider nicht vor, aber die Namen der Medaillengewinner und die Platzierungen alle deutschen Teilnehmer. Mit 49 hebern aus dem Gastgeberland in fünf Gewichts-

Klassen kann es keine große internationale Besetzung gewesen sein. Zumal nur zwei von 15 Medaillen nicht im Lande blieben: Bronze in der 60-er-Klasse durch Heinrich Graf und Gold im 82.5-kg-Limit durch Fritz Hünenberger wurden in die Schweiz entführt.


„Internationale Deutsche Meisterschaften“

 

Deutsches Gold gab es diesmal mit Hans Wölpert (60 kg), Josef Zimmermann (67.5 kg) – der später Trainer von Olympiasieger Rudolf Ismayr war - und Josef Straßberger (+82.5 kg) für drei Münchner und im 75-kg-Limit für den Stuttgarter Anton Köhle. Sieht man sich die Orte an, aus welchen die Heber kamen, so kann man Offenbach 1921 getrost als Deutsche Meisterschaften mit internationaler Beteiligung – wie auch immer – einordnen. Mehr noch – vielleicht auch als erweiterte Hessenmeisterschaften.


Josef Straßberger Mann der Stunde  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Josef Straßberger

 

Deutsche Meisterschaften fanden von 1920 bis 1923 in Stuttgart, Plauen, Berlin und Erfurt statt. Für einen glatten „Vierer“ sorgte dabei der schwergewichtige Josef Straßberger vom TSV 1860 München, der 1922 noch einen Tick draufsetzte: Er holte bei der ersten Deutschen Mannschaftsmeisterschaft mit dem Münchner Team im Finale gegen die Nürnberger Sandows einen weiteren Titel hinzu. 1923 wurde der der VfK Mannheim 1886 Meister. Mit seinem Weltmeistertitel von 1920 und seinem EM-Gold von 1921 war er aus deutscher Sicht Josef Straßberger der absolute Mann der Stunde.

Hilmar Bürger

STATISTIK 1920 bis 1923

 

1920

Olympische Spiele

7. ANTWERPEN (BEL) 29.-31. August

Deutschland ausgeschlossen

 

Weltmeisterschaften

20. 1920 WIEN (AUT) 4.-8.September

(Vierkampf: einarmig Reißen einarmig Stemmen, beidarmig Drücken, beidarmig Stoßen – für die Ausführung der Übungen – außer Reißen - in einer Bewegung wurden 10 kg hinzugezählt)

7 deutsche Teilnehmer : 4 Gold/2Silber: 6 Medaillen

 

-60 KG

G Eugen Widmann (Svgg. Stuttgart) 342.5 (60.0/77.5/75.0/100.0)

S Andreas Jaquemont (KrSpV Siegfried Aachen) 325.0 (57.5/67.5/75.0/95.0)

 

-67.5 KG

G Philipp List (KSV 03 Neu-Isenburg) 367.5 (70.0/85.0/75.0/117.5)

S Josef Zimmermann (TSV 1860 München) 365.0 (65.0/75.0/80.0/110.0)

 

-82.5 KG

G Josef Straßberger (TSV 1860 München) 415.0 (80.0/85.0/90.0/130.0)

5 Gotthard Bauer (ASV 1893 Passau) 355.0 (67.5/75.0/77.5/105.09

 

+-82.5 KG

G Karl Mörke (Kölner Stemmclub 1893) 456.7 (75.0/100.0110.0/161.7)

 

Deutsche Meisterschaften

12 1920 STUTTGART 21.-22. August

(Fünfkampf: einarmiges Reißen und Stoßen, sowie beidarmiges Drücken,

Reißen und Stoßen)

 

-62 KG

G Eugen Widmann (Svgg. Stuttgart) 370.0

S Adolf Rebholz (AB Germania Schramberg 1896) 342.5

B Richard Lukas (TSV 1860 München) 342.5

 

-67.5 KG

G Philipp List (KSV 03 Neu-Isenburg) 410.0

S Josef Zimmermann (TSV 1860 München) 397.5

B Karl Fahrnbach (Vgt. AK 1890 Oggersheim) 392.5

 

-75 KG

G Wilhelm Köhler (SpAbt. Der Tgmde. Würzburg)432,5

S Josef Paulszkiewicz ((SpVgg. 1889 Ulm) 420.0

B Julius Baruch ((ASV 03 Bad Kreuznach) 402.5

 

-82.5 KG

G Josef Straßberger (TSV 1860 München) 467.5

S Ernst Quantelbaum ((KSV Witten 07) 442.5

B Peter Weise (KrSpv. Hamborn) 422.5

 

+82.5 KG

G Karl Mörke (Kölner Stemmclub 1893) 557.5

S Heinrich Steinborn (krSpV. Düsseldorf-Ruhrort) 535.0

B Edmund Nummer (SK Roland v. 1887 Hamburg) 447.5

 

1921

Europameisterschaften

19 1921 OFFENBACH (GER) 11.-13. Juni

(Vierkampf: einarmig Reißen einarmig Stoßen, beidarmig Drücken, beidarmig Stoßen)

49 deutsche Teilnehmer : 4 Gold/5Silber/4Bronze: 13 Medaillen

 

60 KG

G Hans Wölpert (SC Hitzler München) 315 (60.0/70.0/85.0/100.0)

S Eugen Widmann (Svgg. Stuttgart) 310.0 (62.5/77.5/70.0/100.0)

4 Karl Klumpp (Svgg. Stuttgart) 295.0 (60.0/65.0/75.0/95.0)

5 Peter Dreßler (AC 1898 Thaleschweiler) 282.5 (55.0/70.0/67.5/90.0)

6 Nikolaus Leutzen (Aachen) 277.5 (55.0/62.5/70.0/90.0)

7 Heinrich Vad (SC Eiche 01 Hanau) 275.0 (60.0/65.0/65.0/85.0)

9 Otto Stein (AK 1904 Idar) 275.0 (62.5/57.5/62.5/90.0)

10 Viktor Weingärtner (AK Dt. Eiche Pirmasens) 275.0 (55.0/70.0/62.5/85.0)

11 Arthur Rödel (Werdau) 270.0 (52.5/65.0/62.5/90.0)

12 Hans Reitmeier (Svgg. 1896 Nürnberg) 265.0 (57.5/60.0/60.0/87.5)

13 Willy Hahn (Sachsenhausen) 260.0 (52.5/62.5/62.5/82.5)

14 Heinrich Weißmann (1. AK Herkules Bamberg 257.5 (52.5/57.5/60.0/87.5)

15 Michael Groh (Darmstadt) 257.5 (52.5752.5/67.5/85.0)

16 Christof Paulus (Nürnberg) 257.5 (55.0/62.5757.5/85.0)

17 Emil Lippmann (SpV. Werdau) 255.0 (50.0/55.0/70.0/80.0)

18 Max Michaelis (Hanau) 252.5 (50.0755.0/62.5/85.0)

 

67.5 KG

1 Josef Zimmermann (TSV 1860 München) 335.0 (62.5/82.5/80.0/100.0)

2 Jean Schobries (Essen) 327.5 (70.0/77.5/75.0/105.0)

3 Wilhelm Stephan (MTV 1845 Magdeburg) 325.0 (60.0/80.0/75.0/110.0)

4 Philipp List (KSV 03 Neu Isenburg) 325.0 (67.5775.0/72.5/110.0)

5 Max Hummel (KSV Durlach) 315.0 (60.0/70.0/80.0/105.0)

6 T. Dreßler (AC 1898 Thaleschweiler) 312.5 (65.0/70.0/67.5/110.0)

7 Josef Beisel (Aalen) 305.0 (65.0/75.0/65.0/100.0)

8 Gustav Fimpel (Hornberg) 300.0 (55.0/85.0/60.0/100.0)

9 Anton Jaquemont (KrSpV Siegfried Aachen) 297.5 (57.5767.5/75.0/97.5)

10 Fritz Sturm (Benshausen) 295.0 (55.0/70.0/75.0/95.0)

11 Hans Ruttmann (Nürnberg) 295.0 (62.5/70.0/70.0/92.5)

12 Fritz Leibinger (Mülheim) 292.5 (57.5/72.5/62.5/100.0)

13 J.Vogler (Griesheim) 290.0 (47.5/72.5/75.0/95.0)

13 Konrad Stadtmüller (Offenbach-Bürgel) 290.0 (55.0/70.0/70.0/95.0)

14 Karl Juchem (Idar) 287.5 (55.0/70.0/70.0/92.5)

15 Wilhelm Weßner (Frankfurt/M) 282.5 (60.0/60.0/62.5/100.0)

16 Karl Schutz (Pirmasens) 280.0 (55.0/70.0/60.0/95.0)

 

75 KG

1 Anton Köhle (Stuttgart) 345.0 (60.0/80.0/95.0/110.0)

2. Otto Oesterlin (SVg Germania 1987 Karlsruhe) 342.5 (70.0/75.0/87.5/110.0)

3 Hermann Faulhaber (Koblenz) 320.0 (60.0/75.0/80.0/105.0)

4 Albert Schilling (Ebersbach) 315.0 (65.0/70.0/75.0/105.0)

5 Josef Pfaffenberger (Svgg. Regensburg) 315.0 (60.0770.0780.0/105.0)

6 L. Blum (Mainz-Mombach) 307.5 (65.0/67.5/72.5/102.5)

 

82.5 KG

2 Josef Münch (SpVgg. 1989 Ulm)350.0 (75.0/80.0/80.0/115.0)

3 Ernst Sick (AC Sachsenhausen) 342.5 (65.0/80.0/82.5/115.0)

4 E. von Schwarzenberg (Aachen) 340.0 (70.0/75.0/85.0/110.0)

5 Gotthard Bauer (ASV 1893 Passau) 312.5 (67.5/70.0775.0/100.0)

6 Max Dreifuß (Athl.-Club Pirmasens) 307.5 (67.5/70.0/70.0/100.0)

 

+82.5 KG

1 Josef Straßberger (TSV 1860 München) 425.0 (85.0/95.0/100.0/155.0)

2 Fritz Wenninger (KrSpV Zuffenhausen) 377.5 (72.5/95.0/85.0/125.0)

3 Adam König (Mannheim) 337.5 (65.0/80.0/82.5/110.0)

4 Wilhelm Knoll (Germania Bockenheim) 317.5 (60.0/75.0/77.5/105.0)

5 Gustav Thomas (Aachen) 310.0 (60.0/70.0/70.0/110.0)

 

Deutsche Meisterschaften

13 1921 PLAUEN 6.bis 7. August

(Fünfkampf: einarmiges Reißen und Stoßen, sowie beidarmiges Drücken,

Reißen und Stoßen)

 

-62 KG

G Eugen Widmann (Svgg. Stuttgart) 372.5

S Otto Stein (AK 1904 Idar) 355.0

B Viktor Weingärtner (AK Deutsche Eiche Pirmasens) 342.5

 

-67.5 KG

G Philipp List (KSV 03 Neu-Isenburg) 415.0

S Wilhelm Stephan (MTV 1845 Magdeburg) 415.0

B Josef Zimmermann (TSV 1860 München) 410.0

 

-75 KG

G Walter Mang (SK Roland v. 1887 Hamburg) 440.0

S E. Hermann (Germania Swinemünde) 427.5

B Max Riege (SK Roland v. 1887 Hamburg) 425.0

 

-82.5 KG

G Josef Münch (SpVgg. 1889 Ulm) 445.0

S Friedrich Jung (TSV 1860 München) 437.5

B Ernst Quantelbaum (KSV Witten 07) 430.0

 

+82.5 KG

G Josef Straßberger (TSV 1860 München) 315.0

S Fritz Wenninger Münch (KrSpV. Zuffenhausen) 460.0

B Edmund Nummer (SK Roland v. 1887 Hamburg) 435.0

 

1922

Weltmeisterschaften

21. TALLINN (EST) 29.-30. April

Deutschland ausgeschlossen

 

Deutsche Meisterschaften

14 1922 BERLIN 1. Bis 2. Juli

(Fünfkampf: einarmiges Reißen und Stoßen, sowie beidarmiges Drücken,

Reißen und Stoßen)

 

-58 KG

G Josef Lang (TSV 1860 München) 337.5

S Hubert Fuchs (Euskirchner AC) 337.5

B Erwin Winter (SpVgg. Waiblingen) 330.0

 

-62 KG

G Andreas Stadler (Lohnfuhrwerker AK Wien) 397.5

S Eugen Widmann (SpVgg. Stuttgart) 397.5

B Willi Reinfrank (VfK Mannheim 1886) 395.0

 

-67.5 KG

G Karl Fahrnbach (Vgt. AK 1890 Oggersheim) 420.0

S Heinrich Baumann (Tbd. München) 420.0

B Karl Okrouhly (AC Altona Wien) 407.5

 

-75 KG

G Heinrich Lang (KV 95 Stuttgart) 457.5

S Karl Freiberger (Währinger AC Wien) 435.0

B Alois Richetzky (Hietzinger AK Wien) 427.5

 

-82.5 KG

G Johann Scherz (AC Stöhr Wien) 485.0

S Fritz Hünenberger (KSV Riehen-Basel) 475.0

B Eugen Becke (AK Lohnfuhrwerker Wien) 450.0

 

+82.5 KG

G Josef Straßberger (TSV 1860 München) 510.0

S Franz aigner (AC Eiche Wien) 490.0

B Anton Köhle (KV 95 Stuttgart) 432.5

 

 

Deutsche Mannschaftsmeisterschaft

1 1922 (Fernabnahme)

6 Mann (Mindeststärke 4 Mann) in Gewichtsklassen gehoben. Die gehobenen Lasten wurden einfach summiert.

Die Verbandsmeister Ost, Nordwest, Mitte und Süd ermittelten durch eine Fernabnahme die Platzierung für die Deutsche Meisterschaft. Der eigentlich während der Deutschen Kampfspiele geplante Finalkampf der beiden besten Mannschaften fand nicht statt.

