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58 (2016-11-28) Uwe Morchutt

Pferderennen - großes Geschäft in Japan

ジャパンカップ Japan Kappu

 

Wer bisweilen denkt, Pferderennsport sei nur in Europa oder den USA beliebt, der irrt sich gewaltig


In Asien leben die wahren Zocker. Horse racing is big business in Japan! Hier wechseln Milliardenbeträge den Besitzer. Glaubt man den Auguren, wurden die ersten Pferderennen in Japan 1862 in Yokohama von Ausländern nach westlicher Art organisiert. Man höre und staune, immer wieder die „Foreigner“! Hinter der Bezeichnung „big four“, die großen Vier, verbergen sich Tokyo, Nakayama, Kyoto und Hanshin, also die Orte, wo die größten Pferderennbahnen Japans hunderttausende Besucher wöchentlich anlocken, um auf das große Glück zu wetten. 

 

Hier wird nicht geknausert, sondern gezockt, dass die Wettscheine glühen!

 

Japan verfügt insgesamt über zehn Pferderennbahnen. Der „Tokyo Racecourse“ in Fuchu beheimatet, ein Vorort von Tokyo, eröffnete bereits 1933. Die größte japanische Rennbahn bekam im Frühjahr 2007 eine Erfrischungskur, ehe sie nach siebenjähriger Komplettsanierung wieder für die Vierbeiner freigegeben wurde, so dass sie nun Sitzplätze für 120 000 Besucher bei einer Gesamtkapazität von 223 000 parat hält.

 

Eine unfassbare Dimension, wohingegen deutsche Rennbahnen doch eher klein und provinziell anmuten. Morbider Charme umhüllt die meisten Anlagen hierzulande! Die Tokyoer nennen ihre Rennbahn auch ganz bescheiden: ‘racecourse of racecourses’. Hier findet auch das japanische Derby (Tokyo Yushun) seit 1932 statt.

 

In Nakayama, Funabashi, Chiba, 1920 gegründet, finden wir die Rennbahn, die vor allem für „Steeplechase“-Rennen, also für Hindernisrennen, bekannt ist. Die großzügige Anlage verfügt über eine Sand- (Dirt), eine Hindernis- und zwei Grasbahnen (Turf). In Nakayama findet beispielsweise das höchstdotierte Hindernisrennen der Welt mit dem Grand-Jump statt. Die Anlage wurde 1990 eröffnet und bietet seither Platz für rund 166 000 Besucher.

 

Kyoto, bekannt auch durch das Kyoto-Protokoll vom 11. Dezember 1997, dem Klimaabkommen der Vereinten Nationen, beheimatet die älteste Pferderennbahn im westlichen Teil Japans. Dieser Renn-Parcours wurde schon 1924 für die Besucher freigegeben. 2007 erhielt die Rennbahn auch eine Video-Wall nach dem Vorbild von Tokio. Die sogenannte „Turf Vision“ präsentiert Videos und Renninformationen im Großbildformat. Der 10,80 m hohe und 64 m breite Jumbo-Bildschirm nahe der Ziellinie erlaubt einen grandiosen Blick auf das jeweilige Rennen in brillanter Bildqualität. Selbstverständich in 3-HD-Format. Der Kyoto Race Course verfügt über zwei Grasbahnen, eine Sandbahn und eine Hindernisbahn.

 

Der Hanshin Racecourse, der Vierte im „Big-Business“, wurde kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges 1949 eröffnet. Die Anlage hat eine Kapazität für rund 140 000 Besucher, wobei knapp 13 000 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Wetter oder echte Zocker wird man aber kaum sitzend antreffen, da sie ständig zwischen Führring, wo die Pferde vorgestellt werden, und Wettscheinannahme umhertoben, wobei natürlich auch die aktuellen Formen der Pferde überprüft werden müssen. 30 Jahre eigene Rennbahnerfahrung können dieses Ritual bestens nachvollziehen. Ein Blick auf die „big four“ verdeutlicht, dass Japan grandiose Rennbahnen verfügt.

Ein kleiner, faszinierender Einblick in das große Geschäft der pferdeverrückten Japaner

 

Am 27. November 2016 fand nun der 36. Japan Cup, ein Gruppe I-Rennen über 2400 m, auf der „Rennbahn der Rennbahnen“ in Tokyo statt. Das wichtigste Rennen im japanischen Rennkalender wurde 1981 ins Leben gerufen. Offen für 3-jährige und ältere Rennpferde, wobei auch ausländische Cracks eingeladen werden. Dotiert mit beachtlichen 575.340.000 JPY, was rund 4,8 Mio. Euro entspricht, ist es das höchstdotierte Galopprennen Asiens überhaupt.

Lediglich drei ausländische Pferde, darunter zwei deutsche Hoffnungsträger, von 17 Startern rückten um 15.40 Uhr Ortszeit (7.40 Uhr MESZ) in die Startboxen ein. Mit Nightflower und Iquitos versuchte man, nach 1995, als Lando vom legendären Vererber Acatenango aus der Birkhahn-Linie gewann, den Siegerpokal wieder nach Deutschland zu holen. Die Klassestute Danedream, die mittlerweile ihr edles Blut in Japan vererbt, wurde 2011 Sechste. Die Trauben hängen allerdings sehr hoch, weil das Rennen für die japanischen Vertreter einen immensen Prestigewert besitzt. Ausländische Sieger gab es seit 1981 nur ganz wenige. Wie immer kann nur einer gewinnen.

 

Der vier Jahre alte Hengst Kitasan Black, ein Black Tide-Sohn, hat das Rennen schließlich als Favorit überlegen gewonnen. Im Sattel saß der 47 Jahre alte Jockey Yutaka Take, der das Rennen somit zum vierten Mal gewinnen konnte. Hinter sechs japanischen Pferden wurde Iquitos (Ian Ferguson), der die diesjährige Champions League gewann, Siebter. Nightflower (Andrasch Starke) belegte den zwölften Platz. 

 

Über 100.000 Besucher wohnten dem Galopp-Highlight bei. Kitasan Blacks Mutter Sugar Heart hat sicher viele Wettanleger mit einem „Zuckerherz“ nach Hause gehen lassen! umo

 

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Dermoplastik – Aus dem Griechischen: Es beschreibt das Verfahren zur naturgetreuen Nachbildung von Tieren unter Benutzung eines Modells, dass mit der gegerbten Originalhaut überzogen wird.

57 (2016-11-06) Uwe Morchutt

 

Einzigartige Rennserie

33. Breeders' Cup – Santa Anita, Kalifornien

Tierzüchter gibt es viele auf der Welt

 

Idealismus und Liebe zu den Tieren sind oftmals der Auslöser, so lange es keine Nutztiere sind, die ausschließlich zum Zwecke des Verzehrs gehalten werden. Gelungene Zuchterfolge werden deshalb auch gern mit einem Preis bedacht, wenn im sportlichen Wettstreit mit anderen Züchtern vielleicht der Schnellste gesucht wird. Der Breeders' Cup in den USA ist solch ein Wettbewerb, wo die erfolgreichsten Züchter (Breeder) aus der ganzen Welt jedes Jahr am Ende einer Rennsaison mit ihren Zuchterfolgen gegeneinander antreten. Die stolzen Züchter beobachten genau, was aus ihren Schützlingen geworden ist, auch wenn sie gar nicht mehr im Besitz ihrer Zöglinge sind. Gemeint sind die Rennpferde, die sensiblen Vollblüter mit ihrem edlen Blut.

 

Der Santa Anita Park

 

Eine Pferderennbahn und ein Reitsportzentrum in Arcadia, Kalifornien, war am Wochenende Schauplatz dieses einzigartigen Rennsport-Spektakels. Die legendäre Rennstecke im Santa Anita Park wurde am 25. Dezember 1934 eröffnet, nur ein Jahr nach der offiziellen Legalisierung des Pferderennsports in Kalifornien. Der Santa Anita Park diente u.a. auch als Sportstätte der Olympischen Sommerspiele 1984.

 

Die Rennsport-Veranstalter nahmen ihren Job von Anfang an sehr ernst. Sie galten als äußerst kreativ und innovativ. Beispielsweise wurden hier erstmals die Startboxen (Startmaschine) und das Fotofinish im Galopprennsport eingeführt, die seither zum Standard gehören.

 

Das berühmte Rennpferd Seabiscuit, dessen Karriere 2003 verfilmt wurde, gewann 1940 bei seinem letzten Start das Santa Anita Handicap. Seabiscuit, das „Pferd des Jahres 1938“ in den USA, steht heute, in ewiger Erinnerung an seine sportliche Leistung, als Statue im Führring (Paddock). Während des Zweiten Weltkrieges war auf dem Gelände ein Internierungslager für japanisch-stämmige Amerikaner eingerichtet. 1945, dem Pferdeverstand sei Dank, öffnete der Parcours dann wieder für die flinken Vierbeiner.

