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61 (2017-01-25) Bernd Jürgen Morchutt

Der Fußball

rollt wie gedruckt

Täglicher K(r)ampf bei Bild 2

 

Jetzt gibt es sie endlich wieder, eine tägliche Sportzeitung in Deutschland.

Halt, nicht Sport-, sondern Fußball-Zeitung.

Und sie heißt „FUSSBALL Bild“.

Seit 20. Januar ist das Fußball-Blatt bundesweit im Angebot. Gegen alle Erwartungen habe ich die 32-seitige Ausgabe sogar auf Anhieb in Marzahn gefunden. Gestern war der Erstverkaufstag des aktuellen Heftes meiner Lieblingszeitschrift „Bergwelten“, deshalb ging ich zum Zeitungskiosk.

 

Ein paar Emotionen waren da schon mit im Spiel. Schließlich bin ich kein normaler Leser. Auch nicht Teil der avisierten Zielgruppe dieses Boulevard-Blättchens. Wenn ich eine solche Zeitung sehe, habe ich natürlich sofort „Sportecho“ und „fuwo“ im Hinterkopf. Selbst 26 bzw. 24 Jahre später.

Was ich gestern in der Hand hielt, war dünn, mager und arm. Ich hatte die Zeitung auf unserem ovalen Wohnzimmertisch aus Kirschholz ausgebreitet, einen „Coffee to read“ gekocht und mich auf eine spannende Lektüre vorbereitet.

 

Nach gut zehn Minuten war ich fertig. Ich muss es gleich rauslassen: Das ist eine billige Verwertung von Überhangartikeln der Bild-Zeitung. Dass es sich um einen Ableger von Deutschlands größter Kaufzeitung handelt, hatte natürlich vorher niemand verschwiegen. Wie auch? Der Titel spricht für sich. Aber die Idee derart offensichtlich umzusetzen und zu vermarkten, halte ich doch schon für reichlich dreist.

 

Auf der Titelseite eine wilde Ansammlung populistischer Schlagzeilen. Reine Effekthascherei, die den wahren Fan oder Insider nicht von der Reservebank lockt.

Das Thema des Tages findet sich gleich auf den Seiten zwei und drei: „Götze in der Sackgasse“. Spekulationen ohne Tiefgang, fern jeder fachlichen Beurteilung. Selbstverständlich eine perfekte Vorlage für den Kolumnisten Lukas Podolski, der einmal pro Woche exklusiv in „FUSSBALL Bild“ schreibt. „POLDI HAUT IHN REIN“ - nennt sich der 2-Spalter vielsagend. Ich hatte Glück, dass Poldi gerade dienstags auftauchte. Der Kölner mit Migrationshintergrund orakelt: „Vielleicht belastet Mario das WM-Tor“. Mag ja sein! Sicher bin ich keiner, der erwartet, dass Podolski jede Woche eigenhändig eine Kolumne in sein Smartphone tippt oder toucht. Aber, liebe Kollegen, das war so weit weg von Poldi wie Merkel von Trump.

 

Dann steht auf Seite 6 über Pal Dardai: „Den netten kleinen Ungarn gibt es nicht mehr“. Hertha hatte am Wochenende in Leverkusen verloren. Jetzt mutiert der Trainer der Berliner zu einem "stinkigen Puszta-Stier". Ich bedanke mich für diese tolle Information.

 

Eines fällt dem geneigten Leser auf: Ein prominenter Fußball-“Experte“ oder Ex-Spieler hat einen mehr oder weniger inhaltsreichen Satz abgesondert. „FUSSBALL Bild“ macht daraus einen 60-zeiligen Artikel, in dem die leeren Worthülsen krachend aufeinander prallen.

 

Das Highlight journalistischen Schaffens prangt auf der Doppelseite in der Mitte des dünnen Heftes (Die Grafik des Tages): Wer sitzt wo im Mannschaftsbus. Freie Fahrt für den FC Bayern München.

Zumindest weiß ich jetzt, dass der Schwiegersohn von Carlo Ancelotti, der Ernährungsberater Mino Fulco, in der Bordküche des 500 PS starken und 500 000 EUR teuren Transportmittels den Kaffee kocht.

 

Zum Schluss noch zwei positive Bemerkungen. Auf den Seiten 26 und 27 geht es um den internationalen Fußball. Unter NEWS fand ich folgende Meldung: „Die WM-Auslosung findet am 1. Dezember (meinem Geburtstag – der Verfasser) im russischen Machtzentrum statt. Witali Mutko (58): `Wir haben den Kreml vorgeschlagen und die Fifa hat zugestimmt`. Das Turnier in Rußland wird vom 14.6. bis 15.7.2018 gespielt.“

 

Angenehm und gut lesbar empfand ich die „TABELLEN & STATISTIK“ am Ende der Ausgabe. Das gilt sowohl für die 1. und 2. Bundesliga sowie die 3. Liga als auch für die fünf internationalen Ligen. Das sind Basics für den Fan. Die Ergebnisse, Spieltage, Tabellen und Torjägerlisten aus England, Spanien, Frankreich und Italien spiegeln das Fußball-Geschehen in unserer Nachbarschaft wider. Die Statistiken zur Türkei sind wohl eher ein Zugeständnis an die Fußball-Liebhaber unter unseren muslimischen Mitbürgern.

 

Alles in allem lässt sich zusammenfassen: Für einen Euro kann man nicht mehr erwarten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

BJM

60 (2016-12-12) Uwe Morchutt

Hong Kong – der „Duftende Hafen“

Hier geht der Bär ab!

 

Die chinesische Stadt Hong Kong wurde als Folge des 2. Opium-Krieges im 19. Jahrhundert unter britische Verwaltung gestellt, da die Chinesen kapituliert hatten. Das ganze Gebiet ging 1898, so sah es der Pachtvertrag vor, für 99 Jahre an das Vereinigte Königreich. Bis zur Rückgabe 1997 stand die Kolonie vollständig unter britischer Verwaltung, mit Ausnahme von etwa vier Jahren während des Zweiten Weltkrieges, als Hong Kong von den Japanern besetzt war. Am 1. Juli 1997 holte die Volksrepublik China die abtrünnige „Schönheit“ mit bombastischem Getöse wieder heim in das gelbe Reich. Seither ist Hong Kong mit seinen rund 7,3 Mio. Einwohnern eine Sonderverwaltungszone. Die Affinität zu den Pferderennen, die die Engländer 1793 einführten, ist geblieben.

 

Was die Japaner können, das können wir auch. Gesagt, getan! Sieben Jahre nach der Einführung des Japan Cups haben die Chinesen, besser gesagt die Hong Kong-Chinesen, den Hong Kong Cup ins Leben gerufen. Das heutige Gruppe I-Rennen wurde 1988 zum ersten Mal ausgetragen, wobei es den höchsten Status im Galopprennsport erst seit 1999 trägt. Die Rennbahn in Sha Tin, 1978 eröffnet, ist ein Ortsteil von Hong Kong, der sich zur Satellitenstadt Sha Tin New Town gemausert hat. Sha Tin bietet Platz für 85 000 Besucher. Der Renn-Höhepunkt eines jeden Jahres, der Hong Kong Cup, ist dodiert mit 25 Mio. HKD, was ca. 3 Mio. Euro sind.

 

Wie in Japan sind Pferderennen auch hier eine Art Volkssport. Die Asiaten zocken einfach zu gern! Obwohl nur Pferde laufen, geht hier sprichwörtlich der Bär ab! Warum auch nicht. Mit etwas Glück kann man sein Einkommen aufpeppeln. Der Hong Kong Jockey Club, der Betreiber, 1884 gegründet, unterhält übrigens noch eine zweite Rennbahn mit dem Namen Happy Valley. Diese wurde bereits 1845 eröffnet und bietet 55 000 Gästen Platz. Die Anlage wurde 1995 imposant rekonstruiert, so dass Hong Kong über zwei moderne Rennbahnen verfügt, die international gesehen, höchsten Ansprüchen gerecht werden.

 

 

Rund 700 Rennen finden auf beiden Bahnen jährlich statt. Eine Winterpause, wie wir sie in Europa kennen, gibt es in Hong Kong nicht, da die Temperaturen nie unter 15 Grad Celsius gehen. Ein wahres Zockerparadies! Im Vergleich hierzu ist Deutschland mit seinen veralteten Rennbahnen eine nostalgische Galopp-Provinz!

 

Am 11. Dezember 2016 fand nun der 29. Kong Kong Cup statt. Der krönende Abschluss der internationalen Rennsaison 2016. Zwölf 3-jährige und ältere Pferde rückten dafür in die Boxen ein. Dabei auch der Vorjahressieger A Shin Hikari, der natürlich versuchte, seinen Titel zu verteidigen. Mit Elliptique, der den großen Dallmayr Preis 2016 in München gewann, war auch ein guter Bekannter unter den Teilnehmer.

 

Um 19.30 Uhr Ortszeit (12.30 Uhr MEZ) rückten die Teilnehmer ein, um den Sieger zu ermitteln. Gewinnen kann wie immer nur einer. Mit einem grandiosen Ritt vom derzeit besten Jockey auf der Welt, Ryan Moore, flog der fünfjährige Hengst Maurice, der als Wettfavorit ins Rennen ging, von hinten kommend auf der Zielgeraden an allen vorbei und siegte überlegen vor Secret Weapon. Japans Pferd des Jahres 2015, im Besitz von Kazumi Yoshida, zeigte in beeindruckender Manier, was es drauf hat. 

Bei 18 Starts der elfte Sieg! Vorjahressieger A Shin Hikari, der es mit einem Ausreißversuch probiert hat, wurde Zehnter und der französische Hengst Elliptique errang den siebten Platz. Ein klasse Renntag, der Pferderennsport in höchster Perfektion und Klasse demonstrierte!

 

Die Rennsaison ist nun schon wieder Geschichte. Die Vierbeiner dürfen sich jetzt ausruhen, die Zweibeiner zählen das Geld. Hals und Bein allen Vierbeinern. Auf ein gesundes Wiedersehen in 2017! umo

59 (2016-12-09) Gerald Gleichmann aus Erfurt

Gerald Gleichmann, Jahrgang 1957, stammt aus Sonneberg und lebt heute in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Er ist sowohl gelernter Porzellanmaler als auch Bibliotheksassistent und kann bereits zahlreiche Veröffentlichungen seiner Werke vorweisen. Wir berichteten darüber. Auch in diesem Jahr gibt es von ihm eine Weihnachtsgeschichte. Exklusiv erzählt auf laptopwerk.de:

 

Morgen kommt der Weihnachtsmann...

 

Morgen kommt der Weihnachtsmann...", trällerte Klein-Johanna, da warfen die Bäume ihre bunten Blätter gerade von sich und türmten in den Läden Stollen und Lebkuchen zuhauf.