 

1. TSV 1860 München 2912.5 kg

(Josef Lang / Richard Lukas / Josef Zimmermann / August Depuhl / Friedrich Jung / Josef Straßberger)

 

2. 1. AK Sandow Nürnberg 1896 2797.5 kg

(Rudolf Tratz / Peter Friedrich / Franz Wagner / Hans Ruttmann / Josef Hammon / Hans Abraham)

 

1923

Weltmeisterschaften

22. 1923 WIEN (AUT) 8.-9. September

(Vierkampf: einarmiges Reißen; einarmiges Stemmen; beidarmiges Drücken; beidarmiges Stoßen)

2 deutsche Teilnehmer : 1Silbermedaille

 

67.5 KG

S Heinrich Baumann (SpV. München) 350.0 (67.5/85.0/87.5/110.0)

4 Heinrich Lang (Saarbrücken) 365.0

 

Deutsche Meisterschaften

15 1923 ERFURT 4.-5. August

(Fünfkampf: einarmiges Reißen und Stoßen, sowie beidarmiges Drücken,

Reißen und Stoßen)

 

-58 KG

G Adolf Rein (1. Göppinger SV 1885) 315.0

S Josef Christ (Tgmde. Dieburg) 315.0

B Georg Nordmann (ASV Rohland Nordhausen) 310.0

 

-62 KG

G Eugen Widmann (SpVgg. Stutthart) 387.5

S E. Schäfer (Koblenz) 380.0

B A. Brünmann (KrSpV. Zuffenhausen) 355.0

 

-67.5 KG

G Willi Reinfrank (VfK Mannheim 1886) 412.5

S Hans Ruttmann (1.AK Sandow Nürnberg 1896) 410.0

B Wilhelm Stephan (MTV 1845 Magdeburg) 392.5

 

-75 KG

G Walter Mang (SK Roland v. 1897 Hamburg) 415.0

S Josef Pfaffenberger (Regensburg) 410.0

B Anton Köhle (KV 95 Stuttgart) 392.5

 

-82.5 KG

G Heinrich Lang (Saarbrücken) 465.0

S Heinrich Volz (Turnerbund 1892 Cannstatt) 430.0

B Paul Bräutigam (SSV 07 Arnstadt) 420.0

 

+82.5 KG

G Josef Straßberger (TSV 1860 München) 490.0

S H. Guttke (SK 06 Beuthen) 432.5

B Kurt Kaufmann (Berlin) 432.5

 

Deutsche Mannschaftsmeisterschaft

2 1923 (Fernabnahme)

6 Mann (Mindeststärke 4 Mann) in Gewichtsklassen gehoben. Die gehobenen Lasten wurden einfach summiert.

Die Kreismeister im K.O.-System die beiden Finalisten. Der TSV 1860 München lehnte einen Finalkampf anlässlich der Einzelmeisterschaften in Erfurt ab. Auch ein alternativ vorgeschlagenes Finale mit Hin- und Rückkampf wurde von

den Münchnern mit Hinweis auf die Inflation abgelehnt.

 

1. VfK Mannheim 1530.0 kg

(August Seckel / Otto Geißler / Willi Reinfrank / W.albrecht / Karl Merkle / Fritz Hünenberger)

2. SK Roland v. 1887 Hamburg

11 (1913/1919)

Nach 100 Jahren

in gleicher Halle

Vom 16. Bis 27. Oktober 2013 fanden die 80. Weltmeisterschaften der Gewichtheber in Wroclaw statt. Dafür hatten sich 285 Teilnehmer aus

36 Ländern gemeldet.

Was das mit unserem Rückblick zu tun hat? Allerhand. Die Welttitelkämpfe kehrten damit nämlich nach genau 100 Jahren in die Stadt zurück, die damals Breslau hieß und deutsch war. Und nicht nur das – auch in die gleiche Halle wie damals!


Cisleithanien am erfolgreichsten


Diese Feststellung soll bitte keine politischen Hinter-gründe haben, sondern rein sporthistorische. Am 28. und 29. Juli 1913 fanden die 19. Weltmeisterschaften in der Jahrhunderthalle Breslaus statt. Es beteiligten sich damals 40 Heber aus vier Ländern.

Damit die geschichtliche Dimension deutlich wird – die Medaillen teilten sich drei Länder: Cisleithanien 3 Gold, 1 Silber, 1 Bronze, Deutsches Kaiserreich 1 Gold, 2 Silber, 1 Bronze und Russisches Kaiserreich keine Gold, je eine Silber und Bronze. Cisleithanien – ein Begriff, den es heute überhaupt nicht mehr gibt. Es war ein Teil dessen, was man heute als Österreich bezeichnet. Politisch sehr kompliziert zu erklären. Was auch hier nicht die Aufgabe sein soll.

Die Jahrhunderthalle um 1930 und in der Gegenwart,

ein Blick in den Saal,

wo auch die Gewichtheber-

Wettkämpfe stattfanden.  

Die Halle wurde von 1911 bis 1913 unter Leitung des Stadtbaurates, dem Architekten Max Berg, erbaut. Vorbild war die Festhalle in Frankfurt/Main. Sie bildet das Zentrum des Messegländes der Stadt. Ihre Kuppel hatte die damals mit 67 Metern weltweite größte Spannweite. Heute heißt sie Hala Stulecia und zählt seit 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe.


Drittes EM-Gold für Abraham

Da es in dieser Serie in erster Linie um das Abschnei-den der deutschen Gewichtheber geht: 22 Athleten waren bei diesen Titelkämpfen von 1913 für das deutsche Kaiserreich angetreten. Vier von ihnen erkämpften in den vier Gewichtsklassen Vierkampf-Medaillen:


Der Würzburger Wilhelm Köhler Gold, der Bamberger Kurt Samfaß und der Nürnberger Hans Abraham Silber sowie Georg Vogel aus Sachsenhausen Bronze. Es sollten bis 1920 die letzten Weltmeisterschaften vor dem Ersten Weltkrieg sein. Außer der WM Breslau 1913 sowie den Europameisterschaften 1913 Brünn (jetzt Brno) – ohne deutsche Teilnahme – und Wien 1914 mit der EM-Goldmedaille von Hans Abraham – seiner dritten - gab es zwischen 1913 und 1919 keine weiteren internationalen Titelkämpfe. Und auch die Olympischen Spiele 1916, die eigentlich in Berlin (!) stattfinden sollten, fielen diesem Krieg zum Opfer. Deutsche Meisterschaften gab es ebenfalls nur 1913 in Kassel und 1919 in München.


1919 in München erstmals Scheibenhanteln

 

Im Gegensatz zu dieser Wettkampfhäufigkeit auf Sparflamme ereigneten sich in der Geschichte des internationalen und des deutschen Verbandes einige grundlegenden Entwicklungen. Mit der Gründung des Internationalen Amateur Verbandes für Schwerathletik schrieb sich Berlin am 6. Juli 1913 erneut in die Annalen ein. Dieser Verband umfasste Gewichtheben, Ringen, Boxen, Tauziehen sowie Würfe und Stöße über 10 Kilogramm. Also noch keine eindeutige Abgrenzung von der Leichtathletik.


Das vollzog sich aber auf nationaler Ebene, indem der Deutsche Reichsverband für Athletik (DRfA) und die Deutsche Sportbehörde (DSB) am 24. Juli 2013 einen Vertrag über gegenseitige Abgrenzung schlossen. Der DRfA war von nun an für Gewichtheben, Ringen, Rundgewichtsheben, Steinstoßen, Gewichtwerfen und Tauziehen zuständig, der DSB für Laufen, Gehen, Springen, Werfen. Am 29. September 1918 wurde aus dem DRfA der Deutsche Kraftsportverband.  

 

Bei den Deutschen Meisterschaften 1919 wurden in München erstmals Scheibenhanteln mit kugelgelagerten Stangen der Firma Berg eingesetzt. Beim gleichzeitig stattfindenden Verbandstag erfolgte die Umbenennung in Deutscher Athletik-Sportverband von 1891 (DASV).

STATISTIK 1913 bis 1919

 

1913

Weltmeisterschaften

19. 1913 BRESLAU (GER) 28./29.Juli

(Vierkampf: einarmig Reißen rechts, einarmig Reißen links, beidarmig Drücken, beidarmig Stoßen – für die Ausführung der Übungen – außer Reißen - in einer Bewegung wurden 10 kg hinzugezählt)

22 deutsche Teilnehmer : 1 Gold/2Silber/1Bronze: 4 Medaillen

 

-60 KG

B Georg Vogel (AC Sachsenhausen) 104.5 P. (55.0/52.5/85.0/110.0)

4 W. Behrend (Jugendkraft Köpenick) 93.0 P. (55.0/50.0/77.5/95.0)

5 Georg Gerstacker (1. AK Sandow Nürnb.1896) 92.0 P.

(55.0/45.0780.0/100.0)

7 Seiler (Victoria Breslau)

8 Carl Stegmann (Herkules Pirmasens)

9 Arthur Roder (Cyclop Breslau)

10 Wilhelm Latsch (Athl.-Club Hagen)

 

-67.5 KG

G Wilhelm Köhler (1. Männer-St.Cl. Würzburg-Grombühl) 137.5 P.

(75.0/72.5/92.5/115.0)

S Karl Samfaß (Bavaria Bamberg) 130.5 P. (70.0/62.5/97.5/115.0)

7 Karl Bader (KSC Aschaffenburg)

8 F. Techner (Jugendkraft Köpenick)

9 Ludwig Ohnesorg (KSC Mannheim-Jungbusch)

10 Willy Beil (Cyclop Breslau)

 

-80 KG

S Hans Abraham (1.AK Sandow Nürnberg 1896) 147.5 P. (75.0/72.5/112.5/130.0)

4 August Baumann (KSV Schwenningen) 129.5 P. (70.0/72.5/80.0/115.0)

7 Max Dreifuß (1.Athl.-Club Pirmasens)

8 W. Weinhold (Kr.-Sp.-Cl. Gotha)

9 Karl Paulini (1.M.-Kr-Sp.-Ver. Gleiwitz)

 

+-80 KG

4 Hermann Görner (Atlas Leipzig) 155.0 P. (80.0/75.0/105.0/135.0)

7 Carl Pauleck (Cyclop Breslau)

8 Alfred Mikolaiczyk (Atlas Königshütte)

9 Georg Stoissek (II. Athl.-Verein Breslau)

 

Europameisterschaften

18. 1913 BRÜNN (BOH) 24./25. August

Keine deutschen Teilnehmer

Deutsche Meisterschaften

10. 1913 KASSEL 20./21. September

(Fünfkampf: einarmig Reißen, einarmig Stoßen, Beidarmig Drücken, beidarmig Reißen, beidarmig Stoßen)

 

-62 KG

G Georg Vogel (AC Sachsenhausen) 430.0

S Alfred Anschütz (Jugendkraft Mehlis) 425.0

B Oscar Erlenmeyer (AC Oberstein) 362.5

 

-67.5 KG

G Karl Willrich (Stemm- u. Ring.-Club Oberstein) 435.0

S Peter Reinmuth (StuR-club Rheingönheim) 435.0

B Albert Kuhn (Stemm- u. Ring.-Club Oberstein) 415.0

 

75 KG

G Hans Abraham (1. AK Sandow Nürnberg 1896) 500.0

S Heinrich Hartmann (SV Germania Weingarten i.B.) 480.0

B Hans Hausmann (AC Siegfried Frankfurt/Main) 437.5

 

+75 KG

G Paul Trappen (ASV Trier 1895) 552.5

S Karl Mörke (Kölner Stemmclub 1893) 550.0

B Hermann Görner (Leipziger SV Atlas) 520.0

 

1914

WELTMEISTERSCHAFTEN

Keine

 

EUROPAMEISTERSCHAFTEN

19. 1914 WIEN (AUT) 31.Mai bis 1. Juni

(Vierkampf: rechtshändig Reißen, linkshändig reißen, beidarmig Drücken und Stoßen)

1 deutscher Teilnehmer : 1 Goldmedaille

 

82.5 KG

G Hans Abraham (1. AK Sandow Nürnberg 1896) 402.5

 

Deutsche Meisterschaften

keine

1915-1919

Keine Olympischen Spiele

Keine Weltmeisterschaften

Keine Europameisterschaften

 

Deutsche Meisterschaften

11. 1919 München 9./10. August

(Fünfkampf: einarmig Reißen, einarmig Stoßen, Beidarmig Drücken, beidarmig Reißen, beidarmig Stoßen)

 

-62 KG

G Karl Junger (Ath. SpV. Göttingen) 377.5

S Hans Wölpert (SC Hitzler München) 375.0

B Hans Reitmeier (SpVgg. 96 Nürnberg) 387.6

 

-67.5 KG

G Oskar Georgi (TV Leipzig-Gohlis) 425.0

S Philipp List (KSV 03 Neu-Isenburg) 407.5

B Josef Zimmermann (TSV 1860 München) 402.5

 

-75 KG

G Jean Kunz (SV Bavaria Augsburg) 447.5

S Wilhelm Köhler (SpAbt. der Tgmde. Würzburg) 427.5

B Josef Paluszkiewicz (1. AC Germania Ulm) 420.0

 

-82.5 KG

G Fritz Hünenberger (KSV Riehen-Basel) 447.5

S Hermann Schwindt (Vgt.AK 1890 Oggersheim) 440.0

B Anton Rieker (ASV Spartania Eislingen) 425.0

 

+82.5 KG

G Karl Mörke (Kölner Stemmclub 1893) 540.0

S Hermann Görner (TV Leipzig-Gohlis) 510.0

B Josef Straßberger (TSV 1860 München) 502.5

10 (1911/1912)

Stiefvater rettete in Wien die Ehre

 

Manchmal muss man sich vor Augen halten – was das für eine Welt war, vor soundsoviel Jahren. In dieser Fortsetzung geht es um die Jahre 1911 und 1912, als es in deutschen Landen noch das Kaiserreich gab. Das mit dem „Kommando Panthersprung“ in Nordafrika am 8. März 1911 schon zielstrebig auf den ersten Weltkrieg zusteuerte. Bleiben wir bei 1911 - Es war auch das Jahr, in dem man erstmals einen Internationalen Frauentag feierte, in dem die später durch ihr Unglück weltbekannte „Titanic“ vom Stapel lief und China eine Republik wurde.


Olympia ohne Gewichtheben


Für das deutsche Gewichtheben bedeutet 1911 mit der Gründung des Deutschen Reichsverbandes für Athletik (DRfA) am 17. September auch das Ende der Zersplitterung der deutschen Schwerathleten.

International fand es als Rekordjahr Eingang in die Annalen – als das Jahr mit den vier Welt- und zwei Europameisterschaften. Allein vier dieser Titelkämpfe fanden in Deutschland statt.

1912 war für das sportliche Wettkampfgeschehen im internationalen Gewichtheben das Gegenteil von 1911. Die Olympischen Spiele in Stockholm fanden ohne diese Sportart statt. Außerhalb der Heberbühne konnten jedoch Fortschritte verzeichnet werden. In Stockholm versuchte man mit dem Internationalen Verband für Schwerathletik die seit 1907 de Facto nicht mehr existierende Amateur-Athleten-Weltunion neu zu beleben. Auf dem 1. Deutschen Athleten-Kongress am 16. November 2012 wurde ein Reglement für den Fünfkampf beschlossen, wie man es schon ein halbes Jahr vorher bei den Deutschen Meisterschaften in Frankfurt/Main praktiziert hatte. Außerdem legte man sich auf die Einführung von Rekordlisten fest.

Leipzig brachte den Höhepunkt

 

Allein vier Weltmeisterschaften 2011. Drei davon in Stuttgart, Berlin und Dresden. Das riecht nach „Kleinstaaterei“ – war es in übertragenem Sinne auch. Besonders in der schwäbischen und in der sächsischen Metropole. Fast nur deutsche Teilnehmer. Jedoch nicht immer die gleichen.


Nur der Name eines Münchners taucht zweimal auf. Dr. Josef Stiefvater vom MTV. Er wurde in Stuttgart und in Wien jeweils Vierter. Die meisten der Medaillen blieben im Lande. Was auch von mäßiger internationaler Resonanz zeugt. Aus deutscher Sicht wurde bei der Wiener WM das Jahr mit einem großen Misserfolg gekrönt. Nur drei Teilnehmer, zwei davon ohne Mehrkampfwertung. Außer: siehe Dr. Stiefvater: 4. Platz.