 

Ein unvergleichliches Erlebnis für jeden Vollblut-Liebhaber

 

An zwei Tagen, am 4. und 5. November 2016, fanden insgesamt 13 Rennen, darunter allein neun Gruppe I-Prüfungen mit Preisgeldern in Höhe von 21,5 Mio. Dollar statt. Nach Keeneland, Kentucky, im Jahr 2015, waren die Augen dieses Mal wieder auf Santa Anita gerichtet, weil der Veranstaltungsort unregelmäßig wechselt. Ein Dankeschön gilt dem Initiator, der 1984, also vor genau 32 Jahren, diese grandiose Rennserie ins Leben rief. Quasi ein Stelldichein der „Crème de la crème “ des Galopprennsports. Die „Sahne der Sahne“, angezogen von den üppigen Preisgeldern.

 

Zwei Rennen ragen dabei besonders aus den 13 Rennen heraus

 

Der Breeders' Cup Turf (auf Rasen) mit 4 Mio. US$ dotiert, und der Breeders‘ Cup Classic (Dirt – auf Sand), der mit 6 Mio. US$ am höchsten dotiert ist. Wie immer kann nur einer gewinnen.

Der dreijährige Unbridled‘s Song-Sohn Arrogate aus dem Besitz von Khalid Abdullah hat den 19:10 Favoriten auf Sieg California Chrome im Breeders‘ Cup Classic über 2011 m bezwungen. Sozusagen Start-Ziel triumphierte Highland Reel geritten von Seamie Heffernan im Breeders' Cup Turf. Die ebenfalls von Aidan O’Brien trainierte Found, die in diesem Jahr den Prix de l’Arc de Triomphe gewinnen konnte, wurde drittes Pferd. Wieder ein Tropfen Birkhahn-Blut erfolgreich, denn der Vater heißt Galileo!

Gleich im zweiten Rennen des zweiten Tages gab es einen Erfolg für Europas Pferdezucht. Im mit 2 Mio. US$ dotierten Breeders‘ Cup Filly an Mare Turf (Gr.I) über 2011 m auf der Grasbahn triumphierte Frankie Dettori nach einem brillanten Ritt mit der von Sir Michael Stoute für das Cheveley Park Stud trainierten Stute Queen‘s Trust. Der Star unter den Reitern, Lanfranco Dettori, trug sich somit auch in die prominente Siegerliste ein!

 

Übrigens: 2017, am 3. und 4. November, wird die „Weltmeisterschaft“, wie der Breeders Cup auch genannt wird, das erste Mal in Del Mar, Kalifornien, stattfinden. Unter dem Motto: “Where The Turf Meets The Surf” trifft sich die sportbegeisterte Turfwelt im 1937 eröffneten Rennpark. Bis dahin: Hals und Bein! umo

56 (2016-11-01) Uwe Morchutt

Almandin überraschender Sieger

156. Melbourne Cup – Flemington, Australien

 

Ruby Tuesday ist ein erfolgreicher Song der Rolling Stones, der im Jahr 1966 aufgenommen und im Januar 1967 veröffentlicht wurde. Er war ein Nummer-eins-Hit in Deutschland und in den USA. Ruby Tuesday wurde obendrein unzählige Mal gecovert. Eine der bekanntesten Versionen stammt von Melanie Safka. Laut Keith Richards schrieb er das Liebeslied 1966 in einem Hotel über ein Groupie.

2010 erklärte er in seiner Autobiographie, dass er damit Linda Keith,

seine damalige Freundin, meinte.

 

Jetzt wird sich manch einer denken, was hat es mit dem

Dienstag auf sich?

 

Ich sage es allen gern.

Der Melbourne Cup, das prestigeträchtigste Pferderennen Australiens über 3200 m, fand das erste Mal 1875 am ersten Dienstag im November statt. Seither wird es immer am ersten Dienstag des Novembers eines Kalenderjahres ausgetragen. 

Das Gruppe-I-Rennen ist offen für 3-jährige und ältere Pferde und ist mit 6,2 Mio. australischen Dollars dotiert. Das Rennen der „gelben Rose“, wie es auch genannt wird, findet seit 1861 auf der Pferderennbahn in Flemington statt. Flemington ist ein Stadtteil der australischen Stadt Melbourne, der sich ungefähr 4 km nordwestlich des Stadtzentrums befindet.

 

Um 5 Uhr deutscher Zeit, also 15 Uhr australischer Zeit, bei zehn Stunden Zeitunterschied, rückten heute früh zu deutscher Zeit 24 Galopper mit ihren Reitern in die Startboxen ein. 

 

Ein internationales Feld mit vielen Ambitionen

 

Wie jedes Jahr herrschte auch dieses Mal Volksfeststimmung in Flemington, um hautnah am Renn-Spektakel teilzunehmen. Für hiesige Verhältnisse unvorstellbar wohnten rund 97.500 turfbegeisterte Zuschauer der 156. Austragung bei. Wie immer kann nur einer gewinnen. Mit dem Überraschungssieger Almandin, aus der Schlenderhaner Zucht, siegte zwei Jahre nach Protectionist erneut ein Monsun-Nachkomme im legendären Melbourne-Cup.

 

Wer als Kenner der Szene den Namen Monsun hört, muss zweifelsfrei sofort an Birkhahn (geb. 1945) denken, der nachträglich mit seinem Vererber-Blut mithalf, Almandins Talent zu befördern.

 

In einem packenden Finish verwies der sechsjährige Birkhahn-Nachkomme den von Tony Martin vorbereiteten Heartbreak City (187:10 auf Sieg), der übrigens von Lando abstammt, mit einem Kopf Vorsprung, sozusagen mit dem letzten Galoppsprung hauchdünn auf den Ehrenplatz. 

 

Geritten von Kerrin McEvoy, siegte der inzwischen sechs Jahre alte Wallach Almandin zur Siegquote von 118:10. Trainer Robert Hickmott siegte zum zweiten Mal nach Green Moon 2012 und der Besitzer Lloyd Williams (76) feierte bereits seinen fünften Sieg im „Yellow-Rose-Race“. Er kassierte dafür mehr als die Hälfte der Gesamtdotierung des Rennens von umgerechnet rund 3,7 Mio. AUD. Nachträgliches Pech für die deutschen Besitzer und Züchter, die Almandin 2014 an seinen heutigen Besitzer nach Australien verkauften. Nachdem er am 1. Juni 2014 den „Großen Preis der Badischen Unternehmer“ in Iffezheim gewonnen hatte.

 

Zur Erinnerung:

 

Die Besitzer des ersten Siegers 1861 Archer, der auch 1862 gewann, geritten von John Cutts und von Etienne De Mestre trainiert, erhielten zur Belohnung eine Golduhr und 930 Pfund. Die erste Austragung des Rennens erlebten gerade einmal 4000 Besucher mit. Wie sich doch die Zeiten ändern. Der neue Literatur-Nobel-Preisträger Bob Dylan würde nur antworten: The Times They Are Changin', das Lied, das er 1964 gesungen hat. Übrigens sang er auch „Like a Rolling-Stone“ im Jahre 1965, so dass ich wieder bei den Rolling Stones angekommen bin. Goodbye Ruby Tuesday, dann zum 157. Yellow-Rose-Race 2017! umo

 

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Kurs am 1. November 2016: 1 Euro = 0,6960 AUD – Australische Dollar

55 (2016-10-27) Bernd Jürgen Morchutt

Das „Geheimnis

von Leuna“:

Doping und Ausverkauf

 

Laptopwerker Klaus Blume ist von einer Lese-Reise zurück

 

 

Der Förderverein Kulturhaus Leuna e.V. und die cCe Kulturhaus Leuna GmbH veranstalteten am 20.10.2016, 17.00 Uhr mit Unterstützung der InfraLeuna Dienstleistungs GmbH im cCe Kulturhaus Leuna (im Bild oben) eine Buchlesung mit Klaus Blume, Autor des Saale-Krimis „Das Geheimnis von Leuna“.

Der 1940 in Halle geborene und aufgewachsene, heute in Hamburg lebende Autor beschäftigt sich seit 1964 journalistisch mit Korruption und Doping. Er schrieb für die Die Welt, FAZ und SportBild, seine Artikel erschienen auch in der SZ, ZEIT, NZZ, im Spiegel, Focus, Stern und auf laptopwerk.de. Für seine fünfunddreißigjährige Berichterstattung über die Tour de France wurde er mit der Ehrenmedaille der ASO ausgezeichnet.Seit 1977 ist er zudem für den ARD-Hörfunk tätig. Klaus Blume ist Autor zahlreicher Sachbücher, zuletzt „Die Dopingrepublik“ (2012) und „Tatort Fankurve“ (2013).

Es ist die erste Lesung von Klaus Blume zu diesem Roman

 

Das „Geheimnis von Leuna“ ist sein erster Kriminalroman. Der Hamburger Journalist präsentierte sein Werk auf Einladung anlässlich der 100-Jahr-Feiern in Leuna.

 

Etwa 120 Zuhörer kamen am vergangenen Donnerstag ins Kulturhaus von Leuna: Prasselnder Beifall; stehende Ovationen; leidenschaftliche Debatten; und das Signieren: ohne Ende!

Gratulation zu diesem Erfolg, lieber Klaus.

 

Warum er sich, der zahlreiche Sachbücher geschrieben hat, nun einem Kriminalroman widme und was er sich von der Lesung erhoffe, hat ihn MZ-Redakteurin Melain van Alst vorab gefragt:

 

Herr Blume, was ist denn nun das Geheimnis von Leuna?

