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47 (2016-01-08) Gerald Gleichmann aus Erfurt

Aus dem Leben gegriffen und auf laptopwerk.de veröffentlicht

Nun hat es doch geklappt mit einer kleinen Geschichte aus dem Leben... Naja, mit derlei Übeln schlage ich mich ebenfalls herum. 

Cleopatra aß gerne Auberginen

"Sie müssen mir helfen!", schrie eine weibliche Stimme verzweifelt in Hildchens Ohr, kaum dass die den Hörer abgenommen hatte. Als erfahrene Bibliothekarin wahrlich die sonderlichsten Wünsche gewohnt, schwante ihr in diesem Moment dennoch nichts Gutes. Zumal die Anruferin bereits im hellsten Sopran kicherte: "Hier spricht Frau Erfurt!" Sie tat, als wusste zumindest die Mehrheit der Bevölkerung, wer sie war.

Ehe sie etwas erwidern konnte, fügte die schon belehrend hinzu: "Genau wie die Landeshauptstadt Thüringens mit sechs Buchstaben!"

"Was kann ich trotzdem für Sie tun?", erkundigte sie sich betont freundlich.

"Mir will partout der verflixte Name einer ägyptischen Königin nicht einfallen. Leo - Deo - Cleo sowieso - und weitere fünf Buchstaben."

"Cleopatra", gab die erfahrene Bibliothekarin bereitwillig Auskunft.

"Richtig!", jauchzte Frau Erfurt nach kurzer Pause glücklich.

Währenddessen listete Hildchen gedanklich alle momentan ausleihbaren Bücher der Dynastien des Neuen Reiches und aus römischer Zeit auf, welche sie stets gerne empfahl.

Doch Frau Erfurt schien nicht im Mindesten daran interessiert, denn einen Atemzug später war der wesentlich wichtiger, wie denn üblicherweise der Säulengang genannt wurde, den eben jene Cleopatra in ihren geflochtenen Papyruspantöffelchen durchschlurft hatte.

"Cleopatra wandelte durch eine Kolonnade?"

"Gewiss doch!", beteuerte die Anruferin. "Des Öfteren sogar Hand in Hand mit dem höchsten Beamten aus dem alten Athen!"

Da Hildchen nach dieser sie überraschenden Mitteilung nicht gleich antwortete, fügte die Andere erklärend hinzu: "Übrigens war der von mir Gesuchte ein oft freudig empfangener Gast am Hof dieser Pharaonen..."

"Meines Wissens ist Archon nie und nimmer Cleopatra persönlich begegnet!", widersprach die belesene Bibliothekarin ernst.

Frau Erfurts Sopran erklomm eine weitere halbe Oktave. "Dann ist sie eben mit dem anderen plattfüßigen Vater der Geschichtsschreibung durch die steinernen Gemäuer gesaust. Dieser - nun sagen Sie schon!"

"Herodot!", nuschelte Hildchen.

"Genau!", flötete Frau Erfurt selig. "Der bärtige Mann mit sieben Buchstaben."

"Unmöglich!", versuchte die Bibliothekarin den fatalen Geschichtsirrtum aufzuklären.

Doch die Buchstaben zählende Nerventöterin ließ keinerlei Einwände gelten. "Waren Sie etwa dabei, als Cleopatra ein Weilchen mit ihm durch die zugigen Hallen flanierte? Jedenfalls so lange, bis sie plötzlich und unerwartet das heftigste Gliederreißen bekam."

"Cleopatra hatte Rheuma?" Der belesenen Bibliothekarin blieb vor Staunen beinahe die Luft weg.

Doch Frau Erfurt war überzeugt, einzig der überreichliche Verzehr einer ominösen Eierplanzenfrucht trug Schuld daran. "Und das Gemüse muss mit einem A beginnen..."

"Apfel?", riet Hildchen verwirrt.

"Nein!"

"Ananas?"

"Blödsinn!", wies Frau Erfurt sie streng zurecht. "Kennen Sie denn überhaupt irgendeine Eierpflanzenfrucht?"

"Auberginen", fiel der glücklicherweise rechtzeitig ein. Bevor die Buchstabensucherin erneut in Rage geriet. "Cleopatra aß Auberginen?", fragte sie dennoch entsetzt und traute plötzlich ihrem geschichtlichen Wissen nicht mehr. Zudem jene Frau Erfurt tat, als hatte sie die Salate für den Pharaonenpalast eigenhändig zubereitet.

"Tagtäglich!", schwor die nämlich. Und: "Am allerliebsten naschte sie ihre Auberginen vom bronzenen Tellerchen ihres jüngeren Verwandten aus der männlichen Seitenlinie ihrer Sippe."

Hildchens Stimme zitterte: "Cleopatra speiste mit einem Agnaten?"

"Gewiss doch, meine Liebe", bestätigte Frau Erfurt. "Jeden Mittag um Punkt zwölf Uhr im prächtigen Saal zum Nilufer hin. Dort saßen die beiden an der reichlich gedeckten Tafel und genossen währenddessen den Blick auf ein aus Stein geschlagenes Abbild ihres Onkels. Eventuell auch ihres angeheirateten Neffens dritten Grades..."

"Um Himmels willen, von welchem Standbild reden Sie?" Einen solchen Unsinn hatte Hildchen ja noch nie gehört.

"Demnach wissen Sie auch nicht sonderlich viel!", tadelte die Andere. "Falls Sie dennoch eine Idee haben sollten, dann besteht jenes unbekannte Objekt aus sechs Buchstaben."

"Was denn nur?", entfuhr es der gereizt.

"Na, das aus Stein gemeißelte Abbild von Cleopatras Onkel!" Und eine Schrecksekunde später wesentlich genervter: "Jetzt strengen Sie sich ausnahmsweise mal ein bisschen an!"

"Die Statue", schniefte die Bibliothekarin beleidigt.

"Es geht doch!", lobte Frau Erfurt dagegen überschwänglich.

Die erfahrene Bibliothekarin rang nach Fassung, als die Buchstabenzählerin am Telefon einlenkte: "Ich will Sie ja nicht unnötig verwirren, doch unglücklicherweise kam letztlich noch dieser quergestreifte Hautflügler durchs offene Fenster geflogen und..."

Hildchen raufte sich die Haare. "Cleopatra wandelte mit Herodot durch die Kolonnade, aß Auberginen mit ihrem Agnaten, bekam irgendwann Rheuma und wurde schließlich von einer Hornisse gestochen? Das ist Schwachsinn, aber niemals Weltliteratur!", empörte sie sich.

"Das ist schlicht und einfach die Wahrheit!", entgegnete Frau Erfurt. "Im Übrigen verstehe ich sowieso nichts von Literatur."

"Demnach erkundigen Sie sich überhaupt nicht nach einem bestimmten Buch, welches Sie gerne lesen würden?"

"Ich lese doch keine Romane über eine ägyptische Königin, die sich von einer Hornisse eher stechen lässt, als das lästige Insekt mit ihrem linken aus Papyrus geflochtenen Pantöffelchen totzuschlagen!"

"Aber..."

"Aber gerne verrate ich Ihnen, was es zu gewinnen gibt, wenn ich die richtige Lösung einsende", fuhr Frau Erfurt vertraulich fort. "Nämlich eine zehntägige Urlaubsreise durch das Land der Pharaonen."

"Aber was..."

"Was ausgerechnet ich dort will?" Die Rätsellöserin kicherte im hellsten Sopran. "Selbstverständlich die Pyramiden und das Tal der Könige besuchen. Und falls wider Erwarten Cleopatra zufällig meine sandigen Wege kreuzen sollte, werde ich gerne mit ihr eine riesige Portion Auberginen futtern. Rheuma habe ich ja schon. Somit dürfte ich während dieser Nilkreuzfahrt vor weiteren Übeln gefeit sein..."

"Aber...", wiederholte Hildchen mit bebender Stimme.

"Selbstverständlich werde ich es Sie wissen lassen, sollte mir unglücklicherweise eine quergestreifte Hornisse zu nahe kommen."

Kaum hatte jene Frau Erfurt das Gespräch grußlos beendet, hastete Hildchen flugs zu den übervollen Regalen mit allerlei Nachschlagewerken. Sie musste unbedingt herausfinden, welcher der nubischen Hoflieferanten mit möglicherweise neun oder mehr Buchstaben Cleopatra tagtäglich jene ominöse Eierpflanzenfrucht geliefert hatte. Vielleicht suchte später ja irgendwer nach genau diesem einen Buchtitel. Denn sie war wahrlich die sonderlichsten Wünsche gewohnt...  

Gerald Gleichmann, geboren 1957 bei Sonneberg/Thüringen, lebt heute in Erfurt. Nach der Mittleren Reife und einer Ausbildung als Porzellanmaler fand er nach Umwegen in dem Beruf des Bibliotheksassistenten seine Erfüllung. Schon seit seiner frühesten Kindheit beschäftigt sich Gleichmann mit der Literatur und beginnt, selbst zu schreiben. Seit 1976 hielt er Lesungen mit eigenen Texten. Von 1990 bis 1993 folgte ein intensives Literaturstudium. Seitdem veröffentlicht er Lyrik, Prosa und versucht sich auch in weiteren Genres. Gleichmann hat im Verlag Neue Literatur bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Er ist dort inzwischen Stammautor. Darüber hinaus wurden seine zahlreichen Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht.

Gerald Gleichmann sagt, worüber er schreibt: Was ich beobachte, was mich bewegt, was ich empfinde: von Kindheit an. Kurze Prosa, heitere Geschichten, Gedichte, satirische Kabinettstückchen, Erzählungen. Anfang der 1990er-Jahre habe ich intensiv noch Literatur studiert, seither veröffentliche ich meine Arbeiten auch.

46 (2015-02-10) Herbert Grießig aus Hönow

Sport  und Legenden   

Geschichte und Gegenwart im Berliner Sportmuseum Marzahn-Hellersdorf 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Wolfgang Turowski (WT), dem Leiter des Sportmuseums in Marzahn-Hellersdorf – im Bild – sprach Laptopwerker Herbert Grießig (HG):

HG: Wolfgang, Sie sind von Anbeginn der Chef „vons Janze“. Aber vielleicht können Sie uns eingangs einmal kurz das Konstrukt des Ganzen vorstellen?

 

WT: Als Sportmuseum sind wir Teil des Hauses des Sports von Marzahn-Hellersdorf, eines Berliner Stadtbezirks mit bemerkenswerten sportlichen Meriten aus Vergangenheit und Gegenwart und hoffentlich auch in der Zukunft. Das Bezirksamt  stellt dem Bezirkssportbund, dem Betreiber dieser Begegnungsstätte, die Räumlichkeiten hier in der Eisenacher Straße 121- direkt neben den bekannten „Gärten der Welt“ - mietfrei zur Verfügung.

Den Großteil unserer bewirtschaftenden Tätigkeit regeln wir – zum harten Kern zählen vier Sportfreunde - unter und mit uns. Per Dienstleistungsvertrag sichert die Museumsleitung jedoch auch kleinere Arbeiten in Vorbereitung und  Durchführung von Veranstaltungen ab.

Ehrenamt geht vor. Ja, und ich mache es natürlich auch ehrenamtlich und trotz mancher Hindernisse sehr gern. Die sichtbare Freude der Besucher und Gäste und der Erfolg unserer Veranstaltungen haben uns bislang noch immer der Mühen entschädigt.

Zu einem der sportlichen Highlights zählen wir neben dem musealen und sammlerischen Auftrag einen ganz besonderen: Wir haben im Museum eine Ehrengalerie des Sports eingerichtet, wo wir feierlich erfolgreiche Sportler und engagierte Sportaktivisten - für jeden Besucher sichtbar - aufnehmen. Aber darüber vielleicht  im Weiteren noch etwas mehr.

 

HG: Ein Blick ins Museum genügt, um zu realisieren, hier begegnet dem Besucher authentische Sportgeschichte. Wo beginnt diese Geschichte und wo hört sie gegenwärtig auf?

 

WT: Schwierige Frage, nächste Frage. Nein, genau das ist es, was uns eigentlich immer wieder stolz und unsere Besucher wahrlich erstaunen lässt. So unscheinbar wie das Museum den vorbeiströmenden Berlinern und ihren Gästen vielleicht vorkommen mag, so frappierend und nachhaltig wirken die mehr als 5.000 musealen Exponate aus der Welt des deutschen und internationalen Sports, wobei eine Vielzahl mehr als nur einen flüchtigen Touch zum gastgebenden Berliner Bezirk aufweisen kann. 

"Werner-Seelenbinder-Relief" aus Bronze, Leihgabe des Berliners Kurt Schellinger

Schlittschuhe von Inge Wischnewski

Alle „ Trophäen“ können aus Platzgründen natürlich nicht gleichzeitig ausgestellt werden, so dass neben der ständigen Exhibition diese auch alternierend in zeitweiligen und thematischen Ausstellungen den Besuchern präsentiert werden. 

Dazu gehören u.a. auch ein „Werner Seelenbinder-Relief“ aus Bronze, eine Leihgabe des Berliners Kurt Schellinger, und die Schlittschuhe von Inge Wischnewski, der  Berliner Eiskunstlauftrainerin, die damit 1951/52 den damaligen DDR-Politiker Walter Ulbricht  zweimal pro Woche  trainierte.

Jahresband von 1896 der Illustrierten Zeitschrift "Sport im Bild" von dem britischen Verleger und Fotojournalisten Andrew Pitcairn-Knowles – Leihgabe von Bernd Morchutt aus Berlin 

Die ältesten papiernen Dokumente kommen aus dem Jahr 1896, ein gebundener Jahresband der Illustrierten Zeitschrift „ Sport im Bild“ (Die im Museum vorhandenen Jahrgänge reichen bis 1924.), und ein Turnerpass aus dem Jahr 1924. Die älteste Medaille, eine Goldmedaille im Gewichtheben, hat der Gothaer Sportjournalist  Hilmar Bürger dem Museum „vermacht“. Das älteste Sportgerät aus der Ära der olympischen Neuzeit, ein Paar Schlittschuhe, stammt wahrscheinlich aus dem Jahre 1896. 

Goldmedaille der EM im Gewichtheben 1935 in Paris (oben rechts) – Leihgabe von Hilmar Bürger aus Gotha

Turnerpaß (Mitgliederausweis) aus dem Jahre 1924

Schlittschuhe aus dem Jahre 1896

Eine der erfolgreichsten Eiskunstläuferinnen Deutschlands Christine Errath – von Inge Wischnewski trainiert -  hat uns ihre Goldmedaille der Europameisterschaften von 1975 in Kopenhagen und die Bronzemedaille der Olympischen Spiele von 1976 nebst original Laufkleidchen in die Vitrine gelegt.