Vater Freddy entfloh schon bald dem nicht enden wollenden Gesang der Tochter in seine Kneipe, während Mutter Erika bereits die ersten Festeinkäufe nach Hause schleppte.

"Morgen kommt der Weihnachtsmann...", wiederholte die Kleine Wochen später noch genauso begeistert, dass Freddy mit zusammengekniffenen Augen knurrte: "Kommt er nicht! Jedenfalls nicht morgen."

"Warum?"

"Weil erst in vier Wochen Weihnachten ist."

"Warum?"

"Ich habe den Kalender nicht gemacht. Frage deine Mutter!"

Die wedelte mit Putzlappen und Eimer durch die Wohnung und hatte vorbeugend gegen jede nur denkbare Belästigung Flaschenkorken in beiden Ohren stecken.

Klein-Johannas Stimme klang schon recht heiser, da fröstelte die Bratgans in der Gefriertruhe, stapelten im Flur sich Kartons mit Glaskugeln und Lametta für die im Vorgarten herumlungerte Blautanne, werkelte Freddy an der defekten Lichterkette und grübelte Erika angestrengt nach, in welchem Schrank wohl welches Präsent wohlverwahrt liegen mochte.

"Er kommt sowieso nur zu braven Kindern!", ermahnte Freddy sie und hoffte, seine Tochter unterbrach für einen winzigen Moment die Singerei.

"Mutti!", heulte Johanna dafür laut los.

"Vati hat recht", beschwichtigte die überforderte Hausfrau sie.

"Warum?"

"Weil dein Vati immer recht hat!", entgegnete die, schränkte aber ein: "Jedenfalls ist er in dem Glauben. Und solange die Lichterkette nicht brennt, überzeugen wir ihn lieber nicht vom Gegenteil."

Klein-Johanna dachte eine kurze Weile darüber nach, als sie plötzlich wissen wollte: "Bringt er auch seine Renntiere mit?"

"Es heißt Rentier!", verbesserte Freddy, als die Lämpchen kurz kunterbunt flimmerten, ehe sie scheinbar auf ewig verloschen.

"Falls er den weiten Weg zu uns überhaupt findet...", murmelte Erika abwesend. Denn bei aller vorweihnachtlichen Hektik hatten sie doch das allerwichtigste Requisit für eine schöne Bescherung völlig vergessen! Sie hüpfte gestikulierend im Wohnzimmer herum, denn es dauerte mal wieder, ehe Freddy begriff.

"Heiliger Bimbam!", rief er und spurtete sogleich mit der um seinen Hals hängenden Festtagsbeleuchtungskette mit dem Hinweis los: "Ich rufe schnell mal beim Weihnachtsmann an!"

Klein-Johanna staunte mit offenem Mund, ehe sie sich besann und dem Vater nachrief: "Vielleicht kann er mir noch ein paar ganz ganz wichtige Wünsche erfüllen!"

"Wir werden sehen", entgegnete Mutter Erika, als sie in den Keller hinabstieg. Noch immer in der Hoffnung, bis zur gegenseitigen Beschenkung sämtliche Kartons und Tüten gefunden zu haben.

Derweil sang Johanna umso fröhlicher: "Morgen kommt der Weihnachtsmann..."

 

Als es am ersehnten Abend vor der Tür polterte und krachte, grinste Freddy geheimnisvoll, jauchzte Johanna erfreut und robbte Erika auf der Suche nach einer ihrer verlustig gegangenen Kontaktlinsen über den Teppich.

"Hohoho...!", brüllte der verkleidete Geselle im tiefsten Bass.

Lediglich nur mit einem Auge klarsehend, erkannte Erika den hinter einem mächtigen Wattebart verborgenen Uniformierten dennoch sofort. Aber auch Klein-Johanna kicherte gleich los: "Das ist doch nicht der Weihnachtsmann, sondern nur der Jägermeister!"

"Und wenn der kommt, dann bescheißt er...", entfuhr Erika es nüchtern.

"Das ist Onkel Rick!", belehrte die Tochter sie ernst.

"Trotzdem taugt er bloß zum..." Hastig biss sie sich auf die Zunge.

"Aber Erika!", riefen die beiden Männer zugleich.

"Immerhin besser als der Schornsteinfeger", piepste Mutter Erika mit hochrotem Kopf giftig und hastete in die Küche, um traditionell die Feuerzangenbowle anzurichten.

Während Freddy über die dichterischen Einfälle seiner Ehefrau staunte, räusperte Rick sich geistesgegenwärtig und wollte wissen, ob Johanna ein schönes Gedicht aufsagen konnte?

"Lieber guter Jägersmann...", begann die unsicher, stockte dann aber, als eben in diesem Moment die bisher bunt flimmernde Lichterkette am Weihnachtsbaum förmlich explodierte und einer der sprühenden Funken den falschen Bart des Gabenbringers in Brand setzte.

 

Sogleich stürzte Freddy sich auf den und umklammerte dessen Hals so fest, dass Johanna gellend schrie: "Er soll erst meine Geschenke rausrücken!"

Da stürmte auch Erika mit der Bowle ins Wohnzimmer zurück, trat dabei versehentlich auf ihre auf dem Boden liegende Kontaktlinse, warf beim Anblick der brennenden Blautanne das heiße Getränk in die Glasvitrine, flüchtete hinters Ledersofa und schwor feierlich, in ihrem noch verbleibenden Lebensjahren kein einziges Weihnachtsfest in Familie mehr zu feiern!

Einzig Klein-Johanna nutzte die Gelegenheit und verschwand mit dem bis oben hin mit Geschenken gefüllten Kartoffelsack in ihrem Zimmer.

 

Aber auch später an diesem eher unheilig verlaufenen Abend, nachdem jeder bekommen hatte, was er nicht verdiente; die Scherben weggeräumt waren; das verkohlte Gerippe des Baumes im Vorgarten stakte und Klein-Johanna selig im Bett schlief, blieb die Stimmung im Wohnzimmer recht frostig. Die beiden Männer belauerten sich gegenseitig äußerst wortkarg und sprachen umso mehr den alkoholischen Vorräten für die geplante Silvesternacht zu. Erika nippte niedergeschlagen an ihrer verdünnten Limonade, schniefte dabei in ihr Taschentuch und nahm sich vor, alles vehement zu leugnen, was man ihr jemals vorhalten könnte.

Irgendwann hatte sie jedoch keine einzige Träne mehr und war ihre zweite Kontaktlinse ebenfalls spurlos verschwunden. Freddy torkelte schwankend durchs Zimmer und nuschelte fortwährend: "Im Wald und auf der Heide, da findet mancher Förster seine Beute..." Der von ihm Beschuldigte widersprach nicht, da er vom plüschigen Hocker rutschte und laut zu schnarchen begann.

Mit arg betretenen Gesichtern fand das verkrachte Trio sich am Morgen darauf seltsamerweise einträchtig nebeneinander liegend im Ehebett wieder, aber wollte keiner von ihnen es so genau wissen, welches möglicherweise himmlische Wunder neuerdings über sie gekommen war!

Ausgerechnet in diesem Augenblick stürmte Klein-Johanna ins Schlafzimmer der Eltern, in ihren Armen die von wem auch immer gebrachte Puppe, bestaunte zunächst ein wenig ungläubig die in den Kissen ruhende Dreifaltigkeit, ehe sie inbrünstig wie ebenso laut trällerte: "Ihr Kinderlein kommet...!"

Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Und bis dahin allen ein friedliches wie ebenso fröhliches Weihnachtsfest!

58 (2016-11-28) Uwe Morchutt

Pferderennen - großes Geschäft in Japan

ジャパンカップ Japan Kappu

 

Wer bisweilen denkt, Pferderennsport sei nur in Europa oder den USA beliebt, der irrt sich gewaltig


In Asien leben die wahren Zocker. Horse racing is big business in Japan! Hier wechseln Milliardenbeträge den Besitzer. Glaubt man den Auguren, wurden die ersten Pferderennen in Japan 1862 in Yokohama von Ausländern nach westlicher Art organisiert. Man höre und staune, immer wieder die „Foreigner“! Hinter der Bezeichnung „big four“, die großen Vier, verbergen sich Tokyo, Nakayama, Kyoto und Hanshin, also die Orte, wo die größten Pferderennbahnen Japans hunderttausende Besucher wöchentlich anlocken, um auf das große Glück zu wetten. 

 

Hier wird nicht geknausert, sondern gezockt, dass die Wettscheine glühen!

 

Japan verfügt insgesamt über zehn Pferderennbahnen. Der „Tokyo Racecourse“ in Fuchu beheimatet, ein Vorort von Tokyo, eröffnete bereits 1933. Die größte japanische Rennbahn bekam im Frühjahr 2007 eine Erfrischungskur, ehe sie nach siebenjähriger Komplettsanierung wieder für die Vierbeiner freigegeben wurde, so dass sie nun Sitzplätze für 120 000 Besucher bei einer Gesamtkapazität von 223 000 parat hält.

 

Eine unfassbare Dimension, wohingegen deutsche Rennbahnen doch eher klein und provinziell anmuten. Morbider Charme umhüllt die meisten Anlagen hierzulande! Die Tokyoer nennen ihre Rennbahn auch ganz bescheiden: ‘racecourse of racecourses’. Hier findet auch das japanische Derby (Tokyo Yushun) seit 1932 statt.

 

In Nakayama, Funabashi, Chiba, 1920 gegründet, finden wir die Rennbahn, die vor allem für „Steeplechase“-Rennen, also für Hindernisrennen, bekannt ist. Die großzügige Anlage verfügt über eine Sand- (Dirt), eine Hindernis- und zwei Grasbahnen (Turf). In Nakayama findet beispielsweise das höchstdotierte Hindernisrennen der Welt mit dem Grand-Jump statt. Die Anlage wurde 1990 eröffnet und bietet seither Platz für rund 166 000 Besucher.

 

Kyoto, bekannt auch durch das Kyoto-Protokoll vom 11. Dezember 1997, dem Klimaabkommen der Vereinten Nationen, beheimatet die älteste Pferderennbahn im westlichen Teil Japans. Dieser Renn-Parcours wurde schon 1924 für die Besucher freigegeben. 2007 erhielt die Rennbahn auch eine Video-Wall nach dem Vorbild von Tokio. Die sogenannte „Turf Vision“ präsentiert Videos und Renninformationen im Großbildformat. Der 10,80 m hohe und 64 m breite Jumbo-Bildschirm nahe der Ziellinie erlaubt einen grandiosen Blick auf das jeweilige Rennen in brillanter Bildqualität. Selbstverständich in 3-HD-Format. Der Kyoto Race Course verfügt über zwei Grasbahnen, eine Sandbahn und eine Hindernisbahn.