 

Blume: Ich habe über den Verkauf der Leuna-Werke recherchiert und bin darauf gestoßen, dass oftmals Politiker, meist im Hintergrund, und französische Unternehmer daran beteiligt waren. Das betrifft nicht nur Leuna, sondern auch Buna und den Park in Bitterfeld-Wolfen. Da tauchen ominöse Konten auf, über die Gelder, ohne Beleg, an französische Künstler oder sogar nach Weißrussland geflossen sind. Irgendetwas ist daran bis heute faul. Nun machen sich die fiktiven Hauptpersonen meines Buches auf die Suche nach diesem Geheimnis. In einem zweiten Strang geht es auch um die Herstellung von Drogen. Die Geschichte spielt entlang der Saale von Jena bis Calbe. Als gebürtiger Hallenser ist mir die Region sehr vertraut.

 

Warum haben Sie aus ihren Erkenntnissen zum Verkauf der Leuna-Werke kein Sachbuch gemacht, schließlich sind Sie in diesem Bereich zu Hause?

 

Blume: In diesem Fall gibt es zu viele Spekulationen, und aus Sicherheitsgründen habe ich mich - zusammen mit dem Verlag - entschieden, stattdessen einen Roman zu schreiben.

 

Sind Sie an das belletristische Werk anders herangegangen?

 

Blume: Natürlich muss man den Leser anders ansprechen und die Figuren genau beschreiben. Aber alle Personen in diesem Buch sind real. Sie heißen anders, haben vielleicht zu verschiedenen Zeiten gelebt und kennen sich nicht. Doch ihre Geschichten basieren auf Menschen, die ich kenne.

 

Haben Sie bereits Reaktionen auf das Buch erhalten?

 

Blume: Nein, es hat bisher ja auch noch keine Lesungen gegeben. Die erste jetzt in Leuna. Ich glaube auch nicht, dass Menschen aus dem Westen dafür zu begeistern sind. Viele kennen Leuna und die Geschichte der Region gar nicht. Aber ich denke, dass die Menschen hier sehr wohl etwas damit anfangen können.

Was erwarten Sie sich von der Lesung?

 

Blume: Ich hoffe, dass eine lebhafte Diskussion und eine Debatte entsteht. Ich möchte gern mit den Menschen hier ins Gespräch kommen und hören, was sie von der Geschichte halten. (mz)

 

Die User von laptopwerk.de möchten natürlich auch wissen, worum es in diesem Krimi von unserem Kolumnisten Klaus Blume geht:

 

„In ihrer Heimatstadt Halle kreuzen sich nach zwanzig Jahren die Wege der Wissenschaftler Tom Wegelius und Moritz Hirscher. Wegelius will die kriminellen Praktiken bei der Privatisierung der Chemiewerke von Leuna, Schkopau und Bitterfeld-Wolfen aufdecken. Doch seitdem sich ungewöhnliche Todesfälle in seinem Umfeld ereignen, ist er abgetaucht, um nicht selbst zum Opfer zu werden. Hilfe kann er nur von der jungen Staatsanwältin Dörte Stoye aus Freyburg und einem alten Kollegen aus Jena erwarten. Hirscher hingegen betreibt nun nach Jahren im Ausland die ehrwürdige Hallenser Paracelsus-Apotheke. Zumeist aber forscht er in einem Labor in Pößneck - nach süchtig machenden 'Cocktails' für einen Arzneimittelkonzern. Als der Mord an einer beliebten Apothekerin der Paracelsus-Apotheke und früheren Topathletin durch die Lokalpresse geht, schaltet sich die Kripo Jena ein, und es entspinnt sich ein gefährliches Netz aus Gewalt und Betrug.“

 

In „Das Geheimnis von Leuna“ verknüpft Klaus Blume kunstvoll das Thema Doping mit dem Ausverkauf ostdeutscher Chemiewerke nach 1989 und schafft einen fesselnden Krimi von großer Brisanz.

 

„Das Geheimnis von Leuna“, Ein Saale-Krimi; Broschiert, 192 Seiten, Verlag:Bild und Heimat; Preis: 9,99 EUR; Schauplätze: JENA, HALLE; LEUNA 

BJM

54 (2016-10-10) Uwe Morchutt aus Eltville

Found – Speed

wie Birkhahn

Chantilly - 95. Prix de

l’Arc de Triomphe

 

Europas prestigeträchtigstes Pferderennen

 

Der „Prix de l’Arc de Triomphe“, der seit 1920 jeweils am ersten Sonntag im Oktober ausgetragen wird, fand erstmals in Chantilly statt. Der Grund sind Umbauarbeiten auf der Prachtbahn von Longchamp. Ungeachtet dessen zog es rund 40 000 Besucher an den Stadtrand von Paris, um das einzigartige Rennspektakel zwischen Mensch und Tier am 2. Oktober 2016 nicht zu verpassen.

 

Die im vornehmen Bois de Boulogne liegende Pariser Pferderennbahn Longchamp, 1857 vom Architekten Antoine-Nicolas Bailly erbaut, gilt bekanntlich als Synonym für Luxus und Reichtum. Die Bauten der Rennbahn sind allerdings in die Jahre gekommen, so dass sie einer baulichen Auffrischung bedürfen. Das bestehende Tribünenensemble wurde bereits 1964 fertiggestellt.

 

Das Architektur-Büro von Dominique Perrault (Paris), Jahrgang 1953, der gern als Star-Architekt bezeichnet wird, hat den internationalen Einladungswettbewerb gewonnen. Das neue Projekt basiert auf der Definition eines weitläufigen Fußweges, „Les Planches", der sich unter dem derzeitigen Bodenniveau entwickeln wird. Der darüber hinaus alle Funktionen der Pferderennbahn von Norden nach Süden miteinander verbindet und von unverzichtbaren Konstruktionen ergänzt wird, die für die eigentlichen Funktionen der Pferderennbahn bestimmt sind (Hallen, Tribünen und Restaurants). Alle Gebäude werden für die Zuschauer durch einen auf der Rückseite gelegenen, auf Höhe des ersten Obergeschosses verlaufenden Holzsteg miteinander verbunden sein. Es wird mit einer Bauzeit von 21 Monaten gerechnet, die Kosten werden auf rund 120 Mio. Euro veranschlagt.

 

Chantilly ist aber nun wahrlich keine Notlösung

 

38 Kilometer nördlich von Paris gelegen, gilt das Areal samt Schlossanlage als das wahre Zentrum der französischen Pferdezucht. Hier finden jährlich u.a. die hochkarätigen Rennen „Prix du Jockey Club“ (franz. Derby) und „Prix de Diane“ (Stutenderby) statt. Die französische Rennpferdezucht hat hier ihre Heimstätte. In rund 100 Ställen sind tausende englische Vollblutpferde untergebracht.

 

Das ebenfalls im Schloss gelegene Gestüt, wo sich auch das Pferdemuseum befindet, ist eines der am meisten besuchten Zentren der Pferdezucht weltweit. Es wurde zwischen 1790 und 1840 von Jean Aubert erbaut. Die Hallen des Museums wurden renoviert und 2011 wieder eröffnet. Hier findet man alles, was Pferde für ihr Wohlergehen benötigen. Das Museum ist auch kein gewöhnliches Museum, das nur tote Ausstellungsstücke zeigt. Es ist ein lebendiges Museum, wo sich zahlreiche Vierbeiner vor den Augen der Besucher tummeln.

 

Am 2. Oktober 2016 fand nun das mit 5 Mio. Euro dotierte, über 2400 m führende Gruppe I-Rennen zum 95. Mal statt. Am Start 16 Vollblüter, 3-jährige und ältere Pferde, die die Turfszene 2016 beherrscht haben. Sozusagen ein Stelldichein der „Creme de la Creme“ auf vier Beinen. Einen Favoriten gab es natürlich auch. Dem fünfjährigen Hengst Postponed, der nur 5. wurde, ereilte dabei das Schicksal so vieler Favoriten vor ihm. Wie immer kann nur einer gewinnen. 

Die Siegerin heißt Found (106:10 für Sieg)

 

Eine vierjährige Galileo-Tochter, die vom irischen Erfolgstrainer Aidan O’Brien trainiert wird. Das Unfassbare an dem Rennen ist aber, dass O’Brien Trainer der ersten drei Pferde ist. Darüber hinaus ist der Deckhengst Galileo der Vater aller drei Erstplatzierten. Die Besitzer Tabor, Magnier und Smith sammelten somit den Hauptanteil der Siegprämien ein. 2.857.000, 1.143.000 und 571.500 Euro. Der Zweitplatzierte Highland Reel (S. Heffernan) und der Dritte Order Of St George (L. Dettori) machten den totalen Triumph komplett. Viel Geld für die irische Vorzeige-Zuchtstätte Coolmore, um neues Pferde-Blut einzukaufen!

Ryan Moore, der derzeit wohl beste Jockey auf der Welt, ritt die imponierende Siegerin, die auch edles Birkhahn-Blut in sich trägt. Found, die unter Fachleuten natürlich keine Außenseiterin war, gewann sie doch am 31. Oktober 2015 in Keeneland den Breeders' Cup Turf, wo sie ihr großes Talent bereits dreijährig andeutete. Der deutsche Gast, der von Jean-Pierre Carvalho trainierte Derby-Zweite 2016 Savoir Vivre, belegte den achten Rang.