Kürkostüm der Berliner Eiskunstläuferin Manuela Groß von den Olympischen Spielen 1976

Ein Unikat, was es ja bekanntlicherweise nur einmal geben kann, ist das Kürkostüm der Berliner Eiskunstläuferin Manuela Groß von ihrer Bronzekür mit Uwe Kagelmann zu den OS 1976 in Innsbruck. Beim Blick auf Reinhard Gusts  Silbermedaille aus dem DDR-Rudervierer mit Steuermann von den OS 1972 in München darf man schon mal ehrfurchtsvoll innehalten, bei so viel Kraft in so viel Wasser.

Beinahe kurios mutet der ausgestellte Schläger der indischen Goldmedaillengewinner  im Hockey von den Spielen1964 in Tokio an. Unterschrieben von allen Teammitgliedern fand er seinen Weg ins Sportmuseum Marzahn-Hellersdorf. 

Trainingsrad von Bill Huck

Trainings- und Wettkampfräder von den Radsportweltmeistern Bill Huck und Jan Ullrich, dem einzigen deutschen Sieger der „Tour der Leiden“ in Frankreich, die  Sprunglaufskier des  Olympiasiegers, zweifachen Weltmeisters und legendären Holmenkollen-Siegers Helmut Recknagel komplettieren den Fundus der hochkarätigen Sportexponate.

Eine überaus reiche Sammlung an Dokumenten, Sportutensilien und Medaillen von Sportlern, Journalisten, Kampfrichtern, Sportwissenschaftlern und Funktionären, deren Wirken und vor allem deren Erfolge beim Messen mit der Weltelite Teil des sporthistorischen Gedächtnisses des deutschen Sports, zu dem der DDR-Sport maßgeblich 40 Jahre beigetragen hat, geworden sind.

 

Was erstaunlich gut in den letzten Jahren gelang, war der Spagat zwischen lokalen und  bundesweitem Sport, nicht zuletzt, weil es zahlreiche international sehr erfolgreiche Hochleistungssportler sind, die ihre Wurzeln in Marzahn-Hellersdorf haben, die hier zur Schule gingen und  ihre ersten Trainingsstunden in lokalen Sportvereinen absolvierten. Viele sind Marzahn und Hellersdorf treu geblieben und lassen sich ab und zu mal sehen. Für uns ein Grund mehr zur Freude, dass es in den Wirren um den Niedergang der DDR 1989 und 1990 gelungen ist, die „Entsorgung“ und damit den Verlust wertvoller historischer Zeugnisse des DDR- Leistungs- und Breitensports – immerhin gab es zum damaligen Zeitpunkt 120 Vereine und 38 Sportgemeinschaften hier im Bezirk - zu verhindern und sie für die Zukunft bewahren zu helfen.

 

HG: Nun wird ja Historie oft auch instrumentalisiert, um die Gegenwart politisch korrekt erklären zu wollen. Das ist ja mit dem DDR-Sport nicht anders. Dass diese Auseinandersetzung jedoch welke Blüten tragen muss und dabei Sportlegenden wie Täve Schur die Hall of Fame des  Deutschen Sports verwehrt wird, ist schon skurril, oder?

 

WT: Jeder  kann sich sein Bild selbst machen. Geschichtsschreibung birgt immer die Gefahr in sich, ehemaligen Akteuren auf welchem Parkett auch immer unrecht zu tun. Das kann umso tragischer sein, wenn es Teile des Lebenswerkes einzelner betrifft, die keinerlei Einfluss auf politische Entscheidungen oder gar mit Politik überhaupt nichts am Hut hatten. Wenn sie dann noch erfolgreich waren, ihre Jugend dem überaus harten Training ihres Sports gewidmet haben, ist eine spätere Missachtung ihrer  Meriten eine lebenslange Strafe.

Der Weltmeister Max Schmeling hat zu einer Zeit geboxt, die zweifelsfrei zu den dunkelsten der deutschen Geschichte gehört. Obwohl er sich damals schon mal politisch konform positioniert hat oder musste, wird er immer einer der erfolgreichsten deutschen Boxer bleiben. Die Zeit zur Differenzierung der Persönlichkeit eines Sportlers muss sein.

In unsere Galerie der Ehre, die wir zur Würdigung der Leistungen verdienstvoller Sportler, Journalisten, Funktionäre und anderer, mit dem Sport und unserer Region eng verbundener Persönlichkeiten  geschaffen haben, sind zurzeit Mitglied:

 

Gustav-Adolf Schur oder besser Täve, die Radsportlegende der DDR;

der leider schon verstorbene Sportchef von SAT 1 Michael Lion, dessen gesamtes Sportarchiv das Sportmuseum zur Aufbewahrung erhielt und der übrigens Lehrmeister der  bekannten Sportmoderatoren Reinhold Beckmann und Johannes B. Kerner ist;

Betty Heidler, die gebürtige Marzahnerin, Olympiateilnehmerin und  Weltrekordlerin im Hammerwurf;

Günter Haering, der Begründer des Sports im damaligen Ostberliner Neubaugebiet Marzahn und dort erster Kreisvorsitzender des DTSB;

Jenny Wolf, die mehrfache Sprintweltmeisterin über 100 und 500m und olympische Silbermedaillengewinnerin von Vancouver 2010, auch ein Marzahner Kind;

Hans-Jürgen Zeume, ein verdienstvoller Sportjournalist und einer der Mitbegründer des Sportmuseums

sowie Erhard Richter, der Sprecher der Arbeitsgruppe  Sportsenioren.

 

HG: Wie aus den Veranstaltungsplänen zu ersehen, gibt sich hier ja öfters die ehemalige Sportprominenz der DDR die Klinke in die Hand. Was hat Ihr Museum denn so auf dem Plan?

 

WT: So einiges. Mit dem Klinken in die Hand geben wird es so bleiben. Von Zeit zu Zeit und aus besonderem Anlass und zu runden Jubiläen werden sich hier auch weiterhin ehemalige und erfolgreiche deutsche Sportler treffen.

Am 7. März 2015 wird es wieder sehr bunt und farbenfroh, wenn auch gediegen und eher leise. Wie jedes Jahr  treffen sich dann hier in unseren Räumen die Sportphilatelisten, um sich am neuesten und vielleicht auch am gerade wieder gefundenen Postwertzeichen zu erfreuen und natürlich darüber zu fachsimpeln.

 

HG: Das Museum existiert seit 12.Juni 2009. Die Schätze sind enorm. Ihr Verlust wäre unwiederbringlich. Ein Dornröschenschlaf eine Katastrophe. Gibt es Ideen und Unterstützung, den Schatz für alle zu bewahren?

 

WT: Nicht nur bewahren, sondern möglichst vieles vielen zugänglich zu machen, bleibt unser Credo. Hierzu arbeiten wir  zur Zeit an der Verwirklichung der Idee, thematische Wanderausstellungen in Vitrinen zu gestalten, die dann auch bundesweit zu verschiedenen Anlässen gezeigt werden können.

 

 

HG: Sport hatte schon seit der Antike immer einen besonderen Platz in der Gesellschaft. Von politischen Zwängen befreit kann sein Einfluss auf die Gesellschaft ein sehr wohltuender sein. Wo sieht das Museum dabei seinen Platz?

 

WT: Wir wollen erst einmal bleiben, was wir schon sind: Eine Begegnungsstätte für Jung and Alt, für Senioren und Schüler, für aktive und ehemalige Sportler, für Sportenthusiasten und gewöhnliche Neugierige.

Wolfgang Turowski in seinem "Element"

Neben einer Vielzahl von unterhaltsamen Veranstaltungen mit ehemaligen und aktiven Hochleistungssportlern, mit Sportjournalisten wie Christin Otto, Volker Kluge und Heinz-Florian Oertel, die regelmäßig hier auch ihre Neuerscheinungen über aktuelle Olympische Spiele vorstellen, werden in den Räumen des Museums auch weiterhin die für den Jugend- und Breitensport erforderliche Sportstättenvergabe, wissenschaftliche Fachkonferenzen, Mitgliederversammlungen und Weiterbildungen der Sportvereine sowie die nicht unwesentlichen Tagungen des Sportausschusses des Bezirkes stattfinden.

Geschichte bewahren, heißt vor allem die jungen Menschen mit der Geschichte vertraut machen. Mit einer Museumsrallye, einem Fragenquiz durch den Sport von gestern und heute, wo schon mal mancher „Auslasser“ nachdenklich stimmt, haben wir schon zahlreiche unkonventionelle Sportstunden von Schülergruppen begleiten können. Favorit aller richtigen Antworten war da natürlich die zum viermaligen Fußballweltmeister Deutschland. Bewerber für Olympische Spiele kamen dagegen eher schlecht weg.

 

Jetzt wird sicherlich die Antwort wieder leichter fallen. Berlin könnte wieder unter den Kandidaten sein. Wir hoffen sehr, vor allem auf den Zuschlag, würden die Reflektionen über die Olympischen Sommerspiele 2024 danach doch wunderbar in unser Museum passen.

 

Text: Herbert Grießig/Images: Werner Ambrasat

45 (2014-12-18) Gerald Gleichmann aus Erfurt

Welch eine Bescherung:                                  Na dann, frohes Fest!                 

Der Erfolgsautor exklusiv auf Laptopwerk

Gerald Gleichmann, Jahrgang 1957, stammt aus Sonneberg und lebt heute in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Er ist sowohl gelernter Porzellanmaler als auch Bibliotheksassistent und kann bereits mehrere Veröffentlichungen seiner Werke vorweisen.

Überhaupt Weihnachten! Das fängt in meiner Familie jedenfalls schon im Sommer an. Nämlich im August, wenn Maria und ich wie leblos am Strand liegen und die Sonne uns kaffeebraun röstet, während der Erstgeborene Ferdinand in seiner pubertären Phase verdächtige Sandburgen baut und Klein Max mal wieder um ein blond gelocktes Haar im Meer ertrinkt.                                                                               

Letzteren Umstand nimmt Maria gelassen hin, da sie derweil die dringendere Frage beschäftigt, wie sie ihre Familie am nächsten Geschenke - Austausch - Fest beglücken kann. Ich darf mich sicherlich an einer farbenfrohen Krawatte erfreuen, die danach genauso schnell wieder verschwinden wird, ehe ich das Muster irgendwann später in der Patchwork Decke entdecken werde, an der Maria unermüdlich näht,

seit wir uns kennen.                                                                           

Während ich noch rechne, wie viele Schlipse diesen Überwurf mittlerweile zieren, kündigt der Kalender den September an. Maria hastet durch die Geschäfte, um mit Argusaugen zu erspähen, was sich irgendwie originell verpacken lässt. Dass ihr Erstgeborener nachts nicht nach Hause findet, bemerkt sie darum erstaunt erst im Oktober. Da ist der bereits verlobt und raucht intellektuell Pfeife. Als ich Maria besorgt mitteile, Klein Max erzähle in der Vorschule, der Weihnachtsmann sei eine Erfindung der Eltern, um Kinder gefügig zu machen, winkt die unwirsch ab, da sie gerade sämtliche Backbücher nach Plätzchenrezepten durchsucht. Nebenbei entdeckt sie auch das gesammelte wie gebügelte Lametta des letzten Jahrzehntes wieder und in der Tür unseren Erstgeborenen Hand in Hand mit einem scheinbar weiblichen Wesen, das ausschaut, als kam es vom Himmel zur Erde hernieder, um den Menschen das Ende aller Zeiten zu verkünden.        

Mitleidig mustert die erst ihre silbern verhüllte Schwiegermutter in spe, um danach mir verschwörerisch zuzuzwinkern. Woraufhin Maria alle weiteren festlichen Vorbereitungen in den November hinein verschiebt. Stattdessen durchschnüffelt sie meine Hosentaschen, weil ich mich träumend nach einer Carmen gesehnt haben soll.                                   

Zwar taufe ich den einzigen noch lebenden Goldfisch sofort in Tobias um, doch bleibt mir bis zum Heiligabend jede Flucht in meine Lieblingskneipe verwehrt. Dafür überzuckere und streusele ich unter strenger Aufsicht Tonnen von Festtagsgebäck. Bis der Backofen noch vor mir seinen Geist aufgibt. Anfang Dezember ist es da bereits und Maria beginnt, sämtliche Möbel umzustellen und die Böden zu wienern. Der Erstgeborene entschwebt mitsamt der schwarzen Fee eilig ihrem Staubwedel und mir bleibt es vorbehalten, derweil Lebensmittel zu bunkern, als erwarteten wir statt der Geburt des Jesuskindes eine mittelschwere biblische Hungerkatastrophe.                                        

Zufällig fallen Maria beim Hausputz auch die von ihr selbst vor Ostern versteckten Hasen aus Schokolade wieder in die Hände, die Klein Max sich nunmehr nachträglich einverleibt und er demzufolge bis zu den

Feiertagen an den übelsten Beschwerden leidet.                                                                                            

Ich schleppe einen Wald aus krummen, die Nadeln abwerfenden und zwergenhaften Tannen und Kiefern an, ehe eine von ihnen Marias Vorstellungen von einem Weihnachtsbaum annähernd entspricht. Allerdings zeigt Klein Max wenig Verständnis für meine Dekorationsversuche und spielt lieber Fußball mit den gläsernen Kugeln, deren scharfkantige Scherben unsere nackten Zehen magisch anziehen.                                                                                              

Doch irgendwie schaffen wir es ohne lebensbedrohliche Verletzungen, der Heiligen Nacht ins verschneite Auge zu blinzeln. Vollzählig finden wir uns am Lichterbaum ein, um disharmonisch fromme Lieder zu trällern. Der Erstgeborene und die mögliche Schwiegertochter müssen zuvor an diversen Fläschchen schnüffeln und nach einigen Gläsern Glühwein sehen sie sogar Engel durch unser Wohnzimmer schweben.  

Mein vorbei huschender Engel heißt Maria. Die wirft uns ihre kunstvoll verschnürten Geschenke zu und kümmert sich nebenher in der Küche um den Braten. Der schmeckt am Ende ein wenig angekohlt. Der Goldfisch Carmen Tobias erstickt an einer mit Rum getränkten Stollenrosine. Und während auf allen Kanälen georgelt wird, entfliehen Ferdinand und seine rabenschwarze Fee allen feierlichen Momenten dieser Welt. Derweil zündelt Klein Max mit dem Feuerzeug am geschmückten Baum und bis zum Morgen sind wir damit beschäftigt, den Brand zu löschen. Ehe ich erschöpft in den Sessel fallen kann, bestimmt Maria, zuvor muss schnell noch das Wohnzimmer neu tapeziert werden. Ferdinand ist keine große Hilfe. Zu Marias Bedauern hat der sich gerade wieder entlobt und erwägt bis zur Wiederfindung seines Ichs nach Indien zu reisen. Während ich die Leiter erklimme, um die rußigen Tapetenreste abzulösen, versucht er schon mal, auf einem Bein stehend, hinduistisch zu meditieren.                                     