 

Der Hanshin Racecourse, der Vierte im „Big-Business“, wurde kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges 1949 eröffnet. Die Anlage hat eine Kapazität für rund 140 000 Besucher, wobei knapp 13 000 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Wetter oder echte Zocker wird man aber kaum sitzend antreffen, da sie ständig zwischen Führring, wo die Pferde vorgestellt werden, und Wettscheinannahme umhertoben, wobei natürlich auch die aktuellen Formen der Pferde überprüft werden müssen. 30 Jahre eigene Rennbahnerfahrung können dieses Ritual bestens nachvollziehen. Ein Blick auf die „big four“ verdeutlicht, dass Japan grandiose Rennbahnen verfügt.

Ein kleiner, faszinierender Einblick in das große Geschäft der pferdeverrückten Japaner

 

Am 27. November 2016 fand nun der 36. Japan Cup, ein Gruppe I-Rennen über 2400 m, auf der „Rennbahn der Rennbahnen“ in Tokyo statt. Das wichtigste Rennen im japanischen Rennkalender wurde 1981 ins Leben gerufen. Offen für 3-jährige und ältere Rennpferde, wobei auch ausländische Cracks eingeladen werden. Dotiert mit beachtlichen 575.340.000 JPY, was rund 4,8 Mio. Euro entspricht, ist es das höchstdotierte Galopprennen Asiens überhaupt.

Lediglich drei ausländische Pferde, darunter zwei deutsche Hoffnungsträger, von 17 Startern rückten um 15.40 Uhr Ortszeit (7.40 Uhr MESZ) in die Startboxen ein. Mit Nightflower und Iquitos versuchte man, nach 1995, als Lando vom legendären Vererber Acatenango aus der Birkhahn-Linie gewann, den Siegerpokal wieder nach Deutschland zu holen. Die Klassestute Danedream, die mittlerweile ihr edles Blut in Japan vererbt, wurde 2011 Sechste. Die Trauben hängen allerdings sehr hoch, weil das Rennen für die japanischen Vertreter einen immensen Prestigewert besitzt. Ausländische Sieger gab es seit 1981 nur ganz wenige. Wie immer kann nur einer gewinnen.

 

Der vier Jahre alte Hengst Kitasan Black, ein Black Tide-Sohn, hat das Rennen schließlich als Favorit überlegen gewonnen. Im Sattel saß der 47 Jahre alte Jockey Yutaka Take, der das Rennen somit zum vierten Mal gewinnen konnte. Hinter sechs japanischen Pferden wurde Iquitos (Ian Ferguson), der die diesjährige Champions League gewann, Siebter. Nightflower (Andrasch Starke) belegte den zwölften Platz. 

 

Über 100.000 Besucher wohnten dem Galopp-Highlight bei. Kitasan Blacks Mutter Sugar Heart hat sicher viele Wettanleger mit einem „Zuckerherz“ nach Hause gehen lassen! umo

 

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Dermoplastik – Aus dem Griechischen: Es beschreibt das Verfahren zur naturgetreuen Nachbildung von Tieren unter Benutzung eines Modells, dass mit der gegerbten Originalhaut überzogen wird.

57 (2016-11-06) Uwe Morchutt

 

Einzigartige Rennserie

33. Breeders' Cup – Santa Anita, Kalifornien

Tierzüchter gibt es viele auf der Welt

 

Idealismus und Liebe zu den Tieren sind oftmals der Auslöser, so lange es keine Nutztiere sind, die ausschließlich zum Zwecke des Verzehrs gehalten werden. Gelungene Zuchterfolge werden deshalb auch gern mit einem Preis bedacht, wenn im sportlichen Wettstreit mit anderen Züchtern vielleicht der Schnellste gesucht wird. Der Breeders' Cup in den USA ist solch ein Wettbewerb, wo die erfolgreichsten Züchter (Breeder) aus der ganzen Welt jedes Jahr am Ende einer Rennsaison mit ihren Zuchterfolgen gegeneinander antreten. Die stolzen Züchter beobachten genau, was aus ihren Schützlingen geworden ist, auch wenn sie gar nicht mehr im Besitz ihrer Zöglinge sind. Gemeint sind die Rennpferde, die sensiblen Vollblüter mit ihrem edlen Blut.

 

Der Santa Anita Park

 

Eine Pferderennbahn und ein Reitsportzentrum in Arcadia, Kalifornien, war am Wochenende Schauplatz dieses einzigartigen Rennsport-Spektakels. Die legendäre Rennstecke im Santa Anita Park wurde am 25. Dezember 1934 eröffnet, nur ein Jahr nach der offiziellen Legalisierung des Pferderennsports in Kalifornien. Der Santa Anita Park diente u.a. auch als Sportstätte der Olympischen Sommerspiele 1984.

 

Die Rennsport-Veranstalter nahmen ihren Job von Anfang an sehr ernst. Sie galten als äußerst kreativ und innovativ. Beispielsweise wurden hier erstmals die Startboxen (Startmaschine) und das Fotofinish im Galopprennsport eingeführt, die seither zum Standard gehören.

 

Das berühmte Rennpferd Seabiscuit, dessen Karriere 2003 verfilmt wurde, gewann 1940 bei seinem letzten Start das Santa Anita Handicap. Seabiscuit, das „Pferd des Jahres 1938“ in den USA, steht heute, in ewiger Erinnerung an seine sportliche Leistung, als Statue im Führring (Paddock). Während des Zweiten Weltkrieges war auf dem Gelände ein Internierungslager für japanisch-stämmige Amerikaner eingerichtet. 1945, dem Pferdeverstand sei Dank, öffnete der Parcours dann wieder für die flinken Vierbeiner.

 

Ein unvergleichliches Erlebnis für jeden Vollblut-Liebhaber

 

An zwei Tagen, am 4. und 5. November 2016, fanden insgesamt 13 Rennen, darunter allein neun Gruppe I-Prüfungen mit Preisgeldern in Höhe von 21,5 Mio. Dollar statt. Nach Keeneland, Kentucky, im Jahr 2015, waren die Augen dieses Mal wieder auf Santa Anita gerichtet, weil der Veranstaltungsort unregelmäßig wechselt. Ein Dankeschön gilt dem Initiator, der 1984, also vor genau 32 Jahren, diese grandiose Rennserie ins Leben rief. Quasi ein Stelldichein der „Crème de la crème “ des Galopprennsports. Die „Sahne der Sahne“, angezogen von den üppigen Preisgeldern.

 

Zwei Rennen ragen dabei besonders aus den 13 Rennen heraus

 

Der Breeders' Cup Turf (auf Rasen) mit 4 Mio. US$ dotiert, und der Breeders‘ Cup Classic (Dirt – auf Sand), der mit 6 Mio. US$ am höchsten dotiert ist. Wie immer kann nur einer gewinnen.

Der dreijährige Unbridled‘s Song-Sohn Arrogate aus dem Besitz von Khalid Abdullah hat den 19:10 Favoriten auf Sieg California Chrome im Breeders‘ Cup Classic über 2011 m bezwungen. Sozusagen Start-Ziel triumphierte Highland Reel geritten von Seamie Heffernan im Breeders' Cup Turf. Die ebenfalls von Aidan O’Brien trainierte Found, die in diesem Jahr den Prix de l’Arc de Triomphe gewinnen konnte, wurde drittes Pferd. Wieder ein Tropfen Birkhahn-Blut erfolgreich, denn der Vater heißt Galileo!

Gleich im zweiten Rennen des zweiten Tages gab es einen Erfolg für Europas Pferdezucht. Im mit 2 Mio. US$ dotierten Breeders‘ Cup Filly an Mare Turf (Gr.I) über 2011 m auf der Grasbahn triumphierte Frankie Dettori nach einem brillanten Ritt mit der von Sir Michael Stoute für das Cheveley Park Stud trainierten Stute Queen‘s Trust. Der Star unter den Reitern, Lanfranco Dettori, trug sich somit auch in die prominente Siegerliste ein!

 

Übrigens: 2017, am 3. und 4. November, wird die „Weltmeisterschaft“, wie der Breeders Cup auch genannt wird, das erste Mal in Del Mar, Kalifornien, stattfinden. Unter dem Motto: “Where The Turf Meets The Surf” trifft sich die sportbegeisterte Turfwelt im 1937 eröffneten Rennpark. Bis dahin: Hals und Bein! umo

56 (2016-11-01) Uwe Morchutt

Almandin überraschender Sieger

156. Melbourne Cup – Flemington, Australien

 

Ruby Tuesday ist ein erfolgreicher Song der Rolling Stones, der im Jahr 1966 aufgenommen und im Januar 1967 veröffentlicht wurde. Er war ein Nummer-eins-Hit in Deutschland und in den USA. Ruby Tuesday wurde obendrein unzählige Mal gecovert. Eine der bekanntesten Versionen stammt von Melanie Safka. Laut Keith Richards schrieb er das Liebeslied 1966 in einem Hotel über ein Groupie.

2010 erklärte er in seiner Autobiographie, dass er damit Linda Keith,

seine damalige Freundin, meinte.

 

Jetzt wird sich manch einer denken, was hat es mit dem

Dienstag auf sich?

 

Ich sage es allen gern.

Der Melbourne Cup, das prestigeträchtigste Pferderennen Australiens über 3200 m, fand das erste Mal 1875 am ersten Dienstag im November statt. Seither wird es immer am ersten Dienstag des Novembers eines Kalenderjahres ausgetragen. 

Das Gruppe-I-Rennen ist offen für 3-jährige und ältere Pferde und ist mit 6,2 Mio. australischen Dollars dotiert. Das Rennen der „gelben Rose“, wie es auch genannt wird, findet seit 1861 auf der Pferderennbahn in Flemington statt. Flemington ist ein Stadtteil der australischen Stadt Melbourne, der sich ungefähr 4 km nordwestlich des Stadtzentrums befindet.

 

Um 5 Uhr deutscher Zeit, also 15 Uhr australischer Zeit, bei zehn Stunden Zeitunterschied, rückten heute früh zu deutscher Zeit 24 Galopper mit ihren Reitern in die Startboxen ein. 

 

Ein internationales Feld mit vielen Ambitionen

 

Wie jedes Jahr herrschte auch dieses Mal Volksfeststimmung in Flemington, um hautnah am Renn-Spektakel teilzunehmen. Für hiesige Verhältnisse unvorstellbar wohnten rund 97.500 turfbegeisterte Zuschauer der 156. Austragung bei. Wie immer kann nur einer gewinnen. Mit dem Überraschungssieger Almandin, aus der Schlenderhaner Zucht, siegte zwei Jahre nach Protectionist erneut ein Monsun-Nachkomme im legendären Melbourne-Cup.

 

Wer als Kenner der Szene den Namen Monsun hört, muss zweifelsfrei sofort an Birkhahn (geb. 1945) denken, der nachträglich mit seinem Vererber-Blut mithalf, Almandins Talent zu befördern.