Mit einem Satz nach vorn, 300 m vor dem Ziel, es erinnerte schon stark an Birkhahn im Deutschen Derby 1948, verabschiedete sich die Zweite der Irish Champion Stakes, wo sie Almanzor nach hartem Kampf knapp unterlegen war, von den Konkurrenten und katapultierte mit dem sechsten Sieg beim 19. Start ihre Gesamtgewinnsumme auf 4.533.631 Pfund! Nach Danedream 2011, Solemia 2012 und Treve 2013 uund 2014 schon wieder eine Stute, die das wichtigste Galopp-Rennen gewinnen konnte. Was ist nur mit den Hengsten los? umo

53 (2016-09-26) Uwe Morchutt aus Eltville

 

Nightflower zum Zweiten

Köln-Weidenpesch - 54. Preis von Europa

 

Der vorausschauende Kölner Oberbürgermeister Wilhelm von Becker, Typen seines Kalibers sucht man heute vergebens, hatte 1896 eine geniale Idee, in Köln Galopprennsport zu veranstalten. 

Hierfür musste natürlich eine Rennbahn gebaut werden. Vor allem sollten die Bewohner der Rheinischen Metropole davon profitieren, und obendrein sollte auch noch der Fremdenverkehr angekurbelt werden. Typisch deutsch, es wurde erst einmal ein Verein gegründet, der sich am 29. April 1897 als Kölner Renn-Verein 1897 e.V. konstituierte. Kurz danach erfolgte bereits der Spatenstich zum Bau der Pferderennbahn, so dass am 3. September 1898 bereits der Rennbetrieb aufgenommen werden konnte.

 

Galoppennsport in Köln-Weidenpesch war somit geboren

 

Was heute allerdings undenkbar wäre, Wilheln von Becker war, bevor er Kölner OB wurde, zehn Jahre Bürgermeister in Düsseldorf!

 

Die Kölner Rennbahn, mitten in der Stadt gelegen, ist seit dieser Zeit eine der ersten Adressen in der deutschen Turflandschaft. Die zweigeschossige Zuschauertribüne, die seit dem 12. April 1983 unter Denkmalschutz steht, wurde von dem Berliner Architekten Otto March, der am 7. Oktober 1845 in Berlin-Charlottenburg geboren wurde, errichtet.

Otto March ist heute vor allem als Erbauer des ersten Olympiastadions in Berlin bekannt. Zu den Frühwerken Marchs gehört u.a. die gegen Ende des 19. Jahrhunderts an der Peripherie der Reichshauptstadt in Pankow entstandene Wohnanlage des so genannten „Amalienparks“. Eine Gedenktafel zu Ehren von Otto March hängt heute noch in Berlin.

 

Man höre und staune!

 

Die Galopprennbahn ist die erste Sportstätte überhaupt, die in Köln gebaut wurde. Heute unvorstellbar! Unter anderem findet hier Deutschlands ältestes Pferderennen statt. Das seit 1834 ausgetragene Oppenheim-Union-Rennen, das ursprünglich in Berlin Tempelhof ausgetragen wurde, bevor es 1868 nach Hoppegarten wechselte, hat 1947, nach dem 2. Weltkrieg, im Weidenpescher Park seine Heimstätte gefunden. Pro Saison kommen rund 140 000 Besucher zu den sportlichen Höhepunkten der Vierbeiner.

 

German Jockey School

 

Des Weiteren können hier talentierte Nachwuchsjockeys eine Ausbildung absolvieren. Seit dem März 2003 befindet sich auf dem Areal die einzige Jockeyschule Deutschlands. An der Schule wird der Beruf des Pferdewirts mit dem Schwerpunkt Rennreiten unterrichtet, ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Während einer dreijährigen Ausbildungszeit erlernen die Auszubildenden in einem Rennstall das Reiten von Vollblütern mit dem Ziel, einmal Jockey, wofür 50 Siege vonnöten sind, zu werden.

 

Der Preis von Europa

 

Dieses Gruppe I-Rennen über die Derbydistanz, fand nun am 25. September 2016 zum 54. Mal statt. Das neunte Rennen im Rahmen der Galopp Champions-League, das mit 155 000 € ordentlich dotiert ist, gilt als Höhepunkt der Kölner Rennsaison. Acht Vollblüter, offen für 3-jährige und ältere Pferde, rückten dafür in die Startboxen ein. Darunter auch Iquitos, der zuletzt den Großen Preis von Baden in Iffezheim gewonnen hat.

 

Die Siegerin heißt Nightflower, die 4-jährige Stute und Galopperin des Jahres 2015 unter dem besten deutschen Jockey Andrasch Starke wiederholte ihren Sieg aus dem Vorjahr. Für Starke war es bereits der vierte Sieg in diesem Rennen. Der Lohn 100 000 Euro Siegprämie. Zweiter wurde der Außenseiter Red Cardinal. Iquitos, der in Iffezheim vor Nightflower gesiegt hatte, wurde Fünfter. Nightflower, die schnelle Lady, wechselt 2017 in die Zucht, erklärte der Erfolgstrainer Peter Schiergen aus Köln, um ihr edles Sieger-Blut weiter zu vererben!

 

Übrigens:

 

Der sowjetische Ausnahme-Hengst Anilin, Vater Element, ist bis heute das einzigste Pferd, das den Preis von Europa dreimal hintereinander, 1965, 1966 und 1967, gewonnen hat. Der 1961 geborene Vierbeiner war in seiner Rennkarriere bei 27 Starts 21 mal erfolgreich. umo

52 (2016-09-06) Uwe Morchutt aus Eltville

Iffezheim – Perle des Galopprennsports

Iquitos - kleiner Hengst ganz groß

 

Edouard Bénazet, der Sohn von Jacques Bénazet, der 1838 die Lizenz für die Spielbank in Baden-Baden erhielt, übernahm nach dem Tod seines Vaters 1848 die Leitung des Spielsalons. Mit den Casino-Einnahmen wollte er die Attraktivität der Kurstadt Baden-Baden aber weiter vorantreiben, indem er sowohl die prunkvollen Säle der Spielbank als auch das Stadttheater am Goetheplatz errichten ließ. Doch er war nach wie vor ungehalten. Es mussten einfach noch mehr Attraktionen her. Es reifte in ihm die Idee, eine Rennbahn zu errichten, um Pferderennen durchzuführen.

 

Infiziert hatte ihn der Herzog von Morny, mit dem Bénazet befreundet war. Ein französischer Unternehmer und Pferdenarr, der selbst Vollblüter züchtete. Eben dieser Charles de Morny, ein Halbbruder Napoléons III., ließ gerade in Deauville, in der Normandie, auf Sand und Sumpf, „ein Königreich der Eleganz“ entstehen, wozu natürlich neben dem Casino eine Rennbahn gehörte. Das Hippodrom in Longchamp wurde auch zu dieser Zeit, wir schreiben das Jahr 1857, auf den Mauern der bei der französischen Revolution zerstörten Abtei Longchamp erbaut. Die Pferderennbahn von Longchamp, heute bekannt durch den „Prix de l’Arc de Triomphe“, wurde übrigens 1857 von Napoléon III. feierlich eröffnet. In Paris galten Turfveranstaltungen seit 1834 in Chantilly, wo heute das französische Derby stattfindet, immer als Großereignisse der High Society, an die sich Bénazet gern erinnerte.

 

Das Vorbild von Deauville sollte Ansporn genug sein, um auch in Baden-Baden eine Pferderennbahn entstehen zu lassen. Aus der Absicht wurde, dank Bénazet, schon bald Realität. Für diese Zwecke ging man sogleich auf die Suche, ein passendes Gelände zu finden. Am 16. Februar 1858 fand die Unterzeichnung des Pachtvertrages über das Gelände „In der Bey“ und „Im Weichen“ statt. Auf dem Gelände eines ausgetrockneten Rheinarmes, ein ehemaliges Sumpfgebiet, am nordöstlichen Ortsrand von Iffezheim, heute eine 5000-Seelen-Gemeinde, ließ Bénazet kurze Zeit später für 300.000 Franken drei Tribünen und weitere Gebäude aufbauen. Die ersten Rennen wurden bereits am 5. September 1858 ausgetragen. Drei Renntage umfasste das erste Meeting, das heute als „Große Woche“ bekannt ist. Höhepunkt war damals wie heute der „Große Preis von Baden“. Als erste Siegerin trug sich die dreijährige Stute La Maladetta, trainiert in Frankreich, in die lange Siegerliste ein. Die Renndistanz betrug in den ersten Jahren 3200 m, seit 1898 wird die Derbydistanz gelaufen.

 

In nun 158 Jahren Turfgeschichte durchlebte die Rennbahn so manche Höhen und Tiefen. Die Gemeinde Iffezheim entwickelte sich aber trotz aller Widrigkeiten immer mehr zur ersten Adresse des Galopprennsports in Deutschland. Nach der Insolvenz des Internationalen Clubs im Jahr 2009 wurde im Juni 2010 die Baden Racing GmbH Pächter der Rennbahn. 2011 war das erste komplette Rennjahr von Baden Racing mit drei Meetings, die von knapp 120.000 Zuschauern besucht wurden. Das Schweizer Uhrenunternehmen Longines ist offizieller Zeitnehmer und hat als Titelsponsor den Saison-Höhepunkt übernommen: Den Großen Preis von Baden, ein Gruppe I-Rennen über 2 400 m mit internationaler Wertschätzung und einer Dotierung von 250.000 Euro.