Klein Max spielt nach dem Aufstehen Aquarium und stülpt sich darum das verwaiste Goldfischglas über den Kopf. Was nicht allzu tragisch wäre, müsste Maria das runde Behältnis nicht mit dem Hammer zertrümmern, ehe dem Spross die Atemluft ausgeht. Daraufhin hat sie ein für alle Mal genug von einer friedvollen Weihnacht und schließt sich im Bügelzimmer ein, um dort an ihrer Patchwork Decke zu wörken. Mittels der mir zuvor geschenkten Krawatte. Da stolpert Klein Max erst über den Eimer mit quellendem Kleister und gleich darauf gegen die schwankende Leiter, auf der ich mit den Armen rudernd stehe, bis ich mich mit einem verwegenen Salto am Kronleuchter in Sicherheit bringe, der jedoch Sekunden später zusammen mit mir in die Tiefe stürzt. Mitten hinein in die nach Farben sortierten und gestapelten Weihnachtsbaumkugeln. Zu allem Unglück taucht da gerade der verschollen geglaubte Erstgeborene wieder auf, dem Indien dann doch zu weit weg vom gedeckten Tisch ist und stattdessen alle Schränke nach seiner Geburtsurkunde durchwühlt, die beweisen soll, Maria und ich sind nie und nimmer seine biologischen Eltern. Was er, nebenbei bemerkt, jedes Jahr um diese Zeit tut.                                                                                   

Na dann, frohes Fest, wie man in anderen Familien wohl sagt, klopft Weihnachten mal wieder an die Tür!

44 (2014-06-25)

Kommt das Duell Sturm gegen Abraham?

Manfred Hönel sprach exklusiv  für LWP mit Wilfried Sauerland

 

Promotor und Manager Wilfried Sauerland (74) gilt als der Guru in der deutschen Boxszene. Mit Henry Maske und Trainer Manfred Wolke führte er das deutsche Profiboxen aus der „Ritze“ in Hamburg zu gesellschaftlichem Ansehen. Trainer Ulli Wegner setzte mit Boxern wie Markus Bayer, Sven Ottke, Arthur Abraham, Pablo Hernandez oder Marko Huck den Weg erfolgreich fort. Jetzt könnte das Profiboxen in Deutschland am Scheideweg stehen, wenn die ARD aussteigt. Wie das Wilfried Sauerland sieht, darüber sprachen wir mit ihm.

 

Herr Sauerland haben Sie Pläne im Schubfach, wenn die ARD ihren Vertrag nicht verlängert?

Wilfried Sauerland: „. Eins kann ich den Fans versprechen: Der Sauerland-Stall wird auch nach dem 1.1. 2015 weiter bestehen und hochklassiges Boxen präsentieren.“

 

Felix Sturm verlor seinen WM-Kampf gegen Sam Suliman. Sind Sie trotzdem an einem Duell mit Sturm interessiert?

Wilfried Sauerland: „Ein Kampf Felix Sturm gegen Arthur Abraham  könnte ich mir gut vorstellen. Es wäre ein Highlight. Ich glaube, daran sind auch die Fans interessiert. Man muss über einen solchen Kampf  mit Sturm reden.“


Warum haben Sie in den vergangenen Wochen neue Boxer unter Vertrag genommen?

Wilfried Sauerland: „Wir  sind dabei, die Quantität in boxerische Qualität umzuwandeln. Dafür haben wir den Berliner Stefan Härtel sowie die beiden Briten David Price und George Groves verpflichtet. Groves unterlag zwar knapp  dem Engländer Carl Froch. Trotzdem wurde George  wegen seines beherzten guten Kampfes von 80.000 Zuschauern im Wembley-Stadion gefeiert.“

 

Die Weltmeister Marko Huck und Joan Pablo Hernandez waren verletzt und haben lange nicht geboxt, wann werden wir sie wieder im Ring sehen?

Wilfried Sauerland: „Hernandez verteidigt seinen Titel am 16. August in Erfurt. Zwei Woche später steigt Marko Huck in den Ring. Allerdings steht der Ort  bei Huck noch nicht fest.“

 

Nach der Mai-Veranstaltung im Berliner Velodrom, meinten Sie enttäuscht. „Ich habe mich für das Vorprogramm geschämt.“ In Schwerin gab es Pfingst-Sonnabend gleich vier Titelkämpfe. War das nicht  das andere Extrem?

Wilfried Sauerland: „Zu viel guten Sport kann es nicht geben. Es waren doch tolle Kämpfe, die unsere jungen Boxer Kölling, Gevor und Zeuge gezeigt haben. Da macht das Zuschauen Spaß. Trainer Karsten Röwer liefert mit den Jungs eine gute Arbeit ab. Vielleicht sehen wir die Drei in diesem Jahr noch bei EM-Kämpfen. Dazu wird Jürgen Brähmer immer besser. Das Umfeld der Röwer-Gruppe in Berlin bekommt ihm ganz offensichtlich richtig gut.“

 

Glauben Sie an den Kampf Wladimir Klitschko gegen  ihren Boxer Kubrat Pulev ?

Wilfried Sauerland: „Im Prinzip schon, obwohl sich bei diesem Kampf jeden Tag etwas ändern kann. Jedenfalls soll der Kampf am 17. Juni versteigert werden. Wir haben Protest eingelegt. Das Klitschko-Management von K2 wollte einen Kampf  mit einer Börse von 85 zu 15 Prozent für den Titelverteidiger. International üblich ist aber ein Verhältnis von 75 zu 25. Die IBF hat jetzt 80 zu 20 festgelegt. Das haben wir akzeptiert, obwohl Pulev dabei schnell mal 100 000 Dollar verlieren kann.“

 

Bei ihnen boxen gute Nachwuchstalente, aber auch der SES-Boxstall in Magdeburg schickt gute Talente in den Ring. Warum wird nicht einmal ein Boxabend Sauerland gegen SES veranstaltet?

Wilfriede Sauerland: „Das ist ein interessanter Gedanken. Wir wären zu solchen Duellen auch bereit. Aus meiner Sicht sind die Magdeburger Boxer  jedoch noch nicht  gut genug, um für unsere Jungs eine echte Herausforderung zu sein.“

 

Könnte es zu einem vierten Fight Weltmeister Arthur Abraham gegen Herausforderer Robert Stieglitz kommen?

Wilfried Sauerland: „Wenn sich Stieglitz wieder in die Position eines Pflicht-Herausforderers bringt, kann ich mir einen solchen Kampf schon vorstellen. Auf keinen Fall wird dieser Kampf dann in Magdeburg stattfinden.“

 

Ihr Cheftrainer Ulli Wegner war überrascht, dass er zur Vorstellung des Neuzugangs Stefan Härtel nicht eingeladen war. Steht Wegner auf dem Abstellgleis?

Wilfried Sauerland: „Auf keinen Fall. Ich habe schon mit meinen beiden Geschäftsführern gesprochen. Ihre Handlungsweise war ein Fehler.“

 

Sie haben jetzt englische Boxer im Team, orientieren Sie sich auf die britische Insel?

Wilfried Sauerland: „Mein jüngster Sohn Nisse lebt in London, da liegt es nahe, dass wir auch die englische Box-Szene einmal sondieren.“

 

Die Norwegerin Cecilia Braekhus hat zu Pfingsten ihre drei Weltmeistergürtel der WBA, WBC und WBO gegen Jessica Balogun erfolgreich verteidigt. In der Ringecke stand aber nicht  ihr langjähriger Trainer Ulli Wegner sondern Otto Ramin. Was ist da passiert?

Wilfried Sauerland: „Um es gleich vornweg zu sagen. Cecilia ist eine hervorragende Boxerin, trotzdem ist sie für mich eine riesige Enttäuschung. Cecilia ist einfach ohne Gruß und Dankeschön von Ulli Wegner weg zu Otto Ramin. Natürlich ist Otto Ramin auch ein Spitzentrainer, aber eine solche Handlungsweise gehört sich einfach nicht. Um Cecilia herum schwirren jetzt immer zwei Norweger. Ich kenne deren Rolle nicht. Ich denke aber, wenn in Norwegen das TV-Verbot für Profiboxen aufgehoben wird, wollen sie mit Cecilia in Norwegen etwas veranstalten. Wir haben mit Cecilia noch einen Vertrag für drei Kämpfe. Der Vertrag wird erfüllt. Mehr nicht.“

 

Manne Hönel

43 (2014-06-25)

Mit THOMAS PFÜLLER,

DSV-SPORTDIREKTOR,

sprach für LWP MANFRED HÖNEL

Foto: Archiv Hönel

Der Schuster bleibt

bei seinen Leisten

In den Gebirgen taut langsam der Schnee. Der Vorhang des Ski-Winters ist so gut wie gefallen. Wie sieht DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller das Abschneiden der deutschen Skisportler im zurückliegenden olympischen Winter, fragten wir.

 

Wie beurteilen Sie die Bilanz der deutschen Skisportler am Ende einer langen Saison?


Thomas Pfüller: „Es gab erfreulichen Höhepunkten wie die Olympiasiege von Maria Höfl-Riesch, den Skispringern im Team und Carin Vogt sowie den Biathlonmedaillen durch Erik Lesser und die Männer-Staffel und schließlich die Frauen-Staffel im Langlauf. Vergessen will ich auch nicht Anke Karstens Silber im Snowboard. Daneben gibt es auch ein paar Einbrüche, woraus wir lernen, dass hart weiter gearbeitet werden muss.“

 

Ende gut alles gut. In Harrachov verzierte Severin Freund seinen Team-Olympiasieg mit einem Weltmeistertitel im Skifliegen. Haben unsere Skiadler wieder zur Weltspitze aufgeschlossen?

 

Thomas Pfüller: „Ich sage ja. Severin Freund hat nach dem Olympiasieg seine Motivation nicht verloren. In Harrachov nutzte er mit 25 Jahren seine Erfahrung und bestach mit zwei tollen Sprüngen. Er kann den Weltmeistertitel mit Stolz tragen. Die Skispringer haben am Wochenende in Planica noch ein Weltcup.. Severin kann es da sogar noch aufs Podest im Gesamtweltcup.

 

Ein Mann wie Freund zieht die anderen im Team mit.

Ist Severin der einzige deutsche Skiadler am Ende der Saison mit Topform?

 

Thomas Pfüller: „Ehrlich gesagt, ich denke ja. Die anderen Jungs sind nach der harten Saison doch etwas müde. Ich bin trotzdem fest überzeugt, dass wir in den nächsten Jahren fünf bis sechs Springer haben, die in der Weltspitze mit springen können. Ich denke da an Andreas Wellinger und auch an Marinus Kraus. Marinus ist von seinem Flugsystem her begnadet. Der Österreicher Thomas Diethart uns Marinus verfügen über das beste Flugsystem in der Weltspitze. Was Marinus im diesem Winter noch fehlte, war die Beständigkeit. Daran arbeiten wir. Mein Optimismus für die Zukunft begründet sich auch mit Blick auf das Material. Auf dem Gebiet sind wir wieder absolut konkurrenzfähig. Das war nicht immer so.“

 

Haben wir besondere Anzüge?

 

Thomas Pfüller: „Nein. Die Anzüge sind von der FIS ganz streng reglementiert. Selbst die Nähte werden kontrolliert. Unser Vorteil sind Bretter, Schuhe und Bindungen.“

 

Bundestrainer Werner Schuster hat ganz offensichtlich gute Arbeit geleistet. Bleibt er dem DSV erhalten?

 

Thomas Pfüller: „Wir haben bereits vor Olympia in Sotschi den Vertrag mit Werner Schuster bis nach der WM 2015 verlängert. Nach Planica werden wir uns mit ihm hinsetzen. Vielleicht verlängert er bis 2018. Wenn wir ihm eine Perspektive im Verband auch außerhalb der Bundestrainer-Funktion bieten, ist er vielleicht geneigt, ganz bei uns zu bleiben.“

 

Im vorigen Jahr zählte Richard Freitag noch zu den Vorzeigeadlern. In diesem Winter flog er meist hinterher. Wo sehen Sie dafür die Ursachen?

 

Thomas Pfüller: „Richard war länger krank und verletzt. Er konnte nicht richtig trainieren und fand dadurch einfach seine Form nicht. Ich bin aber fest überzeugt. Im nächsten Winter ist er wieder da.“

 

Verschwinden die Alpinen mit dem möglichen Abschied von Maria Höfl-Riesch in der Versenkung?


Thomas Pfüller: „Ich denke nein. Wir haben entwicklungsfähigen Nachwuchs. Auch Felix Neureuther und Fritz Dopfer sind noch lange nicht am Ende. Felix soll nicht vom Karriereabschied reden. Er kann noch Weltmeister und ich meine sogar in vier Jahren Olympiasieger werden.“

 

Wie beurteilen Sie den Leistungsstand im Biathlon und Langlauf?


Thomas Pfüller: „Dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Baustellen. Im Biathlon der Männer, denke ich, können wir im nächsten Winter wieder ganz vorn mitlaufen. Arnd Peiffer, Benedikt Doll, Erik Lesser und Simon Schepp sind Athleten, die bestimmt bis 2018 weiter laufen werden. Bei den Frauen unterliefen uns methodische Fehler, durch die jungen Sportlerinnen Laura Dahlmeier und Franziska Preuss einfach überfordert waren. Wir haben jetzt den Ruhpoldinger Andreas Stitzl mit ins Trainerkollektiv berufen und hoffen, dass es auch bei den Frauen wieder voran geht. Andrea Henkel beendet ihre Laufbahn. Schade für uns alle, dass Andrea ausgerechnet bei Olympia von einer Erkältung erwischt wurde. In einer Ausdauer-Disziplin ist das nicht auszugleichen.“

 

Sicher nervt Sie die Frage nach dem Dopingfall Evi Sachenbacher-Stehle?


Thomas Pfüller: „Es nervte mich nicht, aber der Fall ärgert mich. Dass gerade einer so erfahrenen Athletin ein solcher Fehler passiert. Die bei Evi gefundene Substanz steht bei Trainingskontrollen nicht auf der Liste, dagegen aber immer bei Wettkämpfen. Also lässt man Nahrungsergänzungsmittel im Wettkampf einfach außen vor. Wir haben unsere Athleten immer wieder daraufhin gewiesen. Allerdings müssen die Hinweise auch befolgt werden.“

 

Was wird in Deutschland aus den neuen Sportarten Snowboard und Freestyle?