 

In einem packenden Finish verwies der sechsjährige Birkhahn-Nachkomme den von Tony Martin vorbereiteten Heartbreak City (187:10 auf Sieg), der übrigens von Lando abstammt, mit einem Kopf Vorsprung, sozusagen mit dem letzten Galoppsprung hauchdünn auf den Ehrenplatz. 

 

Geritten von Kerrin McEvoy, siegte der inzwischen sechs Jahre alte Wallach Almandin zur Siegquote von 118:10. Trainer Robert Hickmott siegte zum zweiten Mal nach Green Moon 2012 und der Besitzer Lloyd Williams (76) feierte bereits seinen fünften Sieg im „Yellow-Rose-Race“. Er kassierte dafür mehr als die Hälfte der Gesamtdotierung des Rennens von umgerechnet rund 3,7 Mio. AUD. Nachträgliches Pech für die deutschen Besitzer und Züchter, die Almandin 2014 an seinen heutigen Besitzer nach Australien verkauften. Nachdem er am 1. Juni 2014 den „Großen Preis der Badischen Unternehmer“ in Iffezheim gewonnen hatte.

 

Zur Erinnerung:

 

Die Besitzer des ersten Siegers 1861 Archer, der auch 1862 gewann, geritten von John Cutts und von Etienne De Mestre trainiert, erhielten zur Belohnung eine Golduhr und 930 Pfund. Die erste Austragung des Rennens erlebten gerade einmal 4000 Besucher mit. Wie sich doch die Zeiten ändern. Der neue Literatur-Nobel-Preisträger Bob Dylan würde nur antworten: The Times They Are Changin', das Lied, das er 1964 gesungen hat. Übrigens sang er auch „Like a Rolling-Stone“ im Jahre 1965, so dass ich wieder bei den Rolling Stones angekommen bin. Goodbye Ruby Tuesday, dann zum 157. Yellow-Rose-Race 2017! umo

 

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Kurs am 1. November 2016: 1 Euro = 0,6960 AUD – Australische Dollar

55 (2016-10-27) Bernd Jürgen Morchutt

Das „Geheimnis

von Leuna“:

Doping und Ausverkauf

 

Laptopwerker Klaus Blume ist von einer Lese-Reise zurück

 

 

Der Förderverein Kulturhaus Leuna e.V. und die cCe Kulturhaus Leuna GmbH veranstalteten am 20.10.2016, 17.00 Uhr mit Unterstützung der InfraLeuna Dienstleistungs GmbH im cCe Kulturhaus Leuna (im Bild oben) eine Buchlesung mit Klaus Blume, Autor des Saale-Krimis „Das Geheimnis von Leuna“.

Der 1940 in Halle geborene und aufgewachsene, heute in Hamburg lebende Autor beschäftigt sich seit 1964 journalistisch mit Korruption und Doping. Er schrieb für die Die Welt, FAZ und SportBild, seine Artikel erschienen auch in der SZ, ZEIT, NZZ, im Spiegel, Focus, Stern und auf laptopwerk.de. Für seine fünfunddreißigjährige Berichterstattung über die Tour de France wurde er mit der Ehrenmedaille der ASO ausgezeichnet.Seit 1977 ist er zudem für den ARD-Hörfunk tätig. Klaus Blume ist Autor zahlreicher Sachbücher, zuletzt „Die Dopingrepublik“ (2012) und „Tatort Fankurve“ (2013).

Es ist die erste Lesung von Klaus Blume zu diesem Roman

 

Das „Geheimnis von Leuna“ ist sein erster Kriminalroman. Der Hamburger Journalist präsentierte sein Werk auf Einladung anlässlich der 100-Jahr-Feiern in Leuna.

 

Etwa 120 Zuhörer kamen am vergangenen Donnerstag ins Kulturhaus von Leuna: Prasselnder Beifall; stehende Ovationen; leidenschaftliche Debatten; und das Signieren: ohne Ende!

Gratulation zu diesem Erfolg, lieber Klaus.

 

Warum er sich, der zahlreiche Sachbücher geschrieben hat, nun einem Kriminalroman widme und was er sich von der Lesung erhoffe, hat ihn MZ-Redakteurin Melain van Alst vorab gefragt:

 

Herr Blume, was ist denn nun das Geheimnis von Leuna?

 

Blume: Ich habe über den Verkauf der Leuna-Werke recherchiert und bin darauf gestoßen, dass oftmals Politiker, meist im Hintergrund, und französische Unternehmer daran beteiligt waren. Das betrifft nicht nur Leuna, sondern auch Buna und den Park in Bitterfeld-Wolfen. Da tauchen ominöse Konten auf, über die Gelder, ohne Beleg, an französische Künstler oder sogar nach Weißrussland geflossen sind. Irgendetwas ist daran bis heute faul. Nun machen sich die fiktiven Hauptpersonen meines Buches auf die Suche nach diesem Geheimnis. In einem zweiten Strang geht es auch um die Herstellung von Drogen. Die Geschichte spielt entlang der Saale von Jena bis Calbe. Als gebürtiger Hallenser ist mir die Region sehr vertraut.

 

Warum haben Sie aus ihren Erkenntnissen zum Verkauf der Leuna-Werke kein Sachbuch gemacht, schließlich sind Sie in diesem Bereich zu Hause?

 

Blume: In diesem Fall gibt es zu viele Spekulationen, und aus Sicherheitsgründen habe ich mich - zusammen mit dem Verlag - entschieden, stattdessen einen Roman zu schreiben.

 

Sind Sie an das belletristische Werk anders herangegangen?

 

Blume: Natürlich muss man den Leser anders ansprechen und die Figuren genau beschreiben. Aber alle Personen in diesem Buch sind real. Sie heißen anders, haben vielleicht zu verschiedenen Zeiten gelebt und kennen sich nicht. Doch ihre Geschichten basieren auf Menschen, die ich kenne.

 

Haben Sie bereits Reaktionen auf das Buch erhalten?

 

Blume: Nein, es hat bisher ja auch noch keine Lesungen gegeben. Die erste jetzt in Leuna. Ich glaube auch nicht, dass Menschen aus dem Westen dafür zu begeistern sind. Viele kennen Leuna und die Geschichte der Region gar nicht. Aber ich denke, dass die Menschen hier sehr wohl etwas damit anfangen können.

Was erwarten Sie sich von der Lesung?

 

Blume: Ich hoffe, dass eine lebhafte Diskussion und eine Debatte entsteht. Ich möchte gern mit den Menschen hier ins Gespräch kommen und hören, was sie von der Geschichte halten. (mz)

 

Die User von laptopwerk.de möchten natürlich auch wissen, worum es in diesem Krimi von unserem Kolumnisten Klaus Blume geht:

 

„In ihrer Heimatstadt Halle kreuzen sich nach zwanzig Jahren die Wege der Wissenschaftler Tom Wegelius und Moritz Hirscher. Wegelius will die kriminellen Praktiken bei der Privatisierung der Chemiewerke von Leuna, Schkopau und Bitterfeld-Wolfen aufdecken. Doch seitdem sich ungewöhnliche Todesfälle in seinem Umfeld ereignen, ist er abgetaucht, um nicht selbst zum Opfer zu werden. Hilfe kann er nur von der jungen Staatsanwältin Dörte Stoye aus Freyburg und einem alten Kollegen aus Jena erwarten. Hirscher hingegen betreibt nun nach Jahren im Ausland die ehrwürdige Hallenser Paracelsus-Apotheke. Zumeist aber forscht er in einem Labor in Pößneck - nach süchtig machenden 'Cocktails' für einen Arzneimittelkonzern. Als der Mord an einer beliebten Apothekerin der Paracelsus-Apotheke und früheren Topathletin durch die Lokalpresse geht, schaltet sich die Kripo Jena ein, und es entspinnt sich ein gefährliches Netz aus Gewalt und Betrug.“

 

In „Das Geheimnis von Leuna“ verknüpft Klaus Blume kunstvoll das Thema Doping mit dem Ausverkauf ostdeutscher Chemiewerke nach 1989 und schafft einen fesselnden Krimi von großer Brisanz.

 

„Das Geheimnis von Leuna“, Ein Saale-Krimi; Broschiert, 192 Seiten, Verlag:Bild und Heimat; Preis: 9,99 EUR; Schauplätze: JENA, HALLE; LEUNA 

BJM

54 (2016-10-10) Uwe Morchutt aus Eltville

Found – Speed

wie Birkhahn

Chantilly - 95. Prix de

l’Arc de Triomphe

 

Europas prestigeträchtigstes Pferderennen

 

Der „Prix de l’Arc de Triomphe“, der seit 1920 jeweils am ersten Sonntag im Oktober ausgetragen wird, fand erstmals in Chantilly statt. Der Grund sind Umbauarbeiten auf der Prachtbahn von Longchamp. Ungeachtet dessen zog es rund 40 000 Besucher an den Stadtrand von Paris, um das einzigartige Rennspektakel zwischen Mensch und Tier am 2. Oktober 2016 nicht zu verpassen.

 

Die im vornehmen Bois de Boulogne liegende Pariser Pferderennbahn Longchamp, 1857 vom Architekten Antoine-Nicolas Bailly erbaut, gilt bekanntlich als Synonym für Luxus und Reichtum. Die Bauten der Rennbahn sind allerdings in die Jahre gekommen, so dass sie einer baulichen Auffrischung bedürfen. Das bestehende Tribünenensemble wurde bereits 1964 fertiggestellt.

 

Das Architektur-Büro von Dominique Perrault (Paris), Jahrgang 1953, der gern als Star-Architekt bezeichnet wird, hat den internationalen Einladungswettbewerb gewonnen. Das neue Projekt basiert auf der Definition eines weitläufigen Fußweges, „Les Planches", der sich unter dem derzeitigen Bodenniveau entwickeln wird. Der darüber hinaus alle Funktionen der Pferderennbahn von Norden nach Süden miteinander verbindet und von unverzichtbaren Konstruktionen ergänzt wird, die für die eigentlichen Funktionen der Pferderennbahn bestimmt sind (Hallen, Tribünen und Restaurants). Alle Gebäude werden für die Zuschauer durch einen auf der Rückseite gelegenen, auf Höhe des ersten Obergeschosses verlaufenden Holzsteg miteinander verbunden sein. Es wird mit einer Bauzeit von 21 Monaten gerechnet, die Kosten werden auf rund 120 Mio. Euro veranschlagt.

 

Chantilly ist aber nun wahrlich keine Notlösung

 

38 Kilometer nördlich von Paris gelegen, gilt das Areal samt Schlossanlage als das wahre Zentrum der französischen Pferdezucht. Hier finden jährlich u.a. die hochkarätigen Rennen „Prix du Jockey Club“ (franz. Derby) und „Prix de Diane“ (Stutenderby) statt. Die französische Rennpferdezucht hat hier ihre Heimstätte. In rund 100 Ställen sind tausende englische Vollblutpferde untergebracht.