Der Österreicher Josef Grafl war vor dem Ersten Weltkrieg der erfolgreichste Gewichtheber – sechsmal Weltmeister!

 

Kurzbiographien der deutschen Weltmeister Hans Abraham und Nikolaus Winkler – aus dem „Eisenlexikon“ der CD „Deutsches Gewichtheben“ mit Informationen über rund 1000 Persönlichkeiten des deutschen Gewichthebens.

Der wahre internationale Höhepunkt 1911 für die Deutschen dürfte die Europameisterschaften von Leipzig gewesen sein. Dort gab es elf Medaillen.

Meist durch Athleten, die dem deutschen Gewichtheben auch bei anderen Gelegenheiten Ehre einlegten. So auch die damaligen „Dauerbrenner“ Hans Abraham aus Nürnberg und Nikolaus Winkler aus Bamberg. Der erfolgreichste Stemmer vor dem Ersten Weltkrieg war allerdings ein Österreicher. Josef Grafl holte bei Weltmeisterschaften sechsmal den Titel.


Weitere Kurzbiographien von deutschen Medaillengewinnern bei WM und EM im Gewichtheben 1911 und 1912.

 

Der fünfte Weltmeister


1910 gab es laut Vereinschronik des AC 1898 Thal-

eischweiler-Fröschen in der Pfalz doch einen deutschen Gewichtheber-Weltmeister. Da ist zu lesen: „Bei der Meldung Peter Dreßler zur Weltmeisterschaft am 14. mai 1910 im Gewichtheben in Düsseldorf ahnte niemand, welchen Erfolg er erreichen würde. Als fünfter Weltmeister im Federgewicht kehrte er von Düsseldorf heim.“ Schön für den Thaleischweiler-Fröschener, nur taucht er in keiner Weltmeisterliste auf. Mit einigem Nachdenken wurde klar, dass er Fünfter der WM von Düsseldorf im Federgewicht wurde. In den uns zugängigen Ergebnissen war er allerdings nicht verzeichnet.

Hilmar Bürger

STATISTIK 1911 bis 1912

1911

Weltmeisterschaften

 

15. 1911 STUTTGART (GER) 29./30. April

(Vierkampf: einarmig Reißen rechts, einarmig Reißen links, beidarmig Drücken, beidarmig Stoßen)

15 deutsche Teilnehmer : 1 Gold/2Silber/4Bronze: 7 Medaillen

 

-60 KG

G Alfred Anschütz (AC Jugendkraft Mehlis) 317.5 (62.5/55.0/90.0/110.0)

B Georg Vogel (AC Sachsenhausen) 312.5 (60.0/50.0/92.5/110.0)

4 Georg Gerstäcker (1. AK Sandow Nürnberg) 282.5 (52.5/45.0/85.0/100.0)

5 Josef Schmalz (AC Germania Freiberg-Herdern) 282.5 (50.0/47.5785.0/100.0)

 

-67.5 KG

B Peter Reinmuth (St. U. RCI Rheingönheim) 337.5 (62.5765.0/100.0/110.0)

4 Dr. Josef Stiefvater (MTV München) 327.5 (65.0/62.5790.0/110.0)

5 Eugen Kißling (KV 95 Stuttgart) 327.5 (65.0/57.5/95.0/110.0)

 

-80 KG

S Eugen Ruhland (AC Victoria Höchst/Main) 366.0 (70.0765.0/105.5/125.5)

B Andreas Lutz (1. AK Sandow Nürnberg 1896) 363.0 (73.5/69.0/95.0/125.5)

4 Peter Grehl (SC Roland Hamburg) 351.0 (70.0/65.0/100.5/115.5)

5 Alois Heller (AC Siegfried Frankfurt/Main) 350.0 (70.0/65.0/100.0/115.0)

 

+80 KG

S Heinrich Rondi (AC 1886 Düsseldorf) 453.0 (93.0780.0/125.0/155.0)

B Heinrich Schneidereit (Cölner AK v. 1882) 423.0 (80.0/80.0/113.0/150.0)

4 Paul Weiss (Athleten-Bund Stuttgart) 360.0 (62.5/57.5/105.0/135.0)

5 Fritz Scharpf (Helvetia Frankfurt/Main) 348.0 (70.5/60.07100.0/117.59

----------------------------------------------------------------------------------------------

16. 1911 BERLIN (GER) 13./14. Mai

(Vierkampf: einarmig Reißen rechts, einarmig Reißen links, beidarmig, Drücken, beidarmig Stoßen)

8 deutsche Teilnehmer : 0 Gold/2Silber/4Bronze: 6 Medaillen

 

-60 KG

S Jakob Vogt (Leipzig) 282.5 (48.5/51.0/76.0/107.0)

B Oswald Greth (Hackenschmidt Berlin) 271.0 (48.5/51.0776.0/105.5)

 

-70 KG

S Albert Meyer (Germania 86 Berlin) 335.0 (60.0/65.0/100.0/110.0)

B Paul Gnauk (Attila Berlin) 312.5 (55.0/60.0/95.0/102.5)

4 Kurt Junginger (Teutonia Berlin) 305.0

 

+80 KG

B Franz Buchholz (SC Heros Berlin) 391.5 (59.0/59.0/129.0/144.5)

----------------------------------------------------------------------------------------------

 

17. 1911 DRESDEN (GER) 26. Junil

(Vierkampf: einarmig Reißen, einarmig Stemmen, beidarmig Drücken, beidarmig Stoßen)

8 deutsche Teilnehmer : 3 Gold/2Silber/3Bronze: 8 Medaillen

-60 KG

G Rudolf Thamme (Chemnitz) 307.5 (49.0775.5/87.0/96.0)

S Oswald Greth (Berlin) 305.0 (50.0/74.0/85.0/96.0)

B Georg Weißbeck (Nürnberg) 292.5 (48.5/71.0/83.0/90.0)

 

-67.5 KG

G Albert Meyer (Berlin) 367.5 (65.0/90.5/102.0/110.09

S Nikolaus Winkler (Bamberg) 350.0 (60.0/85.0/95.0/110.09

B Kempe Max (Chemnitz) 339.5 (60.0/78.5/92.0/109.0)

 

-80 KG

G Hans Abraham (1. AK Sandow Nürnberg 1896) 402.5 (72.5/100.0/110.0/120.0)

 

+80 KG

B Hermann Gaßler (München) 425.0 (65.0/72.5/135.0/152.5

 

18. 1911 WIEN (AUT) 29 bis 2. Juli

(Vierkampf: einarmig Reißen links, einarmig Reißen rechts,, beidarmig Drücken, beidarmig Stoßen)

3 deutsche Teilnehmer : keine Medaillen

 

-60 KG

X Georg Vogel (AC Sachsenhausen) 000.0 (55.07-----/85.0/105.0)

4 Dr. Josef Stiefvater (MTV München) 325.4

X Alois Selos (München) 000.0

 

15. 1911 BUDAPEST (HUN) 25./26. März

Keine deutsche Beteiligung

--------------------------------------------------------------------

16. 1911 LEIPZIG (GER) 6./7. Mai

(Dreikampf: einarmig Reißen, einarmig Stoßen, beidarmig Stoßen)

28 deutsche Teilnehmer : 3Gold/4Silber/4Bronze: 11 Medaillen

 

 

 

-60 KG

G Moritz Becker (KSV Kleinzschocher) 255.0 (65.0/87.5/102.5)c

S Willy Voigt (Armin Leipzig) 230.0 (67.5/62.5/100.0)

B Paul Wunderlich (Eichenkranz Leipzig) 230.0 (55.0/75.0/100.0)

5 Alfred Bock (TuSt-Cl. Leipzig-Connewitz)

6 Oskar Eichelber (Sandow Leipzig)

7 Otto Bause (Adler Halle/S.)

8 Oskar Dittrich (Atlas Leipzig)

9 Gustav Föllner (Einigkeit Bitterfeld)

 

-70 KG

G Max Morche (Leipzig-Schönefeld) 260.0 (60.0/85.0/115.09

S Friedrich Müller (Glashütte Jena) 257.5 (62.5/80.0/115.0)

B Nikolaus Winkler (Herkules Bamberg) 247.5 (60.0/80.0/107.5)

4 Oskar Georgi (Sandow Leipzig)

5 Rudolf Grass (Jugendkraft Zwickau

6 Oskar Bromme (Sandow Leipzig)

7 Paul Schönert (Waldheim)

8 Alfred Haage (Atlas Leipzig)

9 Karl Petzold (Saxonia Netzschkau i.V.)

 

-80 KG

G Hans Abraham (AK Steinbühl Nürnberg) 307.5 (72.5/105.0/130.0)

S Max Haase (Sandow Leipzig) 290.0 (75.0/90.0/125.0)

B Otto Ansorg (AC Jugendkraft Mehlis) 292.5 (70.0/95.0/127.5)

4 Otto Bettge (Glashütte Jena)

5 Felix Zehmisch (Eichenkranz Leipzig)

6 Wilhelm Knoll (Germania Bockenheim)

 

+80 KG

S Hermann Görner (Atlas Leipzig) 280.0 (70.0/85.0/125.0)

B Otto Gräser (TuSt-Cl. Leipzig Connewitz) 290.0 (70.0/80.0/140.0)

4 Wilhelm Mehler (Sangerhausen)

5 Paul Kemnitzer (Felsenfest Plauen)

6 Hugo Rudel (Sandow Leipzig)

 

Deutsche Meisterschaften

keine

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1912

 

Olympische Spiele

5. 1912 STOCKHOLM (SWE) 29. Juni bis 27. juli

Ohne Gewichtheben

 

Weltmeisterschaften

Keine

 

Europameisterschaften

 

17. 1912 WIEN (AUT) 21./22. September

(Vierkampf: rechtshändig Reißen, linkshändig Reißen, beidarmig Drücken, beidarmig Stoßen)

5 deutsche Teilnehmer : 0Gold/0Silber/1Bronze: 1 Medaille

-60 KG

B Rudolf Thamme (Chemnitz) 280.0 (56.0/56.0/68.0/100.09

6 J. Lachnitt (Stuttgart) 275.0

7 ? Nöll (Griesheim)

 

-67.5 KG

? Peter Reinmuth (St.-u.RCl Rheingönheim)

 

-80 KG

5 Max Dreifuß (1.Athl.-Club Pirmasens) 316.0

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Deutsche Meisterschaften

 

9. 1912 FRANKFURT/MAIN 29./30. Juni

(Fünfkampf: einarmig Reißen, einarmig Stoßen, Beidarmig Drücken, beidarmig Reißen, beidarmig Stoßen)

 

 

-60 KG

G Georg Vogel (AC Sachsenhausen) 435.0

S Peter Dreßler (AC 1898 Thaleischweiler) 397.5

B Josef Schmalz (AthVgg.Germania Freiburg) 380.0

 

-67.5 KG

G Josef Kübler (1. AC Stuttgart) 427.5

S Karl Samfass (1. AC Hrekules v. 1894 Bamberg) 425.0

B Max Hummel (1. KSV 1896 Durlach) 425.0

 

- 75 KG

G Hans Abraham (1. AK Sandow Nürnberg 1896) 492.5

S Heinrich Hartmann (SV Germania Weingarten i.B.) 460.0

B Hans Hausmann (AC Siegfried Frankfurt/Main) 447.5

 

+ 75 KG

G Heinrich Rondi (AC 1886 Düsseldorf) 547.5

S Heinrich Schneidereit (Cölner AK v. 1882) 542.5

B Karl Möhrke (Kölner Stemmclub 1893) 450.0

9 ( 1907-1910)

Beim „Deutschland-Achter“ am Tau

 

 

 

 

 

 

 

1906 gab es bei den Olympischen Zwischenspielen in Athen Gold für den „Deutschland-Achter“ im Tauziehen, zu dem auch zwei Gewichtheber gehörten. Unten ein Foto von Olympia 1900 in Paris.

 

Wenn wir die internationalen Ergebnisse deutscher Gewichtheber zwischen 1907 und 1910 betrachten, so stoßen wir darauf, dass 1907 wohl das erfolgreichste Jahr für den damals 30-jährigen Düsseldorfer Heinrich Rondi war. Erst wurde er in Kopenhagen Europa-, dann in Frankfurt am Main auch Weltmeister. Wie wir später sehen werden, war das noch nicht alles. Bemerkenswert ist, in welchen der erst eingeführten Gewichtsklassen ihm das gelang. Bei der EM in + 67.5 kg, bei der WM in +80 kg. Und das mit einem durchschnittlichen Körpergewicht von 110 Kilo.

 

„Mehrkämpfer“ der Schwerathleten

Heinrich Rondi

Nicht nur die Hantel war das Metier dieses Athleten. Auch das Tau und die Ringermatte. Hier gelangen ihm ebenfalls außerordentliche Erfolge. Von seiner Bronze-medaille im Beidarmigheben bei den Olympischen Zwischenspielen 1906 in Athen hatten wir bereits berichtet. Nachzutragen ist Gold im Tauziehen - mit dem „Deutschlandachter“ der Schwerathleten, dem auch mit dem Kölner Heinrich Schneidereit ein weiterer Gewichtheber angehörte.

 

Rondis sportlicher Auftritt 1907 in Kopenhagen dürfte guninnessrekordreif sein. Er gewann auch bei den gleichzeitig ausgetragenen Titelkämpfen auf der Matte ebenfalls Europameisterschaftsgold. So ungefähr Wilfried Dietrich und Rudolf Mang in einem.

 

Auch ein starker Mensch

 

Und doch ist das noch nicht alles, was es über Rondi zu sagen gibt. Er war nicht nur ein starker Athlet, sondern auch ein starker Mensch. Über ihn wird berichtet, dass er als Betreiber einer Gastwirtschaft, einen Mann, den die Nazis als Halbjuden bezeichneten, nach der Progromnacht mit zu verstecken half. Leider vergeblich.

 

Getrennter Auftritt der Deutschen

Bei den Weltmeisterschaften 1909 in Wien waren zwei deutsche Gewichtheber vertreten: Der Nürnberger Andreas Lutz (im oberen Foto ganz rechts) in der 80-er Gewichtsklasse, und der Essener Fritz Eickeltrath (Foto unten Zweiter von rechts) im höchsten Limit +80 kg. Beide belegten Rang vier. Sieger wurden die Österreicher Johann Eibel mit 470.2 kg und Josef Grafl (583.1 kg)

 

Bei diesem Titelkampf gab es eine einmalige Besonderheit. Die beiden Wettkämpfe wurden nicht gemeinsam ausgetragen. Die Superschweren hoben am 3. Oktober. Die Leichteren weigerten sich, ohne Musik-

Begleitung anzutreten. Sie fanden sich erst am 2. Dezember in Wien wieder zum Wettkampf ein. Dabei startete der Nürnberger Hans Abraham außer Konkurrenz. Mit seiner Mehrkampfleistung von 458.5 kg hätte er den zweiten Platz belegt. Mit Musik!