Thomas Pfüller: „Da werden wir in den nächsten Wochen beraten, wie es mit diesen Sportarten bei uns weitergehen soll.“

42 (2014-02-26)

Mit THOMAS FIEDLER,

Präsident des FSV Wacker 03 Gotha,

sprach für LWP HILMAR BÜRGER

Fotos: LWP, Privat

Kaum ein Abend ohne Wacker

Am Sonnabend schlägt im Gothaer Volksparkstadion wieder einmal eine Stunde der Wahrheit, wenn um 14 Uhr das Derby FSV Wacker 03 Gotha gegen den Kreisrivalen FC Dachwig/Döllstädt steigt. Der Tabellenletzte der Thüringenliga empfängt den Elften.

 

THOMAS FIEDLER ist seit 26. Mai 2013 Präsident des traditionsreichen Gothaer Fußballvereins. Der 53jährige gebürtige Gothaer ist gelernter Bauingenieur und arbeitet heute bei der SparkassenVersicherung.

 

Herr Fiedler, wie sehen Sie diesem Auftakt entgegen?

 

Wie jeder fußballinteressierte Mensch natürlich zu allererst mit viel Spannung, denn die lange Winterzeit ohne Spiele nagt schon an den Nerven. Darüber hinaus als Verantwortlicher für unseren Verein natürlich auch in der Hoffnung, ob sich die sehr gute Vorbereitung durch unsere Trainer in allen sechzehn Mannschaften über die letzten zwei Monate nun auch spürbar auswirkt.

 

Was hat sich bei der ersten Mannschaft sportlich seit der Herbstrunde verändert?

 

Über die entsprechenden personellen Verstärkungen ist an verschiedenster Stelle genug debattiert wurden. Ja, wir haben uns verstärkt und das im Bereich unserer Möglichkeiten. Mit der Verpflichtung vom, und das sage ich mit allergrößten Respekt, "Oldie" Oleg Olijnik hat sich besonders im mentalen Bereich so einiges positiv verändert und das spürt man in jeder Trainingseinheit. Da ist zum einen der Routinier, der bei keiner konditionellen Übung schlechter abschneiden möchte als die Youngster, und da sind die jungen Heißsporne, die sich vom "Alten" natürlich nicht vorführen lassen möchten. Das spornt an und macht Spaß.

Ernst Gorf hat in den Vorbereitungsspielen gezeigt, dass er auch unter erschwerten Bedingungen die Abwehr stabilisieren kann. Ihn wollte ich unbedingt für Wacker zurück gewinnen und das ist gelungen.

Drittens ist aber auch zu spüren, dass die im August bis Oktober ja wirklich noch teilweise wie Junioren auftretenden Jungs so langsam im Männerbereich angekommen sind. Sie und wir haben einiges Lehrgeld gezahlt, nun wollen wir auch das ein- oder andere reißen. Ich sage es noch einmal: Wir, der Vorstand und die verantwortlichen Trainer im Männer-bereich, wussten sowohl was wir taten, als auch das, was auf uns zu kommen würde. Als wir das Ruder übernommen haben, waren die Weichen für die jetzt laufende Saison doch lange gestellt.

 

Welches sind die größten Probleme, wo klemmt die Säge?

 

Das größte Problem sehe ich darin, dass uns ein professioneller sportlicher Leiter fehlt. Unser Vizepräsident Christian Gehret hat sich dieser Aufgabe gestellt und trägt die Verant-wortung für die sportliche Leitung des Männerbereichs. Und er erledigt diese Aufgabe sehr, sehr gut. Aber ihm fehlen ebenso wie mir die entscheidenden personellen Insider-Kenntnisse aus dem regionalen Fußball und darüber hinaus ist er als erfolgreicher Fachanwalt für Verkehrsrecht mit eigener Kanzlei in Erfurt auch beruflich sehr gefordert. So obliegt das Scouting dann häufig den Trainern und die haben wahrlich genug im Trainingsprozess zu tun.

Naja und letztlich ist, auch wenn ich nicht so gern über Geld rede, davon auch meist nie ausreichend da - egal wie viel du hast. Ein solider Unterstützer nur für die Erste, mit dem man auch mal was Außergewöhnliches bewerkstelligen kann, täte da gut.

 

Wie zum Beispiel einen Steffen Scheidler zu verpflichten …

 

Ja genau. Wir haben mehrere interessante Gespräche gehabt aber am Fuße der Wartburg hat Steffen zumindest kurzfristig eine bessere Partie machen können. Aber da gab und gibt es auch noch andere über die ich allerdings nicht öffentlich reden möchte, denn auch morgen oder übermorgen wollen wir im Gespräch sein.

 

Was war für Sie das Schwierigste bei der Übernahme Ihres Amtes?

 

Die Koordination der verschiedensten Aufgaben und das Einarbeiten in eine vollständig neue Aufgabe von Steuerrecht für Vereine bis Vorschriften der Fußballverbände. Aber auch das Transportieren von Entscheidungen, weil die leider nicht immer so ankommen, wie sie eigentlich beschlossen wurden. Wenn man sich auf die Fahnen schreibt, ALLE Vereinsziele zu erreichen, muss man manches neu definieren und die vorhandenen Ressourcen gezielt dafür einsetzen, manchmal einen Schritt zurück gehen, um dann gesundet und gestärkt wieder zurück zu kommen.

 

 

FSV Wacker 03 – das ist allerdings nicht nur der Thüringenligist – das sind derzeit insgesamt 16 – meist Nachwuchsmannschaften. Warum haben Erfolge in diesem Bereich folgerichtig nicht zu ähnlichem beim „Flaggschiff“ geführt?

 

Im Nachwuchs baut sich Wacker seit Jahren über Jahre topp Mannschaften auf. Hier steht allein die hochqualifizierte Ausbildung, die die Eltern ihre Kinder zu uns bringen lässt, im Vordergrund. Beim Übertritt in den Männerbereich teilt sich dann alles in verschiedene Töpfe. Die mit Wackerblut bleiben, nicht immer ist aber ein erstklassiger A-Junior auch in der Lage, sofort Verbandsliga Männer zu spielen. Sie beißen sich in der Zweiten durch, bis sie mit Anfang Zwanzig dann vielleicht reif für die Erste sind. Die weniger Ehrgeizigen versuchen ihr Glück in der Fremde, wo häufig mit weniger Trainingsaufwand in einer Klasse gespielt werden kann, die über dem Niveau der Klasse liegt, in der Wackers Zweite spielt.

Es gibt natürlich auch noch die hoch talentierten A-Juniorenabsolventen, die wir aus finanziellen Gründen in der Vergangenheit nicht weiter an unseren Verein binden konnten. Hier gilt es künftig über die Bereit-stellung lukrativer Ausbildungsmöglichkeiten oder Jobs Disproportionen im Vereinsbudget auszugleichen. Aber bitte lassen Sie mich betonen: Es ist illusorisch, alle guten Nachwuchsleute in einem Verein zu halten, da natürlich auch vielmals Umzug aus beruflichen oder familiären Aspekten oder andere Gründe eine Rolle spielen. Aber es ist nicht illusorisch, wenn man immer im Kontakt mit abgewanderten Wacker-Spielern bleibt. Ein zurück ist bei uns immer möglich.

 

Zum „Wacker“- Kapital zählen auch etliche „alte Kämpen“ mit bekannten Namen, die sich noch für den Verein engagieren...

 

Nur so kann ja ein Verein überhaupt arbeiten. Wer soll denn die Geschicke lenken, leiten oder die Arbeit machen, wenn nicht die, die hier selbst groß geworden sind. Ohne den Schuberts, Schüllers, Sauerbreys, Schönemanns, Schonerts oder Drößlers (die hier nur stellvertretend stehen) wäre kein Verein der Welt lebensfähig. Aber eben auch all die Ungenannten oder die, die uns mit dem Zur-Verfügung-stellen von Geld unsere Vereinsarbeit erst ermöglichen, sehe ich als Lebensnerv diese Vereins.

 

Sie selbst waren fast 30 Jahre Spieler bei der BSG Motor Gotha, dem Vorgängerverein. Nach langer zeit kehrten Sie zum Fußball zurück. Was bewog Sie dazu?

 

Erstens war es der Geburt meiner Söhne Franz und Marius zu verdanken und das in beider Körper auch das Fußballblut entfacht wurde. Aber es gab noch einen zweiten Grund. Ich bin ein sehr kommunikativer und ehrlicher Mensch, sage gerade heraus, wenn mir etwas nicht gefällt, kritisiere offen. Ich meine aber auch, dass es nicht ausreichend ist nur zu kritisieren und dann die fehlende eigene Bereitschaft zur Mitarbeit mit wenig Zeit zu entschuldigen. Also habe ich die Ärmel hoch gekrempelt.

 

Eine anspruchsvolle berufliche Aufgabe in Weimar, zu Hause eine Familie mit vier Kindern in Boilstädt und dann dieses Ehrenamt – wie bewältigen Sie das alles?

 

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Na ja, die beiden Mädels wohnen ja nicht mehr zu Hause, brauchen aber dennoch den Papa dann und wann. Die ein- oder andere Aufgabe müsste man delegieren können, dann wär's einfacher, klar. In meiner Gemeinde bin ich außerdem noch im Ortsteil- also Gemeinderat tätig aber diesen Job werde ich bald aufgeben, weil sonst die Qualität der anderen Bereiche leidet. Ja, es ist sehr viel, kaum ein Abend ohne Wacker. Man muss eben gut organisieren, am meisten sich selbst, muss auch mal nein sagen können und vor allem braucht man so eine tolle Frau an der Seite, wie ich sie mit meiner Steffi habe.

 

Wie glauben Sie, wird die Rückrunde für Ihr Verbandsligateam verlaufen und was sind Ihre Wünsche?

Ich habe keine Glaskugel, hoffe aber auf eine aufopferungsvolle Rückrunde. Für den sportlichen Bereich wünsche ich mir, dass das zarte Pflänzchen "Wacker-Wir-Gefühl" in den Köpfen unserer jungen Männer Wurzeln geschlagen hat und sich weiter verwurzelt, damit uns keiner dieser wertvollen jungen Menschen am Ende der Saison verlässt. Vom gewerblichen Umfeld erhoffe ich mir die Bereitschaft von Unternehmen und Firmen, durch finanzielle Unterstützung oder dem zur Verfügung stellen von Arbeitsplätzen diesen Weg mit uns zu gehen. Jedes "Nein" tut weh. Und ich kann potentiellen Sponsoren versichern: Ihr Geld ist bei uns sehr gut in junge Menschen investiert, nicht in deren Portemonnaies sondern in die Sicherung ihres Verbleibs in unserer Residenzstadt. Letztendlich erbitte ich mir vom privaten Umfeld den Respekt für die hier geleistete Arbeit. Von denen, die offen kritisieren, wünsche ich mir neben der sachlichen und dankbar aufgenommenen Kritik die Bereitschaft zur Mitarbeit. Es muss nicht immer eine Funktion dahinter stehen.


Unabhängig vom Ergebnis des Kreisderbys – sind sie danach auch irgendwo bei den tollen Tagen zu finden?

 

Da hab ich gar keine Wahl. Meine Frau ist in der Kartoffelschälstaffel der Weiber der Gothaer Karnevals Gemeinschaft GKG aktiv und ich selbst bin absoluter Fan von Büttenreden. Man wird mich dann auch bei den Veranstaltungen der GKG in der Gothaer Stadthalle sehen, das darf man einfach nicht verpassen.

Wie gesagt - Spaß muss auch sein...

41 (2013-12-27)

LWP-Doppelinterview mit

KONRAD GIEßMANN (links),

Landrat des Landkreises Gotha, und

KNUT KREUCH (rechts),

Oberbürgermeister der Stadt Gotha

Fotos: Lutz Ebhardt, Pressestelle Stadt Gotha

Im Mittelpunkt Deutschlands

Seit einem guten halben Jahr ist Gotha in Thüringen Sitz des sozialen Netzwerkes LAPTOPWERK PLUS mit 22 Journalisten oder Experten aus Deutschland, der Schweiz und Norwegen. Landrat KONRAD GIEßMANN (62/CDU) und Oberbürgermeister KNUT KREUCH (47/SPD) gewährten kurz vor Jahresende HILMAR BÜRGER nachstehendes Doppelinterview mit gleichlautenden zehn Fragen.

 

Nennen sie bitte in drei Sätzen drei Vorzüge des Landkreises/der Stadt Gotha...

 

Konrad Gießmann: Der Landkreis Gotha ist Thüringens bevölkerungsreichster Landkreis. Er liegt zentral und gut angebunden in Thüringen und Deutschland und damit in der Mitte des EU-Gebiets. Nicht zuletzt aufgrund der guten Anbindung weist der Landkreis eine vergleichsweise starke Wirtschaft auf, die auf einem sehr differenzierten Mix unterschiedlicher Branchen basiert.

 

Knut Kreuch: Gotha ist eine Stadt in der Mitte Deutschlands, die sich mit ihrer wirtschaftlichen Vielfalt, ihrer Kultur und ihrer sozialen Struktur zu einem wunderbaren Lebens- und Erlebensort entwickelt hat. Gotha zeigt sich mit einer unverwechselbaren historischen Altstadt und vielen wunderbar entwickelten Wohnstandorten und Ortsteilen. Hier verbindet sich auf ganz besondere Weise die Tradition mit der Zukunft, eingebettet in eine vielfältige Naturlandschaft.

 

 

Welche Probleme sind derzeit vordringlich zu lösen?

 

Konrad Gießmann: Das drängendste Problem ist meiner Ansicht nach, die finanzielle Handlungsfähigkeit der kommunalen Familie – gemeint sind Städte, Gemeinden, Verwaltungsgemeinschaften und Landkreise – dauerhaft zu sichern. Das geht nur im Einvernehmen mit der Landesregierung. Denn es kann in Tagen guter Wirtschaftsleistung und damit weithin auch guter Steuereinnahmen für Bund und Länder nicht angehen, dass die unterste Ebene des Staats, auf der unmittelbar die Lebenswirklichkeit der Menschen gestaltet wird, sich teilweise kaum mehr in der Lage sieht, ureigene Pflichtaufgaben zu erfüllen. Hier muss über den kommunalen Finanzausgleich gegengesteuert werden.