 

Das ebenfalls im Schloss gelegene Gestüt, wo sich auch das Pferdemuseum befindet, ist eines der am meisten besuchten Zentren der Pferdezucht weltweit. Es wurde zwischen 1790 und 1840 von Jean Aubert erbaut. Die Hallen des Museums wurden renoviert und 2011 wieder eröffnet. Hier findet man alles, was Pferde für ihr Wohlergehen benötigen. Das Museum ist auch kein gewöhnliches Museum, das nur tote Ausstellungsstücke zeigt. Es ist ein lebendiges Museum, wo sich zahlreiche Vierbeiner vor den Augen der Besucher tummeln.

 

Am 2. Oktober 2016 fand nun das mit 5 Mio. Euro dotierte, über 2400 m führende Gruppe I-Rennen zum 95. Mal statt. Am Start 16 Vollblüter, 3-jährige und ältere Pferde, die die Turfszene 2016 beherrscht haben. Sozusagen ein Stelldichein der „Creme de la Creme“ auf vier Beinen. Einen Favoriten gab es natürlich auch. Dem fünfjährigen Hengst Postponed, der nur 5. wurde, ereilte dabei das Schicksal so vieler Favoriten vor ihm. Wie immer kann nur einer gewinnen. 

Die Siegerin heißt Found (106:10 für Sieg)

 

Eine vierjährige Galileo-Tochter, die vom irischen Erfolgstrainer Aidan O’Brien trainiert wird. Das Unfassbare an dem Rennen ist aber, dass O’Brien Trainer der ersten drei Pferde ist. Darüber hinaus ist der Deckhengst Galileo der Vater aller drei Erstplatzierten. Die Besitzer Tabor, Magnier und Smith sammelten somit den Hauptanteil der Siegprämien ein. 2.857.000, 1.143.000 und 571.500 Euro. Der Zweitplatzierte Highland Reel (S. Heffernan) und der Dritte Order Of St George (L. Dettori) machten den totalen Triumph komplett. Viel Geld für die irische Vorzeige-Zuchtstätte Coolmore, um neues Pferde-Blut einzukaufen!

Ryan Moore, der derzeit wohl beste Jockey auf der Welt, ritt die imponierende Siegerin, die auch edles Birkhahn-Blut in sich trägt. Found, die unter Fachleuten natürlich keine Außenseiterin war, gewann sie doch am 31. Oktober 2015 in Keeneland den Breeders' Cup Turf, wo sie ihr großes Talent bereits dreijährig andeutete. Der deutsche Gast, der von Jean-Pierre Carvalho trainierte Derby-Zweite 2016 Savoir Vivre, belegte den achten Rang.

Mit einem Satz nach vorn, 300 m vor dem Ziel, es erinnerte schon stark an Birkhahn im Deutschen Derby 1948, verabschiedete sich die Zweite der Irish Champion Stakes, wo sie Almanzor nach hartem Kampf knapp unterlegen war, von den Konkurrenten und katapultierte mit dem sechsten Sieg beim 19. Start ihre Gesamtgewinnsumme auf 4.533.631 Pfund! Nach Danedream 2011, Solemia 2012 und Treve 2013 uund 2014 schon wieder eine Stute, die das wichtigste Galopp-Rennen gewinnen konnte. Was ist nur mit den Hengsten los? umo

53 (2016-09-26) Uwe Morchutt aus Eltville

 

Nightflower zum Zweiten

Köln-Weidenpesch - 54. Preis von Europa

 

Der vorausschauende Kölner Oberbürgermeister Wilhelm von Becker, Typen seines Kalibers sucht man heute vergebens, hatte 1896 eine geniale Idee, in Köln Galopprennsport zu veranstalten. 

Hierfür musste natürlich eine Rennbahn gebaut werden. Vor allem sollten die Bewohner der Rheinischen Metropole davon profitieren, und obendrein sollte auch noch der Fremdenverkehr angekurbelt werden. Typisch deutsch, es wurde erst einmal ein Verein gegründet, der sich am 29. April 1897 als Kölner Renn-Verein 1897 e.V. konstituierte. Kurz danach erfolgte bereits der Spatenstich zum Bau der Pferderennbahn, so dass am 3. September 1898 bereits der Rennbetrieb aufgenommen werden konnte.

 

Galoppennsport in Köln-Weidenpesch war somit geboren

 

Was heute allerdings undenkbar wäre, Wilheln von Becker war, bevor er Kölner OB wurde, zehn Jahre Bürgermeister in Düsseldorf!

 

Die Kölner Rennbahn, mitten in der Stadt gelegen, ist seit dieser Zeit eine der ersten Adressen in der deutschen Turflandschaft. Die zweigeschossige Zuschauertribüne, die seit dem 12. April 1983 unter Denkmalschutz steht, wurde von dem Berliner Architekten Otto March, der am 7. Oktober 1845 in Berlin-Charlottenburg geboren wurde, errichtet.

Otto March ist heute vor allem als Erbauer des ersten Olympiastadions in Berlin bekannt. Zu den Frühwerken Marchs gehört u.a. die gegen Ende des 19. Jahrhunderts an der Peripherie der Reichshauptstadt in Pankow entstandene Wohnanlage des so genannten „Amalienparks“. Eine Gedenktafel zu Ehren von Otto March hängt heute noch in Berlin.

 

Man höre und staune!

 

Die Galopprennbahn ist die erste Sportstätte überhaupt, die in Köln gebaut wurde. Heute unvorstellbar! Unter anderem findet hier Deutschlands ältestes Pferderennen statt. Das seit 1834 ausgetragene Oppenheim-Union-Rennen, das ursprünglich in Berlin Tempelhof ausgetragen wurde, bevor es 1868 nach Hoppegarten wechselte, hat 1947, nach dem 2. Weltkrieg, im Weidenpescher Park seine Heimstätte gefunden. Pro Saison kommen rund 140 000 Besucher zu den sportlichen Höhepunkten der Vierbeiner.

 

German Jockey School

 

Des Weiteren können hier talentierte Nachwuchsjockeys eine Ausbildung absolvieren. Seit dem März 2003 befindet sich auf dem Areal die einzige Jockeyschule Deutschlands. An der Schule wird der Beruf des Pferdewirts mit dem Schwerpunkt Rennreiten unterrichtet, ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Während einer dreijährigen Ausbildungszeit erlernen die Auszubildenden in einem Rennstall das Reiten von Vollblütern mit dem Ziel, einmal Jockey, wofür 50 Siege vonnöten sind, zu werden.

 

Der Preis von Europa

 

Dieses Gruppe I-Rennen über die Derbydistanz, fand nun am 25. September 2016 zum 54. Mal statt. Das neunte Rennen im Rahmen der Galopp Champions-League, das mit 155 000 € ordentlich dotiert ist, gilt als Höhepunkt der Kölner Rennsaison. Acht Vollblüter, offen für 3-jährige und ältere Pferde, rückten dafür in die Startboxen ein. Darunter auch Iquitos, der zuletzt den Großen Preis von Baden in Iffezheim gewonnen hat.

 

Die Siegerin heißt Nightflower, die 4-jährige Stute und Galopperin des Jahres 2015 unter dem besten deutschen Jockey Andrasch Starke wiederholte ihren Sieg aus dem Vorjahr. Für Starke war es bereits der vierte Sieg in diesem Rennen. Der Lohn 100 000 Euro Siegprämie. Zweiter wurde der Außenseiter Red Cardinal. Iquitos, der in Iffezheim vor Nightflower gesiegt hatte, wurde Fünfter. Nightflower, die schnelle Lady, wechselt 2017 in die Zucht, erklärte der Erfolgstrainer Peter Schiergen aus Köln, um ihr edles Sieger-Blut weiter zu vererben!

 

Übrigens:

 

Der sowjetische Ausnahme-Hengst Anilin, Vater Element, ist bis heute das einzigste Pferd, das den Preis von Europa dreimal hintereinander, 1965, 1966 und 1967, gewonnen hat. Der 1961 geborene Vierbeiner war in seiner Rennkarriere bei 27 Starts 21 mal erfolgreich. umo

52 (2016-09-06) Uwe Morchutt aus Eltville

Iffezheim – Perle des Galopprennsports

Iquitos - kleiner Hengst ganz groß

 

Edouard Bénazet, der Sohn von Jacques Bénazet, der 1838 die Lizenz für die Spielbank in Baden-Baden erhielt, übernahm nach dem Tod seines Vaters 1848 die Leitung des Spielsalons. Mit den Casino-Einnahmen wollte er die Attraktivität der Kurstadt Baden-Baden aber weiter vorantreiben, indem er sowohl die prunkvollen Säle der Spielbank als auch das Stadttheater am Goetheplatz errichten ließ. Doch er war nach wie vor ungehalten. Es mussten einfach noch mehr Attraktionen her. Es reifte in ihm die Idee, eine Rennbahn zu errichten, um Pferderennen durchzuführen.

 

Infiziert hatte ihn der Herzog von Morny, mit dem Bénazet befreundet war. Ein französischer Unternehmer und Pferdenarr, der selbst Vollblüter züchtete. Eben dieser Charles de Morny, ein Halbbruder Napoléons III., ließ gerade in Deauville, in der Normandie, auf Sand und Sumpf, „ein Königreich der Eleganz“ entstehen, wozu natürlich neben dem Casino eine Rennbahn gehörte. Das Hippodrom in Longchamp wurde auch zu dieser Zeit, wir schreiben das Jahr 1857, auf den Mauern der bei der französischen Revolution zerstörten Abtei Longchamp erbaut. Die Pferderennbahn von Longchamp, heute bekannt durch den „Prix de l’Arc de Triomphe“, wurde übrigens 1857 von Napoléon III. feierlich eröffnet. In Paris galten Turfveranstaltungen seit 1834 in Chantilly, wo heute das französische Derby stattfindet, immer als Großereignisse der High Society, an die sich Bénazet gern erinnerte.

 

Das Vorbild von Deauville sollte Ansporn genug sein, um auch in Baden-Baden eine Pferderennbahn entstehen zu lassen. Aus der Absicht wurde, dank Bénazet, schon bald Realität. Für diese Zwecke ging man sogleich auf die Suche, ein passendes Gelände zu finden. Am 16. Februar 1858 fand die Unterzeichnung des Pachtvertrages über das Gelände „In der Bey“ und „Im Weichen“ statt. Auf dem Gelände eines ausgetrockneten Rheinarmes, ein ehemaliges Sumpfgebiet, am nordöstlichen Ortsrand von Iffezheim, heute eine 5000-Seelen-Gemeinde, ließ Bénazet kurze Zeit später für 300.000 Franken drei Tribünen und weitere Gebäude aufbauen. Die ersten Rennen wurden bereits am 5. September 1858 ausgetragen. Drei Renntage umfasste das erste Meeting, das heute als „Große Woche“ bekannt ist. Höhepunkt war damals wie heute der „Große Preis von Baden“. Als erste Siegerin trug sich die dreijährige Stute La Maladetta, trainiert in Frankreich, in die lange Siegerliste ein. Die Renndistanz betrug in den ersten Jahren 3200 m, seit 1898 wird die Derbydistanz gelaufen.