 

Geburt der Scheibenhantel

Die unterschiedliche Handhabung von Gewichtsklassen

täuscht nicht darüber hinweg, dass man in dieser Zeit sehr bemüht war, System in die verschiedenen Körper-

gewichtskategorien zu bringen. Endgültig vereinheitlicht wurden diese dann ab 1920. Aber auch das Sportgerät war einem Wandel unterzogen. In den Anfangs-jahren die unterschiedlichsten Varianten des Sportgerätes vom Rundgewicht bis zur Kugelhantel. 1907 erfand der Frankfurter Sportlehrer Franz Veltum zwar nicht den Stein der Weisen, aber ein nach ihm benanntes System der Scheibenhantel mit auswech-selbaren Gewichten. 1910 fügt er diesem das Kugellager hinzu. Veltum war übrigens von 1909 bis 1917 Herausgeber und Redakteur der „Athletik“. Seine Scheibenhantel steht mit vielen weiteren Verbesserungen auch noch heute im modernen Gewichtheben „ihren Mann“.

STATISTIK 1907 bis 1910

1907

Weltmeisterschaften

 

10. 1907 FRANKFURT/MAIN (GER) 19. Mai

(Vierkampf: Reißen rechts, Reißen links, Drücken, Stoßen)

21 deutsche Teilnehmer : 3 Gold/2Silber/3Bronze: 8 Medaillen

 

-70 KG

G Johannes Zebrowski (KSK Simson Bremen) 79.5 P. (67.5/60.0/95.0/115.0)

B Heinrich Glenzer (StuRCI Jugendkraft Essen) 68.5 (62.5/55.0/95.0/125.0)

4. Nikolaus Winkler (Stemm- u. Ringcl. Dortmund) 66.0 (55.0/55.0/85.0/110.0)

5. Carl Löche (Athleten-Club Sachsenhausen) 65.5 (57.5/55.0/100.0/110.0)

6. Oscar Hammelbacher (AG Mainland Würzburg) 64.0 (60.0/55.0790.0/115.0)

7. Andreas Götz (Stemm- u. Ringcl. Dortmund) 63.0 (55.0/55.0/95.0/115.0)

9. Heinrich Kanngießer (Athleten-Klub Lüdenscheid) 52.0 (55.0/50.0/95.0/110.0)

10. Eugen Kißling (KV 95 Stuttgart) 51.5 (62.5/55.0/85.0/----)

-80 KG

G Andreas Lutz (SK Noris Nürnberg) 73.0 (70.0765.0/105.0/130.0)

S Johann Formberger (SK Noris Nürnberg) 69.0 (60.0/65.0/115.0/135.0)

 

B Hans Abraham (AK Steinbühl Nürnberg) 67.0 (70.0/65.0/110.0/120.0)

4. Albert Ulmer (1. ASK Nürnberg) 57.0 (65.0/60.0/100.0/120.0)

5. Josef Ziegelmaier (Athleten-bund Stuttgart) 56.0 (65.0/55.0/100.0/125.0)

6. Albert Kuhn (Athleten-Klub Oberstein) 48.0 (55.0/55.0/105.0/115.0)

7. M. Frank (Athletenclub Eberle Dachau) 39.25 (50.0755.0/95.0/110.0)

8. Br. Hofmann (StuRCl. Athletia Wiesbaden) 21.0 (45.0/50.0/80.0795.0)

 

+80 KG

G Heinrich Rondi (AC 1986 Düsseldorf) 104.4 (85.5/84.5/120.0/144.5)

S Heinrich Schneidereit (Cölner AK v. 1882) 92.3 (82.0/81.5/110.0/155.59

B Georg Schleidt (AV 1895 Darmstadt) 92.0 (75.0/70.0/125.0/150.0)

4. Georg Bonfig (AG Mainland Würzburg) 67.8 (71.0/60.0/115.0/143.0)

5. Franz Schorn (AC 1886 Düsseldorf) 54.5 (70.0/65.0/100.5/120.0)

 

Europameisterschaften

11. 1907 KOPENHAGEN (DEN) 5. bis 7. April

(nur Punktwertung bekannt)

4 deutsche Teilnehmer : 3 Gold/2Bronze: 4 Medaillen

 

-67.5 KG

G Nikolaus Winkler (Stemm- und Ringcl. Dortmund) 52.5 P.

B Andreas Götz (Stemm- und Ringcl. Dortmund) 50.0

+67.5 KG

G Heinrich Rondi /AC 1886 Düsseldorf) 99.0

B Theodor Krampe (Düsseldorf) 25.0

 

 

12. 1907 WIEN (AUT) 8. September

(Dreikampf: Reißen/Drücken/Stoßen)

1 deutscher Teilnehmer : 1/Silber

 

S Alois Selos (AC München-Au) 380.5 (85.5/135.0/160.0)

 

Keine Deutschen Meisterschaften

 

1908

 

Olympische Spiele

 

4. LONDON (GBR) - ohne Gewichtheben

Weltmeisterschaften

 

11. 1908 WIEN (AUT) 8./9. Dezember

(Sechskampf: einarmig Reißen links/einarmig Reißen rechts/einarmiges Drücken/beidarmiges Drücken/beidarmiges Stemmen/wiederholtes beidarmiges Drücken)

 

Kein deutscher Teilnehmer – Andreas Lutz und Heinrich Rondi waren angereist, traten aber nicht an

 

1909

 

Weltmeisterschaften

 

12. 1909 WIEN (AUT) 3. Oktober und 2. Dezember

(Fünfkampf: einarmiges Reißen rechts/einarmiges Reißen links/beidarmiges Reißen/beidarmiges Drücken/beidarmiges Stoßen)

 

2 deutsche Teilnehmer : keine Medaille

 

-80 KG

4. Andreas Lutz (1. AK Sandow Nürnberg) 440.0

+80 KG

4. Fritz Eickeltrath (AK Essen 1888) 523.6 (75.2/105.7/130.0/142.5)

Hans Abraham trat in der Klasse bis 80 kg außer Konkurrenz an und erreichte mit 458.5 kg die zweitbeste Leistung

 

Europameisterschaften

 

13. 1909 MALMÖ (SWE) 28. Februar

(Fünfkampf: einarmiges Reißen rechts/einarmiges Reißen links/beidarmiges Reißen/beidarmiges Drücken/beidarmiges Stoßen)

 

2 deutsche Teilnehmer : 1/Bronze

-67.5 KG

B Fritz Eickeltrath (AK Essen 1888) 495.0 (68.0/55.0/100.5/121.5/150.0)

5. Heinrich Rondi (AC 1886 Düsseldorf) xxxx (84.5/79.5/100.5/99.0/-----)

 

14. 1909 DRESDEN (GER) 18./19. September

(Dreikampf: einhändiges Reißen/einhändiges Stoßen/beidhändiges Stoßen)

 

14 deutsche Teilnehmer : 4/Gold, 4/Silber, 3/Bronze – 11 Medaillen

 

-62.5 KG

G Moritz becker (Nürnberg) 257.5 (65.0/82.5/10.0)

S Max Seifert (Chemnitz) 250.0 (62.5/75.0/112.5)

4. Bruno Arnold (Dresden) 232.5 (60.0/72.5/100.0)

-70 KG

G Rudolf Groß (Zwickau) 270.0 (67.5/85.0/117.5)

S Max Kempe (Chemnitz) 265.0 (65.0/80.0/120.0)

B Kurt Junginger (Dresden) 262.5 (62.5785.0/115.0)

4. Albert Meyer (Germania 86 Berlin) 257.5 (62.5/77.5/117.5)

-80 KG

G Hans Abraham (1. AK Sandow Nürnberg 1896) 305.0 (75.0/100.0/130.0)

S Edmund Kirchner (Osten 1892 Berlin) 275.0 (70.0/80.0/125.0)

B Max Haase (Leipzig) 267.5 (67.5/85.0/115.0)

+80 KG

G Wilhelm Rößner (Chemnitz) 302.5 (80.0/87.5/135.09

S Paul Kemnitzer (Felsenfest Plauen) 277.5 (70.0787.5/120.0)

B Josef Lehner (Regensburg) 275.0 (70.0/85.0/120.0)

4. Max Kemnitzer (Felsenfest Plauen) 257.5 (62.5/80.0/115.0)

 

Deutsche Meisterschaften

 

8. 1909 BONN 19./20. Juni

(Vierkampf: rei0en links/Reißen rechts/beidarmiges Drücken und Stoßen)

 

Medaillengewinner

- 70 KG

G Eugen Ruhland (AC Victoria Höchst/Main) 391.5

S Eugen Kißling (KV 95 Stuttgart) 336.5

B Moritz Becker (Nürnberg)

- 80 KG

G Andreas Lutz (1. AK Sandow Nürnberg 1896) 364.5

S Hans Abraham (1. AK Sandow Nürnberg 1896) 369.5

B Peter Schäfer (Köln) 348.5

+ 80 KG

G Heinrich Rondi (AC 1886 Düsseldorf) 445.0

S Fritz Eickeltrath (AK 88 Essen) 420.0

B P. Küpper (Düsseldorf) 407.5

 

1910

 

Weltmeisterschaften

 

13. 1910 DÜSSELDORF (GER) 4. bis 6. Juni

(Vierkampf: Reißen rechts, Reißen links, Drücken, Stoßen)

6 deutsche Teilnehmer : 2 Gold/3 Silber/ 1Bronze: 6 Medaillen

 

-60 KG

S Alfred Anschütz (AC Jugendkraft Mehlis) 77.0 P. (60.0/55.0/95.0/100.0)

B Franz Schmitz (Düsseldorf) 75.0 (60.0/55.0/80.0/100.0)

-70 KG

G Eugen Ruhland (AC Victoria Höchst/Main) 93.5 (65.0/62.5/97.5/110.0)

-80 KG

G Hans Abraham (1. AK Sandow Nürnberb 1896) 108.0 (70.0770.0/105.0/130.0)

S Karl Ackermann (Elberfeld) 101.0 (65.0/65.0/105.0/135.0)

+80 KG

S Heinrich Rondi (AC 1886 Düsseldorf) 134.5 (85.0/75.0/125.0/147.5)

 

14. 1910 WIEN (AUT) 9./10. Oktober

(Sechskampf: Reißen einhändig/Stoßen einhändig/Beidarmig Reißen, Drücken, Stoßen/Dauerstemmen)

 

1 deutscher Teilnehmer : keine Medaille

-75 KG

X Eugen Kißling (KV 95 Stuttgart)

 

Keine Europameisterschaften und keine Deutschen Meisterschaften

8 ( 1895-1906)

 

Hier geht es um die ersten Jahre des deutschen Gewichthebens bei nationalen Meisterschaften und auf der internationalen Bühne. Falls man damals schon davon sprechen konnte. In der Statistik sind zur besseren Übersicht noch einmal die erste WM, die erste EM, Olympia 1896 und die ersten Deutschen Meisterschaften noch einmal mit erfasst.

 

Hohe Zeit der Mehrkämpfer

 

Es kann aus Platzgründen nicht der Modus jedes einzelnen Wettkampfes erklärt werden. Zahlreiche weitere Details und Fußnoten kann man der CD über das deutsche Gewichtheben entnehmen. Es gab noch damals kein einheitliches Reglement. Meist wurde noch ohne Gewichtsklasseneinteilung in verschiedenen Varianten der Mehrkämpfe gehoben. Und so waren in der Regel auch die Schwersten die Stärksten. Es kann hier nur auf einige Besonderheiten hingewiesen werden, vor allem auch im Geschehen außerhalb der Wettkämpfe. Und das alles im Zeitraum zwischen 1895 und 1906.

 

Heber bei Olympia 1900 in Paris nicht dabei

 

Zum Meisterschaftsgeschehen: Olympia fand 1896 mit dem Turner Carl Schuhmann in dieser Zeit für das deutsche Gewichtheben nur einmal statt. 1900 in Paris stand die Sportart nicht auf dem Programm. 1904 waren die deutschen Gewichtheber in St. Louis nicht vertreten. Erst 1906 waren sie in Athen wieder dabei. Das allerdings waren keine offiziellen Spiele – sozusagen die Erinnerungs-Wettkämpfe an Olympia 1896.

 

Josef Rödl mit erstem WM-Silber

 

Deutsche Gewichtheber bei der WM 1899 in Mailand:

Links oben der Münchner Rödl, unten Mitte der Kölner Schneider

und unten links der Nürnberger Schreiber.

 

Zwischen 1891 und 1904 gab es nur fünf Weltmeister-schaften. Allerdings viermal mit deutschen Hebern. Je einmal Silber durch Münchner Josef Rödl (1899) und den Kölner Heinrich Schneidereit (1903) war die deutsche Medaillenausbeute. 1905 gab es dann gleich drei Welttitelkämpfe – einen in Paris und zwei davon in Deutschland, in Berlin und Duisburg. Die WM in der französischen Metropole waren nur mit französischer Beteiligung. 

Weitere deutsche WM-Medaillengewinner:

Silber 1903 für den Kölner Heinrich Schneidereit (links) und Bronze für den Münchner Alois Selos 1905 in Duisburg. Schneidereit wurde 1906 in Lille Weltmeister.

 

Der Berliner Alleingang in Moabit

 

Und das deutsche Titel-Doppel von 1905 hatte seine besondere Bewandtnis – was einiger Erläuterungen bedarf. Was da im April im Moabiter Gesellschaftshaus mit 41 Hebern aus vier Ländern stattfand, war ein Berliner Alleingang. Nicht mit dem Deutschen Athleten-Verband abgesprochen. Übrigens gemeinsam mit einer Ringer-WM. Organisator der ersten Gewichtheber-WM auf deutschem Boden war der „Sportclub 1900“ vom I. Athleten- und Artistenverband Berlin und Umgebung. Dieser hieß wirklich so.

Emil Schleuß, der Präsident des Berliner Verbandes, hatte den Teilnehmern neben anderem massiv Medaillen aus Gold versprochen. Ob sie diese auch wirklich bekamen, ist leider nicht bekannt. Der Präsident verstarb 49-jährig kurz darauf. Sportlich gesehen brachte Berlin aber durchaus Fortschritte. Erstmals gab es Wettkämpfe nach Gewichtsklassen. Und Deutschland hatte seinen ersten Gewichtheber-Weltmeister. Ob das nun der Bamberger Leicht-gewichtler Nikolaus Winkler, der auch für Dortmund hob, oder der Leipziger Mittelgewichtler Otto Walther war, ist nicht eindeutig.

Auf einem Faksimile mit einer Art Protokoll ist die Gewichtsklasse von Walther vor der Winklers aufgeführt. Was nun? Es gibt niemand mehr, der dabei war...

 

Übrigens: Es ist kaum anzunehmen, dass die Otto-Walther-Straße in Pirna nach dem Leipziger Stemmer vonb anno dunnemals benannt wurde.