 

Die 144. Austragung fand nun am 4. September 2016 statt. Das 8. Rennen im Rahmen der Galopp Champions League. Zehn Starter, dreijährige und ältere Pferde, rückten in die Startboxen ein. Heftiger Regen hatte den „trockenen“ Rheinarm weich werden lassen, was nicht jedes Pferd mag.

Überraschender Sieger ist der vierjährige Adlerflug-Sohn Iquitos, der nach einer Stadt in Peru benannt wurde. Mit zweidreiviertel Längen Vorsprung verwies er die Galopperin des Jahres 2015, Nightflower, auf den zweiten Rang. 79:10 gab es für die Wette auf Sieg, den der Ire Ian Ferguson im Sattel einritt. Der 73 Jahre alte Trainerfuchs Hans-Joachim Gröschel war begeistert, hatte der Jockey doch genau seine Order umgesetzt! Iquitos führt nun mit 22 Punkten vor Ito (14) und Nightflower (12) in der Champions League. Rund 14 000 Besucher der Rennbahn wohnten der Attraktion bei, die Edouard Bénazet vor 158 Jahren mit seinem Engagement möglich gemacht hat.

Früher waren es Großereignisse der High Society, heute kann jeder auf die Rennbahn nach Iffezheim. Auch ohne Hut! Man sollte aber zeitig anreisen, weil der Andrang sehr groß ist. Der Dank gilt Edouard Bénazet. Macher seines Kalibers fehlen uns heute. Unternehmer, die anpacken und nicht nur leere Worthülsen absondern, wie unsere Politiker. Erinnert sei an den 5. September 2006, heute vor zehn Jahren erfolgte der erste Spatenstich am BER! umo

51 (2016-08-16) Uwe Morchutt aus Eltville

Protectionist

gewinnt spielerisch

126. Großer Preis von Berlin

Bekanntermaßen ist das Bier ein wichtiges Nahrungsmittel, wenn nicht sogar für viele ein Grundnahrungsmittel. Der unverwechselbare Gerstensaft benötigt für seine Herstellung in der Regel auch den bitteren Hopfen, der dem süffigen Getränk den einzigartigen Geschmack verleiht. Das ist seit Jahrhunderten getrunkene Tradition. Die kleine Gemeinde Hoppegarten, östich vor den Toren der Hauptstadt gelegen, ist zwar vor allem durch seine Pferderennbahn bekannt geworden. Ihren Namen verdankt sie aber dem Bier. Im 18. Jahrhundert war Bier bereits ein wichtiges Nahrungsmittel!

Bevor die Pferde das Areal final eroberten, wuchs hier also der Hopfen. Friedrich Wilhelm I. versuchte, die kümmerliche Landwirtschaft in der Mark (heute Brandenburg) voranzutreiben. Dazu gründete der Gutsherr Samuel von Marschall um 1734 auf Dahlwitz den ersten Hopfengarten.

Im Wendischen heißt das Hopengarten. Die sorbische/wendische Sprache gehört zur slawischen Sprachfamilie, die heute noch in der Lausitz weit verbreitet ist.

Die Vierbeiner kamen somit erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert nach Hoppegarten. 

 

Am 17. Mai 1868 eröffneten Kaiser Wilhelm I. und Reichskanzler Otto von Bismarck die Rennbahn Hoppegarten. Die Pferderennbahn entwickelte sich anschließend schnell zu einer Hochburg des Pferderennsports in Deutschland. Die Erfolgsgeschichte in Zahlen: 430 Hektar Fläche, 800 Pferde, 20 Renntage, in Hochzeiten bis zu 40.000 Besucher. Viele der heute noch bekanntesten Rennen wurden hier ausgetragen – das Stutenderby, der Preis der Diana, heute in Düsseldorf, das Union-Rennen, heute in Köln, und der Große Preis von Berlin, der seit 2011 zum Glück wieder in der Heimat ist. Bis zum Jahr 1944 wurde der 1888 in Hoppegarten gegründete „Große Preis von Berlin“ in der Hauptstadt ausgetragen. 1947 bis 2009 fand er in Düsseldorf und 2010 in Hamburg statt. Seit fünf Jahren ist er nun endlich wieder da, nach den Wirren der Geschichte, wo alles einmal angefangen hat!

Monarchie, Weimarer Republik, Drittes Reich und 40 Jahre DDR - jede dieser Epochen hat die Galopp-Rennbahn geprägt, so dass ihr Fortbestand lange auf der Kippe stand. Als die Galopprennbahn Hoppegarten im Jahr 2007 vor dem Ruin stand, da stieg Gerhard Schöningh mit 3 Mio. Euro seines privaten Kapitals ein. Der verdient als Fondsmanager sein Geld in London und hat sich in Ascot mit dem Galopp-Virus infiziert, um den traditionsreichen Ort wieder Leben einzuhauchen. Seit der gelungenen Privatisierung im Jahr 2008 ist Hoppegarten als einzige Rennbahn in Europa komplett in privater Hand und soll wieder das werden, was sie früher einmal war. Ein bisweilen beschämender Übernahmepoker diverser Möchtegern-Investoren nach dem Mauerfall bis 2007 fand somit ein glückliches Ende!

 

Die Tradition hilft Schöningh indes bei der Sanierung: Jüngst wurde die Bahn in das Denkmalpflegeprogramm für national wertvolle Kulturdenkmäler aufgenommen, so dass „Maßnahmen zur Substanzerhaltung und Restaurierung von Gebäuden und Anlagen der Rennbahn" nun „mit Mitteln des Bundes und des Landes Brandenburg gefördert werden können", wie das im Beamtendeutsch heißt. Aber der Markt wird immer enger, die Umsätze sinken. Der Galopprennsport in Deutschland fristet mitterweile ein Schattendasein! Elitärer Sport, ohne elitär zu sein.

Der inzwischen 126. Große Preis von Berlin, das siebte Rennen im Rahmen der Galopp-Champions League, der auch zugleich das wichtigste Rennen im Hoppegartener Rennkalender eines Jahres bedeutet, fand nun mit Preisgeldern von insgesamt 175.000 Euro am 14. August 2016 statt. Eines der besten aktiven Galopprennpferde in Deutschland, der sechsjährige Hengst Protectionist (14:10 Favorit auf Sieg), u.a. Sieger im Melbourne Cup 1014, hat mit Jockey Eduardo Pedroza das prestigeträchtige Berliner Gruppe-I-Rennen überlegen, mit zweieinhalb Längen Vorsprung, gewonnen. 

 

Nightflower, Galopperin des Jahres 2015, unter Andrasch Starke, wurde Zweite. Bei herrlichem Rennbahn-Wetter, sozusagen Kaiserwetter, sorgten 10 100 begeisterte Zuschauer für einen würdigen Rahmen. Eine nicht olympische Sportart, die immer wieder zu begeistern vermag! umo

50 (2016-08-01) Uwe Morchutt aus Eltville

Wenn ein Reiter mehr Aufmerksamkeit erfährt als die eigentlichen Hauptdarsteller, die Rennpferde, muss es sich um eine außergewöhnliche Person handeln. Ein Ass der Szene und ein Publikumsliebling zugleich. Geschätzt und bewundert auf den Rennbahnen in Europa, Asien und Nordamerika. 

Der in England beheimatete gebürtige Italiener ist einer der erfolgreichsten Jockeys aller Zeiten. Die Rede ist von Lanfranco „Frankie“ Dettori (Jahrgang 1970). Dazu noch bester Abstammung, ähnlich seiner siegreichen Pferde, die er reiten durfte, weil sein Vater, Gianfranco Dettori (Jahrgang 1941), ebenfalls ein erfolgreicher Jockey (3798 Siege) in Italien war.

 

Mit 13 verließ der kleine Frankie die Schule, um Stalljunge zu werden. In der Folge ging er nach England, um bei Trainer Luca Cumani in Newmarket eine Ausbildung zu machen. Bereits 1985 wurde er Stalljockey. Mit 15 gewann er sein erstes Rennen auf Rif in Turin am 16. November 1986. Sein erster Sieg in England folgte dann schon am 9. Juni 1987 auf Lizzy Hare in Goodwood. Allein für den Stall Godolphin, gegründet von Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum, hat Dettori von 1994 bis 2010 96 Gruppe-I-Rennen weltweit gewonnen. In Deutschland gibt es gerade einmal sieben Rennen dieser höchsten Kategorie in einem Rennjahr!

 

2015 siegte Dettori mit Golden Horn unter anderem im Epsom Derby und im Prix de l’Arc de Triomphe und konnte Preisgelder in Höhe von 4,90 Mio Pfund einlaufen, womit die Saison 2015 die finanziell erfolgreichste seiner Berufslaufbahn war, die er vor über 30 Jahren begann. Insgesamt bringt es Dettori aktuell auf 2986 Siege, wobei er Preisgelder in Höhe von 44,6 Mio. Pfund eingaloppierte. Unglaublich, alles auf den Rücken der Pferde verdient! 