 

In nun 158 Jahren Turfgeschichte durchlebte die Rennbahn so manche Höhen und Tiefen. Die Gemeinde Iffezheim entwickelte sich aber trotz aller Widrigkeiten immer mehr zur ersten Adresse des Galopprennsports in Deutschland. Nach der Insolvenz des Internationalen Clubs im Jahr 2009 wurde im Juni 2010 die Baden Racing GmbH Pächter der Rennbahn. 2011 war das erste komplette Rennjahr von Baden Racing mit drei Meetings, die von knapp 120.000 Zuschauern besucht wurden. Das Schweizer Uhrenunternehmen Longines ist offizieller Zeitnehmer und hat als Titelsponsor den Saison-Höhepunkt übernommen: Den Großen Preis von Baden, ein Gruppe I-Rennen über 2 400 m mit internationaler Wertschätzung und einer Dotierung von 250.000 Euro.

 

Die 144. Austragung fand nun am 4. September 2016 statt. Das 8. Rennen im Rahmen der Galopp Champions League. Zehn Starter, dreijährige und ältere Pferde, rückten in die Startboxen ein. Heftiger Regen hatte den „trockenen“ Rheinarm weich werden lassen, was nicht jedes Pferd mag.

Überraschender Sieger ist der vierjährige Adlerflug-Sohn Iquitos, der nach einer Stadt in Peru benannt wurde. Mit zweidreiviertel Längen Vorsprung verwies er die Galopperin des Jahres 2015, Nightflower, auf den zweiten Rang. 79:10 gab es für die Wette auf Sieg, den der Ire Ian Ferguson im Sattel einritt. Der 73 Jahre alte Trainerfuchs Hans-Joachim Gröschel war begeistert, hatte der Jockey doch genau seine Order umgesetzt! Iquitos führt nun mit 22 Punkten vor Ito (14) und Nightflower (12) in der Champions League. Rund 14 000 Besucher der Rennbahn wohnten der Attraktion bei, die Edouard Bénazet vor 158 Jahren mit seinem Engagement möglich gemacht hat.

Früher waren es Großereignisse der High Society, heute kann jeder auf die Rennbahn nach Iffezheim. Auch ohne Hut! Man sollte aber zeitig anreisen, weil der Andrang sehr groß ist. Der Dank gilt Edouard Bénazet. Macher seines Kalibers fehlen uns heute. Unternehmer, die anpacken und nicht nur leere Worthülsen absondern, wie unsere Politiker. Erinnert sei an den 5. September 2006, heute vor zehn Jahren erfolgte der erste Spatenstich am BER! umo

51 (2016-08-16) Uwe Morchutt aus Eltville

Protectionist

gewinnt spielerisch

126. Großer Preis von Berlin

Bekanntermaßen ist das Bier ein wichtiges Nahrungsmittel, wenn nicht sogar für viele ein Grundnahrungsmittel. Der unverwechselbare Gerstensaft benötigt für seine Herstellung in der Regel auch den bitteren Hopfen, der dem süffigen Getränk den einzigartigen Geschmack verleiht. Das ist seit Jahrhunderten getrunkene Tradition. Die kleine Gemeinde Hoppegarten, östich vor den Toren der Hauptstadt gelegen, ist zwar vor allem durch seine Pferderennbahn bekannt geworden. Ihren Namen verdankt sie aber dem Bier. Im 18. Jahrhundert war Bier bereits ein wichtiges Nahrungsmittel!

Bevor die Pferde das Areal final eroberten, wuchs hier also der Hopfen. Friedrich Wilhelm I. versuchte, die kümmerliche Landwirtschaft in der Mark (heute Brandenburg) voranzutreiben. Dazu gründete der Gutsherr Samuel von Marschall um 1734 auf Dahlwitz den ersten Hopfengarten.

Im Wendischen heißt das Hopengarten. Die sorbische/wendische Sprache gehört zur slawischen Sprachfamilie, die heute noch in der Lausitz weit verbreitet ist.

Die Vierbeiner kamen somit erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert nach Hoppegarten. 

 

Am 17. Mai 1868 eröffneten Kaiser Wilhelm I. und Reichskanzler Otto von Bismarck die Rennbahn Hoppegarten. Die Pferderennbahn entwickelte sich anschließend schnell zu einer Hochburg des Pferderennsports in Deutschland. Die Erfolgsgeschichte in Zahlen: 430 Hektar Fläche, 800 Pferde, 20 Renntage, in Hochzeiten bis zu 40.000 Besucher. Viele der heute noch bekanntesten Rennen wurden hier ausgetragen – das Stutenderby, der Preis der Diana, heute in Düsseldorf, das Union-Rennen, heute in Köln, und der Große Preis von Berlin, der seit 2011 zum Glück wieder in der Heimat ist. Bis zum Jahr 1944 wurde der 1888 in Hoppegarten gegründete „Große Preis von Berlin“ in der Hauptstadt ausgetragen. 1947 bis 2009 fand er in Düsseldorf und 2010 in Hamburg statt. Seit fünf Jahren ist er nun endlich wieder da, nach den Wirren der Geschichte, wo alles einmal angefangen hat!

Monarchie, Weimarer Republik, Drittes Reich und 40 Jahre DDR - jede dieser Epochen hat die Galopp-Rennbahn geprägt, so dass ihr Fortbestand lange auf der Kippe stand. Als die Galopprennbahn Hoppegarten im Jahr 2007 vor dem Ruin stand, da stieg Gerhard Schöningh mit 3 Mio. Euro seines privaten Kapitals ein. Der verdient als Fondsmanager sein Geld in London und hat sich in Ascot mit dem Galopp-Virus infiziert, um den traditionsreichen Ort wieder Leben einzuhauchen. Seit der gelungenen Privatisierung im Jahr 2008 ist Hoppegarten als einzige Rennbahn in Europa komplett in privater Hand und soll wieder das werden, was sie früher einmal war. Ein bisweilen beschämender Übernahmepoker diverser Möchtegern-Investoren nach dem Mauerfall bis 2007 fand somit ein glückliches Ende!

 

Die Tradition hilft Schöningh indes bei der Sanierung: Jüngst wurde die Bahn in das Denkmalpflegeprogramm für national wertvolle Kulturdenkmäler aufgenommen, so dass „Maßnahmen zur Substanzerhaltung und Restaurierung von Gebäuden und Anlagen der Rennbahn" nun „mit Mitteln des Bundes und des Landes Brandenburg gefördert werden können", wie das im Beamtendeutsch heißt. Aber der Markt wird immer enger, die Umsätze sinken. Der Galopprennsport in Deutschland fristet mitterweile ein Schattendasein! Elitärer Sport, ohne elitär zu sein.

Der inzwischen 126. Große Preis von Berlin, das siebte Rennen im Rahmen der Galopp-Champions League, der auch zugleich das wichtigste Rennen im Hoppegartener Rennkalender eines Jahres bedeutet, fand nun mit Preisgeldern von insgesamt 175.000 Euro am 14. August 2016 statt. Eines der besten aktiven Galopprennpferde in Deutschland, der sechsjährige Hengst Protectionist (14:10 Favorit auf Sieg), u.a. Sieger im Melbourne Cup 1014, hat mit Jockey Eduardo Pedroza das prestigeträchtige Berliner Gruppe-I-Rennen überlegen, mit zweieinhalb Längen Vorsprung, gewonnen. 

 

Nightflower, Galopperin des Jahres 2015, unter Andrasch Starke, wurde Zweite. Bei herrlichem Rennbahn-Wetter, sozusagen Kaiserwetter, sorgten 10 100 begeisterte Zuschauer für einen würdigen Rahmen. Eine nicht olympische Sportart, die immer wieder zu begeistern vermag! umo

47 (2016-01-08) Gerald Gleichmann aus Erfurt

Aus dem Leben gegriffen und auf laptopwerk.de veröffentlicht

Nun hat es doch geklappt mit einer kleinen Geschichte aus dem Leben... Naja, mit derlei Übeln schlage ich mich ebenfalls herum. 

Cleopatra aß gerne Auberginen

"Sie müssen mir helfen!", schrie eine weibliche Stimme verzweifelt in Hildchens Ohr, kaum dass die den Hörer abgenommen hatte. Als erfahrene Bibliothekarin wahrlich die sonderlichsten Wünsche gewohnt, schwante ihr in diesem Moment dennoch nichts Gutes. Zumal die Anruferin bereits im hellsten Sopran kicherte: "Hier spricht Frau Erfurt!" Sie tat, als wusste zumindest die Mehrheit der Bevölkerung, wer sie war.

Ehe sie etwas erwidern konnte, fügte die schon belehrend hinzu: "Genau wie die Landeshauptstadt Thüringens mit sechs Buchstaben!"

"Was kann ich trotzdem für Sie tun?", erkundigte sie sich betont freundlich.

"Mir will partout der verflixte Name einer ägyptischen Königin nicht einfallen. Leo - Deo - Cleo sowieso - und weitere fünf Buchstaben."

"Cleopatra", gab die erfahrene Bibliothekarin bereitwillig Auskunft.

"Richtig!", jauchzte Frau Erfurt nach kurzer Pause glücklich.

Währenddessen listete Hildchen gedanklich alle momentan ausleihbaren Bücher der Dynastien des Neuen Reiches und aus römischer Zeit auf, welche sie stets gerne empfahl.

Doch Frau Erfurt schien nicht im Mindesten daran interessiert, denn einen Atemzug später war der wesentlich wichtiger, wie denn üblicherweise der Säulengang genannt wurde, den eben jene Cleopatra in ihren geflochtenen Papyruspantöffelchen durchschlurft hatte.

"Cleopatra wandelte durch eine Kolonnade?"

"Gewiss doch!", beteuerte die Anruferin. "Des Öfteren sogar Hand in Hand mit dem höchsten Beamten aus dem alten Athen!"

Da Hildchen nach dieser sie überraschenden Mitteilung nicht gleich antwortete, fügte die Andere erklärend hinzu: "Übrigens war der von mir Gesuchte ein oft freudig empfangener Gast am Hof dieser Pharaonen..."

"Meines Wissens ist Archon nie und nimmer Cleopatra persönlich begegnet!", widersprach die belesene Bibliothekarin ernst.