STATISTIK 1891 bis 1906

 

Olympische Spiele 1896 - 1906

Deutsche Heber

 

1896 Athen (GRE) 7. April (1 Athlet/0-0-1*)

Ohne Gewichtsklassen

Beidarmig

4. (B*) Carl Schuhmann (Berliner Turnerschaft) 90.0

* gleiche Leistung wie dritter Platz ohne Medaille

 

1900 Paris (FRA)

Keine Gewichtheber-Wettbewerbe

 

1904 St. Louis (USA)

Nicht vertreten

 

1906 Olympische Zwischenspiele Athen (GRE) 25.-27. April (2/0-0-3)

Ohne Gewichtsklassen

Beidarmig

B Heinrich Schneidereit (Cölner Ak v. 1882) 129.5

B Heinrich Rondi (AC 1886 Düsseldorf) 129.5

Einarmig

B Heinrich Schneidereit (Cölner Ak v. 1882) 70.75

6 Heinrich Rondi (AC 1886 Düsseldorf) 65.45

 

Weltmeisterschaften 1891 - 1906

Deutsche Heber

 

1 1891 London 28. März (2/0-0-0=0)

Ohne Gewichtsklassen

4 Oskar Pfaun

X Franz Wehlau

 

2 1898 Wien (AUT)

Nicht vertreten

 

3 1899 Mailand (ITA) 4./5. April (3/0-1-0)

Ohne Gewichtsklassen

S Josef Rödl (Männer.Stemm-Club München-Au) 465.0

4 Johannes Schneider (Cölner AK von 1882) 435.0

 

X Fr. Schreiber (Nürnberg)

 

4 1903 Paris (FRA) 1.-3.Oktober (1/0-1-0)

Ohne Gewichtsklassen

S Heinrich Schneidereit (Cölner AK v. 1882) 543.5 P.

 

5 1904 Wien (AUT) 18. April (1/0-0-0)

Ohne Gewichtsklassen

X Georg Schleidt (AV 1895 Darmstadt)

 

6 1905/1 Berlin (GER) 8. bis 10. April (14/2-2-1)

67.5 KG

G Nikolaus Winkler (Herkules Bamberg/Dortmund) 327.7

S Georg Schleidt (AV 1895 Darmstadt) 310.0

B Paul Grimm (Siegfried Dresden) 305.0

4 Fritz Marzahn (Arminius Berlin) 305.0

6 Hugo Diener (Herta Dresden) 300.0

7 Paul Welnowski (Nordstern 83 Berlin) 300.0

80 KG

G Otto Walther (Leipzig) 355.5

S Josef Lindinger (München 18809 355.0

4 Max Scheack (Germania 86 Berlin) 343.0

5 Otto Marutzki (Sparta Berlin) 338.0

7 Edmund Kirchner (Osten 1892 Berlin) 325.0

80+ KG

4 CHODUß Josef (Germania 86 Berlin) 355.5

5 Max Rauhut (Sport-Kl. 1900 Berlin) 345.5

6 Franz Buchholz (Athen Schöneberg) 333.0

 

7 1905/2 Duisburg 11.-13. Juni (6/0-1-1)

Ohne Gewichtsklassen

S Heinrich Neuhaus (Herkules Halberstadt) 515.0

B Alois Selos (AC München-Au) 510.0

4 Georg Schleidt (AV 1895 Darmstadt)

5 August Bracker (Frisch Auf Göppingen)

X Arthur Seubert (SK Noris Nürnberg)

X Willy Thiel (AK Essen 1888)

 

8 1905 Lille (FRA)

Deutschland nicht vertreten

 

9 1906 Lille (FRA) 18. März (1/1-0-0)

80+ KG

G Heinrich Schneidereit (Cölner AK v. 1882) 342.0

 

Europameisterschaften 1896 - 1906

Deutsche Heber

1 1896 Rotterdam (NED) 9. März (2/1-1-0)

G Hans Beck (Akadem. AC München)

S Peter Schons (Düsseldorf)

 

 

2 1897 Wien (AUT) 11. November

Nicht vertreten

 

3 1899 Rotterdam (NED) 25. Oktober (1/0-1-0)

Ohne Gewichtsklassen

S Heinrich Rondi (AC 1886 Düsseldorf)

 

4 1900 Rotterdam (NED) 1 (0-1-0)

Ohne Gewichtsklassen

S Heinrich Rondi (AC 1886 Düsseldorf)

 

5 1901 Rotterdam (NED) 13. Februar (2/1-0-1)

Ohne Gewichtsklassen

G Josef Ziegelmaier (Ath.Bd.) Stuttgart 147.0 P

B August Lücker (Stemm-Club Mülheim/Ruhr) 128.5

 

6 1902 den Haag (NED) 30./31. März (2/1-1-0)

+75 KG

G Ernst Hauenstein (Dresden) 271.0 (D125/S146)

S Andreas Maier (München) 265.0 (D116/S140)

 

7 1903 Rotterdam (NED) 8. Februar (2/1-0-0)

Ohne Gewichtsklassen

G Andreas Maier (München)

4 Willy Schwartz (Hamburg)

5 ? Münster (Aachen)

 

8 1904 Amsterdam (NED) 24. Januar (2/1-0-1)

Ohne Gewichtsklassen

G Heinrich Neuhaus (Herkules Halberstadt)

B Fritz Eickeltrath (AK Essen 1888)

 

9 1905 Amsterdam (NED) 28./29. Januar (3/1-1-1)

Ohne Gewichtsklassen

G Georg Schleidt (AV 1895 Darmstadt) 277.0 (D130.0/S147.0)

S Fritz Eickeltrath (AK Essen 1888) 262 (125/137)

B Andreas Maier (München) 247 (110/137)

 

1906 den Haag (NED) 28. Januar (3/1-0-1)

Ohne Gewichtsklassen

G Heinrich Rondi (AC 1886 Düsseldorf) 278 .0 (D130.0/S148.0)

B Heinrich Schneidereit (Cölner AK v. 1882) 260.0 (116./140.0)

4 Franz Schorn (AC 1886 Düsseldorf) 242.0 (110.0/132.0)

 

Deutsche Meisterschaften 1893 - 1906

(ohne Gewichtsklassen)

 

Medaillengewinner

1 1893 Köln 2./3.J April

G Johannes Schneider (Cölner AK von 1882) 39.0 p

S Johann Schuhmacher (Krefeld) 37.5

B Hans Beck (Akademischer AC München) 31.5.

 

2 1895 Koblenz 2./3. Juni

G Hans Beck (Akademischer AC München) 54.5 P

S Johannes Schneider (Cölner AK v. 1882) 36.5

B Heinrich Kupper (Duisburg) 36.0

 

3 1897 Köln 6./7. Juni

G Hans Beck (Akademischer AC München) 635.0

S Johannes Schneider (Cölner AK v. 1882) 605.0

B Paul Hammerl (AC Germania Köln) 575.0

 

4 1899 Duisburg 21./22. Mai

G August Gottschalk (AK 88 Essen) 460.0

S August Lucker (Stemm-Club Mülheim/Ruhr) 442.5

B Josef Rodl (Gut Kraft München) 440.0

 

5 1901 Karlsruhe 26./27.Mai

G Hans Hagstotz (AC Germania Karlsruhe) 650.0

S Karl Bethkowski (AK 88 Essen) 632.5

B Andreas Lutz (1. Athletenklub Nürnberg) 542.5

 

6 1903 Stuttgart 31.Mai-1.Juni

G Georg Schleidt (AV 1895 Darmstadt) 480.0

S Heinrich Neuhaus (Herkules Halberstadt) 470.0

B Alois Selos (AC München-Au) 458.75

 

7 1906 Mannheim 3./4. Juni

G Georg Schleidt (AV 1895 Darmstadt) 525.0

S Heinrich Schneidereit (Cölner AK v. 1882) 525.0

B Georg Bonfig (AG Mainland Würzburg) 485.0

7 (1891-1906)

Was Kronprinz Georg in Athen entschied

 

Das Jahr 1896 hat nicht nur für die Olympische Bewegung, sondern auch für das internationale Gewichtheben eine ganz besondere Bedeutung. In Kurzform: 1. Olympische Sommerspiele der Neuzeit in Athen mit Gewichtheben (6. bis 15. April) und 1. Europameisterschaft der Gewichtheber in Rotterdam (9. März).

 

Noch nicht einmal Holz!

 

Man stelle sich vor: Gewichtheben unter freiem Himmel. Und das dann noch bei strömenden Regen. Ein Wettkampf mit Athleten, die fast alle eigentlich noch keine richtigen Gewichtheber waren, wie wir sie heute kennen. Für den eigentlich es auch noch nicht so richtige Regeln gab. In dem der griechische Kronprinz als Hauptschiedsrichter das Sagen hatte. Für den Sieger gab es einen Olivenzweig und eine Silberme-daille. Der Zweite erhielt eine Kupfermedaille. Und der Dritte ging leer aus, weil kein Geld für eine weitere Medaille vorhanden war. Noch nicht einmal Holz!

Die Olympiasieger Viggo Jensen (DEN) und Launceston Elliot (GBR) sowie der Berliner Carl Schuhmann (Von links nach rechts).

 

Unser Mann aus deutscher Sicht war dabei der Berliner Goldschmied Carl Schuhmann. Er wurde mit vier Olympiasiegen erfolgreichster Teilnehmer dieser Spiele.

Aber eben nicht im Gewichtheben. Der damals 27-Jäh-rige war von Haus aus Turner. Und Turnen stand vielfach damals noch generell für Sport. Drei Oliven-zweige holte er sich an den Geräten – mit der Mannschaft am Barren und am Reck sowie als Solist im Pferdsprung. Im Ringen bezwang er nach 65-minütigem Finalkampf dem Griechen Georgios Zitas.

 

Einhändig und beidhändig

Bevor es zu den Ergebnissen im Gewichtheben geht, muss man etwas zu den Disziplinen sagen. Da gab es nur zwei, und im Gegensatz zu den ersten Weltmeis-terschaften 1891 keinen Mehrkampf mit Dauerstemmen und Ähnlichem. „Gestemmt“ wurde im Athener Panathinaikosstadion einhändig und beidhändig, oder auch ein- und beidarmig – wie man will. Ohne Gewichtsklasseneinteilung. Das ganze war als „Kampfspiel“ deklariert.

 

Dominierende Athleten dieser Premiere waren der Däne Viggo Jensen und der Brite Launceston Elliot. Beide teilten sich die Siege. Allerdings nicht brüderlich. Elliot gewann einhändig mit 71 Kilo und Jensen mit 111.5 kg beidhändig. Der Brite hatte aber ebenfalls 111.5 beidhändig hochgewuchtet. Was nun? Prinz Georg von Griechenland fällte das Urteil: Jensen habe den besseren Stil gezeigt und den ästhetischeren Eindruck gemacht! Basta!

 

Nicht nur „gefühlte Bronze“

 

Und Schuhmann? Der stemmte treu und redlich beidhändig 90 Kilo, wie drei weitere Starter. Sie wurden aber nicht alle auf Rang drei gesetzt. Wahrscheinlich hatte es der Kronprinz anders gesehen. So gab es einen dritte Rang für einen Griechen, zwei vierte Plätze, darunter einen für Schuhmann, und einen sechsten.

Was all diese Ränge wert waren, wissen wir schon. Ich neige dazu, den Platz von Schuhmann in der Gesamtstatistik des deutschen Gewichthebens nicht nur „gefühlt“ als olympische „Bronze“medaille einzuordnen.

 

Hans Beck vor Peter Schons

Einen Monat vorher hatten sich einige starke Leute zur ersten „Championschaft von Europa im Stemmen“ nach Rotterdam aufgemacht. Es waren nur Amateurathleten zugelassen. Mit von der Partie die Deutschen Hans Beck aus München und Peter Schons aus Düsseldorf. Beck gewann vor Schons – und damit gab es bei den ersten offiziellen Europameisterschaften der Gewichtheber eine deutschen Doppelsieg.

 

Leider sind über diesen Wettbewerb, der im Stoßen, Drücken und Dauerstemmen ausgetragen wurde, keine weiteren Einzelheiten bekannt. Dafür aber umsomehr über den Europameister. Hans Beck war nicht nur ein begnadeter Kraftathlet, sondern auch in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswerter Mensch. Ich empfehle jedem, der darüber Näheres wissen möchte, das neue Buch von Erfolgsautor Thorsten Moser – selbst ein erfolgreicher Kraftsportler. Es trägt den Titel „Hans Beck – ein bayerischer Meisterstemmer“.

ERGEBNISSE:

I. OLYMPISCHE SPIELE ATHEN

Einhändig:

Launcestion Elliot (GBR) 71.0

Viggo Jensen (DEN) 57.0

Alexandros Nikolopoulos (GRE) 57.0

Sotoris Versis (GRE) 40.0

Beidhändig:

Viggo Jensen (DEN) 111.5

Launcestion Elliot (GBR) 111.5

Sotiris Versis (GRE) 90.0

Carl Schuhmann (GER) 90.0

Girgios Papaseridis (GRE) 90.0

Momscillo Tapavicza (HUN) 90.0

 

EUROPAMEISTERSCHAFTEN GEWICHTHEBEN ROTTERDAM

Hans Beck (München) Stoßen 135 Drücken 130 Dauerstemmen 27x

Peter Schons (Düsseldorf) 130/120/15x

 

Lesen Sie auch die als Datei beigefügte Statistik des Abschneidens

Der deutschen Gewichtheber von 1891 bis 1906

STATISTIK 1891 bis 1906.doc
Microsoft Word-Dokument [24.0 KB]

6 (1888 – Gegenwart)

 

Vielleicht war der Jubilar älter

 

Bevor wir uns in weiteren Folgen mehr und mehr auch dem aktuellen Wettkampfgeschehen einzelner Jahre widmen, soll noch ein Verein gewürdigt werden, der zu den ältesten deutschen seiner Art gehört und mit 161 internationalen Medaillen (Stand 2013) die absolute deutsche Spitze verkörpert. Es ist der jetzige Chemnitzer AC, der zwischen 1985 und 2014 mittlerweile sechsmal Deutscher Mannschaftsmeister wurde. Und das zuletzt auch ohne Matthias Steiner, der leider (aber aus bekannten Gründen vernünftigerweise) seinen Rücktritt vom aktiven Sport verkündet hat. Chemnitz ist auch die sportliche Heimat des gebürtigen Thüringers und einstigen BVDG-Cheftrainer sowie jetzigen Sportdirektors des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber Frank Mantek.  

Auch eine besondere Sternstunde des Chemnitzer AC: Frank Mantek mit seinem Schützling Matthias Steiner

Beim Olympiasieg 2008 in Peking.

Alles Müller – oder was?

 

Als das Geburtsjahr des Chemnitzer Gewichthebens wird das Jahr 1888 angeben. Also wurde diese Sportart dort im Jahr 2013 125 Jahre alt! Ein stolzes Jubiläum, das man im „Haus des Gastes“ zu feiern wusste. Die ganze Sache hat aber insofern einen „Haken“, dass man möglicherweise dieses „Alter“ noch weiter zurück-datieren muss. Denn der Verein, der sich 1888 dort unter Leitung von Fritz Böhm formierte, hieß „2. Chemnitzer Athletenclub“. Da hat es logischerweise auch einen „1.“ gegeben, über dessen Geschichte leider wenig bekannt ist. Nur, dass Fritz Böhm auch diesem vorstand. Das erste Domizil der Chemnitzer Gewicht-heber, Ringer, Rasenkraftsportler und Artisten war die Gaststätte „Wiesenthal“ in der Müllerstraße 44.