 

Frankie“, wie er von seinen Fans genannt wird, hat es eigentlich nicht mehr nötig am Großen Dallmayr-Preis teilzunehmen, dem ersten von zwei Gruppe-1-Rennen dieses Jahres in München. Schließlich hat er alle großen Rennen, die es auf der Welt gibt, gewonnen. Selbst das Bayerische Zuchtrennen hat er bereits zweimal siegreich beenden können. Mit Germany 1995 und mit Kutub 2001. Was treibt ihn also in die „Galopp-Provinz“ nach München. Mit gerade einmal 155 000 Euro dotiert, eine „klägliche“ Summe für eine Gruppe-I-Prüfung, so dass man sofort denkt, dass ein Multimillionär wie Dettori sich solch' einen Ritt im fortgeschrittenen Alter nicht mehr antut. Schließlich ist sein Beruf nicht ganz ungefährlich. Doch er war da und ist tatsächlich aufs Pferd gestiegen! Er nimmt seinen Job also immer noch ernst!

 

Freudig erregt war man natürlich in München, als im Verlauf der Woche eine sehr prominente Nachnennung die Runde machte: Aus dem Erfolgs-Quartier von Andre Fabre, aus Chantilly, nördlich von Paris gelegen, sollte Elliptique nach München reisen. Bislang hat der New Approach-Sohn, der in den Farben der Familie Rothschild läuft, zwei Gruppe-III-Erfolge vorzuweisen. Sechs Siege bei 18 Starts klingt zwar nicht berauschend, die Wahl des Jockeys aber schon. Für den Ritt auf dem Fünfjährigen wurde der „World's Best Jockey 2015“ „Frankie“ Dettori, wie er von Longines in Hong Kong ausgezeichnet wurde, engagiert. 

 

In diesem Jahr ging es in Riems prestigereichster Prüfung außerdem noch um wichtige Punkte für die Gesamtwertung der neu geschaffenen German Racing Champions League. Insgesamt zwölf Pferde gingen beim mittlerweile fünften Rennen dieser Serie an den 2000-m-Start. Auch der zur Zeit mit 14 Punkten in Führung liegende Ito versuchte, seinen Vorsprung auszubauen. Gewonnen hat schließlich, na, wer wohl? Frankie hat es wieder getan! Eine halbe Länge Vorsprung mit Elliptique vor Royal Solitaire. Ito wurde enttäuschender Achter. Soviel zur Klasse deutscher Spitzenpferde! 100 000 Euro für die Besitzer-Familie Rothschild, 10 Prozent davon für den Trainer und 5 Prozent davon für Frankie. Ein Ritt in München, der sich gelohnt hat!

Bei jetzt 2987 Siegen schafft er vielleicht auch die Anzahl seines Vaters, der bis 51 ritt. Ich weiß nicht, bei wie vielen er davon seinen berühmten Dettori-Jump präsentiert hat. Ein wahrer Künstler im Sattel. Eines haben wir sogar gemeinsam, mich ereilte der Galopp-Virus auch 1986, allerdings nur als begeisterter Beobachter. „Hals und Bein“, Frankie, bis zum nächsten Ritt in Deutschland! Bei der Konkurrenz! umo

47 (2016-01-08) Gerald Gleichmann aus Erfurt

Aus dem Leben gegriffen und auf laptopwerk.de veröffentlicht

Nun hat es doch geklappt mit einer kleinen Geschichte aus dem Leben... Naja, mit derlei Übeln schlage ich mich ebenfalls herum. 

Cleopatra aß gerne Auberginen

"Sie müssen mir helfen!", schrie eine weibliche Stimme verzweifelt in Hildchens Ohr, kaum dass die den Hörer abgenommen hatte. Als erfahrene Bibliothekarin wahrlich die sonderlichsten Wünsche gewohnt, schwante ihr in diesem Moment dennoch nichts Gutes. Zumal die Anruferin bereits im hellsten Sopran kicherte: "Hier spricht Frau Erfurt!" Sie tat, als wusste zumindest die Mehrheit der Bevölkerung, wer sie war.

Ehe sie etwas erwidern konnte, fügte die schon belehrend hinzu: "Genau wie die Landeshauptstadt Thüringens mit sechs Buchstaben!"

"Was kann ich trotzdem für Sie tun?", erkundigte sie sich betont freundlich.

"Mir will partout der verflixte Name einer ägyptischen Königin nicht einfallen. Leo - Deo - Cleo sowieso - und weitere fünf Buchstaben."

"Cleopatra", gab die erfahrene Bibliothekarin bereitwillig Auskunft.

"Richtig!", jauchzte Frau Erfurt nach kurzer Pause glücklich.

Währenddessen listete Hildchen gedanklich alle momentan ausleihbaren Bücher der Dynastien des Neuen Reiches und aus römischer Zeit auf, welche sie stets gerne empfahl.

Doch Frau Erfurt schien nicht im Mindesten daran interessiert, denn einen Atemzug später war der wesentlich wichtiger, wie denn üblicherweise der Säulengang genannt wurde, den eben jene Cleopatra in ihren geflochtenen Papyruspantöffelchen durchschlurft hatte.

"Cleopatra wandelte durch eine Kolonnade?"

"Gewiss doch!", beteuerte die Anruferin. "Des Öfteren sogar Hand in Hand mit dem höchsten Beamten aus dem alten Athen!"

Da Hildchen nach dieser sie überraschenden Mitteilung nicht gleich antwortete, fügte die Andere erklärend hinzu: "Übrigens war der von mir Gesuchte ein oft freudig empfangener Gast am Hof dieser Pharaonen..."

"Meines Wissens ist Archon nie und nimmer Cleopatra persönlich begegnet!", widersprach die belesene Bibliothekarin ernst.

Frau Erfurts Sopran erklomm eine weitere halbe Oktave. "Dann ist sie eben mit dem anderen plattfüßigen Vater der Geschichtsschreibung durch die steinernen Gemäuer gesaust. Dieser - nun sagen Sie schon!"

"Herodot!", nuschelte Hildchen.

"Genau!", flötete Frau Erfurt selig. "Der bärtige Mann mit sieben Buchstaben."

"Unmöglich!", versuchte die Bibliothekarin den fatalen Geschichtsirrtum aufzuklären.

Doch die Buchstaben zählende Nerventöterin ließ keinerlei Einwände gelten. "Waren Sie etwa dabei, als Cleopatra ein Weilchen mit ihm durch die zugigen Hallen flanierte? Jedenfalls so lange, bis sie plötzlich und unerwartet das heftigste Gliederreißen bekam."

"Cleopatra hatte Rheuma?" Der belesenen Bibliothekarin blieb vor Staunen beinahe die Luft weg.

Doch Frau Erfurt war überzeugt, einzig der überreichliche Verzehr einer ominösen Eierplanzenfrucht trug Schuld daran. "Und das Gemüse muss mit einem A beginnen..."

"Apfel?", riet Hildchen verwirrt.

"Nein!"

"Ananas?"

"Blödsinn!", wies Frau Erfurt sie streng zurecht. "Kennen Sie denn überhaupt irgendeine Eierpflanzenfrucht?"

"Auberginen", fiel der glücklicherweise rechtzeitig ein. Bevor die Buchstabensucherin erneut in Rage geriet. "Cleopatra aß Auberginen?", fragte sie dennoch entsetzt und traute plötzlich ihrem geschichtlichen Wissen nicht mehr. Zudem jene Frau Erfurt tat, als hatte sie die Salate für den Pharaonenpalast eigenhändig zubereitet.

"Tagtäglich!", schwor die nämlich. Und: "Am allerliebsten naschte sie ihre Auberginen vom bronzenen Tellerchen ihres jüngeren Verwandten aus der männlichen Seitenlinie ihrer Sippe."

Hildchens Stimme zitterte: "Cleopatra speiste mit einem Agnaten?"

"Gewiss doch, meine Liebe", bestätigte Frau Erfurt. "Jeden Mittag um Punkt zwölf Uhr im prächtigen Saal zum Nilufer hin. Dort saßen die beiden an der reichlich gedeckten Tafel und genossen währenddessen den Blick auf ein aus Stein geschlagenes Abbild ihres Onkels. Eventuell auch ihres angeheirateten Neffens dritten Grades..."

"Um Himmels willen, von welchem Standbild reden Sie?" Einen solchen Unsinn hatte Hildchen ja noch nie gehört.

"Demnach wissen Sie auch nicht sonderlich viel!", tadelte die Andere. "Falls Sie dennoch eine Idee haben sollten, dann besteht jenes unbekannte Objekt aus sechs Buchstaben."

"Was denn nur?", entfuhr es der gereizt.

"Na, das aus Stein gemeißelte Abbild von Cleopatras Onkel!" Und eine Schrecksekunde später wesentlich genervter: "Jetzt strengen Sie sich ausnahmsweise mal ein bisschen an!"

"Die Statue", schniefte die Bibliothekarin beleidigt.

"Es geht doch!", lobte Frau Erfurt dagegen überschwänglich.