Zweiter Punkt wären die jährlich steigenden Ausgaben im sozialen Bereich, die vor allem die Kreishaushalte und damit auch die Kommunen belasten. Hier ist vor allem der Bund gefragt, gegenzusteuern

 

Knut Kreuch: Die Kommunen haben es derzeit schwer, mit den immer geringer werdenden finanziellen Zuweisungen des Freistaates auszukommen. Die Fördermöglichkeiten zur Sanierung, z. B. von Straßen sind nicht ausreichend und machen uns das Leben schwer. Andererseits sind kaum Einsparpotentiale vorhanden. Das führt dazu, dass liebgewordene und gewohnte Leistungen der Kommunen für ihre Bürger eingeschränkt werden müssen, und das schmerzt sehr.

 

Wer ist Ihrer Meinung nach die herausragende Persönlichkeit in der Geschichte des Landkreises/der Stadt?

 

Konrad Gießmann:Bonifatius, der u. a. in Ohrdruf missionierte, eine Zelle gründete und damit den Weg zur Christianisierung dieses Landstrichs ebnete.

 

Knut Kreuch: Herausragend würde ich Ernst den Frommen (1601 - 1675) bezeichnen, der als Herzog nicht nur mit dem Bau von Schloss Friedenstein diese Stadt so nachhaltig prägte, sondern auch darüber hinaus viele Akzente setzte, die Gotha in den Jahrhunderten nach ihm zu einem wichtigen Standort der Bildung und Kultur machten. Letztlich ist auch seine Rolle als "Opa von Europa" von großer Bedeutung, denn damit ist ja Gotha Mittelpunkt eines riesigen genealogischen Netzwerkes geworden.

 

Was war für Sie im Jahr 2013 das wichtigste Ereignis im Landkreis/in der Stadt Gotha?

 

Konrad Gießmann:Das aus dem Brand des Schlosses Ehrenstein in Ohrdruf entstandene Zusammengehörigkeitsgefühl und Engagement, etwas für die betroffenen Familien und den Wiederaufbau zu tun, hat mich 2013 ganz besonders bewegt.

 

Knut Kreuch: Unzweifelhaft war dies die 50. Europeade, die in Gotha veranstaltet wurde. Allein 5.000 Teilnehmer und tausende Zuschauer haben im Sommer 2013 unsere Stadt mit Tanz und Folklore verzaubert. Ich freue mich, dass Gothas Partnerstadt Kielce im nächsten Jahr die 51. Europeade ausrichten wird und sozusagen den Staffelstab übernommen hat.

 

Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit mit dem Gothaer Rathaus/Landratsamt ein?

Konrad Gießmann: Die Zusammenarbeit läuft weitgehend sachorientiert, wenngleich es – was in der Natur der Sache liegt – manchen inhaltlichen Reibungspunkt gibt.

 

Knut Kreuch: Die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt ist gut. Wir sind eine kreisangehörige Stadt und so sind die Aufgaben klar geteilt. Dort wo es aber Überschneidungen gibt, sollte man in Zukunft doch eher an Bündelung denken.

 

Zur Person: Wie war – in Stichworten - Ihr Weg bis zum Landrat/Oberbürgermeister?

 

Konrad Gießmann:

vom Elternhaus christlich erzogen, war die politische Heimat zunächst die LDPD

parteiloses Mitglied im ersten frei gewählten Kreistag 1990

1992 Beitritt zur CDU, dann ehrenamtlicher Beigeordneter sowie Fraktionsvorsitzender der CDU-FDP Fraktion

1994 Wahl zum Zweiten Beigeordneten (Aufgabenbereiche Schulen, Jugend, Soziales, Gesundheit, Kultur und Sport sowie die Bereiche Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung)

2000 Wahl zum Ersten Beigeordneten (Aufgabenfeld Tourismus, Wirtschaft und Bauordnung)

13.Mai 2005 bis zum 30. Juni 2006 Vertreter im Amt des Landrats mit Stichwahl am 21. Mai 2006 zum Landrat des Landkreises Gotha gewählt

 

Knut Kreuch: In Stichworten: Schlosserlehre - Arbeit im Kulturbund - Wechsel in die Stadtverwaltung - Bürgermeister in Günthersleben-Wechmar - Oberbürgermeister in Gotha

 

Welche berufliche Entwicklung haben Sie vorher genommen?

 

Konrad Gießmann:

1968 Ausbildung im Gummikombinat Thüringen-Waltershausen zum Facharbeiter für Gummi und Asbest mit Abitur

1973-1977 Studium der Fachrichtung Werkstoffeinsatz an der Technischen Hochschule Merseburg, Abschluss Diplomingenieur für Werkstofftechnik

1977-1990 Werkstoffprüfingenieur im Bereich Forschung und Entwicklung im Gummikombinat Thüringen-Waltershausen

1990-1994 Leiter des Bereiches Prüfwesen der Phönix AG (vormals Gummikombinat Thüringen-Waltershausen)

 

Knut Kreuch: Von 1985 bis 1989 habe ich als Schlosser im Fahrzeugwerk Wechmar gearbeitet. In den Jahren des Umbruchs, also 1989 bis 1990, war ich dann Kreisgeschäftsführer des Kulturbundes der DDR. Nachdem die kommunalen Strukturen erneuert wurden, bekleidete ich von 1991 bis 1994 ein Amt in der Abteilung für Kultur der Stadt Gotha. Ab 1994 arbeitete er als Pressereferent des damaligen Gothaer Oberbürgermeisters Volker Doenitz. Die Stelle gab ich dann 1998 zu Gunsten meines Geburtsortes auf, da ich zum Bürgermeister von Günthersleben-Wechmar gewählt wurde. Im Jahr 2006 trat ich zur Wahl des Gothaer Oberbürgermeisters an und wurde am 1. Juli 2006 zum Stadtoberhaupt gewählt. Im vergangenen Jahr erfolgte die Wiederwahl, sodass ich nun in einer zweiten Amtszeit der Stadt Gotha dienen darf.

 

An welcher Stelle des Landkreises/der Stadt verweilen Sie am liebsten?

 

Konrad Gießmann: In meiner Heimatstadt Gotha und im Thüringer Wald.

 

Knut Kreuch: Am liebsten unter den Menschen und während den zahlreichen Veranstaltungen in unserer Stadt. Bei der Vielfalt der Möglichkeiten ist das schwer an Orten festzumachen.

 

Gibt Ihnen ein Hobby Kraft für Ihre Tätigkeit?

 

Konrad Gießmann: Joggen sorgt für Ausdauer und der Karneval dafür, den Humor nicht zu verlieren.

 

Knut Kreuch: Ich engagiere mich seit vielen Jahren in zahlreichen Vereinen, im Vordergrund steht sicher meine Arbeit in den Trachtenverbänden und im Wechmarer Heimatverein, den ich schon als Jugendlicher gegründet habe.

 

Mit welchen Wünschen gehen Sie in das Neue Jahr?

 

Konrad Gießmann: Gesundheit und Schaffenskraft für alle Bürgerinnen und Bürger des Landkreises, persönlich: etwas mehr Zeit für mich selbst zu haben und viele neue, inspirierende Begegnungen mit interessanten Menschen sowie eine weitere positive Entwicklung unserer Heimat.

 

Knut Kreuch: In erster Linie steht der Wunsch nach Gesundheit. Darüber hinaus haben wir gemeinsam in Gotha 2014 viele Projekte, die es anzuschieben oder zu beenden gilt. Ich bin mir sicher, dass das Neue Jahr für unsere Bürgerinnen und Bürger mit der Eröffnung des Winterpalais als neuer Stadtbibliothek und des "Stadt-Bades" in der Bohnstedtstraße eine ganz wunderbare Entwicklung bereithält.

 

Im Namen von Laptopwerk Plus bedanke ich mich für dieses Interview. Wir wünschen Ihnen, den Einwohnern der Stadt und des Landkreises alles Gute für 2014. Mein Dank gilt auch Ihren Presseteams für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung.

Hilmar Bürger

 

Lesen Sie weitere Informationen:

Website Landkreis Gotha

Website Stadt Gotha

Pressemitteilungen Landkreis

Pressemitteilungen Stadt

Rund um die Wasserkunst

40 (2013-07-01)

HiLMAR BÜRGER sprach mit KLAUS WEIDT, einem Kenner der ägyptischen Szene

Klaus und Marianne Weidt haben ihren zweiten Wohnsitz im ägyptischen El Gouna. Foto: Archiv Weidt

Noch kein neuer

Pharao in Sicht

Der Journalist und Reisemanager Klaus Weidt bereist Ägypten nicht nur seit 1993, sondern hat auch einen zweiten Wohnsitz in El Gouna in der Rote-Meer-Region, den er regelmäßig nutzt.

 

Was meinst du, kann man denn zurzeit noch nach Ägypten reisen?

In die Urlauberorte am Roten Meer auf jeden Fall. Ob Hurghada, El Gouna, MarsaAlam oder Sharm El Sheikh, die Leute dort freuen sich über jeden Touristen, sind freundlich und immer entgegenkommend. Dort ist es durchweg ruhig und angenehm. Die Hotels ab 4 Sterne-Niveau haben immer noch einen guten Standard. Lediglich in diesen Juli- und Augustwochen würde ich der hohen Temperaturen wegen zum Urlaub abraten, 40 Grad verträgt nicht jeder, auch wenn durchweg ein erfrischendes Lüftchen weht. Aber auch Luxor, Assuan oder eine Nilkreuzfahrt dorthin kann ich jedem weiterhin empfehlen. Selbst wenn da, wie neulich, in der Tempelstadt Luxor eine größere Demonstration stattfand, die nicht nur Mursi, sondern auch dem neuen Bürgermeister galt.

 

Kairo und Alexandria sind wohl zu meiden?

In diesen Tagen ja. Wenn Hunderttausende auf die Straße gehen, aufgewühlt und voller Wut gegen ihren Präsidenten und die wirtschaftliche Schieflage, sollte man seinen vorgenommenen Pyramiden-Besuch in der ägyptischen Hauptstadt oder eine Mittelmeer-Visite im schönen Alexandria verschieben.

 

War dieses Ausmaß an Demonstrationen und Bürgerwut abzusehen?

Ja. Das Datum 30. Juni, ein Jahr Präsident Mursi, war schon seit längerem von seinen Gegnern anvisiert worden. Man muss wissen: Schon lange ist inzwischen die Mehrheit der Ägypter mit der politischen und wirtschaftlichen Lage unzufrieden. Die Preise stiegen unaufhörlich, die Warteschlangen an den Tankstellen wurden immer länger, das Benzin immer teurer, und selbst das Fladenbrot, Grundnahrungsmittel des einfachen Mannes am Nil, geriet in die Preisschraube. Fleisch wie vom Huhn oder Rind, vom Lamm ganz zu schweigen, kann sich dieser vielleicht nur noch an Feiertagen leisten. Ein Freund von uns, ein Maler in El Gouna, dessen Familie in Minja, 700 km entfernt, wohnt, muss der explodierenden Transportkosten überlegen, wann er es sich noch leisten kann, mit dem Bus nach Hause zu fahren. Heute sagen die meisten, bei Mubarak war es besser – was natürlich keine Lösung ist.

 

Gibt es denn eine Lösung?

Ich sehe keinen neuen Pharao, der das Ruder von heute auf morgen herumreißen könnte. Mursi ist die Marionette der Muslembrüder-Partei, selbst, wenn er wollte, er kann einfach nicht wie angekündigt, der „Präsident aller Ägypter“ sein. Doch auch die Opposition ist nicht momentan dazu in der Lage, auch wenn sie Millionen hinter sich weiß. Sie ist untereinander nicht einig, hat keine Führungsperson und auch noch kein Programm. Nehmen wir mal an, sie stürzt den Präsidenten und käme an die Macht, würde sich absehbar für Ägypten nicht viel ändern. Hier muss es wohl zu einem gemeinsamen Dialog kommen. Nur in dieser aufgeheizten Situation wird dieser schwierig sein.

 

Wann fliegst du wieder nach Ägypten?

Nach dem heißen Sommer. Ich freue mich schon darauf und hoffe, viele meiner Freunde wieder zu treffen, denen es dann hoffentlich nicht schlechter geht als sowieso schon.

 

39 (2013-06-21)

ARMAND DE WINTER (Belgien) – Präsident ad interim Internationales Europeadekomitee:

Armand de Winter (links) und Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch

Foto: LWP

Es begann mit

"De Kegelaar"

Das Interview für LAPTOPWERK PLUS führte HILMAR BÜRGER

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ZUR PERSON

ARMAND DE WINTER (68)

Präsident ad interim des Internationalen

Europeadekomitees

Wohnort: Antwerpen-Wilrijk (Belgien)

Familienstand: verheiratet, drei Söhne

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LWP: Herr Präsident, was ist das Fazit Ihres Besuches in Gotha, knapp einen Monat vor Beginn der 50. Europeade in der Residenzstadt?


ARMAND DE WINTER: Im Prinzip, wie auch bei allen drei vorhergehenden Visiten in Gotha: Die Vorbreitungen laufen auf vollen Touren. Ich bin fest davon überzeugt, dass unser Jubiläum in Gotha ein großes Fest wird. Ich kann es kaum erwarten. Am liebsten würde ich jetzt schon hier bleiben.


LWP: Können Sie sich erinnern, wann der Name Gotha Ihnen zum ersten Mal bewußt wurde?


ARMAND DE WINTER: Das war schon vor vielen Jahren in Zusammenhang mit dem belgischen Königshaus. Damals war Gotha für mich eine Stadt in Deutschland von vielen. Erst als sie sich bei unserem Internationalen Europeade-Komitee um die Ausrichtung des diesjährigen Festes bewarb, lernte ich sie kennen und auch schätzen. Ich bin überzeugt davon, dass Oberbürgermeister Knut Kreuch mit allen Organisatoren und Helfern in Gemeinsamkeit mit den rund 5000 Teilnehmern von 26 Ländern aus allen Teilen Europas unvergessliche Tage gelingen werden. Sozusagen auch als Tor zum Osten, das wir in Zukunft weiteren Europeadeorten öffnen wollen.


LWP: Was bedeutet das konkret?


ARMAND DE WINTER: So wird die Europeade im nächsten Jahr erstmals auch in Polen stattfinden – in Kielce. Auch darüber habe ich bei meinem jetzigen Aufenthalt in Gotha mit Experten beraten, beispielsweise auch mit Herrn Rüdiger Heß, dem Präsidenten des Deutschen Europeadekomitees aus Frankenberg in Hessen. Natürlich standen letzte Feinabstimmungen für die Gothaer Europeade-Tage im Vordergrund.


LWP: Was fasziniert Sie an der Europeade-Idee?