Spätestens, als der damals 20-jährige Arbeitersportler Kurt Müller 1921 dem Club beitrat und dessen Geschicke später entscheidend mitgestaltete, ist man aus heutiger Sicht zu der Frage geneigt: Alles Müller, oder was? Natürlich nicht, aber viel. So fanden damals auch einige KPD-Mitglieder in die Heberhalle. Teilnahmen am 1. Arbeiter- Turn- und Sportfest 1922 in Leipzig und an der Arbeiterolympiade 1924 in Frankfurt/Main belegen, dass hier ein rühriger Arbeitersportverein entstanden war.

Zwei eiserne Motoren

Und als Herbert Svejkovski 1924 diese Reihen verstärkte, erhielt das Chemnitzer Gewichtheben einen weiteren Motor, der seine Geschicke weit über die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hinaus mit vorantreiben wird. Wieviel Kurt Müller und der elf Jahre jüngere Herbert Svejkovski leisteten, geht vor allem auch daraus hervor, was sie nach dem Zweiten Weltkrieg einbrachten.

 

Müller (Jahrgang 1901) war Gewichtheber und Ringer, trainierte dann Nachwuchsathleten in beiden Sportarten, wirkte einige Jahre als Vorsitzender der Trainerkommission des damaligen Bezirksfachaus-schusses. Er gilt als so etwas wie der „Vater“ des Chemnitzer Gewichthebens.

 

Svejkovski (Jahrgang 1912) war gelernter Maurer, dann Lehrobermeister und später Gewichtheber-Trainer. Seine Freunde nannten ihn auch „Svejk“. Der Sachsenmeister von 1949 wurde sogar von 1952 bis 1958 der erste Präsident der damaligen Sektion Gewichtheben der DDR, war erster internationaler Kampfrichter seines Verbandes. In Chemnitz, das von 1953 bis 1990 Karl-Marx-Stadt hieß, wirkte er als erster Cheftrainer des SCK und gewann damals beispielsweise auch den einstigen Kugelstoßer Gerd Bonk für seine Sportart.

 

Nicht nur eine Heberhalle

 

Weil am Anfang vom „Wiesenthal“ als erste Heimstätte des Vereins die Rede war: Seit nunmehr 50 Jahren ist es der ehemalige „Reichenbrander Gasthof“ in der Zwickauer Straße 485. Er war früher ein beliebtes Tanz- und Ausflugsziel. Dort entstand im Verlaufe der Zeit nicht nur die Trainings- und Wettkampfstätte der Chemnitzer Heber, sondern mit dem jetzigen „Haus des Gastes Reichenbrand“ auch eine Domizil für Fitness, Kultur und Begegnungen – sogar mit Pension.

 

Eigentlich der 3. Chemnitzer AC

 

Die beiden aktiven einstige Arbeitersportler nahmen aktiv an einer Entwicklung teil, die den Verein als Bestandteil der SG Chemnitz Nord (1945), über die BSG Fewa Chemnitz (1948), BSG Chemie Chemnitz (1953), BSG Karl-Marx-Stadt (1953), SC Motor Karl-Marx-Stadt (1956) zum SC Karl-Marx-Stadt (1963) führte. 1990 wurden die Namen der Stadt und des Vereins erneut geändert. Es entstand der Chemnitzer AC.

 

Mit dem Chemnitzer AC machten sich 1993 die Chemnitzer Schwerathleten selbständig und knüpften mit dieser Namensgebung an die Wurzeln an. Das ist das vorläufige Ende einer Entwicklung, die nicht nur von Kurt Müller und Herbert Svejkovski, sondern von vielen anderen befördert wurde. Eigentlich könnte der Verein mit Bezug auf seine stolze Geschichte auch „3. Chemnitzer AC“ heißen.

Vier der erfolgreichsten Chemnitzer Gewichtheber: Werner Arnold (o.l.), Joachim Kunz (o.r.),

Stefan Grützner (u.l.) und 

Gerd Bonk (u.r.)

Werner Arnold war der Erste

Einher mit der Historie ging ab den 50-er Jahren auch die Reihe der großen Erfolge. Sie beginnt mit Werner Arnold, 1958 erster Meister des Sports der Chemnitzer, und geht über den Olympiasieg von Joachim Kunz 1988 bis zum Olympiasieg von Matthias Steiner 2008. Von den zahlreichen Medaillengewinnern und Weltklasseathleten des Vereins wird noch in etlichen Folgen dieser Serie zu berichten sein. Hier seien deshalb nur noch zwei „Zwischenstationen“ genannt: Stefan Grützner, viele Jahre Trainer und Leiter des Bundestützpunktes, wurde 1971 in Lima im Reißen erster DDR-Weltmeister im Gewichtheben, und Joachim Kunz gelang 1988 in Seoul der einzige Olympiasieg eines DDR-Gewichthebers.

5 (1846-Gegenwart)

 

Was die „Buschtrommel“ vermeldete

Es wurde schon mehrfach gewürdigt: Der Kölner AC ist der älteste deutsche, noch aktive Gewichtheber-Verein. Seit nunmehr 134 (!) Jahren. Doch der erste, noch bestehende deutsche Verein, in dem Gewichtheben betrieben wurde, ist der Turn-und Sportverein TSV 1846 Nürnberg. Er existiert heute allerdings ohne das Heben. Seine Trümpfe sind derzeit Rhythmische Sportgymnastik und Gardetanz. Er bietet aber auch exotischen Sport wie Haidong Gumdo, eine koreanische Schwertkampfkunst, Tajiguan, chinesische Meditation oder Bouldern, Klettern ohne Kletterseil bis in Absprunghöhe. Hinweise auf Gewichtheben gibt es nur noch in der Trainingshalle, wo einige Kraftsportgeräte, auch eine Scheibenhantel stehen.

 

Als die „Bärenschänke“ zu klein wurde

 

Für den TSV 1846 Nürnberg startete das erfolgreichste deutsche Gewichtheberteam der 50er Jahre. Das allerdings hatte vorher seine eigene Geschichte. Als 1. Amateur-Schwerathletikverein ASC erblickte 1892 das Gewichtheben in Nürnberg das Licht der Welt. Er erhielt den Zusatznamen „Sandow“ – wieso und weshalb, kann man nur vermuten. Jedenfalls war der Ostpreuße Eugen Sandow (1867 bis 1925) seinerzeit so etwas eine internationale Ikone des Kraftsports.

 

Vorbild und Namensgeber Eugen Sandow (u.l.),

Nürnberger Meisterteam 1958 (o.), zweifacher Weltmeister Hans Abraham (u.r.).

 

 

Unter seinem Namen kamen Nürnbergs Gewichtheber zu internationalem Ruhm. So wurden der gebürtige Schweizer Andreas Lutz 1907 sowie Hans Abraham 1910 und 1911 Weltmeister. Der Zweite Weltkrieg brachte für die Sandow-Heber große Probleme, als das Vereinsheim am Volckamer Platz durch Bomben zerstört wurde. Man zog um in die „Bärenschanze“. Bald nahmen die „Sandower“ erneute eine Spitzenstellung im deutschen Gewichtheben ein. Damit wurde die „Bärenschanze“ zu klein, und man schloss sich dem TSV 1846 Nürnberg an, der bessere Bedingungen zu bieten hatte. Unter dem Namen TSV 1846 Sandow Nürnberg wurden die Heber um Alfred Kornprobst und Erwin Tratz fast in Serie 1958, 1961 und 1962 dreimal Deutscher Mannschaftsmeister und dazu noch dreimal Vizemeister.

 

Wechsel über die Rednitz

Spätestens jetzt kommt auch der Name Heinz Henninger ins Spiel. Er war als sportlicher Leiter einer der Architekten dieser Erfolge. Er war es auch, dem wir Fakten und Hintergründe der Wandlungen des Nürnberger Gewichthebens verdanken. Im Alter von 43 Jahren wechselte er 1972 mit seinen „Sandowern“ vom TSV 1846 Nürnberg zum TSV 1946 Altenberg. Dieses Altenberg ist ein Ortsteil von Oberasbach, einer Stadt im Landkreis Fürth - über die Rednitz hinweg an der westlichen Grenze von Nürnberg. Das Heber-Intermezzo beim 1846 gegründeten Nürnberger Verein umfasste also rund 20 Jahre – aber es waren die wohl erfolgreichsten der Gewichtheber dieser Stadt.

 

Grund dieser neuen Wendung war wiederum die Trainingstätte. Das Grundstück, auf dem die Trainings-Baracke des TSV 1846 Nürnberg stand, sollte verkauft werden, weil man dort ein Tanklager errichten wollte. Was das Aus für den Trainingsbetrieb bedeutete. Die Stadt Nürnberg konnte den „Sandowern“ nicht helfen. Da sprang Altenberg mit seinem TSV 1946 in die Bresche. Wie man dem Vereinsblatt „Die Buschtrommel“ entnehmen kann, wurde das seinerzeit im „Elefanten“ in Nürnberg ausgehandelt.

 

Spanferkelessen in Oberasbach

 

Zum Aufnahmefest im Volksgarten Oberasbach gab es beim Spanferkelessen Prominenz mit Bürgermeister und Landrat. Heinz Henninger, heute Ehrenmitglied, wurde später Abteilungsleiter. Die nun Altenberger Heber stellten fortan etliches auf die Beine. 1976 richteten sie die Deutschen Jugend-A-Meisterschaften aus. 1978 bis 1980 war man Bundesleistungsstützunkt.

1979 fand hier das internationale Gewichtheberturnier „Bayerischer Löwe“ statt.

 

Im selben Jahr wurde Reinhold Gerlach Zehnter der Junioren-Weltmeisterschaften in Athen. Ebenfalls bemerkenswert: Die Altenberger waren die Ersten in Deutschland, die einen Fitnessraum der Allgemeinheit zugängig machten. Jetzt bestimmt der Kraftsport das Profil der Abteilung.

 

Familien-Hattrick in Röthenbach

 

Darüber und über vieles andere konnte Heinz Henninger auch in der „Buschtrommel“ berichten. Doch er selbst sorgte zwischen 1991 und 2005 noch einmal für internationale Präsenz der Altenberger Gewichtheber. Mit 60 hatte der einstige Tennisspieler 1989 seine Masterslaufbahn im Gewichtheben begonnen. So wurde er unter anderem dreimal Vizeeuropameister. Auch sein Vereinskamerad Hans Peter Scholl setzte sich im Mastersheben gut in Szene.

 

Den privat für Heinz Henninger wohl wertvollsten Triumph gab es 1992, als er, Schwiegersohn Herbert Hoffmann und Enkel Marco Hoffmann bei den Bezirksmeisterschaften in Röthenbach jeder eine Goldmedaille erkämpfte. Ein möglicherweise einmaliger Familien-Hattrick. Solche und andere Ereignisse sorgen dafür, dass die stolzen Traditionen der einst Nürnberger „Sandower“ nicht nur in der Statistik weiterleben.

 

Kalenderscheiben MÄRZ

 

1891 - vor 126 Jahren:

In London findet die erste Weltmeisterschaft statt

1896 - vor 121 Jahren:

Der Münchner Hans Beck erkämpft bei der ersten

Europameisterschaft in Rotterdam die Goldmedaille

 

1961 - vor 56 Jahren:

DGV-Präsident Herrmann Tempel wird auf dem 2. Verbandstag wiedergewählt

 

1963 - vor 54 Jahren:

In Frankfurt/Main findet der 8. (außerordentliche) Bundestag des Deutschen Athletenbundes DAB statt

 

1965 - vor 52 Jahren:

In Leipzig startet der 1. Internationale Wettbewerb in der Kraftsport-Kulturistik der DDR

 

1972 - vor 45 Jahren

Der BVDG erklärt auf seinem Bundestag in Stuttgart-Vaihingen seinen Austritt aus dem DAB

 

1986 - vor 31 Jahren:

In Budapest führt die IWF beim Pannonia-Cup das erste internationale Frauen-Gewichtheberturnier durch

 

1990 - vor 27 Jahren:

In Meißen findet im Rahmen des Pokals der Blauen Schwerter das 1. „forum ferrum“ internationaler Gewichtheber-Journalisten statt

 

2008 - vor 9 Jahren:

Der AC 1978 Forst richtet die 36. EU-Meisterschaften aus

 

2009 - vor 8 Jahren:

BVDG-Ehrenpräsident Wolfgang Peter erhält in Madrid den IWF-Orden in Gold

4 (1893)

 

Kein Aprilscherz 1893!

 

Der 1. April 1893 war gleich in mehrfacher Hinsicht ein denkwürdiger Tag. Und das auch ohne Aprilscherz. Seit diesem Datum gibt es in ganz Deutschland eine Mitteleuropäische Zeit, die in der Gegenwart mal um eine Stunde vor oder zurück gestellt wird. Verbunden damit war die Premiere eines einheitlichen europäi-schen Zugfahrplanes, auf den man sich jetzt nicht immer unbedingt verlassen kann.

 

Doch der Tag danach brachte in Köln etwas besonders Handfestes – die erste Deutsche Meisterschaft im Gewichtheben. Und obwohl heutzutage man von den Heber-Meisterschaften immer im Plural spricht, weil Titelträger in mehreren Gewichtsklassen ermittelt werden – damals hatte Singular seine Berechtigung: Es gab 1893 nur einen Deutschen Meister. Und der hieß Schneider – Johannes Balthasar Schneider.

In Köln gewann der Lokalmatador

 

Es war ein Kölner. Kaum verwunderlich, wenn man die Bedeutung des Athletik-Clubs der Domstadt vor allem auch in den Anfangsjahren der deutschen Schwer-athletik berücksichtigt. Dieser Titelkampf fand während des 1.Verbandstreffens des Deutschen Athleten-Verbandes statt. Dem DAV gehörten zwei Jahre nach seiner Gründung damals 53 Vereine mit insgesamt 1340 Mitgliedern an. Es kürten nicht nur die Heber ihren Meister, sondern auch die Ringer sowie die Steinstoßer.

 

Im Stemmen, wie man damals überwiegend das Gewichtheben bezeichnete, setzte sich also gewiss zum großen Jubel der Organisatoren ein Lokalmatador durch. Johannes Balthasar Schneider gewann mit 39,0 Punkten vor dem Krefelder J. Schuhmacher (37,5) und dem Münchner Hans Beck (31,5) – jener Hans Beck, der 1896 erster deutscher Europameister wurde, über den jetzt Autor Thorsten Moser ein so vortreffliches Buch geschrieben hat.