Die erfahrene Bibliothekarin rang nach Fassung, als die Buchstabenzählerin am Telefon einlenkte: "Ich will Sie ja nicht unnötig verwirren, doch unglücklicherweise kam letztlich noch dieser quergestreifte Hautflügler durchs offene Fenster geflogen und..."

Hildchen raufte sich die Haare. "Cleopatra wandelte mit Herodot durch die Kolonnade, aß Auberginen mit ihrem Agnaten, bekam irgendwann Rheuma und wurde schließlich von einer Hornisse gestochen? Das ist Schwachsinn, aber niemals Weltliteratur!", empörte sie sich.

"Das ist schlicht und einfach die Wahrheit!", entgegnete Frau Erfurt. "Im Übrigen verstehe ich sowieso nichts von Literatur."

"Demnach erkundigen Sie sich überhaupt nicht nach einem bestimmten Buch, welches Sie gerne lesen würden?"

"Ich lese doch keine Romane über eine ägyptische Königin, die sich von einer Hornisse eher stechen lässt, als das lästige Insekt mit ihrem linken aus Papyrus geflochtenen Pantöffelchen totzuschlagen!"

"Aber..."

"Aber gerne verrate ich Ihnen, was es zu gewinnen gibt, wenn ich die richtige Lösung einsende", fuhr Frau Erfurt vertraulich fort. "Nämlich eine zehntägige Urlaubsreise durch das Land der Pharaonen."

"Aber was..."

"Was ausgerechnet ich dort will?" Die Rätsellöserin kicherte im hellsten Sopran. "Selbstverständlich die Pyramiden und das Tal der Könige besuchen. Und falls wider Erwarten Cleopatra zufällig meine sandigen Wege kreuzen sollte, werde ich gerne mit ihr eine riesige Portion Auberginen futtern. Rheuma habe ich ja schon. Somit dürfte ich während dieser Nilkreuzfahrt vor weiteren Übeln gefeit sein..."

"Aber...", wiederholte Hildchen mit bebender Stimme.

"Selbstverständlich werde ich es Sie wissen lassen, sollte mir unglücklicherweise eine quergestreifte Hornisse zu nahe kommen."

Kaum hatte jene Frau Erfurt das Gespräch grußlos beendet, hastete Hildchen flugs zu den übervollen Regalen mit allerlei Nachschlagewerken. Sie musste unbedingt herausfinden, welcher der nubischen Hoflieferanten mit möglicherweise neun oder mehr Buchstaben Cleopatra tagtäglich jene ominöse Eierpflanzenfrucht geliefert hatte. Vielleicht suchte später ja irgendwer nach genau diesem einen Buchtitel. Denn sie war wahrlich die sonderlichsten Wünsche gewohnt...  

Gerald Gleichmann, geboren 1957 bei Sonneberg/Thüringen, lebt heute in Erfurt. Nach der Mittleren Reife und einer Ausbildung als Porzellanmaler fand er nach Umwegen in dem Beruf des Bibliotheksassistenten seine Erfüllung. Schon seit seiner frühesten Kindheit beschäftigt sich Gleichmann mit der Literatur und beginnt, selbst zu schreiben. Seit 1976 hielt er Lesungen mit eigenen Texten. Von 1990 bis 1993 folgte ein intensives Literaturstudium. Seitdem veröffentlicht er Lyrik, Prosa und versucht sich auch in weiteren Genres. Gleichmann hat im Verlag Neue Literatur bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Er ist dort inzwischen Stammautor. Darüber hinaus wurden seine zahlreichen Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht.

Gerald Gleichmann sagt, worüber er schreibt: Was ich beobachte, was mich bewegt, was ich empfinde: von Kindheit an. Kurze Prosa, heitere Geschichten, Gedichte, satirische Kabinettstückchen, Erzählungen. Anfang der 1990er-Jahre habe ich intensiv noch Literatur studiert, seither veröffentliche ich meine Arbeiten auch.

45 (2014-12-18) Gerald Gleichmann aus Erfurt

Welch eine Bescherung:                                  Na dann, frohes Fest!                 

Der Erfolgsautor exklusiv auf Laptopwerk

Gerald Gleichmann, Jahrgang 1957, stammt aus Sonneberg und lebt heute in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Er ist sowohl gelernter Porzellanmaler als auch Bibliotheksassistent und kann bereits mehrere Veröffentlichungen seiner Werke vorweisen.

Überhaupt Weihnachten! Das fängt in meiner Familie jedenfalls schon im Sommer an. Nämlich im August, wenn Maria und ich wie leblos am Strand liegen und die Sonne uns kaffeebraun röstet, während der Erstgeborene Ferdinand in seiner pubertären Phase verdächtige Sandburgen baut und Klein Max mal wieder um ein blond gelocktes Haar im Meer ertrinkt.                                                                               

Letzteren Umstand nimmt Maria gelassen hin, da sie derweil die dringendere Frage beschäftigt, wie sie ihre Familie am nächsten Geschenke - Austausch - Fest beglücken kann. Ich darf mich sicherlich an einer farbenfrohen Krawatte erfreuen, die danach genauso schnell wieder verschwinden wird, ehe ich das Muster irgendwann später in der Patchwork Decke entdecken werde, an der Maria unermüdlich näht,

seit wir uns kennen.                                                                           

Während ich noch rechne, wie viele Schlipse diesen Überwurf mittlerweile zieren, kündigt der Kalender den September an. Maria hastet durch die Geschäfte, um mit Argusaugen zu erspähen, was sich irgendwie originell verpacken lässt. Dass ihr Erstgeborener nachts nicht nach Hause findet, bemerkt sie darum erstaunt erst im Oktober. Da ist der bereits verlobt und raucht intellektuell Pfeife. Als ich Maria besorgt mitteile, Klein Max erzähle in der Vorschule, der Weihnachtsmann sei eine Erfindung der Eltern, um Kinder gefügig zu machen, winkt die unwirsch ab, da sie gerade sämtliche Backbücher nach Plätzchenrezepten durchsucht. Nebenbei entdeckt sie auch das gesammelte wie gebügelte Lametta des letzten Jahrzehntes wieder und in der Tür unseren Erstgeborenen Hand in Hand mit einem scheinbar weiblichen Wesen, das ausschaut, als kam es vom Himmel zur Erde hernieder, um den Menschen das Ende aller Zeiten zu verkünden.        

Mitleidig mustert die erst ihre silbern verhüllte Schwiegermutter in spe, um danach mir verschwörerisch zuzuzwinkern. Woraufhin Maria alle weiteren festlichen Vorbereitungen in den November hinein verschiebt. Stattdessen durchschnüffelt sie meine Hosentaschen, weil ich mich träumend nach einer Carmen gesehnt haben soll.                                   

Zwar taufe ich den einzigen noch lebenden Goldfisch sofort in Tobias um, doch bleibt mir bis zum Heiligabend jede Flucht in meine Lieblingskneipe verwehrt. Dafür überzuckere und streusele ich unter strenger Aufsicht Tonnen von Festtagsgebäck. Bis der Backofen noch vor mir seinen Geist aufgibt. Anfang Dezember ist es da bereits und Maria beginnt, sämtliche Möbel umzustellen und die Böden zu wienern. Der Erstgeborene entschwebt mitsamt der schwarzen Fee eilig ihrem Staubwedel und mir bleibt es vorbehalten, derweil Lebensmittel zu bunkern, als erwarteten wir statt der Geburt des Jesuskindes eine mittelschwere biblische Hungerkatastrophe.                                        

Zufällig fallen Maria beim Hausputz auch die von ihr selbst vor Ostern versteckten Hasen aus Schokolade wieder in die Hände, die Klein Max sich nunmehr nachträglich einverleibt und er demzufolge bis zu den

Feiertagen an den übelsten Beschwerden leidet.                                                                                            

Ich schleppe einen Wald aus krummen, die Nadeln abwerfenden und zwergenhaften Tannen und Kiefern an, ehe eine von ihnen Marias Vorstellungen von einem Weihnachtsbaum annähernd entspricht. Allerdings zeigt Klein Max wenig Verständnis für meine Dekorationsversuche und spielt lieber Fußball mit den gläsernen Kugeln, deren scharfkantige Scherben unsere nackten Zehen magisch anziehen.                                                                                              

Doch irgendwie schaffen wir es ohne lebensbedrohliche Verletzungen, der Heiligen Nacht ins verschneite Auge zu blinzeln. Vollzählig finden wir uns am Lichterbaum ein, um disharmonisch fromme Lieder zu trällern. Der Erstgeborene und die mögliche Schwiegertochter müssen zuvor an diversen Fläschchen schnüffeln und nach einigen Gläsern Glühwein sehen sie sogar Engel durch unser Wohnzimmer schweben.  

Mein vorbei huschender Engel heißt Maria. Die wirft uns ihre kunstvoll verschnürten Geschenke zu und kümmert sich nebenher in der Küche um den Braten. Der schmeckt am Ende ein wenig angekohlt. Der Goldfisch Carmen Tobias erstickt an einer mit Rum getränkten Stollenrosine. Und während auf allen Kanälen georgelt wird, entfliehen Ferdinand und seine rabenschwarze Fee allen feierlichen Momenten dieser Welt. Derweil zündelt Klein Max mit dem Feuerzeug am geschmückten Baum und bis zum Morgen sind wir damit beschäftigt, den Brand zu löschen. Ehe ich erschöpft in den Sessel fallen kann, bestimmt Maria, zuvor muss schnell noch das Wohnzimmer neu tapeziert werden. Ferdinand ist keine große Hilfe. Zu Marias Bedauern hat der sich gerade wieder entlobt und erwägt bis zur Wiederfindung seines Ichs nach Indien zu reisen. Während ich die Leiter erklimme, um die rußigen Tapetenreste abzulösen, versucht er schon mal, auf einem Bein stehend, hinduistisch zu meditieren.                                     