Frau Erfurts Sopran erklomm eine weitere halbe Oktave. "Dann ist sie eben mit dem anderen plattfüßigen Vater der Geschichtsschreibung durch die steinernen Gemäuer gesaust. Dieser - nun sagen Sie schon!"

"Herodot!", nuschelte Hildchen.

"Genau!", flötete Frau Erfurt selig. "Der bärtige Mann mit sieben Buchstaben."

"Unmöglich!", versuchte die Bibliothekarin den fatalen Geschichtsirrtum aufzuklären.

Doch die Buchstaben zählende Nerventöterin ließ keinerlei Einwände gelten. "Waren Sie etwa dabei, als Cleopatra ein Weilchen mit ihm durch die zugigen Hallen flanierte? Jedenfalls so lange, bis sie plötzlich und unerwartet das heftigste Gliederreißen bekam."

"Cleopatra hatte Rheuma?" Der belesenen Bibliothekarin blieb vor Staunen beinahe die Luft weg.

Doch Frau Erfurt war überzeugt, einzig der überreichliche Verzehr einer ominösen Eierplanzenfrucht trug Schuld daran. "Und das Gemüse muss mit einem A beginnen..."

"Apfel?", riet Hildchen verwirrt.

"Nein!"

"Ananas?"

"Blödsinn!", wies Frau Erfurt sie streng zurecht. "Kennen Sie denn überhaupt irgendeine Eierpflanzenfrucht?"

"Auberginen", fiel der glücklicherweise rechtzeitig ein. Bevor die Buchstabensucherin erneut in Rage geriet. "Cleopatra aß Auberginen?", fragte sie dennoch entsetzt und traute plötzlich ihrem geschichtlichen Wissen nicht mehr. Zudem jene Frau Erfurt tat, als hatte sie die Salate für den Pharaonenpalast eigenhändig zubereitet.

"Tagtäglich!", schwor die nämlich. Und: "Am allerliebsten naschte sie ihre Auberginen vom bronzenen Tellerchen ihres jüngeren Verwandten aus der männlichen Seitenlinie ihrer Sippe."

Hildchens Stimme zitterte: "Cleopatra speiste mit einem Agnaten?"

"Gewiss doch, meine Liebe", bestätigte Frau Erfurt. "Jeden Mittag um Punkt zwölf Uhr im prächtigen Saal zum Nilufer hin. Dort saßen die beiden an der reichlich gedeckten Tafel und genossen währenddessen den Blick auf ein aus Stein geschlagenes Abbild ihres Onkels. Eventuell auch ihres angeheirateten Neffens dritten Grades..."

"Um Himmels willen, von welchem Standbild reden Sie?" Einen solchen Unsinn hatte Hildchen ja noch nie gehört.

"Demnach wissen Sie auch nicht sonderlich viel!", tadelte die Andere. "Falls Sie dennoch eine Idee haben sollten, dann besteht jenes unbekannte Objekt aus sechs Buchstaben."

"Was denn nur?", entfuhr es der gereizt.

"Na, das aus Stein gemeißelte Abbild von Cleopatras Onkel!" Und eine Schrecksekunde später wesentlich genervter: "Jetzt strengen Sie sich ausnahmsweise mal ein bisschen an!"

"Die Statue", schniefte die Bibliothekarin beleidigt.

"Es geht doch!", lobte Frau Erfurt dagegen überschwänglich.

Die erfahrene Bibliothekarin rang nach Fassung, als die Buchstabenzählerin am Telefon einlenkte: "Ich will Sie ja nicht unnötig verwirren, doch unglücklicherweise kam letztlich noch dieser quergestreifte Hautflügler durchs offene Fenster geflogen und..."

Hildchen raufte sich die Haare. "Cleopatra wandelte mit Herodot durch die Kolonnade, aß Auberginen mit ihrem Agnaten, bekam irgendwann Rheuma und wurde schließlich von einer Hornisse gestochen? Das ist Schwachsinn, aber niemals Weltliteratur!", empörte sie sich.

"Das ist schlicht und einfach die Wahrheit!", entgegnete Frau Erfurt. "Im Übrigen verstehe ich sowieso nichts von Literatur."

"Demnach erkundigen Sie sich überhaupt nicht nach einem bestimmten Buch, welches Sie gerne lesen würden?"

"Ich lese doch keine Romane über eine ägyptische Königin, die sich von einer Hornisse eher stechen lässt, als das lästige Insekt mit ihrem linken aus Papyrus geflochtenen Pantöffelchen totzuschlagen!"

"Aber..."

"Aber gerne verrate ich Ihnen, was es zu gewinnen gibt, wenn ich die richtige Lösung einsende", fuhr Frau Erfurt vertraulich fort. "Nämlich eine zehntägige Urlaubsreise durch das Land der Pharaonen."

"Aber was..."

"Was ausgerechnet ich dort will?" Die Rätsellöserin kicherte im hellsten Sopran. "Selbstverständlich die Pyramiden und das Tal der Könige besuchen. Und falls wider Erwarten Cleopatra zufällig meine sandigen Wege kreuzen sollte, werde ich gerne mit ihr eine riesige Portion Auberginen futtern. Rheuma habe ich ja schon. Somit dürfte ich während dieser Nilkreuzfahrt vor weiteren Übeln gefeit sein..."

"Aber...", wiederholte Hildchen mit bebender Stimme.

"Selbstverständlich werde ich es Sie wissen lassen, sollte mir unglücklicherweise eine quergestreifte Hornisse zu nahe kommen."

Kaum hatte jene Frau Erfurt das Gespräch grußlos beendet, hastete Hildchen flugs zu den übervollen Regalen mit allerlei Nachschlagewerken. Sie musste unbedingt herausfinden, welcher der nubischen Hoflieferanten mit möglicherweise neun oder mehr Buchstaben Cleopatra tagtäglich jene ominöse Eierpflanzenfrucht geliefert hatte. Vielleicht suchte später ja irgendwer nach genau diesem einen Buchtitel. Denn sie war wahrlich die sonderlichsten Wünsche gewohnt...  

Gerald Gleichmann, geboren 1957 bei Sonneberg/Thüringen, lebt heute in Erfurt. Nach der Mittleren Reife und einer Ausbildung als Porzellanmaler fand er nach Umwegen in dem Beruf des Bibliotheksassistenten seine Erfüllung. Schon seit seiner frühesten Kindheit beschäftigt sich Gleichmann mit der Literatur und beginnt, selbst zu schreiben. Seit 1976 hielt er Lesungen mit eigenen Texten. Von 1990 bis 1993 folgte ein intensives Literaturstudium. Seitdem veröffentlicht er Lyrik, Prosa und versucht sich auch in weiteren Genres. Gleichmann hat im Verlag Neue Literatur bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Er ist dort inzwischen Stammautor. Darüber hinaus wurden seine zahlreichen Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht.

Gerald Gleichmann sagt, worüber er schreibt: Was ich beobachte, was mich bewegt, was ich empfinde: von Kindheit an. Kurze Prosa, heitere Geschichten, Gedichte, satirische Kabinettstückchen, Erzählungen. Anfang der 1990er-Jahre habe ich intensiv noch Literatur studiert, seither veröffentliche ich meine Arbeiten auch.

45 (2014-12-18) Gerald Gleichmann aus Erfurt

Welch eine Bescherung:                                  Na dann, frohes Fest!                 

Der Erfolgsautor exklusiv auf Laptopwerk

Gerald Gleichmann, Jahrgang 1957, stammt aus Sonneberg und lebt heute in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Er ist sowohl gelernter Porzellanmaler als auch Bibliotheksassistent und kann bereits mehrere Veröffentlichungen seiner Werke vorweisen.

Überhaupt Weihnachten! Das fängt in meiner Familie jedenfalls schon im Sommer an. Nämlich im August, wenn Maria und ich wie leblos am Strand liegen und die Sonne uns kaffeebraun röstet, während der Erstgeborene Ferdinand in seiner pubertären Phase verdächtige Sandburgen baut und Klein Max mal wieder um ein blond gelocktes Haar im Meer ertrinkt.                                                                               

Letzteren Umstand nimmt Maria gelassen hin, da sie derweil die dringendere Frage beschäftigt, wie sie ihre Familie am nächsten Geschenke - Austausch - Fest beglücken kann. Ich darf mich sicherlich an einer farbenfrohen Krawatte erfreuen, die danach genauso schnell wieder verschwinden wird, ehe ich das Muster irgendwann später in der Patchwork Decke entdecken werde, an der Maria unermüdlich näht,

seit wir uns kennen.                                                                           

Während ich noch rechne, wie viele Schlipse diesen Überwurf mittlerweile zieren, kündigt der Kalender den September an. Maria hastet durch die Geschäfte, um mit Argusaugen zu erspähen, was sich irgendwie originell verpacken lässt. Dass ihr Erstgeborener nachts nicht nach Hause findet, bemerkt sie darum erstaunt erst im Oktober. Da ist der bereits verlobt und raucht intellektuell Pfeife. Als ich Maria besorgt mitteile, Klein Max erzähle in der Vorschule, der Weihnachtsmann sei eine Erfindung der Eltern, um Kinder gefügig zu machen, winkt die unwirsch ab, da sie gerade sämtliche Backbücher nach Plätzchenrezepten durchsucht. Nebenbei entdeckt sie auch das gesammelte wie gebügelte Lametta des letzten Jahrzehntes wieder und in der Tür unseren Erstgeborenen Hand in Hand mit einem scheinbar weiblichen Wesen, das ausschaut, als kam es vom Himmel zur Erde hernieder, um den Menschen das Ende aller Zeiten zu verkünden.        

Mitleidig mustert die erst ihre silbern verhüllte Schwiegermutter in spe, um danach mir verschwörerisch zuzuzwinkern. Woraufhin Maria alle weiteren festlichen Vorbereitungen in den November hinein verschiebt. Stattdessen durchschnüffelt sie meine Hosentaschen, weil ich mich träumend nach einer Carmen gesehnt haben soll.                                   