ARMAND DE WINTER: Das ist wie Olympische Spiele der Folklore- und Trachtengruppen in einem immer enger zusammen wachsenden Europa. Und das Jubiläum in Gotha in dessen Mitte feiern zu dürfen, vergleiche ich mit einer olympischen Goldmedaille.


LWP: Wie begann für Sie alles?


ARMAND DE WINTER: Es gab in meinem Heimatort Wilrijk, was jetzt zu Antwerpen zählt, einen Folkore-gruppe, die sich vor etlichen Jahren verzankt hatte. Da war ich als Krisenmanager gefragt, was ich gern übernahm und die Wogen glätten konnte. Das Ergebnis: Ich blieb dabei und diese Gruppe „De Kegelaar“ besteht immer noch. Sie wird wird sich auch hier in Gotha vorstellen.


LWP: Krisenmanager haben Sie doch sicherlich nicht als Beruf erlernt...


ARMAND DE WINTER: Natürlich nicht. Ursprünglich habe ich ein Studium als Musiklehrer absolviert, den Beruf aber nie ausgeführt. Aber auch daher rührt meine besondere Vorliebe für die Folklore. Viele Jahre habe ich im Büro eines metallverarbeitenden Betriebes gearbeitet. Ehrenamtlich wurde ich auch Vizebürgermeister und Bürgermeister von Walrijk.


LWP: Bis an die Spitze des Europeade-Komitees war sicher ein langer Weg?


ARMAND DE WINTER: Ich will jetzt nicht alle Stationen nennen. Nur soviel: Als 2011 Präsident Bruno Peeters zurücktrat, wurde ich gefragt, ob ich nicht dieses ehrenamtliche Arbeit übernehmen möchte. Da ich damals schon Sekretär des Europeadekomitees war, sagte ich zu. Lege aber nach wie vor Wert auf den kleinen Zusatz ad interim.

38 (2013-06-09)

Fotos: Website Mario Hochberg, LWP

Ein eiserner "Eisbär"

MARIO HOCHBERG – der Paralympicssportler von Weltformat - kommt aus Gotha

ZUR PERSON

Geboren: 11. Dezember 1970 in Gotha

Beruf: Sportler / Hausverwalter / EU-Rentner /

           Vereinsvorsitzender Gothaer Bierfass-

           heberverein e.V

Familie: Ehefrau Melanie und Sohn Hans

Behinderung: Komplette Querschnittlähmung TH 10

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Vereine: BiG (Basketball in Gotha) Gotha /Gothaer Bierfassheberverein

Trainer: Thomas Mersdorf

Sportart: Gewichtheben, Bankdrücken- Starts auch bei Nichtbehinderten

Bestleistung Bankdrücken: 215 kg (Dubai 2009)

Frühere Sportart: Fußball (Motor Gotha)

Größte Erfolge – alle im Behindertensport

Vierfacher Paralympicsteilnehmer – 2000 Sydney (11.), 2004 Athen (erkrankt) , 2008 Peking (5.), 2012 London (10.)

7. WM 2006

1.EM 2003

1. Internationale Arabische Meisterschaften in Dubai

Mehrfacher Deutscher und Thüringer Meister

Website: http://mariohochberg.de

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Ein "Eisbär", der sich über einen "Rasselbock" freut – wie geht das? Ganz einfach: Mario Hochberg (42) ist nicht nur einer der erfolgreichsten Sportler des Kreises Gotha, sondern auch einer der populärsten.Der Behindertensportler hat im Bankdrücken schon international und national viele Trophäen und Preise gewonnen. Die (vorerst) letzte Ehrung erhielt bei der Sportlerwahl des Kreises Gotha 2012, bei der er für seinen 10. Platz in London und seinen tapferen Kampf dort trotz übermächtiger Erfolge der Schlittensportler im Landkreis auf Rang drei gewählt wurde. Freudig nahm er, den seine Freunde den "Eisbär" nennen, dafür auch den Rasselbock, das lustige Maskottchen vom Basketballteam Oettinger Rackets Gotha, in Empfang. HILMAR BÜRGER führte mit ihm für LAPTOPWERK PLUS nachstehendes Ex-klusiv-Interview.

 

Fußball bei Motor Gotha  

 

LWP: Welche Erinnerungen haben Sie an ihre Kinderzeit?

 

Mario Hochberg: Nur gute, zumindest auf den Sport bezogen. Ich habe jede freie Minute genutzt, um Sport zu treiben. Ich wuchs im Gothaer Ostviertel auf. Und so führt mich der Weg auch bald zu den Fußballern von Motor Gotha, bei denen ich von 1978 bis 1990 spielte.

 

LWP: Möchten Sie darüber sprechen, wie es 1995 zu dem Unfall kam, der Ihr Leben verändert?

 

Mario Hochberg: Damit habe ich kein Problem. Es war ein Arbeitsunfall. Ich arbeitete am 30. September als Dachdecker und Zimmermann auf einem Haus in Warza, einem Dorf in der Nähe von Gotha. Ich stürzte aus sechs Meter Höhe ab und fiel auf das Kreuz. Kaum eine Schramme, aber den zehnten Brustwirbel gebrochen und damit querschnittgelähmt.

 

Große Hilfe im Umfeld 

LWP: Wer und was half Ihnen damals am meisten?

 

Mario Hochberg: Meine damalige Freundin und jetzige Frau Melanie, die Familie und viele gute Freunde.

 

LWP: Man sagt über Sie, dass Sie ein Familienmensch sind...

 

Mario Hochberg: Ein solches Schicksal schweißt natürlich zusammen. Unsere kleine Familie wurde am 8. November 2000 komplett, als unser Hans geboren wurde. Ich hatte damals doppeltes Glück.

 

Dreimal Hochberg: Melanie, Hans und Mario

In Sydney voller Unruhe

 

LWP: Inwiefern?

 

Mario Hochberg: Meine Frau war damals hochschwanger, als ich zu den Paralympics nach Sydney reisen sollte. Wir berieten hin und her. Schließlich sagte Melanie, dass eine solche Chance wie in Australien möglicherweise nie wieder bekommen würde. Ich trat das Abenteuer also an und wurde dort Elfter. Die ganze Zeit aber voller Unruhe. Zum Glück hatte aber unser Nachwuchs noch gewartet, sodass ich dann doch noch bei der Geburt von Hans mit dabei sein konnte.

 

LWP: Welche Rolle spielt in Ihrem Leben der der Begriff "Stufen-

schnitt"?

 

Mario Hochberg: Er sorgt dafür, dass ich immer gut frisiert bin. Aber im Ernst, so heißt der Friseursalon meiner Frau. Nicht, weil sie sich auf diesen Art des Haareschneidens spezialisiert hat, sondern weil es dorthin ein paar Stufen hinabgeht

 

Gleich zweimal gut aufgehoben

 

LWP: Was bedeutet Ihnen der Sport ganz allgemein?

 

Mario Hochberg: Eine ganze Menge, alleine durch den Sport konnte ich meinen Unfall und die damit verbundenen Probleme am besten lösen. Sport verbindet und hilft ein schöneres und gesundes Leben zu führen. Für mich ist es beispiels-

weise ein schöner Ausgleich, mit dem Hand-Bike zu fahren oder mit Hans Basketball zu spielen.

 

LWP: Sie sind sportlich doppelt engagiert: BiG und Gothaer Bier-

fassheberverein – wieso diese Doppel? 

 

Mario Hochberg: Das funktioniert prima, für BiG starte ich, und den Bierfassheberverein leite ich. In beiden Vereinen fühle ich mich gut aufgehoben.

 

Mario Hochberg und sein Bierfassheberverein - auch eine Erfolgsgeschichte

Vielleicht mal auf die Biermeile

 

LWP: Ist die ehrenamtliche Arbeit nicht zu anstrengend für Sie?

 

Mario Hochberg: Überhaupt nicht, ich liebe immer wieder neue Herausfor-

derungen und gebe immer alles für die Sache - wie auch im Sport.

 

LWP: Könnten Sie sich vorstellen, dass der Gothaer Bierfassheber-

verein mal beim Internationalen Berliner Bierfestival mit einem zünftigen Bierfassheben auftreten würde?

 

Mario Hochberg: Wir sind für alles offen. Das wäre schon eine tolle Sache. So etwas muss aber gut geplant und abgesprochen werden. Es ist eine Frage des Termines, der Logistik und auch der Kosten. Da brauchte man gewiss einen starken Sponsor. Ich wüsste schon einen...

 

Schon vorher auch Kraftsport

 

LWP: Sie selbst wurden im Rollstuhl ein besonders erfolgreicher Sport-

ler. Ging das alles im Selbstlauf?

 

Mario Hochberg: Ich hatte gute Voraussetzungen für meine Laufbahn, da ich schon vor meinem Unfall auch diese Sportart erfolgreich betrieben habe.

 

LWP: Ihre Titel sind kaum zu zählen – was waren aus Ihrer Sicht bisher die Höhepunkte?

 

Mario Hochberg: Alle vier Paralympics, aber auch die Europa- und Weltmeisterschaften gehören dazu.

 

Eisbär seit der Kinderzeit

 

Mit seinen Fans und dem "Eisbär"-Transparent in London

LWP: Wie war das in London mit der Verletzung?

 

Mario Hochberg: Zwei Tage vor meinem Wettkampf zog ich mir beim Ab-

schlusstraining einen Teilanriss der Trizepssehne zu. Das war sehr bitter, aber wir sind wenigstens am Start und vor allem dabei gewesen.

 

LWP: Sie hatten Ihre Fans auch dort. Auf einem Transparent war vom "Eisbar" zu lesen. ist das eine Art Kampfname?

 

Mario Hochberg: Nein das ist mein Spitzname aus meiner Kindheit.

 

Entscheidung fällt eine Woche zuvor

 

 

LWP: Sie waren auch schon mehrfach zum Wettkampf in Dubai. Welche Be-

wandtnis hat das?

 

Mario Hochberg: Wir wurden nach Peking 2008 zum ersten Fazza 2009 in Dubai eingeladen. Diesen Wettkampf gewann ich auch mit neuer Bestleistung. Das ist jedes Jahr ein Highligth, klasse Bedingungen und natürlich immer super Wetter.

 


LWP: Ihr Freund Andy Dittmar hofft, dass Sie am 29. Juni wieder beim Kugelstoß-Schlossmeeting in Gotha antreten. Was kann man da von Ihnen erwarten?

 

Mario Hochberg: Das kann ich noch leider nicht sagen, weil ich immer noch nicht ganz gesund bin und zur Zeit nur leicht trainieren kann. Ich werde in der Woche vor dem Meeting entscheiden, ob ich daran teilnehmen kann.

 

37 (2013-05-02)

Spricht man von aktuellen Gothaer Sportlerpersönlichkeiten, so ist immer wieder von Andy Dittmar, dem Kugelstoßer, und Mario Hochberg, dem Paralympics-Kraftsportler die Rede. Zwei Außergewöhnliche ihrer Art. Beide sind im Senioren- oder Masters-Alter (je nach Sportart) und starten für BiG – Basketball in Gotha. Mario Hochberg konnten wir bereits mit dem Gothaer Bierfassheberverein, vorstellen, den er leitet. Nun rollt die Kugel zu ANDY DITTMAR. Er gewährte HILMAR BÜRGER von LAPTOPWERK PLUS nachstehendes EXKLUSIV-Interview.



Herr über Knut und Börge

Oben: Vorderseite der Autogrammkarte; unten: Sein großer Rückhalt die Familie: Ehefrau Nadine und die Kinder Emilie, Arved und Lenny.

Fotos. Archiv Dittmar, LWP

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ZUR PERSON

Geburtstag/-ort: 5. Juli 1974 in Gotha

Größe/Gewicht: 1.96 m/138 kg

Beruf/Tätigkeit: Sozialversicherungsfachangestellter/Leitender

                           Angestellter bei AOK PLUS

Familienstand: Verheiratet mit Nadine, drei gemeinsame Kinder: Emilie, Arved und Lenny

Sportliche Entwicklung: BSG Lok Gotha, SC Turbine Erfurt, LG Ohra Hörselgas (Trainer Stefan

 Schreyer, Gerd Elze), BiG Gotha

Sportliche Erfolge:

1984 (10): Bezirksmeister im Schlagball

1993 (19): Finalist Landesmeisterschaft 110 m H

                 Kugelstoßen:

                 Deutscher Juniorenmeister (18.78 m)

2002 (28): Deutscher Vizemeister

2006 (32): Deutscher Vizemeister (20.09m)

                 Deutscher Hallenmeister (20.14m)

                 EM-Siebenter (19.98m)

                 Bestleistung 20.55 m (in Schönebeck)

2010 (36), 2012 (36/38): Senioren-Hallen-Weltmeister Ü35

2011(37), 2013 (39): Senioren-Hallen-Europameister Ü35

2012 (38): Senioren-Europameister Ü35

Ob Lennys Kugel auch schon einen Namen hat?

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Ein Zappelphilipp

 

LWP: Ist Andy eigentlich ihr offizieller Vorname oder ein „Künstlername“?

 

Andy Dittmar: Man kann in meinem Personalausweis nachschauen. Da steht Andy, nicht Andreas. Als ich geboren wurde, gab es einige Andys, die auch in der DDR bekannt waren. Und auch einen aktiven Fußballer bei der WM 1974, welcher wohl Pate bei der Namensfindung durch meine Eltern war.

 

LWP: Waren Sie schon in der Wiege eine Art Herkules?

 

Andy Dittmar: Ich würde eher sagen – ein Zappelphilipp mit außerordentlichem Bewegungsdrang. Und die haben ja bekanntlich nicht allzuviel zwischen den Rippen.

 

Urkunde von Erich Honecker

 

LWP: Da mussten Sie ja die sportliche Richtung einschlagen...

 

Andy Dittmar: Genau so. Zumal mein Vater auch ein guter Volleyballer war. Mit sechs Jahren kam ich dann ins Gothaer Trainingszentrum Leichtathletik, aber nicht als Kugelstoßer. Es ging so in die Richtung Mehrkampf. Einen ersten sportlichen Erfolg hatte ich aber sofort im Auge…im Mehrkampf.

 

LWP: Und das war?

 

Andy Dittmar: Genau genommen nur eine Urkunde. Es gab zu meiner Kinderzeit einen Schülerwettbewerb um die „Urkunde des Staatsratsvorsitzenden“. Das war ein Dreikampf mit 60-m-Lauf, Weitsprung und Schlagballwerfen. Ich beneidete alle, die sie schon hatten. Das in Gold gedruckte Staatswappen faszinierte mich darauf besonders. Und die Unterschrift von Erich Honecker. Die musste ich haben. So wurde mein sportlicher Ehrgeiz geweckt. Ich besitze diese Urkunde, die ich dreimal gewinnen konnte, heute noch.