 

„Inoffizieller“ Welt- und Europameister

 

Über die Person des ersten Deutschen Meisters ist leider nicht viel bekannt. Leider auch kein Geburtsdatum, nur das Todesjahr: 1913. Er war der überragende Kölner Gewichtheber der ersten Jahre, wurde 1895 und 1897 noch Deutscher Vizemeister und Vierter der WM 1899 in Mailand. Schneider bestieg sogar den WM- und EM-Thron. Doch die Europameis-terschaft(en) 1895 und Weltmeisterschaft(en) 1896 werden heute nicht mehr offiziell geführt. Von 1903 bis 1909 war er Kassierer des DAV. Das erste von mehreren Beispielen, wie sich einstige oder auch noch aktive Kölner Athleten als Funktionäre einbrachten. Hans Ehlenz ist einer davon aus der Gegenwart. 

Leider gibt es auch keine näheren Informationen über die Meisterschafts-Premiere und ihren Verlauf. Da Punkte über die Reihenfolge entschieden, muss es ein Mehrkampf gewesen sein. Er soll aus Dauer- und Kürstemmen bestanden haben. Vielleicht so – wenn man die in Köln 1890 erarbeitete und praktizierte Grundlage „Kraftprüfung als Athlet“ betrachtet:

 

Zwei 25 kg Gewichtssteine aus dem Streckhang gleich-armig langsam zu Hochstreckhaltung drücken, 50 kg einarmig von der Schulter aus einmal zur Hochstrecke drücken, 50 kg mit einer Hand zur Hochstrecke schwingen, eine Hantel von 55 kg zweiarmig zehnmal von der Brust aus zur Hochstreckung drücken sowie eine Hantel von 75 kg einmal zweiarmig von der Brust aus zur Hochstreckung drücken.

 

Es kann allerdings auch ganz anders gewesen sein...

Hilmar Bürger 

3 (1892 – Gegenwart)

 

Vom „Sonntagskind“ bis zu

„German Weightlifting“

 

Seit vielen Jahren erscheint jeden Monat die ATHLETIK so, wie wir sie jetzt kennen. Mit dem Vermerk im Titel: „Älteste Kraftsportzeitung der Welt“

- 2017 im 126. Jahrgang. Diese Zeitschrift gilt in Deutschland auch als der „Methusalem“ unter ihresgleichen. In Österreich hatte die „Allgemeine Sportzeitung Wien“ sich schon seit 1880 durch Victor Silberer, begeisterter Ballonfahrer und auch Schwerathlet, unter anderem mit diesem Metier beschäftigt. Man kann über den Inhalt der ATHLETIK manchmal unterschiedlicher Meinung sein - ihre „Aufmachung“ mit einem Farbfoto sowie zahlreichen weiteren Fotos auf den Innenseiten kann sich sehen lassen. Und auch die meisten der Textbeiträge. Unter den Verbandszeitschriften anderer nationaler Födera-tionen nimmt sie eine Spitzenstellung ein.

 

In der Ahnengalerie gestöbert

 

Stöbern wir mal in der Ahnengalerie der ATHLETIK. Die erste Ausgabe einer Zeitschrift, die sich auch mit der damals gerade entstehenden (Schwer)Athletik befasste, hieß „Das Sonntagskind“. Es – bezieht man sich mal auf den Titel – erblickte 1892 in München das Licht der Welt. Als Lokalblatt, herausgegeben von Josef Haupt. Wieso gerade dieser Titel? Vielleicht, weil man sich diese Wochenzeitung vor allem sonntags zu Gemüte führen konnte. Vielleicht war Haupt auch selbst ein Sonntagskind. Leider ist über seine Lebensdaten nur bekannt, dass er 1865 oder 1866 geboren wurde und 1935 verstarb. Er war wohl einer der ersten Sportjournalisten Deutschlands.

 

Seine besondere Leidenschaft war das Ringen. Als 1886 der französische Profringer Jean Doublier aus Lyon die erste Boden-Wälztechnik kreirte, holt Haupt diesen Athleten nach München, um hier diese Technik, die nach seinem Erfinder benannt wurde, zu demonstrieren. Sie gilt auch als die Urform des Wrestlings. Auch der Deutsche Carl Abs war übrigens in dieser Hinsicht einer von Doubliers Schülern. Josef Haupt berichtete darüber unter anderen auch in seinem 1928 erschienen Buch „Die Stärksten“.

 

Nach Josef Haupt kam Albert Stolz

 

Dass „Sonntagskind“ ein nicht gerade passender Artikel für ein Schwerathletik-Blatt war, kann man leicht feststellen, wenn man nach diesem Titel im Internet googelt. Mit Abstand erfährt man da etwas über den Klamaukfilm mit Heinz Rühmann als Schneider Wibbel „Das Sonntagskind“. Und so bewogen ähnliche Überlegungen wohl Josef Haupt dazu, seine Zeitschrift bereits 1893 in "Illustrirte Athleten-Zeitung" umzubenennen, wobei dieser Titel der damaligen Schreibweise entsprach. Das Blatt verstand sich nun als „Wochenschrift für Sport und Körperpflege“.

 

Schon vor der Übernahme von Albert Stolz im Jahre 1901 gab es weitere Titel-Metamorphosen: 1896 wurde daraus als Verbandsorgan der inzwischen gegründeten Landesverbände die „Internationale Illustrirte Athleten-Zeitung“, 1897 als offizielles Verbandsorgan des inzwischen gegründeten Deutschen Athleten-Verbandes die „Illustrirte Deutsche Athleten-Zeitung“. 1901 gab es einen weiteren Versuch mit „Kraft und Gewandtheit“ – illustrierte Zeitschrift für moderne Athletik und volkstümliches Turnen. Als Josef Haupts Stil nicht mehr so guten Anklang fand, gab er die Zeitung ab und orientierte sich neu.

 

Franz Veltum – „Vater“ der ATHLETIK

 

Die „Illustr. Amateur-Athleten-Zeitung“ erschien als DAV-Verbandsorgan ebenfalls in München ab 1901 durch Albert Stolz. Im gleichen Jahr dann als „Illustrierte Athletiksportzeitung“. Der Herausgeber und Autor war derzeit 1. Schriftführer des DAV und von 1905 bis 1907 Kommissionsmitglied des ersten Weltverbandes, der Amateur Athleten Weltunion.

 

Sein Nachfolger als Schriftführer und Herausgeber wurde 1909 Franz Veltum. Unter dem hessischen Kraftsportpionier aus Fechenheim wurde die Bezeichnung ATHLETIK als „Illustrierte Wochenschrift für Sport und Körperpflege – Organ für die gesamten Interessen des Kraftsports“. Er nahm auch auf die sportliche Entwicklung des Gewichthebens Einfluss, als er die drehbare Hantelstange mit austauschbaren Gewichten erfand.

 

Werner Artmann ließ sie neu erstehen

 

Die Wirren des Ersten Weltkrieges überlebte diese ATHLETIK nicht. Sie wurde 1917 eingestellt. 1919 gab Alfons Berger in Waiblingen eine „Deutsche Athletik-Sportzeitung“ heraus, 1924 erfolgte die Rückbenennung in ATHLETIK. In dieser Zeit erschienen in Deutschland weitere Zeitschriften aus dem Athletikbereich. So „Die Athletik“ von Oscar Paul Strumpf als Organ des Arbeiter-Athletenbundes Deutschlands, so auch die „Freie Athletik“ ab 1908 durch Otto Reuter als „Illustrierte Wochenzeitung“ für Schwergewichts-Athletik“. In der Nazizeit gab es bis 1937 mit der „Athletik“ nur noch ein einziges Blatt dieser Art. Dann erfolgte die Umbenennung in „Kraftsport“ als illustrierte Wochenschrift für Schwerathletik und als amtliches Organ des Fachamtes Schwerathletik im nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen.

 

Große Verdienste um das Wiederentstehen der ATHLETIK nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb sich Werner Artmann (1912-1986) aus Karlsruhe. Der Fachjournalist war Pressewart der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schwerathleten und später des Deutschen Athleten-Bundes. Seine „ATHLETIK“ war ab 1948 eine Zeitschrift für die gesamte Schwerathletik mit Ringen, Gewichtheben, Gymnastik, Rasenkraftsport, Kunstkraftsport und Judo.

 

Schwerathletik“ und „Schwerathlet“ in der DDR

 

Zur gleichen Zeit gab es in der DDR eine ähnliche Entwicklung. Noch vor Gründung des Deutschen Gewichtheber-Verbandes der DDR wurde ab 1954 in Berlin (Ost) die „Schwerathletik“ für Ringen, Judo, Gewichtheben, Rasen- und Kunstkraftsport mit Walter Ludwig als verantwortlichem Redakteur und Werner Neubert als Verantwortlichem für Gewichtheben herausgegeben. 1961 erschien die Zeitschrift als Verbandsorgan für Gewichtheben und Ringen.

 

1980 gab es erstmals unter Regie von Klaus Weidt – damals Sportchef der „Volksarmee“ - den „Schwerathlet“ als Verbandsorgan des Deutschen Gewichtheber-Verbandes der DDR (DGV). Dessen letzte Ausgabe erschien im Dezember 1990. Zuvor organisierten Klaus Weidt und Hilmar Bürger gemeinsam mit Christian Traudt anlässlich des Gewichtheber-Turniers um den Pokal der Blauen Schwerter 1990 in Meißen ein „Forum Ferrum“ - ein Treffen von Fachjournalisten und Experten aus sechs Ländern, an dem auch Vertreter der ATHLE-TIK teilnahmen.

 

Nun ATHLETIK aus Baunatal

 

Ab 1982 wurde die ATHLETIK zum Verbandsorgan des 1969 gegründeten BVDG mit Hauptinhalten aus dem Gewichtheben und dem Kraftsport. Bei der Sport & Training Verlags GmbH unter Leitung des langjährigen BVDG-Präsidenten Claus Umbach entwickelte sich nach Abtrennung des BVDK das nunmehrige Fachorgan des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber (BVDG) und der Deutschen Fitnesslehrer Vereinigung (DFLV) zu einer modernen „Zeitschrift für Gewichtheben, Kraftsport, Fitness und Gesundheit“. 

 

Der BVDG funktionierte nach dem Wechsel an der Spitze durch Dr. Christian Baumgartner die Verbands-Website 2013 als Organ des Verbandes um. Ab Ende 2016 hat unter Verwendung moderner digitaler Elemente die Webseite „www. german-weightlifting.de“ diese Funktion übernommen.

 

Hilmar Bürger

2 (1882-1891): 

Eisernes Köln seit 134 Jahren

 

Wandsbek gab 1879 das Signal, und überall in Deutschland – wie auch in Europa - entstanden in den Folgejahren zahlreiche reine Kraftsportvereine. Darunter auch der älteste deutsche, heute noch bestehende – der Kölner Athletenclub von 1882 - (ursprünglich Köl-

ner Athletenclub). Er gilt mit seinen immerhin jetzt 134 (!) Jahren sogar als der älteste Gewichtheberverein der Welt. Wie der mit großer Sorgfalt geführten Vereins-chronik zu entnehmen ist, hießen seine Begründer am 14. Juni 1882, Willy Adam, Franz Beenen, Rudolf

Bredemeyer, Anton Müller, Ferdinand Thomas, H. Strupp, Franz Völker, Joseph Weber.

 

Besonders der Name Rudolf Bredemeyer

spielte für die deutsche Schwerathletik eine ganz besondere Rolle. Nämlich neun Jahre später, als am 9. Juni 1891 in Duisburg die Gründung der ersten deutschen nationalen Föderation, des Deut-

schen Athleten-Verbandes, beschlossen wurde.

 

1891 Gründung des DAV

Die Österreicher hatten schon ein Jahr zuvor ihren Gewichtheberverband gegründet. Anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Gewichtheben in Deutschland“ schrieb1991 Gottfried Schödl aus Wien, der langjährige Präsident der Internationalen Gewichtheber-Föderation und exzellente Chronist unserer Sportart: „Es war den Bemühungen der ersten Verbandsleitung unter dem Vorsitz von Rudolf Bredemeyer zu danken, dass nach vieljährigen Anlaufschwierigkeiten die festgefahrenen Bahnen des Kraftprotzentums verlassen werden konnten. Die heutige Generation unserer Sportler und Funktionäre vermag sich nur schwer die Träume, Handlungen, und Entscheidungen jener Männer, die bestrebt waren, kraftsportliches Handeln auf eine höhere Stufe zu bringen, vorzustellen.“

Rudolf Bredemeyer - Präsident des DAV

 

Das belegt eindeutig das bedeutende Werk des Eisenbahninspektors Rudolf Bredemeyer, der mit 40 Jahren Präsident des DAV wurde und das bis zu seinem Tod 1919 blieb. Gewählt wurde er übrigens nicht am 9. Juni 1891 in Duisburg, sondern am 16. August des gleichen Jahres in Mainz, wo der ortsansässige Athleten-Klub die konstituierende Gründungsver-

sammlung des DAV organisierte. Der Verband existierte bis 1933, als ihn die Nazis auflösten.

Den Bemühungen vom langjährigen IWF-Präsidenten Gottfried Schödl aus Wien verdankt man das Wissen über die erste Gewichtheber-WM 1891 in London.

 

Zwei Deutsche bei der WM-Premiere

 

Als der DAV aus der Wiege gehoben wurde, hatte es bereits die erste Weltmeisterschaft im Gewichtheben gegeben. Und die stieg am 28. März 1891 in London. Die Details darüber verdanken wir ebenfalls dem unermüdlichen Forschen Gottfried Schödls. Der Wettkampf wurde vom Athletic Institute of London organisiert. Sieben Teilnehmer aus sechs Ländern hatten sich im Kampf um den Titel eines Amateur-Weltmeisters eingefunden: Edward Lawrence Levy (England), Giacomo Zarafana (Italien), Arthur Francois (Belgien), Joseph Szalay (Ungarn), Michael Brunnhuber (Österreich) sowie die beiden Deutschen Oskar Pfaun und Franz Wehlau. Gottfried Schödl schätzt ein, dass alle Ausländer wahrscheinlich in England lebten.

 

Erster Weltmeister ein Engländer

 

Das Wettkampfprogramm bestand aus acht ein- und beidarmigen Hebungen. Am Ende hatten nur der Engländer und der Italiener das vorgeschriebene Maximum von Wiederholungen absolviert, wonach der Schiedsrichter Levy zum Sieger erklärte. Oskar Pfaun wurde Vierter, Franz Wehlau schied vorzeitig aus. Man hatte von ihnen schon vorher und auch nachher, nie wieder etwas gehört.

 

Hilmar Bürger

Profil 'Ihre Buchbesprechung' - Datenbank SPORTBOX

Bürger, H. & Müller, S. (2009). Gewichtheben Deutschland Total. Teil 1: 1990-2006. Teil 2: 1946-1990. Teil 3: 1891-1945. Berlin: International Weightlifting Agency.