Zwar taufe ich den einzigen noch lebenden Goldfisch sofort in Tobias um, doch bleibt mir bis zum Heiligabend jede Flucht in meine Lieblingskneipe verwehrt. Dafür überzuckere und streusele ich unter strenger Aufsicht Tonnen von Festtagsgebäck. Bis der Backofen noch vor mir seinen Geist aufgibt. Anfang Dezember ist es da bereits und Maria beginnt, sämtliche Möbel umzustellen und die Böden zu wienern. Der Erstgeborene entschwebt mitsamt der schwarzen Fee eilig ihrem Staubwedel und mir bleibt es vorbehalten, derweil Lebensmittel zu bunkern, als erwarteten wir statt der Geburt des Jesuskindes eine mittelschwere biblische Hungerkatastrophe.                                        

Zufällig fallen Maria beim Hausputz auch die von ihr selbst vor Ostern versteckten Hasen aus Schokolade wieder in die Hände, die Klein Max sich nunmehr nachträglich einverleibt und er demzufolge bis zu den

Feiertagen an den übelsten Beschwerden leidet.                                                                                            

Ich schleppe einen Wald aus krummen, die Nadeln abwerfenden und zwergenhaften Tannen und Kiefern an, ehe eine von ihnen Marias Vorstellungen von einem Weihnachtsbaum annähernd entspricht. Allerdings zeigt Klein Max wenig Verständnis für meine Dekorationsversuche und spielt lieber Fußball mit den gläsernen Kugeln, deren scharfkantige Scherben unsere nackten Zehen magisch anziehen.                                                                                              

Doch irgendwie schaffen wir es ohne lebensbedrohliche Verletzungen, der Heiligen Nacht ins verschneite Auge zu blinzeln. Vollzählig finden wir uns am Lichterbaum ein, um disharmonisch fromme Lieder zu trällern. Der Erstgeborene und die mögliche Schwiegertochter müssen zuvor an diversen Fläschchen schnüffeln und nach einigen Gläsern Glühwein sehen sie sogar Engel durch unser Wohnzimmer schweben.  

Mein vorbei huschender Engel heißt Maria. Die wirft uns ihre kunstvoll verschnürten Geschenke zu und kümmert sich nebenher in der Küche um den Braten. Der schmeckt am Ende ein wenig angekohlt. Der Goldfisch Carmen Tobias erstickt an einer mit Rum getränkten Stollenrosine. Und während auf allen Kanälen georgelt wird, entfliehen Ferdinand und seine rabenschwarze Fee allen feierlichen Momenten dieser Welt. Derweil zündelt Klein Max mit dem Feuerzeug am geschmückten Baum und bis zum Morgen sind wir damit beschäftigt, den Brand zu löschen. Ehe ich erschöpft in den Sessel fallen kann, bestimmt Maria, zuvor muss schnell noch das Wohnzimmer neu tapeziert werden. Ferdinand ist keine große Hilfe. Zu Marias Bedauern hat der sich gerade wieder entlobt und erwägt bis zur Wiederfindung seines Ichs nach Indien zu reisen. Während ich die Leiter erklimme, um die rußigen Tapetenreste abzulösen, versucht er schon mal, auf einem Bein stehend, hinduistisch zu meditieren.                                     

Klein Max spielt nach dem Aufstehen Aquarium und stülpt sich darum das verwaiste Goldfischglas über den Kopf. Was nicht allzu tragisch wäre, müsste Maria das runde Behältnis nicht mit dem Hammer zertrümmern, ehe dem Spross die Atemluft ausgeht. Daraufhin hat sie ein für alle Mal genug von einer friedvollen Weihnacht und schließt sich im Bügelzimmer ein, um dort an ihrer Patchwork Decke zu wörken. Mittels der mir zuvor geschenkten Krawatte. Da stolpert Klein Max erst über den Eimer mit quellendem Kleister und gleich darauf gegen die schwankende Leiter, auf der ich mit den Armen rudernd stehe, bis ich mich mit einem verwegenen Salto am Kronleuchter in Sicherheit bringe, der jedoch Sekunden später zusammen mit mir in die Tiefe stürzt. Mitten hinein in die nach Farben sortierten und gestapelten Weihnachtsbaumkugeln. Zu allem Unglück taucht da gerade der verschollen geglaubte Erstgeborene wieder auf, dem Indien dann doch zu weit weg vom gedeckten Tisch ist und stattdessen alle Schränke nach seiner Geburtsurkunde durchwühlt, die beweisen soll, Maria und ich sind nie und nimmer seine biologischen Eltern. Was er, nebenbei bemerkt, jedes Jahr um diese Zeit tut.                                                                                   

Na dann, frohes Fest, wie man in anderen Familien wohl sagt, klopft Weihnachten mal wieder an die Tür!

Fr                24.03.2017 

Nr.            2.352 - 1.049

Aktualisierung        10:05

Übrigens,

 

… bei dem mutmaßlichen Terroranschlag vor dem britischen Parlament sind am Mittwochnachmittag nach Angaben des Scotland Yard mindestens vier Menschen ums Leben gekommen, weitere 40, darunter auch zwei rumänische Touristen, wurden verletzt. Der Angreifer - nach Angaben der britischen Premierministerin Theresa May ein britischer Staatsangehöriger - war zunächst mit seinem Auto auf der Westminster Bridge in mehrere Passanten, darunter auch das rumänische Paar, und anschließend weiter in den Metallzaun des Parlamentsgebäudes gerast, wo er schließlich ausstieg, um ins Gebäude vorzudringen – dabei stach er einen Polizisten nieder, der wenig später seinen Verletzungen erlag. Polizisten erschossen den Täter daraufhin. Nach Angaben des rumänischen Botschafters in Großbritannien, Dan Mihalache, erlitt ein junger rumänischer Tourist, der in London seinen Geburtstag feiern wollte, nur leichte Verletzungen, in kritischem Zustand befindet sich jedoch seine Freundin, die von der Brücke gestürzt war und von Rettungskräften schwerverletzt aus der Themse geborgen wurde. Staatschef Klaus Johannis sprach den Familien der Opfer und allen Briten seine tiefe Anteilnahme aus und versicherte diese der Solidarität der Rumänen. In Gedanken besonders nahe sei man auch dem bei der Terror-Attacke verletzten jungen rumänischen Paar, twitterte Johannis.

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 22.03.2017

    15    18   21   22   38    SZ: 6

Spiel 77:  2259 875

 

Super 6:   380 250

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

1866 (2017-03-24) 

Frank-Peter Bürger

 

Osterspektakel hoch zu Ross

vom 14. bis 17. April 2017

23. Ritterfestspiele

auf Burg Rabenstein

Feurige Rösser, spitze Lanzen

und klirrende Schwerter 

BREAKING NEWS

Stand: 24.03.2017; 10.15 Uhr

 

International

 

Nach dem Terroranschlag vor dem britischen Parlament hat sich die Zahl der Toten auf insgesamt fünf erhöht. Am späten Donnerstagabend teilte die Polizei in London mit, dass ein 75-Jähriger an seinen schweren Verletzungen gestorben sei. Ein weiteres Opfer des Anschlags schwebte in der Nacht zum Freitag noch in Lebensgefahr, der Zustand von fünf weiteren Opfern galt als kritisch. Unterdessen versammelten sich am Trafalgar Square in London tausende Menschen zum Gedenken an die Opfer des Anschlags.

 

Aus Sorge vor einer folgenschweren Niederlage im Kongress haben die US-Republikaner die sehr wichtige Abstimmung über einen Ersatz von "Obamacare" verschoben. Die Neufassung einer Gesundheitsversicherung ist Donald Trumps erster bedeutender Gesetzgebungsprozess, seit er vor zwei Monaten Präsident wurde. Trump hatte hinter den Gesetzesentwurf sein volles politisches Gewicht geworfen, konnte sich aber trotz großen Einsatzes nicht durchsetzen. Die Abstimmung wurde auf Freitag verschoben.

 

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat den US-Präsidenten Donald Trump und die französische Front-National-Chefin Marine Le Pen gegen den Vorwurf des Populismus verteidigt. "Ich würde sie Realisten nennen oder auch Globalisierungsgegner".

 

Sechs russische Nationalgardisten sind bei einem Angriff auf ihre Kaserne in der Unruheregion Tschetschenien im Nordkaukasus getötet worden. In dem Schusswechsel seien auch sechs der unbekannten Bewaffneten getötet worden, teilte die Nationalgarde am Freitag in Moskau mit.

 

Als der türkische Sozialminister die Wahl von Dost empfahl, einer neuen protürkischen Partei in Bulgarien, war das Maß voll. Sofia rief seine Botschafterin aus Ankara zurück. Insgesamt fünf türkische Bürger hat die bulgarische Staatssicherheitsbehörde mittlerweile zu unerwünschten Personen erklärt. Ihre Aktivitäten in multiethnischen Regionen des Landes bedrohten die nationale Einheit Bulgariens. Ankaras Interesse richtet sich auch auf die türkische Minderheit in Bulgarien – mehr als zehn Prozent der Bevölkerung oder rund 700.000 Menschen – sowie auf die etwa 60.000 türkischstämmigen Bulgaren, die in der Türkei leben, aber ihren Pass behalten haben und bei Abstimmungen zum Teil organisiert mit Autobussen über die Grenze chauffiert werden.

 

Der politisch angeschlagene französische Präsidentschaftskandidat Francois Fillon hat Staatschef Francois Hollande vorgeworfen, gezielt vertrauliche Informationen durchsickern zu lassen und damit unter anderem auch seine Kandidatur zu untergraben. Hollande stehe an der Spitze eines "schwarzen Kabinetts", das den Medien gezielt Informationen zuspiele.

 

Deutschland/Berlin

 

Den Spitzen-Managern des Autoherstellers Opel soll bei einem Verkauf an den französischen Konkurrenten PSA eine Millionenprämie winken. Das berichtet das "Manager-Magazin" unter Berufung auf Unternehmenskreise. Ein Opel-Sprecher lehnte am Donnerstag jeden Kommentar zu dem Bericht ab. Die Opel-Mutter GM habe den Bonus für den Fall in Aussicht gestellt, dass der Verkauf tatsächlich zustande kommt, schreibt das Magazin. Es könne sich um eine Summe zwischen 20 und 30 Mio. Euro handeln, die auf die neun Mitglieder der Opel-Geschäftsführung mit Karl-Thomas Neumann an der Spitze aufgeteilt würden.

 

Sport

 

Fussball

 

Der kroatische Fußball-Erstligist Cibalia Vinkovci hat sich mit sofortiger Wirkung von Trainer Peter Pacult getrennt. Das gab der abgeschlagene Tabellenletzte am Donnerstag bekannt. Unter dem Wiener, der sein Amt im Jänner angetreten hatte, gab es in fünf Liga-Partien vier Niederlagen und ein Remis.

 

Seit zwei Jahrzehnten bringt "Super Gigi" Topleistungen – kein Wunder, dass sich Gianluigi Buffon eine Bestmarke an die nächste reiht. Nachdem die Serie A den 39-Jährigen von Juventus Turin am Montag zum Fußballer mit den meisten gespielten Ligaminuten – 39.681 – gekürt hat, könnte am Freitag der nächste Meilenstein folgen. Falls Italiens Kapitän im WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien einläuft, wäre das die 1.000. Partie seiner Profikarriere. Buffon jagt damit die italienische Bestmarke von Paolo Maldini, der es auf 1.028 Einsätze brachte. Der Rekord von Peter Shilton ist außer Reichweite, Englands Torhüterlegende absolvierte 1.377 Spiele in seiner Karriere. 

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