 

Es kam alles ganz anders

 

LWP: Obwohl sicherlich dann bald etliche und auch zahlreiche Medaillen hinzukamen.

 

Andy Dittmar: So schnell ging das auch nicht. Anfangs auf Kreis – und Bezirksebene in allen möglichen Disziplinen. Nachdem ich zur KJS nach Erfurt delegiert wurde, kamen dann welche im DDR-Maßstab hinzu. Alles deutete an, dass ich mal ein ganz passabler Speerwerfer werden würde. Doch dann kam es durch die Wende ganz anders.

 

LWP: Zum Beispiel?

 

Andy Dittmar: Dass wir im November 1989 etwas taten, was wir uns vorher nie getraut hätten. Wir schwänzten am Sonnabend nach dem Mauerfall das Training. Ich fuhr mit meinen Eltern nach Coburg. Vom Begrüßungsgeld durfte ich die Hälfte für mich verwenden und kaufte mir einen Gewichthebergürtel für das Krafttraining.

 

Nichts mit blauen Kügelchen

 

LWP: Was änderte sich noch für Sie?

 

Andy Dittmar: Fast alles. Ich ging wieder zurück nach Gotha und machte 1992 an der Arnoldischule das Abitur. Es war das letzte Ost-Abitur, das ich als Drittbester bestand. Da ich aus einer Lehrerfamilie stamme, hätten es meine Eltern sicherlich gern gesehen, dass ich diese Tradition fortgesetzt hätte. Vielleicht als Lehrer für Sport und Biologie oder so. Nach meiner zwölfmonatigen Zeit beim Bund in der Gothaer Friedenstein-Kaserne entschied ich mich anders. Ich bin jetzt so etwas wie ein Lehrer für Sozialversicherungsangestellte. Und mit meiner Arbeit bei der AOK PLUS sehr zufrieden.

 

LWP: Und der Sport?

 

Andy Dittmar: Den wollte ich natürlich nicht missen. Nun begann eigentlich erst meine erfolgreiche Zeit. Grundlage für diese Entwicklung war, dass ich zurück unter die Fittiche von Trainer Stefan Schreyer kam, seinerzeit als Gothaer auch ein Spitzenzehnkämpfer, Fünfter der Olympischen Spiele 1972 in München. Er machte aus mir einen Kugelstoßer. Es wurde ausgerechnet, was ich so zunehmen müsse, um international mitstoßen zu können. Danach richtete sich das Training und meine Lebensweise. Nichts mit den berüchtigten blauen Kügelchen. Wie übrigens auch nicht zu meiner Zeit beim SC Turbine Erfurt.

 

LWP: Auf Ihrer Autogrammkarte stehen zwei Namen für Ihre Kugeln. Wie kam das zu Stande?

 

Andy Dittmar: Jeder Stoßer hat seine eigene Wettkampfkugel, die bewacht-gepflegt-geliebt wird. Ich gab meiner ohne Anlehnung auf lebende oder verstorbene Personen einen Namen. Knut kam mir spontan in den Sinn. Da ich auch ein inniges Verhältnis zu meiner Trainingskugel habe, gab ich ihr ebenfalls einen Namen – Börge. heißt der Sohn von Kjelt aus der Olsenbande. Nach einem Fernsehabend mit Filmen der Olsenbande taufte ich meine Trainingskugel so.

 

Weltklasse auf dem Schlosshof

 

LWP: Wenn man Ihre Erfolgstatistik liest, dann fällt sofort das Jahr 2006 ins Auge...

 

Andy Dittmar: Das war mein erfolgreichstes Jahr als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft. Sehr gute Erinnerungen habe ich noch an die Europameisterschaften in Göteborg. Platz Sieben erfüllt mich immer noch mit Stolz! Na gut, Sechster wäre ich vielleicht geworden, wenn ich die Bestleistung von 20.55m dort geschafft hätte. Es war vor allem die Atmosphäre im Stadion und Wettkampf, die mich begeisterte. Und außerdem hatte ich mit dem Neubrandenburger Ralf Bartels, der ja Gold gewann, viel Spaß am Ring.

 

LWP: Nun nehmen Sie als frischgebackener Senioren-Europameister am 29.Juni das 16. Gothaer Schloßmeeting als Cheforganisator ins Visier. Was darf man erwarten?

 

Andy Dittmar: Auf alle Fälle wieder ein hochklassiges Erlebnis auf dem Schlosshof. Das Meeting wurde vom deutschen Verband als zweitwichtigster Wettkampf nach den Meisterschaften eingeordnet. So werden der Olympiazweite von London David Storl aus Chemnitz und Ralf Bartels dabei sein, der sich dabei von Gotha verabschiedet. Mit Weltmeister Tomasz Majewski aus Polen sind wir noch in Verhandlung. Und dann hat sich mein Freund Mario Hochberg für diesen Tag noch etwas ganz Besonderes ausgedacht. Er fordert einen gestandenen „Rollikugelstoßer“ in einem schon zur Tradition gewordenen Kugelstoßwettbewerb auf dem Schloss heraus. Ich ziehe nur den Hut vor dem, was der Mario so bewegt. Wir werden aber auch von unserem Verein BiG – also Basketball in Gotha - sehr gut unterstützt. Wie auch das gesamte Umfeld hier in Gotha bestens stimmt.

 



36 (2013-04-25)

Vom 18. bis 25. Mai finden im türkischen Kusadasi am Mittelmeer die European Masters im Gewichtheben statt. Das ist auch das Feld einer außergewöhnlichen Frau - DENISE OFFERMANN, die als Generalsekretärin des European Masters Komitees die eisernen Fäden mit in der Hand hält. Sie gewährte HILMAR BÜRGER von LAPTOPWERK PLUS nachstehendes EXKLUSIV-Interview.



Das längste "Jahr" ihres Lebens

Fotos: Archiv Offermann

ÜBER SICH ZUR PERSON

 

Geboren am 11. August 1965 also ein Sommerkind! Ich bin gebürtige Belgierin mit einer deutschen Mutter, geboren in Luxembourg, wo ich meine ersten 4,5 Jahre verbracht habe. Also von Anfang an ein grenzenloses Kind. Ich bin dipl. Lebensberaterin und dipl. Hypnose-therapeutin, was mir sehr viel Spaß macht und mir immer wieder vor Augen hält wie toll mein Leben ist! Ich habe nie verbissen Sport getrieben, habe aber seit 1987 nach Gewichtheben Ausschau gehalten. Ich bin als Austauschstudentin 1986 für ein Jahr auf Zypern gelandet (wollte immer aus Belgien raus!) …na ja, das „Jahr“ ist immer noch nicht um. Ich habe eine Familie gegründet mit drei wunderbaren Kindern (22, 17 und 14 Jahre alt) und fühle mich nach den ersten 15 Jahren auf Zypern zuhause.



Sie sieht sich auch als Teammensch.

Sprachen sind meine Brücke

 

LWP: Frau Offermann, würde Sie es stören, wenn man sie als "Allerweltsfrau" bezeich-

net?

Denise Offermann: Ich bin ein geborener Tourist und liebe den Umgang mit Menschen. Durch meine Herkunft hat es sich ergeben, dass ich einige europäische Sprachen spreche, die ich als Brücke gut überall anwenden kann. Und es macht auch Spaß.

LWP: In welchen Sprachen kann man sich mit Ihnen unterhalten?

 

Denise Offermann: Womit fange ich an? Also: belgisch, englisch, deutsch, luxemburgisch, griechisch – und wenn es denn sein muss, auch mit Händen und Füßen.

 

Hypnose ist kein Zauber

 

LWP: Als gebürtige Mitteleuropäerin scheint es Ihnen das Mittelmeer besonders angetan zu haben...

Denise Offermann: Als ich 1986 nach Zypern kam, sagte mir eine innere Stimme sehr selbstischer, dass ich hier bleiben werde. Mittlerweile kann ich es mir nirgendswo anders besser vorstellen.

 

LWP: Sie sind beruflich auch mit Hypnotheraphie beschäftigt - was ist das genau?

Denise Offermann: Hypnose heißt im Grunde genommen nichts mehr, als tiefere Konzentration auf etwas. Man gibt sich dem Thema hin und schaltet äußere Einflüße auf den ´automatischen Piloten´, wie beim Autofahren. Die Augen sind geöffnet, das Ziel ist in etwa klar, und die Gedanken und Szenen umwickeln den Fahrer, sodass er nicht immer die Straße sieht, und trotzdem fährt.

 

Hypnose ist kein Zauber, sondern ein Werkzeug, das wir alle von Geburt an in uns haben und täglich verwenden. In meinem beruflichen Feld benutze ich gerne die Hypnoterapie, um den Menschen zu helfen, dass man seinen Standpunkt jederzeit ändern kann, indem man die Dinge mal als Beobachter betrachtet. Hypnose eignet sich auch hervorragend in der Schmerztherapie und das Programmieren von Selbstbewußtsein durch innere Ruhe.

Vom Turnen geträumt

 

LWP: Internationale Erfahrungen und große Praxis im Umgang mit Menschen – ist das die Veraussetzung, um Generalsekretärin im Komitee der European Masters im Gewichtheben zu werden?

 

Denise Offermann: Nur zum Teil. Da kommt bei mir noch etwas hinzu. Der Verbindung zum Sport, als aktive Sportlerin und auch als Helferin des Sports.

 

LWP: War die Hantel Ihre erste sportliche Station?

Denise Offermann:Mein Kindestraum wurde eigentlich das olympische Turnen. Ich war immer gut im Sport, bin aber leider nur mit Schulsport großgeworden. Zum Gewichtheben kam ich über den Fitness-Sport. Auf Zypern habe ich durch das tolle Essen schnell zugenommen, was mir gar nicht gefiel. So habe ich mit Fitness angefangen. Ich war einer der ersten Frauen hier die sich an schwere Gewichte rantrauten. Mit 38 Jahren habe ich dann (Zufälle gibt es ja nicht) eine zypriotische Sportzeitschrift entdeckt, wo auf der Titelseite ein Gewichtheber in Aktion zu sehen war. Im Bericht fand ich dann endlich die Telefonnummer vom damaligen Präsidenten des zypriotischen Gewichtheberverbandes. Ich hatte mich überwunden und nach unserem Telefongespräch fing mein Training an.


Aber Präsident Bill Barton - der Pokal für Denise Offermann könnte schon etwas größer sein... 

Im Internet zu den Masters

 

LWP: Und dann blieben Sie am Eisen kleben...

 

Denise Offermann:So ähnlich. Durch meine Fitness, aber ohne Trainer, kam ich innerhalb von sechs Monaten auf 52,5 kg im Reißen und 62.5 kg im Stoßen. Durch meinen Beruf bin ich immer noch mein intensivster und langjährigster Klient. Alles wird ausprobiert und es macht Spaß. Die Masters international habe ich über das Internet gefunden und mich direkt mit dem Präsidenten Bill Barton in Verbindung gesetzt, da ich die Qualifikation in meiner Alters- und Gewichtsklasse gut überschritten habe.

 

LWP: Bitte verschweigen Sie nicht Ihre Erfolge...

Denise Offermann: Zumindest einiges: Bei den Masters Games, das sind die "Olympischen Spiele" der Masters, und bei Weltmeisterschaften meiner Altersklasse konnte ich seit 2005 zweimal Gold und dreimal Silber erkämpfen. Bei den  European Masters fünfmal Gold und viermal Silber. Ich bin übrigens auch Generalsekretärin vom Zypriotischen Gewichtheberverband und kandidiere bei den bevorstehenden IWF-Wahlen in Moskau für das Coaching and Research Committee.


 

LWP: Ziehen Sie gern Organisationsfäden? 

 

Denise Offermann: Ich bin ein geborener Organisator. Als die Europameisterschaft der Masters 2007 auf Zypern fiel, anstatt erst 2008, war unsere Zeit von zwei Jahren auf neun Monate begrenzt. Es war auch die erste internationale Meisterschaft in dieser Größe in der Geschichte des zypriotischen Gewichthebens.

 

Wir waren nur acht Personen, um die Meisterschaft auf die Beine zu stellen und durchzuführen. Das hat Mut und Kraft gegeben, sodass wir die Weltmeisterschaft der Masters 2011 auch wieder in letzter Minute aufgefangen haben. Da habe ich die ganze Organisation alleine gemacht bis auf die letzten zwei Wochen vor der Meisterschaft, wo dann einige vom Verband tatkräftig mithalfen. Auch das war wieder ein Erfolg.

 

Es ist Platz für alle da


Denise Offermann (rechts) mit ihrer deutschen Freundin, Rivalin  und Masters-Heberin Sabine Eschemann aus Peine.

LWP: Worin sehen Sie die Besonderheiten von Masters-Wettkämpfen, außer der Tatsache, dass die Teilnehmer 35 Jahre und älter sind?

Denise Offermann: Bei den Masters findet man die Geschichte des jeweiligen Sports. Viele Olympiasieger, Weltmeister usw. machen heute sogar im hohen Alter noch mit. Bei den Masters ist Platz für alle da. Man fühlt sich in einer Familie, die Spaß und schöne Momente zusammen verbringen möchte. Gleichzeitig ist es ein lebenslanges Hobby, sodass man sein Alter gar nicht mehr fühlt. Ich bin durch das Gewichtheben ein noch positiverer, selbstständiger Mensch geworden, der zeit- und alterslos wurde. So fühle ich mich zumindest. Ich nehme meine Position und den Sport ernst, jedoch nicht, dass ich nicht mehr ohne leben könnte. Solange ich Spaß dran habe hält es mich gesund und fit. Ernster möchte ich es nicht nehmen.

LWP: Was können die Teilnehmer der European Masters nächsten Monat im türkischen Kusadasi erwarten?

Denise Offermann:Ein toller Ort für den Wettkampf, und wo man sich richtig auszuruhen kann. Vor allem nach den langen europäischen Winter, werden sich viele über Kusadasi freuen können. Die Wettkämpfe finden in einem neugebauten Konferenzzentrum, direkt an den Füßen des größten Wasserparks statt. Organisatorisch habe ich keine Bedenken, es wird alles vor-handen sein, was der Athlet braucht.

Ich danke Ihnen für dieses Interview und hoffe, dass mehr Gewichtheber bereit sind, auch das Administrative mitzuheben. 



34 (2012-10-22)

Eberhard Bock in seiner "zweiten Heimat", dem Vogtland - oben mit seiner Frau Anneliese in der VogtlandArena in Begleitung von Geschäftsführer Alexander Ziron; Unten bei einer Begegnung mit den Laptopwerkern Hans-Jürgen Zeume und Rolf Arne Odiin.