 

Das Stemmen schwerer Gewichte hat schon vor Jahrhunderten die Menschen beschäftigt, später dann auch fasziniert. Das aus einem anfänglichen Test der körperlichen Tüchtigkeit, wie er im 10. Jahrhundert vor Christus in China zu absolvieren war, um in den Militärdienst eintreten zu können, später einmal eine olympische Sportart Gewichtheben werden würde, war sicher nicht abzusehen. Aber über die Jahrhunderte gab es immer wieder Männer (und in den letzten 15-20 Jahren auch eine wachsende Zahl von Mädchen und Frauen), die mit körperlichem Training versuchten, ihre Kraft zu steigern, auch wenn es ihnen dabei nicht nur um sportlichen Lorbeer ging. In den Anfangsjahren waren sie noch in keinem Verein oder anderen Organisation zusammengeschlossen, sondern präsentierten ihre spezielle Leistungsfähigkeit auf Jahrmärkten oder im Zirkus, wo sie Frauen und Männer begeisterten. Wie manch andere der olympischen Sportarten schlug dann Ende des 19. Jahrhunderts die Stunde, in der dieses kraftsportliche Tun zum Sport wurde, Vereine wurden gegründet, erste Wettkämpfe auf lokalem, regionalen, nationalen und wenig später auch internationalem Niveau wurden organisiert - die dann auch gleich eine mediale Aufmerksamkeit fanden und so - zum Glück möchte man sagen - dokumentiert sind. Eines der Zentren der Entwicklung dieser noch jungen Sportart war Deutschland. Und so gibt es bereits aus den Anfangsjahren des modernen Gewichthebersports Dokumente aus verschiedenen Teilen des Landes, die vom Leben in Kraftsportvereinen berichten, die die Bedingungen des sportlichen Trainings und Wettkampfs beschreiben und Geschichten von denen erzählen, die sich damals für das Eisenstemmen interessierten und engagierten. Der Name Eugen Sandow mag für diese Pioniere des Gewichthebens stellvertretend stehen, aber auch Carl Schumann, der 1896 den bronzenen Platz bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit erkämpfte. Später brachte der deutsche Kraft- bzw. Gewichthebersport immer wieder "Stars" hervor, wie die Olympiasieger Kurt Helbig und Rudi Ismayr, in jüngerer Vergangenheit sind Namen wie Ronny Weller oder Karl-Heinz Radschinsky allen Gewichtheberfans geläufig. Ihre Geschichte und Geschichten im und um den deutschen Gewichthebersport über die Jahrzehnte seit 1980 bilden einen der inhaltlichen Schwerpunkte dieser dreibändigen Dokumentation, die das Wettkampfgeschehen im nationalen und internationalen Gewichthebersport wohl (nahezu) lückenlos abbildet. Für alle nationalen deutschen Meisterschaften in Ost und West, alle Europa- und Weltmeisterschaften und natürlich auch die Olympischen Spiele haben DER deutsche Gewichtheberexperte Hilmar Bürger und sein Mitstreiter Stephan Müller die Sieger und Platzierten mit ihren Leistungen ermittelt und aufgeschrieben. Aber auch über diese Meisterschaften hinaus finden sich unzählige Wettkampfergebnisse von weiteren Gewichtheberturnieren wie dem um den Pokal der blauen Schwerter in Meißen. Hier wird jeder Gewichtheberfan fündig, der gerne noch einmal ein bestimmtes Ergebnis nachvollziehen möchte oder der sich mit der Leistungsentwicklung in den einzelnen Gewichts- und Altersklassen und gewichtheberischen Teildisziplinen befassen möchte.

Aber auch das allein macht noch nicht die inhaltliche Fülle dieser drei CD-ROMs aus, haben die beiden Autoren doch auch noch eine Vielzahl von Spezialstatistiken, insbesondere mit Blick auf die Leistungen deutscher Heber und auf die Entwicklung nationaler und internationaler Rekordleistungen erstellt. Und sie haben sich mit der Historie des Sports in Deutschland auseinandergesetzt, haben die Aktivitäten zum Beispiel in der Deutschen Athleten Union und im Arbeiter-Athletenbund Deutschlands analysiert und dokumentiert. Hinzu kommt die Vorstellung vieler wichtiger Persönlichkeiten in der Entwicklung des deutschen Gerwichthebersports wie Rudolf Bredemeyer, die Publikation interessanter Einblicke in das Leben in den Kraft- und Gewichthebervereinen und die Dokumentation all derer, die in nationalen und internationalen Sportverbänden in Leitungspositionen Verantwortung für die Entwicklung des Gewichthebens übernahmen. Hier gibt es viel Interessantes zu entdecken, das zweifelsohne den Stellenwert von Unikaten hat, was nochmals auf die besondere Leistung der beiden Autoren hinweist, die dieses Wissen, diese Informationen für die Nachwelt aufgeschrieben und damit bewahrt haben. Den drei CD-ROMs ist eine weite Verbreitung unter den Kraftsportlern des Landes, in den Vereinen mit einer Sparte für Gewichtheben und auch in den Sportredaktionsstuben zu wünschen. Für alle diese Leser wird es eine spannende und informative Lektüre, sich in die Geschichte des deutschen Gewichthebens vertiefen zu können.

Inhaltsverzeichnis des Teils 3: 1891-1945 EINLEITUNG Geleit- und Vorwort Die Erben von "August dem Starken" & Co. In Köln schlug die historische Stunde Was 1891 mit Rudolf Bredemeyer begann… Was geschah wirklich im Verein an der Wandse? Sandow aus Nürnberg - der älteste "Urahne" Sensationeller Fund im alten Athletenhäusel Warum aus einer Turnhalle eine Poliklinik wurde Wer aber war Bernhard Labriola? Im Jahre 1911 gab es einen WM-Dreier Was aus einem "Sonntagskind" wurde Rudolf Ismayr - Erst wollte er Old Shatterhand werden Kurt Helbig - Das goldene Drama von Amsterdam Josef Manger - In nur zwei Jahren von "Null auf Hundert" Hermann Görner - Im Zeichen des bronzenen Stierkopfes Carl Schuhmann - Olympiadritter - aber ohne Medaille Carl Abs - "Plattdeutsche Eiche" aus Groß Godems Eugen Sandow - Der Kraftathlet mit dem Feigenblatt Josef Straßberger - Mit einem Fass Bier nach Los Angeles Schwerkraft ist nicht zu überlisten Technik früherer Übungen STATISTIK INTERNATIONAL bis 1945 Deutsche Repräsentanten im Weltverband Weltrekorde deutscher Gewichtheber Internationale Jahres-Bilanzen Deutsche Medaillengewinner TOP HEBER - beste deutsche Gewichtheber international Gesamtübersicht 1891-1904 1905-1914 1920-1929 1930-1938 STATISTIK NATIONAL bis 1945 Zeittafel wichtiger Ereignisse Wettkampfkalender Mitglieder des Präsidiums des DASV (und seiner Vorgänger und Nachfolger) Mannschaftsmeister (Übersicht) Einzel-Meister (Übersicht) Männer Altersklasse Jugend Länderkämpfe Verbandsfeste der Deutschen Athleten Union (DAU) STATISTIK ARBEITERSPORT Arbeiter Olympiaden Arbeiter-Athletenbund Deutschlands (AABD) Entwicklung und Bundesrekorde Meisterschaften Rotsport AUF EINEN BLICK bis 1945 Alle deutsche Rekorde chronologisch pro Jahr / Jahresend-Rekordbulletin Eisenlexikon - Kurzbiographien deutscher Gewichtheber SPEZIALSTATISTIK bis 1945 Deutsche Rekordentwicklung Weltrekordentwicklung Alle Medaillengewinner Deutscher Meisterschaften Alle Medaillengewinner Europa-Meisterschaften Alle Medaillengewinner OS/ Weltmeisterschaften NACHTRAG 2009 EINLEITUNG Jürgen Spieß und Almir Velagic - Als Adler und Bär Furore machten Kurt A. Rosenberger - In Sydney auf dem Masters-Altersthron STATISTIK INTERNATIONAL 2009 Deutsche Repräsentanten in internationalen Gewichtheber-Gremien Internationale Jahres-Bilanzen Deutsche Medaillengewinner Deutsche Masters-Bilanz TOP HEBER - beste deutsche Gewichtheber international 2006-2009 STATISTIK NATIONAL 2009 Zeittafel wichtiger Ereignisse Wettkampfkalender Gewichtheber des Jahres und weitere Auszeichnungen Jahresbestenlisten TOP 10 (je Gewichtsklasse) Mannschaftswettbewerbe (Übersicht) Einzel-Meister Mehrkampf (Übersicht) Sonstige Wettkämpfe AUF EINEN BLICK 2009 Alle deutsche Rekorde chronologisch pro Jahr / Jahresend-Rekordbulletin SPEZIALSTATISTIK 2009 Deutsche Rekordentwicklung Senioren Europarekordentwicklung Senioren Weltrekordentwicklung Senioren Alle Medaillengewinner Deutscher Meisterschaften Senioren Alle Medaillengewinner Europa-Meisterschaften Senioren Alle Medaillengewinner Weltmeisterschaften Senioren (ID: 3185)

Di                 25.04.2017 

Nr.            2.384 - 1.081

Aktualisierung        12:55

Übrigens,

 

… die Kriminalitätsstatistik ist da - daraus lassen sich folgende Meldungen machen, die beide stimmen:

 

1. Berlin immer schlimmer! Die Stadt ist jetzt mit 16.161 Straftaten pro 100.000 Einwohner die gefährlichste deutsche Großstadt vor Leipzig (15.811) und Hannover (15.764). Der bisherige Spitzenreiter Frankfurt ist auf Platz 4 abgerutscht, bravste deutsche Großstadt ist München (7909).

 

2. Berlin immer sicherer! Die Stadt verzeichnet mit 16.161 Straftaten pro 100.000 Einwohner relativ gesehen weniger Fälle als im Vorjahr (16.414). Die leichte Steigerung in absoluten Zahlen ist allein dem starken Wachstum Berlins geschuldet.

 

Jeder kann daraus machen, was Ihm politisch am besten in den Kram passt. Aber daran denken: Es handelt sich um die Zahlen für 2016. Es kann nur noch schlimmer werden.

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 22.04.2017

1    11    12   19   25   32    SZ: 7

Spiel 77:  2152 168

 

Super 6: 437 607   

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

1898 (2017-04-25) 

Bernd Jürgen Morchutt

 

Die IGA 2017 machte es möglich

Ein U-Bahnhof verlor seinen Namen

Ein neuer Blickfang an der Linie U5

BREAKING NEWS

Stand: 25.04.2017; 10.15 Uhr

 

International

 

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan reist nach Angaben seines Büros Mitte Mai zu US-Präsident Donald Trump nach Washington. Trump habe Erdoğan zu der Begegnung im Weißen Haus eingeladen.


Die schwedische Polizei hat im Zusammenhang mit dem Lastwagen-Anschlag in Stockholm eine zweite verdächtige Person festgenommen.


Dass Emmanuel Macron im ersten Wahlgang mit seinen 24 Prozent die Nationalistin Marine Le Pen (sie kam auf 21,3 Prozent) übertraf, hat zwar bei allen EU-Befürwortern eine enorme Erleichterung ausgelöst, knapp darauf wurde man aber wieder von Sorgen heimgesucht – und zwar spätestens seit der Siegesrede, die Macron hielt. Ein Überhang an zum Teil peinlichen Leerfloskeln in dieser Rede wirft die Frage auf: kann dieser, ein wenig windig wirkende Dauerlächler auch noch die vierzehn Tage bis zur Stichwahl am 7.Mai erfolgreich überstehen? Aber diese Bedenken bezüglich der Konsistenz des parteilosen Jungstars (Macron ist mit 39 Jahren der jüngste Präsidentschaftskandidat) teilten auch schon vor dem ersten Wahlgang etliche Beobachter in Paris mit Ausnahme der Meinungsforscher, die seit Monaten Macrons Erfolgskurve unbeirrt wiedergaben.


In ersten Umfragen werden Macron für den zweiten Wahlgang am 7. Mai 62 Prozent der Stimmen gutgeschrieben, Le Pen 38 Prozent. Das ist einerseits ein klarer Abstand; er zeigt aber auch das Potenzial der bisherigen FN-Chefin, die in einem TV-Interview am Montagabend bekanntgab, sie werde den Parteivorsitz ruhend stellen, bis die Wahl geschlagen ist.


In der libanesischen Hauptstadt Beirut haben Aktivisten zur Abschaffung eines Gesetzes aufgerufen, mit dem Vergewaltiger durch die Heirat mit ihrem Opfer einer Bestrafung entgehen können. Sie forderten die Parlamentarier am Samstag auf, bei einer anstehenden Beratung den umstrittenen Artikel 522 des Strafgesetzes abzuschaffen.

 

Die Lage ist ernst, diesmal aber wirklich. Bis Montag um 16 Uhr konnten die rund 12.000 Mitarbeiter über den Rettungsplan samt Jobabbau und Gehaltskürzungen abstimmen. An der Urabstimmung hatten sich rund 90 Prozent der Belegschaft beteiligt. Laut italienischen Medien überschritten die Nein-Stimmen im Laufe des Montag-Abend bereits die 50 Prozent-Marke. Damit dürfte Italiens größte Airline unter die Kontrolle eines Insolvenzverwalters gestellt werden.

 

Deutschland/Berlin

 

Angesichts der Zunahme von Gewalttaten in Deutschland fordert die Gewerkschaft der Polizei (GDP) von Bund und Ländern, das Personal bei den Sicherheitskräften und der Justiz massiv aufzustocken. Um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu verbessern, müssten deutlich mehr Polizisten sichtbar auf der Straße unterwegs sein.

 

Ein geplantes Treffen des deutschen Außenministers Sigmar Gabriel mit linken Menschenrechtsorganisationen während seines Antrittsbesuchs in Israel sorgt für Wirbel. Das israelische Fernsehen berichtete am Montagabend, Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erwäge deswegen eine Absage seines Gesprächs mit Gabriel am Dienstag. Der private Sender Channel 2 meldete, der Regierungschef habe seinen Gast aus Deutschland vor die Wahl gestellt, sich mit den Menschenrechtlern oder mit ihm zu treffen.

 

CSU-Chef Seehofer will entgegen früherer Ankündigungen über 2018 hinaus im Amt bleiben. Er will am Parteitag im November nun doch erneut als CSU-Chef kandidieren und im Herbst 2018 wieder als Spitzenkandidat in die Landtagswahl ziehen.

 

Sport

 

 

Fussball

 

Die U19-Mannschaft von Red Bull Salzburg hat am Montag den wichtigsten europäischen Nachwuchsbewerb auf Klubebene gewonnen. Das Nachwuchs-Team des österreichischen Fußball-Meisters setzte sich im Finale der UEFA Youth League in Nyon gegen Benfica Lissabon mit 2:1 (0:1) durch.

 

Zlatan Ibrahimovic denkt trotz seiner schweren Knieverletzung nicht an ein Karriereende. "Ich werde das durchstehen wie alles andere und sogar noch stärker zurückkommen", schrieb der schwedische Fußball-Superstar bei Instagram. Der Torjäger von Manchester United hat sich britischen Medien zufolge das vordere und hintere Kreuzband gerissen und wird daher wohl bis Jahresende ausfallen.

 

500 Pflichtspieltore von Messi für Barça in knapp 12 Jahren: Bei den Katalanen feiert man wieder einmal seinen Superstar.

Profiwissen für den privaten Bauherrn

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