Klein Max spielt nach dem Aufstehen Aquarium und stülpt sich darum das verwaiste Goldfischglas über den Kopf. Was nicht allzu tragisch wäre, müsste Maria das runde Behältnis nicht mit dem Hammer zertrümmern, ehe dem Spross die Atemluft ausgeht. Daraufhin hat sie ein für alle Mal genug von einer friedvollen Weihnacht und schließt sich im Bügelzimmer ein, um dort an ihrer Patchwork Decke zu wörken. Mittels der mir zuvor geschenkten Krawatte. Da stolpert Klein Max erst über den Eimer mit quellendem Kleister und gleich darauf gegen die schwankende Leiter, auf der ich mit den Armen rudernd stehe, bis ich mich mit einem verwegenen Salto am Kronleuchter in Sicherheit bringe, der jedoch Sekunden später zusammen mit mir in die Tiefe stürzt. Mitten hinein in die nach Farben sortierten und gestapelten Weihnachtsbaumkugeln. Zu allem Unglück taucht da gerade der verschollen geglaubte Erstgeborene wieder auf, dem Indien dann doch zu weit weg vom gedeckten Tisch ist und stattdessen alle Schränke nach seiner Geburtsurkunde durchwühlt, die beweisen soll, Maria und ich sind nie und nimmer seine biologischen Eltern. Was er, nebenbei bemerkt, jedes Jahr um diese Zeit tut.                                                                                   

Na dann, frohes Fest, wie man in anderen Familien wohl sagt, klopft Weihnachten mal wieder an die Tür!

So               04.12.2016 Nr.               2.242 - 939

 

2. Advent

Aktualisierung        16:15

Übrigens,

 

… eine Mutter aus Rheinland-Pfalz lud ihre Familie an Heiligabend zu einem Weihnachtsfest. Einer der Söhne brachte selbst gebackene Cannabis-Plätzchen mit, um die „traditionell schlechte Stimmung“ auf der Feier aufzupeppen, wie er selbst erklärte. Die Familie griff freudig zu – darunter auch seine minderjährigen Brüder. Einer der volljährigen Gäste erlitt daraufhin aber Schweißausbrüche, begann zu zittern und verlor zunehmend Farbe im Gesicht. Das Amtsgericht Rockenhausen verurteilte den Hobbybäcker wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Dagegen ging der Mann nun in Revision. Das Oberlandesgericht Zweibrücken (Az. 1 OLG 1 Ss 2/16) stellte sich aber auf die Seite des Mannes und hob das Urteil der Vorinstanz auf. Es handle sich nicht um vorsätzliche Körperverletzung, da der Bäcker nur geringfügige Wirkung in Kauf nahm. Körperliche Beschwerden der Gäste hatte er nicht beabsichtigt und nahm sie bei so geringen Mengen auch nicht vorsätzlich in Kauf. Auch, dass seine minderjährigen Brüder von den Keksen kosteten, sei nicht strafbar. Der Plätzchenbäcker hat den Brüdern die Drogen nicht zur freien Verfügung gegeben, sondern nur in geringen Mengen zum Verzehr. Das sei strafrechtlich nicht relevant, so das Gericht. Über den Drogenbesitz an sich und fahrlässige Körperlverletzung wird aber noch zu sprechen sein.

AKTUELLE LOTTOZAHLEN

Ziehung vom 03.12.2016

5    16    39    43    47    48    SZ: 9

Spiel 77:   4020 083

 

Super 6:   519 899

(ohne Gewähr)

Seit  2010-09-07

Aktueller Stand:

1756 (2016-12-04) 

Eberhard Bock

 

Alternatives Kulturprojekt: Hochwertige Kultur niedrigschwellig bereitgestellt
RAW und historische Weihnachten
Klettern - outdoor

oder unterm Dach

BREAKING NEWS:

 

International

 

Heute ist es also so weit: Österreichischer Wahltag. Und aller Wahtscheinlichkeit nach das Ende des längsten Wahlkampfes in der bisherigen Geschichte Österreichs. Vor 353 Tagen, am 17. Dezember 2015, hat Irmgard Griss ihre Kandidatur um das höchste Amt im Staat bekannt gegeben und damit offiziell das Rennen um die Nachfolge von Heinz Fischer als Bundespräsident eröffnet. Wahl (hier), Stichwahl (hier), Wahlaufhebung (hier), Wahlverschiebung (hier) - das alles hat Österreich seither gesehen. Und heute soll endlich ein Schlussstrich gezogen und ein neuer Präsident gewählt werden: Entweder wird es Alexander Van der Bellen oder Norbert Hofer.

 

Im Syrien-Konflikt macht Russlands Außenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry Hoffnung auf neue Krisengespräche in Genf.

 

47 Millionen Italiener sind am Sonntag zu einem Referendum aufgerufen, mit dem sie vom Parlament verabschiedete Verfassungsänderungen bestätigen sollen. Die von Premier Matteo Renzi unterstützte Reform ist die umfangreichste Verfassungsänderung seit 70 Jahren und sieht die Überwindung des blockadeanfälligen Systems aus zwei gleichberechtigten Parlamentskammern vor.

 

Usbekistan in Zentralasien wählt am Sonntag einen neuen Präsidenten. Rund 21 Millionen Bürger sind aufgerufen, den Nachfolger des Anfang September gestorbenen Langzeitherrschers Islam Karimow zu bestimmen.

 

Deutschland/Berlin

 

Das Innenministerium will einem Medienbericht zufolge den Weg für Flüchtlinge und Migranten über das Mittelmeer erschweren. Nach einer Rettung aus Seenot könnten sie aufs afrikanische Festland zurückgebracht werden. So könnte in Tunesien ein Aufnahmelager entstehen - mit der Möglichkeit, dort Asyl in Deutschland oder anderen EU-Staaten zu beantragen.

 

In der Linkspartei ist eine Vorentscheidung für die Fraktionschefs Sarah Wagenknecht und Dietmar Bartsch als Spitzen-Duo für die deutsche Bundestagwahl gefallen. Der geschäftsführende Parteivorstand traf am Samstag nach Angaben aus Parteikreisen eine entsprechende Entscheidung.

 

Die deutsche Bundesregierung ist darüber informiert, dass Spezialeinheiten der türkischen Polizei über aus Deutschland gelieferte Scharfschützengewehre österreichischer Produktion verfügen. Das geht aus der Beantwortung einer Anfrage der Linken Abgeordneten Sevim Dağdelen im Bundestag hervor. 

 

Sport

 

Fußball

 

Manchester City hat das Topspiel in der englischen Premier League gegen Chelsea am Samstag im eigenen Stadion mit 1:3 verloren. Das Team von Trainer Pep Guardiola ging in der ersten Hälfte durch ein Eigentor von Gary Cahill (45. Minute) in Führung, in der zweiten drehten die Londoner das Spiel. Chelsea baute damit die Tabellenführung aus, Manchester liegt nach 14 Runden vier Punkte dahinter.

 

Abwehrspieler Sergio Ramos hat Real Madrid im 233. Liga-Clásico gegen den FC Barcelona in letzter Minute ein Unentschieden gerettet. Beim 1:1 (0:0) im Camp Nou köpfte der spanische Nationalspieler in der 90. Minute den Ausgleich für Real. Zuvor hatte Angreifer Luis Suarez Barcelona in der 53. Minute in Führung gebracht. Damit konnten die Katalanen den Abstand auf Tabellenführer Real nicht verkürzen - sie liegen jetzt bei 28 Punkten gegenüber 34 für die Königlichen.

 

Im Skandal um Kindesmissbrauch im britischen Fußballverband gerät jetzt auch Chelsea unter Druck. Der ehemalige Fußballprofi Gary Johnson sagte am Freitag dem "Daily Mirror", er sei als Jugendlicher vom damaligen Talentscout des Vereins, Eddie Heath, missbraucht worden. Chelsea habe ihn jedoch mit einer Zahlung von 50.000 Pfund (knapp 59.500 Euro) zum Schweigen bringen wollen.

 

Biathlon

 

WELTCUP, ÖSTERSUND (SWE): 10 KM, SPRINT, HERREN, 03.12.2016

 

1

Martin Fourcade

0+0

23:31,9

2

Fredrik Lindström

0+0

+ 41,5

3

Arnd Peiffer

0+0

+ 43,6

4

Benedikt Doll

0+1

+ 44,1

5

Julian Eberhard

1+1

+ 46,0

6

Dominik Windisch

0+0

+ 50,6

7

Anton Babikow

0+0

+ 55,6

8

Simon Desthieux

0+0

+ 56,0

9

Dmytro Pidrutschnji

0+0

+ 56,5

10

Simon Fourcade

1+0

+ 57,3

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