Fotos: Archiv Bock

HILMAR BÜRGER im Interview mit Laptopwerk-Ehrenmitglied EBERHARD BOCK zu seinem 75. Geburtstag

Vom SPORTECHO viel geblieben

0 Wieso schreibst Du eigentlich bei Laptopwerk keine eigene Kolumne?

Vor einem guten Jahr hatte Detlef Michel, der in Müggelheim seit ein paar Jahren ein Fitnessstudio betreibt, einen Tag der offenen Tür veranstaltet und dazu Sportfreunde und –freundinnen aus gemeinsamer Sportlerlaufbahn eingeladen. Mich auch! Und da waren Marlies Göhr, Cornelia Oschkenat, Ilona Briesenick-Slupianeck, Ulf Timmermann, Karl-Heinz Rothenburg, Hartmut Briesenick und andere zur Stelle. Ich hatte meine Kamera dabei und nutzte sie. Ein Album mit den erfolgreichen Leichtathleten entstand, alle schrieben dem Speerwurf-Weltmeister von 1983 gute Wünsche für die weitere Entwicklung seines Betriebes ins Buch. Da fiel plötzlich das Wort Laptopwerk.de. „Stell` doch ein paar Bilder ins Net“. So geschehen, und so begann meine Mitarbeit. Es macht mir Freude. Mehr Verantwortung strebe ich nicht an. Aber man soll nie nie sagen!

0 Was reizt Dich besonders an den Beiträgen für "IM BILDE" - mittlerweile sind es genau 100 geworden?


Fotografiert habe ich schon immer gern. Als schreibender Journalist begleitete mich die Kamera bei der Arbeit. Auslandsreisen gab es auch, natürlich nicht in Überzahl. Aber unsere Bildredakteurin im Sportecho war stets dankbar, wenn das gesuchte Foto bei mir war. Da mich das neue Jahrtausend recht böse begrüßte – Herzrhythmus-Störungen, Herzeingriff, Schlaganfall – aus der Bahn warf, ging es um andere Aufgaben. Wieder Sprechen lernen, Lähmung überwinden Gesichtsgymnastik, allgemeine Körperübungen, Spaziergänge. Es ging wieder aufwärts. Mein Chor, die Chorgemeinschaft „pro musica“ Treptow, gab Unterstützung. Bald konnte ich wieder mitsingen. Viele, neue Aufgaben. Weiter machen, weiter kämpfen. Aber die Kräfte einteilen, nicht überziehen. Da steckt die Antwort von Frage eins noch einmal drin…

0 Du bist früher ja mal ein guter Leichtathlet gewesen...

 

Sagen wir, ein begeisterter. Teilnahme an DDR-Meisterschaften. Bei den Juniorenmeis-

terschaften kam ich über 800 und 1500 m in den beiden Juniorenjahren in die Endläufe. Gut?!  Gut ist eben relativ. Das ganz große Talent fehlte, aber ich stieß zur Zeitung "Der Leichtathlet." Erkannte Entwicklungsmög-

lichkeiten und nutzte sie. Nach drei Jahren wurde ich ins "Deutsche Sportecho" berufen - so nannte man das damals. Die Leichtathletik begleitete mich durchs Leben. Leichtathlet war und bleib' ich immer!

 

0 Was ist vom SPORTECHO in besonders guter Erinnerung geblieben?

Kreativität, Einsatzbereitschaft, Begeisterung auf der einen, Unbeweglichkeit, Technikmängel, überzogene Einhaltung der roten Linie. Bei uns ging es nicht nur um den ganz großen Sport. Um Rekorde und die großen Siege. Wenn ich an Veranstaltungen wie „Cross der Jugend“ oder „Jagt die Meister!“ im Kanu oder „Stärkster Lehrling“ denke, miterlebte wie Hunderttausende Sport trieben. „Lauf Dich gesund“ oder die „Meilenbewegung“ (Länge der Laufstrecke mit dem laufenden Jahr identisch) da war Kreativität gefragt. Vieles davon, Ähnliches vermisst man heute. Sportseiten in den Zeitungen gibt es heute mehr, als wir damit leben mussten. Aber es dreht sich doch meist alles um Bundesliga, Formel 1, Tennis. Den Normalsport, Volkssport liest man kaum. Wenn ich gefragt werde, was mir vom SPORTECHO in besonders guter Erinnerung geblieben ist, verweise ich auf Bertolt Brecht: „Der große Sport fängt da an, wo er längst aufgehört hat, gesund zu sein!“ Diesen Ausspruch kannte ich damals noch nicht. Aber ihm leben konnte man dennoch.

0 Und was noch?

Die Begeisterung für den Sport. Wir haben nie auf die Uhr geschaut und nicht nach einer Honorarhöhe gefragt, wenn eine befreundete Sportredaktion um einen Artikel bat. Teamgeist – wir sagten damals Kollektivität – ließ uns nie aus den Augen geraten. Anfang Oktober fand das 22. Alt-Sportecho-Treffen am Strausberger Platz statt. 51 Mitarbeiter, Freunde, Kollegen waren dabei. 15 übermittelten Wünsche, 13 von ihnen fehlten aus erfreulichem Grund: sie waren auf Urlaubsreise.

 0 Dein Höhepunkt in der Laufbahn als Sportjournalist?

 Der Höhepunkt? Ohne Zweifel die Olympischen Spiele 1980 in Moskau. Schon Jahre vor der Ortsvergabe im Oktober 1974 beim IOC-Kongress in Wien hatte ich es ausgesprochen. Ich wollte immer mal bei Olympia dabei sein. Die Chancen waren gering. Bei Olympia waren nur ein, zwei Kollegen vom ECHO dabei. Und das waren meist die Chefs. Aber einmal wird Moskau die Spiele bekommen, sagte ich mir, dann musst du so gut sein, dass man dich nicht übersehen kann. Ich habe Kontakte geknüpft, war der Verbindungsmann zur Millionenzeitung „Sowjetski Sport“. Habe Russisch gelernt und ein Niveau erreicht, das mir Interviews ohne Dolmetscher erlaubte. Und dann die Spiele! Waldemar Cierpinski gewann seinen zweiten olympischen Marathon, Gerd Wessig holte mit Weltrekord (2,36 m) das Hochsprunggold. Thomas Munkelt und Volker Beck gewannen die 110- und 400 m Hürden. Im Vorfeld von Olympia waren andere schneller. Aber Olympiasieger kann nur werden, wer dabei ist…

0 Worauf führst Du zurück, auch mit 75 noch so aktiv zu sein?

 

„Noch so aktiv zu sein“ sehe ich auch relativ. Wenn man nach teilweiser Lähmung nun mit den Stöcken, Nordic Walking, 90, 100 Minuten bewältigen kann, hat man doch viel wieder erreicht. Gesundheitliche Probleme – genügend! Man muss sie akzeptieren! Nicht jammern! Nicht klagen! Die gesundheitlichen Probleme beherrschen. Wenn das gelingt, hat man viel gewonnen.

0 Welchen Wunsch möchtest Du Dir noch erfüllen?

Bekannten und Freunden gebe ich es als Wunsch weiter das Motto: Beherrschung der gesundheitlichen Probleme. Mein Motto möglichst immer umsetzen.

0 Wo und wie wird da Jubiläum gefeiert?

Bescheiden und ruhig an der Ostsee. Baden ist nicht mehr geplant. Lange Spaziergänge sollen nicht fehlen.

Fr                   27.05.2016 Nr.                  2.075 - 772

Aktualisierung            09:15

Übrigens,


… Google und der US-Bekleidungshersteller Levi Strauss haben am Freitag auf der Entwicklerkonferenz I/O eine intelligente Jeansjacke angekündigt. Sie soll es Nutzern erlauben, mobile Geräte zu bedienen, um beispielsweise Telefonanrufe anzunehmen oder die Wiedergabe von Musik zu steuern. Eine erste Betaversion der Smart Jacket soll im Herbst verfügbar sein. Den Marktstart plant Levi Strauss für Anfang 2017. Die Jacke entsteht in Zusammenarbeit zwischen der Google-Sparte Advanced Technology and Projects und Levi Strauss. Sie nutzt Technologien des im vergangenen Jahr vorgestellten Project Jacquard – benannt nach Joseph-Marie Jacquard, der 1805 eine Lochkartensteuerung für mechanische Webstühle erfunden hat. Im Rahmen des Projekts integriert Google Multitouch-Sensoren in Bekleidung.

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 25.05.2016

6    9    10    21    30    36    SZ: 6

Spiel 77:   6084 456

 

Super 6:   446 678

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

1589 (2016-05-27)

Eberhard Bock

 

Kran als Bar, Kleinrestaurant oder Aussichtspunkt

Tempelhofer Hafen

Treffpunkt für Bummler, Touristen

und Erholungsuchende

BREAKING NEWS:

 

International

 

Die G-7 gaben nach dem Gipfel in Japan ein Abschlusserklärung ab. Die wichtigsten Punkte im Überblick: Viel Geld und Zeit verbraten, keine Beschlüsse gefasst!


Putin setzt sich zum dritten Mal über die politische Quarantäne in Europa hinweg – an diesem Freitag kommt er für zwei Tage nach Griechenland. Anlass: Der 1000-jährige Bestand des russischen Klosters Panteleimon auf dem für die orthodoxe Kirche heiligen Berg Athos auf der Halbinsel Chalkidiki. Davor macht das russische Staatsoberhaupt in Athen einen Stopp – samt einer Schar von Ministern und Geschäftsleuten.


Es ist ein Abnutzungskrieg, den sich Frankreichs größter, linker Gewerkschaftsbund, die CGT, und die sozialistischen Regierung liefern. Die CGT will die Arbeitsmarkt-Reform, die der französische Nationalrat in erster Lesung bereits ratifiziert hat, mit allen Mitteln wieder zu Fall bringen und hat dabei einstweilen die besseren Karten in der Hand. Am Donnerstag hatten die Belegschaften aller 19 Atomkraftwerke Frankreichs (80 Prozent des Stroms des Landes kommt aus dem Atom) auf Weisung der CGT den Streik beschlossen.


Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen im "Dschungel" von Calais sind mehr als 20 Menschen verletzt worden. Es seien 20 Flüchtlinge, drei Freiwillige und ein Polizist verletzt worden. Die genaue Ursache des Gewaltausbruchs war zunächst unklar. Er erfolgte, als in einem Hilfszentrum in dem wegen seiner schlechten Zustände berüchtigten Flüchtlingslager in Nordfrankreich Essen ausgeteilt wurde. An den Auseinandersetzungen waren rund 200 afghanische und sudanesische Flüchtlinge beteiligt. Mehrere Notunterkünfte gingen nach Angaben eines AFP-Reporters in Flammen auf. Etwa 35 Einsatzwagen von Feuerwehr und Polizei waren vor Ort. 

 

Deutschland/Berlin

 

Energiewende ist das große Ziel der Deutschen: Strom aus Wind und Sonne soll Kohle- und Gaskraftwerke in Zukunft ersetzen. Der Verkehr wird "elektrisch", die Heizung "solar". Doch das Energiewende-Land Nummer eins ist Großfinancier von Kohlekraftwerken und Kohlebergbau in Entwicklungsländern. Und wichtiger Hersteller von umweltbelastenden Dieselfahrzeugen.

 

24 Bahnhöfe der BVG sind inzwischen auch baulich ziemlich unterirdisch, deshalb werden sie runderneuert, und zwar schon bis 2021. Bis dahin kann es schon mal passieren, dass nach der Ansage „Vorsicht bei der Einfahrt des Zuges“ die Wände wackeln wie gerade am Bahnhof Gneisenaustraße. Nach dem Zusammenstoß des Bröckelbetons mit einem U-Bahnzug werden hier nun alle losen Fliesen abgeschlagen. Auch Zwischendecken werden vorsorglich abgehängt. Für mehr Licht am Anfang des Tunnels. TSCP

 

Inzwischen hat es nun auch Michael Müller gemerkt: Der Fluchhafen BER lässt sich kaum noch 2017 eröffnen - höchstens ohne Genehmigung. Oder in der Sprache des Regierenden Aufsichtsrats-Bürgermeisters: „Nach dem heutigen Stand kann ich nicht mehr ausschließen, dass wir mit der Eröffnung im Jahr 2018 landen.“ 

 

Fußball

 

Mit einem Kopfballtor im türkischen Pokalfinale hat Lukas Podolski Galatasaray Istanbul am Ende einer schwachen Saison doch noch einen Titel beschert.

 

Die Niedersächsinnen vom VfL Wolfsburg verloren am Donnerstagabend das Endspiel in der Champions League gegen Olympique Lyon mit 4:5 (1:1) nach Elfmeterschießen. In Reggio Emilia verloren die "Wölfinnen" insgesamt verdient, zeigten aber großes Kämpferherz. 

 

Radsport

 

GIRO D'ITALIA 2016

 

ERGEBNIS 18. ETAPPE / MUGGIÒ - PINEROLO (240 KM)

 

1

Matteo Trentin

ETIXX - Quick Step (EQS)

5:25:34

2

Moreno Moser

Cannondale Pro Cycling Team (CPT)

+0:00

3

Gianluca Brambilla

ETIXX - Quick Step (EQS)

+0:00

4

Sacha Modolo

Lampre - Merida (LAM)

+0:20

5

Nikias Arndt

Team Giant-Alpecin (TGA)

+0:30

6

Iwan Rowni

Tinkoff (TNK)

+0:34

7

Matteo Busato

Wilier Triestina - Southeast (WIL)

+1:10

8

Christian Knees

Team Sky (SKY)

+1:16

9

Axel Domont

Ag2R La Mondiale (ALM)

+1:24

10

Davide Malacarne

Astana Pro Team (AST)

+4:28

 

 

GESAMTWERTUNG NACH 18 VON 21 ETAPPEN

 

1

Steven Kruijswijk

Team Lotto NL-Jumbo (TLJ)

73:50:37

2

Esteban Chaves

Orica GreenEdge (OGE)

+3:00

3

Alejandro Valverde Belmonte

Movistar Team (MOV)

+3:23

4

Vincenzo Nibali

Astana Pro Team (AST)

+4:43

5

Ilnur Sakarin

Team Katusha (KAT)

+4:50

6

Rafal Majka

Tinkoff (TNK)

+5:34

7

Bob Jungels

ETIXX - Quick Step (EQS)

+7:57

8

Andrey Amador Bikkazakova

Movistar Team (MOV)

+8:53

9

Domenico Pozzovivo

Ag2R La Mondiale (ALM)

+10:05

10

Kanstantsin Sivtsov

Dimension Data (DDD)

+11:15

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